Der Ire (allgemein) |
Volkscharakter: |
Typisch für den Iren sind Redelust und Freude an Wordgefechten; er hat
eine blühende Phantasie. Selbst in mißlicher Lage wird er selten
dumpf oder träge sein, sondern - notfalls mit des Alkohols - in eine Welt
der Träume flüchten. Fremden gegenüber sind die Iren aufgeschlossen,
liebenswürdig und hilfsbereit.
Der Besuch einens 'Pubs' ist immer noch in erster Linie eine Angelegenheit der
Männer und - wie in Großbritannien - nach festen Stunden geregelt.
Im Grunde ein gutes
Herz - Über den Iren: |
"Zwei Arten von Iren kann ich nicht austehen. Die eine Sorte versucht
sich immer so zu benehmen, wie sich ihrer Meinung nach die Engländer benehmen.
Die andere versucht sich ihrer Meinung nach immer wie Iren zu benehmen. Letztere
können mich zur Verzweifelung bringen." schreibt der Schriftsteller
Sean O'Faolain in einer seiner satirischen Kurzgeschichten. Das gängige
Klischee vom Iren, den kauzigen, pfiffigen Paddy, der zwischen Schwermut und
Lebenslust einen vergeblichen Tanz aufführt, erfreut sich immernoch großer
Beliebtheit. Padyy, das ist im britischen Raum ein Schimpfwort, das sämtliche
abwertenden kolonialen Vorstellungen über den Iren zusammenfasst. Die Iren
sind demnach trotz ihrer rauhen Lebensbedingungen ein fröhliches Völkchen
voller Geschichten und Lieder, immer zu einen Scherz bereit, der schnell in
tiefste Melancholie umschlagen kann. Sie sitzen am liebsten nach einen langen
arbeitslosen Tag im Pub, trinken Guinness oder Whiskey und erzählen von
ihren Heldentaten - gegen Cromwell und die für die Freiheit, oder wie sie
neulich, 1916, das Hauptpostamt von Dublin besetzt hatten.
Stets wird dem Klischee heftig widersprochen, von engagierten Irlandreisenden
ebenso wie von den Iren selbst, auch wenn von letzteren manchmal der folkloristische
professional Paddy gern gepflegt wird. Sei es auf der Bühne oder zu vorgerückter
Stunde in einem ländlichen Pub, wenn nach reichlich alkohlolischen Getränken
einem beonders pfiffigen Kauz der Schalk im Nacken sitzt und er sich mir den
Touristen ein Späßchen erlaubt.
Die Besonderheiten jedoch, die den gesamten Charme Irlands ausmachen, haben
die Modernisierung einer westlichen Gesellschaft gottlob überlebt: die
Herzlichkeit, das freundliche Interesse, das nicht nur öberflächliche
Höflichkeit ist und das Bemühen, die besten Seiten der jeweiligen
Heimatregion und sich selbst zu zeigen. Dazu gehört auch die Neugier und
die Lust an jedem Plausch, sei es an der Tankstelle, auf dem Dorfpostamt oder
im Supermarkt. Kaum eine Situation wird ausgelassen, um Fremde nach dem Woher
und Wohin zufragen, meist mit der Obligatorischen Wetterbemerkung eingeleitet:
"Ist es nicht ein schöner/ scheusslicher/ vielversprechender Tag?"
Und "Gefällt ihnen Irland?" Ausweichen kann man einem Gespräch
nur, wenn man sich wortkarg und somit unhöflich gibt, denn was immer man
antwortet und für wie schlagfertig man sich auch hält, Iren nehmen
jede Antwort als Herausforderung für einen langen Disput.
Ein Gespräch bedeutet dabei keineswegs endlose Selbstreflexion, sondern
durchaus lebendigen Dialog. Das Woher und Wohin richtet sich keineswegs auf
metaphysische Fragen, sondern auf den konkreten Weg des Gegenübers und
ist ein willkommerner Anlass, um wortreich zu erläutern, was man zu den
einzelnen Orten, historischen Daten oder Menschen alles zu erzählen weiss.
Und weiss man etwas nicht, dann werden die Lücken mit um so fantasievolleren
Geschichten ausgefüllt. Sigmund Freud soll behauptet haben, dass die Iren
das einzige Volk der Welt seen, das überhaupt nicht für die Psychoanalyse
geeignet ist: Sie seien allzu bereit, Träume zu erfinden, und sie fänden
das Ausspinnen von Lügengeschichten allemal interessanter als die Wahrheit.