Die Idee zu dieser Geschichte ist mir gestern beim Hausputz gekommen. Fragt mich nicht warum. Grins. Ich habe jetzt schon mal den Anfang niedergeschrieben. Wenn sie euch gefällt, mach ich weiter.

Marie stand in ihrer Küche und verstaute die Einkäufe, als ihr kleiner vierjähriger Sohn Jamie hereingestürmt kam. "Mummy, darf ich noch zu Adam rüber? Biiittteee." Er schaute sie mit seinen großen blauen Augen ganz treuselig an. Er hatte genau den gleichen Blick drauf wie sein Vater, wenn er seinen Willen durchsetzen wollte. "Aber es gibt doch gleich Essen. Hat das nicht Zeit bis morgen?" gab Marie zu bedenken. "Aber Mummy, ich muss ihm doch erzählen, was er heute im Kindergarten verpasst hat. Er war doch nicht da, weil er immer noch krank ist." Tat ihr Sohn jetzt total wichtig. "Nach dem Essen darfst du noch kurz rüber, ok? Aber so lange muss Adam noch auf die neusten Neuigkeiten warten." Lenkte Marie jetzt lächelnd ein. "Na gut. Dann schau ich jetzt etwas fern. Darf ich?" Marie nickte und hoffte so in Ruhe die Einkäufe wegräumen zu können. Sie liebte ihren Sohn über alles, auch wenn er manchmal sehr anstrengend war. Als mehr oder weniger alleinerziehende Mutter war es häufig nicht ganz einfach, besonders wenn man dann auch noch einer Arbeit nachging. Nach Jamies Geburt hatte sie ihr Studium beendet und arbeitete seit zwei Jahren in einer Softwarefirma in Sligo. Aber das hatte sie ja so gewollt, sie wollte auf eigenen Beinen stehen und nicht abhängig vom Vater ihres Sohnes sein.

Plötzlich klingelte es an der Tür. Marie hörte wie Jamie schon aufsprang. "Ich geh schon" rief er und verschwand im Hausflur. "Daddy" hörte Marie ihren Sohn rufen. Marie verdrehte die Augen und schaute leichte ängstlich zur Tür, da sie sich den Grund des Besuches schon denken konnte. Kurz darauf ging die Tür auch schon auf und da stand er. Ihr ehemals allerbester Freund und Vater ihres Kindes - Kian Egan. Eigentlich waren sie noch immer die besten Freunde, wobei es in den letzten Monaten immer mehr zu Spannungen gekommen war und Marie wusste eigentlich nicht so wirklich, warum. OK, vielleicht lag es teilweise an ihrer Eifersucht, die von Tag zu Tag immer schlimmer wurde. "Champ, magst du nicht ein wenig zu Adam rübergehen? Ich hab etwas mit deiner Mum zu besprechen" meinte Kian zu seinem Sohn, den er noch immer auf dem Arm trug. "Aber Mum hat gesagt..." begann Jamie und Marie vervollständigte seinen Satz "wir wollen jetzt gleich essen. Danach darf er rüber." Angriffslustig schaute sie in die wundervollen Augen von Kian, die sie immer wieder faszinierten. "Marie du kannst es dir aussuchen. Entweder klären wir das, was ich mit dir zu besprechen habe, unter vier Augen oder in der Gegenwart unseres Sohnes" meinte Kian mit Wut in der Stimme und schaute sie genauso angriffslustig an. "OK. Jamie du kannst zu Adam gehen. Ich hol dich dann zum Essen wieder rüber" gab Marie nach, da sie wusste, das es nicht so angenehm für Jamie sein würde, bei diesem Gespräch dabei zu sein. Jamie sprang von Kians Arm runter und rannte raus. "Also was willst du?" fragte Marie sauer, nachdem die Haustür ins Schloss gefallen war. Sie konnte es nicht leiden, wenn Kian ihre Autorität Jamie gegenüber untergrub. Kian zog eine Zeitung aus der Hosentasche seiner sexy enganliegenden Jeans und schmiss sie wütend auf den Tisch. "Wann hattest du vor, mir davon zu erzählen?" fragte er sie in einem eisigen Ton.

Marie erkannte den Bericht, den sie heute morgen schon gelesen hatte. Vor einigen Tagen war sie mit ihrem Vorgesetzten Steven Finley auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten krebskranker Kinder gewesen, die unter anderem auch von der Softwarefirma, in der sie arbeiteten, gesponsert wurde. Sie und Steven verstanden sich auch außerhalb der Firma sehr gut und unternahmen häufiger etwas zusammen. Genau wie Marie war Steven alleinerziehend, da seine Frau vor einigen Jahren bei einem Verkehrsunfall gestorben war. So hatte man oft die gleichen Probleme und man half sich gegenseitig. Auf dieser Wohltätigkeitsveranstaltung hatte Steven ihr erzählt, das er bald nach London versetzt werden würde, da ihm dort eine höhere Stelle angeboten wurde. Marie hatte sich so für ihn gefreut, das sie ihn spontan in den Arm genommen und ihm einen kurzen Kuss auf den Mund gegeben hatte. Die anwesenden Reporter hatte wohl nur auf so einen Moment gewartet. Die Ex-Geliebte von Kian Egan küsst bekannten Softwarespezialisten. Und so wurde schon seit Tagen in den Zeitungen gemunkelt, was zwischen Marie und Steven läuft. Heute Morgen hatte die presse den Vogel abgeschossen. Es muss irgendwie durchgesickert sein, das Steven Sligo verlassen und nach London ziehen würde. Schon wurde behauptet, das Steven Marie einen Antrag gemacht hatte, den sie selbstverständlich angenommen hatte und beide mit Kians Sohn Sligo verlassen würden. Natürlich war das absoluter Blödsinn. Steven und Marie waren gute Freunde - mehr nicht. Wie sie es manchmal hasste, so in der Öffentlichkeit zu stehen.

"Ich weiß nicht, was du meinst" entgegnete Marie. "Jetzt tu doch nicht so. Ich hatte eigentlich immer gedacht, wir wären die besten Freunde. Da hab ich schon erwartet, so etwas nicht aus der Zeitung zu erfahren, sondern von dir persönlich." "Da war die Presse wohl diesmal schneller." Marie drehte sich um und kramte im Schrank nach was essbaren. Plötzlich spürte sie Kians Hand am Oberarm und er riss sie herum, damit sie ihn wieder ansah. "Verdammt Marie, wie hast du dir das denn vorgestellt? Wolltest du dir Jamie nehmen und so einfach abhauen? Und außerdem ist der Typ doch viel zu alt für dich. Ich kann mir nicht vorstellen, das du glücklich mit ihm wirst." Kian wurde immer lauter. "Erstens würde ich nicht sang- und klanglos verschwinden. Was denkst du eigentlich von mir? Und hör auf dich in mein Beziehungsleben einzumischen. Ich reg mich ja auch nicht bei jeder deiner neuen Eroberungen auf. Was zwischen Steven und mir ist, geht niemanden etwas an" schrie nun auch Marie und riss ihren Arm los, den Kian noch immer festhielt. "Oh ich denke schon, das mich das was angeht. Immerhin geht es hier auch um meinen Sohn" zischte Kian gefährlich leise und kam wieder langsam näher, stützte seine Arme rechts und links von Marie auf der Arbeitsplatte ab und schaute ihr eindringlich in die Augen. "Liebst du ihn?" fragte er jetzt leise. "Ich wüsste nicht..." versuchte Marie wieder auszuweichen. "Ich will wissen, ob du ihn liebst" schnitt Kian ihr das Wort ab. Er hatte so einen seltsamen Unterton in seiner Stimme, der Marie erstaunt die Augenbrauen hochziehen ließ. Eine Antwort blieb ihr erst mal erspart, da das Telefon zu klingeln begonnen hatte. Marie griff hinter sich auf die Arbeitsplatte, um sich das Telefon zu schnappen. "Hallo Marie, hier ist Jane" meldete sich die Mum von Jamies Freund Adam. "Hi Jane. Was kann ich für dich tun?" Marie versuchte weiterhin den Blick von Kian standzuhalten. "Dein Sohn lässt fragen, ob er bei uns essen darf. Es gibt Spagetti mit Tomatensauce." "Ah...ähm...Ach warum nicht" stotterte Marie, da sie dem Gespräch irgendwie nicht folgen konnte. Kian schaute sie noch immer so eindringlich an. "Marie, ist alles in Ordnung?" fragte Jane jetzt etwas besorgt. "Alles bestens. Ich hol Jamie dann später bei euch ab." "OK, dann bis nachher" verabschiedete Jane sich und Marie legte nur widerwillig das Telefon aus der Hand, da sie an Kians Augen sehen konnte, das er noch immer auf eine Antwort auf seine Frage wartete. "Also?" fragte er noch mal. "Was ist eigentlich heute los mit dir, Kian?" wollte Marie stattdessen wissen. Diese ganze Situation machte sie wütend. Kians Kreuzverhör. Seine Blick. Seine Nähe. "Nichts, gibt mir einfach nur eine Antwort auf meine Frage" entgegnete er angespannt. "Du willst es also wirklich wissen? Na gut. Ja..." Weiter kam sie nicht. Ohne eine Vorwarnung hatte Kian sie in seine Arme gerissen und presste nun seine Lippen auf ihre. Marie war im ersten Moment entsetzt und wahnsinnig erschrocken und versuchte Kian von sich zu schieben. Aber Kian dachte gar nicht daran sich von ihr zu lösen, sondern hielt sie um so fester, je mehr sie sich wehrte.

Was tat Kian da? Sie sollte ihn wegstoßen, ihm die Leviten lesen, das ihm Hören und Sehen verging. Aber sie konnte es nicht - denn eigentlich war es doch das, was sie sich schon seit langem gewünscht hatte. Wieder in seinem Armen liegen, sein Aftershave riechen und seine Lippen auf ihren spüren. Mit dieser Erkenntnis gab sie ihren Widerstand auf und schon eine Hand in seinen Nacken, um ihn noch näher an sich heranzuziehen. Ein leises Seufzen kam über ihre Lippen, als seine Zunge sich sanft aber bestimmt Einlass forderte. Kians Hände wanderten ruhelos über Maries Rücken hinunter bis zum Saum ihrer Bluse und ließ seine Hände langsam, fast ängstlich drunter gleiten und streichelte sanft über ihre Haut. Kians Lippen wanderten zu ihrer Halsbeuge und hinterließen dort zärtliche Küsse. Marie schloss ihre Augen und wollte nur noch genießen. Ihr war als würde sie nach Hause kommen, sie fühlte sich in seinen Armen so geborgen. Wie durch eine Nebelwand hörte sie das Telefon klingeln. Achte gar nicht drauf, dachte sie. Atemlos löste sich Kian von ihr, griff nach dem Telefon und drückte das Gespräch weg, dann legte er das Telefon wieder zur Seite. Die ganze Zeit schaute er ihr tief in die Augen. "Wenn es wichtig war, meldet sich der jenige noch mal" raunte er ihr mit heiserer Stimme zu. Marie nickte zaghaft und zog Kian wieder zu sich heran. Eigentlich hätte man meinen sollen, diese Unterbrechung würde sie wieder zu Verstand kommen lassen, aber dem war nicht so. "Was machen wir hier eigentlich?" fragte sie atemlos. "Ich weiß es nicht. Aber ich kann nicht aufhören" meinte er und schaute sie unergründlich an. Nun stand sie vor der Entscheidung. Sollte sie sich auf das Spiel einlassen und es einfach nur genießen oder sollte sie ihren Verstand wieder einschalten und das alles hier sofort abbrechen. Sie spielte gefährlich mit dem Feuer und wusste, das sie sehr verletzt werden konnte. Auf der anderen Seite wusste sie nicht, ob sie jemals noch mal die Chance bekommen würde, ihm so nah zu sein. Sie pfiff auf ihren Verstand, der würde sich nachher noch genug melden.

Langsam hob Marie ihre Hand und streichelte sanft über sein Gesicht, zog mit dem Daumen die Konturen seiner Lippen nach. Kians Atem wurde immer schneller und unregelmäßiger. Er nahm sie auf den Arm, als wäre sie leicht wie eine Feder und trug sie aus der Küche hoch ins Schlafzimmer, legte sie vorsichtig aufs Bett und legte sich dazu. Dabei schaute er ihr immer wieder tief in die Augen. "Ich weiß wirklich nicht, ob das so gut ist, was wir hier tun, aber ich kann es nicht aufhalten. Wenn du es nicht wirklich willst, dann..." raunte er ihr leise in Ohr, als er an ihrer Halsbeuge knabberte. Marie rutschte etwas zur Seite, damit sie ihm ins Gesicht sehen konnte, schüttelte leicht mit dem Kopf und legte zärtlich ihre Lippen auf seine. Langsam fuhr sie mit ihrer Zunge über seine Unterlippe und fordert ihn mit ihrem Spiel auf, seine Lippen zu öffnen, was er auch zu gerne tat. Leise stöhnte er auf, als sie den Kuss noch mehr vertiefte. Vorsichtig fing er an, ihre Bluse aufzuknöpfen und jeden freigelegten Zentimeter ihrer Haut mit leichten Küssen zu verwöhnen. Marie schloss genussvoll die Augen und seufzte. Als er die Bluse offen hatte, zog er sie Marie von den Schultern und warf die Bluse achtlos an die Seite. Leidenschaftlich zog Marie Kian das Shirt aus und ließ es ebenfalls zu Boden fallen. Fahrig fuhr sie mit ihren Händen über seinen Rücken. Er hatte einfach einen göttlichen Körper. Sie drehte sich so, das sie jetzt halb auf ihm lag und fing an, Küsse auf seinen Oberkörper zu verteilen. Langsam wanderte sie von seinem Hals abwärts, bis hinab zu seinem Bauchnabel. Sie müsste leicht lächeln, das Kian scharf nach Luft zog, als sie am Bund seiner Jeans angekommen war. Mit leicht zittrigen Händen öffnete sie die Jeans, ließ ihre Finger hineingleiten und umfasste ihn zärtlich, was ihr ein Stöhnen von Kian einbrachte. Ruckartig drehte er sie wieder auf den Rücken und küsste sie stürmisch. Vorsichtig löste Marie sich von ihm, stand auf und stellte sich vor das Bett. Kian schaute sie verwirrt und fragend an. Lächelnd öffnete sie ihren BH, ließ ihn auf den Boden fallen und öffnete dann ihre Jeans. Kian ließ seinen Blick bewundernd über ihren Körper gleiten und seine Augen verdunkelten sich, als Marie ihre Jeans über die Hüften schob. Als sie nur noch im Tange vor ihm stand, beugte sie sich etwas vor, öffnete seine Hose ganz und zog sie ihm aus. Als sie ihn auch von den Boxers befreit hatte, krabbelte sie wieder aufs Bett. Kian umschlang mit seinen Armen ihren Körper, drehte sie auf den Rücken und stützte sich auf seinen Ellenbogen. Er schaute sie mit einem Blick an, wo ihr richtig warm bei wurde. Dann beugte er sich zu ihr herunter und verschloss ihren Mund zu einem leidenschaftlichen Kuss. Dann wanderten seine Lippen sinnlich abwärts, über ihren Busen, ihrem Bauchnabel bis zum Ansatz ihres Tangas. Marie hielt gespannt die Luft an. Mit den Zähnen zog er ihr sanft den Tanga über die Hüften und zog ihn dann ganz aus. Ihr war als würde sie vor Spannung zerplatzen, als sie seine Lippen an ihrer intimsten Stelle spürte. Langsam aber bestimmt zog sie ihn zu sich hoch und presste ihre Lippen auf seine. Dann drückte sie ihn auf den Rücken, setzte sich auf ihn und ließ ihn langsam in sich hinein gleiten. Marie schloss die Augen und genoss kurz das Gefühl, ihn in sich zu spüren, bevor sie langsam anfing, sich zu bewegen. Kians Kehle entrann ein Stöhnen und auch er hatte die Augen geschlossen. Seine Hände wanderten fahrig über ihren Körper, dann setzte er sich auf, umschlang ihren Körper mit seinen Armen und küsste sie leidenschaftlich. Dann drehte er sie auf den Rücken und übernahm das Tempo. Marie schlang ihre Beine um seine Hüften, um ihn noch näher bei sich zu spüren. Stetig steigerten sie das Tempo, mal glitt Kian sanft in sie hinein, dann wieder stieß er leidenschaftlich zu, bis beide sich nicht mehr zurück halten konnten und zu einem Orgasmus kamen, der ihnen die Luft nahm. Nach einem letzten heftigen Stoß ließ Kian sich auf sie sinken, küsste sie liebevoll und strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann rollte er sich von ihre herunter, legte sich auf den Rücken und zog sie in seine Arme.

Beide langen immer noch atemlos Arm in Arm und genossen es, sich so nah zu sein. Jeder hing seinen Gedanken nach und schwieg. "Das war...das war...ich kann es nicht beschreiben. Aber wir müssen glaub ich miteinander reden. Ich denke..." begann Kian dann doch irgendwann an zu sprechen. Marie bekam Angst, Dinge von ihm zu hören, die sie nicht hören wollte. Sie wollte sich diese Gefühl der Geborgenheit und Zufriedenheit jetzt nicht kaputt machen lassen. Sie stütze sich auf ihren Ellenbogen, schaute Kian in die Augen und legte ihm ihren Zeigefinger auf die Lippen. "Nicht jetzt...bitte" meinte sie nur und schüttelte leicht mit dem Kopf. Kian schaute sie fragend an, nickte dann aber. Marie sank wieder ins Bett zurück und kuschelte sich in seine Arme. Langsam ließ sie ihre Finger über seinen Oberkörper gleiten und kaum das sie merkte, wie ihre Augen immer schwerer wurden, war sie auch schon eingeschlafen.

Kian lag noch einige Zeit dort und grübelte über das, was in der letzten Stunde hier passiert war. Eines was so sicher wie das Amen in der Kirche, sie mussten dringend darüber reden. Sie hatten miteinander geschlafen und es war wunderschön gewesen, aber sie waren nur Freunde, wenn man von den Gefühlen, die Kian für Marie hegte, absah. Ob es da so gut gewesen war, miteinander zu schlafen? Das würde die Sache sicherlich nicht einfacher für ihn machen. Immer diese Erinnerungen an die letzte Stunde. Er merkte, das sein Hals sehr trocken war und er Durst hatte. Marie hatte ihn ziemlich gefordert. Bei dem Gedanken musste er lächeln. Er schaute noch mal liebevoll auf sie herunter und stieg vorsichtig aus dem Bett. Leise schnappte er sich seine Sachen und verließ das Zimmer, um sich unten was zu trinken zu holen. Er zog sich auf dem Weg nach unten seine Boxers und seine Jeans über, das Shirt schwang er über seinen Nacken. Ihm war einfach noch zu warm, es überzuziehen. Gerade als er mit einem Glas Cole in der Hand am Fenster stand und noch immer über das Geschehene nachdachte, klingelte sein Handy. Er zog es aus der Jeanstasche. "Ja" meldete er sich etwas genervt. "Hey Ki, hier ist Shane. Sag mal hast du unsere Verabredung vergessen. Ich warte jetzt schon ne halbe Stunde vorm Pub auf dich" kam vom anderen Ende. Kian schaute erschrocken auf die Uhr. "Oh Sorry, ich bin so schnell wie möglich da. Warte auf mich" entgegnete er und legte auf. Jetzt saß er zwischen zwei Stühlen. Einerseits wollte er so nicht gehen, nicht bevor er mit Marie gesprochen hatte. Aber andererseits hatte er wichtige Dinge mit Shane zu besprechen. Kian schaute sich hilflos um und überlegte was er machen sollte. Dann kam ihm eine Idee. Schnell schrieb er ein paar Zeilen auf einen Zettel und legte ihn auf die Anrichte in der Küche, schnappte sich seine restlichen Sachen und ging aus dem Haus.

Kurze Zeit später fuhr er vor dem Pub vor und stieg aus. Shane wartete bereits vor der Tür auf ihn. "Na, so wie du aus den Augen guckst, kann ich mir schon vorstellen, warum du so spät bist. Wie heißt sie denn? Und war es nett?" Shane grinste hintergründig. "Ach halt die Klappe" antwortete Kian grantig. "Was ist dir denn für ne Laus über die Leber gelaufen?" fragte Shane irritiert. Zwischenzeitlich waren sie drinnen angekommen und hatten sich an einen ruhigen Tisch gesetzt. Kian starrte kurze Zeit vor sich hin, bevor er zu Shane herübersah. "Du willst also wissen, was los ist?" fragte er. Shane nickte und sah ihn erwartungsvoll an. "Ich hab mit Marie geschlafen" meinte er mit leiser Stimme und schaute Shane weiterhin an. Shane stutzte und riss seine Augen auf. "Es war wunderschön und wohl der größte Fehler, den ich machen konnte." Kian fuhr sich durch seine blonden Haare und schüttelte leichte seinen Kopf. Dann stütze er seinen Kopf auf seine Hände und sah starr in die Luft. "Marie? Deine Marie?" Shane starrte Kian entsetzt an. "Ja, meine Marie. Verdammt ich liebe sie immer noch." Kian schaute hilfesuchend zu Shane. "Wie du liebst sie? Seit wann hast du wieder Gefühle für sie?" Shane wusste nicht was er sagen sollte. "Ach, wir waren vor einigen Wochen zusammen mit Jamie picknicken und da ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Das was ich lange nicht wahrhaben wollte. Ich liebe sie." "Gut, das habe ich jetzt soweit verstanden, aber warum war das, was heute passiert ist dann der größte Fehler?" Shane verstand nicht wirklich das Problem von Kian. "Weil sie mich nicht liebt und einen heirateten wird. Sag mal, liest du eigentlich keine Zeitung mehr? Stand doch groß drin." Nun war es Kian der Shane verständnislos ansah. "Nee, die schreiben mir zuviel Müll. Aber sie schläft mit dir und heiratet einen anderen? Kann ich mir bei Marie nicht wirklich vorstellen. Hast du ihr gesagt, was du fühlst?" wollte Shane jetzt wissen. "Nein, hab ich nicht. Hat sich irgendwie nicht ergeben bis jetzt." "Hallo? Ihr habt miteinander geschlafen. Auf welchen Zeitpunkt wartest du denn noch? Soll der andere sie dir vor der Nase wegschnappen?" Shane schüttelte mit dem Kopf. "Ich hatte das doch gar nicht geplant, was heute passiert ist. Ich war so sauer, das ich es aus der Zeitung erfahren habe und nicht von ihr selber. Ich bin fast geplatzt vor Eifersucht. Ich wollte sie doch einfach nur zur Rede stellen und dann ist es passiert. Was soll ich denn jetzt machen?" Kian schien echt verzweifelt. "Hm, ich weiß ja nicht, was sie darüber denkt. Ihr sollte auf jeden Fall miteinander reden, allein schon wegen Jamie. Und sag ihr, was du fühlst, sonst verlierst du sie" riet Shane ihm. "Soweit war ich auch schon, das wir auf jeden Fall reden müssen. Aber irgendwie hab ich tierisch Schiss davor." Kian zuckte mit den Achseln. Sie ließen das Thema dann erst mal fallen, und besprachen dann noch die Dinge, weswegen sie sich eigentlich hatten treffen wollen, aber Shane merkte schnell, das Kian nicht wirklich bei der Sache war und so saßen sie bald nur so da, tranken ihr Bier und schwiegen oder sie redeten nur über belanglose Dinge.

Marie erwachte, als unten eine Tür zufiel. Zerstreut griff sie neben sich und erkannte, das Kian nicht mehr da war. Er war also ohne ein Wort gegangen. Ok Mädchen, vergiss was hier passiert ist und mach weiter, als wäre nie was gewesen. Dir war von Anfang an klar, das es nichts zu bedeuten hatte, das es ihm nichts bedeuten würde, versuchte Marie sich einzureden, obwohl sie wusste, das es nicht so einfach werden würde. Sie stand auf und zog sich was an. Dann ging sie nach unten und überlegte kurz was sie machen sollte. Sie entschied sich nach einem Blick auf die Uhr, erst mal Jamie von seinem Freund abzuholen. So langsam gehörte er ins Bett. So schnappte sie sich ihren Schlüssel und ging hinüber zu den Nachbarn. "Hey Marie. Da bist du ja. Komm rein und lass uns ein Glas Wein zusammen trinken." Begrüßte Jane sie, nachdem Marie geklingelt hatte. Marie lächelte gequält und nickte kurz. "Ich wollte eigentlich nur Jamie holen. Er muss ins Bett." "Setz dich doch kurz. Jamie hat erzählt, Kian ist da?" begann Jane. "Der ist schon wieder weg. Frag nicht, im Moment mag ich nicht drüber reden." Marie konnte an Janes Gesichtsausdruck erkennen, das sie wissen wollte, was passiert war. Marie sah unglücklich aus - irgendetwas musste sich ereignet haben. Hatten die beiden sich wieder gestritten, fragte sich Jane, bohrte aber nicht weiter nach. "Aber du weißt, ich bin für dich da." "Ja danke. Ich werde bestimmt drauf zurück kommen."

Nachdem Marie Jamie ins Bett gebracht hatte, ließ sie sich erst mal eine Badewanne einlaufen. Sie tauchte ins warme Wasser und versuchte zu entspannen, was ihr aber nicht wirklich gelang. Maries Gedanken gingen immer wieder zu Kian und ihrer gemeinsamen Geschichte. Sie beide kannten sich schon seit der Schule und waren immer sehr gute Freunde gewesen, da sie in ihrer Kindheit nebeneinander gewohnt hatten und jede freie Minute miteinander verbracht hatten. Sie konnten sich immer alles anvertrauen und schworen sich, nie auseinander zu gehen, immer irgendwie in Kontakt zu bleiben. Als sie achtzehn waren, begann Kians große Karriere in der Band. Den Abend nachdem die Jungs den Plattenvertrag unterschrieben hatten würde Marie nie vergessen. Es wurde eine riesengroße Party organisiert, um dieses Ereignis gebührend zu feiern. Oh hatten sie einen Spaß gehabt. Der Alkohol war in gehören Mengen geflossen und Marie hatte mit allen möglichen Leuten gesprochen, gelacht und auch getanzt. Plötzlich hatte Kian vor ihr gestanden und sie um den nächsten Tanz gebeten. Wie hatte es auch anders sein sollen, es war ein langsames Lied gewesen. Sicher, sie hatten schon unzählige Male zusammen zu langsamen Liedern getanzt und nie war was besonderes dabei gewesen. Aber an diesem Abend war es anders. Kian nahm sie wie so oft zärtlich in den Arm und sie begannen sich zu der Musik zu bewegen. Marie hatten ihren Kopf an seine Schulter gelegt und schloss die Augen. In seinen Armen fühlte sie sich immer so geborgen. Kian sagte etwas zu ihr, was sie aufgrund der lauten Musik aber nicht wirklich verstanden hatte du hob den Kopf, um ihn zu fragen was er eben gesagt hatte. Als sie ihm in seine liebevollen Augen sah, sein mega anziehendes Lächeln, passierte es. Es war als ob ein gewaltiger Blitz durch ihren Kopf und Körper gehen würde. Kurzfristig war ihr, als würden ihre Beine den Geist aufgeben. Sie hatte sich in ihren besten Freund verliebt und das nicht zu knapp. Kian schien es in diesem Moment ähnlich zu gehen. Sein Lächeln verschwand und ein ungläubiger Ausdruck erschien auf seinem Gesicht, so als würde er etwas nicht wirklich glauben können. Langsam kam sein Gesicht immer näher und ganz schüchtern legten sich seine Lippen auf ihre. Bei der Berührung liefen Marie Schauer über Schauer über den Körper. Es war so ein magischer Moment. Sie lösten sich von einander und schauten sich wieder ungläubig an., bevor Kian sie wieder küsste. Diesmal lag so eine Leidenschaf in dem Kuss, das beiden klar war, wie diese Nacht enden würde. Sie verbrachten eine Nacht, die Marie nie in ihrem Leben vergessen würde. Sicher hatte sie vorher schon eine Beziehung gehabt, aber mit Kian war es etwas ganz besonderes gewesen, etwas was man nicht beschrieben konnte. All ihre Freunde und Bekannten bezweifelten, das es zwischen den beiden funktionieren würde, da sie schon so lange befreundet waren. Aber sie wollten es versuchen, das hatten sie nach dieser Nacht beschlossen. Als Marie einige Wochen später feststellen musste, das diese Nacht nicht ohne Folgen geblieben war, war die beiden sich noch sicherer, das sie zusammenhalten wollten. Zwei Jahre später - Jamie war gerade ein Jahr alt - kam es dann doch zur Trennung. Kian war so mit seiner Arbeit in der Band beschäftigt und Marie wollte ihr Studium beenden, um auf eigenen Beinen zu stehen. So blieben die Gefühle auf der Strecke. Sie hatten sich auseinander gelebt. Die Trennung verlief ruhig und in beiderseitigen Einvernehmen. Und sie blieben die besten Freunde. Kian half Marie so gut wie er konnte und versuchte auch so viel zeit wie möglich mit seinem Sohn zu verbringen. Drei Jahre ging es jetzt schon gut so und dann passierte das.

Marie hatte Tränen in den Augen. Warum hatte sie das getan? Es war wirklich keine Meisterleistung von ihr gewesen. Aber in den letzten Wochen und Monaten war ihr bewusst geworden, das sie Kian noch immer liebte, wohl nie aufgehört hatte ihn zu lieben. Die Chance hatte sie einfach nicht verstreichen lassen können. Ihm nah zu sein, ihn zu spüren. Aber wie sollte es jetzt weitergehen? Sollte sie so tun, als wäre nichts gewesen? Wenn sie wenigstens wüsste, wie er über die Sache dachte. Aber er war einfach so gegangen, ohne ein Wort. Irgendwie verletzte es sie total. Sie fragte sich auch, warum es Kian so aufgeregt hatte, das sie laut Presse einen anderen heiraten würde. Waren bei ihm auch wieder tiefere Gefühle als Freundschaft? Nein, dann wäre er nicht gegangen, sondern wäre bei ihr geblieben. Es ging ihm wohl wirklich nur um Jamie. Marie seufzte und kletterte wieder aus der Wanne. Sie überkam ein leichter Hunger und so wollte sie sich eine Kleinigkeit aus der Küche holen.

Sie bereitete sich ein Sandwich zu, als ihr Blick auf die Anrichte fiel. Dort lag ein Zettel, den sie nicht kannte. Marie schnappte sich ihr Sandwich und ein Glas Rotwein und ging an der Anrichte vorbei und schaute auf den Zettel. Sie erkannte Kians Handschrift und nahm auch den Zettel mit ins Wohnzimmer. Sie war gespannt, was er geschrieben hatte. Marie setzte sich aufs Sofa und fing mit zittrigen Händen an zu lesen.

Marie,
Sorry, das ich so einfach weg bin. Habe einen wichtigen Termin vergessen. Ich komme morgen aber vorbei. Wir müssen unbedingt miteinander reden.

In Liebe Kian

Marie starrte auf die Zeilen und wusste nicht, was sie davon halten sollte. Sie versuchte zwischen den Zeilen zu lesen. Was meinte Kian mit seinen Worten? Diese Ungewissheit machte sie rasend, sie wollte zu gerne wissen, woran sie jetzt war. Was empfand Kian für sie? War das was sie beide heute erlebt hatten, nur eine Nummer zwischendurch? Oder war es doch mehr? Marie bekam von dem vielen Grübeln Kopfschmerzen und überlegte sich ins Bett zu gehen. Aber schlafen konnte sie nicht wirklich. Das Bettzeug roch noch immer nach ihm und das ließ sie nicht zur Ruhe kommen. Sie wälzte sich von einer Seit auf die andere und grübelte doch wieder. Irgendwann in den Morgenstunden war sie dann doch eingeschlafen, auch wenn sie nur schlecht schlief und viel Wirrwarr träumte.

Am nächsten Morgen wachte sie mit Kopfschmerzen auf, als ihr Sohn freudestrahlend ins Schlafzimmer gehüpft kam. "Mummy aufwachen. Heute ist Samstag und Daddy will was mit uns unternehmen." "Wie kommst du darauf?" fragte Marie müde und verständnislos. "Das hat er gestern zu mir gesagt, als er hier war" behauptete Jamie und nickte ganz eifrig mit dem Kopf. "Na gut mein Schatz. Geh doch schon mal nach unten. Ich komme sofort nach." Am liebsten wäre Marie den ganzen Tag im Bett geblieben, aber was sollte sie machen - ihr Sohn brauchte sie.

Marie saß gerade mit einem Toast, einer Tasse Kaffee und der Morgenzeitung am Tisch und frühstückte in aller Ruhe. Jamie hatte sich mit seinen Cornflakes vor den Fernseher verzogen. Es war zwar nicht im Sinne des Erfinders, das Jamie schon am Morgen fern sah, aber Marie war es ganz recht, so hatte sie noch ein paar Minuten ihre Ruhe. Lustlos ließ sie die Augen über die Artikel laufen, als sie plötzlich stockte. Sie erkannte auf dem einen Foto Kian, wie er eine unbekannte Schönheit im Arm hielt und ihr tief in die Augen sah. Marie war als würde ihr jemand den Boden unter den Füßen wegreißen. Sie fing an zu lesen:

Kian Egan tröstet sich über den Verlust seines Sohnes hinweg

Gestern Abend wurde Kian Egan von der Band Westlife dabei entdeckt, wie er sich mit einer unbekannten Schönheit über den Wegzug seines Sohnes hinwegtröstet (wir berichteten). Beide wurden in einem angesagten Pub in Sligo in inniger Umarmung gesichtet. Auf Nachfrage unseres Reporters meinte Kian Egan, das mit seinem Sohn wäre nicht so tragisch. London sei ja nicht aus der Welt. Wenn er Zeit hätte, würde er dann einfach hinfliegen und ihn besuchen.

Es ist wirklich bewundernswert, das es doch noch Paare gibt, ohne Rosenkrieg nach einer Trennung.

Das war also sein ach so wichtiger Termin gestern gewesen. Marie war so enttäuscht und sauer, das sie hätte schreien können. Re war also aus ihren Armen gleich in die nächsten gerannt. Das hätte sie nun wirklich nicht von ihm gedacht. Zumindest hatte sie jetzt Klarheit darüber, was ihm das gestern mit ihr bedeutet hatte - nämlich gar nichts. Immer noch starrte sie auf das Foto und konnte es noch nicht wirklich glauben. Aber was blieb ihr anderes übrig. Plötzlich klingelte es an der Tür und Marie hörte, wie Jamie zur Tür rannte. "Daddy. Was machen wir heute?" rief er als er die Tür geöffnet hatte. Marie versuchte sich gegen alles zu wappnen, was jetzt auf sie zukam. Kurz darauf öffnete sich die Tür und die beiden standen in der Küche.

"Jamie Schatz, ziehst du dich bitte an wenn du gleich mit deinem Vater weg möchtest und vergiss das Waschen nicht" meinte Marie mit einem Lächeln zu ihren Sohn, beachtete Kian aber mit keinem Blick. Jamie nickte eifrig und war schon verschwunden. "Wäre schön, wenn du Jamie heute Abend nicht so spät wiederbringen würdest. Er braucht seinen Schlaf. Wenn du Kaffee möchtest, du weißt ja wo er steht. Ich geh duschen. Schönen Tag noch" meinte Marie tonlos zu Kian, der sie erstaunt ansah, stand auf und wollte die Küche verlassen. "Marie, was ist los?" fragte er. "Nichts, alles in bester Ordnung." Marie hatte die Türklinke schon in der hand, als Kian sie an die Schuler fasste und sie zu sich herum drehte. "Bist du sauer auf mich, weil ich gestern so einfach gegangen bin? Hast du meinen Zettel nicht gefunden? Es tut mir leid, ich hatte einen wichtigen Termin mit..." versuchte Kian zu erklären, als Marie ihm ins Wort fiel. "Ich habe deinen Zettel gelesen, und was du für einen wichtigen Termin hattest, weiß ich jetzt auch" meinte sie mit einem ironischen Blick auf die Zeitung. Kian ließ sie los und ging zum Tisch, um sich die Zeitung genauer anzusehen. "Aber..." begann Kian, aber Marie fiel ihm wieder ins Wort. "Kian lass uns ehrlich sein, das was gestern war, hatte nichts zu bedeuten. Es war nett, mehr aber nicht. Lass es uns dabei belassen." Marie wusste nicht, wie sie diese Lüge so einfach hatte über die Lippen bekommen können und war sehr erstaunt über sich selbst. Sie sah wie sich Kians Gesicht verschloss und kalt meinte er dann "Ach so ist das. Es war nur eine nette kleine Nummer für dich. Na dann, ich kann also davon ausgehen, das du immer noch vorhast, mit deinem Knilch nach London zu gehen. Es hat sich also nichts geändert." Marie zuckte bei der Kälte in seiner Stimme leicht zusammen. "Nein, bei mir hat sich nichts geändert. Und bei dir ja anscheinend auch nicht" erwiderte Marie zynisch und ließ den Blick nochmals zum Artikel wandern. "Wenn das so ist, dann ist ja wohl alles geklärt" meinte Kian eiskalt, drehte sich um und holte sich scheinbar in aller Ruhe eine Tasse aus dem Schrank, um sich einen Kaffee einzuschenken. "Ist es dann wohl" meinte Marie genauso kalt und verließ die Küche.

Auf dem Weg nach oben kam Jamie ihr entgegen. "Du bist ja noch gar nicht fertig" stellte er enttäuscht fest. "Du unternimmst heute alleine was mit deinem Daddy. Ich habe noch so viel zu erledigen, da schaffe ich es nicht mitzukommen" entschuldigte Marie sich. "Hm. Schade. Dann bis nachher Mummy. Ich hab dich lieb." Jamie streckte sich und schürzte die Lippen zu einem Kuss. "Ich hab dich auch ganz doll lieb. Und sei artig" meinte Marie, gab ihrem Sohn einen Kuss und strubbelte ihm noch mal durch die blonden Haare. Sie sah ihm noch hinterher, wie er in die Küche verschwand und ging dann nach oben ins Schlafzimmer. Marie hörte wie unten die Haustür ins Schloss fiel und sah die beiden, wie sie aufs Kians Auto zugingen. Nach dem Kian seinen Sohn im Auto angeschnallt hatte öffnete er die Fahrertür, schaute noch mal zum Haus und stieg ebenfalls ein. Als das Auto aus der Sichtweite war, brachen bei Marie alle Dämme. Sie fing hemmungslos an zu weinen und konnte sich eine ganze Weile nicht beruhigen. Es tat so schweine weh, ihn schon wieder verloren zu haben. Aber was heißt denn hier verloren? Sie hatte ihn doch gar nicht. Sie haben nur miteinander geschlafen und sie wusste vorher, worauf sie sich einließ. Jetzt durfte sie sich nicht beschweren. Trotzdem lag sie noch Stunden auf ihrem Bett und weinte. Irgendwann war sie mehr wütend auf sich selber, als auf Kian. Sie stand auf und stellte sich unter die Dusche. Als sie eine Ewigkeit unter den warmen Strahlen gestanden hatte, zog sie sich was bequemes an und fing an das Haus zu putzen. Das war genau das richtige Mittel gegen Liebeskummer. Und als erstes wechselte sie die Bettwäsche in ihrem Schlafzimmer, um seinen Duft zu vertreiben.

Sie bemerkte gar nicht, wie spät es schon war. Als es an der Haustür klingelte schaute sie überrascht auf die Uhr. Es war schon halb acht durch. Mann, wo war der Tag geblieben? Marie schüttelte mit dem Kopf und ging zur Haustür, um zu öffnen. "Hallo mein Schatz. Na hattest du einen schönen Tag?" begrüßte Marie ihren Sohn. "Ja, nur du hast gefehlt. Wir waren erst bei Oma und Opa und dann waren wir noch am Strand" plapperte ihr Sohn drauf los. Marie schaute über Jamie hinweg, als er seinem Vater noch mal zuwinkte. Kian stand auf der Fahrerseite seines Wagens und schaute noch mal kurz herüber, nickte einmal kurz und stieg ein. Marie schaute ihm noch traurig hinterher, bis er hinter der nächsten Kurve verschwunden war und ging dann mit Jamie ins Haus. Jamie erzählte ihr erst mal in allen Einzelheiten, was er den Tag über so erlebt hatte. Irgendwie war sie froh, wie er endlich im Bett lag und schlief. Sie konnte und wollte den Namen Kian heute nicht mehr hören.

Die ganze Woche hörte und sah sie nichts von Kian, was aber vielleicht auch daran lag, dass er in London war. Einerseits war sie froh drüber, aber andererseits bedrückte es sie, das sie sich im Streit getrennt hatten. Donnerstag Abend saß sie gerade vorm Fernseher und sah sich einen Liebesfilm an, als ihr Handy klingelte. Verwundert ging sie dran. "Hey Marie, hier ist Mark" meldete sich Kians Bandkollege und ein guter Freund von ihr. Auch ihn kannte sie schon seit der Schulzeit. "Hey Mark. Was gibt’s?" Was wollte Mark von ihr? War was mit Kian? "Ich wollte dich nur an meine Geburtstagsfeier am Samstag erinnern" Erklärte Mark seinen Anruf. Marie fiel es wieder ein, das Mark sie vor einigen Wochen eingeladen hatte. Sie wusste jetzt nicht, was sie machen sollte. Einerseits wollte sie gerne zu der Feier hin, aber auf der anderen Seite wäre Kian auch dort. Was sollte sie jetzt machen? "Marie, bist du noch dran?" fragte Mark nach. "Ähm...ja.. sicher. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Ehrlich gesagt habe ich gar nicht mehr dran gedacht. Ich muss mal sehen, was ich mit Jamie mache" versuchte Marie sich herauszureden. "Hey, wenn es wegen dem Streit zwischen dir und Kian geht, lass dich davon nicht abhalten. Er beruhigt sich auch wieder." Mark hatte sie durchschaut. "Woher weißt du das denn schon wieder?" wollte Marie wissen. "Tja, ich habe meine Spione überall sitzen" lachte Mark. "Also du kannst gerne jemanden mitbringen, wenn du Verstärkung brauchst." "Na gut, ich werde es schon irgendwie hinkriegen" gab Marie nach. "Super. Ich freu mich schon. Dann sehen wir uns Samstag" entgegnete Mark. "Ja, bis Samstag."

Freitag Nachmittag spielte Marie mit Jamie im Garten, als hinter ihr eine Stimme erklang. "Hallo schöne Frau." "Steven. Hey komm rein. Möchtest du einen Kaffee?" begrüßte Marie ihn. "Ja, gerne." "Setz dich auf die Terrasse, ich hol uns eben den Kaffee" meinte Marie und ging ins Haus. Kurze Zeit später saßen sie gemeinsam auf der Terrasse, tranken Kaffee und genossen das warme Wetter. "Und wie war es in London?" sprach Marie die Reise von Steven an, die er die letzten Tage hatte. "Super. Das mit dem neuen Job geht klar. Wir haben sogar schon den Vertrag unterschrieben." "Das freut mich wirklich für dich, auch wenn ich dich schrecklich vermissen werde" beteuerte Marie. "Hey ich denke du hast meinen Antrag angenommen und kommst mit mir?" flachste Steven und zwinkerte ihr zu. "Ja klar sicher. Wie konnte ich das nur vergessen?" lachte Marie. "Aber mal ehrlich. Die Leute in London haben gefragt, ob ich jemanden qualifizierten wüsste, den ich mitbringen könnte. Sie suchen noch jemanden. Ich habe da spontan an dich gedacht" erzählte Steven und schaute sie erwartungsvoll an. "Wie jetzt? Ähm.. ich weiß nicht was ich sagen soll." Marie war geschockt. "Viel hält dich hier doch nicht, oder? Überleg es dir in aller Ruhe. Ich könnte dich auf jeden Fall gut gebrauchen in London." "Na ja, meine Familie ist hier, meine Freunde. Wäre schon nicht so einfach, hier alles stehen und liegen zu lassen. Aber ich werde es mir mal durch den Kopf gehen lassen" meinte Marie nachdenklich. "Mehr kann ich doch nicht von dir verlangen." Steven strahlte. Einige Zeit unterhielten sie sich über belanglose Ding, als Marie der Geburtstag von Mark einfiel. "Sag mal, hast du Lust, mich morgen auf eine Geburtstagsfeier zu begleiten? Ich mag nicht allein hingehen" fragte Marie Steven vorsichtig. Ihr war klar, das es gewissen Leuten mächtig stinken würde, wenn sie Steven mitbrächte, aber das war ihr egal. Steven überlegte kurz und nickte dann. "Meine Mädchen sind noch immer auf Schulausflug. Als an mir soll es nicht liegen. Danke für die Einladung. Nimmst du Jamie auch mit?" "Nee, der möchte lieber bei Adam bleiben" verneinte Marie. "Gut, dann hol ich dich morgen Abend um sieben ab, ok?" schlug Steven vor. Marie nickte dankbar und freute sich jetzt doch ein wenig auf morgen.

Am nächsten Abend machte Marie sich sehr sorgfältig zurecht. Kian sollte ruhig merken, was er verpasste. Sie hatte sich vorgenommen, den Abend so richtig zu genießen und sich die Laune nicht verderben zu lassen. Sie hatte sich einen halblangen Jeansrock ausgesucht und ein knallgelbes Top dazu. Ihre blonden Haare kämmte sie, bis sie ihr seidig über die Schultern fielen. Nur noch etwas Puder und Lipgloss und schon war sie fertig. Punkt sieben klingelte es an der Tür. Marie kam aus dem Schlafzimmer und Jamie kam ihr entgegen. Mit offenen Mund schaute er zu ihr hoch. "Mummy du siehst toll aus. Hast du dich für Steven so hübsch gemacht?" fragte er. "Danke mein Schatz. Würdest du dich freuen, wenn ich mich für Steven so hübsch machen würde?" fragte Marie zurück. "Er ist ganz nett, aber mir wäre es lieber wenn du dich für Daddy hübsch machen würdest" meinte Jamie in seiner kindlichen Offenheit. Marie musste unwillkürlich lächeln. Es klingelte noch mal. Jamie drehte sich um und rannte los, um die Tür zu öffnen. "Hallo Steven. Mummy ist schon fertig und sie sieht toll aus." Marie stellte sich hinter ihren Sohn und lächelte Steven an. "Ich muss sagen, dein Sohn hat Recht. Du siehst wirklich toll aus heute Abend" meinte Steven bewundernd. "Danke. So Jamie, dann schnapp dir mal deine Tasche. Ich bring dich noch eben zu Adam rüber." Meinte Marie dann zu ihrem Sohn. Einige Minuten später saßen sie in Stevens Wagen und fuhren quer durch Sligo.

Als sie bei Mark ankamen, hielten schon einige Autos vor seinem Haus, so mussten Steven etwas abseits parken. Marie stieg aus und wartete, bis Steven das Auto verschlossen hatte und neben sie getreten war. Fürsorglich legte er ihr einen Arm um die Hüften und ging mit ihr in Richtung Haustür. Leicht nervös drückte Marie auf die Klingel und wartete, das jemand die Tür öffnete. Schon wurde die Tür aufgerissen und Nicky stand lächelnd vor Ihnen. Auch er war ein Bandkollege von Kian. "Hallo Marie, schön dich zu sehen. Na wen hast du denn da mitgebracht?" "Ich freu mich auch, dich mal wieder zu sehen. Nicky darf ich dir Steven Finley vorstellen. Steven das ist Nicky Byrne. Ein Freund von mir" stellte Marie die beiden einander vor. Nicky zog die Augenbrauen hoch. "Du bist also der gewisse Steven Finley. Hallo, schön dich kennen zu lernen. Das scheint mir ja ein interessanter Abend zu werden. Kommt doch erst mal rein. Mark läuft hier irgendwo rum" meinte Nicky lächelnd und verzog sich wieder in die Menge. Marie war etwas verwirrt über Nickys Aussage, zuckte aber nur mit den Schultern und betrat mit Steven das Wohnzimmer. Überall standen Leute herum, unterhielten sich, tranken. Vom Wohnzimmer aus konnte man in den Garten gehen, wo auch noch einige Leute herumstanden. Mark kam ihnen von draußen entgegen und nahm Marie gleich in den Arm. "Meinen herzlichsten Glückwunsch zum Geburtstag. Alles Gute" gratulierte Marie ihm und drückte ihn fest. Als sie sich von einander lösten, gab sie ihm sein Geschenk. "Danke dir. Das war aber nicht nötig, das weißt du." Mark wurde leicht rot. "Mark darf ich dir Steven Finley vorstellen. Steven das ist Mark" entgegnete Marie. "Auch von mir alles Gute zum Geburtstag. Marie hat mich so einfach mitgeschleppt." Steven gab Mark die Hand. "Hallo. Das ist doch kein Problem. Ich hatte ihr ja gesagt, das sie ruhig jemanden mitbringen kann. Also lasst es euch hier gut gehen. Bedient euch und habt Spaß. Wir sehen uns ja noch." Und schon war Mark wieder weg. Marie und Steven schnappten sich was zu trinken und gingen erst mal rum. Als sie in den Garten kamen, sah sie Kian in einer kleinen Gruppe stehen. Maries Herz fing heftig an zu schlagen und sie starrte gebannt zu ihm hin. Er unterhielt sich scheinbar sehr angeregt mit einer Blondine, die Marie nicht kannte. Mal wieder, wie so oft in letzter Zeit, stieg Eifersucht in Marie hoch. Sie drehte sich wieder zu Steven und bemerkte, das er ihrem Blick gefolgt war und erkannte wie es um sie stand. "Hey, lass dir die Laune nicht verderben. Genieß den Abend" meinte er dann lächelnd, griff ihr vorsichtig um den Ellenbogen und zog sie ein Stück an die Seite, so dass sie nicht mehr direkt zu Kian gucken konnte. Steven versuchte sie mit einem Gespräch auf andere Gedanken zu bringen, was ihm auch einigermaßen gelang. "Hast du Hunger?" fragte Marie ihn nach einer Weile. " Etwas. Wollen wir uns etwas vom Büffet holen?" erwiderte Steven und Marie nickte. Sie gingen gemeinsam zum Büffet und suchten sich einige der Leckerein aus, die am Büffet aufgebaut waren. Dann suchten sie sich einen ruhigen Platz und fingen an zu essen. Dabei unterhielten sie sich über Stevens neuen Job in London und die Möglichkeit für Marie mitzugehen. Dabei fiel ihnen nicht auf, das sie schon eine ganze Weile beobachtet wurden.

Kian hatte sie entdeckt, als sie beim Büffet zugeschlagen hatten. Er fand, dass Marie heut Abend besonders hübsch aussah. Der Rock betonte raffiniert ihre langen Beine und das Top schmiegte sich aufreizend um ihre Brüste. Es machte ihn rasend eifersüchtig zu sehen, wie vertraut sie mit diesem Steven umging. Gerade legte sie lachend ihre Hand auf seinen Arm und schaute ihn intensiv an. Er dachte wieder an die vergangene Woche, die wirklich hart für ihn gewesen war. Oft hatte er in seinem Hotelzimmer gesessen, mit seinem Handy in der hand. Er war versucht gewesen, Marie anzurufen, um sich mit ihr auszusprechen. Er hasste es, sich im Streit von ihr getrennt zu haben. Aber er hatte nie den richtigen Mut gefunden. Nach mehreren schlaflosen Nächten hatte er sich überlegt, das heute auf der Feier nachzuholen. Nun sah er, das sie nicht allein da war und Kian anscheinend auch nicht wirklich vermisst hatte. Es versetzte ihn einen mächtigen Stich ins Herz. "Kian? Hörst du mir gar nicht zu?" sprach Shane ihn an. "Hm? Was hast du gesagt?" Kian erwachte aus seinen Tagträumen und schaute seinen Freund verständnislos an. Shane schaute in die Richtung, in die Kian eben noch gestarrt hatte und erkannte Marie. "Oh" meinte er nur und ihm wurde bewusst, was Kian eben so beschäftigt hatte. Kian folgte seinen Blick und sah, wie dieser Steven nun mit einem Daumen über Maries Lippen strich. Kian war, als würde er jeden Moment platzen. Er ballte die Hände zusammen und zischte "Wenn der nicht sofort seine Finger von ihr nimmt, haue ich ihm eine rein." "Kian, reiß dich zusammen. So kommst du bei Marie bestimmt nicht weiter, wenn du ihrem Begleiter eine verpasst" versuchte Shane seinen Freund zu beruhigen und legte ihm seine Hand auf die Schulter. Kian seufzte einmal tief auf und meinte dann traurig. "Hast ja Recht. Es hat doch eh alles keinen Sinn. Sie will mich nicht." Damit drehte er sich um und ging an die Theke, um sich was zu trinken zu holen. Shane schaute ihm kopfschüttelnd hinterher. Irgendwas musste bald passieren. So ging es doch nicht weiter. Er schaute noch mal zu Kian und ging dann zum Tisch, an dem Marie und Steven saßen.

"Marie halt mal gerade still. Du hast da Remoulade" meinte Steven und strich ihr vorsichtig über die Mundecke. "Danke. Das ist lieb von dir" erwiderte Marie lächelnd. "Und soll ich dir einen Termin in London vereinbaren, damit du dir ein Bild von dem Job machen kannst?" fragte Steven jetzt. "Ich weiß nicht. Lass mir noch ein wenig Zeit, ich muss mir das noch überlegen" erwiderte Marie und schaute ihn bittend an. "Hallo Marie" sprach sie plötzlich jemand an. Marie drehte sich zu der Stimme um und fing an zu lächeln. "Hallo Shane. Wie geht es dir?" begrüßte sie ihn. "Bestens. Dir anscheinend auch. Gut siehst du aus." "Danke. Mir geht es auch gut. Darf ich dir meinen Chef und einen guten Freund von mir vorstellen? Steven Finley. Steven, das ist Shane auch ein Freund von mir" machte Marie die beiden bekannt. "Hallo. Na wenn man den Zeitungen glauben darf, bist du wohl doch etwas mehr für Marie, als sie gesagt hat" meinte Shane grinsend. "Seit wann glaubst du alles, was in den Zeitungen steht?" fragte Marie flachsend. "Ich nicht, aber fragen kann man ja mal" meinte Shane grinsend. "Nein wie gesagt, wir sind nur gute Freu..." wollte Marie noch mal deutlich sagen, aber sie wurde von einer Stimme unterbrochen, die sie nur zu gut kannte. "Shane kommst du? Wir wollen Mark sein Geschenk überreichen" meinte Kian, der zu ihn getreten war. Er schaute einmal kurz zwischen Marie und Steven hin und her und meinte dann tonlos "Hallo Marie. Steven." Dann drehte er sich um und ging wieder. Shane verdrehte die Augen und stöhnte. Marie schaute Kian hinterher und rief dann sarkastisch "Ich freu mich auch, dich mal wieder zu sehen" "Ärger dich nicht, er ist im Moment nicht so gut drauf" versuchte Shane seinen Freund zu entschuldigen. "Na, deswegen muss er es doch wohl nicht an mir auslassen, oder?" Marie sah Shane erwartungsvoll an. "Nein du hast Recht. Reservierst du mir einen Tanz?" lenkte Shane jetzt vom Thema ab und setzte sein absolutes Charmeurlächeln auf. Marie fing an zu lachen. "Natürlich. Stehst sozusagen schon auf meiner Tanzkarte." Shane gab Marie noch einen Kuss auf die Wange und verschwand zu den anderen.

Einige Zeit sah Marie nichts von Kian. Irgendwann entdeckte sie ihn an der Theke sitzend. "Steven, ich komm gleich wieder" meinte sie und ging langsam hinüber. Das Herz raste in ihrer Brust und sie wurde nervös. Als sie an der Theke ankam, atmete sie noch mal tief durch und legte Kian eine Hand auf die Schulter. "Hey" meinte sie leise. "Was willst du denn? Ist dein Lover schon wieder weg und nun ist dir langweilig oder wie?" wurde sie von Kian gleich angeraunzt und er schob ihre Hand weg. Marie sah ihn erschrocken und verletzt an. "Ich hatte eigentlich gedacht, wir könnten unseren Streit ausräumen, aber anscheinend besteht da kein Bedarf" meinte Marie enttäuscht. "Wieso? Haben wir uns gestritten? Wir haben nur miteinander geschlafen, und dann festgestellt, das es nichts zu bedeuten hatte." Kian tat gespielt ahnungslos. "Egan du bist so ein sturer Bock" meinte Marie nun sauer und wollte gehen. Sie drehte sich um und stand Shane gegenüber. Er schaute fragend zwischen Marie und Kian hin und her und schüttelte dann mit dem Kopf. Ohne was zu sagen, nahm er Maries Hand und führte sie auf die Tanzfläche. Dort nahm er sie in die Arme und begann mit ihr zu tanzen. "Was ist eigentlich zwischen euch beiden los?" fragte er nach einer Weile. Marie zuckte nur mit den Achseln. "Im Moment ist der Wurm drin. Wir streiten uns andauernd." Das was letzte Woche passiert war, wollte Marie Shane jetzt nicht auf die Nase binden. Sie konnte ja nicht wissen, das er bereits eingeweiht war. "Ich versteh wirklich nicht, warum ihr euch so einen Stress macht." Marie schaute Shane verständnislos an. "Jeder Blinde sieht doch, was ihr euch bedeutet." "Ich denke das siehst du falsch. Die einzige Person, die Kian etwas bedeutet ist Jamie. Das hat nichts mit mir zu tun" entgegnete Marie. "Das glaubst du doch selber nicht" meinte Shane, besonders da er Kians Gefühle Marie gegenüber kannte. "Doch, genauso ist es. Du hast doch eben selber mitbekommen, wie er mir gegenüber ist. Vielleicht sollte ich das Angebot aus London annehmen" meinte Marie den letzten Satz mehr zu sich selbst. "Welches Angebot?" Shane hatte es doch verstanden und war verwirrt. "Steven hat mir angeboten mit nach London zu gehen. Vielleicht wäre es besser so." "Also ist doch mehr an der Geschichte dran" vermutete Shane nun. "Wir sind nur Freunde, verdammt. Aber was soll ich denn noch hier? Vielleicht werde ich in London glücklicher." Marie schaute gedankenverloren über Shanes Schulter. "Und was ist mit Jamie?" "Den nehme ich natürlich mit." "Und Kian?" "Der kann seinen Sohn jederzeit sehen, wenn er will." "Überleg es dir noch mal in aller Ruhe. Immerhin hast du hier deine Familie und deine ganzen Freunde. Das solltest du nicht außer Acht lassen" meinte Shane eindringlich. Ihm war bewusst, das er unbedingt mit Kian reden musste. Für Shane war es eine verzwickte Situation. Er wollte beiden helfen, konnte aber dem einem nichts von den Gefühlen des anderen sagen, da er niemanden in den Rücken fallen wollte. Das mussten die beiden unter sich regeln. Es war sonnenklar, das auch Marie große Gefühle für Kian hegte, genau wie umgekehrt. Shane wollte zumindest alles in seiner Macht stehende tun, damit die beiden wieder zusammen kamen.

Später tanzte Marie gerade mit Steven. Sie schaute ihm über die Schulter und beobachtete die anderen Paare beim Tanzen. Auf der anderen Seite sah sie Kian, wie er mit dieser Blondine tanzte, mit der er sich am Anfang schon so einträchtig unterhalten hatte. Tanzen war wohl nicht der richtige Ausdruck für das, was die beiden da machten. Es war wohl mehr so, als das sie sich fast gegenseitig vernaschten. Dieser Anblick brachte Marie aus der Fassung. Sie konnte nicht begreifen, was sie dort sah. Für sie war es der endgültige Beweis dafür, das Kian rein gar nichts für sie empfand. Marie musste sich unbewusst verspannt haben, da Steven aufmerksam wurde und ihrem Blick folgte, in dem er sich leicht drehte. "Willst du gehen?" fragte er fürsorglich, als er sehen konnte, was Marie so aus der Fassung gebracht hatte. Mit Tränen in den Augen schaute sie Steven an und nickte. Beschützend legte er ihr einen Arm um die Schulter und brachte sie zur Tür. An der Tür drehte sie sich noch mal kurz um und sah zurück. Dann wischte sie entschlossen die Träne weg, die sich gerade ihren Weg über eine Wange bahnen wollte und verließ das Haus.

Im Auto schaute sie gedankenverloren aus dem Fenster. "Du liebst ihn, nicht wahr?" fragte Steven leise. Marie schaute ihn überrascht an und nickte dann leicht. "Aber da es einseitig ist, werde ich wohl irgendwie drüber wegkommen müssen" meinte sie dann nur. "Und du meinst, das geht so einfach?" Steven lächelte wissend. "Es wird mir bestimmt helfen, wenn ich nach London gehe." "Was willst du mir damit sagen?" fragte Steven jetzt verwundert. "Mach mir einen Termin in London. Ich werde mir mal anhören, was sie zu sagen haben. Es ist doch so, wenn ich hier bleibe, werde ich nur unglücklich. Vielleicht kann ich dort vergessen und neu anfangen." "Ist das dein Ernst?" fragte Steven noch mal nach. Marie nickte, wenn auch nicht ganz so überzeugt. Ihr war nur klar, das sie kaputt gehen würde, immer in Kians Nähe zu sein, wenn die Gefühle, die sie für ihn hatte nur einseitig waren.

Am Montag nach der Feier bei Mark flogen die Jungs zum Videodreh für ihre neue Single nach Südfrankreich. Abends kam es, das Shane und Kian alleine an der Hotelbar saßen und sich was zu trinken genehmigten. Shane beobachtete seinen Freund, der mal wieder total abwesend war. "Was grübelst du?" fragte er ihn. Kian zuckte nur mit den Schultern. "Na los, sag schon" ermunterte Shane ihn. "Marie" kam nur von Kian. "Was ist mit ihr?" "Ich habe gestern versucht sie zu erreichen. Ich wollte mich für mein Benehmen von Samstag entschuldigen, aber sie hat sich verleugnen lassen." "Und nach deiner Aktion von Samstag wundert dich das? Was wolltest du denn sagen? Hey, sorry das ich dich erst den ganzen Abend schräg angemacht und dann vor deinen Augen fast eine andere vernascht habe? Egan, Egan, Egan. Du machst es dir ja echt leicht" Shane verdrehte die Augen. Kian schaute ihn
verständnislos an. "Wie eine andere vernascht?" "Ach weißt du das nicht mehr? Du hast mit dieser Blonden fast eine Nummer auf der Tanzfläche geschoben. Also, wenn das deine Art ist, Marie deine Liebe zu gestehen, wundert es mich nicht, dass sie nicht mehr mit dir sprechen will und kurz davor ist, nach London zu gehen." "Wir haben doch nur getanzt" versuchte
Kian sich zu verteidigen. "Kian, wir wissen beide, das es mehr als nur tanzen war. Du hattest einiges getrunken, warst sauer, weil Marie diesen Steven mitgebracht hatte und hast dir die Gelegenheit Marie einen auszuwischen nicht entgehen lassen. Aber das wieder auszubügeln könnte verdammt schwierig werden." Shane nickte kräftig, um seine Vermutung zu bekräftigen. "Das stimmt doch gar nicht. Und außerdem stand doch schon vor Samstag fest, das Marie diesen Steven heiraten will und mit ihm nach London geht." "Marie wird Steven nicht heiraten." "Wie, sie heiratet Steven nicht. Aber du hast doch gesagt, sie geht nach London." Kian verstand jetzt gar nichts mehr. "Sie wird wohl auch nach London gehen. Aber sie wird Steven nicht heiraten, da sie weder verlobt sind, noch was miteinander haben. Sie
sind nur Freunde. Das hat Marie mir am Samstag selber gesagt" erklärte Shane Kian. "Aber wenn sie ihn doch nicht liebt, dann braucht sie doch nicht mit ihm gehen. Und warum erzählt sie mir was anderes?" Kian wusste nun nicht mehr, was er glauben sollte. "Sie wird wohl ihre Gründe haben, warum sie gehen will. Aber da fragst du sie am besten selber. Sprecht euch
endlich richtig aus. So hat das alles doch keinen Sinn" nahm Shane Kian noch mal ins Gebet.

Einige Tage später saß Marie in ihrem Büro und arbeitete einige Sachen vor, da sie Ende der Woche für zwei Tage nach London reisen würde, um sich dort vorzustellen. Sie hatte sich nun so ziemlich dafür entschlossen, Irland zu verlassen. Wenn sich das Angebot aus London als gut herausstellen sollte, würde sie hier nichts mehr halten. Es klopfte und die Tür ging auf. Marie schaute von ihrer Arbeit auf und sah in die Augen, die sie wohl immer faszinieren würden. "Hast du ein paar Minuten für mich?" fragte Kian sichtlich angespannt. "Kommt drauf an" entgegnete Marie. Kian schloss die Tür und setzte sich auf den Stuhl auf der anderen Seite ihres Schreibtisches. Seit dem Samstag hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Er hatte zwar einige Male versucht sie anzurufen, aber entweder war sie nicht drangegangen oder sie hatte sie verleugnen lassen. Zu tief saß der Schmerz. "Eigentlich trifft es sich ganz gut, das du da bist. Wie sieht s Ende der Woche in deinem Terminplan aus? Könntest du Jamie für zwei Tage nehmen?" fragte Marie in einem geschäftsmäßigen Ton. "Warum?" fragte Kian mit
hochgezogener Augenbraue. "Ich muss nach London." "Aha. Tut mir leid, ich bin nicht zuhause" meinte Kian nun unterkühlt. "Tja, dann werde ich mal deine Eltern fragen, oder Jane." Marie zuckte nur mit den Schultern. "Warum hast du mich angelogen?" fragte Kian nun gereizt. Marie schaute ihn erstaunt an. "Wie meinst du das?" "Jetzt tu doch nicht so." "Kian, ich habe dich nicht angelogen. Wie kommst du darauf?" "Ach nee, und warum erzählst
du mir dann, das du diesen Steven heiraten willst und mit ihm nach London gehst? Shane hat mir erzählt, das das gar nicht stimmt." Kian wurde mit jedem Wort lauter. "Wenn du mal genau überlegst habe ich nie behauptet, Steven heiraten zu wollen. Es stand in der Zeitung und du hast das geglaubt. Nichts hätte dich von dieser Meinung abbringen können. Aber es
ist wahr das ich nach London gehen will." "Und warum?" fragte Kian nun. "Hier hält mich nichts mehr. Ich brauche eine Luftveränderung" meinte Marie und schaute Kian dabei kühl an. Bei ihren Worten schien es, als würde Kian leicht zusammenzucken, sie konnte sich aber auch getäuscht haben. Als sie ihn noch mal betrachtete, war seine Miene unergründlich und kalt. "Und wenn ich es nicht zulasse, das du mir meinen Sohn wegnimmst?" fragte er jetzt
eiskalt. Marie starrte ihn ungläubig an. "Ich habe nicht vor, ihn dir wegzunehmen. Du kannst ihn trotzdem immer sehen." "Oh ja sicher, das ist ja auch alles kein Problem. Ich hier und Jamie in London. Jamie bleibt bei mir." Kian schien jetzt wirklich aufgebracht. "Und wie willst du das machen? Du hast doch jetzt noch nicht mal zwei Tage Zeit für deinen Sohn.
Jamie kommt mit mir. Du bist so oft in London, da ist das nun wirklich kein Problem." Marie konnte es einfach nicht fassen, was für Seiten sie im Moment von Kian zu sehen bekam. "Das lass mal meine Sorge sein. Du bekommst ihn nicht. Du musst dich also entscheiden - Jamie oder London." Einen kurzen Moment starrte Marie ihn fassungslos an. "Soll das eine Drohung
sein?" fragte sie, stand auf und ging zur Tür. "Ich glaube es ist besser du gehst. Bevor ich Sachen sage oder tue, die ich später bereuen könnte" meinte sie mit blitzenden Augen. Kian stand von seinem Stuhl auf und kam auf sie zu. Als er dicht vor ihr stand, legte er seine Hand auf ihre, die sie schon auf die Türklinke gelegt hatte und schaute sie eindringlich an. "Und dich hält hier wirklich nichts mehr?" fragte er sie noch mal und lies sie nicht aus den Augen. `Doch du, wenn du mir sagst, das du mich genauso liebst wie ich dich´ dachte Marie, aber das konnte sie ihm nicht sagen. Marie schüttelte mit dem Kopf, obwohl es ihr mächtig schwer fiel. Kians Gesicht verschloss sich ganz und er meinte dann gefühllos: "Dann wäre es
vielleicht wirklich besser, wenn du nach London gehst und niemals wiederkommst." Er schob ihre Hand von der Türklinke und drückte diese dann runter. In der Tür drehte er sich noch mal um und sagte: "Aber denk dran, wenn dann gehst du ohne Jamie." Damit knallte er die Tür hinter sich zu und war weg.

Marie stand wie erstarrt an der Tür und wusste nicht was sie denken oder tun sollte. Langsam ging sie ans Fenster und schaute auf die Geschäftsstraßen von Sligo. Tränen sammelten sich in ihren Augen und bahnten sich ihren Weg über ihre Wangen. Kian hatte sie aus seinem Leben gestrichen. Sie bedeutete ihm rein gar nichts. Sie sollte gehen - für immer. Aber sie konnte nicht ohne ihren Sohn gehen. Marie war bewusst, das Kian mit seinen Beziehung und seinem Einfluss dafür sorgen konnte, das sie Jamie verlor. Sie musste alles versuchen, das dies nicht passierte. Vielleicht konnte man doch noch eine gütliche Einigung finden, wenn sich die Gemüter wieder beruhigt hatten. Sie mussten eine Lösung finden.

Als Marie am folgenden Samstag aus London zurückkehrt, war sie richtig guter Laune. Alles hatte geklappt, der Vertrag lag unterschriftsfertig in ihrer Tasche. Im Radio lief gute Musik und sie pfiff leise mit. Sie war auf dem Weg zu Kians Eltern, um dort Jamie abzuholen. Nach dem Gespräch mit Kian hatte sie dort angerufen und sie um Hilfe gebeten. Freudig hatten sie
sich bereit erklärt, auf ihren Enkelsohn aufzupassen. Von Kian hatte sie weder was gehört noch was gesehen. Aber nach dem Streit war sie fast froh, das es so war. Als sie bei den Egans angekommen war, lief sie zur Haustür und drückte auf den Klingelknopf. Sie erwartete, das Jamie freudestrahlend an die Tür gelaufen käme, aber es öffnete nur Pat, Kians Mutter. "Hallo Pat. Ich wollte Jamie abholen. Wo ist er denn?" begrüßte Marie Kians Mutter. "Hallo Marie. Ähm.. Kian hat ihn gestern abgeholt. Jamie ist bei ihm" erklärte Pat. "Wie? Er ist bei Kian? Ich denk der ist nicht da?" fragte Marie überrascht. Ihre gute Laune war sofort verflogen. "Er ist gestern schon wiedergekommen und hat Jamie mit zu sich genommen. Hat er dir denn nichts davon gesagt?" "Aha, na dann werde ich dort mal vorbeifahren. Nee, hat er nicht. Also wir sehen uns dann. Liebe Grüße an den Rest" verabschiedete Marie sich und ging zurück zu ihrem Wagen. Das hatte ihr echt noch gefehlt. So schnell hatte sie ihn nicht wiedersehen wollen. Aber da musste sie wohl jetzt durch, wenn sie ihren Sohn wiedersehen wollte. Mit mulmigen Gefühl im Magen fuhr sie zu Kian. Sie wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen.

Dort angekommen, stieg sie aus und ging auf das Haus zu. Sie atmete noch einmal tief durch und drückte auf die Klingel. Es dauerte eine Weile, dann hörte sie Schritte und die Tür wurde aufgemacht. "Mummy" rief Jamie und lief in ihre Arme. "Hallo mein Schatz. Hab ich dich wieder." Innig schloss Marie ihren Sohn in die Arme und gab ihm einen Kuss. "Du bist ja ganz nass" bemerkte sie. "Daddy und ich waren im Pool. Es ist doch so warm heute" erklärte Jamie ihr. "Na dann zieh dir mal was trockenes an, damit wir nach Hause kommen" meinte Marie lächelnd und ließ ihn runter. Als sie aufsah stand Kian vor ihr, genau wie sein Sohn nur in Badeshorts. Bei dem Anblick seines nackten Oberkörpers musste Marie schlucken. "Hallo Marie. Magst du reinkommen?" begrüßte er sie freundlich. "Hallo. Nein danke, ich warte lieber hier. Ich will dir nicht zur Last fallen" meinte Marie schnippisch, nachdem sie sich schnell wieder gefasst hatte. "Jetzt red kein Unsinn. Komm rein und lass uns was trinken. Du bist bestimmt durstig von der Fahrt" versuchte Kian es noch mal. "Sag Jamie, ich warte am Auto auf ihn" meinte Marie und drehte sich um. "Marie jetzt warte..." Sie drehte sich noch mal zu Kian um und schaute ihn an. "Ach ja, und sag das nächste Mal Bescheid, wenn du Jamie bei deinen Eltern wegholst, dann spare ich mir den Umweg." Damit drehte sie sich um und ging zu ihrem Wagen. "Verdammt Marie..." fing Kian wieder an, nur lag in seiner Stimme diesmal eine unterdrückte Wut. In diesem Moment kam Jamie aber aus dem Haus gelaufen und unterbrach ihn. "Daddy? Wann sehen wir uns wieder?" Marie war inzwischen am Wagen angekommen und lehnte sich an die Tür. "Ich rufe dich die Tage an und dann unternehmen wir was, ok?" Kian hatte sich zu Jamie heruntergebeugt und sah ihn liebevoll an. Jamie nickte erfreut, schlang seine kleinen Ärmchen um Kians Nacken und drückte ihn ganz fest. "Bye Daddy. Hab dich auch lieb” meinte er und lief dann auf das Auto zu. Marie öffnete ihm die Tür, half ihm beim Einsteigen und schwang sich, ohne Kian auch nur noch eines Blickes zu würdigen hinter Steuer und fuhr davon.

Kian schaute dem Wagen noch eine Weile nach, bis er aus seinem Blick verschwunden war. Diese Frau konnte so stur sein. Aber er hatte es auch nicht anders verdient, nachdem was er ihr bei ihrem letzten Gespräch an den Kopf geworfen hatte. Shane hatte ihm in der Woche mal wieder so ziemlich den Kopf gewaschen Kian ging in die Küche, holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank und setzte sich auf die Terrasse. Dabei fiel ihm das Gespräch zwischen Shane und ihm wieder ein. "Egan. Du bist so ein Vollidiot" hatte Shane gesagt, als Kian ihm von dem letzten Zusammentreffen erzählt hatte. "Unter einem klärenden Gespräch verstehe ich was anderes. Du kannst Marie doch nicht damit drohen, ihr Jamie wegzunehmen, wenn sie nach London geht." Shane schüttelte nur noch mit dem Kopf. "Ja ich weiß. Ich bin einfach ausgerastet, als sie mir an den Kopf knallte, das sie hier nichts mehr hält. Sie liebt mich nicht. Da hatte ich nur noch den Gedanken, das ich sie nur so halten kann. Sie würde nie ohne Jamie nach London gehen, das weiß ich" versuchte Kian sein Verhalten zu erklären. "Ja, aber so bewirkst du genau das Gegenteil. Wenn du ihr Jamie wegnimmst, wird sie dich hassen." "Ich nehme ihr Jamie nicht weg. Das war eine Schnapsidee. Ich würde so etwas nie übers Herz bringen" meinte Kian entschlossen. "Das ist ja schon mal ein Anfang." Shane schien nun etwas beruhigter. "Shane was soll ich denn jetzt machen? Ich will sie nicht verlieren und das passiert wenn sie nach London geht." Kian war verzweifelt. "Tja Kumpel, auch wenn es sich jetzt hart anhört. Aber lass sie gehen. Gib ihr und euch die Zeit und den Abstand. Ich denke, nur dann habt ihr beide eine reelle Chance, das ihr euch zusammenrauft. In den letzten Wochen und Monaten sind so viele böse Worte zwischen euch gefallen. So hätte das alles keinen sinn." Es hatte zwar noch einige Zeit gedauert, aber Kian hatte dann auch eingesehen, das Shane Recht hatte. Gerne hätte er Marie heute gesagt, das er ihr keine Steine mehr in den Weg legen würde, aber sie hatte komplett dich gemacht, was er auch verstehen konnte.

"Mummy?" fragte Jamie beim Essen. "Ja mein Schatz?" "Hast du dich mit Daddy wieder gestritten?" Jamie schaute sie fragend und auch traurig an. "Gestritten direkt nicht, wir sind nur nicht einer Meinung, was unseren Umzug nach London angeht" versuchte Marie ihren Sohn die Angelegenheit zu erklären, ohne ihn zwischen die Fronten zu drängen. "Daddy hat mir gesagt, das er mich ganz oft besuchen kommen wird und das ich auch immer zu ihm fahren kann" erklärte Jamie in seiner kindlichen Offenheit. "Ach hat er das gesagt?" Marie war verwundert. Wieso sagte Kian das zu seinem Sohn, wenn er ihr noch vor ein paar Tagen gedroht hat, ihr Jamie wegzunehmen. Das er es nicht zulässt, wenn sie mit Jamie nach London geht? Was trieb er für ein Spiel? Marie stieg da nicht mehr durch. "Könnt ihr euch nicht wieder vertragen und euch wieder lieb haben, Mummy? Ich mag es nicht, wenn ihr euch streitet." Jamie schaute sie ganz traurig und ängstlich an. Es trieb Marie fast die Tränen in die Augen, ihren Sohn so zu sehen. "Schatz, es wird sich bestimmt wieder zwischen deinem Daddy und mir einrenken. Ich verspreche es dir." Marie strich Jamie liebevoll durch die Haare und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. "Hast du Daddy denn noch lieb?" fragte Jamie jetzt. Marie war, als bliebe ihr das Herz stehen. "Natürlich habe ich deinen Daddy noch lieb. Nur weil man sich mal streitet, heißt das nicht, das man sich nicht mehr lieb hat" versuchte Marie ihren Sohn zu beruhigen. "Genau das hat Daddy auch gesagt" meinte Jamie und nickte zur Bestätigung seiner Worte, wobei seine blonden Haare hin und her wippten. Überrascht schaute Marie Jamie an. "Was hat Kian gesagt?" "Das man sich streiten kann und sich trotzdem lieb haben kann. Streiten gehört dazu, sagt Daddy." Diese Aussage brachte Marie zwar nicht wirklich weiter, aber sie schwieg dazu.

Die nächsten Wochen verliefen recht ruhig. Kian war die meiste Zeit unterwegs, da sie viel im Ausland zu tun hatten. So hatten sie seit dem Streit nicht mehr viel miteinander gesprochen. Kian hatte noch zwei mal Jamie zu sich geholt, aber es war bisher nicht zu einem klärenden Gesprächgekommen. Marie bereitete alles für ihren Umzug nach London vor. Wenn sie Kian mal irgendwann erreichen würde, mussten sie noch klären, was mit dem Haus passieren sollte. Immerhin war es seins. Er hatte es für sie damals gekauft, als die Beziehung zerbrochen war. Sie sollte ohne finanzielle Sorgen leben können, hatte er damals gemeint. Er hatte sogar die idiotische Idee gehabt, es ihr zu schenken, aber sie hatte das abgelehnt. So wurde vereinbart, das er das Haus behalten würde und Marie mit Jamie so lange dort wohnen konnte, wie sie wollte. In vier Wochen sollte es soweit sein, dann würde sie Irland erst mal den Rücken kehren. In London würden sie in dem gleichen Wohnkomplex wie Steven und seine Mädchen wohnen. Steven hatte ihr dabei geholfen, dort eine Wohnung zu bekommen. Dort wollte Marie dann vor Ort sehen, ob sie ein kleines Häuschen fand, was auch erschwinglich war. So musste sie nicht jetzt schon immer zwischen Sligo und London hin und her pendeln, um dort alles zu regeln. Heute Abend gab Steven ein kleines Abschiedsfest für alle Kollegen, Freunde und Familie. Ab Montag würde er dann seiner neuen Arbeit in London nachgehen. Sie freute sich schon auf diese Feier, so kam sie mal wieder raus und hoffentlich auch auf andere Gedanken. Ihr fiel auf das sie in den letzten Wochen nur wenig Zeit für Jamie gehabt hatte, dadurch das sie neben der Arbeit noch so viel für den Umzug zu erledigen hatte. Sie wollte nach diesem Wochenende versuchen, alles besser zu organisieren, damit ihr Sohn nicht noch länger zu kurz kam. Marie war sich ziemlich sicher, das es auch für ihn nicht so einfach war, das Vertraute hier zu verlassen und sich in einer neuen Umgebung eingewöhnen zu müssen. Marie schaute auf ihre Uhr und sah, das es schon wieder an der Zeit war, Jamie vom Kindergarten zu holen. Da Kian erst in der Nacht nach Sligo zurückkehren würde, wollte Jamie bei seinem Freund Adam übernachten. So konnte Marie beruhigt auf die Feier gehen.

Schnell machte sie sich auf den Weg zum Kindergarten. Als sie dort ankam, lief Jamie schon auf sie zu. Hallo Mummy", rief er. Marie nahm ihn in den Arm, gab ihm einen Kuss auf dem Mund und schaute ihn prüfend an. Er war ganz rot im Gesicht und hatte leicht glasige Augen. "Hallo Schatz, sag mal, warum bist du denn so warm?" fragte sie nach. "Wir haben eben packen gespielt", meinte Jamie nur und zuckte mit den Achseln. "Aber es geht dir doch gut, oder?", harkte Marie nach. "Sicher Mummy." Damit gab Marie sich zufrieden. Es sollte sich als Fehler herausstellen.

Am späten Nachmittag kam Jamie in die Küche gelaufen. Er hatte seinen kleinen Rucksack dabei und seine Jacke. "Mummy, ich bin fertig. Kann ich schon zu Adam rüber? Bittteee." Dabei schaute er sie mit seinen blauen Augen engelhaft an. "Na los, hau schon ab. Ich komm nachher noch mal rüber, bevor ich losfahre", gab Marie sich geschlagen, da sie wusste, das Jamie nicht eher Ruhe geben würde, bis er seinen Willen hatte. Lächelnd musste sie feststellen, das er das von seinem Vater hatte. Kian war genauso ein Sturkopf. Jamie hob seine Ärmchen, damit Marie ihn drückte und ihm einen Kuss gab. "Du bist ja immer noch heiß. Vielleicht wäre es besser, wenn ich hier bleibe", meinte Marie nachdenklich. Schade sie hatte sich schon so auf den Abend gefreut. "Mummy, mir geht es gut. Ich habe nichts. Mir ist nur warm, weil es draußen doch so warm ist", erwiderte Jamie und schaute sie
kindlich genervt an. "Bist du sicher?" wollte Marie noch mal wissen. Jamie nickte heftig. "Na gut." Marie war zwar nicht wirklich überzeugt, aber der Stress der letzten Wochen und das Vertrauen in ihren kleinen Sohn ließen sie die Situation verkennen und so ließ sie ihren Sohn gewähren. Bevor sie sich abends auf den Weg zu Steven machte, ging sie noch mal zu Jane rüber, um nach ihren Sohn zu sehen. "Und sind sie lieb?", fragte sie Jane, als diese ihr geöffnet hatte. "Sicher, sie spielen im Garten Fußball", erwiderte Jane lächelnd. "Gut, wenn was ist, du hast ja meine Handynummer. Jamie schien mir heute nicht ganz fit zu sein", erklärte Marie ihre Besorgnis. "Marie, ich werde schon gut auf ihn aufpassen. Mach dir keine Sorgen und genieß den Abend", versuchte nun auch Jane sie zu beruhigen. Marie verabschiedete sich von Jane und ging die Straße entlang. Da es ein so schöner Sommerabend war, hatte Marie sich dazu entschlossen, zu Fuß zu gehen, da es ja auch nicht so
weit war. Auf dem Rückweg konnte sie sich ja ein Taxi nehmen.

Es war schon später am Abend. Marie stand in Stevens Garten, unterhielt sich gerade mit einigen Kollegen und trank entspannt ein Glas Rotwein, als ihr Handy klingelte. "Marie hier ist Jane. Komm bitte ganz schnell. Jamie ist ins Krankenhaus, er ist zusammengebrochen." Marie hörte nur die panische Stimme ihrer Freundin und erstarrte. "Oh mein Gott. Nein. Was ist mit ihm?", flüsterte Marie geschockt. "Der Notarzt meint, es könnte der Blinddarm sein. Der Krankenwagen fährt jetzt los. Sie bringen ihn ins General Hospital. Beeil dich bitte. Jamie ruft immer nach dir", erklärte Jane Marie. "Ich komme so schnell wie möglich. Sag das Jamie", meinte Marie, legte auf und zitterte am ganzen Körper. "Steven ich brauche ganz schnell ein Taxi. Warum bin ich nicht mit dem eigenen Wagen gekommen. Warum bin ich überhaupt hier. Fuck", rief sie völlig aufgelöst Steven zu. "Was ist denn?" wollte Steven wissen. "Jamie wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Ich muss da sofort hin", meinte Marie knapp und suchte schon ihre Jacke und ihre Tasche zusammen. Eine Kollegin bot sich an, Marie ins Krankenhaus zu fahren, was sie auch gerne annahm. Auf dem Weg zum Krankenhaus war sie noch immer am zittern und machte sich die schlimmsten Vorwürfe. "Ich hätte zuhause bleiben sollen. Ich hatte doch heute Nachmittag schon gemerkt, das was nicht in Ordnung war." "Hey Marie. Mach dir nicht solche Vorwürfe. Es konnte doch niemand ahnen, das so was passieren würde", versuchte ihre Kollegin sie zu beruhigen.

Als sie im Krankenhaus ankam, rannte sie so schnell wie möglich in die Aufnahme und fragte dort nach ihren Sohn. Kurze Zeit später stand sie vor dem Behandlungsraum und klopfte. Ein junger Arzt öffnete und schaute sie fragend an. "Mein Sohn liegt hier. Jamie Johnson. Was ist mit ihm? Kann ich ihn sehen?", fragte Marie ganz aufgeregt. "Mrs. Johnson. Mein Name ist Doktor Madison. Ihr Sohn hat eine akute Blinddarmentzündung. Wir müssen leider so schnell wie möglich operieren, bevor es zu einer Ruptur kommt. Sie können ihn aber gerne noch mal kurz sehen. Er fragt immer nach ihnen", erklärte der Arzt ernst, aber lächelte sie dann aufmunternd an. Er deutete ihr, das sie im in den Raum folgen sollte. Dort angekommen, sah sie ihren Sohn auf dem Behandlungstisch liegen, ganz blass mit Tränen in den Augen. "Mummy", murmelte er leisen. "Mein Schatz, was machst du denn für Sachen?
Warum hast du denn nichts gesagt, das es dir nicht gut geht?", meinte Marie auch mit Tränen in den Augen. Sie setzte sich auf die Kante und strich ihm zärtlich durchs Haar. "Du hattest doch so viel zu tun und hast dich doch so auf den Abend gefreut", murmelte er. "Aber das ist doch alles so unwichtig im Gegensatz zu dir. Versprich mir, das du mir nie wieder verheimlichst, wenn es dir nicht gut geht." Jamie nickte. Der Arzt trat auf sie zu. "Der Operationssaal ist jetzt fertig. Wir würden Jamie dann jetzt hinbringen", meinte er. Marie nickte und gab ihrem Sohn noch einen Kuss. "Ich bin hier, wenn du aufwachst. Hab keine Angst. Es wird alles wieder gut. Ich liebe dich ", verabschiedete Marie sich von Jamie und sah mit Tränen in den Augen zu, wie eine Schwester und Doktor Madison das Bett über den Gang schoben. Marie folgte ihnen bis zum Operationsbereich und ließ sich, nachdem die Türen sich hinter ihnen geschlossen hatten, auf einen der Stühle nieder. Einige Zeit saß sie dort, weinte hemmungslos und kam sich so unbeholfen vor. Ihr fiel ein, das sie Kian noch Bescheid geben sollte. Sie stand auf, suchte ein Telefon und wählte ängstlich seine Nummer. Er würde ihr den Kopf abreißen, wenn er erfuhr, was passiert war. Aber er hatte ein Recht darauf, es zu erfahren und sie war ja auch selbst schuld. Mit klopfenden Herzen wartete sie darauf, da er abnahm.

"Egan", meldete er sich. "Kian ich bin es Marie. Wo bist du?" "Gerade nach Hause gekommen und steh noch in der Garage, warum?" fragte er müde und er hörte sich auch genervt an, was Marie die Sache nicht einfacher machte. Schon wieder stiegen Marie die Tränen in die Augen. "Komm bitte schnell ins Krankenhaus. Jamie... er ...ich.... er wird operiert." "Verdammt. Ich bin gleich da. Warte...", meinte er und legte einfach auf. Weinend ging Marie zurück zu ihrem Platz und ließ sich wieder auf den Stuhl nieder. Sie machte sich solche Vorwürfe. "Marie", hörte sie plötzlich eine Stimme. Marie
schaute auf und erblickte Steven, der auf sie zukam. Steven setzte sich neben sie und nahm sie beruhigend in den Arm. "Wie geht es ihm?" fragte er besorgt. "Er wird gerade operiert. Ich habe solche Angst um ihn", schluchzte sie. "Es wird alles wieder gut. Glaub mir. Jamie ist ein harter Kerl, der
schafft das schon", tröstete Steve Marie. Als sie sich wieder einigermaßen gefangen hatte, reichte er ihr ein Taschentuch. Dankend nahm sie es an. "Besser?" fragte Steven. Marie nickte. "Was ist eigentlich mit deiner Party?" fragte Marie. "Na ja, nachdem du völlig aufgelöst wegwarst, war irgendwie die Luft raus. Alle haben sich schrecklich Sorgen gemacht und sind dann auch gegangen", erklärte Steven. "Das tut mir leid. Das wollte ich nicht", Marie fühlte sich noch mehr schuldig. "Das muss es nicht. Wichtig ist jetzt, das Jamie wieder auf die Beine kommt", meinte Steven bestimmt. "Möchtest du einen Kaffee? Soll ich uns einen holen?" Marie zuckte nur mit den Schultern. "Komm, der wird dir gut tun", versuchte Steven noch mal sein Glück. Marie nickte vorsichtig. Steven drückte sie noch mal fest an sich, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und stand auf. "Bin gleich wieder da", meinte er noch und drehte sich um. Marie schaute ihm hinterher und entdeckte Kian, der auf sie
zukam. Er schaute sie mit einem undefinierbaren Blick an, bei dem sich Marie die Nackenhaare aufstellte. Sie befürchtete schon jetzt eine heftige Szene. Als Steven an ihm vorbeiging, nickte er ihm einmal kurz zu und schaute dann wieder zu Marie. Er setzte sich neben sie und nahm ihre. Hand. "Wo ist er? Wie geht es ihm? Was genau ist passiert?" fragte er außer sich vor Sorge. Marie erzählte ihm alles stockend. Immer wieder kamen ihr die Tränen. Kian nahm sie in den Arm und tröstete sie.

Einige Zeit später kam Steven mit dem Kaffee zurück. Er drückte Marie einen Becher in die Hand und den anderen gab er mit einem Nicken Kian. "Wenn du mich brauchst, ruf mich an. Und grüß Jamie von mir", meinte er zu Marie, gab ihr nochmals einen Kuss auf die Wange und verließ das Krankenhaus. Schweigend tranken die beiden den Kaffee und warteten. Irgendwann kam Doktor
Madison aus dem Operationssaal heraus und ging direkt auf die beiden zu. Marie schaute ihn ängstlich an und fragte. "Doktor, wie geht es Jamie?" "Es ist alles gut verlaufen. Es war noch nicht zu spät. In ein paar Tagen ist er wieder der Alte", erwiderte der Arzt lächelnd. Eine Zentnerlast fiel von
Maries Schultern. Ähnlich schien es auch Kian zu gehen, er atmete einmal ganz tief ein und aus und ein Lächelnd legte sich auf sein Gesicht. "Gott sei dank. Wann können wir zum ihm?" fragte er den Arzt. Doktor Madison schaute ihn fragend an und sah dann zu Marie. Marie begriff, was der Arzt
überlegte. "Doktor Madison, das ist Jamies Vater, Kian Egan", sein Gesicht hellte sich auf und er hielt Kian seine Hand hin. "Hallo Mr. Egan. Ich denke in etwa dreißig Minuten können sie ihn sehen, aber nur kurz. Er wird sehr müde sein", erklärte der Arzt. Dann verabschiedete er sich, gab beiden noch
mal seine Hand und ging. Erleichtert sah Marie zu Kian und erkannte, das es ihm genauso ging. Er zog sie in seine Arme und drückte sie ganz fest an sich. "Es tut mir alles so leid. Ich hätte besser auf ihn aufpassen müssen", murmelte Marie an seiner Schulter. "Psst. Es ist doch alles gut gegangen.
Mach dir keine Vorwürfe mehr", flüsterte Kian beruhigend.

Es dauerte nicht lange, da konnten sie zu ihrem Sohn. Immer noch sehr blass, lag er in den großen Bett. Er war an einige Apparate angeschlossen und wirkte so verloren, das Marie schon wieder die Tränen in die Augen stiegen. Sie ging auf das Bett zu und setzte sich vorsichtig auf die Kante. Behutsam nahm sie seine Hand und strich zärtlich drüber. Kian setzte sich auf einen Stuhl und strich seinem Sohn vorsichtig die Haare aus der Stirn. Jamie öffnete erst vorsichtig flackernd seine Augen und drückte dann Maries Hand. "Mummy", flüsterte er leise. "Mein Schatz, es wird alles wieder gut. Wie geht es dir?" fragte Marie lächelnd. "Müde", flüsterte er leise, dann drehte er etwas seinen Kopf und entdeckte Kian, der ihn lächelnd betrachtete. "Daddy." Jamie schien glücklich, seine Eltern da zu haben. "Champ, du hast uns einen großen Schrecken eingejagt. Tu das nie wieder", meinte Kian
lächelnd und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. Jamie schüttelte seinen Kopf. "Nie wieder", kam es leise von ihm. "So jetzt schlaf dich gesund", meinte Marie zu Jamie. Wieder nickte er, flüsterte noch: "Hab euch lieb", und schlief ein. Einige Zeit saßen Marie und Kian noch an Jamies Bett, als eine Krankenschwester kam und zu Kian meinte: "Bringen sie ihre Frau nach Hause. Sie sollte sich ausruhen, sonst fällt sie uns noch um. Wir kümmern uns um Jamie". Kian hatte nicht die Kraft und auch nicht die Lust, die Sache aufzuklären. Mit einem letzten Blick auf Jamie verlies Marie mit Kian das Zimmer.

"Komm ich bring dich nach Hause", meinte Kian und legte Marie fürsorglich einen Ar um die Hüften. "Danke", nahm Marie das Angebot an. Schweigend gingen sie die Gänge entlang und verließen das Krankenhaus. Auf dem Parkplatz konnte Marie schon Kians BMW entdecken, da um diese zeit nicht mehr so viel los war und steuerte darauf zu. Kian öffnete ihr die Tür und half ihr beim Einsteigen, dann schloss er die Tür und ging auf die Fahrerseite. Als er sich hinters Steuer gesetzt hatte, schloss er kurz die Augen und seufzte. "Alles in Ordnung?", fragte Marie besorgt. "Hm, war nur alles ein bisschen viel", antwortete Kian leise. "Ich denke uns beiden fehlt jetzt einfach eine Mütze Schlaf", erwiderte Marie. Kian nickte und startete den Motor. Auch die Fahrt verlief recht schweigsam. Beide waren sie von den Ereignissen immer noch ganz benommen. Als sie bei Marie ankamen, schaltete Kian den Motor aus. "Was hältst du davon, wenn wir morgen... oder besser gesagt nachher zusammen frühstücken und mal in aller Ruhe über einiges reden", schlug Kian vor. Marie nickte einverstanden, schwieg aber. Sie quälte eine ganz andere Frage. Sie traute sich kaum zu fragen. Sie schluckte einmal trocken, atmete tief ein. "Kian, würdest du heute Nacht bei mir bleiben? Ich mag nicht alleine sein." Angespannt schaute sie aus dem Fenster. Egal was in den letzten Wochen zwischen ihr und Kian vorgefallen war, sie brauchte ihn heute Nacht. Sie wollte mit den Sorgen und Ängsten um Jamie nicht auf sich allein gestellt sein. Vorsichtig schaute sie zu Kian hinüber. Er sah sie einen Augenblick fragend an und meinte dann: "Sicher, wenn dir soviel daran liegt du es dir dann besser geht." Dabei legte er seine Hand auf ihre. "Danke." Marie war sichtlich erleichtert, in diesen Stunden nicht allein sein zu müssen. Sie stieg aus dem Wagen und wartete, das Kian ihr folgte. Auch Kian stieg mit einem leisen Seufzen aus, nahm seine Reisetasche, die noch immer von seiner Reise im Kofferraum lag, heraus und schloss das Auto ab. Dann folgte er Marie zum Haus. Er wusste nicht, ob es so eine gute Idee war, bei Marie zu bleiben. Aber sie brauchte jemanden heute Nacht, an den sie sich halten konnte. Er würde alles für sie tun, da er sie wirklich liebte und das war das Problem. Er wusste nicht, ob er seine Gefühle für sich behalten konnte, wenn sie nach solchen aufwühlenden Ereignissen wie in den letzten Stunden, sich so nah kämen. Kian würde es auf sich zu kommen lassen müssen. Marie brauchte ihn, nichts anderes zählte jetzt.

Im Haus kickte Marie ihre Schuhe von sich und ließ sie einfach liegen. Ihre Handtasche ließ sie ebenso achtlos auf den Boden fallen. Kian musste trotz allem darüber lächeln, so war sie schon immer gewesen. Wenn sie nachts von einer Party kam und müde war, ließ sie alles stehen und liegen und ging nur noch ins Bett und am nächsten Morgen ärgerte sie sich dann über ihre eigen Unordnung. "Möchtest du noch was trinken?" fragte sie leise und rieb sich dabei müde über die Augen. Kian schüttelte mit dem Kopf. "Nein danke. Das einzige was ich jetzt möchte ist ein weiches Bett und ein paar Stunden Schlaf", erwiderte Kian und gähnte. Marie nickte. "Ich geh dann eben schon mal ins Bad." So schlürfte sie die Treppen hinauf, holte sich ein Nachthemd aus dem Schlafzimmer und trottete ins Bad. Sie fühlte sich so leer und müde, das sie noch nicht mal mehr grübeln konnte und auch wollte. Sie war nur heilfroh, heute Nacht nicht alleine sein zu müssen. Schnell wischte sie sich das restliche Makeup aus dem Gesicht, putzte sich ihre Zähne und wusch sich. Dann schlüpfte sie in ihre Nachthemd und kehrte ins Schlafzimmer zurück. Dort entdeckte sie Kian auf der Fensterbank sitzend, wie er in die Nacht starrte. Einen kurzen Moment beobachtete sie ihn und wie das Mondlicht auf sein Gesicht fiel. Er sah wirklich sehr müde aus, die letzten Tage müssen sehr anstrengend gewesen sein. "Hey, das Bad ist jetzt frei. Du weißt ja, wo alles ist. Handtücher und so", meinte Marie leise. Kian zuckte zusammen und schaute zu ihr herüber. Dann lächelte er leicht und meinte: "Ok, dann geh ich eben schnell, mich fertig machen." Er verließ seinen Platz, kramte kurz in seiner Reisetasche und ging dann ins Bad. Marie schaute ihm noch kurz hinterher, ging dann zum Bett und schlug die decke weg. Dann legte sie sich hin und kuschelte sich in die Kissen. Sie war so müde. Ruhig lauschte sie den Geräuschen aus dem Bad. Es war so beruhigend zu wissen, das sie nicht alleine war.

Kian verließ das Bad und schaute zum Bett hinüber. Dort lag sie und war am schlafen. Ihre blonden Haare lagen wie ein Fächer um ihren Kopf. Sie war so wunderschön. Er hoffte das er zumindest ansatzweise Schlaf finden würde, neben ihr. Leise ging er um das Bett herum auf die leere Seite und setzte sich auf die kante. Dann legte er sich zwischen die Laken und machte das Licht aus. Im Schlaf drehte Marie sich zu ihm herum und kuschelte sich an ihn. Gott, war das ein schönes Gefühl. Ein Schauer nach dem nächsten lief ihm über den Rücken. Vorsichtig legte er einen Arm um sie und fing an zu lächeln. Dieses Gefühl würde er so schnell nicht mehr vergessen. Sie hatte so wahnsinnig eiche Haut. Auch wenn sie ihn nicht liebte und sie wohl nie wieder zusammenkommen würden, so wusste er, dass sie ihn brauchte und das machte ihn schon glücklich. "Schlaf gut mein Engel", flüsterte er und schloss müde die Augen.

Am nächsten Morgen wurde Marie durch die Sonne geweckt und blinzelte kurz. Sie stutzte, als sie unter ihrer Hand warme Haut fühlte. Sie öffnete die Augen ganz und schaute in das schöne schlafende Gesicht von Kian. Selbst am Morgen sah er umwerfend aus. Sein blondes Haar war verstrubbelt, leichte Bartstoppel durchzogen sein Gesicht. Sie lag an seine Brust geschmiegt und er hatte einen Arm um sie gelegt. Sie schaute auf die Uhr, halb neun. Eigentlich müsste sie aufstehen, aber sie konnte sich noch nicht aus der Umarmung lösen. Sie fühlte sich so wohl und geborgen, als würden die ganzen Sorgen nicht wirklich an sie heran kommen. Seufzend schloss sie noch mal die Augen, um das Gefühl nochmals so richtig genießen zu können. Diesen Moment würde sie so schnell nicht vergessen. Wie sehr liebte sie diesen Mann und in seinen Armen liegen zu dürfen machte sie glücklich. Auch wenn es nur ein kurzer Augenblick war, der viel zu schnell vorbei sein würde, spätestens wenn er wach wurde und merkte was er da tat. Aber das war ihr jetzt egal. Mit diesen Gedanken glitt sie nochmals in den Schlaf und lächelte dabei.

Kian erwachte mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Vorsichtig öffnete er seine Augen und schaute auf die schlafende Marie in seinen Armen. Sie lag noch immer genauso dort, wie sie letzte Nacht eingeschlafen war. Und das Gefühl, das Kian dabei hatte, war auch noch immer genauso schön. Warum konnte das nicht jede Nacht so sein, fragte er sich ein wenig traurig. Nein, dieses schöne Gefühl wollte er sich bewahren und nicht durch die Traurigkeit kaputt machen lassen. Sein Blick fiel auf die Uhr - halb zehn bereits. Ein leichtes Magenknurren verriet ihm, das es an der zeit war, sich ums Frühstück zu kümmern. Ganz vorsichtig löste er sich aus Maries Arm und stand auf. Im Bad zog er sich fix an, wusch sich und verlies ganz leise das Schlafzimmer. Unten schrieb er schnell einen Zettel für Marie, schnappte sich ihren Haustürschlüssel, setzte sein Cap und seine Sonnenbrille auf und machte sich pfeifend auf den Weg zum Bäcker. Es war ein wunderschöner Samstagmorgen.

Marie wachte auf und war allein in ihrem Bett. Sie hatte es ja geahnt, das es so kommen würde. Er hatte sie mal wieder allein gelassen. Marie war enttäuscht. Aber sie hatte es doch vorher gewusst. Missmutig stand sie auf und wollte ins Bad gehen, um sich zu duschen, als sie über eine Tasche stolperte, die mitten im Raum stand. Hatte Kian etwa seine Tasche vergessen, fragte sich Marie verwundert. Dann hatte er es aber wirklich sehr eilig gehabt, von ihr wegzukommen. Marie schüttelte traurig den Kopf. Vergiss es einfach Marie, dachte sie. Er ist doch nur bei dir geblieben, weil du es so wolltest. Das hatte er doch im Auto gesagt. Warum musste sich ihr Herz immer mehr wünschen. Würde sie ihren Verstand mal einschalten, würde sie nicht immer so verletzt werden. Marie beschloss jetzt schnell zu duschen und zu frühstücken, dann wollte sie zu Jamie. Dann blieb ihr auch gar keine Zeit mehr, viel zu grübeln. Vielleicht sollte sie gleich mal im Krankenhaus anrufen und fragen wie es ihm ging.

Nach der Dusche zog sie sich was bequemes an und ging runter in die Küche. Auf dem Tisch fand sie einen Zettel. Sie lachte verächtlich auf. Immer das gleiche Schema. Kian hinterließ neben ihrem gebrochenen Herzen immer einen Zettel, auf dem er sich für sein Verschwinden entschuldigte. Angewidert nahm sie den Zettel und begann zu lesen:

Guten Morgen Süße,
bin Brötchen holen.
Bis gleich Kian

Marie schloss kurz ihre Augen und las dann noch mal. Diesmal hatte sie sich wohl derbe geirrt. Sie lief mega rot an und war froh das Kian nicht davon mitbekam. Wenn er schon Brötchen holte, dann konnte sie ja schon Kaffee aufsetzen und den Tisch decken, überlegte sich Marie. Sie nahm die Kaffeekanne und ging an die Spüle, um Wasser einzufüllen. Dabei sah sie aus dem Fenster und entdeckte Kian auf der Strasse, wie er sich mit Jane unterhielt. Jane hatte ihre Hand auf seinen Unterarm gelegt und sprach auf ihn ein. Kian lacht herzlich auf und gab Jane einen Kuss auf die Wange. Über was unterhielten sich die beiden, überlegte Marie und merkte, wie Eifersucht sich in ihr breit machte. So langsam wirst du echt paranoid, schimpfte Marie im stillen mit sich selbst und begann endlich den Tisch zu decken.

Kurz darauf hörte sie, wie der Schlüssel ins Schloss gesteckt und gedreht wurde. Marie wurde etwas nervös. "Hey, guten Morgen. Du bist ja schon auf", begrüßte Kian sie, als er in die Küche kam. Er ging auf sie zu und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Dann schaute er sie eindringlich an. Wie geht es dir heute morgen?" "Guten Morgen, mir geht es schon wieder besser. Und du? Konntest du auch einigermaßen schlafen?" "Danke, sehr gut. Ich fühle mich um einiges besser, als gestern Nacht." Kian lächelte Marie an. "Frühstück ist so gut wie fertig. Setz dich", meinte Marie verlegen und deutete auf den Tisch, dann nahm sie ihm die Brötchen aus der Hand und packte sie in einen Korb. In der Zwischenzeit schenkte Kian Kaffee ein und nahm Platz. Marie tat es ihm gleich und nahm sich ein Brötchen. Einige Zeit später saßen sie schweigend am Tisch, jeder hatte einen Teil der Tageszeitung vor der Nase und war am lesen. Marie schaute von ihrem Artikel auf, sah zu Kian und fing an zu lachen. Kian schaute irritiert von seiner Zeitungshälfte auf und sah Marie fragend an. "Was hast du denn jetzt?" "Wir sitzen hier wie so ein altes Ehepaar. Es ist totenstill hier, jeder ist in seiner Zeitung vertieft. Ich könnte mich wegschmeißen", meinte Marie immer noch lachend. Kian dachte kurz über Maries Worte nach und lachte dann auch. "Aber ich finde es trotzdem schön. Es kommt halt nicht so oft vor, dass ich morgens so viel Zeit habe, um in aller Ruhe zu frühstücken", erwiderte Kian dann lächelnd und faltete seine Hälfte zusammen. Dann stand er auf und holte noch etwas Kaffee. Als er sich wieder setzte sah er Marie ernst an. "Ich möchte mich bei dir entschuldigen." Marie sah ihn überrascht an. "Warum? Wofür?" "Ich war in den letzten Wochen und Monaten nicht immer ganz fair zu dir. Besonders was unseren letzten Streit angeht." Kian sah sie zerknirscht an. "Ich denke, das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich habe mich wohl auch nicht immer korrekt verhalten", lenkte Marie ein. "Ich hätte dir aber nicht drohen dürfen, dass ich die Jamie wegnehme. Das war einfach zu viel des Guten. Das habe ich inzwischen kapiert. Es tut mir sehr leid", bat Kian um Entschuldigung. "Aber warum hast du das damals gemacht?" wollte Marie jetzt wissen. Kian druckste ein wenig herum. "Ich hielt es in dem Moment für die einzige Chance, dich vom Umzug nach London abzuhalten. Aber das war absoluter Blödsinn. Es fällt mir nur schwer zu akzeptieren, dass du Irland verlassen willst." "Ja aber warum fällt es dir so schwer?" harkte Marie nach. Sie hoffte so sehr, die Worte zu hören, die sie sich so sehr wünschte. "Na ja...Also", stotterte Kian. Mensch Egan, das ist jetzt die Gelegenheit, ihr zu sagen, was du für sie empfindest, dachte Kian. Marie schaute ihn erwartungsvoll an. "Also Marie das ist so... Ich...ich...will dich einfach nicht verlieren. Ich meine als beste Freundin. Und...und... ich habe einfach tierische Angst, das dies passiert, wenn du nach London gehst", erklärte Kian und hätte sich am liebsten in den Arsch gebissen, das er es schon wieder nicht geschaffte hatte, ihr die Wahrheit zu sagen. Er war so ein Feigling.

Marie hatte es geahnt - nein sie hatte es gewusst. Verdammt, warum hatte er nicht die gleichen Gefühle für sie, wie sie für ihn. Sie versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie enttäuscht sie war. Sie dachte kurz nach, was sie jetzt am besten sagen sollte. "Kian , du verlierst mich nicht...als beste Freundin. Egal wo ich hingehe. Du bist nach Jamie der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich denke nur, es wird uns gut tun, wenn wir uns nicht mehr so oft auf de Pelle hängen. In letzter Zeit sind so böse Dinge zwischen uns gesagt worden. Ein bisschen Abstand wäre im Moment wohl das beste." Jetzt war Kian doch etwas froh, das er es ihr doch nicht gesagt hatte. Sie hatte einfach keine tieferen Gefühle für ihn. Sie wollte ihn nur als Freund und Vater ihres Kindes. "Ja vielleicht hast du Recht. Ich werde dir auch keine Steine mehr in den Weg legen, was London angeht. Und irgendwie wird es auch klappen, dass ich Jamie oft genug sehen kann", meinte Kian nun etwas verzagt. Es blieb ihm ja wohl auch nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wenn sie sich nicht mehr so oft sehen würden, käme er dann vielleicht auch von seinen Gefühlen weg und könnte irgendwann nur noch eine Freundin in Marie sehen. Die Hoffnung war zwar sehr gering, aber besser als gar nichts. Kian nahm einen Schluck von seinem Kaffee, schaute gedankenverloren aus dem Fenster und hoffte den bitteren Geschmack in seinem Mund mit dem Kaffee herunterspülen zu können.

"Ach bevor ich es vergesse. Ich soll dich lieb von Jane grüßen. Ich habe sie eben auf der Straße getroffen. Sie hatte sich nach Jamie erkundigt und kommt heute Abend mal bei dir vorbei" meinte Kian nach einigen schweigsamen Minuten. "Oh ja, danke." Marie war in Gedanken versunken. Wie sehr hatte sie sich gewünscht, das die Gefühle beidseitig waren und sie vielleicht jetzt jeden Morgen hier sitzen könnten. Jeden Abend zusammen einschlafen und morgens aufwachen könnten. Aber von dieser Wunschvorstellung konnte - nein musste sie sich jetzt endlich mal verabschieden. "Wollen wir denn gleich mal zu Jamie ins Krankenhaus fahren? Er wartet bestimmt schon auf uns", meinte Marie jetzt. "Können wir machen. Ich spring nur eben unter die Dusche, wenn es dir nichts ausmacht." "Ja sicher, kein Problem", erwiderte Marie. Kian stand auf und verlies die Küche. Seufzend erhob auch Marie sich und räumte den Tisch ab. Wenn ihr Herz nicht so schweine weh getan hätte, wäre alles nur halb so tragisch gewesen. Nachdem sie alles sauber hatte, ging sie nach oben um sich umzuziehen. Sie entschloss sich für eine Jeans und eine Bluse. Gerade stand sie vor dem Spiegel und kämmte sich ihre blonden Haare, als sich die Badezimmertür öffnete und Kian nur mit Handtuch bekleidet aus dem Bad kam. Marie starrte durch den Spiegel auf den nackten Oberkörper von Kian. Ihr Herz fing an zu rasen und ihr war, als würde sie nicht genug Luft bekommen. Kian schien sie erst gar nicht zu bemerken, so sehr war er in Gedanken versunken. Er ging zu seiner Tasche und holte sich was zum Anziehen raus. Als er sich wieder umdrehte und ins Bad zurückgehen wollte, entdeckte er sie vor dem Spiegel stehend. Marie konnte nicht aufhören, ihn anzusehen. Das fiel auch Kian auf. "Was ist? Du guckst mich an, als hättest du noch nie einen nackten Oberkörper gesehen. Und ich weiß aus sicherer Quelle, das dem nicht so ist", meinte er halb ernst, halb lachend. Marie zuckte zusammen und schüttelte leicht mit dem Kopf. "War...nur... in Gedanken. Ich pack eben ein paar Sachen für Jamie zusammen", stotterte sie und verließ fluchtartig das Schlafzimmer, bevor Kian sehen konnte, wie rot sie wurde.

Drei Wochen später:

"Muuuuummmmmyyy! Wo ist mein Ball?" rief Jamie durch die Terrassentür. Er war schon wieder erstaunlich fit nach seiner Operation. Marie war gerade dabei, im Wohnzimmer den Schrank auszuräumen. Diese Packerei war ganz schön lästig. "Der wird wohl in irgendeinen Karton in der Garage sein. Warum?" fragte Marie genervt. Irgendwie hatte sie sich alles nicht so stressig vorgestellt. Man konnte sich gar nicht vorstellen, was sich in drei Jahren alles so ansammelte. "Adam und ich wollen Fußball spielen. Ich brauch den Ball", erwiderte Jamie nöhlig. "Dann nehmt doch von Adam den Ball." Marie schaute ihren Sohn gereizt an. "Der ist aber kaputt. Muuummmy. Such mir den Ball." Jamie setzt jetzt wieder seinen Hundeblick auf, aber Marie ließ sich nicht erweichen. "Außerdem sollst du noch nicht wieder so rumtoben. Denk an die Narbe, die kann immer noch wieder aufgehen und dann? Spielt was anderes." "Wir wollen aber Fußball spielen", quengelte Jamie. "Jamie Kian Johnson, entweder du suchst dir jetzt was anderes zum spielen oder du kannst hoch in dein Zimmer gehen, verdammt. Als hätte ich nicht schon genug am Hals." Marie wurde lauter zu ihrem Sohn als beabsichtigt. Aber sie war kurz vorm platzen. Jamie schaute sie erschrocken an. "Hey, hey, hey. Was ist denn hier los?” kam auf einmal Kians Stimme von der Terrasse. Fragend sah er zwischen den beiden hin und her. "Daddy, ich glaube ich habe Mummy böse gemacht." Jamie hatte Tränen in den Augen. Er kannte es nicht, das er von Marie so angefahren wurde, da r eigentlich immer lieb war und Marie sehr selten laut werden musste. Jetzt tat es Marie schon wieder leid, die Fassung verloren zu haben. Jamie konnte ja nun wirklich nichts dafür, das sie so gestresst war. Sie beugte sich hinab und schaute ihn entschuldigend an. "Schatz, es tut mir leid. Ich wollte dich nicht so anfahren. Verzeihst du mir?" Jamie nickte erleichtert und schlang seine kleinen Ärmchen um Maries Nacken. "Ich bin jetzt auch wieder ganz lieb. Adam und ich spielen dann halt mit Autos", meinte Jamie und gab Marie einen Kuss. Dann löste er sich von Marie und rannte wieder aus dem Hau. "Bis später, Daddy", rief er noch und war weg. Marie schaute ihm noch hinterher und rieb sich müde über das Gesicht. Kian fasste sie leicht an den Ellenbogen und führte sie auf die Terrasse. Dann setzte er sie auf einen der Gartenstühle und meinte: "So und du gönnst dir jetzt erst mal eine Pause. Ich koch uns einen Kaffee. Du siehst ja völlig fertig aus." "Und dein Charme ist heute wieder umwerfend", entgegnete Marie gequält lächelnd. "Du siehst wie immer hinreißend aus, aber diese Ringe unter deinen Augen gefallen mir nicht. Hört sich das besser an?" flachste Kian und verschwand im Haus.

Kurze Zeit später kam er mit zwei großen Tassen Kaffee wieder und setzte sich ihr gegenüber an den Tisch. Marie hatte die Augen geschlossen und hielt das Gesicht in die wärmende Sonne. "Und wie weit bis du mit dem Packen?" fragte Kian, um ein Gespräch anzufangen. "Ach frag nicht, irgendwie habe ich das Gefühl, es wird gar nicht weniger. Und Montag kommt der blöde Umzugswagen. Das schaff ich nie." "Ich habe die nächsten Tage keine Termine. Ich kann dir ab morgen gerne helfen" schlug Kian vor. "Das ist wirklich lieb von dir, aber..." wollte Marie abwiegeln. "Nichts aber. Und heute Abend lade ich dich zum Essen ein. Damit du mal auf andere Gedanken kommt." "Kian, dafür habe ich gar keine Zeit. Du siehst doch, war hier noch zu machen ist. Und Samstag wollte ich hier doch noch meine Abschiedsfeier machen. Da muss ich auch noch einiges für organisieren. Grrr... Ich dreh am Rad", stöhnte Marie. Kian überlegte eine zeitlang und meinte dann bestimmt. "Also ich würde sagen, die Feier lassen wir bei mir steigen. Hier in dem Umzugschaos wird das nichts." "Aber..." versuchte Marie Einspruch zu erheben. "Nichts aber. Du musst einsehen, das es hier schwierig wird, eine Party zu machen. Lass dir doch von mir helfen. Bei mir ist mehr als genug Platz", entgegnete Kian. Marie dachte einen Moment nach. Es wäre ihr wirklich eine Hilfe. "Aber ich habe doch alle hierhin eingeladen." "Dann rufen wir sie halt alle noch mal an und geben meine Anschrift durch." Marie gab sich geschlagen, sie kannte Kians Sturkopf. Er würde eh nicht nachgeben, wenn er sich was in den Kopf gesetzt hatte. "Na gut, du hast gewonnen.", meinte Marie sich ergebend. "Na geht doch", grinste Kian. "Also was hast du schon alles organisiert und was müssen wir noch machen?" fragte er Marie dann.

Die nächste Stunde besprachen sie alles wichtige für die Party am Samstag. Kian wollte alle anrufen und Bescheid geben, das die Party jetzt bei ihm stattfinden würde. Marie gab ihm die Einladungsliste und sämtliche Telefonnummern, die er brauchte. Die Getränke und das Essen sollten am Samstag geliefert werden und so brauchte sich Marie um eigentlich nichts mehr kümmern. Es war schön, so einträchtig neben Kian zu sitzen ohne das es Streit gab und es tat auch gut, einiges von der Arbeit abgeben zu dürfen. "So und nachdem wir das jetzt alles geklärt haben, gehst du jetzt duschen und dich schick machen, damit wir essen gehen können", holte Kian Marie aus ihren Gedanken. "Was hältst du davon, wenn wir uns einfach eine Pizza bestellen und uns hier einen gemütlichen Abend machen. So hätte Jamie auch was davon. Ich mag ihn nicht schon wieder alleine lassen", machte Marie den Gegenvorschlag. Kian dachte darüber nach. Gerne wäre er mit Marie allein ausgegangen, da sie in einer Woche nicht mehr da sein würde und es solche Gelegenheiten dann nicht mehr so schnell geben würde. Aber sie hatte Recht, so konnte er auch noch ein wenig mehr Zeit mit Jamie verbringen. Außerdem war er schon froh, wenn er überhaupt in Maries Nähe sein konnte. Es war schön, das sie sich wieder so gut verstanden, auch wenn das nicht das Ziel seiner Wünsche war. Aber er nahm sich Shanes Rat, ihr und ihnen beiden Zeit und Abstand zu geben, sehr zu Herzen. "Hört sich gut an, machen wir es so. Ich bin einverstanden." Kian nickte und lächelte Marie dabei an. "Dann geh ich eben unter die Dusche", meinte Marie lächelnd und erhob sich. "Ok, ich telefoniere in der Zwischenzeit schon mal wegen der Party am Samstag", entgegnete Kian. Marie nickte ihn noch mal zu und verschwand im Haus.

"Hey Shane. Ich bin es Kian." "Hi Ki, was gibt’s?" "Hast du morgen Zeit? Ich brauche deine Hilfe." "Worum geht es denn?" wollte Shane wissen. "Marie hat Zeitprobleme. Montag kommt der Umzugswagen und sie kriegt nicht alles zusammen. Mir ist halt die Idee gekommen, das wir ihr morgen helfen könnten. Sie steht hier kurz vor dem Nervenzusammenbruch", erklärte Kian Shane das Problem. "Kein Thema. Und wenn ich dafür sämtliche Termine absagen muss. Wann sollen Gil und ich da sein?" "Danke Kumpel, ich würde sagen so gegen neun?" Kian war begeistert. "Geht klar. Um neun stehen wir vor der Tür." Kian dankte Shane noch mal und dann verabschiedeten sie sich. "Hey Mark, Kian hier", meldete Kian sich, als er die nächste Nummer gewählt hatte. "Egan, was liegt an?" "Ich brauche morgen deine Hilfe. Wir müssen Marie beim Packen helfen, sie schafft das alles nicht allein." "Wann denn morgen?" fragte Mark nach. "Also Shane und Gil sind um neun da", erklärte Kian. "Hm, dann muss ich mein Date morgen früh halte eher aus dem Haus werfen", meinte Mark mit einem leisen Lachen. Kian fing an zu grinsen. "Na ja, wenn du dich nicht von deinem Date trennen kannst, bring sie einfach mit. Wir können jede Hilfe gebrauchen." "Ok, wie auch immer. Ich bin um neun bei Marie." "Das vergesse ich dir nie. Danke." "Kein Thema, bis morgen", verabschiedete sich Mark. So eine Nummer noch, dachte Kian und wählte. "Byrne. Wer stört?" kam eine Stimme vom anderen Ende. "Hi Nicky, mein allerbester Freund." Kian grinste. "Och nee Egan. Was willst du?” lachte Nicky. "Geo. Na ja und da es sich nicht vermeiden lässt, dich dann auch", frozelte Kian. "Egan sprich Klartext." "Also gut. Marie braucht unsere Hilfe beim Packen. Sie ist total fertig und packt das nicht mehr alleine. Und..." Weiter kam Kian nicht mehr. "Wann? Und wo?" fiel Nicky ihm ins Wort. "Morgen? Um neun?" fragte Kian vorsichtig. "Alles klar. Sind pünktlich um neun da", entgegnete Nicky. "Danke Kumpel. Du hast was gut bei mir." Kian war wirklich stolz auf seine Freunde. Wenn man sich auf jemanden verlassen konnte, dann waren die das. "Hm, lad mich zu deiner Hochzeit ein", flachste Nicky. "Hä? Versteh ich nicht." Kian war verwirrt. "Vergiss es. Darf ich mich jetzt weiter um meine Frau kümmern?" fragte Nicky mit einem eindeutigen Ton in der Stimme. Im Hintergrund hörte Kian plötzlich das Kichern von Geo und er fing an zu lachen. "Ok, dann noch ganz viel Spaß und bis morgen." "Jep, bis morgen." Und schon hatte Nicky aufgelegt. Das waren doch mal sehr erfolgreiche Minuten gewesen, dachte sich Kian und legte das Handy an die Seite.

"Und wen hast du bist jetzt erreicht?" fragte Marie plötzlich hinter ihm. Oh nein, hoffentlich hatte sie nichts mitbekommen. Dann war seine ganze Überraschung im Eimer. "Ähm, bis jetzt nur Shane, Mark und Nicky. Aber es geht klar. Ist kein Problem für sie", erklärte Kian und es war noch nicht mal gelogen. "Den Rest erledige ich morgen." Er schaute sie eindringlich an, aber so wie sie ihn ansah, hatte sie nichts bemerkt. Erleichtert atmete er aus. "Und welche Pizza soll ich dir bestellen?" fragte sie dann. "Hm, ich glaub wie immer", erwiderte Kian lächelnd. Marie verdrehte die Augen und schnappte sich das Telefon, um die Pizzas zu bestellen. Nachdem sie das erledigt hatte, legte sie das Telefon an die Seite und schaute Kian an. "Was machst du jetzt eigentlich mit dem Haus, wenn wir in London sind?" fragte sie ihn. "Ich weiß es noch nicht so genau. Vielleicht werde ich es vermieten. Es ist zumindest eine gute Geldanlage", überlegte Kian laut. Ihm wäre es am liebsten, sie würde gar nicht erst ausziehen. Verkaufen wollte er es auf keinen Fall. Vielleicht kam Marie ja irgendwann wieder, dann könnte sie wieder einziehen. "Hm, ist gar kein schlechter Gedanke", meinte Marie daraufhin. Sie unterhielten sich noch über belanglose Dinge, bis die Pizzas geliefert wurden.

Marie deckte schnell den Küchentisch, während Kian das Bezahlen des Essens übernahm. Dann lief er schnell zu Adam herüber, um seinen Sohn zum Essen zu holen. Kurze Zeit später saßen sie einträchtig am Küchentisch und aßen. "Das ist toll", nuschelte Jamie mit einem Stuck Pizza im Mund. "Jamie, man spricht nicht mit vollem Mund. Aber was ist toll?" wies Kian seinen Sohn zurecht. Jamie schluckte verlegen den Bissen runter. "Na das wir zusammen essen", meinte er dann. "Aber das haben wir doch schon oft gemacht", meinte Marie. "Ja, aber jetzt streitet ihr euch nicht mehr und das ist toll", erklärte Jamie und lächelte die beiden stolz an. Kian sah verlegen zu Marie rüber. Ihm war nicht bewusst gewesen, das sein Sohn doch soviel von den Streitigkeiten mitbekommen hatte. Marie schaute genauso verlegen. "Ähm...magst du vielleicht auch ein Glas Wein?" fragte sie Kian jetzt, um vom Thema abzulenken. Kian nickte. "Danke gerne." Marie stand auf, um eine Flasche aus dem Schrank zu holen. Dann griff sie noch nach zwei Gläsern und kam zum Tisch zurück. Nachdem sie Kian und sich ein Glas Wein eingeschenkt hatte, setzte sie sich wieder und nahm erst mal einen Schluck. "Und was machen wir gleich noch schönes?" fragte sie dann. Ihre beiden Männer sahen sich fragend an und überlegten. "Wir könnten uns einen Film ansehen", schlug Kian vor. "Oh ja, wie wäre es mit Kindergarten-Daddy?" fragte Jamie. Marie verdrehte die Augen. Wie oft wollte ihr Sohn diesen Film denn noch sehen. "Haben wir denn nicht noch was anderes?" fragte sie dann. "Wartet mal, ich habe noch eine DVD im Auto. Mark hat sie mir die Tage gegeben. Die sollte ich mir unbedingt mal ansehen", meinte Kian und lief zum Auto. Als er wieder kam, hielt er eine DVD in der Hand und fragte skeptisch: "Schon mal was von Findet Nemo gehört?" "Oh Mann Daddy, das ist der Kultfilm überhaupt. Weißt du denn überhaupt nichts? Den gucken wir", meinte Jamie altklug und verdrehte die Augen. Marie bekamt einen Lachanfall, als sie das entsetzte Gesicht von Kian sah. "Jamie Kian Johnson, nicht in diesem Ton bitte", versucht Kian gespielt entrüstet zu sein, was ihm aber nicht gelang, da Marie immer noch am lachen war und auch er nicht ernst bleiben konnte. "Sorry Daddy, aber du wirst halt nicht junger. Da kann man schon verstehen, das du dich mit Kinderfilmen nicht mehr so auskennst", grinste nun auch Jamie, da er haargenau wusste, das er Marie auf seiner Seite hatte. "Also noch so ein Satz und ich bringe die DVD wieder weg. Dann kannst du gleich ins Bett gehen." Kian fühlte sich von seinem Sohn verarscht. Hatte aber wirklich Mühe das Lachen zu unterdrücken. "Och Daddy", meinte Jamie jetzt gespielt traurig und legte seinen besten Dackelblick auf. "Vergiss es Sohn, der Blick zieht bei mir nicht", meinte Kian streng. "Ha", kam es jetzt von Marie und Kian schaute sie fragend an. "Was?" "Das ist nicht fair von dir. Diesen Blick hast du selber drauf, wenn du etwas unbedingt willst. Da soll er helfen. Aber deinem Sohn diesen Blick verbieten. Kian, Kian, Kian.” Marie schüttelte mit dem Kopf. "Ich dachte, wenigstens du wärst auf meiner Seite." Kian schaute jetzt traurig, wobei immer noch der Schalk in seinen Augen blitzte. "Nö", entgegnete Marie. "Ach gegen euch beiden kommt man einfach nicht an", sagte Kian jetzt resigniert und trank einen großen Schluck Wein. Marie und Jamie schlugen sich ab. "So mein Schatz, bevor wir den Film aber gucken, ziehst du dir schon mal deinen Schlafanzug an und putzt dir die Zähne", schlug Marie ihrem Sohn vor und begann den Tisch abzuräumen. Kian nahm die Flasche Wein und die beiden Gläser und brachte sie ins Wohnzimmer. Dann holte er Jamie noch was zu trinken und ein Glas und stellte alles dazu.

"So bin fertig", rief Jamie von oben und kam schon die Treppen herunter gelaufen. Dann schmiss er sich auf das kleiner der beiden Sofa und grinste Kian an. "Hast du mich noch lieb?" fragte er dann mit seinem Dackelblick. "Hm, ich glaub das muss ich mir noch überlegen", meinte Kian. "Och Daddy", meinte Jamie, stellte sich auf das Sofa und streckte seinen Ärmchen aus. Lächelnd ging Kian auf ihn zu, nahm ihn auf den Arm und drückte ihn ganz fest an sich. "Sicher hab ich dich noch lieb. Du bist doch das wichtigste für mich auf der ganzen Welt", murmelte Kian und gab Jamie einen Kuss. "Ich habe dich auch ganz doll lieb", erwiderte Jamie und drückte Kian noch mal ganz doll. "So jetzt will ich aber den Film gucken", meinte Jamie nun, kletterte von Kians Armen herunter und machte es sich wieder auf dem Sofa bequem.

Marie hatte die Szene beobachtet, als sie aus der Küche kam und hatte plötzlich Zweifel, ob sie mit ihrem Umzug wirklich das Richtige tat. Würde das nicht das Verhältnis zwischen Jamie und Kian gewaltig stören? "Mummy, was steht du da so rum? Komm, wir wollen endlich den Film gucken", holte Jamie sie aus ihrer Gedankenwelt. Marie setzte ihren Weg zum Sofa fort und setzte sich zu Kian auf das große Sofa. Kian schaute sie fragend an. "Alles in Ordnung?" wollte er wissen. "Ja sicher. Alles ok", antwortete Marie und legte ihre Füße hoch. Dann nahm sie die Fernbedienung vom Tisch und machte den Film an. Als sie den Film eine Weile gesehen hatten, versuchte Marie eine gemütlichere Sitzposition zu finden und ralkerte etwas herum. Irgendwann wurde es Kian zu bunt. Er schnappte sich eines der Kissen, legte es sich auf die Oberschenkel und drückte Marie mit ihrem Kopf auf das Kissen. "So und nun halt still. Ich will den film sehen", grummelte er. "Sorry", entschuldigte Marie sich und hielt ganz still. "Aber atmen darfst du schon noch", lachte er leise. Marie schaute zu ihm hoch und lächelte ihn an. "Scherzkeks." Dann entspannte sie sich und fing an, es zu genießen, ihm wieder so nah zu sein. Eine Traurigkeit überkam sie, als sie daran dachte, dass es diese Momente bald nicht mehr so häufig geben würde. Und wieder bekam sie Zweifel an ihrer Entscheidung.

Als der Film zu Ende war sah Marie, das Jamie eingeschlafen war. "Ich bring Jamie eben ins Bett", meinte Marie leise zu Kian und wollte sich hochrappeln. "Lass mal, ich mach das schon. Bleib du hier liegen", entgegnete Kian, stand auf und nahm seinen Sohn vorsichtig hoch. Marie schaute Kian hinterher und fand es wirklich rührend, wie behutsam und liebevoll er mit Jamie umging. Sollte sie dieses Verhältnis zwischen den beiden durch ihren Umzug gefährden? Tat sie wirklich das Richtige? Vielleicht war sie zu egoistisch mit ihrem Vorhaben. Kian kam die Treppe wieder herunter und betrachtete Marie, die gedankenverloren aus dem Fenster sah. Er merkte das sie irgendwas bedrückte und wollte ihr helfen. "Hey, so bedrückt? Was ist los?" fragte er als er auf das Sofa zuging. Es setzte sich neben sie und schaute sie besorgt an. Marie zuckte leichte zusammen und setzte sich aufrecht hin. "Nee, alles in Ordnung? Möchtest du noch ein Glas?" versuchte sie abzulenken. "Nein danke, ich muss noch irgendwie nach Hause kommen", lehnte Kian ab und schaute Marie weiterhin eindringlich an. "Kannst auch gerne hier übernachten. Wenn du morgen früh eh wieder zum packen hier sein willst, lohnt es sich ja kaum, nach Hause zu fahren", machte Marie den Vorschlag. "Ok, aber nur wenn du mir verrätst, was dich bedrückt", lenkte Kian ein. Marie schenkte ihnen beiden etwas Wein nach und versuchte so etwas Zeit zu schinden. Ihr war bewusst, das Kian erst Ruhe geben würde, wenn sie ihm erzählt hatte, was sie beschäftigte. "Ich habe halt überlegt, ob ich das Richtige tue." "Wie meinst du das?" "Ich habe Angst, das dein Verhältnis zu Jamie drunter leidet, wenn wir soweit weg sind .Ich weiß wie wichtig ihr euch seid. Ich will das nicht kaputt machen." Marie schaute Kian hilfesuchend an. "Hey. Das hatten wir doch geklärt. Ich kann mir nicht vorstellen, das euer Umzug mein Verhältnis zu Jamie beeinflussen wird. Und unserer Beziehung wird es bestimmt auch gut tun, wenn wir Abstand haben. Jamies Kommentar eben hat mich doch geschockt. Mir war nicht bewusst, das er soviel mitbekommen hat", versuchte Kian Maries Zweifel zu zerstreuen. "Bist du dir sicher?" Marie war noch immer ziemlich beunruhigt. "Sicher, mir wäre es auch lieber, ihr würdet in meiner Nähe bleiben. Aber für dich ist es eine Chance beruflich weiterzukommen und dabei möchte ich dir nicht im Weg stehen. Den Rest kriegen wir auch auf die Reihe. Mach dir keine Sorgen." Kian schien sehr überzeugt zu sein. Das gab auch Marie mehr Sicherheit. "Ok, aber wenn du irgendwelche Bedenken hast, dann sag es mir bitte." Kian nickte und griff dann nach seinem Glas. Es war ihm mehr als schwer gefallen, sie nicht zurückzuhalten. Da sie selber Zweifel an ihrem Vorhaben geäußert hatte, wäre es ein Leichtes gewesen, sie zum hier bleiben zu überreden. Das würde im Endeffekt aber wieder zu Streiterein führen, die dann auch Jamie wieder belasten würden. Irgendwie würde Kian schon über die Sehnsucht hinwegkommen. Er durfte jetzt auf keinen Fall egoistisch handeln.

Am nächsten Morgen wurde Marie durch das Klingeln an der Haustür geweckt. Sie schaute verschlafen auf den Wecker und erschrak ein wenig. Es war bereits neun Uhr. Sie wollten doch so früh wie möglich anfangen, damit sie viel geschafft kriegten. Schnell stand sie auf um nachzusehen, wer so früh vor der Tür stand. Auf dem Weg nach unten schlüpfte sie in ihren Bademantel und lief zur Haustür. Als sie diese öffnete und sah wer der morgendliche Besuch war, fiel ihr die Kinnlade nach unten. "Sagt mal, was wollt ihr denn alle hier?" fragte sie überrascht. Vor ihr standen Shane, Gil, Nicky, Geo, Mark und ein ihr unbekanntes Mädel. Alle grinsten sie fröhlich an. "Eine gute Fee hat uns erzählt, das hier unsere Hilfe benötigt wird und sieh da, da sind wir", meinte Shane grinsend. "Ich habe sie angerufen und gefragt, ob sie uns helfen, damit wir hier alles schaffen", hörte sie Kians Stimme auf ein mal hinter sich. Marie schaute ihn sprachlos an. Er stand hinter ich im Flur in Boxers und einem T-Shirt und sah genau wie sie noch sehr verschlafen aus. "Danke", meinte sie dann nur. "Ja, kommt doch erst mal rein", übernahm Kian nun das Wort. Marie nahm jeden einmal fest in den Arm. Sie war zwar überrascht, aber sie war glücklich, solche Freunde zu haben. Als Mark vor ihr stand meinte er: "Hi Kleines. Darf ich dir Sarah vorstellen." "Hi Sarah, schön dich kennen zulernen", meinte Marie lächelnd. Als alle im Wohnzimmer standen, meinte Kian: "Wie wäre es erst mal mit Frühstück. Mit leeren Magen lässt es sich so schlecht arbeiten." "Aber ich habe doch gar...", wollte Marie widersprechen, da sie mit so viel Besuch gar nicht gerechnet hatte und jetzt nichts im Haus hatte. "Dafür haben wir schon gesorgt", meinte Nicky und hielt Brötchen und etc. hoch. "Das einzige für was du Sorgen musst ist Kaffee und Tee", meinte Geo lächelnd. "Ihr seid die besten", entfuhr es Marie. Die Mädels gingen in die Küche, um alles fürs Frühstück vorzubereiten, während die Jungs alles auf der Terrasse fertig machten. Marie und Kian wurden hoch geschickt, damit sie sich anziehen konnten. Schnell sprang Marie in eine Jeans und ein T-Shirt, wusch sich eben, machte die Haare zu einem Pferdeschwanz und rannte wieder runter. Unten war schon alles vorbereitet. Kian war auch schon zurück.

Gerade als sie sich gesetzt hatten, stand ein verschlafen aussehender Jamie in der Tür. "Was ist denn hier los?" fragte er verwundert, als er die ganzen Leute auf der Terrasse sitzen sah. "Guten Morgen Jamie. Wir wollen beim Packen helfen", meinte Nicky. "Cool", antwortete Jamie begeistert und setzte sich auf den freien Stuhl neben Marie. Es wurde ein lustiges Frühstück. Da Marie verschlafen hatte, brauchte Jamie nicht in den Kindergarten und konnte den sonnigen Morgen mit alle Mann genießen. Gegen Nachmittag sollte er dann zu Adam rüber, damit er nicht so im Weg stand. Marie nahm seit dieser Woche ihren Resturlaub und würde dann übernächste Woche in London ihre neue Stelle antreten. Nachdem alle satt waren, sollte es losgehen. "Marie du gehst jetzt erst mal hoch und packst für dich und Jamie Sachen, die ihr die nächste Woche braucht. Ihr kommt nachher mit zu mir", meinte Kian entschieden. "Aber das geht doch nicht", protestierte Marie. "Willst du etwa die nächste Woche in einem leeren Haus wohnen, ohne irgendetwas?" fragte Kian spöttisch. "Auch wenn ich Kian selten Recht gebe, aber jetzt hat er Recht", warf Shane ein. "Aber...", versuchte Marie es noch mal. "Süße, wenn wir hier nachher fertig sind, ist alles verpackt. Und ab Montag steht hier nichts mehr drinnen", entgegnete Nicky. Marie schaute zu Kian und er grinste sie überlegen an. Daran hatte sie ja überhaupt noch nicht gedacht. Ihr Freunde hatten Recht. "Ich hasse es, wenn du mich so rumkommandierst. Aber nun gut, dann werden Jamie und ich dir das Leben nächste Woche zur Hölle machen", entgegnete Marie angriffslustig. "Das glaub ich nicht", lachte Kian und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Es ist mir eine Freude, euch bei mir zu haben. So und nun los mit dir. Wir wollen fertig werden." "Ja, ja. Bin schon weg", brummte Marie und ging die Treppen hoch. Kian sah ihr lächelnd hinterher.

"So und wie gehen wir jetzt am ungeschicktesten vor?" fragte Marie, als sie mit gepackten Taschen wieder unten ankam. "Also ich würde sagen, die Mädels nach oben und der Rest hier unten", schlug Shane vor. "Toll, ihr habt nur keine Lust, die vollen Kartons runter zu schleppen", flachste Gil. "Ach Schatz, sag einfach Bescheid. Ich trage deine Kartons gerne", flirtete Shane mit seiner Frau. "Schleimer", grinste Gil und hüpfte die Treppe herauf. "Ich denke auch, ihr könnte schon unsre Kartons runter tragen", erwiderte Geo mit einem Blick auf Nicky und lief Gil schnell hinterher. Marie zuckte nur grinsend mit den Schulte und sah zu das sie Land gewann, da Kian schon einen Schritt auf sie zu machte. "Sarah komm mit", rief sie noch und war schon oben.

Einige Stunden arbeiteten sie gegen aller Erwartung konzentriert. Man konnte die Erfolge schon bald sehen . "Marie hast du noch Kartons?" fragte Nicky plötzlich und stand in der Tür zum Schlafzimmer. "Wie sind keine mehr da. Es waren doch noch so viele in der Garage." Marie schaute Nicky überrascht an. "Alle verbraucht" grinste Nicky. "Tja, dann haben wir jetzt ein Problem." Marie fing an zu überlegen. "Hey, wir müssten doch noch welche von unsrem Umzug haben oder Shane?" warf Gil ein und sah dabei ihren Mann an, der hinter Nicky getreten war. "Ja sicher. Gebt mir eine halbe Stunde, dann gibt’s Nachschub", antwortete Shane, schnappte sich seinen Schlüssel und wollte schon durch die Tür., als Kian ihn aufhielt. "Fahr doch auf einen Weg bei McDonalds vorbei und bring was zu Essen mit. Ich denke eine Pause und was zwischen die Kiemen könnte uns gut tun." "Du hast Recht, mach ich.", entgegnete Shane und war schon verschwunden. "Was haltet ihr davon, wenn wir heute Abend ein paar Steaks auf den Grill schmeißen? Ich habe eben welche in der Truhe gefunden. Sozusagen als kleines Dankeschön für eure große Hilfe", schlug Marie vor, nachdem es sich alle auf der Terrasse gemütlich gemacht hatten. Alle stimmten sie zu. "Aber das müssen wir dann wohl auch bei mir machen, da ich keine Lust habe, die ganzen Teller und so wieder auszupacken", meinte Kian entsetzt. "Wie ihr habt die Küche schon leer?" Marie schaute überrascht in die Runde. "Und wenn wir noch Geschirr brauchen?" fragte sie dann Kian. "Dann haben wir uns was einfallen lassen", grinste Kian. "Kian John Francis Egan...", wollte Marie loslegen. "Ist sie nicht süß?" warf Kian ein. "Du kannst es wohl gar nicht mehr erwarten, mich loszusein, wie?" "So kannst du das jetzt gar nicht sehen", meinte Kian gespielt beleidigt. "Wer es glaubt..." "Ich möchte nur schnell fertig werden, damit wir zu den Steaks übergehen können", versuchte Kian sich zu rechtfertigen. "Ich wusste es doch, du bist und bleibst verfressen", flachste Marie und sah Kian dabei schelmisch an. "Miss Johnson, das hast du nicht umsonst gesagt", meinte Kian nun drohend und kam auf sie zu. Kurz schaute Marie ihn noch überlegen an, machte dann auf der Hacke kehrt und lief weg. Nach einer wilden Verfolgungsjagd quer durchs Wohnzimmer und wieder zurück in den Garten musste Marie erkennen, das Kian sie fast hatte. Schon merkte sie, wie er sie an der Hüfte zu fassen bekam und sie beide zu Boden fielen. Blitzschnell setzte Kian sich auf sie und fing an sie durchzukitzeln. "Nicht...Kian...hör...auf. Ich bin...doch...so kitzelig", kicherte Marie. "Nimm das mit dem verfressen zurück", forderte Kian sie auf. "Aber.. ich...habe doch..." "Marie", drohte Kian. "Ok, ok. Ich nehme es zurück." Marie konnte nicht mehr. Sie war völlig außer Atem und schaute Kian groß an. Auch Kian konnte seinen Blick nicht von ihr wenden. Vorsichtig und mit viel Gefühl strich er ihr eine Strähne, die sich aus dem Zopf gelöst hatte, aus dem Gesicht. Dann beugte er sich zu ihr herunter, gab ihr einen leichten Kuss auf den Mund und erhob sich schnell. Marie war im ersten Moment etwas erschrocken über seinen Kuss. Als er aber über ihr stand und ihr seine Hand lächelnd reichte, lächelte sie auch und ließ sich hoch helfen. Als sie stand, schlang er ganz freundschaftlich einen Arm um ihre Hüfte und ging gemeinsam mit ihr zu den anderen zurück.

Diese ganze Szene wurde von fünf Augenpaaren belustigt beobachtet. Sarah, Marks Begleitung meinte dann leise zu Mark: "Also das die beiden nur Freunde sind, kann ich nicht wirklich glauben. So wie das zwischen den beiden knistert." "Tja, das sehen hier irgendwie alle, nur die beiden nicht." Mark zuckte mit den Schultern. "Aber wie kann dein Freund sie gehen lassen, wenn es doch so eng zwischen den beiden ist?" "Wer weiß, noch ist es ja eine Woche. Vielleicht kriegen sie es ja doch noch gerallt", hoffte Mark. "Ich hol uns schon mal was zu trinken. Leider kann ich euch keine Gläser anbieten, da gewisse Leute ja den neuen Weltrekord im Packen aufstellen wollten, so müsst ihr leider mit Pappbecher vorlieb nehmen - solang die nicht auch schon verstaut sind", meinte Marie lächelnd und warf Kian einen letzten schelmischen Blick zu, bevor sie ins Haus verschwand. Mark nahm Kian an die Seite und schaute ihn kopfschüttelnd an. "Was?" fragte Kian, immer noch mit dem Blick Marie folgend. "Ich versteh dich nicht. Wie kannst du sie gehen lassen. Es sieht doch jeder Blinder, das du sie liebst", versuchte Mark sein Glück. "Ja, aber sie liebt nicht. Und es ist besser, wenn wir uns erst mal nicht mehr so oft sehen. Ich weiß schon was ich tue", erklärte Kian ungeduldig. Er wollte nicht schon wieder mit irgendjemanden seine Gefühlswelt durchdiskutieren. Erst mal musste er selbst damit klar kommen. "Das glaubst du doch selber nicht .Hauptsache du machst nicht den größten Fehler deines Lebens, wenn du sie gehen lässt. Dann hat dieser Steven freie Bahn und du kannst nichts dagegen tun", erwiderte Mark. "Wie meinst du das?" Kian wurde hellhörig. "Auch wenn Marie behauptet, sie wären nur Freunde. Hast du seine Blicke Marie gegenüber nie gesehen? Warum holt er sie zu sich nach London und organisiert eine Wohnung ganz in seiner Nähe?" fragte Mark Kian jetzt und sah ihn dabei herausfordernd an. Es war zwar nur eine Vermutung von Mark. Er war sich auch nicht sicher, ob da wirklich was dran war. Aber vielleicht braucht es nur einen kleinen Anstoß , um seinen Freund aufzurütteln. Kian sah Mark nachdenklich an. "Denk mal drüber nach", meinte Mark dann noch, ging wieder zu Sarah und ließ Kian da stehen. "So, der Köder wäre wohl ausgelegt. Wenn er jetzt nicht zubeißt, dann ist ihm nicht mehr zu helfen", flüsterte Mark Sarah zu und zog sie in seine Arme.

"Achtung, Essen kommt", rief Nicky plötzlich und alle scharrten sich um den Terassentisch. Shane kam grinsend durch den Garten, vollbepackt mit etlichen Tüten. "Wart ihr auch alle lieb?" fragte er schelmisch. "Filan, halt die Klappe und rück das Essen raus", lachte Nicky und griff nach der ersten Tüte. "Mann, bist du heute wieder dankbar", grinste Shane Nicky an und stellte alles auf den Tisch. Nachdem sich jeder was beim Stapel von Tüten weggesucht hatte, verfielen alle in gefräßiges Schweigen. So fiel es auch nicht auf, das Kian nachdenklich vor sich hinstarrte und nichts sagte. Er dachte über Marks Worte nach und leise Angst beschlich ihn. Sein Blick wanderte hinüber zu Marie, die hungrig von ihrem Burger abbiss und sich dabei mit Sarah unterhielt. Würde er sie wirklich an Steven verlieren, wenn sie in London war? Dieser Gedanke machte ihm so richtig Angst. "Ey Egan, du hast einen eigenen Burger, also starre nicht so auf den von Marie", flachste Mark laut genug, damit es alle hörten. Ihm das Verhalten von Kian klar. "Sehr komisch Mark", grummelte Kian und konzentrierte sich wieder auf sein Essen, dabei übersah er geflissentlich Maries Blick.

Kurz danach machten sie sich wieder an die Arbeit und waren am späten Nachmittag mit allem fertig. Etwas wehmütig ging Marie durch die leeren Räume und sah sich um. Hier hatte sie drei Jahre ihres Lebens verbracht, nun würde sie weggehen. Alle Möbel waren leergeräumt, unzählige Kartons standen in den Ecken aufgetürmt und alles war fertig zum Abtransport. Marie stand in Jamies Zimmer und schaute aus dem Fenster, als sich zwei Arme um sie schlossen. "Hey, alles in Ordnung?" fragte Kian leise und zog sie an sich "Hm, bin nur gerade etwas melancholisch. Waren schon schöne drei Jahre hier", erwiderte Marie. "In London wirst du es dir auch schön machen", versuchte Kian Marie wieder aufzubauen, auch wenn es ihm selber sehr schwer fiel. Die Angst in seinem Körper wurde immer stärker und er konnte Marks Worte einfach nicht verdrängen. "Hm, trotzdem ist es eine große Veränderung. Ich werde das hier schon vermissen." "Wenn du es gar nicht mehr aushältst, dann kommst du uns einfach besuchen", meinte Kian. Marie lächelte ihn an. "Danke." "Wofür?" fragte Kian. "Für alles", erwiderte Marie, drehte sich in seinen Armen um und gab ihm einen Kuss auf den Mund. Nur kurz und flüchtig, genauso wie er es am Mittag getan hatte. "Ähm. Die andren haben sich gerade verabschiedet. Wir haben abgesprochen, dass sie so gegen acht zum grillen vorbeikommen." Kian hatte dieser kurze Kuss aus der Bahn geworfen und er versuchte vom Thema abzulenken, damit er sich wieder fangen konnte. "Oh ja, ist gut. Dann hol ich mal Jamie", meint Marie und drehte sich um. "Nein lass mich das machen. Verabschiede dich in aller Ruhe. Wir warten unten", hielt Kian sie davon ab und verschwand aus dem Raum. Marie blieb verloren zurück.

Einige Zeit später machte sie sich auf den Weg nach unten, schaute dort noch mal, ob alles aus war, schnappte sich ihre Tasche und ging nach draußen. Die Reisetaschen hatte sie schon vorher ins Auto gepackt, damit sie nicht mehr im Weg standen. Dort sah sie, wie Kian mit Jamie und Adam auf der Straße Fußball spielte. Jamie hatte heute Nachmittag stolz erzählt, dass Adam einen neuen bekommen hatte, und sie so jetzt wieder spielen konnten. Lächelnd schaute sie zu, bis wieder die Zweifel kamen, ob sie das Richtige tat. Kian schaute herüber und hob grüßend die Hand. Marie legte schnell wieder ein Lächeln auf und grüßte zurück. Dann ging sie langsam auf ihren Wagen zu und stellte ihre Tasche rein. "Mummy, darf ich bei Adam schlafen?" Ihr Sohn tauchte plötzlich neben ihr auf und schaute sie bittend an. "Ich weiß nicht...lieber nicht", meinte Marie zweifelnd. Nach den Vorkommnissen war sie sehr skeptisch geworden und hatte Angst, ihn allein zu lassen. "Och bitte", bettelte Jamie. "Was hältst du davon, wenn wir das auf morgen verschieben. Dann wirst du auch nicht beim Schlafen gestört, wenn wir unten etwas lauter sind", mischte Kian sich jetzt ein. Er schaute Marie fragend an. Marie sah zu ihrem Sohn, der freudig nickte. Sie hatte noch immer Bedenken. "Aber wir müssen erst Jane fragen, ob sie einverstanden ist", meinte sie. Kaum hatte sie das ausgesprochen, rannten die beiden Jungen los, um Adams Mutter zu fragen. "Du machst dir zu viele Sorgen um Jamie", bemerkte Kian, als die Kinder außer Hörweite waren. "Ich weiß", entgegnete Marie. "Es wird schon nichts passieren", versprach Kian und Marie nickte, auch wenn sie nicht wirklich beruhigt war. "Ich darf", rief Jamie schon von weitem. "Dann bring ich dich morgen Nachmittag her, dann kannst du bei Adam bleiben", meinte Kian, als Jamie atemlos wieder ankam. "Aber jetzt müssen wir dann mal los. Sonst stehen die andren vor verschlossener Tür", forderte Marie ihren Sohn auf, ins Auto zu steigen. Nachdem sie ihn angeschnallt hatte, schwang sie sich hinters Steuer. "Dann fahr ich jetzt hinter dir her", meinte sie zu Kian. "Ok, bis gleich", antwortete er und begab sich zu seinem BMW.

Nach kurzer Fahrt kamen sie bei Kian an und Marie brachte ihre Taschen in das eine Gästezimmer. Dann schwang sie sich unter die Dusche, die sie nach dem vielen Packen auch dringend nötig hatte. Als sie wieder ins Zimmer kam, suchte sie sich was zum Anziehen und ging dann wieder runter. Unten im Wohnzimmer angekommen, sah sie Kian und Jamie auf dem Sofa liegen. Kian hatte seinen Sohn in den Arm genommen und so waren sie beide friedlich am schlafen. Dieser Anblick ließ Marie das Herz aufgehen. Sie sahen sich so ähnlich, wie sie dort lagen. Der gleiche Gesichtsausdruck zeichnete sich in den Gesichtern und beide schoben die Unterlippe ein klein wenig vor. Schnell aber leise ging sie wieder nach oben und holte ihre Kamera aus der Tasche. Dieses Bild wollte sie auf Kamera verewigen. Dann huschte sie wieder ins Wohnzimmer und machte das Foto. Vom Blitz wurde Kian wieder wach und schaute sie verschlafen an. Marie grinste und meinte: "Na ausgeschlafen?" Kian sah sie verwirrt an, dann fiel sein Blick auf Jamie und er fing an zu lächeln. Marie ging auf die beiden zu, nahm Jamie hoch, damit sie ihn oben ins Bett legen konnte. Sie wollte ihn jetzt nicht mehr wachmachen, damit er sich waschen konnte. Das konnte warten. Sollte er hungrig werden, würde er von ganz alleine wach werden Als sie ihn oben im Bett liegen hatte, gab sie ihm noch einen Kuss auf die Stirn und ging leise wieder runter. Kian saß noch immer auf dem Sofa und rieb sich die Augen. "Hm, bin ich wohl etwas weggenickert", meinte er verschlafen. "War ja auch ein anstrengender Tag heute", entgegnete Marie und ließ sich in den Sessel fallen. "Ich werde dann mal eben unter die Dusche springen. Dann geht es mir bestimmt wieder besser"; Kian sprang auf und machte sich auf den Weg nach oben. "Ich fange dann schon mal an, alles fürs Grillen vorzubereiten", rief Marie ihm hinterher und ging in die Küche. Dort standen noch die Taschen mit den Lebensmitteln, die sie aus ihrem Haus mitgenommen hatten. So konnten sie noch alles aufbrauchen. Erst mal verstaute sie alles und begann dann damit, die Steaks zu würzen und den Salat zu waschen und zu schneiden. Sie liebte das Kochen, da konnte sie wunderbar bei entspannen und abschalten. "Hey, kann ich dir helfen?" hörte sie auf einmal Kians Stimme von der Küchentür. Marie schreckte hoch und sah zur Tür. Da stand er, der Mann ihres Herzens. Er hatte sich nach der Dusche eine enganliegende Jeans und dazu ein leicht durchsichtiges weißes Hemd angezogen, von dem er die oberen Knöpfe offen gelassen hatte. Marie musste deftig schlucken. "Ähm du könntest schon mal den Grill anzünden", stotterte Marie und versuchte, die Fassung wiederzerlangen. "Klar, dann mach ich mich mal ans Werk", meinte er lächelnd und verschwand wieder. Nachdem Marie soweit alles vorbereitet hatte, holte sie Getränke und brachte sie nach draußen. Dort war Kian dabei, den Grill anzuschmeißen. Er sah total süß dabei aus, wie er total konzentriert in den Grill starrte. Marie musste lächeln. "Was grinst du so?" fragte er, als er sie entdeckt hatte. "Ich grinse nicht", antwortete Marie noch immer lächelnd. "Doch, du grinst." "Nein, ich fand es nur süß, wie du so konzentriert am Grill stehst", versuchte Marie sich zu erklären. "Du findest mich also süß?" grinste Kian jetzt von einem Ohr zum anderen. Wenn Marie ihn nicht schon geliebt hätte, dann hätte sie sich jetzt in ihn verliebt. "Egan, komm wieder runter. Bilde dir jetzt bloß nichts drauf ein", flachste sie. Schon schob Kian eine Schnute, dann kam ein beleidigtes Pööh und er drehte sich wieder zum Grill. Marie lachte auf und ging auf ihn zu. Wie als wenn sie es mit Jamie machen würde, streichelte sie Kian durchs blonde Haar und meinte ironisch: "Armer kleiner Mann." Kian drehte sich wieder zu ihre hin und schaute sie angriffslustig an. In seinen blauen Augen sprühten die Funken. "Johnson, du lebst heute echt gefährlich." Er kam mit seinen vom Grill schmutzigen Händen auf sie zu und stupste sie an ihre Nase. Doch bevor er noch mehr Unheil anrichten konnte, hörte Marie, wie es an der Tür klingelte. "Ups. Dann wirst du mit deiner Rache wohl bis später warten müssen. Wir kriegen Besuch", grinste sie und verschwand ganz schnell im Haus. Oh Mann, diese Frau machte ihn wahnsinnig. Als sie ihm eben so durch die Haare strich, hätte er sie so lange küssen können, bis sie von alleine gesagt hätte, das sie bei ihm bleibt. Und dann dieses WIR bekommen Besuch. Da hatte sich ein so warmes Gefühl in seinem Bauch breitgemacht.

Marie öffnete noch immer lachend die Haustür und vor ihr standen Shane, Gil, Nicky, Geo, Mark und Sarah. Alle schauten sie fragend an. "Hallo ihr. Was schaut ihr so?" fragte sie unsicher, als sie ihre Blicke sah. "Ähm ist das vielleicht eine neue Mode, mit Russ im Gesicht rumzulaufen?" fragte Nicky ungläubig. Marie fiel ein, das Kian sie eben mit seinem Finger berührt hatte. "Ach das, das ist vom Grill. Keine Panik. Ich bin nicht auf dem Kriegspfad", lachte Marie und machte einen Schritt an die Seite, damit die anderen eintreten konnten. "Ich hatte mir schon überlegt, wieder zu gehen, nicht das du mich noch angreifst", grinste Mark. "Keine Angst, ich bin ganz friedfertig", erwiderte Marie lachend. Kian kam ihnen entgegen, die dreckigen Hände vor sich her haltend und rief nur: "Aus dem Weg." Dabei tat er so, als ob er ins Gästebad gehen wollte, um sich die Hände zu waschen, trat aber ganz schnell einen Schritt auf Marie zu, die nicht damit rechnete und strich ihr mit dem Daumen über die Wange. Dann lief er schnell ins Bad, drehte sich noch mal grinsend um. "Süße, du solltest dich mal waschen, bist ganz dreckig." Und schon fiel die Tür ins Schloss und man hörte Kian gehässig lachen. "Komm du mir mal wieder raus, Egan. Dann bist du reif", rief Marie ihm hinterher. Die anderen kringelten sich vor lachen. "Ihr beide seid echt zum schießen", lachte Shane. "Kommt jetzt erst mal durch. Wir wollen doch nicht den ganzen Abend hier im Flur rumstehen", meinte Marie und ging mit den anderen auf die Terrasse.

Einige Minuten später kam Kian zurück, begrüßte erst die anderen und hielt sich ein wenig von Marie entfernt, aber nicht ohne sie anzugrinsen. Marie warf ihm nur böse Blicke zu, die ihm bedeuten sollten, das die Rache noch kommen würde. Das zauberte aber nur noch ein dickeres Grinsen auf sein Gesicht. Dann stellte er sich an den Grill und legte die Steaks drauf. Shane nahm zwei Bier vom Tisch, stellte sich zu Kian und unterhielt sich mit ihm über alles mögliche. Der Rest versammelte sich am Tisch und fing auch Gesprächsthemen an. Es wurde ein geselliger Abend, an dem einiges getrunken und auch viel gelacht wurde. Irgendwann standen oder saßen ein paar Trüppchen irgendwo und unterhielten sich. Kian stand etwas abseits mit Nicky und Geo am Pool und unterhielt sich angeregt. Ganz zufällig und möglichst unauffällig ging Marie auf die drei zu und stellte sich dazu. Kian schien an den Vorfall von früher schon gar nicht mehr zu denken, da er sie freundlich anlächelte. Marie wechselte einige Worte mit Geo, grinste sie dann hämisch an und gab Kian, der mit dem Rücken zum Pool stand, einen Stoß. Der fiel im hohen Bogen hinein und ging unter. Marie stellte sich an den Rand und legte ein noch gehässigeres Grinsen auf. Prustend tauchte Kian wieder auf und schaute Marie böse an. "Ich habe dir gesagt, das die Rache noch kommen würde. Man sollte sich einfach nicht zu sicher sein", meinte Marie und lachte. Der Rest war auch am gröhlen und am lachen. "Marie, das wird dir noch leid tun", drohte Kian, aber Marie lachte nur noch mehr. Shane schlich sich von hinten an und packte Marie an die Oberarme. "Marie Johnson, ist das denn die feine irische Art? Tut mir ja wirklich leid, aber ich werde diese Tat rächen müssen, Das bin ich meinem Freund schuldig", meinte er dann mit einem Lachen. Marie drehte sich zu ihm um und meinte dann: "Shane. Das ist eine Sache zwischen Kian und mir. Misch dich da nicht ein. Und außerdem hat er angefangen." Sie schaute Shane bittend an. Was Marie aber nicht ahnen konnte, es handelte sich um ein Ablenkungsmanöver von Shane. Während sie auf ihn einredete, war Kian aus dem Pool geklettert und baute sich hinter sie auf. "Shane, Marie hat Recht. Das mache ich selber." In diesem Moment nahm er sie schon auf den Arm, trug sie die zwei Schritte zum Rand und sprang mit ihr hinein, bevor Marie überhaupt begreifen konnte, was passierte. "Shane Steven Filan, du bist hinterlistig, fies und gemein", meinte nun Gil zu ihrem Mann, der lachend am Pool stand und sich diebisch über seinen gelungenen Trick freute. Dann gab auch sie ihm einen Schubs und er landete kreischend im Pool. Es kam wie es kommen musste, es dauerte nicht so lange, und alle lagen im Pool und tauchten sich gegenseitig unter.

Am nächsten Morgen wachte Marie durch Gehopse auf ihrem Bett auf. Jamie hüpfte auf er Matratze auf und ab. "Oh Mann, Jamie, was soll das?" murrte Marie ihren Sohn an. "Guten Morgen Mummy. Daddy sagt, wenn du nicht in zehn Minuten beim Frühstück bist, dann kommt er hoch und weckt dich auf seine eigene Art. Du sollst an gestern Abend denken." Jamie ließ sich neben sie fallen und schaute sie fragend an. "Mummy, was war gestern Abend?" "Dein werter Herr Vater hat mich gestern Abend ganz gemein in den Pool geworfen", antwortete Marie. "Aber warum?" Jamie konnte gar nicht glauben, das sein über alles geliebter Daddy so gemein sein konnte. "Weil er gemein, fies und hinterhältig ist." Es war schon gemein, Jamie gegen Kian aufzuhetzen, aber Kian sollte nicht das letzte Wort in dieser Sache haben. "Vielleicht solltest du unserem Sohn auch erzählen, was du vorher gemacht hast." Kam plötzlich eine Stimme von der Tür. Marie zuckte leicht zusammen. Warum musste Kian eigentlich immer im falschen Moment auftauchen. Sie sah zur Tür und betrachtete Kian, wie er dort lässig und grinsend im Rahmen stand. "Mummy?" fragte Jamie jetzt mit einem vorwurfsvollen Tonfall ins seiner Stimme. Marie warf Kian einen bösen Blick zu. "Na gut, vorher hab ich ihn reingeworfen. Aber nur weil er mich geärgert hat", versuchte Marie sich vor ihrem Sohn zu rechtfertigen. Jamie verdrehte seine kleinen blauen Augen, schaute genervt zwischen seine Eltern hin und her und meinte dann ziemlich altklug für sein Alter: "Ihr benehmt euch wie kleine Kinder." Dann krabbelte er von Maries Bett und ging nach unten. Marie und Kian schauten sich an und fingen an zu lachen. "Deine Erziehung", meinte Marie dann nur und warf ihre Bettdecke an die Seite, um aufzustehen. "Wieso meine Erziehung. Ich denke, du nimmst auch genug dran Teil", konterte Kian. Er betrachtete Marie, wie sie aus dem Bett stieg, in diesem Nichts von Nachthemd. Solche Teile gehörten verboten. Es verbarg weniger, als es zeigte. Und das schlimmste war, Marie schien sich ihrer Ausstrahlung überhaupt nicht bewusst. Kian musste schwer schlucken und verschwand mit einem hastigen: "Ich bin unten."

Als Marie unten in der Küche ankam, saßen ihren beiden Männer bereits am Tisch und diskutierten über Sport. Marie setzte sich dazu und schnappte sich ein Brötchen aus dem Korb. "Und was müssen wir heute noch alles erledigen?" fragte sie dann an Kian gerichtet. "Hm, lass mich mal eben überlegen. Also die Getränke kommen heute Mittag, genauso wie Bänke und so weiter. Das hatte ich heute morgen schon abgeklärt, genauso das Essen, was heute gegen Abend gebracht werden soll. Deine Liste hab ich auch schon abtelefoniert. Also müssen wir nur noch den Garten etwas festlich machen. Ein paar Lampions aufhängen, Fackeln hinstellen und so", überlegte Kian. Marie nickte und meinte dann: "Sag mal, wann bist du denn aufgestanden, das du schon so viel organisiert hast?" "So gegen sieben, konnte nicht mehr schlafen." "Darf ich euch helfen?" warf Jamie jetzt ein. "Klar Champ, wir beide übernehmen das Schmücken. Ist schließlich hochwichtig und somit Chefsache", band Kian seinen Sohn in die Planung mit ein und der freute sich riesig. Marie musste über die beiden lächeln.

Nach dem Frühstück fingen sie an, alles weitere vorzubereiten, womit sie dann auch gegen Mittag fertig waren, gerade als die Getränke geliefert wurden. Kian dirigierte alles, damit alles klappte. Marie hatte nicht so viel zu tun, wobei sie schon ein schlechtes Gewissen bekam, da es ja eigentlich ihre Feier war und sie so alles hätte organisieren müssen. Nachdem auch das erledigt war beschloss Marie, sich ein wenig in die Sonne zu legen. Sie ging nach oben, zog sich um, schnappte sich ein Buch und legte sich in den Garten. Kian und Jamie alberten im Pool herum und hatten sichtlich Spaß. Gegen drei Uhr meinte Kian dann. "Ich bringe eben Jamie weg und fahr noch schnell bei meinen Eltern vorbei. Mum wollte mir noch was mitgeben. Aber ich denke das ich in spätestens zwei Stunden wieder da bin." "Ist gut, ich werde mich noch ein wenig brutzeln lassen. Diese Gelegenheit werde ich bald wohl nicht mehr so häufig haben, wenn man das Londoner Wetter bedenkt", meinte Marie lächelnd und las weiter in ihrem Buch. Kian war froh, einige Zeit hier wegzukommen. Marie die ganze zeit in ihrem knappen Bikini in seinem Garten liegen zu sehen, ging über seine Kräfte hinaus.

Fast wäre Marie über ihrem Buch eingeschlafen, als plötzlich ihr Handy klingelte. "Ja, Johnson", meldete sie sich. "Hi Marie, hier ist Steven", meldete sich Steven am anderen Ende. "Hallo, was gibt’s? Sag jetzt nicht, das du heute Abend nicht kannst", meinte Marie enttäuscht. "Doch ich bin schon da. Ich steh vor deinem Haus, aber es sieht so aus, als ob du nicht da wärst", lachte Steven. "Oh shit, hat Kian dich etwa vergessen anzurufen. Die Feier findet hier bei Kian statt, da mein Haus schon leergeräumt ist", meinte Marie und runzelte die Stirn. Hatte Kian etwas absichtlich Steven nicht angerufen, oder hatte er die Nummer wirklich übersehen. "Ach so". Marie erklärte Steven den Weg zu Kians Haus und verabschiedete sich von ihm.

Nachdem Marie aufgelegt hatte, ging sie in die Küche, um Kaffee aufzubrühen. Gerade als sie die Tassen aus dem Schrank holte, sah sie wie Steven schon vorfuhr. Sie freute sich irgendwie, Steven wiederzusehen und lief gleich an die Tür. "Hallo Steven", begrüßte sie ihn, als er vor ihr stand und nahm ihn in den Arm. "Hallo Marie, Nette Begrüßung", meinte er schelmisch mit einem Blick auf ihren Bikini. "Steven, du flirtest du wohl nicht mit mir?" Marie lachte laut auf. "Aber, aber. Ich doch nicht", verteidigte Steven sich. "Komm rein. Ich freue mich wirklich, dich wiederzusehen", meinte Marie und ging mit ihm durchs Haus. "Nett hast du es hier", meinte Steven beeindruckt. "Ist ja nicht meins, bin nur Gast hier. Da in meinem Haus schon alles zusammengeräumt ist, hat Kian uns angeboten, die letzte Woche beim ihm zu wohnen, bis wir nach London gehen", erklärte Marie Steven, während sie sich auf die Terrasse setzten. "Also hat sich das bei euch beiden wieder eingerenkt?" fragte Steven nach. "Ja soweit ist alles wieder in Ordnung?" erwiderte Marie und schaute Steven dabei traurig an. "Aber ansonsten hat sich nichts geändert?" "Nee, hatte ich auch nicht mit gerechnet, das das passieren würde", meinte Marie auch wenn unterschwellige Hoffnung in ihrer Stimme mitschwang. "Ich werde mein bestes tun, um dich in London auf andere Gedanken zu bringen", versprach Steven ihr lächelnd. "Und was gibt es neues bei dir?" lenkte Marie das Gespräch jetzt auf ein anderes Thema. Steven wurde leicht rot und schien verlegen. "Also...ähm... ja. Ich habe da jemanden in London kennen gelernt", stammelte er. "Wie jetzt echt? Wer ist sie? Wie heißt sie?" Marie war ganz aufgeregt. "Sie heißt Susan, ist 34 Jahre alt und arbeitet in meiner Abteilung. Es hat mich voll erwischt. War Liebe auf den ersten Blick." Stevens Augen leuchteten mit der Sonne um die Wette. "Warum hast du sie nicht gleich mitgebracht?" wollte Marie wissen. "Das wollte sie nicht. Sie wollte nicht so ins Haus fallen. Und sie kennt hier doch niemanden. Sie fühlte sich unwohl dabei. Aber du lernst sie dann ja bald kennen", erklärte Steven. "Oh Mann Steven, ich freu mich so für dich", jubelte Marie und schlang die Arme um ihn, um ihn ganz fest zu drücken.

"Sag mal Marie, wer parkt denn da.... Oh", war auf einmal Kians Stimme aus dem Haus zu vernehmen. Marie löste sich von Steven und drehte sich um. "Da bist du ja schon wieder. Sieh mal, Stehen ist schon da", meinte Marie lächelnd. Das Lächeln verschwand aber, als sie Kians Gesicht sah. "Kian ist was passiert?", fragte sie besorgt, da Kian sie mit einem ernsten Gesichtsausdruck ansah. Kian kam zu ihnen herüber und begrüßte Steven mit einem festen Handschlag. Dabei schaute er ihn nicht gerade freundlich an. Dann wand er sich wieder an Marie. "Nee, ist alles in bester Ordnung", meinte er dann. "Ist noch Kaffee da?", fragte er dann. Marie nickte und schaute ihn dabei immer noch besorgt an. "Dann hol ich mir mal eben eine Tasse." Und schon war er wieder im Haus verschwunden. In der Küche musste Kian sich erst mal an der Arbeitsplatte abstützen. Es hatte ihm einen Schlag versetzt, Marie und Steven in so inniger Umarmung zu sehen. Was hatte dieser Typ hier zu suchen? Er hatte ihn doch extra nicht informiert, das die Party bei ihm stattfinden sollte und nicht bei Marie. Mist! Hatte Mark doch Recht mit seiner Theorie? Am liebsten würde er diesen Kerl aus seinem Haus schmeißen. Aber das ging nicht, da Marie dann mitgehen würde und Kian verachten würde. Er durfte sich erst mal nichts anmerken lassen, egal wie schwer es ihm fallen würde. Er nahm sich eine Tasse aus dem Schrank, atmete noch ein paar Mal tief durch und ging dann wieder zurück auf die Terrasse.

Steven musste lächeln, als Kian wieder aus dem Haus kam. Er zog ein Gesicht, als hätte man ihm gerade das Lieblingsspielzeug weggenommen. Steven wurde so langsam einiges klar. Von wegen, die Liebe die Marie für Kian empfand war nur einseitig. Diese Eifersucht in Kians Augen, als er Marie und Steven in der Umarmung gesehen hatte, sprach Bände. Normalerweise hätte Steven dabei sofort tot umfallen müssen. Aber warum ließ Kian Marie dann gehen? Er verstand nicht, warum Liebe immer so schwierig sein musste. Bei ihm war es doch so einfach gewesen. Es versprach ein interessanter Tag und Abend zu werden. "Ach Marie, hab ich dir eigentlich schon gesagt, das ich bis nächsten Freitag bleiben werde. Ich habe hier noch einiges zu erledigen und so können wir am Freitag gemeinsam nach London fliegen", bemerkte Steven und schaute dabei Kian lächelnd an. "Oh das ist aber schön. Was hast du denn mit deinen Mädchen gemacht, wenn du eine Woche nicht in London bist?", fragte Marie. "Die habe ich mitgebracht. In London sind noch Ferien. Sie sind jetzt bei meinen Eltern", erklärte Steven.

Kian wusste nicht, wie er den restlichen Nachmittag überstanden hatte, ohne auszuflippen. Dieser Steven grinste ihn andauernd nach dem Motto an - ich werde sie mir schnappen. Marie hatte kaum noch mit ihm gesprochen, war total auf diesen Steven fixiert gewesen. Und das schlimmste war, das der jetzt noch fast eine ganze Woche hier sein würde. Dabei hatte Kian sich die Woche so schön vorgestellt. Marie war in seinem Haus und somit in seiner Nähe. Gegen sechs Uhr kam dann endlich der Cateringservice und so konnte sich Kian endlich um was kümmern und musste nicht herumsitzen und höflich Konversation treiben. Marie war nach oben gegangen, um sich für den Abend zurecht zu machen und auch Steven war noch mal losgefahren, um sich umzuziehen. Endlich konnte Kian wieder frei durchatmen. Gerade als er die Leute vom Catering wieder zur Haustür brachte kamen Shane, Gil, Nicky und Geo um die Ecke. "Hi Lads, was macht ihr denn schon hier?", begrüßte er die vier. "Wir dachten, das wir vielleicht noch etwas bei den Vorbereitungen helfen können", meinte Geo und gab Kian einen Kuss auf die Wange. Nachdem Kian alle begrüßt hatte, gingen sie hinaus in den Garten. "Eigentlich haben wir soweit alles fertig. War ja nicht so viel zu tun", entgegnete Kian und bot allen was zu trinken an. Dann setzten sie sich an den großen Tisch und unterhielten sich. Kian war aber irgendwie nicht wirklich bei der Sache. Ihm schlug noch immer der Nachmittag auf das Gemüt. Irgendwann ging er dann kurz in die Küche, um noch was zu holen. Auf dem Rückweg sah er wie Marie die Treppe herunterkam. Sie sah einfach atemberaubend aus. Sie hatte ein blaues Sommerkleid an, das sich wie Seide um ihren Körper schloss. Es war gerade lang genug, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen, aber so kurz, das es einem fast den Verstand raubte. Ihre langen blonden Haare hatte sie raffiniert hochgesteckt und einzelne Strähnen fielen ihr auf die Schultern. Sie sah aus wie ein Engel. Kian wusste nicht, was er sagen sollte oder tun sollte. Es hatte ihm die Sprache verschlagen. Wenn er sie nicht schon so lieben würde, dann hätte er sich jetzt auf der Stelle in sie verliebt. "Wow, du siehst hervorragend aus. Alle Männer werden dir heute Abend zu Füßen liegen", meinte Kian noch immer ganz atemlos. Marie schien seine Aussage in Verlegenheit zu bringen, da sie leicht errötete. "Danke", meinte sie leise. "Shane, Gil, Geo und Nicky sind schon da. Ich geh dann auch eben mich fertig machen. Bin gleich wieder da", meinte Kian nun und lief hastig die Treppe hinauf. Als er oben in seinem Schlafzimmer war setzte er sich erst mal aufs Bett. Er hörte unten die anderen. Nicky pfiff gerade anerkennend, also war Marie im Garten angekommen. "Mensch Marie, wen willst du denn heute noch verführen? Du siehst fabelhaft aus", bemerkte Shane. "Jetzt hör aber auf. Das ist doch nur ein normales Kleid - nichts besonderes", protestierte Marie. Kian stand von seinem Bett auf und trat ans Fenster. Ja sicher Marie, ein ganz normales Kleid hat bestimmt auch so einen weiten Rückenausschnitt, dachte Kian grinsend und ging ins Bad, um sich zu duschen. Das konnte ja ein heiterer Abend werden, an dem Kian seine Hormone wieder stark unter Kontrolle behalten musste.

Die Party war im vollen Gange und alle hatten viel Spaß. Marie stand gerade mit einigen Arbeitskollegen und Steven zusammen und unterhielt sich, als Steven sie um den nächsten Tanz bat. Lächelnd nahm Marie an und ging mit ihm auf die provisorische Tanzfläche am Pool. Vorsichtig nahm Steven Marie in seine Arme und fing an sich zur Musik zu bewegen. "Du siehst heute Abend großartig aus. Wenn ich nicht frisch verliebt wäre, käme ich glatt ans überlegen", murmelte Steven etwas leiser. Marie lachte laut auf. "Steven du bist und bleibst ein Charmeur." "Gut. Ich gehe mal davon aus, das du dich nicht für mich so schick gemacht hast, sondern eher für den Hausherrn, oder?" fragte Steven jetzt schelmisch lächelnd. "Ich habe mich für niemanden schick gemacht. Ich fand das Kleid schön und habe es mir einfach gekauft", erwiderte Marie. Steven schaute sie herausfordernd an. "Na ja, wenn er dabei merkt was er verpasst, kann ich es leider auf nicht ändern", fügte sie noch grinsend hinzu. "Also doch." Steven lachte und zog sie näher an sich heran. Langsam drehte er und sah Kian in einer Ecke stehen, wie er sich mit jemanden unterhielt. Dabei wanderten seine Blicke über die Menge und blieb bei Steven und Marie hängen. Auch durch das etwas schummrige Licht, was durch die eingebrochene Nacht und den Lampions herrschte, konnte Steven die Eifersucht in Kians Augen sehen. Die Hand die sein Bierglas hielt verkrampfte sich. Steven musste lächeln, legte seine Hand vorsichtig auf Maries nackten Rücken und zog sie herum. Wenn Steven so weitermachte, hätte er entweder bald ein blaues Auge oder die beiden würden sich endlich zusammenraufen.

Kian stand mit Shane zusammen und unterhielt sich über die weiteren Projekte mit der Band. Shane hatte ihm eben erklärt das sie am Montag kurzfristig nach Dublin mussten, da sich die Plattenfirma überlegt hatte, das das neue Album doch eher fertig werden musste, als es eigentlich geplant worden war. Kians Stimme sank ins Bodenlose. Jetzt konnte er sich die letzte Woche mit Marie komplett abschminken. Im fiel auf, das er Marie schon einige Zeit nicht mehr gesehen hatte und sein Blick wanderte suchen durch die Partygäste. Als sein Blick am Poll entlang glitt, sah er sie mit diesem Steven tanzen. Sie schienen sich prächtig zu amüsieren. Sie schmiegte sich vertraut an ihn und lachte ihn herzlich an. Wieder schoss diese maßlose Eifersucht durch seinen Körper und er krallte sich an seinem Bierglas fest. Na toll, jetzt hatte dieser Steven auch noch entdeckt, wie Kian sie beobachtete und grinste ihn dämlich an. "Ich bring diesen Kerl um", murmelte Kian gepresst. "Was hast du gesagt?", fragte Shane nach, de Kians Worte nicht ganz verstanden hatte. "Ich sagte, ich geh da gleich hin und hau ihn um." "Aber warum denn? Die tanzen doch nur zusammen." Shane verstand Kians Problem nicht. "Ja und dabei grinst er die ganze Zeit dämlich herüber. So nach dem Motto - Chance vertan, jetzt gehört sie mir. Vielleicht hat Mark doch Recht mit seiner Vermutung." Kian wusste nicht mehr was er denken sollte. "Was hat Mark denn für eine Vermutung?" wollte Shane wissen. "Mark glaubt, das Steven Marie nach London holt, weil er ein Auge auf sie geworfen hat", erzählte Kian Shane von Marks Vermutung. Kian war kurz davor, zu platzen. "Kian du siehst Gespenster. Und außerdem hatten wir das Thema schon mal. Es hilft dir nicht, wenn du eine Schlägerei mit diesem Steve anfängst", ermahnte Shane seinen Freund. Kian musste mal wieder einsehen, das Shane Recht hatte. "Möchtest du auch noch ein Bier?" fragte Kian daraufhin, trank sein Glas in einem Zug aus. Shane nickte. Kian ging los, um von der Theke noch was zu trinken zu holen. Dort sah er eine junge, recht gutaussehende Frau stehen, die ihn freundlich anlächelte. Kian schaute nochmals zurück auf die tanzenden Marie und Steven und beschloss dann, das es an der Zeit war, diesen Abend endlich zu genießen. Er drehte sich zu der Frau um und fing mit ihr ein Gespräch an. Shane und dessen Durst auf Bier vergaß er einfach. Kurz darauf ging er mit Vivien, so hieß die Frau auf die Tanzfläche und zog sie in seine Arme. Was Marie konnte, konnte er schon lange.

Marie tanzte gerade mit Mark und alberte mit ihm herum, als sie Kian mit Vivien, ihrer Arbeitskollegin, tanzen sah. Na toll mit Vivien tanzte er jetzt schon bestimmt zum dritten Mal, aber Marie hatte er den ganzen Abend kaum mit dem Arsch angesehen, geschweige denn mit ihr getanzt. Sie hatte fast das Gefühl, er ginge ihr aus dem Weg. Es war schon sehr spät und die meisten waren schon gegangen. Es war eigentlich nur noch der harte Kern da. Marie hatte diese Feier wirklich genossen und sie merkte auch, das sie einiges getrunken hatte. Vielleicht ein wenig z viel, aber darüber wollte sie sich jetzt keine Gedanken machen. Als das Lied zu Ende war, ging sie an die Theke und holte sich noch ein Glas Torwein, gesellte sich dann wieder zu Mark, der einen großen Schluck von seinem Bier nahm. "Darf ich dich noch einmal auf die Tanzfläche entführen, bevor ich mich verabschiede?" fragte Steven auf einmal hinter ihr. Marie drehte sich lächelnd um und meinte dann. "Wenn du mich so lieb fragst, gerne." Steven nahm ihre Hand und zog sie mit sich. Am Pool angekommen, nahm er sie in den Arm und fing an zu tanzen. "Wollen wir die Woche zusammen essen gehen?" fragte Steven. "Oh ja, das können wir mal machen. Am besten telefonieren wir noch mal zusammen", freute sich Marie über Stevens Angebot. In diesem Moment wurde Kians und Maries Lied gespielt - One moment in time von Whitney Houston. Es war das Lied, was damals bei ihrem ersten Kuss gespielt worden war und dann hatten die beiden es als ihr Lied auserkoren. Marie schaute einmal wehleidig über Stevens Schultern, in der Hoffnung Kian eventuell irgendwo zu sichten. Aber sie konnte ihn nirgendwo sehen.

"Darf ich?" hörte sie plötzlich Kian hinter sich fragen. Maries Herz machte einen Sprung. Sie löste sich aus Stevens Umarmung und drehte sich um. Kian schaute Steven untergründig an und meinte: "Das ist unser Lied." Dann nahm er Maries Hand und zog sie zärtlich in seine Arme. Marie war überglücklich, das Kian es nicht vergessen hatte und schlang wie von Zauberhand ihre Arme um seine Schultern. Ihren Kopf legte sie an seine Brust, atmete tief seinen Geruch ein und schloss die Augen. Sie sprachen kein Wort miteinander sondern genossen einfach nur diese Vertrautheit. Dieser Moment hätte für Marie ewig anhalten können. Kian hätte sich selber auf die Schulter klopfen können. Als er gesehen hatte, das Steven schon wieder mit Marie tanzen wollte, hatte er schnell ihr Lied angemacht und ist zu ihnen rübergegangen. Jetzt hatte er sie in seinen Armen und war zufrieden. Sie fühlte sich so gut an, am liebsten hätte er sie nie wieder losgelassen. Ihr Parfüm lag ihm in der Nase und machte ihn ganz kribbelig. Als das Lied zu Ende ging, hätte er am liebsten ganz schnell auf die Wiederholungstaste gedrückt und Marie wieder in seine Arme gezogen. Sie hob ihren Kopf und schaute ihn intensiv mit ihren wunderschönen Augen an. Es herrschte eine magische Stimmung zwischen ihnen. Als wenn eine unsichtbare Macht ihn dazu zwang, näherte er sich mit seinen Lippen den ihren. Sie waren nur noch Millimeter von einander entfernt und Kian hatte den Kampf gegen diese Macht aufgegeben.

Doch plötzlich wurden sie durch eine Stimme aus ihrem Trancezustand herausgerissen. "Marie. Sorry wenn ich störe, aber wir wollten uns verabschieden." Marie zuckte in Kians Armen kurz zusammen, zwinkerte erschrocken mit den Augen, als wenn es ihr genauso wie ihm gegangen wäre und löste sich von ihm. Missmutig drehte Kian sich in die Richtung aus der die Stimme gekommen war und schaute einem grinsenden Mark ins Gesicht. Kian hätte ihn am liebsten erwürgen können. "Oh Mark, schade das ihr schon gehen wollt", meinte Marie nur leise. "Na ja, schon ist gut. Es ist schon nach vier Uhr. Es war eine tolle Feier, danke für die Einladung", erwiderte Mark lächelnd. Shane, Gil, Geo und Nicky gesellten sich dazu, um sich auch zu verabschieden. "Danke, das ihr alle da wart", meinte Marie und nahm jeden in den Arm. "Wir sehen uns die Tage bestimmt noch mal, bevor du abreist", meinte Shane und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Wir werden uns dann wohl erst mal nicht mehr sehen. Wir fahren morgen zurück nach Dublin. Also mach es gut und meld dich mal", meinte Nicky ein wenig traurig und drückte sie ganz fest an sich. Er und Geo hatten bei Shane übernachtet, da sie ursprünglich in Dublin lebten. Kian brachte seine Freunde zur Haustür. "Ich hoffe wirklich, das ich nicht bei irgendwas gestört habe", meinte Mark leise zu Kian und grinste immer noch. "Feehily halt die Klappe oder das Lachen wird dir vergehen", grummelte Kian. "Ok ok, ich habe verstanden", lachte Mark noch immer und sah zu, das er aus Kians Reichweite kam.

Nachdem Kian seine Freunde verabschiedet hatte, ging er wieder zurück zur Party. Es waren nur noch diese Vivien, Steven und noch so ein Typ da. Es sah aber danach aus, als wollten auch die sich so langsam verabschieden. Kian konnte es nur Recht sein, so müsste er diesen Steven nicht länger ertragen. Marie brachte die restliche Gruppe zur Tür, während Kian anfing, leere Gläser und Geschirr einzusammeln. Da hatten sie morgen aber noch einiges zu tun, um hier wieder alles auf Vordermann zu bringen. Kurze Zeit später kam Marie zurück und meinte müde. "Wollen wir das nicht auf später verschieben? Ich bin hundemüde." Kian schaut auf und sah in diese geliebten Augen. "Du hast Recht, lass uns das nachher machen", meinte er lächelnd, ging auf sie zu und nahm sie in den Arm. Nachdem er ihr einen leichten Kuss auf ihr Haar gedrückte hatte, führte er sie ins Haus und sah nach, das alles verschlossen war. Dann gingen sie gemeinsam die Treppe hoch und Kian geleitete Marie noch bis zu ihrem Zimmer. "Dann schlaf gut", meinte er dann, gab ihr einen Kuss auf die Wange. Keiner hatte bis jetzt angesprochen, was beim Tanzen zwischen ihnen gewesen war. Sollte es auch bleiben? "Wünsch ich dir auch. Bis nachher", erwiderte Marie. "Marie... ich....", stotterte Kian. "Ja?" fragte Marie vorsichtig nach und schaute ihn erwartungsvoll an. Wieder verließ Kian der Mut. Dabei hätte die Situation nichts besser sein können. Immerhin hätten sie sich eben beinah wieder geküsst. Aber er hatte Angst, wahnsinnige Angst. "Es war eine schöne Feier", murmelte Kian nur. Marie nickte. "Ja fand ich auch. Also bis später", meinte sie noch, drehte sich um und ging in ihr Zimmer.

Also Marie einige Stunden später wieder erwachte, hatte sie ziemliche Kopfschmerzen. Das letzte Glas Rotwein war wohl nicht so gut gewesen, dachte Marie grummelig. Mühsam erhob sie sich und schleppte sich unter die Dusche. Mit einem Blick auf die Uhr erkannte sie, das es schon nach Mittag war. Im Haus war es ganz ruhig, es schien also, das Kian noch im Land der Träume war. Nach der Dusche zog sie sich eine kurze Hose und ein Top an, band ihre Haare zusammen und ging nach unten in die Küche, um sich einen Kaffee zu kochen. Von Kian war nirgendwo etwas zu sehen. Nachdem sie den Kaffee aufgesetzt hatte, suchte sie in den Schränken nach Kopfschmerztabletten, die sie glücklicherweise auch fand. Mit einer Tasse Kaffee ging sie dann auf die Terrasse und setzte sich erst mal hin. Sie ließ ihren Blick durch den Garten wandern und ihre Laune sank noch mehr. Es sah aus, wie nach einem Bombeneinschlag. Überall standen Gläser, Flaschen und Teller herum. Es würde ewig dauern, bis das wieder alles aufgeräumt war. "Guten Morgen, Süße", tönte es auf einmal hinter ihr. Marie brummt nur etwas vor sich hin. "Oh, geht es dir nicht so gut?", fragte Kian scheinheilig, als er sich ebenfalls mit seiner Tasse Kaffee auf einen der anderen Stühle setzte und grinste sie an. "Egan, hör auf zu grinsen", knurrte Marie. "Hast du schon eine Tablette genommen?", fragte Kian jetzt besorgt. Marie nickte nur vorsichtig, denn jede heftige Bewegung brachte noch mehr Schmerzen. Kian stand auf, kam auf sie zu und zog sie an ihrer Hand hoch. "Komm mal mit", meinte er und führte sie zu einer der Sonnenliegen. "Setz dich mal hin", forderte er sie auf. Marie ließ sich auf die Liege nieder, Kian setzte sich hinter sie und begann ihre Schläfen zu massieren. "Hm, tut das gut", seufzte Marie wohlig und schloss die Augen. Entspannt lehnte sie sich an Kian und genoss die Massage. Kian ließ sich an die Rückenlehne sinken und zog sie näher an sich heran, so das sie halb auf ihm lag. "Und hilft es? Geht es dir schon besser?", fragte er nach einiger Zeit. "Hm, noch fünf Minuten und ich bin eingeschlafen", murmelte Marie schläfrig. "Ach und wer beseitigt das Chaos in meinem Garten?" fragte Kian gespielt entrüstet. "Tja, da bleiben ja nicht so viele übrig. Und wie sagtest du gerade so schön - DEIN Garten", kam es von Marie grinsend. Abrupt stoppte Kian mit seiner Massage, was ihm ein Mucken von Marie einbracht. "Hey, so geht das nun nicht. Entweder du hilfst mir jetzt, dieses Chaos zu beseitigen oder ich muss dich leider mal wieder in den Pool werfen", wetterte Kian los. Stöhnend erhob Marie sich. "Na gut, na gut. Aber wenn wir fertig sind, machst du weiter", forderte sie. "Na das muss ich mir dann aber noch gründlich überlegen", grunzte Kian und stand auf. Marie folgte ihm und legte ihre Arme von hinten um seinen Bauch. "Biiitttteee", flehte sie in Jamies Stimmlage. "Nur weil das bei deinem Sohn immer funktioniert, heißt das nicht, das es bei dir genauso ist", versuchte Kian sich nicht von Marie einlullen zu lassen. "Pöh, dann such ich mir halt jemand anderen, der mich lieb hat und mich massiert. Ich brauch dich nicht", spielte Marie jetzt beleidigt, drehte sich um und fing an aufzuräumen. Kian blieb wie vom Schlag getroffen stehen und schaute Marie sauer hinter her. "Ja, genau tu das. Ich denke Steven wird dir mit größter Freude helfen", zischte er und stiefelte ins Haus. Marie drehte sich erschrocken um und schaute Kian ungläubig hinterher. Was war denn mit ihm auf einmal los, fragte sie sich. Schnell schnappte sie sich ein paar Gläser und ging ihm hinterher. "Kannst du mir mal bitte verraten, was dich auf einmal für eine Zecke gebissen hat?", fragte Marie ungläubig, als sie ihn in der Küche fand. Kian stand mit dem Rücken zu ihr am Fenster und starrte hinaus. "Nichts. Es ist nichts", brummelte Kian, ohne sich zu ihr umzudrehen. "Wir kaspern herum und auf einmal schreist du mich an und jetzt ist nichts? Willst du mich verarschen?", fragte Marie. "Vergiss einfach, was ich eben gesagt hatte. Es hatte nichts zu bedeuten", versuchte Kian vom Thema abzulenken. "Und wenn ich es nicht vergessen will? Natürlich hatte es was zu bedeuten. Du sagst nie etwas ohne Bedeutung", ließ Marie nicht locker. "Ja du hast Recht, es hatte was zu bedeuten, aber ich will nicht drüber reden. Verdammt." Kian drehte sich jetzt um und funkelte sie an. "Aber wenn du was auf dem Herzen hast, sprich...", versuchte Marie weiter herauszufinden, was auf einmal mit ihm los war, aber er schnitt ihr grob das Wort ab. "Kümmere dich gefälligst um deine eigenen Sachen und lass mich verdammt noch mal in Ruhe", meinte er unwirsch und verließ polternd die Küche. Mit einem lauten Knall fiel die Haustür ins Schloss und Marie war allein im Haus.

Sie hatte absolut keine Ahnung, was hier in den letzten Minuten passiert war. Sie war verletzt und sie war traurig über Kians Worte. Sie sollte sich nicht in sein Leben einmischen, sie hatte dort nichts zu suchen. Das war mehr als deutlich gewesen. Niedergeschlagen nahm sie sich ein Tablett aus der Ecke und ging wieder in den Garten, um das ganze Geschirr einzusammeln. Nachdem alles in der Spülmaschine verstaut war und die leeren Flaschen einsortiert waren, nahm sie die Girlanden und Lampions ab. Alles geschah mehr oder weniger mechanisch, sie dachte nicht großartig darüber nach, was sie da tat. Ihre Gedanken waren immer noch bei den Geschehnissen mit Kian und sie grübelte immer noch, warum er auf einmal so komisch gewesen war. Was hatte sie ihm denn getan? Sie war sich keiner Schuld bewusst. Gerade als sie soweit alles zusammengeräumt hatte und es schon um einiges besser im Garten aussah als am Morgen, klingelte Maries Handy. Missmutig nahm sie das Gespräch entgegen. Aber es sprach auch leise Hoffnung in ihr, das es eventuell Kian war und endlich Licht in die verworrene Sache kam. "Ja?", meldete sie sich. "Marie? Ich bin es Steven", meldete sich eine Stimme am anderen Ende der Leitung. "Hi Steven." "Marie? Ist was? Du hörst dich so komisch an", fragte Steven besorgt nach. "Nee, alles in Ordnung. Bin nur noch etwas müde", versuchte Marie abzulenken. "Marie ich kenn dich. Hast du wieder Ärger mit Kian?", harkte Steven noch mal nach. Marie grunzte daraufhin nur. "Aha, also Volltreffer. Was hältst du davon, wenn ich dich ablenke und wir heute Abend essen gehen?" Steven musste lachen. Marie überlegte kurz. Eigentlich war es eine gute Idee heute Abend auszugehen. So brauchte sie sich nicht noch mal die Launen von Kian antun. "Ist ne gute Idee. Lass uns das machen", stimmte Marie zu, wenn auch nicht euphorisch. "Super, dann hol ich dich so gegen sieben Uhr ab. Ist das in Ordnung?" Steven freute sich anscheinend sehr über die Verabredung. "Ja, ist gut", erwiderte Marie und verabschiedete sich von Steven.

Währenddessen fuhr Kian ziellos durch die Gegend und hätte sich für sein Verhalten in den Arsch treten können. Wie hatte er wegen einer so lapidaren Bemerkung von Marie so aus der Haut fahren können. Ihr war doch noch nicht einmal bewusst gewesen, das sie was falsches gesagt hatte. Nun hatte den Salat und konnte zusehen, wie er Marie eine glaubwürdige Ausrede auftischte, ohne sich noch mehr in die Sache reinzureiten. Aber als sie gesagt hatte, das sie sich jemand anderen suchen will und ihn nicht brauchen würde, sind bei ihm sämtliche Sicherungen durchgebrannt. Diese Worte hatten ihn verletzt, auch wenn sie von Marie nicht ernst gemeint gewesen waren. Nur was sollte er jetzt tun? Jetzt konnte er noch nicht zurückfahren, da er noch immer keine passende Ausrede parat hatte. Ihm kam der Gedanke, Jamie von seinem Freund abzuholen und mit ihm seine Eltern zu besuchen, dort konnte er dann noch mal in Ruhe nachdenken, bevor er sich Marie stellte.

Gegen sechs Uhr war Kian immer noch nicht aufgetaucht. Maries Laune sank immer mehr und dazu kam jetzt auch noch Wut. Was bildete sich dieser Kerl eigentlich ein. Sie hier anzuschreien, dann das Haus zu verlassen und stundenlang nichts von sich hören zu lassen. Völlig frustriert ging Marie duschen und sich für den Abend zurecht machen, damit sie pünktlich um sieben Uhr fertig war, damit Steven nicht warten musste. Eine Zeitlang stand sie ratlos vor dem Schrank und wusste nicht was sie anziehen sollte. Da es immer noch ungewöhnlich warm war, entschloss sie sich für einen kurzen Rock und einer passenden Bluse dazu. Ihre Haare kämmte sie sich so lange, bis sie ihre seidig über die Schultern fielen. Sie war gerade dabei, die passenden Sandalen anzuziehen, als die Tür aufging und Jamie herein kam. "Mummy, Da bin ich wieder. Oh Mann, bist du wieder schick." "Hallo Schatz. Na wie war es bei Adam?" Marie drückte Jamie an sich und gab ihm einen Kuss auf den Kopf. "Toll und dann hat Daddy mich heute Mittag abgeholt und wir sind zu Grandma und Grandpa gefahren", erzählte Jamie ganz begeistert. Marie war kurz vorm Platzen. Sie machte sich den ganzen Tag hier die totalen Gedanken, was diesmal wieder schiefgelaufen war und Kian machte sich einen schönen Tag bei seinen Eltern. "Das freut mich für dich", meinte Marie lächelnd, auch wenn ihr nicht wirklich zum lachen zu Mute war. "Gehst du heute Abend noch aus?" fragte Jamie nun neugierig. "Ja, Steven hat mich zum Essen eingeladen", erklärte Marie ihrem Sohn. "Oh, dann wünsch ich dir viel Spaß", meinte Jamie und zog nachdenklich die Stirn kraus. Aber das sah Marie nicht, da sie weiter ihre Schuhe anzog. Dann nahm sie ihre Tasche und verlies mit Jamie das Zimmer. Jamie verzog sich dann gleich in sein Zimmer.

Marie ging die Treppe herunter und sah auf die Uhr. Sie hatte noch zehn Minuten bis Steven sie abholen wollte. In der Küche traf sie auf Kian, der gerade dabei war, was zu essen zu machen. Marie würdigte ihm keines Blickes und holte sich ein Glas aus dem Schrank. Dann nahm sie sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und schenkte sich was ein. "Gehst du noch weg?" kam jetzt die Frage von Kian, der bemerkt hatte, das sie sich schick gemacht hatte. "Sieht wohl so aus", entgegnete Marie kühl. "Aha und mit wem, wenn man fragen darf?" kam es nun genauso kühl. "Kian, ich soll mich aus deinem Leben heraushalten, also halt du dich auch aus meinem heraus." Marie fixierte Kian sauer, drehte sich dann um und verlies den Raum. Kian kam hinterher. "Ich werde mich aber nicht heraushalten. Was ist denn mit Jamie?", fragte er nun. "Was soll mit ihm sein? Du bist ja da und bald muss er eh ins Bett." Marie funkelte ihn an. "Ach und ganz selbstverständlich habe ich auf ihn aufzupassen und ihn ins Bett zu bringen, oder wie?" Marie verschlug es kurzfristig die Sprache. "Was soll das jetzt heißen?" fragte sie wutentbrannt. "Ja, du gehst aus und lässt andere Leute auf dein Kind aufpassen und ins Bett bringen. Tolle Mutter echt", versetzte Kian ihr den Dolchstoß ins Herz. Marie schaute Kian hasserfüllt an, drehte sich dann wortlos um und lief die Treppe hinauf. Bei Jamies Zimmer angekommen, atmete sie einmal tief ein und aus und ging hinein. "Schatz. Möchtest du mit zum Essen kommen?" fragte Marie lächelnd. "Warum? Kann ich nicht bei Daddy bleiben?" fragte Jamie. "Der hat keine Zeit", antwortete Marie nur. Sie wollte Jamie nicht in die Sache mit hineinziehen. "Na gut", gab Jamie sich geschlagen. Schnell zog Marie ihm ein neues Shirt an, kämmte ihm durch die Haare und nahm ihm mit nach unten. "Was hast du vor?" fragte Kian, als er die beiden herunterkommen sah. "Ich geh jetzt mit MEINEM Sohn essen", antwortete Marie nur eisig. In diesem Moment klingelte es an der Tür. "Marie warte...", rief Kian hinterher. Marie war aber schon im Flur und öffnete die Haustür. Kian konnte erkennen, wer vor der Tür stand und das machte ihn rasend. "Verdammt Marie...", zischte er. "Steven könntest du bitte mit Jamie schon mal zum Wagen gehen, ich komme sofort nach", meinte Marie lächelnd zu ihm, als sie ihn mit einem Kuss auf die Wange begrüßt hatte. Steven schaute zwar kurz fragend, nickte dann aber und ging mit Jamie vor. Marie schloss die Tür und drehte sich um. "Kian ich weiß verdammt noch mal nicht, was heute mit dir los ist. Und ich soll mich ja auch aus deinem Leben heraushalten. Ich lasse mir auch einiges von dir gefallen, aber das eben war zuviel des guten", schrie Marie los. "Marie es tut mir...", versuchte Kian dazwischen zu kommen. "Wag es nie, nie wieder mir zu unterstellen, das ich mich nicht um mein Kind kümmere, nie wieder hast du das verstanden?" "Marie, verzeih..." "Kian, das was du eben von dir gelassen hast, ist nicht zu verzeihen", meinte Marie auf Kians Einwurf nur ernüchtert, drehte sich um und verließ das Haus.

"So eine verdammte Scheiße. Egan du bist so ein verfluchter Idiot", schrie Kian jetzt, als er allein im Haus war und schmiss das Glas, das er bis eben in der Hand gehalten hatte, mit voller Wucht an die Wand, was dort zerschellte. "Wie kann man nur so selten dämlich sein. Hast du echt wieder richtig klasse hingekriegt", meckerte er weiter. Nachdem er die Scherben aufgesucht hatte, ging er zum Schrank herüber, holte sich eine Flasche Whiskey und ein Glas heraus und goss sich was ein. In einem großen Schluck kippte er die Flüssigkeit herunter, um sich dann gleich noch was nachzuschenken. Nach dem dritten Glas nahm er die Flasche und ging auf die Terrasse, wo er sich in einen Sessel fallen ließ. Er hatte es mal wieder komplett versaut. Wenn Marie nun nie wieder mit ihm sprach, konnte er es sogar gut verstehen. Wie konnte er ihr auch unterstellen, keine gute Mutter zu sein? Warum brannte in letzter Zeit eigentlich immer so schnell die Sicherungen in ihm durch? Er war so verliebt, wie noch nie in seinem Leben und das auch noch unglücklich. Wenn er die Sache nicht ganz schnell wieder ins Reine brachte, hätte er Marie verloren und das nicht nur als die Liebe seines Lebens, sondern auch als Freundin. Wieder goss er sich das Glas voll und ließ den Whiskey genüsslich die Kehle herunterlaufen, in der Hoffnung, das der Schmerz weniger wurde. Allein der Gedanken, das Marie jetzt mit diesem Steven bei Kerzenschein saß, machte ihn rasend und es war, als ob jemand ihm das Herz herausreißen würde.

Währenddessen saß Marie mit Jamie und Steven in einem italienischen Restaurant und versuchte noch immer, sich wieder zu beruhigen. Ihr lagen noch haufenweise Schimpfwörter auf der Zunge, die sie Kian hätte an den Kopf werfen können. Steven bestellte eine Flasche Rotwein und Marie schüttete das erste Glas in einem Zug herunter. Jamie schaute sie besorgt an. "Mummy, alles in Ordnung?" "Ja, jetzt geht es mir besser", meinte Marie lächelnd. Zumindest sollte für ihren Sohn alles in Ordnung sein. "Mummy guck mal, wer da hinten sitzt", rief Jamie plötzlich. Marie drehte sich um und sah Jane, mit ihrem Mann und Adam in einer Ecke sitzen. Marie lächelte und winkte freundlich herüber. "Wenn du mir sagst, was du gleich essen möchtest, dann kannst du solange herüber gehen, bis das Essen kommt. Adam scheint sich auch ein wenig zu langweilen", schlug Marie lächelnd vor. "Spagetti mit Tomatensauce", rief Jamie, der schon auf dem Weg zu seinem Freund war. Marie schaute ihrem Sohn lachend hinterher. "Schön, das du wieder lachen kannst. Was war denn schon wieder zwischen dir und deinem Kian?" fragte Steven fürsorglich. Marie erzählte ihm alles, von Kians komischen Benehmen am Mittag bis hin zu den Anschuldigungen eben. "Das ist hart, aber meinst du nicht, das es sich wieder einrenkt?" meinte Steven, als Marie geendet hatte. "Ach so langsam kann mich dieser Scheißkerl mal kreuzweise. Ich bin echt froh, wenn ich den nicht mehr jeden Tag sehen muss", maulte Marie. "Ach komm, wir wissen beide, das du das nicht so meinst. Du liebst ihn doch", schmunzelte Steven. "Aber es setzt Himmel und Hölle in Bewegung, das ich es bald nicht mehr tue." "Jetzt lass uns den Abend genießen und über was anderes reden. Der Rest wird sich auch wieder finden", beschwichtigte Steven und goss Marie noch ein Glas Rotwein ein.

Als Marie einige Stunden später wieder bei Kians Haus ankam, hatte sie sich zwar wieder einigermaßen beruhigt, war aber noch immer stinksauer auf Kian. Steven half ihr, den schlafenden Jamie aus dem Auto zum Haus zu bringen. Marie schloss die Tür auf und Steven gab ihr Jamie auf den Arm. "Wir telefonieren, ja?" fragte er und lächelte sie an. Sie beugte sich zu ihm herüber und gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Danke für den schönen Abend, ich melde mich bei dir", meinte sie dann und wartete bis Steven wieder in seinem Wagen saß und fortfuhr. Dann schloss sie die Tür hinter sich und ging durchs Haus. "Hallo Marie. Warte ich nehm ihn dir ab", hörte sie auf einmal Kian, der in der Wohnzimmertür stand. "Nein danke, nicht das es wieder heißt, ich kümmere mich nicht um meinen Sohn", meinte Marie nur schnippisch und ging weiter die Treppe hoch. "Mensch Marie, es tut mir leid. Ich hätte das nicht...", versuchte sich Kian leise zu entschuldigen, damit Jamie nicht wach wurde. "Kian, es ist mir scheißegal, wie leid es dir tut. Du hast mich wahnsinnig verletzt. Und das ist mit einer simplen Entschuldigung nicht wieder gutzumachen. Lass mich einfach in Ruhe", unterbracht Marie ihn genauso leise, schaute ihm noch mal kurz in seine Augen und ging dann entgültig die Treppe hinauf. Kian schaute ihr traurig hinterher. Sie hasste hin, das war ihm jetzt klargeworden. Es hatte es entgültig versaut. Er ging zurück ins Wohnzimmer, legte sich aufs Sofa und starrte in die Dunkelheit. Ohne das er es verhindern konnte, sammelten sich Tränen in seinen Augen und er fing an zu weinen. Er war einfach nicht fähig dazu, eine Beziehung zu führen, immer machte er alles kaputt. Er rollte sich auf dem Sofa zusammen und ließ den Tränen freien Lauf, in der Hoffnung, das der Schmerz nachlassen würde. Er musste sich einfach damit abfinden, das es vorbei war, vielleicht würde es dann irgendwann wieder besser werden. Irgendwann schlief er ein.

Am nächsten Morgen wachte Marie wieder mit Kopfschmerzen auf und stöhnte leise. Nur diesmal lag es wohl nicht am Alkohol, sondern eher an ihren Sorgen. Am liebsten wäre sie den ganzen Tag im Bett geblieben, damit sie Kian nicht über den Weg laufen musste, aber es nützte alles nichts, sie musste raus. Letzte Nachte hatte sie einen Entschluss gefasst und dadurch hatte sie heute noch einiges zu tun. Mühsam rappelte sie sich hoch und ging unter die Dusche. Nachdem sie lange unter dem heißen Strahl gestanden hatte, ging es ihr ein wenig besser. Sie zog sich was an und ging dann die Treppe herunter. Als sie am Wohnzimmer vorbeikam, sah sie Kian auf dem Sofa liegen und schlafen. Marie trat ein paar Schritte auf den Raum zu und stellte sich in die Tür. Kian sah schrecklich aus. Anscheinend hatte er keine so gute Nacht gehabt, aber warum lag er auf dem Sofa und nicht in seinem Bett? Auf dem Tisch stand eine leere Whiskeyflasche und daneben noch ein halb volles Glas. Na der wird heute einen Schädel haben. Irgendwie tat er ihr leid, wie er so verletzlich dort lag, aber seine Worte von gestern kamen ihr wieder ins Gedächtnis. Der Schmerz saß so tief, das ihr Entschluss trotz des Anblickes feststand. Entschlossen drehte Marie sich wieder um und ging in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen. Als sie einige Zeit später über ihren Kaffee brütete, ging die Tür auf und ein verschlafener, zerknautschter und verkaterter Kian kam herein. "Morgen", murmelte er nur, ging an den Schrank und holte sich eine Tasse heraus. Mit frischen Kaffee setzte er sich an den Tisch und stützte seinen Kopf auf seine Hände. Es blieb lange Zeit stumm zwischen ihnen. "Kian. Ich denke es ist besser, wenn Jamie und ich die letzten Tage in ein Hotel ziehen", meinte Marie leise aber bestimmt, nachdem sie allen Mut zusammengenommen hatte. Es fiel ihr trotz allem schwer, das zu sagen, aber es war wohl wirklich besser für alle. Erst sagte Kian gar nichts sondern starrte nur vor sich hin. Dann schloss er kurz die Augen und meinte dann tonlos: "Nein, brauchst du nicht. Du kannst hier bleiben. Ich bin ja eh ab morgen in Dublin. Dann bist du mich los." Er stand auf und ging aus der Küche. Man hörte, wie er die Treppen hoch ging und oben fiel eine Tür lauter als sonst ins Schloss. Marie schloss resigniert die Augen. Das war es dann wohl.

Den ganzen Tag über sah sie Kian so gut wie gar nicht mehr. Und keiner machte Anstalten, nochmals über die Geschehnisse zu reden. Nachtmittags ging Kian mit Jamie an den Strand, um so nicht mehr in Maries Nähe sein zu müssen. Der Gedanke, sie verloren zu haben machte ihn schier fertig. Sie dann noch zu sehen, brachte ihn fast um. "Daddy, kommst du am Freitag zum Flughafen? Ich will dir noch auf Wiedersehen sagen", fragte Jamie, nachdem Kian ihm erklärt hatte, das er morgen nach Dublin müsse. "Ich kann es dir noch nicht so genau sagen, aber ich werde es auf jeden Fall versuchen", wich Kian etwas aus. Er wollte seinem Sohn nichts versprechen, was er nicht halten konnte. Er wusste nicht, ob er es übers Herz bringen würde, Marie noch mal zu sehen. Als sie gegen Abend wieder kamen, ging er gleich nach oben und packte seine Sachen für die nächsten Tage zusammen. Danach verließ er wieder das Haus, da er es dort einfach nicht mehr aushielt. Vielleicht hatte Mark ja ein wenig Zeit für ihn. Shane wollte er am letzten Abend nicht stören. "Hey Kleiner, was machst du denn hier. Heute ist doch Maries und dein letzter Abend, willst du ihn nicht lieber mit ihr verbringen?" fragte Mark erstaunt, als er seinen Freund vor der Haustür sah. "Kann ich reinkommen oder hast du schon was vor?" fragte Kian statt einer Antwort. Mark ging einen Schritt an die Seite und bedeutete Kian, das er reinkommen soll. Kian ging gleich durch ins Wohnzimmer und ließ sich aufs Sofa fallen. "Hat dir schon mal jemand gesagt, das du hundsmiserabel aussiehst?" fragte Mark, nachdem er sich auch gesetzt hatte. Ihm war aufgefallen, das Kian irgendetwas wirklich bedrückte und er nicht gut aussah. "Danke, ich fühl mich auch so", brummte Kian nur. "Also warum bist du jetzt nicht bei deiner Familie und genießt den letzten Abend?", kam Mark auf seine Frage zurück, als er aus der Küche zwei Flaschen Bier geholt und eine davon Kian gereicht hatte. "Weil ich keine kleine Familie mehr habe", meinte Kian niedergeschlagen und nahm einen großen Schluck aus der Flasche, da er merkte, das ihm wieder die Tränen in die Augen stiegen und er nicht vor seinem Freund anfangen wollte zu flennen. "Hä?" Mark verstand nur Bahnhof. Kian erzählte ihm von den letzten Tagen, was er für einen fucking bullshit fabriziert hatte. Kurz gesagt, er sprach sich alles von der Seele. "Tja und jetzt hab ich sie verloren", schloss Kian und leerte die Flasche in einem Zug. "Hey das kommt wieder in Ordnung", versuchte Mark Kian aufzumuntern. "Es kommt gar nichts mehr in Ordnung. Ich habe es versaut und je eher ich das kapiere, desto schneller komm ich wieder auf die Beine", meinte Kian entschieden, schaute aber nach wie vor niedergeschlagen und ausgelaugt aus den Augen. "Na wer weiß, noch ist nicht aller Tage Abend. Ihr habt euch schon so oft gefetzt und immer gab es eine Versöhnung", ließ Mark nicht locker. "Doch es ist schon tiefe Nacht. Es ist vorbei. Hast du noch ein Bier für mich?" lenkte Kian nun ab. Mark nickte und ging los, um noch eine Runde zu holen. Sie sprachen danach noch einige zeit über alles Mögliche, nur das Thema Marie ließen sie außen vor.

"Daddy?" Kian saß am nächsten Morgen mit einer Tasse Kaffee in de Küche und brütete vor sich hin, als sein Sohn hereinkam und sich auf seinen Schoss setzte. "Was hast du auf dem Herzen Champ?", wollte Kian lächelnd wissen. "Ich werde dich vermissen." Jamie schlang seine kleinen Ärmchen um Kians Hals und drückte ihn fest an sich. "Ich dich auch mein Kleiner, aber ich werde dich ganz bald besuchen kommen." Kian schloss die Augen und drückte Jamie wieder fest an sich. "Und kommst du Freitag zum Flughafen?" Jamie schaute Kian mit hoffnungsvollen Augen an. "Ich werde es versuchen." "Ja bitte." In diesem Moment ging die Tür auf und Marie kam herein. Sie sah sehr übernächtigt aus. "Morgen", murmelte sie und ging sich einen Kaffe holen. "So Champ, ich muss dann mal los", meinte Kian dann zu seinem Sohn und drückte ihn noch mal. "Ich hab dich lieb Daddy", murmelte Jamie. "Ich hab dich auch ganz doll lieb. Und pass mir gut auf deine Mum auf, ok?" erwiderte Kian, setzte Jamie auf den Boden ab und stand auf. Er ging zur Spüle, stellte seine Tasse ab und schaute zu Marie. "Ich meld mich", meinte er dann nur. Marie nickte, sah ihn aber nicht an. Kian streckte seinen Arm aus und wollte sie so gerne berühren, ließ den Arm dann aber wieder sinken. Er drehte sich um und ging zur Tür. "Kian?" kam es jetzt von Marie. Kian drehte sich noch mal um und schaute sie fragend an. "Pass auf dich auf", meinte sie dann nur. Kian nickte, hob die Hand zum Gruß und ging. Marie schaute ihm durch das Fenster hinterher, wie er zu seinem Wagen ging, die Tasche in den Kofferraum stellte und einstieg. Am liebsten wäre sie hinterher gerannt. Sich so von ihm zu trennen tat ihr unendlich weh, aber andererseits war sie zu stolz, den ersten Schritt zu machen. Sie hasste ihren Stolz.

Die nächsten Tage waren für Kian die absolute Hölle. Die Arbeit erledigte er wie in Trance, aber wirklich mitbekommen was er da machte, tat er nicht. Es war ihm auch irgendwie total egal. Er schlief nachts nicht und abends saß er dann an der Hotelbar und versuchte seinen Kummer zu ertränken. Die anderen machten sich ziemliche Sorgen um ihn, da ihnen nicht verborgen blieb, wie sehr er litt. "Kian, jetzt red doch noch mal mit ihr, so kann es doch nicht
weitergehen", forderte Mark ihn auf, als er seinen Kumpel wieder an der Bar sitzen sah. "Nein - hätte eh keinen Sinn", brummte Kian. "Aber woher willst du das wissen?", bohrte Mark nach. Er konnte es sich nicht mehr mit ansehen, wie elend Kian hier saß. "Ich habe gesagt, das ich mit dem Kapitel Marie Johnson abgeschlossen habe. Wenn ich das nicht tue, geh ich vor die Hunde. Und damit basta. Also halt dich zurück Feehily." Kian starrte seinen Freund sauer an. Warum mussten sie denn auch immer alle noch in der Wunde rumbohren. Konnten sie ihn nicht einfach in Ruhe lassen? "Ach und das du so nicht vor die Hunde gehst, soll ich dir jetzt glauben oder wie?", Mark deutete auf das halbleere Whiskeyglas in Kians Händen. Kian zuckte nur mit seinen Schultern und meinte: "Das wird bestimmt bald wieder besser." "Ja sicher, das glaubst du doch selber nicht." Wieder zuckte Kian mit den Schultern. Nein glauben tat er das nicht, aber hoffen konnte er doch oder? Er würde Mark bestimmt nicht auf die Nase binden, wie schlecht er sich wirklich fühlte. "Du willst sie also ohne zu kämpfen aufgeben. Ohne zu wissen, ob es nicht vielleicht doch ein Happy-End hätte geben können. Du
überlässt Steven also kampflos das Feld. Dann liebst du Marie nicht wirklich ", entgegnete Mark nur ratlos. Kian baute sich vor Mark auf, auch wenn es ein jämmerliches Bild war. Ein angetrunkener, gebrochener Kian stand vor dem größeren Mark und sah ihn wutentbrannt an. "Feehily, sag mir nichts über meine Gefühle. Verdammt. Du hast doch gar keine Ahnung. Halt dich einfach da raus. Es geht dich einfach nichts an, ok? Shane hatte Recht, ich soll sie
gehen lassen, damit ich mir nicht alles versaue, und so werde ich es auch machen. Basta." Kian griff hinter sich an die Bar, nahm das Glas und kippte den restlichen Whiskey runter. "Na wenn du meinst, Hauptsache das geht nicht nach hinten los und Steven ist der lachende Sieger. Dann beschwer dich aber nicht." Mark gab es auf. Kian konnte so verbohrt sein.

In dieser Nacht hatte Kian einen furchtbaren Traum. Er sah Marie in einer Kirche, sie hatte ein traumhaftes weißes Kleid an und ging gerade in Richtung Altar. Er schaute ihr nach, wie sie lächelnd auf den Mann zuging, der vorne mit dem Rücken zu Ihnen auf sie wartete. Dieser drehte sich jetzt langsam um. Kian erwartete, sein Ebenbild dort zu sehen, wie er gespannt auf
seine Braut wartete. Aber es war nicht Kian der dort stand, sondern Steven, der ihr strahlend entgegensah. Kian war als würde man ihm das Herz rausreißen und ihm die Füße wegziehen. Atemlos sah er zu wie die beiden sich lächelnd zum Altar drehten. "Marie tu es nicht. Ich dachte du liebst mich", schrie Kian durch die Kirche und rannte auf den Altar zu. Marie drehte sich entrüstet zu ihm um. "Kian was willst du hier?", fragte sie ihn genervt. "Du kannst ihn nicht heiraten. Ich liebe dich doch. Das kannst du mir nicht antun", erwiderte Kian verzweifelt. "Du bist zu spät. Warum warst du damals so verbohrt und hast mir da nicht deine Liebe gestanden? Jetzt ist es zu spät. Ich werde Steven heiraten." Marie schaute ihn noch mal mitleidig an, drehte sich dann wieder zum Altar und gab Steven ihr Ja-Wort. "Maarrrriiiieee. Neeeeiiiinnnn", schrie Kian noch, aber es war zu spät. Kian erwachte schweißgebadet in seinem Hotelbett. Verwirrt schaute er sich um und dann auf den Wecker. Es war erst halb vier Uhr morgens. Gott, war das ein schrecklicher Traum gewesen. Schlaflos wälzte er sich von einer zur anderen Seite und konnte den Traum einfach nicht vergessen. Ihm wurde klar,
das er etwas tun musste, damit dieser Albtraum nicht wahr wurde. Er musste Marie sagen, was er wirklich für sie empfand. Sonst würde er sie vielleicht wirklich an Steven verlieren und das würde ihn umbringen. Und wenn sie doch nichts für ihn empfand, überlegte Kian. Dann hatte er zumindest alle Karten auf den Tisch gelegt und bräuchte sich dann keine Vorwürfe mehr machen, er hätte nicht wirklich alles versucht. Vielleicht würde er dann auch über die Enttäuschung wegkommen, aber mit der Ungewissheit konnte er ganz bestimmt
nicht mehr leben. Er würde später zum Flughafen fahren und Marie abpassen, bevor sie nach London abreisen konnte. Er musste das endlich mit ihr klären, ein für alle mal.

Marie schloss das Haus zu und stand gedankenverloren davor. Das war es dann wohl. Kurz dachte sie noch mal an die schönen Zeiten, die sie hier verbracht hatte. Eine einsame Träne rollte über ihre Wange und tropfte dann auf ihre Bluse. Kian hatte sich nicht ein einziges Mal gemeldet, seitdem er nach Dublin gereist war. Vielleicht war es besser so, auch wenn Jamie sehr darunter litt. Entschlossen nahm sie den Schlüssel in ihrer Hand und warf ihn in den Briefkasten. Dann drehte sie sich um und ging zum Wagen, in dem Steven und Jamie schon auf sie warteten. Seufzend stieg sie ein und schnallte sich an. Steven startete den Wagen und während er die Straße hinabfuhr schaute Marie durch den Rückspiegel immer wieder auf das Haus, bis es hinter der Ecke verschwunden war. Sie drehte sich zu ihrem Sohn um und sah lächelnd in sein schlafendes Gesicht. Es war noch zu früh für ihn gewesen und er war noch sehr müde. "Geht es dir gut?", fragte Steven leise. Marie zuckte mit den Schultern und schaute Steven traurig an. "Es ist schon ein komisches Gefühl, hier alles hinter einem zu lassen", meinte sie. "Aber ich werde damit schon irgendwie klar kommen. Hat bis jetzt ja immer irgendwie geklappt." "Und das mit Kian?", fragte er nach. Marie zuckte wieder mit der Schulter. "Ich weiß es nicht. Ich denke der Zug ist entgültig abgefahren. Es ist zuviel passiert zwischen uns. Er hat sich die ganze Woche nicht einmal bei mir oder Jamie gemeldet. Ach vielleicht ist es auch besser so." "Wenn du jemanden brauchst, an den du dich anlehnen und dich trösten lassen willst, ich bin immer für dich da", meinte Steven und legte ihr kurz seine Hand auf den Oberschenkel. Marie lächelte ihn aufrichtig an. "Danke dir. Du bist wirklich ein guter Freund. Danke."

"Kian aufwachen", hörte Kian eine Stimme weit weg von sich. Er grummelte nur und drehte sich wieder um. "Kian. Die Nacht ist vorbei." Diesmal war die Stimme irgendwie lauter. Kian zog die Decke noch höher. "Kiiiaaannn", brüllte ihm nun jemand ins Ohr. "Verdammt. Ich bin doch nicht taub. Shane hast du einen Knall oder was?" nöhlte Kian jetzt rum. "Na endlich, ich dachte schon du hättest dich gestern Abend ins Koma gesoffen." Shane wirkte ehrlich erleichtert. "Red kein Bullshit und lass mich schlafen. Ich habe eine grausame Nacht hinter mir", brummte Kian wieder und kuschelte sich wieder zurück ins Kissen. "Nee Kumpel. Louis reißt dir den Kopf ab. Wir haben zu tun. Und außerdem haben wir es schon kurz vor neun, also raus aus den Federn", lehnte Shane Kians Wunsch ab und zog ihm die Decke weg. Dann erschrak er furchtbar, da Kian plötzlich kerzengerade im Bett saß und ihn entsetzt anstarrte. "Wie es ist schon kurz vor neun? Warum weckt mich denn gar keiner. So ne Scheiße", schrie Kian jetzt und sprang aus dem Bett. Wie von Geistern gejagt rannte er durchs Zimmer und suchte sich seine Sachen zusammen, in die er eilig reinstieg. "Was ist denn jetzt auf einmal mit dir los?" Shane wusste nicht, was er von dieser Aktion halten sollte. "Wie lange brauch ich wohl bis zum Flughafen?" fragte Kian, statt einer Antwort. "Warum fragst du? Ich denke, so in etwa ne halbe Stunde." Shane war jetzt doch verwirrt. "Scheiße. Ich darf sie nicht verpassen." Kian rannte immer noch wie wild durchs Zimmer und suchte nach irgendetwas. Shane hatte jetzt genug, hielt ihn am Oberarm fest und schaute ihn streng an. "Könntest du mir jetzt vielleicht mal verraten, was hier los ist? Warum willst du jetzt plötzlich
zum Flughafen? Wir müssen arbeiten." "Ich muss Marie aufhalten. Ich muss ihr sagen, das ich sie liebe. Sie soll nicht nach London", erklärte Kian hastig. "Aber wie kommst du da gerade jetzt drauf. Ich meine, du hattet wochenlang Zeit und hast es nicht getan. Ihr wolltet euch doch diese Auszeit gönnen." Shane kam da wirklich nicht mehr mit. "Ja, aber der Traum letzte Nacht. Ich darf sie nicht gehen lassen. Sie soll diesen Steven nicht heiraten." Kian war kurz vorm verzweifeln. Wo hatte er bloß seine Schuhe gelassen? "Was denn für ein Traum?" wollte Shane jetzt neugierig wissen. "Shay sei mir nicht böse. Ich erklär dir später alles. Ich habe jetzt echt keine Zeit mehr. Der Flieger geht in weniger als einer Stunde. Sag bitte den anderen, das ich später komme." Und schon war Kian im Bad verschwunden. Shane schüttelte nur mit dem Kopf und verlies das Zimmer. Kian war nicht nur stur und verbohrt, er war auch noch sehr entscheidungsfreudig. Kian wusch sich schnell durchs Gesicht, versuchte seine Haare in Form zu bringen, was aber kläglich scheiterte und setzte einfach sein Cap auf. Noch schnell Portemonaie, Handy und Schlüssel und schon rannte er aus dem Zimmer. Unten im Frühstückssaal rannte er schnell am Buffet vorbei und schnappte sich ein Croissant, hob in
Richtung seiner Freunde einmal grüßend die Hand und rannte in die Tiefgarage, wo sein Wagen stand. Die Jungs schauten sich nur fragend an. "Was ist denn mit Kian heute morgen los? Wo will der denn hin?", fragte Nicky erstaunt. "Ach nichts wichtiges. Ihm ist heute morgen nur in den Kopf gekommen, jetzt doch endlich um seine große Liebe zu kämpfen." Shane grinste. Die anderen beiden stöhnten nur auf und fingen dann auch an zu lachen. "Na dann mal viel Glück, Mr. Egan", lachte Mark.

Drei Stunden später kamen Marie, Jamie und Steven am Flughafen in Dublin an, räumten ihre Sachen aus dem Kofferraum und luden alles auf zwei Gepäckwagen. Jamie war nur am rumnöckeln, was Marie fast wahnsinnig machte. "Jamie, sei bitte ruhig. Ich weiß das du noch müde bist. Du machst mich rasend", meinte sie zu Jamie, der sie dann noch trotziger ansah. Marie verdrehte die Augen und schob den Gepäckwagen weiter durch die Flughafenhalle, auf der Suche nach dem richtigen Schalter. Nachdem sie ihre Koffer aufgegeben hatten und
die Bordkarten in ihrer Tasche verstaut waren, setzten sie sich mit Steven in ein Cafe und tranken in aller Ruhe was. Jamie starrte weiter trotzig vor sich hin und sagte nichts mehr. "Schatz, was hast du denn heute Morgen bloß? ", fragte Marie nachsichtig. "Nichts", brummte Jamie nur .In diesem Moment sah er seinem Vater ähnlicher wie nie. Die blauen Augen traurig vor sich hinstarrend, die Unterlippe etwas vorgeschoben. Marie tat das Herz weh. "Ach und deswegen bist du nicht wie sonst mein kleiner Sonnenschein?", lächelte sie Jamie an. "Daddy hat mich gar nicht mehr lieb", kam es nun ganz leise von Jamie und Marie blieb bei diesen Worten fast das Herz stehen. "Komm mal her Jamie", meinte sie und zog ihren Sohn auf ihren Schoss. "Wie kommst du denn darauf?", frage sie ihn und drückte ihn fest an sich. "Er hat gar nicht mehr angerufen und kommt auch nicht her, um auf Wiedersehen zu sagen", meinte Jamie jetzt mit weinerlicher Stimme. Marie schaute hilflos zu Steven. "Aber Schatz, dein Daddy hat bestimmt viel zu tun und schafft es deswegen nicht herzukommen. Das heißt aber nicht, das er dich nicht mehr lieb hat", versuchte Marie Jamie zu beruhigen. Jamie zuckte lediglich mit seinen kleinen Schultern und kuschelte sich noch enger in Maries Arme. "Er wird sich bestimmt bald melden." Marie hätte Kian in diesem Moment umbringen können, das er seinem Sohn so wehtat. Zärtlich wischte sie Jamies Tränen aus dem Gesicht und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. "Glaub mir, er hat dich immer noch ganz doll lieb", bekräftigte sie noch mal ihre Aussage. "Ich glaube, so langsam müssen wir uns zu den Kontrollen aufmachen. Sonst hebt die Maschine ohne uns ab", bemerkte Steven nun mit einem Blick auf die Anzeigentafel. Marie nickte, stand von ihrem Stuhl auf und nahm Jamie auf den Arm. Steven schnappte sich sämtliche Taschen und folgte den beiden. Gerade als sie an der Kontrolle angekommen waren, hörten sie hinter sich
laute Rufe.

"Marie, Jamie. Wartet." Jamies Kopf, der an Maries Schulter angelehnt gewesen war, ruckte hoch und ein Strahlen huschte auf sein Gesicht. "Daddy", rief er ganz laut. Marie drehte sich um und sah Kian auf sie zulaufen. Einerseits war sie erleichtert, so konnte Jamie seinen Vater noch mal sehen, aber für sie würde es jetzt weitaus schwerer werden. Jamie machte sich los und rannte auf Kian zu. Glücklich ließ er sich in seine Arme fallen. "Bist du doch noch gekommen", strahlte er. "Ich habe es dir doch versprochen, Champ", erwidert Kian und schloss in zärtlich in seine Arme. Marie beobachtete die Szene mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Kian nahm seinen Sohn auf die Schulter und kam dann immer noch schwer atmend auf sie zu. "Hallo Marie. Ich dachte schon, ich wäre zu spät", begrüßte er
Marie, drehte sich dann kurz zu Steven, um auch ihn mit einem kurzen unpersönlichen Nicken zu begrüßen. Dabei sah er wieder dieses widerliche Grinsen, was sich auf Stevens Gesicht breit machte. "Zwei Minuten später und wir wären weg gewesen, wir sind schon auf dem Weg zur Passkontrolle", entgegnete Marie nur. Kian nickte nur und trat nervös von einem Bein aufs andere. Er wusste nicht, was er sagen sollte, sein Kopf war plötzlich total
leer. "Jamie, was meinst du? Wollen wir beide mal nachsehen gehen, ob wir da vorne in dem Laden was zum Spielen finden?". Fragte Steven plötzlich an Jamie gewandt. Steven hatte gemerkt, das Kian etwas unter vier Augen mit Marie besprechen wollte. Kian war doch sehr überrascht, als dieser Vorschlag von Steven kam. Jamie schaute einmal fragend von Marie zu Kian und nickte dann. Kian hob Jamie von seinen Schultern und dann gingen die beiden in den Laden hinein, auf den Steven eben gezeigt hatte. Kian schaute Marie an und suchte noch immer nach den richtigen Worten. "Marie, ich...es...tut mir leid, wie ich mich aufgeführt habe. Ich weiß auch nicht, was mit mir los war. Ich hätte diese Dinge nicht zu dir sagen sollen, das war idiotisch von mir. Es tut mir wirklich leid", fing er an. Marie sagte immer noch nichts, sah ihn nur an. "Du bist die beste Mutter, die man sich für sein Kind wünschen kann, das weiß ich", erklärte Kian dann weiter. "Na dann ist ja gut", meinte Marie daraufhin nur, drehte sich um und wollte gehen. Panik stieg in Kian auf. "Marie geh nicht", rief er hinter ihr her. Marie blieb stehen und drehte sich wieder zu ihm um. "Bitte geh nicht", wiederholte Kian. "Ich will nicht, das du nach London gehst. Bleib bei mir." Kian sah Marie flehend an. "Bitte bleib bei mir. Ich will dich nicht verlieren. Ich habe nämlich wahnsinnige Angst, dich zu verlieren." Verzweiflung trat in seine Stimme. "Warum?" wollte Marie wissen. "Weil...ich...also...weil ich dich...liebe", brachte Kian nun heraus. Endlich hatte er es ihr gesagt. "Ich liebe dich mehr als mein Leben und ich kann nicht ohne dich sein", gestand er nun und schaute Marie ängstlich an. Einerseits war er so erleichtert, es ihr endlich gesagt zu haben, aber andererseits hatte er panische Angst vor ihrer Reaktion.

Marie schloss für einen Moment die Augen. Dieses Geständnis hätte sie nie erwartet und war ein wenig erschrocken. Wie lange hatte sie davon geträumt, diese Worte von ihm zu hören. Ihr Herz schlug rasend schnell und in ihrem Kopf war es plötzlich leer. "Marie sag doch was", forderte Kian sie jetzt leise auf. "Kian...ich...was...ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das kommt so überraschend." Marie brachte kaum einen klaren Gedanken heraus. "Sag mir nur eins. Sind meine Gefühle nur einseitig oder empfindest du auch was für mich?", brachte Kian es auf den Punkt. Er hatte noch nie in seinem Leben so viel Angst vor einer Antwort gehabt wie jetzt. Marie sah ihn schweigend an. "Ich...also...weißt du...oh Mann. Es tut mir leid", stotterte sie und dann tat sie das was ihr als nächstes in den Sinn kam - Flucht. Sie drehte sich
um und rannte durch die Kontrolle ohne noch einmal zurück zu sehen. Sie musste nachdenken, wieder einen klaren Gedanken fassen.

Das war mehr als deutlich. Kian war am Boden zerstört. Niedergeschlagen schaute er Marie hinterher, bis sie komplett aus seinem Sichtfeld verschwunden war, ohne sich bewegen zu können oder sie gar aufhalten zu können. Mit hängenden Schultern drehte er sich um und sah Steven und Jamie auf sich zukommen. Jetzt musste er Haltung bewaren. Sein Sohn musste ja
nicht mitbekommen, das gerade eine Welt für Kian zusammenbrach und Steven wollte er den Triumph nicht gönnen. Es reichte ja, das er Marie für sich hatte gewinnen können. "Daddy, wo ist Mummy?", fragte Jamie, als Kian sich zu im heruntergebeugt hatte. Die ist schon durch die Kontrolle und wartet dort auf dich", antwortete Kian und musste kämpfen, nicht vor seinem Sohn in Tränen auszubrechen. "Oh, na dann", meinte Jamie nur. "Komm her Champ, lass dich noch mal drücken." Kian streckte seine Arme aus und drückte seinen Sohn ganz fest an sich. "Ich werde dich bald in London besuchen kommen, ok?" Jamie nickte nur. "Und pass mir auf deine Mummy auf. Ich will keine Klagen hören. Ich hab dich lieb", ergänzte Kian und gab Jamie einen letzten Kuss. "Ich hab dich auch lieb", murmelte Jamie. Kian erhob sich wieder und drehte sich zu Steven um. "Pass mir bitte auf die beiden auf und mach Marie bitte
glücklich. Tust du ihr weh, bring ich dich um. Sie ist das wichtigste für mich", meinte er dann zu ihm. Steven sah Kian überrascht an, wollte ihn fragen was passiert war, aber Kian hatte sich schon von ihnen abgewandt, strich im vorbeigehen noch mal über Jamies Kopf und schlich davon. Wie in Trance ging Kian durch das Flughafengebäude. Er bekam nichts mehr mit, fühlte auch nichts mehr bis auf diesen unsäglichen Schmerz, das liebste auf der Welt verloren zu haben. Als er an seinem Wagen ankam, ließ er sich hinters Steuer fallen und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Einige Zeit saß er dort und weinte sich die Seele aus dem Leib, bis er sich energisch die Tränen von Gesicht putzte und den Wagen startete.

Als Steven und Jamie die Kontrolle passiert hatten, sah Steven Marie an einer der großen Scheiben des Wartesaals stehen. "Jamie, geh doch bitte dort drüben in die Spielecke und spiel dort ein wenig. Ich muss mal kurz mit deiner Mum reden", forderte Steven Jamie auf. Der Junge nickte freudig und lief hinüber in die Spielecke. Steven schaute ihm noch so lange hinterher, bis er angekommen war und begab sich dann zu Marie. Als er dort ankam, legte
er ihr eine Hand auf die Schulter und zog sie leicht an sich. "Was ist passiert?", wollte er von ihr wissen. Marie drehte sich zu ihm um und er konnte Tränen in ihren Augen sehen. "Er liebt mich", flüsterte sie nur. "Wie?" Steven war platt. "Ja, er hat gesagt, das er mich liebt, ich bei ihm bleiben soll, er will mich nicht verlieren." "Und was hast du gesagt?" Steven kam bei diesem Chaos nicht mehr ganz mit. Kian hatte Marie endlich gestanden, das er sie liebt. Marie liebte Kian. Also wo war das verdammte Problem? "Nichts hab ich gesagt. Ich bin weggelaufen." Maries Unterlippe zitterte. "Nein. Aber warum? Du liebst ihn doch auch. Oder doch nicht?" Am liebsten hätte Steven Marie durchgeschüttelt. Stattdessen packte er sie
sacht am Oberarm und zog sie zu nächsten Sitzgruppe. Er befürchtete, das sie vor seinen Augen zusammenbrechen könnte. "Ja sicher liebe ich ihn. Ich liebe ihn mehr als ich ausdrücken kann. Ich bin nur so durcheinander und erschrocken, das es ihm doch genauso geht wie mir. Ich weiß auch nicht, warum ich das gemacht habe. Ich konnte nicht anders." Marie fing an zu weinen. "Also noch mal für Dumme zum Mitschreiben. Du liebst Kian." Marie nickte. "Kian liebt dich." Marie nickte wieder. "Warum sitzt du dann noch hier und weinst? Schnapp ihn dir." Steven war kurz vorm Platzen. "Aber ich habe ihn verletzt. Ich hätte nicht weglaufen sollen." Marie fing wieder an zu weinen. "Marie jetzt hör auf zu heulen und schnapp dir deinen Traumprinzen. Mein Gott, das Liebe bei euch immer so schwer sein muss." Marie schaute Steven mit großen Augen an. "Aber was ist mit London?", wollte sie wissen. "Vergiss London. Dort würdest du eh nicht glücklich werden - ohne deinen Kian. Du gehörst hierhin und sonst nirgendwo. Ich klär das mit den Leuten in London." Marie nickte wieder. "Also lass uns schnell klären, das ihr eure Koffer wiederkriegt und dann schwingst du dich ins nächste Taxi, ist das klar?" Marie nickte ergeben.

Sie ließ sich von Steven hochziehen und trottete neben ihm her zum Schalter, wo Steven mit der Dame klärte, das Marie und Jamie jetzt doch nicht nach London fliegen konnten, da sie gerade einen Anruf erhalten hatten, das es einen Trauerfall in der Familie gegeben hätte. Marie war erstaunt, wie gut Steven lügen konnte, sie musste aufpassen, das sie nicht anfing zu grinsen. Die Dame verstand die angeblich traurige Situation sehr gut und leitete alles in die Wege, damit die Koffer wieder zurückkamen. Marie und Steven warteten ungeduldig. "Wie lange dauert das denn noch? Bald ist Kian über alle Berge und ich Trottel warte dann hier
immer noch auf meine Koffer", moserte Marie rum, die so langsam echt nervös wurde. "Typisch Frau. Erst schießt du deinen Traumprinzen zum Mond und dann kann es dir nicht schnell genug gehen, hinterher zu kommen", lachte Steven. Marie wurde leicht rot und zog eine Grimasse. Endlich kam ein Mitarbeiter mit den Koffern und übergab sie Marie. "Jamie kommst du mal bitte", rief Marie ihren Sohn, der noch immer in der Spielecke saß und sich die Zeit vertrieb. Er kam auch gleich angelaufen und schaute fragend auf die Koffer. "Mummy, warum stehen unsere Koffer hier?" "Jamie wir fliegen nicht nach London. Wir fahren nach Hause - zu deinem Daddy", erklärte Marie. Jamie schaute Marie fragend und auch erstaunt an. "Warum? Wir haben uns doch eben erst verabschiedet." "Das erklär ich dir am besten später", meinte Marie nur ,da sie es jetzt wirklich eilig hatte, zu Kian zu kommen, bevor alles zu spät war. "Steven, ich danke dir. Ich ruf dich an, ok?" Marie nahm Steven
noch mal in den Arm und drückte ihn ganz fest. "Und wehe ich höre schlechte Neuigkeiten. Dann komm ich nach Sligo und regele die Sache eigenhändig", meinte Steven lächelnd und drückte Marie einen Kuss auf die Stirn. Schnell schnappte Marie sich den Gepäckwagen mit den Koffern, setzte Jamie obendrauf und sah zu das sie so schnell wie möglich zum Taxistand kam.

Fast eine Stunde später kam sie endlich in dem Hotel an, in dem sich die Jungs eingemietet hatten. Sie hasste den Verkehr in Dublin. Sie war froh, das sie auf der Party mitbekommen hatte, wie sie über das Hotel gesprochen hatten und hatte den Namen aufschnappen können. Als sie ausstiegen, kam gleich ein Hotelboy angelaufen und kümmerte sich um das Gepäck. Marie schnappte sich Jamie und lief ins Innere des Gebäudes. Beim Betreten der Hotellobby sah sie schon Shane, Mark und Nicky in einer Ecke sitzen. Mit Jamie an der Hand lief sie zu den dreien rüber. "Hey Marie das seit ihr ja. Hat Kian also seinen ganzen Charme spielen lassen und es endlich gebacken gekriegt? Wo ist er überhaupt?", fragte Mark grinsend. "Ist er nicht bei euch?", fragte Marie erschrocken und sofort schossen ihr wieder die Tränen in die Augen. Sie war sich so sicher gewesen, das er wieder ins Hotel gefahren war. Wo war er nur?

Mark, der die Situation sofort erkannte, wand sich an Jamie. "Jamie hast du nicht Durst?" Jamie nickte. "Gut, dann lass uns mal sehen, ob wir was für dich auftreiben können", schlug Mark lächelnd vor, setzte sich Jamie auf die Schultern und brachte ihn erst mal weg. Shane zog Marie in seine Arme und versuchte sie zu trösten. "Marie was ist denn passiert? Hat Kian euch nicht gefunden?", wollte er nach einiger Zeit wissen. "Doch hat er. Ich bin so ein Trottel. Hauptsache er tut sich nichts an. Ich wäre dann schuld. Warum hab ich ihm denn nicht gleich gesagt, das ich ihn auch liebe." Marie war der Verzweiflung nahe. "Aha, also hat er es dir endlich gestanden." Shane fing an zu grinsen - na endlich, das war doch schon mal was. "Ja und ich dumme Pute habe nichts besseres zu tun, als wegzulaufen", ergänzte Marie. Shane wich das Grinsen aus dem Gesicht und er stutzte. "Und warum hast du das gemacht, wenn du ihn doch auch liebst? Was so nebenbei gesagt - jeder von uns wusste." Marie zuckte nur mit den Schultern. "Und jetzt ist er... ." Marie wurde von einer lauten, ziemlich sauer klingenden Stimme unterbrochen. "Jungs, so langsam hab ich echt die Schnauze voll mit euch." Marie drehte sich erschrocken um und erkannte Luis Walsh, den Manager der Jungs. Er kam wutentbrannt auf Nicky, Shane und Marie zu. "Hey Louis, was sollen wir den jetzt schon wieder angestellt haben?". Unbewusst zog Nicky den Kopf ein. "Ach, das wisst ihr doch ganz genau. Hatten wir nicht ausgemacht, keine wilden Orgien in irgendwelchen Pubs, solange ihr das Album noch nicht fertig habt?" Louis stand kurz vor einem Herzinfarkt. "Aber Louis, wir waren nicht auf der Piste. Ich schwöre. Nicky hat vielleicht eine Orgie gefeiert, aber nicht in einem Pub, sonder eher ins seinem Zimmer mit Geo", meinte Shane und
grinste Nicky dämlich an, der ihm einen Stoss in die Rippen versetzte. "Ach und warum steht Kians Wagen verlasen vor einem Pub in der City? Ihr könnt sagen was ihr wollt, aber...", polterte Louis weiter. "Louis, wo hast du Kians Wagen gesehen?", fiel Nicky ihm ins Wort. Louis schaute Nicky entgeistert an. "Na toll, ihr wisst also noch nicht mal mehr, wo ihr gestern angefangen habt, zu sauf..." "Louis, wo ist Kians Wagen?", fuhr Shane dazwischen. "Na in der Evergreen Street." Louis war kurz vorm ausflippen. "Louis, Nicky wird dir alles erklären. Es ist anders als du denkst", meinte Shane versöhnlich zu seinem Manager. "Nicky, sag bitte Mark Bescheid und passt bitte auf Jamie auf. Ich fahre Marie jetzt zu Kian", erklärte Shane weiter und Nicky nickte zustimmend. Dann schnappte er sich Marie, marschierte an dem sprachlosen Louis vorbei und eilte mit ihre in die Tiefgarage zu seinem Wagen.

Innerhalb einer Viertelstunden standen sie vor dem Pub, an dem Kians Wagen von Louis gesichtet worden war. Sie hatten während der Fahrt nicht viel miteinander gesprochen. Marie war viel zu nervös gewesen, als das sie nette Konversation hätte betreiben können. Und das Auto stand auch noch dort. "Und jetzt?", fragte Marie nervös. "Na was wohl? Du gehst da rein und erlöst Kian von seinen Qualen. Und wehe ich höre Klagen. Wenn ich euch das nächste Mal sehe, seit ihr das glücklichste Paar aus ganz Irland. Quatsch ich meinte das
zweitglücklichste Paar - glücklicher als Gil und ich geht ja nicht", entgegnete Shane grinsend. Marie nickte, aber der Versuch eines Lächelns misslang. Sie atmete noch ein paar Mal tief ein und aus und verlies dann Shanes Auto. Mit wackligen Knien ging sie auf den Eingang zu und trat in das Gebäude. Hoffentlich ging jetzt alles gut und Kian stieß sie nicht weg. Nachdem sich ihre Augen an das etwas schummrige Licht gewöhnt hatten, schaute sie sich um und versuchte Kian irgendwo zu entdecken. Hinten in der Ecke fand sie ihn. Er saß mit dem Rücken zu ihr und hatte seinen Kopf auf seine Arme gestützt. Er sah nicht wirklich gut aus. Marie nahm ihren ganzen Mut zusammen und ging hinüber. Als sie hinter ihm stand rief sie leise seinen Namen. "Kian."

Kian saß nun schon einige Zeit hier in diesem Pub und kippte einen Whiskey nach dem anderen. Vielleicht würde er sich tot saufen, dann würde der Schmerz endlich weggehen. Wie hatte er nur der Meinung sein können, das Marie ihn auch liebte. So eine hirnrissige Idee. Er hatte es sich so sehr gewünscht und sich schon ausgemalt, wie es wäre mit ihr und Jamie wieder zusammen und glücklich zu sein. Er hatte sogar schon an Geschwister für Jamie gedacht. Er hatte sich schon auf das tolle Gefühl gefreut, abends nach Hause zu kommen und zu wissen da ist jemand, der auf ihn wartet. Aber es sollte einfach nicht sein. Vielleicht war er ja dazu verdammt, ewig allein zu sein, nie eine eigene Familie zu haben. Gott wie sehr wünschte er sich Marie jetzt herbei, wie sie tröstend durch sein Haar strich, ihn beruhigend
anlächelte. "Kian", hörte er schon, wie sie seinen Namen flüsterte. Mann, jetzt hatte er schon Wahnvorstellungen und hörte Stimmen. Echt klasse. Eine Hand legte sich auf seine Schulter und er drehte sich um. Seine Phantasie spielte ihm wohl einen Streich. Jetzt sah er sie schon vor sich stehen, wie sie ihn besorgt anschaute. Ihr weiches blondes Haar fiel ihr über die
Schultern und gab ihr ein engelhaftes Aussehen. "Oh Mann Egan, wenn du den Alkohol nicht mehr verträgst, dann solltest du ihn raus lassen. Du hast schon Halluzinationen. Marie ist längst in London", murmelte er und goss sich noch einen Whiskey ein. Gerade als er den Inhalt des Glases in sich hineinschütten wollte, umschloss eine Hand die seine und nahm ihm das Glas aus der Hand. "Du sagtest doch selber, dass du nichts mehr trinken solltest. Also lass es einfach", kam auf einmal die Stimme von Marie. Irritiert und gleichzeitig erstaunt wirbelte Kians Kopf herum und starrte Marie an. Ihm wurde bewusst, das es sich hier um die wirklich Marie handelte und nicht um eine Halluzination. "Marie. Was machst du denn hier? Ich denke, du bist schon längst in London", fragte er erschrocken.

Es war ihm unangenehm, das sie ihn hier so sah. Schnell drehte er seinen Kopf wieder weg und starrte aus dem Fenster. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sie sich auf einen Stuhl setzte und ihn beobachtete. Er wusste nicht wie er auf ihr Erscheinen reagieren sollte. Warum war sie hier? Hatte sie ihn noch nicht genug verletzt und gedemütigt mit ihrer Abfuhr? "Und was willst du jetzt hier?", fragte er nun unfreundlicher als er eigentlich wollte. Marie zuckte leicht zusammen. "Ich...also...na ja..", stotterte sie. "Ich muss da was zu Ende bringen, was ich eben auf dem Flughafen schon hätte machen sollen", versuchte Marie zu erklären. Kians Herz sank ins Bodenlose. Wieder war leichte Hoffnung in ihm hochgekrochen. Wenn sie das beenden
wollte, was sie am Flughafen angefangen hatte, konnte sie es sich auch schenken. Der Anfang hatte ihm schon gereicht. "Na klasse. Meinst du nicht ich habe mich schon genug blamiert? Ich denke deine Reaktion war klar genug. Du musst dazu nichts mehr sagen", brummte Kian, sah sie verletzt und sauer an, stand auf und wollte gehen. Marie hielt ihn aber am Arm fest. "Geh nicht weg und hör mir bitte zu." "Marie ich will dir jetzt aber nicht zuhören. Ich habe dir gesagt, das ich dich liebe und du hast abgelehnt. Ich denke nicht, das es da noch was zu klären gibt. Also bohr nicht noch länger in der Wunde herum und geh einfach. Ich will mich nicht noch lächerlicher machen, als ich es schon getan habe." Kian starrte Marie jetzt sauer an, riss seinen Arm los und machte einen Schritt auf den Ausgang zu. "Kian John Francis Egan, bleib verdammt noch mal stehen und hör mir zu. Wenn du willst, kann du danach
immer noch flüchten", schrie Marie ihm hinterher. Es war ihr egal, das der Wirt hinter der Bar ihnen neugierige Blicke zuwarf und die drei Männer die in der einen Ecke gesessen hatten, sich erstaunt herumdrehten. Es ging hier um ihre Zukunft und sie würde nicht zu lassen, das Kian mit seinem Sturkopf wieder gewinnen würde. "Dann sag endlich was du willst, ich will endlich meine Ruh...", motzte Kian los. "Ich liebe dich auch", fiel Marie ihm atemlos ins Wort und schaute ihn ängstlich an. "Bitte was?", fragte Kian noch mal nach, er glaubte sich verhört zu haben. "Ich sagte, ich liebe dich auch. Ich habe nie aufgehört dich zu lieben", wiederholte Marie noch mal das eben Gesagte. Kian stand wie angewurzelt das und sah sie einfach nur an.
Vielleicht lag es ja an dem immensen Whiskeygenuss am frühen Morgen, aber er konnte einfach nicht glauben, was er eben gehört hatte. Forschend sah er ihr in die Augen, um dort einen Hinweis zu finden. Alles war er dort finden konnte war Liebe. Sie meinte es wirklich ernst.

Mit zwei Schritten war er bei ihr und riss sie in seine Arme. Er konnte es einfach nicht glauben, all diese Qualen und Ängste sollten jetzt endlich ein Ende haben. Kian vergrub sein Gesicht in ihrem Haar und atmete ihren Duft ein. "Du liebst mich?", fragte er immer noch ungläubig. Marie nickte heftig, löste sich ein wenig von ihm und schaute ihn liebevoll an. "Ja, mehr als ich ausdrücken kann. Willst du mich denn noch?", fragte sie dann ängstlich. Statt einer Antwort beugte er sich zu ihr hinüber und küsste sie erst ganz vorsichtig, als könne er es immer noch nicht glauben und habe Angst vor einer Abfuhr, dann leidenschaftlicher. Dieses Gefühl, ihre Lippen zu spüren und zu wissen, das sie ihn liebte, machte ihn so glücklich. Als er sich kurz darauf atemlos von ihr löste, meinte er lächelnd. "Ich lass dich nie wieder los." "Musst du aber, wir wollen doch nicht ewig in diesem Pub bleiben. Ich kann mir da schon bessere, intimere Orte vorstellen, wo ich mit dir sein möchte", erwiderte sie lächelnd und warf ihm herausfordernde Blicke zu. "Da geb ich dir Recht. Ich lass dich trotzdem nicht mehr los", erwiderte er lachend, hob sie auf seine Arme und trug sie zur Theke. Da Marie nicht mit
dieser Aktion gerechnet hatte, quiekte sie erschrocken auf und umschlang mit ihren Armen seinen Nacken, da sie fürchtete herunter zu fallen. An der Theke setzte Kian Marie auf einen der Barhocker, legte dem Kellner Geld hin und nahm sie grinsend wieder auf den Arm. Lachend ließ Marie sich nach draußen tragen. Ihr war es egal, das die Leute sie anstarrten. Marie hoffte nur, das nicht zufällig ein Paparazzi hier herumlungerte. Na das würde ne Story
geben. >>Kian Egan entführt Mutter seiner Sohnes<<. Bei diesem Gedanken wurde Maries Grinsen noch breiter. Vor seinem Wagen ließ Kian Marie herunter und sah sie verlegen an. "Ähm, könntest du eventuell fahren. Es wäre glaube nicht so gut wenn ich mich hinters Steuer setzte", meinte er dann leise.Marie streckte nur lächelnd die Hand aus. "Her mit dem Schlüssel." Kian reichte ihn ihr, gab ihr noch schnell einen Kuss und sie ging um den Wagen
herum. "Und du bist sicher, das du mir deinen Wagen anvertrauen willst?", fragte sie flachsend. "Wenn du ab heute gut auf mein Herz aufpasst, kann auch mit dem Auto nichts passieren", entgegnete er lächelnd und ließ sich in den Sitz fallen.

Als sie am Hotel ankamen, stieg Marie aus und wollte gerade abschließen, als sich zwei Arme um sie schlossen und sie hochhoben. Sie war überrascht, wie schnell Kian ausgestiegen und um das Auto gekommen war und quiekte mal wieder erschrocken auf. "Kian." "Ich habe gesagt, ich lass dich nicht mehr los und das meinte ich ernst", grinste er sie jungenhaft an. Damit trug er sie durch die große Eingangstür in die Hotelhalle, schnurstracks auf die
Aufzüge zu. Einige andere Gäste des Hotels und auch Personal schauten ihnen teils kopfschüttelnd teils lächelnd hinterher. "Mr. Egan, Mr. Egan", rief die Damen an der Rezeption zu ihnen herüber. Kian verdrehte genervt die Augen und ging, noch immer mit Marie auf dem Arm zur Rezeption. "Mr. Egan, ich habe hier eine Nachricht für Sie, von Ihren Kollegen", meinte sie mit einem zuckersüßen Lächeln und hielt ihm den Zettel hin. Marie überlegte, ob die Kleiderordnung in diesem Hotel beinhaltete, das die Bluse der Uniform
fast bis zum Bauchnabel geöffnet sein durfte und verzog dabei das Gesicht. "Schatz, nimmst du den mal bitte. Ich habe alle Hände voll", grinste Kian Marie an. Marie griff sich den Brief und meinte genauso zuckersüß grinsen: "Danke." Die Dame von der Rezeption schaute Marie mit giftigen Blick an, aber das störte Marie nicht. Kian drehte sich wieder um, um seinen Weg zu den Aufzügen wieder aufzunehmen. Marie drehte sich noch mal zu der Dame, grinste sie an und formte mit ihren Lippen das Wort "MEINER". "Ließ doch mal bitte, was in der Nachricht steht und hör auf, das Mädel zu ärgern, das ist nicht nett", holte Kian sie grinsend in die Realität zurück. Es war ihm in den Augenwinkeln aufgefallen, das Marie zurückgesehen hatte und fies gegrinst hatte. Marie grinste schief und öffnete den Kuvert. "Ich habe lediglich mein Terrain abgesteckt", meinte sie noch lächelnd und drückte Kian einen Kuss auf den Mund, bevor sie sich die Nachricht durchlas. Was sie dort lesen konnte, brachte sie zum lachen. "Was steht drin?", wollte Kian neugierig wissen, während sie auf den Aufzug warteten. "Das sag ich erst, wenn du mich endlich runter lässt. Es wird peinlich. Die Leute schauen uns schon an." "Dann interessiert es mich gar nicht", antwortete Kian grinsend
und hielt sie weiter fest. Marie schaute Kian gespielt böse an. "Na gut, na gut", lenkte er nun doch ein, ließ Marie langsam runter, schlang aber gleich seine Arme von hinten um ihre Hüften. Marie musste lachen. "So und nun laß mal lesen", forderte Kian sie auf.

`Hallo Kian. Wenn du alleine bist und diesen Brief liest, zerreis ihn sofort und beweg deinen Arsch hierhin. Solltet ihr aber beide zusammen im Hotel angekommen sein, dann wollten wir nur Bescheid geben, das wir im Studio sind und Jamie mitgenommen haben. Dann könnt ihr euch in aller Ruhe "aussprechen ". Grins. Also dann bis später. Shane, Mark, Nicky und Jamie´

In der Zwischenzeit war der Aufzug gekommen und brache die beiden zur Etage, auf der Kians Zimmer lag. Als der Aufzug stoppte und die Türen sich öffneten, warf Kian Marie über seine Schultern und ging den Flur entlang. "Kian. Was machst du?", krächzte Marie, als sie wie so ein nasser Sack über seiner Schulter hang. "Ich trage dich auf Händen. Gefällt dir das nicht?" "Die Aussicht ist ja ganz nett, aber es ist nicht wirklich bequem", meinte Marie auf Kians Frage und zwickte ihn in den Hintern, den sie genau auf Augenhöhe hatte. "Aua", rief Kian und ließ sie vor seiner Zimmertür runter. Er funkelte sie gespielt böse an. "Ich glaube, wir haben hier noch so einige Dinge zu besprechen", meinte er drohend, aber in seinen Augen trat ein Ausdruck, der alles andere als drohend wirkte. "Oh ja, das scheint mir ein längeres Gespräch zu werden", grinste Marie und zog ihn an seinem Hemd ins Zimmer und kickte die Tür mit dem Fuß wieder zu. Dann legte sie ihre Arme um seinen Nacken und zog ihn lächelnd an sich heran. "Für dieses Gespräch sollten wir uns ganz lange Zeit nehmen." Kians Stimme hatte einen rauen Unterton, als er das sagte. Marie nickte nur und schluckte, da ihr Hals ganz
trocken war. Kian legte seine Hände auf ihren Hintern und hob sie hoch. Marie schlang ihre Beine um seine Hüften und ließ sich von ihm zu seinem Bett tragen, während sie leidenschaftlich mit ihren Lippen an seinen knabberte. Vorsichtig ließ Kian Marie auf das Bett nieder und legte sich dazu. Er legte sich auf die Seite, stützte seinen Kopf auf seinen Arm ab und schaute Marie liebevoll an. "Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich du mich machst", meinte er leise und strich ihr eine Strähne ihres langen blonden Haares aus dem Gesicht. "Dann zeig es mir", antwortete Marie, legte eine Hand an seinen Nacken und zog ihn zu sich herunter, damit sie ihn küssen konnte.

Lange Zeit später lagen sie eng aneinandergekuschelt unter der Decke und Marie fühlte, das sie noch nie so glücklich gewesen war, wie in diesem Moment. Alles hatte sich zum Guten gewendet und sie hoffte das es immer so bleiben würde. "Kian?", fragte sie leise. "Hm?" Kian hatte das Gefühl, noch nicht wieder ganz auf dieser Welt zu sein. Irgendwie befand er sich in
anderen Sphären und er hatte arge Probleme, wieder klar denken zu können. "Meinst du, diesmal machen wir es besser als vor vier Jahren?", fragte sie ein wenig unsicher. "Da bin ich mir eigentlich ganz sicher. Wir sind älter geworden und vielleicht auch ein wenig reifer. Und ich weiß jetzt auch, wie einsam und verloren ich ohne dich bin. Ich lass dich nie mehr gehen, da kann kommen was will", antwortete Kian mit ganzer Überzeugung, dabei drückte er ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. "Das hört sich gut an", meinte Marie lächelnd. "Wenn ich daran denke, was wir uns für einen Ärger hätten ersparen können, wenn ich nicht so feige gewesen wäre und dir viel eher gesagt hätte, wie sehr ich dich liebe. Ich könnte mich echt in den Hintern treten", meinte Kian jetzt. "Wir waren beide feige", entgegnete Marie und strich mit ihren Fingern langsam über seine Brust. "Und was ist jetzt mit London?", fragte Kian leise. Marie dachte kurz über diese Frage nach. "Das ha sich jetzt wohl erledigt", antwortete sie . "Aber du wolltest doch unbedingt dorthin. Ich will dir nicht im Weg stehen." "Ja, ich wollte nach London. Doch aber nur, weil ich dachte, meine Gefühle wären nur einseitig.
Und so wollte ich Distanz schaffen, um darüber hinwegzukommen", erklärte Marie. "Und jetzt?" "Bleibe ich in Sligo bei dir. Dort gehöre ich hin und sonst nirgendwo." Marie schaute Kian bei diesen Worten tief in die Augen. "Und was sagt Steven dazu? Der ist doch bestimmt jetzt ziemlich fertig, oder?", stellte Kian jetzt die Frage, die ihm schon die ganze Zeit auf der
Seele brannte. "Wie meinst du das?", fragte Marie. "Na ja, immerhin wolltest du doch mit ihm nach London, um dort mit ihm zu leben und zu arbeiten. Er hat sich doch bestimmt einiges davon versprochen." Kian war verlegen, auch wenn er nicht so genau wusste warum. "Kian. Ich wollte nach London, um dort für Steven zu arbeiten. Nicht mehr und nicht weniger. Und außerdem könnte seine Freundin was dagegen haben, wenn da mehr wäre." Marie musste grinsen, als sie merkte wie Kian sich versteifte. "Wie Steven hat eine Freundin", fragte er jetzt überrascht. "Er hat in London jemanden kennen gelernt und sie mögen sich wohl sehr gerne", erzählte Marie so als wäre sie völligst unbeeindruckt. "Und ich Idiot denke immer, de will dich mir wegschnappen und komme fast um vor Eifersucht." Kian schlug sich mit der Hand vor die Stirn. "Du warst eifersüchtig?" Marie sah grinsend zu Kian hoch. "Ja, wie der Teufel. Ich hätte ihm ständig die Visage polieren können." Marie fing bei
Kians Worten an zu kichern. "Wie süß", meinte sie. "So so, du findest das also süß, wenn ich mich wegen dir schlagen würde?", wollte Kian jetzt auch schmunzelnd wissen. "Das hätte so etwas heldenhaftes, wobei Gewalt natürlich keine Lösung wäre", grinste Marie immer noch. "Oh wenn das so ist. Ich wüsste noch was heldenhaftes, was auch rein gar nichts mit Gewalt zu tun hat ", schlug Kian vor und strich ihr dabei erwartungsvoll über den nackten Körper. Marie lachte heiser, stütze sich auf ihren Ellenbogen, sah Kian tief in die Augen und meinte dann: "Sei mein Held." Kian fing an zu lachen und zog sie zu sich herunter. Mit einem zärtlichen Kuss verschloss er ihre Lippen und ließ wenig später seiner und ihrer Leidenschaft freien Lauf.

"So ihr beiden, was ihr bis jetzt nicht ´geklärt´ habt, muss warten. Euer Sohn will zu seiner Mummy", hörte Marie eine Stimme. Nachdem Kian und sie sich noch mal geliebt hatten, waren sie eng aneinandergeschmiegt eingeschlafen. Verwirrt öffnete Marie ihre Augen und sah Mark in der Tür stehen, der Jamie auf den Arm hatte. Eine leichte Röte überzog ihr Gesicht, da es mehr als offensichtlich war, was sich hier in den letzten Stunden abgespielt hatte. Mark sah sie grinsend an. Kian war nun auch wachgeworden und knurrte: "Feehily, raus hier." Marks Grinsen wurde noch breiter. Er setzte Jamie auf den Boden und drehte sich zur Tür. "Ach bevor ich es vergesse. Louis hat uns das Wochenende freigegeben, da mit dir jetzt ja eh nichts anzufangen wäre. Am Montag geht’s weiter", meinte Mark noch und
verschwand. Schüchtern kam Jamie auf das Bett zu und schaute seine Eltern mit großen Augen an. "Na komm schon her, Champ", forderte Kian ihn lächelnd auf und hielt ihm die Arme hin. "Mummy, Daddy, sind wir jetzt wieder eine richtige Familie?", fragte Jamie mit seiner kindlichen Unschuld, als er auf Kians Beinen saß. Kian schaute Marie fragend an und nickte dann. "Ja, ich denke schon", antwortete er Jamie. "Cool", kam es dann nur.

Kurze Zeit starrte Kian vor sich hin und es schien, als wäre er mit seinen Gedanken plötzlich meilenweit weg. "Kian ist was?", fragte Marie besorgt. Kians Gesicht hellte sich genauso schnell wieder auf, wie es sich verdunkelt hatte und er grinste. "Ja, alles bestens. Ich hatte nur gerade die beste Idee meines Lebens. Marie vertraust du mir?" Marie war sich nicht sicher,
was seine Frage bedeuten sollte, aber sie nickte. "Super", meinte Kian dann nur, griff zum Telefon, das auf dem Nachtschrank stand und wählte eine Nummer. "Mark, Kian hier. Seid ihr schon auf dem Sprung oder erwische ich euch drei noch? Sehr gut, bleibt da wo ihr seid, wir kommen gleich rüber." Als er wieder aufgelegt hatte, lächelte er Marie an. "Los Darling, aus dem Bett mit dir. Wir haben noch einiges vor heute." "Könntest du mir mal bitte verraten, was in deinem hübschen Kopf so vor sich geht?", wollte Marie wissen. "Darling, lass dich überraschen. Ich muss erst mit den Jungs sprechen", entgegnete Kian sehr rätselhaft und scheuchte sie aus dem Bett.

Kurz darauf machten sich die drei auf den Weg in Marks Hotelzimmer, in dem auch Shane und Nicky auf sie warteten. Jamie verkrümelte sich gleich vor Marks Fernseher, da ihn die Gespräche der Erwachsenen nicht wirklich interessierten. "Hallo ihr beiden", grinste Shane, als er Marie und Kian Arm in Arm ins Zimmer kommen sah. "Also Egan, was liegt an, das wir noch nicht ins Wochenende dürfen?", wollte Nicky neugierig wissen. "Was habt ihr am
Wochenende vor?", fragte Kian statt einer Antwort. "Gil uns Sarah sind auf dem Weg hierhin. Wir haben uns überlegt, das Wochenende über hier zu bleiben und Dublin ein wenig unsicher zu machen. Warum?" erklärte Shane. "Was haltet ihr von einem Kurztrip nach...Las Vegas?" antwortete Kian auf Shanes Frage. Vier Augenpaare starrte Kian fragend an. "Kian, was willst du denn plötzlich in Las Vegas?" fragte Marie überrascht.

Kian drehte sich zu Marie um. Plötzlich war er verdammt nervös. "Verdammt, ich hab noch nicht mal einen Ring. Scheiß Spontanität. Aber egal, muss auch so gehen", murmelte er vor sich hin. Kurz schaute er zu seinen Freunden und dann wieder zu Marie. Dann kniet er vor Marie nieder, nahm ihre Hände in seine und sah sie liebevoll an. Shane, dem klar wurde, was hier passieren würde murmelte: "Ich geh kaputt." Dann schwieg er schnell wieder, da er
nichts verpassen wollte. "Marie, du bist das Allerwichtigste in meinem Leben. Ich liebe dich mehr als ich dir wahrscheinlich je zeigen kann und ich möchte dich immer bei mir haben. Willst du meine Frau werden?" Marie schaute Kian nach seinen Worten überrascht, erschrocken, verwirrt und doch voller Liebe an. "Ja...nein", kam es nun aus ihr heraus.

Kian hielt entsetzt die Luft an und schaute ihr traurig in die Augen. "Ich meine, ja - ich will deine Frau werden, irgendwann bestimmt, aber erstens können wir das unseren Familien nicht antun, einfach durchbrennen und heimlich heiraten. Und zweitens, wir sind gerade mal vier Stunden wieder zusammen, meinst du nicht das dies etwas sehr früh ist?", fügte Marie
schnell hinterher und wollte das Kian ihre Bedenken verstand. Erleichtert atmete Kian aus, stand auf und zog sie in seine Arme. "Ich möchte, das wir drei eine richtige Familie sind, mit allem drum und dran. Ich weiß einfach, das es klappen wird. Und wir werden hier noch mal kirchlich heiraten, das verspreche ich dir. Ich weiß auch, das es ohne dem nicht geht. Meine Mum reißt mir den Kopf ab. Also was meinst du?" Kian schaute Marie tief in die Augen und Marie wurde klar, das es nur eine Antwort geben konnte, egal wie verrückt die ganze Sache war. "Ok. Ich bin dabei. Auf nach Las Vegas", grinste sie. Kian zog ihren Kopf an sich heran und küsste sie leidenschaftlich. Als er sich wieder von ihr löste, strahlten sich beide an.
"Das ist ja der Hammer. Die Presse wird sich überschlagen. Lou kriegt den ultimativen Herzklabaster und wir haben tierischen Spaß", fand nun auch Nicky seine Sprache wieder. "Wir können also mit euch rechnen Jungs?", fragte Kian lachend. "Aber klar doch, das lassen wir uns nicht entgehen", grinste Shane und Mark nickte zustimmend.

Keine vier Stunden später saßen sie im Flugzeug nach London, um von dort weiter nach Las Vegas zu fliegen. Nicky hatte seine Geo angerufen und ihr die Sache erklärt, worauf sie schnell ein paar Sachen eingepackt hatte und auf dem schnellsten Weg ins Hotel gekommen war. Kian hatte sich währenddessen um Tickets und ein Hotel gekümmert. Als Gil und Sarah endlich eintrudelten, wurden auch sie noch schnell eingeweiht und nach langen herzlichen Umarmungen und Glückwünschen ging es dann los zum Flughafen. Jetzt saßen sie im Flugzeug und alle hatte eine Aufregung erfasst, die keiner wirklich deuten konnte. "Kian, ihr seid wirklich verrückt. Tante Pat reißt euch in Stücke", meinte Gil lachend, die auf der anderen Seite von Gang saß. "Findest du? Das mit Mum krieg ich schon hin. Sie liebt mich",
grinste Kian zurück. "Aber es ist super romantisch", meinte Geo, worauf Gil zustimmend nickte.

Plötzlich schaute Marie entgeistert zu Kian. "Darling, was ist los?", fragte Kan besorgt. "Kian ich habe gar kein Hochzeitskleid. Ich kann dich doch nicht in Jeans heiraten", meinte sie
jetzt entsetzt. Kian fing schallend an zu lachen. "Schatz, das kriegen wir hin. Wenn du sonst keine Sorgen hast. Wenn wir da sind, gehst du mit den Mädels los und kaufst dir einfach eins." Marie schaute Kian zweifelnd an, aber nach dem Kian noch mal bekräftigend nickte, seufzte sie erleichtert auf. "Genau, wir brauchen doch auch noch was zum anziehen. Und die Jungs werden ja wohl auch nicht in Jeans erscheinen wollen", stimmte Geo Kian zu, warf Nicky einen resoluten Blick zu, woraufhin Nicky mit den Augen leierte und seiner Frau die Zunge rausstreckte.

Nach langen Flug waren sie in den frühen Morgenstunden in Las Vegas gelandet. Zunächst waren sie ins Hotel gefahren, um ein paar Stunden zu schlafen. Sie waren doch alle ziemlich erschlagen, das es nach irischer Zeit schon früher Nachmittag war und sie somit mehr als vierundzwanzig Stunden auf den Beinen gewesen waren. Wirklich schlafen hatten sie im Flugzeug nicht können, es war mehr ein Schlummern gewesen. Nach dem sie ein wenig Schlaf nachgeholt hatten, frühstückten sie in aller Ruhe und wieder herrschte diese unerklärliche Aufregung bei allen. Nachdem Frühstück machten sich die Frauen und die Männer getrennt los, um was passendes zum Anziehen zu finden. Marie probierte einige Kleider an, konnte sich aber nicht wirklich für eines entscheiden. Irgendwas fehlte. Sie wollte ein elegantes helles Kleid. Kein richtiges Hochzeitskleid, da sie sich das für die kirchliche Trauung in Irland vorbehalten wollte. Aber es sollte doch zum Anlass passen und Kian
verrückt machen. "Marie, probier doch mal dieses hier", forderte Sarah sie auf. Seufzend nahm Marie das Kleid und taperte wieder in die Umkleidekabine. Als sie kurze Zeit später wieder hinaustrat, starrten ihre Freundinnen sie baff an. "Wow, du siehst hammermässig aus", meinte Sarah platt. Das Kleid, war ein schlichtes, cremefarbenes Abendkleid aus Seide. Es wurde durch zarte Spagettiträgern auf ihren Schultern gehalten. Es schmiegte sich sehr sexy um ihren schlanken Körper und betonte die Rundungen optimal. Marie drehte sich um und Gil pfiff durch ihre Zähne. "Na bei diesem Rückenausschnitt bleibt die Phantasie auf der Strecke", grinste sie dann. "Es steht dir wirklich sehr gut. Kian wird vor Entzücken ganz außer sich sein, wenn er dich sieht", stimmte Geo Gil zu. "Gut, dann nehme ich es." Marie hatte vor Aufregung ganz rote Wangen bekommen und strahlte mit der Sonne von Las Vegas um die Wette. Schnell kauften sie noch passende Schuhe und sexy Unterwäsche und waren dann schon wieder auf dem Weg zurück ins Hotel.

Am späten Nachmittag lag Marie auf dem Bett und ruhte sich aus. Dabei dachte sie an die letzten sechsunddreißig Stunden. Gott, was war alles geschehen? Marie fühlte sich wie in einem ICE, alles flog an ihr vorbei. Und in ein paar Stunden war sie verheiratet. Marie musste lächeln, sie war so glücklich. Es klopfte an der Tür und Marie rappelte sich auf, um sie zu
öffnen. Vor ihr standen die Mädels und grinsten sie an. "Hey, was gibt’s?", wollte Marie wissen. "Wie? Was gibt’s? Es wird Zeit das du dich so langsam in Schale schmeißt oder denkst du, Kian wartet ewig vorm Altar?", lachte Gil. Marie schaute auf die Uhr und erschrak. "Oh Gott, ich habe die Zeit ganz vergessen. Kommt rein, ich spring eben unter die Dusche", meinte Marie und trat einen Schritt zurück, damit die drei eintreten konnten. Jetzt fiel ihr auch erst auf, das sie schon alle umgezogen waren.

Marie lief ins Bad und stellte sich unter die Dusche. Kian war vor einer Stunde mit Jamie zu Shane rüber gegangen, da er sie erst vorm Altar in dem Kleid sehen wollte. Er konnte so hoffnungslos romantisch sein. Wie gerne würde sie ihn jetzt noch mal sehen, ihm umarmen und küssen, damit sie wusste, das sie das alles nicht nur träumte. Sie vermisste ihn wahnsinnig, obwohl er erst eine Stunde weg war. Marie stieg aus der Dusche und wickelte
sich in eines der großen, flauschigen Handtücher. Als sie vorm Spiegel stand, hörte sie draußen Stimmen. "Gil, ich will sie doch nur noch mal kurz sehen. Und wenn sie das Kleid noch nicht anhat, ist das doch gar kein Problem", meinte Kian mit trotziger Stimme. Marie musste grinsen. "Cousin, Cousin. Ich kann mir doch eh den Mund fusselig reden. Du machst doch eh was du willst. Sie ist im Bad. Beschwer dich aber nicht, wenn sie zu spät zur
Hochzeit kommt, also beeil dich", hörte Marie jetzt Gil resigniert sagen. Kurz darauf klopfte es. "Ja", meinte Marie lächelnd und die Tür öffnete sich. Kian schaute vorsichtig durch den Spalt der Tür und fing an zu lächeln, als er Marie entdeckte. "Hey", meinte er als er eintrat und die Tür hinter sich schloss. "Was machst du denn hier?", wollte Marie lächelnd wissen. "Ich wollte dich nur noch mal kurz sehen, dich in den Arm nehmen, dich küssen, damit ich weiß das ich das alles nicht träume", meinte Kian verlegen und machte einen Schritt auf sie zu. Marie musste grinsen, da sie vor einer Minute genau das gleiche gedacht hatte. "Komm her", meinte sie und schmiegte sich in seine Arme. Ihre Lippen fanden sich zu einem
leidenschaftlichen Kuss. "Ich liebe dich", meinte Marie flüsternd, als sie sich wieder von einander lösten. "Ich liebe dich auch", antwortete Kian und küsste sie noch mal. Dann löste er sich ein wenig von ihr und griff mit einer Hand in seine Hosentasche. "Den hier wollte ich dir noch geben, nicht das du ohne einen vor den Altar trittst", meinte er dann und hielt Marie ein
kleines Kästchen hin. Mit zitternden Händen und klopfenden Herzen nahm sie das Kästchen und öffnete es. Auf einem Samtbett lag eine schlichter Ring mit einem kleinen eingefassten Diamanten. "Oh Kian", flüsterte sie ergriffen. Mit einem verträumten Lächeln nahm Kian den Ring aus dem Kästchen und griff nach Maries linker Hand. Dann schaute er ihr tief in die Augen und schob den Ring vorsichtig auf ihren Finger. "Dann sind wir jetzt offiziell verlobt",
grinste er, als er den Ring da hatte, wo er ihn haben wollte. "Ja, jetzt ist es offiziell. Aber das hättest du nicht...", entgegnete Marie liebevoll. "Doch. Auch wenn wir alles etwas schneller machen, als es normal ist. Ein Verlobungsring gehört dazu", schnitt Kian ihr das Wort ab. Dann küsste er sie noch mal liebevoll, bevor er von einer ihm bekannt Stimme unterbrochen
wurde. "So Cousin. Deine Zeit ist um. Raus jetzt hier." Kian verdrehte die Augen, drückte Marie schnell noch einen Kuss auf die Lippen. "Bis nachher, ich freu mich schon wahnsinnig", meinte er und drehte sich um. "Ich geh ja schon", meinte er zu Gil und verzog sich. Marie stand noch immer lächelnd im Bad, als Kian schon lange weg war und spielte mit ihrem Ring. "So Mädchen und nun zu dir. Möchtest du jetzt noch länger grinsend vor dich hin starren oder wollen wir nun aus dir eine Braut machen?" Gil musste bei Maries Anblick lachen, auch wenn sie wusste wie man sich an so einem großen Tag fühlte.

Zwei Stunden später verließen die vier das Hotel. Vor dem Eingang stand eine lange weiße Limousine, die sie zur Kapelle fahren sollte. Gil musste laut lachen. "Kian ist echt verrückt, er hat wirklich an alles gedacht." Vorsichtig halfen sie Marie beim einsteigen. Sie sah wirklich wunderschön aus. Das Kleid stand ihr wirklich ausgezeichnet. Ihre langen blonden Haare
waren von einem Friseur hochgesteckt worden und kleine Perlen waren mit eingearbeitet. Einzelne Strähnen hingen auf ihre Schultern herab. Zum guten Schluss hatte Geo ihr noch ein leichtes Make-up aufgelegt. Nun saß Marie ziemlich nervös in der Limousine und knetete ihre Hände. "Hoffentlich hat er sich nicht aus dem Staub gemacht", murmelte sie. "Quatsch. Red kein Blödsinn. Sie sind alle fünf vor eine viertel Stunde losgefahren und glaub mir, mein Cousin war mindestens genauso nervös wie du. Der ist gar nicht in der Lage, irgendein Blödsinn zu machen", redete Gil beruhigend auf Marie ein. Marie lächelte gequält.

Als sie vor der kleinen Kapelle ankamen, wartete Mark auf sie. Als er Marie sah, blieb ihm der Mund offen stehen. Wow Marie, also wenn Kian nicht will, ich würde dich auf der Stelle heiraten. Du siehst einfach umwerfend aus", stammelte er und grinste von einem Ohr zum anderen. "Wie Kian will nicht mehr?", fragte Marie entsetzt und starrte Mark an. Der bekam von seiner Sarah einen schmerzhaften Rippenstoß verpasst und dann schaute sie ihn böse an. "Nein, so hab ich es doch gar nicht gemeint. Sicher will er noch. Ich glaub sogar, wenn du dich nicht beeilst, kommt er her und schleift dich eigenhändig zum Altar. Er macht uns schon ganz wahnsinnig. Es sollte eigentlich nur ein Kompliment sein." Marie atmete erleichtert aus. "Mann, hast du mir einen Schrecken eingejagt", erwiderte sie dann lächelnd. "Ich sollte dir eigentlich auch nur das hier von Kian geben." Mark reichte Marie einen kleinen Blumenstrauß aus roten Rosen. "Oh danke. Der ist aber wunderschön." "Aber nur halb so schön wie du", entgegnete Mark, nickte eifrig um seine Worte zu untermauern und gab ihr noch einen leichten Kuss auf die Wange. "So und nun hinein mit dir", meinte Mark und lief schon vor, um Kian Bescheid zu geben, das Marie jetzt da war.

"Und wenn sie doch nicht kommt? Vielleicht hat sie es sich ja anders überlegt." Kian tigerte hin und her. "Kian." Shane verdrehte die Augen. "Vielleicht hab ich sie doch zu sehr überrumpelt mit dieser Aktion." Kian war kaum noch zu beruhigen. "Kian, sie...", versuchte Shane es wieder. "Es ging doch alles zu schnell. Ich könnte ihr noch nicht mal böse sein." Kian hatte jetzt Tränen in den Augen. "Kian John Francis Egan. Jetzt hör endlich auf. Sie wird kommen, weil sie dich liebt und deine Frau werden will. Hör auf, den Teufel an die Wand zu malen. Du machst uns ganz wahnsinnig", polterte Nicky jetzt los, musste dann aber doch lächeln, da er haargenau wusste wie es war, auf seine Braut zu warten. Kian seufzte laut und fing wieder an, hin und her zu tigern. In dem Moment kam Mark wieder rein und
grinste Kian an. "Sie sind da - und Marie sieht traumhaft aus. Also wenn du kalte Füße kriegen solltest, dann spring ich für dich ein." "Feehily halt die Klappe", kam es nur von Kian. Mark stellte sich schnell zu Shane und Nicky, während Kian vor dem Altar stand und wie gebannt zur Tür starrte. Jamie stand neben ihm und klammerte seine Hand. Auch er schien aufgeregt zu sein.

Dann ging die Tür auf. Erst kamen Sarah, Gil und Geo hintereinander herein. Dann stand Marie und lächelte ihn an. Kian musste hart schlucken. Mark hatte Recht gehabt, Marie sah einfach atemberaubend aus. Sie sah aus wie ein Engel - wie sein Engel. Kian fing an zu lächeln und sah Marie erwartungsvoll entgegen, wie sie langsam auf ihn zuschritt. In Maries Magen flatterten tausende Schmetterlinge, als sie langsam auf den Altar zuschritt. Er sah
einfach umwerfend in seinem weißen Smoking aus. Am liebsten würde sie sofort über ihn herfallen. Jamie zog an Kians Arm und ohne den Blick von Marie zu nehmen, beugte er sich zu seinem Sohn herunter. "Mummy sieht toll aus", flüsterte Jamie aufgeregt. Kian nickte seinem Sohn mit strahlenden Augen zu und erhob sich wieder. Marie war jetzt bei ihm angekommen. Er streckte seine freie Hand aus und Marie legte ihre in seine. Sie lehnte sich kurz an ihn und flüsterte: "Ich liebe dich." "Du siehst traumhaft aus. Ich liebe dich unendlich", flüsterte er zurück, bevor sie sich um Friedensrichter drehten, der sie trauen sollte. "Wir sind heute hier zusammengekommen, um diese Frau und diesen Mann in den heiligen Stand der Ehe zu führen. Wenn irgendjemand Einwände gegen diese Bindung hat, möge er jetzt reden oder für immer schweigen", begann der Friedensrichter und verharrte einen Augenblick. "Da niemand einen Einwand erhoben hat, frage ich dich Kian John Francis Egan,
möchtest du die hier anwesenden Marie Johnson zu deiner rechtmäßig angetrauten Ehefrau nehmen? Sie lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit, in Reichtum und Armut bis das der Tod euch scheidet? So antworte Ja ich will", fuhr er dann fort. Marie schaute Kian erwartungsvoll in die Augen. "Ja, ich will", meinte Kian mit fester Stimme und strahlte Marie an. "Möchtest du Marie Johnson, den hier anwesenden Kian John Francis Egan zu deinem rechtmäßig angetrauten Ehemann nehmen, ihn lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit, in Reichtum und Armut, bis das der Tod euch scheidet? So antworte auch du mit Ja ich will", fragte der Friedensrichter nun auch Marie. "Ja, ich will", antwortete mit bebender Stimme und strahlte. "Nehmt diese Ringe als Zeichen eurer Liebe und Verbundenheit", meinte der Friedenrichter daraufhin und hielt ihnen das kleine Tablett mit den schlichten Ringen, die Kian am Nachmittag ausgesucht hatte. Kian griff nach dem kleineren Ring und steckte ihn mit zittriger Hand an den linken Ringfinger von Marie. Dabei standen ihm vor Rührung Tränen in den Augen. Schniefend nahm Marie den anderen Ring und steckte ihn Kian an. "Dann erklär
ich euch hiermit Recht meines Amtes zu Mann und Frau. Du darfst die Brau jetzt küssen", endete der Friedensrichter. Kian ließ sich das nicht zweimal sagen. Zärtlich zog er Marie lächelnd in seine Arme und küsste sie leidenschaftlich. Großer Jubel brandete bei den anderen auf und alle klatschten begeistert.

Wenig später saßen alle in einem noblen Restaurant und feierten. Shane schaute sich gerad die Bilder auf seiner Digitalkamera an, die er von der Trauung und nach der Trauung gemacht hatte. "Also ich finde, wir sollten die beiden nehmen", meinte er dann und zeigte den anderen, welche er meinte. Auf dem einen konnte man Marie und Kian erkennen, wie sie sich den Hochzeitskuss gaben und dann eins, wo sie alle drauf waren. Kian nickte zustimmend. "Das
denke ich auch. Dann lasst euch mal noch einen netten Text einfallen und dann per E-Mail alles nach Irland. Das schlägt ein wie eine Bombe", grinste er. Alle stimmten in sein Lachen mit ein. Kian lächelte Marie verliebt an und gab ihr einen Kuss.

Kurz darauf spielte die Band des Restaurants Maries und Kians Lied. Kian stand auf, machte eine leichte Verbeugung und meinte lächelnd: "Mrs. Egan darf ich bitten?" Marie legte ihre Hand in seine und ließ sich hochziehen. "Aber sicher Mr. Egan." Beide gingen zu der kleinen Tanzfläche und Kian nahm Marie zärtlich in seine Arme. "Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich ich bin. Ich liebe dich so sehr und es macht mich stolz, das du meine Frau bist", meinte Kian leise und lächelte Marie an. "Ich kann das alles noch gar nicht glauben. Wir sind schon verrückt. Ich liebe dich unendlich", erwiderte Marie. "Was meinst du, wollen wir nach diesem Lied uns zurückziehen und unsere Hochzeitsnacht genießen?" fragte Kian nun und
grinste sie schelmisch an. "Und die anderen? Was ist mit Jamie?" fragte Marie. "Die anderen sind schon groß, die können auch ohne uns feiern. Und Jamie bleibt heute bei Shane und Gil. Sie wollen auf ihn aufpassen, damit wir unsere Hochzeitsnacht genießen können", meinte Kian und sah Marie fragend an. Marie lächelte und zog Kian in Richtung Ausgang. "Dann lass uns von hier verschwinden", meinte sie dann nur. Als sie im Hotel an ihrem Zimmer ankamen, hängten sie das "Bitte-nicht-stören-Schild" an die Tür und Kian hob Marie auf seine Arme, um sie standesgemäß über die Schwelle zu tragen.

Am nächsten Tag stand die Pressewelt Kopf, nachdem die Jungs die Bilder und die Pressemitteilung an die Zeitungen in Irland und England geschickt hatten. Nachdem die Handys nicht mehr stillstanden, wurden sie einfach grinsend abgestellt.

Kian Egan heiratet Jugendliebe

Wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, hat Kian Egan gestern in Las Vegas seine Jugendliebe Marie Johnson geheiratet. Die Hochzeit fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nur der Sohn der beiden Jamie Johnson und die Bandkollegen mit ihren Frauen waren bei der Hochzeit anwesend. Aber es soll noch in diesem Jahr eine kirchliche Trauung in Sligo stattfinden. Ein offizielles Statement von Kian Egan liegt bisher noch nicht vor, aber wir bleiben am Ball. Diese Hochzeit kommt für alle sehr überraschend. Vor einigen Wochen hieß es noch, das sich Marie Johnson mit ihrem Arbeitgeber Steven Finley verlobt haben soll und mit ihm nach London gehen würde. Aber das hat sich dann jetzt wohl erledigt. Zumindest wollen wir den beiden gratulieren und wünschen Ihnen alles Gute und viel Glück


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