Westlife: "Wir sind keine Boygroup mehr"
Taken from: Yam, November 2004



Exklusiv! Im Yam!-Talk verraten die vier smarten Iren wie sie sich in die Charts und die H
erzen swingen wollen...


So happy und entspannt hat man Westlife lange nicht gesehen! Beim Yam-Interview in Köln sind Nicky (26), Shane (25), Kian (24) und Mark (24) ansteckend gut drauf und sprechen ganz offen über ihre Pläne, ihren neuen Style, ihre Zukunft sowie gute und schlechte Zeiten in der Band...

Yam: Ursprünglich wolltet ihr ein Duettalbum aufnehmen, nun wurde es eine Swing-CD. Warum?

Shane: Nach Brians Ausstieg haben wir uns anders entschieden. Denn die Duette hätten so gewirkt, als würden wir versuchen, Brian bei jedem Song zu ersetzen. Deshalb kam uns die Idee, besser so eine Art 'Rat Pack'-Album à la Frank Sinatra & Co zu machen. Darum heißt die CD auch 'Allow us to be frank' (VÖ 8.11, Anmerkung der Redaktion)

Yam: Ein Vergleich mit Robbie Williams liegt da sehr nahe. Der hat auch bereits ein Swing-Album gemacht...
Nicky: Stimmt! Aber es war nicht nur Robbie, der Songs in Sinatras Swing-Style aufgenommen hat. Da gab es einige Künstler. Aber wir sind die erste vierköpfige Band, die es gemacht hat. Und: Wir kopieren niemanden und ahmen nicht nach. Wir greifen nur diese 'Rat Pack'-Ära auf. Diese Art von Musik gehört schliesslich niemandem allein.

Yam: Das Swing-Album könnte eher ältere Leute ansprechen und nicht so sehr eure typischen Westlife-Fans. Sagt ihr damit Goodbye zu eurem alten Boyband-Image?
Nicky: Das ist nicht unsere Absicht. Die Songs sind Klassiker, und wir hoffen natürlich, dass sie auch unseren jüngeren Fans gefallen. Wir haben uns weiterentwickelt und machen mit diesem Album einfach mal was anderes in unserer Karriere. Außerdem bleibt der Ausflug in den Sinatra-Style höchstwahrscheinlich einmalig.
Mark: Wir sind jetzt sechs Jahre im Musikbiz und haben bisher 5 Alben veröffentlicht. Darum wollten wir einfach mal was Neues, Frisches machen - etwas, das man von Westlife nicht erwartet hätte. Das war eine tolle Herausforderung!

Yam: Andere Boybands, die erst nach euch kamen, sind längst Geschichte oder lösen sich gerade wieder auf. Was denkt ihr darüber?
Mark: Es fühlt sich gut an. Am Anfang prophezeiten alle, dass es Westlife nur 2 oder 3 Jahre geben wird. Da freut es uns natürlich sehr, dass wir immer noch dabei sind. Denn normalerweise haben die Leute von einer Boyband nach spätestens 3 Jahren genug. Aber wahrscheinlich sind wir keine Boyband im üblichen Sinne mehr. Bei uns geht es nicht darum, dass wir jung sind und einen Waschbrettbauch haben, sondern darum, dass die Leute unsere Stimmen mögen. Wir sind reifer geworden und haben uns weiterentwickelt. Natürlich sind wir stolz auf den Erfolg, zumal er zeigt, dass wir kein One-Hit-Wonder waren.

Yam: Und wie lange wird es Westlife vorraussichtlich noch geben?
Shane: Wir werden uns nach dem neuen Album und der Tour im Frühjahr wieder zusammensetzen und dann entscheiden, ob wir weitermachen wollen. Natürlich sagen wir jetzt, dass wir noch gerne sechs weitere Jahre als Westlife arbeiten wollen, doch man kan sich nicht so weit im vorraus festlegen. Da sind wir realistisch und machen alles Schritt für Schritt.

Yam: Gab es schonmal einen Punkt, an dem ihr euch trennen wolltet?
Kian: Bestimmt ist uns auch das schon mal durch den Kopf gegangen, als wir zum Beispiel um fünf Uhr morgend aufstehen mussten oder wochenlang unsere Familien nicht gesehen haben. Doch auf der anderen Seite: Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir das alles überhaupt machen dürfen. Denn wie viele Künstler auf der Welt haben überhaupt die Möglichkeit, ein sechstes Album rauszubringen? Nur sehr wenige! Darum fühlen wir uns sehr geehrt und sind happy über diese Chance.

Yam: Was war eure schlechteste Erfahrung als Band?
Mark: Als wir 2001 für zwei Monate in den USA auf Promotiontour waren, war das für die Band die härteste Bewährungsprobe. Wir sind jeden Tag in zwei Bundesstaaten aufgetreten und haben fast 20 Stunden am Stück gearbeitet. Das hat Westlife fast kaputtgemacht. Am Ende hätten wir uns beinahe getrennt, da alle total fertig waren.

Yam: Gibt es etwas, das ihr gerne rückgängig machen würdet?
Kian: Ganz ehrlich, wir wünschen uns natürlich, dass Brian nicht gegangen wäre. Aber er war nicht happy, also war es richtig so. Denn wenn er unzufrieden geblieben wäre, hätte sich das auch auf die Band ausgewirkt, vielleicht hätten wir uns dann sogar aufgelöst. Aber wir sind mit Brian immer noch gut befreundet und treffen uns, wenn wir in London sind.

Yam: Wie sehen denn eure Zukunftspläne aus?
Shane: Wir gehen im Frühjahr auf 'Red Carpet'-Tour und werden auch zwei Gigs in Deutschland spielen. Allerdings werden wir kein reines Swing-Konzert geben, sondern in den etwa anderthalb Stunden eine typische Westlife Show präsentieren.