"Ich mach diesen McFadden kalt!"
Komissar Feehiliy brüllte wie ein wildgewordener Stier.
"Was ist Detective Filan?"
"Nnnnichts Sir" stammelte Detective Shane Steven Filan. Ein sehr
gutaussehender Mann: 1,75 m groß, schlank, braune Haare, braune Augen
und... er war verlobt mit Kerry Jane Elisabeth Feehily. Ja richtig:
Feehily. Hübsche Tochter seines Vorgesetzten. Vor 3 Jahren allerdings
wurde es echt haarig. In Dublin gab es einen neuen Gangsterboss: Bryan
Nicholas McFadden. Der McFadden, den Komissar Feehily töten wollte.
Aber
warum? Nun ja. Vor genau diesen 3 Jahren hatte
Bryan McFadden den angehenden Polizisten Mark Michael Patrick Feehily
erschossen, als dieser ihn verhaften wollte. Mark war Komissar
Feehily's
Sohn gewesen. Er war nie über dessen Tod hinweggekommen. Für Kerry war
das auch schwer, aber sie konnte besser damit umgehen. Sicher, sie
vermisste ihren Bruder immer noch. Rache machte ihn allerdings nicht
wieder lebendig. Für
Bryan Nicholas McFadden war es Rache gewesen, denn kurz zuvor hatte
Komissar Feehily seinen Vater niedergestreckt, vor den Augen seines
eigenen Sohnes! Er konnte entkommen und war nun in die Fußstapfen
seines
Vaters getreten.
"Boss?"
"Was ist Kian? Nicky? Was schaut Ihr so betreten aus der Wäsche?"
"Ähem... ja.... also" verhaspelte sich Nicky Byrne, als ein paar große
blaue Augen ihn anfunkelten.
"Ja, Mr McFadden, es ist so..."
"Wie ist was, Mr Egan? KIAN! Verflucht nochmal!"
"Jake wurde geschnappt."
So, es war raus. Nicky Byrne, schlank, blond, blaue Augen und Kian Egan
ebenfalls schlank, blond, blauäugig, wappneten sich innerlich gegen
einen Wutausbruch ihres Chefs. Der ließ nicht lange auf sich warten.
"Verdammte Scheiße! Das darf ja wohl nicht wahr sein! Sind denn hier
alle zu blöde?"
Bryan McFadden war echt stinkig.
"War es Feehily?"
"Ja, Sir. Und Detective Filan."
"Shane? Ich ramm' den Zwerg ungespitzt in den Boden! Jetzt reicht's.
Das
gibt Rache!"
Bryan dachte nach. Was könnte er anstellen, ohne Blut zu vergießen? Er
war nicht einfach nur ein hirnloser, brutaler Gangster. Sonst würde er
schließlich nicht einen Teil seines Reichtums in die Kinderheime der
Stadt stecken. Und reich war er, oh ja: Bankraub, Geldtransporter
ausrauben, Kidnapping... Alles war jedesmal perfekt von ihm durchdacht.
Obwohl er sich selbst oft an diesen Verbrechen beteiligte, wurde er
noch
nie geschnappt. Dafür war Bryan zu schlau und zu schnell. Er bekam auch
manchmal Schützenhilfe von der Polizei. Kaum zu glauben! Aber er und...
Shane Steven Filan waren die besten Freunde, schon seit Kindertagen.
Shane konnte seinen besten Freund einfach nicht ans Messer liefern!
Bryan hatte ihm seinerzeit oft schon nützliche Tips gegeben: Wann, Wo,
Was stattfinden sollte. Die beiden junten Männer mochten sich. Es war
aber auch schwierig. Einer von beiden stand schließlich auf der
falschen
Seite des Gesetzes.
"Ich habs!"
"Was, Boss?"
"Ich hab 'ne Idee, wie ich Feehily eine reinwürgen kann."
"Wie?" fragten Kian und Nicky wie aus einem Mund.
"Kennt Ihr seine Tochter Kerry?"
"Klar. Hübsch, blond, braune Augen, dicke Ti..."
"Nicky! Es reicht! Ihr beiden schnappt Euch die Kleine und bringt sie
hierher. Ohne ihr wehzutun. Verstanden?"
"Kidnapping. Cool. Ist schon ein Weilchen her. Aber das packen wir."
"Das hoffe ich für Euch! Los jetzt!"
Die beiden machten sich auf den Weg zu Feehily's Haus. Sie beobachteten
es eine Weile. Auf einmal wurde Nicky von Kian unsanft in die Rippen
gestoßen.
"Egan! Was ist?"
Kian wies mit dem Kopf nach draußen. Kerry!
"Hervorragend! Holen wir sie uns."
"Nicky, nicht wehtun, ok?"
"Jaja. Der Boss macht uns sonst höchstpersönlich kalt."
Die beide stiegen aus. Kerry wollte gerade die Auffahrt zum Haus
hinaufgehen, als sie von hinten angesprochen wurde:
"Kerry Feehily?"
"Ja?"
"Nicht umdrehen, ganz ruhig Kleine. Los, Du kommst jetzt mit!"
"Nein... ich... mpf."
Kian hatte Kerry umklammert und hielt ihr den Mund zu. Nicky packte
ihren Oberarm. Gemeinsam zerrten sie die sich heftig wehrende junge
Frau
zum Auto. Nicky wurde es zu bunt. Er presste Kerry einen mit Chloroform
getränkten Lappen auf Mund und Nase. Sie sank zusammen. Gemeinsam
legten
sie Kerry auf die Rückbank.
"Egan fahr los!"
Kian brauste los. Aber so doll brauchte er sich gar nicht zu beeilen,
denn niemand hatte etwas von der Entführung bemerkt. In einem kleinen
Waldstück hielten sie erstmal an. Nicky nahm ein Seil und fesselte
Kerry's Hand- und Fußgelenke. Mit einem Tuch knebelte er sie. Außerdem
verband er ihr die Augen. Nun war sie völlig hilflos. Nach einiger
Zeit,
sie fast da, wurde Kerry wach. Alles war dunkel, sie konnte sich keinen
Millimeter bewegen! Dann fiel es ihr wieder ein: Sie war entführt
worden. Bloß von wem? Der Wagen hielt. Ihr wurden die Fußfesseln
durchtrennt, dann stellte man sie vorsichtig auf die Füße. Sie wurde
vorwärtsgezogen. Nach einer Weile wurde angehalten. Kerry wehrte sich
nicht. Sie hatte Angst.
"Boss?"
"Ja, Kian?"
"Wir haben mitgebracht, was Sie wollten."
"Ah, mein neuer Gast. Danke. Geht jetzt."
Nicky und Kian entfernten sich. Bryan trat nah an Kerry heran. Er
entfernte die Augenbinde. Sie starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen
an. Ein faszinierender Mann: groß, breite Schultern, schwarze Haare,
große blaue Augen, sinnlicher Mund. Mist, wohin schweiften ihre
Gedanken? Dieser Kerl war ihr Entführer!
"Wenn ich Dir jetzt den Knebel abnehme, schreist Du dann?"
Sie schüttelte den Kopf.
"Danke. Wer sind Sie? Was wollen Sie?"
"Oh, sorry. Hab' mich ja gar nicht vorgestellt. Ich bin Bryan
McFadden."
"Was? Der Gangsterboss?"
"Ja, meine Süße."
"Ich bin nicht Ihre Süße, Sie Mistkerl."
"Vorsicht Kerry. Du befindest Dich in meiner Gewalt. Ich hab' nicht
vor,
Dir wehzutun. Aber Du bist von jetzt an mein Gast."
"Ihre Geisel."
"Von mir aus auch so. Nur 'Gast' klingt besser."
"Ach so, 'Gast' nennen Sie es, wenn ich sicherlich nirgendwohingehen
darf, vielleicht sogar eingesperrt, angekettet oder was weiß ich was
werde!"
"Du denkst anscheinend, ich wäre irgendsoein dämlicher Barbar?"
"Was soll ich denn sonst denken? Sie sein ein skrupelloser Killer. Sie
haben meinen Bruder umgebracht. Na los! Legen Sie mich auch um! Dann
habe ich es hinter mir."
"Verdammt Kerry! Bist Du eigentlich schwerhörig? Ich habe doch gesagt,
daß ich Dir nichts antun werde. Ich stehe zu dem, was ich sage, merk
Dir
das. In einem hast Du allerdings recht: Du wirst das Haus nicht
verlassen dürfen. Ich werde Dich gut bewachen lassen. Teilweise werde
ich diese Aufgabe sogar selbst übernehmen."
"Ohho. Soll ich mich jetzt geehrt fühlen, oder was? Der Boss
höchstpersönlich hat ein Auge auf mich."
'Was für schöne Augen' dachte sie sich im Stillen.
Kerry betrachtete ihren Kidnapper noch genauer: Er war leger, aber doch
erlesen gekleidet. Schwarze Lederhose, grauer Pulli. Sie sah auf seine
Hände: gepflegt, schlank, makellos. Das aufregendste (abgesehen von
seinem Hinterteil) waren die Augen. Sie hatte noch nie solche Augen
gesehen: so groß, so ein klares Blau und solch ein intensiver Blick.
Klar, ihr Verlobter Shane war nun auch nicht gerade häßlich zu nenen,
ganz im Gegenteil! Aber Bryan McFadden hattte etwas geheimnisvolles.
"Komm, mein Kätzchen. Ich bring Dich auf Dein Zimmer."
Er packte Kerry's immer noch gefesselte Hände und zog sie sanft, aber
bestimmt, die Treppe hinauf. Vor einer Tür blieb er stehen, schloß sie
auf und schob seine Gefangene hinein.
"So, hier wirst Du die nächste Zeit bleiben. Du findest hier alles, was
Du brauchst. Du kannst hier tun und lassen, was Du willst."
"Nur einfach gehen, das darf ich nicht."
"Richtig. Unternimm keinen Fluchtversuch. Das würde Dir nicht gut
bekommen. Genug geredet. Sieh Dich hier ruhig um. In einer Stunde lasse
ich Dich zum Abendessen herunterbringen. Und zieh Dich dafür bitte um.
Dort im Schrank findest Du etwas Passendes. Bis später. Ach,
Sekunde..."
Im Handumdrehen erlöste er Kerry von ihren Fesseln. Dann ging er
hinaus.
Die Tür wurde von außen abgeschlossen. Trotz ihrer Angst war Kerry
neugierig. Sie sah sich genauer um. Sie ging ins Bad nebenan.
"Wow" entfuhr es ihr.
Was für ein Luxus! Alles aus kostbarem Marmor, vergoldete Armaturen...
einfach wahnsinn! Kerry kehrte in ihr Zimmer zurück. Auch dort nahm sie
alles genau in Augenschein: ein großes Bett, eine Kommode, ein
Frisiertisch mit Spiegel, Fernseher, DVD-Player, Stereoanlage und ein
riesiger Kleiderschrank. Sie inspizierte den Inhalt. Pullis, Shirts,
Tops, Jeans, Röcke, Kleider. Alles teure Designerklamotten. Sogar
Unterwäsche.
"Der Typ hat an alles gedacht. Hat er meine Entführung schon länger
geplant? Oder hält er hier öfter Frauen gefangen?"
Kerry seufzte. Fragen über Fragen. Doch nun mußte sie sich beeilen,
schließlich gab es bald Abendessen. Passend gekleidet sollte sie ja
sein. Sie wählte ein cremefarbenes Satinkleid. Knielang, mit gerafftem
Ausschnitt. Der kühle Stoff fühlte sich wunderbar auf ihrer Haut an.
Auf
der Kommode stand eine recht große Schmuckschatulle. Ihr stockte der
Atem, als sie hineinsah.
"Was für wunderschöne Schmuckstücke."
"Das wird Mr McFadden sicher freuen" erscholl eine Stimme von der Tür.
Wie hieß dieser Typ noch? Ach ja, Nicky Byrne.
"Müssen Sie mich so erschrecken?"
"Oh, tut mir leid."
Das klang aber gar nicht danach.
"Kommen Sie mit. Mr McFadden erwartet Sie unten."
Ungeduldig klopfte Nicky mit dem Fuß auf den Boden, als Kerry sich
nocheinmal im Spiegel betrachtete. Sie wußte nicht warum, aber sie
wollte ihrem Entführer gefallen. Dieser Mann berührte sie, auch wenn er
ein berüchtigter Gangster war.
"Wird's bald?"
"Jaja, ich komme schon."
Nicky ergriff ihren Oberarm und als sie aus der Tür kamen, trat Kian
hinter sie. Bryan hielt Wort. Sie wurde tatsächlich gut bewacht. Die
beiden Männer brachten Kerry ins Speisezimmer. Sofort betrachtete sie
hier ihre Umgebung. Nicky und Kian hatten sich unauffällig entfernt.
Ein
riesiger Raum voller kostbarer Möbel. Viele Bücher. Kerry blickte sich
weiter um. Plötzlich hielt sie den Atem an. Dort saß er. Der
Gangsterboss Bryan Nicholas McFadden persönlich. Er saß in einem
Ledersessel. Als er Kerry bemerkte, erhob er sich und ging auf sie zu.
Er lächelte.
"Guten Abend, Lady."
"Äh, ja... hallo."
Statt des Designerpullis trug er jetzt ein weißes Hemd zu seiner
Lederhose. Kerry war von den Socken. Wie konnte dieser Kerl nur so
attraktiv sein? Seine Augen glitten wohlgefällig über ihre Erscheinung.
"Du siehst wunderbar aus Kerry."
"Danke, Mr McFadden."
"Wie wär's mit Bryan? Ist übrigens bedeutend einfacher."
"Ich weiß, aber ich kann das nicht. Noch nicht" rutschte ihr heraus.
"Nun, ganz wie Du willst. Ich hoffen, Dein Zimmer gefällt Dir?"
"Oh ja schon... aber Zimmer ist wohl kaum die passende Bezeichnung
dafür."
"Warum?"
"Ich bin Ihre Gefangene, richtig?"
"Ja, das stimmt."
"Sie sperren mich hier ein, also ist Gefängnis wohl eher dasrichtige
Wort."
"Oft werden Geiseln aber schlecht behandelt, was bei Dir nicht der Fall
ist."
"Wohl war. Sie verwöhnen mich. Trotz allem. Wiese das?"
"Kerry, ich bin vielleicht ein Verbrecher, aber kein Menschenschinder.
Außerdem bist Du zu reizvoll, als das ich Dich quälen könnte!"
"Oh danke" erwiderte sie ironisch "also wenn ich hässlich wäre, dann
würden Sie mich quälen?"
"Bestimmt nicht! Nur habe ich in Deinem Fall auch etwas davon."
"Und was?"
"Deinen Anblick. Fahr Deine Krallen wieder ein. Das ist besser für
Dich."
"Eine Warnung? Wenn ich Ihrem Befehl nicht gehorche, was dann? Töten
Sie
mich? Schlagen Sie mich?"
"Genug jetzt" donnerte Bryan "es reicht. Komm jetzt zu Tisch."
Kerry war blaß geworden. Dieser Mann ließ sich keinesfalls auf der Nase
rumtanzen. Sie begriff, warum er gefürchtet, aber auch respektier
wurde.
Das Abendessen war köstlich. Die beiden führten eine rege Unterhaltung.
Bryan besaß einen schalkhaften Sinn für Humor. Kerry vergaß beinahe,
daß
sie gefangen war. Beinahe...
"So, nun wirst du Shane anrufen und ihm mitteilen, was Dir passiert
ist.
Komm!"
Ihr blieb nichts anderes übrig, als ihm ins Arbeitszimmer zu folgen.
"Setz Dich."
Mit dem Kopf wies er auf einen Stuhl. Er trat hinter sie.
"Na los, ruf ihn an!"
Kerry wählte Shane's Nummer. Bryan hatte auf den Lautsprecherknopf
gedrückt. So konnte er alles mithören.
"Detective Filan" meldete sich eine wohlklingende Stimme am anderen
Ende.
"Shane, ich bin's, Kerry."
"Hallo, mein Engel. Alles ok? Du klingst so komisch. Dein Dad ist hier
bei mir."
"Ich muß Dir was sagen. Es ist ernst."
"Was? Was ist denn los?"
"Shane, ich bin entführt worden."
"Du bist was?" rief er "von wem?"
"Von Bryan McFadden."
"Oh, Scheiße!"
"Dieses Schwein" hörte man Komissar Feehily im Hintergrund fluchen.
"Wehe, er tut ihr was an. Ich mach ihn kalt."
"Dazu müßten Sie mich erstmal kriegen. Sie Mörder."
"Mörder? Ich? Du bist hier der Killer, McFadden."
"Sie haben meinen Vater umgebracht."
"Und Du meinen Sohn. Du verfluchter Drecksack. Ich..."
Shane übernahm das Gespräch wieder.
"Mr McFadden?"
"Ja, Detective Filan?"
"Was haben Sie mit Kerry vor?"
Die beiden mußten "Sie" zueinander sagen, sonst wäre ihre Freundschaft
aufgeflogen.
"Och, nichts besonderes habe ich mit ihr vor. Ich werde das Mädchen
hier
bei mir behalten."
"Ich will nicht, Sie... mpf" hörte man nur noch.
Bryan presste ihr seine Hand auf den Mund.
"Ruhe Du kleine Katze."
Shane war irritiert, als er Kerry's erstickte Laute hörte.
"Hey, McFadden. Was machen Sie mit ihr?"
"Ich halte ihr gerade den Mund zu. Ich rate Euch beiden Spürhunden.
Sucht nicht nach ihr. Wenn doch, wenn ich das herausfinde, bringe ich
die Kleine um! Verstanden?"
"Mr McFadden..."
"Ende der Durchsage Detective Filan."
Bryan knallte den Hörer auf die Gabel. Das war echte Kunst, denn er
stand nun vor Kerry, hielt ihr aber immer noch den Mund zu. Ihre Augen
waren schreckgeweitet.
"Was ist Kätzchen?"
Er nahm seine Hand weg. Kerry zitterte am ganzen Körper.
"Was ist? habe ich gefragt. Oder bist Du plötzlich stumm geworden?"
"Sie, Sie würden mich wirklich töten?"
"Nur im äußersten Notfall. Das heißt aber nicht, daß Du mir nichts
bedeutest."
"Ach toll. Kaltmachen würden Sie mich schon, Sie Verbrecher."
"Ich hab die Nase voll von Deinen Frechheiten. Los, mitkommen!"
Er zerrte sie die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer. Bryan schubste sie
hinein.
"KIAN! NICKY!" brüllte er.
Die Zwei erschienen auf der Bildfläche.
"Bewacht die kleine Hexe gut. Kapiert?"
"Ja klar, Boss."
Bryan drehte sich noch einmal zu Kerry um. Drohend blickte er ihr in
die
Augen.
"Mach ja keine Zicken, sonst setzt's was!"
Er ging. Erneut wurde sie eingeschlossen.
"Dieser Mann steckt ja voller Widersprüche" murmelte Kerry vor sich
hin.
"Erst werde ich überfallen, betäubt, entführt, verschnürt wie ein
Paket,
eingesperrt. Dann begegnet mir Bryan wie einer richtigen Lady. Und nun
ist stinksauer."
Tief in ihrem Inneren wußte sie, daß Bryan McFadden sie niemals töten
würde. Das glaubte sie an seinem Blick erkannt zu haben. Aber
freilassen
würde er sie auch nicht. Kerry spürte ihre Müdigkeit.
"Ich gehe wohl besser schlafen."
Kaum hatte sie das vor sich hingesagt, schlummerte sie auch schon ein.
"Diese kleine Katze treibt mich zur Weißglut!"
Bryan war in seinem Arbeitszimmer. Er rief Shane an.
"Filan?"
"Shane ich bin's, Bryan."
"Wo ist Kerry? Wie geht's ihr?"
"Hey, langsam. Wir treffen uns in einer halben Stunde am Pier, ok?"
"Geht klar. Bis gleich."
Tja, was sollte er Shane bloß sagen? Kerry war seine Braut. Aber Bryan
hatte sich in sie verliebt. Das wurde ihm schlagartig klar. Auch wenn
Kerry Angst hatte, sie kämpfte. Ihr Stolz beeindruckte ihn.
"Kian? Nicky?"
"Ja Chef?" grinste Nicky.
"Sag mal, was grinst Du denn so blöde?"
Nicky's Lächeln erstarb.
"Äh, nichts, Sir."
Kian gluckste. Es war nur gut, wenn Nicky mal eins draufbekam.
"Gut. Hört zu: Ich fahre jetzt los und treffe mich mit Shane. Allein."
"Aber Mr McFadden" wandte Kian ein "das ist zu gefährlich für Sie."
"Ich muß allein gehen. Ich habe Shane etwas Wichtiges zu sagen. Ihr
bewacht die Kleine. Und laßt die Finder von ihr, sonst seid Ihr dran!"
Dabei fixierte er besonders Nicky. Dieser schluckte schwer. Mist! Dabei
wollte er Kerry haben. Allerdings hatte Nicky Schiß vor seinem Boss.
"Ja sicher. Finger weg. Alles klar."
Bryan musterte die Zwei eindringlich, dann war er verschwunden. Nicky
und Kian bezogen erneut Posten vor Kerry's Tür.
"Immer kriegt er die tollen Weiber."
"Hey Nicky. Er dreht Dir eigenhändig den Hals um, wenn Du Sie anfasst."
"Jaja. Schon gut. Aber gucken darf man doch."
Leise schlich sich Nicky ins Zimmer. Da lag sie. Seine Traumfrau. Sie
trug nur ein leichtes Nachthemd aus dünnem Stoff. Deutlich sah er ihren
Körper. Er machte einen Schritt auf das Bett zu, stoppte aber
unwillkürlich, denn Kian hielt ihn fest.
"Komm" zischte er.
Widerwillig ging Nicky...
Bryan war unterdessen am Pier angelangt. Shane wartete bereits.
"Bryan, was ist mit Kerry? Warum hast Du das getan?"
"Shane, ihr geht's gut. Sie ist bei mir."
"Das macht mich ja gerade so unruhig."
Shane's Augen waren beinahe schwarz vor Wut, seine Stimme ganz heiser.
"Hey Filan, sie lebt."
"Aber Du hast gedroht sie zui töten!"
"Das würde ich nie tun. Feehily sollte nur Angst kriegen. Mehr nicht."
"Toll, ich hab mir fast in die Hose geschissen. Gib sie frei!"
"Niemals."
"Was soll das heißen, niemals?"
"Sie bleibt bei mir. Ich liebe Kerry."
"Was? Spinnst Du? Sie ist mein Mädchen."
"Jetzt nicht mehr. Jetzt gehört sie mir."
"Du mieses Schwein. Ich dachte, Du wärst trotz Deines Lebenswandel mein
Freund."
"Bin ich auch, aber ich kann nicht anders. Tut mir leid."
Shane sah rot. Klatsch! Er verpasste Bryan einen saftigen Kinnhacken.
Shane war nicht gerade schwach, Bryan war stärker. Er packte Shane's
Arme und zwang sie nach unten. Dabei waren seine Augen traurig.
"Shane..."
"Schnauze, Du elender Verräter. Ich finde Dich. Hoffentlich legt
Feehily
Dich um!"
In Bryan's Augen schimmerten Tränen.
"Das, das, das meinst Du nicht ernst."
"Oh doch. Verrecken sollst Du!"
Er drehte sich um und ließ seinen ehemals besten Freund einfach stehen.
Shane war tief getroffen. Seine KerryF! Und sein bester Freund würde
sie ihm einfach wegnehmen. Er fragte sich, was ihn mehr schmerzte:
Kerry's Verlust (denn verlieren würde er sie an Bryan) oder daß es
ausgerechnet der Mann war, den er Freund genannt hatte. Er fuhr nach
Hause. Er brauchte unbedingt Schlaf. Bryan stand noch wie gelähmt am
Pier. Das Shane ausrasten würde, war klar. Das er ihm den Tod wünschte,
haute ihn um. Bryan zitterte. Er hatte gerade seinen besten Freund
verloren. Shane würde ihn nun auch jagen wie ein gehetztes Wild. Ist
Kerry das wert?
"Ja" sagte er sich entschlossen.
"Vielleicht sollte ich sie ins Sommerhaus schaffen und dort ein paar
ruhige Tage mit ihr genießen."
Er hatte das ungute Gefühl, daß es seine lezten Tage sein würden.
"Ist vielleicht auch besser so" murmelte er vor sich hin.
"Schließlich bin ich nur ein verabscheuungswürdiger Verbrecher."
Bryan fing an zu schluchzen. Nun war er ganz allein! Niemand hatte ihn
gefragt, ob er es genoß ein Gangster zu sein. Denn dem war nicht so!
Für
einen normalen Lebenswandel würde er alles geben, doch nun war es zu
spät. Na ja, ganz allein war er nicht. Kerry! Er hatte in ihren Augen
Liebe für ihn, den Gangster, gesehen. Sie war wie ein Rettungsanker. Er
fuhr nach Hause. Vor Kerry's Zimmertür saß Kian schlafen. Er stupste
ihn an.
"Boss? 'Tschuldigung. Dem Mädchen geht's gut."
"Jaja. Ich fahre mit Kerry in fünf Tagen ins Sommerhaus. Sorg dafür,
daß
wir nicht gestört werden."
"Geht klar."
Unten, unbemerkt an der Treppe, stand Nicky. Er hatte alles gehört.
Seine Wut auf Bryan wuchs ins Unermeßliche. Er wählte Komissar
Feehily's
Nummer...
Die fünf Tage verstrichen. Bryan und Kerry waren sich in dieser Zeit
mehr als nahe gekommen. Die beiden liebten sich!
"So, Kätzchen. Wir fahren jetzt in mein Sommerhaus. Dort sind wir
ungestört. Unsere Sachen sind schon dort. Komm Kleines, wir fahren."
Nach einiger Zeit waren sie an einem Blockhaus angekommen. Mitten in
der
Natur. Kerry sprang aus dem Wagen.
"Oh Bryan, wie wunderschön."
Bryan lächelte über ihre Begeisterung, doch das dumpfe Gefühl war seit
seiner letzen Begegnung mit Shane nicht von ihm gewichen. Sie richteten
sich häuslich ein. Viele Tage vergingen. Eines abends trat Kerry auf
ihn
zu. Sie war verlegen.
"Was ist Kleines?"
"Ähem... ja ich..."
"Ja?"
"Ich bekomme ein Kind von Dir" platzte Kerry heraus.
"Was? Das ist ja wunderbar!"
Plötzlich fühlte er sich leicht. Die beiden küssten sich innig. Dann
zuckten sie erschrocken zusammen.
"McFadden? Hier sind Kommissar Feehily und Detective Filan. Kommen Sie
mit erhobenen Händen raus. Und lassen Sie Ihre Geisel frei!"
"Bryan! Nicht! Er wird Dich erschiessen!"
"Kerry, ich muß. Los komm."
Er schob sie vor sich her nach draußen. Dort standen Shane und Komissar
Feehily mit gezückten Waffen. Kerry presste sich an Bryan. Er drückte
sie sanft vorwärts.
"Geh meine Süße."
"Nein, ich lasse Dich nicht im Stich!"
Bryan gab ihr einen heftigen Stoß, so daß sie ein ganzes Stück
vorwärtstaumelte. Kerry fand gerade ihr Gleichgewicht wieder, da
krachte
ein Schuß. Entsetzt drehte sie sich zu Bryan um. Dieser fasste sich mit
beiden Händen an den Bauch. Blut schoss hervor. Dann brach er zusammen.
Kerry und Shane rannten zu ihm. Shane warf seine Waffe weg, aber er
hatte nicht geschossen! Kerry kniete neben Bryan nieder, nahm seinen
Kopf in ihren Schoß. Shane hockte neben ihr. Tränen liefen über seine
Wangen, tropften auf Kerr'y Hände. Auch sie weinte hemmungslos.
Komissar
Feehily kam hinzu.
"Bleib weg Du Mörder!"
"Kerry, Schatz. Er ist der Mörder. Denk an Mark."
"Dad, Du bist ja krank vor Haß."
Der Komissar blickte zu dem Sterbenden hinunter.
"Ich hab's Dir ja geschworen McFadden. Verreck endlich!"
Shane sprang auf und schlug seinen Chef nieder.
"Kerry..."
"Bryan, nicht reden. Spar Deine Kräfte."
"Hat eh' keinen Sinn mehr."
"Bryan?"
"Ja Shane?"
"Verzeih mir. Ich wollte nie, daß Du stirbst. Ich war nur so sauer."
"Schon gut, Shane. Bitte... kümmer Dich um Kerry und das Kind.
Versprich
es mir!"
Bryan hatte starke Schmerzen und kaum noch Kraft.
"Ich, ich versprech es Dir."
"Danke. Mach's gut mein Freund."
"Ja, mein bester Freund."
"Kerry..."
"Ja?"
"Tu mir einen Gefallen."
"Alles, was Du willst."
"Erzähl unserem Kind nur von mir, wenn Du es für richtig hälst. Es soll
sich meiner nicht schämen."
"Es wird stolz sein! Bryan, ich liebe Dich!"
"Ich... ich Dich auch. Ver... vergiß micht nicht."
Seine Augen fielen zu, sein Körper wurde schlaff. Bryan Nicholas
McFaden
war tot.

EPILOG 10 Jahre später

Komissar Feehily hatte eine Verdienstmedaille erhalten. Shane hatte den
Dienst quittiert und arbeite nun als Streetworker. Er hielt sein
Versprechen getreu ein. Er war immer für Kerry und das Kind da. Kerry
sah ihren Vater nie wieder.
Voller Stolz betrachtet Kerry ihren Sohn. Hellbraune Haare, riesige
blaue Augen. Sein Vermächtnis! Bryan lebt in ihm weiter. Für immer!!!

ENDE