"Hi Süße, rat mal was ich heute rausgefunden hab?" "Keine Ahnung." Seufzend ließ sich Alex neben dem Telefon nieder. Wenn ihre beste Freundin Kristina anrief konnte es sich nur um ein Stundengespräch handeln und eigentlich musste sie noch lernen. "Also du hast doch mal was davon gesagt, dass hier so ein Sommerfest stattfinden soll, wo auch einige Stars auftreten. "Ja, und?" "Rat mal wer da kommt." "Keine Ahnung." Alex zählte aber trotzdem ein paar unbekannt Stars auf, die auf keinen Fall ihrem Geschmack entsprachen. "Ja, die auch, aber noch jemand. Fängt mit W an hört mit ESTLIFE auf." "Nee!" "Doch!" "Ahh, dass ist ja geil!" "I know." "Man, mir geht’s grad besser. Wann ist das?" Kristina gab ihr noch schnell die Daten durch, dann legten sie auf. "Yes!" Alex reckte die Hand in die Luft. "Was geht denn mit dir?" Ihre kleine Schwester schaute sie verwirrt an. "Westlife kommen! Westlife kommen!" Tänzelnd lief sie wieder zurück in ihr Zimmer. Das würde jetzt, nach der "Greatest Hits Tour" das zweite Mal in diesem Jahr sein, dass sie die Boys sehen würde. Manchmal konnte das Leben schon geil sein!

***

Zwei Wochen später war es dann endlich so weit. Kristina kam zu Alex und sie machten sich gemeinsam für den Abend fertig. Es war zwar erst kurz nach Mittag, aber sie wollten unbedingt in der ersten Reihe stehen, deswegen musste sie schon früh da sein. "Man, was soll ich bloß anziehen?" Alex durchwühlte ihren Kleiderschrank. "Hier." Kristina bückte sich, hob ein Top mit einem witzigen Spruch auf und reichte es ihr. "Okay, okay." Grinsend gab sie sich geschlagen und suchte für Kristina ein Outfit zusammen. Schließlich schminkten sie sich etwas und machten sie sich auf den Weg zum Festgelände.

Vor dem Eingang hatte sich schon eine kurze Schlange gebildet, deshalb hockten sie sich zu den anderen Leuten, die wartend da saßen und versuchten die Zeit totzuschlagen. Ein Raunen ging durch die Menge, als die Tore endlich geöffnet wurden. Die Kontrolle dauerte noch etwas, aber dann konnten sie zur Bühne stürmen. "Warte, mein Schuh." Fluchend bückte Alex sich. "Jetzt komm endlich!" Kristina riss ihr den Schuh aus der Hand und stürmte nach vorne. Wohl oder übel musste sie ihr nun folgen und kam hinkend neben ihr an. "Wer sagt’s denn?" Grinsend hielt Kristina ihr den Schuh vors Gesicht. "Boah, weg damit." Sie rümpfte angewidert die Nase und schlüpfte dann schnell wieder hinein. Noch zwei Stunden, dann würden sie endlich ihre Lieblinge sehen.

"Man, kann die bald mal fertig sein?" Kristina schrie Alex ins Ohr um sich verständlich zu machen. Sie verdrehte die Augen. Warum mussten die Besten eigentlich immer zum Schluss kommen? Die Sängerin, die in der letzte halbe Stunde auf der Bühne gestanden hatte und irgendwas von sich gegeben hatte, dass grottenschlecht war wurde mit mittlerem Applaus verabschiedet und die Moderatorin trat wieder auf die Bühne. "So, und nun kommen wir zu einer der Hauptattraktion des Abends. Ich wette wegen ihnen sind so einige Mädels hier." Sie grinste in die Runde. "Laber net soviel." Kristina verdrehte wieder die Augen und Alex musste grinsen. Dasselbe hatte sie auch gedacht. "Und nun einen riesigen Applaus für die Jungs von der Grünen Insel. Hier sind WESTLIFE!" Ihre letzten Worte gingen beinahe im Gekreische der Menge unter und alle starrte erwartungsvoll auf die Bühne. Endlich. Da kamen sie. Es wurde noch mehr applaudiert und gekrischen, aber die Jungs lächelten nur und begannen ihnen mit "World of our own" so richtig einzuheizen. Danach richtete sie ein paar Worte an die Zuschauer und sangen "Swear it again", "My love" und "Uptown Girl". Kristina und Alex tanzten so richtig ab. Die Tussis neben ihnen musterten sie schon schräg, aber das war ihnen egal. Sie waren hier um Spaß zu haben und den hatten sie bei Liveauftritten von Westlife immer. Alex’ Blick glitt wieder zur Bühne, denn sie wollte natürlich keine Sekunde von dem Minikonzert verpassen. Shane war gerade dabei seine Strophe zu singen und sie schaute von Bryan über Kian zu Nicky. Bei ihm blieb sie hängen. Er sah wieder mal so geil aus. Alex musterte ihn von oben bis unten und schenkte ihm ein Lächeln. Er fing es auf und lächelte zurück. Immer noch tanzend stupste sie Kristina an, die an Kian, der ebenfalls einen heißen Anblick bot, hängen geblieben war. Grinsend deutete sie auf Nicky und bemerkte im selben Augenblick, dass er Kian auf sie aufmerksam gemacht hatte, der nun auch zu ihnen hinüber blickte. Kristina flüsterte ihr etwas ins Ohr und Alex hob beide Daumen nach oben. Leise zählten sie bis drei und warfen den Boys gleichzeitig und grinsend einen Luftkuss zu. Kian und Nicky blickten sie einen Moment verwirrt an, dann wiederholten sie die Geste. Strahlend schauten die Mädels zu ihnen empor. Die beiden waren echt zu süß! Als Zugabe sangen sie dann noch "When you looking like that" und "Unbreakable" und wieder trieben sie ihr Blickkontaktspiel mit Nicky und Kian, die gar nicht mehr aus dem Grinsen herauskamen. Viel zu schnell war die halbe Stunde, die für jeden Act eingeplant war vorbei und die fünf verabschiedeten sich, begleitet von dem tosenden Applaus. "Gehen wir auch?" Alex nickte. Die Sänger, die jetzt noch kamen waren nicht unbedingt ihr Geschmack.

***

"Komm wir gehen noch Eis essen." Endlich standen die beiden vor den Toren und wurden nicht mehr durch die Menge gequetscht. Sie machten sich auf den Weg zu ihrer Lieblingseisdiele und setzten sich dort an einen der großen Tisch im hinteren Teil des Innenraums. "Nicky und Kian waren echt süß, oder?!" "Aber Hallo!" Wieder mussten sie grinsen. Die Reaktion der beiden... Darüber würden sie bestimmt noch in 20 Jahren reden. Livio, der Kellner, brachte den bestellten Schokobecher und sie probierten erst mal ein paar Löffel. "Entschuldigung, ist bei euch noch frei?" Livio stand wieder vor ihnen und musterte sie fragend. "Ich hab da fünf nette Herren und leider kein Platz mehr, außer hier." "Ja klar." Alex rückte schon etwas zur Seite und warf Kristina einen leicht genervten Blick zu. Keine persönlichen Weibergespräche mehr. Mit meiner Waffel fuhr sie durch das Eisbällchen und zeichnete grinsend ein N hinein. Kristina übermalte das ganze mit einem fetten K, bevor sie sich schließlich auf WL einigten.

"So bitte schön." Die nette Stimme von Livio klang zu ihnen hinüber und sie blickten auf. "Hi." "Hi", stammelten die beiden nur nur. Der Mann der sich gerade an ihrem Tisch niederließ war kein anderer als Bryan McFadden von Westlife. "Ach... Hallo." Kian erschien hinter ihm und grinste sie an. "So sieht man sich wieder." Er drehte sich zu Nicky um, um ihm mitzuteilen, dass sie auch da waren. Sein Bandkumpel schmunzelte zu ihnen hinüber und setzte sich dann ausgerechnet gegenüber von Alex hin. Shane und Mark kamen schließlich auch noch dazu und sie mussten enger zusammen rutschen, aber solange es die fünf Boys waren... "Und alles klar?" Kian grinste sie wieder an. "Klar." "Das sind übrigens die Mädels von denen wir euch erzählt haben." "Oh oh." Betreten schauten Alex und Kristina unter sich. Sie wollten lieber nicht wissen, was Kian und Nicky so alles über sie gesagt hatten. "Aha..." Mark musterte sie neugierig. "Euch scheint’s ja gefallen zu haben, nachdem was man so gehört hat." Auch er musste grinsen. "Was habt ihr den erzählt?" Kristina wand sich frech an Kian, der neben ihr saß und seine Augen auf Alex’ Top gerichtet hatte um den Spruch zu entziffern. "Och, eigentlich nur, dass ihr mit uns geflirtet habt", sagte er schließlich und blickte sie an. "Geflirtet?! Na darunter versteh ich aber was anderes." Alex nickte heftig und die Jungs brachen in Lachen aus. "Ihr seid ja noch schlimmer als erzählt wird." Kopfschüttelnd musterte sie die fünf Westlifer. "Unsre dunklen Geheimnisse. Früher oder später kommt alles raus." Bryan kicherte immer noch und die Boys stimmten mit ein. Irgendwann lachte der ganze Tisch und sie unterhielten sich schließlich noch bis weit nach Mitternacht mit den fünf Iren, die wirklich superlieb waren.

***

Am nächsten Morgen fuhren Kristina und Alex wieder in die Stadt um shoppen zu gehen. Sie durchstöberten gerade die CD-Abteilung von Karstadt, als jemand auf Kristinas Schultern tippte und sie herumfuhr. "Shane, was macht ihr denn hier?" "Wir wollten mal schauen, was es hier so gibt." "Oh nein, verfolgt ihr uns?" Lächelnd tauchte Alex, mit einer Blue-CD in der Hand, hinter ihnen auf. Sie begrüßten die Boys ebenfalls herzlich. "Guckt mal, sie geht fremd." Bryan deutete auf Alex’ Cd und sie musterte ihn verständnislos, bis auch bei ihr der Groschen fiel. "Bei eurem Gesülze muss das früher oder später passieren." Sie grinste ihn an und Shane knuffte ihr gespielt beleidigt in die Seite. Jedes Mal wenn er ihre sensible Stelle erwischte zuckte sie zusammen und musste sich schließlich hinter Nicky verstecken, der sich auch sofort schützend vor sie stellte. "Was habt ihr jetzt noch so vor?" Kristina wand sich mit ihrer Frage an Mark, der als Einzigster noch "normal" zu sein schien. "Wir wollten uns noch bisschen umschauen und dann müssen wir zum Hotel zurück." "Ja kommt, dann gehen wir jetzt, oder?!" Shane ließ endlich von Alex ab und führte die Gruppe die Rolltreppe hinunter, zurück in die Einkaufspassage.

Nach den zwei Stunden, die sie schließlich noch zusammen und albernd verbracht hatten schlugen die Boys vor sie zum Hotel zu begleiten, wo sie noch zusammen essen könnten. Während Shane und Bryan die Mädchen in den Speisesaal führten, holten die anderen drei Boys schon mal die Zimmerschlüssel und machten sich auf den Weg zum Fahrstuhl.

***

"Die beiden sind nett, oder?!" Kian drückte den Aufzugsknopf und schaute sich suchend nach den restlichen Bandmembers um. "Auf jeden Fall!" Nickys Augen blitzen auf. "Alex ist wirklich süß." "Aha..." Mark, der gerade hinzugekommen war grinste ihn an. "Haben wir was nicht mitgekriegt?" "Ich will auch wissen um was es geht." Shane kam angesprungen und musterte seine Kumpels neugierig. "Nicky findet Alex süß", klärte Kian ihn mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf. "Aha..." Shane musste ebenfalls grinsen und ließ sich widerwillig von Bryan in den Aufzug drücken. "Vielleicht sollten wir sie langsam und vorsichtig darauf vorbereiten, nicht das sie vor Schreck stirbt", witzelte Bryan. Die anderen begannen zu kichern. "Ihr seid echt blöd!" Nicky versuchte sich zu verteidigen. "Ich mag sie, aber mehr nicht." "Jaja..." Die Jungs hörten schon gar nicht mehr richtig hin, sondern grinsten sich nur wieder einen ab.

***

Nach 15 Minuten tauchten die fünf wieder im Restaurant auf und setzten sich zu Alex und Kristina. Gemeinsam bestellten sie eine Kleinigkeit zum Essen und unterhielten sich, bis Luis Walsh, der Manager der Band, kam und die Lads darauf aufmerksam machte, dass sie bald fahren mussten. Gemächlich tranken sie ihr Guiness aus. Bryan langte noch mal in den Brotkorb um sich mit Proviant einzudecken, was wieder für blöde Sprüche sorgte. Schließlich begaben sie sich doch Richtung Hinterausgang. "Okay, aber wir hören voneinander, oder?!" Shane stand vor Kristina und musterte sie fragend. "Klar!" "Du hast meine Nummer?" Nicky trat lächelnd auf Alex zu und diese nickte. Im Hintergrund grinsten sich Shane und Kian an und warfen sich bedeutende Blicke zu, bevor auch sie sich von den Mädchen verabschiedeten und gefolgt von Mark und Bryan in den Kleinbus stiegen, dessen Fahrer schon ungeduldig wartete.

***

Durch die Arbeit an dem neuen Album konnten sie sich leider nicht mehr sobald treffen, was besonders Kristina und Alex sehr bedauerten. Zum Glück lebten sie aber im 21. Jahrhundert, so dass sie durch Telefon, Email und SMS in Kontakt blieben. Zwischen den sieben war mittlerweile eine gute Freundschaft entstanden und besonders Nicky und Alex verstanden sich immer besser. Sie waren beste Freunde geworden und sie sah in ihm außerdem noch einen großen Bruder, den sie nie gehabt hatte.

***

"Herzlichen Glückwunsch!" Eine ganze Gruppe fiel Alex um den Hals und bewarf sie beinahe mit Geschenken. Es war ihr Geburtstag und den wollte sie heute ausgiebig feiern. Sie setzte sich zu den anderen an den Tisch und stieß mit ihnen an, doch sie kam gar nicht dazu etwas zu trinken, denn es klingelte schon wieder. "Ich komm ja schon." Sie nahm doch noch einen Schluck Baileys und ging dann zur Tür um zu öffnen. "NIC!" Kreischend fiel sie dem Westlifeboy um den Hals und wurde von ihm herumgewirbelt. "Herzlichen Glückwunsch, Kleine." Er drückte ihr einen Kuss auf die Wange und ließ sie wieder auf den Boden zurückgleiten. "So, jetzt lass mich auch mal." Shane drängte seinen Kumpel zur Seite und sprach ebenfalls, gefolgt von Mark und Kian, seine Glückwünsche aus, bevor sie ihr nach innen folgten. Auch Kristina, die lächelnd im Türrahmen stand wurde von ihnen begrüßt. "Woher wusstet ihr denn, dass ich feiere?" Mark deutete lächelnd auf Kristina. "Von ihr. Sie hat es Bry erzählt." "Oh, du..." Alex sprang auf ihre Freundin zu und umarmte sie dankbar. "Wo ist er eigentlich?" fragte Kristina, die sich ohne einen Erstickungsanfall aus der Umklammerung hatte lösen können. "Ach so, hätten wir fast vergessen, aber Molly und Lilly sind krank und er muss auf sie aufpassen. Wir sollen aber schöne Grüße ausrichten." "Okay, bestell ihm schöne Grüße zurück", sagten Kristina und Alex wie aus einem Mund. "Wird gemacht!" Kian stellte sich stramm hin, wie es sonst nur beim Militär übrig ist. "Blödmann." Kristina gab ihm einen Klaps auf den Oberarm und zog ihn dann hinter sich her auf die "Tanzfläche". "Wollt ihr was trinken?" Alex deutete auf den Kühlschrank und setzte sich dann zusammen mit Shane und Nicky auf eine der Holzbänke, während Mark drei Bier holte.

Am späten Abend saßen schließlich nur noch ein paar Gäste an den Bierzeltgarnituren und Alex, Kristina und die vier Westlifer gesellten sich zu ihnen. Nicky holte noch schnell was zu trinken, setzte sich dann breitbeinig hinter Alex und legte einen Arm um ihre Schultern. "Und ihr seid jetzt also diese Typen von Westlife", lallte Paul, ein Kumpel von Alex. Mark nickte. "Seid gar nicht so übel." Er schlug ihm mit voller Wucht auf den Rücken, so dass Mark sich an seinem Bier verschluckte und mit einem Hustenreiz kämpfen musste. Kian reichte ihm grinsend eine Servierte und fing Marks missgestimmten Blick auf. "Und wer von euch ist jetzt schwul?" Paul ergriff wieder das Wort. Kian sah ihn verblüfft an. "Na in jeder Band gibt es mindestens einen Schwulen und zwei von euch sollen doch was miteinander haben. Hab ich zumindest schon paar mal gehört. "Ach so, na klar." Shane blickte plötzlich zu Nicky hinüber und begann zu grinsen. Kichernd nahmen sie sich nun an der Hand. Alex, Kristina, Mark und Kian brachen in Lachen aus, während Shane und Nicky verzweifelt versuchten ernst zu bleiben, was ihnen aber nicht wirklich gelang. Paul, der mittlerweile auch kapiert hatte, dass sie ihn nur verarschten stand grinsend auf. "Ihr seid schon welche." Wieder klopfte er Mark auf die Schultern und dieser zuckte schon etwas zusammen. "Wir gehen dann mal, ne." Er und die restlichen Gäste umarmten Kristina und Alex, bevor sie sich auf den Heimweg machten.

***

"Gehen wir auch ins Bett?" "Ja, bitte!" Kian gähnte herzhaft und hängte sich dann an Kristina, damit sie ihn hochziehen konnte. "Man, bist du schwer." Sie wand sich aus seiner Umklammerung und drückte ihn mit viel Anstrengung die Treppe hinauf. Schließlich hatten sie es geschafft in Alex’ Zimmer anzukommen, indem sie heute mit sechs Personen übernachten mussten. "Mist, unsere Sachen sind noch unten." Shane und Mark gingen wieder nach unten und Kian und Kristina, die sich wieder mal am ärgern waren stürzten hinterher.

Alex streckte sich gähnend neben Nicky aus. Diese Nacht würde sie sich mit ihm das Bett teilen, da sie nur noch eine Schlafcouch und eine Luftmatratze für die anderen zur Verfügung hatte. "Nic?!" "Mh?" "Danke, dass ihr heute Abend da wart!" Sie streckte ihre Arme aus um ihn fest zu umarmen. "Kein Problem. Wir hatten ja auch unseren Spaß." "Trotzdem. Das war der beste Geburtstag in meinem Leben. Danke!" Sie drückte ihm einen schnellen Kuss auf den Mund. "Du bist das Beste, was mir jemals passiert ist, weißt du das?" flüsterte Nicky und stützte sich auf seinen Ellenbogen ab. Mit der freien Hand strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ich mag dich!" "Ich dich auch!" Alex lächelte ihn an und legte ihren Kopf auf seine nackte Brust, die sich bei jedem Atemzug hob und senkte. Sie konnte seinen Herzschlag hören. Es klopfte unheimlich schnell, so dass sie ihm zur Beruhigung mit den Fingern über den Bauch fuhr. Nicky zuckte ein klein wenig zusammen und hielt ihr Handgelenk umklammert. "Was?" Alex blickte fragend auf, aber Nicky bedeutete ihr mit einem Nicken sich wieder hinzulegen. Er starrte an die Decke und begann liebevoll ihren Nacken zu kraulen.

Von unten hörte man ein Poltern und keine Sekunde später standen Kristina, Kian, Shane und Mark lachend und mit Taschen bepackt im Zimmer. "Oh, stören wir?" Kian warf sich auf die Luftmatratze und grinste zum Bett hinüber. "Seht ihr doch." Alex hob schläfrig den Kopf. "Wir können ja wieder gehen." "Und tschüss." Nicky grinste und zog Alex noch ein Stück näher an sich ran. "Bitte nicht hier." Shane hielt sich schmunzelnd die Hände vor die Augen und tastete sich zum Sofa vor. "Toll, und wir?" Mark und Kristina standen immer noch ohne Schlafplatz im Raum. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Kian streckte ihnen die Zunge raus und Kristina sprang auf ihn zu, um ihn von der Luftmatratze runter zu schubsen, während Mark sich neben Shane niederließ. "Und wehe du trittst heute Nacht." "Das mach ich nur wenn Nicky neben mir liegt. Der braucht immer so viel Platz", maulte Shane. "Gar nicht war." Ein Kissen flog durch die Luft und traf Mark, aber das Nächste verfehlte sein Ziel nicht. Natürlich feuerte Shane zurück, aber er traf nur Alex’ Gesicht. "Aua! Das war meine Nase." "Shane das nasenbrechende Monster. Bitte lass sie leben, ich brauch sie noch", warf Kristina lachend ein. "Danke!" Alex schickte einen Luftkuss zu ihr hinüber und knipste dann das Licht aus. "Mach dich nicht so breit." Das war Marks Stimme und alle lachten auf. "Und ich soll viel Platz verbrauchen", sagte Nicky in die Dunkelheit hinein. "Das ist mein Bett, also denk erst gar nicht dran." Alex kuschelte sich gähnend in seine Arme und war kurz darauf eingeschlafen.

***

Vorsichtig befreite Alex sich aus Nickys Umarmung. Sie wollte ihn und die anderen auf keinen Fall wecken und tapste auf Zehenspitzen aus dem Zimmer in die Küche. "Morgen." Mark, der ausnahmsweise mal richtig früh wach war, stand schon am Fenster und blickte ihr lächelnd entgegen. "Na, gut geschlafen?" "Klar." Sie gähnte nochmals herzhaft. "Willst du ein Kaffee?" Ohne seine Antwort abzuwarten ging sie zum Schrank und holte zwei Tassen heraus. "Sag mal, was läuft eigentlich zwischen dir und Nicky?" fragte er plötzlich neugierig. "Nichts." Alex füllte Wasser in die Kaffeemaschine und drückte auf den Startknopf. "Warum?" Sie drehte sich um und lehnte mit ihrem Hintern an der Ablage. "Naja... also gestern." Mark musste grinsen. "Nicky ist für mich wie großer Bruder und bester Freund gleichzeitig. Ich mag ihn und wir verstehen uns echt super, aber mehr ist da nicht." Shane hielt vor der Tür inne. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass bei Nicky nicht nur freundschaftliche Gefühle im Spiel waren, was die Beziehung mit Alex anging. Jetzt, wo sie gerade mit Mark darüber sprach, konnte es sich vielleicht lohnen zu zuhören. Er konnte seinen Bandkumpel erkennen, der schweigend nickte und nach der Zeitung griff. Das Gespräch schien beendet zu sein. Seufzend schob er die Tür auf. "Guten Morgen."

***

"Und wann kommen sie nun?" Kristina blickte fragend zu Alex, die gerade ihr Telefonat mit Nicky beendet hatte. "Gleich. Sie stehen noch im Stau." Seufzend ließ sie sich auf ihrem Koffer nieder. Natürlich hatte es wieder ewig gedauert, bis sie aus dem Flugzeug rausgekommen waren und jetzt mussten sie auch noch hier warten. Kristina hockte sich neben sie. "Ich freu mich auf nachher und morgen." Alex nickte nur. Morgen würden sie backstage beim "Dome" sein. Die Westlifer hatten das für sie organisiert, aber jetzt war sie total müde und wollte eigentlich nicht sehnlicher als endlich im Hotel zu sein. Noch bevor sie ein Ton darüber verlauten lassen konnte, legten sich zwei Hände über Kristinas Augen. "Ähm...Kian?!" Natürlich war er es und Alex lief auf Nicky zu um ihn zu umarmen. "Hi Kleine." Er schloss sie fest in die Arme. "Hi Großer." Sie grinste ihn an und begrüßte dann die restlichen Westlifejungs.

Gemeinsam schoben sie sich zum Ausgang, wo schon ein Kleinbus bereit stand. Langsam quälte sich der Wagen durch das regnerische Novemberwetter, bis er schließlich vor einem noblen Hotel zum stehen kam. "Macht’s auch schon mal gemütlich, wir müssen noch zum Soundcheck. In zwei Stunden sind wir wieder da." Bryan und die anderen winkten ihnen noch kurz hinterher, um dann zur Halle zu fahren, in der "The Dome" statt finden sollte.

Gegen Nachmittag gingen Alex und Kristina dann hinunter in die Lobby um auf die fünf Boys zu warten. Sie hatten die Zeit genutzt um sich noch mal hinzulegen, denn heute Abend wollten sie auf jeden Fall irgendwo feiern gehen. Eine Viertelstunde später kamen Westlife endlich. Nicky und Bryan stapften müde an ihnen vorbei und gingen sofort auf die Zimmer, aber Shane, Mark und Kian setzten sich mit ihnen in ein Cafe und schmiedeten Pläne für den Abend.

***

"Nic, kann ich reinkommen?" Alex stand wartend vor seiner Zimmertür und kurz darauf öffnete er schlaftrunken. "Was gibt’s?" "Ich soll dir Bescheid sagen, dass wir gleich essen gehen wollen und dich fragen, was du für danach vorschlägst." "Ja, komm erst mal rein." Er schloss die Tür hinter hier. Alex’ Blick fiel auf das unordentliche Bett. "Hast du geschlafen?" Anstatt einer Antwort gähnte er bloß. "Eigentlich wollte ich grad duschen." "Oh naja, ich kann auch wieder zu den anderen gehen." "Ach was, in zehn Minuten bin ich fertig. Du kannst ruhig hier bleiben." Er schob sie von der Tür hinüber zum Bett und verschwand im Bad. Alex sah sich in dem Zimmer um. "Fanpost?! Kann ich lesen?" "Ja klar. Aber nur die offenen, sonst komm ich durcheinander." "Okay." Sie widmete sich den Briefen und für fünf Minuten hörte man nur das Plätschern des Wassers. Kurz darauf kam Nicky nur mit einem Handtuch um den Hüften aus dem Bad. Alex blickte auf und öffnete einen weiteren Umschlag. "Aha... sogar Tangas bekommst du geschickt." Grinsend hielt sie das Unterwäschenstück hoch und besah es sich von allen Seiten. Nicky, der bereits wieder in Boxershorts steckte kam auf sie zu und sie hielt ihm den String prüfend an den Hintern. Lachend griff er danach, ließ ihn auf den Boden fallen und stieß Alex zurück aufs Bett um sie durchzukitzeln. "Nicky hör auf", kicherte sie und startete die Gegenattacke. Schließlich rollten die beiden lachend übers Bett und blieben atemlos nebeneinander liegen. Nicky beugte sich über sie und sie lächelten sich zu. Sie versanken gegenseitig in den Blicken des anderen und er senkte den Kopf ein Stück mehr. Immer noch starrten sie sich an. Es war nichts zu hören, außer ihrem Atem, der durch die Toberei und das Lachen stoßweise ging.

Das Summen der Tür ertönte und Luis stand im Raum. Nicky schreckte auf und blickte den Manager von Westlife irritiert an. "Programmänderung. Das Interview von morgen früh wird auf heute Abend vorgezogen." "Warum das?" Nicky sah zerknirscht aus, als er aufsprang und zum Kleiderschrank ging. "Weil’s jetzt besser passt für alle." Für mich aber nicht, dachte Nicky und zerrte ein Oberteil heraus. "In zehn Minuten in der Lobby." Luis’ Blick glitt noch mal zu Alex, dann verschwand er um Bryan aufzusuchen. Schnell schlüpfte Nicky in Jeans und T-Shirt, bevor er Alex einen entschuldigenden Blick zuwarf und sie zusammen hinunter zu den anderen gingen.

Nach dem Interview und Fotoshooting bestiegen Westlife wieder den Kleinbus. Shane setzte sich nach hinten zu Nicky, der trübselig den Regentropfen nachstarrte, die an der Fensterscheibe hinunterrollten. "Hey, was ist los?" Er stupste seinen Bandkumpel an. "Nichts." Er war abweisend, aber Shane ließ nicht locker. "Wegen Alex?! Was ist passiert?" Nicky seufzte. "Wir haben rumgealbert und dann hätte ich sie fast geküsst, aber Luis kam rein." Sein Freund schwieg. "Verdammt Shane, ich hab mich voll in sie verliebt." Ermattet ließ er seinen Kopf gegen die Fensterscheibe sinken. Shane sah ihn mitleidig an und legte schließlich seine Hand auf den Arm seines Bandkumpels. Sollte er ihm erzählen, was er zufällig an dem Morgen nach Alex’ Geburtstag mitbekommen hatte? Noch bevor er sich zu einer Entscheidung durchringen konnte, hielt der Wagen vor dem Hotel.

***

Den Abend verbrachten die fünf zusammen mit Alex und Kristina auf der VIP-Party des "Dome". Die Mädels hatten es tatsächlich geschafft die Jungs, die ja nicht grade tanzbegeistert waren, auf die Tanzfläche zu zerren, die noch ziemlich leer war. Mark nutzte die Chance um Alex anzutanzen und sie ging auch auf den harmlosen Flirt ein. Dabei bemerkte sie gar nicht, dass Nicky sich davon stahl. Shane blickte ihm hinterher. Vielleicht war es besser ihn mal alleine zu lassen. Seufzend drehte er sich wieder zu Alex, Mark und Bryan um, die wenigstens noch geistig anwesend waren und nicht wie Kristina und Kian im siebten Himmel zu schweben schienen.

Die beiden waren sowieso schon den ganzen Tag nicht auseinander zu kriegen. Jetzt, wo ein langsameres Lied gespielt wurde lagen sie sich in den Armen. "Ich würd sagen wir haben das neue Traumpaar gefunden", spottete Bryan und betonte die letzten Worte extra laut, so dass Kian aufblickte. "Lassen wir sie." Alex warf Kristina einen spitzbübischen Blick zu, hakte sich bei den Jungs ein und zog sie durch das Getümmel zur Theke.

Nicky saß ebenfalls dort und spielte mit einem leeren Wodkaglas. "Hey alles klar?" Sie umarmte ihn von hinten, so dass er etwas zusammen zuckte. Er nickte stumm. "Sicher?" Alex ließ mit fragendem Blick ihr Kinn auf seine Schultern sinken. "Jaaha", brummte er nur kurz, drehte sich müde lächelnd zu ihr um und umfasst ebenfalls ihre Taille. "Kommst du mit tanzen?" "Nee. Tanz lieber mit Mark." "Er will nicht mehr." Mit einem knappen Nicken deutete sie hinüber zum anderen Ende der Theke, wo er mit Shane und Bryan zusammen saß. "Schade, dir scheint’s ja Spaß gemacht zu haben." Er wand sich wieder ab und bestellte zwei Drinks und prostete ihr zu. Alex, die den eifersüchtigen Unterton in seiner Stimme nicht bemerkt hatte, trank in einem Zug die Hälfte aus, zog ihn dann lächelnd zu Bryan, Mark und Shane, stellte die Gläser ab und ging auf die Tanzfläche. "Jetzt komm schon." Sie drehte sich wieder nach ihm um, um zu sehen ob er ihr folgte. "Nun geh endlich." Shane gab Nicky einen freundschaftlichen Schubs und sah ihn bestimmt an. Immer noch wiederwillig ging er auf sie zu und wurde von Alex in Gewühl gezogen. Dort begann sie um ihn herumzutanzen. Nicky stand gelangweilt darum, aber als der Typ neben ihr versuchte sie anzutanzen, packte er sie und zog sie an sich. So tanzten sie eine ganze Weile und er ließ seine Händen über ihre Hüften, Bauch und Hintern gleiten. Alex grinste ihn an, schmiegte sich enger an ihn und ließ ebenfalls ihre Finger wandern, bevor sie sich wieder wegdrehte und wieder mit dem Typ von eben flirtete. Nicky schaute sich das Treiben eine Weile an, aber dann gewann seine Eifersucht doch Oberhand und er zog sie mit sich fort.

"Hey, was sollte das denn jetzt?" Alex blickte ihn leicht wütend an. "Nix, aber ich will nicht, dass du mit dem rummachst." "Erstens hab ich nicht mit dem rumgemacht und zweitens ist das ja wohl meine Sache, oder?!" Sie machte sich von ihm los. Nicky blickte betreten unter sich. "Hör zu, es tut mir leid. Ich kenn den Typ. Er macht sich an jede ran und ich will nicht das er dir weh tut." Mit seinem Dackelblick guckte er sie an. Alex schaute von ihm wieder zurück auf die Tanzfläche. Der Typ, mit dem sie vorhingeflirtet hatte, machte sich schon an ein anderes Mädchen ran. "Schon okay." Sie winkte ab und folgte Nicky zu Theke. Er hatte es ja bloß gut gemeint.

***

"Hier muss es sein." Kristina blickte durch die Gitterstäbe des hohen Zauns auf ein großes Haus und drückte eilig auf den Klingelknopf. Eigentlich sollten sie nächste Woche zur Hochzeit von Shane und Gillian kommen, aber da sie zu dem Zeitpunkt im Urlaub waren, den sie leider nicht verschieben konnten, hatten sie sich entschlossen die Westlifer schon heute zu besuchen um wenigstens mal die zukünftige Frau Filan kennen zu lernen. Das Tor schwang zur Seite und die beiden traten auf das Grundstück der McFaddens. Schon von weitem kam Bryan auf sie zu gelaufen. "Da seid ihr ja endlich. Kommt erst mal rein." Er ließ die Mädchen eintreten und sie standen seiner Frau Kerry gegenüber. "Hi, ich bin Kerry." "Hi." Alex und Kristina begrüßten sie und folgten ihr dann ins Wohnzimmer, wo schon Shane, Gillian, Kian, Mark und Nicky saßen. Natürlich wurden auch sie begrüßt und Gill, die sie ja auch zum ersten Mal trafen war ebenso nett zu ihnen, wie vorhin schon Kerry. "Dann können wir ja endlich essen." Bryan stand am Türrahmen gelehnt da und beobachtete ungeduldig die Begrüßungszeremonie, bis er einfach hinüber ins Esszimmer ging. Lachend folgten die anderen und nahmen an dem großen Tisch Platz.

Während des Essens redeten sie über die bevorstehende Hochzeit und Dinge, die während der Zeit in der sie sich nicht getroffen hatten passiert waren, bevor sie schließlich wieder ins Wohnzimmer wanderten um den Abend bei einem Glas Wein und DVDs ausklingen zu lassen. Kian und Kristina hatten sich schon lange vorher verabschiedet und schließlich brachen auch die anderen auf. Mark fuhr zusammen mit Shane und Gill zurück nach Sligo, aber Alex machten sich gemeinsam mit Nicky auf den Heimweg, denn sie hatte sich zusammen mit Kristina ein Zimmer in einem Hotel genommen, dass nicht all zu weit von dem Haus der McFaddens entfernt lag und er wollte sie dorthin begleiten.

***

"Scheiße", entfuhr es Alex plötzlich, als sie in die Straße vom Hotel einbogen. "Was?" Nicky sah sie fragend an. "Kristina hat die Zimmerschlüssel..." "...und ist mit Kian unterwegs. Wahrscheinlich sogar im Hotel", fügte er grinsen hinzu. "Super! Der Kandidat hat 100 Punkte", sagte sie ironisch. "Naja, ich denke mal, dass die beiden jetzt nicht gestört werden wollen." Nicky grinste sie an. "Also wenn’s dir nichts ausmacht kannst du auch bei mir pennen." "Echt?! Das wär lieb. Danke!" Sie umarmte ihn kurz und hakte sich dann bei ihm unter. Gemeinsam schritten sie durch die kalte Dezembernacht den Weg zurück und alberten miteinander herum, so dass sie gar nicht bemerkten, dass sich dunkle Wolken über ihnen zusammen brauten. Erst als es schon anfing zu tröpfeln beschleunigten sie ihre Schritte, was ihnen allerdings auch nicht mehr viel nutzte, denn kurz bevor sie Nickys Penthousewohnung erreichten, ging ein heftiger Schauer runter und sie wurden förmlich durchweicht. Eilig schloss Nicky die Tür auf und drückte den Aufzugsknopf, der auch so gleich kam. Bibbernd fuhren sie nach oben. Die Wassertropfen rannten an ihnen herunter und bildeten ringsum eine Lache. Alex Wimperntusche war total verlaufen und die Haare klebten bei beiden auf der Stirn. "Du siehst echt heiß aus", lachte Nicky. "Und du? Hast du etwa im Regen gestanden?" fragte sie und strubbelte ihm durch die Haare. "Igitt." Sie wischte ihre nassen Finger an seiner durchweichten Jacke ab, wodurch sie auch nicht viel trockener wurden. "Du gehst jetzt aber erst mal unter die heiße Dusche und ziehst was trockenes an, sonst wirst du krank", sagte er und blickte besorgt an ihr herunter. "Ja Papa." Grinsend folgte sie ihm aus dem Aufzug, der mittlerweile im letzten Stockwerk angekommen war, in die Wohnung, die sie zum ersten Mal betrat.

Von der Diele in der sie jetzt standen führte ein Durchgang zur Küche. Außerdem waren da noch vier weitere Türen, von denen Nicky nun eine öffnete und sie hinein bugsierte. Er gab ihr ein Handtuch und legte es auf den Badewannenrand. Mit der Ankündigung Kakao machen zu wollen, schloss er die Tür hinter sich. Alex zerrte sich die triefenden Kleider vom Leib und sprang unter die Dusche. Nach zehn Minuten stellte sie endlich den Hahn ab. Die Fensterscheiben und der Spiegel über dem Waschbecken war bereits beschlagen. Sie ging hinüber und malte ein Smiley darauf, bevor sie sich abtrocknete und in Nickys Bademantel schlüpfte.

Schnell tapste sie zu ihm in die Küche. " Na, genug Wasser verplempert?" Grinsend drehte er sich zu ihr um und musterte sie bewundernd. Ihre weibliche Figur wurde von dem Mantel umhüllt und ließ tiefe Einsichten in ihr Dekollete. Seine Blicke endeten bei ihren nackten Füßen, die sie die ganze Zeit anhob. "Mein Gott, es ist schweinekalt und du rennst hier barfuss rum. Willst du dich erkälten?" Mit diesen Worten schritt er zu ihr hinüber und nahm sie schwungvoll auf den Arm. Alex war drauf nicht vorbereitet gewesen und klammerte sich hilflos an ihm fest. "Lass mich runter", flehte sie, aber Nicky lachte bloß auf, trug sie hinüber ins Schlafzimmer und setzte sie dort vorsichtig auf dem Bett ab, bevor er ein paar Socken aus der Schublade fischte und sie ihr überstreifte. Sie musste kichern. Erstens war sie kitzelig und zweitens sah es so aus, als hätte sie Quadratlatschen. Nicky grinste sie kurz an und umfasste dann mit beiden Händen einen ihrer Füße. Sie quietschte auf. "Iiihh, ist das kalt." Um sich zu befreien strampelte sie mit den Beinen, aber er war einfach stärker. "Nicholas Byrne, du lässt mich jetzt sofort los und siehst zu das du ins Bad kommst, aber zackig!" Erstaunt lächelnd ließ er von ihr ab und zog ihr die letzte Socke an. Dann stand er auf um duschen zu gehen. "Aber vorher gibst du mir bitte noch was zum anziehen." Alex blinzelte ihn brav an und er zog mit einem blöden Kommentar ein paar Klamotten aus dem Schrank, bevor er verschwand. Kopfschüttelnd blickte sie ihm hinterher. Was doch so manche bestimmten Worte bei Männern für Wirkung zeigten...

Nachdem sie in die Klamotten gesprungen war, ging sie hinüber in die Küche, die an das Esszimmer grenzte und von dem ein paar Stufen ins Wohnzimmer führten, dass mit einer weißen edlen Couch und Kamin ausgestattet war. Alles sah sehr modern und chic aus und es gefiel Alex ziemlich gut. Sie ging wieder zurück in die Küche, setzte sich auf einen Hocker und zog die Füße zu sich ran. Sie fröstelte immer noch ein wenig und schob den Pulli, der nach Nicky roch, über ihre Hände und vergrub ihre Nase darin. "Ist dir immer noch kalt?" Nicky stand im Raum und trug ebenfalls einen Pulli und Sporthose, bei der aber der Bund seiner Boxershorts rausblitzte, was ziemlich sexy aussah. "Bisschen, ja." Ihre Blicke folgten ihm, als er zum Küchenschrank ging, ein Päckchen Kekse und zwei Tassen herausholte und sie ins Wohnzimmer brachte. Alex schlurfte hinterher und ließ sich auf dem Sofa nieder, während Nicky den Kamin anmachte und sich zu ihr setzte. Schweigend tranken sie nun den heißen Kakao und aßen ein paar Kekse. Von außen konnten sie die Regentropfen hören, die gegen die Fensterscheibe schlugen, aber innen war es durch das knisternde Kaminfeuer mollig warm. Alex schmiegte sich an Nicky. Sie fühlte sich geborgen und musste lächeln, als er mit seinem Zeigefinger ihre Gesichtskonturen nachzeichnete. Plötzlich spürte sie seine Lippen auf ihren. Er küsste sie sanft, aber Alex drehte nach einer Weile ihren Kopf weg. "Wir sollten das nicht tun", flüsterte sie. Nickys Blick wurde traurig, trotzdem zog er sie in seine Arme zurück. "Du hast recht. Verzeih mir." Er gab ihr einen Kuss auf das immer noch feuchte Haar und starrte ins Kaminfeuer. Wie hatte er sich nur zu so was hinreißen lassen können?

Am Morgen wurden sie durch das ununterbrochene Läuten vom Telefon geweckt. "Ja", nuschelte Nicky. "Kein Problem." Grummelnd legte er wieder auf. "Wer war’s?" Alex blinzelte. Die schwache Dezembersonne, die durch die Rollladenritzen drang war immer noch viel zu grell, wenn man gerade erst wach geworden war. "Verwählt." Er kuschelte sich wieder unter die Decke. Alex rutschte näher zu ihm. Ihre Hand lag auf seine Brust und sie lauschte auf das Ticken des Weckers. "Ich hab heute Nacht von dem Kuss geträumt", sagte sie schließlich. "Echt?!" Über Nickys Gesicht huschte ein kleines hoffnungsvolles Lächeln und er stütze sich auf seinem Arm auf. "Ich auch." Alex starrte auf die Bettdecke und er spielte mit ihrer Haarsträhne. Seine Hände wanderten zu ihrem Gesicht und er strich lächelnd über ihre Wangen. Wie sehr verzerrte er sich nach ihr. Er liebte ihre blauen Augen mit dem Grün-Grauen Stich, in die er versinken konnte. Sanft fuhr er ihr mit dem Daumen über die Lippen. Wieder verspürte er den Drang sie zu küssen und beugte sich zu ihr hinunter um ihr einen zaghaften Kuss zu geben. Sie erwiderte ihn sogar, zuckte dann aber doch wieder zurück. "Nicky... Du bist mein bester Freund..." "Vergiss es doch einfach mal." Er küsste sie wieder. Diesmal leidenschaftlicher. Alex war wie in Trance. Er küsste so unheimlich gut, dass es ihr die Sinne vernebelte und sich einfach nicht mehr wehren konnte und wollte. Nickys Hände wanderten unter das T-Shirt, dass sie sich gestern Abend von ihm ausgeliehen hatten. Vorsichtig zog er es über ihren Kopf und rutschte an ihr hinunter um ihren Bauchnabel zu liebkosen. Mit seiner Zunge wanderte er wieder höher, bis er bei ihren Brüsten angelangt war. Alex fuhr durch seine Haare und zog ihn wieder zu sich herauf. Sie ließ ihre Hände an seinem Rücken hinuntergleiten und zerrte an seiner Boxershorts, während Nicky ihren Nacken und die Schultern küsste. Schließlich hatte sie ihn von seinem letzten Kleidungsstück befreit und bedeckte jeden Zenzimeter seine nackten Haut mit heißen Küssen. Seine Finger glitten an ihr hinunter und er schob den Tanga über ihren Hintern. Eine Welle der Erregung schoss durch ihren Körper, als er sie an den Stellen weiter unten streichelte und schließlich in sie eindrang. Wieder küssten sie sich leidenschaftlich und verschmolzen ineinander...

Nach dem Liebesspiel lagen sie erschöpft nebeneinander. Keiner wusste so recht was und ob er was sagen sollte und noch bevor sie sich entscheiden konnten, läutete das Telefon schon wieder und Nicky nahm eilig den Anruf entgegen. Alex nutzte diese Gelegenheit und huschte ins Bad. Irgendwie war ihr das Ganze peinlich und sie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Sie schlüpfte schnell in die Klamotten, die noch von gestern Abend im Bad lagen und ging hinüber in die Küche, wo Nicky schon Frühstück machte. "Ich muss gleich ins Studio, aber wenn du magst kann ich dich noch am Hotel absetzten." "Ja okay." Sie rührte konzentriert in der Kaffeetasse herum und Nicky beschäftigte sich mit seinem Brötchen. Die Stimmung war angespannt. Es vielen auch keine Bemerkungen und Sticheleien, wie es sonst bei ihnen üblich war. Nickys Blick fiel schließlich auf die Uhr. "Ich muss um elf Uhr da sein. Wir sollten fahren." "Ist gut." Eilig sprang Alex auf, schnappte sich ihre Jacke und folgte ihm zum Auto.

***

Alex klopfte nochmals an der Zimmertür und endlich wurde ihr geöffnet. Kristina stand da, nur im Bademantel bekleidet und blickte sie fragend an. "Ich wollte gern mal in UNSER Zimmer", meinte Alex. "Oh ähm... ja klar", sagte sie, bewegte sich aber trotzdem keinen Millimeter zur Seite. Alex stöhnte auf. "Wie lang braucht er?" "Fünf Minuten?!" Die Tür wurde geschlossen und sie stützte sich am Türrahmen ab und wartete darauf, dass Kian endlich rauskam. Gerade als sie sich dazu entschloss sich hinzuhocken, ging die Tür auf und Alex fiel fast rückwärts hinein. "Morgen." Kian grinste sie an. "Morgen." Sie rappelte sich wieder auf und drängte in den Raum, während Kristina und Kian sich mit unzähligen Küssen verabschiedeten. Schließlich schloss sich die Tür hinter ihm und Kristina umarmte ihre Freundin glücklich. Sie strahlte wie ein schwangeres Mondkalb, trotzdem bemerkte sie, dass Alex betrübt war. "Was ist los?" Sie bückte sich um die Klamotten vom letzten Abend vom Boden aufzulesen. "Nichts." "Bist du sauer, weil ich gestern einfach abgehauen bin? Es tut mir ja leid, aber Kian..." "Nein." Sie wurde unterbrochen und schaute ihre Freundin irritiert an, denn eine Träne kullerte über Alex’ Wange. "Hey..." Sie umarmte sie heftig und schließlich erzählte ihre Freundin von der `Nacht’ mit Nicky. "Und nun?" fragte Kristina. Alex zuckte schniefend mit den Schultern. "Keine Ahnung. Ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll, schließlich ist er mein bester Freund." Wieder kamen ihr die Tränen, aber sie wischte sich schnell über die Augen und versuchte zu lächeln, denn es hatte geklopft und das war sicher Kerry, die sie zum Flughafen bringen wollte und die mussten ihre Tränen ja nicht gerade sehen.

***

Nicky eilte ins Studio. Er war schon eine Viertelstunde zu spät. Der Lärm von den anderen drang bis auf den Gang hinaus und er stieß die Tür auf. Nur Mark, Bryan und Shane standen da und spielten Tischfussball. "Morgen." Er ließ sich auf der Couch nieder. Anscheinend war er doch nicht der letzte. Kian war bestimmt noch bei Kristina. Er seufzte. Sein Kumpel schien seine Traumfrau gefunden zu haben. Warum konnte es bei ihm nicht auch so sein? "Hey spielst du mit?" Shane blickte zu ihm hinüber, aber er winkte bloß müde ab. "Wo ist-eigentlich Kian?" fragte Mark und versuchte angestrengt den Ball von seinem Tor wegzubekommen. "Bestimmt bei Kristina." Bryan grinste und riss jubelnd die Arme hoch, weil er es geschafft hatte das 5: 4 für sich zu erzielen. Auch die anderen beiden schmunzelten und Nicky wurde wieder schmerzhaft an das Glück von seinem Kollegen erinnert, der gerade strahlend in den Raum trat und sofort von den anderen geneckt wurde. Sie alberten noch eine ganze Weile herum, bis Louis schließlich zu ihnen kam um etwas mit ihnen zu besprechen.

Nach einer Stunde hatte er es endlich geschafft alles Wichtige mitzuteilen und die Jungs machten sich über das Essen her das, auf Bryans Wunsch, geliefert worden war. Nicky verzog sich auf die Toilette. Als er sich die Finger wusch, platze Shane herein. "Sag mal, alles okay bei dir?" Er musterte seinen Kumpel, der mit dem Kopf nickte, im Spiegel und zog die Augenbrauen hoch. "Nein", gab er schließlich doch zu und lehnte gegen die Wand, während Shane ebenfalls zum Waschbecken hinüber ging und ihn fragend ansah. "Ich hab mit Alex geschlafen", platzte es schließlich aus ihm heraus. "Aber jetzt weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll. Wir haben den ganzen Morgen kein Ton miteinander gesprochen." "Und was denkst du was sie will?" "Keine Ahnung. Aber als ich sie gestern Abend geküsst hab ist sie zurückgezuckt und heute morgen hat sie auch gezögert, aber dann ist es doch passiert. Ich weiß es einfach nicht." Shane schwieg. Ihm tat es leid, dass Nicky solches Pech mit seinem Liebesleben hatte, denn seiner Meinung nach passten die beiden perfekt zueinander und manchmal konnte man schon denken, dass sie ein Paar waren, so wie sie sich verhielten. "Und was nun?" "Alex fliegt heute zurück nach Deutschland. Ich weiß nicht wann wir uns das nächste Mal sehen. Vielleicht ist es auch besser so, dann kann ich mir wenigstens noch Hoffnungen machen", fügte er, gleichgültig mit den Schultern zuckend, hinzu. "Aber wenn sie was von dir will..." Nicky lächelte verträumt. "Das wär schön." "Was wär schön?" Kian kam in den Raum und schaute ihn fragend an. In seinen Augen lag immer noch ein glückliches Leuchten, dass er schon seit Tagen mit sich herumtrug. "Wenn das mit dir und Kristina länger halten würde", meinte Nicky schnell, warf Shane einen warnenden Blick zu und drückte ihn zur Tür hinaus.

***

"Hi Süße." Kristina begrüßte ihre Freundin mit Küsschen links, rechts, links und nahm ihren Sekt in Empfang. Alex trat ein und bewunderte die Sylvesterdekoration an den Wänden. Als sie heute Mittag gegangen war, waren sie noch nicht ganz fertig, aber dafür sah es jetzt umso besser aus. "Jakob ist auch schon da." Kristina deutete mit einem Schmunzeln ins Wohnzimmer und schob die Flaschen ins Eisfach. Ihre Freundin musste ebenfalls grinsen und steckte sich einen Brothappen in den Mund, bevor sie zu ihrem Schwarm hinüber ging.

Den ganzen Abend feierten sie ausgelassen, bis Kristina zu Alex hinüber kam und ihr auf die Schultern tippte. "Was?" Sie löste sich aus Jakobs Armen und folgte ihr in die Küche, in der sie ganz alleine waren. "Nicky ist hier." "Echt?" Seit dem sie miteinander geschlafen hatten, hatten sie sich gegenseitig nicht mehr gemeldet, deshalb war ihre Freude schon ziemlich groß. Kristina reichte ihr mit einem etwas besorgtem Gesichtsausdruck den Mantel. "Er wollte draußen warten." Eilig zog Alex die Jacke an und sprang die Treppen hinunter. Unten fiel sie ihrem besten Freund um den Hals. "Hi, schön das du da bist. Magst du mit hoch kommen?" Nicky schüttelte den Kopf. "Ich muss mit dir reden." "Oh." Alex begann sich unwohl zu fühlen und ließ sich auf einer Stufe nieder. Sie konnte ahnen um was es ging und der Gedanke daran war schon etwas beklemmend. "Wegen unserem `Morgen’..." Nicky musste sogar etwas lächeln. `Morgen’ hörte sich irgendwie etwas merkwürdig an. "Ich mein, vielleicht hätten wir das wirklich nicht tun sollen, aber es ist nun einmal passiert und naja... für mich war es wunderschön. Ich hab schon lange davon geträumt." Er musterte sie während des Gesprächs immer wieder, aber in ihrem Gesicht zeigte sich keine Regung. "Ich hab mich in dich verliebt Alex." Sie wand ihren Kopf zu ihm herum. In ihren Augen glitzerten ein paar Tränen. "Nic", stammelte sie und ergriff seine Hände. Wieder schniefte sie, bevor sie weitersprach. "Es war wirklich schön mit dir, aber..." Sie stockte und starrte einen kurzen Moment in den sternenklaren Himmel um dann weiter zu reden. "Ich mag dich wirklich sehr, aber eben nur als guten Freund." Vorsichtig blickte sie ihm von der Seite herauf an. Nicky biss die Zähne zusammen und musste schlucken. Im Grunde hatte er es sich schon gedacht, aber trotzdem tat es weh. "Es tut mir leid", flüsterte sie. "Schon okay." Nicky stand auf und starrte in die Dunkelheit. Mindestens fünf Minuten harrte er so aus, bis er eine Hand auf seinem Arm spürte. "Sei nicht böse, okay?!" Er schüttelte beruhigend den Kopf. Natürlich tat es weh, aber er wollte sie auch nicht ganz verlieren. Plötzlich legte Alex ihre Arme um ihn. "Ich hab dich so lieb", flüsterte sie. Er verbarg sein Gesicht in ihrem Haar. Kleine Tränen liefen über seine Wangen und er wischte sich verstohlen übers Gesicht. "Ist schon gut Kleine." Sie lösten sich voneinander. "Geh rein, sonst erkältest du dich noch. Ich ruf dich dann an, ja?!" Alex nickte und ging langsam zurück zum Haus. Sie wollte ihm die Zeit geben, die er brauchte um wieder wie zuvor mit ihr umzugehen. Nicky blickte ihr nach, wie sie die Treppen hinauf stieg. You see friendship I see love... Irgendwie kam ihm das Lied in den Sinn und er konnte es nicht mehr vergessen. But I want you more than just my friend... You don’t notice there’s something new my heart discovered... Bruchstückchenweise fielen ihm die Textzeilen von dem Lied ein, dass er mal mit den anderen Westlifern verfasst hatte. Aber das es mal auf ihn zu treffen würde hatte er nie gedacht. Nicky seufzte auf. Alex war mittlerweile im Treppenhaus verschwunden und er konnte nur noch sie nur noch schattenhaft erkennen. Er wand sich um und ging die dunkle Straße hinunter. You want friendship I want love...