~*~
"Es ist jetzt schon fast 5 Jahre her, als ich mir einen Platz in der Fernsehshow
*I’m a celebrity get me out of here* gesichert habe und es für mich hieß:
"Ab in den australischen Dschungel!’ Es war keine leichte Entscheidung für
mich, weil ich zwei Wochen von dir, Lilly und Daddy getrennt war und mir war
klar, dass ich euch schrecklich vermissen würde, doch letztendlich hat
mich die Tatsache, dass ich für einen guten Zweck Geld gewinnen konnte,
doch noch davon überzeugt mitzumachen. Tage zuvor war ich schon nervös
und konnte keine Nacht mehr durchschlafen. Ich hab mich dann immer an dein Bett
gesetzt, oder an das von Lilly und euch beim schlafen zugesehen. Es hat mich
beruhigt, wie ihr so friedlich dagelegen habt, ohne jegliche Sorgen. Plötzlich
wünschte ich mir selbst wieder ein Kind zu sein, aber das ging nun mal
nicht. Jedes Mal, als ich wieder zurück ins Bett schleichen wollte, saß
Daddy bereits aufrecht darin und hat auf mich gewartet. Er sagte mir immer wieder
beruhigende Worte und irgendwann schlief ich wieder ein, bis einer meiner zwei
Engel wach wurde und nach der Mommy gerufen hat." Kerry stoppte in ihrer Erzählung
und stupste Molly in den Bauch die daraufhin anfing zu kichern.
"Erzähl weiter.", quiekte sie und sah wieder aufgeregt und gespannt zu
ihrer Mutter.
"Am Tag vor dem Abflug stieg meine Nervosität bis ins Grenzenlose. Mir
war heiß und kalt zugleich, meine Hände und Füße zitterten
und irgendwann machte das mein Körper nicht mehr mit. Die Nacht verbrachte
ich im Krankenhaus und wurde dort noch rechtzeitig entlassen um mich bei euch
zu verabschieden, bevor es nach Australien ging. Am Flughafen konnte ich meine
Tränen nicht mehr zurückhalten, obwohl ich stark bleiben wollte. Ich
schaffte es nicht und ich glaube es war einer der emotionalsten Momente in meinem
Leben. Ich hab euch alle schon dort vermisst, obwohl ihr vor mir wart. Und ich
kann nicht beschreiben wie stolz ich war, als du mir viel Glück gewünscht
hast und mir sagtest, dass du mich liebst. Dieses Bild werde ich nie vergessen.
Da standest du mit deinen 2 ½ Jahren, deine Arme nach mir ausgestreckt
und sagtest die Worte: "Viel Glück, Mommy. I love you.’ Meine Lippen formten
sich zu einem unbeschreiblichen Lächeln und in diesen Minuten setzte ich
mir ein Limit von 3 Tagen. Länger würde ich es ohne euch nicht aushalten,
dachte ich und nahm mir fest vor, wenigstens 3 Tage im Dschungel zu überleben.
Ich umarmte euch alle noch ein letztes Mal, bevor ich in das Flugzeug stieg
und mich für über zwei Wochen von euch verabschiedete. Guck, hier
ist das Bild." Kerry deutete auf ein kleines Foto in dem Fotoalbum, das Molly
noch immer auf ihren Beinen liegen hatte. Sie betrachtete es eingehen, bevor
sie ihre Mutter erneut dazu aufforderte, weiterzuerzählen...
"Im Flugzeug setzte ich mich neben Katie. Die Mommy von Harvey, der Junge mit
dem du letzte Woche gespielt hast. Ich unterhielt mich ziemlich lange mit ihr
und irgendwann packte mich die Erschöpfung der vergangenen Tage und ich
schlief ein. Katie weckte mich, als wir in Australien angekommen waren und ich
wurde wieder total nervös. Ich konnte es fast nicht mehr erwarten, endlich
im Dschungel anzukommen. Ich wollte endlich wissen, wie ich die nächsten
Tage leben sollte, ich wollte die ganze Umgebung erkunden und freute mich irgendwie,
dass ich dabei war. Soweit ich das bis zu diesem Zeitpunkt beurteilen konnte,
waren alle weiteren Kandidaten richtig nett und ich war mir sicher, dass ich
mich prima mit ihnen verstehen würde. Wir wurden noch am selben Tag mit
einem Helikopter in den Dschungel geflogen und irgendwo mittendrin abgesetzt.
Unser Dschungelcamp durften wir mit Hilfe von Kompassen selbst suchen. Lang
hat es nicht gedauert und ich stand an dem Platz, an dem ich die nächsten
Tage verbrachte. Es war nicht unbedingt das was ich als gemütlich bezeichnen
würde, aber dafür, dass es mitten im australischen Dschungel war,
war es gar nicht mal so schlecht. Ich suchte mir mein "Bett" aus und das Erste
was ich tat, war mir das Foto von euch anzusehen, dass ich mit in den Dschungel
genommen hatte. Ich küsste jeden von euch, bevor ich mich ein wenig einrichtete
und mich zu den anderen gesellte die sich angeregt unterhielten. Die erste Nacht
war nicht besonders toll. Eigentlich hab ich nie richtig geschlafen, bei jedem
kleinen Geräusch war ich wach. Außerdem gingen mir diese nervigen
Moskitos tierisch auf die Nerven. Mein Rücken sah aus wie ein Streuselkuchen!
Guck, davon gibt es auch ein Bild. Daddy hat damals den Fernseher fotografiert,
dieser kleine Dussel." Molly blätterte neugierig durch das Album und stoppte
bei einem Bild auf dem Kerrys Rücken zu sehen war.
"Oh.", sagte sie und starrte schockiert auf den mit roten Flecken übersäten
Rücken ihrer Mutter.
"Sind die jetzt wieder weg?", fragte sie und hob das T-Shirt ihrer Mutter an
um darunter zu sehen.
"Ja natürlich!", lachte Kerry und half ihrer Tochter das Shirt anzuheben.
"Na gut, erzählt weiter.", drängte Molly und ihre Augen leuchteten
vor Begeisterung.
"Der nächste Tag war eigentlich ganz okay. Mein Heimweh war noch nicht
ganz so schlimm wie ich dachte und so verging der ganze Tag ziemlich schnell.
Ich entspannte mich, als ich wusste, dass ich nicht die 1. Aufgabe erledigen
musste. Die Minuten vor der Verkündung waren jedes Mal der Horror! Ich
hatte Angst, wirklich panische Angst!"
"Aber du hast doch nie Angst."
"Doch Schatz, auch Mommys haben Angst!", erklärte Kerry lächelnd und
stupste Molly auf die Nase, bevor sie weiter erzählte.
"Weißt du, Mommy hat sogar geweint, als sie ihre 1. Aufgabe machen musste
um für die anderen Essen zu gewinnen. Ich wurde in so einen komischen Glaskasten
gesperrt, der immer weiter in den dreckigen See gesunken ist. Ich war unendlich
froh, als ich da wieder raus war. Leider konnte ich nicht viel Essen holen und
die anderen waren schon irgendwie sauer, aber ich war stolz auf mich, dass ich
mich überhaupt in diesen dämlichen Kasten getraut habe! Na ja, ich
hab dann den anderen das Essen überlassen und mich auf mein unbequemes
"Bett" gelegt. Da wurde mir zum 1. Mal seit ich im Dschungel war richtig bewusst,
dass ich euch alle schon sehr vermisste. Ich holte mir mein Bild, legte mich
so bequem wie möglich hin und sah euch eine ganze Stunde lang an. Ich glaube
zumindest, dass es eine Stunde lang war, eine Uhr hatte ja keiner. Peter und
Johnny versuchten zwar die ganze Zeit die Uhrzeit an irgendwelchen Stöcken
und deren Schatten abzulesen, aber ich glaube das was sie uns erzählt haben,
entsprach nicht annähernd der wirklichen Uhrzeit. Aber lustig war es, wie
sie sich die ganze Zeit stritten wer nun recht hatte.", kicherte Kerry, als
sie daran dachte. Sie griff nach ihrem Glas auf dem Tisch und trank einen großen
Schluck daraus, bevor sie wieder anfing zu erzählen.
"Ich blieb den restlichen Tag liegen und irgendwann setzte sich Katie zu mir.
Sie fragte mich was denn mit mir los sei und ich erzählte ihr, dass ich
so langsam Heimweh nach euch bekam. Sie erzählte mir, dass sie Harvey auch
sehr vermisste und wir heulten uns gegenseitig bei uns aus. Es tat gut mit Katie
darüber zu reden und ich mochte die Katie, die ich im Dschungel kennen
gelernt habe, sehr. Sie war so ganz anders, eben Katie und nicht Jordan."
"Wer ist Jordan?", unterbrach Molly den Redeschwall ihrer Mutter und legte ihre
Stirn in Falten.
"Oh, das ist nicht so wichtig, Maus.", lenkte Kerry ein und biss sich auf die
Lippe.
"Ich verstand mich jedenfalls super mit Katie und jedes mal, wenn ich wieder
traurig war, weil ihr mir so gefehlt habt, habe ich mit Katie darüber geredet
und mir ging es wieder besser. Am 5. Tag in Dschungel realisierte ich übrigens
erst, dass ich mein Limit schon längst überschritten hatte und war
mächtig stolz auf mich. Ich sah mir wieder das Bild von euch an und es
spornte mich dazu an, durchzuhalten. Freiwillig würde ich nicht gehen,
das nahm ich mir fest vor, jetzt wo ich doch schon mein eigenes Limit überschritten
hatte. Die nächste Aufgabe die ich im Dschungel bewältigen musste,
brachte ich zusammen mit Katie hinter mich. Wir mussten Würmer und Käfer
essen." Molly verzog ihr Gesicht zu einer Grimasse und Kerry musste bei dem
Anblick schmunzeln.
"Hast du das gemacht?"
"Ja, aber es war wirklich eklig. Mach das bloß nicht nach, kleine Lady!"
Molly kicherte und setzte sich dann wieder aufrecht hin um ihrer Mutter zuzuhören.
"Wir waren wirklich stolz auf uns, das kannst du mir glauben. Nie im Leben hätte
ich gedacht, dass ich jemals so weit gehen würde. Es war schrecklich eklig
und als die Fischaugen dran waren, streikte ich. Das ging wirklich zu weit,
während Katie sich noch traute hineinzubeißen. Mir wurde schon bei
dem Anblick schlecht, aber ich glaube diese Aufgabe hat uns noch ein bisschen
näher gebracht. Ich hatte sie richtig lieb gewonnen und das schlimmste
war es, als Katie gehen musste. Ich konnte es nicht glauben und war am Boden
zerstört. Mit wem sollte ich mich denn jetzt über euch unterhalten?
Bei wem sollte ich mich ausheulen, wenn ich traurig war? Aber ich überlebte
auch das und die Zeit im Dschungel verging auch ohne Katie wie im Flug. Einer
der Höhepunkte war, als Johnny mit einer Kerze auf dem Kopf *Happy Birthday*
für Lilly gesungen hat. Durch meinen Dschungelaufenthalt konnte ich bei
ihrem 1. Geburtstag leider nicht dabei sein und ich war schon den ganzen Morgen
über schlecht drauf. Meine kleine Lilly wurde ein Jahr und ich saß
in dem verdammten Dschungel fest. Ich fand die Aktion von Johnny richtig süß
und musste vor Freude weinen. Es war schon eine tolle Zeit, aber auch anstrengend.
Ich konnte es nicht glauben, als der letzte Morgen anbrach und ich immer noch
auf meinem verstochenen Rücken im australischen Dschungel lag. Und nun,
wo der letzte Tag gekommen war, konnte ich es gar nicht mehr abwarten endlich
wieder in eine zivilisierte Stadt zu kommen um mit euch zu telefonieren. Bis
ich wieder in Dublin war, vergingen schließlich noch mal 2 ganze Tage.
Ich freute mich wie ein kleines Kind und ich vergaß warum ich überhaupt
hier war. Das ich kurz davor war diese dämliche Dschungelshow zu gewinnen,
begriff ich erst, als Jennie es mir sagte. "Dir ist schon klar, dass du kurz
davor bist hier als Dschungelkönigen herauszukommen, oder?’, hatte sie
mich gefragt und ich stutzte. Sie hatte recht. Es waren nur noch Peter, Jennie
und ich hier. Einer von uns würde gewinnen, ich war bei den letzten drei!
Es war unglaublich. Je näher das Ende kam umso aufgeregter wurde ich wieder.
Wir drei übriggebliebenen sollten noch eine letzte Aufgabe bewältigen,
die ich allerdings nicht gemacht habe. Das war mir einfach zu eklig! Aber wie
sich später herausstellte, machte das überhaupt nichts aus." Kerry
fing bei dem Gedanken an zu grinsen. Wer hätte jemals gedacht, dass sie
die erste *Queen of the Jungle* sein würde? Eben, keiner...
"Um meine Nervosität zu stillen hab ich angefangen meinen herumliegenden
Kram einzusammeln und in den Rucksack zu stopfen. Ant und Dec ließen sich
auch ab und zu mal bei uns blicken, um uns mitzuteilen, dass die Liveübertragung
begonnen hatte, oder einfach nur um uns zu sagen, dass es noch ein wenig dauerte
bis der Sieger gekürt wurde."
"Wer sind Ant und Dec?"
"Die lustigen Männer die Daddy immer anschaut. Sie haben die Show moderiert."
"Ach so, okay, du kannst weitererzählen!"
"Als nur noch Jennie und ich übrig waren, wurde mir schlecht! Es war so
unglaublich für mich, dass ich nun hier im Finale saß, wo ich mir
zuhause noch ein Limit von drei Tagen gesetzt hatte und ganz knapp davor war
das Geld für das Dubliner Krankenhaus zu gewinnen. Mir kamen schon wieder
die Tränen und ich hatte ganz plötzlich Angst. Jennie ging es wahrscheinlich
genauso und wir lagen uns in den Armen. Immer wieder sagte sie mir, dass ich
nicht weinen brauchte, weil ich sowieso gewinnen würde. Ich war da ganz
anderer Meinung und so ging es die ganze Zeit hin und her. Jeder erzählte
dem anderen, dass er gewinnen würde, aber nach einiger Zeit wurde uns das
auch zu dumm. Wir starrten Löcher in die Luft und mir kam alles so lang
vor. Die Zeit wollte überhaupt nicht vergehen und schließlich kramte
ich das Foto wieder aus meinem Rucksack." Kerry unterbrach wieder kurz um Molly
ein Foto zu zeigen, auf dem man sah wie sie auf dem Boden im Dschungel lag und
das Bild betrachtete.
"Dann dauerte es nicht mehr lange und der Sieger wurde genannt. Ich nahm Jennies
Hand und starrte in den Boden. Gleich würde ich erfahren, ob ich umsonst
in den Dschungel gegangen war oder ob ich gewonnen hatte. Gleich würde
alles vorbei sein. Ich zitterte und als es plötzlich hieß: "Kerry
ist die Dschungelkönigin!" konnte ich mich nicht mehr halten und fiel Jennie
um den Hals. Ich hatte gewonnen, ich konnte es nicht glauben. Das konnte unmöglich
wahr sein, doch es war wahr und mir strömten Tränen über das
ganze Gesicht. Es war ein tolles Gefühl, den Dschungel als Sieger zu verlassen.
Aber die größte Überraschung war es, als Daddy mich empfing,
als ich aus dem Dschungel kam. Ich dachte zuerst ich halluzinierte, aber als
er mich in den Arm nahm und mich fest an sich drückte, wusste ich das er
wirklich gekommen war um mich abzuholen. Gleich nachdem ich Daddy ordentlich
begrüßt hatte, fragte ich nach einem Telefon um dich und Lilly anzurufen.
Mir kamen schon wieder die Tränen, als du ins Telefon gebrabbelt hast.
Und das Erste was du zu mir gesagt hast war "Mommy du bist die Königen
des Dschungels!’! Es war ein überwältigendes Gefühl, das von
dir zu hören. Ich war ganz stolz auf dich, mein Schatz!" Kerry gab Molly
einen Kuss auf die Stirn, ehe sie weitererzählte.
"Ich war unendlich froh, als ich im Flugzeug saß, das mich zurück
in mein Irland brachte. Auf dem Flughafen, kamst du sofort auf mich zugerannt,
als du mich gesehen hast. Und ich staunte nicht schlecht, als Lilly auch auf
mich zukam. An der Hand von Oma natürlich, aber immerhin konnte sie schon
ein bisschen laufen. Ich hob dich hoch und betrachtete meine kleine Lilly, wie
sie über den glatten Flughafenboden tapste und von einem Ohr bis zum anderen
grinste. Ich war wieder zuhause! Meine kleine Prinzessin auf dem Arm, Daddy
der seinen Arm um meine Hüften gelegt hatte an meiner Seite und mein Sonnenschein
Lilly tapste auf mich zu. Vor Freude kamen mir schon wieder die Tränen.
Ich glaube so viel wie in diesen zwei Wochen habe ich in meinem ganzen Leben
noch nicht geweint. Guck, davon gibt es auch ein Bild." Kerry tippte mit ihrem
Finger auf eines der Fotos, ehe sie das Album zuklappte.
"Das wars, kleine Maus. Jetzt weißt du, dass deine Mommy einmal für
zwei Wochen im Dschungel überlebt und euch schrecklich vermisst hat. Komm
wir sehen mal zusammen zu Daddy Lilly, sie kochen." Kerry legte den Arm um ihre
große Tochter und lief zusammen mit ihr in die Küche, wo sie ihren
Mann und ihre kleine Tochter dabei beobachtete, wie sie geschäftig in der
Küche umherrannten und angestrengt versuchten, Spagetti zu kochen. Kerry
grinste. Ja, sie war zuhause und würde ihre Familie in den nächsten
100 Jahren auch nicht mehr verlassen. Einmal Dschungel war genug!
++Ende++