
Name (Alter) |
Nickname Laudi, Angel (Engelchen) Klanna, Tweety Roxi |
Endlich war es so weit. Endlich war der große Tag ganz nah. Der Tag, an dem Claudia’s größter Traum in Erfüllung gehen sollte – der Umzug nach Irland. Morgen würde es endlich so weit sein. Nervös hantierte sie an einem riesigen Koffer herum, der auf ihrem Bett lag. Wie sollte sie den nur jemals zu bekommen? „Hey, Engelchen, kann ich dir vielleicht irgendwie helfen?“ „Anna, oh Gott sei Dank, dich schickt der Himmel.“ Stürmisch fiel Claudia ihr um den Hals. Sie war froh eine ihrer zwei besten Freundinnen zu sehen. Beide Mädchen würden später mit ihr zusammen ein neues Leben in Irland beginnen. „Sag mal, du willst doch nicht wirklich das alles in diesen Koffer packen? Der explodiert doch spätestens am Flughafen. Ok, die männlichen Passagiere amüsieren sich sicherlich köstlich, wenn sie dir dabei helfen können, deine Unterwäsche wieder aufzusammeln.“ „Haha, sehr witzig. Du bist mir wirklich ein große Hilfe, Klanna. Aber warte es nur ab. In einer Woche ergeht es dir nicht anders. Dann bist du dran mit Koffer packen.“ Claudia zwinkerte ihrer Freundin zu und sprang auf den Koffer. „Schnell, mach ihn zu!“ Lachend schloss Anna die kleinen Riegeln am Koffer. „Du bist wirklich verrückt.“ „Erzähl mir lieber etwas neues.“ Claudia grinste, während sie eine weitere Tasche zum Vorschein brachte. „Das ist jetzt nicht dein ernst, Laudi, oder? Wie willst du das alles tragen können?“ „Ich habe zwei reizende Freundinnen, die mir sicherlich gerne dabei behilflich sein werden.“ „Fragt sich nur von welchen zwei Freundinnen du sprichst?“ Lachend trat Roxi in Claudia’s Zimmer. „Anna? Was machst du denn hier? Ich dachte, du kommst erst morgen zum Flughafen? Schön dich zu sehen.“ Sie umarmte ihre zweite beste Freundin kurz, um sich danach gleich wieder ihrer Tasche zu widmen. „Was ich hier mache? Ich kann doch Anna hier nicht allein mit dir lassen, während du halb durch drehst, weil du morgen endlich in dein heiß geliebtes Irland reisen kannst.“ „Unser heiß geliebtes Irland.“ Stimmten Klanna und Claudia gleichzeitig ein. „Ok, ok, unser geliebtes Irland.“ Daraufhin mussten alle drei Mädchen lachen. „Ihr kommt in einer Woche nach, ja? Nicht, dass ich plötzlich ganz allein in dieser riesigen Wohnung sitze. Ich würde es alleine nie schaffen die Miete zu zahlen. Also lasst mich ja nicht sitzen.“ „Da sieht man mal wieder wie wichtig wir dir sind. Du brauchst uns nur, damit wir dir die Wohnung zahlen. Das ist wirklich unglaublich.“ Roxi schmollte etwas vor sich dahin, aber nur so lange, bis Anna eine Grimasse zog. „Mensch Klanna, kannst du mich nicht einmal Claudia verarschen lassen?“ „Das schaffst du in hundert Jahren nicht. Wir kennen dich beide viel zu gut um zu wissen, wann du uns verarscht und wann nicht.“ „Hm, das stimmt wohl. Oh Laudi, ich werde dich schrecklich vermissen. Wie soll ich die nächste Woche nur ohne dich überleben?“ „Roxi, das ist nur eine Woche und überhaupt hast du noch Anna. Ich bin diejenige, die allein in einer fremden Wohnung, in einem fremden Land sitzt. Also beschwere dich ja nicht.“ Drohend hob Claudia ihren Finger. „Ich kann mir jetzt schon vorstellen wie mir Roxi in der nächsten Woche in den Ohren liegen wird. ‚Ich vermisse Laudi so sehr. Ich halte es hier nicht mehr aus ohne sie. Ich will auch endlich nach Sligo’.“ Anna grinste, als ihr Roxi die Zunge heraus streckte. „Du bist echt blöd, weißt du das?“ „Nein, wusste ich noch nicht, aber danke für die Info.“ Claudia schüttelte nur grinsend den Kopf. Wie würde sie diese zwei Schwachköpfe in der nächsten Woche vermissen.
Die Mädchen waren sichtlich nervös, als sie am nächsten Vormittag am Münchner Flughafen standen. „Und du rufst uns auch sicherlich gleich an, wenn du in Sligo angekommen bist? Du musst mir unbedingt erzählen wie es dort ist. Wie die Wohnung aussieht und ob du unsere Jungs schon getroffen hast.“ Claudia und Klanna mussten lachen. Das war mal wieder typisch Roxi. Es wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn sie jetzt nicht an Westlife gedacht hätte. Schließlich hatten sich die Drei vor drei Jahren durch Westlife kennen gelernt. „Nein, keine Sorge, ich erzähle dir natürlich sofort alles. Ich werde dir täglich einen ausführlichen Bericht erstatten wie es mit mir und Shane so läuft.“ Claudia grinste, als sie Klanna sah. Diese schob ihre Unterlippe beleidigt nach vorne. „Ach Klanna, das war doch nur ein Witz.“ „Ja, sicher. Wie wenn du dir Shane nicht schnappen würdest, wenn du die Gelegenheit dazu bekommen würdest. Ich würde es ja auch machen.“ „Nur so zur Info, Kleine. Shane ist verheiratet und ich lasse die Finger von Männern die vergeben sind.“ Roxi prustete los. „Was?“ „Wie wenn du die Finger von Mr. Filan lassen könntest. Du würdest ihm doch auf offner Straße die Kleider vom Leib reißen.“ „Roxi, ich bin nicht du. Ich mach mit Shane sicherlich nicht solche Sachen wie du mit Kian machen würdest. Ich weiß, was Anstand ist.“ „Boah, das war jetzt fies.“ Beleidigt drehte Roxi sich um. Anna stand die ganze Zeit nur schweigend daneben und genoss das Schauspiel vor sich. „Du versprichst uns anzurufen, wenn du in Sligo angekommen bist? Ich will früh genug bescheid wissen, falls unsere Wohnung eine totale Bruchbude ist und ich mich vielleicht nochmals anders entscheiden sollte.“ „Ach Klanna, du würdest doch sogar in eine Holzhütte ohne Wasser und Strom ziehen. Hauptsache du wärst in Irland.“ „Ja, ok, da hast du auch wieder recht.“ „Letzter Aufruf für den Flug nach Sligo/Irland. Bitte alle Passagiere zum Ausgang 79.“ „Tja, das ist wohl mein Flug. Und wenn ich jetzt nicht meinen Hintern dort hin bewege, dann kann ich erst in einer Woche mit euch nach Irland. Und da ich keine Minute länger hier in Deutschland bleiben will, verschwinde ich jetzt mal schleunigst. Oh Mädls, ich werde euch schrecklich vermissen.“ Claudia drückte Klanna und Roxi noch einmal kräftig an sich. „Wir werden dich auch vermissen. Aber jetzt hau endlich ab, oder wir müssen uns die nächste Woche dein Gejammer anhören, dass du den Flug verpasst hast.“ „Ja, Klanna hat recht. Mach schon und vergiss und nicht, ja?!“ „Wie sollte ich euch jemals vergessen? Da müsste ich schon ziemlich hart gegen eine Wand laufen.“ Die drei Mädchen lachten, doch eigentlich war ihnen eher zum Weinen zu mute. „Hey, geheult wird nicht. Das war ausgemacht.“ Claudia kämpfte selbst mit den Tränen, als sie ihre Freundinnen ermahnte. „Nun mach schon, dass du weg kommst.“ Claudia nickte, ehe sie sich umdrehte und in Richtung des Ausgangs 79 lief. Kurz bevor sie endgültig verschwand drehte sie sich nochmals um und winkte ihren Freundinnen zu. Jetzt hieß es sich eine ganze Woche alleine durchzuschlagen…
Claudia war froh, dass der Flug ohne Komplikationen verlief. Sie war nicht gerade ein Fan von Flugzeugen. Im Gegenteil. Sie hasste diese Teile unbeschreiblich. Wenn man sie irgendwie quälen wollte, dann musste man sie nur in ein Flugzeug setzen. Vorsichtig schob sie den Schlüssel ins Schlüsselloch. Gleich würde sie ihr neues Heim betreten. Sie atmete noch einmal tief durch, ehe sie den Schlüssel drehte und eine große, Holztür öffnete. „Heilige Scheiße. Das ist ja der Wahnsinn.“ Claudia ließ augenblicklich all ihre Sachen fallen und lief in die Mitte des großen Raumes. „Ich habe zwar einiges erwartet, aber das hier übertrifft alles.“ Lachend rannte sie durch das kleine Haus. Drei Schlafzimmer, zwei Badezimmer, ein riesiges Wohnzimmer, das man betrat, sobald man in das Haus kam. Eine Küche, in der sogar Claudia gerne kochen wollte. Normalweise war sie nicht das, was man als Meisterkoch bezeichnen würde. Aber hier konnte sogar sie etwas Leckeres zaubern. Irgendwie jedenfalls… Zufrieden ließ sie sich auf die große, beige Couch im Wohnzimmer fallen. Hier konnte man es wirklich aushalten. Sie wollte gerade den Fernseher anschalten, als sie an ihre Freundinnen in Deutschland dachte. Schnell griff sie zum Hörer und wählte Klanna’s Nummer. Sie war sich sicher, dass auch Roxi bei ihr war. Und sie sollte recht behalten. „Roxi am Apparat von Anna. Was kann ich für sie tun? Klanna, lass dass. Ich will doch nur…“ Ein kurzes Geraschel war zu hören, ehe sich Klanna meldete. „Anna hier. Wer ist da? Roxi, hör auf!“ „Sagt mal, was veranstaltet ihr da?“ „Claudia?“ Wieder war nur Geraschel zu hören. „Laudi?“ „Hi Roxi, alles klar bei euch?“ „Klaro, wir sind…“ „Claudia, schön das du anrufst. Wie…? Roxi, jetzt hör endlich damit auf mir ständig den Hörer wegzunehmen. Ich rede jetzt kurz mit ihr und dann kannst du, ok?“ Claudia konnte Roxi’s Schmollen förmlich vor sich sehen und musste dadurch kichern. „Na? Wie sieht’s aus in Sligo?“ „Oh Tweety, das Haus ist einfach klasse. Ich habe es mir schön vorgestellt, aber das ist einfach unbeschreiblich. Ich fühle mich hier wie eine Prinzessin.“ „Schön zu hören. Dann muss ich mir in der nächsten Woche also keine neue Bleibe suchen?“ „Nein, sicherlich nicht.“ „Warte mal, ich gebe das Telefon schnell Roxi, bevor sie mir noch den Arm abreißt.“ „Laudi? Alter Schwede… wie siehts aus?“ „Nur gleich zu Beginn, Anna. Ich habe noch keinen Lifer hier gesehen. Um ehrlich zu sein, habe ich noch so gut wie nichts von Sligo gesehen. Außer die paar Sachen vom Flughafen bis hier her.“ Stille… „Roxi?“ „Ja ja, ich bin schon noch da. Ich stell mir nur gerade vor wie du hernach durch die Straßen spazierst und plötzlich jemanden anfällst, weil er Shorty ähnlich sieht.“ Roxi lachte, doch Claudia schüttelte nur amüsiert den Kopf. „Roxi, ich muss jetzt wieder aufhören. Erstens wird das Gespräch mit der Zeit ziemlich teuer und zweitens muss ich mich jetzt echt mal auf den Weg machen und jemanden suchen dem ich um den Hals fallen kann.“ „Ja, gut, mach das. Aber lass so schnell wie möglich wieder etwas neues von dir hören. Sonst werde ich richtig böse.“ „Oh, na davor werde ich mich hüten.“ „Claudia?“ Klanna hatte das Telefon zurück erobert. „Lass es dir gut gehen dort drüben, ok?“ „Ich denke nicht, dass das ein großes Problem wird.“ „Gut, na dann, bis bald und halt die Ohren steif.“ „Mach ich. Bis bald. Ich hab euch lieb. Ciao.“ „Bye.“ Dann legte sie auf. Langsam stiegen Tränen in ihre Augen. Wie sehr sie doch ihre Freundinnen vermisste. Warum konnten ihre Arbeitgeber nicht auch so freundlich sein und die blöde Kündigungsfrist verkürzen? Sie würde es wohl nie erfahren. Schnaufend stand sie auf und machte sich auf den Weg in eines der Schlafzimmer. Sie wollte endlich damit beginnen es sich gemütlich einzurichten und das beste Schlafzimmer auszukundschaften. Wenn sie schon als erstes hier war, dann wollte sie auch das beste Zimmer für sich haben.
„Schlüssel, Handy, Geldbeutel… Was brauch ich noch?“ Leicht aufgeregt lief Claudia durch das Haus. Sie suchte alle Sachen zusammen die sie irgendwie bei der Erkundung von Sligo brauchen konnte. „Regenschirm, ganz wichtig.“ Lächelnd zog sie sich ihre Jacke über und machte sich auf den Weg zur Haustür. Sie drehte sich nochmals um, um die Wohnung betrachten zu können. Sie hatte schon wirklich verdammt viel Glück gehabt, als sie auf die Anzeige dieses Hauses im Internet gestoßen war. Glücklich ließ sie die Tür hinter sich ins Schloss fallen und lief auf die wenig belebten Straßen Sligo’s. Das Wetter war ungewöhnlich schön für einen Januartag in Irland. Das dachte sich jedenfalls Claudia. Sie kannte ja die Wetterregeln hier noch nicht sehr gut. Sie wusste nur, dass sich das Wetter von einer auf die andere Sekunde um dreihundertsechzig Grad drehen konnte. Gutgelaunt machte sie sich auf den Weg in die O’Connell Street. Sie hoffte dort ein paar schöne Geschäfte zu finden, in denen sie sich neue Klamotten zulegen konnte. Die hatte sie wirklich dringend nötig. Sie war in Deutschland fast ein halbes Jahr nicht mehr dazu gekommen sich neue Kleider zu kaufen. Etwas verwirrt von den vielen Straßenschildern versuchte sie sich einen Reim daraus zu machen, in welcher Richtung nun ihr Ziel lag. Sie wusste, dass sie sich beeilen musste, denn es war nun schon spät am Abend und wenn sie noch ein offenes Geschäft erreichen wollte, musste sie ihre Beine in die Hände nehmen. „Shit! Wo bin ich denn jetzt gelandet?“ Verunsichert sah sie sich um. Eines wusste sie. Die O’Connell Street war dies hier sicherlich nicht. Sie war in einer dunklen Seitengasse gelandet, die alles andere als einladend aussah. „Hey, du. Was machst du hier? Das ist unser Revier. Verschwinde oder sollen wir dir Beine machen?!“ Claudia zuckte zusammen, als vier Mädchen vor ihr auftauchten. Gerade freundlich sahen sie nicht aus. Sie hatten alle Piercings, Tattoos und zerfetzte Kleider an. Doch am meisten machten ihr die Baseballschläger und Messer in ihren Händen Angst. „Es tut mir leid. Ich habe mich verlaufen. Ich bin schon wieder weg.“ „Warte mal!“ Eines der Mädchen hielt sie fest. „Du bist keine Irin. Du bist Ausländer!“ Die anderen drei Mädchen funkelten sie böse an. „Ja und? Habt ihr damit ein Problem?“ „Wir können Ausländer nicht leiden.“ „Dann lass mich los, dann bin ich sofort weg.“ „Nein, nein. Wir lassen dich jetzt nicht mehr so einfach weg.“ „So und was habt ihr dann mit mir vor?“ Ein zweites Mädchen ging auf Claudia zu und packte sie am anderen Arm. Nun war es endgültig unmöglich für sie zu entkommen. „Lasst mich los. Was soll das?“ Ein weiteres Mädchen ging auf sie zu. Es schien, als wenn sie die Anführerin dieser Clique sei. „Wir können Ausländer nicht leiden. Und vor allem nicht, wenn sie auch noch in unser Revier eindringen. Das wirst du jetzt zu spüren bekommen.“ Das Mädchen stellte sich direkt vor sie und lächelte sie finster an, ehe sie Claudia mit voller Wucht in den Bauch schlug. „Ahhhh!“ Claudia sank leicht nach unten, ehe der Schmerz wieder leicht nach ließ und sie sich wieder aufrichten konnte. „Sag mal, dir geht es wohl etwas zu gut. Spinnt ihr oder was? Lasst mich sofort los.“ Die Antwort darauf war ein Schlag mitten ins Gesicht. Blut floss aus ihrer Nase und ihrer Lippe. Claudia zitterte am ganzen Körper. Ihr Kopf dröhnte und ihr Magen rebellierte durch den Schlag. „Na, hast du schon genug?“ „Lasst mich in Ruhe!“ Claudia versuchte sich zu befreien, doch ohne jeglichen Erfolg. „Halt dich gefälligst still, wenn ich mit dir rede.“ Das Mädchen schlug sie erneut in den Bauch und Claudia ging zu Boden. Dabei fiel ihr ihre Handtasche aus der Hand. „Ach sieh einer an. Was haben wir denn hier schönes? Ein kleiner Geldbeutel, interessant. Dich stört es doch nicht, wenn ich den behalte, oder?“ „Wagen sie es nicht… ahhh!“ Eines der Mädchen, dass sie fest hielt, versetzte ihr einen starken Schlag in den Rücken. „Na na na, wer wird denn gleich so zickig werden?“ „Ich rate ihnen…“ „Was ratest du mir? Hm? Ich lass mir doch von so einem kleinen Baby wie dir nichts vorschreiben. Mädls, zeigt ihr mal, was es heißt in unser Revier einzudringen.“ Die anderen Mädchen lachten gehässig und schlugen wie Verrückte auf Claudia ein. Diese lag bewegungslos auf dem Boden, als plötzlich drei Jungs auf sie zu gerannt kamen. „Lasst sie in Frieden. Verschwindet!“ Die vier Mädchen hörten ausnahmsweise auf die Fremden und verschwanden in der nächsten dunklen Seitengasse. Einer der Männer beugte sich zu Claudia hinunter und hob ihren Kopf hoch. „Hey Girl, kannst du mich hören? Nicky, schnell, ruf einen Krankenwagen.“ Der blonde Mann neben ihm nickte und holte sein Handy aus seiner Hosentasche. Ein weiterer blonder Mann beugte sich zu dem dritten hinunter. „Wie sieht es aus?“ „Nicht besonders gut. Sie hat ganz schön was einstecken müssen und so viel ich erkennen kann, hat der Kopf ganz schön was abbekommen.“ „Der Krankenwagen ist gleich da.“ „Danke, Nicky. Ich hoffe nur er beeilt sich wirklich!“
Die drei Männer fuhren dem Krankenwagen hinterher und wollten mit in die Aufnahmestation des Krankenhauses laufen, doch eine Krankenschwester hielt sie zurück. „Es tut mir leid, aber hier können sie nicht rein. Bitte gehen sie zur Anmeldung und füllen dort ein Formular aus. Das wäre jetzt sehr hilfreich. Vielen Dank.“ Mit diesen Worten schloss die Schwester die Tür vor den Nasen der Jungs. „Ich glaub das nicht. Unverschämtheit!“ „Komm Shane. Lass uns zur Anmeldung gehen. Es bringt doch auch nichts, wenn du dich hier jetzt aufregst.“ Mit leichter Gewalt brachten die zwei blonden Männer Shane dazu sich in die Eingangshalle des Krankenhauses zu bewegen. „Entschuldigen sie? Können sie uns sagen wie wir zu der Frau kommen, die gerade eingeliefert wurde?“ „Füllen sie dieses Formular aus, dann können wir weiter reden.“ Die Schwester hinter der Anmeldung knallte Nicky ein Brett mit einem Zettel vor die Nase und wandte sich dann wieder ihrem PC zu.“ Ungläubig sah Nicky sie an. „Von Freundlichkeit haben sie wohl noch nie was gehört.“ Wütend nahm er das Brett mit dem Formular in die Hand und begab sich damit zu den anderen zwei Männern. „Ich glaube es nicht. Diese Frau ist der Teufel höchstpersönlich.“ Frustriert ließ er sich neben Shane auf einen Stuhl fallen. „Was wollen die, dass wir alles ausfüllen?“ „Hier steht: Name der Patientin, Geburtsdatum und Ort, Adresse, Blutgruppe, Allergien, Operationen und andere Krankheiten. Woher sollen wir das bitte wissen? Wir kennen das Mädchen doch gar nicht.“ Wütend stand Shane auf, riss Nicky das Brett aus den Händen und marschierte auf die Frau bei der Anmeldung zu. „Nun hören sie mal. Wir kennen diese Frau gar nicht. Wie sollen wir das alles ausfüllen? Wir wissen nicht mal ihren Namen?“ „Ach, sagen sie das doch gleich.“ Ohne ein weiteres Wort gab die Frau Shane drei blaue Armbänder. „Mit denen können sie sich auf den Zimmern ungehindert aufhalten. Aber nur in den Besucherzeiten. Das heißt, sie haben jetzt noch fünfzehn Minuten Zeit.“ „Und wo ist das Mädchen jetzt?“ „Einen Augenblick bitte.“ Die Frau tippte etwas in den PC. „Sie wurde auf Zimmer 87 gebracht.“ „Dankeschön.“ Shane ging zu den anderen zwei Männern zurück und gab jedem von ihnen ein Armband. „Na der neueste Schrei ist das ja nicht gerade.“ „Tja Kian, manchmal ist Mode nicht so wichtig.“ „Das sagst gerade du, Nicky.“ „Jetzt hört auf zu diskutieren und kommt endlich. Ich will wissen wie es dem Mädchen geht.“ „Schon gut. Wir kommen ja schon.“ Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Zimmer 87.
„Halt, halt! Sie können da nicht alle rein.“ „Wieso denn nicht?“ „Das Mädchen braucht viel Ruhe. Sie ist gerade erst aufgewacht und…“ Die Schwester verstummte. „Und?“ Nervös sah Shane sie an. „Wie geht es ihr?“ „Sie hat viele Prellungen und Schnitt- und Schürfwunden, aber das schlimmste ist, dass sie wohl ihr Gedächtnis verloren hat. Sie kann sich jedenfalls im Moment an nichts erinnern.“ „Wird das wieder besser?“ „Das kann ich leider nicht sagen. Das ist bei jedem Menschen anders.“ Shane nickte. „Kann ich zu ihr?“ „Ja, aber bitte nur sie. Und nicht zu lange. Wie schon gesagt, sie…“ „Sie braucht Ruhe, schon klar.“ Genervt verdrehte Shane die Augen. Vorsichtig drückte er die Türklinke nach unten. Etwa nervös betrat er den Raum. „Hallo? Wie geht es dir?“ „Wer… wer sind sie?“ Das Mädchen sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Man sah ihr an, dass sie höllische Angst hatte. „Ich bin Shane. Ich und meine Freunde haben dich gefunden, als die Mädchen dich verprügelt haben.“ Sie nickte nur. „Wie geht es dir?“ „Die Ärzte sagen ganz gut. Aber ich kann mich an nichts mehr erinnern.“ „Du weißt gar nichts mehr? Nicht mal deinen Namen?“ Das Mädchen schüttelte den Kopf und langsam stiegen Tränen in ihre Augen. Was war nur geschehen? „Shhhh… ganz ruhig. Das wird schon wieder. Ich habe mit einer Schwester gesprochen. Sie meinte, dass du dich vielleicht bald wieder an alles erinnern kannst.“ Langsam strich er ihr über ihre braunen Haare. „Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Gott, ich weiß nicht mal mehr meinen Namen.“ Sie sah in seine Augen und versuchte dort eine Antwort zu finden. Doch nichts geschah. Ihr ganzer Körper zitterte und ihr Kopf dröhnte. „Weißt du, wo…“ „Ich weiß gar nichts mehr. Ich weiß nur die Sachen die hier im Krankenhaus geschehen sind. Das heißt, was die letzten 15 Minuten geschehen ist.“ Shane nickte. Er konnte nicht glauben, wie man einem Menschen solche Sachen antun konnte. Es klopfte an der Tür. „Shane? Wir müssen wieder gehen. Die Besucherzeiten sind schon seit fünf Minuten vorbei.“ „Ist gut, Kian, ich komme gleich.“ Der blonde Mann nickte und schloss die erneut die Tür. „Du musst schon gehen?“ Verängstigt sah ihn das Mädchen an. „Ja, ich muss. Aber ich verspreche dir, ich komme morgen wieder vorbei.“ Er lächelte sie an und strich ihr über die Wange. „Keine Sorge. Ich lasse dich nicht allein. Wir finden schon heraus wer du bist und was alles geschehen ist, ok?“ Das Mädchen nickte. „Und jetzt schlaf. Es ist spät und morgen ist ein neuer Tag, der sicherlich anstrengend werden wird.“ „Danke.“ „Nichts zu danken. Bis morgen. Bye.“ „Bye“ Leise fiel die Tür hinter Shane in’s Schloss.
„Mensch Shane, nun renn doch nicht so. Es ist doch egal ob wir fünf Minuten eher bei dem Mädchen sind oder nicht.“ „Das ist nicht egal, Nicky. Ich hab dich ja auch gar nicht darum gebeten mitzukommen. Du kannst also auf der Stelle wieder umdrehen und gehen.“ „Das hättest du wohl gern. Ich kann das Mädchen doch nicht einfach seinem Schicksal überlassen und dir einfach so ausliefern.“ Nicky lachte über seinen Witz, währen Kian nur den Kopf schüttelte und Shane weiter Richtung Zimmer 87 lief. „Ok, hier wären wir. Wartet ihr wieder auf…“ „Ach Mr. Filan.“ Verwundert drehte Shane sich um. Vor ihm stand ein Arzt und hielt ihm seine Hand entgegen. Shane ergriff sie freundlichkeitshalber. „Sie wollen sicherlich das Mädchen ohne Namen abholen, richtig? Ich bin ihnen wirklich sehr dankbar, dass sie sich um sie kümmern.“ Verwirrt sah in Shane an. Was wollte der Typ von ihm? „Ich soll was?“ „Nehmen sie das Mädchen nicht mit? Ich dachte nur… sie sind ja der Einzige den sie kennt. Wenn sie nicht wollen, müssen wir sie in ein Frauenhaus einweisen. Denn ohne ihre Daten nimmt sie kein Hotel auf.“ „Nein, nein schon ok. Ich nimm sie mit zu mir. Kein Problem.“ „Ja, ich meine ihr Haus ist ja auch groß genug und jetzt wo sie sich von ihrer Frau getrennt haben…“ „Lassen sie Gillian aus dem Spiel. Die hat hiermit überhaupt nichts zu tun.“ „Schon gut. Na dann. Ich wünsch ihnen noch eine schöne Woche. Auf wieder sehen.“ Ohne ein weiteres Wort verschwand der Arzt genauso schnell wie er gekommen war. „Du nimmst sie mit? Shane, du kennst das Mädchen doch gar nicht.“ „Soll ich sie in irgendeinem Heim verenden lassen? Nein, dass kann ich. Also was bleibt mir anderes übrig als sie mit zu mir zu nehmen. Oder habt ihr eine bessere Idee?“ Kian und Nicky schüttelten den Kopf. „Gut, dann bis gleich.“ Bevor die zwei etwas erwidern konnten, war Shane im Zimmer des Mädchen verschwunden.
„Shane?“ „Hallo, wie geht es dir heute so?“ „Ganz gut. Ich werde ja heute entlassen.“ Traurig sah das Mädchen zu Boden. „Wieso machst du dann so ein trauriges Gesicht?“ „Weil ich keine Ahnung habe wo ich hin soll. Ich weiß nicht, ob ich hier nur Urlaub gemacht habe und in einem Hotel wohnte oder ob ich ein eigenes Haus hatte. Es ist einfach alles so frustrierend.“ Vorsichtig setzte sich Shane auf den Rand des Bettes. „Wie würdest du es finden einige Zeit bei mir zu wohnen?“ Fragend sah ihn das Mädchen an. „Ist das dein ernst?“ „Ja, mein voller ernst. Also, was sagst du dazu?“ „Wenn ich dir nicht zu sehr zur Last falle?“ „Ach nein, das ist überhaupt kein Problem.“ Das Mädchen lächelte. Es war das erste Mal für Shane, dass er sie lächeln sah. Und er fand es bezaubernd. „Shane? Wie lange braucht ihr zwei denn noch? Wollt ihr hier Wurzeln schlagen oder können wir heute noch fahren?“ Nicky hatte seinen Kopf zur Tür herein gesteckt. „Wir kommen gleich.“ Shane drehte sich wieder zu dem Mädchen und sah in ein fragendes Gesicht. „Wer war das?“ „Oh, das war Nicky. Ein guter Freund von mir. Er und Kian, ebenfalls ein Freund, haben dich gestern gefunden.“ Sie nickte. „Gut, dann lass uns mal gehen. Deine Sachen hast du gepackt?“ Shane biss sich für diese Frage augenblicklich selbst auf die Lippe. Wie blöd konnte man eigentlich sein? „Naja, ich hatte nicht wirklich was zu packen.“ „Ja, das war mir klar. Tut mir leid. Ich habe nicht nachgedacht.“ „Schon ok.“ Gemeinsam verließen sie das Zimmer. „Hallo, ich bin Kian.“ Shane und das Mädchen waren noch nicht ganz aus dem Krankenzimmer heraus, als Kian ihr schon die Hand entgegen streckte. „Hallo. Schön dich kennen zu lernen.“ „Ich bin Nicky. Es freut mich, dass es dir wieder einigermaßen gut geht.“ „Danke, dass habe ich ja eigentlich nur euch zu verdanken.“ „Ach was, das ist doch keine Rede wert.“ „Nicky? Können wir jetzt fahren? Du wolltest doch so schnell wie möglich hier raus, oder?“ „Aber hallo!“ Langsam lief das Mädchen hinter den drei Jungs her. Sie hielt immer einen kleinen Sicherheitsabstand. Sie wollte auf keinen Fall aufdringlich wirken. „Alles in Ordnung? Wieso läufst du denn so weit hinter uns? Keine Sorge wir beissen nicht. Jedenfalls Shane und ich nicht. Bei Kian kann man sich da nie so sicher sein.“ „Haha, wahnsinnig witzig, Nix. Glaub ihm ja kein Wort. Ich kann keiner Fliege was zu leide tun.“ „Sicher, Egan.“ Nicky lachte über Kian und kassierte dafür einen Hieb in die Rippen. „Siehst du, genau das habe ich gemeint. Wieso bist du eigentlich immer so aggressiv, Kian?“ „Das habe ich von dir, Nicky.“ „Achte nicht auf die zwei Idioten. Manchmal haben die echt nicht alle Tassen im Schrank.“ Shane zwinkerte dem Mädchen zu, welches daraufhin leise kicherte. „Sag mal, du hast doch überhaupt keine Kleidung mehr, oder?“ Irritiert sah sie Nicky an. „Ja, wieso? Also… ich habe sicherlich Kleidung, nur weiß ich nicht wo.“ „Macht nichts. Wir machen einfach einen kleinen Einkaufsbummel. Was hältst du davon?“ „Nicky, ich will dich ja nicht unterbrechen, aber heute ist Sonntag und alle Geschäfte haben zu.“ „Ach Ki, wir gehen einfach ins Morgan, oder was sagst du dazu Shane.“ „Gute Idee.“ Lachend gingen die vier weiter in Richtung ihrer Autos. Als sie dort ankamen, fielen dem Mädchen buchstäblich die Augen aus dem Kopf. „Das sind doch nicht eure Autos, oder? Das sind ja…“ „Ein Porsche und ein Ferrari. Um es genau zu nehmen. Shane’s Porsche und mein Ferrari. Kian war mal wieder zu faul selbst zu fahren.“ Beleidigt streckte ihm Kian die Zunge raus. „Ok, genug gealbert. Machen wir uns lieber auf den Weg. Wir haben noch einen ganz schönen Shoppingmarathon vor uns.“ Grinsend hielt ihr Shane die Beifahrertür auf. „Dankeschön.“ „Keine Ursache. Wir treffen uns dann vorm Morgan?“ „Ja, klar. Bis gleich.“ „Ciao“ Während der Fahrt saß das Mädchen angespannt in Shane’s Auto. Was, in Gottes Namen, war das Morgan?
Das Mädchen staunte nicht schlecht, als sie schließlich in einem riesigen Klamottengeschäft stand. Shane begrüßte die Verkäuferin, von der sie später herausfand, dass sie Shane’s Schwester war. „Hey Kleine, was stehst du denn hier rum wie angewachsen? Sie dich um ob du irgendetwas findest, was dir gefällt.“ „Aber ich…“ „Was denn?“ „Ich hab doch gar kein Geld, Kian.“ Kian lachte. „Das macht doch nichts. Erstens gehört dieser Shop Shane oder jedenfalls so gut wie und zweitens laden wir dich gerne ein.“ „Das kann ich nicht annehmen. Ihr habt schon so viel für mich getan.“ „Doch, doch. Keine Widerrede. Du suchst dir jetzt etwas Schönes aus, ok? Und wir helfen dir dabei.“ Kian klatschte freudig in die Hände und machte sich auf den Weg zu den verschiedensten Oberteilen. Das Mädchen atmete einmal tief ein, ehe sie sich die Auswahl an Jeans ansah. Es gab wirklich schöne Sachen hier. „Und? Schon was gefunden?“ Shane stand hinter ihr und schaute über ihre Schulter. „Wie findest du die hier?“ Sie drehte sich um und zeigte Shane eine blaue Jeans, die an der Seite zwei schwarze Streifen hatte. „Sieht cool aus. Probier sie doch mal an. Dort hinten sind die Umkleidekabinen.“ „Aber nicht schauen.“ „Haha… keine Sorge, ich bleibe brav.“ Nach ein paar Minuten kam sie aus der Umkleide. Die Hose passte wie angegossen. „Wow, die sieht ja hammer aus.“ Kian klappte förmlich der Mund auf. „Probier mal dieses Oberteil dazu an. Ich habe es mit viel Liebe ausgesucht.“ „Mach ich.“ Und wieder verschwand sie für eine kurze Zeit hinter den Klapptüren der Umkleide. „Ich hab auch was gefunden, ich hab auch was!“ Nicky rannte förmlich auf die zwei anderen zu, die vor der Kabine auf das Mädchen warteten. „Und was?“ „Unterwäsche.“ Nicky grinste wie ein Kind, dass den Osterhasen gesehen hatte. „War klar, dass du so etwas nicht vergisst.“ „Na hör mal, Ki. Sollen wir sie immer in der gleichen Unterhose rumlaufen lassen?“ „Zeig mal was du ausgesucht hast?“ Misstrauisch beäugte Shane Nicky’s Eroberung. „Sorry, Nix. Aber ich denke doppel D ist dann doch etwas zu groß.“ Kian und Shane konnten sich nicht mehr halten und fingen lauthals an zu lachen. Das Mädchen sah daraufhin etwas verwirrt aus der Umkleidekabine. „Alles ok bei euch? Habe ich was verpasst?“ „Nein, nein, alles bestens. Nicky sucht nur gerade die neuste Unterwäsche für dich aus.“ Überrascht sah sie Nicky an, dessen Gesichtsfarbe langsam der einer Tomate glich. „Und was hast du schönes für mich gefunden?“ „Ähm… ich bin gleich wieder da.“ Mit diesen Worten drehte sich Nicky auf den Absätzen um und verschwand hinter zahllosen Kleiderständern. Verwirrt sahen ihm die anderen hinterher. „Tja, hier wäre Bryan jetzt gut gewesen. Der hätte sofort die richtige Größe gefunden.“ Shane lächelte Kian zu und nickte. „Wer ist Bryan?“ Fragend sah das Mädchen von Kian zu Shane und wieder zurück. „Ein guter Freund von uns.“ „Achso. Ihr habt wohl ziemlich viele Freunde, was?“ Kian lachte. „Ja und was für welche“ In den nächsten drei Stunden waren die Jungs fleißig bei der Arbeit, sodass das Mädchen am Ende acht neue Hosen, sieben neue Pullover, unzählig viele neue T-Shirts und noch mehr Unterwäsche als das ihrige bezeichnen konnte.
Nun stand das nächste Hindernis vor der Tür. Die unzähligen
Tüten mussten in den kleinen Kofferräumen der zwei Autos untergebracht
werden. Schon alleine das Tragen zu den Autos erwies sich als nicht gerade einfach.
Das Mädchen hatte ihnen ein paar mal vorgeschlagen einfach zweimal zu gehen,
bevor sie sich beim ersten Mal einen Bruch heben würden. Aber so stur wie
die Jungs nun mal waren, mussten sie alles auf einmal tragen. Das Ergebnis waren
drei Männer die beinahe zusammen gekracht wären unter ihren Lasten.
Ein wirklich witziger Anblick. Nicky und Kian waren gerade dabei ein paar Tüten
in Nicky’s Ferrari zu verladen, als sieben Mädchen auf sie zu gerannt kamen.
„Oh shit. Jetzt haben wir ein kleines Problem. Ki, geh zu Shane und sag ihm
er soll so schnell wie möglich mit dem Mädchen verschwinden. Wir kommen
dann später zu ihm nach. Nun schau nicht so blöd aus der Wäsche,
sonder geh endlich.“ Kian lief darauf hin zu Shane und flüsterte ihm etwas
ins Ohr. Dieser riss leicht panisch die Augen auf und schob das Mädchen
regelrecht in sein Auto. „Shane, was soll das. Hey, du…“ „Ich erklär dir
das ein anderes Mal. Wir müssen weg hier oder…“ Shane sprach nicht weiter,
sondern fuhr los. „Was sonst?“ Shane jedoch antwortete ihr nicht. Er konzentrierte
sich auf die Straße und auf die Mädchen in seinem Rückspiegel,
die Gott sei Dank, von Nicky und Kian abgefangen wurden. Dem Mädchen war
komisch zu mute. Was sollte das ganze hier? Gehörte das Geschäft vielleicht
doch nicht Shane und sie hatten es gerade ausgeraubt? Wäre vielleicht gerade
der Besitzer gekommen? Aber was machten dann Nicky und Kian noch dort? Fragen
über Fragen und sie fand einfach keine Antwort darauf. Sie wurde aus ihren
Gedanken gerissen, als das Auto vor einem riesigen Haus hielt. „Was machen wir
hier, Shane?“ „Wir wohnen hier.“ Ohne ein weiteres Wort stieg er aus und machte
sich daran den Kofferraum auszuräumen. Ungläubig stieg das Mädchen
aus. Diese Villa konnte doch unmöglich Shane gehören. Aber wenn sie
sich den Wagen so ansah… vielleicht ja doch. „Kommst du oder willst du draußen
übernachten?“ „Ich komme schon.“ Shane war bereits im Haus verschwunden,
als sie endlich an der Haustür ankam. „Komm ruhig rein.“ Langsam betrat
sie Shane’s Reich und augenblicklich blieb ihr der Mund offen stehen. Sie hatte
noch nie ein solch schönes Haus gesehen. Das war einfach unglaublich. „Gefällt
es dir ein bisschen? Entschuldige die Unordnung, aber ich bin seit einiger Zeit
nicht mehr zum Aufräumen gekommen. Ich habe erst seit vier Tagen Urlaub
und somit etwas Zeit das hier alles wieder auf Fordermann zu bringen.“ „Das
ist unglaublich, Shane. Ich habe noch nie ein solch atemberaubendes Haus gesehen.“
„Ach, nun übertreibe mal nicht.“ Shane lächelte verlegen, als es an
der Haustüre klingelte. „Ich bin gleich wieder da.“ Das Mädchen nickte
und setzte sich auf die dunkelbraune Couch im Wohnzimmer. Sie war so fasziniert
von den ganzen Einrichtungsgegenständen, dass sie gar nicht bemerkte, wie
Nicky und Kian, schwer bepackt, das Zimmer betraten. „Hallo Kleine. Da sind
wir wieder. Hast du uns schon vermisst?“ Grinsend setzte sich Nicky neben sie.
„Klaro, wie sollte man euch Chaoshaufen auch nicht vermissen?“ Das Mädchen
lachte, als Kian einen Schmollmund zog. Einfach nur niedlich. „So, ich muss
jetzt aber auch mal wieder gehen. Georgina wartet sicherlich schon auf mich.“
„Ja, das gleiche gilt für mich. Ich will Jodi nicht zu lange allein lassen.
Wir sehen uns sicherlich morgen wieder. Ich wünsch dir noch einen schönen
Tag und pass auf Shane auf, ja?!“ Kian zwinkerte ihr zu. „Ja, mach ich. Keine
Sorge.“ „Gut, dann bis morgen, bye.“ „Bye bye.“ Nachdem die zwei verschwunden
waren, setzte sich Shane neben das Mädchen auf die Couch. „Shane? Wer sind
Georgina und Jodie?“ „Geo ist Nicky’s Ehefrau und Jodi ist Kian’s Freundin,
wieso fragst du?“ „Nur so. Ich bin einfach etwas neugierig.“ Sie lachte. „Jetzt
weiß ich einen Namen für dich.“ Verwirrt sah sie ihn an. „Na, ich
meine, wir können dich doch nicht immer nur Kleine oder Girl nennen.“ Sie
nickte. „Und was schlägst du vor?“ „Sunny.“ „Sunny?“ „Ja, weil wenn du
lachst strahlt dein Gesicht wie eine Sonne.“ Das Mädchen grinste. „Ok,
dann bin ich ab jetzt Sunny.“
Shane wachte mitten in der Nacht auf, als er etwas unsanft in die Seite gestoßen
wurde. Er lag immer noch auf der Couch in seinem Wohnzimmer. Er musste wohl
während des Films, den sie sich gestern Abend angesehen hatte, eingeschlafen
sein. Shane richtete sich langsam auf und rieb sich seine müden Augen.
Als er zu Sunny sah, erschrack er. Sie war schweißgebadet und zitterte
am ganzen Körper. Shane kniete sich vor sie nieder und rüttelte sie
leicht an der Schulter. „Sunny, hey Sunny, wach auf.“ Shane machte sich große
Sorgen. Was war nur los? Als sie nach einigen Aufweckversuchen immer noch nicht
aufwachte, wurde er nervös. Er schnappte sich seine Jacke und die Autoschlüssel
und hob Sunny vorsichtig hoch. „Keine Sorge, Kleine. Ich bring dich ins Krankenhaus.“
Er wusste nicht wieso, aber er fühlte, dass etwas nicht stimmte und er
sie so schnell wie möglich zu einem Arzt bringen musste. Shane setzte sie
vorsichtig auf den Beifahrersitz und schnallte sie an. Danach sprang er selbst
ins Auto und machte sich auf den Weg ins General Hospital von Sligo. Während
der Fahrt sah er immer wieder zu Sunny, um sich zu vergewissern, dass es ihr
nicht noch schlechter ging. Gott sei Dank trat dies nicht ein. Als er endlich
im Krankenhaus ankam, rannte er mit Sunny auf den Armen, ins Haus. Es war ihm
egal, dass es gerade mitten in der Nacht war und er möglicherweise andere
Patienten wecken könnte. Sunny ging vor. „Hallo! Halloooo!“ Panisch sah
sich Shane um. Nirgends war ein Arzt oder eine Schwester zu sehen. Er rannte
einen langen Gang entlang, als ihm endlich eine Krankenschwester entgegen kam.
„Gott sei Dank. Hören sie, sie müssen mir helfen. Mit Sunny stimmt
irgendetwas nicht. Bitte, sie müssen ihr helfen.“ „Ganz ruhig, Mr. Wo liegt
denn das Problem?“ Wo das Problem lag? Hatte diese Frau denn keine Augen im
Kopf? Sah sie denn nicht, wie Sunny leblos in seinen Armen lag? „Dieses Mädchen
hier braucht Hilfe. Und zwar sofort. Verstehen sie das denn nicht?“ „Beruhigen
sie sich doch erstmal. Wir…“ „Nun hören sie mal zu, Ms. Wenn sie mir nicht
schnellst möglichst einen Arzt besorgen, dann…“ „Mr. Filan. Was machen
sie denn schon wieder hier? Haben sie schon wieder einem Mädchen das Leben
gerettet?“ Der Arzt, der Sunny vor ein paar Tagen behandelt hatte, kam lachend
aus dem Aufzug. Als er jedoch Sunny erblickte verschwand das Lächeln aus
seinem Gesicht. „Ms. Keely, bereiten sie sofort Untersuchungszimmer Nummer drei
vor. Mr. Filan, sie kommen mit mir.“ Shane lief, so schnell es mit Sunny auf
seinen Armen ging, dem Arzt hinter her. Er führte ihn in einen sterilen
dunklen Raum. „Legen sie das Mädchen hier her.“ Vorsichtig legte Shane
Sunny auf eine weiße Liege. „Gut und nun gehen sie bitte. Sie stören
hier nur.“ Ungläubig sah ihn Shane an. Doch er konnte nichts mehr darauf
erwidern, denn ein weiterer Arzt schob ihn unsanft aus dem Raum. Nun hieß
es warten. Einfach nur warten…
Nervös spielte Shane mit seinem Handy. Er wusste nicht, ob er Kian oder Nicky anrufen sollte. Mark war ja immer noch in Frankreich im Urlaub. Aber konnte er sie wirklich um drei Uhr Nachts anrufen und belästigen? Er entschied sich dagegen. Das würde er schon auch irgendwie allein überstehen. Auch wenn er sich immer wieder fragte wie. Sunny war ihm in den letzten drei Tagen stark an’s Herz gewachsen. Sie war für ihn wie eine kleine Schwester. Vielleicht war sie ja auch älter als er, dass wussten beide ja nicht. Aber sie sah jünger aus. Shane schätzte sie auf zwanzig. Er schrack auf, als ein Arzt aus Sunny’s Zimmer kam. „Doktor, wie geht es ihr?“ Doch der Arzt nahm Shane nicht mal wahr. Er ging schweigend an ihm vorbei und verschwand im Aufzug. Panik machte sich in Shane breit. Was war geschehen? Eine weitere halbe Stunde verging, ohne dass er eine Menschenseele sah. Shane war mit den Nerven am Ende. Er wollte endlich wissen was mit dem Mädchen war. War das denn zu viel verlangt? Er entschied sich gerade dafür, einfach in den Untersuchungsraum zu gehen, als der behandelnde Arzt heraus kam. Er lächelte Shane freundlich zu und diesem viel augenblicklich ein Stein vom Herzen. Obwohl es Shane eher wie ein ganzer Berg vorkam. „Mr. Filan?“ Shane stand auf und stellte sich dem Arzt erwartungsvoll gegenüber. “Wie geht es ihr?” „Den Umständen entsprechend gut. Ihre Freundin hatte Glück, dass sie so schnell reagiert haben. Hätten sie nur ein paar Minuten gezögert, wüsste ich nicht, ob sie jetzt noch unter uns wäre.“ „Aber was ist nun mit ihr?“ „Eine Wunde auf ihrem Rücken hat sich sehr stark entzündet. Wir haben sie bei ihrem letzten Aufenthalt zwar schon behandelt, aber sie muss heute Nacht im Schlaf erneut aufgerieben worden sein.“ „Ich verstehe nicht. Wie kann so eine kleine Wunde so schlimm sein?“ „Mr. Filan, wir sprechen hier nicht von einer kleinen Wunde. Es handelt sich hier um eine Schnittwunde, die gute vier Zentimeter tief und fünfzehn Zentimeter lang ist.“ Shane sah in ungläubig an. „Davon hat sie gar nichts gesagt. Das müssen doch höllische Schmerzen gewesen sein.“ Der Arzt zuckte nur mit den Schultern. „Machen sie ihr deswegen aber jetzt keine Vorwürfe. Ich bin mir sicher, sie wollte sie damit nur nicht noch mehr belasten.“ „Nein, das mache ich ihr ganz sicher nicht. Kann ich jetzt zu ihr?“ „Ja, können sie. Sie kann auch gleich wieder nach Hause. Sie braucht nur viel Ruhe und wenn möglich ein weiches Bett.“ „Das ist kein Problem.“ „Und achten sie darauf, dass sie in den nächsten zwei Tagen sich nicht viel bewegt. Sie sollte das Bett hüten.“ „Mach ich alles. Kein Problem. Aber darf ich jetzt endlich zu ihr?“ „Ja, gehen sie schon, bevor sie hier noch ganz verrückt werden.“ „Danke.“ Leise öffnete Shane die Tür zu Sunny’s Zimmer. Er lächelte, als er sah, dass sie ihn ebenfalls anlächelte. „Shane, ich danke dir, dass du so schnell reagiert hast. Und es tut mir leid, dass ich…“ „Shh… sag nichts. Ist doch alles egal. Hauptsache es geht dir wieder besser.“ „Ja, dank dir. Du hast mir jetzt wohl das zweite mal mein Leben gerettet. Wie kann ich das alles nur wieder gut machen?“ „Das brauchst du nicht. Aber versprich mir eins. Solche Verletzungen enthältst du mir bitte nicht mehr vor, ok? Ich bin tausend Tode gestorben.“ „Tut mir leid.“ „Schon gut. Komm, lass uns von hier abhauen. Ich kann Krankenhäuser nicht leiden.“ Sunny lachte. „Denkst du ich?“ Shane half ihr aufzustehen, da sie Schwierigkeiten hatte es alleine zu tun. „Du entwickelst dich für mich noch zu einem Ritter in einer goldenen Rüstung, Shane.“ Shane lachte nur über diesen Kommentar. „Komm lass uns gehen. Ich will heim in mein Bett.“ Sunny nickte und gemeinsam machten sie sich erneut auf den Weg zu Shane’s Haus.
Die restliche Nacht verlief relativ ruhig. Shane hatte Sunny in sein Doppelbett gelegt. Es war das weichste Bett im Haus und er wollte so nah wie möglich bei ihr sein, falls nochmals irgendwas geschah. Doch Sunny schlief tief und fest. Nur ab und zu hörte er sie leise stöhnen vor Schmerz. Dann drehte sie sich auf die andere Seite und schlief friedlich weiter. Shane beobachtete sie noch einmal eine kurze Zeit ehe er sich endlich aufraffen konnte und aufstand. Es war bereits kurz nach zehn Uhr und er wollte ihr eine kleine Überraschung zum Frühstück zaubern. Als er nach fast einer Stunde, mit einem vollen Tablett, dass Schlafzimmer betrat, erschrack er kurz. Sunny war nicht mehr im Bett. Er stellte das Tablett auf einen kleinen Tisch im Raum, als eine weitere Tür, die ins Zimmer führte, aufging. Es war die Tür zum Badezimmer. „Oh, guten Morgen.“ „Guten Morgen. Wie geht es dir? Eine Frage. Warum liegst du nicht im Bett? Du weißt doch, dass du dich nicht bewegen sollst.“ „Tut mir leid, aber ich musste mal für kleine Mädchen.“ Sie lächelte ihn leicht verlegen an. „Achso.“ Shane lachte. „Wenn es so ist. Aber jetzt flott wieder ins Bett. Ich hab dir Frühstück gemacht. Ich hoffe, es ist etwas dabei was du magst.“ Er stellte das Tablett auf Sunny’s Oberschenkel ab und die staunte nicht schlecht. Toast, Würstchen, Eier, Schinken, Salami, Brot, Butter, Marmelade, Honig, Tee, Kaffee… Das ganze Brett war brechend voll mit Köstlichkeiten. „Wow, Shane. Wer soll denn das alles essen?“ „Du.“ „Ich? Wenn ich das alles esse, kannst du mich durch die Gegend rollen. Dann sehe ich aus wie ein Rollmops.“ Shane lachte. „Ok, dann helfe ich dir bei der Bewältigung all dieser Köstlichkeiten.“ Grinsend setzte er sich neben sie und begann damit Butter auf einen der vielen Toast’s zu streichen. „Magst du lieber Honig oder Marmelade?“ „Honig.“ „Du bist wohl eine ganz süße, was?“ Verwirrt sah sie ihn an. „Ach vergiss es, war nur ein Witz.“ Sunny lächelte als sie in den Toast biss. Eines musste sie Shane lassen. Er wusste wie er sie zum Lachen bringen konnte. Und dafür war sie ihm sehr dankbar.
„Schaffst du es oder soll ich dir helfen?“ Shane stand etwas unbeholfen vor der Badezimmertür im Schlafzimmer. Der Arzt hatte ihm eine Hautcreme gegen Entzündungen gegeben, mit der sich Sunny einschmieren sollte. Nun war sie schon seit einer knappen viertel Stunde im Badezimmer und gab kein Lebenszeichen von sich. Plötzlich öffnete sich langsam die Badezimmertür und Sunny stand vor ihm. Oben herum nur mit einem Handtuch bekleidet. Wortlos hielt sie ihm die Tube mit der Salbe hin. Shane lächelte und zeigte ihr, dass sie sich auf’s Bett legen sollte. „Was hast du denn so lange im Bad gemacht? Ich dachte schon, du lebst nicht mehr.“ „Ich habe mit allen irgendwie denkbaren Verrenkungen versucht mich einzukremen. Aber an diese Stelle komm ich einfach nicht ran. Das ist zum Haare raufen.“ Genervt schnappte sie sich ein Kissen und legte es sich unter den Kopf. „Du bist mir vielleicht eine. Ich habe dir doch gleich angeboten, dass ich dir helfe.“ „Ich will nicht ständig auf die Hilfe anderer angewiesen sein, Shane. Langsam steht mir das bis zum Hals.“ Shane nickte verständnisvoll und zog leicht an ihrem Handtuch, dass ihr locker um den Oberkörper hing. Sunny krallte ihre Finger kaum merklich etwas fester in das Kissen. Es war ihr etwas unangenehm sich vor Shane ausziehen zu müssen. Sie zuckte kurz zusammen, als die kalte Salbe ihre Haut berührte. „Tut mir leid. Soll ich sie etwas warm machen?“ „Nein, jetzt habe ich den Herzinfarkt schon hinter mir. Jetzt kannst du ruhig weiter machen.“ Sie lachte, als Shane sie neckisch in die Seite pickste. Vorsichtig verteilte er die Salbe über der Wunde. Sie war in den letzten zwei Tagen relativ gut verheilt, aber man sah immer noch wie tief sie einmal gewesen sein musste. Dass Sunny für immer eine riesige Narbe haben würde, war wohl unumgänglich. „Shane?“ „Hm?“ „Warum tust du das alles für mich? Ich meine, du lässt mich hier wohnen, du kochst für mich, du sorgst dich einfach immer um mich. Wieso?“ „Wieso nicht?“ „Du kennst mich doch überhaupt nicht.“ „Darf ich dich deswegen nicht willkommen heißen in meinem Haus? Es ist doch immer noch mir überlassen wen ich hier wohnen lasse und wen nicht.“ Sunny nickte. „Also, denk nicht über solche Sachen nach. Sei einfach froh, dass du so einen lieben Menschen wie mich gefunden hast.“ Shane grinste frech. „Du und lieb? Ach komm. Wie wenn du lieb wärst.“ Schmollend schob Shane seine Unterlippe nach vorne. Das sah einfach zu niedlich aus. „Ok, ok, ich nehme es zurück. Sie sind der netteste, liebste, umwerfendeste und charmanteste Mann in ganz Irland.“ „So? Das ging aber schnell.“ Sunny richtete sich auf, stehts darauf bedacht, dass Handtuch gut festzuhalten. „Tja, ich ändere meine Meinung manchmal ziemlich schnell.“ „Ich sehe es. Sag mir nur bitte kurz davor bescheid, bevor du mich mal hasst. Oder du mich sogar umbringen willst.“ „Zehn, neun, acht, sieben,…“ „Was wird das jetzt?“ „Ich soll dich doch warnen, bevor ich dich umbringe. Also, sechs, fünf, vier…“ „Du änderst deine Meinung wirklich ziemlich schnell, Respekt.“ Shane lachte, als Sunny unbeeindruckt mit den Schultern zuckte. „Drei, zwei…“ „Eins, meins!“ Lachend drückte er sie mit seinen Händen zurück ins Bett. „Nun versuch mich…“ „Auu! Shane!“ Augenblicklich ließ er sie los. „Es tut mir leid. Ich wollte dir nicht…“ „Reingelegt.“ Sunny stürzte sich mit einer Hand auf Shane und drückte ihn kitzelnd in die Kissen. Mit der anderen hielt sie das Badetuch fest. „Das ist unfair.“ „So?“ Sie lächelte ihn frech an. „Ja.“ Shane setzte wieder seinen Schmollblick auf. „Mr. Filan, hören sie auf mich so anzusehen. Sie wissen, dass ich ihnen so nicht widerstehen kann.“ Verwirrt sah Shane sie an. Was meinte sie mit widerstehen? „Was ist? Warum siehst du mich an, als ob du einen Geist gesehen hast?“ Shane schüttelte den Kopf. Das war Schwachsinn. Warum dachte er jetzt daran, dass Sunny etwas für ihn empfinden könnte? „Shane?“ „Sorry, aber ich habe nur über etwas nachgedacht. Komm, lass uns runter gehen und etwas essen. Ich habe Hunger.“ „Oh ja, ich auch. Ich zieh mich nur schnell um.“ Sie verschwand im Bad und kam kurze Zeit später mit einem ihrer neuen Shirts heraus. „Ich bin fertig, wir können!“ Lachend rannte sie nach unten. Shane stand im Schlafzimmer und schüttelte nur amüsiert den Kopf. Da hatte er schon einen wirklich außergewöhnlichen Fang gemacht…
Sunny fiel beinahe vom Stuhl, als es an der Tür klingelte. Die Klingel war eindeutig zu laut eingestellt. Shane dagegen sprang wütend auf. „Nicky! Ich erwürg dich noch irgendwann mal, wenn du nicht mit dem Scheiß aufhört.“ Verwirrt sah Sunny ihm hinter her, als er zur Tür ging. Nach kurzer Zeit hörte sie jemanden reden, der in Richtung Küche unterwegs war. „Nun reg dich mal nicht so auf, Shorty. Du verstehst schon überhaupt keinen Spaß mehr.“ „Du ruinierst noch meine ganze Klingelanlage, wenn du den Knopf immer erst nach außen ziehst, bevor du ihn dann mit voller Wucht rein drückst.“ „Aber so hörst du die Klingel wenigstens im ganzen Haus.“ „Ich und Sunny hätten in der Küche beinahe einen Herzinfarkt bekommen.“ Stille… Sunny kicherte. Jetzt hätte sie gerne Nicky’s Gesicht gesehen. „Wer bitte ist Sunny?“ „Das Mädchen, dass wir gefunden haben. Irgendwie muss ich sie doch nennen.“ Genervt betrat Shane erneut die Küche. Er setzte sich zurück auf seinen Stuhl und nahm einen kräftigen Schluck Kaffee. Nicky kam kurze Zeit darauf ebenfalls in den Raum. Und zu Sunny’s Verwunderung war Kian auch dabei. „Hallo ihr zwei, wie geht’s euch?“ „Hallo, Kleine. Uns geht’s ganz gut und dir? Du machst ja ganz schöne Sachen. Shane hat uns den Horrortrip von vor zwei Nächten erzählt. Wieso sagst du so etwas denn nicht eher?“ „Mensch Nicky, lass sie doch in Ruhe. Das ist doch ihre Sache was sie sagt und was nicht.“ Kian ging auf den Tisch in der Mitte der Küche zu und setzte sich ebenfalls hin. „Ihr seit ja heute wieder verdammt gut drauf.“ Schmollend setzte sich Nicky neben Sunny. „Sagt mal, Jungs. Wieso seit ihr eigentlich hier?“ Fragend sah Shane seine Kumpels an. „Na wir dachten, es wäre vielleicht mal an der Zeit heraus zu finden, wer Sunny wirklich ist.“ „Und wie willst du das anstellen, Nix?“ „Vielleicht sollten wir mal zur Polizei gehen und fragen ob eine Vermisstenanzeige eingegangen ist. Oder ins Einwohnermeldeamt. Vielleicht können die uns irgendwie helfen.“ Sunny saß’s schweigend auf ihrem Stuhl. Es war unglaublich, wie sehr sich diese drei Männer um sie kümmerten, obwohl sie sie erst seit gut einer Woche kannten. „Das sind nicht mal so blöde Ideen, Nicky. Bist du wirklich selber auf die gekommen?“ „Haha, sehr witzig, Sha. Ja, ich bin selber darauf gekommen.“ „Na dann, lasst uns doch gleich mal gehen. Oder was meinst du, Sunny?“ „Ja, versuchen wir unser Glück.“ Mit einem etwas gequälten Lächeln verließ sie schließlich mit den anderen Jungs das Haus. Würden sie wirklich etwas herausfinden? Und wenn ja, würde sie diese Sachen überhaupt wissen wollen?
„Tut mir leid, meine Herrschaften, aber im Moment liegt uns keine Vermisstenanzeige vor.“ „Nichts? Wirklich gar nichts?“ Der Polizist schüttelte den Kopf. Enttäuscht standen die vier Freunde nun vor der Informationsstelle eines Polizeireviers in Sligo. Sie hatten sich erhofft hier etwas Neues über Sunny heraus zu finden. Doch so wie es aussah, war dies nicht der Fall. Geknickt machten sie sich auf den Weg in das nicht weit entfernte Einwohnermeldeamt. Wenn Sunny hier wohnte, musste es doch irgendwelche Informationen über sie geben. Vorsichtig klopfte Shane an eines der zahlreichen Büros und steckte kurze Zeit später seinen Kopf hinein. „Entschuldigen sie, könnten…“ „Gehen sie zu meiner Kollegin ins Zimmer gegenüber. Ich habe jetzt keine Zeit.“ Damit knallte man Shane die Türe regelrecht vor der Nase zu. Leicht irritiert, sah er seine Freunde an. „Was war das denn gerade?“ „Beamte…“ Shane schüttelte nur den Kopf und klopfte im Zimmer neben an, wie es ihm befohlen wurde. Nachdem auch nach längerem warten nichts zu hören war, öffnete er vorsichtig die Tür. So, als hätte er Angst, dass ihm irgend ein Gegenstand entgegen geflogen kämen könnte. „Entschuldigen sie, kann ich sie kurz sprechen?“ „Ja natürlich. Kommen sie herein.“ Überrascht sah Shane zu Sunny und den Jungs. Die Frau schien richtig freundlich zu sein. „Was kann ich für sie tun?“ Als die vier endlich das Büro betreten hatten, fing Nicky an die Frau auszufragen. „Können sie uns sagen, ob, ja, ähmmm…“ Er sah zu Shane. Was sollte er eigentlich fragen? „Kennen sie zufälligerweise dieses Mädchen hier?“ Er deutet auf Sunny. „Nein, tut mir leid. Sollte ich das etwa?“ Fragend sah die Frau in die Runde. „Es ist so. Dieses Mädchen hat ihr Gedächtnis verloren und nun sind wir auf der Suche nach ihrer Identität.“ „Oh, das tut mir wirklich leid. Aber wie soll ich ihnen dabei helfen?“ Enttäuscht ließ Sunny den Kopf hängen. Ja, wie sollte ihr diese Frau helfen können. „Sie kennen sich doch mit ihren ganzen Computerprogrammen besser aus als wir. Gibt es da keine Möglichkeit etwas heraus zu finden?“ „Ich bräuchte wenigstens einen kleinen Anhaltspunkt. Vorname, Nachname, Geburtsdatum, Adresse, Umzugsdatum oder ähnliches. Wissen sie da irgendetwas?“ Traurig schüttelte Sunny ihren Kopf. Nein, sie wusste nichts, wirklich gar nichts. „Ich kann ihnen so leider auch nicht helfen.“ „Können sie vielleicht nachsehen, wann die letzte deutsche Person nach Sligo gezogen ist?“ Erstaunt sahen die drei Freunde zu Kian. Das war gar keine schlechte Idee. „Ja, das ist möglich. Einen kleinen Augenblick bitte.“ Die Frau tippte irgendetwas in den Computer und lächelte, als sie das Ergebnis sah. „Hier haben wir etwas.“ Sunny sah auf. „In den letzten vier Wochen sind neun deutsche Frauen nach Irland gezogen. Vier von ihnen sind allerdings schon über fünfzig Jahre alt und eine ist vor kurzem verstorben. Es blieben also noch drei Frauen, die auf sie zutreffen könnten.“ „Und die wären? Sagen sie doch ein paar Sachen, vielleicht kann sie sich daran erinnern.“ „Ok, ok. Aber ich darf ihnen nicht zu viel sagen, wegen dem Datenschutz.“ „Sagen sie uns alles was sie uns sagen können. Ich bitte sie darum.“ „Na gut. Die erste Frau heißt Anna Beilster. Sie ist zwanzig Jahre alt und wohnte davor in Beilstein. Die zweite Frau heißt Anna Dreschner, achtzehn Jahre und sie zog aus Neumünster hier her. Und die dritte Frau ist Claudia Lanzl, auch wieder zwanzig Jahre alt und sie wohnte in Siegenburg.“ Erwartungsvoll sahen die Jungs zu Sunny. Doch diese zuckte nur mit den Schultern. Sie hörte diese Namen heute das erste Mal. „Mehr kann ich leider nicht für sie tun.“ „Schon gut. Trotzdem vielen Dank für ihre Hilfe. Auf wieder sehen.“ „Auf wieder sehen und noch viel Glück.“ „Danke.“ Enttäuscht verließen sie das Büro der Frau. Nun wussten sie auch nicht mehr als zuvor. Das dachten sie jedenfalls…
„Nun mach doch nicht so ein trauriges Gesicht, Sunny. Bitte, sonst fang ich noch zum Weinen an.“ Shane sah Sunny mitleidig an, als sie auf dem Weg zurück zu ihrem Haus waren. „Tut mir leid, aber ich dachte wirklich für eine kurze Zeit, dass ich endlich herausfinde, wer ich bin und was ich hier mache. Aber da habe ich mich wohl zu früh gefreut.“ Geknickt sah sie aus dem Fenster. Bäume und Häuser rauschten an ihr vorbei. Sie wusste, dass sie das alles schon einmal gesehen hatte, aber sie konnte sich einfach nicht erinnern in welchem Zusammenhang. „Ich weiß was!“ Shane bremste plötzlich stark ab und bog links in eine kleine Seitengasse ein. Nicky hinter ihm tat es ihm gleich. „Sag mal, willst du mir das Genick brechen, Shane? Solche Kurven fährt man eigentlich nicht so schnell.“ „Sorry, aber du wirst verstehen warum ich das gemacht habe.“ Shane strahlte über das ganze Gesicht. Sunny schüttelte nur ihren Kopf. Manchmal hatte dieser Mann echt nicht alle Tassen im Schrank. Geschickt parkte Shane seinen Wagen auf einem kleinen Kiesfeld. „Was wollen wir hier?“ „Lass dich überraschen.“ Ohne ein weiteres Wort stieg Shane aus und ging zu seinem Kumpels. Sunny blieb noch kurz im Auto sitzen und versuchte sich aus allem einen Reim zu machen. Jedoch ohne Erfolg. „Kleine, kommst du oder sollen wir ohne dich gehen.“ „Nein, Kian, warte, ich komme.“ Sie lief zu den anderen, die sich bereits gute dreißig Meter von den Autos entfernt hatten. „Ok, jetzt sagt mir mal was wir hier machen.“ „Nein.“ „Wieso nicht? Ich habe ein Recht darauf es zu erfahren.“ Als sie keine Antwort bekam, verschränkte sie ihre Arme vor der Brust und blieb stehen. „Was ist?“ Dieses mal spielte Sunny die Sprachlose. „Nun komm schon. Es ist nicht mehr weit und du wirst es lieben.“ Beleidigt drehte sie ihnen den Rücken zu und ging ein paar Schritte von ihnen weg. „Sagt mir was wir hier machen oder ich bin genau so schnell weg wie ich hier war.“ Böse sah sie die drei Jungs vor sich an. Kian kam auf sie zu und kniete sich vor sie nieder. Die Hände faltete er wie beim Gebet. „Liebste Sunny. Ich bitte dich darum uns zu vertrauen und jetzt einfach deinen süßen, kleinen Hintern noch um gute hundert Meter weiter zu verschieben.“ Sunny grinste erst, bevor sie sich jedoch nicht mehr halten konnte und in schallendes Gelächter ausbrach. Verwundert sah Kian zu Nicky und Shane. Die zuckten jedoch nur unwissend mit den Schultern. „Was ist so witzig, Sun.“ „Du… du…“ Wieder lachte sie los. „Ich?“ „Du kniest direkt im Schlamm, Ki.“ Kian sprang wie von der Tarantel gestochen auf. Seine Knie waren vom Schlamm dunkel braun eingefärbt und Schmutzwasser tropfte zu Boden. Tja, das war einmal eine beige Hose… „Shit! Shit! Shit! Das darf doch nicht wahr sein. Verdammt. Oh Sunny, das wird dich teuer zu stehen kommen.“ Mit einem Schwung hob er sie über seine rechte Schulter und ging mit ihr zu den anderen Jungs. Lachend versuchte Sunny sich frei zu strampeln. Ohne jeglichen Erfolg. Kian hielt sie einfach zu fest. Sie hatte wohl keine andere Chance, als mit diesen drei irren Iren mitzugehen und sich überraschen zu lassen. Mal wieder…
„Die Augen noch nicht aufmachen, Sunny.“ „Nein, nein, mach ich nicht. Und wenn doch, dann würde ich auch nur deine Finger sehen, Shane.“ Sunny grinste, sie konnte Shane’s Schmollen förmlich spüren. „Nun spannt mich mal nicht so lange auf die Folter, Jungs. Ich finde, ich habe jetzt lange genug zappeln dürfen.“ „Du hast Recht, aber das macht Spaß.“ „Ihr seit mir wirklich Drei.“ „Na gut, also ich zähle bis drei. Fertig?“ Sunny nickte. „Drei, zwei, eins…“ „Meins!“ Shane nahm Sunny die Hand von den Augen und diese öffnete sie langsam. Sie staunte nicht schlecht, als sie eine wunderschöne Klippe vor sich entdeckte. „Das ist… das ist… wow!“ Sunny lief ein Stück nach vorne, in Richtung Klippe. „Sei vorsichtig. Da geht es ein ganz schönes Stück nach unten. Und da kann dich dann nicht mal dein Shane retten.“ Sunny winkte Nicky nur zu und lief weiter. Es war einfach unglaublich schön hier. Kian ging auf Shane zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Nicky lief vorsichtshalber zu Sunny. „Wieso hast du ihr diese Stelle gezeigt, Shane?“ „Eigentlich müsste ich dir keine Antwort darauf geben, Ki. Du weißt es selbst.“ „Du meinst, sie soll hier her kommen, wenn sie Probleme hat und allein sein will. So wie wir vor Jahren immer?“ Shane nickte. „Ja, das dachte ich mir.“ „Das ist nicht alles.“ Verwirrt sah er Kian an. „Wie meinst du das?“ „Du empfindest mehr für sie, stimmst? Dies hier war doch deiner und Gillian’s Lieblingsort. Du hast mir so oft davon erzählt, wie ihr hier gesessen seit und…“ „Hör auf damit, Kian. Hör einfach auf damit.“ „Aber…“ „Nichts aber. Du weißt überhaupt nichts und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Lass mich einfach in Ruhe, was mich und meine Beziehungen betrifft. Kümmere dich lieber darum, dass das zwischen dir und Jodi wieder besser wird.“ Kian sah zu Boden. Shane hatte Recht. Er hatte sich immer in die Beziehung von ihm und Gillian eingemischt, nur weil Gill seine Cousine war. Er hatte aber nie das Recht dazu. Er sollte sich wirklich lieber um seine eigene Beziehung kümmern und nicht um die von anderen Wenn er nicht bald etwas unternahm, dann wäre er auch wieder solo. Das hatte ihm Jodi in der letzten Zeit oft genug gesagt. „Kian! Shane! Kommt her! Das müsst ihr sehen!“ Sunny winkte den Jungs zu. „Vergessen wir das Ganze wieder, ok?“ Kian nickte. Ihm war es mehr als recht. „Was hast du denn schönes entdeckt?“ Shane stellte sich hinter sie und legte ihr beide Arme auf die Schultern. „Da, der Sonnenuntergang. Der ist einfach wunderschön.“ Shane lächelte. Ja, da hatte sie recht. Die Sonnenuntergänge hier waren einfach traumhaft und deshalb war er auch mit Gillian oft hier. Er schüttelte kaum merklich den Kopf. Er musste endlich begreifen, dass Gillian Vergangenheit war. Sie hatte ihn verlassen und damit musste er endlich zu recht kommen. Die Frage war nur wie?
Shane wachte auf, als er komische Geräusche aus dem Badezimmer vernahm. Er sah zu Sunny’s Seite und zu seiner Verwunderung war sie leer. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es kurz nach vier war. Was zum Teufel trieb Sunny mitten in der Nacht im Bad? Er klopfte an die Tür. „Alles ok bei dir?“ Er bekam keine Antwort, sondern vernahm nur Husten. „Sunny?“ Leise drehte sich der Schlüssel im Loch und die Tür ging auf. „Oh Gott, was ist denn los?“ Vor ihm stand eine schneeweiße Sunny. Die Haare hingen ihr strähnig ins Gesicht und Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn. Kraftlos ließ sie sich auf’s Bett fallen. Shane fasste ihr an die Stirn. Sie glühte. „Oh nein. Ich Idiot. Ich habe Gestern nicht daran gedacht, dass du dich vielleicht erkälten könntest.“ Sunny winkte ab. „Kein Problem. So schlimm ist es auch wieder nicht. Ich werde…“ Ein Hustanfall unterbrach sie. „Leg dich hin und ruh dich aus. Ich mach dir eine Wärmflasche, hol dir etwas zu trinken und such irgendwelche Mittel gegen Erkältungen.“ Shane wollte gerade gehen, als ihn Sunny am Arm fest hielt. „Nein, lass es bleiben. So schlimm ist es ja nun auch wieder nicht. Ich will dir nicht schon wieder Schwierigkeiten machen.“ „Machst du nicht. Ich mache das alles freiwillig.“ „Shane, bitte…“ „Nein, ich kann in diesem Haus immer noch machen was ich will. Und ich will mich um dich kümmern, also sei jetzt still und ruh dich aus.“ Er lächelte sie an, als er merkte, dass er sich etwas im Ton vergriffen hatte. Sunny nickte und legte sich zurück ins Bett. Es war doch nicht zu glauben. War sie denn wirklich so ein Schwächling, dass sie bei jeder Gelegenheit halb im sterben liegen musste? Wütend krallte sie sich in ihrer Decke fest. Sie wollte nicht ständig auf Shane’s Hilfe angewiesen sein. Sie wollte endlich wieder ihr Leben führen können. Ihr ganz normales altes Leben. War das denn zu viel verlangt? So wie es aussah, ja.
Shane machte sich Sorgen. Nun waren zwei Tage vergangen und Sunny ging es immer noch nicht besser. Im Gegenteil. Manchmal kam es ihm sogar so vor, als ginge es ihr noch schlechter. Sie lag kraftlos im Bett, hatte starke Hustenanfälle, Fieber und starken Schnupfen. Shane wollte sie zu einem Arzt bringen, doch sie weigerte sich mit allen Mitteln dagegen. Sie wollte sich nicht schon wieder mit allen möglichen Medikamenten voll stopfen lassen. Ihr Magen zeigte ihr deutlichst, dass er das auch alles andere als gut fand. Vorsichtig tupfte Shane ihr den Schweiß mit einem kalten Tuch von der Stirn. Sie schlief seit langer Zeit wieder einmal eine längere Zeit durch und wurde nicht durch Albträume gequält. Er hoffte, dass dies ein Zeichen der Besserung war. Auch das Fieber war deutlich gesunken. „Shane?“ Sunny hatte ihre Augen geöffnet und sah genau in die von Shane. Diese waren mit so viel Wärme gefüllt und gleichzeitig mit Angst. Und das gefiel ihr nicht. „Bitte mach dir keine Sorgen. Ich fühle mich schon um einiges besser. Dank deiner guten Pflege.“ Sie lächelte ihn an und Shane fiel ein Stein vom Herzen. „Shane?“ „Hm?“ „Machst du mir etwas zu essen? Ich habe einen riesen Kohldampf.“ Shane lachte auf. So wie es aussah, ging es ihr wirklich besser. „Klar, kein Problem. Was möchtest du denn?“ Sie grinste frech. „Willst du das wirklich wissen?“ Er nickte. „Dann wäre es um einiges leichter für mich, dir etwas Gutes zu kochen.“ „Du brauchst nicht kochen. Bestell einfach die größte Pizza Margarita die du hier in Irland bekommen kannst.“ Ok, jetzt war sich Shane sicher. Es ging wieder bergauf mit Sunny. Eine halbe Stunde später kam Shane mit einem riesigen Karton in’s Schlafzimmer. Sunny staunte nicht schlecht, als er mit der Pizza aufs Bett kletterte. „Du hast doch sicherlich nichts dagegen, wenn ich etwas mitesse, oder? Ich denke, die reicht locker für uns zwei.“ Shane grinste, als er Sunny’s erstauntes Gesicht sah. „Die ist ja riesig. So etwas gibt es in Deutschland nicht.“ Verwundert sah Shane sie an. Erinnerte sie sich an etwas? „Du fragst dich jetzt sicherlich wie ich darauf komme. Ich weiß nicht. Das fühle ich einfach.“ Shane nickte. Was sollte er auch darauf antworten? „Ok, wer am schnellsten seine Hälfte verputzt hat.“ „Was? Spinnst du, Shane. Ich schaff doch nie eine ganze Hälfte von diesem riesigen Ding. Da ist ja eine Hälfte so groß wie normalerweise zwei Pizza’s. Ich bin vielleicht verfressen, aber so extrem bin nicht mal ich.“ Shane lachte sich halb schlapp über Sunny’s Gesichtsausdruck. „War doch nur ein Scherz. Iss einfach so viel wie du willst. Den Rest heben wir uns entweder für später auf oder wir werfen ihn weg. Nur keinen Stress deswegen. Auch wenn ich mich frage, warum du die größte Pizza von Irland wolltest, wenn du überhaupt keinen Hunger hast.“ „Ich habe sehr wohl Hunger. Nur erinnere ich dich daran, dass ich eine Frau bin und nicht so verfressen bin wie ihr männlichen Lebewesen.“ „Hey, das war jetzt fies.“ „Selber Schuld.“ Die zwei lachten und machten sich dann daran, die riesige Pizza zu verdrücken. Sunny musste zugeben, sie hatte noch nie eine solch gute Pizza gegessen. Oder lag es einfach nur an der Tatsache, dass sie diese Pizza mit Shane teilen konnte?
„Shane? Kommst du? Das Frühstück ist fertig!“ Sunny hatte sich vor fast zwei Stunden heimlich aus dem Schlafzimmer geschlichen. Sie wollte Shane nach all den Strapazen eine kleine Überraschung bereiten. Sunny war gerade dabei die letzten Köstlichkeiten in den Garten zu tragen, als sie Shane die Treppe herunter kommen hörte. Sie grinste, als sie sich sein Gesicht vorstellte. Er musste total verschlafen aussehen, schließlich war es erst neun Uhr Morgens und Shane war gestern noch lange mit Kian und Nicky unterwegs gewesen. Sie hatte sich dazu entschlossen, einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher zu verbringen. Was ihr mehr als gelungen war. Es war eine lange Zeit her, dass sie sich so wohl in ihrer Haut fühlte. Sie war gerade dabei den Tee in die Tassen zu schütten, als sie einen Aufschrei hörte. Erschrocken wirbelte sie herum. Sunny hörte Shane, wie er fluchend die Küche betrat. „Verdammt. Au, das tut weh.“ Lachend lief sie zur Tür, die die Küche vom Garten trennte. Dort entdeckte sie einen Shane, der einen Eisbeutel auf sein Knie hielt. „Guten Morgen. Alles ok bei dir?“ Shane drehte sich nicht um. „Ja, passt schon.“ Er murmelte etwas unverständlich vor sich hin und es war nicht zu übersehen, dass er nicht gut gelaunt war. „Ich habe Frühstück gemacht.“ „Schön.“ Mehr hatte er dazu nicht zu sagen? Immerhin hatte sie sich für gute zwei Stunden in die Küche gestellt um etwas Leckeres zu kochen. Und das sollte nun der Dank dafür sein? Sie wäre schließlich auch lieber im Bett liegen geblieben. Nein, so schnell gab sie sich jetzt nicht geschlagen. „Shane? Kommst du mit? Der Tee wird kalt.“ „Gleich.“ Sunny sah ihn wütend an. Der Mann hatte vielleicht Nerven. Auch fünf Minuten später zeigte er noch nicht mal das kleinste Anzeichen dafür, dass er sich gleich in Richtung Garten bewegen würde. „Gut, ich geh jetzt wieder raus. Denn ich will meinen Tee nicht eiskalt trinken und ich will die Sonne genießen, solange sie noch da ist. Wenn du vielleicht auch noch die Lust verspürst, dich zu mir zu gesellen, dann bitte. Mir ist es jetzt auf alle Fälle egal was du machst.“ Wütend lief sie zurück zu der kleinen Decke im Garten, auf der das Essen bereits auf sie wartete. Shane stand immer noch in der Küche, jedoch knallte er den Eisbeutel mit voller Wucht in das Spülbecken. Warum musste er immer so ein Idiot sein? Warum musste er seine schlechte Laune immer an anderen auslassen? Was konnte Sunny dafür, dass er gestern Abend auf Gillian treffen musste und diese ihm sagte, dass sie die Scheidung einreichen wolle? Nichts, sie konnte wirklich überhaupt nichts dafür. Langsam ging er nach draußen, wobei ihm beinahe die Luft wegblieb. Sunny hatte ein wunderbares Frühstück gezaubert. Mit allen Herrlichkeiten, die man sich nur vorstellen konnte. Vorsichtig setzte er sich neben sie auf die Decke. Sunny jedoch tat so, als wenn sie ihn nicht sehen würde. Sie angelte gerade nach einem Stück Kuchen, als Shane seinen Kopf auf ihre Schulter legte. „Es tut mir leid, Sunny. Ich habe mich gerade wie der größte Idiot auf Erden benommen.“ Sunny antwortete jedoch nicht, sondern biss herzhaft in ihren Kuchen. Shane hob seinen Kopf. „Bitte, es tut mir wirklich leid.“ „Warum, Shane? Was ist los?“ „Das kann ich dir nicht sagen.“ „Wenn es so ist.“ Sie stand auf und wollte ins Haus laufen. Doch Shane war schneller und hielt sie fest. „Warte!“ Sunny funkelte ihn böse an. „Ich dachte wirklich, du wärst ein lieber und zuvorkommender Mensch, der immer ehrlich zu mir ist, Shane.“ „Das bin ich auch. Aber du musst verstehen, dass es auch noch Sachen gibt, die dich nichts angehen. Ich habe auch noch ein Privatleben.“ „Ja, stimmt, das hast du. Im Gegensatz zu mir. Ja… ich habe nicht mal mehr ein Leben.“ Mit diesen Worten riss sie sich von ihm los und lief hinauf in den ersten Stock. Sie wollte weg von Shane. Einfach nur weg…
Shane stand noch lange Zeit im Garten, ehe er sich ebenfalls ins Haus begab. Was hatte er da gerade nur angestellt? War das alles denn gerade so schlimm gewesen? Er versuchte sich in Sunny’s Situation zu versetzten und er kam zu dem Entschluss, dass es alles andere als gut war, was er da gerade abgezogen hatte. Er zog eine kleine, rosa Rose aus dem Blumenstrauß am Küchentisch und lief nach oben. Irgendwo hier musste sich Sunny ja verstecken. Er durchsuchte alle möglichen Zimmer, doch nirgends war sie zu finden. Langsam machte er sich Sorgen. Sie wird doch nicht auf blöde Gedanken gekommen sein? Shane schüttelte den Kopf. Nein, auf gar keine Fälle. Oder doch? Es fiel ihm ein Stein vom Herzen, als er die Tür zu einem weiteren Zimmer öffnete. Es war das Zimmer seines Kindes. Noch vor wenigen Wochen, lebte es hier zusammen mit ihm und Gillian. „Hey.“ Sunny sah erschrocken auf. Sie dachte eigentlich, dass sie hier sicher vor Shane wäre. Doch da hatte sie sich wohl vertan. Er kniete sich vor sie und hielt ihr die Rose entgegen. Vorsichtig nahm Sunny sie ihm ab. „Danke.“ „Nein, sag nichts. Ich bin derjenige der sich bedanken muss. Aber als allererstes muss ich mich wohl bei dir entschuldigen. Sunny, es…“ Tränen bildeten sich in seinen Augen. „Was ist los, Shane? Du kannst mir doch alles erzählen. Ich verspreche dir, ich sage es niemanden. Und über Probleme zu sprechen, bewirkt oft Wunder.“ Shane nickte und setzte sich neben sie. „Ich habe gestern Abend Gillian getroffen.“ Nervös knetete er seine Hände. „Wer ist das?“ „Mein Frau. Oder besser gesagt meine Ex-Frau. Sie hat mir gestern gesagt, dass es endgültig aus ist zwischen uns und sie die Scheidung will.“ Sunny nahm Shane’s Hand in die ihrige und streichelte ihm beruhigend über den Handrücken. „Das tut mir wahnsinnig leid für dich, Shane. Aber…ähm… darf ich fragen… na ja…“ Sunny sah sich unbeholfen im Raum um. „Du meinst, wieso in diesem Raum lauter Kindersachen sind?“ Sie nickte. „Ich habe einen Sohn. Allerdings hat ihn Gill mitgenommen, als sie vor ungefähr einem Monat hier auszog.“ Überrascht sah Sunny ihn an. Er hatte einen Sohn? Wow! „Aber wieso? Ich meine…“ „Du willst wissen warum sie mich verlassen hat?“ Wieder nickte sie nur. „Eine Stripptestänzerin aus Dublin hat behauptet, dass wir über Monate eine Affäre miteinander hatten. Leider hat Gillian ihr das geglaubt.“ „Es stimmt gar nicht?“ „Nein! Gott nein!“ Wütend stand Shane auf. „Ich würde so etwas nie tun. Ich liebe Gillian und ich liebe mein Kind. Ich war der glücklichste Mensch auf der ganzen Welt und dann…dann kam diese billige Tussi daher und zerstörte alles.“ Tränen liefen ihm über das Gesicht. Sunny stand ebenfalls auf und ging auf ihn zu. „Ich glaube dir.“ Sie nahm in fest in die Arme. „Danke, aber um ehrlich zu sein bringt mir das auch nicht besonders viel.“ Sie drückte ihn erneut fest an sich und Shane war überaus dankbar dafür. Er wusste, dass er ihr vertrauen konnte. Vorsichtig hob er seinen Kopf und traf dabei genau auf die Augen von Sunny. Sie waren mit so viel Wärme gefüllt. Langsam neigte er seinen Kopf nach unten. Er wollte nicht länger allein sein. Er wollte endlich wieder geliebt werden. Sunny stand reglos da. Was zum Teufel hatte er vor? Sie wusste es, als seine weichen Lippen die ihrigen berührten. Erst war sie geschockt, doch dann schloss sie ihre Augen. Sie wollte einfach nur genießen und endlich wieder leben…
Sunny zuckte leicht zusammen, als es an der Türe klingelte – mal wieder viel zu laut. Sie sah auf zu Shane, der genervt in Richtung Türe sah. Die beiden hatten es sich auf der Couch im Wohnzimmer gemütlich gemacht und wollten einfach nur die Zweisamkeit genießen. „Ich würde mal sagen, dass war’s mit kuscheln?“ Lächelnd strich ihr Shane über die Wange. „Keine Sorge, ich bringe Nicky nur kurz um und dann bin ich gleich wieder bei dir.“ „Wieso bist du dir so sicher, dass es Nicky ist?“ „Weil nur er es schafft mich auf diese Art und Weise auf die Palme zu bringen.“ Er küsste sie auf die Stirn und ging in Richtung Haustür. „Ach Shorty, du bist ja doch da. Ich muss sagen, du warst auch schon mal schneller an der Tür. Darf ich jetzt trotzdem vielleicht noch mal reinkommen?“ „Wenn es sein muss.“ „Ach Shane, nun komm. Vergiss die Sache Gill von Gestern Abend doch einfach wieder.“ „Die ist schon lange vergessen.“ Verwirrt sah Nicky ihn an, als sie das Wohnzimmer betraten. „Was willst du eigentlich hier?“ Shane setzte sich wieder neben Sunny, die ihren Kopf auf seine Schulter legte. „Ich wollte eigentlich nur sehen wie es dir geht. Aber so wie es aussieht…“ Er grinste frech, als Shane einen Arm um Sunny’s Hüften legte. „Wie sieht es denn aus?“ Sunny richtete sich auf und sah Nicky erwatungsvoll an. „Naja, also wenn mich nicht alles täuscht, dann…“ Er ging auf sie zu und setzte sich auf die Lehne der Couch neben Shane. „Dann seit ihr jetzt wirklich ein Paar?“ „Was heißt ‚jetzt wirklich’?“ Shane und Sunny sahen ihn fragend an. „Ach kommt. Das war doch nur eine Frage der Zeit, bis ihr zwei endlich zusammen kommt. Kian und ich hätten schon beinahe eine Wette abgeschlossen, wie lange es noch dauert. Aber wir wissen ja Beide, wie du zu solchen Sachen stehst, Sha.“ Er grinste ihn frech an. „Ja, ich hasse sie.“ Sunny sah verwundert von Shane zu Nicky und wieder zurück. Wieso war es so offensichtlich, dass sie ein Paar werden würden? Sie wusste es doch selbst noch nicht einmal bis vor zwei Stunden. Sie schüttelte den Kopf. Das war schon eine irrwitzige Geschichte hier. Unglaublich…
Nun war eine weitere Woche vergangen und Sunny saß allein vor dem Fernseher. Shane, Kian und Nicky mussten irgendetwas erledigen, wobei sie ihr nicht den kleinsten Anhaltspunkt gaben um was es sich dabei handelte. Sie zappte noch eine Zeit gelangweilt die Programme durch, bis sie schließlich frustriert aufgab und den Fernseher ausschaltete. Es war eh sinnlos. Nun saß sie hier allein in diesem riesigen Haus und wusste nicht was sie tun sollte. Bis ihr plötzlich die Klippen einfielen, die ihr Shane damals gezeigt hatte. Sie waren nicht weit von hier und ein Spaziergang würde ihr sicherlich nicht schaden. Sunny zog sich etwas Warmes an und machte sich dann auf den Weg zu ihrem neuen Lieblingsplatz. Nach gut fünfzehn Minuten kam sie dort an. Es war wie immer niemand außer ihr dort. Jedenfalls dachte sie sich das. Sie ging gerade auf eine der Klippenenden zu, als ihr jemand hinterher schrie. „Vorsicht! Gehen sie nicht so nahe an den Abgrund. Der Wind ist heute extrem stark.“ Ein großer, braunhaariger Mann stand plötzlich neben ihr und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Keine Sorge. Ich pass schon auf mich auf.“ Doch genau in diesem Moment zog ein starker Wind auf und brachte Sunny aus dem Gleichgewicht. Sie wäre die Felsen hinab gestürzt, wenn sie der fremde Mann nicht rechtzeitig festgehalten hätte und sie zurückgezogen hätte. Die Beiden fielen rücklings auf den Boden. Sunny oben auf. „Alles ok bei ihnen?“ Sunny nickte und stand auf. Ihr Herz schlug ihr bis zu den Knien und sie zitterte am ganzen Körper. „Sind sie sicher, dass alles in Ordnung ist?“ „Ja, ja danke. Wow, das hätte auch ins Auge gehen können.“ „Ich habe sie ja gewarnt. Aber sie wollten ja nicht hören.“ Er grinste sie frech an. „Wie heißen sie eigentlich?“ „Sunny. Mein Name ist Sunny. Und ihrer ist, wenn ich fragen darf?“ „Natürlich dürfen sie. Mein Name ist Markus Feehily. Aber bitte nennen sie mich einfach nur Mark.“ Sie lächelte ihn an. Irgendetwas faszinierte sie an diesem Mann. Die Beiden setzten sich auf einen Felsen, etwas entfernt von den Abhängen. Hier waren sie auf alle Fälle sicherer, als direkt davor. Sie unterhielten sich über Gott und die Welt und trotzdem behielt jeder viel für sich. Sunny verriet ihm von ihrem Gedächtnisverlust, jedoch schwieg sie über Shane. Und Mark hielt geheim wer er eigentlich war. Dadurch erwähnte auch er Shane nicht. Sunny sah auf die Uhr und erschrack. Es war bereits kurz nach acht Uhr. Shane wollte eigentlich um halb acht Uhr zurückkommen. Sie stand auf und klopfte sich den Sand von der Hose. „Musst du schon gehen?“ Sunny nickte. „Ja, leider.“ „Sehen wir uns irgendwann wieder?“ Sie lächelte. „Ich denke schon. So groß ist Sligo nun auch wieder nicht.“ Ja, wieso sollten sie sich auch nicht wieder sehen? Mark stand auf und drückte sie an sich. Sunny war etwas verwundert über diese Geste, ließ es aber über sich ergehen. Doch dann nahm er ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie. Erschrocken wich sie zurück. Mark sah sie fragend an. „Es… es tut mir leid, Mark. Aber ich muss jetzt wirklich gehen. Auf wieder sehen.“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und rannte davon. Das hätte gerade einfach nicht geschehen dürfen…
Sunny zitterte leicht, als sie die Tür zu Shane’s Haus öffnete. Was sollte sie denn jetzt tun? Sollte sie Shane von Mark erzählen oder doch lieber schweigen? Sie wusste, wie sehr sie ihn damit verletzen würde, wenn sie es ihm sagen würde. Auch, wenn sie überhaupt keine Schuld an allem hatte. Trotzdem entschied sie sich lieber dagegen. Sie betrat gerade die Küche, als sie die Haustür ins Schloss fallen hörte. Shane kam also auch erst nach Hause. Sehr gut. „Hi Süße. Wie geht es dir? Hattest du einen schönen Tag?“ Shane umarte sie von hinten und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Hallo. Ja, hier ist alles in Ordnung. Und wie war es bei dir?“ Sie hatte Angst ihm in die Augen zu sehen, als sie sich schließlich umdrehte. Shane grinste. „Bei uns lief alles nach Plan.“ „So und was habt ihr jetzt eigentlich gemacht?“ „Verrat ich nicht.“ Er zwinkerte ihr frech zu und ging hinüber ins Wohnzimmer. „Das ist unfair, Shane.“ „Du bist ganz schön neugierig, weißt du das? Glaub mir, du wirst es noch früh genug herausfinden.“ Sunny sah ihn fragend an, als sie sich neben ihn auf die Couch fallen ließ. „Warum müsst ihr Männer immer so geheimnisvoll sein?“ Shane lachte nur. „Glaub mir, du wirst es noch früh genug herausfinden.“ Mit diesen Worten stand er auf und ging hinauf in Richtung Dusche. Männer…
Mark saß in der Zwischenzeit bei sich daheim im Wohnzimmer und zappte gelangweilt durch die Programme die der Fernseher zu bieten hatte. Jedoch musste er immer wieder an das Mädchen von vorhin denken – Sunny. Sie wollte ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Er wusste, dass es falsch war, was er getan hat. Aber er konnte einfach nicht anders, als sie küssen. Sie hatte so eine unglaublich starke Anziehungskraft auf ihn. Mark atmete einmal tief durch. Er hatte sich doch nicht tatsächlich in diese Mädchen verknallt? Er schüttelte den Kopf. So schnell konnte das doch gar nicht gehen, oder? Er wurde hellhörig, als im Fernsehen eine Vermisstenanzeige gezeigt wurde. Dies war wirklich selten für Irland. „Die zwanzig jährige Claudia Lanzl wird seit gut zwei Wochen vermisst. Sie zog erst vor vierzehn Tagen nach Irland, meldete sich kurz bei ihren Freundinnen, gab aber dann kein Lebenszeichen mehr von sich. Wenn sie diese Frau gesehen haben, dann melden sie sich bitte umgehend bei der Polizei. Wir danken für ihre Mithilfe.“ Dann wurde ein Foto der Frau eingeblendet und Mark fiel beinahe von der Couch. Das konnte doch nicht sein? Das Mädchen, dass sie gerade zeigten, war ohne Frage Sunny. Hatte sie ihm nicht von einem Gedächtnisverlust erzählt? Natürlich! Das war die Lösung. Er wusste nun wer sie war und er wollte ihr so schnell wie möglich helfen. Fragte sich nur, wo sie sich gerade aufhielt. Doch nun musste er erst einmal zu Shane. Dieser wollte für eine neue Freundin eine Überraschungsparty geben. Wenn Mark gewusst hätte, was ihn dort erwarten würde, wäre er wohl lieber daheim geblieben…
Sunny stieg gerade aus der Dusche, als es an der Badtür klopfte. „Schatz, beeilst du dich mal etwas? Ich habe eine kleine Überraschung für dich.“ Verwundert öffnete sie die Tür. „Was hast du? Shane, du weißt ganz genau, dass ich von deinen Überraschungen die Nase voll habe.“ Verwirrt sah er sie an, sodass Sunny zu lachen anfangen musste. „War doch nur ein Witz. Gott, dass du immer alles glauben musst. Ich zieh mir nur schnell etwas über, dann komme ich sofort.“ „Nein, du musst dich richtig hübsch machen.“ „Hä? Wieso denn das? Willst du noch wo hin?“ „Nein, aber… oh man, ich darf das doch nicht sagen. Naja, es kommen noch ein paar Leute.“ „Ein paar? Was hast du vor?“ „Sag ich nicht.“ Er küsste sie lächelnd auf die Nasenspitze und verschwand. „Komischer Vogel.“ Sunny musste lachen. Ja, da hatte sie sich schon einen wirklich komischen Vogel geangelt. Aber einen überaus liebenswerten. Die nächste halbe Stunde verbrachte sie damit sich zu stylen. Was gar nicht so einfach war, wenn man nicht einmal mal wusste für was man sich herrichtet. War es nur wieder eine von diesen typischen, männlichen Saufpartys oder doch etwas Feineres? Sie entschied sich letztendlich für eine schwarze Stoffhose und eine eng anliegende dunkelblaue Bluse. Das würde schon irgendwie passend sein. Ihre langen, braunen Haare ließ sie sich locker über die Schultern fallen. Zufrieden mit ihrem Spiegelbild machte sie sich auf den Weg nach unten. Doch noch vorm Treppenansatz, wurde sie von Kian aufgehalten. „Halt! Nicht so schnell, junge Dame. Shane! Sie kommt!“ Verwirrt sah Sunny ihn an. Waren denn jetzt alle durch geknallt? So wie es aussah ja. „Darf ich vielleicht jetzt auch mal runter? Shane hat gesagt ich solle mich beeilen. Also…“ „Gleich. Nur etwas Geduld.“ Er lachte, als Sunny die Arme vor der Brust verschränkte und sich gegen das Treppengeländer lehnte. „Geduld gehört wohl nicht zu deinen Stärken, was?“ „Männer.“ „Hey, was hat das jetzt damit zu tun?“ „Nichts, aber das ist doch egal.“ Kian wollte gerade etwas erwidern, als Nicky die Treppen hinauf gelaufen kam. „Ok, ihr könnt jetzt runter kommen. Nur…“ Nicky zog ein Tuch aus seiner Hosentasche. „Nur muss ich dir die Augen verbinden.“ Fragend sah Sunny von Nicky zu Kian und wieder zu Nicky. „Euch geht es wohl etwas zu gut heute. Für was soll denn das gut sein?“ „Wirst du schon sehen. Es soll ja schließlich eine Überraschung sein.“ Sunny verdrehte die Augen und ließ sie sich schließlich von Nicky verbinden. Was sollte sie auch anderes machen? Langsam ging sie die Stufen hinab. Stehst darauf bedacht, sich gut an Nicky und Kian fest zuhalten. Sie wollte nicht noch auf der Nase landen. Als sie unten angekommen waren, lösten sich die zwei Jungs an ihrer Seite aus ihrer Umklammerung. „Hey, bleibt da.“ Jedoch bekam sie keine Antwort mehr. Urplötzlich war es mucksmäuschenstill um sie herum. „Leute? Hey, wo seit ihr?“ Sie wollte gerade die Augenbinde aufmachen, als sie zwei Hände auf ihren Schultern spürte. Kurze Zeit später fiel das Tuch über ihren Augen zu Boden. Sie öffnete sie vorsichtig und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Überraschung!“ Das ganze Wohnzimmer war mit Menschen gefüllt. Was zum Kuckuck sollte das? Etwas benommen stand Sunny nun da. Sie hatte keine Ahnung was sie tun sollte oder warum sie überhaupt hier stand. „Ok, ich verstehe. Du kapierst nicht warum du hier bist?“ „Shane, das kann sie auch gar nicht wissen.“ Nun verstand Sunny gar nichts mehr. „Na gut, ich wollte dir eigentlich nur mal all meine Freunde vorstellen. Und wie geht das besser als wie mit einer Party?“ Er sah sie lächelnd an. „Interessant.“ „Freust du dich denn nicht?“ „Doch natürlich. Nur hast du mich damit jetzt etwas überrannt.“ „Schon klar. Komm, ich stell dir mal all die Leute vor.“ Shane war gerade dabei ihr Georgina, Nicky’s Frau, vorzustellen, als es an der Haustür klingelte. „Ich mach auf.“ Und schon war Sunny in Richtung Haustür unterwegs. Jedoch wünschte sie sich nur kurze Zeit später, dass sie dies unterlassen hätte, denn vor der Tür stand kein wirklich Fremder. Vor ihr stand Mark.
Ungläubig sah ihn Sunny an. Das durfte doch nicht wahr sein? Was machte Mark denn hier? „Oh hallo, Mark. Schön, dass du doch noch rechtzeitig gekommen bist.“ Shane war zu ihnen gekommen und legte nun einen Arm um Sunny’s Hüften. Diese lächelte gequält. „Komm doch rein. Du stehst hier rum, als hättest du einen Geist gesehen.“ Shane kniff seinen Kumpel freundschaftlich in die Seite und zog ihn dann mit sich ins Wohnzimmer. Sunny ging langsam hinterher. Wenn das mal gut ging. „Hallo Leute!“ Shane hatte sich auf die unterste Stufe der Treppe gestellt und versuchte nun die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Was ihm auch gelang. „Ich freue mich, dass ihr heute alle hier seit, damit ich euch einen wundervollen Menschen vorstellen kann.“ Er lächelte Sunny stolz an. Diese wurde leicht rot und drehte den Kopf zur Seite. „Sunny, komm doch mal her.“ Geschockt sah sie ihn an. „Nein, bitte nicht.“ Sie schüttelte den Kopf, doch so stur wie Shane war, gab er nicht auf. „Nun, komm schon. Wir beißen dich sicherlich nicht.“ Er nahm sie in die Arme, als sie sich schließlich doch zu ihm begab. „Leute, das hier ist Sunny. Eine wundervolle, zuvorkommende junge Lady und die neue Frau an meiner Seite.“ Sunny sah, wie Mark sich an seinem Schluck Sekt verschluckte. Mit so etwas hatte er wohl nicht gerechnet. Zehn Minuten später stand sie wieder in Mitten der ganzen Leute und unterhielt sich angeregt mit Georgina. Diese schien wirklich nett zu sein. Kein Wunder, dass Nicky so fasziniert von ihr war. „Und du weißt wirklich überhaupt nichts mehr von deiner Vergangenheit?“ Sunny schüttelte leicht deprimiert den Kopf. „Nein, nein leider nicht. Ich würde langsam alles dafür geben, damit ich wieder wüsste wer ich bin und was ich hier eigentlich mache.“ „Ja, das ist verständlich. Aber du hast mit Shane eine gute Unterstützung gefunden.“ Sunny lächelte. Ja, das hatte sie wirklich. Mark stand die ganze Zeit hinter ihr und belauschte ihr Gespräch. Sie wusste also wirklich nichts mehr. Doch würde sie wirklich alles dafür geben, wieder über sich bescheid zu wissen? Sollte er ihr vielleicht doch sagen, wer sie war? Nein, dass würde er nicht. Er war viel zu enttäuscht von ihr, dass sie ihm nichts von Shane erzählt hatte. Wieso hatte sie ihm denn nicht gleich gesagt, dass sie einen Freund hatte? Dann wäre er erst gar nicht in diese blöde Situation geraten. Dann hätte er sich erst gar nicht in sie verliebt…
Am nächsten Morgen wachte Sunny schon früh auf. Ihr Kopf dröhnte und ihr rechtes Knie schmerzte. Sie hatte gestern eindeutig zu viel getrunken. Und der kleine Zweikampf mit Nicky war wohl auch nicht gerade intelligent gewesen. Mit Scherzen erinnerte sie sich daran, wie sie mit ihm am Boden geringt hat, bis der große Wohnzimmerschrank sie gestoppt hatte. Sie grinste. Ja, der gestrige Tag war schon ganz witzig gewesen. Sie hatte endlich Shane’s beste Freunde kennen gelernt und alle waren überaus freundlich zu ihr gewesen. Außer einer – Mark. Mit ihm hatte sie den ganzen Abend kein Wort gewechselt. Sie hatte immer krampfhaft versucht ihm auszuweichen und er tat nichts anderes. Leise stieg sie aus ihrem Bett. Sunny wollte Shane nicht wecken, der friedlich, wie ein kleines Baby, schlummerte. Doch sie brauchte dringend etwas zu trinken. Sie hielt sich ihren Kopf, als sie die Treppen hinab stieg. Nein, so einen Brummschädel hatte sie wirklich noch nie gehabt. Da war sie sich sicher. Und wenn doch, dann wäre dies sicherlich das letzte Mal gewesen. „Guten Morgen. Brauchst du auch ein Aspirin?“ Sunny sah verwundert auf, als ihr jemand eine Tablette hinhielt. Es war Kian. „Morgen. Ja, danke, das kann ich echt gebrauchen.“ Sie setzten sich auf die große Couch und schwiegen. Keiner war wirklich erpicht darauf etwas zu sagen. Jedes Wort war zu laut und schmerzte im Kopf. Doch Sunny’s Neugier war größer. „Ähm, Ki, was machst du eigentlich hier? So weit ich mich erinnern kann…“ Sunny hielt inne. „Ok, ich kann mich eigentlich nicht erinnern. Man muss ich gestern blau gewesen sein.“ Kian lachte. „Ja, das warst du und du warst nicht die Einzige.“ „Wer denn noch?“ „Eigentlich so gut wie alle. Du, ich, Nicky, Mark, Brian, Adam, Barry, Shane und sogar Georgina war mehr als leicht angeheitert.“ „Und was war mit Jodi?“ Kian ließ den Kopf sinken und Tränen stiegen ihm in die Augen. „Kian? Alles in Ordnung?“ „Ja, passt schon. Ich weiß nicht, ob sie noch betrunken war. Wenn sie es war, dann jedenfalls nicht hier in diesem Haus. Sie war ja nicht besonders lange da.“ Sunny sah ihn fragend an. Sie konnte sich daran erinnern, dass Jodi erst relativ spät zur Party kam, aber nicht, wann sie wieder ging. Denn kurz nach ihrem Kommen, setzte ihr Erinnerungsvermögen aus – dem Alkohol sei Dank. „Tut mir leid, aber ich verstehe nicht ganz wie du das meinst, Kian.“ „Sie hat Schluss gemacht.“ „Was?!“ Sunny wäre wohl von der Couch gefallen, wenn diese nicht so breit gewesen wäre. „Aber warum? Ich meine, ihr wart doch glücklich? Ihr…“ „Sie fand, dass ich zu wenig Zeit für sie hätte. Was ja irgendwie auch stimmt. Aber… ach, ist ja egal. Naja und darum habe ich heute Nacht hier geschlafen.“ „Es tut mit wirklich wahnsinnig leid für dich.“ Kian winkte ab. „Vergiss es. Wenn es so sein soll, dann soll es wohl so sein. Ich kann den Lauf der Geschichte leider nicht verändern. Auch wenn es in diesem Fall sehr schön gewesen wäre.“ Sunny nickte und nahm ihn fest in die Arme. „Wenn du mit jemanden darüber reden willst, dann komm zu mir. Ich werde immer ein offenes Ohr für dich haben.“ Kian richtete sich auf und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Danke, du weißt gar nicht was mir das bedeutet.“ „Ki, du, Nicky und Shane… ihr hab schon so viel für mich getan. Ich bin froh, wenn ich euch nur etwas davon zurückgeben kann.“ „Du bist ein Engel, weißt du das? Kannst du mir etwas versprechen?“ „Kommt darauf an was?“ Sunny lachte, doch sie wurde schnell wieder ruhig, als sie Kian’s ernste Miene sah. „Verletzte Shane bitte nie. Lass ihn nie wieder los. Werde einfach glücklich mit ihm – den Rest deines Lebens, eures Lebens.“ Sunny schluckte, ehe sie jedoch nickte. Den Rest ihres Lebens. Wollte sie das denn? Wollte sie wirklich für immer mit Shane zusammen bleiben? War die Beziehung die sie gerade führten nicht einfach nur ein Abkommen, dass beide trösten sollte? Shane half es über die Trennung von Gillian hinweg und ihr über ihren Gedächtnisverlust. Oder steckte doch mehr hinter allem? War es für Shane denn wirklich mehr? Sunny vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Was ging hier eigentlich vor?
„Sunny? Sunny, wo bist du?“ Shane lief nun schon seit fast fünf Minuten wie ein Wilder durch das Haus, auf der Suche nach seiner Freundin. Heute war sein dreiwöchiger Urlaub vorbei und er musste wieder zurück auf die Bühne. Die Tournee ging weiter und das nächste Konzert in Dublin stand an. Shane war schon spät dran. Er wollte Sunny heute endlich zeigen wer er eigentlich war und was sein Leben zur Zeit bestimmte – nämlich Westlife. Doch von seiner Freundin war weit und breit keine Spur. Er wollte die Suche schon aufgeben, als sein Blick auf die geöffnete Kellertür fiel. Was suchte Sunny im Keller? Vorsichtig stieg er die Treppen hinab. Er war schon oft genug auf die Nase geflogen, als er zu schnell nach unten wollte. Das war ihm eine Lehre. „Sunny? Bist du hier?“ Er knipste das Licht an und entdeckte Sunny zusammen gekauert in einer Ecke. Sie weinte und zitterte am ganzen Körper. „Oh Gott, was ist los?“ Geschockt kniete sich Shane vor sie. Er nahm sie in seine Hände und strich ihr beruhigend über den Kopf. Sunny hob langsam ihren Kopf und traf dabei auf die Augen von Shane. Wie sehr sie diese Augen doch faszinierten. „Was machst du denn hier unten? Ich hab dich schon wie ein Verrückter gesucht. Wir müssen los.“ Verwirrt sah sie ihn an. „Wohin?“ Sie wischte sich mit dem Ärmel über die feuchten Augen. „Ich will dir heut zeigen, was ich eigentlich so mache.“ „Was meinst du damit?“ „Ich zeige dir meinen Beruf.“ „Klasse. Shane, es interessiert mich wirklich nicht die Bohne, in welchem Büro du dich den ganzen Tag herum treibst.“ Shane lachte. Mit einem Büro hatte ihre Konzertbühne nun wirklich nicht viel gemeinsam. „Nun komm erstmal hoch. Du sitzt hier im Dreck rum und wirst nur wieder krank.“ Er zog sie mit leichter Gewalt hoch und nahm sie erneut in die Arme. „Besser?“ Sie nickte. „Ja, ich denke schon.“ „So und jetzt machst du dich schick und dann verschwinden wir von hier. Wir sind schon spät dran und ich will mir nicht wieder eine Standpauke von Louis anhören.“ „Wer ist Louis?“ „Unser Manager. Du wirst ihn später kennen lernen.“ „Euer Manager? Ok, jetzt bin ich wirklich gespannt.“ Shane küsste sie kurz und zog sie dann mit sich nach oben. Ja, jetzt war Sunny wirklich gespannt, was Shane ihr zeigen wollte…
Sunny rollte genervt mit den Augen, als Shane ihr ein Tuch vor die Nase hielt. Warum musste man ihr in der letzten Zeit ständig die Augen verbinden? „Mach, was du eh nicht lassen kannst.“ Shane grinste und verband ihr ihre Augen. Dann führte er sie vorsichtig vom Auto in Richtung Halle. Dorthin, wo heute Abend das Konzert stattfinden sollte. „Shane, da bist du ja endlich. Wo zum Teufel warst du? Ich habe mir schon Sorgen gemacht? Jetzt beweg deinen kleinen Hintern aber schleunigst in die Umkleide. Und wenn ich dich in fünf Minuten nicht fertig vor mir stehen sehe, dann gibt es was auf die Ohren!“ Mit diesen Worten rauschte der Mann wieder davon. Sunny stand reglos da. Wer war das? „Mach dir keine Sorgen, Schatz. Das war nur Louis. Wie ich dir schon gesagt habe, regt er sich über jede noch so kleinste Verspätung auf. Aber er meint es nicht so wie er es sagt.“ Er nahm sie erneut bei der Hand und führte sie in die Umkleide. Dort zog er einen Stuhl heran und ließ Sunny platz nehmen. „Sorry, aber jetzt musst du schnell warten, bis ich fertig bin.“ Sunny nickte nur und lehnte sich zurück. Doch leider hatte der Stuhl keine Lehne und somit landete sie etwas unsanft auf dem Boden. „Oh Sunny.“ Shane konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, als er ihr aufhalf. „Darf ich dieses bescheuerte Tuch jetzt endlich abnehmen, bevor ich mir noch den Hals breche?“ „Nein, bitte nicht. Ich bin gleich soweit. Versprochen.“ Sunny hörte wie jemand Reißverschlüsse zu zog und Klamotten herum warf. Tja, Shane war noch die der ordentlichste gewesen. „Ok, es kann weiter gehen. Komm.“ Er nahm sie erneut bei der Hand und führte sie durch die Gänge der Halle. Sunny kam es wie eine Ewigkeit vor, bis Shane stehen blieb um mit jemanden zu reden. „Ach Shane, auch wieder mal da. Ich hoffe, du hattest einen angenehmen Urlaub?“ „Ja, danke Paul. Du, es tut mir wirklich leid. Aber wie du siehst, bin ich gerade beschäftigt.“ Shane drückte Sunny’s Hand etwas fester. „Kein Problem. Wir sehen uns die nächste Zeit ja wohl wieder etwas öfter.“ Sunny konnte fast spüren, wie Shane genervt die Augen verdrehte. „Bis dann.“ „Ja, bis bald.“ „Shane, wer war das?“ „Oh, das war nur Paul, unser Bodyguard.“ Sunny hob den Kopf. Hatte sie sich jetzt gerade verhört oder hat Shane wirklich Bodyguard gesagt. Langsam kam ihr die ganze Sache etwas spanisch vor. „Shorty! Da bist du ja. Wir dachten schon du lässt uns heute hängen. Oh, Sunny ist auch da? Hallo Kleine.“ Sunny lächelte, als sie Kian’s Hand auf ihrer Schulter spürte. „Hi Großer. Alles klar bei dir?“ Kian wusste, dass sie Jodi meinte. „Ja, alles bestens. Ich kann mich im Moment nicht beschweren.“ „Shane, könntest du mir jetzt bitte endlich dieses bescheuerte Tuch abmachen? Ich bin in der letzten halben Stunde von genügend Stühlen gefallen, gegen haufenweise Wände gerannt und ich habe genügend Menschen kennen gelernt, die ich jetzt alle nicht wieder erkennen würde.“ „Schon gut, schon gut. Wenn du unbedingt willst.“ Langsam löste Shane die Binde von ihren Augen. Sunny blinzelte, als sie sie schließlich öffnete. Doch dann fielen ihr buchstäblich die Augen aus dem Kopf. Sie stand auf einer riesigen Bühne in einer noch riesigeren Halle. „Na? Was sagst du?“ „Ich würde sagen, sie ist sprachlos.“ Kian grinste, als er Sunny’s Gesichtsaudruck sah. „Was machen wir hier? Bzw. was macht ihr hier? Seit ihr Bühnentechniker oder so etwas in der Art?“ Shane und Kian lachten. Nein, Bühnentechniker waren sie nun wirklich nicht. „Wir sind Sänger.“ „Wir?“ „Kian, ich, Nicky und Mark.“ Sunny sah ihn ungläubig an. „Sänger? Das heißt, du…“ „Singst?“ Shane sprach ihren Satz zu Ende, als Sunny sich erneut in der Halle umsah. „Wie viele Menschen werden hier heut Abend da sein? Über hundert?“ Shane lachte. „Ja, doch. Es könnten schon über hundert werden.“ Shane kniff Kian in die Seite, der gar nicht mehr aufhören konnte zu lachen. „Ihr verarscht mich jetzt oder? Was ist hier los. Shane? Was machen wir hier?“ „Wie schon gesagt. Wir geben heut Abend ein Konzert. Kian lacht nur so, weil…“ Er grinste seinen Kumpel an. „Die Halle ist ausverkauft.“ Sunny riss die Augen auf. Ausverkauft? In diese Halle passten doch mindestens 13 000 Menschen. „Und was sagst du dazu?“ „Nichts. Ich bin einfach nur sprachlos.“ Ja, das war Sunny wirklich. Sie hatte es geschafft sich einen mega bekannten Sänger zu angeln und wusste bis jetzt nichts davon. Sie kniff die Augen zusammen. Was da wohl noch alles auf sie zukommen würde? Sie sollte es bald erfahren…
Sunny war mit Shane auf dem Weg zurück zu der Umkleide, als ihnen Louis entgegen kam. „Ach, du hast es also wirklich geschafft, dich in der vorgegeben Zeit fertig zu machen. Schön.“ Er musterte Shane von oben bis unten. „Dein Schuhband ist mal wieder offen.“ „Ich weiß, aber ich kann nichts machen. Das geht ständig auf.“ Louis rollte genervt mit den Augen. „Ist es wirklich so schwierig für dich in ein Schuhgeschäft zu gehen und dir ein schwarzes Schuhband zu kaufen? Du hattest jetzt drei Wochen Zeit dazu. Muss ich für euch denn wirklich alles selbst erledigen? Seit ihr nicht langsam alt genug um solche Sachen selbst zu machen? Oder bist du dir einfach zu gut dafür? Wenn es dich wieder halb auf die Schnauze haut heute Abend, dann schick ich das Video das heute gedreht wird an eine Comedieshow. Das verspreche ich dir.“ Shane sah ihn genervt an, nickte ihm zu und zog Sunny dann in den Umkleideraum. „Der kann wirklich aus jeder Fliege einen Elefanten machen.“ Wütend schlug Shane die Tür hinter sich zu. „Ist der immer so gut drauf?“ Shane nickte nur, ehe er hinter einer weiteren Tür verschwand. „Hallo Kleine.“ Kian betrat den Raum. „Hi, alles in Ordnung bei dir?“ „Ja, geht schon so. Wo ist denn Shane?“ Sunny deutete auf die Tür, hinter der Shane verschwunden war. „Hast du mitbekommen wen Louis gerade so angegangen ist? Ich hätte das echt gerne live miterlebt.“ Kian grinste, als Sunny ihm einen bösen Blick zuwarf. „Was ist denn?“ „Ich war live dabei und es war weniger angenehm.“ „Oh, es hat mal wieder Shane erwischt?“ „Wieso wieder?“ „Ach, irgendwie hat Louis in der letzten Zeit gefallen daran gefunden an uns allen rumzunörgeln. Und Shane trifft es eben immer besonders stark. Er hat ein zu gutes Herz um sich zur Wehr zu setzten. Er will Louis nicht blöd angehen. Was bei mir nicht der Fall wäre. Ich würde ihm so die Meinung geigen. Und das weiß er auch, darum meidet er mich eigentlich ganz gut.“ Kian grinste wie ein Lausbub. „Du bist mir schon einer.“ „Wieso denn?“ Er grinste immer noch. „Oh, ich muss los. Ich hab Nicky versprochen, dass ich gleich wieder zur Bühne komme. Sorry, wir sehen uns später. Bye.“ „Tschüs Ki.“ Sunny sah sich in dem Raum um. Überall standen Stangen mit Kostümen herum Allerdings befanden sich mehr auf dem Boden und auf den Stühlen, als auf den Kleiderbügeln. Als sie sich auf die kleine Couch im Raum fallen ließ, fiel ihr wieder Shane’s Schuhbandproblem ein. Sie sah auf ihre Schuhe. Wäre es nicht möglich…? Sie löste die Schleife und fädelte das Band aus. Hoffentlich war es die richtige Länge. Nach einiger Zeit kam auch Shane wieder aus dem kleinen Nebenraum. Er war immer noch nicht besonders gut gelaunt, als er sich neben Sunny setzte. „Nicht gerade dein Tag, was?“ Shane nickte und legte seinen Kopf auf Sunny’s Schultern. „Hier, ich habe was für dich. Ich hoffe, es passt.“ Sie hielt ihm das Schuhband vor die Nase. Shane richtete sich auf. „Wo hast du das her?“ Doch ehe Sunny ihm antworten konnte, fiel sein Blick auf ihren offenen Schuh. „Ich denke, ich habe mehr Zeit meine Schuhbänder zu binden, als du auf der Bühne.“ Shane sah sie ungläubig an, ehe er ihr dankend um den Hals fiel. „Danke, danke, danke. Du bist echt ein Schatz.“ Er drückte ihr einen dicken Kuss auf den Mund, ehe er damit anfing das Schuhband auszutauschen. „Passt perfekt.“ Er wollte sie erneut küssen, als die Tür zur Umkleide aufflog. „Shane, beweg endlich deinen Hintern in Richtung Bühne. Wir wollen anfangen.“ Shane stand auf und zog Sunny mit hoch. „Lass dir von dem nicht deine Laune vermiesen, Shane.“ Er nickte und lächelte sie an. „Du bist wirklich ein Engel, Sunny.“ Er küsste sie auf die Nasenspitze, ehe sie gemeinsam den Raum verließen…
Sunny freute sich wie ein kleines Kind, als sie Georgina erblickte. Sie hatte sie, seit der Party, nicht mehr gesehen, was sie überaus schade fand, denn sie verstand sich wirklich gut mit ihr. „Hallo Sunny. Wie geht es dir?“ „Hallo Geo. Danke, ich kann mich nicht beschweren. Und wie geht es dir?“ „Ebenso. Ich bin froh meine Mann endlich mal wieder auf der Bühne sehen zu können.“ Sunny nickte und sah sich dann etwas nervös in der Halle um. In wenigen Minuten sollte sie bis auf den letzten Platz gefüllt sein. „Nervös?“ „Bitte?“ Georgina lächelte sie an. „Bist du nervös? Ich meine, es ist immerhin das erste Mal, dass du Shane bei seinem Job beobachten kannst, oder?“ „Ja, das stimmt“ Die beiden Mädchen unterhielten sich weiterhin angeregt miteinander, als Sunny plötzlich einen spitzen Schrei von sich gab. Hunderte von Menschen kamen auf sie zu gerannt. „Keine Sorge. Die kommen nicht an uns ran. Die Absperrgitter halten sie uns vom Hals.“ Georgina klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter, als sie sah wie unangenehm Sunny die ganze Situation war. „GEORGINA!“ Georgina drehte sich lächelnd um und winkte ein paar Mädchen zu. “Die kennen dich alle?” „Natürlich. Und dich werden sie wohl auch bald alle kennen.“ „Wie meinst du das?“ „So wie ich es gesagt habe. Shane wird dich nicht besonders lange geheim halten können oder auch wollen. Wobei ich noch eher an zweiteres denke. Er hat Gillian damals jahrelang geheim gehalten. Dementsprechend sauer waren die Fans auch, als es schließlich doch an das Tageslicht kam.“ Sunny nickte und sah sich erneut in der Halle um. In den letzten zehn Minuten hatte sich die Halle komplett gefüllt. Auch Georgina sah sich um. „Nicht schlecht. Ich denke so schnell hat sich noch keine Halle gefüllt. Aber in Dublin ist das ja auch nichts außergewöhnliches.“ „Wie meinst du das?“ „Naja, die Jungs sind Iren. Nicky kommt noch dazu aus Dublin. Was soll ich noch dazu sagen? Hier haben sie eben die meisten Fans.“ Sunny nickte nur noch und wandte sich dann der Bühne zu. In wenigen Minuten sollte die Show beginnen. Dann würde sie das erste Mal ihren Shane auf der Bühne stehen sehen. Oder doch eher zum fünften Mal?
Sunny war sprachlos, als Shane und die anderen Jungs schließlich vor ihr auf der Bühne standen und ihre Songs zum Besten gaben. Sie hätte nie gedacht, dass Shane so ein begabter Sänger war. Seine Stimme verzauberte sie seit dem ersten Wort. Es war einfach unbeschreiblich schön. Wie konnte eine Stimme nur solch eine Wirkung hervorrufen? Sunny schüttelte gerade belustigt den Kopf, da Mark sich vertanzt hatte, als Shane plötzlich ‚Stopp’ rief. Die Musik hörte augenblicklich auf zu spielen und auch die Jungs hielten sich ganz still. Als wären sie aus Wachs. Shane ging an den vordersten Rand der Bühne und lächelte ins Publikum. Sunny hätte ihn dafür zu tode küssen können. Dieses Lächeln… „Hallo Dublin!“ Die Fans schrieen hysterisch auf, was Shane noch mehr zum Grinsen brachte. Falls das überhaupt noch möglich war. „Ich hoffe ihr amüsiert euch alle?“ Eigentlich war das nicht zu überhören. Oder war Shane schon taub? „Freut mich. Ich will euch jetzt mal etwas erzählen. Es geht um einen ganz besonderen Menschen in meinem Leben. Und da dieser Mensch heute Abend auch hier ist, möchte ich sie euch gerne vorstellen. Was sagt ihr dazu?“ Wieder schrieen die Fans auf. „Das nehme ich mal als ein ja auf.“ Lächelnd ging er auf die rechte Seite der Bühne wo Sunny und Georgina standen. Sunny packte Georgina am Ärmel und sah sie verängstigt an. „Der hat doch nicht wirklich vor…?“ „Sunny?“ Shane stand nun genau vor ihr und hielt ihr die Hand entgegen. Doch diese schüttelte nur den Kopf. „Ich kann das nicht, Sha.“ „Doch, komm hoch zu mir. Bitte.“ Sunny verdrehte die Augen. Sie konnte diesem Hundeblick einfach nicht wieder stehen. Daher wehrte sie sich auch nicht, als sie von einem Bodyguard auf die Bühne gehoben wurde. „Leute, darf ich euch diese bezaubernde junge Dame vorstellen? Ihr Name ist Sunny. Und sie ist die neue Frau an meiner Seite.“ Plötzlich wurde es mucksmäuschenstill. Vielen der Fans war das Lachen vergangen. Besorgt sah Sunny zu Georgina, die ihr den gehobenen Daumen zeigte. „Leute, ich wünsche mir von euch, dass ihr sie genau so gut behandelt wie Gillian. Ich will nicht, dass euch irgendwelche blöden Gedanken kommen. Und falls ihr irgendwas über Sunny in der Zeitung lesen solltet, kann ich euch jetzt schon sagen, dass dies sicherlich nicht stimmt.“ Verwirrt sah Sunny zu Shane. Was meinte er mit blöden Gedanken? Und was meinte er damit, dass sie sie so behandeln sollten wie Gillian? Fragen über Fragen auf die sie keine Antwort fand. Doch sie war nicht die Einzige, der ein großes Fragezeigen im Gesicht stand. Zwei Mädchen im Publikum sahen sich ebenfalls fragend an. „Ist das nicht Laudi?“
Sunny war froh, als das Konzert endlich vorbei war und sie mit Shane wieder in den Umkleideraum gehen konnte. Dort ließ sie sich kraftlos auf die Couch fallen. Manche Fans hatten ihr noch während des Konzertes ihre Meinung gesagt. Georgina meinte nur, dass dies am Anfang immer so sei und sie sich deswegen keine Sorgen machen sollte. Doch sie machte sich Sorgen. Ein Fan sagte zu ihr, dass ihr das alles noch leid tun würde und sie dafür bezahlen müsse. Und die Augen dieses Fans sagten ihr, dass dies kein Scherz war. „Schatz, alles in Ordnung?“ Shane hatte sich vor sie gekniet und hielt ihre Hände. „Du zitterst ja. Ist dir kalt?“ „Nein, alles bestens. Mach dir mal keine Sorgen. Das war nur gerade etwas zu viel Aufregung für mich. Ich bin es schließlich nicht gewöhnt vor tausenden von Menschen auf einer Bühne zu stehen. Du hättest mir deinen Plan ruhig etwas eher sagen können.“ Shane lächelte sie an und strich ihr über die Wange. „Du siehst so süß aus, wenn du sauer bist.“ „Shane, ich bin nicht sauer. Ich bin nur gerade knapp an einem Herzinfarkt vorbei geschrammt. Sag mir das nächste Mal bitte bescheid, bevor du wieder so eine hervorragende Idee hast, ok? Ich wäre dir sehr dankbar dafür.“ „Ok, kann ich machen.“ „Ja, mach es einfach, wenn du mich noch länger lebend sehen willst.“ Leicht wütend stand sie auf und verschwand hinter der Tür, hinter der auch Shane heute schon verschwunden war. Die Tür führte in ein kleines Badezimmer. Shane wollte sich gerade von seiner Hose befreien, als die Tür zur Umkleide aufgerissen wurde und ein wütender Nicky herein kam. „Was ist denn dir für eine Laus über die Leber gelaufen?“ „Ich könnte mich echt so aufregen.“ Sauer ließ er sich auf die Couch im Raum fallen und strich sich durch die Haare. „Du regst dich eigentlich schon auf, Nix. Aber was ist denn los?“ Neugierig stellte sich Shane neben seinen Bandkollegen. „Weißt du wie oft ich in letzter Zeit von irgendwelchen Mädchen angesprochen wurde, die alle behaupteten sie wären Freunde von Sunny? Als mir das erste Mädchen mit dieser Geschichte kam, wäre ich beinahe ausgeflippt vor Freude. Aber irgendwie kam mir die Geschichte nach einiger Zeit dann doch spanisch vor. Als wir schon einige Zeit miteinander geredet hatten, kamen wir auch auf das Thema Deutschland zu sprechen. Da war die angebliche Freundin dann leicht überfragt, obwohl sie sich schon seit dem Kindergarten kannten. Jedenfalls, wenn man ihrer Geschichte glauben würde. Und jetzt gerade haben mich schon wieder zwei Mädchen angesprochen, dass sie Sunny kennen würden. Die waren zwar immer hin schon mal Deutsche, aber von denen habe ich auch schon mindestens drei getroffen. Man Shane, was ist, wenn mir wirklich mal Menschen über den Weg laufen, die Sunny kennen und ich denen dann auch nicht glaube. Das wäre doch schrecklich!“ „Gott Nicky, reg dich doch wegen einer solchen Sache nicht so auf. Ich bin mir sicher, dass du sofort bemerken würdest, wenn die Menschen Sunny wirklich kennen würden. Da bin ich mir sogar ziemlich sicher.“ „Wirklich?“ „Ja. Zerbrich dir mal darüber jetzt nicht den Kopf. Das wird schon alles wieder. Und bis jetzt sind wir alle auch ganz gut ohne Sunny’s wirklicher Identität klar gekommen.“ „Das schon. Aber ich denke, dass Sunny auch gerne mal wissen möchte wer sie ist und was sie hier macht.“ „Das sicherlich. Aber… ach Nicky. Vergiss das einfach. Irgendwann finden wir schon eine Lösung.“ „Du nimmst das ja ziemlich auf die lockere Schulter. Man könnte fast meinen du willst gar nicht, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt.“ „Spinnst du? Natürlich wünsche ich mir das. Aber auch wenn ich es mir noch so sehr wünsche, kann ich nichts daran ändern, dass wir es wohl in nächster Zeit nicht herausfinden. Glaub mir eins, Nicky. Ich wäre der Erste, der alles dafür geben würde, dass alles aufgedeckt wird.“ „Schon klar. Sorry, Sha. Aber mir geht die Sache irgendwie ziemlich nahe. Ich weiß nicht wieso die Leute immer mich ansprechen müssen, wenn sie wieder auf die Idee kommen, dass sie Sunny’s Freunde oder Verwandte sind.“ „Glaub mir eins. Du bist nicht der Einzige. Kian und auch Mark haben mir schon von diesen Erlebnissen erzählt.“ „Echt?“ „Ja, also lass es gut sein und ignorier das ganze einfach.“ Nicky sah zu Boden und nickte. „Was anderes können wir wohl eh nicht machen, oder?“ „Nein.“ Nicky zuckte mit den Schultern und griff nach der Fernbedienung für den Ferneseher. Er wollte sich endlich von dem anstrengenden Konzert erholen und diese blöden Ereignisse rund um Sunny vergessen. Er konnte ja nicht ahnen, dass er der Lösung des Problems schon so nahe war…
Leicht verwirrt und enttäuscht ließ sich Roxi auf die große, beige Couch in ihrer Wohnung fallen. Sie konnte immer noch nicht fassen, was vor wenigen Stunden vorgefallen war. Wieso war Claudia jetzt plötzlich Shane’s Freundin? Und warum nannte er sie ständig Sunny? War das der Grund weshalb sie den Kontakt zu ihr und Anna abgebrochen hatte? Gedankenverloren schaltete sie den Fernseher an. Sie musste sich irgendwie ablenken. Doch dazu hätte sie wohl lieber den Fernseher auslassen sollen. Es wurde gerade ein Bericht über Shane und Sunny gezeigt. „Wie heute bekannt wurde, hat der Sänger der irischen Boyband Westlife, Shane Steven Filan, eine neue Freundin namens Sunny. Gerüchte gab es ja schon lange, doch heute gab er es bei einem Konzert in Dublin offen zu.“ Roxi sprang auf und rannte in Anna’s Schlafzimmer. „Anna, schnell. Das musst du sehen!“ Anna sah sie ziemlich verwirrt an, folgte ihr aber dann still schweigend ins Wohnzimmer. „Schon vor einiger Zeit berichtete eine unbekannte Quelle, dass Shane’s Freundin Sunny gar nicht Sunny hieße.“ „Na das kann er laut sagen.“ „Shh… ich will das hören, Roxi.“ „Laut der Aussage dieser Person, leidet die neue Frau an Shane’s Seite seit einigen Wochen an einem Gedächtnisverlust. Dies ist ja eigentlich nichts Neues. Und doch wundert es nun viele Fans, dass Mr. Filan sich ausgerechnet in eine Person verliebt, die nichts von ihrer Vergangenheit weiß. Laut Augenzeugen regen sich die anderen Mitglieder von Westlife, vor allem Nicholas Byrne, über Fans auf, die sich als Freunde oder Verwandte von Sunny ausgeben. Wir wünschen dem jungen Paar trotzdem alles Gute und hoffen, dass die Beziehung nicht wieder zerbricht, wie die zu Gillian Walsh.“ Anna hatte genug gehört und schaltete den Fernseher aus. Ratlos sah sie ihre Freundin an. „Glaubst du das mit dem Gedächtnisverlust?“ Roxi zuckte nur mit den Schultern. „Es wäre immerhin eine Erklärung dafür, weshalb sie sich nicht mehr bei uns meldet. Sie weiß gar nichts mehr von uns. Ist es dir denn nicht auch schon mal komisch vorgekommen, weshalb all ihre Klamotten noch hier sind, aber von ihr fehlt jede Spur?“ Anna nickte nur. Darüber hatte sie noch gar nicht nachgedacht. Claudia war noch nie eine Person gewesen, die einfach kurzerhand verschwand um etwas Neues auszuprobieren. Selbst den Umzug nach Irland hatte sie über Jahre geplant. „Wir müssen irgendwie an sie ran kommen.“ „Ja, das ist klar, aber wie, Roxi? Ich meine, du hast gerade selbst gehört wie die Jungs es finden, wenn wieder jemand kommt und ihnen sagt, dass sie Sunny kennen würden. Und wir wissen, dass das stimmt. Wir haben es ja erst vor ein paar Stunden, dank Nicky, selbst gesehen.“ „Mark und Kian.“ „Sind zwei Sänger von Westlife und?“ „Sie sind solo.“ „Das weiß ich auch. Erzähl mir lieber etwas Neues, Roxi.“ „Wir müssen es schaffen, dass sie Freunde von uns werden. Dann schaffen wir es auch an Claudia ran zu kommen.“ „Das ist verrückt. Wie sollen wir von zwei Superstars urplötzlich gemocht werden?“ „Das weiß ich doch auch nicht. Aber wir müssen es versuchen. Oder hast du einen besseren Plan?“ „Nein.“ „Also… morgen versuchen wir heraus zu finden, wo sie sich in der nächsten Zeit herum treiben. So viel ich weiß, sollten sie hier in Sligo sein.“ „Ich finde das alles trotzdem mehr als verrückt.“ „Glaub mir eins, ich auch.“ „Soll ich dir das glauben? Du würdest doch auch so alles versuchen um an Kian ran zu kommen. Und die ganze Sache hier bietet sich einfach klasse dazu an.“ „Hm… darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht. Aber danke für den Tipp.“ Anna rollte nur mit den Augen und stand auf. „Ich geh jetzt ins Bett. Es ist schon spät und so wie ich dich kenne jagst du mich noch vor acht Uhr aus dem Bett, da du so schnell wie möglich zu Kian willst.“ Roxi grinste darauf hin nur frech und wünschte Anna eine gute Nacht. Sie konnte jetzt noch nicht schlafen. Sie musste sich einen Plan überlegen, wie sie am besten an Kian und Mark heran kamen. Und das so schnell wie möglich…
Sunny ließ sich erschöpft auf die Couch fallen. Der Tag war eindeutig zu anstrengend gewesen. Und seit langer Zeit schmerzte ihr Rücken wieder. Es war zum Haare raufen. Wenn sie sich etwas anstrengen musste oder wenn sie Stress hatte, dann schmerzte ihr Narbe am Rücken. Sie schloss ihre Augen und massierte ihren Nacken, als sie plötzlich zwei Hände auf ihren Schultern spürte. „Verspannt?“ Sunny sah Shane kurz an, drehte sich dann jedoch wieder um und nickte nur. Shane ging um die Couch herum und stellte sich vor sie. „Leg dich hin, dann massier ich dich.“ „Nein, ist schon ok. So schlimm ist es dann auch wieder nicht. Ich bin mir sicher, dass du müde bist und viel lieber ins Bett gehen würdest.“ „Ach Schwachsinn. Ich bin froh, wenn ich etwas Gutes für dich tun kann. Also komm.“ „Nein, das ist wirklich nicht nötig, Shane.“ Sie stand auf und ging zur Küche. Dort angelte sie gerade nach einer Tasse in den oberen Schränken, als Shane ihr mit einem Finger leicht in den Nacken piekste. Sunny zuckte zusammen und rieb sich augenblicklich an der Stelle, an der sie Shane gerade berührt hatte. „Schatz, du kannst mir nicht sagen, dass dir nichts weh tut. Normalerweise würdest du so eine Berührung kaum spüren. Aber anscheinend tut sie dir sogar weh.“ Shane sah sie durchdringen an. „Ja, du hast recht. Es hat weh getan, aber ich werde es überleben.“ „Wieso lässt du mir dir denn nicht helfen? Eine Massage würde Wunder bewirken, glaub mir das. Und so ein schlechter Masseur bin ich auch wieder nicht. Du kannst mir vertrauen.“ Sunny stützte sich mit beiden Armen auf der Ablage ab. Wieso musste dieser Mann auch so ein Sturkopf sein? Sie wollte nicht, dass Shane sie massierte. Sie wollte ihm nicht so nahe kommen. Auch wenn es lächerlich war, schließlich waren sie ein Paar. Und trotzdem konnte sich Sunny nicht mit dem Gedanken abfinden, dass Shane sie vielleicht sogar nackt sehen würde. „Na komm. Es wird dir gut tun. Du fühlst dich danach wie ein neuer Mensch, glaub mir das. Kian bettelt jeden Tag darum, dass ich ihn massiere. Obwohl wir eigentlich eine eigene Masseurin haben. Und wenn er mich sogar einer weiblichen Person vorzieht, dann kann ich wirklich nicht so schlecht sein.“ Shane grinste wie ein kleiner Junge, der sich über ein Eis freute und Sunny musste ebenfalls Lächeln. „Also?“ „Du gibst doch eh nicht auf, oder?“ Shane legte sich einen Finger auf die Lippen und tat so als ob er überlegen würde. Es sah einfach zu niedlich aus. Schließlich lächelte er sie wieder an. „Nein, würde ich nicht.“ „Na gut. Dann mach was du eh nicht lassen kannst.“ Sunny wollte gerade zurück in’s Wohnzimmer gehen, als Shane sie mit einem Schwung hoch hob und über seine Schulter legte. „Shane, was soll das? Lass mich runter.“ „Nein. Ich bring dich jetzt hoch ins Schlafzimmer. Da ist es viel bequemer.“ Sunny schluckte. Jetzt war klar, dass Shane nicht nur auf die Massage aus war…
Vorsichtig legte er Sunny auf das große Doppelbett ab. „Beweg dich keinen Millimeter. Ich bin sofort wieder da.“ Mit diesen Worten verschwand er im Badezimmer nebenan. Sunny rieb sich ihre müden Augen. Sie war verdammt nervös, doch warum eigentlich? Wieso konnte sie die Situation nicht einfach genießen? Wie viele Mädchen würden für diese Situation gerade morden? Aber Sunny konnte es einfach nicht. Ihr ging der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass sie vielleicht einen Freund hatte. Sie wusste ja nicht, was in ihrer Vergangenheit vorgefallen war. Vielleicht war sie sogar verheiratet. Oder noch schlimmer. Vielleicht hatte sie sogar schon ein Kind? Sie rieb sich gerade gedankenverloren ihre Schläfen, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie erschrack leicht und zuckte zusammen. „Shane, musst du mich denn ständig erschrecken. Kannst du nicht wie ein normaler Mensch einen Raum betreten? Warum musst du dich immer anschleichen?“ Shane sah sie erstaunt an. „Sorry, falls ich irgendetwas falsch gemacht habe. Aber eigentlich habe ich dich schon dreimal gefragt, ob du dein T-Shirt anbehalten willst? Denn dann wird es mit dem Massageöl etwas kompliziert. Aber darauf hast du nicht reagiert.“ Sunny sah betrübt auf die Decke, die sie sich über ihre Knie gezogen hatte. „Tut mir leid, aber ich bin heut etwas neben der Spur.“ „Schon in Ordnung. Vielleicht war es doch keine so gute Idee dir auf diese Art und Weise zu zeigen, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene.“ „Ach Schwachsinn. Ich… ach Gott, ich weiß es doch selber nicht.“ Sie legte ihren Kopf auf Shane’s Schulter, nachdem er sich neben sie gesessen hatte. „Na komm. Du machst es dir jetzt bequem und ich sorge mich dann um den Rest. Aber vergiss nicht dein Shirt auszuziehen.“ Er zwinkerte ihr frech zu, als er ein kleines Fläschchen aufschraubte. „Du bist verrückt. Weißt du das?“ „Sind wir nicht alle ein bisschen crazy?“ Sunny schüttelte nur lächelnd den Kopf, als sie sich schließlich ihr Shirt auszog. Schnell legte sie sich hin. „Hast du Angst, dass ich dir irgendetwas wegsehe?“ Shane lachte, als er schließlich seine Hände auf ihren Rücken legte. Sanft massierte er über ihren Rücken, hinauf zum Nacken und über die Schultern wieder zurück. Sunny musste zugeben, er war wirklich gut. Ob er denn in anderen Sachen auch so geschickt war?
„Shane, nun beeil dich. Es hat schon an der Haustür geklingelt. Wenn du nicht bald kommst, dann gehe ich ohne dich.“ Langsam ging Sunny zur Haustür und öffnete diese. „Hallo Kleine. Alles klar?“ Nicky drückte ihr zur Begrüßung ein Bussi auf die Wange. „Hey Nicky. Bei mir ist alles in bester Ordnung.“ Sie grinste frech, als sie mit ihm in Richtung Wohnzimmer ging. „Was soll dieses Grinsen bedeuten?“ „Nichts, was soll schon sein?“ Unschuldig sah sie ihn an, als sie sich auf die große Couch gesetzt hatten. „Jaja…ich verstehe. Das ist wieder etwas, was den kleinen Nicholas Byrne nichts angeht, oder?“ „Du hast es erfasst.“ „Wenn es so ist. Dann erfahr ich es später eben von Shane.“ Er lachte, als Sunny ihn geschockt ansah. „War nur ein Witz. Shane ist der beste Geheimnishüter den ich kenne – leider. Apropo Shane, wo ist der eigentlich? Wir wollten doch pünktlich um halb zwei Uhr fahren. Jetzt ist es schon fünf nach.“ „Mr Filan bekommt seine Haare nicht so hin wie er will.“ „Was? Das ist ein Scherz, oder? Shane streicht sich normalerweise dreimal durch das Haar und das war es dann. Wenn es sich hier um Kian handeln würde, würde ich es ja verstehen. Der braucht schließlich immer eine halbe Ewigkeit im Bad, aber Shane?“ „Tja, manche Menschen ändern sich nie. Manche allerdings schon.“ „Ja, leider.“ Nicky wollte gerade den Fernseher einschalten, als Shane die Treppe herunter kam. „Hey Nix, auch schon da?“ „Was heißt auch schon. Ich und Sunny warten hier schon eine kleine Ewigkeit auf dich. Jetzt schwing deinen kleinen, süßen Hintern endlich vor die Tür oder wir fahren ohne dich.“ „Wow, bist du heute wieder gut gelaunt.“ „Ich hab auch allen Grund dazu.“ „Ach ja? Und der wäre?“ Sunny bemerkte, dass Nicky es Shane nicht sagen wollte, solange sie anwesend war. Wieso auch immer. „Ich bin noch mal schnell im Badezimmer. Entschuldigt mich kurz.“ Mit diesen Worten verschwand Sunny für kurze Zeit im Obergeschoss. „Also, was ist los, Nicky?“ „Du wirst es nicht glauben. Aber Kian und Mark haben beide eine neue Freundin.“ „Aja… und wo liegt da jetzt das Problem? Ich freu mich für die zwei. Vor allem für Mark. Er sucht ja schon länger nach der Richtigen.“ „Glaub mir eins. Bei denen zwei handelt es sich sicherlich nicht um die Richtigen.“ „Und woher wollen sie das so genau wissen, Mr Byrne?“ „Erinnerst du dich noch an das letzte Konzert in Dublin? Wo ich so sauer war, wegen den Fans, die sich ständig als Sunny’s Freunde ausgeben?“ „Klaro. Ich hab dich schon lange nicht mehr so wütend gesehen.“ „Und genau die zwei Mädchen, die mich damals angelogen haben, sind jetzt mit Ki und Marky zusammen.“ „Ach Nix. Das muss doch nicht gleich heißen, dass das zwei schlechte Personen sind. Vielleicht…“ „Vielleicht… ja ja, schon klar. Du bist doch nur froh, dass dir Mark nun nicht mehr mit seinen Jammereien auf den Wecker geht.“ „Ok, hör mir jetzt mal zu. Ich freue mich wirklich für die Zwei. Es ist mir egal was das für Mädchen sind, solange sie zwei meiner besten Freunde glücklich machen, mag ich sie. Ok? Und nun lass uns gehen. Wir sind verdammt spät dran. Kian und Mark warten bestimmt schon.“ „Ja und sicherlich sind sie nicht allein.“ Shane sah Nicky mit einem strafenden Blick an, ehe er nach oben lief und Sunny holte. Fünf Minuten später saßen alle in Nicky’s Auto. „Fertig?“ „Ja, du kannst Gas geben, Nix. Aber bitte lass dieses Mal unschuldige Oma’s am Leben.“ „Haha, wahnsinnig witzig, Sha. Was kann ich dafür, dass die vor mir plötzlich auf die Straße läuft?“ „Sie hatte Grün. Im Gegensatz zu dir.“ Sunny schüttelte leicht ihren Kopf. Diese Fahrt konnte noch verdammt amüsant werden…
Zehn Minuten später kamen sie endlich an der Bar an, wo sie sich heute Nachmittag vergnügen wollten. Die Fahrt war relativ ruhig verlaufen. Nicky war allen Oma’s gut ausgewichen und auch sonst kam ihm nichts vor die Reifen. Auch wenn es einmal beinahe einen Zusammenstoß mit einem Fahrradfahrer gegeben hätte. Allerdings wäre dies nicht Nicky’s Schuld gewesen. Als Sunny ausgestiegen war, lief sie sofort zum Eingang, wo sie bereits Kian entdeckt hatte. Shane und Nicky gingen ihr langsam hinterher. „Ich weiß, dass du dich jetzt gleich gewaltig aufregen wirst, Shane. Aber ich lass Sunny heute keine Minute aus den Augen.“ Shane sah ihn leicht genervt an. „Und warum?“ „Ich will nicht, dass ihr diese zwei Mädchen zu sehr auf die Pelle rücken. Die sollen sich gefälligst von ihr fernhalten. Oder sie bekommen Ärger mit mir.“ „Ach Nicky. Jetzt wart doch erst einmal ab. Vielleicht sind sie ja gar nicht so schlimm wie du immer tust. Sie sind die festen Freundinnen von meinen zwei besten Freunden. Also können sie schon mal gar nicht so schlimm sein. Du weißt selbst gut genug, wie vorsichtig die zwei sind, wenn es um Freundinnen geht. Also bitte reg dich jetzt mal etwas ab.“ „Du siehst das ganze ja ziemlich locker.“ „Was sollen sie denn groß tun?“ „Vielleicht wollen sie Sunny irgendetwas einreden, was sie am Ende noch glaubt.“ „Natürlich. Die haben sicherlich nichts besseres zu tun, als meiner Freundin irgendwelche Storys zu erzählen. Ich denke mal, die sind mit Kian und Mark ausgelastet.“ Nicky schüttelte nur den Kopf. Warum war Shane auch immer so ein Sturkopf? „Na gut, mach du was du willst. Aber ich werfe ein Auge auf sie.“ „Mach, was du eh nicht lassen kannst.“ Shane begrüßte Kian freundschaftlich, als sie auch endlich bei ihm angekommen waren. „Schön dich wieder zu sehen, Ki. Wie geht’s dir denn so?“ „Bei mir ist alles bestens. Danke der Nachfrage.“ Kian grinste wie ein kleiner Junge. „Können wir dann reingehen? Ich will meinen Schatz nicht zu lange warten lassen.“ Shane und Sunny nickten. Nicky rollte nur genervt mit den Augen. Wenn es Kian mal erwischt hatte, war er nicht mehr zu ertragen. Dann machten sie sich auf den Weg zu Mark und den zwei neuen Frauen in Kian’s und Mark’s Leben…
Roxi wäre beinahe von ihrem Hocker gefallen, als Kian mit den anderen drei auf sie zu kam. Und auch Anna wusste nun nicht mehr so ganz, was sie eigentlich tun sollte. „Da bin ich wieder, Schatz.“ Kian gab seiner Freundin einen Kuss auf die Stirn. „Darf ich dir Shane, Nicky und Sunny vorstellen? Drei ganz besondere Freunde in meinem Leben.“ Shane und Nicky gaben den beiden Mädchen die Hand. Sunny stand etwas unbeholfen daneben. „Hallo, ich bin Roxi. Schön dich zu sehen.“ Claudia lächelte die Frau vor sich freundlich an. Sie mochte sie auf den ersten Blick. Schon irgendwie komisch. Nicky beäugte die zwei in der Zwischenzeit misstrauisch. Und er wurde ganz zappelig, als auch noch Mark’s Freundin, Anna, auf Sunny zu ging. „Hi, ich bin Anna.“ „Hallo, schön euch beide kennen zu lernen. Mein Name ist Sunny, wie Kian euch ja schon gesagt hat.“ Roxi und Anna sahen sich kurz an und lächelten Sunny dann wieder freundlich an. Shane verpasste Nicky in der Zeit einen Stoß in die Rippen. „Jetzt lass die drei doch mal in Ruhe. Wie du siehst, stellen sie sich ganz freundlich vor und es sieht nicht danach aus, als hätten sie die Absicht Sunny gleich zu entführen.“ „Schon gut. Trotzdem ist mir nicht ganz wohl bei der Sache. Irgendwas ist faul hier. Das habe ich im Gefühl.“ „Na wenn du meinst.“ Die nächste Zeit verging damit, dass die beiden Mädchen etwas über sich erzählten. Sunny saß stillschweigend neben Shane und hörte den anderen interessiert zu. Vor allem die Geschichten über Deutschland interessierten sie brennend. Doch sie war zu feige um sich etwas fragen zu trauen. „Ich habe gehört, dass du eigentlich auch aus Deutschland kommst, Sunny. Stimmt das?“ Sunny sah etwas verwirrt von Roxi zu Shane und wieder zurück. „Ähm, ja so viel ich weiß schon. Aber ganz genau weiß ich das auch nicht.“ „Würdest du eigentlich alte Freunde oder Verwandte erkennen?“ „Ich denke nicht, aber ich weiß nicht so genau.“ Shane musste Nicky festhalten, damit er nicht wütend aufsprang. „Ich hoffe für dich, dass du dich bald wieder an alles erinnerst. Es ist schon wirklich blöd ohne Wissen durch die Gegend zu laufen.“ „Ok, das reicht jetzt.“ Nicky war aufgestanden und hatte Sunny am Arm gepackt. „Wir fahren jetzt wieder. Das ist mir wirklich zu blöd hier. Wenn ihr zwei Mädchen echt denkt, dass ihr Sunny verarschen müsst, dann habt ihr bald ein großes Problem am Hals. Nämlich mich. Also überlegt euch dreimal mit wem ihr es hier aufnimmt.“ Mit diesen Worten verließ Nicky die Bar. Sunny zog er hinter sich her. Shane bekam nur noch ein kurzes ‚sorry, wir sehen uns’ heraus, ehe er Nicky hinter rannte…
Sunny lag auf ihrem Bett und streckte alle viere von sich. Sie wusste nicht was sie von den Geschehnissen vorhin halten sollte. Was war nur in Nicky gefahren? Wieso hatte er sie plötzlich von allen weggezogen? Es war doch so schön gewesen. Sie gab einen lauten Seufzer von sich, als Shane das Zimmer betrat. „Hi, alles in Ordnung bei dir?“ Sunny richtete sich auf. „Ja, aber könntest du mir vielleicht mal erklären, was dieser Aufstand von Nicky gerade eben sollte? Wieso hat er gesagt, dass die Mädchen mich nicht verarschen sollen? Sie haben doch gar nichts getan. Im Gegenteil. Ich fand sie verdammt nett.“ Shane setzte sich neben sie und zog sie in seine Arme. „Ich weiß. Ich kann die zwei eigentlich auch ganz gut leiden. Aber unser kleiner Nixter wohl nicht. Ich weiß nicht was er hat. Tut mir leid.“ Ohne ein weiters Wort stand Sunny auf und verließ den Raum. Shane sah ihr verwirrt hinterher, ehe er ebenfalls aufstand und ihr folgte. „Was hast du vor?“ „Ich will zu Nicky.“ Shane zog eine Augenbraue nach oben. „Du weißt schon, dass Nicky in Dublin wohnt?“ „Ja, aber so viel ich weiß, schläft er heute Nacht bei Mark. Und ich finde, Nicky ist mir wirklich eine Erklärung schuldig.“ Sunny drehte sich nicht mehr zu Shane um, bevor sie zur Tür hinaus trat und sie leise hinter sich in’s Schloss fallen ließ. Shane schüttelte nur den Kopf und ging in die Küche. Er hatte einen mächtigen Kohldampf…
Nervös stand Sunny schließlich vor Mark’s Haus. Sie war erst einmal hier gewesen und das auch nur, da Shane etwas bei Mark abholen musste. Sie hatte immer noch kein besonders gutes Verhältnis zu ihm. Eigentlich hatte sie überhaupt kein Verhältnis zu ihm, da sie nie mit ihm sprach. Sunny atmete noch einmal tief durch, ehe sie den Knopf der Klingel drückte. Es dauerte einige Zeit, bis Mark ihr die Tür öffnete und sie ziemlich verwirrt ansah. Er hatte wohl mit vielem gerechnet, aber bestimmt nicht mit Sunny. „Hallo. Ist Nicky hier?“ „Ja.“ „Kann ich bitte zu ihm?“ „Wieso?“ „Das geht nur ihn und mich etwas an.“ „Schon klar. Mich geht hier schließlich nie etwas an.“ „Mark, das hat nichts mit dir zu tun. Also bitte lass mich jetzt rein.“ „Das hier ist immer noch mein Haus und ich entscheide wer rein darf und wer nicht.“ Sunny verdrehte genervt die Augen. Wie stur konnte ein einzelner Mann eigentlich sein? Mark überbot ja sogar noch Shane. Sie hätte nie gedacht, dass das noch möglich wäre. „Dann schick mir Nicky bitte heraus, wenn ich schon nicht zu ihm hinein darf.“ „Nein.“ „Mark! Verdammt, jetzt lass diese Spielereien und hol mir endlich Nicky vor die Tür.“ „Weißt du was Sunny? Weißt du was dein Problem ist? Dass du nicht damit zurecht kommst Wünsche anderer zu respektieren.“ „Das sagst gerade du. Wer will mich denn gerade nicht zu Nicky lassen, hm? Du!“ Mark funkelte sie böse an. „Verschwinde von meinem Grundstück. Am besten verschwindest du aus meinem Leben.“ „Spinnst du? Was habe ich dir eigentlich getan? Dieser kleine Kuss kann dir doch nicht so viel bedeutet haben? Mark, du bist jetzt mit Anna zusammen. Du bist glücklich, also vergiss doch die ganze Geschichte von damals. Lass und noch mal von Null anfangen.“ „Denkst du wirklich das ist so einfach? Mein Gott… wie blind bist du eigentlich, Sunny? Ich habe mich damals wirklich in dich verliebt. Aber dann… Siehst du nicht, dass dich Shane jetzt nur ausnutzt? Dass er dich nur benutzt um über Gillian hinweg zu kommen? Er empfindet rein gar nichts für dich. Nichts, hörst du? Gar nichts. Aber du bist wohl zu eigensinnig um das einzusehen.“ Sunny sah ihn mit großen Augen an. Was redete er da? War das wirklich war? Benutzte Shane sie nur? Aber war ihr das nicht eigentlich von Anfang an bewusst gewesen? Sie drehte sich langsam um setzte sich in Bewegung. Das konnte nicht sein. Nicht jetzt. Nicht jetzt wo sie sich so sicher war, dass sie Shane liebte…
Etwas nervös klingelte Shane an Mark’s Haustür. Es waren nun zwei Stunden vergangen, seit Sunny sein Haus verlassen hatte. Doch war sie bis jetzt immer noch nicht zurückgekehrt und langsam machte Shane sich Sorgen. „Ja? Oh Shane, was führt dich zu mir? Komm doch rein?“ Mark hielt seinem Kumpel die Tür auf, als dieser das Haus betrat. „Hast du Sunny gesehen? Sie wollte eigentlich hier her kommen um mit Nicky zu reden. Das ist jetzt zwei Stunden her und langsam mache ich mir echt Sorgen um sie.“ Mark schüttelte den Kopf. „Nein, tut mir leid. Sie war zwar kurz hier und hat an meiner Tür geklopft, aber als ich sie öffnete, war sie schon wieder auf der Straße. Ich hab ihr zwar hinterher gerufen, aber sie hat mich wohl nicht mehr gehört. Jetzt komm doch erst einmal herein. Du bist ja ganz durch den Wind.“ Shane nickte und folgte Mark leise ins Wohnzimmer. Dort saß auch Nicky und schaute Fern. „Oh hallo, Shorty. Was führt dich zu uns?“ Nicky stand auf und klopfte seinem Kumpel freundschaftlich auf die Schulter. Doch sein Grinsen verging ihm, als er Shane’s ernstes Gesicht sah. „Was ist los?“ „Sunny ist weg. Ich weiß nicht wo sie ist oder was sie gerade macht. Ich mach mir solche Sorgen. Gott, warum bin ich vorhin nicht mitgegangen, als sie zu dir wollte.“ Shane stützte seine Arme auf seinen Knien ab und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. „Sie wollte zu mir? Wieso?“ „Sie wollte wissen, wieso du sie heute Nachmittag aus der Bar gezogen hast. Sie wollte einfach nur eine Erklärung haben. Aber jetzt ist sie nicht mehr auffindbar. Gott, was ist, wenn ihr irgendwas zugestoßen ist? Ich könnte es mir nie verzeihen.“ Nicky sah verängstigt zu Mark. So aufgelöst hatte er seinen Freund noch nie gesehen. Noch nicht einmal, als Gillian ihn verlassen hatte. „Beruhig dich, Sha. Ich bin mir sicher, dass es ihr gut geht und sie einfach nur einen Spaziergang macht. Vielleicht ist sie auch schon wieder bei dir daheim und ihr habt euch blöderweise verpasst.“ Shane sah auf. Ohne ein weiteres Wort fischte er sein Handy aus seiner Hosentasche und wählte die Nummer von seinem Haus. Doch es nahm niemand ab. Traurig ließ er seinen Kopf hängen. „Sie geht nicht ran. Also ist sie auch nicht daheim. Nicky… wo, wo kann sie nur sein?“ „Wir wissen es.“ Die drei Männer sahen verwirrt zur Tür. Dort standen Anna und Roxi. „Wie meinst du das, Schatz?“ Mark ging auf seine Freundin zu und nahm ihre Hand. Doch diese entzog sie ihm wütend. „Wieso hast du Claudia angelogen?“ Nicky und Shane sahen sich verwirrt an. „Wie meinst du das?“ „Wir haben alles genau gehört. Mein Zimmer ist schließlich genau über der Haustür. Mark, warum hast du ihr erzählt, dass Shane sie nicht liebt?“ „Was?“ Shane sprang auf. „Du hast was? Mark, wie kommst du da drauf?“ „Ich… es, es tut mir leid, aber ich war einfach zu wütend auf sie.“ „Und darum erzählst du ihr solche Lügen? Du weißt, dass ich sie mehr liebe als mein eigenes Leben und das daran so schnell keiner mehr etwas ändert.“ Mark nickte nur. „Es tut mir leid.“ „Spar dir deine Erklärungen für später auf. Wir müssen sie jetzt so schnell wie möglich finden.“ Ohne ein weiteres Wort war Shane aus dem Haus gerannt. Mark, Anna und Roxi hinterher. Nicky saß etwas verwirrt auf der Couch und starrte auf die Wand ihm gegenüber. „Claudia?“
Sunny stand knapp einen Meter vor einem Abgrund, der gute hundert Meter tief
war. Sie war an den Ort geflüchtet, den ihr Shane damals gezeigt hatte
– die Klippen. Er meinte, sie solle hier her kommen, wenn sie Probleme hat und
darüber nachdenken wolle. Und jetzt hatte sie verdammt viele Sachen worüber
sie nachdenken musste. Doch auch nach eineinhalb Stunden hatte sie noch auf
keine einzige Frage eine Antwort gefunden. Müde rieb sie sich ihre Schläfen.
Warum mussten all diese Sachen nur immer ihr zustoßen? Erst verlor sie
ihr Gedächtnis und damit all die schönen Erinnerungen an die Vergangenheit.
Und dann musste sie herausfinden, dass der Mann, den sie über alles liebte,
sie nur ausnutzte. Warum? Sie ließ sich auf die Knie fallen und stützte
sich mit den Händen am Boden ab. Mit dem Kopf, befand sie sich nun über
den Abgrund. Wie schnell all die Probleme doch vorbei wären, wenn sie den
Mut finden würde, einfach einen Schritt nach vorne zu gehen. Alle Probleme
würden sich auflösen wie Luft…
Shane rannte wie vom Teufel verfolgt. Er musste seinen Engel finden und zwar
so schnell wie möglich. Es war ihm nur ein Ort eingefallen, an dem sie
sein konnte und der Ort war alles andere als ungefährlich. Vor allem, wenn
sie noch auf blöde Gedanken kommen würde – die Klippen. Er hatte Tränen
in den Augen, als er schließlich außer Atem dort ankam. Und ihn
traf beinahe der Schlag, als er ein Mädchen direkt vorm Abgrund sah – Sunny.
Shane war starr vor Schreck. Er konnte sich nicht mehr bewegen, nichts mehr
sagen… Was, wenn sie erschrecken würde, wenn er etwas sagen würde?
Dann würde sie die Klippen hinabstürzen. Er fiel auf die Knie. Was
sollte er nur tun?
Shane hatte sein Gesicht in seinen Händen vergraben und weinte bitterlich, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. Überrascht sah er auf und erblickte Mark, Nicky, Kian, Anna und Roxi. Kian nahm ihn wortlos in die Arme. Anna piekste Mark leicht in die Seite und machte ihm deutlich, dass er zu Sunny gehen sollte. Doch dieser hob nur abwehrend die Hände und schüttelte den Kopf. Anna rollte mit den Augen und wollte sich selbst auf den Weg zu ihrer Freundin machen, als sie von Shane fest gehalten wurde. „Lass mich.“ Langsam ging Shane auf Sunny zu, bis er nur noch fünf Meter von ihr entfernt war. „Sunny?“ Erschrocken drehte sie sich um. Shane’s Herz setzte ein paar Schläge aus. Doch Sunny stand immer noch sicher vorm Abgrund. „Was willst du von mir? Verschwinde und lass mich in Ruhe.“ Sie drehte sich wieder um. „Sunny, bitte. Das was Mark erzählt hat war gelogen und das weißt du auch.“ „Woher soll ich das wissen? Woher soll ich wissen, dass es nicht stimmt, dass du mich nur ausgenutzt hast?“ Shane schloss seine Augen. „Es stimmt einfach nicht, Schatz. Bitte glaub mir doch.“ „Sunny, Shane hat recht. Ich habe dich angelogen. Es war nicht richtig was ich getan habe, aber ich war so verdammt eifersüchtig auf Shane.“ Sunny drehte sich erneut um und funkelte die beiden Männer böse an. „Habt ihr nichts besseres zu tun als mich zu quälen? Seht ihr nicht, dass es mir schon schlecht genug geht? Reicht es euch nicht aus, dass ich mein ganzes Gedächtnis verloren habe? Wieso tut ihr mir das an?“ Sie schrie die beiden Männer regelrecht an und Tränen rollten ihr unkontrolliert die Wangen hinab. „Sunny, ich…“ „Ach Shane, sei doch still. Das hat doch alles keinen Sinn. Du liebst Gillian und dein Kind und das wird sich auch nicht so schnell ändern. Und jetzt lasst mich in Ruhe, bitte.“ „Nein, das tue ich nicht.“ Sunny drehte sich um und sah traurig zu Boden. „Dann beantworte mir vier Fragen, Shane. Aber sei ehrlich.“ Shane nickte. „Magst du mich?“ „Nein.“ Sunny sah ihn erstaunt an. „Findest du mich hübsch?“ „Nein.“ Langsam wurden die anderen Fünf nervös. Was zum Teufel sagte Shane da? „Bin ich in deinem Herzen?“ „Nein.“ Ok, jetzt musste er völlig durchgedreht sein. „Wenn ich gehen würde, würdest du für mich weinen?“ Shane ging auf sie zu und als er genau vor ihr stand, sagte er erneut nein. Als Sunny sich daraufhin umdrehen wollte, hielt er sie fest. „Sunny, ich mag dich nicht, ich liebe dich. Ich finde dich nicht hübsch, ich finde dich wunderschön. Du bist nicht in meinem Herz, du bist mein Herz. Und ich würde nicht für dich weinen, ich würde für dich sterben!" Erstaunt sah Sunny ihn an. „Du liebst mich?“ „Ja, natürlich. Gott, ich liebe dich. Ich liebe dich mehr als mein Leben und ich liebe dich mehr, als ich je einen Menschen auf dieser Erde geliebt habe.“ Wortlos nahm Shane Sunny in die Arme und führte sie weg von den Klippen zu den anderen. „Hey, du hast uns ganz schön geschockt, Kleine.“ Kian nahm sie erleichtert in den Arm. „Sorry.“ „Schon gut.“ „Ähm… Leute. Dürfen wir auch mal was sagen?“ Roxi und Anna hatten sich vor Sunny gestellt. „Also… ja, wie sage ich das am Besten. Ähm… Sunny… nein, Claudia… also…“ „Was Roxi sagen will ist, wir wissen wer du bist. Und wir wissen es daher, da wir die letzten drei Jahre beste Freundinnen waren. Wir wollten zusammen nach Irland ziehen, doch da wir noch eine Woche länger arbeiten mussten als du, bist du schon eine Woche früher nach Irland gezogen.. Und als wir auch endlich hier waren, gab es kein Lebenszeichen mehr von dir. Als wir dich dann plötzlich an Shane’s Seite auf der Bühne bei dem Konzert in Dublin gesehen haben, hat uns beinahe der Schlag getroffen. Doch leider wollte Nicky uns nicht so recht an dich heran lassen.“ Claudia sah erstaunt zu Nicky. „Tut mir leid, aber da waren so viele Menschen, die behauptet haben, dass sie dich kennen würden.“ „Darum hast du mich aus der Bar gezerrt?“ Nicky nickte. „Claudia, wir können dir alles aus deiner Vergangenheit erzählen. Egal um was es sich handelt.“ „Ok, ok… das reicht jetzt wieder. Woher soll ich jetzt wissen, dass ihr nicht auch lügt?“ Nicky hatte sich zwischen die zwei Mädchen und Sunny gestellt. „Es stimmt, Nicky.“ Mark war zu Anna gegangen und hatte ihr seine Hände um die Hüften gelegt. „Ich habe es im Fernsehen gesehen. Doch so blöd wie ich war, hab ich geschwiegen. Es tut mir wirklich leid, Claudia.“ „Schon gut. Jetzt ist ja alles klar. Aber mal eine Frage. Wieso gab es nie eine Vermisstenanzeige von meinen Eltern oder so etwas in der Art?“ „Naja, du hast dich mit deinen Eltern gestritten. Sie wollten nicht, dass du deinen Job bei der Stadtverwaltung in Deutschland aufgibst und dann nach Irland ziehst.“ Claudia sah Anna mit großen Augen an. „Stadtverwaltung Regensburg, richtig?“ Anna und Roxi sahen sich kurz an, ehe sie nickten. „Ja, das stimmt. Woher…?“ „Ich weiß nicht. Ich erinnere mich einfach daran.“ Sie drehte sich um zu Shane. „Ich… ich erinnere mich einfach daran.“ Lachend lief sie auf ihn zu und warf sich ihm in die Arme. „Ich erinnere mich, Shane.“ Shane lächelte und nickte. Danach zog er sie ganz fest an sich und küsste sie. Und dieser Kuss sollte nie wieder enden…
- ENDE -
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