Hi ihr LIEBEN!
Diese Story baut auf einen Traum auf, den Any diese Woche hatte.
Sie hat sich diese Story ausgedacht und mir ein Konzept gegeben, welches ich
nun verarbeitet hab. Also sozusagen Teamwork. *hehe*
Ich hoffe sie gefällt euch und ihr wartet gespannt auf die Fortsetzungen...
*grins*
Viel Spaß beim Lesen!
„So’n Mist! Mist verdammter!“ Nadja schmiss ihre Tasche in die Ecke. Das war
heute wirklich ein furchtbarer Tag für sie gewesen. Erst die verhauene
Arbeit, dann ein Gespräch mit ihrer Klassenleiterin. „Mensch, wenn du so
weiter machst, schaffst du die Prüfung nie! Du könntest, wenn du wolltest.
Aber du machst einfach zu wenig. Was ist denn ständig wichtiger als die
Schule? Ja, sag nichts, ich weiß. Diese Boyband, wie heißt sie doch
gleich? Westboys? Du musst dich mal auf die wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren!
In deinem späteren Leben werden dir diese fünf Jungs nicht weiter
helfen können und WOLLEN! Aber wenn du dass nicht bald begreifst und dich
auf deinen Hosenboden setzt, ist es zu spät! Und jetzt geh!“, meckerte
ihre Lehrerin und Nadja wurde rot im Gesicht vor Wut. „1. Sie heißen Westlife
und 2. Sind sie nur noch zu viert! Und 3. Sie haben doch keine Ahnung!“, schrie
sie wütend und rannte aus dem Zimmer, den Gang entlang, die Treppen runter,
wo sie beinahe noch einen Schüler umgerannt hatte und durch die Straßen,
nichts wie heim.
Dort angekommen, kramte sie ihren Hausschlüssel aus ihrer Tasche und öffnete
die Tür. Sie war allein. Ihre Eltern arbeiteten beide von früh bis
spät, obwohl sie eigentlich genügend Geld hatten, sodass einer von
beiden hätte daheim bleiben können. Doch das wollten sie nicht. Daher
war nie jemand zu Hause, wenn Nadja von der Schule kam. Ihre kleine Schwester
war noch im Kindergarten, von wo Nadja sie immer so gegen 15:30 abholen musste.
Doch bevor sie sich auf den Weg dahin machte, musste sie sich noch etwas zu
Essen kochen. Seufzend ging sie in ihr Zimmer und drehte die Stereoanlage laut
auf. „Uptown girl, she’s been living in her uptown world...“ Es schallte durch
die ganze Wohnung. Na und? Es war so wie so keiner da. Immer noch wütend
ging sie in die Küche, um sich ihr Essen zu kochen. Singend und tänzelnd
setzte sie das Wasser für die Nudeln auf, drehte den Herd auf die Sechs
und lief anschließend zurück in ihr Zimmer, um die Musik noch ein
Stück lauter zu drehen. Anschließend tanzte sie zurück in die
Küche, wo sie mit dem Löffel in der Hand den Tanz zu World of our
own nachmachte. Sie war etwas unbeholfen, aber das machte ihr nichts aus, denn
genauso war Mark, ihr Liebling von Westlife. Weitere Songs verstrichen und als
gerade You don’t know lief und sie die Augen geschlossen hielt, um Marks wundervolle
Stimme ganz in sich aufzunehmen, holte ein ekelhaftes Zischen sie zurück
in die Realität. Es war das Wasser, welches sie ganz vergessen hatte, was
sich gerade über den Herd breit machte. Fluchend rannte sie zur Spüle,
holte den Wischlappen, titschte die Sauerei auf, drehte das Wasser runter, tat
die Nudeln rein und das Salz, denn es war nicht besonders viel Wasser übergelaufen,
sodass es noch reichte und behielt den Topf im Auge. Endlich, nach acht Minuten
etwa, goss sie die Spaghetti ab und füllte sich einen Teller voll. Fix
holte sie noch die Ketchupflasche aus dem Kühlschrank und machte sich einen
Klacks über die Spaghetti. Als sie aufgegessen hatte, räumte sie schnell
auf, stellte das Geschirr in die Spülmaschine und holte ihre Jacke, denn
es war bereits fünf vor halb vier und sie musste sich beeilen, um Maja
noch rechtzeitig abzuholen. Die Kleine freute sich wie immer riesig, wenn sie
ihre Schwester sah und rannte mit ausgestreckten Ärmchen auf sie zu. „Na
meine Süße? War dein Tag schön?“, fragte Nadja lächelnd
und Maja nickte eifrig. „Jaaa! Lisa hat eine Babyborn mitdebracht und wir haben
sie füttert! Und wei du was? Sie hat dann in die Hosen kackert! Das machen
aber nur Babys! Und Jan hat heute auch in die Hosen macht! Der ist noch ein
Baby! Und Lulu hat den Teller mit der Fischsuppe runterworfen! Und...“, Maja
schnatterte wie eine Verrückte und Nadja musste sie erst mal stoppen: „Hey,
den hätte ich aber auch runter geworfen!“, lachte sie und Maja guckte sie
mit ihren großen blauen Augen an: „Aber... Wahum?“ „Weil ich Fisch hasse!“,
grinste Nadja, „Aber nun komm Spatz! Wir wollen doch heim, oder?“ Maja flitzte
davon und holte ihre Schuhe. Als sie angezogen war, nahm Nadja sie an die Hand
und machte sich auf den Heimweg. Zuhause angekommen, spielte sie Verstecke mit
ihrer kleinen Schwester, bis ihre Mutter von Arbeit kam. Sie war heute etwas
eher nach Hause gekommen, da sie mit Maja noch zur Gymnastik gehen wollte. Maja
sollte ihre Beinmuskulatur stärken, meinte ihre Mutter, wobei Nadja das
für völlig überflüssig hielt, denn Maja lief für ihr
Alter recht gut, doch dass sah ihre Mutter ja nie, da sie sonst immer erst sehr
spät von Arbeit kam, wenn Maja längst im Bett lag und schlief. Und
außerdem lief die Kleine so wie so nicht viel, wenn ihre Eltern da waren,
denn dann saß sie vorm Fernseher, um nicht die Zeit der Eltern zu beanspruchen
und ihre Mutter brachte ihr alles, was sie haben wollte. So war es ja auch kein
Wunder, wenn die Eltern dachten, dass Maja nicht genug lief. „Tschüs Nad!“,
rief Bianca, ihre Mutter, als sie zusammen mit Maja das Haus verließ.
Missmutig setzte Nadja sich an ihre Aufgaben. Sie hatte so wie so schon viel
zu viel Zeit vertrödelt. Dieses blöde Mathe ging ihr total gegen den
Strich. Wozu brauchte man denn Quadratische Funktionen? Früher war es doch
immer so einfach gewesen, doch seid dem letzten Schuljahr kapierte sie gar nichts
mehr. Zumindest in Mathe nicht. Ja, in Englisch... das konnte sie besser als
alle anderen ihrer Schulkameraden, denn sie lernte sehr viel von Westlife. Aus
Songtexten, Interviews usw. Stöhnend sah sie von ihren Heften auf. Über
ihrem Schreibtisch lächelten sie die vier schnuggelichsten irischen Jungs
süß an. Sofort viel sie in einem Tagtraum. Wieder sah sie diese himmelblauen
Augen, in denen sie immer wieder versinken könnte. Schon immer war er ihr
Liebling gewesen. Er war einfach total ihr Typ, hatte das umwerfendste Lächeln,
die schönsten strahlenden Augen der Welt und die wärmste herrlichste
Stimme, die sie je gehört hatte. Auch die anderen drei sahen sehr gut aus,
waren aber einfach nicht ihre Typen und dazu kam noch, dass sie alle bereits
vergeben waren. Mark war der Einzige, der offiziell noch solo war. Bei dieser
Träumerei vergaß sie total die Zeit. „Nadja! Nadja!“ Ihre Mutter
stand in der Tür, mit Maja auf dem Arm. Als Nadja 18 Jahre geworden war,
hatte ihre Mutter noch ein Kind bekommen. Aber das machte ihr nichts aus. Im
Gegenteil. Sie liebte ihre kleine Schwester, als wäre sie ihr eigenes Kind.
Verträumt schaute sie von Marks blauen Augen auf. „hä? Was is los?“
„Ehrlich Nadja, das kotzt mich langsam an. Diesen Typen da auf deinem Poster
wirst du sowieso nicht erreichen. Du solltest nach Jungs gucken, die in deinem
Alter sind und die auch wirklich für dich existieren können!“ Damit
drehte sie sich um und schloss die Tür. „Toll!“, dachte Nadja und versuchte
weiter zu lernen.
Nach einer Weile kam ihre Mutter wieder, mit einem Brief in der Hand. „Für
dich.“, sagte sie kurz und verschwand gleich wieder. Nadja riss den Umschlag
auf und holte aufgeregt den Brief heraus, denn es hatte kein Absender darauf
gestanden.
Hallo Nadja!
Wir freuen uns dir mitteilen zu können, dass du beim Preisausschreiben zum Thema „beste Fanstory“ gewonnen hast. Dich erwarten eine Freikarte für das Konzert am kommenden Sonnabend und ein Backstagepass. Wir wünschen dir viel Spaß!!!
Mit freundlichen Grüßen
Marita Kaiser
BMG Records
Tatsächlich! Der Brief enthielt eine Freikarte und einen Backstagepass.
Aufgeregt ging sie ins Wohnzimmer. „Mum, ich hab gewonnen!“, rief sie überglücklich
und sprang auf und ab. „Wobei denn?“, fragte ihre Mutter misstrauisch. „Ich
hab eine Konzertkarte und einen Backstagepass für ein Westlifekonzert gewonnen!
Mensch! Das ist sooo cool!“, schrie sie glücklich und konnte gar nicht
wieder aufhören herumzuspringen. Doch da holte sie ihre Mutter ganz schnell
und schmerzhaft wieder runter. „Du gehst zu keinem Konzert, solange deine Noten
so saumäßig sind!“ Nadjas Freude verschwand schlagartig und sie rief
wütend: „Sag mal, ich bin 20! Ich kann machen, was ich will!“, sie konnte
es nicht glauben. Ihre Mutter wollte ihr verbieten, auf dieses Konzert zu gehen.
Auf das Konzert ihrer absoluten Lieblingsband, die sie über alles liebte
und deren Mitglieder sie mehr als sehr verehrte. „Mal seh’n, was dein Vater
dazu sagt!“, meinte Bianca nur abweisend und lief an ihrer großen Tochter
vorbei, um in die Küche zu gehen, wo ihr Mann Lars am Tisch saß und
die Zeitung las. Bianca erzählte ihm von dem Brief und dem Gewinn Nadjas.
Doch auch ihr Vater war der gleichen Meinung wie seine Frau und so kam es, dass
beide den Konzertbesuch streng ablehnten. „Aber Mama, Papa, bitte! Ihr wisst
doch wie wichtig Westlife für mich sind. Bitte! Ich streng mich auch gaaaanz
doll in Zukunft in der Schule an. Bitte! Bitte last mich gehen! Bitte! Bitte!
Bitte!“, Nadja flehte regelrecht, doch ihre Eltern sagten gleichzeitig: „NEIN!!!“
“N, E, I, N! Nein!“, meckerte ihr Vater. „Komm mal wieder aus deinen Tagträumen
heraus”, meinte ihre Mutter fest, „und jetzt geh auf dein Zimmer!“ Tod traurig
und ziemlich beleidigt verzog Nadja sich auf ihr Zimmer. Sie warf sich auf ihr
Bett und begann häftig zu weinen. Sie schluchzte unkontrolliert in ihr
heißgeliebtes Kissen, auf dem vorn alle Westlifer und hinten Mark allein
war. Irgendwann, als keine Tränen mehr kamen, rappelte sie sich auf und
stellte die Musik wieder an. Sie drehte auf volle Lautstärke und begann
wild zu tanzen. Das half ihr immer gegen ihre Wut. Doch schon nach wenigen Minuten
klopfte ihre Mutter an der Tür und rief: „Nadja! Dreh die Musik leiser!
Das nervt!“ Fluchend machte Nadja, was ihre Mutter verlangt hatte. Nadja setzte
sich an ihren Schreibtisch und schaute traurig auf ihr Poster. „Ach Jungs, wenn
ich euch nur mal sehen könnte... Nur einmal live sehen könnte... Das
wär soooo schön...sowas von schööön...“, lange saß
sie einfach nur so da, schaute in Marks Augen, hörte Songs, in denen er
viel sang und träumte davon, wie es wäre, wenn sie ihn wirklich einmal
treffen würde. Irgendwann traf sie dann eine Entscheidung, die ihr ganzes
Leben verändern würde...
„Ich gehe da hin! Egal was sie sagen, ich lasse mir das nicht verbieten. Alles,
aber das nicht. Das ist es doch, wovon ich immer geträumt habe und für
was ich weitergemacht habe. Woher ich die Hoffnung für die Zukunft und
die Energie genommen habe, um das alles hier durchzustehen. Ich bin alt genug,
um eigene Entscheidungen treffen zu können und auch zu dürfen. Ich
gehe auf ein Westlifekonzert!“, entschlossen wischte sie sich die letzten Tränen
aus den Augenwinkeln und grinste siegessicher.
Am Abend ging dann die Diskussion weiter. „Ne, auf keinen Fall gehst du dahin!“,
rief ihr Vater aufgebracht. „Ich hab die gesehn. Die saufen nur und feiern wilde
Partys! Erstaunlich, dass die überhaupt noch auftreten können!“ „Papa!
Das sind Iren und junge Männer dazu! Auch du hast in diesem Alter gefeiert
und, wie du dich ausdrückst, gesoffen! Und was glaubst du machen wir, wenn
wir weg gehen? Brav Limonade trinken? Hahahaha!”, sie lachte kalt auf, “Ich
bin kein Baby mehr! Das müsst ihr langsam mal begreifen!“, sie war super
wütend, denn es ärgerte sie, wie ihr Vater über die vier süßen
Jungs sprach. Gerade wollte er noch etwas sagen, doch in diesem Moment leutete
es. Oh Gott – jetzt kam auch noch Nadjas Großmutter. Die konnte sie momentan
rein gar nicht gebrauchen. Maja war zur Tür gelaufen und hatte ihre Omi
stürmisch begrüßt. Nun kam sie mit ihr an der Hand in die Küche
geflitzt, wo sich Nadja und ihre Eltern immer noch böse anschauten und
schwiegen. „Was hat denn dieses Mädel schon wieder angestellt?“, fragte
die Oma da auch schon und Bianca knirschte sauer: „Stell dir vor, die will zu
Westlife!“ „Westlife? Ist das ne Käsesorte oder wie?“, Nadjas Großmutter
verstand nicht, was jetzt das Problem war. „Das ist dieser irische Jammertrupp,
der immer aus ihrem Zimmer schallt!“, meckerte Lars weiter. „Ach du Schreck!
Mädchen, hast du immer noch keinen Geschmakck, was Musik angeht?“, wendete
sich die Großmutter nun an Nadja. „Mehr als ihr alle zusammen!“, knurrte
sie wütend, doch dann lächelte sie Maja an und meinte: „Westlife sind
gut. Stimmts Süße?“ „Jaaaaa! Weslife! Weslife! Nani Weslife anmahen!“,
die Kleine klatschte aufgeregt und übers ganze Gesicht strahlend in ihre
Patchhändchen und rannte los, in Nadjas Zimmer, wo sie gleich vor der Anlage
auf und ab hüpfte und weiter schrie: „Weslife hören! Nani Weslife
hören!“ Lachend stellte Nadja die Musik an und tanzte mit Maja durch ihr
Zimmer. Dann blieb Maja plötzlich stehen und schaute auf das Poster, welches
über dem Schreibtisch hing. „Wer is das?“, fragte sie nachdenklich und
zeigte mit ihrem kleinen Finger auf einen blonden Jungen. „Der heißt Kian.“,
grinste Nadja. „Der sieht lieb aus!“, rief Maja hüpfend, „Will den suchen
gehen!“ Nadja lachte: „Du willst ihn besuchen gehen?“ „Jaaa Ian suchen gehen!“,
freute sie sich und sprang auf Nadjas Bett herum, als wäre es ein Trampolin.
Nadja grinste in sich hinein, während ihre Eltern und ihre Großmutter
immer größere Augen bekamen. „Oh nein, jetzt zieht sie die Kleine
schon mit in diesen Wahnsinn rein!“, ihr Vater bekam vor Wut einen knallroten
Kopf und ihre Mutter meinte: „Maja, komm her! Und Nadja, du hörst mir jetzt
ganz genau zu! Lass, diesen, Mist, und mach Maja nicht die Kindheit kaputt,
mit diesem Schwachsinn!!!“ „Ist das etwa der Jammertrupp, von dem vorhin die
Rede war?“, fragte die Oma und schaute entgeistert auf das Poster, wovor Maja
sich gerade auf den Schreibtisch gestellt hatte und mit ihren kleinen Händchen
auf Kians Bauch patschte. „Ohja, genau der!“ rief Nadja. „Sag mal, wie sprichst
du mit deiner Oma?“, fragte ihre Mutter böse. „So wie sie’s verdient hat!“,
schrie sie wieder. Ihre Wut war nicht mehr zu kontrollieren und das merkten
ihre Eltern genau. Deshalb hob Bianca Maja von Schreibtisch und wollte mit ihr,
Lars und der Oma Nadjas Zimmer verlassen. „Ihr lasst mich also nicht gehen?“,
versicherte sich diese noch einmal wütend. „Nein! Und jetzt ist Schluss
mit diesem Thema! Du bleibst da! Deine Hungertruppe verdienen auch ohne dich
genug Geld, um saufen zu gehen! Setz dich lieber auf deinen verdammten Arsch
und lerne! Lerne, lerne, lerne! Und nächstes Jahr sehen wir weiter. Wenn
die Kerle da überhaupt noch am Leben sind und sich nicht tot gesoffen haben!“,
Lars war zurück gekommen und schrie seine Tochter wütend an. Dann
verließ er fluchtartig das Zimmer und knallte die Tür hinter sich
zu. Nadja ballte die Fäuste, ging bedrohlich grinsend zur Tür, schloss
diese ab, lief zurück zur Anlage und drehte Unbreakable auf volle Lautstärke.
Dass es bereits 20:00 Uhr war, störte sie wenig. Klar, einer der Erwachsenen
hämmerte wie verrückt gegen ihre Zimmertür, doch Nadja reagierte
nicht. Jetzt wollte sie allein sein. Allein mit ihren Sorgen, Wünschen,
Träumen, Sehnsüchten und allein mit Westlife. Sie legte sich verkehrtherum
auf ihr Bett und schaute hinüber auf das Poster, wo die vier irischen Jungs
sie immer noch süß anlächelten. Sie waren immer gutgelaunt,
egal wie schlecht sie selber drauf war. Immer lächelten sie sie an und
machten ihr Mut. So auch jetzt...
Etwa eine halbe Stunde war vergangen, als sie beschloss ihren Eltern ihren Entschluss mitzuteilen. Sie stand also auf, stellte die Musik ab, schloss die Tür auf und lief rüber ins Wohnzimmer, wo Maja heulend und bockend auf dem Boden lag und sich absolut nicht anfassen ließ. Weder von ihrer Mutter, noch von ihrem Vater, noch von der liebsten Oma. Doch als Nadja das Zimmer betrat, sprang sie auf, rannte auf Nadja zu und wollte auf ihren Arm. Doch Bianca fing sie vorher ab, hob sie hoch und trug sie aus dem Zimmer. Maja fing an so laut zu schreien, dass man denken konnte, jemand würde sie abbstechen. So laut hatte Maja noch nie geschrieen und sie hörte nicht wieder auf. Nach etwa 10 Minuten ging es Bianca so auf die Nerven, dass sie Maja an Nadja übergab. Die kleine hatte knallrote Wangen vor Anstrengung bekommen und bekam nur sehr schwer Luft. Nadja drückte sie fest an sich und meinte dann: „Mama, Papa, ich habe beschlossen auf das Konzert zu fahren. Egal was ihr sagt. Habt ihr verstanden? EGAL was ihr sagt. Ich bin alt genug und ihr könnt und dürft es mir nicht mehr verbieten. Ich gehe auf jeden Fall dahin, auch ohne eure Erlaubnis. Ich kann sehr gut selbst auf mich aufpassen. Das musste ich die ganzen letzten Jahre schon. Also warum sollte ich es plötzlich nicht mehr können?? Ihr wart nie zu Hause, wenn ich heim kam, also musste ich es zwangsläufig lernen und nun müsst ihr mit den Folgen leben. Gute Nacht!“, damit machte sie auf dem Absatz kehrt und lief mit Maja auf dem Arm zurück in ihr Zimmer. Der Kleinen kullerten immer noch die Tränchen über die Wangen und Nadja versuchte sie zu beruhigen. Sie legte sich mit Maja auf ihr Bett, schloss vorher die Tür ab, machte leise eine Westlife CD an und kuschelte mit ihrer kleinen Schwester, die das sichtlich genoss. Bald darauf schliefen sie beide ein...
Den darauffolgenden Tag sprach Nadja nicht mehr mit ihren Eltern. Nur Maja war bei ihr erwünscht. So kam es, dass die Kleine fast den ganzen Tag bei Nadja im Zimmer war und ihre Eltern nicht sehen wollte. Sie verstand zwar nicht wirklich, warum ihre Eltern so böse mit Nadja waren, aber sie hielt zu ihrer großen Schwester, weil sie zu ihr einfach viel mehr Bezug hatte, als zu Mutter und Vater. Schließlich war es immer Nadja, die sie vom Kindergarten abholte, mit ihr spielte, ihr das Essen machte und sie zu Bett brachte. Die beiden Mädels spielten mit Bausteinen, malten und hörten Musik. Sie tanzten und sangen gemeinsam und Maja guckte sich viel von Nadja ab. Immer, wenn sie Westlife hörte, klatschte sie in ihre kleinen Hände und jubelte „Weslife, Weslife!“. Auch als Nadja ihre Sachen packte, stand sie dabei. „Wo will du hin?“, fragte sie mit großen Augen, als Nadja ihre Tasche schloss. „Ich fahr zu Westlife. Die spielen morgen in Berlin.“ „Ui, will mit zu Weslife!“, jubelte Maja und hüpfte im Zimmer herum. „Geht nich Süße!“, Nadja schüttelde langsam den Kopf. Maja wollte gerade anfangen zu weinen, als Nadjas Handy zu klingeln begann. „Hallo?“, meldete sie sich. “Hey Glückwunsch!“, es war Sina, Nadjas beste Freundin, „Du, ich bin krank. Ich hab keinen, dem ich meine Karte für ein Konzert morgen Abend geben kann. Hast du vielleicht Zeit?“, krechzte eine ziemlich heißerne Sina. „Ähm... was für ein Konzert?“, Nadja horchte auf. „Westlife, morgen Abend in Berlin.“, antwortete Sina flüsternd. „Westlife? Ne sorry, ich geh schon hin.“, meinte Nadja nachdenklich. „Oh schade. Kennst du vielleicht jemanden, den du mitnehmen könntest?“, fragte Sina flehend, „Es wäre zu schade, wenn die Karte verfallen müsste.“ Der Gedanke durchfuhr Nadja wie ein Blitz. „Klar! Bring die Karte vorbei! Ich freu mich!“ „Und, wen wirst du mitnehmen?“, Sina war neugierig geworden. „Maja!“, grinste Nadja. „Maja?“, Sina klang verwundert. „Ja Maja, warum denn nicht?“, fragte Nadja gleich. „Ähm Nad, das ist eine Stehplatzkarte. Meinst du nicht, dass das für die Kleine zu gefährlich ist?“, Sina war besorgt. „Lass mich nur machen Si! Ich pass schon auf Maja auf. Ich würd doch nie zulassen, dass ihr etwas passiert. Das weißt du doch!“, Nadja war überglücklich, dass sie ihre kleine Schwester nicht Zuhause lassen musste, sondern bei sich haben konnte. „Okay Nad. Du musst wissen was du tust. Ich bring dir die Karte nicht persönlich, weil ich mit 39 Fiber im Bett liege, aber mein Dad bringt sie heut Abend vorbei. Okay?“ „Ja, in Ordnung. Aber sag ihm, er soll die Karte bitte nur mir selber in die Hand geben, denn meine Eltern wollen mich eigentlich nicht fahren lassen.“, sagte Nadja noch schnell. „Gut, mach ich. Also gaaaanz viel Spaß euch beiden!“, meinte Sina. „Ja, danke und gute Besserung! Bye!“ „Bye!“ Nadja strahlte Maja an und rief dann: „Süße! Du kannst doch mit! Ist das nicht toll?“ „Jaaaa! Nani Weslife gehen! Ian suchen!“, jauchzte Maja und sprang ihrer großen Schwester auf den Arm. „Ja Süße, wir gehen Kian besuchen.“, lachte Nadja ausgelassen und wirbelte den kleinen Lockenkopf im Kreis durch die Luft.
„Drrrrrr!“, gnadenloss schrillte der Wecker auf dem kleinen Nachttischchen. Nadja rieb sich müde die Augen: „Ohhh, was? Schon auf... Himmel!“, sie schreckte hoch, schlug den nervtödenden Wecker aus, suchte ihre Klammotten zusammen und lief häktisch ins Bad, wo sie erst einmal unter die Dusche sprang. Das warme Wasser brasselte wohltuend auf ihre Haut und hinterließ viele kleine Wassertröpfchen. Kurzerhand brauste sie sich die Haare nass, schnappte die Haarwäsche und schäumte sich den Kopf richtig ein. Es sah lustig aus, fand Nadja, denn die Haarwäsche sah pfirsigfarben aus und dieser Farbton stand ihr außerordentlich gut, zumindest ihrer Meinung nach. Wenig später spülte sie sie sich jedoch wieder raus, denn mit Schaum in den Haaren konnte sie ja schlecht auf ein Konzert UND auf ein Meet and greet gehen. Fröhlich brauste sie sich ein letztes Mal ab, stieg aus der Duschkabine, schnappte sich ihr Handtuch und trocknete sich ab. Anschließend stieg sie in ihr tiefblaufarbenes Kleid, legte ihren Schmuck an und schminkte sich dezent. Noch einen prüfenden Blick in den Spiegel, der über den Waschbecken hing geworfen und dann fix zu Maja ins Zimmer gelaufen, um sie zu wecken. Die kleine schaute ihre Schwester mit müden Kulleraugen an und rubbelte sie sich mit ihren kleinen Fäusten. „Komm meine Süße! Wir müssen los.“, sagte sie leise zu ihr und strich ihr über die Haare. „Jaaaa! Weslife! Ian suchen!“, jubelte Maja. „Psssssst, leise!“, flüsterte Nadja. „Mami auh mit?“, fragte Maja mit ihrer kindlichen Stimme. „Ne, die bleibt zu Hause.“, antwortete Nadja ruhig und Maja nickte zufrieden. Dann wusch Nadja ihr Schwesterchen auch schnell ab und half ihr ein paar hübsche Kleider anzuziehen. Maja wollte Dies nicht, und Das nicht, aber nach etwa einer halben Stunde, hatte sie dann eine rosane Hose und ein gelbes T-Shirt an. Nadja fuhr ihr noch einmal mit der Bürste durch die Lockenbracht und holte ihre Tasche, in die sie alles Notwendige gestopft hatte. Dann nahm sie Maja an die Hand und ging mit ihr zum Bahnhof. Nachdem sie die Tickets besorgt hatte, mussten sie noch etwa eine dreiviertel Stunde warten. Sie liefen über den Bahnhof und Nadja kaufte für sich und Maja noch eine Tüte Gummibärchen und zwei Schokoriegel. In einem Zeitungsladen entdeckte sie eine Zeitschrift, auf der Westlife auf dem Titelblatt waren. Anschließend setzten sie sich auf eine Bank am Bahnsteig. Wenig später kam auch schon der Zug und sie suchten sich ein relativ leeres Abteil, um in Ruhe noch ein Wenig dusseln zu können. Schon nach wenigen Minuten hatte Maja hunger und wollte einen der Schokoriegel haben. Nadja kramte in ihrer Tasche und gab ihn ihr. Als Maja ihn aufgefuttert hatte, schlief sie zufrieden auf Nadjas Schoß gekuschelt ein. Wenig später war auch Nadja eingenickt...
Die Zugfahrt war sehr lang – vor allem für Maja. Sie hatte nicht lange
geschlafen und war nun putzmunter. Sie schnatterte in ihrer kindlichen Art unentwegt
auf ihre Schwester ein, die immer noch müde war. Doch schon nach 10 Minuten
hatte sie es geschafft, dass Nadja genauso wach war wie sie. Bei diesem Wirbelwind
kann ja auch keiner müde sein...
Als sie endlich in Berlin ankamen, aßen sie erst mal ein großes
Eis. Maja hatte so lange gebettelt, bis Nadja lachend zugestimmt hatte. Maja
saß auf ihrem Stuhl und konnte kaum über den Bächer schauen,
so hoch war dieser. Trotzdem stopfte die kleine sich einen Löffel nach
dem anderen in ihren kleinen Mund und beschmierte sich dabei völlig. Nicht
nur das ganze Gesicht war braun, rot und weiß, sondern auch der Tisch,
ihre Händchen und ihr Shirt. Als Maja endlich fertig war, schnappte Nadja
sie und beseitigte die Spuren erst einmal auf der Damentoilette. Bis zum Abend
hatten sie noch viel Zeit. Sie schlenkerten durch die Stadt und schauten sich
die Schaufenster an. An einem Springbrunnen machten sie eine Pause und aßen
eine Portion Pommes mit Bockwurst und Ketchup, die Nadja an einem Imbis gekauft
hatte. Diesmal hatte sie jedoch einige Servietten mitgenommen und eine gleich
Maja umgebunden, was sich als eine hervorragende Idee herausstellte, denn Maja
bekleckerte sich mal wieder nicht zu knapp. Nadja befeuchtete eine frische Serviette
mit dem Springbrunnenwasser und wischte Maja den Ketchup von den Händen
und aus dem Gesicht. Dann wurde es langsam Zeit sich auf den Weg zur Konzerthalle
zu machen.
Endlich war es soweit und sie standen vor dem Eingang der Halle. Der Einlass
hatte schon begonnen und die Traube von Mädchen war ewiglang, wie es Nadja
vorkam. Doch endlich, nach längerem Warten - Maja wurde langsam ungeduldig
- kamen sie in die Halle. Bald nachdem sie in der Menge standen bekam Maja Angst.
Sie fing an zu weinen und wollte weg. Nadja lief mit ihr zu einem der Securitys
und erklärte ihm das Problem. Er war sehr nett, was bei diesen Leuten recht
selten vorkam und brachte Nadja nach vornen vor die Absperrung, wo keine anderen
Fans mehr waren. Nadjas Herz begann zu rasen. Sie fiel hier total auf, denn
sonst waren hier nur noch Fotographen. Und außerdem sahen die Jungs nicht
alle Tage ein 2-jähriges Mädchen auf einem Konzert und dazu noch vor
der Absperrung. Wenig später begann Blink TV und Maja schaute sich ein
wenig ängstlich in der Halle um. Als sie die vielen Mädchen hinter
sich erblickte, schaute sie mit weit aufgerissenen Augen über die Menge
und presste sich fest an Nadja, die sie gleich darauf hochhob und ihr beruhigend
zusprach. Es dauerte nicht lange, da kam die Vorband auf die Bühne und
Maja hielt sich die Ohren zu. Nadja musste über den Gesichtsausdruck ihrer
kleinen Schwester lachen, denn diese verzog es zu einer solchen Grimasse, dass
man einfach nur lachen konnte. Lange dauerte es jedoch auch nicht und die Vorband
verschwand wieder. Maja schaute nun etwas glücklicher in Raum herum und
zappelte vor Aufregung. Blink TV erfreute die Fans erneut und alle warteten
ungeduldig auf das Erscheinen von Westlife. So gegen neun Uhr war es dann endlich
soweit. Als das Licht ausging und das erste Lied begann, wollte Maja unbedingt
runter und strampelte so doll, bis Nadja aufgab und die Kleine absetzte. Maja
hüpfte vergnügt über den Boden und klatschte in ihre kleinen
Händchen. Nadja sah ihr lachend zu, schaute dann allerdings wieder auf
die Bühne, wo Westlife gerade voll zu Uptown girl abhotteten. Nadja wunderte
sich ein bisschen, denn früher, wenn sie Liveauftritte der Jungs gesehen
hatte, hatten sie nie richtig getanzt. Westlife waren immer für ihre tollen
Stimmen bekannt gewesen und nicht für’s Tanzen, doch jetzt bewiesen sie,
dass sie auch das konnten. Die nächsten Songs verstrichen und Nadja vergaß
ganz, dass Maja auch noch da war. Plötzlich, als Westlife eine Umziehpause
einlegten, fiel sie ihr wieder ein. Sie schaute sich panisch um und entdeckte
klein Maja am Bühnenrand, wo sie versuchte nach oben zu klettern. „Hey
Maja! Komm da weg!“, rief sie, doch Maja hörte sie nicht, da Westlife gerade
zurück kamen und das Geschrei somit irre laut wurde. Nadja lief zum Bühnenrand
und hob Maja hoch, sodass sie hinauf schauen konnte. Sie winkte wie eine Verrückte
in Kians Richtung und lachte ihn an. Er lächelte zurück und wendete
sich wieder dem Publikum zu, mit welchem er immer ganzschön flirtete. Nadja
trat wieder einige Schritte zurück bis an die Absperrung und war wie verzaubert.
Sie hatte ja gewusst, dass sie die Jungs live sehen würde, aber dass sie
so nah dran würde, hatte sie sich nie träumen lassen. Ihr kam es vor
wie ein Traum, aus dem sie jeden Moment aufwachen müsste. Doch der Traum
hielt noch ein Weilchen an. Irgendwie kam es ihr vor, als würde Mark immer
mal unauffällig zu ihr runter schauen, doch das bildete sie sich sicher
nur ein, denn eigentlich war es ja unmöglich. Schließlich waren hier
mehr als massig Mädels auf die er sehen konnte. Sie konnte einfach nicht
gemeint sein.
Jedes einzelne Lied sangen Nadja und die anderen Fans mit und die Stimmung kochte
fast über. Als sie schließlich noch die Zugabe Flying without wings
sangen, war es mit ihrer Beherschung vorbei und sie heulte hämmungslos
los. Maja schaute sie sogleich ängstlich an und klammerte sich an Nadjas
Bein. Doch als Nadja ihr glücklich zu lächelte, lief sie wieder weg
und tanzte weiter. Als Mark seine letzten Worte beendet hatte, wurde ihr urplötzlich
irre schlecht. Ihr Herz raste und sie schwitzte mehr als zuvor.
Der große Augenblick war gekommen und Nadja durfte backstage. Sie nahm
die völlig aufgedrehte Maja auf den Arm und lief zum Backstagebereich.
Am Eingang angekommen wurden sie von zwei riesigen Koffertypen kontrolliert
und da Nadja nur einen Backstagepass hatte, musste Maja draußen bleiben.
„Sie ist meine Schwester und ich kann sie doch nicht allein hier draußen
lassen!“, regte sich Nadja auf, doch es half alles nichts. „Sie dürfen
sie aber nicht mit rein nehmen. Sie bleibt hier oder sie gehen beide nicht.“,
meckerte der eine von beiden. „Ich passe auf die Kleine auf, während sie
rein gehen.“, meinte der andere. „Das geht doch nicht!“, wandte Nadja wieder
ein. „So oder gar nicht!“, sagte der unfreundliche Securrity und stämmte
die Hände in die Hüften. „Bitte! Ich kann doch die zweijährige
nicht allein lassen.“, bettelte Nadja weiter. „Doch! Und wenn sie das nicht
wollen, können sie halt nicht rein. Ende der Diskussion!“, der „Schrank“
wurde ungeduldig und stellte sich bedrohlich vor den Eingang. „Gehen sie ruhig.
Ich passe auf die Kleine schon gut auf.“, meinte der nettere von beiden beruhigend.
„Okay“, damit übergab sie Maja an den netten „Koffer“ und ging durch. Der
andere hatte ihr böse nachgeschaut und wenn Blicke töten könnten,
wäre sie auf der Stelle tot umgefallen. „Blöde Securetys!“, murmelte
Nadja ärgerlich und sah sich suchend um. Sie musste sich erst mal orientieren,
wo sie als nächstes langlaufen sollte. Nach etwa drei Minuten hatte sie
eine große Tür entdeckt, wo in roten Lettern Westlife geschrieben
stand. Sie klopfte zakhaft und als jemand „Come in!“ rief, öffnete sie
schüchtern und total aufgeregt die Tür. „Hallo, how are you?“, riefen
alle vier Jungs im Chor, als Nadja in den Raum trat. Alle begrüßten
sie mit einer Umarmung, doch als sie bei Mark ankam, fühlte sie, wie ihr
Herz einen Hüpfer machte. In ihr stieg ein wohliges Kribbeln auf und ihr
Herz schlug um so schneller. Sie verehrte und bewunderte diesen Mann ja schon
seit langem, aber dass ihre Gefühle so verrückt spielten, wenn sie
ihm wirklich gegenüber stand, hatte sie sich nicht träumen lassen.
Vor lauter Verlegenheit wusste sie nicht, was sie sagen sollte. „Ehm... hallo!
Ich ehm... ich bin Nadja.“, stotterte sie und hätte sich dafür selbst
ohrfeigen können. Doch diese Verlegenheit legte sich bald und sie unterhielten
sich angeregt. „Schön dich kennen zu lernen Nadja.“, sagte Nicky und Nadja
kam es so vor, als leierte er seinen Standartspruch bei Meet and greets runter.
„Wo kommst du denn her?“, fragte Kian neugierig. „Ähm aus ... aus Suhl.“,
antwortete sie hastig, denn ihre Aufregung war noch nicht ganz verschwunden.
„Und wie lange bist du schon Fan?“, Shane schaute sie fragend an und ihn schien
es wirklich zu interessieren. „Ähm seit ihr die Vorgruppe bei Boyzone wart.“,
berichtete sie knapp, um ihre Nervösheit nicht so preis geben zu müssen.
„Cool!“, rief Kian, „Kanntest du uns auch noch unter Westside?“ „Ähm ja.
Ich hatte damals einen Bericht über IOU im Fernsehen gesehen und fand die
Band und die Musik gut. Aber dann sah und hörte ich nichts mehr von denen.
Boyzone fand ich damals nicht sooo toll, aber Sina, meine beste Freundin, quengelte
mich so lange, bis ich schließlich zusagte mit ihr eine liveübertragung
eines ihrer Konzerte zu gucken. Da war komischerweise auch die Vorband mit zu
sehen und als ich eure Stimmen hörte, wusste ich, dass ich euch kannte.
Bloß nicht woher. Sina wusste schon damals alles über euch und als
sie IOU erwehnte, traf es mich wie ein Blitz. Seit dem verfolgt ihr mich in
allem was ich tue.“, Nadja atmete tief durch und wunderte sich, dass sie so
viele Sätze ohne nur ein einziges Ähm gesagt zu haben. Die Jungs waren
begeistert und fragten noch viele andere Dinge, wie „Warst du schonmal auf einen
Konzert?“ oder „Warst du schonmal in Irland?“. So verflog die Zeit und es kam
wie es kommen musste: Sie vergaßen total die Zeit und plötzlich schrie
Nadja panisch: „Oh my god! Meine kleine Schwester, die is ganz alleine bei so
nem blöden Securitytypen!“ „Was? Warum hast du sie nicht mitgebracht?“,
rief Shane entsetzt. „Weil die idiotischen Securitys mich sonst auch nicht durchgelassen
hätten.“, Nadja machte sich jetzt große Vorwürfe und wirkte
plötzlich sehr traurig. „Es wäre doch auch sehr schade wenn du jetzt
schon gehen müsstest. Nicht wahr Mark?“, meinte Kian und grinste schelmisch
zu ihm herüber. „äähm...“, Mark war ziemlich verlegen und schaute
auf den Boden. Die drei anderen Jungs begannen zu lachen. Natürlich hatten
sie, wie auch Nadja, seine verträumten Augen gesehen und freuten sich,
dass Mark endlich, seit langem mal wieder, ein Mädchen anziehend fand.
„Jetzt hol aber erst mal die Kleine!“, forderte Shane sie wieder auf. „Äh
ja, ich wollte sie ja mitbringen, aber da sie keinen Backstagepass hat, haben
die blöden Securitys sie nicht rein gelassen.“ „Na denen werden wir eins
husten!“, rief Shane aufgebracht, denn soetwas verstand er absolut nicht. Wenn
es ein 15-jähriges Mädchen gewesen wäre, dann hätte er sich
nicht so aufgeregt, aber ein 2-jähriges Kind nicht durch zu lassen, das
ging nicht in seinen Kopf. Also stand er auf und verschwand aus dem Raum. Wenig
später kam ein Boddyguard und brachte die schon weinende Maja zu ihrer
Schwester. Sie hörten Shane von draußen aufgebracht jemanden anmeckern
und das nicht zu knapp. „Was fällt ihnen ein Daniel? Sie können doch
kein zweijähriges Kind dort draußen festhalten! Ein Teenager, okay,
aber ein Kleinkind?! Nur weil es keinen Backstagepass hat? Sie spinnen doch!
Solche kleinen Mäuse können uns doch nichts tun! Bei Ihnen muss echt
eine Schraube locker sein! Ach, was sage ich, alle Schrauben locker oder schon
rausgefallen sein! Sie wissen schon, dass sie noch in der Probezeit sind, oder?!
Das wird Folgen haben Miller!“, damit stürmte Shane zurück in den
Raum, wo die anderen sich erschrocken anschauten, denn bis Shane einmal ausrastete,
dauerte es für gewöhnlich eine ganze Weile. Maja heulte immer noch
bitterlich und die vier Jungs versuchten sie zu Trösten. „Hey don’t cry
my dear.“, flüsterte Shane, aber Maja verstand ihn nicht. Trotzdem wirkte
seine beruhigende Stimme Wunder. Nach einer Weile hatte sie sich zumindest wieder
beruhigt und lief im Backstagebereich herum. Lief? – Naja tippelte. langsam
wurde sie Müde und krabbelte auf Kians Schoß. „Oh Ki, das steht dir
wirklich gut! Wir sollten Jodi anrufen und ihr sagen, dass du so bald wie möglich
Daddy werden willst!“, stichelte Nicky. „Haha ich hab ganz vergessen wie man
lacht! Du wast schon mal witziger!“, brummte Kian mürrisch. Er wusste einfach
nicht, wie er mit Maja umgehen sollte. Klar, er war schon seit kleinauf mit
Kleinkindern aufgewachsen, denn schließlich war sein jüngster Bruder
gerade mal 9 Jahre alt. Aber Maja war etwas anderes, denn sie war fremd und
verstand ihn dazu gar nicht. Und er konnte auch kein Deutsch, bis auf „Guten
Tag“ oder so. Maja lächelte zufrieden. „Ian, Ian!“ quengelte sie verschlafen,
als sie die Äugelein noch einmal aufschlug. „Was will die von mir? Shane
hilf mir! Du bist hier derjenige, der hier Vater wird!“, stammelte Kian verzweifelt.
„Kann es vielleicht sein, dass gerade ein Kind den dummen Fehler begeht, sich
bei dir wohlzufühlen Kiki?“, gab Shane lächelnd zurück. „Du machst
das schon Mr. Babysitter!“, lachte Nicky. „Oh my god, oh my god!“, murmelte
Kian kaum hörbar. Maja war inzwischen bei ihm auf dem Schoß eingeschlafen
und nuggelte an ihrem Daumen. Unbeholfen strich Kian ihr über die dichten
blonden Haare und hielt sie unsicher im Arm. „Mein Gott er empfindet!“, rief
Shane gespielt erstaunt, als wäre das eine riesige Überraschung für
Ihn. Nadja und Mark unterhielten sich während dessen und verloren so langsam
beide ihre Scheu. „Du bist also einfach so abgehauen?“, fragte er nach ihrem
kurzen Bericht. „Hm.“, murmelte sie müde. Ihr Kopf sank immer schwerer
hinunter. „Du bist ja ganzschön müde, oder?“, meinte Mark verständnisvoll.
„En bisschen“, nuschelte sie erneut. Ihr Kopf fiel nur noch tiefer hinunter
und sank direkt auf Marks Schulter. „Das kann nicht sein! Sie hat en Meeting
gewonnen; keine Übernachtung!“, lachte Kian. „Good Kian!“, flüsterten
die anderen drei Jungs. „Was machen wir jetzt?“, fragte Mark, der die schlafende
Nadja an seiner Schulter gelehnt hatte. „Wir bringen sie erst mal in ein Hotel
und morgen früh sehen wir weiter.“, meinte Nicky. „Hau, der große
Häuptling hat gesprochen. So machen wir’s“, grinste Shane. Mark weckte
Nadja vorsichtig: „Hey, wach auf!“ „Was?“, Nadja fuhr erschrocken hoch. „Oh
das tut mir leid! Ich wollte dich wirklich nicht erschrecken.“, entschuldigte
Mark sich sofort. „nein, nein, das ist schon okay.“, Nadja schüttelte ihre
Lockenbracht. „War mir ein Vergnügen.“, lächelte Mark schüchtern.
Er stand auf und hielt Nadja die Hand hin, die sie scheu ergriff und sich hochzog.
Sie liefen nebeneinander in Richtung Ausgang, während Kian Maja vorsichtig
auf dem Arm trug. Shane und Nicky gingen voraus, um ein Taxi zu bestellen und
etwa 10 Minuten später saßen sie alle im Auto und fuhren ein paar
Straßen weiter in ein billigeres Hotel.
Die Jungs brachten die Zwei noch auf ihr Zimmer und verabschiedeten sich dann
mit lieben Worten und Umarmungen. „Sehen wir uns noch einmal?“, fragte Mark
verlegen, „Wir haben nämlich noch ein Konzert hier.“ „Die süße
Maus würde sich auch freuen, dass sie Kian noch mal sieht.“, grinste Nicky.
„Ich würde mich auch freuen.“, sagte Nadja glücklich und strahlte
über’s ganze Gesicht. „Nadann, man sieht sich!“, Nicky umarmte Nadja und
strich Maja über ihre blonden Löckchen. „Wie ich Mark kenne, sehen
wir uns bestimmt bald wieder.“, Shane lächelte zu Mark rüber und umarmte
Nadja fest, „Also, tschüssi see ya!“ „Dann ... dann hol ich dich morgen
Früh ab und wir ... naja ... wir ... machen etwas zusammen.“, begann Mark
verlegen, „So gegen acht?“ „Ja sehr gern!“, Nadja strahlte ihn an und sie umarmten
sich schüchtern. Kian hatte Maja bereits auf das große Bett gelegt
und verabschiedete sich nun ebenfalls. „Bye Nadja und grüß die Kleine
ganz lieb von mir.“, flüsterte er, denn ihm war es irgendwie unangenehm
vor den anderen. Dann machten die vier sich auf den Rückweg und Nadja ging
ins Badezimmer, um sich bettfein zu machen..
Als sie endlich ins Bett fiel, konnte sie es nicht fassen. „Er hat sich mit
mir verabredet! Marcous Michael Patrick Feehily hat sich mit mir verabredet!
Mit mir, Nadja Krüger! Einem ganz normalen Mädchen aus Suhl in Deutschland!
Irre!“, mit diesem herrlichen Gedanken kuschelte sie sich in die Kissen und
schlief überglücklich ein.
So, ich hoffe euch hat der erste Teil unserer Story gefallen?
Es wird voraussichtlich fünf Teile geben, können aber auch mehr werden.
Also seid schon mal gespannt! ;-)
Über Feetback würden wir uns riesig freuen!
Auch wenn ihr was zu kritisieren habt!
Alles her damit!
Ein riesiges Dankeshane schon mal dafür!
Eure Honey & Any
Orthia.b@freenet.de