Westlife 'No.1' Tour 2005'
Halle, 2.April 2005
Review by Lynn

Da sich Westlife entschieden haben in Deutschland nur ein Konzert in München und eines in Halle/Westfalen zu geben, musste ich nach Halle. Da ich zuerst ja noch nicht wusste, ob ich mit dem Zug oder mit meinen Eltern fahren würde, musste ich alleine zum Konzert gehen. Ich weiß auch nicht, ob Julia wieder mitgekommen wäre, wenn ich ihr die Hälfte der Karte bezahlt hätte. Aber ich hätte auf keinen Fall auch noch ihre Bahnfahrt mitbezahlen können, deshalb ging es nicht. Anne und Alois fuhren mich hin, bzw. wir übernachteten in Bielefeld und bevor ich zum Konzert ging sollte ich noch mit nach Bielefeld. Wir fuhren also morgens los. Auf einer Raststätte waren ganz viele Schalkefans; zum Glück hatte ich nicht mein Bayerntrikot an. Um 11 Uhr kamen wir dann in einen Stau. Nach einiger Zeit, in der wir gar nicht vorwärts kamen, fing ich an Mathe für die mündlichen Realschulabschlussprüfungen zu lernen. Als ich gerade beim zeichnen war ging es natürlich weiter. War ja klar, gerade da wo ich keine Erschütterungen gebrauchen konnte. Naja, ich machte die Zeichnung dann trotzdem zu Ende, auch wenn sie etwas verwackelt ist. Der Stau hatte eine Dreiviertelstunde gedauert. Das Wetter war sehr gut und im Auto war es sehr warm, weil die Sonne die ganze Zeit durch die Fenster knallte. Wir haben ja kein Auto mit Klimaanlage. Aber lieber einen elf Jahre alten Opel Corsa, als gar kein Auto. In Bielefeld sind wir dann durch die Stadt gelatscht. Da war ein Mann, der gerade 30 geworden war und Kronkorken auffegen musste, so lange bis ihn eine Jungfrau küsst. Natürlich wurde ich angesprochen, aber ich habe ihn nicht geküsst. Ich weiß, dass ich gemein bin, aber ich hatte keine Lust einen Fremden zu küssen. Wir sind dann shoppen gegangen. Ich habe sogar eine Hose gekauft, oder eher mir kaufen lassen. Meine Mutter wollte, dass ich die helle nehme, aber ich habe mich natürlich für die dunkle entschieden. Nachdem wir Ewigkeiten durch die Stadt gelatscht waren fuhren wir dann nach Halle, wo ich erstmal in einem kleinen Imbiss eine große Portion Pommes mit Ketchup gegessen habe. Gerade als ich angefangen hatte zu essen piepte mein Handy. Natürlich lies ich den Pommes, den ich gerade in der Hand hatte, schnell fallen und las erstmal die SMS. Es war keine gute Nachricht. Pizarro war verletzt ausgewechselt worden. Dann ging es zum Gerry Weber Stadion. Im Auto bekam ich die nächste SMS. Schweinsteiger hatte das Führungstor für Bayern gemacht. Nun war ich wenigstens etwas erleichtert. Um kurz nach 16 Uhr waren wir da und ich stellte mich dann an. Ich war langsam ein ganz kleines bisschen aufgeregt. Aber eigentlich eher kaum. Bayern führte dann 2:0 durch ein Eigentor. Die Zeit verging sehr langsam. Ich stand ja auch alleine da, im Gegensatz zu den ganzen anderen, die sich unterhielten und lachten. Ich beobachtete erstmal mein Umfeld und suchte nach einem Opfer, das ich mit meiner Gesellschaft nerven wollte. Rechts hinter mir stand eine Gruppe 12 bis 13 jähriger Hyperfans. Das eine Mädchen war echt heftig. Sie hatte so ein komisches Leuchtding auf dem Kopf, ein "Nicky"-Stirnband, ein selber genähtes Irlandshirt, auf ihren Armen standen Schriftzüge, wie zum Beispiel "Irish boys do it best" und natürlich war sie wie die anderen Mädchen extrem geschminkt. Vor mir waren zwei Mädchen, die ich gar nicht einsortieren konnte. Irgendwie waren sie etwas komisch und sehr auf einander bezogen, so dass man gar nicht mit ihnen ins Gesrpäch kommen konnte. Rechts vor mir war ein Mädchen mit ihrem Freund. Sie hatte extrem hellblaue Augen. Das sah schon irgendwie wieder unheimlich aus. So wie ein Husky. Hinter mir standen drei Mädchen, die mir irgendwie bekannt vorkamen. Die eine, die mir am bekanntesten vorkam, sah aus wie 16. Die anderen beiden nur knapp älter. Sie öffneten dann aber erstmal eine Flasche Champagner, die sie mal eben zu dritt austranken und ich merkte, dass ich wohl abwarten müsste, wer auf dem Gelände neben mir in der Schlange stehen würde. Der Einlass auf das Gelände sollte eigentlich um 16:30 Uhr sein, das stand zumindest auf der Karte. Es fing dann um 17 Uhr an. Es wurden aber immer nur 5 Leute auf einmal hereingelassen, so dass es etwas dauerte. Getränke musste man dann dort in den Müll werfen und Fotoapparate musste man bei einem Zelt abgeben. Naja, das hatte ich ja schon vorher befürchtet. Auf dem Gelände konnte man sich zwar etwas zum Trinken kaufen, aber bei den Preisen hatte man lieber keinen Durst, außerdem wollte man sich ja lieber anstellen und keine Zeit verschwenden. Die Schlange war sehr lustig. Sie ging vom Eingang ins Stadion einmal nach hinten und dann wieder nach vorne und dazwischen waren keine Absperrungen. Ich stand hinter den drei Mädchen, die den Champagner getrunken hatten, aber sie schienen ganz nett zu sein. Sie waren auch nicht so jung wie sie aussahen, sondern schon 22 und 23 Jahre alt. Ich musste sie sogar nicht mal ansprechen, da mich die eine ansprach, weil sie meinte mich zu kennen von dem letzten Konzert in Hamburg. Sie waren allerdings aus Bielefeld und nicht aus Hamburg. Wir standen also die ganze Zeit an. Zwischendurch wurde die Schlange einmal in zwei Teile getrennt, weil die Leute mit Sitzplatzkarten durchkommen mussten. Ich wurde dadurch von den drei Mädels getrennt. Sie sagten dann aber, dass ich zu ihnen gehöre und ich durfte noch mit zum anderen Teil der Schlange. Eigentlich sollte um 18 Uhr der Einlass in das Stadion beginnen. Um 18:20 Uhr wurden wir dann alle aufgefordert uns hinzusetzen. Es sollten immer nur kleine Gruppen nach Anweisung aufstehen und dann in die Halle gelassen werden. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es klappen würde. Ich war mir eigentlich sicher, dass wir den schlechtesten Standpunkt hatten, weil wir genau in der Kurve standen. Ein Mann mit Megaphon sagte noch mal, dass wir nicht aufstehen oder drängeln dürften und alle lachten. Als die ersten Leute Eingelassen wurden standen alle auf. Aber niemand drängelte. Es war erstaunlich. Alle standen ruhig an. In der Halle ging ich den drei Mädchen einfach hinterher. Wir standen dann links vorne in der vierten Reihe. Es war schon kurz vor 19 Uhr, wo das Konzert beginnen sollte. Meine Füße taten weh, was ja durchaus verständlich war, nachdem ich durch Bielefeld gelatscht war und danach dann 3 Stunden angestanden hatte. Aber ich stand dafür in der vierten Reihe. Es hatte sich also gelohnt. Es war sehr hell im Stadion. Die Bühne war nicht zusehen, da schwarze Vorhänge hingen, aber links und rechts davon waren zwei große Leinwände. Weil es so hell war konnte man auf den Leinwänden kaum was erkennen. Es liefen auf den Leinwänden irgendwelche Musikclips, von Liedern die man aber nicht kannte. Oder ich nicht kannte, aber aktuelle Videos waren es auf jeden Fall nicht. Um kurz nach halb Acht kam dann endlich die "Vorgruppe". Es war Néle. Die ist, wie sie sagte auf der zweiten CD von "Zeichen der Zeit", aber ich glaube niemand kannte sie. Aber ihre Musik war ganz okay. Ich glaube nicht, dass jemand die Musik mochte, aber es war nicht so schlimm, wie Jasmin Wagner letztes Jahr und deshalb wurde sie auch nicht ausgebuht. Ich war immer noch nicht aufgeregt. Auch keine Vorfreude. Gar nichts. Nach dem Vorprogramm liefen dann wieder Musikclips, aber manchmal wurde das Foto eines Westlifers dazwischen gezeigt, dann kreischte natürlich die ganze Halle los. Ein Mann stellte dann die Mikrophone hin und stellte die Höhe ein. Das Mikro direkt bei mir stellte er auf seine Nasenhöhe, alle anderen auf seine Kinnhöhe. Die Leute vom roten Kreuz reichten einpaar Wasserbecher durch, aber es waren natürlich viel zu wenig. Es würde also Mark bei mir stehen. So war es auch schon in Hamburg. Auf der Leinwand sah man nun die Fans. Der Kameramann filmte durch das Publikum, wie bei Sportveranstaltungen in Amerika. Viele Fans hielten ihre Schilder hoch, um ins Bild zu kommen. Ein Notarzt hielt dann sein Notarztschild hoch und kam auch auf die Leinwand. Alle im Stadion lachten. Um 20:30 Uhr kamen dann auch endlich Westlife auf die Bühne. Sie kamen von hinten durch die Halle. Zuerst sah man nur die Schatten von ihnen vorne auf der Leinwand. Ich konnte sie auch nur auf der Leinwand sehen, da sie auf der rechten Seite der Halle langgingen und ich ja links stand. Irgendwie sahen sie erst gar nicht aus wie die richtigen Westlifer. Aber dann begannen sie die Show mit "Uptown Girl". Wie erwartet stand Mark direkt bei mir. Es waren vielleicht 3 Meter bis zu ihm. Kians Haare sahen doof aus. Mark sah eigentlich sehr gut aus, schien aber nicht zufrieden zu sein, da er sofort als der Scheinwerfer von ihm weg war erstmal seine Haare zurecht strubbelte. Nicky sah besser aus, als ich erwartet hatte, bzw. er sah gut aus. Seine Haare waren gar nicht so übermäßig blondiert. Shane sah aus wie immer. Mark hatte schon am Anfang eine verschwitzte Stirn. Die Jungs blieben aber nicht so stehen, sondern nahmen eigentlich sofort die Mikros aus den Ständern und so stand jeder mal direkt vor mir. Ich war natürlich glücklich, aber es war total anders als im letzten Jahr. Ich sang natürlich die Lieder mit und kreischte mit den anderen Fans, aber ich war nicht so aufgeregt. Nach vier Liedern, die wie im Flug vergingen verschwanden Westlife dann um sich umzuziehen. Hinten auf der Bühne hing dann ein riesiges "Unbreakable"-Tuch. Nach wieder vier Liedern kam auf einmal eine riesige Feuerfontäne und weg waren sie. Die Fontäne war echt hell und warm gewesen und ich hatte noch einige Zeit dieses helle Licht vor Augen. Sie hatten dann graue Anzüge an, nicht wie am Anfang schwarze. Es war der Medleyteil des Konzerts. Das Medley bestand aus 5 Liedern: "Disco Inferno", "Pretty Woman", "She’s in love with me / I feel fine", "Don’t stop till get enough" und "Footloose". Es war unglaublich, Westlife tanzten tatsächlich, was man sonst kaum erleben darf. Nach dem Medley verschwanden sie wieder und es wurde dann eine Bar auf der Bühne aufgebaut. Es war Zeit für den RatPackTeil. Sie trugen dazu wieder schwarze Anzüge. Nicky setze sich dann an die Bar, aber die Bühne war noch nicht erleuchtet. Dann kamen die anderen rein und begannen zu singen. Nicky hatte ein Glas mit irgendeinem Getränk und unterhielt sich mit Kian, als Shane sang. Gerade als er ein Schluck nahm, machte Kian einen Witz und er prustete sein Getränk auf den Tresen. Ob das geplant war weiß ich nicht, aber es irritierte Shane, der ja eigentlich singen musste, aber zum Glück sangen die Fans ja für ihn weiter. Am Ende des ersten Liedes, "Ain’t that a kick in the head", sah Mark gar nicht gut aus. Er schwitzte total doll, obwohl er gerade gar nichts machte und die anderen Westlifer auch nicht schwitzten und guckte ganz lange nach unten, bevor er sich dann auf einen Barhocker setzte. Nicky sagte dann irgendwas zu ihm und er schüttelte nur den Kopf. Er sah wirklich so aus, als ginge es ihm schlecht. Seine Stimme war schon als er vorher einmal mit den Fans sprach etwas komisch gewesen, aber ich dachte es läge nur am Mikro. Der Sound war generell etwas schlecht, wie ich fand. Westlife waren einfach zu leise. Man hörte sie zwar noch, aber die Fans waren lauter. Danach kam dann Marks Lieblingslied vom Album, "Smile". Mark schien es dann auch nach dem Lied wieder besser zu gehen, denn er nahm sich einen weichen Flummiball, der auf die Bühne geworfen worden war und spielte damit, bis Nicky und Kian versuchten ihn gleichzeitig wegzuschießen. Nicky tanzte mit Kian aus Spaß so was wie einen Walzer, bis Kian ihn an den Hintern fasste und er ihn wegstieß. Es war zwar bestimmt einstudiert, aber es war trotzdem lustig. Was nicht einstudiert war, war, dass Nicky ein Kuscheltier dem Barchef zuwerfen wollte und versehentlich eine Flasche traf. Nach dem Lieblinslied von Kian, "Mack the Knife" gingen sie dann wieder von der Bühne. Danach sangen sie noch zwei Lieder und dankten dann der Band, der Crew, den Fans und allen Möglichen Leuten. Dann verschwanden Sie. Aber wie immer war die Zugabe schon eingeplant. Natürlich schrieen alle nach der Zugabe und dann kam sie. Westlife kamen vorne auf so kleinen ca. ein Quadratmeter großen Plattformen aus dem Boden der Bühne und fuhren langsam in ca. drei oder vier Meter Höhe. Die Plattformen waren nur an einer schmalen Schiene hinten festgemacht. Und sie wackelten etwas. Sie standen alle etwas steif auf den Plattformen, was ja auch kein Wunder war, bei der Höhe. Danach ging das Licht dann ganz aus. Natürlich wurde noch mal das "Zugabe"-Rufen laut, aber dann ging auch im ganzen Stadion die Beleuchtung an und alle strömten nach draußen. Dann wollte ich ja noch zum Fanshop, was allerdings sehr unlustig wurde. Beim Fanshopstand wurde gedrängelt. Und die Leute, die etwas gekauft hatten kamen kaum noch raus. Ich rutschte eigentlich eher immer weiter nach Hinten und kam gar nicht voran. Als ich endlich dran war gab es keine Programmhefte, Poster und auch keine Nicky oder Kian Photodrucke mehr. Also kaufte ich mir einen Schlüsselanhänger, ein T-Shirt und eine Mark-Photokarte. Anne und Alois waren dann auch schon da und ich wollte noch kurz einen Crêpe auf dem Gelände essen, aber der Teig war leider auch schon alle. Gehen konnte ich auch kaum noch, weil meine Beine und Füße so schmerzten. Also ginge ich mit letzter Mühe zum Auto. Natürlich hatte ich vergessen meinen Fotoapparat abzuholen. Aber Alois war so nett ihn mir zu holen. Sonst hätte ich ihn dagelassen. Es war ja eh nur ein Billigfotoapparat gewesen. Wir fuhren dann noch kurz zu einem BurgerKing und ich aß erstmal eine Portion lauwarme Pommes. Danach gingen wir dann in das EtapHotel, in dem wir gebucht hatten. Der Türcode war 728707. Zum Glück hatten wir so einen einfachen Code, sonst hätte ich ihn bestimmt vergessen. Nachts konnte ich dann leider aber nicht schlafen, weil Alois schnarchte und Anne natürlich ab 4 Uhr morgens gelesen hat (das Licht hat gestört). Wir fuhren dann nach Hause und ich war sogar noch pünktlich zum Formel 1-Rennen Zuhause. Das Konzert war aber einfach irgendwie nicht so toll wie das erste. Beim ersten Konzert konnte ich gar nicht glauben, dass wirklich Westlife vor mir standen und es war eben das erste Mal, dass ich sie live singen hörte. Außerdem war Julia dabei und ich hatte eine riesige Vorfreude, weil ich schon Wochen vorher sie damit genervt habe, dass wir bald dahin gehen würden. Dieses Mal habe ich realisiert, dass Westlife vor mir standen, aber ich hatte keine Vorfreude, weil die Zeit davor einfach viel zu stressig war. Ich hatte gar keine Zeit mich richtig zu freuen und ich war alleine da. Da war niemand gegenüber dem ich aufgeregt hätte sein können. Und hinzu kam natürlich noch, dass viele Lieder ja die Selben wie auf dem letzten Konzert waren. Es war natürlich toll und hat auch Spaß gemacht, aber ich war nicht so aufgeregt und hysterisch. Okay ich war auch bei dem ersten Konzert nicht hysterisch. Aber war da dieser "Oh-mein-Gott-sie-stehen-wirklich-vor-mir!"-Effekt. Außerdem konnte man Westlife ja auch nicht so gut hören, weil sie einfach zu leise waren. Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass ich zu alt dafür werde. Es lag einfach an der fehlenden Vorfreude und der Tatsache, dass ich alleine da war. Aber eigentlich war es schon derbe geil!

Von Lynn Baumgarten
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