Alex sah sich auf dem Dubliner Flughafen um. Ein Jahr würde sie nun als
Au pair auf der Grünen Insel verbringen und sie war sich sicher, dass dieses
ihr Bestes in ihrem ganzen Leben werden würde. Natürlich hatte sie
ihre Familie, Freunde und ihren Freund Robin zurücklassen müssen,
aber die Tatsache, dass sie neue Leute kennen lernen würde und zu dem noch
in Sligo der Heimatstadt von ihrer Lieblingsband Westlife leben würde heiterte
sie wieder auf. Glücklich lächelnd schob sie den Gepäckwagen,
der mit fünf Koffern bepackt war, die runterfallen zu drohten, durch den
Ausgang und hielt nach ihre Gastfamilie Ausschau.
Wenige Minuten später kam eine Familie mit drei Kindern auf sie zu. Alex ging lächelnd auf sie zu. "Familie O’Reilly?" fragte sie schüchtern. "Ja!" Die Frau, die im Moment einige Mühe hatte ihre Kinder bei sich zu behalten lächelte sie an. "Und sie sind Alexandra?" Alex nickte. "Willkommen in Irland! Ich bin Becky." "Steve", meinte der rothaarige Mann nur lächelnd. Becky schob einen etwa sechsjährige Jungen vor sich. "Das ist Rodney und das..." Sie zog die zwei kleine Zwillingsmädchen hinter ihrem Rücken hervor "...sind Joanna und Shalina" "Hallo", sagten die drei auf einmal ziemlich artig. "Unsere älteste Tochter ist zu Hause bei ihre Großmutter", bemerkte Steve noch, bevor er ihre Koffer nahm und sich Richtung Parkplatz bewegte.
Nach einer etwas längern Fahrtzeit, auf der sie schon viel über das Leben in Irland und der O’Reillys erfahren hatte kamen sie am Haus der Familie an. Es lag in einer kleinen Straße und war von einem großen Garten umgeben. In der Ferne konnte man sogar das Meer glitzern sehen. Zwei Koffer hinter sich herschleifend folgte Alex Becky ins Innere. Gerade als sie über die Schwelle treten wollte, kam ihr einen gutmütig aussehende Frau entgegen, die sich als Molly Benson und Großmutter der Kinder vorstellte. Alex begrüßte sie freundlich und stand dann einem zehnjährigen, mürrisch aussehenden Mädchen gegenüber. "Hi, ich bin Alex und du musst Heather sein, oder?!" Das Mädchen nickte bloß stumm und beugte sich dann hinunter um einen großen Schäferhund zu streicheln.
"Komm ich zeig dir dein Zimmer." Becky führte sie die Treppe hinauf in das obere Stockwerk und öffnete die Tür zu einem kleinen Zimmer. "Wow!" Alex blickte sich staunend um. Durch die Fenster in der Dachschrägen konnte sie auf das Meer hinausblicken und auch sonst war das Zimmer recht hübsch. Zwar fehlten noch ein paar Kleinigkeiten, aber sie war sich sicher, dass sie sich ihr wohl fühlen würde. "Und das ist dein Badezimmer." Becky trat aus dem Raum und wäre fast in Steve reingelaufen, der sich erbarmt hatte schon mal die Koffer hinauf zu tragen. "Oh lassen sie, ich mach das schon." Mit diesen Worten nahm sie ihm die Gepäckstücke ab und stellte ihn in eine Ecke des Raums. Schließlich konnte ihr Becky doch noch das Haus zeigen, bevor sie wieder nach oben ging um ihr Zimmer herzurichten.
Joanna und Shalina, die Alex wieder nach oben gefolgt waren, turnten schon im Bett herum, als Alex das Zimmer betrat. Lächelnd schaute sie dem Treiben eine Weile zu, dann drückte sie ihnen ein kleines Geschenk in die Hand und die Kinder waren von dem Bilderbuch abgelenkt, so dass Alex in Ruhe auspacken konnte. Zum Schluss stellte sie die zahlreichen Bilder von ihren Freunden auf und hängte noch ein schönes Poster von ihrer Lieblingsband Westlife hinter die Tür. "Heather das auch hat." Joanna deutete auf das Westlifeposter. "Jaja..." Alex lächelte nur müde, schnappte sich dann die beiden und ging hinunter zu dem Rest der Familie.
Am nächsten Tag wurde sie durch Sligo geführt. Die O’Reillys zeigten ihr den nächsten Supermarkt, Klamottenladen und Pub, so dass sie sich schon bald ziemlich gut auskannte und sich schließlich von Joanna und Shalina den Weg zu ihrem Kindergarten zeigen ließ. Stolz deuteten die beiden auf ein sandfarbenes Gebäude, das von einer riesigen Spielwiese umgeben war. Dann besichtigten sie noch die Schule, auf die Rodney und Heather gingen, bevor sie sich wieder auf den Rückweg machten.
***
Auch in den nächsten Tagen verlief alles super. Alex stand zusammen mit der Familie auf, frühstückte und machte dann etwas Ordnung, bevor sie gegen Mittag die Zwillinge abholte und sich mit ihnen beschäftigte. Joanna, Shalina und Rodney hatten sie bereits in Herz geschlossen, aber Heather war immer noch so unnahbar wie am ersten Tag.
Am Freitagnachmittag dann, Shalina und Joanna hielten ihren Mittagsschlaf, während Alex im Sessel saß und etwas las, kam plötzlich Heather nach Hause. Sie grüßte nur kurz, dann verschwand sie im Garten um ihre Hausaufgaben zu erledigen. Alex blickte ihr hinterher. Normalerweise mochten sie die Kinder auf den ersten Blick, aber Heather schien so verschlossen zu sein. Sie hoffte, dass sich das irgendwann noch ändern würde. Seufzend wand sie sich wieder ab und drückte den Lautstärkenregler des Cd Players, denn gerade tönte "I get around" aus dem Lautsprecher. Sie mochte dieses Lied, seitdem sie es das erste Mal auf der "Greatest Hits-Tour" von Westlife gehört hatte. Und da es auch noch Nicky gesungen hatte war es erst recht kein Wunder, dass sie wieder mal an das Konzert denken musste. Außerdem war sie gespannt, ob ihr größter Traum -Westlife zu treffen- mal in Erfüllung gehen würde. Jetzt wo sie schon mal in Sligo wohnte. Der Tag an dem sie das erfahren hatte war einfach genial gewesen. Sie war von der Schule nach Hause gekommen und hatte den Brief von der Agentur, die den Aufenthalt durchführte natürlich sofort geöffnet. Insgeheim hatte sie gehofft nach Sligo zu kommen, hatte aber nicht damit gerechnet, so dass sie Überraschung noch größer war. Sie seufzte nochmals. Bisher hatte sie ja noch kein Glück gehabt, aber vielleicht ergab sich ja irgendwann noch mal die Möglichkeit die Jungs zu treffen. Als sie wieder langsam in die Realität zurückkehrte blickte sie auf. Heather lag vor dem Lautsprecher und sang leise mit. Alex musste lächeln. Warum hatte sie denn nicht vorher daran gedacht? Joanna hatte ihr doch schon mal erzählt, dass ihre große Schwester auch ein Westlifeposter besaß und so wie sie jetzt vor der Anlage lag bestanden wohl keine Zweifel, dass sie ebenfalls ein großer Fan von der irischen Band war. Sie schaltete weiter, bis zu "Do you love me". "Hast du alle Lieder, die sie auf dem Konzert gesungen haben?" "Ja klar!" Alex musste lächeln. "Cool! Kannst du mir die Cd mal ausleihen?" Heather blickte sie bittend an. "Klar. Warst du auf dem Konzert?" "Nee, aber ich hab die DVD." Sie sprang auf und lief zum Schrank um sie Alex zu zeigen. Können wir die angucken?" "Okay." "Ich hol dann noch was zu trinken" Begeistert rannte sie in die Küche um sich für den DVD-Nachmittag einzudecken, während Alex den DVDPlayer zum laufen brachte. Die nächsten Stunden bis zu Rodneys Rückkehr schauten sie sich also das großartige Konzert an, unterhielten sich über Westlife und ihre Lieblingslifer und Alex war froh, dass das Eis nun endlich gebrochen war.
***
Nach diesem Nachmittag verstanden sich Alex und Heather immer besser. Die Zehnjährige kam jetzt immer öfter, wenn Alex kleine Hausarbeiten zu erledigen hatte, setzte sich in eine Ecke des Zimmers und unterhielt sich mit ihr über Gott und die Welt. Mit Rodney, Shalina und Joanna hatte es ja auch schon vorher keine Probleme gegeben und das änderte sich auch nicht. Alex fühlte sich einfach nur glücklich und verspürte auch kein Heimweh mehr. Im Gegenteil. Sie wollte am liebsten für immer hier bleiben. Das dies auch irgendwann mal passieren würde, davon konnte sie noch nichts ahnen.
***
Etwa fünf Monate später ereignete sich das, dass Alex’ Leben für immer verändern sollte. Am letzten Samstag im Januar feierten Joanna und Shalina ihren 4. Geburtstag. Natürlich hatten sie ihr zahlreichen Freunde eingeladen, so dass das Haus ziemlich voll werden würde. Heather und Rodney hatten sich schon einmal sicherheitshalber bei ihrer Großmutter einquartiert, um nicht von den kleinen Kindern genervt zu werden. Aber Alex war mittendrin in den Vorbereitungen und dem Fest selbst. Schon wieder klingelte es an der Tür und eilig lief sie, gefolgt von Joanna, zur Tür. Sie öffnete und blickte sofort in zwei strahlend blaue Augen. "Hi, ich wollt Molly vorbei bringen, weil ihre Eltern verhindert sind." "Molly!" Mit einem Aufschrei drängelte sich Joanna durch Alex’ Beine hindurch und zog den kleinen Blondschopf in die Wohnung. "Können sie die Kleine dann wieder bei mir vorbeibringen? Ich lass meine Adresse hier." "Ähm... ja klar. Ein Moment bitte." Mit klopfendem Herzen ging sie in die Wohnung um einen Notizblock zu holen. Das konnte nicht wahr sein. Jetzt lebte sie schon fast fünf Monate in Sligo und ausgerechnet heute traf sie Kian von Westlife. Sie war sich ganz sicher das er es wirklich war, denn diese Augen konnten nur ihm gehören. Schüchtern lächelnd trat sie wieder an die Haustüre und reichte ihm Block und Stift. Kian grinste sie nur an, als sie ihn so unauffällig wie möglich musterte. "Wie heißen sie?" fragte er sie schließlich. "Alex", kam es leise von ihr. "Sie sind aber nicht von hier, oder?!" "Nein, ich komme aus Deutschland." "Merkt man." "Warum?" Sie sah ihn irritiert an. "Naja..." Nun war er es, der verlegen lächelte. "Erst mal an ihrer Aussprache und dann sind deutsche Mädels sehr hübsch." Alex’ Gesicht färbte sich etwas rötlich. "Danke", stammelte sie schließlich verlegen, bevor er mit einem letzten Lächeln verschwand. "Dann bis heute Abend." Er winkte ihr noch mal kurz zu und stieg dann in seinen Sportwagen.
Den ganzen Nachmittag war Alex etwas aufgeregt, aber durch die Kinder und die Spiele, die sie mit ihnen veranstaltete wurde sie vom Abend abgelenkt. Als es dann aber schließlich doch soweit war, klopfte ihr Herz wie verrückt. Jetzt musste sie nur noch so deichseln, dass sie Molly bei Kian abliefern konnte und sie hatte Glück, denn Beckys Auto war schon voll, als Molly endlich ihre Jacke anhatte und zusammen mit den restlichen Kindern aus dem Haus gestiefelt kam.
Alex lieferte erst mal die anderen Kinder ab, denn sie sahen alle schon ziemlich müde aus. Zum Schluss hielt sie vor Kians Wohnung, nahm Molly und Shalina, die unbedingt mitkommen musste, an der Hand und marschierte die drei Stockwerke hinauf. Kian wartete bereits auf sie. Ihm huschte ein Grinsen über die Lippen, als er die zwei mit Tomatensoße bekleckerten Kinder sah. "Ich will mit Shalina spielen." Molly wand ihr rotes Soßengesicht zu Kian empor. Er schaute fragend zu Alex, die kurz nickte und dann "Aber nur kurz" sagte, bevor die beiden in der Wohnung verschwanden. "Wollen sie noch mit rein kommen? Ist vielleicht gemütlicher." Mit einem abschätzigen Blick musterte er das Treppenhaus und führte sie dann in das Wohnzimmer. Alex ließ sich auf die bequeme Couch fallen und nach ein paar Minuten kam Kian mit einer Flasche Wein zurück. "Es dauert bestimmt noch bis Molly abgeholt wird und solange kann Shalina ja noch mit ihr spielen, wenn sie nix dagegen haben..." "Schon okay", antwortete sie hastig. Von ihr aus konnte sich es ruhig noch bisschen dauern, bis die Kleine abgeholt werden würde.
Fast eine halbe Stunde später, die nach Alex’ Meinung viel zu schnell verging, kam Kerry um ihre älteste Tochter nach Hause zu bringen. Sie grüßte freundlich, unterhielt sich noch kurz mit Kian und verschwand dann wieder, da Lilly unten im Auto saß.
"Naja... wir werden dann auch mal gehen." Alex strich Shalina, die halb auf ihrem Bein lag eine Haarsträhne aus dem Gesicht und hob sie hoch. Sofort fielen ihr die Augen zu. "Soll ich sie runter tragen?" Kian warf ihr einen fragenden Blick zu, nahm ihr dann die Kleine ab und trug sie hinunter zu Alex’ Wagen. "Danke", flüsterte sie schließlich, denn Shalina war bereits eingeschlafen und sie wollte sie auf keinen Fall aufwecken. "Kein Problem." Kian lächelte sie wieder so unverschämt süß an, so dass sie sich schnell abwand und ihm nur noch mal zuwinkte, bevor sie wieder verschwand. Kian stand noch einiger Zeit da und blickte dem abfahrenden Auto hinterher...
***
In der nächsten Woche hatten sich Shalina und Joanna wieder mit Molly zum Spielen verabredet. Doch dieses Mal musste Alex die beiden zu den McFaddens bringen, da Becky verhindert war.
Nach nur zwei mal Verfahren hatte sie auch schließlich das Haus gefunden. Kerry öffnete ihr, mit Lilly auf dem Arm, die Tür. Sie lächelte sie an und unterhielt sich noch kurz mit ihr, bevor Alex wieder davon fuhr, denn sie wollte die Zeit in Dublin nutzen um mal wieder ausgiebig shoppen zu gehen, zumal sie eh ihren freien Tag hatte.
Gegen 18 Uhr machte sie sich wieder auf den Weg zu den McFaddens, aber nicht Kerry oder Bryan, sondern Kian öffnete ihr. "Hi, was machst du denn hier?" Alex war so erstaunt, dass ihr einfach nichts besseres einfiel. "Na das klingt ja nicht sehr begeistert", sagte Kian mit gespielt traurigem Tonfall. "Tut mir leid." Sie grinsten sich wieder an. "Aber ich war so..." KNIRSCH. Ein Wagen bremste plötzlich im Hof, so dass der Kies zur Seite spritze. Erschrocken fuhr Alex herum und erblickte Nicky, ihren Lieblingslifer, der mit einem Satz aus seinem Cabrio sprang. Er lief auf sie zu, musterte Alex mit einem Seitenblick und grinste dann Kian an. "Das ist Alex." Kian versuchte den Blicken seines Bandkumpels zu entgehen, indem er zwischen den beiden hin und her deutete. "Hi, ich bin Nicky." Er reichte ihr, immer noch grinsend die Hand, als Molly mit den Zwillingen angelaufen kam. "Das sind doch nicht deine, oder?!" Er musterte sie überrascht. "Nein, nein. Das sind die Kinder von der Familie, wo ich als Au Pair beschäftigt bin." "Achso..." Er schien wieder beruhigt zu sein und nahm Molly, die an seinen Beinen auf uns ab sprang, auf den Arm,. "Ich geh dann auch mal", sagte Alex mit einem kurzen Blick auf die quengelnde Joanna. "Aber wir sehen uns bald?" "Klar!" Sie lächelte Kian an, so dass Nicky wieder mal grinsen musste.
***
"Bei O’Reilly." "Hi ihr ist Kian." "Oh, hi." Alex war etwas erstaunt, dass er bei ihr anrief. "Ähm, ich hab heute mal einen freien Tag und da wollte ich wissen, ob wir nicht was unternehmen wollen. Natürlich nur wenn du Zeit hast." "Naja", sie klemmte sich den Telefonhörer unters Ohr und eilte schnell zum Herd zurück, denn die Frikadellen, die sie gerade am machen war rauchten schon etwas. "Scheiße", entfuhr es ihr. "Was?" "Ach, dass Essen ist nur grad angebrannt. "Wegen mir?" "Sozusagen." "Oh." Kian sagte eine Sekunde lang nichts mehr. "Also, was ist nun mit heute?" "Achso, ja das ginge, aber erst heute Nachmittag. Ich muss auf die Kleinen aufpassen und Becky kommt erst um vier Uhr wieder." "Das macht nichts. Ich komm dann so um fünf Uhr, okay?! Und Abends können wir ja was Essen gehen, damit du auch mal was nicht Angebranntes bekommst." Er musste grinsen. "Hahaha, ich kann kochen. Das ist nur, weil du angerufen hast." "Das kann ja jeder sagen. Aber ich komm dann heute Abend vorbei, okay?!" sagte er schnell um wieder aufs Thema zurückzukommen. "Ja, bis dann." Strahlend legte sie auf. Ein Date mit Kian. Bis vor einer Woche hatte sie noch gehofft Westlife zu treffen und jetzt ging sie sogar mit einem von ihnen aus. Das Leben war schon verrückt.
Kian stand pünktlich vor der Haustür und Alex, die schon am Küchenfenster Ausschau gehalten hatte kam eilig rausgelaufen. Sie trug ein violettes, kurzes Kleid mit Strassträgern. Dazu hatte sie hochhackige Riemchensandalen an, so dass ihre Beine noch länger erschienen. Kian konnte gar nicht die Augen von ihr lassen, als er ihr die Wagentür aufhielt. Den Abend verbrachten sie in einem kleinen chinesischen Restaurant, wo sie in der hintersten Ecke saßen. Sie unterhielten sich über Gott und die Welt und lachten viel. Besonders über ihr Leben in Deutschland wollte Kian viel wissen, denn er kannte von den paar Städten die er bereist hatte meistens nur den Flughafen, die Konzerthalle und das Hotel. Also erzählte sie ihm einiges über ihre kleine Heimatstadt. "Und was ist mit Boyfriends?" fragte er plötzlich vorsichtig an. "Oh." Alex blickte ihm verlegen an. Wenn sie ihm jetzt erzählen würde, dass sie eigentlich einen Freund hatte, war der schöne Abend bestimmt gelaufen. Allerdings wollte sie ihn auch nicht anlügen. "Naja, manchmal gibt es schon einen." "Manchmal?!" "Manchmal!" Sie hoffte, dass das Thema nun vom Tisch sei und fing schnell mit was anderem an. Und tatsächlich. Kian schien die Sache mit dem Freund vergessen zu haben und redete nicht mehr davon. Alles in allem wurde es ein schöner Abend, auf den viele weitere folgten, an denen sie sich natürlich immer besser kennen lernten.
***
An einem Sonntag, Anfang April, hatte Kian endlich mal wieder einen freien Tag und den wollte er mit Alex verbringen, die an diesem Tag aber auf die Kinder aufpassen musste, da Becky und Steve zusammen mit Heather nach Dublin gefahren waren. Also fuhr er kurzentschlossen bei Bryan vorbei, holte Molly ab und nahm sie mit nach Sligo. Die Kleine war schon ganz hibbelig, als sie schließlich vor dem Haus der O’Reillys ankamen. Schnell sprang sie aus dem Auto und rannte in den Garten. Kian musste lächeln. Er konnte sich schon gut vorstellen, dass seine Kinder später auch mal so Windfänge werden würden. "Komm ich mach das." Er drückte eilig den Klingelknopf, denn Molly reckte sich schon seit einer ganzen Weile danach und kam einfach nicht dran. Durch die getönte Scheibe konnte er erkennen, dass sich etwas hinter der Türe regte und kurz darauf lugte Rodney durch den Türspalt. "Molly ist da." Er riss die Tür auf. "Du sollst doch nicht die Tür aufmachen, wenn ich nicht dabei bin", schalt Alex ihn, bevor ihr Blick auf Kian fiel, der lässig an den Türrahmen gelehnt dastand und sich von dem Schäferhund beschnuppern ließ. "Ich hab Molly mitgenommen, damit wir doch was unternehmen können." "Ja, ich hör’s." Alex musste lachen, als ihre Worte fast von dem Geschrei der Kinder übertönt wurden. "Wir können ja spazieren gehen, dann können sie sich austoben." "Ist okay." Sie griff nach den Jacken der Kinder und zog sie ihnen an. Dann machten sie sich auf zu einem kleinen Spaziergang, der am Spielplatz endete, wo Kian zusammen mit Molly, Joanna, Shalina und Rodney eine Sandburg baute, während Alex es sich auf einer Schaukel bequem machte.
Nach fast 25 Minuten kam Kian lachend zu ihr und erzählte, dass die Kleinen immer wieder alles zerstören würden, bevor er begann sie sanft anzuschubsen. Plötzlich gellte ein lauter Schrei über den Spielplatz und Alex sprang auf um nach den Kindern zu sehen, denn so konnte nur einer von "ihren" schreien. Wie erwartet war es Rodney, der sich den Kopf angeschlagen hatte und nun weinend auf einer der kleinen Holzbänke saß. "Hey, ist doch alles wieder gut." Sie setzte sich hin und nahm ihn in den Arm, dann pustete sie auf die schmerzende Stelle und nach paar Minute verebbte auch das letzte klägliche Wimmer und er stand auf um wieder bei seinem Kunstwerk weiterzubauen. Alex blieb noch kurz stehen und beobachtete die Kinder, aber alles schien friedlich, so dass sie wieder zurück zu Kian gehen konnte, der bereits auf der Schaukel hockte, auf der sie zuvor gesessen hatte. "Ach menno..." Alex zog einen Schmollmund und ließ sich dann grinsend auf seinem Schoß nieder. Kian musste lächeln, umfasste mit der einen Hand ihre Hüfte und begann mit der andern in ihren Haaren rumzuspielen. Sein Herz klopfte und er wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher als sie endlich zu küssen. Er ließ seine Finger zu ihrem Nacken wandern und kraulte sie liebvoll. Alex lächelte und drehte sich halb zu ihm um. Diese Augen... Am liebsten wollte sie für immer darin ertrinken. Kian erging es genauso. Er begehrte sie sosehr, dass er es nicht mehr aushalten konnte und sie einfach küssen musste...
Alex schossen bei dem Kuss so viele Dinge durch den Kopf, dass ihr beinahe schwindelig wurde. Schließlich fiel ihr Robin ein. Erschrocken zuckte sie zurück und wand sich ab. "Was ist los?" Kian musterte sie überrascht und ergriff ihre Hand. "Ich- ich muss dir was sagen", kam es stockend von ihr und sie sprang von seinem Schoß auf. "Ich hab einen Freund. Robin. Wir sind seit fast einem Jahr zusammen." Kian starrte sie enttäuscht an. "Warum hast du mir nichts davon erzählt? Ich hab dich doch schon mal danach gefragt." "Ja, ich weiß, aber ich wollte den Abend nicht zerstören und... Robin und ich verstehen uns eh nicht mehr so gut. Wir..." "Lass es einfach, okay?!" Kian sah wütend aus und erhob sich wortlos von der Schaukel. "Es tut mir leid!" Sie blickte ihn mit einem entschuldigenden Blick an, aber er wand sich ab und rief nach Molly. Die Kleine kam auch schon nach kurzer Zeit angehüpft uns sie verließen den Spielplatz. "Kian, warte doch." Sie blickte ihm verzweifelt hinterher und tatsächlich drehte er sich noch mal um, aber in seinen Augen lag Enttäuschung und Schmerz. "Hör zu, ich hab kein Bock Ersatzmann oder so was zu spielen." Mit diesen Worten wand er sich ab und ging, mit Molly auf dem Arm davon...
Noch am gleichen Abend rief Alex bei Robin an um endgültig mit ihm Schluss zu machen. Sie hätte das schon längst machen müssen, denn in der Zeit, in der sie in Irland war hatten sie nur ein paar Mal telefoniert und diese Telefonate waren eher so was wie Pflichtanrufe geworden, die sie nur deshalb tätigte, weil Robin sonst eifersüchtig war. Natürlich war er auch jetzt wütend und enttäuscht zugleich und schrie sie an, aber für Alex gab es jetzt kein Zurück mehr, soviel er auch bettelte. Sie hatte sich gegen ihn entschieden und das wollte sie jetzt auch durchziehen. Nach fünf Minuten, in denen Robin erst auf die einschüchternde und dann auf die Mitleidstour versucht hatte sie zurückzuerobern legte sie genervt auf. Sie fühlte sich einfach beschissen. Von ihrem Exfreund wurde sie angemotzt, dabei hätte er auch selbst bemerken können, dass ihre Beziehung schon lang nicht mehr das war, was sie am Anfang war und Kian hatte sich auch nicht mehr gemeldet. Im Grunde verstand sie ihn ja schon, sie hätte wahrscheinlich genauso reagiert, wenn Kian ihr nach ihrem ersten Kuss mitgeteilt hätte, dass er eine Freundin hatte. Traurig ließ sie sich auf ihr Bett fallen. Tränen liefen über ihre Wangen, als sie über den heutigen Tag nachdachte. Ob sie sich wohl jemals wieder so gut mit Kian verstehen würde?
***
"Kian verdammt, hör mir doch zu!" Seufzend ließ sie den Telefonhörer sinken. Schon zum Xten-Mal hatte er einfach aufgelegt, wenn sie bei ihm anrief. Sie musste irgendwie anders an ihn herankommen und mit ihm reden. Nicky! Er war ein Freund von ihm und wusste bestimmt, wie sie sich bei ihm entschuldigen konnte. Schnell schnappte sie sich die Autoschlüssel und fuhr zu seinem Anwesen. Georgina öffnete ihr die Tür und blickte sie fragend an. "Hi, ich bin Alexandra. Ähm... ist Nicky da?" "Warum?" Anscheinend traute sie der dunkelblonden Frau vor ihrer Tür nicht. "Ich muss ihn sprechen, es geht um Kian." "Oh, sag das doch gleich. Du bist das Mädchen, mit dem Ki Stress hat, oder?!" "Ähm... ja genau." Sie lächelte leicht gereizt. Schön das Kian alles weiter erzählen musste. "Komm rein und entschuldige bitte, aber bei uns stehen manchmal Fans vor der Tür und das ist nicht immer so angenehm, wenn du verstehst was ich meine." "Ja klar." Alex nickte beruhigend. Sie hatte schon mehrmals, wenn sie mit Kian unterwegs war, erfahren wie rücksichtslos manche Fans waren. "Ich bin übrigens Georgina." Sie streckte ihr Hand aus und Alex ergriff sie dankbar. "Alex", meinte sie nur lächelnd. "Komm mit."
Geo führte sie durch ein paar Gänge, bis sie im Arbeitszimmer ankamen, wo Nicky über einen Stapel Fanpost saß. "Schatz, Alex ist da." "Hi." Er schwang in mit dem Lederstuhl herum und lächelte sie an. "Was gibt’s?" "Es ist wegen Kian." "Oh... Ich dachte mir schon, dass du kommst. Er bot ihr einen Platz auf der breiten weißen Ledercouch an und setzte sich dann ihr gegenüber. "Er hat’s dir schon erzählt, oder?!" "Ja, die Jungs waren gestern Abend noch ihr und Ki hatte eine Scheißlaune, deswegen haben wir ich darauf angesprochen." "Weißt du, ich hätte es ihm schon länger sagen sollen, aber an dem Abend wollt ich die Stimmung nicht kaputt machen und danach hab ich mich nicht mehr getraut, weil ich mir schon dachte, dass er so reagieren wird. Aber ich wollte ihn nicht verletzten. Aber ich glaub das hab ich jetzt erst recht." "Mh... er ist ziemlich enttäuscht. Er mag dich sehr, weißt du das?" "Ich mag ihn doch auch." "Kannst du mir nicht helfen? Bitte!" Sie blickte ihn mit einem braven Augenaufschlag an. "Ich red noch mal mit ihm, okay?!" Sie nickte heftig. "Meinst du, du schaffst es ihn dazu zu überreden zum Strand zu kommen?" "Ich denke schon, warum?!" "Naja, ich hab da ein Plan. Zur Versöhnung sozusagen." Nicky musste lächeln, als sie ihm davon erzählte. Er würde es schon schaffen Kian irgendwie dazu zu bringen sich mit Alex zu versöhnen und wenn er ihn höchstpersönlich am Strand abliefern musste. "Danke, du bist echt ein Schatz!" Sie umarmte ihn und drückte ihm dann ein Bussi auf die Wange, bevor sie sich strahlend von ihm verabschiedete, denn sie wollte noch so einiges für den morgigen Tag vorbereiten.
***
Am nächsten Morgen packte sie einen großen Picknickkorb zusammen und machte sich gegen Mittag auf den Weg zum Strand. Dort breitete sie die Decke aus und begann ungeduldig zu warten.
Nach etwa zehn Minuten sah sie Kian in der Ferne auftauchen. Nicky hatte es also tatsächlich geschafft ihn zu überreden. Sie dankte ihm in Gedanken und sprang dann auf um ihm entgegenzulaufen. Über Kians Gesicht lag ein unnahbarer Ausdruck. "Ich muss mit dir reden." "Warum?" Er blickte sie immer noch abweisend an. "Ich hab mich von Robin getrennt. Weißt du, wir haben uns eh nicht mehr so gut verstanden. Ich hätte es schon längst machen sollen." Sie seufzte. "Und ich hätte es dir sagen sollen, aber als du mich danach gefragt hast wollt ich die Stimmung nicht zerstören und danach hab ich mich nicht mehr getraut, weil ich Angst vor deiner Reaktion hatte. Es tut mir leid!" Kian starrte hinaus aufs Meer. Nicky hatte ihm zwar schon gesagt, dass Alex bei ihm gewesen war und ihm alles erklärt hatte, aber er war trotzdem etwas erstaunt, dass alles von ihr zu hören. "Der Kuss auch?" fragte er schließlich unsicher. "Nein!" Sie schüttelte heftig den Kopf und schaute ihn mit einem Blick an, der ihn alles vergessen ließ. Kian ließ sich auf der Decke nieder und zog sie zu ihm herunter. "Und du hast dich jetzt wirklich von ihm getrennt. Nur weil ihr euch sowieso nicht mehr verstanden habt oder auch wegen was anderem?" "Auch wegen dir." Alex lächelte ihn glücklich an und kniete sich vor ihn. "Du bist mir einfach total wichtig!" Mit diesen Worten beugte sie sich etwas nach vorne und gab ihm einen scheuen Kuss. "Und das war’s schon?" Kian blickte sie etwas enttäuscht an. "Du kriegst auch nie genug, oder?!" "Nee." Er grinste. "Aber wir müssen doch sowieso noch viel nachholen." "Stimmt!" Lächelnd hob sie ihren Kopf, damit er sie besser küssen konnte...
"RING RING" Sie fuhren erschrocken auseinander und Kian griff genervt nach seinem Handy. "Luis." Augen rollend nahm er das Gespräch an. Alex stöhnte auf und nahm sich dann von den Erdbeeren, die immer noch unbeachtet im Korb lagen. Grinsend steckte sie ihm eine in den Mund und lehnte dann ihren Kopf in seinen Schoß um ihn weiter zu füttern. Endlich legte er auf und sah sie kopfschüttelnd an. "Man... das war Luis und du stopfst mich ihr mit Erdbeeren voll." Sie grinst ich frech an und er begann sie durchzukitzeln. "Hör auf." Lachend lag sie am Boden. Er musste ebenfalls grinsen und hielt dann ihre Hände fest. "Okay, aber dafür krieg ich ein Kuss." "Nimmersatt!" Alex lächelte ihn an und zog seinen Kopf heran. Dann versanken sie in einen endlos dauernden Kuss, der schnell stürmischer und fordernd wurde und schließlich bei einem Zungenkuss endete. Als sie sich lösten grinste Alex über beide Ohren. Glücklich kuschelte sie sich an ihn und Kian streichelte sie zärtlich. Bis die Sonne unterging lagen sie noch am Strand, dann fuhr er sie nach Hause und verabschiedete sich mit einem langen innigen Kuss.
***
In der nächsten Zeit versuchten sie sich so oft wie möglich zu sehen, was gar nicht so einfach war, denn Alex hatte ihre Pflichten als Au pair und Kian so viel mit der Band zu tun. Mit Mark und Shane verstand sie sich genauso gut wie mit Nicky und Georgina und Gillian behandelten sie sowieso wie eine alte Freundin, so dass es keinerlei Probleme gab. Auch Bryan und Kerry hatte sie mittlerweile richtig kennen gelernt und auch in ihnen tolle Freunde gefunden.
***
Im Juni sollte dann ein Konzert in Dublin stattfinden. Heather war schon den ganzen Sommer über aufgeregt, denn Alex hatte es tatsächlich geschafft ihre Eltern zu überreden, dass sie dorthin gehen konnte. Dafür würde sie ihr für ewig dankbar sein. Endlich sah sie ihre Lieblingsgruppe live. Ihre Freunde beneideten sie schon deswegen, aber Heather hatte versprochen ganz viele Fotos zu machen.
Am Morgen des Konzertes wurde sie von Alex geweckt, die ihr die Tickets unter die Nase hielt. "Beeil dich, sonst lassen uns die Bodyguards bestimmt nicht mehr zu den Boys und wir wollen die Backstagekarten ja nicht verfallen lassen, oder?!" "BACKSTAGEKARTEN?!" Mit einem Mal war Heather hellwach und betrachtete die Tickets als wären sie ein kostbarer Schatz. "Aber... wo hast du die her?" Sie war sprachlos vor Freude. "Tja... gute Kontakte eben." Natürlich hatte sie die von Kian bekommen, aber keiner außer ihrer besten Freundin Kristina wusste von der Beziehung zu ihm und sie wollte es auch, solang es noch ging geheim halten.
Mittags fuhren sie dann endlich los. Heather saß zappelnd im Wagen, so das auch Alex nervös wurde, dabei hatte sie nun wirklich nichts zu befürchten. Vor dem Backstageausgang standen wieder mal eine Menge kreischender Fans, die versuchten einen Blick auf einen der Boys zu erhaschen. Alex nahm Heather fest an die Hand und wühlte sich dann durch die Menge. Schließlich hatten sie es geschafft und waren im Inneren.
Shane tauchte schon von weitem auf und kam lächelnd auf sie zu. Alex warf noch einen raschen Blick zu Heather, die ziemlich blass aussah. "Hey, da bist du ja. Kian ist schon ganz ungeduldig." Er grinste sie an und drückte ihr ein Bussi auf die Wange. "Ja, wir standen noch im Stau." Sie deutete auf Heather, die den beiden erstaunt zu geschaut hatte. Sie wusste gar nicht, das Alex die Jungs so gut kannte. "Hi", sagte sie schüchtern, nachdem Shane auch sie begrüßt hatte. "Kommt ihr mit in die Garderobe." "Gerne." Alex musste grinsen und schob Heather vor sich her.
"Schaut mal wir haben Besuch." Shane öffnete die Tür noch einen Spalt breiter, damit man die beiden besser sehen konnte. "Alex, endlich." Kian sprang auf, umarmte sie und gab ihr einen herzhaften Kuss. Auch die anderen kamen an um sie zu begrüßen. Heather stand immer noch mit offenem Mund daneben. Wieder wurde sie vorgestellt und schließlich schaffte sie es sogar schüchtern nach Autogrammen zu fragen. "Wir müssen und dann auch umziehen." Nicky grinste die beiden an und drückte sie sanft nach draußen. "Ach, hast du Angst, dass ich dir was abschaue?" Alex musste grinsen, als sie Nickys nicht ganz jugendfreie Antwort und das Gelächter der anderen hörte.
"Woher kennst du sie?" Heather blickte sie immer noch erstaunt an. "Kian hab ich an dem Geburtstag von Joanna und Shalina kennen gelernt..." Sie erzählte ihr wie sie zusammen gekommen waren und sie schließlich die anderen Jungs kennen gelernt hatte. "Wie geil!" Das Mädchen konnte nur noch staunen und besah sich zum hundersten Mal die Unterschriften, die auf ihren zahlreichen Postern prangten.
Nach dem großartigen Konzert unterhielten sie sich noch eine ganze Weile. Auch Georgina und Gillian die noch vor dem Auftritt hergekommen waren, waren superlieb zu Heather. Gegen Mitternacht beschloss Alex dann aufzubrechen, da sich Becky und Steve sonst bestimmt Sorgen machen würden. Kian nahmen sie mit, denn am nächsten Tag hatten die Boys frei und das wollte Kian zusammen mit Alex ausnutzen um mit ihr shoppen zu gehen.
***
Alex freute sich auf diesen Tag, den sie wirklich ganz für sich alleine hatten. Das war schon länger nicht mehr vorgekommen. Händchenhaltend bummelten sie durch die Innenstadt. Kian hatte natürlich wieder seine Sonnenbrille und ein Baseballcap auf, die er sich tief ins Gesicht gezogen hatte. "Wie findest du den Rock?" Alex deutete auf einen Jeansmini. "Nicht schlecht." Er zog sie ins Geschäft, nahm einen von den Röcken und drückte sie in die Umkleidekabine. Nach drei Minuten kam sie wieder heraus. "Süß." Kian sah sie bewundernd an und hielt dann grinsend ein sexy Dessousset in die Höhe. "Was wäre denn damit?" "Das hättest du wohl gerne." Er nickte, sie schnappte sich grinsend die beiden Teile und verschwand wieder. Schließlich rief sie nach ihm und er steckte grinsend seinen Kopf durch den Vorhang. Sie poste etwas für ihn. Kian zog sie lächelnd heran und gab ihr einen Kuss. "Heut Abend will ich das aber noch mal sehen." "Okay." Sie grinste ihn schelmisch an und scheuchte ihn dann wieder davon.
In Kians Wohnung angekommen bestand er dann tatsächlich auf seine exklusive
Modenschau. Grinsend verschwand sie im Badezimmer und kam leicht bekleidet und
mit einem verführerischen Lächeln auf den Lippen wieder heraus. Kian
strahlte sie an, als sie sich breitbeinig auf seinem Schoß niederließ.
Dann begann sie ihm das Hemd aufzuknöpfen. Zärtlich bedeckte sie seinen
Oberkörper mit Küssen, bis er sie hochhob und hinüber ins Schlafzimmer
trug...
Morgens wurde sie von den warmen Sonnenstrahlen, die aufs Bett fielen und dem
Geruch frischer Brötchen geweckt. Verschlafen erhob sie sich aus dem kuscheligen
Bett, zog sich sein Hemd vom letzten Abend über und tappte in die Küche.
"Morgen meine Süße." "Morgen." Sie gähnte herzhaft und gab ihm
einen Kuss auf die Nasenspitze. Dann folgte sie ihm auf den Balkon, wo bereits
ein leckeres Frühstück auf sie wartete. Alex hockte sich auf den gemütlichen
Klappstuhl und griff nach den Brötchen. "Und was machen wir heute?" Sie
trank einen Schluck Orangensaft. "Ich muss doch zurück nach Dublin." "Achso,
stimmt ja." Der Rest des Frühstücks verlief in angenehmen Schweigen,
dass nur von dem Gezwitscher der Vögel gestört wurde, bis plötzlich
das Telefon läutete. Kian ging gelangweilt nach innen. "Egan." meldete
er sich. "Oh, Morgen Mum...Was? Ja warum?... Wir wollten uns einfach noch bisschen
Zeit lassen... Woher weißt du das jetzt?... Scheiße!... So ein Mist...
Nein, alles in Ordnung, aber das kotzt mich grad mal voll an... Ja, ist gut...
Bye" Missmutig kam er wieder zurück. "Was ist los?" Alex blickte ihn interessiert
an, während sie von ihrem Joghurt löffelte. "Meine Mum. Sind paar
hübsche Bilder von uns in der Zeitung." "Waas?!" Sie starrte ihn erschrocken
an. "Glaub mir, ich bin genauso begeistert." Augenrollend ließ er sich
wieder auf seinen Stuhl fallen. Alex konnte es nicht so leicht hinnehmen. Kian
war das schon alles gewohnt, aber sie... Seufzend griff sie nach der Butterdose.
Das konnte ja noch heiter werden...
Schnell wurde sie jetzt in das Leben der Stars und Sternchen eingeführt. Schon bald wurde sie von den Westlifefans auf der Strasse erkannt und auch immer häufiger angesprochen. In der ersten Zeit hatte sie noch ziemliche Probleme damit und fühlte sich recht unsicher, aber die meisten Anhänger waren freundlich und wollten sich einfach nur nett mit ihr unterhalten, so dass es ihr immer leichter fiel sich mit Kian in der Öffentlichkeit zu zeigen.
***
Im August musste Alex wieder zurück nach Deutschland. Schon Tage vorher begann sie ihre Sachen zum größten Teil einzupacken. Abends saß sie mit ihren zahlreichen neuen Freunden zusammen und feierte ihren Abschied.
Am Freitagabend kam Kian in seinem Sportwagen vorgefahren um sie abzuholen. Sie hatte keine Ahnung wo in die Fahrt gehen sollte und vertraute ihm einfach, zumal er ein großes Geheimnis daraus machte. Nach einer kurzen Fahrt hielten sie an einem dunklen Pub. Kian verband ihr noch schnell die Augen, nahm sie dann am Arm und führte sie herein. Als sie das Tuch abnahm stand sie den O’Reillys, ihren neunen Freunden und den anderen Westlifeboys mit Familie gegenüber. Überrascht schlug sie die Hände vor den Mund. Kian hatte den Pub extra für sie gemietet. Den ganzen Abend konnte sie sich noch mal mit allen unterhalten und Spaß haben, bis sich die Mehrheit gegen zwei Uhr schließlich auf den Weg machte.
Nur noch Bryan, Kerry, Nicky, Geogina, Shane, Gillian, Mark, Kian und sie waren noch über und feierten weiter bis zum Morgengrauen, bevor sie sich entschlossen bei den McFaddens zu Frühstücken. Molly und Lilly, die glücklich waren, dass ihre Eltern nach der langen Nacht wieder zu Hause waren, turnten begeistert zwischen ihnen herum. "Und, heute der letzte Abend. Was wird da gemacht?" Nicky schaute Alex fragend an. "Heute feiern wir mal Abschied." Grinsend legte Kian seinen Arm um ihre Schulter. "Aha... ich verstehe." Die anderen grinsten ebenfalls.
Gegen Abend hatten sie sich in Kians Wohnung verabredet. Als Alex erschien führte er sie auf den Balkon, wo er einen Tisch mit Kerzen und Rosenblättern dekoriert hatte. Danach verschwand er wieder in die Küche und kam mit zwei dampfenden Schüsseln wieder heraus. "Voila, Hähnchen süß-sauer." "Mh, lecker. Mein Lieblingsessen." "Ich weiß." Er gab ihr einen Kuss und setzte sich ihr gegenüber. Dann schenkte er etwas Wein ein und häufte Reis, Fleisch und Soße auf den Teller. Schweigend fingen sie an zu essen und blickten sich dabei ein paar Mal wehmütig an.
Nach dem leckeren Mousse au Chocolate, dass Kian zum Nachtisch gezaubert hatte legten sie sich zusammen auf einen der breiten Liegestühle und starrten in den Sternenhimmel. Kian streichelte ihr sanft über den Rücken und Alex hing ihren Gedanken nach. Vor einem Jahr war sie herkommen und hatte irgendwie schon gewusst, dass dies ihr schönstes Jahr werden würde, trotzdem hatte sie sich auf zu Hause gefreut. Nun aber saß sie ihr, hatte einen superlieben Boyfriend und war todtraurig, weil sie ihn in genau 14 Stunden verlassen musste. Sie seufzte. Warum war das Leben nur so schwer. Eigentlich wollte sie viel lieber in Irland bleiben, aber in Deutschland hatte sie nun mal eine Ausbildungsstelle, wo sie bald anfangen konnte zu lernen und außerdem hatte sie ihre Familie und Freunde auch schon ewig nicht mehr gesehen. Trotzdem wollte sie ihn jetzt nicht verlassen. Leise rannten ihr ein paar Tränen über die Wangen. Kian umarmte sie fest. "Lass uns rein gehen, es wird kühl", flüsterte er und zog sie hoch. Sie gingen hinüber ins Schlafzimmer, da sie durch das große Dachfenster die Sterne ansehen konnten. Alex kuschelte sich schon mal unter die Decke, während Kian eine Flasche Sekt öffnete. "Hier." Er reichte ihr ein Sektglas und ließ sich dann neben ihr ins Bett sinken. Vorsichtig stießen sie an, tranken einen Schluck und schmiegten sich dann stumm aneinander. "Kian ich liebe dich!" "Ich liebe dich auch!" Er küsste sie zärtlich und sie fuhr ihm mit den Fingern unters Shirt. Die Küsse wurden immer stürmischer und er machte den Reißverschluss ihres Kleides auf. Mit dem Daumen fuhr er unter die schmalen Spaghettiträger und ließ sie heruntergleiten. Schließlich lag sie nur in Unterwäsche bekleidet auf dem Bett. Kian musste lächeln. Sie hatte die Dessous an, die sie zusammen eingekauft hatten. Grinsend richtete sich Alex nun wieder auf und zog ihm die Jeans mitsamt Boxershorts aus, bevor er die zwei letzten Stücke Stoff von ihrem braungebrannten Körper strich. Sie küssten sich wieder und ließen ihre Finger und Zungen wandern, bis sie ihre letzte gemeinsame Nacht erlebten, bevor sie eng umschlungen einschliefen.
Am nächsten Morgen ging es ziemlich hektisch zu, denn die beiden hatten etwas länger geschlafen und mussten sich nun an Baustellen vorbei zu dem Haus der O’Reillys durchkämpfen um ihre Gepäckstücke zu holen und zum Flughafen zu fahren. Alex verabschiedete sich noch von Großmutter Molly Benson und setzte sich dann, tränenverschmiert, in Kians Auto. Heather kam zu ihnen. Sie hatte es geschafft ihre Mutter zu überreden mit ihrem neuen Lieblingslifer zu fahren. Kian startete den Motor und legte seine Hand auf Alex’ Knie um sie wenigstens etwas zu trösten, aber auch ihm graute es schon vor der dem entgültigen Abschied am Flughafen.
Schließlich luden sie am Dubliner Flughafen die Gepäckstücke auf einen der Wagen und begaben sich zum Check-in. Während Alex alle Formalitäten erledigte standen Steve, Becky, Kian und die Kinder etwas im Hintergrund herum. "Und wie war’s gestern?" Ein grinsender Nicky tauchte plötzlich vor den sechs auf. "Was macht ihr den hier?" fragte Kian mit einem schnellen Blick auf seine anderen Bandkumpels und ihre Frauen. "Na denkste wir lassen Alex so einfach fahren?" Er schaute unruhig umher. "Wo ist sie überhaupt?" "Da kommt sie." Mit einem besorgten Gesichtsausdruck deutete er in ihre Richtung.
Alex hatte erstaunt zu der Gruppe hinüber geblickt und eilte nun schnell zu ihnen. "Was macht ihr den hier?" "Schon wieder so eine tolle Begrüßung." Shane verdrehte gespielt beleidigt die Augen. "Wir wollten noch mal Tschüss sagen, bevor du uns wieder verlässt." "Oh, das ist aber lieb." Alex strahlte wieder übers ganze Gesicht. "Mein Flug geht in einer Stunde. Wollt ihr nicht noch mit in die Wartehalle kommen?" "Ja klar!" Geo nickte bejahend und hakte sich mit Kerry bei ihr ein um sich eine gemütliche Ecke zu suchen.
Nach einer dreiviertel Stunde wurde schließlich zum ersten Mal ihr Flug aufgerufen und Alex machte sich ans Verabschieden. Sie wurde von jedem umarmt und bekam ein Küsschen auf die Wange gedrückt. "Achso, hätten wir fast vergessen. Wir haben ja noch was für dich." Shane zog eine Videokassette aus Gillians Tasche. "Was ist das?" Neugierig blickte Alex zu ihm auf. "Ein Video von unseren Studioaufnahmen zum neusten Album und außerdem noch eine Überraschung", sagte Mark. "Danke schön!" Sie fiel ihm, Shane und Nicky noch mal extra um den Hals, bevor sie sich zu Kian wand. Er sah sie lange an, umarmte sie und gab ihr dann vor einen endlos dauernden Kuss.
"Ähm..." Bryan tippte unbeholfen auf Kians Schulter herum. "Ich will ja nicht stören, aber Alex’ Flug wurde gerade zum letzten Mal aufgerufen." "Okay..." Seufzend lösten sie sich voneinander. "Denk an mich!" "Jede Sekunde!" Schon wieder flossen ihr Tränen über die Wangen und auch Kians Augen füllten sich damit. "Ich liebe dich Alex!" "Ich liebe dich auch!" Sie gab ihm noch einen Kuss, umarmte alle nochmals fest und trat dann auf den Beamten zu, der ihre Boardticket kontrollierte.
Rückwärtsgehend und winkend trat sie über die Schwelle des Glastunnels, der sie zu ihrem Flugzeug führte. Kurz bevor sie den Flieger betreten sollte blieb sie stehen. Sie konnte auf der einen Seite in die Wartehalle blicken und sah einen todtraurigen Kian, der flankiert von einer nicht minder bedrückte Gruppe am Fenster stand. Noch ein letztes Mal winkte sie und warf Handküsse zu ihnen hinüber, dann stieg sie in das Flugzeug.
***
Vier Monate vergingen, bevor sich Kian und Alex endlich wiedersahen. Sie hatten zwar telefoniert, SMS und Emails geschickt, aber sie konnten sich dank des vollen Terminkalenders von Westlife kein einziges Mal sehen.
***
Zwei Wochen vor Weihnachten stand schließlich fest, dass er sie bald besuchen wollte. Kristina, Alex’ beste Freundin, freute sich schon wahnsinnig darauf, denn auch sie war ein großer Westlifefan und hatte den Freund ihrer besten Freundin noch kein einziges Mal richtig gesehen. "Um wie viel Uhr landet er denn nun?" Sie ließ sich auf die Couch fallen und blickte Alex, die gerade das kurze Telefonat mit Kian beendet hatte fragend an. "Gegen Nachmittag." "Ich freu mich für dich." Sie strahlte ihre Freundin an. "Mh..." "Was ist los?" Besorgt blickte sie in das nachdenkliche Gesicht. "Irgendwie hab ich Angst vor dem Treffen. Wir haben uns so lang nicht mehr gesehen. Ich bin mir noch nicht mal sicher ob ich ihn überhaupt noch liebe." "Hey, dass ist doch klar dass du verunsichert bist. Ich mein vier Monate sind ziemlich viel." "Eben und dann noch die Sache mit dieser Mel..." "Aber da war doch gar nichts, oder?!" Alex starrte aus dem Fenster. Erst vor kurzem hatte die Presse eine angebliche Affäre von Kian aufgedeckt. Er hatte ihr zwar versichert, dass an der ganzen Geschichte nichts dran wäre, aber trotzdem war sie noch misstrauisch, besonders weil Mel so viel erzählt hatte. Wollte sie diese Fernbeziehung überhaupt noch? Sie hatte sich hier wieder prima eingelebt und auch einige Typen getroffen, die sie ziemlich interessant fand. Erst letzte Woche war sie mit Robin beim Italiener gewesen. Sie hatte sich mit ihm ausgesprochen und eigentlich war empfand sie nur freundschaftliche Gefühle für ihn, aber nachdem sie auch noch in der Disco gewesen waren und etwas getrunken hatten, hatten sich kurz geküsst und seit neustem verspürte sie leichtes Herzklopfen wenn sie ihn sah. Er löste zwar nicht diese Gefühlswellen in ihr aus wie Kian es tat, aber er war wenigstens für sie da und wurde nicht ständig von Presse, Fans und Mädchen belagert. Sie seufzte und verspürte wieder wie das flaue Gefühl in ihr hochstieg, dass sie immer dann hatte, wenn sie an das Treffen mit Kian dachte.
***
Freitags stand sie nervös am Frankfurter Flughafen. Gerade strömten einige Passagiere aus dem Ausgang. Sie reckte sich um nach Kian zu suchen. Da kam er auch schon. Er hatte wie üblich eine dunkle Sonnenbrille auf. Als er sie erblickte stürzte er eilig auf sie zu, umarmte sie und gab ihr schließlich einen Kuss. Alex’ Gefühle fuhren Achterbahn, als sie endlich wieder seine weichen Lippen in ihrem Gesicht spürte. Wie sehr hatte sie sich danach gesehnt. Aber gleichzeitig wurde sie an den Kuss von Robin erinnert, der auch nicht ganz ohne war. Schnell löste sie sich wieder von ihm und zog in Richtung Parkhaus.
Zu Hause ließ sie sich alles von Kian erzählen, was ihm in den letzten Monaten widerfahren war, nur die Sache mit Mel verschwieg er. Alex wusste nicht ob es Absicht war oder nicht. "Willst du nicht endlich mitkommen nach Sligo?" Er musterte sie hoffnungsvoll und strich ihr sanft übers Haar. "Ich weiß nicht." Schweigend wand sie sich ab. "Was ist los? Wir hatten doch schon mal darüber gesprochen, dass wir zusammen ziehen wollten." "Ja aber..." Sie wand sich aus seiner Umarmung. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich das überhaupt noch will. Ich bin mir noch nicht mal mehr sicher, ob ich dich überhaupt noch liebe," platzte es schließlich aus ihr heraus. Kian blickte erschrocken auf. "Ich meine richtig liebe," verbesserte sie sich schnell und wich seinem traurigen Blick aus. "Das heißt?" fragend blickte er seine Freundin an. "Sieh mal, wir haben uns so lange nicht mehr gesehen und dann die Sache mit Mel..." "Was hast du eigentlich als mit Mel?" Hitzig unterbrach er sie. "Halloo, wenn sie angeblich mit dir geschlafen hat..." Sie blickte ihn kopfschüttelnd an. "Ja, vergiss es einfach. Tut mir leid. Also, was wolltest du sagen?" "Es ist wegen Robin." "Robin?! Der Robin, von dem du dich wegen mir getrennt hast?" "Ja, der." "Was ist mit dem?" "Wir waren zusammen essen und danach auf einer Party und dann ist es halt passiert." "Ihr habt miteinander geschlafen?!" "Nein! Aber wir haben uns geküsst." "Na wenn’s mehr nicht ist." Kians Augen funkelten zornig. "Das muss ja ein ganz toller Typ sein, dass du zweimal an ihm hängen bleibst." "Kian, bitte. Ich will nicht wissen was zwischen dir und dieser Mel war." Er schwieg und blickte plötzlich auf den Boden. "Was? Kian? Nein! Sag das dass nicht war ist!" Alex blickte ihn zornig und enttäuscht an. "Du hast doch mit ihr geschlafen, oder?!" "Ich war betrunken." "Und das ist eine Entschuldigung?" "Was spielst du dich eigentlich so auf? Du bist doch auch nicht besser." "Aber ich hab Robin nur geküsst. Und außerdem, ich hab es dir gesagt. Und du? Wenn ich dir nicht von Robin erzählt hätte, dann wär’s doch nie rausgekommen, dass doch was zwischen dir und Mel war." "Verdammt, es tut mir leid, okay." "Ja, jetzt." Alex sah ihn kopfschüttelnd an. "Spiel dich doch nicht so auf. Du hast Robin doch auch mit mir betrogen und jetzt wieder umgekehrt." "Ich bin aber mit keinem von euch gleich in die Kiste." "Na super. Als ob das einen Unterschied macht. Bewirb dich doch im Kloster." Alex schnappte wütend nach Luft. "Ich glaube du solltest jetzt besser gehen." Sie rannte zur Tür und öffnete sie speerangelweit. "Überleg dir mal ob du immer so Recht hast, wie du meinst", zischte Kian noch, bevor er endgültig verschwand.
"Hey Süße, was machst du auch für Sachen?" Kristina reichte Alex die dritte Tempopackung für diesen Abend. "Ich bin so bescheuert." Wieder wurde sie von einem Heulkrampf geschüttelt. "Warum sag ich ihm das auch?" "Naja, aber wenn du ihm das nicht gesagt hättest, hätte ihr dir auch nie von seinem Seitensprung erzählt." "Toll, darauf hätte ich auch verzichten können." Sie schnäuzte sich geräuschevoll. "Jetzt kannst du wenigstens versuchen dir über deine Gefühle klar zu werden." Seufzend wand sich Alex ab. In der Beziehung griff sie auch immer voll in die Scheiße! Erst die Beziehung mit Robin, die kaputt ging, weil sie für ein Jahr in Irland leben wollte, dann die Beziehung mit Kian, die zerbrach, weil sie wieder in Deutschland war und sie beide untreu gewesen waren. Eigentlich hat er ja mehr Schuld, schließlich ist er mit dieser Schlampe ins Bett gestiegen. Aber du hast fremdgeknutscht. Einmal mit Kian und dann mit Robin. Die zwei Seiten in Alex begannen mal wieder zu streiten. "Wenn liebst du denn?" Kristina saß mit einem großen Eisbecher neben ihr. "Eigentlich Kian, aber jetzt... So wie der mich angemacht hat." "Um ehrlich zu sein warst du auch nicht viel besser." "Ich weiß", maulte Alex, "Aber du kennst mich doch, wenn’s ums Streiten geht tick ich immer voll aus." "Man hat’s gehört." Kristina musste grinsen. "Ach Mensch, was machst du auch für Sachen, jetzt wo ich endlich mal die Chance hatte Westlife zu treffen." "Sorry!" Alex musste auch wieder grinsen. Das war so typisch Kristina. Immer ein Spruch parat, bei dem sie wieder auf andere Gedanken kam. "So, ich geh dann aber mal. Hab heut Abend noch ein Date." Sie grinste geheimnisvoll. "Mit wem, mit wem?" Alex war wieder mal genauso neugierig wie immer. "Lass mich raten. Mit Thomas!?!" Kristina nickte. "Aww, wie süß. Komm her." Sie sprang auf und umarmte ihre Freundin. "Viel Spass!" "Danke." Mit einem letzten Winken verschwand sie wieder in ihrem Zimmer.
***
Alex ließ sich wieder ins Bett zurückfallen und machte sich zum
hundersten Mal an diesem Abend Vorwürfe. Zum hundersten Mal spielte sich
in ihrem inneren Auge der Streit hab und zum hundersten Mal sagte sie sich,
dass sie anders hätte reagieren sollen. Sie schlug sich leicht mit dem
Kopf gegen die Wand. "Fuck!" fluchte sie auf einmal und sofort liefen wieder
Tränen. Sie glaubte kaum, dass sie Kian noch mal verzeihen konnte. Er hatte
sie betrogen und belogen und das war wohl weit aus schlimmer als ihre Lappalie
mit Robin. Aber als Kian sie heute Nachmittag geküsste hatte... Das hatte
sie die ganze Zeit vermisst. Immer wenn Kian sie küsste fühlte sie
sich glücklich. Nach dem Kuss mit Robin hatte sie sich beinahe schuldig
gefühlt. Aber jetzt wo ihr Freund, oder Exfreund sie betrogen hatte...
Sie seufzte auf, drückte auf die Playtaste des Videorecorders, in dem bereits
"Was Mädchen wollen" lag und schob sich den ersten Löffel Schokoladeneis
in den Mund. Hoffentlich hatte wenigstens Kristina Glück mit ihrem Typen.
***
Die nächste Zeit verlief für Alex nicht so toll. Ständig musste sie an Kian denken und im Radio lief des öfteren der neue Westlifesong und "Queen of my heart" um die Hörer in Weihnachtsstimmung zu versetzten. Auch Kristina war schon ziemlich genervt, denn ihre Freundin war total launisch und zickig. An einem der Tage, an dem Alex arbeiten war, rief sie bei Kian an, um den ersten Schritt zu Versöhnung zwischen den beiden zu machen. Als sie Kian erzählte, wer sie war verstummte sofort. "Meinst du, du kannst vielleicht über Weihnachten herkommen?" "Warum?" "Naja, also Alex weiß nichts davon und es soll eigentlich so eine Art Überraschung werden. Ich weiß, ihr habt grad ziemliche Probleme," fügte sie schnell hinzu, bevor er auch noch ein Wort erwidern konnte. "Allerdings und ich hab kein Bock mich schon wieder von ihr anzicken zu lassen." "Na toll und jetzt krieg ich alles ab. Das ist ja echt nett von dir." Am anderen Ende der Leitung hörte sie wie Kian ein Kichern unterdrücken musste. "Sie scheint ja echt unausstehlich zu sein." "Sagen wir mal so, ich will nicht wissen, wie ich so drauf bin, wenn ich Liebeskummer habe, aber um ehrlich zu sein, es ist echt zum kotzen. Erst ist sie ganz normal, in der nächsten Sekunde am heulen und kurz darauf wieder total launisch. Langsam hab ich das Gefühl ihr Hormonhaushalt ist etwas durcheinander." Sie stoppte kurz und wartete auf irgendein Lebzeichen von Kian, aber nichts kam. "Also kommst du jetzt? Bitte!" "Ich wüsste nicht warum, das letzte Mal hat sie mich rausgeschmissen." "Das letzte Mal hast du ihr erzählt, dass du sie mit Mel oder wie auch immer betrogen hast, nachdem du ihr erst hundert Mal beteuert hast, dass das nicht der Fall ist. Jeder hätte dich da rausgeschmissen." Schweigen. "Sie liebt dich!" "Woher willst du das wissen?" "Sie ist meine beste Freundin. Sie hat es mir gesagt." "Sicher?" "Ich bin nicht taub oder so." "Ja, ist ja schon gut." Man merkte echt, dass Kristina und Alex beste Freunde waren. "Sie wollte dich sogar anrufen, aber dann ist ihr wieder die Sache mit Mel eingefallen und sie hat total wütend wieder aufgelegt." Kristina musste kichern, als sie an den letzten Wutausbruch ihrer Freundin dachte. Erst war Alex wieder auf der Gefühlsschiene gefahren und urplötzlich, als das Freizeichen ertönte hatte sie den Hörer aufgeknallt und wieder geflucht. "Aha." Kian murmelte unverständliches Zeug. "Bitte tu mir den Gefallen und komm vorbei, okay?!" Kian zählte ein Dutzend von Gründen auf, warum er angeblich nicht kommen konnte, aber schließlich gab er sich doch geschlagen und versprach pünktlich an Heilig Abend vorbei zukommen.
***
Kian hielt tatsächlich Wort. Zwar kam er erst zwei Stunden später, weil er drei Mal vor der Tür stand und wieder weggegangen war um eine weitere Runde um den Block zu drehen und sich über seine Gefühle klar zu werden, aber schließlich hatte er sich doch überwunden. Im Gegensatz zu seinem Seitensprung war die Sache zwischen Alex und Robin wirklich eine Kleinigkeit. Er hatte sogar noch einen Strauß rote Rosen gekauft, denn er jetzt in seinen schwitzigen Händen hielt. Alex öffnete gelangweilt die Tür. Sie schien niemanden zu erwarten, denn sie trug einen einfachen Jogginganzug und die Haare, in denen sich etwas Lametta verhangen hatte, waren mit einem Haargummi notdürftig zusammen gebunden. "Kian, du?!" Erstaunt blickte sie ihn an. "Hier." Er überreichte ihr einen Strauß roter Rosen. Zögernd griff sie danach, dabei berührten sich zufällig ihre Finger. Sofort fing es an in ihrem Bauch zu kribbeln. Unschlüssig standen sie an der Tür, als Kristina von ihrer kleinen Leiter gesprungen kam. "Komm doch rein." Sie erschien mit einem Strahlen auf dem Gesicht im Flur und zog ihn förmlich in die Wohnung. "Ich muss dann noch mal schnell weg." Mit diesen Worten schnappte sie sich ihren Mantel und ließ Kian und Alex alleine in der Wohnung zurück.
Kian betrat zögernd das Wohnzimmer, in dem das absolute Chaos herrschte. Überall lagen die Verpackungen vom Weihnachtsbaumschmuck und vereinzelte Tannennadeln herum. Während er sich auf der Couch nieder ließ schaute er Alex zu, wie sie die Rosen in einer Vase auf dem Tisch drapierte. "Warum ich hier bin. Ich wollte mich entschuldigen. Ich hätte es dir gleich sagen sollen, dass ich doch was mit Mel hatte. Es wäre am besten gewesen, wenn ich erst gar nichts mit ihr angefangen hätte." "Das glaub ich auch." Alex griff nach der Plätzchenschale um sie aufzufüllen. Sie wollte sich irgendwie ablenken, sonst würde sie in Tränen ausbrechen. Kian erklärte ihr nochmals, wie es überhaupt zu der ganzen Sache gekommen war. "Es tut mir leid! Kannst du mir verzeihen?" Er sah sie bittend an, aber sie nickte schon mit dem Kopf. "Wenn du mir auch verzeihen kannst?!" "Du hast ja nicht soviel getan..." "Aber trotzdem war es blöd. Ich wusste einfach nicht wo mir der Kopf stand." Aber du weißt es jetzt?" "Ja." Langsam kam sie auf ihn zu und setzte sich neben ihn. "Und was ist mit Robin?" "Nichts. Wir haben uns zwar geküsst, aber mehr ist da nicht. Ich liebe dich. Das ist mir erst in den letzten Wochen wieder so richtig klar geworden." Kian musste lächeln. "Und Mel." Das Lächeln erlosch auf seinem Gesicht. "Wer ist das? Nein, im Ernst. Es war ein Ausrutscher, der mir nichts, wirklich nichts, bedeutet hat!" Alex musste ebenfalls lächeln. "Meinst du wir haben noch eine Chance?" Sie schenkte ihm einen hoffnungsvollen Blick und auf sein Gesicht stahl sich ein glückliches Lächeln. "Bestimmt!" Kian umarmte sie heftig. "Wir sind schon blöd, oder?!" murmelte sie zwischen seinen fordernden Küssen. "Manchmal." Er grinste sie frech an und küsste sie wieder.
***
Das sie sich nun endlich wieder versöhnt hatten konnte man ihnen wirklich ansehen. Sie benahmen sich wie zwei überdrehte Teenager, die ihre erste große Liebe entdeckt hatten und die nun jedem preisgeben mussten. Hand in Hand schlenderten sie am Weihnachtstag durch den menschenleeren Park. Die schneebedeckten Bäume und Wege glitzerten im Sonnenlicht. Erst redeten sie über ihre Zukunft, dann schwiegen sie einfach nur und genossen die Stille, die über ihnen lag, bis Kian plötzlich stehen blieb und ernst sie ansah. "Was ist?" Erstaunt blickte Alex ihn an. Er ergriff ihre Hände. "Weißt du noch als wir uns das erst Mal gesehen haben?" "Allerdings. An dem Nachmittag hatte ich nämlich die ganze Zeit Herzklopfen, weil Kian Egan von Westlife vor meiner Tür gestanden hatte." Sie lachten auf. "Hattest du so Angst vor mir?" "Na hör mal, dass war das erste Mal, dass ich einen Star getroffen hab." "Okay, verständlich." Er lächelte sie verliebt an und kam wieder auf den Punkt zurück. "Was ich sagen wollte. Seitdem ich dich das erste Mal gesehen hab, spür ich dieses Herzklopfen und die Schmetterlinge in meinem Bauch. Ich weiß, die letzten Wochen waren nicht grad das, was wir uns vorgestellt haben, aber dadurch hab ich erst gemerkt, wie sehr ich dich brauche." Er kniete nun auf dem eisbedeckten Boden nieder und sah hoffnungsvoll zu ihr auf. "Willst du mich heiraten?" Alex blickte ihn eine Sekunde sprachlos und ergriffen an. "Ja!" flüsterte sie schließlich, weil ihre Stimme vor lauter Glückstränen erstickt wurde. Sie ließ sich ebenfalls auf den Boden sinken und umarmte ihn so heftig, dass er nach hinten umkippte. Fast fünf Minuten lagen sie auf dem eisigen Weg und küssten sich hemmungslos, bis ein altes Ehepaar vorbei kam und vor ihnen stehen blieb. "Ist alles in Ordnung", fragte der grauhaarige Mann. "Jaja!" Kian gab Alex einen letzten Kuss und zog sie dann wieder hinauf. "Wir heiraten!" Er nahm sie auf den Arm und wirbelte sie umher. "Da müsste man noch mal jung sein." Die alte Frau blickte ihren Ehemann verliebt an und legte dann ihre Hand in seine, während Kian und Alex wie kleine Kinder durch den Schnee nach Hause hüpften.
***
Im Sommer zog Alex schließlich nach Irland um mit Kian zusammen zu wohnen. Sogar ihre Ausbildung konnte sie in Sligo weiterführen. Sie war rundum glücklich und freute sich schon auf die Hochzeit, die auch bald stattfinden sollte.
***
Alex wurde in einer weißer Limousine vor die aus grauen Steinen gebaute und mit efeubewachsene Schlosskapelle gefahren. Vorsichtig stieg sie aus dem Wagen. Ihr Brautkleid, ein schulterfreier, weißer Traum mit Perlen, Strasssteinen, Stickereien, kleinen Rosen und einem langen Schleier hatte sie zusammen mit Kristina, Geo, Gill und Kerry in London gekauft. Ihr Vater musterte sie stolz, als er sie in die Kirche führte und dort an den Bräutigam übergab, der bereits vorne am Altar stand und ihr aufgeregt entgegen starrte. In seinem weißen Anzug, mit champagnerfarbener Weste sah Kian einfach fantastisch aus. Langsam schritt Alex den roten Teppich entlang, bis sie vor ihm stehe blieb. Sie lächelten sich kurz zu und widmeten sich dann ganz der Rede des Pfarrers. Kian nahm vorsichtig Alex’ Hand und drückte sie aufmunternd. Er war genauso aufgeregt wie sie und sah auch schon etwas blass aus, aber er war unheimlich glücklich. Schließlich kam das Gelübde. Tränen kullerten an Alex’ Wangen entlang, als Kian ihr seine Liebe gestand. Auch aus den Bankreihen hörte man vereinzeltes Schniefen und die piepsige Stimme von Joanna, die sich nach dem Befinden von ihrer Mutter Becky erkundigte. Der Pfarrer fuhr mit seiner Rede fort und fragte die anwesenden Gäste ob jemand etwas gegen die Heirat einzuwenden hätte. "JA!" Eine laute Stimme hallte durch dem kleinen Innenraum. Alex, Kian und alle anderen fuhren herum. Vor der Tür stand Robin. Seine Augen glitzerten wütend. "Robin?! Was machst du denn hier?" Alex war die Erste, die die Sprache wieder gefunden hatte. Ein Murmeln ging durch die Bankreihen. "Warum tust du mir das an?" Er schrie sie aus sicherer Entfernung an, eilte dann aber doch auf sie zu. "Ich liebe dich doch. Er nutzt dich doch eh nur aus." Alex wich zurück. Er hatte eine mächtige Bierfahne und wirkte bedrohlich. "Hau ab", zischte Kian und stellte sich schützend vor sie. Robin starrte ihn zornig an. "Sag das noch mal", lallte er und zückte plötzlich ein Messer. Kian zuckte etwas zurück. "Robin, hör doch auf mit dem Scheiß! Ich liebe Kian! Dagegen kannst auch du nichts machen." Ängstlich musterte Alex ihren Exfreund, der immer wütender aussah, sich aber noch nicht von der Stelle bewegt hatte. "Oh, doch! Du nimmst ihn doch nur wegen dem Geld. Hast du unsere gemeinsame Zeit etwas vergessen?" Er warf ihr einen vorwurfsvollen Blick zu. Alex schwieg. Die Bodyguards, die eigentlich draußen vor der Tür stehen sollten stürmten in die Kirche. Robin fuhr herum und sprang zurück zu Kian und Alex, der er das Messer an die Kehle hielt. Die zwei Leibwächter stoppten abrupt. Darauf waren sie nicht vorbereitet gewesen. Was machte so ein Irrer auf der Hochzeit? In der Kirche war es mucksmäuschenstill. Es herrschte eine ängstliche Spannung und keiner wagte sich zu rühren. "Robin. Lass sie in Ruhe, bitte!" Kian war noch blasser als zuvor und musterte den Exfreund seiner zukünftigen Frau ängstlich. "Jetzt haste Schiss, was?!" Robin lachte höhnisch auf und taumelte etwas. Mit Mühe hielt er sich am Altar fest uns starrte hinunter in das Kirchenschiff. Die Bodyguards stierten ihn bedrohlich an und in den Augen der Hochzeitsgäste konnte er Angst, aber auch Wut sehen. Er hatte seine große Liebe verloren, aber was würde aus ihm werden, wenn er sie jetzt in seiner Gewalt behielt. Alex liebte Kian, sonst wär sie wohl kaum mit ihm vor den Altar getreten. Drei Jahre zuvor hatte er ihr einen Antrag gemacht, aber sie hatte ihn abgelehnt. Robin hatte das einen tiefen Stich versetzt. Damals wollte sie nicht heiraten, jetzt stand sie mit diesem Schnösel vor dem Altar. Robin riss sich wieder zusammen und blickte seine Exfreundin an, der die Angst auf dem Gesicht geschrieben stand. "Komm." Er hielt ihr das Messer an die Kehle und stieß sie die Treppenstufen zum Kirchenschiff hinunter. Zögernd wichen die Leibwächter zur Seite und Alex stolperte über den roten Teppich. "Robin." Kians Stimme gellte durch die Kirche, aber er schien sie nicht zu beachten. "Tja, die ist jetzt mir." Höhnisch grinsend drehte er sich zu Kian um, der, gestützt von Mark und Kristina, vor dem Altar stand. Von draußen stürmten die anderen Bodyguards in die Kirche und zogen Alex aus seiner Reichweite, bevor Robin sich umdrehen konnte und realisieren konnte, was soeben passiert war, wurde ihm das Messer entrissen. Kian riss sich aus Marks und Kristinas Armen und rannte auf Alex zu, um sie zu umarmen. "Das wirst du büßen." Robin funkelte die beiden rasend vor Wut an und wurde unter den erbosten Blicken der Hochzeitsgesellschaft abgeführt. Man konnte beinahe hören, wie alle sichtlich erleichtert aufatmeten und in Richtung Brautpaar blickten.
Alex lag schluchzend in Kians Armen. So hatte sie sich die Hochzeit sicherlich nicht vorgestellt. Kristina eilte zu hier, gab ihr ein weiteres Taschentuch und strich ihr beruhigend über die Schultern. "Wollen wir nicht lieber aufhören?" Kian blickte sie fragend an, aber Alex schüttelte den Kopf. Robin hatte für Aufregung gesorgt, aber er sollte nicht ihre Hochzeit kaputt machen. "Nein! Ich liebe dich und ich will dich heiraten. Jetzt!" Sie lächelte ihn mit tränenblinden Augen an und Kian umarmte sie lange. Schließlich konnte die Zeremonie fortgeführt werden und der Pfarrer begann wieder zu reden. "Nun, nach dem wir alle diesen Schrecken von eben überwunden habe frage ich nochmals." Er stellte Kian und Alex die Frage, die sie beide mit einem lauten, wenn auch etwas zittrigem "Ja" beantworteten. Danach gab Kian seiner frisch angetraute Ehefrau einen langen Kuss und der Pfarrer beendete die doch noch wunderschöne Trauung. Arm in Arm schritten die beiden aus der Kapelle...
***
Draußen wurden Mr und Mrs Egan von zahlreichen Westlifefans bejubelt und die ersten Fotografen und Journalisten stürmten auf sie zu, um sie über die Ereignisse, die gerade in der Kapelle abgelaufen waren zu interviewen. Auch über den Vorfall mit Robin wollten sie natürlich alles wissen, aber Kian wich dem Thema etwas aus. Er wollte nicht, dass all die Dinge an seinem schönsten Tag wieder von der Presse breitgetreten wurden.
Nach ein paar Fotos machten sie sich auf den kurzen Weg zum Schloss, auf dem die Feier stattfinden sollte. Die Gäste, die mittlerweile die Kapelle verlassen hatten folgten ihnen und schließlich schlossen sich die Pforten für die Fotografen. Die Feier sollte nur im Familien und Freundeskreis stattfinden, der so schon groß genug war.
Das Brautpaar stand in der Eingangshalle des Schlosses, als Nicky angesprungen kam, Alex kurz in die Lüfte hob, sie umherwirbelte und ihr dann einen Kuss auf die Wange drückte. "Man Nicky, lass sie leben." Mark, der Trauzeuge von Kian, erschien grinsend hinter ihm, nahm Alex ebenfalls in den Arm und gab ihr ein Bussi. "Herzlichen Glückwunsch." Nachdem sie von allen Anwesenden gedrückt und geküsst worden waren ließen sie schnell noch ein paar Fotos von ihnen machen, damit die Presse ruhig gestellt war und begaben sich dann in den Festsaal.
Kian und Alex schnitten die vierstöckige Hochzeitstorte an und die Gäste vergnügten sich an dem leckeren Kuchenbüfett, bevor sich die meisten noch mal kurz über dem gesamten Anwesen verstreuten um danach in den Ballsaal hinüber zu gehen, in dem das Brautpaar den Hochzeitstanz eröffnen sollte. Alex nutzte diese kurze Zeit und lief etwas im Park herum. Verträumt stand sie auf der schmalen Brücke, die über den kleinen Parkteich gebaut worden war und ließ noch mal die gesamte Zeit mit Kian vor ihren Augen ablaufen. Auch an den Vorfall eben in der Kirche erinnerte sie sich. Robin war so bedrohlich gewesen, dass sie tatsächlich Angst vor ihm bekommen hatte. Sie war froh gewesen, dass Kian sie doch noch überredet hatte ein paar Bodyguards vor der Kirche aufzustellen. Wenn diese nicht gewesen wären, wäre das Ganze wohl nicht so glimpflich abgelaufen. "Na du." Kristina stand lächelnd hinter hier und riss sie aus den Gedanken. "Woran denkst du?" "Ich bin so glücklich! Danke, noch mal, dass du Kian damals angerufen hast und ihn herbestellt hast." "Ach, dass hab ich doch auch für mich getan. Die Laune, mit der du in dieser Zeit rumgelaufen bist war ja nicht mehr zum Aushalten." Sie grinste ihr Freundin an. "Trotzdem! Du weißt gar nicht wie glücklich ich bin." "Ich glaub ich kann es mir vorstellen. Mir geht’s ja auch nicht anders mit Thomas." Nach einem kurzen Schweigen platzte sie mit eine Neuigkeit heraus. "Wir wollen heiraten." "Echt?! Oh..." Alex umarmte ihre Freundin. Schon früher waren sie fast immer zur gleichen Zeit verliebt gewesen und hatten schon darüber gewitzelt, dass sie bestimmt auch irgendwann mal zur gleichen Zeit heiraten würden, aber das es wirklich so kommen würde war echt toll. "Komm lass uns gehen. Dein Bräutigam ist schon ganz nervös, weil ihr gleich tanzen müsst." Alex lachte. Laut Marks Aussage hatte er schon heute morgen die ganze Zeit Wiener Walzer getanzt, damit ihm heute bloß kein Fehler unterlief. "Kristina?!" Alex packte ihre Freundin an der Hand und zwang sie damit stehen zu bleiben. "Ich wollte dich noch was fragen. Du bist doch schon meine Trauzeugin gewesen. Willst du auch Patentante werden?" "Klar, aber..." Sie brach ab, als Alex mit strahlendem Gesicht lächelte. "Du bist schwanger?!" Alex nickte. "Zwillinge." "Ach Süße." Sie umarmten sich wieder herzlich. "Seit wann weißt du es?" "Seit gestern." Kristina lächelte ihre Freundin an, hackte sich dann bei ihr unter und schritt mit ihr in den Ballsaal.
***
Früh morgens hatten sich schließlich auch die letzten Gäste in ihre Zimmer im Schloss oder nach Hause verzogen. Auch Alex und Kian waren nun in ihrem prächtigen Zimmer, indem ein riesiges Himmelbett stand. Sie hatten sogar einen eigenen Balkon, der von einem goldenen Geländer eingefasst wurde. Alex trat, gefolgt von Kian, hinaus um ein letztes Mal für diesen Tag den Sternenhimmel zu genießen. Stumm stand sie an der Brüstung und starrte in die Ferne. Kian trat leise hinter sie und umfasst ihr Hüften. Sie seufzte wohlig auf. "Ich muss dir noch was sagen." Neugierig blickte er sie an. "Wir haben doch so ein schönes großes Haus und das ist ja zur Zeit noch ziemlich leer, oder?!" Kian nickte heftig mit dem Kopf. "Naja... ich denke in fast neun Monaten wird das nicht mehr so sein." Sie drehte sich um und sah in seine blauen Augen. Kian konnte schon ahnen, was sie ihm nun sagen wollte und legte mit fragendem Blick seine Hand auf ihren Bauch. Alex lächelte und küsste ihn zweimal kurz. Kian blickte sie verständnislos an, aber als sie zwei Finger in die Luft hob fiel auch bei ihm der Groschen. "Du meinst Zwillinge?" Sie nickte stumm. "Oh Süße..." Seine Stimme versagte, aber er nahm sie lächelnd in den Arm. "Ich bin so glücklich", flüsterte er und strahlte dabei bis über beide Ohren. "Ich liebe dich." "Ich liebe dich auch." Sie lächelte ihn noch mal kurz an, dann näherten sich ihre Lippen und sie küssten sich zärtlich im sanften Licht der bereits aufgehenden Sonne...