Ich möchte diesen Fic meiner Freundin
Franzi widmen, die ich zwar noch nicht so lange kenne, aber um so mehr lieb
habe!!!
Franzi, ich freu mich sooo, dass wir uns so gut verstehen und hoffe, dass das
noch eine ganze Weile so bleibt. Und lass uns ihn wirklich umrennen, dann kann
unser Marky nicht weglaufen ;-)
Hdsmdlfiueadgww!!!
(für die, die net wissen, was das heißt: hab dich super mega doll
lieb für immer und ewig auf der ganzen weiten Welt!)
Franziska hob langsam den Kopf und sah in ein paar wunderschöne meeresblaue
Augen, die sie schon seit Jahren faszinierten.
Mark strich ihr liebevoll über die Wange und nahm sie in den Arm.
"Du bist schon wach?", fragte Franzi. "Das kenne ich ja gar nicht
von dir." Mark schnaubte, legte aber seine Arme fester um sie.
"Auch ich wache manchmal früher auf als erwartet...", flüsterte
er und küsste sie sanft. Franzi sah ihn liebevoll an und seufzte.
"Du weißt gar nicht, wie glücklich ich mit dir bin..."
Mark kuschelte sich an seine Freundin. "Stell dir mal vor, wir sind jetzt
fast vier Jahre glücklich zusammen. Wenn ich da an den Anfang denke..."
Mark ging so schnell es ging aus dem MTV-Studio in Berlin. Diese Anastasia
war ja auch wirklich nicht zum Aushalten! Er fühlte sich ja geschmeichelt,
dass sie so auf ihn stand, aber er hatte von ihr doch ein wenig mehr Professionalität
erwartet.
Eine Hand klopfte ihm jetzt auf die Schulter.
"Na, Marky, schon Stift und Zettel im Anschlag?" Mark drehte sich
perplex zu Bryan um.
"Sag mal, denkst du, wir kommen hier weg, ohne den Fans, die da draußen
warten, ein Autogramm zu geben?? Träum weiter, Sportsfreund!", meinte
Bry. Mark schüttelte den Kopf.
"Nein, das dachte ich nicht. Ich war... nur grad in Gedanken." Und
drei Sekunden später: "Okay, auf in den Kampf!"
"Aaaaahhhhhhhhh, sieh mal, da sind WESTLIFE!!!!!!!!!" Mark zuckte
bei dem Schrei zusammen und bemerkte nicht ohne Genugtuung, dass es Bryan nicht
anders gegangen war. Trotzdem stellten sie sich tapfer den Fanmassen. Ihre Bandmates
Shane, Nicky und Kian waren schon draußen und schrieben sich die Finger
wund.
Nachdem Mark sich etwa hundert Mal "AAAHHHHH, oh Gott, das ist ja Mark!!!!!"
ins Ohr schreien lassen hatte, wechselte er die Stelle und ging etwas mehr in
die Mitte der Absperrungen. Während er ein Autogramm für eine ca.
15-Jährige schrieb, hob er den Kopf und sah in zwei wunderschöne Augen.
Sofort hoben sich seine Mundwinkel zu einem Lächeln.
"Wie geht's dir?", fragte er. Doch entweder konnte das Girl kein Englisch
oder sie war zu überrascht, dass Mark sie angesprochen hatte, auf jeden
Fall antwortete sie nicht, sondern sah ihn nur halb lächelnd an.
Okay, zweite Variante, entschied er in Gedanken. Aber dieses halbe Lächeln
reichte schon aus, um ihn fast genauso aussehen zu lassen wie das Girl. Sie
sah einfach bezaubernd aus.
Eine Weile sahen sie sich an, und nur ein Bodyguard konnte sie trennen, indem
er Mark sagte, dass sie losmussten.
Im Auto sah er zuerst noch ziemlich lange aus dem Fenster raus, in der Hoffnung,
sie zu sehen, doch das gab er bald auf.
Oh Gott, wie konnte man auch nur so doof sein und sich einfach von einem Bodyguard
wegziehen lassen und dabei noch kein Wort mit der blonden Schönheit gewechselt
zu haben!! Er könnte sich am liebsten nur noch schlagen!!
Seine verdammte Schüchternheit würde ihm nur helfen, bis ans Ende
seines Lebens Single zu bleiben...
Franzi lächelte.
"Ich war wirklich zu überrascht, um zu antworten! Wer glaubt denn
schon, von dem süßesten Typen der Welt angequatscht zu werden, wenn
man eigentlich nur ein Autogramm haben will! Und dann hatte ich nicht einmal
eins!"
Mark fing an zu lachen.
"Ich wusste aber auch nicht, was ich machen sollte! Du hast mich einfach
nur angestarrt und bist stumm geblieben. Was hättest du denn an meiner
Stelle gemacht?"
Sie zuckte mit den Schultern.
"Mich für den Rest meines Lebens gehasst?", schlug sie vor.
"Nun, das hab ich auch die ganze Fahrt zum Hotel und den darauffolgenden
Tag gemacht."
Wieso konnte Sabrina nicht in kleineren Hotels ihre Tasche vergessen??!! Franzi
war mehr als nur sauer und das nicht nur, weil es ihre Tasche war. Sie hasste
es, in so großen Räumen mehr oder weniger allein zu sein. Sie fühlte
sich dabei so verloren.
Doch wenigstens war die Frau an der Rezeption so nett und telefonierte im gesamten
Hotel herum, ob jemand eine blaue Sporttasche gesehen hatte.
Ein wenig gelangweilt stand Franzi nun an der Rezeption. Um überhaupt etwas
machen zu können, nahm sie ihre Bauchtasche vom Tresen und wühlte
darin herum. Dabei merkte sie nicht, dass ihr eine Packung Taschentücher
herausgefallen war. Nein, sie merkte es nicht, aber der junge dunkelhaarige
Mann mit dem Basecap, der sie schon die ganze Zeit unauffällig beobachtet
hatte. Nun stand er auf, als sie ihm den Rücken zugekehrt hatte, und kam
auf sie zu.
Selbstverständlich zuckte Franzi fürchterlich zusammen, als sich eine
Hand auf ihre Schulter legte, und sie wirbelte herum. Und sah wieder in diese
wunderschönen blauen Augen, die sie schon mal gesehen hatte.
Ach, du meine Güte! Franzi schlug sich in Gedanken an die Stirn. Das war
ja Mark Feehily! Konnte sie solch ein Glück haben, nachdem sie sich wie
ein Idiot vor den MTV-Studios verhalten hatte? Nun, offensichtlich schon.
"Ähm... du hast was fallen gelassen.", meinte Mark schüchtern
und reichte ihr das Päckchen Taschentücher, wo er sofort mit einem
der schönsten Lächeln der Welt belohnt wurde.
"Danke. Äh... wo ich mal die Gelegenheit habe...",
Mark verdrehte in Gedanken die Augen. Sie war doch nur ein gewöhnlicher
Fan, den nichts glücklicher machen konnte, als ein Autogramm.
"... ich wollte mich entschuldigen. Dafür, dass ich dich vielleicht
blamiert habe.", endete sie und lächelte unsicher. Er sah sie mit
großen Augen an und ihr Lächeln verschwand jetzt fast ganz.
Was hatte sie falsch gemacht? Er sah ja so aus, als ob er im nächsten Moment
sich umdrehen und weggehen würde...
"Ähm, ja, weil ich nicht geantwortet habe.", fügte Franzi
noch hinzu.
"Ähm... Fräulein Kunze? Ihre Tasche wurde gefunden und zwar auf
der Toilette hier im Erdgeschoss. Dazu müssen sie nur..." Die Stimme
der Frau hinter dem Tresen riss sie aus dem Bann von Marks Augen und (was viel
wichtiger war) aus dieser peinlichen Situation.
Doch Mark schien verstanden zu haben, was die Frau gesagt hatte, und reagierte
dementsprechend.
"Schon gut, Sie müssen ihr nicht erklären, wie sie dorthin kommt.
Ich weiß, wo diese Toilette ist. Komm!" Das letzte sagte er zu Franzi,
nahm sie an der Hand und zog sie mit. Vollkommen verwirrt folgte sie ihm.
"Nun, da du ja anscheinend meinen Namen kennst, möchte ich auch gerne
deinen erfahren. Wie heißt du?", fragte Mark. Zuerst war Franzi genauso
'blockiert' wie vor den MTV-Studios, doch dann spürte sie ihre Hand in
Marks und ihre Zunge löste sich.
"Ich heiße Franziska, aber alle nennen mich Franzi. Du kannst dir's
aussuchen.", sagte sie leise. Er drehte den Kopf und sah sie an.
Gott, dachte Franzi, er muss ja immer, wenn er in einen Spiegel sieht, selbst
dahinschmelzen, bei diesen Augen....!!!
"Franzi... Ein sehr schöner Name. Warte, wir müssen hier lang!"
Franzi wurde von Marks Körper in eine andere Richtung gedrückt. Sie
hoffte inständigst, dass er diese riesigen Wellen, die sie so erzittern
ließen, nicht bemerken würde.
Sie unterhielten sich den ganzen Weg lang. Mark fragte sie über fast alles
aus. Gerade, als sie bei der Toilette ankamen, fragte er nach ihrem Alter.
"Ich bin 15.", flüsterte sie und sah unsicher auf.
Sie war sich 100 pro sicher, dass Mark sich jetzt, da er ihr Alter kannte, wegen
einer "superwichtigen" Sache verabschieden würde und ihr Traum,
mit ihm so richtig mal zu quatschen, in tausend Stücke zerbrechen würde.
Doch Mark nickte nur und steuerte auf die Toiletten zu. Er sagte zwar nichts
mehr, doch er sah auch nicht sehr verärgert oder distanziert aus.
Ganz im Gegenteil, als sie ihre Tasche wiederhatte, fragte er sie noch, ob sie
nicht Lust hätte, sich mit ihm noch irgendwo hinzusetzen und sich weiter
zu unterhalten.
Begeistert nickte sie. Mark warf ihr ein charmantes Lächeln zu, weswegen
sie schon wieder fast hinschmelzen hätte können.
Sie wurde von ihm zum Fahrstuhl geführt, den sie etwas verwundert ansah.
Mark bemerkte ihren Blick.
"Nun, ich hoffe, du denkst jetzt nichts falsches von mir... aber ich hatte
mir gedacht, dass wir auf mein Zimmer gehen könnten... Bitte, Franzi, ich
habe wirklich nicht im Sinn, dich irgendwie zu bedrängen..."
"Hey, ist schon gut, Mark. Das habe ich nicht von dir gedacht.", unterbrach
Franzi ihn. Erleichtert stiegen sie jetzt in den Fahrstuhl und fuhren in den
7. Stock des Hotels.
"Mark, du hast mich so sehr erschreckt, als du zu mir gekommen bist! Plötzlich
steht jemand hinter mir und berührt mich... Ich hätte fast losgeschrieen!"
Franzis Hand wanderte von Marks Arm auf seine nackte Brust und spielte mit seinen
Brusthaaren. Seine Hand senkte sich auf ihre und streichelte sie.
"Du bist zusammengezuckt, als ob neben dir eine Polizeisirene losgegangen
wäre! Denkst du, ich hab mich nicht erschreckt??"
Sie zuckte mit den Schultern.
"Ich war halt in Gedanken... und da konnte ich niemanden gebrauchen, der
mir plötzlich auf die Schulter tippt!", konterte sie achselzuckend.
"Aber das war ja noch nicht mal das einzige, was mich an diesem Tag erschreckt
hat...", murmelte Mark.
"Was war denn noch? Habe ich denn so schlecht geküsst?", fragte
sie grinsend. Er lächelte zurück und verschloss ihre Lippen mit einem
langen Zungenkuss.
"Nein. Das hast du damals nicht und jetzt auch nicht. Nur die Tatsache,
dass du mich geküsst hast..."
Lange unterhielten sie sich über Gott und die Welt. Vorher hatte Mark
sie ausgequetscht, jetzt war Franzi dran.
Sie lachten sehr viel und kämpften schließlich spielerisch auf Marks
Bett herum.
"Ätsch, ich hab gewonnen!", rief Franzi jetzt und setzte sich
siegessicher auf Marks Hüften. Er wollte sie von sich runter heben, doch
sie presste seine Arme auf die Bettdecke.
Dabei war ihr Gesicht nur noch ein paar Zentimeter von seinem entfernt, sodass
Franzi wieder von seinen Augen in den Bann gezogen wurde. Doch ihm ging es genauso:
Ihre blauen Augen brachten ihn noch um den Verstand. Und dazu noch dieses leichte
Lächeln...
Franzi wusste in diesem Moment wirklich nicht mehr, was sie machen sollte, also
ließ sie sich von ihrem Bauchgefühl leiten.
Ihre Lippen näherten sich Marks und berührten sie schließlich.
Als sie sich von ihm löste und er in ihre Augen sah, sah er viel Angst,
aber auch Vertrauen. Franzi setzte sich jetzt normal auf das Bett. Dabei mied
sie Marks Blick, doch er setzte sich neben sie und ergriff ihre Hand. Jetzt
sah sie ihn an, zwar ängstlich, aber doch etwas trotzig.
Mark strich ihr sanft über die Wange, legte ihr einen Arm um die Hüfte
und küsste sie erneut.
Diesmal blieb der Kuss nicht so unschuldig und bald lagen sie auf dem Bett,
an den anderen angekuschelt. Franzi stützte sich auf ihren Ellenbogen und
sah Mark unglücklich an.
"Das geht nicht... und du weißt das.", flüsterte sie, doch
er zog sie entgegen einer Antwort an seine Brust.
"Glaubst du denn nicht an uns?", fragte er nach einer Weile traurig.
Innerlich verletzten diese Worte sie sehr, also schmiegte sie ihren Kopf an
seinen Oberkörper.
"Doch... aber... wenn das jemand rausfindet..."
"Ja, wenn! Franziska, ich liebe dich. Frag mich nicht, woher ich das so
schnell weiß, aber ich weiß es einfach. Wir schaffen das schon,
keine Angst."
"Keine Angst! Mark, du könntest vielleicht ins Gefängnis kommen!",
protestierte Franzi. Doch sie gab seiner Hand nach und legte sich wieder neben
ihn.
"Wir schaffen das...", flüsterte Mark ihr ins Ohr.
"Aber dafür hast du den Kuss ja sehr genossen, wenn du dich ja angeblich
sooo erschreckt hast!", lachte Franzi. Mark zog eine Schnute und wollte
sich von ihr wegdrehen, doch ihre Lippen waren jetzt an seinem Ohr und er konnte
sich nicht mehr bewegen.
"Bitte, Darling... hör auf, ich...", stammelte er. Franzi ließ
sein Ohr los und lächelte.
"Du...?", fragte sie unschuldig lächelnd.
"Warte nur, bis ich dich kriege!!", rief Mark jetzt und warf sich
auf seine Freundin, um sie abzukitzeln.
Erst nach zehn Minuten konnte Franzi sich befreien und vollkommen außer
Atem sanken sie wieder in die Kissen.
"Die darauffolgenden Tage und Wochen waren aber auch wirklich schön...",
schwärmte Mark. Franzi ließ ihre Gedanken an den Tag fünf Wochen,
nachdem sie sich kennen gelernt hatten, schweifen und lächelte versonnen.
Es war ihr erstes Mal mit einem Mann, und es war so schön gewesen, mit
Kerzen und Rosenblättern, leiser Musik und einem superzärtlichen Lover...
Doch ihr Lächeln verblasste, als sie weiterdachte.
"Du denkst an den Tag, an dem uns deine Mutter erwischt hat, stimmt's?",
vermutete Mark. Franzi erschauderte und nickte.
"Franziska!!!!!!" Vollkommen überrascht fuhren Mark und Franzi
auseinander. Sie waren spazieren gewesen und hatten sich gerade leidenschaftlich
geküsst, als sie von diesem Ruf gestört wurden.
Franzi sah den Parkweg entlang und erstarrte.
"Oh mein Gott... meine Mutter!", stotterte sie. Mark verstand zuerst
nicht, doch dann dämmerte es ihm, und er nahm sie schützend in den
Arm.
"Nehmen Sie Ihre dreckigen Finger von meiner Tochter!!", keifte eine
zierliche Frau im dunklen Kostüm, die jetzt auf sie zustürmte.
"Mark... Mark, du musst weg!", drängte Franzi jetzt, doch er
schüttelte den Kopf.
"Vergiss es, Darling. Ich lass dich nicht allein."
Einerseits war sie froh darüber, dass er sie nicht einfach so
stehen ließ, doch sie bekam plötzlich große Angst um ihren
Freund. Er war gerade erst von einer Englandreise zurückgekehrt und sie
hatte sich riesig gefreut, als er sie angerufen und gefragt hatte, wann sie
denn wieder Zeit hätte.
"Fräulein, dürfte ich bitte erfahren, was du jetzt hier draußen
machst?? Solltest du nicht längst zu Hause sein??!!" Mark wollte etwas
zu Franzis Verteidigung vorbringen, doch ihre Mutter schnitt ihm das Wort ab.
"Und Sie bleiben am besten ganz still, junger Mann!! Das wird ein Nachspiel
haben!! Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf: Schalten Sie Ihren Anwalt
ein!"
Franzi klappte der Mund auf. Das konnte sie nicht glauben!! Was fällt der
denn überhaupt ein?!! Mark schien äußerlich ruhig, doch Franzi
kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass in ihm ein wahres Chaos war.
"Verlassen Sie sich drauf, Frau Kunze!", antwortete Mark in gebrochenem
Deutsch, wandte sich Franzi zu und küsste sie noch einmal sanft. Dass Franzis
Mutter daneben stand und fast im Dreieck sprang, störte die beiden Verliebten
wenig.
"Lassen Sie sie los! Franziska, nun tu doch etwas! Ich bin da, du kannst
dich doch wehren!" Ihre Mutter steigerte sich immer weiter rein, sodass
Franzi den Kuss schnell beendete.
"Ich habe echt gedacht, deine Mutter bekommt jetzt einen Herzanfall oder
so! Sie hat sich ja schrecklich aufgeregt...", meinte Mark. Franzi nickte.
"Wenigstens hatte sie sich bei Gericht mehr unter Kontrolle.", stimmte
sie zu.
Als Mark das hörte, spürte er einen Stich im Herzen. Der Prozess und
die darauffolgende Zeit war für sie beide sehr schwer gewesen.
Franzi saß wie versteinert im Gerichtssaal und starrte auf den Richter.
Manchmal wanderten ihre Augen und begegneten Marks Blick, doch lange konnte
sie diesen tieftraurigen Augen nicht standhalten, also sah sie wieder runter
oder den Richter an. Der Prozess wurde in Englisch abgehalten, sodass Mark auch
etwas verstand.
"Fräulein Kunze...?" Franzi schreckte hoch und sah in das väterlich
besorgte Gesicht des Staatsanwaltes. Sie fand ihn sofort unsympathisch.
"Fräulein Kunze, Sie müssen uns noch eine Frage beantworten,
bevor wir diesen Mann verurteilen können. Hat er Sie zum Geschlechtsverkehr
gezwungen?"
Sie sah ihn völlig verblüfft an.
"Nein, natürlich nicht! Mark würde so etwas nie tun!", rief
sie aufgebracht.
"Nun, dann stelle ich die Frage anders: Hatten Sie Sex mit dem Angeklagten?"
Der Staatsanwalt stützte sich vor ihr auf den Tisch und sah sie eindringlich
an.
"Sie müssen die Wahrheit sagen, sonst können Ihre Eltern eine
Strafe erhalten."
Franzi hob ganz langsam ihren Kopf, dabei gingen ihr tausend Gedanken im Kopf
herum.
Ja, sie hatte mit ihm geschlafen, und das mehr als einmal. Trotzdem sagte sie,
als sie dem Staatsanwalt in die Augen sehen konnte: "Nein, ich habe nicht
mit ihm geschlafen."
Ihre Stimme war sehr leise, aber verständlich.
Mark hob verwundert den Blick, bemühte sich aber schleunigst um eine unbewegliche
Miene.
Er war überrascht, dass sie log.
Was brachte es ihr denn, wenn sie etwas sagte, was ihr womöglich noch eine
Strafe einbrachte??
Eine leise Stimme in seinem Kopf antwortete darauf.
Sie liebt dich. Sie tut alles, damit du nicht noch mehr Schwierigkeiten hast!
Er beobachtete Franzi, wie sie wieder in ihre Trance fiel, doch sie schien gemerkt
zu haben, dass er sie ansah und hob den Blick. Ihre wunderschönen Lippen,
die er schon so oft geküsst hatte, formten sich jetzt zu Worten, sprachen
sie aber nicht aus. Er ahmte die Bewegungen nach und ein schwaches Lächeln
kam in ihm hoch.
Sie hatte 'I love you' gesagt...
"Dürfte ich Sie bitte beide auffordern, Ihren Blickkontakt zu unterbrechen?",
fragte der Staatsanwalt scharf.
Mark warf ihm ein kurzen Blick zu, sah ein letztes Mal zu Franzi und drehte
sich dann um.
"Kommen wir nun zur Urteilsverkündung. Das Gericht hat mit einer großen
Mehrheit entschieden, dass der Angeklagte Marcus Michael Patrick Feehily sich
der Zeugin Franziska Kunze nur auf hundert Meter nähern darf. Dieses Urteil
ist an den Boden der Bundesrepublik Deutschland gebunden. Bitte setzen Sie sich
wieder."
Es begann ein Rascheln und Knieknacken, bis alle wieder saßen.
"Gegen dieses Urteil können Sie, Mr. Feehily, Berufung innerhalb von
zwei Wochen einlegen, Ihr Anwalt wird sie dementsprechend beraten. Die Sitzung
ist geschlossen."
Franzi saß einfach nur da und starrte den Richter an. Das konnte nicht
sein! Das durfte nicht wahr sein! Sie sprang auf, als ein paar deutsche Polizisten
Mark in ihre Mitte nahmen und ihn aus dem Raum führen wollten.
Mark hatte wahrscheinlich eine Bewegung hinter sich bemerkt, auf jeden Fall
drehte er sich um und schloss die völlig aufgelöste Franzi in seine
Arme.
Wie sie jetzt beide dort standen, wie verzweifelt sie sich an den anderen kuschelten,
das rührte die Polizisten und die Anwälte so sehr, dass sie nicht
wagten, einzugreifen. Nur Franzis Mutter rief ihre Tochter immer zu, sie solle
doch endlich herkommen.
Mark nahm jetzt ihr Gesicht in seine Hände, strich ihr liebevoll über
die Wangen und küsste sie lange. Als er seine Lippen von ihren löste,
wischte er ihr die Tränen von den Wangen und sah sie eindringlich an.
"Du darfst nicht aufhören, an uns zu glauben. Wir werden uns wiedersehen,
versprochen!", flüsterte er ihr auf Gälisch zu. Durch ihn konnte
sie ein paar Brocken der zweiten irischen Landessprache.
"Nein, ich werde nicht damit aufhören.", antwortete sie in Gälisch.
"Mr. Feehily, es wäre besser, wenn wir jetzt gehen würden...",
meinte Marks Anwalt nun auch in Gälisch. Mark nickte und wandte sich wieder
Franzi zu.
"Je t'aime.", flüsterte er ihr zu.
"Ich dich auch." Sie war wieder den Tränen nahe.
Jetzt nahm sie ein Polizist am Arm und trennte sie vorsichtig von Mark.
"Franziska, komm sofort her!", schrie ihre Mutter. Im Hintergrund
beruhigte ihr Vater sie ein wenig, doch das nützte nicht viel.
Ein letztes Mal trafen sich ihre Augen, dann war Mark weg.
Jetzt brach Franzi völlig zusammen. Sie sank auf die Bank und fing an zu
schluchzen. Sie bemerkte nicht, wie der Richter sie lange ansah und sich dann
mit seinem Assistenten beriet, der mit einem Taschentuch in der Hand und roten
Augen seinem Chef zuhörte. Er nickte, ging jetzt auf Franzi zu und setzte
sich neben sie auf die Bank.
"Hier", sagte er leise und reichte ihr ein neues Taschentuch. Dann
beugte er sich ganz nahe zu ihr runter.
"Sag deinen Eltern, wenn ihr aus dem Saal geht, dass du mal kurz auf Toilette
gehst oder so. Komm dann in das Richterbüro. Du findest das schon, es ist
ausgeschildert. Und mach dir keine Sorgen wegen der Sache mit deinem Freund."
Dann stand er auf und ging wieder zum Richter.
Franzi war verwirrt, tat aber, was ihr der junge Mann gesagt hatte.
Nachdem sie sich von ihren Eltern losgeeist hatte, ging sie zum Richterbüro
und klopfte an. Der Gehilfe von vorhin steckte den Kopf raus.
"Ah, Fräulein Kunze... Kommen Sie rein.", bat er. Sie trat an
ihm vorbei, blieb dann aber stehen.
"Sie können mich ruhig duzen, wie sie es vorhin schon gemacht haben.",
meinte sie und sah jetzt nach vorn.
Der Richter saß an seinem Schreibtisch und sah ihr entgegen.
"Bitte, setzen Sie sich doch.", sagte er und wies auf den Stuhl vor
dem Tisch. Sie folgte der Aufforderung.
"Was wollen Sie von mir?", fragte sie leise.
"Ich möchte Ihnen helfen. Nun, nennen Sie es Sentimentalität
oder sonst was, aber ich finde, dass man solche Paare, wie Sie und Mr. Feehily
es gewesen sind, nicht auseinander reißen sollte. Mich hat Ihre große
Liebe zueinander sehr beeindruckt und ich hätte einen Lösungsvorschlag
anzubieten..."
Franzi hörte mit offenem Mund zu.
Nach zehn Minuten war sie wieder draußen und stieg mit ihren Eltern ins
Auto. Die ganze Fahrt sprach keiner ein Wort, sodass sie gut nachdenken konnte.
Richter Kehrmann hatte ihr angeboten, dass sie nach Irland, besser gesagt nach
Sligo ziehen sollte. Und zwar zu einer Pflegefamilie, wenn's geht am besten
zu einer Familie, die sie kennt.
Franzi hatte mal aus Langeweile sich eine Brieffreundin aus Sligo genommen und
hatte sich mit ihr richtig angefreundet. Larissa würde sie bestimmt aufnehmen.
"Ich kann immer noch nicht glauben, dass der Richter dir das angeboten
hat! Das ist doch eigentlich gegen die Vorschriften oder sind diese so anders
als bei uns?", fragte Mark
"Nein, es ist schon illegal. Ohne ihn hätte ich mich auch nicht einfach
so zur Adoption freigeben können. Wenn er nicht gewesen wäre..."
Mark ließ Franzi nicht aussprechen, sondern legte ihr einen Finger auf
die Lippen und küsste sie zärtlich.
"Lass uns nicht dran denken, was gewesen wäre, würde Gott unsere
Beziehung nicht gutheißen.", flüsterte er. Franzi schmiegte
sich an ihn.
"Du hast recht.", seufzte sie. "Aber ich hätte trotzdem
nie gedacht, dass es so lange dauern würde, bis wir uns in Sligo über
den Weg laufen..."
Franzi hatte sich ihre Schlüssel geschnappt und zog sich an.
"Ich geh spazieren, Dad!", rief sie ihrem Pflegevater zu, der im Wohnzimmer
saß.
"Ist okay. Ruf an, wenn's später wird!", antwortete er.
Sie verließ das Einfamilienhaus der Familie Band und trat auf die ruhigen
Straßen Sligos raus, um sich dann in Richtung Küste zu wenden.
Sie liebte diese Ruhe, diesen Frieden in Sligo. Wenn sie dann an den Klippen
entlang ging, die Brandung gegen den nackten Fels schlagen hörte und ein
leichter salziger Wind in ihren langen blonden Haaren spielte, dann fühlte
sie sich richtig wohl in Irland.
Sie war inzwischen 16, also schon fast ein Jahr in Sligo, doch Mark war sie
nie über den Weg gelaufen. Larissa, die auch Westlifefan war, hatte übers
Internet herausgefunden, dass er das vergangene Jahr fast nur im Ausland gewesen
war.
Larissa... und ihre Eltern... sie alle waren so gut zu ihr. Franzi hatte ihnen
von Mark und ihrer Beziehung erzählt und so viel Verständnis bekommen,
dass sie gedacht hatte, es wäre ein Traum, aus dem sie gleich aufwachen
würde.
Lange hatte sie versucht, ihn zu vergessen, nachdem sie bei ihren Spaziergängen
immer vergeblich an seinem Haus, in dem er mit seinen Eltern wohnte, vorbeigegangen
war und sich nie getraut hatte, mal anzuklopfen oder gar zu klingeln.
Jetzt hatte sie zwar eine andere Route, mit der sie zu den Klippen kam, doch
an der Kreuzung sah sie immer in die Richtung, in der das Haus der Feehilys
lag.
Sie war endlich an den Klippen angekommen und setzte sich ins Gras. Sonst fand
sie hier immer Ruhe vor all den Gedanken, die sie sonst immer quälten.
Doch dieses Mal nicht.
Jetzt fiel ihr ein, was Mark ihr einmal erzählt hatte: Auch er ging sehr
gerne an die Klippen, hauptsächlich um nachzudenken. Er liebte es, dann
im Gras zu sitzen, sich den Wind um die Ohren wehen zu lassen oder im Sommer
ein Picknick hier zu machen.
"Die Küste ist im späten Frühling und im Sommer so wunderschön.
Das musst du dir unbedingt mal ansehen!", hatte er damals gesagt.
Nun, jetzt hatte sie es gesehen. Es war früher Herbst und das Gras begann
schon an einigen Stellen braun zu werden. Sie sog die Luft ein und merkte, dass
der Wind von den Schafweiden kam und sanft nach Tier roch.
Als sie zurück ging, hatte sie leichten Durst und sie steuerte eines der
Cafés an, die noch geöffnet waren. Dort setzte sie sich an einen
Tisch und bestellte einen Cappuccino.
Um sich abzulenken, beobachtete Franzi jetzt die Leute, die an dem Café
vorbeigingen. Einige nickten ihr freundlich zu, entweder waren sie auf der selben
Schule oder sie kannte sie von den zahlreichen Diskoausflügen mit Larissa.
Langsam rührte sie ihren Cappuccino um und merkte mal wieder, wie sehr
sie Mark vermisste. Diese nächtelangen Gespräche, wo ihre Eltern gedacht
hatten, sie übernachte bei einer Freundin, sein Verständnis für
manche Sachen, seine Zärtlichkeit, wenn er sie berührte, einfach seine
Liebe, dei er ihr immer wieder mit kleinen Gesten bewiesen hatte.
Sie seufzte und hätte sich beinahe an ihrem Cappuccino verschluckt. Denn
über sie hatte sich ein Schatten gelegt.
"Darf ich mich zu dir setzen?", fragte eine Stimme. Eine Stimme, die
so oft ihren Namen gesagt hatte, die ihr so oft ihre Liebe geschworen hatte,
die ihr Geborgenheit versichert hatte.
Franzi sah auf.
Mark hatte noch immer diese meeresblauen Augen, die sie damals, als sie sich
zum ersten Mal gesehen hatten, so durcheinandergebracht hatten. Und sie waren
genauso schmerzvoll wie beim letzten Mal, als sie sich im Gerichtssaal voneinander
verabschiedet hatten.
"Klar." In ihrer Stimme klang ein Lächeln mit, etwas was er so
an ihr geliebt hatte. Nein, was er immer noch an ihr liebte.
Ihre blonden Haare waren länger geworden und sie sah älter aus als
sie war. Nun dürfte sie 16 sein, dachte er, doch sie sieht aus wie 19.
Nur ihre Augen hatten sich verändert. Früher hatten sie immer vor
Glück gestrahlt, wenn er sie gesehen hatte, nun wirkten sie blass und lustlos.
Eine Weile sagten sie nichts, dann hoben sie beide gleichzeitig die Köpfe
und sagten zusammen:
"Ich hab dich vermisst."
Damit war das anfängliche dünne Eis gebrochen und sie lachten los.
Überglücklich registrierte Mark, dass Franzis blaue Augen wieder glänzten
und er lächelte sie liebevoll an.
Sie schmolz bei seinem Lächeln fast dahin, genauso wie früher. Überhaupt
hatte sich nichts verändert von ihren Gefühlen für ihn. Sie liebte
ihn immer noch abgöttisch.
Mark berührte vorsichtig Franzis Hand und ihre Finger flochten sich ineinander.
Wieder sahen sie sich nur eine Weile an, doch diesmal war es keine peinliche
Stille, sondern eine überwältigende.
"Ich wollte gerade an die Klippen gehen. Würdest du mir die Ehre erweisen
und mich begleiten?", schlug Mark vor.
"Ich komme gerade von dort. Du hattest recht, es ist wunderschön dort.
Aber ich begleite dich gern dorthin." Wieder lächelten sie sich an
und keiner, der sie gesehen hätte, würde auf die Idee kommen, dass
dieses Paar sich seit etwas mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen hatte.
Mark nahm erneut Franzis Hand und schlenderte mit ihr die kleine Straße
in Richtung Klippen entlang. Zuerst war es sehr still bei den beiden, doch irgendwann
fasste Franzi sich ein Herz und bald waren sie in eines dieser unendlich erscheinenden
Gespräche vertieft.
Lachend kamen sie an den Klippen an. Mark stoppte an einem Aussichtspunkt, von
wo man eine großartige Aussicht auf die Wiesen und das Meer hatte. Er
hatte bald bemerkt, dass der frischere Abendwind Franzis Hals mit einer Gänsehaut
überzogen hatte, also streckte er schüchtern seine Hand aus und berührte
sie dort. Ein Schauer lief durch ihren Körper und sie war froh, dass er
jetzt die Arme ausstreckte und sie umarmte.
"Wie oft habe ich hier gesessen und an dich gedacht...", flüsterte
Mark. Sie kuschelte sich als Antwort an seine Brust. Mark hob ihr Kinn hoch
und sah ihr tief in ihre blauen Augen. Sie bemerkte verwundert, dass in seinen
Tränen standen. Doch bevor sie etwas sagen konnte, hatte er sie fester
an sich gezogen und sie zärtlich geküsst.
Ihr Körper entspannte sich erleichtert, als sie seine Lippen wieder auf
ihren spürte. Hätte Mark sie nun losgelassen, sie wäre mit Sicherheit
ins langsam feuchter werdende Gras gefallen.
"Ich liebe dich, Franziska. Und zwar für immer."
"Ich liebe dich auch, Mark.", erwiderte sie und sie versanken in einen
nicht enden wollenden Kuss...
Franzi seufzte.
"Ach, das war wirklich sooo romantisch..." Mark lächelte.
"Schön, dass es dir gefallen hat. Übrigens, wir sollten so langsam
aus dem Bett kommen, wir haben noch was vor."
Sie sah ihn verwundert an.
"Sag nicht, dass du in deinem Urlaub in Paris arbeiten musst! Du warst
schon in Irland so oft weg beziehungsweise in Dublin, statt bei mir."
Er schüttelte den Kopf und küsste ihr Decolleté.
"Nein, nicht ich und die Jungs. Du und ich, wir beide, haben noch was vor..."
"So so, ist mir aber neu.", antwortete sie, schlang sie die lakendünne
Bettdecke um den Körper und stand auf. "Würde mir der Herr auch
mal verraten, was wir vorhaben?"
Mark stand auch auf und blieb erst an der Badtür stehen.
"Nein, würde der Herr nicht.", grinste er.
Franzi schüttelte den Kopf und verschwand im Ankleidezimmer. Es hatte sich
so angehört, als ob Mark sie ausführen wollte, also entschied sie
sich für ein modern geschnittenes schwarzes Abendkleid, dazu High-Heels.
Als sie wieder ins Wohnzimmer ging und ins Bad wollte, fand sie dort nur einen
Zettel vor.
Bin schon unten in der Lobby, musste noch was erledigen.
Komm bitte gegen halb neun nach unten.
In everlasting love
Mark
Sie lächelte, als sie jetzt in den Spiegel sah. Er konnte es sich nie
verkneifen, so etwas wie 'in everlasting love' zu schreiben. Ihr Blick glitt
zu der Uhr an der Wand.
Oh Gott, schon zwanzig nach acht!
Doch sie hatte sich umsonst Sorgen gemacht. 20:28 war sie auf der Treppe, die
in die Lobby führte, und ging Mark entgegen, der unten stand und mit leuchtenden
Augen zu ihr aufsah.
Unten angekommen küsste er sie erst mal liebevoll auf die Wange, bevor
er sie eingehend betrachtete.
"Wow, womit habe ich so eine schöne Frau wie dich nur verdient...",
fragte er leise. Franzi lächelte, stellte sich ganz nah an ihn heran und
betrachtete ihn auch.
Sie strich sanft über seine Wange, zeichnete seine Lippen nach, dann glitten
ihre Hände über seinen Hals.
Er sah keinen Tag älter als 22 aus, obwohl er nun schon fast 28 war.
Ganz sanft berührten ihre Lippen die seinen.
"Das weiß selbst ich manchmal nicht...", murmelte sie lächelnd
und wurde nun von Mark richtig geküsst.
"Komm, Darling, der Fahrer wartet...", drängte er jetzt leicht,
nahm ihre Hand und führte sie durch die Lobby zu einer schwarzen Limousine.
Eine Weile fuhren sie durch Paris, wobei Franzi Mark immer wieder fragte, wohin
die Fahrt denn gehen würde.
"Das wirst du schon noch sehen...", meinte er. Resigniert sah sie
aus dem Fenster.
"Dann halt nicht...", seufzte sie.
Mark beobachtete sie und dachte dabei an ihre Vergangenheit, an den Tag vor
den MTV-Studios, wo er sie das erste Mal gesehen hatte.
Sie hatte sich nicht wirklich verändert, obwohl sie jetzt 20 war. Okay,
ihre blonden Haare waren länger und wallten ihr über die nackten Schultern,
doch ihre feinen Gesichtszügen, ihre betörenden blauen Augen, ihre
weichen Lippen, all das hatte sich nie geändert.
Auch in ihrem Wesen war sie unverändert geblieben, obwohl man ihr jetzt
ihre Schönheit und Selbstsicherheit mehr ansah.
Wieder konnte er nicht glauben, dass sie ihn genauso begehrte wie er sie.
"Monsieur und Mademoiselle, wir sind da." Die tiefe Stimme des Franzosen
am Steuer holte Mark aus seinen Gedanken und er stieg schnell aus, um Franzi
die Tür aufzuhalten.
"Nein.", war das einzige, was Franzi herausbekam.
"Was, nein?", hakte er nach.
"Mark, das ist das teuerste Restaurante in Paris!"
"Und? Für dich ist das beste gerade gut genug." Franzi verdrehte
die Augen.
"Du weißt ganz genau, dass du bei mir mit solchen Sprüchen nicht
weit kommst...", erinnerte sie ihn.
"Aber du freust dich doch, wenn ich dir sage, wie bezaubernd du heute mal
wieder aussiehst.", unterbrach Mark und brachte sie damit zum Lächeln.
"Lass uns reingehen.", seufzte Franzi. Er bot ihr seinen Arm an, den
sie auch annahm und sich von ihm ins Restaurante führen ließ.
Sie aßen wirklich sehr gut und unterhielten sich noch stundenlang bei
einem Glas Wein, bis Mark aufstand, ihre Hand nahm und mit ihr das Restaurante
verließ. Bezahlt hatte er schon vorher, indem er angeordnet hatte, dass
die Rechnung an das Hotel gehen möge.
Da es mitten im Sommer war, war auch diese Nacht sehr mild und sehr gut für
einen Mondscheinspaziergang geeignet.
Irgendwann waren sie auf dem Platz vor dem Eifelturm, wo Mark anhielt und sich
ihr zuwandte.
"Darling, dort hinten ist ein Sessel. Ich möchte, dass du dich dort
hinsetzt und einfach ein wenig wartest." Bevor sie etwas sagen konnte,
verließ er sie.
Etwas verwirrt stand sie zuerst nur da, dann ging sie auf den Sessel zu und
setzte sich.
Nach ein paar Minuten bemerkte sie eine Bewegung zu ihrer Linken und erkannte
mit offenem Mund Bryan, Shane, Kian und Nicky, die Stühle trugen. Kian
und Bryan trugen zusätzlich zu ihren Stühlen noch Gitarren. Hinter
ihnen erkannte Franzi jetzt Mark. Auch er hatte einen Stuhl, den er jetzt wie
die anderen hinstellte und sich setzte.
"Franzi, ich war in so oft weg, weil ich an einem Song gearbeitet habe.
An einem Song für dich. Ich möchte ihn dir gerne vorstellen."
Eine kleine Pause.
"Er heißt 'Singing Forever'..."
Sie hielt den Atem an, bis Marks Stimme zu Bryans und Kians Gitarren erklang...
You took my hand long ago
You've been by my side always
I didn't know where to go
You showed me the way
Ohhh
Who knows what the future holds
Ohhh
We'll never know
Nobody thought that we'd still be together
They all said we fall to the floor
No matter the fight
We'll survive any weather
We'll proof them wrong
Keep singing forever
As I lay here beside you
And I look in your eyes
I know without you in my life
It just wouldn't survive
Ohhh
Who knows what the future holds
Ohhh
We'll never know (We'll never know)
Nobody thought that we'd still be together
...
Sie weinte. Immer mehr Tränen liefen Franzis Wangen herunter und auf den
schwarzen Stoff ihres Abendkleides.
Mark kam jetzt zu ihr, hockte sich vor sie hin und wischte ihr sanft die Tränen
fort. Dann holte er ein schwarzes Kästchen hervor und öffnete es.
Ein mattsilberner Ring mit der Gravur M+F kam zum Vorschein.
"Wir haben nun wirklich schon viel durchgemacht. Manches haben wir souverän
gemeistert, anderes wiederum nur knapp. Und diese knappen Sachen haben mich
immer wieder an unseren ersten Tage, Monate, Jahre denken lassen.
Deswegen möchte ich dich fragen:
Franziska Kunze, möchtest du mich heiraten?"
Seine Stimme verklang und sie brachte kein Wort heraus. Das war nun wirklich
zuviel. Doch endlich konnte sie ihre Zunge lösen und sie fiel Mark um den
Hals. Gemeinsam standen sie auf und er legte die Hände auf ihre Hüften.
"Ja", hauchte Franzi jetzt. "Ja, Mark, ich will dich heiraten
und deine Frau werden!"
Sie küssten sich leidenschaftlich im Mondlicht und bekamen das Klicken
einer Polaroid-Kamera nicht mehr mit, mit der Bryan ein wunderschönes Foto
schoss: Ein sich küssendes Paar im Mondlicht, im Hintergrund der Eifelturm...
The End