Das Telefon klingelte nun schon zum dritten Mal innerhalb von einer halben Stunde.
" Ja?" - " Oh Mum! Nicht schon wieder. Das ist bereits das dritten Mal und mir geht es immer noch gut." - " Ja, ich werde die zwei Wochen ohne euch überstehen, aber das habe ich vorher auch schon gesagt." - " Ja hier ist immer noch alles in Ordnung!" - " Mum! Jetzt hör endlich auf dir Sorgen zu machen. Ich bin 17 Jahre alt und somit alt genug, mal zwei Wochen für mich zu Sorgen!" - Ja! Bye Mum!" Molly legte stöhnend auf. Wenn ihre Mutter heute noch einmal anrufen würde, dann würde sie völlig ausrasten. Ihre Eltern waren mit ihrer Schwester Lilly und ihrem Bruder Dylan nach Spanien geflogen. Sie selbst hatte keine Lust gehabt, mit ihren Eltern wegzufahren, was jetzt zur Folge hatte, dass ich ihre Mutter sich nun große Sorgen machte. Molly konnte nicht verstehen warum. Das Telefon klingelte wieder. Molly schlug die Hände über ihrem Kopf zusammen!
" Mum!", schrie sie ermahnend in der Hörer. " Oh! Sorry! Hi Lena." Anstatt ihrer Mutter war ihre beste Freundin Lena am Apparat. " Ja klar kannst du vorbeikommen", sagte sie und legte dann auf.
Wenig später klingelte es an der Haustüre. Sie machte auf und ließ Lena herein. Lena und Molly waren schon seit genau Zwölf Jahren befreundet. Sie wurden gemeinsam eingeschult und von ihrer Lehrerin an einen Tisch gesetzt. Sie wurden unzertrennlich und wussten nicht, was sie ohne die andere gemacht hätten. Für Molly war der Anfang in der Schule nicht sehr einfach gewesen. Sie sprach kein Deutsch. Nur Englisch, ihre Muttersprache. Sie war in Irland, genauer gesagt in Dublin zur Welt gekommen. An die Zeit in Irland konnte sie sich nicht mehr erinnern. Es gab auch keine Bilder, Videos oder ähnliches. Normalerweise versuchten Eltern die erste Zeit ihrer Kinder möglichst festzuhalten, doch von ihr gab es wirklich nichts. Ihre Eltern redeten auch nicht mit ihr darüber. Jedes mal, wenn Molly Fragen zu der Zeit, in der sie noch in Irland lebten stellte, blockten sie gnadenlos ab. Sie wusste auch nicht, warum sie in Deutschland lebten. Wenn sie Bilder von ihrem Heimatland in irgendwelchen Büchern sah, fragte sie sich, weshalb sie in diesem wunderschönen Land nicht leben durfte. Keine Frage, ihr gefiel es hier in Deutschland auch. Doch ihr größter Wunsch war es eines Tages nach Irland zurückzukehren. Ihre kleine Schwester Lilly hatte auch in Irland das Licht der Welt erblickt. Doch ihr war die Vergangenheit egal. Dylan, ihr Bruder wurde ein Jahr, nachdem sie Irland verlassen hatten geboren. Er lernte nur die deutsche Sprache und wusste vermutlich überhaupt nichts, von seiner waren Herkunft.
Molly und Lena setzten sich auf Mollys kuscheliges Sofa und schauten fern. Das machten sie immer wenn sie sich trafen. Sie schauten sich Videoclips auf MTV an und lästerten über die Boybands und Möchtegern Sänger, die mit ihrem miesen Playback dort zu sehen waren. Ihre Klamotten und ihr Auftreten! Boybands waren das größte Greul der beiden Mädchen. Mit ihrem lächerlichen Rumgehhopse auf der Bühne und ihrem Schnulzengesang, dass es einem fast das Gehör verdarb. Und dann noch diese kreischenden Mädchen, die gerade mal aus den Windeln waren.
Am Abend war Molly wieder alleine. Lena hatte schon zum Abendessen zu Hause sein müssen. In der Hinsicht waren ihre Eltern sehr streng. Zum Abendessen musste die ganze Familie versammelt sein. Molly wusste nichts mit sich anzufangen. Sie lief ein paar Minuten in ihrem Zimmer auf und ab, wie immer wenn sie verzweifelt überlegte, was sie machen könnte. Sie schaltete den Fernseher ein und zappte durch die Kanäle. Doch bald schaltete sie wieder aus. Es kam einfach kein guter Film. Nur auf jedem zweiten Sender eine dieser nervenden Quizshows. Sie ging in die Küche und machte sich ein Brot. Hunger hatte sie zwar keinen, aber wenigstens war sie für eine Weile beschäftigt. Es war zwar erst halb neun, aber Molly ging trotzdem ins Badezimmer um sich Bettfertig zu machen. Sie putzte ihre Zähne und nebenher dachte sie wie schon so oft darüber nach, was ihre Eltern zu verbergen hatten. Warum sie ihr nicht sagen wollten, was in den ersten sechs Jahren ihres Lebens geschehen war. Sie hatte doch ein recht darauf, das alles zu erfahren. Sie ging in ihr Bett. Schlafen konnte sie nicht. Immer wieder quälten sie dieses Gedanken. Sie warf sich von der linken auf die rechte Seite und wieder zurück. Sie knipste das Licht an, um es kurz darauf wieder auszumachen. Sie schlug ihre Decke zurück, deckte sich aber gleich wieder zu. Schließlich sprang sie aus dem Bett. Sie musste jetzt einfach wissen, was ihre Eltern ihr verschwiegen. Sie hatte sowieso schon viel zu lange gewartet. Aber jetzt wo ihre Eltern nicht da waren, sah sie ihre Chance gekommen. Sie ging ins Wohnzimmer und wühlte die Schubladen der Schränke durch. Sie fand nichts. Rein gar nichts. Sie hätte am liebsten ihre Verwandten angerufen um die zu fragen, doch sie wusste nicht einmal ob sie Tante, Onkel, Oma oder Opa hatte. Nie hatte sie ein Bild von ihnen gesehen. Nie hatte sie ein Wort über sie erfahren. Es war, als gäbe es niemandes. Molly überlegte, wo sie noch suchen konnte. Den Keller konnte sie vergessen. Den hatte sie schon vor knapp einer Woche unter die Lupe genommen, als ihre Eltern beim einkaufen waren. Blieb also nur noch der Dachboden. Unter dem Dach bewahrten viele Leute ihre Erinnerungen auf. Molly ging in das oberste Stockwerk des Hauses und öffnete die Luke zum Dachboden, die an der Decke war. Sie kletterte hinauf und musste feststellen, dass es dort oben stockdunkel war. Also ging sie wieder herunter um eine Taschenlampe zu holen. Doch wo waren die Taschenlampen? Sie suchte wieder alle möglichen Schubladen durch, bis sie endlich eine fand. Wieder kletterte sie die Treppe zum Dachboden hinauf und schaltete sie Lampe ein, um dem Dunkel ein Ende zu machen. Sie leuchtete in alle Ecken. Wann war sie denn das letzte mal hier oben gewesen? Sie konnte sich nicht erinnern. Hatte sie diese Art Abstellraum überhaupt schon mal betreten? Als sie kleiner war, hatten ihre Eltern immer gesagt, dass sie nicht hoch durfte und in den weiteren Jahren geriet der Dachboden irgendwie in Vergessenheit. Molly nahm sich zuerst die Ecke rechts von ihr vor. Ein Kinderfahrrad, das sie als ihr eigenes erkannte stand dort. Sie konnte sich noch genau daran erinnern. Sie bekam es zu ihrem Zehnten Geburtstag. Sie wollte gar nicht mehr absteigen. Sie fuhr den ganzen Tag durch das Dorf. Als es mit Vierzehn Jahren zu klein für sie war und sie ein neues bekam, weinte sie tagelang. Sie wollte es nicht hergeben. Molly musste schmunzeln. Sie leuchtete weiter. Dort standen die Reste ihrer Gartenschaukel. Auch daran hatte sie wunderbare Erinnerrungen. Lena und sie hatten immer Achterbahn gespielt. Sie setzten sich in die Schaukel und brachten sie beinahe zum Überschlag. Für sie war es immer die blaue Achterbahn gewesen, nicht die Schaukel. Lilly wollte immer mitspielen, doch sie hatten sie nie gelassen und so hatte Lilly mit ihrer eigenen Freundin Achterbahn gespielt. Das waren noch Zeiten gewesen. Auch die Kinderküche und der Kaufladen standen herum. Molly strich mit ihrer Handfläche über die Kochplatten. Was hatte sie da nicht immer für Gerichte gezaubert. Lena und sie hatten immer erst im Kaufladen eingekauft und dann die größten Menüs gekocht. Manchmal wurden ihre Eltern eingeladen und die freuten sich dann immer, wenn sie das Gekochte essen durften oder zumindest so tun mussten, als würde sie es essen. Sie lobten sie dann immer und meinten, dass aus ihnen mal hervorragende Köchinnen werden würde. Ganz stolz hatten die beiden dann immer den Abwasch gemacht. Molly wusste, dass sie selber mal Kinder haben wollte, das war ein großer Wunsch von ihr. Sie schaute sich weiter um. Eine Kiste mit Babyklamotten fiel ihr in die Hände. Das war doch schon etwas, nach was sie suchte. Sie holte ein Kleidungsstück nach dem anderen heraus. Wunderschöne Sachen fand sie. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, dass sie die Kleider mal getragen hatte. Jedes Kleidchen schaute sie genau an und versuchte sich zu erinnern. Doch die erhoffte Erinnerung kam nicht. Alles war wie ausradiert. Wie gelöscht. Als hätte jemand auf einen Löschknopf gedrückt. Wie man es mit Unnützen Dateien am Computer machte. Sie fand einen weiteren Karton. Ihr Herz hörte mit einem Mal beinahe auf zu schlagen. Endlich war sie an ihrem Ziel angelangt. Endlich würde sie mehr über ihr Leben herausfinden und das Leben ihrer Eltern. In der Kiste waren lauter Bilderrahmen und Fotos. Sie packte vorsichtig einen Rahmen nach dem anderen aus. Sie sah ihre Eltern glücklich lächelnd auf einem. Auf einem andren Bild sah man sie und Lilly in den Armen ihrer strahlenden Eltern. Molly strich sanft darüber und eine kleine Träne bildete sich in ihren Augen und löste sich. Sie nahm das nächste Bild. Fünf junge Männer waren darauf zu erkennen. Einen erkannte sie als ihren Daddy. Sie lächelten freundlich in die Kamera und Molly musste feststellen, dass einer besser aussah als der andere. Alles vier, die sie nicht kannte wirkten freundlich und nett. Wer waren sie? Freunde von ihren Eltern. Sie fand noch weitere Bilder auf denen die fünf abgelichtet waren. Und auch noch viele andere Bilder von ihr und Lilly und von ihrer Eltern. Sie öffnete mit pochendem Herzen den nächsten Karton. Zum Vorschein kamen Zeitschriften über Zeitschriften. Auf jeden zweiten war ihr Vater vorne drauf. Entweder mit den anderen vieren, die sie schon von den Fotos kannte oder mit ihr, ihrer Mum und Lilly. Was hatten ihre Eltern gemacht, dass sie es so oft auf die Titelseiten dieser Klatschblätter geschaffte hatte. Molly schlug eine auf und mehrer Seiten, bedruckt mit Fotos von ihr und Lilly sprangen ihr entgegen. Vermutlich in ihrem damaligen zu Hause. Sie legte sie zur Seite und nahm die nächste. Wieder Bilder über Bilder. Dieses Mal schaute ihr ein kleines Kind entgegen, dass sie als sich selbst erkannte. In den Armen von ihren stolz aussehenden Eltern. Wieso war sie in den Zeitungen gewesen? Wieso wurde sie schon kurz nach ihrer Geburt für die Öffentlichkeit fotografiert? Das Rätsel schien immer größer zu werden. Die nächste Zeitung ließ sie noch mehr stutzen. Auf dem Titelseite stand groß und fett: The big Westlife Wedding. Wer war bitteschön Westlife? Molly schlug aufgeregt die Zeitung auf und ihre Eltern strahlten sie wieder einmal an. Bei ihrer Hochzeit. Wieso kam so etwas in die Öffentlichkeit? Sie laß den Artikel durch und verstand gar nichts mehr. Es wurde von der Hochzeit ihrer Eltern berichtet. Auch die anderen vier Männer waren wieder dabei. Und wie gut sie alle aussahen. Wer waren sie nur? Molly beschloss den nächsten Karton unter die Lupe zu nehmen. Dieses Mal war der Karton voll mit Cds. Molly nahm eine zur Hand. " Westlife - Coast to Coast" stand darauf und als sie das Bild sah konnte sie es nicht fassen. Da waren wieder diese fünf Jungs und darunter ihr Dad. Die nächste CD zeigte nichts anderes und die nächste auch nicht. Auf jeden Cover war ihr Vater zu sehen. War er etwa berühmt gewesen? Hatte er in dieser Band gesungen, die verdächtig nach Boygroup aussah? Waren sie deshalb in den ganzen Magazinen gewesen? Molly bestand aus einem einzigen Fragezeichen. Doch diese wurde nicht kleiner, als sie auch noch ein paar CDs fand, auf denen ihre Mutter mit zwei anderen Mädchen angebildet war. Hatte ihre Mutter etwa auch gesungen? Sie nahm sich ein paar CDs zur Seite. Sie wollte nachher mal reinhören. Doch erst mal erweiterte sie ihre Suche. Im nächsten Karton fand sie Video Kassetten und DVDs. Und wieder war ihr Vater auf dem Cover zu finden. Auch diese nahm sie bei Seite. Doch den vermutlich größten Fund machte sie, als sie Bücher fand. Bücher, die sich als Tagebücher ihrer Eltern herausstellten. All das nahm sie mit hinunter in die Wohnung. Erst jetzt merkte sie, dass sie klatschnasse Hände hatte. Sie legte die erste CD in den CD- Player und hörte gespannt. Eine Ballade nach der anderen klang ihr entgegen. Zwischendrin ein paar ganz wenige Uptempo Nummern. Sie nahm das Booklet der Coast to Coast CD in die Hand und blätterte darin. Da war ihr Vater abgebildet und darunter stand ein Dankestext Sie laß ihn sich genau durch und konnte kaum fassen, dass diese Worte alle von ihrem Daddy stammten. Er war tatsächlich in einer Boygroup gewesen. Molly konnte es nicht glauben. Wieso erzählte er nie etwas von dieser Zeit? Sie mussten sehr erfolgreich gewesen sein. Sie schob eine DVD in den DVD- Player und wartete ab. Es war, wie schon auf der Hülle stand, tatsächlich ein Konzert. Ein Konzert von Westlife, der Band in der ihr Vater gewesen war. Sie schaute sich die ganze Show an und immer wenn ihr Dad ins Bild kam zuckte sie leicht zusammen. Er hatte eine wunderschöne Stimme. Wieso sang er heute nicht mehr. Und die anderen vier sangen genauso schön. Molly ging das Herz auf. Die Musik gab soviel Wärme ab. Die kreischenden Mädchen im Publikum störten sie nicht im geringsten. Sie lauschte nur dem Gesang von Westlife.
" Westlife", sagte Molly leise vor sich hin und es klang wunderbar. Es glitt einem nur so von der Zunge. " Warum habt ihr nie davon erzählt?", redete Molly zu sich selber und fing wieder zu weinen an. Wie mussten sich ihre Eltern auch gefühlt haben, wenn Molly am Esstisch immer von den bescheuerten Boygroups anfing, die sich auf der Bühne zum Deppen machten. Dabei war ihr Vater in genau so einer Gruppe gewesen. Doch sie fand nicht, dass er sich zum Deppen gemacht hatte. Was er da getan hatte, war einfach wunderbar. Wieso hatten ihre Eltern ihr das alles verschwiegen? Was war damals passiert? Wieso waren sie ausgewandert mit Sack und pack. Warum hatten sie weder Kontakt zu ihren Verwandten noch zu diesen verdammt gutsaussehenden Bandkollegen ihres Vaters? All diese Fragen gingen Molly durch den Kopf und sie wusste, dass sie dieses Rätsel lösen musste. Langsam merkte sie, wie sie müde wurde. Es war auch schon drei Uhr in der Früh. Molly ging ins Bett, doch sie musste die ganze Zeit an all das denken, was sie herausgefunden hatte.

Am nächsten Morgen kam Molly alles vor wie ein Traum, doch als sie die CDs auf dem Wohnzimmerteppich liegen sah, wusste sie das alles Realität war. Sie setzte sich an den Computer im Arbeitszimmer ihres Vaters und loggte sich ins Internet ein. Noch heute wollte sie nach Irland fliegen. Sie musste einfach alles wissen. Sie fand auch sehr schnell einen Lastminute Flug, der noch an diesem Abend ging. Sie buchte ihn, und packte dann schnell ihren Koffer. Doch wie sollte sie so schnell zu Flughafen kommen? Sie nahm das Telefon und rief Lena an. Die versprach auch gleich zu kommen.
" Du hast was rausgefunden?", fragte Lena entsetzt, als sie bei Molly im Zimmer saß und Mollys Erzählungen lauschte.
" Mein Vater war mal in einer Boygroup und jetzt muss ich schleunigst nach Irland um alles über das Leben meiner Eltern herausfinden. Mein Flug geht um Fünf. Bleiben also noch fünf Stunden. Meinst du deine Eltern können mich zum Flughafen bringen?"
" Klar. Ich ruf sie schnell an", meinte Lena. Ihre Eltern hatten nichts dagegen und so konnte ja nichts mehr schief gehen. Molly packte auch noch ein paar der CDs ein. Die wollte sie während dem Flug hören. Dann rief sie noch ihre Eltern an. Sie waren nicht erreichbar und so hinterließ sie auf der Mailbox ihres Vaters eine Nachricht. Sie sagte, dass sie für ein paar Tag mit Lena eine Radtour machen würde und deshalb nur auf dem Handy erreichbar sein würde. War zwar ein Notlüge, aber Notlügen waren ja erlaubt, wie ihre Mum immer sagte.

Wenige Stunden später saß Molly im Flugzeug und hörte CD. Die Musik war einfach der Hammer. Sie schaute zum Fenster hinaus und freute sich endlich wieder nach Irland zu kommen. Ihrem Heimatland, dass sie eigentlich nur von Bildern kannte.
Das Flugzeug landete und Molly stieg aufgeregt aus dem Flieger. Sie holte ihr Gepäck und überlegte dann, wie sie am besten Vorgehen sollte. Sie entschloss sich eine Telefonzelle zu suchen um in einem Telefonbuch nachzuschauen, ob es in Dublin Familien mit dem Namen McFadden gab. Sie wurde auch ziemlich schnell fündig und wählte mit zitternden Händen die Nummer.
" McFadden?!", meldete sich nach dem dritten Piepton eine weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung.
" Hallo! Hier ist Molly McFadden", sagte Molly, die nicht so genau wusste, was sie sagen sollte.
" Molly? Meine Güte das gibt’s doch nicht!", sagte die Frau erstaunt. " Wie geht es dir? Wo bist du? Was machst du?", fragte die Frau aufgeregt.
" Ähm... ich bin in Dublin, aber ich weiß das klingt jetzt blöd, aber wer genau sind sie?", fragte Molly.
" Oh, Entschuldigung. Ich bin Sue McFadden, deine Tante. Aber was machst du hier?" Molly konnte es nicht glauben. Sie telefonierte gerade mit ihrer Tante.
" Ich bin in Dublin am Flughafen", erklärte Molly.
" Ich hol dich ab, okay?"
" Das wäre wirklich nett", meinte Molly und legte auf. Sie ging aus der Telefonzelle und musste sich erst einmal kneifen. In kurzer Zeit würde sie ihre Tante treffen und dann alles, was sie wissen wollte erfahren. Wie würde ihre Tante wohl sein?
Kurz darauf hielt ein Auto vor dem Flughafengebäude und eine Frau mittleren Alters stieg heraus und schaute sich suchend um. Ihr Blick traf auf Molly. Dann erhellte sich ihr Gesichtsausdruck und sie kam auf Molly zu. Molly hatte sich auch entdeckt. War das etwa ihre Tante? Ihr Herz klopfte.
" Molly?", fragte die Dame. Molly nickte. Ihre Tante umarmte sie und schien sie gar nicht mehr loszulassen wollen. " Mein Gott bist du groß geworden", meinte Sue. " Komm, wir fahren zu mir nach Hause und dann erzählst du mir, was dich hierher führt." Molly folgte Sue und stieg in ihren VW Golf.
" Wie geht es Bryan? Und Kerry?", fragte Sue.
" Denen geht es gut. Die sind mit Lilly und Dyl in Spanien!", erzählte Molly und so langsam taute sie auf. Sie war nicht mehr allzu aufgeregt.
" Dyl?", fragte die Tante.
" Ja. Mein kleiner Bruder Dylan."
" Aber jetzt sag mal, was führt dich hierher?"
" Mum und Dad wollten mir nie was von ihrem früheren Leben erzählen. Ich wusste nichts aus der Zeit, in der wir hier in Irland gelebt haben und meine Verwandten kannte ich auch nicht. Ich hab mich auf die Suche nach Bildern oder anderen Erinnerungen gemacht und eine ganze Menge gefunden. Das Dad in dieser Band war und Mum auch gesungen hat, dass ich auf jeder Menge Zeitungscover war und so weiter. Da hab ich mir gedacht ich flieg einfach nach Irland um all diesen Sachen weiter auf den Grund zu gehen", erklärte Molly.
" Deine Eltern haben dir nie etwas erzählt?"
" Nein, nie. So sehr ich sie auch darum gebeten hatte."
" Wissen sie denn, dass du hier bist?"
" Nein. Sie denken, dass ich mit meiner Freundin ein Radtour mache. Ich habe auch den Flug von meinem ganze Taschengeld gezahlt." In diesem Moment hielten sie vor einem wunderschönen kleinen Haus ein wenig außerhalb von Dublin.
" So, da wären wir!", sagte Sue. " Wie lange bleibst du?"
" Ich weiß es noch nicht. Ich wollte auf jeden Fall meine ganzen Verwandten sehen, wenn das möglich ist und vielleicht auch noch die ehemaligen Bandkollegen von Dad", sagte Molly.
" Das ist alles kein Problem. Morgen können wir deine Oma und deinen Opa besuchen und die Adressen von den ehemaligen Westlifemitgliedern finden wir bestimmt auch irgendwo", meinte Sue. " Möchtest du was trinken?"
" Ja. Danke", sagte Molly und schaute sich um. An den Wänden hingen Fotos. Fotos von Sue und Bryan in jungen Jahren und auch Bilder von ihr und Lilly.
" Setzten wir uns ins Wohnzimmer, ja?", meinte Sue und führte Molly in ein sehr schön eingerichtetes Zimmer. Molly setzte sich auf die Couch und schaute sich auch dort neugierig um. Sue brachte Getränke und setzte sich auf einen Sessel.
" Wieso haben dir Bryan und Kerry nie etwas von ihrem und auch deinem früheren Leben erzählt?", fragte Sue.
" Ich weiß es nicht. Sie haben immer abgeblockt, wenn ich sie danach gefragt habe. Sie meinten ich müsste das nicht wissen oder sie würden es mir später einmal erzählen, wenn ich älter sei. Aber solange wollte ich einfach nicht warten. Lilly hat sich nie dafür interessiert. Ich weiß nicht warum. Und Dylan, der ist noch viel zu jung und außerdem ist er ja in Deutschland geboren worden", sagte Molly.
" Wie alt ist Dylan. Hast du ein Foto von ihm dabei?", fragte ihre Tante.
" Dylan ist Zehn Jahre alt. Warte, ich müsste ein Foto in meinem Geldbeutel haben", meinte Molly. Sie nahm ihren Rucksack und suchte nach ihrem Geldbeutel.
" Hier", sagte sie und reichte Sue ein Bildchen, das Dylan zeigte, wie er mit seinen Autos spielte. " Was ist damals vorgefallen?", kam Molly nun endlich zum Punkt. Sie wollte es jetzt einfach wissen. Sue schaute sie an und holte tief Luft.
" Mit Achtzehn Jahren ging Bryan zu einem Vorsingen für eine Band. Er hatte schon immer gern gesungen und er konnte es auch wirklich gut. Er wurde genommen. Er war also gemeinsam mit vier anderen Jungs, Nicky, Shane, Mark und Kian bei Westlife. Ich war richtig stolz auf ihn. Wer hat schon einen Bruder der Popstar ist? Meine Freundinnen beneideten mich richtig. Westlife wurde sehr erfolgreich. Ihre erste Single ging in Großbritannien sofort auf Nummer eins, genauso wie die nächste. Ihr ersten sieben Singles landeten von Null auf eins. Bryan war glücklich. Er bereiste die Welt, ging auch bald mit den anderen Jungs auf ihre erste Tour. Sie spielten in ausverkauften Hallen, das Publikum und vor allem die Mädchen liebten sie. Sie machten großartige Musik. Bryan lernte Kerry kennen, die in der Girlgroup Atomic Kitten war und sie verliebten sich ineinander. Als Kerry erfuhr, dass sie schwanger war, verließ sie die Band um sich voll und ganz ihrem Kind widmen zu können. Dann kamst du zur Welt. Für Bryan warst du ein Geschenk des Himmels. Er liebte dich über alles. Er wollte der ganzen Welt zeigen wie glücklich er war und dass er das allerschönste Kind hatte. Die anderen Jungs fanden auch ihre Freude an dir. Sie spielten mit dir, wollten alle auf dich aufpassen. Bryan war so stolz. Ein halbes Jahr nach deiner Geburt heirateten er und Kerry. Westlife waren immer noch sehr erfolgreich und die Fans freuten sich für ihn mit. Westlife ging schon auf ihre zweite Welttournee. Im Februar 2003 kam deine Schwester Lilly zur Welt. Du hattest endlich eine Schwester, wie es sich eure Eltern gewünscht hatten. Doch euer Glück wurde von den Dummheiten deines Vaters überschattet. Es kam an die Öffentlichkeit, dass Bryan Kerry vor der Hochzeit betrogen hatte. Doch auch das meisterten deine Eltern perfekt", Sue machte eine kurze Pause und trank einen Schluck Wasser. " Auch die dritte Welttournee wurde sehr erfolgreich. Doch Bryan war nicht mehr der Bryan, der es zu Beginn seiner Karriere war. Er war nicht mehr so glücklich, denn er konnte einfach nicht genug Zeit mit seiner Familie verbringen. Im März 2004 gab er seinen Ausstieg aus der Band bekannt. Er wollte einfach mehr Zeit für euch haben. Es war ein harter Schlag für die anderen Jungs und natürlich auch für die Fans. Westlife stand kurz vor ihrer vierten Tournee und mussten natürlich umplanen. Von Bryan hörte man natürlich immer noch in der Öffentlichkeit. Er schrieb Songs, auch für Westlife und war weiterhin mit den Jungs befreundet. Kurz nach deinem sechsten Geburtstag veränderte sich Bryan. Ins negative. Er hatte plötzlich großen Streit mit seinen Exkollegen, er hat mir nie erzählt warum und es kam auch nicht an die Öffentlichkeit. Es ging so weit, dass er ohne Grund Streit mit uns, mit seiner Familie anfing. Er kam zu keiner Geburtstagparty mehr und sogar an Weihnachten blieb er fern. Ihr natürlich auch. Kerry versuchte ihn immer davon zu überzeugen, dass er große Dummheiten begann, doch er hörte nicht auf sie. Es kam so weit, dass wir keine Kontakt mehr zueinander hatten. Durch Kerry erfuhren wir, dass er vorhatte auszuwandern. Er wollte keinen von uns mehr sehen. Und er machte daraus Wirklichkeit. Ihr seit dann nach Deutschland gegangen und wir haben nichts mehr von euch gehört." Beendete Sue die Erzählung. Es war sehr still im Raum. Schweigend saßen beide da. Molly konnte es nicht fassen, dass ihr Dad so etwas getan hatte. Er hatte ihre Mum betrogen und dann auch noch die ganze Familie aus ihrem Umfeld gerissen.
" Danke, dass du mir das alles erzählt hast", sagte Molly leise.
" Keine Ursache. Ach Molly. Ich finde es so schön, dass du da bist. Weißt du was? Ich zeige dir jetzt ein paar Bilder von dir, als du noch klein warst", sagte Sue und ging zu einem Wohnzimmerschrank und holte mehrer Fotoalben hervor.
" Das warst du, kurz nach der Geburt", sagte Sue und zeigte auf ein Bild. Molly schaute es an und musste lächeln. Wie sie damals ausgesehen hatte. Sie konnte es kaum glauben, dass das winzige Wesen auf dem Bild einmal sie gewesen war. Sue zeigte ihr noch viele andere Bilder und langsam bildeten sich Tränen in Mollys Augen. Warum sah sie das alles erst jetzt? Warum musste sie erst nach Irland fahren um nur ein paar Babyfotos von sich selbst zu sehen? Sue holte ihr ein Taschentuch.
" Danke", sagte Molly und schaute sich dann weiter die Fotos an. Mit ihrem fünften Lebensjahr endeten dann die Bilder. " Habe ich eigentlich Cousins oder Cousinen?", fragte Molly.
" Ja. Ich habe zwei Söhne, doch die beiden wirst du leider nicht kennen lernen, da sie in Ferienlager sind. Dein Onkel müsste aber etwa in einer Stunde von der Arbeit nach Hause kommen", meinte Sue. Molly lächelte. Sie freute sich darauf. Sue zeigte ihr noch viele Bilder von ihren beiden Cousins. Sie waren ein paar Jahre jünger als sie.

Wie Sue gesagt hatte, kam eine Stunde später ihr Onkel nach Hause. Als er Molly sah, stutzte er einen Moment.
" Das ist Molly", sagte Sue. " Deine Nichte." Er konnte es kaum glauben, wer da vor ihm stand, doch auch er freute sich sehr. Beim Abendessen redeten alle ununterbrochen. Molly musste alles über Dylan erzählen und Sue und Mollys Onkel alles über Mollys Cousins. Sie wussten so viel, dass sie noch bis spät in die Nacht hinein redeten. Molly fühlte sich bei Onkel und Tante richtig wohl. Warum hatte sie die beiden nicht schon früher kennen lernen können? Und am nächsten Tag würde sie sogar noch ihre Oma und ihren Opa treffen.
Es war schon ein Uhr Nachts, als Molly endlich schlafen ging. Sue hatte ihr ein Bett im Gästezimmer zurecht gemacht und Molly schlief auf der Stelle ein.

" Guten morgen Molly. Ich habe schon gedacht, ich hätte den gestrigen Tag geträumt", sagte Sue beim Frühstück. Ihr Onkel war schon bei der Arbeit, denn es war schon elf Uhr. Molly bestrich sich ein Brot mit Nutella und schenkte sich Orangensaft ins Glas. " Ich habe heute morgen schon ein bisschen herumtelefoniert und im Internet gesurft. Und ich habe etwas herausgefunden, was dich sicher freuen wird", sagte Sue und schaute Molly vielversprechend an.
" Nun spann mich doch nicht so auf die Folter", sagte Molly.
" Ich habe für dich die Adressen von den ehemaligen Westlifemitgliedern herausgefunden", verkündete Sue und zog einen Zettel hervor. Molly verschluckte sich beinahe an ihrem Brot.
" Das ist nicht dein Ernst, oder?", fragte sie fassungslos.
" Doch", sagte Sue und streckte ihr den Zettel hin. Da standen tatsächlich die Adressen drauf von Nicky Byrne, Mark Feehily, Kian Egan und Shane Filan.
" Vielen Dank. Wie kann ich das nur wieder gut machen?", fragte Molly überwältigt.
" Du brauchst dich doch nicht dafür zu revanchieren. Das habe ich doch gerne gemacht", sagte ihre Tante. Molly konnte es kaum glauben. Sie starrte den Zettel an und schüttelte immer wieder den Kopf.
" Ich habe heute morgen auch mit deinen Großeltern telefoniert und gesagt, ich hätte heute eine Überraschung. Wir fahren zum Mittagessen hin, okay?"
" Ja, da freue ich mich schon", meinte Molly.
" Wann möchtest du dann die Ehemaligen Westlifemitglieder besuchen?", fragte Sue.
" Morgen vielleicht. Wie komme ich denn da hin?"
" Nicky Byrne lebt mit seiner Familie in Dublin. Ich kann dich aber auch gerne zu den anderen nach Sligo fahren."
" Nein, das brauchst du nicht. Du hast schon so viel für mich getan", sagte Molly.
" Wenn du meinst. Du kannst dann natürlich mit dem Bus fahren. Aber zu Nicky fahr ich dich, ja."
" Okay." Molly ging ins Badezimmer. Als sie ins Gästezimmer zurück ging, stellte sie fest, dass sie drei Anrufe in Abwesenheit auf ihr Handy bekommen hatte. Wahrscheinlich ihre Eltern. Gerade wollte sie ihr Bett machen, als das Handy klingelte.
" Hallo?", meldete sie sich.
" Hallo Molly. Dich erreicht man ja gar nicht mehr", beschwerte sich ihre Mum.
" Sorry."
" Was macht ihr denn gerade?", fragte Molly gerade. ‚ Was sollen wir denn machen?’, fragte sich Molly verblüfft. Dann fiel ihr wieder ein, dass ihre Eltern ja glaubten, sie wäre auf einer Radtour mit Lena.
" Ähm, wir haben gerade unser Zelt abgebaut, weil wir weiterfahren wollen", log Molly. Damit schien Kerry zufrieden sein.
" Also ist alles klar bei euch."
" Alles klar, ja!", sagte Molly.
" Das ist gut. Liebe Grüße auch von Dad, Lilly und Dyl", sagte Kerry.
" Sag ihnen einen Gruß zurück."
" Mach ich. Dann will ich euch jetzt nicht beim Weiterfahren aufhalten. Viel Spaß noch."
" Euch auch. Bye Mum." Molly legte auf. Das war ja noch mal gut gegangen. Ihre Mutter schien nichts gemerkt zu haben.

Auf dem Weg zur ihren Großeltern, wurde Molly wieder nervös. Sie rieb ihre schweißnassen Hände an ihrer Jeans ab. Aber am schlimmsten war es, als sie vor der Haustüre standen und Sue klingelte. Eine alte Dame, ihre Oma machte auf. Sie schaute Molly an, dann zu Sue und wieder zu Molly.
" Molly? Bist du das?", fragte sie. Molly nickte schüchtern. Ihre Oma schlug die Hände vor ihrem Gesicht zusammen. " Das ich das noch erleben darf", sagte sie und schloss Molly in ihre Arme. Inzwischen war ihr Großvater dazu gekommen und auch er umarmte Molly.
" Kommt doch rein", sagte er. Sie setzten sich ins Wohnzimmer und Molly musste wieder einmal erzählen, was sie hier machte.
" Wie geht es unserem Sohn?", fragte ihre Oma.
" Gut", sagte Molly.
" Ich kann immer noch nicht verstehen, weshalb er damals nach Deutschland gezogen ist. Jeden Abend zergrübele ich mir den Kopf, schon seit Jahren. Ich frage mich, was wir nur falsch gemacht haben?", sagte ihr Opa. Molly fühlte sich schlecht. Ihre Großeltern waren so nette Menschen und ihr Vater hatte ihnen so weh getan. Molly wusste jetzt, was sie zu tun hatte. Sie musste die Familie wieder zusammen bringen. Ihre Oma ging in die Küche um Mittagessen zu kochen und Molly musste mal wieder von ihrem Bruder Dylan erzählen.
Ihre Oma hatte lecker gekocht. Eine sehr gute Irische Spezialität und Molly nahm immer noch einmal. Sie verbrachten den ganzen Nachmittag noch zusammen. Sie fuhren in die Dubliner Innenstadt und Molly sah nun wirklich ihre Geburtsstadt. Molly wusste, dass sie hier wieder herkommen würde.

In dieser Nacht konnte sie nicht einschlafen. Sie machte das Licht an und holte ihren Rucksack. Sie kramte die Tagebücher ihrer Eltern aus dem Rucksack heraus, die sie auf dem Dachboden gefunden hatte. Sie wendete sie hin und her und war sich nicht sicher, ob sie hineinschauen sollte. Doch schließlich entschied sie sich doch dafür, einen Blick hinein zu werfen. Es war ein Tourtagebuch ihres Vaters.
Heute haben wir im Point in Dublin gespielt. Es war so ein schönes Gefühl. Die Menge tobte und die Halle war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Wir machten eine sehr gute Show.

Der Streit mit Kian heute macht mir immer noch Sorgen. Schließlich war ich daran schuld. Ich werde mich bei ihm entschuldigen. Doch der enge Tourbus nervt mich. Ich möchte endlich mal wieder meine Ruhe haben und nicht immer auf wenigen Quadratmetern leben und in einem winzigen Bett schlafen, in das ich wegen meiner Größe kaum hineinpasse.

Kerrys Bauch wird immer dicker. Ich freue mich schon so sehr auf mein Kind. Die anderen Jungs stöhnen immer schon auf, wenn ich davon anfange. Heute werden wir in London spielen. Die Halle ist ausverkauft und ich werde jetzt schon ganz hibbelig, wenn ich nur an die Menschenmenge denke. Shane meint, ich wäre immer hibbelig.

Molly war über dem Tagebuch eingeschlafen.
" Molly aufstehen", wurde sie von Sue geweckt. Molly schreckte hoch und rieb sich die Augen. Viel Schlaf hatte sie nicht bekommen, aber sie hatte heute ja viel vor.
Nach dem Frühstück fuhr ihre Tante sie in die Straße, in der Nicky Byrne laut Adresse wohnte.
" Ich wünsche dir viel Glück, ja!", sagte ihre Tante.
" Dankeschön. Ich ruf dich an", meinte Molly und umarmte ihre Tante. Dann lief sie die Treppenstufen zu dem Haus der Byrnes hinauf. Sie wusste nicht was sie erwartete, aber sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und klingelte. Eine hübsche Frau öffnete ihr die Türe.
" Ja? Was kann ich für sie tun?", fragte die Frau Molly.
" Ich bin Molly McFadden", stellte sich Molly vor. Die Frau schaute sie erstaunt an.
" Nicky! Komm doch mal bitte ganz schnell!", rief die Frau. Nicky kam und Molly erkannte ihn, trotz seine Alters wieder. Und er sah noch immer sehr gut aus. Nicky schaute Molly an, dann schaute er zu seiner Frau.
" Das ist Molly McFadden", sagte die Frau zu Nicky.
" Molly?", fragte er ungläubig. " Die Tochter von Bryan McFadden?" Molly nickte und lächelte. " Das glaub ich ja gar nicht. Mein Gott bist du groß geworden. Aber komm doch rein." Er führte sie ins Wohnzimmer. Dort spielten drei süße Kinder Lego. " Setz dich doch", forderte Nicky sie auf. " Ich weiß nicht ob du dich noch an sie erinnerst, aber das ist meine Frau Georigina. Und das sind unsere Kinder David, Marie und Robbie. Aber jetzt sag mal, was führt dich hierher?" Und wieder musste Molly alles erzählen und ihr war klar, dass das nicht das letzte Mal war.
" Bryan hat dir nichts von Westlife erzählt?", fragte Nicky am Ende ihrer Erzählung.
" Nein, gar nichts. Aber zum Glück habe ich die ganzen CDs gefunden", meinte Molly. Die drei Kinder schauten Molly ehrfürchtig an. " Wie alt sind sie denn?"
" David ist 12, Marie ist neun und Robbie ist sechs", sagte Georgina.
" Tante Molly soll mit uns spielen", sagte Marie und zog Molly am Ärmel.
" Marie. Jetzt lass sie doch in Ruhe", ermahnte Nicky seine Tochter.
" Nein, nein. Ist schon okay", winkte Molly ab und setzte sich zu den Kinder um mit ihnen Legosteine aufeinander zu stapeln.
" Nein Tante Molly. Du musst das so machen", sagte Robbie und machte den letzten Legostein, den Molly auf den Turm gesetzte hat wieder ab und einen anderen hin, der farblich überhaupt nicht dazu passte, wie Molly fand. Aber sie fand das trotzdem sehr süß.
" Molly? Baust du mit mir ein ganz großes Haus?", fragte Marie.
" Na klar", meinte Molly, der es immer mehr Spaß bereitete mit den kleinen zu spielen. Nicky und Georgina schauten amüsiert dem Geschehen zu.
" Sag mal Molly, wäre es möglich vielleicht Bryan, Kerry, Lilly und natürlich auch Dylan wieder zu sehen?", fragte Nicky.
" Ich werde mein möglichstes versuchen. Auf jeden Fall werde ich mit ihnen reden", meinte Molly.
" Das wäre echt schön. Besuchst du Kian, Mark und Shane auch?", fragte Nicky.
" Ja. Ich wollte sie eigentlich heute noch besuchen, aber ich glaube kaum, dass eure Kids mich gehen lassen", sagte Molly schmunzelnd mit einem Blick auf die Kinder.
" Du kannst gerne über Nacht bleiben und dann fahren wir morgen gemeinsam nach Sligo. Wir wollten sowieso mal wieder zu den anderen fahren", meinte Georgina.
" Wenn das keine Umstände macht", sagte Molly.
" Ach Quatsch", sagte Nicky.
" Bleibt Molly heute Nacht da?", fragte Marie. Nicky nickte.
" Mummy, darf Molly bei mir schlafen?", fragte Robbie.
" Nein! Molly soll bei mir schlafen", meinte Marie und stemmte ihre Hände in die Hüften.
" Nein bei mir", sagte David, der sich bis jetzt ziemlich zurückgehalten hatte.
" Bei mir", schrie Marie.
" Nein bei mir!", rief Robbie.
" Jetzt ist aber Schluss", meinte Nicky. " Vielleicht sollte Molly selber entscheiden bei wem sie schlafen will."
" Ne Nicky. Das ist jetzt aber fies", sagte Molly.
" Was würdet ihr von einem Matratzenlager hier im Wohnzimmer halten", schlug Georgina vor. Damit waren alle einverstanden und sogar Nicky überlegte für kurze Zeit, auch ins Wohnzimmer überzusiedeln.
Schnell waren einige Matratzen angeschleppt worden und David stellte sich auf das Sofa und kommandierte seinen Vater und Molly, wo die jeweiligen hin sollten.
" Noch ein Stück rechts. Ja so! Nein!!! Weiter links. Ja genau!", rief er und fuchtelte mit seiner Hand herum. Nicky und Molly mussten sich angrinsen.
Es ist so schön, dass du da bist, Molly", sagte Nicky, nachdem sie ihr Werk vollendet und David zufrieden gestellt hatten, sich aufs Sofa fallen ließen. " Ich habe oft an euch gedacht und natürlich auch an dich. Du warst so ein süßes Kind."
" Es ist schon komisch das alles. Da hat man Leute gekannt, die einen sehr gern hatten und weiß selber nichts davon, dass es sie überhaupt gibt", sagte Molly. In diesem Moment kamen die drei Kinder herein, im Schlafanzug und Marie mir ihrem Teddy in der Hand.
" Molly, komm auch ins Bett", sagte Marie, als sie in ihre Decke gekuschelt war. Georgina zeigte Molly das Bad und kurz darauf war auch sie Bettfertig. Und sie war froh darüber. Sie hatte in den letzten Tagen Verhältnismäßig wenig Schlaf und sie hatte so viel erlebt, da war sie richtig froh einmal nicht zu spät ins Bett zu kommen.
" Gute Nacht Molly", sagten Marie, Robbie und David brav.
" Gute Nacht ihr drei", sagte sie und schlief auch gleich an. Mitten in der Nacht wachte sie auf und musste feststellen, dass sie einen Arm und einen Fuß auf ihr liegen hatte.

" Molly aufwachen", wurde Molly von Marie geweckt, die sie fest rüttelte.
" Komm! Es gibt gleich Frühstück", sagte Robbie, der wir wild auf den Matratzen herum hüpfte.

Gleich nach dem Frühstück wollten sie nach Sligo fahren. Georgina und Nicky wollten dort noch einkaufen gehen, da sie meinten, es würde sich nicht mehr lohnen in Dublin einen Supermarkt aufzusuchen, da sie sonst zu spät wegkommen würden. Die Autofahrt wurde sehr lebhaft. Molly saß in den großen Van zwischen Marie und Robbie. Robbie wollte unbedingt seine Kindermusikkassette anhören, aber David fand das blöd.
" Hören wir lieber die Charts", meinte David.
" Aber ich will Kinderlieder hören", sagte Robbie.
" Dann hören wir eben erst Kinderlieder und dann die Charts", versuchte Nicky den kleinen Streit zu schlichten. Damit gaben sie sich erst einmal zufrieden, aber als dann das zweite Kinderlied kam, fing David wieder an zu motzten.
" Wenn das meine Kumpels hören würden", meinte er. Molly musste wieder einmal grinsen. Das waren die typischen Reaktionen. Nicky und Georgina schienen das schon zu kennen und schauten sich nur grinsend an. Molly versuchte die ganze Zeit aus dem Fenster zu schauen, um möglichst viel von Irland zu sehen. Die Landschaften strichen an ihnen vorbei, die Bäume schienen nebenher zu fliegen und ab und zu sah man eine Schafherde auf den Saftgrünen Wiesen. Die Sonne schien und es waren nur ein paar wenige Wolken am Himmel zu sehen. Am liebsten wäre Molly ausgestiegen, um Barfuß über die Wiesen zu laufen, zu fliegen, um einfach nur zu genießen. Doch sie wurde unsanft wieder in die Realität zurückgeholt, als sie plötzlich einen Ellenbogen in einer ihrer Rippen hatte. Robbie wollte sie auf eine Fliege aufmerksam machen, die am Fenster saß.
Die Fahrt ging schneller vorbei, als Molly erwartet hatte.
" Wo möchtest du denn als erstes hin?", fragte Nicky.
" Ähm... Zu Shane Filan", meinte Molly. Der war der erste, der ihr wieder einfiel.
" Gut. Dann bringen wir dich da schnell hin, fahren dann kurz einkaufen und kommen dann nach", sagte Georgina.
" Ist okay", meinte Molly. Sie hielten vor einem wunderschönen Haus. Molly stieg aus.
" Bis später", sagte Nicky.
" Bis dann", verabschiedete sich Molly und schlug die Autotüre zu. Bei diesem mal war sie nicht mehr so aufgeregt. Sie wusste schon, was auf sie zukommen würde. Sie klingelte und wartete. Als die Türe aufging und sah, wer sie ihr aufmachte, wurde sie allerdings doch wieder nervös. Da stand ein Junge, etwa in ihrem Alter, verdammt süß und lächelte sie an.
" Ähm... Hi!", sagte Molly.
" Hi!", sagte der Junge. Sie sahen sich an und ihren Augen ließen nicht voneinander ab. Mollys Herz klopfte ihr bis zum Hals.
" Ben! Wer ist es denn?", rief dann eine Stimme und sie wurden wieder auf den Boden zurückgeholt. Im Türrahmen erschien Shane. Molly erkannte ihn sofort wieder.
" Hi! Ich bin Molly. Molly McFadden", sagte Molly.
" Das glaub ich jetzt nicht", sagte Shane und schaute sie ungläubig an. Und wieder prasselten die altbekannten Fragen auf Molly ein. Ben schaute sie immer noch an. Und immer wenn Molly zu ihm schaute, lief ihr ein Schauder über den Rücken.
" Entschuldigung Molly. Das ist Ben. Eines unsere Kinder", stellte Shane Ben vor.
" Ich bin aber adoptiert, falls du dich wegen dem Alter oder so wunderst", meinte Ben lächelnd. Seine Stimme klang so schön.
" Aber jetzt komm doch erst mal herein. Gillian ist leider mit den anderen Kindern gerade beim Einkaufen." Shane führte sie ins Esszimmer und sie setzten sich. Ben saß ihr gegenüber. Er hatte wunderschöne blaue Augen. So blau wie das Meer. Sie leuchteten, dass man sie schon auf hundert Meter Entfernung sehen musste. Molly wurde heiß und dann wieder kalt.
" Wie lange haben wir uns schon nicht mehr gesehen?", fragte Shane.
" Elf oder Zwölf Jahre, glaube ich", meinte Molly. Sie unterhielten sich noch eine Weile oder besser gesagt, Molly musste erzählen. Ben lauschte interessiert und schaute Molly wann es ging direkt in die Augen.
" Wir sind wieder da! Und wir haben noch jemanden mitgebracht!", rief da eine Stimme.
" Gill! Stell die vor, Molly ist da!", sagte Shane. Und auch Gillian freute sich sehr über Mollys Anwesenheit. Die Byrnes hatten die Filians im Supermarkt aufgegabelt. Neben Gillian standen noch drei kleine Kinder. Zwei waren Zwillinge, wie Molly feststellte. Gillian kam zu ihr und umarmte sie. Und diese mal musste Molly ihre Geschichte nicht wiederholen. Shane und Nicky übernahmen das. Sie waren so vertieft und kannte die Geschichte so gut, dass Molly gar nicht mehr anwesend sein musste. Das dachte sich auch Ben.
" Komm mal mit", sagte er zu Molly und nahm sie an die Hand. Wieder durchrieselte Molly ein Kalter Schauder. Ben führte sie in den Garten. Mitten auf dem Rasen blieben sie stehen und schauten sich an.
" Du bist wunderschön", sagte Ben leise. Molly wurde verlegen. Das hatte noch nie ein Junge zu ihr gesagt. Sie hatte zwar schon einmal einen Freund, doch der hatte ihr nie ein solches Kompliment gemacht. Ben ließ ihre Hand los und legte sie stattdessen auf ihren Rücken. Mir der anderen Hand streichelte er ihr sanft über die Wange. Molly wurde von ihren Gefühlen überwältigt. Sie küsste ihn sanft. Ben erwiderte den Kuss und die Zeit schien stehen zu bleiben. Sie merkten nicht wie in der Nachbarschaft ein Kind weinte, sie merkten nicht, dass ein Sportflugzeug über ihnen am Himmel flog und sie merkten auch nicht, wie langsam Wolken aufkamen und der Himmel sie bewölkte. Sie fühlten sich, als würden sie fliegen, ohne Flügel und als würde die ganze Welt nur aus ihnen beiden bestehen.
Sie ließen voneinander ab und schauten sich tief in die Augen.
" Ich glaube, ich habe mich verliebt", wisperte Ben. Molly schenkte ihm ihr schönstes Lächeln.
" Geht mir genauso", flüsterte sie.

Währenddessen hatte Shane Kian und Mark angerufen und ihnen die freudige Nachricht überbracht, dass Molly gekommen war. Die beiden konnten es genauso wenig fassen und versprachen so schnell wie möglich zu kommen. Und einige Minuten später standen die beiden vor der Haustüre von Shane, als hätten sie sich eben mal herüber gebeamt.
" Und wo ist sie?", fragte ein aufgeregter Kian.
" Keine Ahnung. Sie ist vor einer Ewigkeit mit Ben aus dem Esszimmer gegangen und dann nicht mehr gekommen", meinte Shane achselzuckend.
" Mit Ben?", fragte Mark und Shane bejahte dies mit einem nicken.
" Na dann wundert es mich nicht mehr, dass sie nicht mehr kommt", sagte Kian grinsend.
" Wie meinst du das jetzt?", fragte ein ratloser Shane.
" Mensch Shane! Denk doch mal nach. Ben ist neunzehn und Molly ist doch inzwischen auch schon sechszehn oder siebzehn, oder?", sagte Mark.
" Das ist jetzt nicht euer Ernst, oder?", fragte Shane verblüfft.
" Doch", sagten Kian und Mark wie aus einem Mund.
" Na wir werden es schon noch früh genug erfahren. Aber jetzt sagt mal, wo habt ihre eure Frauen und Kinder gelassen?", fragte Shane die beiden. Mark und Kian schauten sich an.
" Zu Hause. Wo sonst. Jodie ist doch die einzige, die Molly damals noch gekannt hat, aber irgendjemand muss ja auch auf die Kinder aufpassen", meinte Kian.
" Ja, ja. Jetzt kommt aber rein. Ich vermute, dass es bald anfängt zu regnen.

Auch Molly und Ben hatten den Wetterumschwung bemerkt. Ben betrachtete kritisch den inzwischen von Wolken übersäten Himmel.
" Wollen wir auf mein Zimmer gehen?", fragte er Molly.
" Gern."
Doch so weit kamen die beiden nicht. Sie wollten gerade ganz leise, dass sie nicht gehört werden die Treppe in den ersten Stock hochgehen, als Shane mit Mark und Kian aus Richtung Haustüre kam.
" Psst", machte Ben und legte seinen Finger auf seinen Mund. " Vielleicht sehen sie uns nicht."
" He ihr beiden. Wo wollt ihr denn hin?", fragte da aber schon Shane.
" Ähm... ja. Wo wollten wir denn hin? Molly weißt du das?", fragte Ben, als wüsste er von nichts.
" Ähm... ich glaube wir wollten hoch gehen?", meinte Molly unsicher.
" Ja genau. Ich wollte Molly das obere Stockwerk zeigen", sagte Ben schnell.
" Das könnt ihr später auch noch machen. Molly, das sind Kian und Mark. Wahrscheinlich erinnerst du dich nicht mehr an sie", sagte Shane. Molly kam die wenigen Treppenstufen, die sie schon bestiegen hatten wieder herunter.
" Hallo!", sagte sie.
" Meine Güte Molly. Bist du groß geworden", meinte Kian und schaute sie verblüfft an.
" Und noch viel hübscher als damals", stellte Mark fest.
" Hehe Mark. Das sind meine Worte", meinte Ben, doch als er bemerkte, was er da gesagt hatte schlug er sich mit der Hand vor den Mund. Shane grinste ihn an und auch die anderen konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
" Molly, wie geht es Bryan und Kerry? Und Lilly natürlich auch", fragte Kian.
" Ich glaube ganz gut. Sie machen in Spanien Urlaub", erklärte Molly.
" Und Molly hat noch einen kleinen Bruder", sagte Shane, der Mollys Geschichte am liebsten noch einmal erzählt hätte.
" Nicht wahr!", sagte ein verblüffter Mark.
" Doch. Er heißt Dylan", sagte Shane.
" Weißt du was, Shane. Du erzählst den beiden jetzt meine ganze Geschichte und ich gehe mit Ben... Ich meine, Ben zeigt mit jetzt das obere Stockwerk, okay?", schlug Molly vor und Shane war damit mehr als zufrieden.
" Und was machen wir jetzt?", fragte Ben, als die drei in Richtung Esszimmer gegangen waren.
" Ich wüsste da schon was", meinte Molly und gab Ben einen Kuss...

" Molly! Ben! Kommt ihr Abendessen?", rief von unten eine Stimme.
" Was Abendessen? Wie spät ist es denn?", fragte Ben mit einem Blick auf die Uhr. " Oh. Schon halb sieben", stellte er fest.
" Da habe wir die Zeit wohl ganz vergessen", meinte Molly. Die beiden gingen zum Essen. Dort saßen alle versammelt und blickten zu ihnen, als sie den Raum betraten.
" Molly? Was machst du denn mit Ben?", fragte eine neugierige Marie. Molly wusste nicht wirklich, was sie darauf antworten sollte.
" Ähm, wir haben ein paar spiele gespielt", fiel Ben ein.
" Cool! Darf ich nachher auch mitspielen?", fragte Marie. Ben schaute Molly an.
" Klar darfst du. Wir holen ein paar Brettspiele, okay?", schlug Ben vor. Marie war zufrieden und wandte sich wieder ihrem Essen zu.

" Also, wer mag anfangen?", fragte Molly in die Runde. Ben und sie hatten ein paar Brettspiel aufgebaut und nun saßen Marie, David, Robbie und Amy, Lulu und Chris, die Kinder von Shane im Kreis auf dem Boden und stritten sich nun darum, wer anfangen durfte.
" Wie alt sind denn deine Geschwister?", fragte Molly Ben.
" Amy und Lulu sind acht und Chris ist elf", sagte Ben. Die Kinder hatten sich inzwischen darauf geeinigt, darum zu würfeln, wer anfangen darf. Lulu gewann und sie spielten Kindermonopoly.
" Dass es das Spiel bei euch auch gibt", meinte Molly, die das Spiel selber natürlich aus Deutschland kannte.
" Das muss ich jeden Tag spielen", meinte Ben. " Und dann muss ich immer so tun, als würde ich es nicht können, damit ich nicht gewinne und die kleinen traurig sind."
" Och mein armer Schatz", bemitleidete Molly ihn und gab ihm einen Kuss.
" Wieso küsst ihr euch?", fragte Amy, die dem Geschehen verwundert zusah.
" Weil wir uns sehr gerne haben", sagte Ben seiner Schwester.
" So wie Mummy und Daddy?", fragte sie.
" Ja genau", sagte Ben.
Das Spiel dauerte ewig und ein Sieger konnte nicht ermittelt werden, da die Byrnes heimfahren und Amy und Lulu ins Bett mussten. Das klappte ganz ohne Proteste, wie Molly feststellte, die von Dylan was ganz anderes kannte. Der machte, wenn es ins Bett ging immer einen riesigen Aufstand und konnte es nicht verstehen, wieso er früher ins Bett musste, als seine Schwestern.
" Sehen wir uns noch mal?", fragte Nicky, als er sich von Molly verabschiedete.
" Ich weiß es nicht. Wenn nicht, ich werde auf jeden Fall bald wieder kommen und vielleicht sogar mit Mum und Dad."
" Das wäre schön", sagte Nicky. " Unsere Adresse und Telefonnummer hast du ja. Lass mal was von dir hören."
" Ganz bestimmt." Dann umarmte sie ihn und verabschiedete sich von Georgina und den Kindern, die Molly am liebsten mitgenommen hätten. Doch da protestierte Ben dagegen.

Als später auch Chris ins Bett ging, saßen Molly und Ben mit den anderen Erwachsenen im Wohnzimmer. Jodie, die Frau von Kian und Suzanne, die Frau von Mark, waren auch noch gekommen. Noch lange unterhielten sie sich, bis Molly meinte, dass sie müde sein und ins Bett wollte.
" Dann richten wir dir noch schnell ein Bett her, okay", meinte Gillian.
" Kann Molly nicht bei mir schlafen?", fragte Ben. Gillian und Shane sahen sich an.
" Na meinetwegen", sagte Gillian, als sie von Shane ein zustimmendes Nicken erhalten hatte.
Wenig später kuschelten sich Ben und Molly unter die Decke.
" Ich bin so froh, dass es dich gibt", flüsterte Ben.
" Das bin ich auch", sagte Molly. Sie küssten sich zärtlich. " Warum bist du adoptiert worden?", fragte Molly Ben und hoffte innig keine wunden Punkt bei ihm getroffen zu haben.
" Normalerweise rede ich nicht darüber", sagte er.
" Du musst es mir nicht sagen, wenn du nicht willst", sagte Molly und sie verstand ihn.
" Aber wenn nicht dir, wem dann?" Molly wusste keine Antwort darauf. " Es war vor elf Jahren. Ich lebte seit meinem fünften Lebensjahr im Kinderheim und es war für mich die schlimmste Zeit in meinem Leben. Ich musste mit vier anderen Jungs in einem Zimmer zu leben. Das Essen war grauenhaft und die Erzieherinnen furchtbar streng. Wir mussten zur Schule und dann wurde aufgepasst, dass wir nicht mehr raus zum spielen gingen sondern Hausaufgaben machten. Ich hatte nie eine richtige Familie. Eine die für mich da war, mit der man Spaß hat. Mein Vater war kurz nach meiner Geburt abgehauen. Ich kannte ihn nie. Meine Mutter zeigte mir keine Bilder und sprach nicht über ihn. Er musste ein großer Idiot gewesen sein. Er hinterließ meiner Mum einen Berg voll Schulden und wir mussten sehr arm leben. Meine Mutter fand einen neuen Freund, doch auch der verließ sie nach einiger Zeit. Meine Mutter musste wieder den ganzen Tag arbeiten und konnte nicht für mich Sorgen. Abends wenn sie zu Hause war weinte sie und sie betrank sich. Nach einiger Zeit hatte sie ein großes Problem mit dem Alkohol. Sie kam nicht mehr davon weg. Ich wurde ins Heim gebracht. Ich weiß jetzt nicht wie es meiner Mutter geht und ich habe seit langem nichts mehr von ihr gehört. Ich weiß den Tag noch genau es war einer der schönsten Tage im Juli, als Westlife einen Gig im Kinderheim spielten. Alle Kinder waren aufgeregt, schließlich war es die bekannteste Band in ganz Irland. Ich stand ganz hinten und wollte eigentlich nichts mitbekommen. Die Erzieherinnen hatten mich gezwungen hin zu gehen. Nach einigen Liedern, gaben Westlife Autogramme und eine Betreuerin zog mich nach vorne. Schüchtern stand ich vor Shane und er schaute mich ganz lieb an und fragte nach meinem Namen. Und ich wusste, dass war der Vater meiner Träume. Eine Woche später kam Shane mit Gillian ins Kinderheim zurück um mich zu adoptieren. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich weinte nur noch. Ich bekam endlich eine Familie. Richtige Eltern und dazu noch einen kleine Bruder. Vier Wochen zuvor war nämlich Chris zur Welt gekommen. Ich fühlte mich endlich wieder glücklich." Ben endete. Molly lag still neben ihm und wischte ihm sanft eine Träne von der Wange.
" Du findest es jetzt bestimmte blöd, dass ich weine, aber...", fing Ben an.
" Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich finde das ganz und gar nicht blöd. Meine Mutter war auch eine Zeit lang im Kinderheim und ständig in einer neuen Pflegefamilie", versuchte Molly Ben zu trösten Das war die einzige Sache, die sie vom früheren Leben ihrer Mutter wusste.
" Molly?" fragte Ben leise.
" Mh?"
" Danke", sagte Ben.
" Wofür?", fragte Molly verwundert.
" Danke, dass du mir zugehört hast."
" Ich liebe dich doch, Ben", sagte Molly.
" Ich liebe dich auch", sagte Ben und Arm in Arm schliefen sie ein.

Molly blieb noch drei weitere Tage in Irland, dann flog sie wieder nach Hause. Es tat ihr weh dieses Land und vor allem auch Ben verlassen zu müssen. Vor ihrem Abflug besuchte sie noch ihre Tante Sue, um sich von ihr zu verabschieden. Und als der Flieger um zehn Uhr morgens abhob und die Insel so langsam unter den Wolken verschwand, wusste Molly, dass sie schon bald wieder kommen würde. Schon sehr bald. Sie vermisste das Land, das Leben und die Menschen jetzt schon, aber am meisten vermisste sie Ben. Sie liebte ihn so sehr und sie hatte sich in den letzten Tagen immer mehr zu ihm hingezogen gefühlt. Sie wollte ihn nicht zurücklassen, doch er konnte nicht mitkommen, denn er würde bald mit einem Studium anfangen.
Als das Flugzeug in Deutschland aufsetzte, war für Molly klar, dass ihre wirklich Heimat Irland war und sie eines Tages wieder dort leben würde. Vielleicht mit ihren Eltern und Geschwistern, vielleicht aber auch mit ihrer eigenen Familie. Molly wurde von Lena und ihrem Eltern am Flughafen abgeholt und sie musste viel erzählen. Lena wollte jede Kleinigkeit wissen und ließ nicht locker, bis sie alles wusste. Auch wenn Molly noch so oft sagte wie müde sie sei.
Zu Hause fiel sie erst einmal ins Bett und schlief bis zum späten Abend.

Wenige Tage danach kam ihre Familie aus Spanien zurück. Braun gebrannt und erholt kamen sie nach Hause und Molly freute sich sie wieder zu sehen.
" Alles klar gewesen?", fragte Bryan.
" Ja", meinte Molly.
" Ach Molly. Schade, dass du nicht dabei warst. Es war so cool und ich hab so einen süßen Jungen kennen gelernt", schwärmte Lilly. " Ich sags dir, in Spanien gibt es echt die besten Jungs."
" In Irland gibt es aber auch gute", rutschte es Molly raus. Um sie herum wurde es schlagartig still und ihre Eltern schauten sie fragend an.
" Woher weißt du, dass es in Irland gute Jungs gibt?", fragte ihre Mum. Erst jetzt wurde Molly so richtig klar, was sie da eigentlich gesagt hatte.
" Okay. Ich habe auch angelogen", sagte Molly, der klar war, dass sie jetzt mit der Wahrheit herausrücken musste. " Ich war nicht mit Lena auf einer Radtour sondern in Irland. Lasst mich bitte ausreden und unterbrecht mich nicht. Ich weiß, es war blöd von mir. Nein, war es eigentlich gar nicht. Es war blöd von euch, dass ihr mir nichts über eure und auch meine Vergangenheit erzählt habt. Früher oder später musste ich es ja rausbekommen. Ich habe auf dem Dachboden Kistenweise Fotos, CDs und Zeitschriften gefunden. Sagt euch das irgendetwas?", fragte Molly herausfordern.
" Molly! Was hast du in Irland gemacht. Du bist erst Siebzehn. Du kannst doch nicht alleine wegfliegen", sagte ihr Vater der ziemlich wütend klang.
" Bryan. Sie hat aber recht. Wir hätten es unseren Kindern schon längst sagen sollen", warf Kerry ein.
" Was sagen? Was geht hier vor?", fragte Lilly, die verwirrt zugehört hatte.
" Später Lilly. Was hast du in Irland gemacht?", fragte Kerry Molly.
" Zuerst habe ich Tante Sue besucht. Vielleicht sagt euch das ja was", sagte Molly laut, denn ihre Wut, die sie schon gespürt hatte, als Sue ihr alles über ihre Eltern erzählt hatte, kam zurück. " Sue hat mit über alles berichtet. Dann hab ich Oma und Opa besucht, dann Nicky und Georgina Byrne, Shane und Gillian Filan und Kian und Jodie Egan und Mark und Suzanne Feehily habe ich auch getroffen." Die Namen der Ehemaligen Westlifemitglieder betonte sie extra. " Sagen euch diese Namen zufällig etwas?" Bryan und Kerry konnte es nicht fassen, was ihre Tochter da erzählte.
" Du hast sie alle getroffen?", fragte Bryan geknickt.
" Alle!"
" Wie geht es ihnen?", fragte Kerry.
" Alle haben eine wunderbare Familie und ihre Kinder wissen über ihre Karrieren und ihre Vergangenheit bescheid." Molly konnte sich nicht mehr beherrschen. Sie rannte in ihr Zimmer und weinte.
" Molly! Es tut uns so leid", sagte Kerry, die ihr gefolgt war.
" Vielleicht solltet ihr wenigstens Lilly und Dyl alles erzählen", meinte Molly.
" Ja, das sollten wir vielleicht machen. Aber komm bitte. Wir möchten gerne hören wie es den anderen geht und was du sonst noch erlebt hast", meinte Kerry und Molly meinte ein leichtes Schluchzen in ihrem Worten zu hören. Die ganze Familie setzte sich ins Wohnzimmer und Kerry und Bryan erzählten Lilly und Dylan alles. Von ihren Karrieren bis hin zur Auswanderung.
" So. Jetzt wisst ihr alles", sagte Bryan am Ende. " Ich weiß nicht, warum wir es euch nie gesagt haben. Aber es wäre besser gewesen."
" Mum, Dad", sagte Molly. " Ich möchte wieder nach Irland ziehen", äußerte Molly ihren Wunsch, der ihr brennend auf der Zunge lag.
" Ich würde sagen, wir fliegen in den nächsten Ferien nach Irland und besuchen alle und entschuldigen uns vor allem bei allen und dann werden wir sehen", meinte Bryan.
" In den nächsten Ferien erst? Das halte ich ja nie aus", stöhnte Molly.
" Wieso nicht?", fragte Kerry verdutzt.
" Na ja, ich hab da jemanden kennengelernt", sagte Molly und schaute auf den Boden.
" Aha! Daher weht der Wind also", sagte Bryan schmunzelnd.
" Wer ist denn der Glückliche?", fragte Kerry.
" Ben. Der Sohn von Shane und Gill", sagte Molly.
" Von Shane und Gill? Wie alt ist der dann?", fragte Bryan erstaunt.
" Er ist ihr Adoptivsohn und neunzehn."
" Ach so. Jetzt habe ich mich schon gewundert", meinte Bryan.
Den Abend verbrachten die McFaddens mit Videos und DVDs. Sie schauten sich die Konzerte und die Berichte von und über Westlife an und Lilly und Dyl kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Erst in den Sommerferien flogen sie nach Irland. Molly vermisste Ben sehr und hatte fast jeden Tag mit ihm telefoniert oder gechattet. Doch jetzt war sie froh ihn endlich wieder sehen zu dürfen. Ben hatte versprochen an den Flughafen in Dublin zu kommen und er machte dieses Versprechen war.
" Molly! Hier drüben!", rief er, als er Molly sah. Molly ließ ihren Koffer stehen und rannte auf ihn zu und flog in seine Arme. Ben wirbelte sie im Kreis umher, dann küsste er sie mit einem großen Verlangen.
" Ich hab dich so vermisst", sagte er leise und sie küssten sich immer wieder. Außer Ben waren auch Shane, Gillian, Nicky, Georgina und Sue gekommen. Alle fielen sich in die Arme und weinten. Ben und Molly schauten zu.
" Da hast du ja ein Meisterwerk vollbracht", meinte Ben und schaute stolz zu seiner Freundin.
" Ist es nicht schön zu sehen, wie glücklich sie sind?", fragte Molly.
" Ja, dass ist fast besser als im Kino", scherzte Ben. Molly kniff ihm in die Seite.
" Hey! Das gibt Rache", drohte Ben und hob Molly hoch ( Sie war einen Kopf kleiner als er) und küsste sie leidenschaftlich.
" Wenn das die Rache ist, möchte ich, dass sie nie wieder aufhört", sagte Molly. Sie fuhren zu Sue nach Hause um kräftig Wiedervereinigung zu feiern. Auch die Egans und Feehiliys kamen und es wurde eine lange Nacht für alle beteiligten. Molly lernte nun auch endlich ihre beiden Cousins kennen und betätigte sich mit Ben und Lilly fleißig als Babysitter. Zur Krönung des Abends sangen Bryan, Kian, Mark, Shane und Nicky einen alten Westlife Song: Flying without wings. Sie wunderten sich alle, wie gut sie den Text noch kannten.
" Was würdet ihr davon halten, wenn wir Westlife wieder aufleben lassen?", fragte Bryan plötzlich in die Runde. Alle schauten ihn an.
" Das wäre die Idee", meinte auch Kian. Und auch die anderen waren von dem Vorschlag begeistert.
" Das glaub ich jetzt wirklich nicht", sagte Molly leise zu Ben. " Da sehen sie sich eine halbe Ewigkeit nicht mehr und schon am ersten Abend, an dem sie sich wieder sehen, beschließen sie wieder zu singen."
" Lass sie doch. Morgen ist alles wieder vergessen. Das liegt bestimmt nur an dem Alkohol, den sie getrunken haben", meinte Ben.
" Das glaube ich nicht. Du wirst es schon sehen."
" Wollen wir wetten?"
" Klar. Ich gewinne. Ich gewinne", sang Molly vor sich hin.
" Niemals", meinte Ben.
" Doch. Also, um was wetten wir?", fragte Molly.
" Mh... Um eine wunderschöne, unvergessliche Nacht?" , fragte Ben.
" Da sag ich nicht nein. Können wir die nicht schon vorziehen?"
" Nein, nein. Da musst du wohl schön warten, ob du deine Wette gewinnst", meinte Ben.

Und Molly gewann die Wette. Gleich am nächsten Tag machten Kian, Shane, Mark, Nicky und Bryan einen Termin in einem Studio aus und schrieben fleißig an ihrem Song.
" Und? Wann bekomm ich jetzt deinen Wetteinsatz?", fragte Molly Ben.
" Wann immer du willst", sagte dieser.
" Gut, dann will ich ihn jetzt", meinte sie und begann Ben zu küssen...

Doch auch die Sommerferien mussten irgendwann zu Ende gehen. Doch es war kein Abschied für immer, denn einen Monat später zogen die McFaddens nach Irland. In der Schule wurde eine kleine Abschiedsparty für Molly gemacht, bei der ihr jeder ihrer Lehrer sagte, was für eine gute und nette Schülerin gewesen sei. Molly wäre es bei dem ganzen Gehschleime beinahe übel geworden.
" Die ganze Zeit versuchen sie einem eins reinzuwürgen, sind unfreundlich und wenn du dann weg ziehst, sind sie so freundlich und schleimen sich ein, dass man aufpassen muss, dass man auf ihrer fetten und breiten Schleimspur nicht ausrutscht", sagte Molly zu Lena, nachdem ihr von zig Lehrern die Hand gereicht wurde.
" So sind sie halt. Manchmal könnte man echt meinen, sie kommen von einem anderen Planeten, ganz weit weg, wo die Menschheit unbekannt und unerforscht ist", sagte Lena.
" Ja. Dort machen sie wahrscheinlich versuchen mit den Lehrern, versuchen sie in Menschen zu verwandeln und schicken sie dann zur Erde um zu sehen, ob auch alles geklappt hat", meinte Molly und die beiden konnten sich vor lachen kaum noch halten.
" Leider haben sie den perfekten Lehrkörper noch nicht entwickelt und die, die schon auf der Erde leben, können leider nicht zurück genommen werden", sagte Lena.
" Molly! Es ist ja so schade, dass du gehst", sagte da die Stimme ihrer Klassenlehrerin zu ihr.
" Finde ich eigentlich nicht", zischte Molly zu Lena und zwinkerte mit ihrem Augenlid. " Ja. Aber Irland ist einfach meine wahre Heimat", sagte Molly lau zu ihrer Lehrein.
" Du besuchst uns sicher mal, nicht wahr?", fragte die Lehrerin mit einem schleimigen Gegrinse.
" Das kann ich noch nicht sagen. Ich denke aber eher nicht", sagte Molly worauf die Lehrerin einen Flunsch zog, der nach Mollys Meinung völlig aufgesetzt war.
Doch auch diesen Vormittag überstand sie und jetzt freute sich Molly auf den Abend, an welchem ihre eigene Abschiedsparty stattfand. Sie hatte ihre halbe Klasse eingeladen, für Essen und Getränke gesorgt und Kuchen gebacken. Kerry hatte ihr dabei geholfen. Ihr Dad war schon ein paar Tage zuvor nach Irland geflogen, denn er hatte mit den anderen Bandmitgliedern noch einiges zu tun.
" Sie nennen sich jetzt 'Westlife united’", erklärte Molly Lena, als die beiden den Partyraum schmückten.
" Ist ja cool. Und wann bringen sie ihre erste Single raus?"
" Keine Ahnung. Ist alles noch streng geheim", sagte Molly und verdrehte die Augen. " Ben versucht schon die ganze Zeit irgendwas herauszufinden."
Kerry kam herein. " Mädels, ich bin kurz weg. Ich hol noch eine kleine Überraschung", meinte sie. Molly und Lena schauten sich an.
" Eine kleine Überraschung? Was könnte das sein?", fragte Molly Lena, denn Kerry war schon wieder weg.
" Wieso fragst du mich? Ich weiß von nichts", sagte Lena.

Um Acht Uhr Abend waren alle Gäste da und die Party begann. Ein Junge aus Mollys Klasse machte den DJ und legte coole Musik aus den Charts auf.
" Wo ist denn jetzt eigentlich die Überraschung?", fragte Lena Molly und versuchte gegen den Musiklärm anzukommen.
" Ich weiß nicht. Mum ist noch nicht wieder zurück", meinte Molly. Jemand klopfte auf Mollys Schulter. Molly wirbelte herum und blickt in die ihr sehr bekannten und schönsten blauen Augen auf der Welt.
" Was machst du denn hier?", fragte Molly erstaunt.
" Ist die Überraschung gelungen?", fragte Ben und nahm Molly in seine Arme.
" Und wie!" Die beiden küssten sich voll Leidenschaft. Der DJ legte ein langsames Lied auf und wer nun noch keinen Tanzpartner hatte suchte sich schleunigst einen. Molly lag in Bens Armen und war einfach nur glücklich. Ihr Freund war hier und am nächsten Tag würde sie nach Irland fliegen und für immer dort bleiben.
" Jetzt musst du mir aber endlich mal deine Freunde vorstellen", sagte Ben, als das Lied geendet hatte und ein schnelleres kam. Molly erfüllte Bens Wunsch und bald kannte Ben alle Anwesenden.
Das Ende der Party kam viel zu schnell und auch der morgen des Abfluges rückte in rasanter Geschwindigkeit immer näher...

Molly stand mit ihrer Mum, Lilly, Dylan, Lena und natürlich Ben am Flughafen. In einer halben Stunde würde ihr Flieger gehen.
" Ich werde dich so vermissen", sagte Lena und langsam kullerte ihr schon die erste Träne über die Wange.
" Ich dich doch auch. Aber du kommst mich ganz bald besuchen, ja? Am besten schon in den nächsten Ferien. Und wir schreiben uns auch ganz oft", sagte Molly.
" Ja. Trotzdem. Mit wem soll ich denn Abend weggehen? Mit wem soll ich in der Schule über die Lehrer lästern? Mit wem soll ich Nachmittags fernsehen und die neusten Videoclips kommentieren und mich über die aktuellen Boygroups aufregen?", sagte Lena. Molly musste bei dem Gedanken, an ihren früheren Boygroup- hass lachen.
" Das werde ich bestimmt vermissen. Aber wir sind und wir werden die allerbesten Freundinnen auf der ganzen Welt bleiben?", sagte Molly.
" Das werden wir."
" Molly, wir müssen jetzt dann gehen", sagte Kerry. Molly umarmte Lena ein letztes Mal und gab ihr ein Bussi auf die Wange. Weinend folgte Molly den anderen, die schon losgegangen waren. Ihre Freundschaft würde bestehen und Molly drehte sich noch einmal um und winkte Lena...


Epilog

Natürlich blieben Molly und Lena beste Freundinnen. Lena besuchte Molly gleich in den nächsten Ferien und später zog sie auch für ein Jahr noch Irland.
Molly fühlte sich in Irland richtig wohl. Sie beendete dort ihre Schule und wusste was ihr all die Jahre gefehlt hatte. Nämlich ihre Heimat. Ihre wahre Heimat. Die grünen Wiesen, die Berge, die Küsten.
Westlife united brachten bald ihre Single heraus und die schoss von Null auf eins in den Charts. Molly war sehr stolz auf ihren Vater.
Nachdem Molly ihr Abitur gemacht hatte, fing sie an in Dublin am Trinity College zu studieren. Im selben Jahr machte ihr Ben einen Heiratsantrag. Beide heirateten ein Jahr danach in einer wunderschönen Burg, dem Ashford Castle, genauso wie Bens Eltern Shane und Gillian. Es wurde ein unvergessliches Erlebnis für Molly.