Constance Markiewicz |
![]() "Für die Freiheit werde ich leben, werde ich sterben" |
Der Name Markiewicz, nach dem zahlreiche Straßen und öffentliche
Gebäude benannt sind, wirkt im Olymp der irischen Nationalhelden ziemlich
befremdlich. Den Iren jedoch geht der polnische Zungenbrecher genauso geläufig
über die Lippen wie O'Connell oder Pearse. Tatsächlich war die schöne
Gräfin, die im irischen Freiheitskampf eine bedeutende Rolle spielte und
im ersten irischen Parlament als einzige Frau zum Kabinett gehörte, eine
geborene Gore - Booth aus Sligo. Ihren exotischen Namen erwarb sie erst durch
die Heirat mit dem polnischen Grafen Casimir Markiewicz. Dass Constance, Mitglied
des protestantischen Landadels, dereinst eine irische Revolutionärin werden
würde, wurde ihr bei ihrer Geburt im Jahr 1868 keineswegs in die Wiege
gelegt. Freiheit war jedoch von Anbeginn ein Anliegen von Constance, wenn auch
zunächst nur auf ganz persönlicher Ebene. Obgleich englischstämmig,
galt sie als Inbegriff des "wilden irischen Mädchens", wie es
sich die englische Gesellschsaft vorstellte: respektlos, spontan und wagemutig.
Die Rituale ihrer Schicht und ihres Geschlechts - Teegesellschaften, Picknicks
und wohlerzogene Konversation - interessierte sie genausowenig, wie eine standesgemäße
Heirat.
In Paris, wo sie Kunst studierte, lernte sie Casimir Markiewicz kennen, einen
adeligen, aber mittellosen Künstler aus Polen, sechs Jahre jünger
als sie, Witwer und katholisch - alles andere als eine standesgemäße
Verbindung im Sinne ihrer Familie. Das Paar ließ sich in Dublin nieder,
wo Constance mit den Kreisen der "Gälischen Renaissance" um Yeats,
Lady Gregory, Maud Gonne und anderen in Berührung kam. Sie schrieb Artikel
und Theaterstücke, gründete die Fianna, eine Art Pfadfindertruppe,
die dem Ideal der Mythologischen Armee der Kelten nachstrebte, und trat der
Partei Sinn Féin bei, für die sie 1909 auch kandidierte. Prägend
für ihre weitere politische Arbeit waren jedoch die Begegnung mit dem sozialistischen
Arbeitsführer Jim Larkin und später mit James Connolly, durch die
sie zur glühenden Nationalistin Sozialistin wurde. Ihr Mann Casimir, von
dem sie sich mitterweile entfremdet hatte, kehrte in seine Heimat zurück.
Ostern 1916 nahm Constance in Dublin aktiv am Aufstand teil. Sie kam wie nahezu
alle ihrer Gefährten ins Dubliner Kilmainham Gefängnis und wurde wie
die anderen zum Tod durch erschiessen verurteilt, als Frau zu ihrem Leidwesen
jedoch begnadigt und in ein englisches Gefängins gesteckt. Ein Jahr später,
1917 wurde sie freigelassen. Der Kampf war für sie damit noch nicht zu
Ende. Mehrmals noch wurde sie verhaftet und interniert. 1918, als sie wieder
im Gefängins saß, wurde sie von Sinn Féin als Kandidatin aufgestellt
und gewählt. Constance gehörte als Arbeitsministerin zum illegalen
Kabinett und war neben Alexandra Kollontai in der Sowjetunion die erste und
für lange Zeit einzige Frau, die einer Regierung angehörte.
Noch zwei Jahre dauerten die Guerillakämpfe an, bis Irland eine relative
Unabhängigkeit erkämpfen konnte. Constance hielt den Vertrag von 1921,
der Irland teilte, für einen unerträglichen Kompromiss. Sie stellte
sich aktiv auf die Seite der IRA, als der Bürgerkrieg ausbrach. Wieder
kam sie ins Gefängins, diesmal wurde sie von der irischen Polizei verhaftet.
Nach ihrer Entlassung mußte sie sich zwangsläufig mit der Situation
abfinden, dass sich ihre Träume einer irischen sozialistischen Republik
nicht erfüllt hatte. 1927 starb sie nach einer Blinddarmoperation im Kreis
ihrer Freunde und ihrer Familie und wurde auf dem Friedhof in Glasnevin im Norden
Dublins beigesetzt.