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"J! - Wir müssen los!" rief sie durch seine Penthouse Wohnung. "Du bist
schlimmer wie jede Frau." grinste sie.
"Du hast ja auch keine Probleme gut auszusehen! - Egal was du anhast, alle verfallen
Dir augenblicklich." küsste er seine Freundin auf die Nase und langte dabei
schon nach seiner Jacke.
Wieder eine dieser Promo-Parties, die stinkend langweilig werden konnten. "Gehen
wir danach noch in den Club?" fragte Jason beim Anblick von Sandys Gesichtsausdrucks.
"Na, irgendwo müssen wir doch unseren Spaß haben!" wurde ihr Gesicht
gleich freundlicher. "Holly kommt ja heute auch mal wieder." freute sie sich
auf ihre Freundin.
Wie erwartet war die Pflicht-Partie tot langweilig.
Gerade schmiss sich Abs neben Sandy auf einer der Couchen und gähnte herzlich.
"Wann können wir hier endlich weg?" fragte er.
"Wenn Sean das mit Eurem Manager geklärt hat sind wir sofort weg." nahm
sie ihn kurz in den Arm, denn sie hatten sich bei alle dem Gedränge noch
gar nicht richtig begrüßt.
Sie schwatzten ein wenig, als Jason mit Sean im Schlepptau auftauchte und nur
"Jetzt oder nie!" rief. Sofort waren die beiden auf den Füßen und
verschwanden schnell zu viert durch eine der nächst gelegenen Türen.
Draußen lehnte Victor, der Fahrer, an dem schwarzen Chrysler-Van.
"Vico, zum Club!" rief Abs ihm zu und - schwupp - waren alle im Van.
Wie immer lief die Musik ziemlich laut und alle kamen langsam in Stimmung für
den Club.
Im Club selber waren schon eine Menge Leute, doch auf einer der kleinen Bühnen
tanzte eine junge Frau sehr aufreizend und fiel der Gruppe sofort ins Auge.
"Sie kann es einfach nicht lassen!" schüttelte Sandy ihre Caramel-blonde
Mähne lachend und winkte ihr kurz zu.
"Also, DICH lass ich DA NICHT rauf." zog Jason seine Freundin an sich und küsste
sie.
"Dafür kannst Du mir was zu trinken besorgen oder soll ich verdursten?"
neckte sie ihn mit einen Hieb in die Seite. "Schon unterwegs."
Abs kam etwas näher zu Sandy und rief ihr ins Ohr "Kannst Du uns heute
nicht endlich mal einander vorstellen?" und deutete auf die tanzende Freundin.
"Damit sie Dir das Herz bricht? Warum sollte ich das tun?" fragte sie ihren
Gegenüber.
"Sie mir? Das werden wir ja dann noch sehen! - Ich wette auf umgekehrt!" hielt
er ihr die Hand hin.
"Dein Einsatz?" wollte Sandy erst wissen.
"Okay, ich nehme nur für Dich ein Solostück auf!" grinste er frech.
"Und wenn ich gewinne?" wollte er auch direkt wissen.
"Gut, dann nehmen J und ich Dich mit zu meinen Freunden an St. Patrick’s Day."
gab sie sich geschlagen, da er ihr schon seit dem letzten Jahr damit in den
Ohren lag, mal mit zu dürfen.
Jason hatte mit Sean für Getränke gesorgt und sie waren in ihrer Lounge-Ecke
angekommen und ließen es langsam angehen.
Plötzlich stand Holly am Tisch.
"Hallo Ihr Süßen!" rief sie aufreizend, wie immer.
Die Girls fielen sich in die Arme und nachdem Holly Jason und Sean begrüßt
hatte, stellt Sandy Abs und Holly einander vor.
Das Unheil konnte seinen Lauf nehmen...
Sie verbrachten eine wirklich gelungene Nacht im Club und Holly schleppte Abs
- wie vorhersehbar - ab.
Vico setzte Sean vor seiner Wohnung ab und fuhr dann auch Jason und Sandy heim.
Tags drauf, saßen die Jungs und Sandy im Studio (weil auch sie dort arbeitete)
als ihr Handy klingelte. Sie sah entschuldigend in die Runde und verließ
den Raum, um in Ruhe telefonieren zu können. Auf dem Display blinkte der
Name Holly und das bedeutete, das dies ein längeres Gespräch wurde.
"Hallo, du Miststück!" grüßte Sandy ihre Freundin.
"Hallo, Bitch!" erwiderte diese nur lachend. - Es war wie immer. -
" ... und hast Du ihm schon sein Herz gebrochen?" fragte Sandy nach dem die
letzten Neuigkeiten ausgetauscht waren.
"Wieso denn? Er ist absolut super und ich glaube, das könnte was ernstes
werden ..." kam es etwas ernsthafter durchs Telefon.
"WAAAAAS? Du und Abs?! Na dann mal Prost-Mahlzeit!" stöhnt Sandy grade
ins Telefon als ihr von hinten zwei Arme umgeschlungen wurden, die eindeutig
zu Jason gehörten.
"Wir müssen uns treffen!" verlangte Holly nachdrücklich.
"Morgen früh in unserer alten Wohnung!" entschied Sandy schnell.
Sie verabschiedeten sich und Sandy konnte sich um Jason *kümmern*.
Nach einem innigen Kuss wollte er wissen "Warum trefft ihr Euch in Eurer alten
Wohnung, Süße?" er blickte sie etwas skeptisch an.
"Frauengespräche!" antwortet sie ehrlich. "Aber Du kommst danach wieder
zu mir, oder?" fragte er immer noch ungläubig.
Sie waren jetzt seit einem Jahr zusammen und erst vor einigen Wochen, als Holly
beruflich unterwegs war, war sie regelmäßig bei Jason über Nacht
geblieben. Er hatte sie schon öfter gebeten bei ihm einzuziehen, doch sie
wollte ihre Eigenständigkeit noch nicht so schnell aufgeben.
Einige Tage später musste Sandy beruflich nach Dublin, wo das Label eine
weitere Filiale hatte.
Sie freute sich ihre beste Freundin Georgina in Dublin zu treffen und auch deren
Boyfriend, der Goalkeeper bei Leeds United war.
Sandy wollte bei Gina übernachten und so holte diese sie freudestrahlend
am Airport ab.
"Sandy!" winkte Gina ihr heftig zu.
"Gina!" fielen die beiden sich glücklich in die Arme.
Die Fahrt zur Wohnung über tauschten sie die aktuellen Neuigkeiten aus
und lachten viel.
In der Wohnung angekommen traf Sandy auch Nicky wieder.
"Hallo Hübsche, wie geht’s dir?" fiel er ihr auch um den Hals.
Die beiden waren Sandys älteste Freunde, aber seit Sandys Umzug nach London
sahen sie sich nur noch selten - viel zu selten.
"Bei Euch - immer gut!" lachte Sandy ihn an. "Aber sag mal, was machst Du eigentlich
hier? Habt Ihr nicht die Tage ein wichtiges Spiel?" fragte Sandy etwas verwirrt.
"Doch, aber hier in Dublin und da bleib ich doch gern HIER übernacht..."
grinste Nicky. "Aber Ihr beiden kommt doch zum Spiel, oder?" fragte er gleich.
"Klar, wir müssen Dich doch anfeuern." neckte Sandy ihn.
"Schön, ich besorg Euch Tickets. - Jetzt muss ich aber zum Training. -
Bis später, meine Süßen!" gab er jeder von ihnen einen Kuss
und verschwand.
Die Girls hatten sich doch sowieso noch vieles zu erzählen, was nicht für
seine Ohren bestimmt war und so verging der restliche Tag wie im Flug.
Abends, als Nicky auch wieder da war, hatten sie sich Pizza kommen lassen und
quatschen noch ewig.
Eigentlich sollte Sandy nur ein verlängertes Wochenende in Dublin bleiben,
doch es ergaben sich beruflich einige Schwierigkeiten und sie blieb zwei Wochen.
In dieser Zeit:
Irgendwann hörte Sandy Nicky in der Küche singen und da Gina arbeiten
war, ging sie zu ihm.
Er sang gar nicht schlecht, musste sie feststellen und sagte es ihm.
Verlegen meinte er "nur was für den Hausgebrauch"
"Hallo?! Ich arbeite zufällig in dem Geschäft und glaub mir ich sag
nicht oft, das jemand begabt ist!" war sie - gespielt - empört.
"Ich bin doch Fußballer ..." kam es kleinlaut von ihm.
"Bist du blöde? Du sollst das tun, was Dir Spaß macht und wobei du
Talent hast!" wollte sie ihm helfen, doch sein Blick verriet ihr das Gefühlchaos,
das sie mit ihrer Bemerkung wohl ausgelöst hatte. "Tut mir leid Nico."
nahm sie ihn in den Arm. "Aber Du hast wirklich Talent. Da kann ich nun mal
auch nichts für."
sie drückten sich kurz bevor er ihr gestand, das er lieber singen würde
als "im Tor zu versauern".
Sandy kam ein Geistesblitz.
"Schau, Du musst Deinen Job doch nicht gleich hinschmeißen. Red mit Deinem
Trainer, was Du tun kannst um auch andere Positionen zu besetzen - und wenn
es erst mal nur im Training ist, um Dich einzuspielen."
Ein kleines Lächeln kam zurück in sein Gesicht.
Sie setzten sich ins Wohnzimmer.
"Nico, wenn Du das mit dem Singen auch probieren willst, dann geh doch erst
mal zum Vorsingen und Castings. Wenn jemand auf Dich aufmerksam wird, kannst
Du Leeds immer noch aufgeben." schlug Sandy vor.
"Woher soll ich denn die Zeit nehmen?" fragte er ungläubig.
"Jetzt pass mal auf, Du bist doch sowieso an jedem freien Abend in der Karaoke-Bar
und übst. Und wofür hast Du mich denn? Ich besorge Dir die Termine
und Du singst vor. Dann sehen wir weiter, ja?" machte Sandy ihm Mut und es schien
zu helfen.
Im Büro sprach Sandy mit einem der Manager über Nico.
Louis war einer der besten in seinem Geschäft, er hatte schon Boyzone zum
Erfolg verholfen und auch andere renommierte Künstler standen bei ihm unter
Vertrag.
Da Sandy ihre Stellung nie für private Zwecke ausnutzte, machte er ihr
einen Vorschlag. - Er hatte eine neue Boygroup unter Vertrag genommen, die aber
noch nicht so nach seinem Geschmack war. Er erzählte ihr von einigen Möglichkeiten,
die er noch hatte, unter anderem ein Casting für neue Mitglieder.
"Boygroup? - Na ja, du kennst ja meinen Musikgeschmack ..." wandte Sandy ein.
Er lachte sie an. "Und wie nennst Du das, was Dein neuer Freund macht?"
"Hey, ich mag ihn - nicht seine Musik!" wurde es ihr doch etwas zu bunt.
Louis kannte sie seit sie zehn war, er und ihr Vater waren die besten Freunde
gewesen und nach seinem Tot stand er ihr schon mal mit väterlichem Rat
zur Seite.
"Ja ja, schon gut, Kleines. - Also, schick Deinen Fußballer zum Casting.
- Aber wehe er ist nicht gut ..." drohte er mit dem Zeigefinger.
"Du bist lieb. - Und ... glaub’s mir, ER ist gut."
Nico war total aufgeregt über diese Möglichkeit und das sie ihm so
schnell geboten wurde.
Gina machte dann den Vorschlag, das Sandy Nico begleiten sollte, da sie ihm
wohl besser helfen könnte.
Sie waren einverstanden und gingen am selben Abend in die Karaoke-Bar, damit
ihr *Star* noch etwas üben konnte.
Ein blonder Kerl, der Dauer-Gute-Laune verbreitete, nahm Nico schnell seine
Hemmungen und die beiden gingen so richtig ab.
Auch er hatte eine gute Stimme, stellte Sandy fest.
Sie kamen zu den Girls an den Tisch und Nico stellte ihn vor. "Ladys, das ist
Brian McF... ? - Wie war der Rest?" fragte er ihn.
"Einfach Brian oder für Ladys auch nur Bry." flirtete er gleich los.
"Stop, stop! - Das ist mein Mädchen!" nahm Nicky seine Gina schnell in
den Arm.
"Oh, gut. Ich hatte mich eh für dieses bezaubernde Wesen entschieden."
setzte er sich gleich zu Sandy und legte seinen Arm hinter sie auf die Lehne.
"Dann solltest Du auch meinen Namen kennen. Ich bin Sandrea aber das männliche
Geschlecht ruft mich Sandy!" flirtete sie zurück.
Gina wurde von Nico vorgestellt. Und Brian reichte ihr die Hand.
Sie hatten einen schönen Abend und die beiden Boys sangen sich die Kehle
aus dem Hals.
Sie verabredeten sich für den nächsten Abend, da Nico noch weiter
*üben* wollte.
Samstags hatte Nico das Spiel und Brian begleitet Sandy und Gina.
Sie feuerten Leeds an und die gewannen das Spiel ja auch.
Danach gingen sie was essen und landeten wieder in der Karaoke-Bar, wo die Jungs
ein Ständchen nach dem anderen brachten.
Sie waren richtig gut geworden.
Von Brian erfuhren sie, das er auch an dem Casting teilnehmen wollte.
So kam es, das Sandy am Tag des Casting zwei Nervenbündel zu betreuen hatte.
Sie kamen durch die erste Runde in die "privat Audition", was ihnen schon mal
bestätigte, das sie wirklich gut waren.
Das Ergebnis sollte diesmal jedoch erst ein paar Tage später bekannt gegeben
werden und man verabschiedete sich mit den üblichen Worten "wir melden
uns." - was ja nun gar nichts heißt.
Die Jungs hatten aber noch so viel Adrenalin, das sie irgendwie los werden mussten,
so das sie sich zu dritt zum Fußballplatz begaben und dort "Jede(r) gegen
Jede(n)" spielten.
Na ja, irgendwann artete es dann in einer Mischung aus Fußball und Rugby
aus und bei einer von Brians Attacken fiel Sandy genau in ihn hinein und beide
gingen unsanft zu Boden.
Nico krümmte sich vor Lachen und bekam sich schon gar nicht mehr ein.
Brian blieb einfach liegen und Sandy versuchte sich wieder aufzurappeln, was
ihr mit Nicos Hilfe dann auch gelang.
"Tja, McFi, das hast Du nicht erwartet, das Dir eine Frau die Show stielt?"
lachte Nico immer noch.
"Wow-wow, das war Absicht!" grinste er schon wieder schelmisch.
"Das sagen sie alle, nur damit ich mal auf ihnen liege ..." grinste Sandy Brian
unverschämt an.
"Dafür hattest Du definitiv zu viele Klamotten an, Baby." legte er seine
Arme um sie und kam ihr gefährlich Nahe.
"Sorry, aber ich bin vergeben." drückte sie ihn sanft von sich weg.
"Noch..." hörte sie ihn schwach.
Sie hatten genug getobt und fuhren zu Gina.
Sie ließen wieder Pizza kommen und machten sich einen gemütliche
Abend.
Es wurde verflucht spät und so bot Gina Brian an, auch bei ihr zu übernachten.
"Wenn Sandy Dich nicht in ihr Bett lässt, bleibt Dir nur die Couch." grinste
Nicky frecher als sonst.
Sandy kannte die Couch und das wünschte sie nicht mal ihrem ärgsten
Feind, also gab sie sich geschlagen. "Okay." nahm Sandy Brian mit nach oben.
Es kam wie es kommen musste; zuerst alberten sie wie die kleinen Kinder, dann
hatte er sie schließlich so fest im Arm, das sie nicht mehr los kam und
der Alkohol tat sein übriges dazu, das sie sich küssten.
Als es immer heftiger wurde, landeten sie dann im Bett.
Es war schön, aber alles andere als richtig und Sandy schämte sich
gewaltig.
Als Brian wach wurde, war Sandy schon geduscht, angezogen und in der Küche
mit ihrem Kaffee beschäftigt.
Brian war ja nicht blöd und kam zaghaft zu ihr.
"Und?" fragte er vorsichtig.
Sie mochte ihn sehr, aber sie liebte ihn nicht, so weit war sie sich ihrer Gefühle
schon mal im Klaren. Aber was jetzt werden sollte, wusste sie auch nicht.
"Schöne Scheiße." grinste Sandy Brian etwas schief an.
"Reden wir darüber." sagte er und zog sie mit sich ins Wohnzimmer auf die
Couch. Sandy sagte ihm vorsichtig was in ihr vorging und er ließ sie ausreden.
"Es tut mir leid, das ich Dich in so ein Gefühlschaos versetzt habe, aber
mir geht es genauso wie Dir. Ich mag Dich sehr und ich bin so wahnsinnig gerne
in Deiner Nähe, aber Liebe ist es auch bei mir nicht. Eher ... eine sehr
intensive Verbundenheit, die ich in Deiner Nähe spüre." erklärte
Brian sich ihr nun.
- Gott sei Dank! -
Sie einigten sich darauf, das sie es besser für sich behalten wollten und
besonders gute Freunde für einander blieben, die durch ein *süßes*
Geheimnis miteinander verbunden waren - denn schön war die Nacht auf jeden
Fall gewesen...
Gina und Nico merkten nichts und so hatten sie ihre Feuerprobe bestanden und
nickten sich nur vielsagend zu.
Die nächsten Tage sahen sie sich wie gewohnt, doch Sandys Zeit in Dublin
war um, bevor eine Entscheidung wegen des Castings kam.
So kehrte Sandy mit gemischten Gefühlen zurück nach London.
Jason war beruflich mit den anderen unterwegs und sie war froh in Ruhe ihre
Gedanken und Gefühle ordnen zu können.
Beruflich hatte Sandy mal wieder einen spezial Job:
Immer wenn es Herr Robbie Williams zu bunt trieb, rief David Endhoven sie an,
damit sie Rob wieder zur Besinnung bringen sollte.
So ging das, seit Rob und sie sich bei Take That kennengelernt hatten und sie
auch eine längere Affäre gehabt hatten. Er hatte ihr dann schließlich
das Herz gebrochen.
Das war ihre So-ist-das-Showbiz-Lehre, die sie sehr schnell erwachsen gemacht
hatte.
Seit dem war sie abgebrühter und einige bezeichneten sie auch als arrogant.
Doch Leute, die Sandy gut genug kannten, wussten, das es in diesem Geschäft
der einzige Schutz vor Verletzungen war, den man haben musste.
Und der Rest konnte Sandy eben mal ...
Rob war also mal wieder in einer seiner Diva-Phasen und ging auch Sandy damit
schwer auf die Nerven. Er zickte so sehr rum, das alle das Studio verlassen
hatten und die beiden sich plötzlich alleine darin vorfanden.
Er trieb es über die Spitze und sie knallte ihm eine.
Erst war er geschockt, dann kam er so langsam wieder zur Besinnung, setzte sich
an Ort und Stelle auf den Boden und sah Sandy mit Tränen in den Augen an
und sagte "das hab ich verdient!" und brach wie ein Häufchen Elend in sich
zusammen.
Sandy kannte seine Ups und Downs - doch so hatte sie ihn seit seiner letzen
Therapie nicht mehr gesehen.
Sie hockte sich zu ihm und nahm ihn in den Arm.
"Was ist wirklich los mit Dir, Rob?" fragte Sandy ihn.
Er beruhigte sich etwas und sah mit leeren Augen in ihre.
"Alles mache ich kaputt und alle die ich mag, denen tue ich so maßlos
weh." fing er an.
Der Dämon in ihm hatte mal wieder die Oberhand gewonnen.
Sandy kannte seine vielen Gesichter und die Kämpfe in seinem Inneren genau.
Sie waren immerhin fast fünf Jahre täglich zusammen gewesen.
"Rob, Du musst nur lernen die Grenzen zu erkennen." war alles was sie sagen
konnte, doch er verstand sie sofort.
Sie hatten all das schon soooo oft durch gemacht ...
"Warum kommst Du eigentlich immer noch zu mir?" wollte er plötzlich wissen.
"Gute Frage! Vielleicht weil es so sein sollte, das wir beide ewig befreundet
sein sollen, damit uns nichts passiert ..." antwortete Sandy in Gedanken versunken.
"Aber ich hab Dir bisher nur einmal geholfen ..." wandte er ein.
"Ja, aber sonst würde ich nicht mehr hier und auch sonst nirgends mehr
sitzen." ihr kamen die Bilder wieder ins Gedächtnis, wie er sie davon abgehalten
hatte, von der Brücke in die Themse zu springen und ihrem Leben eine Ende
zu setzen. Außer ihm und ihr wusste niemand davon.
Als Rob sich wieder gefasst hatte, holten sie Dave und Guy zurück ins Studio
und man nahm Rob’s Vocals für das Stück "Strong" auf.
Er sah Sandy dabei die ganze Zeit an...
Nach dieser Aufnahme verabschiedete sie sich von Rob, Dave und Guy und kehrte
in ihre Wohnung zurück.
Der AB blinkte sich fast zu Tode ...
Ihr Handy hatte sie den ganzen Tag, wegen der Sache mit Rob, abgestellt.
Also hörte sie das Band ab.
Erst war es Louis, der um Rückruf bat,
dann noch einige geschäftliche Anrufe von Kollegen
und dann Gina und Nico, die so durcheinander sprachen, das sie kein Wort verstand.
Sie wollte die beiden schon zurückrufen, als die letzte Nachricht lief.
Es war Brian, der einen fürchterlichen Schrei losgelassen hatte und dann
nur "I’m in, ... I’m in ... in the Band!" kreischte.
Also rief Sandy ihn zuerst an.
"Sie haben mich tatsächlich auch genommen!" brüllte er ihr ins Ohr.
"Gratuliere!"
"Wann kannst Du hier sein, wir müssen das zusammen feiern! Ohne Dich geht
das nicht!” bestand er darauf.
"Wenn ich den Flieger in zwei Stunden erwische bin ich in ca. drei Stunden in
Dublin." wagte sie es.
"Jaaaaaaaaaa!!!!!!!!! Sie kommt!" brüllte er vom Telefon weg und keine
fünf Sekunden später hörte sie Nicos Stimme an der anderen Leitung.
"Gina holt Dich ab. Wir warten auf Dich!"
"Was machst Du denn da?" fragte Sandy etwas verduzt.
"Na mich haben sie doch auch genommen!" brüllte er jetzt auch los.
"Waaaaaaaaas? Das ist ja genial!"
Sie machten es kurz, denn jetzt MUSSTE sie diesen Flieger erwischen ...
Vom Terminal aus rief Sandy im Büro an, das sie für ein paar Tage
weg musste.
Etwas mehr als drei Stunden später kam sie aus der Sicherheitszone des
Flughafens und wurde von einer stürmischen Gina empfangen.
Auf der Fahrt erklärte Gina Sandy, das die Jungs mit ihren neuen Kollegen
die Karaoke-Bar *beschlagnahmt* hatten, um zu feiern und sie sofort dahin müssten.
Als sie den Laden betraten, kamen Sandy auch schon Brian und Nico entgegen geflogen,
hoben sie abwechselnd immer wieder hoch und übersäten sie mit Küssen.
- Was für ein Tag! Er hatte so schlecht begonnen und sollte so gut enden.
Das Leben ist einfach unberechenbar! -
Brian flippte immer noch durch die Gegend, so das Nicky den anderen Jungs Sandy
vorstellte.
"Das ist die Frau, die an allem Schuld ist!" stellte er sie stolz vor.
Sandy fühlte sich unwohl, doch waren ihr die Jungs irgendwie sympathisch
und sie verlor ihre plötzlich aufgekommenen Hemmungen ganz schnell wieder.
Vor ihr standen also die *Sligo-Typen*; Shane Filan, Kian Egan und Mark Feehily.
Sie feierten die ganze Nacht durch und nach dem Brian und Sandy schon ganz schön
gebechert hatten, ließen die beide so richtig die *Sau raus*.
Am nächsten Morgen (oder besser gesagt Mittag) wachte Sandy noch mal neben
Brian auf, der aber genauso verkatert war wie sie selbst.
"Was ... muss ich ... über gestern ... wissen?" brachte Sandy unter einem
Krächzen zustande.
"Keine Ahnung, ... aber ... wenn Du es weißt, ... sag’s mir bitte. ...
Ich habe den totalen ... Filmriss." war sein Stimmer immer noch sicherer als
ihre.
Nach einer Dusche folgte sie ihm in die Küche.
"Kaffee ... bitte ..." jammert Sandy nur. Nicky reichte ihr wortlos einen Becher.
Er sah so furchtbar aus, wie Sandy sich fühlte.
Von Gina war keine Spur. "Wo iss ... Gina?" fragte Sandy immer noch krächzend.
"Klo." Brachte Nico nur zustande.
Er nickte Sandy zu, das sie ihm ins Wohnzimmer folgen sollte.
Sie lümmelten sich aufs Sofa.
Brian folgte ihnen schweigend.
"Was war denn gestern noch?" fragte Bry vorsichtig.
"Filmriss?" fragte Nico nur.
"Hmmm." brummte Sandy, um ihre Stimme zu schonen.
"Na, dann war die Party ja doch der Kracher!" konnte Nico plötzlich einen
ganzen Satz von sich geben. Doch das Grinsen in seinem Gesicht gefiel Sandy
gar nicht - ganz und gar nicht!
Als er erst nur banales Zeug erzählte hoffte sie noch, das es dabei bliebe.
Doch sie kannte Nico und - was noch viel schlimmer war - sie kannte sich.
Ab einem gewissen Alkoholpegel war sie für jede Schandtat zu haben und
Hemmungen kannte sie dann gar keine...
Nicos Grinsen wurde breiter und er erzählte von einer *heißen Show*,
die Brian und Sandy da aufs Parkett gelegt hätten.
- Oh oh, Sandy schwante nichts gutes ... - doch er fuhr unbeirrt fort:
"Als Kian sich dazu gesellt hat, habt Ihr noch eins drauf gelegt." Er musste
lachen und trank noch einen Schluck von seinem Kaffee.
Sandy für ihren Teil wurde immer kleiner auf der Couch.
So hatte sie sich seit der Trennung von Rob nicht mehr gehen lassen und es war
ihr super peinlich, im nachhinein.
Sie wurden vom schrillen Gebimmel ihres Handys unterbrochen.
- War das Ding schon immer so nervtötend? -
"Roth." meldete sie sich brav.
"Sandrea? - Warum warte ich immer noch auf Deinen Rückruf?" brüllte
ihr Louis ins Ohr.
"Oh, shit! ... Das tut mir leid, Lou. Das hab ich gestern total vergessen, aber
ich war doch mal wieder bei Rob ..." setzte sie an.
"Rob? ... Schon wieder? ... Na schön, ... das ist aber die einzige Ausrede,
die ich gelten lasse." wurde er dann doch ruhiger. - Puh! Danke, Rob. - "Also,
ich will dich in drei Stunden in meinem Büro sehen. Es gibt Arbeit für
Dich." wurde er wieder geschäftlich.
"Ja, Sir." antwortete sie, immer noch brav.
Kaum hatte sie aufgelegt, streckte sie dem Handy die Zunge raus und warf es
neben Nico auf die Couch.
"Hey, Du hättest mich treffen können!" rief er.
"Wollte ich auch!" zickte Sandy.
"Hast Du aber nicht, ... Badgirl! - Kein Zielwasser getrunken?" schielte er
sie aus zusammen gekniffenen Augen an.
"Na warte! Du Mistkerl!" stürzte Sandy sich auf ihn, um ihn durch zu kitzeln.
Da war Brian auch gleich dabei und schon hatten sie eine schöne Rangelei
im Gang und bekamen gar nicht mit, das es an der Tür klingelte und die
arme Gina den Besuch herein ließ und mit ihm ins Wohnzimmer kam.
"Ähm? Was ist denn hier los?" hörte Sandy eine Stimme, die ihr zwar
nicht fremd vorkam, aber trotzdem nicht zuordnen konnte.
Als die Jungs daraufhin endlich von ihr abließen, konnte sie sich aufsetzten
und sehen wer es war - Kian Egan stand mit Gina im Türrahmen und kratzte
sich demonstrativ den Hinterkopf.
Sandy fiel schlagartig ein, was Nico vor dem Telefonat erzählt hatte.
Ihr schoss das Blut erst IN den Kopf, um sofort wieder RAUS zu schießen.
Sandy wurde kurz schwarz vor Augen und sie sackte auf Brians Brustkorb, da er,
genau hinter ihr, auf dem Boden saß.
Als Sandy die Augen kurz darauf wieder öffnete, lag sie in Brians Armen
und er tätschelte ihr das Gesicht, damit sie wieder zu sich kam.
"Na, Süße. - Wird das jetzt zur Gewohnheit, mit uns beiden?" grinste
er sie schief an.
"Aber nur mit Dir." konnte sie schon wieder lächeln.
Sie setzten sich alle auf die Sofas und wollten doch wissen, warum Kian eigentlich
hier war.
"Also, ... ich wollte erstens sehen, wie es Euch so geht - nach DER Party?!"
fing er an.
Brian hatte immer noch seinen Arm um Sandy gelegt und die lehnte mit ihrem *schweren*
Kopf an seiner Schulter.
"Tja, und ... ich wollte mich bei Brian und Sandy entschuldigen, ... für
mein schlechtes Benehmen von gestern ..." er senkte den Kopf und wurde tatsächlich
etwas rot.
"Schlechtes Benehmen?" fragten Brian, Nicky und Sandy im Chor.
"Tja, also, ... Es ist sonst nicht so meine Art ... mich an die Freundin eines
Kumpels ran zu machen ... und schon gar nicht, wenn der daneben steht..." druckste
er rum.
Sandy warf erst einen Blick zu Brian, dann zu Nicky.
Beide hatten das gleiche Fragezeichen im Gesicht, wie sie selbst.
Sie ergriff daher die Initiative:
"Also, ... als Anmache konnte man DAS ja wohl nicht bezeichnen!" rief sie empört
aus, obwohl sie sich ja nicht mal mehr erinnern konnte.
Als sie Kians *Hundeblick* auffing, durchzog sie ein kleiner Stromschlag.
"Äh, ... und das mit Brian, ... na ja, ... also ... wir sind nicht zusammen."
erklärte Sandy wahrheitsgemäß.
"LEIDER!" bestätigte Brian nickend.
Kians Gesicht erhellte sich wieder. - Na, der war ja schnell zu befriedigen,
dachte sie noch. -
Dann klingelte schon wieder das sch**ß Handy, irgendwo.
Nicky hielt es in die Höhe und sie griff danach.
"Ro-"
"Hallo, Liebes!" hörte Sandy Jason’s Stimme.
"Oh! Hallo, J." begrüßte sie ihn.
Mein Gott hatte sie ein schlechtes Gewissen, wegen gestern und - überhaupt...
So schlich sie mit dem Handy am Ohr in die Küche.
"Was ist denn mit Dir? - Im Büro sagte man mir, Du wärst für
ein paar Tage abgetaucht, - zu Hause läuft nur der AB - und dann so eine
lahme Begrüßung? - Ist alles in Ordnung mit Dir?" er klang besorgt.
"Ja, ... nein, ... ach, ich weiß auch nicht" gab sie zu und ließ
sich auf einem der Barhocker nieder. "J, ...es sind ein paar Dinge am Laufen,
... die ich auf die Reihe kriegen muss, ... bevor ich mit Dir darüber reden
kann ... und dann ... bitte nicht am Telefon!" fasste sie sich ein Herz.
In den paar Tagen zu Hause war sie zu dem Schluss gekommen, das ihre Beziehung
nicht das war, was sie sich darunter vorstellte. Sie wollte mit ihm Schluss
machen, aber auf gar keinen Fall am Telefon - das war einfach nicht ihr Stil.
"Oh, das hört sich aber jetzt schon schwer nach Abschied an ..." seufzte
er.
"J, ... bitte." meinte Sandy nur.
"Alles klar, ... mach Dir mal keine Sorgen, ... ich komm schon klar. ... Fühl
Dich hiermit wieder als freier Mensch! ... Wir bleiben aber Freunde, ... ja?"
hörte Sandy ihn betteln.
"Danke J. - Ja bleiben wir. - Bis bald." verabschiedete sie sich schnell.
- Puh, ihr war ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. -
Sandy rappelte sich auf und ging ins Wohnzimmer zurück.
Gina sah sie durchdringend an.
"Erledigt." lächelte Sandy sie an.
Die beiden hatten vor ein paar Tagen schon am Telefon über Sandys Entscheidung
gesprochen und Gina wusste sofort was passiert war.
"Ach Liebes, ... Du siehst so froh dabei aus..." Gina kam auf Sandy zu und nahm
diese in den Arm.
Die Jungs hatten mal wieder nur Fragezeichen im Gesicht stehen ...
Nicky ging aber langsam - und trotz (oder grade weil?) Kater - ein Licht auf.
"Bin stolz auf dich." meinte er nur kurz.
"Warum denn?" wollte nun auch Brian wissen.
Ehrlich währt am längsten!
Sandy plumpste auf Brians Schoß und sagte "weil ich jetzt wieder Singel
bin und glücklich dazu!" jauchzte sie zufrieden.
"Hä?" kam es nun auch von Mr. Egan.
"Diese Trennung war überfällig ... und wir bleiben Freunde." meinte
Sandy nur knapp und zuckte die Schultern. Diese Geste verstand nun jeder - das
Thema war damit durch.
Sie quatschten noch etwas und plötzlich fiel Sandy der Termin mit Louis
wieder ein. "Ich muss bald los, Leute. Ich hab noch einen Termin in der Stadt."
stand sie aus der geselligen Runde auf.
"Aber es weiß doch keiner - das Du in der Stadt bist, ... oder?" meinte
Gina.
"Daher ist der Termin ja auch nicht sofort gewesen! - Mein Onkel glaubt, das
ich aus London eingeflogen komme." grinste sie frech.
"Mensch, Du bist mir eine..." zog Brian Sandy wieder zu sich auf den Schoß.
"Hey! Jetzt muss ich mich aber wirklich fertig machen. Sorry, Folks." verabschiedete
Sandy sich nach oben.
Kian war gegangen als sie wieder runter kam und Brian wollte sie in der Stadt
absetzen, so das er auch noch mal kurz nach oben huschte.
10 Minuten später saß die beiden im Taxi in die City.
Sie quatschten noch über die neue Band und er erzählte ihr, was Kian
vorhin noch berichtet hatte, nämlich das sie morgen früh einen Termin
mit ihrem Manager hatten, der sie dann mit ihren Aufgaben und Terminen konfrontieren
würde.
Er wollte von Sandy noch ein paar Details dazu wissen und sie gab ihm Auskunft.
Schon waren sie in der Nähe ihres Ziels angekommen und sie bat den Fahrer,
sie etwas früher raus zulassen.
Sandy wollte noch etwas frische Luft bekommen, bevor sie sich mit Lou traf.
Das könnte lange und anstrengend werden, so wie sie ihn kannte.
Sandy verabschiedet sich von Brian und stieg aus.
Um es kurz zu machen:
Lou wollte das sie eine seiner neuen Bands betreue und wieder als Personal Assistance
arbeitete.
"So wie bei Take That und Robbie!" war seine Erklärung. "Du hast einen
super Job gemacht und ich will das Du den Grünschnäbeln mit Deiner
Erfahrung zur Seite stehst. Du wirst ihre Interessen vertreten und hast dabei
freie Hand." erklärte er ihr.
"Schon gut, aber wer vertritt DEINE Interessen, Lou?" sie kannte ihn zu gut,
um nicht zu wissen, das es einen Haken geben würde.
"Anto Byrne wird ihr Tourmanager." ließ er die Katze aus dem Sack.
"Anto?!" fragte Sandy ungläubig. "Weiß er davon schon?”
Die Tür wurde geöffnet und Anto kam herein.
"Ja und es war mein ausdrücklicher Wunsch, das Du den Job machen sollst!"
grüßte er Sandy mit dem gewohnten Handschlag.
Zu Anto muss man nur zwei Dinge sagen; erstens, das er Sandy nur bis zur Schulter
reicht, und zweitens, das er der Beste seines Fachs ist.
So klärten sie noch einige Vertragsdetails und Sandy bat um zwei Tage Bedenkzeit.
"Aber ich will das Du die Jungs morgen kennenlernst, damit Du Dir selber ein
Bild von Deinen neuen Schützlingen machen kannst." verlangte Lou noch.
"In Ordnung. Wann?"
Sie verabredeten sich für zehn Uhr im gleichen Raum.
Danach trennten sie sich und jeder ging seiner Wege.
Sandys führte sie zurück zu Gina und Nicky.
Die drei redeten schon wieder bis spät in die Nacht.
Am nächsten Morgen machte Sandy sich, geschäftsmäßig gekleidet,
wieder zu Lou ins Büro.
Sandy war etwas früher dran, wie es so ihre Art war, bei wichtigen Terminen
und wurde gebeten in Louis’ Büro auf ihn zu warten.
Lou kam 5 Minuten später rein und die beiden redeten noch etwas privat
bevor sie zusammen in den Konferenzraum gingen.
Wen Sandy dort neben Anto sitzen sah, schien ihr im ersten Moment wie eine Fatahmorgana,
doch als zwei Männer auf sie stürzten und ihr um den Hals fielen,
war klar das dies definitiv kein Traum war!
Es waren Nicky, Brian und die Sligo-Typen.
Lou grinste gefällig von einem Ohr bis zum anderen, da sich sein Plan damit
wohl bestätigen würde und Anto nickte nur zustimmend.
So bestand Sandys erste Aufgabe darin, diesen Haufen Verrückter zur Ruhe
zu bringen, damit sie endlich Anfangen konnten.
Ein greller Pfiff auf zwei Fingern und es war so still, das man eine Stecknadel
hätte fallen hören - es war aber keine da [grins].
"Hinsetzen Jungs - und Brian? Halt die Klappe!" zischte sie.
Die Jungs taten wie ihnen geheißen und sie konnten anfangen.
Nach drei Stunden und ca. 15 Blatt Papier mit Notizen, waren sie fürs erste
durch.
Lou bat Sandy noch mit in sein Büro zu kommen, wo sie noch ihren Vertrag
besprachen und ihre Wünsche berücksichtigten.
Alles in allem war Sandy sehr zufrieden und auch Lou war happy.
Anto hatte die Jungs noch in der Mangel als Sandy zurück kam, doch sie
sah, das die Jungs nur noch Bahnhof verstanden.
Sie fing einen flehenden Blick von Brian auf und selbst Nicky und Kian blickten
nicht mehr ganz grade.
"Anto? Es reicht für heute, meinst Du nicht auch?" legte sie ihm einen
Arm um die Schultern und zog ihn vorsichtig aber bestimmt aus dem Raum.
Hinter ihrem Rücken ruderte sie mit dem anderen Arm, das die Jungs verschwinden
sollten.
Als Nicky an ihr vorbei ging, zischte sie nur "in 10 Minuten im Foyer."
Er nickte und bugsierte die Jungs nach unten.
Als Sandy ins Foyer kam, hingen alle auf den Sofas und waren totmüde, aber
dennoch glücklich.
"Das war nur der Anfang, Leute." meinte sie grade als ihr Brian und Nicky schon
wieder um den Hals fielen.
"Soviel Glück kann man doch in einem Leben gar nicht haben!" drückte
Nicky ihr einen Schmatzer auf die Wange und Brian packte sie wieder einmal bei
den Hüften und stemmte Sandy in die Luft. "Du Goldstück!" und beim
Absetzen erwischte er ihre Lippen mit seinen.
"Dann wird es jetzt wohl Zeit für eine KLEINE Einstandsparty, oder?" forderte
Sandy *ihre* Leute auf, ihr zu folgen.
Sie liefen in eins der benachbarten Pubs und bestellten zwei Runden Guinness
und Kilkenny, womit sie dann auf ihre gemeinsame Zusammenarbeit anstießen.
Beim zuprosten sah sie grundsätzlich jedem in die Augen;
erstens aus Höflichkeit und zweitens bringt es sonst sieben Jahre schlechten
Sex, und DAS Risiko wollte Sandy - jetzt wieder Singel - lieber nicht eingehen.
Die nächsten Tage war Sie damit beschäftigt die Jungs zu koordinieren
und sich gleichzeitig eine eigene Wohnung in Dublin zu suchen, damit sie ihre
Zelte in London abbrechen konnte.
Da saß sie nun in einem, von Louis zur Verfügung gestellten, Büro,
direkt neben dem Konferenzraum, der nun für die Band die Anlaufstelle sein
sollte, als Anto seinen Kopf zur Türe rein streckte.
"Suchst du eine Bleibe? ... Oder einen neuen Job?" fragte er belustigt beim
Anblick der ganzen Zeitungen.
"Eine Bleibe. ... Ich kann nicht ewig bei Gina und Nicky bleiben, ... so gern
ich sie auch habe." erklärte sie kurz. "Aber wenn Du nicht ein Haus für
mehr als fünf Personen suchst, dann hast Du in dieser Stadt echt keine
Chance." stöhnte sie.
"Fünf oder mehr?" wurde er neugierig.
"Was führst Du im Schilde?" fragte Sandy gleich. Diesen Blick kannte sie
doch ...
"Was denkst Du, wenn die Jungs und Du in einem Haus zusammen zieht und das Eure
Anlaufstelle wird?" wollte er doch tatsächlich wissen.
"Schon, aber für die Studioaufnahmen sind wir doch ehe erst mal in London
und bis dahin wohnen alle noch zu Hause oder im Hotel." gab Sandy zu Bedenken.
"Dann solltet Ihr das in London schon mal probieren, finde ich." schlug Anto
mal wieder ganz praktisch vor.
"Hattest Du nicht dieses alte Haus - außerhalb von Chelsea- von Deinen
Eltern geerbt?"
"Ja schon, aber da müsste erst mal dringend renoviert werden. Es hat seit
mehreren Jahren niemand mehr drin gewohnt und mir fehlt auch ein bisschen das
Kleingeld für solch eine aufwendige Renovierung." wandte sie ein.
"Lass mich das mit Louis regeln und den Jungs sagen wir erst mal nichts davon,
bis wir alles in trockenen Tüchern haben!" stand er auch schon entschlossen
auf.
"Meinetwegen. ... Aber außer Dir, mir und Lou zu keinem ein Wort, das
es mein Haus ist!" machte sie noch zur Bedingung.
"Klar doch, versprochen." meinte er noch bevor sich die Türe wieder hinter
ihm schloss.
Gesagt - getan. Lou zahlte ihr Miete und einen Teil der Renovierung und sie
veranlasste alles weitere, nach dem sie mit ihrem Bruder Mike gesprochen hatte,
der sich um die Renovierungsarbeiten kümmern wollte.
In London zogen die Jungs zwar ersteinmal ins Hotel, aber im Laufe der Studioarbeiten
erzählten ihnen Anto und Louis von dem Haus und als es fertig war zogen
alle sechs gleich ein.
Jeder hatte sein eigenes Zimmer; sie hatten zwei Büroräume eingerichtet
bekommen; dazu kamen die alten Räume; ein Spielzimmer, in dem Flipperautomaten
standen, Tischfußball und eine Spielekonsole, das Schwimmbad im Keller
hatte eine Grundreinigung bekommen und das Wohnzimmer war in eine Wohlfühl-Lounge
umgestaltet worden.
Es gab zwei Küchen; eine, in der eine Hauswirtschafterin für ihre
Verpflegung sorgte und ein Pantry-Küche, wo sie sich selbst Kaffee, Tee
oder andere Kleinigkeiten machen konnten.
Im Garten standen, als Zugabe von Lou, noch zwei Fußballtore und so konnten
sie gar nicht anders als sich sau-wohl zu fühlen.
Aus Sandys Sicht:
Es wurde Oktober und Nickys Geburtstag rückte näher.
Mit den anderen Jungs hatte ich vereinbart, das wir Gina einfliegen lassen wollten
und dann eine kleine Party im Haus veranstalten wollten, da wir die kommenden
Tage noch jede Menge Arbeit hatten.
Wir sprachen uns mit den Geschenken ab und gingen in zwei Gruppen,
an zwei verschiedenen Tagen, in die Stadt um sie zu kaufen.
Beide Male musste ich mit, was mein Arbeitspensum erheblich zurück warf
und so saß ich zwei Nächte vor Nickys großem Tag in einem der
Büroräume und war schon fast über dem Laptop eingeschlafen, als
mir jemand eine Hand auf die Schulter legte und mir einen Becher heißen
Kaffee hinstellte.
Es war Kian. "Hey, ... dachte den könntest du brauchen."
"Was machst Du noch auf, Du solltest Dich ausruhen." stellte ich fest.
"Hey, ... das sagt die Richtige! - Was tust Du denn hier?" nickte er zum Computer.
Wir hatten in letzter Zeit mehr miteinander gestritten als geredet und es wunderte
mich sehr, das grade er jetzt um mich besorgt schien.
"Lass uns nicht schon wieder streiten." winkte ich müde ab.
"Darüber hatte ich eigentlich heute Abend mit Dir sprechen wollen." sagte
er.
- Mir fiel ein, das er mich, im vorbeigehen, um ein Gespräch gebeten hatte.
Ich hatte es in der ganzen Hektik aber leider einfach vergessen, was sonst nicht
meine Art war! -
"Entschuldige bitte. - Ich wollte Dich nicht versetzen!" schlug ich mir die
flache Hand vor die Stirn.
"Schon gut. Ich sehe ja, das Du im Augenblick echt viel zu tun hast - mit uns."
zuckte er die Schultern.
"Trotzdem! ... Deshalb darf niemand das Gefühl haben, das ich nicht immer
Zeit für Euch hätte." warf ich ein.
"Na ja, ... ich konnte deswegen nicht schlafen ... und dachte mir wir könnten
das jetzt nach holen ..." sah er mich fragend an.
"Klar doch. - Schieß los." nahm ich dann einen großen Schluck von
meinem Kaffee.
"Also, ich möchte auch nicht mehr dauernd mit Dir streiten. - Den Anderen
geht unser Gezanke ja auch schon auf den Geist ..." - Pause. -
"Kian, was ist eigentlich los mit Dir? Du warst doch sonst nicht so ..." wollte
ich ihm auf die Sprünge helfen.
"So - gereizt?" er sah mir direkt in die Augen. Seine stahlblauen Augen hatten
auf mich keine Wirkung, wie bei seinen - vornehmlich weiblichen - Fans.
Ich hielt also seinem Blick stand.
"Wenn Du es so nennen willst ..." zuckte ich die Schultern.
"Du bist doch schon lange in diesem Geschäft?! - Hattest Du dann schon
mal das Gefühl, ... das ein Mann nur mit Dir schlafen wollte, ... um sich
dadurch einen Vorteil zu verschaffen?" fragte er.
"Ja, leider. Das bleibt nicht aus." antwortet ich ihm ehrlich.
"Und?" er sah mich immer noch an.
"Was und?" konnte ich ihm jetzt irgendwie nicht folgen.
"Wie hast Du reagiert? - Oder wie hast Du Dich davor geschützt? - Woran
erkennst Du heute, ... das jemand an Dir als Mensch interessiert ist?"
- Wow, das waren eine Menge schwerer Fragen für diese Uhrzeit - ich musste
erst einmal tief durch atmen.
Nach einem weiteren Schluck Kaffee fühlte ich mich zwar nicht besser, aber
ich wollte ihm - irgendwie - antworten.
"Kian, es ist auch heute noch schwer für mich, jemanden zu erkennen bzw.
auch nur kennenzulernen, der mich als Mensch sieht und nicht an meinen Verbindungen
interessiert ist. ... Daher ist mir die Freundschaft zu Gina, Nicky und auch
Brian so wichtig. ... Gina kenne ich seit dem Sandkasten, ... Nico kannte mich
am Anfang nur als Ginas beste Freundin ... und Brian, ... ja, Brian kannte mich
nur als eine Bekanntschaft aus der Karaoke-Bar."
- Kaffee! -
"Ich habe auch Freundschaften mit Leuten, die in diesem Geschäft arbeiten,
aber die sind wirklich spärlich. - Der Rest ist wohl eher von der Marke
man-kennt-sich-eben." Soviel zu Frage drei.
"Und haben dadurch andere Menschen gar keine Chancen mehr, Dich näher kennen
zulernen, - oder wie ist das?" fragte er.
"Tja, ... wenn Du auf die Sache mit einem festen Partner hinaus willst, ...
dann weißt Du doch das ich Singel bin ... und wenn ich mich recht erinnere,
... dann warst Du an dem Tag, an dem ich mich von meinem letzten Freund getrennt
habe im Raum nebenan, ... mit Gina, Nico und Brian!?" erinnerte ich ihn.
"Stimmt." grunzte er bei dem Gedanken daran.
"Du warst aber ... irgendwie so ... glücklich?! - Das hat mich damals verwirrt."
"Ja, ich war glücklich, das es vorbei war. Aber nur weil es richtig und
ehrlich war sich zu trennen. - Wir hatten uns eher eine Zweckgemeinschaft eingerichtet,
weil wir gerne einen Partner haben wollten und doch beide wussten, das es nicht
aus Liebe war. - Das war Falsch! - Doch wir hatten es endlich doch noch verstanden
und konnten so als Freunde auseinander gehen." - Ob er das verstehen könnte?
- "Aber warum grübelst DU darüber?" wollte ich dann doch gern wissen.
"Ähm, ... also das ist so ..." Kian, stottert?! "... ja, es ist mir halt
vor ein paar Tagen passiert ... und es hat mich dann doch irgendwie ... schockiert."
kam er endlich zur Sache.
"Schau, es tut mir leid, das Du diese Erfahrung machen musstest, ... aber vielleicht
ist es auch gut, ... das Du es jetzt schon hinter Dir hast..." versuchte ich
es trotz Müdigkeit.
"Das sagt sich jetzt einfach ..." schnaubte er.
"Ja, schon." gähnte ich verstohlen.
"Komm, mach Schluss für heute. Du brauchst auch mal Schlaf!" war er schon
wieder um das Wohl anderer - in diesem Fall meines - besorgt. So hatte ich ihn
eigentlich kennengelernt...
"Entschuldige, aber Du hast recht. - So krieg ich das hier eh nicht fertig."
klappte ich den Laptop zu.
Wir gingen zusammen in den ersten Stock, wo unsere Zimmer lagen und verabschiedeten
uns.
Die folgenden Tage stritten wir Gott sei Dank nicht mehr und so freuten wir
uns alle auf die Party.
Anto wollte Gina vom Airport abholen und ich wollte Nicky an seinem Ehrentag
wecken, so das ich schon früh wieder auf den Beinen war.
Zur Feier des Tages trug ich, das erst mal seit ich mit den Jungs zusammen war,
ein Kleid. In London hatte ich ein schlichtes Minikleid, mit Spaghettiträgern
gefunden. Einige Straßen weiter hatte ich eine süße schwarze
Strickjacke dazu gefunden. Mit High-Heels und etwas Mascara und Lippenstift
war mein Outfit perfekt.
In der Pantry setzte ich grade noch frischen Kaffee für uns alle auf, denn
wir wollten alle zusammen frühstücken, als Kian vom Joggen zurück
kam.
Er griff wie gewohnt erst nach der Wasserflasche, die er in einem Zug leerte,
bevor ich ihm auffiel.
"Wow ... wow!" mehr kam nicht.
Brian, der gerade rein kam, rettete die Situation.
"Mein Gott! ... Junge Dame, - wollen sie mich heiraten?" fiel er vor mir auf
die Knie - immer zu Scherzen aufgelegt...
Kian bewegte sich immer noch nicht.
Dann kamen auch noch Mark und Shane dazu - auch die beiden staunten nicht schlecht.
"Was ziehst Du denn zu Weihnachten an?" wollte Mark wissen und gab mir einen
Kuss auf die Wange.
"Kannst Du ruhig öfters tragen. Es steht Dir hervorragend!" stimmte Shane
zu und auch von ihm bekam ich einen Kuss.
Das ließ Brian nicht auf sich sitzen und schwang mich mal wieder durch
den Raum um mir dann einen Kuss auf den Mund zu geben.
"Ich wusste ja das Du hübsch bist, aber jetzt bist Du einfach nur heiß!
- Also wenn unser Nixter es sich mit Gina noch mal überlegt und lieber
Dich will, dann kann ich ihn voll verstehen." feixte er schon wieder.
"Gott bewahre! Ich spanne meiner besten Freundin doch nicht den Freund aus!
- Und überhaupt, er ist doch eher wie ein Bruder für mich." stellte
ich schnell klar.
Kian war endlich aus seiner Starre erwacht und wandte sich in Richtung Treppe.
Ich folgte ihm nach oben, denn ich musste jetzt unser Geburtstagskind wecken,
bevor die Meute das Frühstück auf hatte, bevor Nicky runter kam.
Auch Nicky war überrascht mich mal wieder im Kleid zu sehen.
So musste ich ihm versprechen, ihn bei seiner nächsten Shopping-Tour zu
begleiten.
Wir frühstückten alle zusammen und gaben ihm dann unsere Geschenke.
In dem Moment, wo er sich grade für das letzte Geschenk bedankte, klingelte
es an der Tür und ich lief hin um Gina und Anto rein zulassen.
Diese Überraschung war gelungen, die beiden lagen sich sofort - und noch
für die nächste viertel Stunde - in den Armen.
Danach verzogen sie sich auch gleich in Nicos Zimmer, - was ich zum Anlass nahm,
den Tisch abzuräumen.
Anto verschwand mit Kian im Büro.
Neben mir war Kian Antos Hauptansprechpartner, also war dies nichts Äußergewöhnliches.
Mark und Shane halfen beim abräumen und Brian - stand einfach nur im Weg.
Als wir fertig waren, ließen wir uns mit frischem Tee auf die Sofas fallen
und quatschten.
Bis Kian von Anto zurück kam und mir eine Hand auf die Schulter legte,
da ich mit dem Rücken zu ihm saß.
"Können wir kurz was besprechen?" fragte er und nickte in Richtung Büro.
"Klar." stand ich auf und folgte ihm.
Es war das etwas größere Büro, mit einer Sitzecke, auf der wir
uns nieder ließen.
Kian erzählte mir kurz, was Anto geplant hatte und ich ging in Gedanken
den Terminplan durch, um zu checken ob wir das irgendwo günstig einplanen
konnten.
Als wir fertig waren setzte er sich direkt neben mich.
"Du siehst heute wirklich umwerfend aus." stellte er jetzt auch mal fest und
küsste mich - wie alle anderen schon vor Stunden - auf die Wange.
"Danke." nahm ich das Kompliment entgegen - so langsam hatte ich mich ein bisschen
daran gewöhnt ... -
"Wehe Du trägst zu meinem Geburtstag kein Kleid!?" lächelte er mich
an.
"Versprochen." lächelte ich zurück.
Wir standen auf und gingen zu den anderen.
In der Lounge lief schon wieder Musik und Gina legte mit Nico eine heiße
Sohle aufs Parkett.
Mark sprang auf mich zu
"Tanzt Du mit mir? Bitte!" auch er hatte den *Hundeblick* drauf, aber er war
der einzige bei dem ich nicht nein sagen konnte ...
So tanzten wir.
Die Musik wechselte plötzlich ins ruhigere Genre und Mark zog mich an sich.
Pech für Brian, der es nicht schnell genug geschafft hatte, die Musik zu
wechseln und bei Mark abzuklatschen.
So gehört dieser Tanz auch noch Mark.
Brian beschwerte sich bei Shane und Kian stand abseits mit Anto.
Wir feierten noch den Rest des Tages.
Gina musste leider am nächsten Tag wieder zurück fliegen, doch wir
hatten nachmittags auch schon wieder Termine, die bis tief in die Nacht dauern
sollten.
Einen Monat später hatte ich Geburtstag und Nicky weckte diesmal mich.
Nach einem lieben Kuss reichte er mir den obligatorischen Kaffee, ohne den bei
mir keine Lebensgeister erwachten.
"Du ziehst aber heute das Kleid an, das wir zusammen in Soho gekauft haben -
und fang erst gar nicht an zu diskutieren!" fingerte er schon an meinem Kleiderschrank
rum. - Wie konnte ein Mann nur so ein Fashion-Victim sein ... -
"Hmmm" brummte ich nur und verzog mich unter die Dusche.
Als ich nur im Handtuch wieder aus dem Bad kam, saß er grinsend auf meinem
Bett. "Was tust Du noch hier?" wollte ich überrascht wissen.
"Sicherstellen, das Du auch das tust, was ich Dir gesagt habe." grinste er noch
breiter.
Auf meinem Bett lag nicht nur schon das Kleid, mit einer passenden Jacke parat,
nein, dieser fürchterliche Kerl hatte mir sogar Unterwäsche und Strümpfe
raus gelegt.
Ich war ehrlich gesagt ziemlich geschockt!
"Was ..." brachte ich nur hervor.
"Ja ja, Du wirst mir heute hoffentlich noch dankbar sein ..." stand er auf,
küsste mir noch mal die Wange und gab mir einen Klapps auf den Hintern
bevor er die Türe hinter sich schloss.
`Was ist denn jetzt los?´ fragte ich mich total verwirrt. - Geburtstag,
na ja ... aber DAS? -
Ich kleidete mich an - wozu ich auch nur 10 Minuten mehr brauchte als für
Jeans und T-Shirt - Haare ließ ich einfach offen und außer Mascara
und Lippgloß weigerte ich mich - wie immer- standhaft mehr Make-up zu
benutzen. Wozu auch? ...
Etwas unsicher schritt ich die Treppe auf den High-Heels runter.
- Warum konnte ich nicht Turnschuhe tragen? Weil es nicht zum Kleid passt, antwortete
ich mir selbst. -
Die Jungs standen alle geschniegelt und gestriegelt in Anzügen in der Lounge
und jubelten mir zu, nur um mir dann gleich - nacheinander - um den Hals zu
fallen, mir zu gratulieren und mir zu versichern, wie gut ich aussehen würde.
Es freute mich - sehr.
"Die Überraschung ist ..." setzte Nico an, da unterbrachen ihn Brian und
Mark "... das wir Dich jetzt ganz groß ausführen!" und hakten sich
rechts und links von mir ein.
So gingen wir vor die Türe, wo eine Stretch-Limo auf uns wartete.
Daniel, der sonst die Jungs auch durch die Gegend fuhr, gratulierte mir auch
kurz und schon ging’s los.
Wir fuhren quer durch London und tranken schon etwas Sekt dabei.
Nach ca. einer guten Stunde, in der mir keiner von ihnen verraten wollte, wo
es eigentlich hin ging, kamen wir vor einem kleinen Herrenhaus außerhalb
von London an und alle stiegen aus.
Ich blieb stehen.
"Wenn Ihr mir nicht sofort sagt, was hier los ist, fahre ich mit Dan sofort
zurück!" protestierte ich.
Doch Mark und Brian hakten mich wieder unter und zogen mich einfach zum Eingang
mit den Worten "dann ist es doch keine Überraschung mehr!"
Im Foyer kamen mir aber schon zwei kleinere Kinder entgegen gestürmt, die
mir sehr wohl bekannt vor kamen.
"Sana! Sana!" schrieen sie als sie sich mir in die Arme warfen.
"Ceccy, Jonah! Meine Süßen!" brachte ich unter Tränen der Freude
hervor und knuddelte die beiden an mich, als auch schon meine große Schwester
vor mir stand. "Hey, kleine Sis!" drückte Anna-Maria mich an sich, nachdem
ihre Kids mich frei gegeben hatten. "Ann-Marie ..." fiel ich ihr glücklich
in die Arme.
Als dann auch noch mein Bruder Mike dazu kam, war unsere kleine Familie ganz
komplett - mehr gab es von uns ja nicht mehr... - Auch er gratulierte mir herzlich.
"Danke, Jungs!" bedankte ich mich bei meinen Schützlingen gerade als ein
schwarzer Bentley vor dem Haus hielt.
"Wer kommt denn noch?" fragten Brian, Mark und ich im Chor und mussten lachen.
"Das ist das Geschenk von Gina und mir ..." machte Nico eine ausladende Handbewegung
zur Tür, durch die Gina gerade mit einem, mir durchaus sehr bekannten,
Mann herein kam.
"Was machst DU denn hier?" blieb ich wie angewurzelt stehen.
"Na, was ist das denn für eine Begrüßung? - Freust du dich nicht?
- Soll ich wieder gehen?" fragte er mich schon etwas verunsichert.
"Rob!" fiel ich ihm endlich um den Hals!
Er küsste mich vor allen herzlich auf den Mund und hielt mich ganz fest
an sich gedrückt. "Mein Engel ..." seufzte er, als er mich wieder atmen
ließ.
"Du glaubst doch nicht etwa, das ich Dich an Deinem 2ten Geburtstag alleine
lasse?" fragte er belustigt.
Schlagartig fielen mir die anderen wieder ein und ich wurde dunkel rot.
Als ich mich zu ihnen wandte, sah ich in 4 fragende Gesichter und 4 wissende
Gesichter.
"Komm!" griff ich nach Roberts Hand.
Erst begrüßte er meine Schwester und meinen Bruder, da sie sich ja
kannten, dann Nico.
In der Zeit konnte ich Gina begrüßen und danken, was ich dann auch
noch bei Nico tat.
Dann musste ich Brian, Mark, Kian und Shane noch mit Rob bekannt machen.
Brian konnte seine Neugier mal wieder nicht im Zaum halten.
"Wie kommst du denn an UNSEREN Schatz?" fragte er Rob.
"Euren Schatz? - Hey, sie ist immer noch MEIN ENGEL!" funkelte Rob Brian belustigt
an.
"Na ja, TEUFEL würde wohl eher passen!" gab meine Schwester ihren Senf
dazu, womit sie sofort die volle Aufmerksamkeit hatte.
Wir mussten also erzählen, wie ich zu Take That kam, Rob und ich ein Paar
wurden - es aber geheim halten mussten -, er stand zu seinen Exzessen, die uns
später - als ich nur noch für ihn arbeitete - auseinander gebracht
hatten.
Wir gingen nicht zu sehr in die Details, da das ja unsere Privatsphäre
war - und so erfuhren sie auch nichts von unserer totgeborenen Tochter - und
damit auch nicht, was uns immer noch so stark miteinander verband.
Wir kommentierten, die Frage danach, nur mit "tiefer Freundschaft" und beließen
es dabei.
Es wurde einer der schönsten Geburtstage, die ich je erleben durfte und
ich war allen sehr, sehr dankbar.
Durch den Erfolg von Westlife waren wir extrem viel unterwegs und ich hatte
alle Hände voll zu tun.
Die Jungs hatten einen Auftritt bei den Brit Awards und hinter der Bühne
herrschte Chaos-Extrem.
Plötzlich wurde mein Name gerufen, die Stimme kannte ich zwar, aber sie
war nicht von *meinen* Jungs.
Als ich mich umdrehte standen mir J und Sean gegenüber.
"Hallo, Liebes." begrüßte mich J und gab mir einen Kuss auf die Wange,
sowie es Sean auch gleich tat.
"Hallo."
"Wie geht’s dir?" wollte J wissen.
"Gut. Viel zu tun ... Und Euch beiden?" fragte ich zurück.
"Auch gut." - "Gut." antworteten die beiden.
"Wie geht’s der geheimnisvollen M?" wollte ich von J wissen.
Es war ja durch die Medien gegangen, das er zwar eine Freundin hatte, sie aber
aus der Öffentlichkeit fern hielt.
"Gut. Wir bekommen bald ein Baby." strahlte er.
"Das ist ja SUPER! Oh, das freut mich so für dich!" umarmte ich ihn.
"Danke." wurde er etwas verlegen.
"Und bei Dir? Jemand der sich auch mal um DICH kümmert?" wollte er wissen.
"Einer? Fünf!" wich ich aus.
"Nein, ich meine jemand der ..." setzte er an.
"Nein, aber ich kann im Augenblick auch nicht, wir sind viel zu viel unterwegs
- Du weißt doch wie das ist ..." unterbrach ich ihn.
"SAAAAANDYYYYYYYYY?" brüllte es schon durch den Gang.
- Konnte Brian denn nicht mal fünf Minuten ohne mich klar kommen? -
"Sorry, aber ich muss ..." entschuldigte ich mich und verabschiedete mich mit
"Bis bald mal." und schon rannte ich zu Brian.
"Was ist denn jetzt schon wieder?" wollte ich genervt von ihm wissen.
"Ich will Dir jemanden vorstellen" zauberte er eine Blondine hinter seinem Rücken
hervor und stellte sie mir als Kerry Katona, von Atomic Kitten, vor.
"Oh, Hi! Nett Dich kennen zu lernen." gab ich ihr die Hand.
"Hey, auch so. - Brian redet ja fast nur über die Jungs und DICH. - Da
wollte ich gerne wissen, mit wem ich es da so zu tun bekomme ..." eröffnete
sie mir.
"Mit den schlimmsten Chaoten dieses Universums!" war meine lachende Antwort.
Wir waren uns sofort sympathisch und ich nahm sie, immer noch lachend, in den
Arm.
Brian hatte Kerry gefunden, die ihn als einzige zu zähmen schien, was Anto
und mich glücklich machte.
Kian war seit der Tour (1999) mit einer der Tänzerinnen, Jessica, zusammen,
was uns auch seine Anwesenheit immer öfter ersparte.
Am einem Vormittag stürmte Shane in mein Büro.
"Schnell Sandy - Mark übergibt sich schon wieder!" brüllte er nur,
um gleich wieder zu verschwinden.
Das ging nun schon seit heute morgen um fünf so und langsam fragte ich
mich ob er noch etwas im Magen haben konnte.
Er hatte am Vorabend so gut wie nichts getrunken, also konnte es davon nicht
sein.
Ich rief den Arzt an, der in einer halben Stunde vorbei kommen wollte.
Dann machte ich mich auf zu Marks Zimmer.
Anto kam mir entgegen. "Ihn können wir heute sowieso vergessen." meinte
er als ich ihm sagte, das der Arzt schon unterwegs sei.
"Du bleibst hier bei ihm und der Rest geht mit mir zu dem Termin." entschied
er, was ich mir auch schon gedacht hatte.
Ein Häufchen Elend lag da vor der Kloschüssel und sah mich mit seinem
*Hundeblick* an.
"Womit hab ich das verdient?" fragte er traurig.
"Ach, Mark..." nahm ich ihn in die Arme, als er aufs Bett zu wankte und brachte
ihn wieder ins Bett.
Er legte sich gekrümmt auf die Seite und ich setzte mich zu ihm auf die
Bettkante. Beruhigend streichelte ich ihm den Rücken.
"Bleibst Du hier?" fragte er nach einer Weile.
"Ja, Anto und ich wollen Dich nicht alleine lassen." antwortete ich.
Dann klingelte es an der Tür.
"Das ist der Doc. ... Komme gleich wieder, ja?"
"Hmm. ... Beeil Dich ... bitte." wieder dieser Herz-zerreissende-Blick ...
Diagnose: Schwerste Magen-Darm-Grippe.
"Wo hat er sich die denn gefangen?" fragte ich ungläubig.
"Das kann ich Ihnen nicht beantworten, aber wenn er diese Medikament ..." er
reichte mir einige Schachteln "... nimmt, viel Ruhe die nächsten vier,
fünf Tage hält und nur Magen schonende Dinge zu sich nimmt, dann ist
er bald wieder fit." erklärte mir der Arzt.
"Die anderen können sich bei ihm doch nicht anstecken, oder?" wollte ich
noch auf dem Weg zur Tür wissen.
"Wenn sie nicht das gleiche Besteck oder die gleiche Toilette benutzen - nein,
dann nicht."
"Danke, Doktor."
Als er gegangen war, lief ich schnell wieder zu Mark zurück.
Der lag wieder gekrümmt im Bett.
"Hey, ... mein Kleiner." sagte ich und nahm ihn wieder in den Arm.
"Bleib bei mir, ... ja?" flehte er.
"Aber ja doch." ich rückte ans Kopfende, wo ich mich an die Wand anlehnen
konnte und Mark legte seinen Kopf in meinen Schoß. Automatisch streichelte
ich seinen Kopf und fuhr ihm durch die Haare. Er tat mir so leid.
Nach einiger Zeit war er eingeschlafen.
Ich wollte ihn nicht wecken und blieb reglos sitzen.
Irgendwann sind dann wohl auch mir die Augen zugefallen.
Durch ein Blitzlicht wurde ich unsanft geweckt.
Brian stand mit seiner Digitalkamera im Raum und hatte gerade seinen Schnappschuss
dieser Situation gemacht.
"Süß!" sagte er noch bevor er - durch meinen drohenden Gesichtsausdruck
aufgefordert - wieder verschwand.
In meinem Schoß regte sich Mark.
Er hatte Gott sei Dank nichts mitbekommen, aber das würde er noch früh
genug. - Wie ich Brian kannte, würden wir durch das Bild mehrere Tage dem
Spott der anderen ausgesetzt sein.
"Hey, ... wie geht’s meinem Baby?" fragte ich fürsorglich.
"Wenn Du bei mir bist, ... geht’s besser." lächelte er mich schwach an.
"Na dann, ... ich hol Dir schnell was zu trinken und essen und bin ganz schnell
wieder bei Dir, ja?"
"Beeil Dich ... bitte."
In der Küche sammelte ich schnell eine Hühnerbrühe und Toast ein, plus zwei Flaschen Wasser ging ich dann wieder zu Mark.
"Hey, da bin ich schon wieder." flüsterte ich fast.
"Komm." streckte er mir seine Arme entgegen.
Ich stellte alles auf den kleinen Tisch vor dem Fenster und setzte mich auf
den Platz, den ich erst vor Minuten verlassen hatte und schon kuschelte er sich
wieder an mich.
"Hey, mein Kleiner. - Was ist mit dir?" fragte ich ihn liebevoll.
"Hab Dich vermisst ..." kam es zaghaft.
Die nächsten Tage kümmerte ich mich ausschließlich nur um Mark,
was mir natürlich einige blöde Sprüche der anderen einbrachte
- vor allem von Kian und natürlich Brian.
Wir sahen viel Video oder DVD, damit er sich etwas ablenken konnte.
Wir hatten auch einige der Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis jr. Filme
gefunden und die Zeit verging wie im Flug.
Nach drei Tagen konnte er schon wieder im Garten spazieren gehen und Anto entschied,
das er sich genug erholt hatte, um wieder seinen Pflichten nach zukommen.
Und so waren wir wieder im Business as usall.
"Oh, *my Lady* geben sich auch mal wieder die Ehre ..." kam prompt der Spruch
von Kian.
"Oh, *me Lord* hat wohl letzte Nacht keinen hoch gekriegt oder warum sind wir
so schlecht drauf?" zickte ich zurück - was dachte DER sich denn?
Doch mein Handy unterbrach meinen anrollenden Wutausbruch. "Roth."
Es war Rob. Er hatte einen Gig am Slane Castle und wollte mich unbedingt dort
haben. "Rob, ... ist okay, ... ich werde da sein..."
Ein Gespräch mit einem über-nervösen Robbie Williams ist alles
andere als Small Talk...
"Pass auf, ... ich rede mit Josie, Franksy und Dave, ... ja, die sollen Dich
gefälligst betüddeln..." war ich etwas genervt, da mich alle im Raum
schon ziemlich schräg ansahen.
"Ja, ... call ya back... later.” und hing ein.
"Okay, wer geht mit nach Slane?" fragte ich immer noch genervt in die Runde
und ließ mich erschöpft auf die Couch fallen.
"Kannst Du auch in GANZEN Sätzen reden?" fauchte mich Kian wieder an.
"Ja, schon gut, *horny Boy*. - Also, wer will mit zum Robbie Williams Gig in
Slane Castle?"
Mark wollte. "Danke, Baby." nahm ich ihn happy in den Arm.
So fuhren Mark und ich mit seinem Wagen von Dublin nach Slane.
Dort angekommen wurde ich gleich von Andy Franks (Robs Tour Manager) abgefangen.
"Er ist Backstage und dreht bald durch - weil Du noch nicht da bist!" keifte
er. "Ja ja, ... bin ja schon da..." schnappte ich mir Mark am Ärmel und
schleifte ihn, mit den von Franksy gegebenen Ausweisen, auf das freie Feld hinter
der Bühne, wo Rob sehr verstört rum hampelte.
"Rob?" rief ich, als wir in einer vernünftigen Hörweite waren. Er
schoss herum und rannte mich buchstäblich über den Haufen und so lag
er dann auf mir.
"Warum lässt meine Frau mich so lange warten?" fragte er in die Runde,
als er wieder aufstand und mir half.
"Weil ich NICHT Deine Frau bin und in Begleitung eines ANDEREN, wesentlich charmanteren,
Mannes hier bin." gab ich ihm lachend Kontra.
Jetzt bemerkte er auch Mark.
"Hey, Mann. Wie geht’s Dir? - Wo wart ihr so lange?" begrüßte er
Mark lachend, der verstand aber im Augenblick gar nichts.
Als Rob eine neue Zigarette angezündet hatte, klaute ich sie ihm und nahm
einen tiefen Zug.
"Du rauchst?" fragte mich Mark.
"Nur wenn sie in meiner Nähe sein muss." antwortete Rob für mich.
"Und warum muss sie das sein?" fragte Mark jetzt schlagfertig zurück.
"Weil er SICH sonst, nach UNS, umbringt!" erwiderte Guy ironisch.
"Guy, - shut up!" riefen Rob und ich, wie aus einem Mund und mussten gleich
lachen - es war wie in alten Zeiten...
"Alle gegen Guy!" riefen plötzlich Alex und Fil hinter mir.
Eine Kreisch-Orgie folgte, während wir uns um den Hals fielen und küssten.
"Hey, Folks! ... Let’s play Soccer. … Come on!” rief Rob dann.
"Komm Mark, jetzt musst Du Dich integrieren..." zog ich ihn mit mir zu den anderen.
Wir spielten F*cking mad...
Vor dem Gig bat ich Franksy sich um Mark zu kümmern, damit ich Rob *betreuen*
konnte. - Es war ALLES wie früher, was aber nichts änderte ...
Rob gab also eines seiner legendären Konzerte, was hauptsächlich daran
gelegen hat, das seine Vertrauten Musiker mit ihm auf der Bühne standen,
nicht an mir.
Etwa vier oder fünf Monate später:
Es waren noch stressigere Zeiten angebrochen, da die Jungs immer berühmter
geworden waren und mit ihren Songs Rekorde brachen.
Zwischen einigen Terminen kochten die Emotionen mal wieder hoch ...
"Du hast sie doch nicht alle!? - Warum besprichst Du das nicht mit MIR?" keifte
mich Kian mal wieder giftig an.
"Weil Du die GLEICHE Entscheidung getroffen hättest!" fuhr ich ihn wütend
an.
"Woher willst DU das wissen?" wurde er lauter.
"Weil es im Interesse der Band ist und DU doch immer ALLES für die Band
tust, oder willst Du das JETZT etwa leugnen?" wurde ich noch wütender (falls
das überhaupt noch ging?).
So ging es noch eine Weile hin und her, die anderen Jungs hatten sich schon
verdrückt, da sie schon einige Male erleben mussten, das sie uns nicht
auseinander bringen konnten, wenn wir so mies drauf waren.
Eben Stier und Skorpion, da ist nix zu machen ... Stur bis in den Tot.
Anto war der einzige, der es schaffte, das wir uns nicht prügelten, so
auch diesmal, was unseren Streit lediglich unterbrach ...
Wir waren, wie gesagt, im Stress und die Zeit verflog.
Nach etwa drei Stunden, die wir jetzt routinemäßig absolviert hatten,
bekam ich heftige Bauchkrämpfe.
Ich ignorierte sie so gut es ging und schluckte schnell ein Schmerzmittel.
Weitere 30 Minuten später brach ich einfach, mitten im Satz, vor allen
zusammen.
Brian war als erster bei mir und hielt mich fest, während er mir die Wange
tätschelte, damit ich wieder zur Besinnung kam.
"Gott sei Dank, ... da ist sie wieder! - Kleines, was ist mit Dir? - Was hast
Du?" sah ich, etwas vernebelt, sein Gesicht direkt über mir.
"Mein ... Bauch ..." krallte ich meine Hände um meinen Leib.
Dann kamen die Sanitäter und brachten mich ins Krankenhaus.
Aus Brians Sicht:
Wir saßen geschlossen auf dem Flur des Krankenhauses und hofften inständig,
das es nichts allzu ernstes war.
Sandy war schon lange unser "sechstes" Bandmitglied.
Sie hielt uns immer den Rücken frei und sorgte dafür das unsere Freundinnen
eingeflogen wurden, wenn wir auch nur einen Abend frei haben konnten.
Sie war wie eine Mutter, Schwester, beste Freundin, Vertraute ...
Selbst Kian, der in letzter Zeit immer wieder heftig mit ihr gestritten hatte,
saß unruhig auf seinem Stuhl und machte sich Sorgen.
Der Arzt kam auf uns zu.
"Da Sie nicht zur Familie gehören, darf ich Ihnen nichts sagen, aber sie
möchte das ich einen ... Nicky Byrne spreche." las er den Namen von einem
Zettel ab.
"Das bin ich!" sprang Nicky auf und stand schon beim Arzt.
"Kommen Sie bitte mit." wies der Arzt mit einer Handbewegung die Richtung.
"Können wir zu ihr?" fragte Shane noch schnell.
"Im Moment noch nicht, später!" antwortete der Arzt sehr entschieden und
verschwand mit Nicky.
Wir sahen uns ratlos an.
Klar wussten wir das Nicky schon früher ein Freund von Sandy war, aber
wir waren doch schon so lange zusammen, das wir uns jetzt ausgeschlossen vorkamen.
Nach etwa 20 Minuten kam Nicky zurück. "Ich muss ganz schnell telefonieren
und dann darf ich kurz zu ihr. Wartet hier!" war er auch gleich wieder weg.
Wir warfen uns wieder fragende Blicke zu.
Keine zwei Minuten später kam er wieder vorbei gelaufen und rannte direkt
in Sandys Krankenzimmer.
Kian rannte seit dem nur hin und her.
Shane war mit Mark Kaffee holen und ich hatte schnell mit Kerry telefoniert,
die mit Gina den nächsten Flieger nehmen wollte, um ihrer Freundin - bei
was auch immer - beizustehen.
Nicky kam sehr blass aus Sandys Zimmer und ließ sich auf einen der Stühle
sinken. Bevor er noch richtig saß flog eine Türe auf und Robbie Williams
stand bei uns. "Wo ist sie?" fragte er ganz fahl im Gesicht.
Nicky zeigte auf Sandys Tür und schon verschwand er dahinter.
"Was tut DER hier?" fragte Kian wütend. "Und warum darf ER vor UNS zu ihr?"
seinem Gesicht war anzusehen, das er immer zorniger wurde.
"Lasst uns in die Cafeteria gehen, dann erkläre ich es Euch. Ich muss nur
erst Geo anrufen." sagte Nicky tonlos, was Kian sofort zum Schweigen brachte.
So hatten wir Nixter noch nie erlebt.
"Ich hab schon mit Kerry gesprochen, sie kommt mit Gina zusammen mit der nächsten
Maschine her!" erklärte ich schnell.
"Gut! Die beiden wird sie brauchen..." brach er ab.
Wir gingen zu Mark und Shane in die Cafeteria und sammelten uns um einen der
größeren Tische, wie wir es sonst ja auch immer taten.
Nicky atmete ein paar Mal tief und setzte dann an.
"Ihr wisst das Sandy lange mit Rob zusammen war. ... Der wahre Grund, warum
sie sich getrennt haben ist, ... das Sandy eine Totgeburt hatte ... danach war
sie lange in Behandlung, ... sie konnte es nicht verarbeiten." es lief eine
Träne über sein Gesicht.
Wir sahen uns geschockt an, aber er war noch nicht fertig.
"Sie wusste nicht, das sie wieder schwanger ist und diesmal war es eine Fehlgeburt
... ihre und Robbies Gene passen nicht zusammen, ... sie können niemals
ein lebensfähiges Kind bekommen..." die Tränen wurden mehr.
"... sie hatte so einen leeren Blick ... als wenn sie ..." weiter kam er nicht,
denn die Tränen übermannten ihn und er schämte sich seiner Tränen
nicht.
Sie war eine seiner ältesten Freundinnen und die beiden waren wie Geschwister
für einander, man konnte es sehen, wie sie täglich miteinander umgingen.
"Slane!" rief Mark plötzlich.
Wir starrten ihn fragend an.
"Ich war doch mit ihr in Slane Castle bei Robbies Konzert Backstage." erklärte
er. "Die beiden gingen so vertraut miteinander um. - Fil, der Bassist, meinte
noch zu mir, -wie wenn sie nie getrennt gewesen wären-." schlug er sich
vor den Kopf.
In dem Moment sprang Kian auf und rannte weg.
"Und was hat DER jetzt?" fragten Shane und ich gleichzeitig.
Nicky zuckte nur die Schultern.
Wir gingen dann schließlich wieder vor Sandys Zimmer, wo wir einen ziemlich
aufgewühlten Robbie vor fanden, der einen Blick drauf hatte, wie wenn man
ihm das Leben ausgehaucht hatte.
Nicky sprach etwas mit ihm, das wir nicht hören konnten und wohl auch nicht
sollten. Robbie stand auf, sprach ein paar Sätze mit Nicky und kam dann
zu uns.
Kian war auch wieder aufgetaucht.
"Ihr werdet ab jetzt noch viel besser auf sie aufpassen müssen und wenn
ihr etwas zustößt, bringe ich jeden einzelnen von Euch zur Strecke
bevor Ihr wisst wie Euch geschieht. - Lebt wohl!" sprach Robbie und verschwand.
Sein Blick hatte uns allen das Blut in den Adern gefrieren lassen und keiner
rührte sich, geschweige denn sprach etwas.
Nicky war schon wieder in Sandys Zimmer verschwunden.
Plötzlich ging Kian zielstrebig auf die Türe zu, hinter der Nicky
gerade verschwunden war.
Shane und ich hielten ihn auf.
"Das ist keine gute Idee, Ki!" meinte Shane und ich hatte alle Mühe ihn
von der Türe weg zu bekommen, doch als wir es dann doch mit Marks Hilfe
geschafft hatten, konnte ich Shane nur beipflichten.
"Kian, - nicht Du - nicht JETZT."
"Warum nicht? ... Ich muss ihr doch sagen, ... das es mir leid tut ... die ganzen
Streitereien ... das muss sie doch wissen, bevor ..." und dann übermannten
auch ihn die Tränen.
"Später, Ki!" meinte Mark nun zu ihm. "Du kannst Dich später noch
bei Ihr entschuldigen, lass sie erst mal wieder zu Kräften kommen."
"Besinnung - wäre wohl passender!" stand Nicky plötzlich wieder bei
uns.
"Was ist passiert?" war ich sofort hoch gefahren.
So was sagte ER nicht einfach leichtsinnig vor sich hin, nicht über Sandy
und schon gar nicht in einer solchen Situation!
"Sie will bei uns kündigen!" kam es wie ausgespuckt aus Nicky raus.
"KÜNDIGEN???" fragten wir im Chor.
Wir waren alle wie vor den Kopf gestoßen und saßen sprachlos auf
diesem Flur, bis dann endlich Kerry und Gina kamen und uns aus der Lethargie
rissen.
"Was ist mit ihr und wie geht’s ihr?" Gina war mit den Nerven am Ende.
Nicky zog sie von uns weg und nahm sie auf seinen Schoß, um ihr alles
zu erzählen.
In der Zwischenzeit berichtete ich Kerry, was sich in den letzten Stunden abgespielt
hatte.
Gina schoss wie vom Blitz getroffen hoch und in das Zimmer, vor dem wir Jungs
jetzt seit Stunden warteten.
Kerry wurde praktisch.
"Brian, schaff die Jungs nach Hause - außer Nicky, Gina wird ihn brauchen.
Los macht schon!" scheuchte sie Shane, Mark und Kian entschlossen hoch.
"Ich ruf Dich stündlich an, mein Schatz." gab sie mir noch einen kleinen
Kuss bevor sie uns *wegjagte*.
Als ich mich umdrehte, sah ich wie sie mir noch kurz nach winkte.
Aus Kerrys Sicht:
Nach dem ich Brian und die anderen heimgeschickt hatte, setzte ich mich zu Nicky,
der immer wieder apathisch seinen Gedanken nach hing.
"Was ist hier eigentlich wirklich los?" fragte ich ihn wild entschlossen.
"Wie meinst du das?" fuhr er erschrocken auf.
"Entschuldige, ... ich wollte Dich nicht erschrecken, ... aber ich würde
wirklich gerne erfahren, was hier NOCH passiert ist." wollte ich von ihm wissen.
Und so erzählte er; von dem Gespräch mit dem Arzt, mit Sandy, mit
den Jungs, mit Robbie und wieder mit Sandy.
Er war gerade fertig, als Gina wieder zu uns kam.
Sie sah noch schlechter aus als vorher und ich machte mir noch mehr Sorgen.
Gina meinte schwach, das ich mal mit ihr reden sollte oder einfach nur bei ihr
bleiben sollte und so ging ich zum ersten Mal in das Zimmer, in dem unsere Freundin
lag.
Sandy war wirklich ein Schatz, sie kümmerte sich nicht nur um die Jungs,
als wenn sie ihre Familie wären; sondern sie sorgte auch dafür das
es der Crew gut ging; das wir Mädels immer auf dem Laufenden waren (nicht
nur bei irgend welchen Gerüchten über angebliche Affären der
Jungs); und sie war die einzige, die Anto und Louis in ihre Schranken weißen
konnte, ohne das diese ihr jemals böse wurden.
Was ich vorfand, war ehrlich gesagt, der reinste Schock für mich.
Ja, es war zwar ihr Körper, der dort in diesem Bett lag, aber ihre Augen
... es schien als wenn sich dahinter nichts und niemand mehr befinden würde.
Ich schluckte und spielte die Starke - sie brauchte mich jetzt.
"Hallo Süße. - Was machst Du denn für Sachen?" ging ich zu ihr
und gab ihr ein Bussi auf die Wange.
Etwas in ihren Augen kam zurück ...
"Kezza, ... nimm mich in den Arm und halt mich ganz fest!" kam sie zu sich und
streckte mir ihre dünn gewordenen Arme entgegen.
Als sie in meinen Armen lag, weinte sie so fürchterlich, das ich es mit
der Angst bekam. Ich bin sonst ja eher *Robust* was so was angeht, aber in dem
Moment ...
"Schhhhhhhh ... ist ja schon gut. ... Kezza ist ja bei Dir ... und bleibt, so
lange ... wie Du mich brauchst!" versuchte ich sie zu beruhigen, was mir nach
einiger Zeit endlich gelang.
"Liebes, was ist denn mit Dir? - So kenne ich Dich ja gar nicht ..." fragte
ich vorsichtig.
"Ich ... ich kann nicht mehr! ... alles wieder von vorne ..." schluchzte sie
nur.
Ich verstand kein Wort.
Nach einer Weile hatte sie sich beruhigt und war eingeschlafen.
So ging ich - immer noch nicht schlauer - zurück zu Gina und Nicky.
Gina schickte jetzt Nicky rein und wollte mit mir vor die Türe, an die
frische Luft, gehen.
"Kerry!?" fing sie nach ein paar Minuten zaghaft an. "Wir können sie ab
jetzt nicht mehr alleine lassen! Sie ... sie tut sich sonst etwas an." brachte
sie endlich hervor.
"Sie tut WAS???" entfuhr es mir.
"Sie hatte schon die Totgeburt und damals musste sie in Therapie, weil sie versucht
hatte sich von einer Brücke zu stürzen." brach es aus Gina heraus.
"Sie weiß nicht, das Nicky und ich es wissen und sie erfährt besser
auch nicht das wir - und jetzt auch du - es wissen. Bitte behalt es auch vor
Brian für Dich!"
"Natürlich!" versicherte ich ihr.
Sie erzählte mir weiter, das Robbie Nicky das Versprechen abgenommen hatte,
das wir alle sie nicht mehr alleine lassen sollten, da Robbie Nicky von dem
Selbstmordversuch erzählt hatte.
Sandy hatte sich für immer von Robbie verabschiedet und er hatte verfluchte
Angst um sie, doch tat er um was sie ihn gebeten hatte und sagte schweren Herzens
leb wohl.
Wir beratschlagten, wie wir das anstellen konnten und uns wurde klar, das wir
es ohne die Jungs nicht schaffen konnten sie immer unter Beobachtung zu halten,
wenn sie erst aus diesem Krankenhaus kam.
Dazu kam noch ihr Entschluss, bei Westlife zu kündigen.
Sie konnte so stur sein ... ich hatte das bis jetzt immer bewundert, denn damit
kriegte sie selbst Anto und Louis weich. Doch jetzt machte es mir einfach nur
Angst.
Wir mussten mit den Jungs gemeinsam eine Lösung finden, so viel stand fest
und wir kehrten wieder zurück zu Sandys Zimmer.
Dort fanden wir einen aufgelösten Kian vor, mit dem Nicky alle Hände
voll zu tun hatte. Mit einem Blick zu Gina verständigten wir uns, das ich
wieder zu Sandy ging und Gina Nicky beistehen würde, um Kian in den Griff
zu bekommen.
Aus Ginas Sicht:
Nicky hatte alle Hände voll zu tun, Kian davon abzuhalten in Sandys Zimmer
zu stürzen. Er stammelte etwas von "sich entschuldigen" und "bevor sie
stirbt".
"Kian?! - Kian!?" er reagierte überhaupt nicht.
Mir blieb nichts anderes übrig und ich gab ihm eine schallende Ohrfeige.
Endlich, er beruhigte sich - Gott sei Dank!
"Sorry, aber das musste jetzt sein!" versuchte ich ihn anzulächeln.
"oh, ... ja, ... gut..." mehr brachte er nicht zustande.
"Wenn Du helfen willst - gut - das braucht sie jetzt auch. - Aber wenn Du nur
Dein Gewissen erleichtern willst, dann verschwinde und lass Dich nicht mehr
blicken! - Hast Du mich verstanden, Egan?" fauchte ihn Nicky jetzt an.
Er war so wütend, er brauchte ein Ventil und ich verstand ihn - viel zu
gut ...
Nach ein paar Sekunden brachte Kian schon wieder "Was kann ich für Sandy
tun?" hervor.
Ich erklärte ihm kurz, dass wir uns hier abwechseln sollten, das sie nicht
alleine war - gab aber keine weitere Erklärung dazu.
"Und wenn sie entlassen wird?" sah mich Nicky fragend an.
Er wusste warum ...
"Wir müssen es mit Kerry besprechen ... und vielleicht mit Anna-Maria,
Sandys Schwester, da Sandy ja mit Kündigung gedroht hat..." fiel mir ein.
"Vielleicht sollten wir Sandy zu ihr nach Schottland bringen, damit sie wieder
zur Besinnung kommt ..." dachte ich laut nach.
Kerry kam wieder raus "Sie schläft jetzt." auch sie sah fertig aus.
"Warum geht Ihr nicht zu uns und ruht Euch erst mal ein bisschen aus und schickt
Shane oder Mark her?" den Vorschlag machte Kian.
"Ähm, ..." Nicky blickte erst mich dann Kerry an.
"Vielleicht keine so schlechte Idee, aber ich bleibe erst mal noch hier. Brian
kann mich ja mit zurück nehmen, wenn er Mark oder Shane her bringt!" entschied
Kerry.
"Na gut." willigte Nicky nun ein.
Kian ging also zu Sandy und wir warteten noch einige Minuten, bevor ich noch
schnell mal zu den Beiden rein sah.
Kian saß auf dem Stuhl neben ihr und ließ sie nicht aus den Augen.
"Wir gehen Dir und Kian noch schnell Kaffee holen, bevor wir dann fahren, ja?"
sagte ich zu Kerry und Nicky meinte nur "Ich mach das schnell alleine." und
schon war er weg.
"Kerry, pass auf die beiden auf, ja? - Kian soll sie nicht zutexten mit seinen
Schuldgefühlen ..."
"Keine Sorge, ich pass auf die beiden auf. - Jetzt geht und ruht Euch aus. -
Wir bereden später, wenn ich zu Euch komme, wie es weiter gehen kann."
drückte sie meine Hand.
Nicky war mit zwei Bechern Kaffee zurück, gab einen Kerry und den anderen
brachte er Kian.
Dann kam er wieder und wir verließen das Krankenhaus fürs erste.
Aus Kians Sicht:
Nicky hatte mir den Kaffee gebracht und mir ins Ohr gezischt "ich warne Dich,
behalt Deine Schuldgefühle erst mal für Dich!", bevor er Sandy auf
die Stirn geküsst hatte und wieder gegangen war.
Sie lag in diesem Krankenbett und sah so klein, zierlich und verletzlich aus
- gar nicht zu vergleichen mit der starken, selbstbewussten, hartnäckigen
Frau, die ich ... wir alle, so ins Herz geschlossen hatten.
Sie hatte das alles nicht verdient ...
Während ich sie so schlafend betrachtete, schossen mir so viele Szenen
durch den Kopf, die ich versucht zu ordnen.
Unser Gespräch im Büro, diese eine Nacht -
sie war so müde
und hatte doch so viel Verständnis für mich
und hatte versucht mir zu helfen ...
Sandy im Kleid - an Nickys Geburtstag!
Sie sah so umwerfend aus,
das es mich hatte erstarren lassen.
Und an ihrem Geburtstag!
Es gab sogar noch eine Steigerung, -
sie sah absolut heiß aus ...
Dann mit den Kindern - wie wenn es ihre eigenen wären ...
Dann die Begrüßung von Robbie -
er hatte sie so innig geküsst -
sie hatte sich so gefreut ...
Die ewigen Streitereien,
die ich irgendwie wieder angefangen hatte -
warum war ich eigentlich so grob zu ihr gewesen?
Während ich mit Jessica zusammen war, hat sie mir immer den Rücken
frei gehalten, damit ich mich mit Jess treffen konnte -
sogar gegenüber Anto hatte sie mich schon mal gedeckt!
Nach der Trennung von Jess war Sandy so verständnisvoll
und doch nicht so aufdringlich, wie die Jungs ...
Dann wieder die Zankereien,
besonders der letzte Streit heute früh -
er war absolut unnötig,
sie hatte doch in meinem Sinne gehandelt,
ich hätte es doch ganz genau so gemacht ...
Ihr Zusammenbruch -
mitten im Satz war sie ohnmächtig in sich zusammen gefallen -
wie ein Kartenhaus ...
Brian, wie er sie im Arm hielt und so besorgt war
und dann etwas erleichtert, als sie wieder zu sich kam ...
Die beiden hatte ich damals,
als ich Sandy zum ersten Mal getroffen hatte,
für ein absolutes Traumpaar gehalten -
doch Brian war mit Kerry zusammen gekommen ...
Und wenn man es nicht besser wusste,
hätte man schwören können Sandy und er wären Bruder und
Schwester ...
Nickys Erklärungen zu ihrem Gesundheitszustand
und ihrem *Vorleben* ...
Robbies *Anweisung* und sein Blick ... -
man konnte sehen, das er sie immer noch liebte!
Liebe?
Ja, - deshalb war sie doch hier -
weil er sie mit seiner *Liebe* in diese *Situation* gebracht hatte!
Konnte man das denn überhaupt *Liebe* nennen,
wenn man einem Menschen *so etwas* antat?
Er war nicht gut für sie - nicht gut GENUG!
Ich sah, das sie sich regte - aber sie schlief weiter.
In meinem Kopf herrschte immer noch ein heilloses Durcheinander, dem ich nicht
Herr wurde, als Kerry ihren Kopf zur Tür rein steckte.
"Ablösung! - Geh Dir mal die Beine vertreten und noch einen Kaffee holen.
In einer Stunde kommen Mark und Shane uns ablösen." scheuchte sie mich
raus.
Ich kam gar nicht dazu mich zu wehren, da stand ich schon vor der Tür.
Kaffee? Füße vertreten? Toilette!
In umgekehrter Reihenfolge erledigte ich diese drei Dinge.
Da saß ich gerade fünf oder zehn Minuten wieder im Flur - auf der
falschen Seite dieser verdammten Tür- als Shane und Mark mit Brian kamen.
"Und? Wie geht’s unserem Mädchen?" fragte Brian.
"Sie schlief, als ich drin war und jetzt ist Kerry wieder drin." informierte
ich.
"Na dann werde ich Kerry mal ablösen!" meinte Mark und ging schon rein.
Keine 20 Sekunden später kam Kerry raus.
"Die Schwester hat ihr noch mal eine Beruhigungsspritze gegeben und sie wird
die nächsten Stunden weiter schlafen. - Shane, auch Dir sei gesagt, einfach
nur da sein, wenn sie nicht spricht - lass sie. Fang kein Gespräch an und
wenn sie es tut, nur belangloses Zeug reden - nicht von dem Kind, nicht von
der Kündigung anfangen und schon gar nicht von Robbie!" sie sah in durchdringend
an und er nickte verstehend.
"Komm Kian!" befahl sie mir auch gleich.
Ich folgte Brian und Kerry schweigend, auch im Auto sprach keiner ein Wort von
uns.
Aus Nickys Sicht:
Wir hatten in den folgenden Tagen mit Anto und Louis gesprochen, mit
Anna-Maria und Mike auch, und waren uns einig, das wir Sandy vom Krankenhaus
direkt zu Anna-Maria bringen würden, wo sie erst einmal bleiben würde,
bis die Band die letzten Studioaufnahmen fertig hatten. Gina und Kerry würden
hin und wieder hinfliegen und für sie da sein und nach ihr sehen, damit
der Kontakt nicht abbrechen konnte und um uns auf dem Laufenden zu halten.
Nicht mehr ganz zwei Wochen und wir hätten das neue Album im Kasten.
Meine Handy klingelte und ich sah auf dem Display, das es Gina war.
Sie hatte sich zwei ganze Wochen frei genommen und war zu Sandy nach Schottland
geflogen.
"Hallo, Schatz!" grüßte ich sie zärtlich.
"Hallo, Liebster!" flötete sie zurück. Das hatte sie lange nicht mehr
so fröhlich getan.
"Gibt’s was Neues, das Du so gut drauf bist?" fragte ich neugierig.
"Ja, in der Tat!" war sie hörbar aufgeregt. "Sandy möchte Dich und
Mark sehen und ihr seit eingeladen her zu kommen. ... Mit Louis und Anto hat
sie lange geredet - aber frag mich bitte nicht wie sie das gemacht hat - aber
damit habt Ihr beide ein verlängertes Wochenende frei, um her zukommen.
... Tickets sind für Euch schon am Schalter hinterlegt und ich hole Euch
am Airport ab." erzählte sie ganz aufgeregt.
"Na, das sind doch endlich mal gute Neuigkeiten!" war ich erleichtert.
"Dann sehen wir uns Freitagmittag am Airport?!" verabschiedeten wir uns nach
einer Weile.
"Ja, bis bald!" seufzte sie ins Telefon, auch hörbar erleichtert.
Im Studio sah mich Anto wissend an und grinste, das erste mal seit ...
Brian feixte schon wieder nervtötent durch den Raum, hielt aber sofort
inne als er mich sah.
"Sag schon?!" brüllte er mich an.
"Also: Es gibt zwei Tickets am Flughafen ... für mich und ... Mark, ...
sie will uns sehen" ließ ich die Bombe platzen.
"Maaaaaarrrrrk?" kam es von Brian und Kian gleichzeitig.
"Warum Mark?" fragte Shane verwirrt.
"Weil er ihr *BABY* ist!" gab Anto seinen Senf dazu.
Alles sah ihn verwirrt und überrascht an.
"Wissen wir etwas nicht, Feehily?" ging Brian drohend auf Mark los.
"Nein, ... und glaubt mir, DAS wüsste ich!" schnaubte Mark.
Mir fiel auf, das Kian ganz ruhig in einer Ecke saß - viel zu ruhig.
Die anderen waren zu sehr mit Mark beschäftigt ...
"Ki? - Was ist?" fragte ich ihn direkt.
"Hä? - Was soll sein?" tat er zwar unschuldig, aber ich kannte ihn schon
zu gut, um auf diese Masche reinzufallen.
"Komm mit!" zog ich ihn auf die Füße und mit nach draußen,
wo wir ungestört reden konnten.
"Raus mit der Sprache, Egan!" fuhr ich ihn an.
"Was willst du eigentlich von mir, Byrne?" fauchte er zurück.
"Die Wahrheit! Und zwar die ganze verdammte Wahrheit!" ließ ich ihm keine
Wahl.
Aus Marks Sicht:
Freitagmittag! Endlich landeten wir in Schottland. Ich konnte immer noch nicht
fassen, das Sandy ausgerechnet mich hier haben wollte.
Nicky, ... war klar!
Bei Brian hätte ich es auch noch verstanden - aber ich?
Natürlich wollte ich sie wieder sehen - absolut keine Frage!
"Nicky! - Mark!" kam Gina uns entgegen gelaufen.
Sie sah nach all den Wochen endlich mal wieder etwas fröhlicher aus, was
mich sehr freute. - Das konnte nur bedeuten, das es Sandy endlich besser ging,
was mich noch mehr freute ...
Auf der Fahrt zu Sandys Schwester wurde ich instruiert, Sandy keineswegs auf
die Geschehnisse anzusprechen und auch das mit der Kündigung bei Westlife
möglichst zu umgehen.
Wir fuhren schon seit mehr als einer Stunde, und ich fragte mich wie weit es
wohl noch wäre, als Nicky mich ansprach.
"Mark, noch was! ... Bitte nicht erschrecken, wenn wir jetzt gleich ankommen.
... Die Dimensionen sind etwas *überraschend*, ... aber du hast Sandys
Schwester ja vorher schon kennen gelernt ... und weißt, das sie eine ganz
*Normale* ist ..." versuchte er mir etwas zu erklären, doch ich verstand
eigentlich nur Bahnhof.
Bis wir keine zehn Minuten später auf ein Anwesen fuhren, das ich eher
für einen Sitz der Windsors gehalten hätte!
"Sind wir hier überhaupt richtig?" fragte ich ungläubig als wir nach
weiteren fünf Minuten vor einem riesigen, schloss-ähnlichem Gebäude
anhielten.
"Doch so schlimm?!" meinte Gina ironisch.
Ein livrierter Butler kam uns entgegen, um das Gepäck zu nehmen und ging
über eine imposante Treppe voraus.
"Die Herrschaften erwarten Sie in der Bibliothek." stellte er die Koffer kurz
ab, um uns sofort in die "Bibliothek" zu führen.
Mein Gott, war das riesig hier ...
Er öffnete eine Flügeltür und nach dem er uns angemeldet hatte,
durften wir eintreten.
"Danke, James." erkannte ich Anna-Maria wieder und begrüßte sie etwas
schüchtern.
"Hallo Mark!" nahm sie mich aber gleich in den Arm und flüsterte mir noch
ins Ohr "wir sind immer noch die selben!"
Und dann erkannte ich SIE!
"Baby!" rief sie mir entgegen und hielt ihre Arme auf, in die ich mich sofort
stürzte.
"Sandy! Gott sei Dank. - Geht es dir besser?" platze ich vor Neugierde.
"Langsam, Süßer, langsam." wuschelte sie mir durch die Haare.
Oh, wie hatte ich ihren Anblick, ihre Stimme, ihren Geruch vermisst...
Sie begrüßte nun auch Nicky mit offenen Armen.
Die beiden küssten sich kurz auf den Mund, wie sie es immer getan hatten,
wenn sie sich mehr als 24 Stunden nicht gesehen hatten.
Wir setzten uns auf die Sofas, die in einem Teil des Raumes, direkt vor den
deckenhohen Fenstern, standen.
Anna-Maria in einen Sessel, Nicky und Gina auf eine und Sandy zog mich auf ihre
Couch. Sie ließ meine Hand nicht mehr los, was mich sehr beruhigte.
Sandys Schwester erklärte kurz, das es Sandy besser, viel besser ginge
und sie wieder schwimmen und reiten würde, was ihr offensichtlich sehr
gut tat.
Sandy selbst erklärte, das sie schon wieder mit Louis und Anto in Kontakt
stehen würde.
Wir tranken Tee mit dem typischen Scones dazu und unterhielten uns.
Anna-Maria entschuldigte sich dann auch schon, sie müsse die Kinder abholen.
So blieben wir zu viert zurück.
"Mark, ich wollte, das Du mit Nicky herkommst, weil ich weiß, das ich
Dir vertrauen kann. Die anderen sollen nicht erfahren, wie wir HIER ..." sie
deutete mit einer Armbewegung auf das alles um uns herum "... leben - versprichst
Du es mir?" sah ich ihren *Hundeblick*.
"Natürlich, das weißt Du doch!?" nickte ich.
"Gut!" war sie beruhigt.
Wir sprachen noch über einiges Belangloses, hauptsächlich wollte sie
wissen, wie es den anderen so ging und wie wir mit dem neuen Album voran kamen.
Nach einiger Zeit:
"James? Zeigen Sie unseren Gästen bitte Ihre Gemächer!" wies sie den
aus dem nichts aufgetauchten Butler an.
"Jawohl, Me Lady, sehr gern. - Wenn die Herren mir dann bitte folgen würden."
forderte er Nicky und mich auf.
"Ich bleib noch bei Sandy, wir sehen uns ja gleich wieder." gab Gina Nicky schnell
einen Kuss.
"Macht Euch frisch und dann kommt Ihr in den Wintergarten." sagte Sandy.
Wir folgten dem Butler in die oberen Stockwerke.
Nicky bemerkte, wie ich mich wieder verschüchtert umsah.
"Riesig, nicht wahr?" stubbste er mich in die Seite.
"Hmm." machte ich nur.
"Mr. Byrne, mit Miss Ahern, nehme ich an?" fragte der Butler höflich.
"Ja. Danke, James. - Ich hole Dich in zehn Minuten." sagte er an mich gewandt.
"Ja, gut." konnte ich nur sagen.
"Mr. Feehily, dies ist Ihr Zimmer. - Wenn Sie etwas brauchen, drücken Sie
bitte hier auf die Gegensprechanlage und nennen Ihren Wunsch. Ich bringe es
Ihnen dann umgehend. - Einen angenehmen Aufenthalt wünsche ich Ihnen."
Und schon war er verschwunden.
Das Zimmer war riesig! Und das Bett hätte für drei oder vier Erwachsene
gereicht, selbst mit Brian darin ... Brian! - Shane! - Kian!
Ich schnappte mir mein Handy und rief Shane an.
"Filan." meldete er sich.
"Shay? Mark hier." während ich sprach, lief ich im Zimmer umher, packte
ein paar Klamotten aus und mein Waschzeug, das ich ins Bad bringen wollte um
mich frisch zu machen, bevor mich Nicky wieder einsammelte.
"Mark! Gut angekommen? - Wie geht es unserem Mädchen? - Geht es Ihr wirklich
schon besser?" er hörte schon gar nicht mehr auf.
Da hörte ich plötzlich Kian auf der anderen Leitung (er hatte Shane
wohl einfach das Handy abgenommen).
"Mark! Wie geht es IHR?" das war ja eine Begrüßung!
"Kian! Danke, wir sind gut angekommen. - Es geht ihr wirklich besser. - Sogar
schon wieder richtig gut, auf den ersten Blick jedenfalls. - Aber wir werden
sehen, was sich in den nächsten Tagen zeigt." wollte ich nicht über-positiv
sein.
Am anderen Ende der Leitung konnte ich Kian seufzen hören.
"Alles klar, Ki?" fragte ich besorgt.
"Ja, ... JETZT ja! - Sag mal bist Du in einer Halle oder warum klingst Du so
komisch?" war er schon wieder der Alte.
In der Zwischenzeit hatte ich mein Zeug ins Bad gebracht und da auch das riesig
war, hallte es ganz schön.
"Ähm, so ähnlich." Es klopfte, doch ohne eine Antwort abzuwarten,
war Nicky schon im Zimmer. Ich hielt die Hand vor’s Handy und flüsterte
nur "Kian"
Und dann wieder zu Kian "Ki? Ich muss jetzt Schluss machen, ich melde mich morgen
wieder, ja?"
"Okay, aber grüß SIE von ... uns allen, ja?" es hörte sich merkwürdig
an ...
"Mach ich, versprochen. Bye." legte ich auf.
"Und?" nickte Nicky nur auf das Handy.
"Was wohl?" zuckte ich die Schultern.
Wir gingen hinunter.
Nicky kannte sich hier wohl sehr gut aus, denn wir waren in Null-Komma-Nix in
einem riesigen Wintergarten, dessen Sitzgruppe genauso groß war, wie die
in der Bibliothek.
Gina und Sandy warteten schon, in Wolldecken eingemummelt, auf uns.
Nicky schlüpfte zu Gina und ich ging zu Sandy, die mich hinter sich dirigierte
und sich dann an mich schmiegte, wobei sie darauf achtete, das ich auch gut
unter der Decke verstaut war.
Wir redeten wieder über belangloses Zeug und sahen uns dann schweigend
den Sonnenuntergang an.
Unbewusst hatte ich Sandy immer enger an mich gezogen, doch sie kuschelte sich
einfach immer enger an mich.
Mir kamen die Erinnerungen in den Sinn, wie sie mich gehalten hatte, als ich
diese blöde Magen-Darm-Geschichte gehabt hatte ...
Aus Shanes Sicht:
Nach dem Anruf von Mark hatte sich Kian etwas beruhigt.
Er war über-empfindlich seit Nicky uns die Nachricht von seiner und Marks
Einladung zu Sandy erzählt hatte.
Ich verstand Kian nicht, - er sollte sich doch, wie wir alle, freuen, das es
Sandy endlich besser ging?!
Jetzt ging er schon wieder Brian and den Kragen - wegen NICHTS!
"EGAN!!! Es reicht mir jetzt mit Dir! - Krieg dich wieder ein!" packte ich ihn
am Kragen und verfrachtet ihn unsanft in den Garten.
"Hast Du sie noch alle, Filan? - Was mischt DU Dich denn ein? - Kümmere
Dich gefälligst um Deinen Kram!" wollte er schon wieder an mir vorbei ins
Haus.
Mit aller Kraft stemmte ich mich ihm entgegen und er prallte rückwärts
auf die Terrasse.
Erst saß er ungläubig auf seinem Hinterteil, dann schüttelte
er nur den Kopf und als er mir wieder ins Gesicht sehen konnte, da lachte er
dreckig.
"Was ... was ist denn jetzt so komisch, Egan?" wurde ich erst richtig wütend.
"Fällt Euch eigentlich keine andere Methode ein, um mich wieder auf den
Boden zu holen?" lachte er nur noch mehr.
Ich konnte ihm beim besten Willen nicht folgen, aber wütend war ich jetzt
nicht mehr, nur furchtbar neugierig ...
"Erklärst Du mir DAS jetzt mal oder soll ich unwissend sterben?" fragte
ich.
Bei dem Wort *Sterben* gefror sein Gesicht sofort zu Eis.
Es war irgendwie ein Tabu-Wort geworden.
Nach einigen qualvollen Minuten des Schweigens, währenddessen ich mich
zu ihm auf den Boden gesetzt hatte, kam es aus Kian herausgebrochen.
"Warum Mark?"
"Was, warum Mark?" war ich verwirrt.
"Warum hat SIE Mark eingeladen?" fragte er mit einem Zittern in der Stimme.
"Sandy?" fragte ich noch etwas ungläubig.
"Die Queen! - Natürlich Sandy." er betonte ihren Namen anders als früher,
das ließ mich aufhorchen.
"Du hast doch Anto gehört - er sei ihr Baby - hat er Dir diese Frage schon
beantwortet." mir fiel nichts besseres ein, ich wusste es doch auch nicht ...
"Und was bedeutet das - *Baby*?" bohrte Kian weiter. "Läuft da etwa was
zwischen den Beiden, wovon ich nichts weiß?" sein Blick war finster ...
"Na wenn dann wissen Brian und ich aber auch nichts!" gab ich zu.
"Brian weiß doch sonst immer alles!" sprang er auf und rannte ins Haus
zurück.
Schnell lief ich hinter her.
Bei Brian fand ich ihn dann auch wieder.
" ... sag mir, was du weißt!" brüllte Kian Brian an.
Hilfesuchend blickte Brian zu mir. "Was will er denn jetzt schon wieder?" er
verstand nur Bahnhof.
"Kian! Kian?" rüttelte ich an seinen Schultern.
Er drehte sich um 180 Grad und ich sah grade noch wie ihm die Tränen in
die Augen schossen, bevor er wieder fluchtartig das Zimmer verließ.
"Shay? Kannst Du mich jetzt bitte mal aufklären, was mit dem bescheuerten
Kerl eigentlich los ist? - Der benimmt sich ja wie ein eifersüchtiger Hahn!"
stand Brian jetzt vor mir, ich blickte immer noch durch die offene Tür.
Es traf mich wie ein Blitz!
"Brian! Du hast es erfasst! Jetzt weiß ich was hier los ist!" umarmte
ich ihn stürmisch.
"Kian? - In WEN denn? - Jetzt sag nicht ... NEIN ... nicht in unseren *Engel*?"
langsam dämmerte es auch unserem McFadden.
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Es war Sonntagabend und Shane telefonierte seit über einer Stunde mit Nicky,
der ihm erklärte, das Kian sich ihm nur sehr widerwillig anvertraut hatte,
nachdem Shane von dem tobenden Kian und seinem eigenen Geistesblitz erzählt
hatte.
Als Nicky aufgelegt hatte, grübelte er noch etwa eine halbe Stunde vor
sich hin, bis Gina zu ihm kam und ihm einfach nur die Arme um die Hüften
legte.
"Geo? Kannst Du mit Mark einen Spatziergang machen? - Ich muss was mit Sandy
besprechen. - Ich glaube, das Kian hier sehr bald auftaucht, wenn wir sie nicht
vorher nach London zurück schaffen ..." grinste er schief.
Gina sah ihn an. "War ja auch nur eine Frage der Zeit, oder?" grinste sie zurück.
Gina ging also mit Mark spazieren und Nicky fand Sandy in eine Decke eingewickelt
in der hintersten Ecke des Wintergarten, von wo aus man einen wahnsinns Blick
übers Meer hatte.
"Na, meine Hübsche? - So alleine?" neckte er sie.
Sie schlug die Decke ein Stück auf und er schlüpfte hinter sie, nahm
sie in den Arm und sie schloss die Decke wieder.
Er zog sie an sich und sie legte ihren Kopf an seine Schulter, so das sie das
Gesicht des anderen noch aus den Augenwinkeln sehen konnten.
"Was gibt es denn ... das Gina Mark entführen musste?" hatte sie das Arrangement
durchschaut.
"Fühlst Du Dich fit genug, mit uns zurück zu kommen?" fragte Nicky
ohne Umschweife. Er wusste das sie es hasste, wenn jemand um den heißen
Brei redete.
"Warum? - Was ist denn los?" fragte sie ganz ruhig.
"Wenn Du hier nicht noch mehr Besuch haben möchtest, sollten wir dort sein,
bevor er aufbricht." stellte Nicky nüchtern fest.
"Hmm, ... so ist das also ..." blickte sie aufs Meer.
"Du hast es geahnt, oder?" fragte Nicky jetzt verblüfft.
"Nein, aber gehofft. - Hätte ich sonst Mark eingeladen ..."
"... und ihn bei Anto als Dein *Baby* bezeichnet?" beendete er den Satz lächelnd.
"Es war ein Versuch, ... ich wollte wissen, ob ich das im Krankenhaus nicht
nur geträumt hatte ..." erklärte sie kurz, doch er verstand.
Am nächsten Morgen brachen sie zu viert recht früh auf.
Daniel parkte den abgedunkelten Van vor dem Haus in London.
Mark, Nicky und Gina betraten das Haus und wurden von Brian und Shane herzlich
begrüßt.
"Ihr wolltet doch erst heute Abend zurück kommen?" fragte Brian.
"Wo ist Kian?" fragte Mark.
"In seinem Zimmer ... seit gestern." antwortete Shane nur Schulter zuckend.
Mark schrie "KIIIAAAAN?!" Keine Reaktion.
"Du bist zu leise, Kleiner." schüttelte Brian den Kopf, ging auf die Treppe
und ließ eine Brüller los, den man wahrscheinlich noch in Birmingham
gehört hat...
Kian kam mit einer Reisetasche in der Hand die Treppe runter, ließ diese
aber fallen als er Mark, Nicky und Gina erblickte.
"Was macht Ihr denn schon hier? - Ihr wolltet doch erst heute Abend wieder kommen?!"
Sie begrüßten sich.
"Wo wolltest Du denn hin?" fragte Nicky mit einer Kopfbewegung in Richtung der
fallengelassenen Reisetasche.
"Äh, ... ich muss was klären ... ist Dan noch da?" stammelte Kian
vor sich hin.
"Nein Dan, hat sich frei genommen, ... aber der Van steht noch vor der Tür
und der Schlüssel steckt bestimmt noch. - Leih ihn Dir doch - scheint ja
was wichtiges zu sein ..." sah Gina ihn fest an.
"Ja, sehr wichtig! - bis bald, ... ich meld mich!" stürmte er mit seiner
Tasche aus der Tür.
"Das war richtig gut ..." nahm Nicky Gina in den Arm und beide lachten.
Jetzt konnte auch Mark nicht mehr an sich halten.
Sie mussten nun auch Brian und Shane einweihen.
Kian sprang hinters Steuer und fuhr schon Richtung Flughafen, als er kurz vor
dem Tor bemerkte, daß das Auto nicht so leer war, wie er angenommen hatte.
Die Bremsen quietschten und er drehte sich um, um zu sehen, was da in der letzten
Sitzreihe quer lag.
Als er noch nichts erkennen konnte, kletterte er zornig nach hinten.
Der Zorn wich der Überraschung als er die caramel-blonden Haare erkannte
und kurz darauf in ein paar blaue Augen sah.
"Sandy?!" fragte er ungläubig.
"Jeap." sah sie ihn spitzbübig an.
"Was tust Du hier?" ließ er sich rückwärts auf den Sitz in der
zweiten Reihe fallen.
"Och, ich wollte mal fragen, ob die hier noch eine PA brauchen." genoss sie
es sichtlich.
"Was? ... Wieso? ... Kommst Du ... bist Du zurück?" stotterte er rum.
"Ach Kian, wer soll sich denn um Euch kümmern, wenn ich es nicht tue?"
seufzte sie. "Wo wolltest Du überhaupt, einfach so, hin? - Habt Ihr nicht
noch Termine im Studio?" fragte sie ganz ruhig.
"Termine? ... Studio? ..." er war total durcheinander.
"Also, Mr. Egan, wo wollten Sie hin?" fragte sie in einem vorwurfsvolleren Ton,
der schwer nach Anto klang.
"... zu Dir ..." kam es ganz leise, doch sie hatte es gehört.
"Wozu? Ich bin doch hier!?" fragte sie immer noch ganz ruhig und gelassen.
Er fasste sich ein Herz und sprach alles, was ihm auf der Seele brannte, aus.
"So, so." musste sie sich ein Grinsen schwer verkneifen.
Sekunden des Schweigens verstrichen ...
"Sag was!" meinte Kian langsam ungeduldig.
"Was denn?" fragte sie unschuldig.
"Irgendwas!" wurde Kian lauter.
"Komm mal her zu mir." deutete sie auf den Sitz direkt neben sich.
Er zögerte kurz, dann tat er es. Sie packte ihn am Kragen und zog ihn dicht
an sich ran ... dann küsste sie ihn.
Als er endlich begriff, was geschah, packte er sie bei den Hüften und zog
sie zu sich auf den Schoß und der Kuss wurde leidenschaftlicher, inniger.
Ihre Zungen liebkosten einander und er schloss seine Arme um sie und ihre umschlangen
seine Hals. Sie kraulte seinen Nacken und er drückte sie fester an sich.
Nach einigen Minuten brauchten beide eine Pause ...
"Endlich!" entfuhr es Kian.
"Nett, Mr. Egan." knuffte sie ihn gegen den Brustkorb.
"Hey! - Das tut weh." war er - gespielt - empört.
"Weich-Ei." küsste sie ihn gleich wieder.
"Komm. Wir fahren zurück zu den anderen. - Die drücken sich ja schon
die Nasen platt - sieh mal!" deutete sie auf die Fenster neben der Haustür.
"Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so froh, das dieses Auto verdunkelte
Scheiben hat ..." grinste er zufrieden und küsste sie noch einmal.
Dann klemmte er sich hinters Steuer und sie sich auf den Beifahrersitz.
Beide lächelten so vor sich hin, als sie zum Haus zurückfuhren.
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Die Jungs waren zu einem Termin mit Louis,
Gina zurück nach Dublin,
Gilian sollte erst gegen Nachmittag landen, wo Shane sie einsammeln würde.
Louis und Anto wollten Sandy nicht gleich wieder voll einspannen (nach dem die
Jungs ihnen gedroht hatten!).
Sandy hatte die Hütte also - endlich mal - ein paar Stunden für sich.
Sie packte den CD-Wechsler voll mit ihren Lieblings-CDs, schmiss das Teil an,
drehte die Lautstärke bis zum Ende, ging in ihr Zimmer, tauschte Jeans
und T-Shirt gegen einen, etwas knappen, Bikini und schnappte sich ein großes
Badetuch auf dem Weg ins Schwimmbad, im Souterrain.
Selbst unter Wasser hörte sie die Musik noch. Sie konnte so richtig spüren,
wie die Bässe das Wasser beben ließen.
Zwischendurch kam sie aus dem Wasser, rockte und ließ ihre nassen Haare
beim Headbangen schwingen - kurz: sie tobte sich aus.
Sie hatte die Zeit total vergessen und stand grade auf dem Sprungbrett um wieder
ins Wasser zu springen, als sie plötzlich die Jungs in der Türe stehen
sah, allen voran Kian und Brian, die mit offenen Mündern starrten.
"Hi Boys!" sprach’s und machte einen *perfekten* Sprung ins Wasser, so das das
Wasser nur so spritzte und die Jungs auch etwas abbekamen.
Als Sandy wieder auftauchte, kniete Kian direkt vor ihr am Rand, um sie zu begrüßen,
doch ehe er sie küssen konnte, packte sie ihn und zog ihn zu sich ins Wasser.
Brian packte Nicky und schon waren auch die beiden im Wasser.
Die Wasserschlacht war eröffnet.
Die männlichen Schwimmer versuchten sich ihrer nassen Hosen und Oberteile
zu entledigen.
Kians Jeans klebte wie fest-getackert ... "Shit!" fluchte er.
"Laß mich mal ..." meinte Sandy, fasst mit beiden Händen hinterrücks
in seine Jeans, zog dabei die Hose etwas runter bevor sie für den Rest
unter Wasser tauchte.
"Pffffffff ..." machte Kian nur noch, als sie mit seiner Hose in der Hand wieder
auftauchte.
"Hey! - Und wer hilft mir?" setzte Brian seinen *Hundeblick* auf.
"Sorry, Kerry ist nicht da ..." zuckte Kian die Schultern und griff nach seinem
Mädchen, das er dann sehr eng an sich zog, um sie endlich zu küssen.
Nicky packte Brian am Nacken und meinte nur "wir gehen uns mal trocknen" und
als Brian ihn nur fragend ansah, nickte Nicky in Richtung des Pärchens.
"Die wären jetzt wohl lieber alleine." Was absolut den Tatsachen entsprach...
Als die Jungs gegangen waren flogen auch die restlichen Wäschestücke
aus dem Pool ...
Kians Geburtstag stand also an.
"Jungs! Was machen wir? - Vorschläge, meine Herrschaften!" hatte Sandy
alle (außer natürlich Kian) zusammen in das größere Büro
getrommelt.
Anto hatte Kian für "wichtige, geschäftliche Angelegenheiten" abgeholt.
Um es mal wieder kurz zu machen:
Sie einigten sich darauf, eine Rennstrecke zu mieten und dort ein Rennen gegen
einander zufahren.
Sandy telefonierte ein paar mal, unter anderem mit Louis, der nach einigem Zögern
sogar zustimmte ... und schon war alles ins Rollen gebracht.
Sandy hatte die Nacht zu seinem Geburtstag bei Kian im Bett verbracht und schlich
sich nun heimlich in ihr Zimmer zurück.
Sie duschte und wühlte gerade noch in ihrem Kleiderschrank, als Nicky schon
hinter ihr stand. "Morgen, Hübsche. - Na, muss Nixter Dir etwa helfen?"
zog er schon das neue Kleid, das beide zusammen vor einer Woche gekauft hatten,
aus dem Schrank. Er ging zur Kommode und zauberte eine Schachtel hervor, die
Sandy nicht kannte.
"Was ist das denn?" fragte sie verblüfft.
"Mein Geschenk - für Kian!" grinste Nicky frech, gab sie aber Sandy.
Sie öffnete die Schachtel und hielt ein Wäsche-Set in Händen,
das perfekter nicht unter das neue Kleid hätte passen können.
"Nico! - Woher ..." fing sie an.
"Gina!" sagten dann aber beide gleichzeitig und fielen sich lachend in die Arme.
"Jetzt aber raus hier, sonst ist Ki wach, bevor ich wieder bei ihm bin." drückte
sie Nicky zur Tür. "Ich geh Dir in der Zeit zwei Kaffee machen und bring
sie Dir." ging er freiwillig.
- Es war Tradition geworden, das Sandy jedes Geburtstagskind mit einem Becher
Kaffee weckte und dann alle zusammen frühstückten, die Geschenke übergaben
und dann gemeinsam gefeiert wurde ... -
So auch an diesem Tag...
Nachmittags dann auf der Rennstrecke:
Sie bekamen die Autos zwar auch gestellt, doch der Ehrgeiz einiger Herrschaften,
ließ diese mit dem eigenen Auto starten.
Mark kam mit seinem Auto und Kian natürlich mit seinem neuen Porsche Carrera
S. Sandy kam mit einem tiefschwarzen 911 Porsche Targa an den Start, den keiner
von den anderen jemals vorher zu sehen bekommen hatte, und so staunten sie nicht
schlecht. Da das Rennen jedoch jederzeit starten sollte, konnten sie Sandy aber
auch nichts mehr fragen.
Und los ging’s!
Sandy hatte mit über einer Minute Vorsprung das Rennen gewonnen.
Kian wusste, genauso wenig wie die anderen, woher sie SO fahren konnte, doch
sie wich seiner Frage danach jedes Mal aus und so ließ er es irgendwann
einfach.
Als Sandy ihm den Pokal schenkte und ihn vor der versammelten Mannschaft küsste,
war Kian einfach nur der glücklichste Mann auf Erden.
***************************************************************
Kian und Sandy waren für einige Tage in Sligo bei Kians Eltern und seinen
Geschwistern.
Patricia und Sandy waren in der Küche, als Marielle mit einem klingelnden
Handy in die Küche stürzte.
"Sandy! Deins!"
"Shit! Wer ist das denn jetzt? - Roth?" meldete sie sich.
"..."
"Wer? ... Josie?!" es war kein Wort zu verstehen.
"Gib mir sofort Franksy! - Mach schon!" schrie Sandy jetzt ins Telefon.
"Franksy?! ...Was? ... Wo? ... Wann? ... Wie lange schon?"
Sandy versuchte zur Küchentür raus in den Garten zu kommen.
Kaum war sie draußen, stand Kian neben ihr, er hatte sie schreien hören.
Sandy telefonierte weiter.
"... Yeah, ... Aha, ..."
Kian nahm ihre Hand und drückte sie, er wusste zwar nicht, was los war,
aber er wollte ihr zu verstehen geben, das er bei ihr war.
"Oh, Franksy? - Kian kommt natürlich mit!" Sandy beendete das Gespräch
und fiel dann in Kians Arme. "Okay Baby, ... was ist los?" fragte er endlich.
"Wir müssen weg!" brachte sie schwer hervor. "Komm schon!" riss sie ihn
mit.
Sie packten in windeseile, verabschiedeten sich und schon saß Sandy am
Steuer von Kians Porsche. Kian wurde immer mulmiger. Sie fuhr selten seinen
Wagen, sie fuhr zwar verdammt gut, aber sie ließ lieber ihn fahren.
Sie schaffte die Strecke von Sligo nach Dublin in nicht mal 1 ½ Stunden,
er selbst hatte es nie unter knapp 2 Stunden geschafft. Während der Fahrt
sprachen sie daher kein Wort.
Am Flughafen waren schon zwei Tickets auf "Roth" hinterlegt und sie erreichten
die Maschine noch rechtzeitig.
Erschöpft ließen sich beide in die Sitze fallen.
London; raus aus dem Airport; rein in einen abgedunkelten Bentley.
Kian schwante - seit dem er den Bentley gesehen hatte - nichts gutes.
Er fragte aber lieber nicht.
Nächster Halt, Krankenhaus.
Der Wagen hielt. Sandy war schon fast draußen, fragte einen großen,
hageren Mann, mittleren Alters nur "Wo?" der ihr dann den Weg erklärte
und sie beide durch die Sicherheitsschleuse bugsierte.
Sie trafen auf eine junge Frau, die total verstört und einem Nervenzusammenbruch
nahe schien.
"Kian? ... Kümmere Dich um Josie, ... bitte." bat Sandy ihn mit einem Kopfnicken
in die Richtung der jungen Frau, die eher in seinem Alter zu sein schien.
Sandy verschwand mit dem hageren Mann, den sie Franksy nannte, hinter einer
schweren Tür, auf der "Intensivstation" geschrieben stand.
Sandy begleitete Franksy zu einem der hinteren Zimmer.
Sie versucht jetzt seit etwas mehr als drei Stunden, das alles zu verdauen und
trotzdem einen klaren Kopf zu bewahren.
Sie war nur froh, das Kian dabei war und sie nicht mit Fragen bedrängte.
Sie wusste das er nicht besonders gut auf Rob zu sprechen war,
aber hier ging es um das Leben eines Menschen ...
Sie erreichten das Bett und Franksy sagte zur Schwester "Sie gehört zur
Familie" die daraufhin das Zimmer verließ.
"Was hat er genommen und wie viel?" wollte Sandy von Franksy wissen.
"Extasy, keine Ahnung wie viel." antwortete er ihr.
"Warum ist er nicht wieder auf Koks?" fragte sie kopfschüttelnd wohl mehr
sich selbst, als den Mann neben sich.
Der Arzt kam zu ihnen. "Mrs. Williams?" wandte er sich an Sandy.
"Roth." schüttelte sie den Kopf.
"Auch gut. - Er hat eine Nierenvergiftung, wir mussten sie spülen. - Er
ist jetzt noch in Narkose und wird wohl erst in einigen Stunden aufwachen."
"Kommt er durch?" war alles was sie so grade zustande brachte.
"Wir werden es im Laufe des morgigen Tages sagen können. - Tut mir leid."
gab er ihr noch die Hand bevor er wieder ging.
Seit dem sie das Zimmer betreten hatte hielt sie Robs Hand. Jetzt lief ihr eine
einzelne Träne über die Wange. Franksy legte ihr die Hand auf die
Schulter und Sandy kam wieder in der Realität und Gegenwart an.
"Franksy, geh und kümmere Dich um Josie... und erklär’s Kian." bat
sie ihn.
"Mach ich. - Und du?" er ertrug es nicht sie so zu sehen, die beiden Menschen,
die er so lieb hatte und die schon so viel Leid hatten ertragen müssen.
"Hol Fil!" gab sie nur von sich.
Nach etwa einer halben Stunde stand auch Fil, neben Sandy, an Robs Bett.
Fil nahm Sandy ganz vorsichtig in den Arm, doch sie ließ sich sofort hinein
sinken. Sie weinte nicht, doch spürte er, das sie am ganzen Körper
zitterte.
Beide hatten eine solche Situation schon zweimal mit gemacht, einmal mit Rob
und einmal vor sehr, sehr langer Zeit, als sie grade Teenager waren ...
Kian wurde langsam nervös.
Es war eine Stunde vergangen, als ein sehr dünner Mann, etwa in Sandys
Alter, ebenfalls hinter der schweren Türe verschwunden war.
Kian hatte versucht sich um diese Josie zu kümmern, doch als Franksy zurück
gekommen war, hatte er sie zu einem der Ärzte gebracht und war dann wieder
zu ihm zu kommen.
Franksy hatte sehr ruhig und sachlich erklärt, das Sandy ihn gebeten hatte,
Kian zu erklären, was hier eigentlich los war.
Das es sich unschwer um Robbie handelte war ihm natürlich, seit dem Flughafen,
nicht verborgen geblieben.
Er spürte wieder diese Wut im Bauch - wie jedes Mal, wenn auch nur der
Name in Sandys und seiner Gegenwart erwähnt wurde, was ja nicht oft vorkam.
Jedoch als Kian hörte, das Robbie mit dem Leben rang - auch wenn er sich
das selbst angetan hatte - konnte er doch verstehen, warum Sandy hier war.
Und er betrachtete es als sehr großen Vertrauensbeweis, das sie ihn dabei
haben wollte.
In den folgenden Stunden, kam Sandy für ca. eine halbe Stunde raus.
Sandy stellte Kian den sehr dünnen Mann mit den Worten vor "Fil Eisler,
ein sehr guter Freund von mir. Wir kennen uns seit wir laufen können."
Kian hatte sie nur in den Arm nehmen können, denn er wusste nicht was er
sonst noch hätte für sie tun können.
Fil hatte Kaffee geholt und sie saßen schweigend zusammen.
Dann stand Sandy wortlos wieder auf und ging zurück hinter diese schwere
Türe.
Fil blieb bei Kian.
"Sie muss Dich verdammt lieben, das sie Dich mit her bringt ..." fing Fil an.
"Das hoffe ich doch!? - Warum?" fragte Kian etwas verwundert.
"Was weißt Du über ihre Familie? Ihre Eltern?" fragte Fil nur.
"Ihre Schwester, mit den Kindern, und ihren Bruder habe ich kennengelernt. Ihre
Mutter ist bei Sandys Geburt gestorben und ihr Vater ist auch tot." gab er Antwort.
"In einer solchen Situation konnte sie sonst noch nicht mal ihre Geschwister
in der Nähe haben." meinte Fil sehr sachlich.
"Wieso? - Ist so was schon mal passiert?" wollte Kian sofort wissen.
"Ja." antwortete Fil nach einem tiefen Seufzer.
"Schon mal mit Rob ... und mit ihrem Vater." fasste Fil sich aber sehr kurz.
"Ihr Vater?" Kian war schockiert.
"Er hat es nicht geschafft." war alles was er dazu sagte.
"Mein Gott, bleibt ihr denn gar nichts erspart?" schickte Kian ein Stoßgebet
gen Himmel. "Sie hatte sich gerade erst wieder erholt und gefangen - und jetzt
das! Wie wird sie bloß damit fertig werden?" Kian hatte Angst um sein
Freundin.
Nach mehr als acht Stunden kam Sandy endlich mit der Nachricht, das Rob über
den Berg wäre.
Nachdem alle erleichtert waren, konnte Kian sie - mit Fils Hilfe - dazu bewegen,
in das Haus in London zu fahren und dort ersteinmal auszuruhen.
"Fil, Du bleibst dann aber auch bei uns, ja?" ihr Blick flehte ihn an und er
tat worum sie ihn bat.
So fuhren sie zu dritt ins Haus.
Kaum angekommen, organisierte Sandy schon wieder "Fil, Du nimmst mein Zimmer
- ich schlaf dann bei Kian." sie ging die Treppe rauf und die beiden Männer
folgten ihr. Oben ging Fil ohne zu zögern in Sandys Zimmer und Kian wunderte
sich, woher er hätte wissen können, welches ihres ist.
Als er Sandy in sein eigenes Zimmer folgte, stand seine Freundin schon unter
der Dusche. Er schob also erst mal Sandys Koffer vom Bett und packte auch seinen
Koffer nur kurz aus.
Kian sah durch die offene Badezimmertür wie Sandy aus der Dusche kam -
sie war nie sehr lange im Bad, - es sei denn er hielt sie dort auf ...
Mit den nassen Haaren sah sie so zerbrechlich aus, fast wie in dem Krankenbett,
wo er ihr seine Gefühle gestanden hatte und gedacht hat, sie würde
noch schlafen. Doch wie sie ihm später erzählt hatte, hatte sie jedes
Wort verstanden und gedacht sie hätte geträumt.
Das alles war noch kein Jahr her - aber was ist schon ein Jahr im Leben einer
erfolgreichen Band? In einem Jahr passierte so viel ... Manchmal kam er ja selber
kaum noch mit!
"Kian? - Du kannst jetzt duschen!" - er war mit seinen Gedanken ganz wo anders
und hörte sie nicht.
"Ki? - Honey?" sie setzte sich neben ihn aufs Bett und legte ihre Hand auf seine.
"Was? - Äh, hallo Liebes. - Schon fertig?" schreckte er aus seinen Gedanken
auf.
"Was ist los?" sah sie ihn fragend an. "Bist du böse ... auf mich?" fragte
sie vorsichtig.
"Böse? - Auf Dich? - Wieso denn?" fragte er nun total verwirrt.
"Weil ich Dir nicht gesagt hab, das es um Robert geht." gab sie zaghaft zu -
sie wusste, das Kian Robert hasste.
"Nein, Liebes! - Wenn ich Dir doch nur irgendwie helfen könnte ..." zog
er sie zärtlich an sich.
Nach dem auch er geduscht hatte, schliefen beide eng umschlungen ein.
Kian erwachte am folgenden Morgen alleine in seinem Bett, was ihm gar nicht
schmeckte - er genoss es jedes Mal seine Freundin morgens noch mal nur für
sich zu haben ...
Muffelig stand er auf, duschte wieder, zog seine Jeans und ein frisches Shirt
über und machte sich auf den Weg in die Küche.
Sandy saß auf der Küchentheke, mit dem Gesicht zum Fenster und dem
Rücken zur Treppe. Fil stand ihr gegenüber und sie waren in ein leises
Gespräch vertieft. Als Kian näher kam, nickte Fil nur in seine Richtung.
Sandy drehte sich um, sprang von der Theke ging zur Kaffeemaschine, nahm einen
Becher und goss ein, während Kian zu ihr kam, sie flüchtig küsste
und Fil die Hand gab.
Fil wollte noch mal ins Krankenhaus und von dort wieder zu seiner Arbeit. So
verabschiedeten sie sich und Sandy brachte ihn zum Taxi.
Als sie wieder rein kam, saß Kian am Fenster und starrte in den Garten.
Sandy setzte sich hinter ihn und legte ihm die Arme um den Bauch, wobei sie
ihr Kinn auf seiner Schulter legte.
"Danke." meinte sie nach einer Weile, in der keiner von ihnen gesprochen hatte.
"Wofür?" fragte er verwundert.
"Dafür, das es Dich gibt; dafür, das ich bei Dir sein kann; dafür,
das Du gestern so warst, wie Du es warst." seufzte sie.
"Punkt 1, musst Du Dich an meine Eltern wenden; Punkt 2, danke ich Dir, das
ich bei Dir sein kann; Punkt 3, ich tu doch alles für Dich, weißt
Du das denn nicht? Und Punkt 4, ..." "Ich hatte nur 3!?" "... ich lieb Dich."
lächelte Kian seine Sandy an. Er hatte sich aus ihrer Umarmung befreit
und zu ihr gedreht, jetzt nahm er sie auf seinen Schoß und küsste
sie.
Sie erwiderte seinen Kuss und sie wurden immer leidenschaftlicher.
Er packte sie mit einem Arm an der Hüfte und den anderen schob er unter
ihre Kniekehlen, dann stand er auf und trug sie in sein Zimmer, auf sein Bett.
Sie liebten einander zärtlich ...
***************************************************************
Kian hatte sich nach der "World Of Our Own" - Tour von Sandy getrennt, doch
waren sie in Frieden auseinander gegangen.
Los Angeles, 2002:
Die Band und ihr Tross waren in L.A. für Video und DVD Drehs.
Die Jungs hatten am Vorabend gut gebechert und kamen, dementsprechend, verkatert
am Set an. Die Stylisten waren schon in vollem Gange, während Anto und
Sandy etwas abseits standen und diskutierten. Sie wurden mal wieder von Sandys
Handy unterbrochen.
"Roth." meldete sie sich, doch sie verschwand direkt in eins der angrenzenden
Zimmer, wo sie alleine sein konnte. Es war Josie Cliff.
"Ja, Josie, ja ... kenne ich ... wann denn? ... Aha hmm, ... ja bis dann, Kleines."
Das Telefonat war beendet und Sandys Laune besserte sich zusehends.
Josie hatte ihr gerade gesagt, das Rob sich nach Sandy erkundigt hatte und wie
der Frauenabend gestern gewesen wäre... gesehen hatten er sie aber nicht.
Doch jetzt wollte Rob sie unbedingt sehen.
Die beiden hatten in den letzten Jahren nur einen sehr lockeren Kontakt gehalten,
doch sprang Sandys Herz jetzt wild, als sie an das Treffen heute Abend dachte.
Sie freute sich sehr ihren Ex-Freund zu treffen ...
Sie kam zurück zu den anderen, die endlich fertig gestylt waren und nun
zum Set mussten. Brian bemerkte ihr süffisantes Lächeln und nahm sie
zur Seite.
"Was macht Dich so glücklich?" fragte er ohne umschweife.
Brian war in letzter Zeit viel mit Sandy zusammen gewesen; wenn er Kerry und
Molly vermisste oder die beiden Eheleute Streit gehabt hatten; oder einfach
nur um nicht alleine zu sein. Brian vertraute Sandy und umgekehrt. Seit sie
sich kennengelernt hatten verband sie ein Band der Vertrautheit und Freundschaft.
"Mmmm, ... ich habe ... heute Abend ... ein Date ..." brummte sie grinsend vor
sich hin. Brian blickte sie erst geschockt, dann erfreut an. "Ist nicht war?
- Er will Dich sehen? - Ich wusste es, Dir kann man doch nicht widerstehen ..."
fiel er ihr um den Hals. "Sieht so aus!" lachte sie nun laut, worauf alle umstehenden
sie fragend ansahen. Sie wurde rot und sah Brian mit dem Kein-Wort-zu-niemandem-Blick
an und er nickte nur, ließ sie runter und küsste sie schnell noch
auf die Wange.
Sie gingen dann schnell zur Tagesordnung über.
Am folgenden Morgen schlug Shane eine der rumliegenden Zeitungen auf, die am
Frühstückstisch lagen.
"WAAAS ...?" weiter kam er nicht, denn was er da erblickte wollte er nicht glauben.
"Wo ist Sandy?" schrie er aufgebracht.
"Wieso? - Lass die Frau doch auch mal länger schlafen ..." gähnte
Mark ihm nur gelangweilt entgegen.
"Shane, wann hörst Du endlich auf, Dich wegen irgendwelcher Zeitungsmeldungen
aufzuregen?" fragte Kian genervt.
Nicky betrat gerade erst mit Brian zusammen den Raum.
Shane stürmte aus dem Zimmer und drückte Brian die Zeitung in die
Hand.
Brian sah sich die Zeitung an, wechselte die Gesichtsfarbe und schoss hinter
Shane her, nicht ohne die Zeitung Nicky vor die Brust zu drücken.
Als auch der einen Blick darauf warf, musste er sich erst mal setzen und fingerte
schon nach seinem Handy. Nach dem wohl jemand abgehoben hatte, verließ
auch er den Raum.
Die Zeitung nahm er mit, womit er Mark und Kian nur ratlos zurück ließ.
In Sandys Zimmer, das Shane und Brian gestürmt hatten, fauchte Shane gerade
Sandy an. "Was hast Du zu Deiner Verteidigung zu sagen?"
Nicky kam dazu und alle drei sahen Sandy erwartungsvoll an.
Diese blickte jedoch ziemlich gelassen in die Runde, während sie ihre Jeans
und ein T-Shirt überzog.
"Warum sollte ich mich verteidigen? - Ich bin nicht Euer Eigentum, sondern eine
erwachsene Frau von 29 Jahren und habe mal das getan, was IHR sonst immer tut!
- Wollt Ihr mir das wirklich zum Vorwurf machen? Oder ist es die Tatsache, das
ich ein Privatleben habe, das Euch NICHTS angeht!?" fragte sie die drei Männer
in ihrem Hotelzimmer.
"Du weißt genau, warum wir uns so aufregen ..." meinte Brian ruhiger.
Und Nicky ergänzte "Wir haben Angst um Dich!" mit zittriger Stimme.
Sandy ging zu Nicky und nahm ihn in die Arme. "Nixter, ich passe schon auf mich
auf, ich verspreche es Dir!" wollte sie ihn beruhigen.
Jetzt standen auch Kian und Mark im Zimmer, sie blickten überhaupt nicht
durch und sahen fragend von einem zum Anderen.
Kian sah die Zeitung liegen und das Foto, das ihm ins Auge stach, brachte ihn
innerlich aus der Fassung, nach außen gab er sich jedoch unberührt
(wie immer, wenn er nicht wollte, das jemand mitbekam, wie er sich fühlte).
Jetzt warf auch Mark einen Blick darauf und schon klappte er zusammen.
Alles stürzte auf Mark zu, doch Sandy war als erste bei ihm und hatte ihn
im Arm, als er kurz drauf wieder aufwachte.
"Hey, mein Kleiner! Das ist doch kein Grund einfach zusammen zu klappen!?" lächelte
sie ihn schief an.
Und den Rest fauchte sie an "War es das wert? - Musstet ihr so einen Aufstand
machen? - Raus hier, und zwar ALLE! Sofort!" brüllte sie schon. Nur Mark
hielt sie fest, bis alle draußen waren.
"So, und jetzt zu Dir. - Warum klappst Du DESWEGEN gleich um?" fragte sie ihn
ruhiger. "Ich ... es ... tut mir ..." stotterte er nur rum. Wie konnte er ihr
das denn bloß erklären?
"Na, dann bleibst Du hier solange sitzen, bis Du einen klaren Satz rausbringst!"
entschied sie.
So fing er noch mal an. "Ich weiß es nicht. - Es tut mir leid." war alles
was er zustande brachte.
Sie kam zu ihm, setzte sich neben ihn und nahm ihn in den Arm.
"Ist ja schon gut. Mir tut es auch leid, das Du ... Ihr so davon erfahren habt.
Ich wollte es Euch nach dem Frühstück beichten, aber ich wusste auch
noch nicht wie. Das hat sich ja jetzt erledigt." grinste sie schief.
"Ja, hat es wohl. - Aber warum ER?" kam es aus ihm raus gebrochen.
"Warum ich wieder mit Rob ... - Na ja, *alte Gewohnheiten* gibt man irgendwie
nie auf ... ist wie mit dem Rauchen ..." war alles was sie dazu sagte.
"Aber ..." setzte Mark an.
"Kein *Aber*, Baby. - Das ist ja nicht für immer. Du weißt doch,
wie das bei uns beiden läuft; wir sind zusammen und halten es dann doch
nicht miteinander aus oder einer ist nicht treu ... - so ist es doch jedes Mal
gewesen. - Warum sollte es also diesmal anders sein?" fragte sie eher rhetorisch.
"Komm jetzt! Wir sind spät dran und Anto wird sonst nur noch wütender
als er eh schon sein wird, wenn die anderen ihre Schandmäuler nicht halten
konnten und ihm schon alles erzählt haben ..." zog sie Mark mit sich.
Es war so wie sie es vorher gesagt hatte und der Tag wurde einfach unangenehm,
da die Stimmung extrem mies war.
Sie waren alle zurück in London, wo sie noch zwei Tage Termine hatten,
doch danach sollten alle frei haben.
Die Stimmung war zwar nicht mehr ganz so mies, und doch war nichts mehr so wie
vor dem L.A. Trip.
Die Jungs hatten sich heute Abend in zwei Gruppen geteilt, eine die im Spielzimmer
zockte und eine, die in der Lounge trank.
Sandy hatte sich ins kleine Büro verzogen, um noch was zu arbeiten.
Doch ihre Konzentration war wie weggeblasen und so saß sie zwar vor dem
Laptop, war aber in Gedanken ganz wo anders.
Sie hatte die Jungs entfernt nach oben trampeln hören, doch rührte
sie sich immer noch nicht vom Fleck und hing weiter ihren Gedanken nach.
Sie hatten jetzt einige Zeit frei. Die Jungs fuhren heim zu ihren Familien oder
Freundinnen, um dann mit ihnen gemeinsam zu verreisen.
Doch Sandy wusste noch nicht was sie machen würde.
Sie wollte nicht die ganze Zeit zu ihrer Schwester nach Schottland. Sie hasste
das Leben, das sie dort gezwungen war zu führen...
Sie liebte ihre Schwester und deren Kinder abgöttisch, doch dieser Landsitz
erinnerte sie an die Verpflichtungen, denen sie dort ausgesetzt war.
Ihre Familie war schließlich nicht irgendwer...
Sie war dem allem nach dem Tot des Vaters entflohen und konnte sich durch Louis
Hilfe damals ein neues Leben aufbauen, das so *normal* war, gegenüber dem
was sie sonst erwartet hätte.
Sie grübelte immer noch, als sie plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter
spürte und zusammen schreckte.
"Sorry! Ich wollte Dich nicht erschrecken!" es war Brian.
Er war in letzter Zeit der einzige, der wieder *normal* mit ihr umging.
Er stellte einen Becher Kaffee vor sie und setzte sich auf die Tischkante.
"Und, was wirst Du in den nächsten Wochen machen?" fragte Brian.
"Ich weiß es nicht. - Nach Schottland will ich nicht, nicht die ganze
Zeit. Aber so alleine weiß ich doch auch nichts mit mir anzufangen." zuckte
sie etwas hilflos die Schultern.
"Na ja, nach der Sache mit Rob - versteh mich nicht falsch, aber das war das
einzig Vernünftige, was Du tun konntest ..."
Sie hatte sich nach drei Tagen schon wieder von Rob getrennt, denn sie konnte
ihn nicht ertragen und gleichzeitig in ewigem Streit mit *ihren* Jungs leben,
das kostete zu viel Kraft und so hat sie ihn mal wieder sitzen lassen.
"Ja, ich weiß ja." meinte Sandy lahm.
Brian fiel mal wieder auf, das sie schlecht aussah, mitgenommen von den ganzen
Geschehnissen der letzten Wochen ...
"Also, Kerry und ich haben immer ein Zimmer für Dich. - Du kannst immer
bei uns auftauchen, wenn Dir danach ist ..."
"Danke." Sandy stand auf und ließ sich von Brian in den Arm nehmen.
So verharrten sie einige Minuten, dann lösten sie sich von einander und
Brian ging schlafen.
Sandy setzte sich wieder in den Sessel und grübelte weiter.
Irgendwann muss sie so einfach vom Schlaf übermannt worden sein.
Wieder wurde ihr eine Hand auf die Schulter gelegt und sie fuhr aus dem Schlaf.
Es war Anto.
"Raus mit der Sprache - was ist mit Dir los, das Du schon im Büro schläfst?"
fragte er entschieden.
Sie sagte ihm, was sie beschäftigte und er hörte ihr schweigend zu.
Als sie geendet hatte meinte Anto "Fahr erst mal nur für ein paar Tage
hin, Du kannst ja jederzeit nach London zurück oder zu Brian und Kerry.
Gina und Nicky würden sich doch auch freuen, wenn Du sie mal wieder besuchen
würdest."
"Nein, Nicky geht mir - nach Kian - am meisten aus dem Weg!" schüttelte
sie den Kopf.
Es tat ihr weh, doch sie ließ es sich nicht anmerken, wie sehr es sie
schmerzte, das gerade die beiden sie so mieden.
"Aber Du hast recht, erst mal dort hin und dann sehen wir weiter ..." seufzte
sie nur, denn sie war ja im Grunde keinen Schritt weiter gekommen.
"Jetzt geh erst mal duschen, ich wecke in der Zeit die faulen Säcke!" schob
Anto sie schon Richtung Treppe.
Sie schlurfte mehr als das sie ging, den Gang entlang zu ihrem Zimmer, das am
Ende des langen Flures lag.
Sie spürte Antos Blick im Rücken, doch drehte sie sich nicht um.
So konnte sie auch nicht sehen, das Anto zuerst in Nickys Zimmer ging.
Anto weckte Nicky und als dieser endlich wach war, ging Anto auch gleich auf
ihn los. "Du musst Dich mit Sandy aussprechen und versöhnen!"
"Warum sollte ich das tun? - Sie hat uns doch klipp und klar gesagt, das wir
in ihrem Leben nur eine Nebenrolle spielen. - Also soll sie es auch so haben!"
wurde Nicky gleich wütend.
Es hatte ihn mehr getroffen, als er sich selbst eingestehen wollte, was sie
ihnen an diesem versch*ßenen Morgen in ihrem Hotelzimmer an den Kopf geknallt
hatte. Und das mit einer Ruhe, ... er wusste nicht was ihn wütender gemacht
hatte, ihre Worte oder wie sie dabei so ruhig bleiben konnte!?
Anto wurde es zu bunt und er ging aufs Ganze:
"Entweder Ihr rauft Euch wieder zusammen oder ich muss ihr kündigen!"
Nicky blieb wie erstarrt stehen und sah Anto verständnislos an.
"Du tust WAAAS?" schrie er.
"Du hast mich verstanden! Es liegt jetzt nur an Dir!" schon war er aus der Tür
und ließ einen geschockten Nicky zurück.
Das hatte er jetzt doch nicht ernst gemeint? - Aber Anto machte nie Scherze,
das wusste Nicky nur zu gut.
Er hatte in 10 Minuten geduscht, frische Klamotten an und schoss aus seinem
Zimmer rüber in das von Sandy.
Die sah ihn, nur in Unterwäsche, verstört an.
"Was ist jetzt wieder?" fragte sie genervt, denn er wollte sie doch bestimmt
wieder nur anschnauzen und sie war immer noch ziemlich müde und damit alles
andere als fit genug um einen Streit durchzustehen.
Doch Nicky sah nur auf die Narbe, die sie auf dem unteren Bauch hatte. Sie war
schwächer geworden, doch wer es wusste, sah sie deutlich genug.
Sandy folgte seinem Blick. Dann schnappte sie sich ihre Jeans und zog sie wortlos
an.
Nicky kam langsam wieder zu sich.
Sandy griff sich ein Sweatshirt und streift es über, bevor sie sich aufs
Bett setzte um sich ihre Schuhe anzuziehen.
"Das kann so nicht weiter gehen!" brachte Nicky endlich hervor.
"Ach?" zog sie nur eine Augenbraue hoch und fuhr in ihrer Tätigkeit fort.
"Warum ER? - Wir gönnen Dir doch dein Glück, aber doch nicht mit IHM
- Du sollst doch nicht immer wieder das gleiche mitmachen... - verstehst Du?"
ihm liefen ein paar Tränen übers Gesicht.
"Nico, ich bin erwachsen. - Es gibt schließlich Verhütungsmittel!
- Es war anmahsend von Euch, sich SO einzumischen und mich zu verurteilen!"
versuchte sie ruhig zu bleiben.
Sie reichte ihm ein Taschentuch und dabei berührten sich ihre Finger. Er
stand auf und nahm sie in den Arm, drückte sie ganz fest an sich bevor
er sie nur ein kleines bisschen frei gab um sie zu küssen.
"Sind wir wieder Freunde?" fragte er dann vorsichtig.
"Ach Nixter! - Das wird sich wohl nie ändern, oder?" lächelte sie
ihn an.
Beiden fiel ein Stein vom Herzen und so nahm er sie Huckepack mit runter in
die Küche, wie sie es als Teenager schon immer getan hatten.
Die anderen saßen schon beim Frühstück als die beiden so runter
kamen.
Brian grinste zufrieden, denn er wusste das es jetzt wieder bergauf gehen konnte.
Er hatte bemerkt, wie sehr Sandy unter Nickys Verhalten gelitten hatte. Beide
jetzt so happy zu sehen, war überwältigend.
Mark ging auf Sandy zu und gab ihr den obligatorische Guten-Morgen-Kuß,
wie sie ihn seit L.A. nicht mehr bekommen hatte und so war zwischen den beiden
jetzt auch wieder alles im Lot. Shane tat es ihm gleich - dito.
Nur Kian, blieb auf seinem sturen Hintern sitzen und sein Gesicht ließ
keine Emotionen erkennen. - Typisch!
Sie absolvierten routiniert ihre Termine und dann war es Zeit in die Ferien
aufzubrechen.
Shane war - nach einer durchzechten Nacht - noch nicht wieder ganz Herr seiner
Sinne und hatte es kurz und schmerzlos gemacht, um sich dann auf dem Rücksitz
des Vans zu verdrücken.
Brian war - wie immer - total crazy und sprang eigentlich jedem in die Füße,
so aufgeregt war er. - "Jaaaa, aber bitte lass mich wieder runter! - Ich verspreche
es! - Jaaa, doch." Brian hatte Sandy damit verpflichtet ein paar Tage zu den
McFaddens zu kommen.
Nicky nahm Sandy noch einmal fest in seine Arme. "Du kannst jederzeit zu Gina
und mir kommen, wenn wir aus dem Urlaub zurück sind, ja?"
"Ja, ich melde mich aber vorher." Sie küssten sich zum Abschied noch mal.
Mark wollte Sandy erst gar nicht mehr los lassen, doch Kian kam ihr zur Hilfe
und schob Mark in den Van. Dann drehte er sich kurz um, raunte ihr ein "wir
sehen uns" ins Ohr, während er sie umarmte und schon waren sie auf dem
Weg zum Flughafen.
Sandy wollte erst noch "klar-Schiff" machen, bevor sie dann morgen früh
nach Schottland aufbrechen würde.
Schottland:
Sandy war erst zwei Tage hier und schon mitten ins Pflichtprogramm der Familie
eingebunden.
Sie hatte sich an diesem Morgen schon um 5 Uhr früh in den Stall zu den
Pferden geschlichen, den Pflegern beim Füttern und Misten geholfen.
Doch als sie gegen 8 Uhr merkte, das im Haus schon zum Frühstück geläutet
wurde, schnappte sie sich Sattel, Trense und Gamaschen ihres Pferdes.
In nur 10 Minuten hatte sie den Hengst fertig für den Ausritt und machte
sich vom Acker.
Sie ritt nun schon seit einer guten Stunde immer an der Küste entlang und
kam endlich mal mental zur Ruhe. Sie hatte ihrem Pferd zwischendurch einen kräftigen
Galopp gegönnt, aber sonst waren die beiden eher ruhigeres Tempo geritten.
Sie kam an einer Klippe an, die sie als Kind immer mit ihrem Vater besucht hatte,
von dem sie auch das Reiten erlernt hatte.
Sie sah einen einzelnen, recht mageren Mann am Rand sitzen.
Sie sprang vom Pferd und näherte sich nur zögernd.
"Fil? - Bist du das?" fragte sie scheu, doch der Mann war aufgestanden und kam
ihr entgegen.
"Sana!? - Ist das schön Dich zu sehen!" freute er sich.
Die beiden begrüßten sich und Sandy ließ den Hengst grasen,
während sie sich mit Fil ins Gras setzte zum Reden.
"Was machst Du zu Hause?" wollte sie wissen.
"Mum hat mich so lange bequatscht, bis ich versprochen hab, ein paar Tage in
meinem Urlaub her zu kommen. - Und Du?"
"Auch auf Urlaub - und mal wieder auf der Flucht vor dem *Familienleben*!" seufzte
sie.
Nach dem sie etwa eine Stunde nur geredet hatten, stubbste der Hengst Sandy
mit seinem Kopf unsanft an, es wurde ihm langweilig.
"Ja, schon gut Dicker! Wir ziehen ja weiter. - Bist Du zu Fuß hier oder
mit `nem Wagen?" fragte sie Fil während sie aufstand und das Pferd wieder
startklar machte.
"Mit dem Fahrrad." grinste er schief.
"Na, dann komm, wir fallen besser bei Deinen Leuten zuerst ein." grinste sie
zurück und die beiden machten sich auf den Weg.
Sandy konnte den Hengst gut traben lassen, denn Fil hielt dem Tempo stand.
"Gute Kondition hast Du!" meinte sie noch.
"Bin im Training für die nächste Tour!" lachte er nur.
"Mit wem?" fragte sie neugierig.
"Bon Jovi!" grinste er stolz.
"WAAAAAAAAS? - Du machst Witze?!" sie wäre fast vom Pferd gerutscht.
"Leider nur deren Vorgruppe und auch nur Europa." erklärte er dann.
"Immerhin!" meinte Sandy anerkennend. "Du besorgst mir Tickets, das das klar
ist!?" "Natürlich! - Was denkst Du denn von mir?"
So waren sie nach etwa einer halben Stunde auf dem Hof von Fils Eltern angekommen.
Sie wurden von Mr. Eisler schon abgefangen und er nahm Sandy das Pferd ab um
es im Stall zu versorgen, damit die beiden sich schon mal im Haus aufwärmen
konnten.
Mrs. Eisler hatte zum Mittagstisch gedeckt und so saßen alle eine halbe
Stunde später in der großen Gutsküche und aßen zusammen
Mittag.
Sandy liebte es hier.
Fil war glücklich, weil seine Mum endlich ein anderes *Opfer* zu bemuttern
hatte, doch wusste er das Sandy es gerne über sich ergehen ließ.
Nach dem Tot ihres Vaters war sie für ein halbes Jahr zu den Eislers gezogen.
Als es ihr wieder einigermaßen ging, hatten ihre Geschwister sie wieder
zu sich holen wollen, doch Sandy hatte mit dem Freund ihres Vaters telefoniert,
der ihr die Stelle in London verschafft hatte.
Fil wollte sie nicht alleine lassen und war mitgegangen.
Da sie in der gleichen Branche arbeiteten, sahen sie sich öfter.
Doch das genialste war, als beide für Robbie arbeiten konnten und somit
ständig zusammen hingen.
Nach dem Essen half Sandy noch beim Abräumen, um dann mit Fil auf sein
Zimmer zu verschwinden.
Sie hatte vor dem Essen kurz ihre Schwester informiert, wo sie war und das sie
erst zum Dinner zurück wäre.
Fil und Sandy verbrachten einen gemütlichen Nachmittag zusammen und entschieden,
das sie das Wochenende in Edinborough verbringen wollten. Sie konnten in der
Wohnung von Sandys Familie wohnen und in der Stadt shoppen gehen, einige alte
Bekannte treffen und feiern gehen.
So ritt Sandy ziemlich spät im gestreckten Galopp zurück.
Sie duschte schnell und zog sich zum Dinner um, wo sie ihrer Schwester dann
von ihren und Fils Plänen erzählte.
Anna-Maria war zwar nicht begeistert, doch wusste sie das ihre kleine Schwester
den größeren Sturkopf von ihnen hatte und somit auf jeden Fall das
tat, was sie wollte.
Edinborough:
Als Fil und Sandy sich in der *Stadtwohnung* eingerichtet hatten, beschlossen
sie als erstes shoppen zu gehen.
Ihr erster Weg führte zu einem guten alten Bekannten der Beiden, der den
Kiltladen seines Vaters übernommen hatte. Daraus hatte Jon ein florierendes
Geschäft gemacht, in dem er nicht nur traditionelle Kilts anbot, sondern
auch moderne Stoffe, Muster, Farben ... eben Kilts für jeden Tag! (- Schotten-)
Mit Jon verabredeten sich Fil und Sandy für abends im Pub und er wollte
noch ein paar Bekannte der drei informieren.
Es wurde ein großes Wiedersehen, denn viele kamen und es wurde viel getrunken,
getanzt und Blödsinn getrieben.
Als Fil dann zu den Tourproben musste, wollte Sandy nicht mehr in Schottland
bleiben.
Sie rief also bei Kerry und Brian an.
Die beiden freuten sich riesig, das Sandy doch noch zu ihnen nach Dublin kommen
wollte und so war sie dann mit Fil zum Flughafen gefahren. Dort hatte sie Fil
verabschiedet und war selbst in den Flieger nach Dublin gestiegen.
Dublin:
Kerry hatte Sandy abgeholt, während Brian die Kinder hütete.
Die Freundinnen begrüßten sich überschwänglich und fuhren
dann schwatzend zu den McFaddens.
Sie feierten ihr Wiedersehen und ließen es sich so richtig gut gehen.
Ein paar Tage später als Brian seiner Frau beim Tischdecken half, meinte
Kerry zu ihm "Sieh mal, Sandy hat die beiden besser im Griff als wir."
"Tja, es gibt wohl niemanden, den sie nicht in den Griff bekommt, oder?" grinste
Brian frech.
"Stimmt!" lachte Kerry dann auch.
"Aber sie wäre bestimmt eine klasse Mutter." dachte Kerry laut.
"Und wen siehst du als Vater daneben?" fragte Brian spöttisch.
"Weiß nicht, lass mal überlegen ... Hmm, sie hat von diesem Fil so
herzlich erzählt ..."
"Fil? - Der Bassist? - Hmm, die beiden sind zu lange befreundet, wenn sie bis
jetzt nichts miteinander hatten, gibt das auch nix mehr!" erwiderte Brian realistisch.
"Stimmt, sonst müsste ich ja auf Dich auch besser aufpassen!" küsste
sie ihren Mann schnell und ging zu ihren Kindern und Sandy.
Brian blieb etwas ungläubig zurück und sah den beiden Frauen zu, wie
sie die Mädchen versuchten zum Esstisch zu bekommen.
Nach dem sie schon im Schlafzimmer waren, nahm Brian die Vater-in-spe-Unterhaltung
wieder auf.
"Kian!" meinte er entschieden.
"Was ist mit Kian?" fragte Kerry verwundert.
"Kian wäre der richtige Vater für Sandys Nachwuchs!" war Brian mal
wieder hoch zufrieden mit sich.
"Kian?!" fragte Kerry ungläubig. "Dir ist schon aufgefallen, das die beiden
schon ewig getrennt sind!?" schüttelte sie den Kopf über ihren Mann.
"Ja, schon ... aber da ist doch immer noch was - unterschwellig - zwischen den
beiden, das sehe ich doch." meinte Brian beharrlich.
"Kian hat jetzt eine neue Freundin ... wie hieß sie doch gleich noch ...
Jodi." gab Kerry zu bedenken.
Am nächsten Vormittag waren Gina und Nicky bei Brian und Kerry eingeladen.
Es wurde ein gemütlicher Tag, den alle in vollen Zügen genossen.
Später fanden Kerry und Brian ihre drei Gäste in einer hitzigen Diskussion
auf der Terrasse. Gina wollte Sandy dazu bringen die kommenden Tag bei ihr und
Nicky zu verbringen, doch Sandy wollte nichts überstürzen. Auch Nicky
wurde dabei etwas lauter. "Du hast es mir versprochen, weißt du noch?"
Kerry und Brian hatten ihre liebe Mühe zwischen den Hitzköpfen zu
vermitteln, doch nach einer Stunde hatten sich alle auf einen Kompromiss geeinigt,
das Sandy noch zwei Tage bei den McFaddens blieb und dann *umziehen* würde.
Kaum war Sandy zwei Tage bei Nicky und Gina, kam ein Anruf von Mark.
Er war wieder in Sligo, doch ihm viel ohne seine Kumpels irgendwie die Decke
auf den Kopf.
"Also wenn Du mit Sandy im Gästezimmer schlafen kannst, dann bist Du herzlich
willkommen." meinte Nicky theatralisch.
"SAAAANDYYYYY? - Gar kein Problem!" schrie Mark durchs Telefon und Nicky musste
schwer grinsen.
So fiel auch Mark am nächsten Tag bei den Byrnes ein und es gab schon wieder
einen Grund für Party.
Mit Kerry und Brian enterten sie einen ihrer Lieblings-Pubs und es wurde viel
zu viel getrunken ...
Am Morgen danach:
Sandy wachte mit einem Brummschädel auf, der sich gewaschen hatte ...
Sie drehte sich auf die andere Seite und sah den schlafenden Mark sabbern. Ihr
wurde übel und schon war sie aus dem Bett und im Bad [muss ich wohl nicht
weiter ausführen, oder?]
Nach dem sie ihren Magen entleert hatte, duschte sie und warf sich in bequeme
Klamotten, um sich in der Küche einen Tee zu machen.
Dort traf sie auf Gina, die wohl auch keinen besseren Start gehabt haben konnte.
Sie verständigten sich ohne Worte und nach dem jede einen großen
Becher Tee in Händen hielt, schlichen die beiden Frauen ins Wohnzimmer
auf die Sofas.
Nach einiger Zeit des Schweigens, fragte Gina vorsichtig, an was sie sich besser
erinnern sollte.
"Keine Ahnung, mein Film ist auch gerissen ..." meinte Sandy nur.
Zur gleichen Zeit in Sligo:
Shane klappte, wie immer beim Frühstück, die Zeitung auf. Gilian war
schon dabei die Reste des Brunchs wegzuräumen.
Plötzlich: "WAAAAAAAAAAAAAS ...?"
"Schatz, bitte nicht schon wieder! Musst Du mich denn immer so erschrecken?"
Gilian konnte es langsam nicht mehr hören, wenn Shane über irgendwelche
Presse-Fuzzis schimpfte.
"Gil! - Kuck Dir das an und sag mir, das Du die nicht kennst!?" hielt er ihr
die Zeitung unter die Nase.
"Oooooh ..." brachte Gilian nur noch raus und musste sich setzen, dann lass
sie den Artikel.
Shane hatte schon das Telefon in der Hand und versuchte jemanden zu erreichen,
doch da lief nur der AB.
Er wählte eine andere Nummer, mit dem gleichen Ergebnis.
So ging das noch ein paar mal, bis er irgendwie jemanden erreicht hatte.
Es war Kian.
"Egan? - Hast du schon Zeitung gelesen? - Nein?! - Mach schon!" war Shane ganz
aus dem Häuschen.
Auf der anderen Leitung hörte man nur einen kurzen Brüller "F*ck off!"
"Äh, Kian?" Shane kam in den Sinn, das das wohl keine gute Idee gewesen
war, grade Kian anzurufen ...
Jetzt hatte Shane alle Hände voll zu tun, um Kian wieder runter zu holen,
der schon am Telefon mächtig tobte. Shane schnappte sich die Schlüssel,
während er weiterhin versuchte Kian ruhig zu bekommen, schwang sich ins
Auto und fuhr die fünf Blocks zu seinem Kumpel.
Er konnte Kian noch grade den Weg mit seinem Auto versperren.
"Kian!? - Sie sind erwachsen! - Hör sofort auf mit dem Unsinn! - Nein,
Du wirst nicht nach Dublin fahren, um auch nur einem von ihnen eine Haar zu
krümmen!" Shane schaffte es mit Jodies Hilfe, den aufgebrachte Kian wieder
ins Haus zu bugsieren.
In Dublin:
Einige Stunden nach den Frauen, waren auch Nicky und Mark endlich aus den Betten
gekrochen.
Gina und Sandy hatten derweil auch die Zeitung geholt und gelesen, was so *Charmantes*
über ihren gestrigen Abend in der Zeitung stand.
Als die Jungs mit Kaffee und Toast versorgt waren, legten sie die Zeitung auf
den Tisch.
"Oh oh, das gibt Ärger ..." gab Mark nur von sich und Nicky sah Sandy an
"Hattest wohl Deinen Spaß, hä?" doch grinste er dabei schief.
Das Foto zeigte Mark mit einer rassigen Schönheit, die er schwer befummelte
und im Hintergrund konnte man Sandy auf dem Schoß eines gutaussehenden,
muskulösen Typen wild knutschen sehen.
"Na, da wird Mama Feehily aber nicht besonders begeistert sein ..." grunzte
Sandy nur in ihren Becher.
"Musst DU gerade sagen!? - Wie hieß ER noch?" schoss Mark zurück.
"Äh, ... warte mal ... Bruce, ... Brad ... oder auch Brian? - weiß
nicht mehr ..." gab Sandy kleinlaut zu, doch da klingelte es an der Tür.
Nicky bequemte sich zu öffnen und kam mit dem gutaussehenden, muskulösen
Mann vom Vorabend ins Wohnzimmer.
"BRAD ... ist da!" sah er Sandy streng an.
Brad ging auf Sandy zu, die langsam von ihrem Stuhl aufstand.
Als er vor ihr stand und sich etwas zu ihr runter beugte (endlich mal ein Kerl
der größer war... - Stöhn!), legte ihm Sandy ihre Arme um den
Hals und die beiden küssten sich lange.
Mark räusperte sich laut, so das die beiden sich endlich von einander lösten.
Brad setzte sich auf Sandys Stuhl und zog sie dabei gleich auf seinen Schoß.
Gina erkundigte sich, ganz die Gastgeberin, ob er auch einen Kaffee oder lieber
Tee wollte und er antwortete "Tee wäre wundervoll." worauf sich Nicky an
seinem Kaffee verschluckte.
Danach begann das *Kreuzverhör* der Freunde, die so viel wie möglich
über den *Neuen* erfahren wollten, doch Brad gab immer freiwillig Auskunft
und blieb immer höflich und charmant.
Als Gina und Sandy kurz alleine in der Küche waren, meinte Gina "Den Typ
würde Deine Familie sofort als Ehemann akzeptieren ..."
"Hmm ... find ich auch. - Aber ich werde erst mal abwarten, wie sich die Dinge
entwickeln. - Und wer weiß, wie er auf meinen *Beruf* reagiert ..." schränkte
Sandy schon ein.
"Wir werden sehen. - Und wenn du willst, frag ich Dad, ob er mal was über
ihn in Erfahrung bringen kann ... dann wissen wir ob er *sauber* ist ..." grinste
Gina ihre Freundin an. "Ja, mach mal ... Der Typ ist zu gut um wahr zu sein!"
meinte Sandy.
So kehrten sie wieder ins Wohnzimmer zurück.
Brad hieß eigentlich Bradley Spencer und war auch noch mit dem Spencer-Clan
verwandt, also die *passende Partie für eine Roth* würden Sandys Verwandte
wohl sagen.
Ginas Dad hatte also einige Nachforschungen anstellen lassen und bei einem Lunch,
legte er Sandy die Fakten auf den Tisch - der Mann war so was von sauber, aus
guter Familie, keine Verfehlungen, nichts! Doch Sandy blieb skeptisch, irgendwas
hinderte sie daran, sich ganz auf ihn einzulassen.
Wieder in London:
Sandy war vor ein paar Tagen schon zurück gekommen und hatte sich täglich
mit Fil getroffen. Die beiden hatte ein paar mal *über die Strenge geschlagen*,
aber sie waren jetzt in einem Alter, wo sie es langsamer angingen (hauptsächlich
wegen der, schon erlebten, Konsequenzen!).
Zum Abschied hatte Fil Sandy mit zwei Tickets plus Backstagekarten für
das Bon Jovi Konzert in Londons’ Wembley Arena überrascht.
"Wieso den ZWEI?" fragte sie nach der ersten Freude etwas irritiert.
"Oh, da lass mal Deine altersschwachen, grauen Gehirnzellen arbeiten ..." und
schon war er im Taxi zum Flughafen unterwegs.
Am nächsten Tag trudelten Nicky und Brian ein.
Und den Tag drauf kamen auch die *Sligos* wieder. Die Mannschaft war also wieder
komplett und das musste, wie immer, gefeiert werden.
Am frühen morgen waren nur noch Kian, Mark und Sandy übrig, doch Mark
war vor kurzem einfach eingeschlafen, Kian und Sandy waren mal wieder in eins
ihrer *musikalischen Gespräche* vertieft.
Plötzlich fiel es Sandy wie Schuppen von den Augen, für wen die zweite
Konzertkarte war - natürlich!
"Ki?" fing sie vorsichtig an.
"Hä? - Was ist denn?" fragte er lächelnd. - Standhaft bleiben, Sandy!
-
"Ähm, ... Du bist doch Bon Jovi Fan, oder?"
"Sana! Das weißt Du doch!?" - so hatte er sie seit ihrer Trennung nicht
mehr genannt!? -
"Möchtest Du mich zum Konzert hier in London begleiten?" hatte sie ihren
ganzen Mut zusammen genommen.
"Ach, die Tickets sind schon seit einem halben Jahr ausverkauft, da haben selbst
wir keine Chance mehr - hab’s ja versucht." meinte er resignierend und irgendwie
enttäuscht - oder hatte sie sich das nur eingebildet? ... Oh dieser Alkohol
... !
"Und was ist, wenn ich trotzdem welche habe?" fragte sie jetzt frech.
"DUUUU? - Seit wann?" er wollte es nicht glauben.
"Och, ... sind mir vor ein paar Tagen geschenkt worden ..." meinte sie betont
lässig.
"Echt? - Das glaube ich Dir erst, wenn ich sie gesehen habe!" war er wieder
ganz gefasst.
"Muss ich oben holen gehen ..." stand sie auf, doch er folgte ihr nach oben.
Sie gingen leise ins obere Stockwerk, um die anderen nicht zu wecken.
Kian schloss leise die Türe von Sandys Zimmer hinter sich.
Sie kramte kurz und hielt ihm dann die Tickets unter die Nase.
"... ich glaub’s nicht! - Du bist die Größte!" hob er sie hoch und
schwang sie durch den Raum und küsste sie spontan auf den Mund als er sie
wieder runter liess. Beide waren plötzlich irritiert von den Gefühlen,
die sie hatten ...
Sandy dachte an Jodi und schob Kian entschlossen aus ihrem Zimmer!
Sandy hatte mit Anto verhandelt, das Kian für das Konzert einen Tag frei
bekam - keiner wusste wie ...
So hatten sie sich fertig gemacht und Kian wartete unten, damit sie endlich
los konnten, als Sandy die Treppe runter kam.
"Wow ... wow!" mehr bekam er nicht raus.
"Soll ich doch lieber was anders anziehen?" fragte Sandy verunsichert.
"Auf gar keinen Fall!" meinte Kian entschieden und sie machten sich auf den
Weg.
Dank Fil konnten sie als erste in die Halle und wurden natürlich schnell
von Fil begrüßt, der Kian kurz drückte, nach dem er und Sandy
sich stürmisch begrüßt hatten und er ihr gesagt hatte, das sie
für dieses Outfit einen Waffenschein bräuchte ...
Sie trug einen knappen Leder-Mini, dazu schwarze, knie-hohe Lederstiefel und
eine weiße, vorne nur geknotete Bluse, unter der ein schwarzer BH hervor
blitzte, dazu ihre geliebte schwarze Lederjacke.
Das Konzert war in vollem Gange und die beiden gingen so richtig ab und genossen
es in vollen Zügen.
Bei dem Song "Lay your hands on me" nahm Sandy Kians Hände und legte sie
auf ihre Hüften, so daß er ganz dicht hinter ihr stand. Sie bewegten
sich zur Musik und Kian wurde ziemlich warm ...
Bei "I’ll be there for you" sang Kian in ihr Ohr den Text mit und hielt sie
ganz fest an sich gedrückt.
Zu "In these Arms" drehte sie sich zu ihm um und die beiden tanzten eng umschlungen.
Da gleich danach auch noch "Bed of Roses" kam, blieben sie so.
Passenderweise spielte danach "You give Love a bad name" wo sie sich nur zögernd
von einander trennten.
Den Abschluss machte dann noch "It’s my Life" bei dem Sandy und Kian laut grölend
mitsangen.
Sie trafen also hinter der Bühne noch Bon Jovi und Kian raunte Sandy zu "jetzt bin ich mal der Fan - komisches Gefühl" und sie raunte zurück "zum Glück bist Du nicht schwul, sonst wär’s genauso wie bei Deinen Fans" und grinste frech.
Danach brachen sie mit Fil und einigen anderen auf, um irgendwo weiter zu rocken. Sie fanden eine passende Location und es wurde viel getanzt und getrunken und sie hatten eine Menge Spaß. Als alle schon etwas ruhiger wurden, zog Kian Sandy von der Tanzfläche und meinte "wir sollten langsam aufbrechen", was sie dann auch taten. Er ließ ihre Hand nicht mehr los...
Sie betraten das Haus und wollten sich noch nicht voneinander trennen, so daß
Kian grinsend fragte "Zu mir oder zu dir?". "Zu mir." sagte sie leise.
So schlichen sie nach oben in Sandys Zimmer. Sie verschwand kurz im Bad und
er legte einen Bon Jovi Sampler in den CD-Player, den er ihr vor kurzem zusammen
gestellt hatte.
Sie kam aus dem Bad und setzte sich aufs Bett und versuchte ihre Stiefel zu
öffnen, doch der Reißverschluss klemmte. Kian kniete sich vor sie,
um ihr zu helfen. Nach einigen Versuchen schaffte er es dann und Sandy ließ
sich erleichtert rücklings aufs Bett fallen. Sie war sichtlich entspannt
und Kian überrollte eine Flut an Gefühlen, die er nicht kontrollieren
konnte und so streichelte er ihre Beine aufwärts - sie rührte sich
nicht, was ihn ermutigte weiter zu machen. Er schob ihr den Rock mit beiden
Händen vorsichtig hoch, legte sich, während er ihren Bauch mit Küssen
bedeckte, neben sie aufs Bett. Sie legte ihre Hand in seinen Nacken und kraulte
ihn am Haaransatz, was ihn schwer erregte - sie hatte es also nicht vergessen
...
Er öffnete den Knoten ihrer Bluse und küsste sich weiter aufwärts.
Er bedeckte zwar ihr Brustbein mit Küssen, doch wanderte er zielstrebig
und immer schneller aufwärts. Als er endlich seine Lippen auf ihre legte,
wartete sie bereits auf ihn und ihre Zunge suchte nach seiner.
Von da an ging alles wie von selbst, sie kannten einander und wollten sich.
Am nächsten Morgen wachte er alleine in ihrem Bett auf. Er hörte
seine Kumpels unten beim Frühstück. Er schnappte sich seine Klamotten
und schlich schnell in sein Zimmer, duschte und stieg in frische Klamotten,
um dann noch was zu frühstücken.
Sandy war mit Anto unterwegs, ließen die anderen ihn wissen.
Als sie später zurück kam, sagte keiner von beiden ein Wort über
die vergangene Nacht und sie gingen zur Tagesordnung über, wie wenn nichts
geschehen sei.
***************************************************************
Brian war seit einiger Zeit sehr ruhig geworden, machte nicht mehr ständig
seine Scherze und Sandy machte sich ernsthafte Sorgen um ihn. Sie nahm ihn eines
Abends am Arm und brachte ihn in das kleine Büro.
"McFi, raus mit der Sprache!" wurde sie ungeduldig, nach dem er ihr immer wieder
auf ihre Fragen hin ausgewichen war.
"Ich will aussteigen." meinte er dann plötzlich.
"Du willst WAS?" fragte sie ihn ungläubig.
"Ja! Das ist mein Ernst." Er erklärte ihr warum und sie verstand ihn, viel
zu gut um neutral zu bleiben.
Sie besprachen das ganze eine Weile, wobei er ihr erklärte, das er lieber
Solo weiter machen wollte, sich aber noch nicht sicher genug war, ob er das
schaffen könnte.
Sie versprach ihm, egal bei was er auch tat, immer zu helfen.
[Der Rest ist ja bekannt.]
Es gab jetzt noch mehr zu tun, denn die Tour musste umstrukturiert werden, die
Jungs mussten die Vocals umverteilen, doch sie schafften es.
Sandy wurde während der Tour häufiger schlecht, sie musste sich manchmal
übergeben, doch als sie auch ein paar mal zusammen geklappt war, musste
sie auf Antos Anweisung hin zum Arzt.
"Tja, Miss Roth, herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger." meinte der
Arzt noch gut gelaunt, doch Sandy wich die Farbe aus dem Gesicht. Woraufhin
der Arzt nach fragte und sie ihm ihre *Krankengeschichte* erklärte.
Nun war auch der Arzt besorgt und ordnete an, das sie für einige Tage in
die Klinik musste, damit man eine Fruchtwasser-Untersuchung machen konnte, die
dann vorläufig klären sollte, ob die Gene sich diesmal auch wieder
abstoßen würden.
Sandy kehrte also ins Hotel zurück und rief bei Anto an, das er doch bitte
zu ihr kommen sollte.
Sie erklärte ihm was der Arzt ihr gesagt hatte und Anto fragte nur "von
Rob?" was sie verneinte. Er war erleichtert, doch fragte er nicht weiter nach
dem Vater des Kindes, wofür Sandy ihm unendlich dankbar war.
"Die Schwangerschaft bleibt erst mal unter uns, verstanden?" verlangte sie von
Anto. "Die Jungs werden es wissen wollen." entgegnete er.
"Damit sie wieder so ein Theater wie in L.A. veranstalten? Auf gar keinen Fall!
- Nicht bis wir Gewissheit haben, das ich es bekommen kann."
Sie einigten sich auf die Version, das man im Krankenhaus Tests machen wollte,
um festzustellen, was sie habe. Dann würden sie weiter sehen und entscheiden.
Die Jungs waren natürlich besorgt um sie - Krankenhaus hörte sich
gar nicht gut an und alle dachten an das gleiche Erlebnis ... doch keiner sagte
auch nur ein Wort davon.
Sandy wurde am ersten Tag im Krankenhaus auf die OP vorbereitet und gleich
am nächsten Tag war es dann soweit.
Sie musste sich dann zwei Tage erholen, da es ihren Körper schwerer mitnahm,
als es ohne ihr *Vorleben* gewesen wäre.
Die Ergebnisse würden erst in einer Woche fertig sein.
Sie hatte die Jungs gebeten, sie nicht zu besuchen, damit die Presse nichts
mitbekam (und weil sie keiner so sehen sollte!).
Nur Anto kam einmal pro Tag vorbei, um zu sehen wie es ihr ging.
Sie war schon wieder zurück und sah besser aus als vor dem Aufenthalt,
so das die Jungs erstmal beruhigt waren.
Doch Sandy war immer öfter unkonzentriert und in Gedanken versunken, was
den anderen nicht verborgen blieb.
Eines Abends wollte Kian sie darauf ansprechen, doch sie wimmelte ihn barsch
ab. Er wusste nicht wie ihm geschah und ging zu Nicky.
"Nix, red Du mal mit ihr! Die ist ja nicht mehr wieder zu erkennen ... - da
ist doch was im Busch?"
"Versuchen kann ich’s ja mal..." meinte Nicky schwach, denn er wusste, wenn
sie nicht wollte, würde sie auch ihm nichts sagen.
Er fand sie mit einem Brief in der Hand irgendwo Backstage, wo sie ganz alleine
und mit verheulten Augen saß.
"Hey, meine Hübsche, ... was ist denn mit Dir los? Warum weinst Du?" nahm
er sie in den Arm und sie ließ sich rein fallen. Er versuchte sie etwas
zu beruhigen, doch sie sprach immer noch kein Wort.
"Liebes, ich mach mir Sorgen! Was hast Du?" fragte Nicky vorsichtig.
Sie gab ihm den Brief und er las. Erst wurde ihm kalt und übel, dann warm
und er freute sich für seine beste Freundin. "Du kannst es bekommen?! -
Das ist doch eine gute Nachricht!" er küsste sie vorsichtig und sie brachte
ein kleines Lächeln zustande.
"Wer ...?" setzte er an, doch sie hielt ihm ihre Finger vor den Mund. "Nico,
nicht! - Bitte!?" flehte sie ihn an.
"Wie Du willst. Aber ich habe nur zwei Fragen." entgegnete er und als sie nickte
"Es ist nicht Rob, stimmts?" sie nickte und es entfuhr ihm ein Seufzer der Erleichterung.
"Und weiß der Vater es?" fragte er noch. Sie schüttelte den Kopf
und sagte "Er ist anderweitig gebunden und ich will nicht, das er sich zu etwas
verpflichtet fühlt!" das klang sehr entschieden, daher nickte Nicky nur.
Er hielt sie noch eine ganze Zeit in seinen Armen, doch als sie sich lösten,
meinte Sandy noch "Kein Wort zu den Anderen, versprich es mir!" was er tat.
Sie erklärte ihm noch, das Anto der einzige war der Bescheid wüsste
und sie ihm jetzt noch den Brief zeigen wollte.
Seit Kian Jodi diesen "blöden" Ring gekauft hatte und die Presse sie schon
mehrfach als verlobt betitelt hatten, ging ihm auch Jodi immer wieder mit dem
Thema Heiraten auf die Nerven. Er wollte nur seine Zeit mit ihr genießen,
doch jetzt wollte er in seiner freien Zeit lieber alleine sein.
Gina und Gil waren auf einen *Kurzbesuch* vorbei gekommen, doch hatte Kian Jodi
davon abgehalten zu kommen und die Arbeit vorgeschoben.
Seit Sandy im Krankenhaus gewesen war, hatte Anto die Arbeiten etwas umverteilt.
Sandy sollte nicht mehr so viel machen und Kian sollte einige der Aufgaben übernehmen.
So kam es, das Kian mit Sandy und Anto zusammen saß und die Aufgaben durchging,
während die anderen Party machten.
Anto entschuldigte sich dann irgendwann und die beiden machten alleine weiter.
Doch Sandy wirkte sehr angespannt, seit Anto weg war.
Kian fragte sie ob alles okay sei und sie bejahte.
Nach einer Weile fasste sie sich immer wieder an den Bauch und Kian bemerkte
es. "Geht’s dir wirklich gut?" fragte er. "Ja doch! Ich bin nur überarbeitet."
wich sie ihm schon wieder aus.
"Gut, dann machen wir jetzt Schluss für heute! Du legst Dich hin und ich
bring Dir gleich noch frischen Tee." meinte er entschieden.
Sie lächelte gequält. "Kian, muss das sein?" wollte sie ihn davon
abhalten.
"JA! - Keine Widerrede! Los." zog er sie von der Couch und schob sie raus.
"Egan, Du nervst." seufzte sie, ging dann aber doch in ihr Zimmer.
Mit zwei Bechern Tee ging er zu ihr.
Er klopfte und auf das "Com’ in" betrat er das Zimmer.
Sie packte irgend etwas schnell weg und drehte sich zu ihm.
Er gab ihr den einen Becher und setzte sich zu ihr.
"Danke." nahm sie ihm den Becher ab.
Nach einer Weile des Schweigens:
"Willst du mir nicht sagen, was wirklich los ist?" fragte er sanft.
Sie seufzte schon wieder - das tat sie ziemlich häufig in letzter Zeit.
Sie stand auf und stellte sich vors Fenster. Er bemerkte, das sie dicker geworden
war und betrachtete verwundert ihren Bauch.
Sie drehte sich zu ihm um, folgte seinem Blick und schwang sich schnell unter
die Bettdecke. "Es ist spät. Lass mich jetzt schlafen." meinte sie zickig.
Er rührte sich aber nicht vom Fleck und hing seinen Gedanken nach.
"Kian?" wurde sie ungeduldig.
Immer noch keine Reaktion.
"Egan!?" langsam wurde sie wütend. Sie boxte ihn gegen den Oberarm. Endlich!
"Hä? - Was?" fragte er verwirrt.
"Raus jetzt." meinte Sandy barsch.
"Nee, meine Liebe! - Nicht bevor Du mir gesagt hast, wer Dir das angetan hat!?"
streckte er seine Hand nach ihrem Bauch aus.
"Kian! - Lass es, ... bitte?!" sie flehte ihn plötzlich an. Ihr lief verstohlen
eine Träne übers Gesicht und er wischte sie mit seiner Hand schnell
weg, doch sie schubst ihn vom Bett, drehte sich um und fing an zu heulen.
Er saß ziemlich verdattert auf dem Fußboden und überlegte kurz,
dann setzte er sich wieder aufs Bett und fragte "Wie weit bist Du? - Antworte!"
wurde er ziemlich ernst.
"Sechster Monat ..." brachte sie unter dem ganzen Geflenne zustande.
Er rechnete nach und blickte sie mit offenem Mund ungläubig an.
Sie sah ihm nicht in die Augen.
"Wolltest Du es mir überhaupt irgendwann mal sagen, oder wie hast Du Dir
das gedacht?" wurde er sachlich.
"Nein, ... Ich schaff das prima alleine!" wurde sie jetzt etwas ruhiger.
"Alleine? - Ein Kind hat ein Recht auf eine Familie, eine komplette Familie!"
schnaubte Kian.
"MEIN Kind bekommt einen Vater! - Brad will uns beide, auch wenn er weiß,
das es nicht seins ist." schleuderte sie ihm entgegen.
"Brad? - Dieser Schleimsch**ßer?! - Auf gar keinen Fall! Da hab ich auch
noch ein Wörtchen mitzureden!" wurde er wütend.
"DUUU? - Wieso ausgerechnet DU?" fragte sie verwundert.
"Weil ich nicht will, das mein Kind jemand anderen als seinen Daddy ..."
"DEIN Kind? - Wer hat was davon gesagt, das DU der Vater bist?" fragte sie wütend.
"Ich kann rechnen!" antwortete Kian nur. "Das war aber noch nie Deine Stärke!"
gab sie ihm Kontra. "Wer sonst?" wurde er wütend. "Verdammt noch mal! -
Spiel Dich hier nicht so auf! - Verschwinde endlich und lass mich alleine, wie
Du es immer tust ..." kamen ihr schon wieder die Tränen. -Oh, wie sie diese
Hormone hasste ... -
"Das ist nicht wahr und das weißt Du auch!" nahm er sie in den Arm, doch
sie wehrte sich. Er war aber immer noch stärker und hielt sie fest, bis
sie nach gab. "... ich will nicht, ... das Du Dich zu etwas verpflichtet fühlst,
... was Du doch nicht willst!" gab sie zaghaft von sich.
"Nicht wollen? - Kennst Du mich wirklich so schlecht? - Du merkst aber auch
gar nichts, oder?" fragte er ungläubig.
"Was denn ...?" war sie jetzt verwirrt.
"Du hast mich nach dieser Nacht doch so behandelt, als wenn nichts gewesen wäre
... - und ich dachte ..." brach Kian ab.
"Du dachtest - was?" fragte sie nach.
"... dachte, Du wolltest mich nicht mehr in Deinem Leben haben."
- so jetzt war es raus. -
"Kian John Francis Egan, Du bist der bescheurteste Kerl auf diesem Planeten!"
schüttelte sie traurig ihren Kopf und ihre Haare flogen dabei in ihr verweintes
Gesicht. "Wie jetzt? - Was hab ich denn jetzt wieder falsch gemacht?" er strich
ihr sanft die Haare aus dem Gesicht.
"Wenn ich Dich nicht mehr in meinem Leben haben wollte, wäre ich mit Brian
von Euch weggegangen." erklärte sie ihm trocken.
"Brian? - Was ... wieso ..." konnte er ihr nicht folgen.
"Brian wollte, das ich mit ihm gehe." sagte sie sachlich.
"McFadden, ... oh, wenn ich den in die Finger kriege ..." ballte er seine Faust.
Sandy legte ihre Hand auf sein Faust und öffnete diese wieder.
Sie sah ihm in seine Augen und er wich ihrem Blick nicht aus.
"Wozu? - Ich bin immer noch hier." stellte sie fest.
"Was aber immer noch nicht die Vater-Sache klärt." erinnerte Kian an das
ursprüngliche Thema.
"Was gibt es da noch zu klären? - Brad wird mich heiraten und Du bist mit
Jodi zusammen." sagte sie nur.
"Von wegen! - Diesen Typen wirst DU nicht am Altar treffen!" stieg wieder Zorn
in ihm auf.
"Kian, ... hör doch auf. - So ist es doch am besten." meinte sie schwach.
"Für wen?" sah er sie wütend an.
"Für alle. - Ich will nicht, das Du aus Verpflichtung mit mir zusammen
bist!" sagte sie dann aber ziemlich entschieden.
"Verdammt noch mal, ... ich liebe Dich!" nahm er ihr Gesicht in beide Hände
und zwang sie damit ihn anzusehen.
Doch so leicht war sie nicht zu überzeugen.
"Das glaubst Du jetzt - und was ist morgen früh?"
"Auch!" sagte er entschieden.
"In drei/vier Monaten?"
"Immer noch!" nickte er kräftig.
"In ein paar Jahren?" ließ sie nicht locker.
"In Ewigkeit." küsst er ihre Stirn, denn sie hatte den Kopf schnell gesenkt.
Sie atmete schwer, dann machte sie sich von ihm frei und sagte nüchtern
"Kian, geh jetzt schlafen! - Wir sollten uns beide die Zeit nehmen, die Dinge
zu überdenken und dann zu entscheiden, was wir für richtig halten."
"Aber ..."
"Egan, willst Du nicht zur Abwechslung mal ERST denken, bevor Du Deine Klappe
aufmachst?" fragte sie barsch.
Geknickt, verletzt stand er auf und sagte nur "Gute Nacht, ... Ihr zwei."
dann schloss er die Tür von der anderen Seite.
Kian konnte lange nicht schlafen. Er dachte immer wieder nach.
Irgendwann ist er dann aber doch eingeschlafen.
Doch träumte er davon, das Sandy mit diesem Brad vor dem Altar stand und
"Ja" sagte.
Brian hatte ein Baby - Kians Baby - auf dem Arm und grinste bedrohlich.
Kian konnte zwar alles sehen, aber sich nicht bewegen -
ER war an das Kreuz genagelt!
Schweißgebadet wachte er auf. -Was hatte das alles zu bedeuten? -
Als er runter kam, saßen seine Kollegen alle ziemlich geknickt auf der
Couch und Anto sah Kian vorwurfsvoll an.
"Bin ich zu spät?" fragte Kian verwundert.
"Kommt darauf an wofür!" schnaubte Nicky.
"Was ist hier los?" fragte Kian mit einem unguten Gefühl im Bauch.
Mark liefen Tränen übers Gesicht und Shane hatte sein Gesicht in seinen
Händen vergraben.
"Sagt schon!" wurde Kian wütend.
Anto sagte nur "Sie ist weg, ... für immer." auch er klang ziemlich traurig.
"Sandy?" fragte Kian, der’s nicht glauben wollte - nicht nach gestern Nacht
...
"Egan! Bist Du so herzlos oder was?" brüllte ihn Nicky jetzt an, schnappte
sich sein Handy und verzog sich.
Kian bleib wie angewurzelt stehen, dann packte er sich Mark. "Feehily! - Du
gibst mir jetzt sofort die Adresse von ihrer Schwester in Schottland!" brüllte
er seinen Freund an.
Nicky tauchte wie aus dem Nichts wieder auf und brüllte Kian an "Da ist
sie auch nicht! - So schlau war ich auch schon." und befreite Mark aus Kians
Klauen. Ratlos setzten sie sich alle wieder hin.
Anto wusste auch nicht weiter "Tut mir leid, aber *The Show must go on*, wir
haben Verträge." zuckte er hilflos mit den Schultern.
Nicky hackte schon wieder auf seinem Handy rum, er hatte Louis angerufen und
blieb bei den anderen sitzen.
"Louis? - Ja, ... so geht das nicht! - Nein, wir müssen sie erst finden,
vorher kriegst Du Uns zu gar nichts mehr! ... Verstanden? - Das ist mein Ernst!
- Bitte, wenn Du mir kündigen willst, tu’ s doch! - Das ist es mir wert!
... SIE ist wichtiger!" er legte auf und dann stand er wortlos auf und ging
rauf.
Keine halbe Stunde später stand er mit seinen Klamotten wieder unten.
Die anderen sahen ihn nur verständnislos an.
"Louis hat mir gekündigt und ich suche jetzt Sandy. - Anto den restlichen
Kram könnt ihr zu Gina schicken." dann wandte er sich zur Tür, doch
Kian hielt ihn auf. "Nicht ohne mich!" packte er Nicky am Arm. "Gib mir eine
halbe Stunde." bat er nur und Nicky nickte dankbar.
Jetzt waren auch Mark und Shane auf den Beinen.
"Alle oder keiner!" und schon waren auch sie nach oben gestürmt.
Anto blickte Nicky nur traurig an. Dann sagte er leise "Hast du es schon bei
Rob versucht?" und Nicky griff schon nach seinem Handy.
Doch da war sie auch nicht. Jetzt war auch Robbie beunruhigt. Doch er gab Nicky
die Nummer von Fil und meinte, wenn er es auch nicht wüsste, würde
er einen Detektiv beauftragen.
"Danke, Mann. - Ja, wer zuerst was weiß, meldet sich."
Die anderen kamen wieder runter gerauscht.
Nicky telefonierte gerade mit Fil.
"Fil, sag es mir! - Du weißt doch was!" Nicky riss langsam der Geduldsfaden.
"Nach Dublin?! - Gut, ... meinst Du, Du schaffst das? - Ruf an, wenn Du es weißt!"
das Gespräch war beendet und alle sahen ihn gespannt an.
"Wir sollen in Dublin auf ihn warten, er versucht sie dort hin zu bekommen,
damit sie es uns erklärt - aber er macht uns keine großen Hoffnungen!"
erklärte Nicky.
Sie sprangen alle in den Van und fuhren zum Airport, wo sie den nächsten
Flieger nach Dublin nahmen.
Unterwegs wurde natürlich wild spekuliert, nur Kian beteiligte sich nicht.
Er tat so als wenn er - wie immer - schlief, jedoch kreisten seine Gedanken
immer wieder um die letzte Nacht. Kurz bevor sie landeten, war er zu einem Entschluss
gekommen.
Nicky hatte mit Mark schon abgesprochen, das er mit zu den Byrnes kam. Shane
sah zu Kian, der aber den Kopf schüttelte "Geh auch zu Nicky, ich muss
erst noch was klären, dann komme ich auch hin." Und schon war er weg und
ließ seine Kollegen einfach stehen.
"Typisch!" keifte Shane ihm hinterher.
Gina war schon verzweifelt, doch Nicky war froh, das er sich um sie kümmern
konnte, das lenkte ihn von sich selbst am Besten ab.
Kian fuhr zu Jodi.
Sie war überrascht ihn zu sehen, doch nach dem er sich nicht umarmen und
küssen lassen wollte, wurde ihr klar, was jetzt passieren würde. Sie
hatte gehofft, das es nicht so werden würde, wenn sie ihn das nächste
Mal sehen würde ...
Kian war in Eile, daher machte er es etwas sehr kurz und damit - für Jodi
- schmerzvoll. Er trennte sich von ihr.
Auf ihre Frage, weshalb, meinte er nur, das er fremdgegangen sei und sie nicht
lieben würde.
Bevor Jodi richtig klar wurde, wie ihr geschah, war er auch schon wieder weg.
Kians Handy klingelte und es zeigte eine unbekannte Nummer, so das er hoffte
es wäre Sandy. - Doch es war Robert!
"Egan? - Wo bist du?"
"Williams? - In Dublin. - Wieso?" Kian war zu überrascht.
"Sandy hat mich angerufen..." "Wie geht’s ihr? - Wo ist sie?" schrie Kian ins
Telefon. Er musste den Wagen anhalten, denn er zitterte am ganzen Körper.
"Bei Fil. Und den Umständen entsprechend, in die DU sie gebracht hast,
gut." brüllte Robert zurück. "Können wir von Mann zu Mann darüber
reden oder muss ich weiter brüllen?" fragte Rob zynisch.
"Schon gut. - Sie hat es Dir gesagt?" wunderte sich Kian.
"Ja, natürlich. - Dachtest Du sie würde mir so etwas wichtiges verheimlichen?!
- Hast Du immer noch nichts über sie gelernt?" fragte Rob spöttisch.
"Wie denn? - Sie läuft ja immer gleich weg." resignierte Kian.
"Sie läuft nur vor DIR weg, Idiot!" wurde Rob langsam sauer.
"Hä?"
"Mein Gott auch! - Du bist derjenige, der eine andere hat und sie hat ihren
Stolz. Sie will um ihretwillen geliebt werden und nicht weil sie einen Vater
für ihr Kind braucht! - Das müsste Dir doch AUCH einleuchten, oder?"
wurde die Unterhaltung doch zivilisierter.
"Die Andere ist Geschichte. - Aber wie macht man einer stolzen eigensinnigen
Frau klar, das man sie so sehr liebt, das man für sie sterben würde?"
gab Kian langsam auf.
"Sie wird nicht mit Fil zu Nicky fahren. - Das ist Deine einzige Chance!" blieb
Rob ruhig.
"Wie jetzt? - Was für eine Chance?" Kian verstand nur Bahnhof.
"F*ck! - Bist Du immer so dämlich? Dann verdienst Du sie ja gar nicht!"
Rob war mega-wütend. Er verlor grade die einzige Frau, die er wirklich
liebte, zum x-ten Male und dann an einen irischen Schwachmaaten, der ihrer nicht
würdig und noch dazu viel zu jung für diese Klasse-Frau war. Er konnte
es nicht fassen, das er dem auch noch helfen wollte ... - das mussten die Drogen
sein, die er nicht mehr nahm oder lag es doch an den Anti-Depressiva? -
"Rob? - Bitte, ich kann ohne sie nicht leben, hilf mir! Du kennst sie doch besser
..." Kian schluckte nicht nur seinen Stolz runter, sondern auch den Hass, den
er all die Jahre gegen den Mann am Telefon gehegt hatte.
"Aber nur für Sandy und das Kind." wurde Rob ruhiger.
Er gab Kian die Adresse, nördlich von Belfast, wo sie wohnte und die ungefähre
Zeit in der Fil zu Nicky fahren würde.
Kian dankte ihm mehr, als er durchs Telefon sagen konnte und fuhr sofort los.
Belfast:
Kian hatte es schnell gefunden, er wartete nur darauf das Fil endlich los fuhr.
Als der eine viertel Stunde weg war, stieg Kian aus und klingelte.
Er war vorbereitet, als sie ihm die Türe wieder vor der Nase zuschlagen
wollte und hatte seinen Fuß in der Tür.
"Wir reden JETZT!" meinte er nur sehr ernst.
Sandy war zu schwach geworden, um sich zu wehren, sie ließ ihn rein.
Kian sah sich um und stellte fest, das die Wohnung sehr ihrem Zimmer in London
ähnelte.
"Ist das Fils oder Deine Wohnung?" fragte er.
"Ist das wichtig?" wich sie aus.
Sie setzten sich ins Wohnzimmer, das hell und gemütlich eingerichtet war.
Sie wies mit einer Handbewegung auf den Sessel neben der Couch auf die sie sich
wieder unter eine Decke verzog.
"Geht’s Dir ... Euch gut?" fragte Kian.
"Ja, alles okay." sie fasste unbewusst um ihren dicken Bauch und ein Lächeln
huschte über ihr Gesicht, dann sah sie wieder genervt aus.
"Was willst Du, Egan?" fragte sie hart.
"Dich! - Euch!" sagte er entschieden.
"Hast Du da nicht jemanden vergessen?! - Was ist mit Jodi?" blieb sie reserviert.
"Wir sind nicht mehr zusammen." meinte er nur.
"Du trennst Dich immer schnell und leicht ..." gab sie zu bedenken.
"Was heißt hier *immer*?" fragte er vorwurfsvoll.
"Jessica, ich, Jodi ... um nur die zu nennen, die Dich länger als eine
Nacht hatten." sie blieb so gefährlich ruhig dabei ...
"Ich weiß, was ich will. - Und ich weiß, was ich fühle und
ich habe es Dir gesagt." gab er ruhig zurück.
"Ja, das hast Du. Aber ich habe Dich auch gefragt für wie lange!?" erinnerte
sie ihn.
"Auch das habe ich Dir beantwortet!" erinnerte er sie.
- Schweigen. -
Sie starrte immer noch aus dem Fenster hinter ihrer Couch, so das er ihr Gesicht
nicht sehen konnte. Doch als er die Spiegelung im Fenster erkennen konnte, sah
er das ihr die Tränen liefen. - Sch**ß Hormone! -
Er stand auf, setzte sich zu ihr und nahm sie langsam in die Arme. Sie schreckte
kurz zusammen, doch dann ließ sie es zu.
"Liebes! - Lass mich Dir jeden Tag beweisen, wie sehr ich Dich liebe und das
wir zusammen gehören." fuhr er mit seiner Hand über ihren Rücken,
damit sie sich endlich beruhigte.
"Ich habe Angst." schluchzte sie.
"Wovor?" fragte er ungläubig - was konnte denn jetzt noch passieren?!
"Vor dem was kommt." schniefte sie nur. [tolle Erklärung, hä?]
"Was soll denn schon sein, das wir nicht schaffen könnten? Wir haben es
bis hier her geschafft, dann schaffen wir auch alles andere." war er optimistisch.
"Du hast ja keine Ahnung ..." schnaubte sie.
"Dann sag’s mir." war er immer noch ruhig.
"Du weißt nicht, worauf Du Dich einlässt ..." drohte sie schwach.
"Wir bekommen ein Kind, das kenne ich von meinen kleinen Geschwistern. Das schaffen
wir locker!" grinste er.
"Das ist es nicht." schniefte sie wieder.
"Kannst Du mich dann bitte endlich aufklären?" wurde er langsam ungeduldig.
"Meine Familie..." "Hey, ich kenne Deine Schwester und Deinen Bruder bereits.
- Und Fil und Robbie auch." schränkte Kian ein.
"Die sind auch nicht das Problem, ... eher der Rest, nach meiner Schwester und
meinem Bruder ..." seufzte sie tief. Er hatte ja noch nicht einmal den blassesten
Schimmer, wen er hier in Armen hielt...
"Können wir es nicht erst mal den Jungs sagen, bevor wir weiter gehen?
- Die drei und Gina sind nämlich auch schon krank vor Sorge um Dich." fiel
ihm ein.
"Gut. - Dann ruf Du Nicky an und ich Fil." So machten sie’s und fuhren dann
zusammen nach Dublin zurück.
Dublin:
Fil hatte nach dem Telefonat mit Sandy alle beruhigen können und so warteten
sie, bis Sandy - mit Kian - bei Gina und Nicky ankam.
Alle waren erleichtert, doch stürmten sie Sandy nun mit allen Fragen, die
sich ihnen stellten.
"Wie hast Du sie eigentlich gefunden?" wollte Shane von Kian wissen.
Kian wollte grade ansetzen, da legte ihm Sandy ihre Finger auf den Mund und
verkündete die frohe Botschaft, das sie bald ein Baby bekäme.
Doch Shane wäre nicht Shane Filan, wenn er nicht vor Neugierde platzen
würde ...
"Wer ...?" weiter kam er nicht, denn Kian nahm Sandy von hinten liebevoll in
die Arme und streichelte, zufrieden lächelnd, über ihren Bauch. Die
beiden sahen sich zärtlich an und allen war klar, WER der Vater war.
Doch Nicky wollte wissen, wann das denn passiert sei. Und Kian sagte nur "Bon
Jovi" und da ging Nicky dann der Kronleuchter an.
Als sie zusammen eine Flasche Champus geöffnet hatten (Sandy trank natürlich
O-Saft!), brachte Mark den Trinkspruch aus "Auf die Zweite Generation Westlife!"
und dem stimmten alle zu.
***************************************************************
Keine zweieinhalb Monate später kam Patric Nicholas Francis Egan zur Welt.
Kian machte Sandy einen Antrag [das überlas ich Eurer Fantasie ...]
und sie waren mitten in den Hochzeitsvorbereitungen.
Kian hatte seinen Sohn stolz auf dem Arm und wiegte ihn in den Schlaf, während
er und Mark leise für den Kleinen sangen.
Sandy telefonierte jetzt seit über einer Stunde mit ihrer Schwester.
Sie hatte sich mal wieder in das kleine Büro verzogen und so drangen nur
manchmal, wenn sie laut wurde, ein paar Brocken der Unterhaltung zu den Jungs
in die Lounge.
"... muss ich NICHT! ..." -
"... was DIE denken, ist MIR EGAL! ..." -
"... JÜDISCH? - Ich bin Katholikin... BASTA!..." -
"... DAS ist DEINE Aufgabe, DU bist Mums Nachfolgerin!... NEIN!..."
Mark und Kian sahen sich immer wieder fragend an.
Beide hatten Anna-Maria als eine herzliche, liebevolle Schwester kennengelernt.
Was konnte sie gegen die Heirat mit Kian haben?
Mark dachte an dieses riesige Anwesen, doch hatte er ja versprochen, nie darüber
mit jemandem zu sprechen und so hielt er auch sein Wort.
Einige Zeit hörten sie nichts mehr, doch dann kam Sandy ziemlich blass
und abgekämpft aus dem Büro. Sie ging zielstrebig auf Kian und ihren
Sohn zu, gab dem Kleinen einen Kuss auf die Stirn und nahm ihn Kian aus dem
Arm, um ihn eine Weile selber zu halten. Langsam kam sie wieder zur Ruhe, sie
liebte dieses kleine Wesen...
Dann gab sie den Kleinen in Marks Arme. "Pass mal auf Pat auf, Onkel Marky."
und nahm Kians Hand und zog ihn mit in den Garten.
Sandy zog Kian hinter die hohen Hecken, so das sie unbeobachtet waren.
Sie drehte sich an ihrer Lieblingsstelle zu ihm um und küsste ihn lange
und innig. Er genoss es immer wieder ... diese wundervolle Frau gehörte
tatsächlich zu ihm, sie hatten eine kleine Familie ...
Sandy löste sich zögernd von ihm.
"Ki, es gibt etwas, das ich Dir schon längst hätte sagen müssen."
begann sie ernst und Kian konnte das komische Gefühl in seinem Bauch nicht
verdrängen.
"Du denkst, das Du mich kennst und vieles, wenn Du Dir nicht sogar einbildest,
alles, von mir zu wissen. - Dem ist nicht so, Liebling! - Du weißt das
wichtigste leider nicht: Du weißt nicht, WER ich bin."
- der Anfang war gemacht, jetzt gab es kein zurück mehr ...
"Sana?! - Was redest Du da? Ich komm nicht mehr mit ..." Kian standen mehr Fragezeichen
in seinem Gesicht geschrieben, als jemand hätte zählen können...
Sie erklärte ihm vorsichtig, das sie die jüngste Tochter einer sehr
mächtigen Familie ist und es deren Tradition sei, das die jüngsten
Töchter, das Erbe der Mutter antraten und somit die Familienoberhäupter
wurden. Roth war nur der erste Teil ihres vollen Nachnamens, so konnte sie unbehelligt
leben.
Sie erzählte ihm noch mal, das ihre Mutter ja bei ihrer Geburt gestorben
war. Sie war aber damit noch zu klein, um einen Clan zu leiten und so hatte
ihre 13 Jahre ältere Schwester diese Aufgabe übernehmen müssen.
Anna-Maria war ein perfektes Oberhaupt und leitete den schottischen Clan hervorragend,
da waren sich alle in der Familie einig.
So hatte man Sandy auch nach dem schrecklichen Verlust des Vaters nach London
ziehen lassen, wo sie sich dank Louis Beziehungen ein eigenes Leben einrichten
konnte und ihren Job verdammt gut machte.
"Doch durch die Geburt von Pat und unserer anstehenden Hochzeit, will die Familie das wir nach ihren Regeln spielen." endete sie vorläufig.
Kian war sprachlos, er hatte sich nicht nur die wundervollste Frau, die er
je getroffen hatte *geangelt*, nein, sie war sogar ein Mitglied einer der mächtigsten
Familien, vielleicht sogar neben den Windsors und Kennedys...
Als er sich wieder gefangen hatte wollte er die Regeln wissen.
"Erstens, wollen sie eine riesige Hochzeit machen - und Kian, wenn ich riesig
sage, dann meine ich so an die 700-800 Personen, was ich auf gar keinen Fall
zulassen werde!" sie war sichtlich genervt.
"Zweitens, soll es eine jüdische Zeremonie sein - was auch nicht in Frage
kommt, da wir beide katholisch sind." wieder holte sie tief Luft.
"Und die dritte Regel, gegen die ich mich wehre ist, das Du meinen Namen annehmen
sollst."
"Über das letzte könnten wir doch reden ..." setzte Kian an.
"Kommt überhaupt nicht in Frage! - Ich will eine Egan werden!" sie küsste
ihn.
"Und was hat Anna-Maria dazu gesagt?" fragte Kian, als er an die Wortfezen dachte,
die er vorhin aufgeschnappt hatte.
"Begeistert war sie nicht ..." schnaubte Sandy. "Aber ich habe sie daran erinnert,
das sie als Oberhaupt die einzige ist, die darüber verfügen kann,
wie es gemacht wird. - Und Kian? Sie ist immerhin auch meine Schwester. - Sie
überlegt sich etwas, das ich diese Dinge nicht tun muss, die Familie aber
auch einen akzeptablen Kompromiss bekommen soll. - Wie stehst du dazu?"
"Gute Frage! - Wir sollten das vielleicht mit ihr gemeinsam besprechen, oder?"
schlug er vor. "Das würde bedeuten, das wir nach Schottland müssten..."
Schottland:
So brachen sie - mit einigen Tagen Sonderurlaub von Louis- nach Schottland auf.
Dort traf Kian fast der Schlag als er das riesige Anwesen erblickte, doch sie
wurden ganz selbstverständlich empfangen, so wie wenn er schon ein Familienmitglied
wäre.
Er wurde in alles eingeweiht, was er mit Sandy *mit heiraten* würde.
Nach einigen Tagen, zahllosen Telefonaten in mehreren Sprachen, hatten sie
einen Kompromiss erzielt:
Kian und Sandy würden einmal in Dublin mit den engsten Familienmitgliedern
und Freunden feiern.
Zwei Tage später würde es eine *offizielle* Hochzeit mit ca. 300 Gästen
in Schottland auf dem Anwesen geben, das aber von der Presse abgeschirmt stattfinden
würde.
Dort würde Patric dann auch katholisch getauft werden, so das die Familie
auch ihre Einwilligung wegen des Nachnamens von Patric und Sandy gab.
Glücklich und erleichtert konnten die beiden wieder nach London zurück
kehren, wo noch einige Arbeiten zu erledigen waren.
Die "erste" Hochzeit wurde ein Traum, denn sie konnten es so machen, wie sie
es wollten. Neben Sandys Geschwistern und Kians Eltern und Geschwistern kamen
nicht nur Nicky, Gina, Shane, Gilian, Mark, Anto und Louis, sondern auch Fil
(der ja "an ALLEM Schuld war"), Josie und BRIAN!
Bei der "offiziellen" Variante waren Gina und Nicky auch dabei, denn sie sollten
die Taufpaten des Kleinen Egans werden, was von Anfang an bei allen vieren außer
Frage gestanden hatte.
Und so schlimm wurde es dann auch gar nicht, denn im Grunde ist doch jede Familie
froh, wenn sie sich zu solch einem freudigen Ereignis treffen kann und nicht
nur zu Beerdigungen.
Am Tag drauf begleitete Kian seine Frau zum Grab ihrer Eltern, wo sie einen
sehr großen Strauss mit roten und weißen Rosen aufstellten.
Danach ging es für klein Patric zu Gina und Nicky, so das Kian und Sandy
in die Flitterwochen starten konnten, wo die Produktion für Egan2 vollendet
wurde.
So bekam Sandy nach neun weiteren Monaten eine süße Maus, die den
klangvollen Namen Sharleen Fanella Georgina Egan bekam, nach Sandys Mutter,
der Taufpatin (Kians Schwester) und Sandys bester Freundin.
Natürlich erlebten sie ihre Ups und Downs, doch "das Leben ist, wie eine
große Pralinenschachtel - man weiß nie, was man erwischt" ... [Smile!]
*#*# - The End! - #*#*
So, ich hoffe die Fiction hat Euch gefallen.
Zu meiner *Verteidigung* muss ich beichten, das sie unter dem Einfluß
von starken Medikamenten geschrieben wurde, aber auch einige autobiografische
Züge enthällt ... aber Fiction bleibt Fiction.