
Es war ein ziemlich kalter Januartag. Marsha zog sich die Jacke noch enger
um ihren Körper. Seit zwei Tagen war sie jetzt nun hier, aber sie fühlte
sich immer noch nicht besser. War es vielleicht doch die falsche Entscheidung
gewesen, hierhin zu flüchten. Sie war sich doch so sicher gewesen, das
es ihr gut tun würde eine Zeit lang von allem weg zu kommen und sich in
Ruhe über alles Gedanken zu machen und gewisse Dinge endlich abzuschließen.
Sie ließ ihren Blick über das Meer gleiten und grübelte wieder
über ihr Leben nach und das was in den letzten drei Jahren alles schief
gelaufen war. Wie die letzten beiden Tage nach ihrer Ankunft wanderte sie zu
der Bank, die dort unweit vom Strand stand und setzte sich. Von hier aus hatte
man einen wunderschönen Blick auf das Meer und den Horizont dahinter. Sie
hatte sich schon länger gewünscht hier mal Urlaub zu machen. So oft
hatte man sich erzählt, was für ein schönes Land Irland sei und
jetzt war sie hier. Eigentlich sollte so was wie Glücksgefühl haben,
ab das blieb aus. Sie fühlte sich leer, genauso leer, wie die letzten Wochen.
Gedankenverloren spielte sie mit dem Ring an ihrer rechten Hand und sie dachte
an Martin, ihrem Mann. Was er jetzt wohl tat? Vielleicht hätte sie doch
mit ihm in den Urlaub fahren sollen, wie es eigentlich geplant gewesen war,
bevor sie Hals über Kopf allein weggefahren ist. Sie hatte versucht es
ihm zu erklären, aber konnte man ihre Entscheidung wirklich verstehen?
Die Angelegenheit ging ihn doch auch was an, aber sie wollte niemanden zur Last
fallen und allein damit klar kommen.
Komisch, da war sie wieder. Sie sah wieder so traurig aus. Immer wenn er in
den letzten Tagen mit seinem Hund Whiskey hier langgekommen war, hatte er sie
dort oben auf der Bank sitzen sehen, anscheinend weit weg mit ihren Gedanken.
Er frage sich, ob er sie mal ansprechen sollte, da es doch sehr ungewöhnlich
war, zu dieser Jahreszeit hier Touristen zu sehen. Er ging davon aus, das sie
eine Touristin war, da er ja schon immer hier gelebt hatte un in dem kleinen
Städtchen kannte man sich und sie hatte er noch nie hier gesehen. Im Sommer
war hier schon mehr los, auch wenn die meisten wohl nicht wegen der guten Seeluft
hierher kamen, sondern viel eher um einen von den Jungs oder ihn zu treffen.
Kian verzog das Gesicht und schaute sich um, wo sein Hund abgeblieben war. Kian
sah, wie Whiskey direkt auf die junge Frau zulief. "Whiskey. Hey. Komm
sofort zurück. Bei Fuß..." rief Kian hinter ihm her, was den
Hund aber irgendwie nicht wirklich störte. Whiskey hatte die Frau schon
fast erreicht. Kian blieb im Sand stehen und beobachtete die Szene. Die Frau
schien den Hund erst gar nicht wahrzunehmen, erst als er mit seiner Nase an
ihre Hand stupste, zuckte sie zusammen und sah ihn verwirrt an. Während
Kian langsam weiterging, sah er wie diese Frau leise mit dem Hund sprach. Dann
schaute sie sich suchend um und erkannte Kian, wie er auf sie zuging. Sie drehte
sich wieder zu Whiskey, sprach mit ihm und fing an zu lächeln. Ein süßes
Lächeln hatte sie und Kian meinte, das für einen ganz kurzen Augenblick
die Traurigkeit aus ihren Augen verschwunden war.
Etwas kitzelte an ihrer Hand. Etwas kaltes, feuchtes. Marsha zuckte zusammen
und sah auf ihre Hand hinunter. Sie erschrak etwas, da sie nicht damit gerechnet
hatte, hier einen Hund zu treffen. "Hey, na wer bist du denn? Bist du ganz
allein hier?" sprach sie auf den Hund ein, beugte sich herunter und kraulte
ihm durchs Fell. Es war wirklich ein hübscher Hund, auch wenn man nicht
feststellen konnte, was für eine Rasse es war. Aber wem gehörte er,
überlegte sie und schaute sich um. Einige Meter weiter am Strand entlang
erkannte sie eine Person, die zu ihr herüber sah und ganz langsam näher
kam. Je näher diese Person kam, um so mehr konnte Marsha auch erkennen.
Es war ein junger Mann in einer warmen Jacke gekuschelt und er hatte ein Cap
auf, das er tief in die Stirn gezogen hatte. Marsha widmete sich wieder dem
Hund und meinte. "Ich glaub, da kommt dein Herrchen. Sieht nach dicker
Luft aus. Bist wohl abgehauen, wie?" Sie fing an zu lächeln, als sie
feststellte, das sie mit diesem Hund wohl etwas gemeinsam hatte. Der fremde
Mann hatte sie fast erreicht. Der Hund schaute mit treuen Augen zu ihm auf und
verkroch sich leise winselnd unter die Bank. "Hey Whiskey, du alte Socke.
Komm sofort hier hin. Wie oft soll ich dir noch sagen, das du nicht immer zu
jedem fremden Menschen laufen sollst?" meinte der fremde Mann und fing
an zu lächeln, als er den schuldbewussten Blick seines Hundes sah. In dem
Moment erkannte Marsha, das der Mann ihr gar nicht so fremd war. Sie erkannte
ihn als Kian Egan von der Gruppe Westlife. Ihr stockte für einen kurzen
Moment der Atem und sie wurde nervös. Was für ein Zufall. Na gut,
wenn man schon in die Heimatstadt von einigen der fünf Bandmitglieder fährt,
hilft man dem Zufall schon etwas auf die Sprünge. Aber wirklich damit gerechnet
hatte Marsha nicht. "Hallo. Ich hoffe mein Hund hat Sie nicht zu sehr genervt.
Er hat leider so nen Tick, auf alle fremden Menschen zuzulaufen." sprach
Kian sie jetzt direkt an. "Nein, nein, er hat mich nicht gestört."
Marsha lächelte Kian vorsichtig an. "Einen schönen Hund haben
Sie." "Danke. So lange gehört er mir auch noch nicht. Vielleicht
hört er deswegen so gut." Lachte Kian jetzt, beugte sich wieder zu
seinem Hund herunter und kraulte ihm hinter den Ohren. Also in Natura sah dieser
Kerl noch viel besser aus, musste Marsha feststellen. Hör auf, dir solche
Gedanken zu machen. Du bist verdammt noch mal nicht hier, um an so was zu denken.
Du bist hier, um deine Probleme in den Griff zu kriegen und nicht, um dir noch
mehr zu machen. Sie kraulte dem Hund noch mal kurz durchs Fell und erhob sich.
"Ich wünsch noch einen schönen Tag. Bye." meinte sie und
drehte sich um. Langsamt ging sie zurück Richtung Stadt, als plötzlich
der Hund wieder neben ihr war. Fragend schaute sie von dem Hund zum Herrchen.
" Ich glaub, Whiskey mag es nicht, wenn Frauen so einsam durch die Gegend
laufen." meinte Kian grinsend. "Vielleicht sollte Sie ihren Hund in
die Hundeschule bringen, dort lernt er noch viel mehr." erwiderte Marsha
nur und drehte sich wieder um. Doch der Hund blieb an ihrer Seite. Kopfschüttelnd
ging sie in die Knie und schaute in die treuen Augen. "Hey. Ist das eine
Masche von deinem Herrchen? Oder was soll das?" fragte sie leise lächelnd.
Der Hund legte den Kopf schief und schaute sie weiter an. "Es hört
sich jetzt vielleicht aufdringlich an, aber darf ich sie vielleicht zu einem
Kaffee einladen? Denn wenn wir hier noch etwas länger aufhalten, könnten
wir ziemlich nass werden. Und anscheinend hat Whiskey nicht vor, Sie so schnell
gehen zu lassen." Kian deutete auf den Himmel, der sich ziemlich dunkel
verfärbt hatte und als Beweis fielen schon die ersten Tropfen. "Ach
warum nicht, so ein heißer Kaffee täte jetzt doch ganz gut."
nahm Marsha das Angebot an. vielleicht tat etwas Gesellschaft ganz gut. Wenn
sie allein war, würde sie eh wieder nur grübeln. "Mein Auto steht
da vorn auf dem Parkplatz. Damit könnten wir in die Stadt fahren."
schlug Kian vor und so eilten sie zu dem Parkplatz der hinter den Dünen
lag.
Aus reiner Gewohnheit lief Marsha auf die rechte Seite des Wagens, da dort ja
sonst die Beifahrerseite liegt. Als sie aber auf der vermeintlichen Beifahrerseite
ein Lenkrad sah, schlug sie sich die Hand vor die Stirn und rannte auf die andere
Seite. Schnell ließen sie sich in die Sitze fallen und schlossen eilig
die Türen. "Ich weiß jetzt zumindest, dass Sie nicht aus Großbritannien
kommen, wenn ich schon nicht ihren Namen weiß." bemerkte Kian lachend
während er den Wagen aus der Parklücke fuhr und Richtung Strasse steuerte.
"Richtig, ich komme aus Deutschland. Mit dem Linksverkehr und den Autos
hier komm ich noch nicht so wirklich zurecht." lachte auch Marsha jetzt.
"Darf ich denn auch ihren Namen wissen?" fragte Kian nach. "Ich
heiße Marsha." "Angenehm, ich bin der Kian. Whiskey kennst du
ja schon." Kian war zum Du übergegangen, was ihm erst auffiel, als
er es schon ausgesprochen hatte. "Ich darf doch du sagen, oder?" wollte
er jetzt erschrocken wissen. "Sicher, kein Problem." Marsha schaute
aus dem Seitenfenster und beobachtete die Regentropfen, die an der Scheibe hinabliefen.
"Wie kommt es, dass eine junge deutsche Frau mitten im Winter ganz allein
nach Irland reist?" fragte Kian plötzlich. "Du scheinst ein sehr
neugieriger junger irischer Mann zu sein." antwortete Marsha lapidar. "Sorry.
Ich wollte dir nicht zu nah treten." entschuldigte sich Kian, der merkte
das er mit seine Neugier einen wunden Punkt getroffen hatte. "Sagen wir
mal so, jeder Mensch braucht mal eine Zeit für sich." gab Marsha lediglich
als Auskunft. Sie merkte wie Kian sie von der Seite her musterte, versuchte
aber weiterhin den Blick geradeaus zu halten. Sie waren mittlerweile in der
Stadt angekommen und Kian hielt vor einem kleinen Cafe. Marsha stieg aus und
wartete, bis Kian mit Whiskey hinterherkam. Im Cafe war es angenehm warum und
es sah sehr gemütlich aus. "Hey Egan, schön dich mal wieder zusehen.
Ausnahmsweise mal nicht in der Weltgeschichte unterwegs?" Ein junger Kellner
kam auf sie zu und begrüßte Kian überschwänglich. "Ne..Nein.
Hab noch Urlaub." Anscheinend war es ihm unangenehm, das er vor Marsha
auf seinen Job angesprochen wurde. "Sei es dir gegönnt. Und wen bringst
du uns da mit?" fragte der Kellner mit einem Blick auf Marsha. "Das
ist Marsha. Marsha das ist Ken." machte Kian sie beide bekannt. "Hallo.
Dann sucht euch mal ein lauschiges Eckchen aus. Ich bring euch dann gleich die
Karte." meinte Ken und nahm ihnen die Jacken ab. Kian führte Marsha
an einen Tisch direkt am Fenster. Whiskey verkrümmelte sich unter den Tisch
und machte es sich bequem. Marsha nahm ihr Cap ab und wuschelte sich durch die
kurzen roten Haare, bis die Locken wieder einigermaßen fielen. Kian schaute
ihr fasziniert dabei zu. "Was?" fragte Marsha, der die Blicke nicht
entgangen waren. "Ist die Haarfarbe echt?" "Nee, normalerweise
habe ich hellbraunes Haar. Aber manchmal lasse ich es mir färben, damit
es nicht ganz so langweilig aussieht." erklärte Marsha und war ein
wenig verlegen über die Aufmerksamkeit. Kian hatte sein Cap ebenfalls an
die Seite gelegt und das blonde Haar fiel ihm in die Stirn. Ken kam mit zwei
Karten und einem Wassernapf für Whiskey wieder. "Was darf ich euch
bringen?" Ich hätte gerne eine Tasse Kaffee und ein Stück Apfelkuchen."
bestellte Marsha. "Ich nehm das gleiche." stimmte Kian zu und Ken
düste mit der Bestellung wieder ab.
Eine zeitlang herrschte Schweigen zwischen den beiden. "Also Marsha, Erzähl
was von dir." versuchte Kian das Gespräch wieder in Gang zu bringen.
"Was soll ich dir erzählen?" "Was machst du so wenn du nicht
gerade in Irland am Strand spazieren gehst?" "Hm, ich komm aus Deutschland,
lebe und arbeite dort." "Aha, und wo in Deutschland?" bohrte
Kian nach. "Sagt dir Hannover was?" Kian überlegte kurz und nickte
dann. "Von dort ungefähr dreißig Kilometer entfernt in einem
kleinen Ort. Arbeiten tu ich in einer kleinen Stadt bei einer Versicherung.
Und was machst du so?" versuchte sie von sich abzulenken. Sie wusste ja
wer er war und was er machte, aber sie wollte gerne wissen, wie er reagiert,
wenn man ihn drauf ansprach. "Ähm, ich lebe hier in Sligo. Wohne nicht
weit von hier, etwas außerhalb. Und arbeiten tu ich auch. Wie alt bist
du?" lenkte auch er jetzt ab. "Bin vor kurzen 27 geworden und du?"
Ich werde bald 24." es schien ihm echt unangenehm zu sein, über sich
zu sprechen. Marsha hatte ein Einsehen. "Kian, ich glaub ich muss dir was
beichten. Auch wenn du gleich schreiend wegläufst, ich weiß wer du
bist und was du so machst. Auch wenn ich schon 27 bin, heißt es nicht,
dass ich hinterm Mond lebe und keine Musik höre." meinte Marsha vorsichtig
lächelnd. Kian wurde rot. "Seit wann weißt du es?" fragte
er. "Eigentlich als du schon an der Bank angekommen bist und mich angesprochen
hast. Wäre ich jetzt ein Teenager würde ich sagen, diese Augen erkenn
ich überall." grinste Marsha und zwinkerte Kian zu. "Hättest
ja auch gleich sagen können, dass ich enttarnt war." "Warum?
Es war mir nicht so wichtig. Hätte es das sollen?" "Nein, eigentlich
nicht. So so, meine Augen würdest du überall wiedererkennen?"
schmunzelte Kian jetzt. "Ich habe gesagt, das würde ich sagen, wenn
ich ein Teenager wäre." lächelte Marsha. Ken brachte die bestellten
Kaffees und den Kuchen. Marsha nahm die dampfende Tasse in beide Hände
und nahm einen vorsichtigen Schluck. "Und du hast auch Urlaub. Ich denke,
ihr Popstars seid immer 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr unterwegs?"
fragte Marsha. "Um Gottes Willen. Soweit kommt es noch. Auch wir Popstars
haben hin und wieder Urlaub. Einer der Jungs hat im Dezember geheiratet und
ist noch in den Flitterwochen. Aber in zwei Wochen ist das schöne Leben
auch wieder vorbei. Dann gehen die Proben für unsere neue Tour los. Und
wie lange bleibst du in unserer schönen Stadt?" "Ich habe erst
mal bis Samstag gebucht. Kann aber auch sein, dass ich noch länger bleibe.
Ich weiß es noch nicht." meinte Marsha und Kian sah, dass ihre Augen
schon wieder diesen traurigen Blick annahmen. "Du hast mir immer noch nicht
wirklich verraten, was dich so ganz allein in ein fremdes Land treibt."
wollte Kian neugierig wissen. "Ich sagte doch, hin und wieder braucht jeder
mal Zeit für sich." antwortete Marsha wieder ausweichend und sah aus
dem Fenster. Kian musterte sie. Was für ein Problem trug sie mit sich herum?
Sie war keine klassische Schönheit. Sie hatte kurze lockige rote Haare,
rehbraune Augen, viele lustige Sommersprossen und ein süsses Lächeln.
Auch wenn sie bisher eher wenig davon gezeigt hatte. Sie war nicht so spindeldürr
wie viele Frauen heutzutage, aber es passte zu ihr. Ihm war klar, dass irgendetwas
sie sehr bedrückte. Er würde ihr liebend gern helfen, auch wenn er
nicht wusste warum. Aber allen Anschein nach, wollte sie nicht darüber
reden und es allein mit sich ausmachen. Nicht umsonst war sie ganz allein hier.
Kian folgte ihrem Blick aus dem Fenster und sah das es zwischenzeitlich angefangen
hatte zu schneien. Marsha schaute gedankenverloren in das Schneetreiben. Als
ob sie es jetzt erst merkte, das es schneite, blinzelte sie kurz und schaute
noch mal erschrocken aus dem Fenster. "Ach du Schreck. Es schneit ja."
"Ja das kommt auch hier mal vor." grinste Kian. "Ich glaub, dann
werde ich mich mal auf den Weg machen." meinte Marsha und griff nach ihrem
Cap. "Hey, ich kann dich doch auch heimbringen, dann brauchst du bei diesem
Wetter nicht zu Fuß laufen." bot Kian sich an. "Das ist nett
von dir. Danke." "Dann können wir uns ja noch in aller Ruhe einen
Kaffee gönnen oder möchtest du lieber noch was anderes?" Kian
wollte aus irgendeinem Grund den er sich nicht erklären konnte nicht, das
dieser Nachmittag schon vorbeiging. Es machte ihm Spaß mit Marsha hier
zu sitzen und sich zu unterhalten und er war neugierig, was ihr solchen Sorgen
machte. Marsha bestellte sich ein Wasser und sie unterhielten sich über
Gott und die Welt. Kian versuchte trotz seiner Neugier nicht mehr das Gespräch
auf Marshas Probleme zu bringen. Ihnen vielen auch so genug Themen ein und er
fand es lustig, wie sie manchmal nach englischen Worten suchte, die ihr nicht
so schnell einfielen. Er genoss dieses Treffen in vollen Zügen, auch wenn
sie sich erst vor einigen Stunden kennen gelernt hatten, waren sie sich sehr
vertraut. So was hatte er selten erlebt.
Bald war es schon dunkel geworden. Draußen waren die Lichter angegangen
und es sah richtig romantisch aus, mit frischen Schnee. Auch wenn es Marsha
leid tat, so musste sich jetzt doch bald mal von Kian verabschieden. Sie hatte
Bedenken, das sich die Wirtin der Pension Sorgen machen würde. Marsha war
jetzt schon den ganzen Tag unterwegs gewesen. Kian tat es auch leid, diesen
schönen Nachmittag zu beenden, aber er zahlte die Rechnung und führte
Marsha in die kalte Winterluft hinaus. "Hm, diese Luft ist herrlich. Das
liebe ich bei uns zu Haus auch immer. Wenn es geschneit hat, dann ist die Luft
besonders klar und sauber." meinte Marsha und sah verträumt in den
dunklen Abendhimmel. "Was hältst du davon, wenn ich dich zu Fuß
zu deiner Pension bringe, dann könnten wir diese Luft noch ein wenig genießen.
Und Whiskey könnte diese Extrabewegung auch ganz gut gebrauchen."
schlug Kian vor. "Und was ist mit deinem Wagen?" gab Marsha zu bedenken.
"Ach den hol ich dann auf dem Rückweg." "Na, wenn es dir
wirklich nichts ausmacht, können wir gerne laufen." gab Marsha nach
und so gingen sie langsam durch den Schnee und genossen die abendliche Ruhe.
Auf den Straßen war nicht mehr viel los, die meisten hatten sie in ihre
warmen Häuser zurückgezogen. Auch Whiskey hatte seine helle Freude
an den für ihn noch unbekannten Schnee. Kian und Marsha mussten manchmal
herzhaft lachen, wenn er seine Nase ganz tief in den Schnee streckte und dann
nieste, weil es kitzelte.
Als sie an der Pension ankamen, in der sich Marsha für diesen Urlaub eingemietet
hatte, suchte sie den Schlüssel in ihrer Tasche und drehte sich zu Kian
um. "Es war mir eine Freude dich kennen lernen zu dürfen. Ich danke
dir für diesen schönen Nachmittag. Ich habe mich schon so lange nicht
mehr so wohl gefühlt. Danke." "Die Freude ist ganz auf meiner
Seite. Vielleicht sehen wir uns ja noch mal wieder." "Ja vielleicht.
Kommt gut heim." Marsha ging die Stufen zu Haustür hoch, drehte sich
noch mal um und winkte, dann schlüpfte sie schnell ins Haus. "Guten
Abend Mrs. Müller. Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Die letzten Tage
waren sie nie so lange unterwegs." Mrs. McDonald stand in der Tür
zum Salon und sah Marsha erfreut an. "Es tut mir leid Mrs. McDonald. Ich
habe am Strand nur jemanden kennen gelernt und wir waren einen Kaffee trinken.
Es war nicht meine Absicht sie zu beunruhigen." entschuldigte sich Marsha,
die erkannte das ihre Bedenken eben im Cafe nicht unbegründet waren. "Sie
sind doch eine erwachsene Frau. Sie werden schon wissen was Sie tun. Man macht
sich halt nur so seine Gedanken, wenn eine junge Frau wie Sie ganz allein unterwegs
ist. Möchten sie vielleicht noch ein Glas Rotwein mit mir trinken?"
"Ja danke sehr gerne." nahm Marsha das Angebot an. Sie genoss diese
familiäre Stimmung in dieser Pension. Alles hier in Irland mochte sie.
Vielleicht würde sie irgendwann mit Martin hier noch mal hinkommen und
ihm alles zeigen. Und das sie heute Kian Egan persönlich kennen gelernt
hatte war der absolute Hammer. Er war privat ein sehr nette Kerl. Man konnte
sich super mit ihm unterhalten auch wenn er manchmal ein wenig neugierig war.
Später saß sie in ihrem Zimmer und las in einem Buch, als ihr Handy
klingelte. "Ja." meldete sie sich. "Hi mein Schatz. Na wie geht
es dir?" meldete sich Martin. "Oh hi. Ganz gut. Weißt du was,
hier hat es heute geschneit. Alles ist weiß. Es ist einfach himmlisch."
"Schön. Wann kommst du wieder heim? Ich vermisse dich so." "Ach
ich weiß es noch nicht. Ich vermisse dich doch auch, aber ich brauch einfach
eine Zeit für mich. Versteh das bitte." Marsha verdrehte ungeduldig
die Augen. "Tu ich doch, aber ich will dich doch wiederhaben." entgegnete
Martin. "Na, ich bin doch nicht für immer weg. Spätestens in
zehn Tagen bin ich wieder zuhause." versprach Marsha. "Das ist doch
ab noch sehr lange." "Ach komm, das haben wir schon so oft ertragen,
dann schaffen wir es diesmal auch." "Hast ja Recht. OK ich melde mich
in ein paar Tagen wieder, ja?" "Ja mach das. Ich liebe dich."
"Ich liebe dich auch. Kuss." meinte Martin noch und legte auf.
Gedankenverloren starrte Marsha auf ihr Handy. Wieder wurde sie von den wahren
Gründen für diese Reise eingeholt. Sie konnte nicht wirklich davor
weglaufen. Sie stand vom Bett auf und trat ans Fenster. Sie schaute in die Nacht
hinaus und wieder liefen Tränen an ihrer Wange herunter. Auf sich selber
wütend, wischte sie weg. Sie musste ihre Leben endlich wieder in den Griff
bekommen, ihm neue Ziele geben. Langsam ging Marsha zu dem Bett zurück,
legte sich zwischen die Laken und schlief auch bald ein.
"Hi Mum." "Hey Kian mein Schatz, was treibt dich denn hier her?
Hast du Hunger?" Kians Mutter trat einen Schritt zurück, um ihren
Sohn ins Haus zu lassen. "Ach zuhause ist mir die Decke auf den Kopf gefallen.
Seitdem ich wieder allein dort lebe, ist alles so furchtbar groß und einsam.
Da dachte ich, ich könnte euch ein wenig auf den Wecker gehen." grinste
Kian seine Mutter an und ließ sich im Wohnzimmer auf das Sofa fallen.
"Dein Vater ist aber unterwegs, also kannst du nur mich nerven. Magst du
auch ein Glas Rotwein?" fragte seine Mutter und ging nachdem Kian genickt
hatte los, um noch ein Glas zu holen. Kian schaute gedankenverloren in das Kaminfeuer,
das im Wohnzimmer prasselte. Whiskey hatte es sich dort auch schon gemütlich
gemacht und genoss sein Hundeleben. Kian dachte schon den ganzen Abend an Marsha.
Sie ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Lag es daran, das sie ein Geheimnis
mit sich herumtrug? Oder daran, das sie sich auf Anhieb so gut verstanden hatten.
Seine Mum kam zurück und stellte ihm ein Glas Rotwein auf den Tisch. Einige
Zeit beobachtete sie ihn, wie er grübelnd ins Feuer starrte. "Also
mein Sohn, raus mit der Sprache. Was ist los?" wollte sie dann wissen,
da sie spürte das ihn irgendetwas sehr beschäftigte. Erschrocken sah
Kian auf und schaute seine Mutter an. "Hm. Was hast du gesagt?" "Ich
will wissen, was du auf dem Herzen hast. Ich kenne dich. Dich treibt nicht nur
die Langeweile hierin." Kian konnte seiner Mutter nicht wirklich irgendetwas
verheimlichen. Darüber musste er lächeln. Sie merkte stets sofort,
wenn was nicht mit ihren Kindern stimmte. "Ach. Ich habe heute jemanden
kennen gelernt. Sie ist im Urlaub hier. Irgendwie trägt sie ein großes
Problem mit sich rum, mag es aber nicht erzählen." begann Kian nachdenklich.
"Wie kommst du darauf?" fragte seine Mum nach. "Welche Frau macht
schon mitten im Januar Urlaub in Sligo? Und wenn ich sie darauf angesprochen
habe, ist sie ausgewichen." "Vielleicht kann sie einfach nicht drüber
reden. Vielleicht wenn ihr euch besser kennt und sie dir vertraut, dann redet
sie vielleicht drüber. Seht ihr euch denn noch mal wieder?" wollte
Kians Mum wissen. "Weiß nicht. Haben nichts ausgemacht." Kian
schaute wieder grübelnd ins Kaminfeuer. "Kann es sein, das du sie
sehr attraktiv findest?" Kians Mutter sah ihn lächelnd an. "Wie
meinst du das jetzt? Wenn du denkst ich will was mit ihr anfangen, dann liegst
du komplett falsch. Erstens hab ich gerade erst ne Beziehung hinter mir, zweitens
wäre es eine Fernbeziehung und das geht bekanntlich nie gut und drittens
kenn ich sie doch gar nicht. Gut ich mag sie, man kann sich super mit ihr unterhalten
und ich hatte das Gefühl, das sie mich sieht und nicht Kian von Westlife.
Aber mehr ist da nicht und wird auch nicht werden." meinte Kian bestimmt.
Am nächsten Morgen stand Marsha ausgeschlafen auf, schaute aus dem Fenster
und sah, dass es in der Nacht noch mehr Neuschnee gegeben hatte. Schnell sprang
sie unter die Dusche, zog sich an und eilte zum Frühstück. Dieses
Wetter musste man einfach ausnutzen. Sie wollte einen richtig schönen langen
Sparziergang machen. Gerade als sie ihre zweite Tasse Kaffee eingoss stand Mrs.
McDonald neben ihr. "Mrs. Müller, hier ist ein junger Mann, der sie
gerne sprechen möchte." Mrs McDonald zeigte lächelnd zur Tür.
Marsha drehte sich um und sah dort Kian stehen. "Guten Morgen Kian, was
machst du denn hier?" Marsha war mehr als überrascht ihn hier zu sehen.
Sie hatte nicht wirklich damit gerechnet ihn noch mal wieder zu treffen. "Guten
Morgen, ich wollte fragen, ob du heute schon was vorhast?" entgegnete Kian
lächelnd und trat näher. "Mrs. Müller, soll ich ihnen noch
eine Tasse bringen. Dann könnten sie ihre Pläne bei einer Tasse Kaffee
klären." mischte sich die Wirtin ein. Marsha sah fragend zu Kian.
Der nickte und setzte sich an den Tisch. "Danke, das ist sehr nett von
Ihnen Mrs. McDonald." stimmte Marsha der Wirtin zu und kurze Zeit später
brachte diese eine zweite Tasse und ließ Marsha und Kian allein. Zwischenzeitlich
hatte Kian seine Jacke ausgezogen und es sich bequem gemacht. "Also, was
hast du heute vor?" wiederholte Kian seine Frage von eben. "Eigentlich
nichts, ich hatte mir überlegt einen Sparziergang zu machen und mir ein
paar Sehenswürdigkeiten anzuschauen." erwiderte Marsha. "Hm.
Mark rief gestern Abend noch an. Du weißt schon, mein Bandkollege. Also
der rief an und erzählte das unsere beiden Dubliner Bryan und Nicky sich
gemeldet haben. Und da in Dublin wohl kein Schnee liegt, hatten die drei die
Idee, dass man sich heute in Sligo trifft und irgendwo rodeln geht. Ich wollte
fragen, ob du Lust hast mitzukommen?" fragte Kian hoffnungsvoll und nahm
ein Schluck von seinem Kaffee. Marsha überlegte kurz. "Ich soll mit
dir und den anderen Westlifern rodeln gehen?" fragte sie überrascht.
"Ja. Hab ich doch gesagt. Hast du keine Lust?" fragte Kian ungläubig
und leicht enttäuscht. "Ja... Nein. Das ist eine tolle Idee. Lass
uns das machen." stimmte Marsha nun zu, nachdem sie ihre Überraschung
über diese Einladung verarbeitet hatte. Kian setzte sein Honigkuchenpferdgrinsen
auf. "Super. Ich freu mich." "Wenn ihr aber nur jemanden sucht,
den ihr in den Schnee stecken könnt, dann vergesst es gleich wieder. Dann
könnt ihr euch gleich jemand anderen suchen." entgegnete Marsha jetzt
doch etwas misstrauisch. "Aber, aber. das würden wir einer Lady nie
antun." versuchte Kian sich grinsend zu verteidigen. "Ja, ja und morgen
ist Weihnachten. Ich warne dich, die Rache könnte fürchterlich sein."
Nachdem Marsha in aller Ruche zuende gefrühstückt hatte, lief sie
schnell auf ihr Zimmer und zog sich warm an. Dann stieg sie mit Kian in sein
Auto und sie fuhren zum Haus seines Bandkollegen Mark. Auf dem Weg dorthin malte
Marsha Kian bis ins kleinste Detail die Rache aus, die ihn treffen würde,
wenn er es wagen würde sie in irgendeiner Art mit dem Schnee zu ärgern.
Als sie bei Mark ankamen, hatten sie vor lauter Lachen Tränen in den Augen.
Kian führte sie den Weg zur Haustür lang und noch bevor er klingeln
konnte, wurde die Tür aufgerissen und ein Schneeball flog direkt in Richtung
Kians Kopf. Nur seiner schnellen Reaktion konnte er es verdanken, das er nicht
getroffen wurde. "Na nette Begrüßung. Anscheinend sind wir hier
doch nicht so willkommen, wie du dachtest." lachte Marsha leise. "Feehily,
McFadden oder Byrne. Egal er es von euch war, du bist ein toter Mann."
rief Kian durch die offene Tür und führte Marsha hinein. Man hörte
drei Männer auf der Terrasse lachen. Kian blieb stehen, drehte sich zu
Marsha um und meint leise. "Warte ich habe eine Idee." Er nahm ihre
Hand und führte sie zurück aus der Haustür ums Haus herum in
den Garten. Dort standen sie dann hinter vor einer halb hohen Hecke. Kian formte
leise Schneebälle, gab Marsha einige davon und den Rest nahm er selber.
Dann schlichen sie um die Hecke herum und sahen drei sich geduckt haltende Männer,
die gebannt auf die Terrassentür starrten. Kian gab Marsha ein Zeichen
und sie fingen mit aller Kraft an die Schneebälle auf die Jungs zu werfen.
Erschrocken fuhren diese herum und bekamen fast die ganze Ladung ab. Und schon
war die schönste Schneeballschlacht im Gang, bis Mark rief, das es jetzt
reichen würde. So viel Schnee hätte er schon ewig nicht mehr gefressen.
Vorsichtig ging man aufeinander zu, da keiner dem anderen wirklich trauen wollte.
"Kian würdest du uns mal bitte diese wurfgewalltige junge Dame vorstellen."
meinte der kleine blonde Mann, den Marsha als Nicky erkannte, noch immer ganz
ausser Atem. "Pah, ihr habt es gar nicht verdient, mit so einem netten
Mädel bekannt gemacht zu werden." meinte Kian erst tot ernst und fing
dann doch an zu lachen. "Marsha, das sind Nicky, Bryan und Mark. Bis eben
noch ziemlich gute Freunde von mir. Jungs das ist Marsha." stellte Kian
die vier einander vor. "Ich versteh nicht, wie ein so nettes Mädel
sich mit diesem nachtragenden Kerl abgibt, der einen Zwergenaufstand macht,
nur weil er mit einem Schneeball beworfen wurde?" meinte Mark und grinste
von einem Ohr zum anderen. "Ich und nachtragend, kann gar nicht sein."
Kian tat gespielt entsetzt und bedröppelt. Ohne das man es vorher hätte
ahnen können, stürzte er sich dann auf Mark, riss ihn in den Schnee
und seifte ihn lachend ein. "Ich bin nie nachtragend..." "Egan
hör auf. Meine Nase ist schon ein reiner Eisklotz." schrie Mark. Noch
immer lachend rappelte Kian sich wieder auf und hielt Mark seine Hand hin. "Frieden?"
Mark fasste die Hand und ließ sich hochziehen. "Frieden." antwortete
er als er stand und klopfte sich den Schnee von seinen Sachen ab. Dann gingen
er und Kian grinsend in Richtung Haus. Byran, Nicky und Marsha die bis dahin
lachend daneben gestanden hatten, wischten sich die Lachtränen weg und
folgten den beiden "Streithähnen" ins Haus.
"Onkel Kian, Onkel Kian." ein kleines blondes Mädchen, was bisher
auf dem Sofa im Wohnzimmer gesessen und ferngesehen hatte, kam auf Kian zugerannt
und schloss ihre kleinen Ärmchen um sein Bein. "Molly mein kleine
Maus. Hat der Papa dich und die Lilly mitgebracht? Das ist aber schön."
Kian nahm Molly auf den Arm und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Nein,
Lilly ist nicht mit, die ist doch noch viel zu klein." meinte Molly altklug.
"Oh, vielleicht dann nächstes Jahr?" fragte Kian und Molly zuckte
mit den Achseln. "Onkel Kian, wer ist das?" Molly war jetzt die fremde
Frau aufgefallen, die neben ihrem Kian stand. "Molly das ist Marsha. Eine
Freundin von mir. Marsha, das ist Bryans Große Molly." stellte Kian
die beiden einander vor. "Hallo Molly." "Hallo." erwiderte
Molly Marshas Gruß etwas schüchtern, dann drehte sie sich zu Bryan
um. "Papa, können wir jetzt endlich rodeln gehen?" Sie zappelte,
bis Kian sie wieder auf den Boden ließ und lief zu ihrem Daddy. "Bitte."
"Sofort Schatz. Mark muss sich nur eben umziehen. Der ist eben etwas nass
geworden. Dann geht es sofort los." versprach Bryan seiner Tochter. Marsha
hatte die Szene beobachtet und wieder überkam sie dieses traurige Gefühl,
so etwas wohl nie selber erleben zu können.
Ín diesem Moment kam Mark schon wieder ins Wohnzimmer und man brach auf.
Auf zwei Autos verteilt verlies man Sligo und fuhr etwas landeinwärts zu
einem kleinen Berg, wo man schon einige Menschen rodeln sehen konnte. "Leute
wie wäre es mit einem kleinen Rennen. Der Verlierer zahlt heute Abend das
Essen." schlug Nicky vor, als sie aus den Autos gestiegen waren und die
Schlitten ausgepackt hatten. "Toll Jungs, als ob ich mit Molly wie ein
wilder Hengst den Abhang runter jagen würde." gab Bryan zu bedenken.
Nicky nickte und schien das einzusehen. "Jungs, wie wärs wenn ihr
eure kindischen Machspielchen austragt und Molly und ich rodeln in aller Ruhe
hinter euch her?" schlug Marsha vor und sah dabei Molly fragend an. Diese
nickte zustimmend. "Genau, wenn die Männer mal wieder einen auf Helden
machen müssen." bestätigte Molly, was bei dem Rest zu einer Lachattacke
führte. "Woher hat meine Tochter immer diese Sprüche?" fragte
Bryan entsetzt musste aber auch herzhaft lachen. Also stratzte man den Berg
hoch und oben wurden die Schlitten aufgeteilt. "Dann wünschen wir
euch Hals- und Beinbruch." meinte Marsha noch, als die Jungs mit großen
Gejohle den Berg runterjagten. "Und Molly, was meinst du. Wollen wir hinterher?"
Als Antwort sprang Molly auf den Schlitten und sah Marsha erwartungsvoll an.
"Heute noch?" fragte sie frech grinsend. "Natürlich Madam."
lachte Marsha und setzte sich hinter Molly. Sie gab vorsichtig Schwung und hielt
Molly mit beiden Armen fest. Sie hatte nun wirklich keine Lust, das Kind von
Bryan McFadden unterwegs zu verlieren. Molly hatte ihre helle Freude am rodeln.
Sie lachte und juchzte die ganze Fahrt über. Unten angekommen, sah man
Kian und Mark wie die Wilden umherspringen. Nach der Freude zu urteilen, hatten
sie das Rennen wohl gewonnen. "Mummy sagt immer, in jedem Mann steckt ein
kleines Kind." meinte Molly mal wieder altklug und Marsha musste lachen.
"Deine Mummy ist wirklich eine sehr kluge Frau." "Daddy das war
super cool und ich hatte gar keine Angst." rief Molly nun zu Bryan rüber.
Er kam zu den beiden und half ihnen vom Schlitten. "Das freut mich meine
kleine Maus. Möchtest du denn jetzt auch mit deinem Daddy rodeln?"
fragte Bryan lächelnd und hatte schnurstracks ein kleines juchzendes Mädchen
auf dem Arm. Also ging es nun wieder den ganzen Berg hoch. Die Gruppe war noch
gar nicht richtig oben angekommen, als Mark und Nicky sich schon auf den Schlitten
schwangen und mit großem Gekreische losrodelten. Molly schaute Marsha
nur mit einem eindeutigen Blick an und beide fingen an zu kichern. "Was
lacht ihr beiden denn so?" wollte Bryan neugierig wissen. "Na das
lass dir am besten von deiner Tochter erklären." schmunzelte Marsha.
"Ich hab Marsha erzählt, das Mummy immer meint, in jedem Mann steckt
ein kleines Kind. Und wie man bei Onkel Mark und Onkel Nicky sehen kann, hat
sie Recht." erklärte Molly und grinste wie ein Honigkuchenpferd. "Ich
glaub ich muss mal mit Kerry ein ernstes Wörtchen reden, meiner Tochter
so etwas männerfeindliches beizubringen." grinste Bryan und setzte
seine Tochter vorsichtig auf den Schlitten. Als er sich hinter sie gesetzt hatte,
ab er Schwung und rief " Bis später." Dann waren sie beide weg.
"Also Madam, darf ich bitten." meinte Kian neben ihr und deutete auf
den Schlitten. Marsha setzte sich vorn drauf und Kian ließ sich hinter
sie plumpsen. "Und denk daran, was ich dir heute Morgen gesagt habe."
warnte Marsha ihn noch mal, worauf nur ein leises Lachen kam. Dieses Lachen
hatte es aber in sich. Marsha wurde es augenblicklich ganz warm ums Herz. Kian
gab Schwung, schlang seine Arme um Marsha und schon ging es bergab. Marsha genoss
es irgendwie schon, so in seinen Armen zu sein und sich geborgen zu fühlen.
Sie schloss kurz die Augen und sog seinen Duft ein. Plötzlich rumpelte
es, Marsha schrie auf und flog schon in einem hohen Bogen vom Schlitten. Hart
prallte sie auf den Boden und überschlug seich einige Mal im Schnee bevor
sie auf dem Rücken liegen blieb.
Einen kurzen Moment blieb sie regungslos liegen und überlegte, welche Knochen
alle kaputtgegangen sein könnten. "Marsha. Shit, shit, shit."
hörte sie Kian auf einmal schreien. Im nächsten Moment ließ
er sich neben sie in den Schnee fallen. "Marsha, alles in Ordnung mit dir?
Tut dir was weh? Kannst du deine Arme und Beine noch bewegen? Mann Marsha sprich
mit mir." stammelte er. "Wie denn, wenn du mich nicht zu Wort kommen
lässt." lächelte Marsha und versuchte sich langsam aufzusetzen.
Kian half ihr und legte behutsam einen Arm um sie. "Hast du dich verletzt?
Geht es dir gut?" fragte er noch mal nach. "So genau weiß ich
das noch nicht." bemerkte Marsha und schüttelte sich kurz. Kian half
ihr vorsichtig auf die Beine zu kommen, hielt sie auch immer noch fest im Arm,
als sie schon wieder sicher stand. Ziemlich blass um die Nase schaute er sie
eindringlich an, strich ihr eine Locke aus dem Gesicht, die sich aus dem Cap
gelöst hatte. Langsam kam sein Gesicht näher. Marsha wusste wenn sie
jetzt nicht aufpassen würde, würde er sie küssen. Warum tat er
das? Sie musste ihn aufhalten, aber sie konnte nicht. "Marsha, Kian, alles
in Ordnung bei euch?" hörte sie plötzlich wie durch eine Nebelwand
jemanden rufen. Sie blinzelte einmal kurz und schaute sich verwirrt um. Mark
und Nicky kamen den Berg hochgerannt. Vorsichtig löste Kian sich von ihr,
ließ sie aber nicht los. "Mann, das sah ja ziemlich spektakulär
aus." meinte Nicky grinsend. "Habt ihr euch verletzt?" fragte
Mark. "Mir geht es gut und dir Marsha, alles noch dran?" "Ich
denk schon, aber wie ist das passiert?" misstrauisch schaute Marsha Kian
an. "Wir sind wohl etwas zu weit nach rechts gefahren und da muss wohl
irgendwo eine Baumwurzel oder so was gewesen sein. Zumindest hat es uns brutal
gestoppt. Aber Marsha, es war wirklich keine Absicht." erklärte Kian
ihr und sah sie offen an. "Das glaub ich dir ja." erwiderte Marsha
aufrichtig und langsam gingen sie den Berg runter. Die ganze Zeit hatte Kian
den Arm um Marsha gelegt und hielt sie ganz fest. So als hätte er Angst,
das sie fallen könnte. Unten trafen sie auf einen besorgten Bryan. "Hey
alles ok mit euch? Also Kian, wie gehst du denn mit einer Lady um?" "Hey,
das war doch keine Absicht." verteidigte sich Kian. "Hey hey Jungs.
Es war ein Unfall und es ist ja nichts passiert. Also was meint ihr, noch eine
Runde?" mischte Marsha sich jetzt ein und schaute erwartungsvoll in die
Gesichter. "Wenn du noch Lust hast?" meinte Nicky. "Na sonst
hätte ich nicht gefragt." meinte Marsha, schnappte sich Molly und
setzte sie auf einen der Schlitten. Dann nahm sie das Seil in die Hand und zog
den Schlitten hinter sich her.
Nachdem Marsha dann noch mal mit Kian gerodelt war, nahm sie sich Nicky, Mark
und Bryan als Beifahrer. Kian und Marsha hatten über den Beinah-Kuss kein
Wort mehr verloren. Warum auch, schließlich war ja eigentlich nichts passiert.
Kian fragte sich nur, warum er plötzlich den Drang gespurt hatte, Marsha
zu küssen. Hatte es daran gelegen, das sie so verletzlich gewirkt hatte?
Oder war es einfach nur der Schock über den Sturz gewesen? Er wusste es
nicht und wollte sich darüber im Moment auch nicht den Kopf zerbrechen.
Als sie genug vom Rodeln hatten und alle recht durchgefroren waren, machten
sie sich auf den Rückweg nach Sligo. Marsha war das erste Mal seit langem
wieder ausgelassen und fröhlich. Sie fuhren zu dem Cafe, in dem Marsha
und Kian bereits gestern gewesen waren. Jetzt hieß es erst mal aufwärmen.
Man unterhielt sich über Gott und die Welt. "Daddy ich habe Hunger."
meldete sich Molly irgendwann zu Wort. "Oh Schatz, dann müssen wir
dagegen was tun. Worauf hast du denn Hunger?" "Hm, auf Pommes mit
Ketchup." meinte Molly strahlend. "Leute was meint ihr, wollen wir
noch irgendwo was essen gehen?" fragte Bryan in die Runde. "Na ja,
soweit ich mich erinnern kann, habt ihr heute ein Rennen verloren und müsst
uns eh noch einladen." grinste Kian Nicky und Bryan an. "Genau."
stimmte Mark zu. "Na dann, auf mit uns. Nicht das meine Tochter noch vom
Fleisch fällt." lachte Bryan.
Kurze Zeit später befanden sich all in einem Fast-Food Restaurant, da Molly
drauf bestanden hatte. Nachdem sich alle was bestellt hatten, saßen sie
an einem Tisch und führten ihre Unterhaltungen weiter, die Molly durch
ihren Hunger unterbrochen hatte. Marsha hatte sich mit Kian auf eine Bank gesetzt
und nach dem Essen krabbelte Molly von ihrem Platz auf die Bank, legte ihren
Kopf auf Marshas Schoß und schlief sofort ein. Der Tag an der frischen
Luft hatte sie wohl doch sehr geschafft. Gerührt und lächelnd strich
sie vorsichtig durch Mollys Haar. Un da war sie wieder, diese Traurigkeit. Gedankenverloren
starrte Marsha auf die süße kleine Maus und stellte sich vor, wenn
das ihre eigene wäre. Marsha hör auf mit diesen Gedanken, das macht
es nicht wirklich leichter für dich, schalte sie sich selbst. "Wenn
sie dich stört, dann reich sie mir einfach rüber." meinte Bryan,
der sie wohl eine zeitlang beobachtet hatte. "Nein, nein. Lass sie hier
ruhig liegen. Sie stört mich überhaupt nicht." antwortet Marsha
und lächelte wieder die schlafende Molly an. "Hey Bry, was meinst
du, wollen wir eh nicht bald mal wieder zurück? Es ist schon spät
und ich denke Geo wartet schon auf mich." bemerkte Nicky. "Ja du hast
recht, dann kommt die Maus ins Bett." bestätigte Bryan, stand auf
und zog sich seine Jacke an. In der Zwischenzeit versuchte Marsha Molly ihre
Jacke überzustreifen, was gar nicht so einfach war. Aber letztlich gewann
sie den Kampf doch. "Ich finde es bewundernswert, wie kleine Kinder sich
irgendwo hinlegen und so fest schlafen können. Meine Schwester konnte das
früher auch. Die hat mal bei einem wahnsinnigen Unwetter im Urlauf auf
einer Bank geschlafen. Hätten wir sie da nicht weggeholt, würde die
da heute noch liegen." schmunzelte Marsha. Die anderen mussten darüber
lachen. "Du hast eine Schwester? Älter oder jünger" fragte
Kian. "Jünger, sie wird bald 18." antwortete Marsha. "Oh
ein großer Altersunterschied." bemerkte Nicky. "Hm, eigentlich
sollte ich wohl ein Einzelkind bleiben, da ich als Kind sehr krank war, aber
als es mit mir bergauf ging, haben meine Eltern sich doch noch für ein
zweites Kind entschieden." erklärte Marsha. "Hey wie lange bleibst
du eigentlich noch in Irland?" fragte Nicky. "Ich weiß es noch
nicht so genau. Vielleicht noch eine Woche? Warum fragst du?" Na ja, vielleicht
habt ihr ja Lust am Wochenende nach Dublin zu kommen. Dann könnten wir
dort ein wenig feiern gehen." schlug Nicky vor. Marsha schaute fragend
zu Kian und der nickte begeistert. "Klar, das ist doch mal eine gute Idee
von dir. Wir können ja noch mal telefonieren." Nicky erhob sich auch
und zog seine Jacke an. Dann nahm er Marsha in seine Arm und meinte. "Ich
würde mich freuen, dich am Wochenende noch mal zu sehen." "Mal
sehen, ob es sich einrichten lässt." erwiderte Marsha etwas verlegen.
Bryan kam um den Tisch herum, verabschiedete sich von ihr und drückte sie
fest. Dann nahm er ihr seine Tochter ab. Diese murmelte nur "Gute Nacht
Onkel Kian und Tante Marsha." und war schon wieder fest eingeschlafen.
Mark zog sich ebenfalls seine Jacke an. "Hey, willst du auch schon los?"
fragte Kian. "Tja, nicht nur du hast das Glück ein supernettes Mädel
aufgegabelt zu haben. Aber wir telefonieren noch wegen dem Wochenende."
grinste Mark und verlies mit den anderen das Restaurant. "Und was machen
wir jetzt noch mit dem angebrochenen Abend?" fragte Kian und Marsha zuckte
mit den Schultern. "Hast du Lust noch mit auf ein Glas Rotwein zu mir zu
kommen? Ich müsste mal nach Whiskey sehen." schlug Kian vor. Marsha
überlegte kurz, ob das so eine gute Idee war, nickte dann aber.
Nach kurzer Fahrt erreichten sie ein kleines Haus etwas außerhalb von
Sligo in einer ruhigen Siedlung. Kian schloss die Haustür auf und ließ
Marsha eintreten. Whiskey kam ihnen schon freudig schwanzwedelnd entgegen. "Ich
lass Whiskey mal gerade raus. Geh doch schon mal durch ins Wohnzimmer, bin gleich
wieder da." meinte Kian und ging mit dem Hund nach draußen. Marsha
ging langsam durch den Flur ins Wohnzimmer. Es war ein freundlicher Raum mit
einer gemütlich aussehenden Couchgarnitur. Vom Wohnzimmer aus konnte man
einmal in eine kleine Küche gehen, die sehr modern eingerichtet war und
es führte eine Treppe vom Wohnzimmer aus ins Obergeschoss. An der einen
Wand befand sich ein Kamin, was dem Raum noch mehr Gemütlichkeit gab. Marsha
zog sich die Jacke aus und setzte sich aufs Sofa, dabei schweifte ihr Blick
weiter durch den Raum. Es gefiel ihr hier wirklich sehr gut. Kurz darauf ging
die Tür wieder auf und Kian kam mit seinem Hund zurück, der sich gleich
in seinen Korb verkroch. "Du hast es hier wirklich sehr schön."
bemerkte Marsha. "Danke. Ich find es auch ganz gut gelungen, auch wenn
ich da nie so viel von habe." erwiderte Kian und machte sich daran, den
Kamin anzumachen. Kurz darauf brannte das Feuer und Kian ging in die Küche,
um den Wein zu holen. Dann nahm er neben Marsha auf der Couch Platz und goss
ihnen ein. "Wollen wir mal sehen, was so im Fernsehen läuft?"
fragte Kian. "Meinetwegen. Ich weiß zwar nicht, ob ich soviel davon
verstehe, aber wir können es ja mal probieren." antwortete Marsha
und machte es sich bequem.
Irgendwann musste Marsha eingeschlafen sein. Sie spürte plötzlich,
wie jemand eine weiche Decke über sie ausbreitete und dann strich ihr jemand
eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Vorsichtig öffnete sie die Augen
und sah in diese kobaldblauen Augen von Kian. Marsha konnte sein Aftershave
wahrnehmen. Unverwandt schaute sie in weiter an und wusste nicht so recht wie
sie reagieren sollte. Ganz langsam kam sein Gesicht immer näher und diesmal
waren da kein Nicky oder Mark, der sie in letzter Sekunde vor sich selbst retten
konnte. Sie schloss die Augen wieder und fühlte ganz vorsichtig und zart
Kians Lippen an ihren. Mit leichtem Druck öffnete er ihre Lippen und forderte
ihre Zunge zum leidenschaftlichen Spiel heraus. Marsha wurde es ganz warm, als
sie sich auf das Spiel einließ. Vorsichtig zog Kian sie näher an
sich heran, um den Kuss noch mehr zu vertiefen. Wie von Geiserhand hob sie ihre
Arme und legte sie ihm um den Nacken, um ihn noch näher an sich heranzuziehen.
Dieser Kuss war so sinnlich und erregend, das ihr eine Gänsehaut nach der
anderen über den Rücken lief. Ihre Hände rutschten von seinen
Schultern herunter bis auf seine Hüften, wo sie sich langsam den Weg unter
seinen Pulli bahnten. Die Haut unter ihren Fingern war so warm und weich, das
sie leicht aufseufzte. Von irgendwo her hörte sie plötzlich ein Telefon
klingeln und kam schlagartig in die Wirklichkeit zurück. Sie rückte
von Kian ab und schaute ihn erschrocken an. "Lass es einfach klingeln,
wird schon nicht so wichtig sein." flüsterte er und wollte sie wieder
an sich heranziehen, aber sie legte ihm einen Finger auf die Lippen um ihn davon
abzuhalten, dort weiter zu machen, wo sie aufgehört hatten. Das Telefon
klingelte immer noch. Marsha sprang auf und schüttelte nur mit dem Kopf.
"Nicht, das dürfen wir nicht. Nein." stammelte sie. "Aber
warum nicht?" wollte Kian wissen. Das Klingeln des Telefons wollte einfach
nicht aufhören. Marsha schnappte sich ihre Jacke und ging zur Tür.
"Marsha, jetzt warte doch mal." wollte Kian sie zurückhalten.
"Es tut mir leid. Es geht nicht. Ich...ich..ich bin verheiratet."
stammelte Marsha und flüchtete aus dem Haus. Als ob jemand Kian einen Kinnharken
verpasst hatte, ließ er sich zurück auf das Sofa fallen und starrte
auf die zugefallene Tür.
Noch immer klingelte das Telefon. Eine bisher nichtgekannte Wut stieg in ihm
auf und er griff zum Telefonhörer. "Was um Himmelswillen ist los?"
schrie er in den Hörer. "Kian. Was ist denn mit dir los? Ich bin es,
deine Mum." hörte er eine erschrockene Stimme am anderen Ende der
Leitung. "Nichts, gar nichts. Was ist denn los, Mum?" Kian war immer
noch ziemlich aufgebracht, versuchte sich aber zu beruhigen. Immerhin konnte
seine Mutter nichts dafür was sich hier vor einigen Minuten ereignet hatte.
"Dein Dad hatte einen Unfall, er ist bei der Glätte ausgerutscht und
hat sich sein Bein gebrochen. Wir sind jetzt im Krankenhaus und er wird gerade
operiert. Könntest du bei uns vorbeifahren und einige Sachen für ihn
holen?" erklärte Kians Mum ihr Anliegen. "Oh Gott. Ja sicher.
Ich bin so schnell wie möglich bei euch." rief Kian, legte auf, schnappte
sich seine Jacke und rannte aus dem Haus.
Marsha war im Nachhinein nicht klar, wie sie zur Pension zurückgekommen
war. Sie ging gleich in ihr Zimmer und ließ sich verzweifelt auf das Bett
fallen. Gott, wie hatte das geschehen können? Sie hätte es nie soweit
kommen lassen dürfen. Was mochte Kian jetzt von ihr denken? Marsha hätte
über ihre eigene Dummheit schreien können. Er würde nie wieder
mit ihr reden. Aber sie wollte zumindest versuchen, ihm alles zu erklären.
Er hatte ein Recht darauf zu wissen, warum sie ihn wegstoßen hatte. Das
war sie ihm einfach schuldig. Immerhin war er die letzten Tage so nett zu ihr
gewesen und Marsha war endlich wieder ein wenig glücklich gewesen. Mit
dieser Entscheidung stand sie von dem Bett auf, zog sich schnell ihre Schlafsachen
an und kuschelte sich unter die Bettdecke. Aber an einschlafen war nicht zu
denken. Sie grübelte und grübelte. Warum? Weshalb? Wieso? Irgendwann
in den Morgenstunden musste sie dann doch eingeschlafen sein, da sie irgendwann
mit rasenden Kopfschmerzen wieder aufwachte. So schnell wie es möglich
war stand Marsha auf und ging unter die Dusche, in der Hoffnung das es ihre
Lebensgeister wieder wecken und es ihr danach besser gehen würde. Unten
beim Frühstück stocherte sie mehr in ihrem Essen herum, als das sie
was zu sich nahm. "Kindchen, was ist Ihnen denn auf den Magen geschlagen.
Sie haben ja noch gar nichts gegessen?" wunderte sich Mrs. McDonald, als
sie das Geschirr abräumen wollte. Marsha zuckte nur mit den Schultern und
nippte an ihrem Kaffee. Solange sie die Angelegenheit nicht mit Kian geklärt
hatte, würde sie wohl nichts herunterbekommen, dass war ihr klar. Das war
es was ihr auf den Magen geschlagen war, aber sie behielt es für sich.
Am besten war es wohl, wenn sie es so schnell wie möglich hinter sich brachte.
Auch wenn es noch recht früh war, machte sie sich bald auf den Weg zu Kian.
Zu Fuß würde es eh ein wenig dauern, und so konnte sie sich unterwegs
Gedanken darüber machen, wie sie ihm alles erklären wollte, ohne das
er sie hassen würde. Als sie das Haus vor sich auftauchen sah, wurde ihr
ganz mulmig zumute. Sie ging auf die Tür zu und atmete tief durch. Sie
schaute kurz auf die Uhr. Es war gerade halb zehn. Bevor sie den Mut verlor,
drückte sie schnell auf die Klingel. Einige Zeit verging, aber die Tür
wurde nicht geöffnet. Marsha schaute sich um. Der Wagen stand in der Einfahrt,
also war Kian nicht mit dem Auto unterwegs. Sie klingelte noch einmal. Whiskey
bellte innen. Sie konnte also auch ausschließen, dass Kian mit dem Hund
Gassi gegangen war. Aber warum öffnete er nicht? Marhsa drückte ein
drittes Mal auf die Klingel. Plötzlich hörte sie Schritte und Kians
Stimme. "Verdammt, ich komm ja schon." Die Haustür öffnete
sich und Kian stand vor ihr, nur mit einem Handtuch um die Hüften und die
Haare hangen ihm nass ins Gesicht. "Marsha? Was willst du denn hier?"
er schaute sie einerseits überrascht, andererseits missmutig an. Der Ausdruck
in Kians Augen ließ Marsha ihren Mut verlieren. "Ich...ähm...also...
Ich wollte mit dir reden... wegen gestern Abend... Aber vielleicht komm ich
später noch mal vorbei." Schnell drehte sie sich um und wollte die
Auffahrt runter laufen. "Warte. Komm rein." rief Kian Marsha hinterher.
Er öffnete die Haustür ganz, damit sie eintreten konnte. "Geh
schon mal ins Wohnzimmer. Ich zieh mich nur eben schnell an." meinte er
und ging die Treppe ins Obergeschoss hoch. Whiskey kam fröhlich winselnd
angelaufen und wollte gekrault werden. Marsha wanderte rüber ins Wohnzimmer
und sah sich um. Sie fand alles so vor, wie sie es gestern verlassen hatte.
Die beiden Weingläser und die Flasche standen noch auf dem Tisch und die
Wolldecke lag ebenfalls noch zusammengeknüllt auf dem Sofa. Bevor sie hier
nervös herumsaß konnte sie auch die Sachen wegräumen. So brachte
sie die Gläser und den Wein in die Küche, die Decke faltete sie ordentlich
zusammen und legte sie auf die Kante des Sofas. Dann setzte sie sich und wartete.
Whiskey fand es wäre eine gute Gelegenheit, sich weitere Streicheleinheiten
abzuholen. Kurz darauf kam Kian wieder die Treppe herunter. Er hatte sich eine
Jeans und einen Pullover übergezogen und seine Haare gefönt. "Möchtest
du vielleicht auch ein Kaffee? Ich brauch jetzt dringend Koffein zum wach werden."
fragte er sie, als er unten angekommen war. "Ja gerne, wenn du eh welchen
aufsetzt." antwortete Marsha und Kian verschwand in der Küche. Marsha
folgte ihm, da sie es auf dem Sofa nicht mehr aushielt. Schweigend stellte sie
sich in den Türrahmen und beobachtete Kian dabei, wie er Kaffee kochte.
Als ob er gespürt hatte, das sie dort stand fragte er leise. "Wie
lange bist du schon verheiratet?" Marsha war erst sehr überrascht
über diese Frage, sie hatte nicht damit gerechnet, das Kian von sich dieses
Thema anschnitt. "Über drei Jahre?" antwortete sie. "Und
glücklich?" wollte er weiter wissen. "Eigentlich sehr glücklich."
"Warum nur eigentlich?" "Das ist eine sehr lange und komplizierte
Geschichte." Marsha fiel es nicht leicht, über dieses Thema zu sprechen,
besonders da ihr klar war, das ihr der gestrige Kuss doch einiges bedeutete.
Kian schenkte zwei große Tassen voll, stellte Zucker auf den Tisch und
meinte dann "Dann setzt dich und erzähl es mir. Der Kaffee ist fertig."
Nachdem sie sich an den Tisch gesetzt hatten, spielte Marsha erst einige Zeit
gedankenverloren mit ihrer Tasse. Sie wusste nicht so recht wie sie anfangen
sollte. "Die letzten drei Jahre waren nicht einfach für mich. Es hat
eigentlich nichts mit meiner Ehe zu tun, eher in der Familie. Innerhalb von
drei Jahren habe ich drei mir sehr wichtige Menschen an Krebs verloren. Es zog
mir die Füße weg, es war als ob mir jemand das Herz rausreißt.
Aber ich wollte für meine Eltern und den Rest stark sein, was aber nicht
wirklich immer so einfach war. Vielleicht auch um mich von dem ganzen abzulenken
oder mir etwas neues zu erschaffen, hatten mein Mann und ich in dieser Zeit
beschlossen eine Familie zu gründen. Aber es funktionierte nicht und so
gingen wir vor einem Jahr zu einem Spezialisten. Nach einigen Versuchen und
künstlicher Befruchtung sieht es aber wohl so aus, dass ich keine Kinder
bekommen kann. Und als mir der offenbart wurde war ich an einem Punkt angekommen,
wo ich weg musste. Es war einfach zu viel für mich. Ich wollte einfach
raus, nachdenken, mir über mein Leben klar werden." Kian hatte Marsha
bis jetzt reden lassen und nur zugehört. Er hatte ihre Hände zwischen
seine genommen und streichelte sie vorsichtig und beruhigend. "Ich wollte
schon immer nach Irland. Ich habe mit meinem Mann darüber gesprochen und
er hat es schweren Herzens verstanden, da wir eigentlich jetzt zusammen in Urlaub
fahren wollten. Dann hab ich meine Sachen gepackt und bin hergekommen. Ich wollte
einfach nur meine Ruhe und mein Leben neu ordnen." schloss Marsha und kämpfte
mit den Tränen. "Und dann komm ich in dein Leben und mach noch mehr
Chaos." meinte Kian zerknirscht. "Quatsch. Red kein Blödsinn."
widersprach Marsha ihm. "Ich meine, wenn ich das alles vorher gewusst hätte,
wäre ich dir nie zu nah getreten." erklärte Kian. "Nee,
dann wärst du wahrscheinlich schreiend davon gelaufen. Mal ganz davon abgesehen.
Zu einem Kuss gehören immer noch zwei und es ist ja nun nicht so, dass
ich ihn bereue. Ich hatte halt Panik, weil du nicht Bescheid wusstest und ich
dich nicht verletzen wollte, da ich dich wirklich mag." meinte Marsha leicht
lächelnd. "Ich gebe zu, im ersten Moment war ich auch geschockt und
vielleicht auch verletzt, aber ich finde es gut, dass du mir alles erzählt
hast und ich dich jetzt verstehen kann. Und glaub mir, ich mag dich auch."
erwiderte Kian ebenfalls lächelnd, rutschte etwas näher an sie heran
und nahm sie in die Arme. "Und ich werde dir die Tage, die du noch hier
bist, helfen wieder Klarheit in dein Leben zu bekommen. Du kannst mit allem
zu mir kommen und mit mir reden. Du bist damit nicht allein." versprach
Kian ihr. "Ich möchte dir aber nicht zu Last fallen. Nicht das ich
dir deinen Urlaub noch vermiese." gab Marsha zu bedenken. "Tust du
nicht. Ich will dir helfen. OK" entgegnete Kian. Marsha nickte einverstanden,
wenn auch nicht ganz überzeugt.
"So und was machen wir noch mit dem angebrochenem Tag?" wollte Kian
wissen, als sie eine weitere Tasse Kaffee geleert hatten. "Ich weiß
nicht, schlag was vor." "Ich glaub, ich könnte etwas frische
Luft gebrauchen. Wollen wir uns Whiskey schnappen und einen Spaziergang am Strand
machen?" schlug Kian vor. "Das hört sich doch perfekt an."
lächelte Marsha. "Gut, dann lass uns unsere Jacken holen und dann
los." Kian sprang von seinem Stuhl auf und zog Marsha mit sich. So gingen
sie an den Strand und liefen am Wasser entlang. Marsha hatte sich bei Kian eingeharkt
und fühlte sie verdammt gut.
Die nächsten Tage verbrachten Sie damit, dass Kian Marsha Sligo und Umgebung
zeigte. Sie unternahmen viele Spaziergänge und saßen abends in gemütlichen
Pubs. Bei einem ihrer Spaziergänge hatten sie noch mal über den Kuss
gesprochen und entschieden, dass sie ihn nicht bereuen würden, dass es
aber einmalig war und nie wieder passieren würde. Sie wollten ihre noch
junge Freundschaft lieber wachsen lassen. Danach war es wie vorher. Sie hatten
viele innige Gespräche, die Marsha halfen ihre Probleme in den Griff zu
bekommen oder zumindest wieder etwas mehr Klarheit über ihr weiteres Leben
zu bekommen. Am Donnerstag Nachmittag besuchten sie Kians Vater im Krankenhaus,
der nach seinem Beinbruch noch immer dort behandelt wurde. Danach lud Kian sie
zum Essen ein und führte sie zum besten Italiener in Sligo. Dort saßen
sie gerade bei einem guten Rotwein und warteten auf das Essen als plötzlich
Kians Handy klingelte. Er verdrehte die Augen und ging ran. "Feehily, ich
hoffe du hast einen verdammt guten Grund mich beim Candlelight-Dinner zu stören."
begann er mit einem breiten Grinsen in Richtung Marsha das Gespräch. Marsha
prustete fast los. "Egan träum weiter. Ich wollte nur fragen, wie
es jetzt mit dem Wochenende aussieht. Wollen wir denn nun nach Dublin fahren
und einen drauf machen? Hast du noch mal mit den Jungs gesprochen?" fragte
Mark auf der anderen Seite. Kian fiel es wie Schuppen von den Augen, dass sie
ja eigentlich am Wochenende Bryan und Nicky in Dublin besuchen wollten. Bei
den Sorgen um seinen Dad und Marshas Problemen hatte er die Verabredung ganz
vergessen. "Ach du Schreck. Das hab ich ja ganz vergessen. Sorry Mark.
Ähm.. ich bespreche das mal mit Marsha und meld mich dann noch mal bei
dir." meinte Kian zerknirscht. "Ja, ja war ja klar. Es ist wieder
typisch für dich. Ok, ich warte auf deinen Rückruf und liebe Grüße
an Marsha." lachte Mark und legte wieder auf. Kian legte sein Handy an
die Seite und schaute in das fragende Gesicht von Marsha. "Was wollte Mark?"
fragte sie. "Er hat mich gerade an unser Wochenende in Dublin erinnert.
Wie sieht es aus, hast du Lust auf ein bisschen Party mit den anderen? Oder
ist dir nicht danach?" fragte Kian unsicher. Marsha überlegte kurz
über die Sache und meinte dann "Hey warum nicht? Und außerdem
hatten wir es doch Bryan und Nicky versprochen. Eigentlich habe ich auch ziemlich
Lust dazu. So seh ich wenigstens noch etwas mehr von Irland und seinem Nachtleben."
"Ist das dein Ernst?" fragte Kian noch mal nach. "Ich muss doch
eh am Montag von Dublin aus Richtung Deutschland. Und ob ich dann ein paar Tage
eher nach Dublin fahre oder noch hier bleibe, kommt ja fast aufs gleiche raus.
Und so seh ich die beiden noch mal, bevor ich abreise. Lass uns dorthin fahren."
meinte Marsha bestimmt. "Ok, dann sag ich Mark Bescheid." strahlte
Kian und schnappte sich sein Handy. Nachdem er mit Mark geklärt hatte,
dass sie sich am nächsten Tag gegen ein Uhr bei ihm treffen würden
und er den beiden anderen Bescheid sagen sollte, lege er auf und widmete sich
wieder dem Essen. Nach dem Essen brachte Kian Marsha zur Pension und versprach
ihr am nächsten Tag gegen halb eins wieder da zu sein. Marsha besprach
mit der Wirtin ihre Abreise und bezahlte die Rechnung. "Eigentlich schade,
das sie schon wieder abreisen. Sie sind so ein nettes Mädchen. Ich hoffe
sie kommen mal wieder." meinte Mrs. McDonald, als sie alle Formalitäten
erledigt hatten und bei einem Glas Rotwein im Salon saßen. "Oh doch
das denk ich doch. Es hat mir hier super gefallen, aber jeder Urlaub ist leider
mal zu Ende. Aber ich komme wieder." antwortete Marsha lächelnd
Später als sie in ihrem Zimmer den Koffer packte, ließ sie den Urlaub
noch mal Revue passieren. Eines stand auf jeden Fall fest, sie hatte sich sehr
erholen können .Und sie wollte sich von den vielen Niederschlägen
in ihrem Leben nicht mehr unterkriegen lassen. Irgendwie würde es schon
weitergehen, und egal wie, sie würde das beste daraus machen. Sie war gerade
fertig mit packen, als ihr Handy klingelte. "Ja." meldete sie sich.
"Hey ich bin es." meldete sich ihr Mann auf der anderen Seite. "Hey,
na was machst du so und wie geht es dir?" wollte Marsha wissen. "Och
mir geht es soweit ganz gut. Ich zähle schon die Tage bis Montag, dann
hab ich dich endlich wieder. Und was machst du?" "Ich packe gerade
meine Sachen." "Wie jetzt schon? Kommst du doch eher wieder?"
er schien sich tierisch zu freuen. "Nein, ich hatte dir doch erzählt,
das ich hier ein paar Leute kennen gelernt habe. Wir wollen morgen nach Dublin
und dort mein letztes Wochenende verbringen und etwas Abschied feiern. Ich fliege
wie geplant Montag morgen ab dort." erklärte Marsha. "Ach so.
Ich dachte schon." Martin schien nun enttäuscht. "Hey, die paar
Tage schaffen wir doch jetzt auch noch, oder?" versuchte Marsha ihn zu
überzeugen. "Ja, ja, sicher. Wenn ich dich dann endlich wieder habe.
Ich hol dich am Montag vom Flughafen ab. Ich muss jetzt leider Schluss machen.
Ich liebe dich." "Ja, ich liebe dich auch." verabschiedete sich
Marsha und legte auf. Einerseits freute sie sich schon wahnsinnig auf zuhause,
andererseits fand sie es schade, ihre neuen Freunde verlassen zu müssen.
Sie hatte sich hier sehr wohlgefühlt. Aber sie hatte ja noch ein ganzes
Wochenende um die Zeit hier zu genießen und sie würde ganz sicher
mal wiederkommen.
Am anderen Morgen schlief sie etwas länger als sonst, dann ging sie unter
die Dusche, zog sich an und packte die restlichen Sachen ein. Anschließend
ging sie hinunter zu Mrs. McDonald und frühstückte in aller Ruhe.
Als ob Kian einen inneren Wecker besitzen würde, stand er wie eigentlich
jeden Morgen während ihres Urlaubes in der Tür, als Marsha sich gerade
ihre zweite Tasse Kaffee einschenkte. Mrs McDonald hatte es sich schon angewöhnt,
gleich eine zweite Tass auf den Tisch zu stellen und so stand sie nur lächelnd
in der Tür und wünschte Kian einen guten Morgen. "Hey guten Morgen."
begrüßte er Marsha und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Guten
Morgen. Du bist aber früh da." meinte Marsha. "Ich muss gleich
noch Whiskey bei meiner Mum abliefern und dann wollte ich fragen, ob wir noch
kurz im Krankenhaus vorbeifahren. Ich wollte Dad noch mal kurz sehen."
"Ja klar, kein Thema. Ich bin eh soweit fertig. Meinetwegen können
wir nach dem Kaffee los." Nachdem sie in Ruhe noch eine Tasse Kaffee getrunken
hatten, holte Marsha ihren Koffer aus dem Zimmer und verabschiedete sich von
der Wirtin. Kian nahm Marshas Koffer und brachte ihn zum Auto während Marsha
Abschied nahm. Auf dem Weg zum Krankenhaus war sie sehr schweigsam. Der Abschied
von Whiskey und Kians Mum war ihr sehr schwer gefallen. Am liebsten würde
sie für immer hier bleiben. Gedankenverloren schaute sie aus dem Fenster
und versuchte alles in ihrem Inneren zu sprechen, damit sie nichts von dem vergessen
konnte, was sie gesehen und erlebt hatte. "Hey, alles in Ordnung? Du bist
so schweigsam." fragte Kian nach einiger Zeit. "Ich versuche nur noch
ganz viel in mich auf zu nehmen, damit ich nichts vergessen kann. Diese Stadt
wird mir echt fehlen." Marsha lächelte wehmütig. "Wenn die
Sehnsucht zu groß wird, kommst du einfach wieder." meinte Kian und
lächelte dabei. "Wenn das mal immer so einfach wäre. Aber ich
werde bestimmt mal wieder kommen. Ich muss doch mal meine neuen Freunde besuchen,
die ich gefunden habe." meinte Marsha. "Genau. Und damit unser Wiedersehen
auch nicht all zu lange hin ist, habe ich auch schon eine Idee. Schreib mir
doch mal bitte deine Anschrift in Deutschland auf." Kian grinste von einem
Ohr zum anderen. "Warum? Was hast du vor?" wollte Marsha wissen. "Och
das ist noch eine Überraschung." meinte Kian nur ausweichend. "Kian
John Francis Egan, sag mir sofort was du vor hast." Marsha hob gespielt
drohend die Faust. "Nö. Und wenn du mich haust, ich verrate noch nichts."
Kian blieb dabei. Frustriert holte Marsha einen Zettel und einen Stift aus der
Tasche und notierte Kian ihre Anschrift und legte den Zettel dann so, das Kian
ihn nicht verlegen konnte. "Danke, du bist ein Schatz." meinte Kian
daraufhin und lächelte.
Zwischenzeitlich waren sie im Krankenhaus angekommen. Nachdem sie sich einen
Parkplatz ergattert hatten, stiegen sie aus dem Wagen und machten sich auf den
Weg durch die langen Gänge zum Zimmer von Kians Dad. Marsha begrüßte
ihn ganz herzlich und setzte sich dann auf die Fensterbank, um Kian und seinem
Dad die Möglichkeit zu geben, sich in aller Ruhe zu unterhalten. Da sie
schnell sprachen, verstand sie eh nicht so viel von dem Gespräch. Nach
einiger Zeit verabschiedeten sie sich voneinander und verließen das Krankenhaus
wieder. Marsha hatte ihm versprechen müssen, ganz bald wieder nach Irland
zu kommen. Sie stiegen wieder in den Wagen und machten sich auf den Weg zu Mark,
der schon darauf wartete, dass sie ihn abholten. Diesmal war es Kian, der schwieg.
"Du machst dir Sorgen um deinen Dad, oder?" fragte Marsha ihn vorsichtig.
Kian nickte lediglich. "Hey das wird schon wieder. Du wirst sehen, bald
hüpft er wieder durch die Gegend, wie ein junges Rehkitz." versuchte
Marsha ihn aufzumuntern. Es war ein schönes Gefühl, dass sie sah wie
er anfing zu lächeln und ihr wurde klar, dass sie ihn jetzt auch mal helfen
konnte. "Er ist halt auch nicht mehr der jüngste und wenn er da so
liegt, macht es einen schon nachdenklich." "Dein Dad wird wieder auf
die Beine kommen, vertrau mir. Euch Iren haut doch so schnell nichts um."
grinste Marsha. Kian fing an zu lachen, legte seine Hand auf ihre und drückte
sie. Es war eine innige freundschaftliche Geste, die Marsha tief im Inneren
berührte.
Bald hatten sie Marks Haus erreicht und gingen zur Haustür. Nachdem sie
die Klingel betätigt hatten, wurde auch schon die Haustür geöffnet
und Mark stand mit gepackter Tasche vor Ihnen. "Da seid ihr ja endlich.
Ich dachte schon, ihr kommt gar nicht mehr." nörgelte Mark los. "Hey
Kumpel, wir haben uns lediglich um zehn Minuten verspätet. Kein Grund zur
Panik." nahm Kian ihm den Wind aus den Segeln. Mark grinste und nahm Marsha
in den Arm. "Hallo schöne Frau." "Hey Mark. Schon reisefertig?"
begrüßte Marsha ihn und drückte ihn fest an sich. "Wenn
ihr beiden denn bald mit der Begrüßung fertig seid., könnten
wir dann ja los." brummte Kian. Mark und Marsha mussten leicht lachen und
Marsha stellte sich vor Kian und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
"Fühlst du dich vernachlässigt?" Kian fing an zu grinsen.
"Bin ich so leicht zu durchschauen?" "Ihr Männer seid wie
ein offenes Buch." flachste Marsha. "Hey noch so ein Spruch und du
kannst zu Fuß nach Dublin gehen." drohte Kian. "Pöh. Mark
würdest du mich nach Dublin fahren?" fragte Marsha Mark mit einem
unwiderstehlichem Augenaufschlag und ihrem charmantesten Lächeln. "Kann
man so einer netten Bitte widerstehen?" Mark stieg sehr offensichtlich
in ihren Flirt ein. Kian drehte sich um und ging schnaubend zu seinem Wagen.
"Kommt ihr jetzt endlich? Ich will jetzt los." brummte er. Mark und
Marsha lachten laut auf, stapften aber brav hinter Kian her. Mark schmiss seine
Tasche hinten in den Kofferraum und setzte sich vorne neben Kian. Marsha hatte
sich auf den Rücksitz verkrümelt, setzte sich hinter Kian und schlang
ihre Arme von hinten um seinen Hals. "Nicht mehr böse sein."
säuselte sie ihm ins Ohr und strich ihm zärtlich über die Wange.
Kian drehte sich halb um und lächelte sie an. "Dir kann man einfach
nicht böse sein." meinte er und gab ihr einen Kuss auf die Nase.
Die Fahrt nach Dublin erwies sich als sehr lustig. Die drei hatten viel zu
lachen. Nach gut zwei Stunden hatte man Dublin erreicht und Kian fuhr vor einem
Haus vor, das am Stadtrand lag. Nicky hatte sich angeboten, die drei an diesem
Wochenende bei sich aufzunehmen, damit man die beiden Töchter von Bryan
nicht störte, wenn sie schlafen sollten. Kaum waren sie ausgestiegen, wurde
auch schon die Haustür aufgerissen und Nicky kam auf sie zugelaufen. "Hey
da seid ihr ja endlich. Wir haben schon auf euch gewartet. Marsha schön
dich zu sehen." Nicky nahm Marsha gleich in den Arm und drückte sie
an sich. "Hey Nicky, ich freu mich auch dich zu sehen und vielen Dank für
die Einladung." antwortete Marsha und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
Hinter ihm war eine junge hübsche Frau aus dem Haus getreten und gesellte
sich zu den anderen. "Marsha darf ich dir meine Frau Geo vorstellen. Geo
das ist Marsha." machte Nicky die beiden Frauen miteinander bekannt. "Hallo.
Nett dich kennen zulernen. Nicky hat mir schon viel von dir erzählt."
meinte Geo und reichte Marsha die Hand. "Danke. Ich freu mich auch deine
Bekanntschaft zu machen." meinte Marsha und wunderte sich, wie nett Geo
rüber kam. Geo drehte sich zu Mark und Kian und begrüßte sie
mit einem Kuss auf die Wange. "Hallo ihr beiden. Schön euch zu sehen.
So dann lasst uns mal reingehen. Ich finde es etwas zu kalt für eine Gartenparty."
lachte Geo und lud mit einer Handbewegung alle ins Haus ein. Drinnen setzten
sie sich ins Wohnzimmer, wo schon leckerer Tee und Kaffee und dazu Kuchen auf
sie wartete. Man machte es sich gemütlich und trank erst mal in aller Ruhe
eine Tasse. Nicky rief bei Bryan an, um mitzuteilen das die drei angekommen
waren und Bryan wollte sich mit seiner Familie gleich auf den Weg zu Nicky machen.
Es dauerte auch nicht lange, als es klingelte und vier gut gelaunte McFaddens
das Wohnzimmer stürmten. "Hallo Onkel Kian, hallo Onkel Mark. Oh und
Tante Marsha ist auch mit." rief Molly gleich und rannte auf die drei los
und umarmte jeden. Danach begrüßte sie auch Nicky und Geo, aber nicht
ganz so stürmisch, da sie die wohl häufiger sah. Bryan grüßte
in die Runde und gab Marsha einen Kuss auf die Wange. "Hallo Marsha. Ich
freu mich, das du hier bist. Das ist meine bessere Hälfte Kerry und unser
Sonnenschein Lilly. Kerry das ist Marsha." stellte Bryan sie einander vor.
Das kleine Mädchen auf Kerrys Arm streckte gleich seine Ärmchen aus
und wollte bei Marsha auf den Arm. Marsha schaute Kerry fragend an und diese
nickte lächelnd. So nahm Marsha Lilly vorsichtig an sich und Lilly fing
an zu lachen. "Die ist ja süß." meinte Marsha verzückt
und ging mit ihr zum Sofa. Molly hatte sich zwischenzeitlich neben Kian gesetzt
und redete ohne Punkt und Komma, bis Kerry sie ermahnte, zwischenzeitlich auch
mal Luft zu holen, was bei allen zu Gelächter führte. "Und was
machen wir heute Abend schönes?" fragte Mark in die Runde. "Also
Bryan und ich haben uns überlegt, dass wir erst mal schön essen gehen
und danach eventuell in einen Club was trinken und abtanzen." schlug Nicky
vor. Das stieß auf allgemeine Zustimmung.
Den Nachmittag verbrachte man gesellig zusammen. Marsha spielte viel mit Molly
und Lilly, bis Lilly auf ihrem Schoß eingeschlafen war. "Ich glaube
Marsha hat echt ein Händchen für kleine Racker. Molly ist die Tage
auch schon bei ihr eingeschlafen." witzelte Bryan. Marsha zuckte nur mit
den Schultern und rang sich ein Lächeln ab. Kian bekam das mit und legte
ihr beruhigend seinen Hand auf den Rücken. "Ich mag kleine Kinder
halt. Und vielleicht merken sie das." antwortete Marsha nun. "Soll
ich sie dir abnehmen. Deine Sitzposition scheint mir nicht wirklich bequem zu
sein." fragte Kerry besorgt. "Nein das geht schon. Lass sie ruhig
liegen." meinte Marsha jetzt ehrlich lächelnd, rutschte etwas zurück,
damit sie sich anlehnen konnte und schaute Kerry nach dem Motto an, so geht
es ganz gut. Molly machte es sich bei Kian gemütlich und nuckelte friedlich
an ihrem Daumen. Als auch sie fast eingeschlafen war, meinte Bryan. "OK
Schatz, am besten wir bringen die beiden jetzt zu Mum und Dad, sonst werden
sie nachher nöckelig." Er nahm Kian Molly ab und Marsha gab Lilly
an Kerry. "Wir sehen uns dann auf halb acht beim Italiener, ja?" fragte
Bryan Nicky noch mal, worauf dieser zustimmend nickte. Die McFaddens verabschiedeten
sich und ließen den Rest zurück. "Marsha soll ich dir erst mal
dein Zimmer zeigen, damit du dich frisch machen kannst, wenn du magst?"
schlug Geo vor. "Oh das ist sehr nett von dir." So machten sich die
beiden auf den Weg nach oben. Geo zeigte Marsha wo sich ihr Zimmer und das Bad
befanden und sah Marsha dabei zu, wie sie ihren Koffer aufs Bett legte. "Warst
du jetzt länger in Irland?" fragte sie. "Etwas länger als
eine Woche. Eigentlich schade, das ich schon bald wieder zurück muss. Es
ist so schön hier bei euch." schwärmte Marsha. "Dann musst
du unbedingt wieder mal her kommen." lachte Geo. "Das habe ich auch
vor. Das hier war nicht mein letzter Besuch." schmunzelte Marsha. "Darf
ich dich mal was fragen?" Geo wurde etwas verlegen. Marsha nickte. "Was
läuft eigentlich zwischen dir und Kian. Ihr scheint mir so innig und vertraut."
Leichte Röte überzog Geos Gesicht. Marsha musste lachen. "Wir
sind Freunde, mehr nicht. Wir haben uns vor kurzen kennen gelernt und waren
gleich so auf einer Wellenlänge. Kann man nicht wirklich beschreiben."
erklärte Marsha. "Ja das ist das Phänomen an Kian Egan. Man kann
ihn entweder lieben oder hassen. Dazwischen gibt es nichts." stimmte Geo
zu. "So ich lass dich dann mal allein, damit du dich zurecht machen kannst.
Wir sehen uns dann ja gleich unten. Du kannst auch gerne unter die Dusche springen.
Ich halte die Männer so lange unten im Schach. Bis gleich." meinte
Geo und verabschiedete sich.
In der Zwischenzeit saßen die Jungs unten im Wohnzimmer und unterhielten
sich über die Arbeit die bald wieder zu erledigen war. "Sag mal, kann
es sein, das unser Kian sich neu verliebt hat?" meinte Nicky plötzlich.
Kian schaute ihn verständnislos an. "Wie kommst du denn bitte auf
so einen Stuss?" "Na ja, es das sieht doch wohl ein Blinder, wie eng
du und Marsha seid. und deine Blicke verraten dich." erklärte Nicky.
"Genau, im Auto auf der Fahrt hierhin ist es selbst mir aufgefallen."
bestätigte Mark. "Jungs, redet keinen Blödsinn. Marsha und ich
sind nur gute Freunde. Wir mögen uns - mehr nicht. OK?" meinte Kian
mit Nachdruck. "Na wenn du das sagst." Nicky grinste nur.
Marsha nahm das Angebot an und stellte sich unter eine heiße Dusche. Danach
stand sie mal wieder hilflos vor ihrem Koffer und suchte was passendes zum Anziehen.
Sie wollte heute Abend nicht wirklich als Landei durch die Gegend rennen. Nach
einigen Minuten entschied sie sich für ihre Lieblingshose, einem glitzernen
Oberteil und einer Strickjacke. Nachdem sie sich angezogen hatte, fönte
sie noch schnell ihre Haare und legte etwas Make-Up auf. Danach drehte sie sich
im Spiegel und war ganz zufrieden. Da sie die anderen nicht noch länger
warten lassen wollte, sah sie zu, das sie wieder nach unten kam. Auf dem Weg
zur Treppe kam sie an dem Badezimmer vorbei. Plötzlich wurde die Tür
aufgerissen und Kian stand vor ihr. "Anscheinend wird dein Aufzug zur Gewohnheit.
Ich hoffe du holst dir keine Lungenentzündung." lachte Marsha Kian
an, als sie sich von dem Schrecken seines plötzlichen Auftauchens erholt
hatte und schaute ihn, der lediglich mit einem Handtuch bekleidet war, ungeniert
an. Kian fing an zu grinsen. "Was kann ich für dein Timing? Vielleicht
gefällt dir mein Aufzug ja so gut, dass du mir sozusagen absichtlich auflauerst."
"Kian Egan träum weiter." lachte Marsha und kniff ihm spielerisch
in die Rippen. Dann ging sie einige Schritte auf die Treppe zu und drehte sich
noch mal um. "Aber mal Klartext gesprochen. ich habe schon schlechtere
Bodys gesehen." meinte sie lächelnd und lief dann die Treppe herunter.
Unten angekommen, setzte sie sich wieder zu Nicky und Geo. Mark war wohl anscheinend
ebenfalls oben. Sie unterhielten sich einige Zeit angeregt, bis Kian und Mark
wieder auftauchten und man sich auf den Weg zum Essen machte. Alle quetschten
sich in das Auto von Kian und es wurde unterwegs viel gelacht.
Beim Restaurant angekommen, wurden sie schon von Bryan und Kerry erwartet. "Ich
wusste gar nicht, das so viele Leute in dein Auto passen." flachste Bryan.
"Tja, da schlummern verborgene Talente in meinem Baby." lachte Kian
zurück. Sie betraten das Restaurant und suchten einen passenden Tisch und
nachdem sich alle gesetzt hatten, kam ein Kellner mit Speisekarten und fragte,
was man trinken wolle. Nachdem alle Bestellungen aufgenommen waren, begann eine
angeregte Unterhaltung. Kian beugte sich etwas näher zu Marsha und meinte
leise. "Und amüsierst du dich, oder ist es dir zu viel?" "Nein,
es ist toll. Ich war schon lange nicht mehr so happy. Danke" entgegnete
Marsha lächelnd. "Warum dankst du mir?" Kian war erstaunt. "Für
eine der schönsten Wochen seit ganz langer Zeit." Marsha beugte sich
näher zu ihm rüber und gab ihm einen leichten Kuss auf den Mund. Bei
der kurzen und sanften Berührung wurde ihr plötzlich ganz warm und
sie erschrak leicht davor. Mit großen Augen schaute sie Kian an und entdeckte
das es ihm ähnlich gehen musste. Schnell rückte sie wieder richtig
auf ihren Stuhl und versuchte ihre Aufmerksamkeit wieder den anderen Gesprächen
zu widmen. Bald wurde das Essen gebracht und alle fingen hungrig an zu essen.
Marsha versuchte dabei ihre Gedanken- und Gefühlswelt nach diesem Kuss
wieder ins Gleichgewicht zu bringen, was ihr aber irgendwie nicht wirklich gelingen
wollte.
Nach dem Essen bestellten sie sich zwei Taxen und fuhren in einen angesagten
Club. Dort ergatterten sie sich einen der letzten freien Tische und ließen
sich nieder. "Hey was wollt ihr trinken? Ich hol die erste Runde." Wollte Nicky
wissen. Marsha bestellte sich ein Bier und bot an, ihm beim Tragen zu helfen.
Nicky nahm dankend an und so kämpften sie sich durch die Menge an die nächstbeste
Theke. Sie unterhielten sich während des Wartens ungezwungen über
alles Mögliche und lachten. Dann schnappten sie sich die Getränke
und kämpften sich wieder zurück. Kaum am Tisch angekommen, sprang
Mark von seinem Platz auf und zog Marsha mit auf die Tanzfläche. "Hey.
Ich hätte schon gerne erst was getrunken, wenn ich schon unter Einsatz
meines Lebens Getränke organisiere." Lachte Marsha. "Ach das läuft
dir nicht weg. Es sei denn, irgendjemand ist so dreist und trinkt es aus." Grinste
Mark und zog sie weiter. Es machte Spaß mit Mark zu tanzen. Sie lachten
viel und machten die wildesten Verrenkungen. Als ein langsames Lied gespielt
wurde gingen sie an den Tisch zurück und ließen sich schweratmend
auf die Stühlen fallen und nahmen einen riesengroßen Schluck von
ihren Bieren. "Man tat das gut." Meinte Marsha, als sie das Glas wieder abgesetzt
hatte. "Hey, der nächste Tanz gehört aber mir. Nicht das du dich wieder
so einfach entführen lässt." Raunte Kian ihr zu. Marsha sah ihn etwas
überrascht an und fing dann an zu lachen. "Ich werde versuchen, denjenigen
daran zu erinnern, dass ich mich erst von dir entführen lassen muss." Kaum
hatte sie das ausgesprochen, hielt Kian ihr die Hand hin und zog sie hoch. Marsha
sah ihn fragend an. "Na bevor mir wieder jemand zuvor kommt, ergreife ich lieber
jetzt meine Chance." Grinste Kian und zog sie mit sich auf die Tanzfläche.
Dort tanzten sie ausgelassen. Es war fast genauso lustig, als wenn man mit Mark
tanzte, aber es war anders. Irgendwie lag eine ganz andere Stimmung in der Luft.
Nach zwei, drei schnellen Liedern folgte mal wieder ein langsames. Aber diesmal
verließen sie die Tanzfläche nicht, sonder Kian nahm sie vorsichtig
in den Arm und legte seine Hände auf ihre Hüften. Marsha war sich
nicht sicher, wie sie reagieren sollt und als ob Kian das merken würde,
legte er sich ihre Arme auf die Schulten und legte seine wieder zurück
auf ihre Hüften. Dabei lächelte er sie an und meinte. "Keine Angst,
ich beiße nicht." "Ha ha, sagte der Wolf zum Schaf." Marsha grinste zurück.
Trotz ihrer Unsicherheit fing sie an den Tanz zu genießen. Beide sagten
kein Wort, sondern genossen es nur, den anderen so nah bei sich zu spüren
. Wie von Geisterhand rückte Marsha noch näher an Kian und ließ
den Kopf auf seine Schulter sinken. Dabei atmete sie ganz tief sein Aftershave
ein. "Hm, du riechst gut." Murmelte sie. "Danke, du aber auch." Raunte er zurück.
Marsha schloss die Augen und wünschte sich, der Tanz würde nie enden.
Doch leider war er viel zu schnell vorbei und sie löste sich wieder von
ihm. "Schade" murmelte er und lächelte sie an. "Wir können es ja noch
mal wiederholen." Schlug Marsha vor. "Versprochen?" "Mein Ehrenwort." Sie gingen
wieder an den Tisch und fünf Augenpaare starrten sie an. "Was ist?" wollte
Kian von den anderen wissen. "Och nix. Schon gut." Stammelte Nicky und schaute
weg. "Hallo? Alles klar bei euch?" bohrte Kian nach. "Nee, nee alles bestens."
Grinste Bryan jetzt. Kian schüttelte nur mit dem Kopf, sah Marsha an, die
auch ziemlich verwundert drein blickte. Dann schob Kian ihr einen Stuhl zurecht
und setzte sich auf den daneben.
Nach einiger zeit machte Marsha sich auf den Weg zum Klo und wurde von Geo begleitet.
Nachdem die beiden außer Hörweite waren, tippte Nicky Kian an und
meinte grinsend. "Also, dass ihr beide nur Freunde seid, das kannst du deiner
Oma erzählen, aber nicht mir." Kian schaute ihn verständnislos an.
"Wie meinst du das jetzt?" "Na, das was sich eben dort auf der Tanzfläche
abgespielt hat, spricht Bände." Bryan und Mark nickten heftig. "Wir haben
doch nur getanzt. Sagt mal, wollt ihr mich wieder verkuppeln? Es ist nichts
zwischen uns und damit Basta" Kian fand diese Äußerungen so was von
unpassend. War es denn so schwer zu kapieren, dass Marsha und er sich einfach
nur gut verstanden? Er wollt nichts von ihr. Sie waren einfach nur gute Freunde.
Mal ganz davon abgesehen das eine Beziehung überhaupt nicht möglich
wäre, da sie verheiratet war. Kian schüttelte nur sauer den Kopf und
starrte seine Freunde mit einem mörderischen Blick an. Anstatt über
Kians Ausbruch erschrocken zu sein, grinsten sie ihn angeblich wissend an und
nahmen ihr Gespräch von eben wieder auf. Währendessen waren Marsha
und Geo bei den Toiletten angekommen und auch Geo konnte sich einen Kommentar
nicht verkneifen. "Ihr seid wirklich ein schönes Paar." "Wer ist ein schönes
Paar?" fragte Marsha nach. "Na du und Kian." "Wir sind kein Paar. Wie kommst
du denn darauf? Ich habe dir doch schon heute Nachmittag gesagt, das wir nur
gute Freunde sind." Meinte Marsha etwas genervt. "Sah eben aber ganz anders
aus." Rechtfertigte Geo sich mit einem grinsen. "Das bildest du dir nur ein.
Ich habe genug Probleme, da brauch ich mir nicht noch eine Affäre ans Bein
binden." Marsha war das herausgerutscht, bevor sie überhaupt drüber
nachgedacht hatte. "Ach, wenn dann wäre es nur eine Affäre für
dich?" fragte Geo nun sauer. "Das ist alles nicht so einfach. Selbst wenn ich
es wollte, mehr könnte es nie werden, da ich verheiratet bin." Marsha hatte
das Gefühl, das sie Geo vertrauen konnte und erzählte ihr die Wahrheit.
"Wie du bist verheiratet? Davon hast du uns gar nichts erzählt." Geo war
jetzt echt überrascht. "Außer Kian habe ich es niemanden erzählt.
Es ist auch nie zur Spräche gekommen. Es gab einige Probleme und ich habe
versucht, hier in Irland etwas Ordnung in meine Gedanken zu bekommen. Kian hat
mir sehr geholfen." Versuchte Marsha ihre Situation zu erklären. "Oh das
tut mir leid. Auch das ich eben etwas ausgetillt bin. Versprich mir nur, das
du ihm nicht weh tust." Entschuldigte Geo sich. "Das würde ich nie übers
Herz bringen." Beteuerte Marsha. Nachdem sie das geklärt hatten, gingen
sie zu den anderen zurück.
So gegen vier Uhr morgens verließen sie den Club und begaben sich auf
den Weg zurück. Alle waren sehr müde und froh, dass sie schnell zwei
Taxen erwischten. Alle hatten einiges getrunken und so war niemand mehr in der
Lage ein Fahrzeug zu bewegen. Marsha und Kian fuhren in dem Taxi von Bryan und
Kerry mit. Nachdem sie die beiden nach großer Verabschiedung und Verabredung
für den nächsten Tag bei sich zu Hause herausgelassen hatten fuhren
sie zu Nicky. "Deine Freunde machen sich Gedanken um dich." Meinte Marsha zu
Ki8an als sie allein waren. "Wie kommst du darauf?" wollte Kian wissen. "Geo
hatte mich auf dem Klo darauf angesprochen, das wir beim Tanzen voll das süße
Paar wären. Und dann ist mir herausgerutscht, das wir kein Paar wären
und das ich nicht scharf drauf bin, mir eine Affäre ans Bein zu binden.
Worauf sie mir fast an den Hals gegangen ist. Ich habe ihr dann etwas von mir
erzählt und sie hat sich wieder beruhigt. Ließ mich aber nur mit
der Bemerkung gehen, ich solle dir nicht weh tun." Erzählte Marsha die
Geschehnisse. Kian fing an zu grinsen. "Dann muss da ja echt was dran sein.
Die Jungs haben mich auch drauf angesprochen." "Wie jetzt?" "Sie meinten eigentlich
das gleiche wie Geo. Ich hab ihnen aber klar gemacht, das da nichts ist. Und
so ist es doch, oder?" fragte er jetzt mit einem fragenden Blick. "Ja, sicher.
Wir mögen uns, mehr nicht." Versuchte Marsha wohl mehr sich selbst zu überzeugen,
als Kian. "Siehste, dann brauchen wir uns ja keine Gedanken zu machen. Wir wissen,
wie es ist und alles andere ist egal." Meinte Kian, aber wohl auch nicht wirklich
selbst überzeugt. "Ja wenn du meinst. Ich mag nur nicht, das die anderen
ein falsches Bild von mir bekommen." Gab Marsha zu bedenken. "Quatsch. Das passiert
nicht." Versuchte Kian sie zu beruhigen. Sie waren zwischenzeitlich bei Nicky
angekommen und Kian bezahlte den Taxifahrer. Dann gingen sie gemeinsam zum Haus
und klingelten. Es dauerte nicht lange, bis Nicky die Tür öffnete
und die beiden hereinließ. "Ah da seid ihr ja. Wollt ihr auch noch was
trinken?" begrüßte er sie. "Nee danke, ich werde mich jetzt gleich
hinlegen. Ich bin hundemüde." Meinte Marsha, verabschiedete sich von den
anderen und ging zur Treppe. "Warte, ich komm mit. Bin auch müde." Rief
Kian ihr hinterher. Schnell wünschte er den anderen ebenfalls eine gute
Nacht und folgte Marsha, die auf ihn gewartet hatte, die Treppe herauf. An Marshas
Zimmer angekommen drehte sie sich um und meinte. "Dann schlaf gut. Bis später."
Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Ja du auch. Bis später." Antwortete
er, wartete bis sie die Tür hinter sich geschlossen hatte und ging dann
eine Tür weiter, wo sich sein Zimmer befand.
Kian warf sich auf das Bett und starrte an die dunkle Decke. Es war schon komisch.
Alle dachten, er und Marsha wollten was von einander, aber das war so ein ausgemachter
Blödsinn. Als würde er jemals was mit einer verheirateten Frau anfangen.
Er mochte Marsha, gar keine Frage, und vielleicht wenn sie nicht gebunden wäre...
Nein Kian, keine Was-wäre-wenn-Spielchen. Sie ist gebunden und damit Basta.
Ihr seid Freunde und damit genug, ermahnte Kian sich selbst. Er sprang wieder
auf, ging ins Bad und machte sich bettfertig, danach legte er sich ins Bett
unter die Decke und versuchte einzuschlafen. Aber seine Gedanken machten ihm
einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Wie schon die ganze letzte Woche,
wenn er im Bett lag, gingen seine Erinnerungen zurück an den Kuss bei sich
zu Hause. Egan hör jetzt auf, meckerte er innerlich über sich selbst.
Auf sich selbst wütend drehte er sich auf die Seite und kuschelte sich
ins Kissen. Wenn Marsha wüsste, welche Gedanken du hier hast, sie würde
dich glatt bis zum Mond schießen, dachte er. Aber er konnte nicht ahnen,
dass Marsha ebenfalls keinen Schlaf finden konnte und auch schlaflos im Bett
lag.
Am nächsten Morgen wurde Marsha von Stimmen auf dem Flur geweckt. "Ich
wette mit dir, sie haben in einem Zimmer übernachtet." Hörte sie Bryans
Stimme. "Na dann schau doch einfach mal nach." War jetzt Marks Stimme zu vernehmen.
Leise öffnete sich die Tür und Marsha schloss schnell ihre Augen und
wartete darauf, das sich einige Sekunden später die Tür wieder schloss.
"Also doch nicht. Ich hätte für wetten können." Bryans Stimme
konnte man anhören, das er enttäuscht war. "Also Jungs, ist das den
die feine englische Art, eine Frau beim schlafen zu beobachten?" kam nun die
etwas eisige Stimme von Kian. Marsha konnte sich das Lachen kaum noch verkneifen,
da sie sich die ertappten Gesichter von Bryan und Mark vorstellte. "Wir haben
dich gesucht." Versuchte Bryan sich aus der Lage zu retten. "Na, dann schaut
doch das nächste mal einfach in meinem Zimmer nach und nicht in dem von
Marsha." Erwiderte Kian. "Hey das ist eine richtig gute Idee." Fand auch Mark,
als wäre er nie selber drauf gekommen. "So und was wolltet ihr?" fragte
Kian nun nach. "Das Frühstück ist fertig. Ihr sollt runterkommen."
Hörte man von Mark. "Na dann kommen wir wohl gleich mal runter." "Ja, bis
gleich. Wir gehen schon mal vor." meinte Bryan und dann hörte man Schritte,
die sich entfernten. Dann klopfte es leise an der Tür. "Ja." Die Tür
wurde ein Spalt geöffnet und Kian schaute herein. Als er merkte das Marsha
bereits wach war und wohl die Sache mitbekommen hatte, wurde er etwas rot. "Komm
rein." Meinte Marsha aufmunternd. Kian öffnete die Tür ganz und trat
ein. "Guten Morgen. Na gut geschlafen?" meinte Kian nun lächelnd. Marsha
musste schlucken, wie Kian nur in Boxers und T-Shirt vor ihr stand. "Hm, ganz
gut. Ich hoffe du auch." Kian nickte. "Tut mir leid, wenn die Jungs dich geweckt
haben." Entschuldigte Kian sich für seine Freunde. "Das macht nix. War
witzig. Die scheinen sich ihrer Meinung ja echt ziemlich sicher zu sein." Lachte
Marsha jetzt leise. Kian setzte sich auf die Bettkante und grinste auch. "Aber
die ertappten Gesichter eben waren schon echt der Hammer. Ich musste mich echt
zusammenreißen, das ich nicht anfing zu lachen. Ach sollen sie doch glauben,
was sie wollen. Mehr wie sagen, das da nichts ist, können wir doch auch
nicht, oder?" "Genau. Deshalb verhalten wir uns jetzt nicht anders. Na los,
lass uns zusehen, das wir runterkommen sonst bleibt für uns nichts übrig."
"Ja, ich zieh mich drüben schnell an. Wartest du auf mich?" wollte Kian
wissen. "Klar, ich brauch ja auch ein paar Minuten." Kian gab Marsha noch schnell
einen Kuss auf die Wange und verschwand wieder zur Tür. "Bis gleich." "Ja
bis gleich." Antwortete Marsha und schwang sich aus dem Bett, um sich im Bad
fertig zu machen.
Nach zehn Minuten war sie bereits wieder im Zimmer und zog sich schnell was
an. Gerade als sie im Spiegel schaute um sich zu vergewissern, das sie ganz
ok aussah, klopfte es schon wieder an der Tür. "Ja." Rief Marsha und die
Tür öffnete sich. "Bist du soweit?" fragte Kian und Marsha nickte.
Gemeinsam gingen sie nach unten und vor dem Esszimmer ergriff Kian plötzlich
Marshas Hand. Sie schaute ihn verständnislos an, wobei er sie aber nur
angrinste. "Wollen wir sie mal etwas zum grübeln bringen. Das tun sie doch
am liebsten." Meinte er. Marsha musste jetzt auch lachen. "Mr. Egan, das ist
aber nicht die feine englische Art." "Nee, aber lustig." Und damit öffnete
er die Tür und ging hinein. "Guten Morgen Allerseits." Rief er in die Runde,
ging mit Marsha im Schlepptau um den Tisch herum, rückte ihr einen Stuhl
zurecht und setzte sich neben sie. Marsha wusste nicht, ob sie verlegen sein
oder bei den dummen Gesichtern lachen sollte. "Sag mal Bryan, was ich dich eben
schon fragen wollte. Hast du kein Zuhause mehr oder warum bist du schon wieder
hier?" flachste Kian. "Ähm... also...Kerry muss heute morgen arbeiten und
so hab ich mir meine Mädchen geschnappt und bin zum Frühstück
rüber gekommen." Erklärte Bryan und in diesem Moment wurde auch schon
die Tür vom Wohnzimmer aufgerissen und zwei Wildfänge stürzten
in Richtung Tisch. "Onkel Kian, Tante Marsha. Guten Morgen." Rief Molly noch
im Laufen und gab jedem der beiden einen Kuss auf die Wange. Lily kam etwas
unbeholfen hinterher und tat es ihrer großen Schwester nach. Dann machten
sie sich wieder ins Wohnzimmer, wo im Fernsehen ein Kinderfilm lief.
Sie saßen alle gemütlich beieinander, als es plötzlich an der
Tür klingelte. Geo sah Nicky fragend an. "Erwartest du noch jemanden?"
Nicky schaute in die Runde, als würde er überlegen, ob noch jemand
fehlt und schüttelte dann den Kopf. "Nee, eigentlich nicht. Ich geh mal
nachsehen, wer es ist." Er stand auf und ging in den Flur um zu sehen, wer an
der Haustür war. "Das glaub ich nicht." Rief er als er erkannte, wer an
der Tür stand. "Shane, Gil. Ihr seid schon zurück? Kommt rein." Freudestrahlend
nahm er seinen Freund in den Arm und drückte ihn ganz fest. Dann gab er
Gil einen Kuss auf die Wange. "Wie waren die Flitterwochen?" "Himmlisch." Antwortete
Gil verliebt lächelnd. Sie gingen ins Esszimmer und dann gab es ein weiteres
großes Hallo. Marsha hatte erst, nachdem alle von ihren Plätzen aufgestanden
waren , etwas verloren auf ihrem Stuhl gesessen. Jetzt kam Kian mit Shane zu
ihr und stellte beide einander vor. "Shane darf ich dir Marsha vorstellen. Marsha
das ist Shane." Shane schaute erst etwas verwirrt über das neue Gesicht
in der Runde, lächelte dann aber und gab Marsha einen Kuss auf die Wange.
"Schön dich kennen zu lernen. Willkommen in der Westlife-Familie. Darf
ich dir Gil, meine Frau vorstellen. Gil das ist Marsha. Eine Freundin von Kian."
"Hallo Gil." Nachdem die erste Wiedersehensfreude vorbei war, setzten sich wieder
alle an den Tisch und die beiden mussten alles von ihren Flitterwochen erzählen.
"Aber ihr wolltet doch eigentlich erst morgen wiederkommen?" bemerkte Mark.
"Tja, da meine Frau mich pleite geshoppt hat, konnten wir uns die letzten beiden
Nächte nicht mehr leisten." Flachste Shane und bekam gleich einen Rippenstoß
von Gil. "Es war doch wohl eher so, das mein Mann Sehnsucht nach seinen Freunden
hatte und mich die letzten Tage mächtig genervt hat. So sind wir gestern
Abend zurück gekommen und die erste Amtshandlung von ihm war, erst bei
Kian und dann bei Mark vorbeizufahren. Und dann trifft er keinen an. Pat Egan
hat ihm dann verraten, wo ihr seid. Und so musste ich heute morgen in aller
Frühe wieder aus dem Bett, um meinem Mann zu folgen." Stellte Gil die Angelegenheit
richtig und musste lachen. Shane wurde leicht rot und verlegen. Und so wussten
all, welche Story wahr war. "Ich kann also davon ausgehen, das ihr uns für
den Rest des Wochenendes beehrt?" wollte Geo lächelnd wissen. "Wenn es
euch recht ist und wir nicht stören." Meinte Shane hoffnungsvoll. "Natürlich
ist es uns recht, nur müssen wir dann die Zimmerverteilung umbauen." Lachte
Nicky und überlegte kurz. "Dann teilen sich Kian und Mark einfach ein Zimmer
und schon haben wir genug Platz." Meinte er dann. "Och nee, Mark schläft
immer so unruhig. Da krieg ich kein Auge zu." Meckerte Kian. "Dann muss einer
von euch halt auf den Sofa schlafen." Bemerkte Geo. Mark sah Kian an, so nach
dem Motto, tja dann viel Spaß auf dem Sofa. "Hey, du kannst doch auch
in meinem Zimmer mit übernachten. Das Bett ist doch groß genug."
Bemerkte jetzt Marsha, der es nicht recht war und komisch vorkam, wenn Kian
bei seinen Freunden auf dem Sofa schlafen sollte, während sie ein ganzes
Zimmer für sich hatte. Kian schaute sie erstaunt an und wusste nicht recht
was er sagen sollte. "Meinst du das ernst? Es macht mir aber nichts aus auf
dem Sofa zu schlafen." Meinte er dann. "Mir mach es aber was aus. Und ich habe
kein Problem damit, wenn wir uns das Bett teilen." Sagte Marsha dann mit Nachdruck.
"Na, wenn es dir wirklich nichts ausmacht, dann nehme ich das Angebot gerne
an." Gab Kian nach. "Schön, dann haben wir dieses Problem ja gelöst."
Meinte Nicky grinsend.
Nachdem sie das Frühstück beendet hatten, gingen Kian und Marsha nach
oben, damit Kian seine Sachen in Marshas Zimmer bringen konnte. "Und du hast
wirklich nichts dagegen wenn ich hier übernachte? Wollte Kian noch mal
wissen, als er seine Tasche abstellte. "Nein. Es ist kein Problem. Wir sind
doch erwachsen und werden uns nicht gegenseitig aus dem Bett schmeißen,
oder?" "Ich meinte ja nur. Schließlich bist du doch verheiratet." "Na
und, wir wollen ja nicht übereinander herfallen. Wir teilen lediglich das
Bett miteinander. Und das geht voll und ganz in Ordnung. Mach dir keine Gedanken."
Beschwichtigte Marsha Kian. "OK, dann ist gut." Grinste Kian jetzt .Nachdem
Kian sich etwas häuslich eingerichtet hatte, machten sie sich fertig. Mittlerweile
war es schon früher Nachmittag und man wollte bowlen gehen. Marsha entschied
sich für eine Jeans und einer Bluse. Ihre Haare brachte sie mit etwas Haarspray
in Form und legte etwas Make-Up auf. Das musste reichen. Gerade als sie das
Zimmer verlassen wollten, klingelte Marshas Handy. Sie kramte es aus ihrer Tasche
und nahm ab. "Ja?" "Hi, ich bin es mein Schatz." meldete sich ihr Mann. "Oh
hi. Na wie geht’s?" unbewusster weise verdrehte sie die Augen. "Von Stunde zu
Stunde besser, da du endlich bald wieder da bist." "Genau, übermorgen um
diese Zeit bin ich wieder zu Hause." Kian hatte sich wieder aufs Bett gesetzt
und beobachtete Marsha dabei, wie sie telefonierte. Irgendwie machte Marsha
das ziemlich nervös. "Schatz warte mal eben. Kian geh doch schon mal vor.
Ich komm gleich nach." Mit enttäuschte Miene zog Kian ab und Marsha nahm
das Gespräch wieder auf. "Wer war das denn gerade?" wollte Martin wissen.
"Ach jemanden, den ich hier kennen gelernt habe. Wir wollen gleich bowlen gehen
und er wollte mich abholen." Versuchte Marsha die Sache zu erklären, ohne
zu viel Wirbel zu machen. Er brauchte ja nicht die ganze Wahrheit wissen. Sie
redeten noch kurz miteinander und dann legte Marsha wieder auf. Schnell packte
sie das Handy wieder weg und ging nach unten.
Kian sah sie immer noch so komisch an, als sie das Wohnzimmer betrat. Sie wusste
nicht, was dieser Blick ihr sagen sollte. Kurz darauf brach man auf. Erst holten
sie noch Kians Auto wieder ab, das sie abends vorher vor dem Club hatten stehen
lassen. "Ich fahr bei Kian mit." Meinte Marsha zu den anderen, als sie dort
angekommen waren und Kian bereits ausgestiegen und auf dem Weg zu seinem Wagen
war. Er hatte während der ganzen Fahrt kein Wort mit ihr gesprochen und
sie hatte beschlossen, das sie ihn darauf ansprechen wollte. Sie musste wissen,
was er auf einmal hatte. So sprang sie aus Shanes Auto und lieft Kian hinterher.
"Kian warte, ich fahr mit dir." Rief sie. "Na wenn du meinst. Nicht das ich
wieder störe." Kam nur die brummelige Antwort. Zwischenzeitlich saßen
sie im Auto und Kian wollte schon starten, als Marsha ihre Hand auf seine legte.
"Kian, was ist los?" wollte sie jetzt wissen. "Nichts." Meinte er nur und wollte
wieder den Schlüssel umdrehen. "Ki. Das glaub ich dir nicht. Was ist los?"
bohrte Marsha nach. "Warum hast du mich eben weggeschickt?" fragte Kian jetzt
geradeheraus. Marsha überlegte einen kurzen Moment wegen dem Grund. "Ich
weiß es nicht. Irgendwie hat es mich nervös gemacht, das du mich
während des Telefonats beobachtet hast. Es war nicht böse gemeint.
Wirklich." Erklärte Marsha offen. Kian dachte kurz über ihre Erklärung
nach. "Und ich dachte schon, ich wäre dir doch lästig geworden und
würde dich stören." Meinte er dann. "Red keinen Unsinn. Du und mir
lästig werden... niemals." Lächelte Marsha und gab ihm einen Kuss
auf die Wange. "Dafür mag ich dich viel zu doll." Kian grinste jetzt auch.
Dann startete er den Motor und sie fuhren los.
Kurze Zeit später kamen sie an dem Bowling-Center an und wurden schon ungeduldig
erwartet. Sie teilten sich in zwei Gruppen auf. Shane, Gil, Nicky und Geo in
der einen Gruppe. Mark, Bryan, der seine Töchter zwischenzeitlich zu seinen
Eltern gebracht hatte, Kian und Marsha in der anderen Gruppe. Es war ein super
Nachmittag, wo sie viel lachten und auch diskutierten. "Strike!" rief Marsha
überglücklich, als sie zum x-ten Mal alle Pins auf einmal abgeräumt
hatte. Jubelnd lief sie zu den anderen und klatschte sie ab. "Sag mal Marsha.
Ich werde das Gefühl nicht los, das du das zuhause häufiger machst."
Bemerkte Shane, teilweise bewundernd aber auch misstrauisch. "Bowlen nicht direkt,
aber ich kegel alle vier Wochen." Erklärte Marsha achselzuckend. "Tja ihr
vier. Ich glaub, das wird nicht mehr so einfach uns zu schlagen." Meinte Kian
grinsend. "Das werden wir ja noch sehen. Es wird zum Schluss abgerechnet, Egan."
Erwiderte Nicky kampflustig. "Na dann bin ich ja mal gespannt." Lachte Mark.
Es endete wie es enden sollte, es gewann die Gruppe um Kian. Ein großer
Freudenausbruch folgte. Jeder umarmte jeden. "Es sollte halt so sein, ihr zahlt
die nächste Runde." Grinste Bryan. "Nächstes Mal holen wir uns halt
dann auch nen Profi als Hilfe." Meinte Shane mit einem Blick auf Marsha und
lachte. "Ich hatte einfach einen guten Tag erwischt." Rechtfertigte sich Marsha.
"Ja, ja. Wer es glaubt, wird selig." Meinte Nicky immer noch geknickt. Er konnte
einfach nicht verlieren. Danach setzten sie sich in das Restaurant des Bowling-Centers
und bestellten sich was zu trinken. "Ich glaub, ich könnt jetzt auch was
zu essen vertragen. Irgendwie hab ich Hunger." Meinte Bryan "Na, wann hast du
denn mal auch nicht Hunger?" flachste Kian. "Nicht das ich für Bryan Partei
ergreifen will, aber ich könnte jetzt auch was vertragen. Gewinnen macht
hungrig." Warf Marsha ein und Bryan streckte daraufhin Kian die Zunge heraus.
Da alle Appetit hatten, einigte man sich darauf, einfach dort was zu essen.
Danach ging es zurück zu den Byrnes, wo auch schon Kerry auf sie wartete.
Man wollte einen ruhigen Abend zu Hause gestalten, denn auf die Piste wollte
keiner so richtig, da sie morgen ja auch schon wieder losziehen wollten, um
Marshas Abschied zu feiern. Kian und Marsha machten sich daran, die DVD-Sammlung
zu durchforsten, in der Hoffnung, was vernünftiges zu finden. Geo brachte
gerade etwas Knabberkam ins Wohnzimmer, als sie die beiden dort diskutierend
sitzen sah. Sie waren wirklich ein niedliches Paar, auch wenn sie es nicht wahr
haben wollten. "Hey, was träumst du so vor dich hin." Meinte Nicky, der
mit Getränken hinter ihr auftauchte. "Ach nix, ich betrachte nur die beiden
da." "Sind schon süß die beiden, nicht?" meinte nun auch Nicky. "Hauptsache
es endet nicht mit Herzschmerz." Bemerkte Geo nur und ging nun ins Wohnzimmer.
Nicky schaute ihr irritiert hinterher. Was meinte sie damit, fragte er sich.
Es wurde ein richtig gemütlicher Abend. Alle lagen, während man sich
zwei Filme ansah, durch das ganze Wohnzimmer verteilt. Wer keinen Platz auf
dem Sofa gefunden hatte, legte sich entweder daneben oder davor. Marsha und
Kian hatten sich ihre Kopfkissen aus dem Schlafzimmer geholt und es sich vor
dem Sofa gemütlich gemacht. "Könntest du mir noch einen Schluck Wein
einschenken?" fragte Kian leise, um die anderen nicht zu stören. Marsha
nickte, nahm die Weinflasche von Tisch und schenkte ihm und sich selber noch
was ein. "Danke." Marsha lächelte ihn an und machte es sich wieder gemütlich.
"Könntest du mir die Schale mit den Erdnüssen rüberreichen?"
fragte er nun grinsend. "Sag mal, bin ich deine Emma?" fragte Marsha gespielt
entrüstet. "Ich mag es einfach nur, wenn man mich verwöhnt." Kam prompt
die Antwort. Lachend knuffte sie ihn die Seite. "Vielleicht sollten wir mal
die Seiten tauschen. Dann kannst du mich ja auch mal verwöhnen." "Och nö,
das ist nicht lustig. So gefällt es mir viel besser." Lehnte Kian grinsend
ab. "Macho." Erwiderte Marsha lediglich und widmete sich wieder dem Film. Kian
lachte immer noch leise und bekam deswegen nochmals einen bösen Blick von
Marsha zugeworfen. Kurz vor Ende des zweiten Films fielen Marsha die Augen zu
und sie nickerte etwas ein. Kian fiel das auf und so betrachtete er sie eingehend
dabei. Sie sieht wirklich süß aus wenn sie schläft, dachte er
so und schalte sich selber. Lass diese Gedanken, sonst werden die beiden nächsten
Nächte länger als die lieb ist. "Hat jemand Lust auf eine Runde Billard?"
fragte Nicky plötzlich. Marsha zuckte zusammen und öffnete verwirrt
die Augen. "Gute Idee, ich bin dabei." Meinte Kian. Shane nickte ebenfalls und
Mark sprang auch auf. "Schatz was meinst du, wollen wir beide nach Hause. Ich
bin müde." Meinte Bryan zu Kerry. Sie stimmte zu und so wurden die beiden
verabschiedet. Gilian und Geo waren auch müde und zogen sich zurück.
"Ich schau euch ein wenig zu." Meinte Marsha dann. So gingen sie ins Billardzimmer
wo die Jungs sich um den Tisch herum scharrten. Marsha setzte sich in einen
der Sessel und betrachtete das Treiben. "Möchtest du vielleicht gleich
auch eine Runde mitspielen? Dann setzt einer von uns aus." Fragte Shane Marsha
nach einer Weile. "Nee, lass mal. Mir reicht es schon, euch dabei zu zusehen.”
Antwortete Marsha lächelnd und schaute weiter zu.
Sie musste wieder eingeschlafen sein, denn plötzlich strich ihr jemand
sacht über die Haare. Sie schrak auf und sah in Kians lächelndes Gesicht.
"Ich glaub dein Bett ruft." Hm, sieht wohl so aus." "Na los, lass uns nach oben
gehen." Marsha nickte und rappelte sich hoch. Sie wünschte den anderen
noch eine gute Nacht und schlürfte die Treppe hoch. Im Zimmer angekommen
meinte sie dann. "Ich geh dann mal als erstes ins Bad." "Ja ist in Ordnung."
Antwortete Kian. Marsha schnappte sich ihren Schlafanzug und schlürfte
ins Bad. Nachdem sie sich gewaschen und umgezogen hatte ging sie zurück.
Kian saß auf dem Bet und blätterte durch eine Zeitschrift. "Bin fertig.
Kannst jetzt." Meinte Marsha und ließ sich aufs Bett fallen. "OK, bis
gleich." Meinte Kian lächelnd und ging ins Bad. Marsha krabbelte und ihre
Decke und wartete darauf, das Kian zurückkam. "Du bist ja noch wach." Fiel
Kian auf, als er wieder das Zimmer betrat und krabbelte auch unter seine Decke.
Marsha machte das Licht aus und meinte dann. "Gute Nacht, schlaf gut." "Hm du
auch." Aber irgendwie konnte Marsha nicht mehr einschlafen. Ihr war gerade so
richtig bewusst geworden, das sie mit Kian Egan von Westlife in einem Bett lag.
Es war irgendwie ein schönes Gefühl mit einem so begehrtem Mann in
einem Bett zu liegen. Wie er sich wohl anfühlte, fragte sie sich. Marsha,
hör auf damit, es ist doch egal. Es kann dir so was von egal sein, versuchte
Marsha sich zur Vernunft zu bringen. Auch Kian konnte nicht einschlafen. Die
Gewissheit, das da jemand neben ihm lag, lies ihn nicht zur Ruhe kommen. Er
versuchte sich zumindest einzureden, das es im allgemeinen darum ging, das da
überhaupt jemand lag und nicht um die Person selbst. Wie sie sich wohl
anfühlt, fragte er sich. Oh Mann Egan, vergiss es ganz schnell wieder.
Sonst schläfst du nie ein. Er hörte wie Marsha seufzte. "Kannst du
nicht einschlafen? Fragte er leise. "Nee, irgendwie noch nicht wirklich. Du
anscheinend auch nicht." Kam es genauso leise von ihr. "Warum kannst du nicht
einschlafen?" "Mir ist eben richtig bewusst geworden, das ich mit einer ziemlich
berühmten Person im Bett liege. Das macht mich nervös." Kicherte Marsha.
"Echt? Mit wem denn?" Kian konnte sich einen Grinsen nicht verkneifen. "Ha,
ha, ha. Sehr witzig.” "Ich bin auch nur ein ganz normaler Mensch. Das muss dich
nicht nervös machen." "Hm, vielleicht hast du Recht. Und warum kannst du
nicht schlafen?" "Weiß nicht, vielleicht liegt es daran, das ich es nicht
mehr so gewöhnt bin, das jemand neben mir liegt." Die ganze Wahrheit traute
er sich nicht zu sagen. Er wusste ja nun mal nicht wie sie darauf reagieren
würde. Sie lagen eine Zeitlang ganz still nebeneinander und Marsha dachte
schon, Kian wäre jetzt doch schon eingeschlafen. Aber dem war nicht so,
er quälte sich immer noch mit dem Gedanken, wie sie sich wohl anfühlte.
Wie gerne würde er sie in den Arm nehmen. Gut er hatte sie schon häufiger
umarmt. Aber das war was anderes. Vielleicht wenn er so tun würde, als
würde er im Schlaf seinen Arm um sie legen. Wenn sie den Arm dann wegschieben
würde, dann wäre es nicht so peinlich. Er grübelte noch einige
Zeit drüber nach, ob das so eine gute Idee sei. Er grübelte auch über
die Gründe, warum er so erpicht darauf war, sie ganz nach bei sich zu spüren.
Er kam zu keinem Ergebnis oder wollte es sich nicht eingestehen. Dann nahm er
allen Mut zusammen, drehte sich zu ihr um und legte einen Arm um ihre Taille.
Im ersten Moment war Marsha erschrocken und versteifte sich. War er jetzt wach
oder schlief er, fragte sie sich. Aber er atmete ganz ruhig weiter, also schien
er es im Schlaf getan zu haben. Das fand sie irgendwie süß und entspannte
sich wieder. Oh nein, sie verspannt sich, dachte Kian. Versuchte aber ganz ruhig
weiter zu atmen und wartete darauf, dass sie seinen Arm wegdrückte. Aber
das geschah nicht. Marsha entspannte sich nach einem kurzen Augenblick wieder.
Es war wirklich ein schönes Gefühl, dachte Kian und als er merkte
das sie fast unmerklich näher rückte, zog er sie fester an sich. Marsha
genoss die Umarmung und fühlte sich so geborgen, dass sie noch etwas näher
an ihn ranrückte. Sollten sie am Morgen noch immer so liegen, dann konnte
sie seinen Arm ja immer noch wegdrücken. So schlief sie dann auch Minuten
später ein. Einen kurzen Moment konnte auch Kian die Umarmung noch genießen,
bevor auch ihn der Schlaf übermannte.
Marshas Plan, Kians Arm am nächsten Morgen an die Seite zu schieben, ging
leider in die Hose. Sie bekam nur mit, wie die Tür aufgerissen wurde und
Nicky rief "Guten Morgen ihr Turteltauben. Frühstück steht auf dem
Tisch." Und schon wurde die Tür schon wieder zu gemacht. In Bruchteilen
von Sekunden fiel ihr auf, das nicht mehr Kian den Arm um sie gelegt hatte,
sondern sie sich an ihn geschmiegt, einen Arm um seinen Bauch gelegt hatte und
mit ihrem Kopf auf seiner Schulter lag. Noch bevor sie sich schnell wieder auf
ihre Bettseite retten konnte, hielt Kian sie sacht fest und meinte verschlafen
"Guten Morgen. Gut geschlafen?" Shit, shit, shit, dachte Marsha. Hauptsache
er dachte jetzt nicht, sie hatte sich an ihn heranmachen wollen. Im ersten Moment
war er etwas irritiert gewesen zu spüren, das jemand in seinem Arm lag,
aber dann hatte sich so ein wohliges Gefühl in ihm ausgebreitet. Deswegen
hatte er auch nicht zulassen wollen, das sie wegrückte. "Guten Morgen.
Ich denke ich habe geschlafen wie ein kleines Baby und du?" antwortete Marsha
verlegen. "Mit so einer schönen Frau im Arm kann man nur gut schlafen."
Murmelte Kian lächelnd und gab ihr einen leichten Kuss auf die Stirn. "Sorry,
ich wollte dir nicht zu nah kommen. Und außerdem hast du angefangen. Schließlich
hast du letzte Nacht deinen Arm um mich gelegt." Versuchte Marsha sich zu verteidigen.
Kian musste grinsen. "Wie jetzt echt? Sorry, war keine Absicht." Tat er unschuldig.
"Aber wie auch immer. Erstens bist du mir nicht zu nah gekommen und zweitens
fand ich e schön." Gab er jetzt zu. "Hm, find ich auch." Meinte Marsha
und rückte noch etwas näher an ihn ran. "Das Problem ist glaub jetzt
nur noch, das Nicky uns gesehen hat. Da wird es doch wieder Sprüche hageln."
Meinte Kian mit einem schiefen Grinsen. "Ach lass sie reden. Mir egal." Erwiderte
Marsha nur. "Mir auch. Und was meinst du, wollen wir freundlichen Einladung
von Nicky folgen und frühstücken gehen?" fragte Kian. Als Zustimmung
knurrte Marshas Magen. "Das war wohl ein eindeutiges Ja." Meinte Kian darauf
nur trocken und beide fingen an zu lachen. Marsha löste sich aus Kians
Umarmung und krabbelte aus dem Bett. Nachdem sie im Bad fertig war, ging Kian
sich waschen. Als beide soweit waren, gingen sie zusammen nach unten ins Esszimmer.
Dort wurden sie schon von allen bis auf Mark erwartet. Der lag noch im Bett
und weigerte sich aufzustehen. "Na habt ihr gut geschlafen?" fragte Nicky mit
einem wissenden Grinsen im Gesicht. "Bestens." Meinte Kian und grinste genauso
dämlich zurück. "Und was machen wir heute schönes?" wollte Marsha
wissen und somit ein wenig vom Thema ablenken. "Kerry hat angerufen und uns
alle zum Kaffe eingeladen. Und heute Abend ziehen wir um die Häuser und
feiern deinen letzten Abend hier bei uns." Meinte Geo. "Hm, hört sich verdammt
gut an." Erwiderte Marsha und biss genüsslich von ihrem Brötchen ab.
Nachdem sie fertig waren mit frühstücken, saßen sie noch eine
Weile zusammen und unterhielten sich. Irgendwann kam auch Mark ziemlich verschlafen
ins Zimmer gestapft und frühstückte.
Es war schon nach Mittag als Marsha sich nach oben verzog. Sie wollte erst mal
ausgiebig duschen, bevor sie zu den McFaddens fuhren. Sie genoss es richtig,
lange unter dem warmen Wasserstrahlen zu stehen. Sie dachte wieder an das angenehme
Gefühl heute morgen, in Kians Armen aufzuwachen. Genauso dachte sie auch
wieder an den Kuss vor einigen Tagen. Er war so angenehm gewesen und hatte Lust
auf mehr gemacht. Diese Gedankengänge machten ihr Angst. Immerhin liebte
sie ihren Mann und würde ihm nicht fremdgehen wollen, oder? Ihr wurde klar,
das sie höllisch aufpassen musste, damit sie keinen fatalen Fehler beging.
Gott sei Dank würde sie morgen abreisen, damit wäre die Gefahr etwas
schlimmes zu tun gebannt. Als sie die Dusche abstellte und hinausstieg fiel
ihr auf, das sie was im Zimmer vergessen hatte. Schnell schlang sie sich ein
Handtuch um den Körper und huschte aus dem Bad. Sie beugte sich gerade
ein Lied summend über ihren Koffer, um dort einen Slip herauszufischen,
als hinter ihr eine Stimme ertönte. "Bist du fertig, kann ich ins Bad?"
Marsha zuckte zusammen und fuhr herum. Kian lag auf dem Bett und blätterte
in einer Zeitschrift. Jetzt sah er sie mit einem komischen Ausdruck in den Augen
an. "Oh Mann, hast du mich erschreckt. Hab gar nicht mitbekommen, das du dort
liegst. Gib mir zehn Minuten, dann ist das Bad frei." Meinte Marsha und flüchtete
wieder ins Bad. Warum hatte er sie so angesehen, fragte sie sich. Schnell machte
sie sich fertig und ging mit den Utensilien, die sie fürs Frisieren und
Schminken brauchte, wieder ins Zimmer. Kian lag noch immer auf dem Bett mit
der Zeitschrift vor sich, schien aber nicht wirklich drin zu lesen. "Ist die
Zeitung nicht so interessant?" fragte Marsha, bekam aber keine Antwort. "Kian?
Alles in Ordnung?" versuchte sie es noch einmal. "Hm, was?" Kian schreckte hoch
und schaute zu ihr herüber. "Ach nix, vergiss es. Das Bad ist jetzt frei."
Marsha lächelte ihn an und stellte sich vor den Spiegel. Kian betrachtete
sie, wie sie nur in Jeans und BH vor dem Spiegel stand und sich die Haare machte.
"Oh Mann, du wirst mir so langsam echt gefährlich." Murmelte er, stand
auf und wollte ins Bad gehen. "Was hast du gesagt?" fragte Marsha, die das Murmeln
mitbekommen hatte, aber nicht verstanden hatte was es heißen sollte. "Nix,
schon gut." Redete Kian sich leicht rotwerdend heraus und ging ins Bad. Marsha
schaute ihm verwundert hinterher, zuckte mit den Schultern und machte weiter.
Eine halbe Stunde später kam Kian wieder aus dem Bad, fertig geduscht und
gestylt, aber leider nur in Boxers. Marsha schaute ihn kurz an, schluckte und
sah dann schnell wieder auf ihr Handy runter, wo sie gerade eine SMS beantwortete,
die sie erhalten hatte. Dabei bemerkte sie, wie ihre Finger leicht zitterten.
Als sie wieder hochsah, stand Kian in Jeans vor seiner Reisetasche und schaute
zweifelnd rein. "Suchst du was?" wollte Marsha wissen. "Ich kann mich nicht
entscheiden." "Was hast du denn zur Auswahl?" Kian zog zwei Shirts aus der Tasche
und hielt sie hoch. Marsha betrachtete beide und zeigte dann auf das linke.
"Nimm dies." "OK, wenn du das sagst." Kian lächelte. Hauptsache du ziehst
dir überhaupt was an, du machst mich rasend mit deinem nackten Oberkörper,
dachte Marsha. Wieder piepte ihr Handy und so wurde sie abgelenkt. Ihr bester
Freund aus Deutschland erkundigte sich nach ihrem Befinden. Marsha musste lächeln
über so viel Fürsorge. "Dein Mann?" fragte Kian. Marsha schüttelte
den Kopf. "Nee, mein bester Freund." Erwiderte sie. Plötzlich klopfte es
an der Tür. "Ja?" meinte Kian. Die Tür ging auf und Nicky stand im
Zimmer. "Wir wollen bald los. Seid ihr soweit?" "Ja, sicher. Wir kommen sofort
runter." Antwortete Kian und Marsha nickte zustimmend. "Gut, dann bis gleich."
Damit war er schon wieder verschwunden. Marsha schnappte sich ihre Tasche und
Jacke während Kian sich sein Handy und sein Portemonaie vom Tisch nahm.
"Fertig. Können wir?" fragte er. Marsha nickte. "Dann auf zu den McFaddens."
Es war ein richtig schöner, gemütlicher Nachmittag. Marsha spielte
viel mit den beiden Mädchen, die sie gleich in Beschlag genommen hatten.
Nach dem Kaffeetrinken hatten sie sich ins Wohnzimmer verzogen, da man dort
gemütlicher sitzen konnte, laut Kerry. Marsha kam mit Molly aus deren Zimmer
und betrat das Wohnzimmer. Sie schaute lächelnd auf die anderen und suchte
nach einem freien Platz, wo sie sich hinsetzen konnte. "Hey komm zu mir. Setz
dich auf meinen Schoss." Meinte Kian. "Quatsch, ich bin doch viel zu schwer."
Lehnte Marsha ab. "Na das lass mal meine Sorge sein." Kian ergriff ihre Hand
und zog sie zu sich, bis sie auf seinem Schoss saß. "Aber wenn ich zu
schwer werde, sag Bescheid. Ich kann mich auch woanders hinsetzen." Wand Marsha
noch mal ein. "Versprochen." Meinte Kian und legte beide Arme um sie. Marsha
versuchte sich irgendwie auf die Gespräche zu konzentrieren, was aber bei
den Blicken der anderen und den gleichzeitigen Berührungen von Kian nicht
einfach war. Nicky bekam das Grinsen nicht mehr aus seinem Gesicht und selbst
Shane warf ihnen immer wieder wissende Blicke zu. Marsha wusste, das es eigentlich
besser gewesen wäre Abstand zu Kian zu nehmen, nicht nur um sich vor diesen
Blicken zu retten, auch wegen ihren Gefühlen und dem dazu kommenden schlechten
Gewissen, aber es tat so gut, jemanden nah bei sich zu haben, der sie verstand
und so akzeptierte.
Kerry hatte allen das Versprechen abgenommen, zum Abendessen zu bleiben bevor
man in den Pub fuhr. Und so standen die Mädels irgendwann in der Küche,
wo sie kleine Häppchen zubereiteten. Kerry und Gil gingen irgendwann den
Tisch decken und so blieben Marsha und Geo in der Küche allein zurück.
"Ich finde es erstaunlich, wie vertraut ihr beiden miteinander umgeht." Meinte
Geo. "Wir mögen uns sehr. Kian ist mir in dieser kurzen Zeit ein sehr guter
Freund geworden." Antworte Marsha mit einem unbehagtem Gefühl. "Mehr nicht?"
fragte Geo mit einem Lächeln. "Ich hoffe sehr, dass da nicht mehr ist.
Ansonsten hätten wir beide wohl ein großes Problem. Ich bin verheiratet
und eigentlich liebe ich meinen Mann." "Ihr seid erwachsene Menschen. Ich denke
ihr müsst wissen was richtig ist und was es eventuell für Konsequenzen
hätte, egal was ihr macht." "Das hoffe ich sehr." In diesem Moment kamen
Kerry und Gil zurück und das Gespräch verebbte. Gleichzeitig sprach
Shane Kian auf Marsha an. "Jetzt sei mal ehrlich, was läuft das zwischen
dir und Marsha?" "Wie oft soll ich es denn noch sagen? Nichts. Es läuft
rein gar nichts zwischen uns." Kian verdrehte genervt die Augen. "Aber du wärst
nicht abgeneigt?" es war mehr eine Feststellung als eine Frage. "Das tut doch
nichts zur Sache. Es war nichts, es ist nichts und es wird nie was sein." Na
ja, ihr macht das schon." Erwiderte Shane lapidar und grinste nur.
Nach dem Essen machten sie sich auf den weg in einen Club, um so richtig abzufeiern,
bevor es für Marsha morgen für nach Hause ging. Der Alkohol floss
in Strömen und alle waren sehr ausgelassen. Marsha musste allen mehrmals
versprechen, das man sich nicht aus den Augen verlor und das sie bald mal wieder
nach Irland kam. Sie tanzte noch mal mit jedem der Jungs und war wirklich froh
diese Reise unternommen zu haben. Sie war wieder glücklich und konnte ihrem
weiteren Leben wieder mit offenen Augen und Herz entgegensehen. Es war schon
nach zwei Uhr nachts, als sie wieder bei Nicky ankamen. Alle waren ziemlich
angetrunken und waren sehr aufgekratzt. Es wollte noch niemand wirklich ins
Bett und so gingen alle ins Wohnzimmer herüber und verteilten sich auf
den Sofas. Kian schaute nebenbei auf sein Handy und stutzte. "Ich geh mal eben
telefonieren. Bin gleich wieder da." Meinte er dann und ging ins Obergeschoss.
Als er nach einer halben Stunde noch nicht zurück war, machte Marsha sich
so langsam ihre Gedanken. War er womöglich ins seinem angetrunkenen Zustand
bereits eingeschlafen. "Ich geh mal nachsehen, wo Kian bleibt." Erklärte
sie in die Runde und ging Kian nach. Als sie ins Zimmer kam, saß Kian
auf dem Bett und starrte aus dem Fenster. "Kian? Alles in Ordnung?" fragte Marsha
nach. Kian drehte den Kopf herum und sie sah Tränen in seinen Augen. "Gott,
was ist passiert?" Marsha war mit ein paar Schritten bei ihm und setzte sich
neben ihm aufs Bett. "Mum hat versucht mich zu erreichen. Dad ist noch mal operiert
worden. Seine alte Operationswunde hatte sich entzündet." "Und wie geht
es ihm jetzt?" Marsha legte ihren Arm um Kian und versuchte ihn zu beruhigen.
Kian war völlig aufgelöst und zitterte. "Den Umständen entsprechend
ganz gut. Ich hab nur so wahnsinnige Angst um ihn." Kian konnte die Tränen
nicht mehr zurück halten. Marsha drehte sich zu ihm hin und nahm ihn ganz
fest in die Arme. "Es wird wieder gut. Vertrau mir." Flüsterte sie ihm
zu. Nach einigen Minuten versiegten seine Tränen und er wurde ruhiger.
Er hob seinen Kopf und sah Marsha tief in die Augen. "Danke." Meinte er dann
nur. "Hey dafür sind Freunde doch da." Marsha lächelte ihn an.
Kian sah ihr immer wieder tief in die Augen und sein Gesicht schien immer näher
zu kommen. Marsha konnte sich der Stimmung, die plötzlich zwischen den
beiden herrschte nicht entziehen. Vielleicht lag es am Alkohol, den beide an
diesem Abend genossen hatten oder daran, dass sie sich so nah standen, als Marsha
Kian getröstet hatte. Seine Lippen waren nur noch Millimeter von ihren
entfernt und sie wusste was passieren würde. Ganz sachte berührten
sich ihre Lippen, so als würde Kian auf ihren Einspruch warten. Aber als
der nicht kam, legte er ihr eine Hand in den Nacken und zog sie noch näher
an sich heran, um den Kuss zu vertiefen. Es war nichts mehr wichtig, außer
das sie seine Lippen auf ihren spürte, der Rest war innerhalb von einer
Sekunde egal geworden. Sie dachten nicht mehr an die Konsequenzen, die ihr Handeln
mit sich bringen würde, sie wollten nur noch spüren. Seine Zunge strich
langsam über ihre Lippen, damit sie diese öffnete. Diesem Drängen
gab sie nur zu gerne nach. Es war wieder wie beim ersten Kuss, dieses Begehren
vermischt mit dem schlechten Gewissen. Doch diesmal gewann die Lust. Unter seinen
Berührungen wurde ihr warm. Er war so einfühlsam und zärtlich.
Plötzlich kam ihr ein Gedanke. Sie löste sich zärtlich von ihm,
worauf er ihr einen fragenden Blick zuwarf. Marsha stand auf, lächelte
und ging auf die Zimmertür zu. Dort drehte sie den Schüssel im Loch
um und ging wieder zurück zu ihm. Er saß noch immer auf der Bettkante
und sie stellte sich zwischen seine Beine. Langsam strich er ihr mit seinen
Händen an den Schenkeln hoch und legte sie auf ihre Hüften. Sie beugte
sich zu ihm herunter und begann ihn zu küssen. Dabei strich sie ihm zärtlich
durchs Haar. Dann stützte sie jeweils ein Knie an der Seite von Kian und
ließ sich auf seinen Schoß sinken. Dabei bemerkte sie, das ihn die
Küsse nicht unberührt ließen, was sie noch mehr anstachelte.
Langsam ließ sie ihre Hände vom Nacken über seine Brust wandern,
bis sie am Bund des Shirts ankam. Dort glitten ihre Hände unter das Shirt
und streichelten seine warme weiche Haut. Ein leichtes Stöhnen entrann
seiner Kehle und er hielt ihre Hände fest. "Du weißt, das wir mächtig
mit dem Feuer spielen. Wir sollten das nicht tu...." versuchte er mit heiserer
Stimme ein letztes Mal an ihrer beiden Gewissen zu appelieren. Marsha legte
ihm den Zeigefinger auf die Lippen und schüttelte leicht mit dem Kopf.
"Es ist unausweichlich, wenn nicht heute, dann passiert es ein anderes Mal.
Wir können nichts dagegen tun." Flüsterte sie nur. Jetzt strich sie
sanft mit ihren Daumen über Kians Lippen und machte ihn damit wahnsinnig.
Kian nickte über das Gesagte, legte seine hand wieder in ihren Nacken und
zog sie näher an sich heran, damit sie in einen leidenschaftlichen Kuss
versinken konnten. Marshas Hände wanderten wieder unter sein Shirt, zog
es ihm über seinen Kopf und schmiss es weg. Gleichzeitig nesselte Kian
an den Knöpfen ihrer Bluse und als er alle geöffnet hatte ließ
er sie von ihren Schultern gleiten. Er zog sie wieder näher an sich heran
und begann leichte Küsse in die Halsbeuge zu setzen. Langsam wanderten
seine Lippen tiefer über ihre Schultern, wo er langsam die Träger
ihres BHs zur Seite schob bis zu ihren Brüsten. Scharf zog Marsha die Luft
ein und schloss die Augen. Mit einer unerträglichen Ruhe öffnete er
genüsslich den Verschluss ihres BHs und ließ ihn auf den Boden sinken.
Marsha ertrug diese süße Qual nicht länger und mit sanften Druck
legte sie beide Hände auf seine Brust und drückte ihn nach hinten,
so dass er auf dem Rücken lag und sie mit einem Blick ansah, bei dem ihr
bewusst wurde, dass er sie zumindest in diesem Moment sehr begehrte. Sie ließ
langsam ihren Kopf auf seine Brust sinken, begann verführerisch und langsam
die warme Haut zu küssen und knabberte genüsslich an seinen Brustwarzen.
Kian fing an zu stöhnen und schloss die Augen bis er es nicht mehr aushielt
und sie mit einem Ruck aufs Bett drehte und sich halb auf sie legte. "Du machst
mich wahnsinnig." Flüsterte er und Marsha lachte leise. "Das war auch meine
Absicht." Antwortete sie. "Aber wie heißt es so schön, was du kannst,
kann ich schon lange." Meinte er und fing an, ganz leicht über ihre Brüste
zu streicheln, langsam tiefer zu ihrem Bauch bis in den Bund ihrer Jeans, dabei
ließ er seine Lippen den Händen folgen. Marsha bekam eine Gänsehaut
nach der anderen und schloss seufzend die Augen, um das ganze noch mehr in sich
aufzunehmen. Bedächtig öffnete Kian die Knöpfe ihrer Jeans und
zog sie über ihre Hüften, bevor sie bei den anderen Sachen landete.
Marsha tat es ihm nach, in dem sie seine Jeans vom Körper strich und die
Boxers gleich folgen ließ. Leidenschaftlich verschlossen sich ihre Lippen,
als wollten sie sich nie wieder von einander trennen und Marsha strich fahrig
mit ihren Händen über seinen Körper hinab zu seiner empfindlichsten
Stelle, legte sanft ihre Hand um seine pulsierende Männlichkeit und begann
ihn zu streicheln. "Oh Gott, was machst du mit mir?" stöhnte er, schloss
seine Augen und presste seine Lippen wieder auf ihre. Langsam ließ er
seine Lippen abwärts gleiten über ihren hals, ihren Brüsten,
über ihren Bauch bis hin zu ihrem Lustzentrum. Marsha Kehle entrann ein
lautes Stöhnen, bevor sie sich auf die Lippen biss. Langsam zog sie ihn
wieder zu sich hoch und meinte heiser. "Ich will dich - jetzt."
Einige Zeit später lagen sie immer noch schwer atmend aneinander gekuschelt
im Bett und jeder hang seinen Gedanken nach. Nach der Lust kam jetzt doch das
schlechte Gewissen bei Marsha wieder hoch, aber sie versuchte es noch zu unterdrücken.
Sie wollte das eben erlebte sich nicht verderben lassen, dafür war es einfach
zu schön gewesen. Kian lag mit geschlossenen Augen da und dachte über
die Konsequenzen nach, die sein und auch Marshas handeln nach sich ziehen würde.
Er hätte seinem Begehren nicht nachgeben dürfen, obwohl er es nicht
bereute. Aber sie hatten sich jetzt in eine Lage gebracht, die alles andere
als leicht war. Nicht nur das sie einen Menschen hintergangen hatten, hatten
sie nicht auch ihr Freundschaft aufs Spiel gesetzt? Kian war klar, das sie einiges
zu klären hatten, aber jetzt wollte er es nicht kaputt reden. Das musste
bis morgen warten. "Geht es dir gut?" fragte er Marsha leise. "Hm, mir geht
es bestens und dir?" kam die Frage leise zurück. "Es ging mir selten besser."
Grinste er. Marsha schaute hoch und lächelte zurück. Dan kuschelte
sie sich wieder in seine Arme und schloss die Augen. Seicht streichelte sie
mit ihrer Hand über seine Brust und genoss einfach nur die Nähe zu
ihm. Sie merkte gar nicht, das ihre Augen immer schwerer wurden und sie sanft
in den Schlaf fiel. Kian lag noch einige Zeit so da und dachte über alles
nach, bis auch er einschlummerte.
Marsha wurde zeitig wach und bemerkte, das sie noch immer in Kians Armen lag.
Sie erinnerte sich an die letzte Nacht und was sie getan hatten. Mit voller
Wucht prasselte nun das schlechte Gewissen auf sie ein. Gott, was hatten sie
getan? Ihr wurde regelrecht übel, als sie daran dachte, was das für
Konsequenzen haben konnte. Sie hatte ihre Ehe aufs Spiel gesetzt ohne mit der
Wimper zu zucken. Sie hatte ihre neuen Freunde belogen und betrogen. Wir sind
nur Freunde, dach sie an ihre ewigen Behauptungen. Und Kian? Was mochte er jetzt
von ihr denken? Jetzt im Licht des neuen Tages sah alles ganz anders aus. Oh
Mann ,was hatte sie sich da eingebrockt und das für eine kurze Zeit Spaß
und Begehren. Wie konnte man nur so blöd sein. Was sollte sie jetzt tun?
Keinem konnte sie mehr unter die Augen treten. Sie hatte nur noch einen Gedanken
- sie musste ihr so schnell wie möglich weg, bevor irgendjemand aufwachte.
Es war bestimmt nicht fair von ihr, aber sie konnte nicht anders. Ganz vorsichtig
machte sie sich aus Kians Armen frei, stand auf und huschte ins Bad. Unter die
Dusche traute sie sich nicht, sie wollte keinen Lärm machen. Schnell wusch
sie sich, kämmte sich kurz durchs Haar und zog sich an. Leise räumte
sie ihre Kosmetiksachen ein und als sie ihren Lippenstift in der Hand hatte,
kam ihr eine Idee. Schnell schrieb sie was auf den Spiegel und packte dann auch
den Lippenstift weg. Dann huschte sie leise zurück ins Zimmer und schnappte
sich die restlichen Sachen. Als sie alles zusammen hatte, fiel ihr Blick ein
letztes Mal auf Kian, der selig im Bett vor sich hinschlummerte. Bei dem Gedanken,
ihn so zu verlassen, stiegen ihr die Tränen in die Augen. Aber bevor sie
schwach wurde verlies sie schnell das Zimmer. Sie war heilfroh, das sie gestern
schon soweit alles zusammengepackt hatte. Als sie unten angekommen war, horchte
sie erst mal, ob noch irgendwer wach war, aber es war alles ganz ruhig im Haus.
Dann rief sie sich leise ein Taxi, das sie zum Flughafen bringen sollte. Ganz
leise stand sie im Flur und hoffte, das jetzt niemand herunterkam. Das Herz
klopfte ihr bis zum Hals. "Jetzt komm schon, du blödes Taxi." Murmelte
sie. In diesem Moment sah sie das Taxi vorfahren. "Gott sei Dank."
Zur gleichen Zeit wurde Kian oben im Zimmer wach. Langsam öffnete er die
Augen und sah neben sich. Die Seite, wo Marsha gelegen hatte war leer. Komisch,
dachte er und horchte, ob sie wohl schon unter der Dusche stand. Aber aus dem
Bad kam kein Geräusch. Vielleicht war sie ja schon nach unten gegangen.
Ihm fiel die letzte Nacht wieder ein. Sie hatten miteinander geschlafen. Ihm
war klar, das das kein Meisterstück von ihm gewesen war, aber er hatte
nicht anders gekonnt. Zu stark war das Verlangen gewesen. Bei Marsha muss es
genauso gewesen sein, denn ansonsten hätte sie sich darauf nie eingelassen.
Kian konnte trotzdem ahnen, in welchem Gewissenskonflikt sich Marsha jetzt befinden
musste, immerhin hatte sie ihren Mann betrogen und er konnte sich vorstellen,
das es ihr nicht egal war. Die Nacht war wunderschön gewesen und Kian fragte
sich, wie es jetzt wohl zwischen ihm und Marsha weitergehen sollte. Konnten
sie immer noch Freunde bleiben? Sein Blick ging durchs Zimmer und er wunderte
sich. Irgendetwas war anders. Nach genauerem Hinsehen fiel es ihm wie Schuppen
von den Augen. Marshas Sachen waren weg. Schnell sprang er aus dem Bett und
lief ins Bad. Auch dort war nichts mehr von ihren Sachen. Etwas im Spiegel eroberte
seine Aufmerksamkeit. "Sorry" stand dort. In diesem Moment hörte er wie
unten die Haustür ins Schloss fiel. Er hechtete zum Fenster und sah gerade
noch, wie Marsha einen letzten Blick auf das Haus warf, dann in ein Taxi stieg
und wegfuhr. Das konnte sie doch nicht machen, ohne ein einziges Wort abzuhauen.
Es war, als würde ihm jemand den Boden unter den Füßen wegziehen.
Wie von Taranteln gestochen suchte er sich seine Sachen zusammen, zog sich an
und rannte aus dem Zimmer. Auf dem Flur stieß er mit Nicky zusammen. "Hey
was hast du es denn so eilig am frühen Morgen?" grinste Nicky. "Erklär
ich später. Ich muss weg." Stammelte Kian und rannte die Treppen herunter.
"Hey Kian, warte doch mal. Was ist denn passiert?" Nicky hielt Kian am Arm fest.
"Marsha ist weg. Ich muss hinterher. Jetzt lass mich los." Kian riss seinen
Arm los und rannte weiter. "Aber warum ist sie weg?" rief Nicky hinterher. "Später."
Rief Kian noch mal und schon war die Haustür wieder zu. Schnell sprang
er in sein Auto und machte sich auf den Weg zum Flughafen.
Auf dem Weg zum Flughafen liefen Marsha die Tränen übers Gesicht.
Sie fühlte sich schlecht und mies. Einerseits betrog sie ihren Mann und
andererseits ließ sie ohne eine Wort ihre Freunde zurück. Soviel
zum Thema, mein Leben hier wieder in den Griff zu bekommen, dachte sie bitte.
Jetzt hatte sie noch viel mehr Chaos veranstaltet. Am meisten tat es ihr weh,
das sie sich nicht von Kian verabschiedet hatte. Aber es war wohl besser so,
was hätte sie ihm denn auch sagen sollen? War ne tolle Nacht, aber du weißt
ja, ich bin verheiratet? Wahrscheinlich würde er sie dann noch mehr verachten,
als er es bestimmt schon tat. Das Taxi hielt vor der Abflughalle und der Fahrer
half ihr beim Gepäck. Sie bedankte sich noch mal und ging dann hinein.
Sie suchte den richtigen Schalter, damit sie ihre Koffer aufgeben konnte und
ging dorthin. Nachdem diese Dinge erledigt waren, packte sie ihre Bordkarte
in die Tasche und schaute auf die Uhr. Toll jetzt hatte sie noch ganze anderthalb
Stunden Zeit. Sie überlegte kurz, was sie machen konnte und entschied sich
dann erst mal dafür einen Kaffee zu trinken. Auf dem Weg zur Cafeteria
kaufte sie sich noch eine Zeitschrift und setzte sich dann mit ihrem Kaffee
in eine ruhige Ecke. Dort fing sie wieder an zu grübeln. Die Zeitschrift
hatte sie zwar aufgeschlagen, aber wirklich lesen tat sie nicht drin. Plötzlich
wurde sie angesprochen. "Findest du es eigentlich fair, einfach abzuhauen?"
Erschrocken blickte Marsha auf und starrte ihr Gegenüber an. "Kian. Woher
wusstest..." "Na so schwer war es nicht dich zu finden." Wieder stiegen Marsha
die Tränen in die Augen. Kian setzte sich ihr gegenüber hin und nahm
ihre Hände in seine. "Hey, was ist los? Warum bist du so einfach abgehauen?
Und warum weinst du?" "Ich...ach...ich." stammelte sie und weinte noch mehr.
Kian stand auf, ging um den Tisch herum, setzte sich neben sie und nahm sie
fest in den Arm. Er sprach immer wieder beruhigend auf sie ein und bald beruhigte
Marsha sich wieder einigermaßen. "Geht’s wieder?" fragte er und Marsha
nickte zaghaft. "Gut, ich hol mir jetzt auch erst mal einen Kaffee und dann
reden wir beide. Lauf nicht wieder weg, bitte. Ich bin gleich wieder da." Nachdem
Kian aufgestanden war, holte Marsha einen Spiegel aus ihrer Tasche, um sich
das Ergebnis ihrer Heulerei anzusehen. "Super. Dich könnte man jetzt auch
in die Geisterbahn stellen." Murmelte sie und packte den Spiegel wieder weg.
Kurz darauf kam Kian zurück und setzte sich wieder neben sie. "Wie viel
Zeit hast du noch, bevor dein Flieger geht?" fragte er. "Eine gute Stunde noch."
"Schön, dann können wir uns noch in aller Ruhe aussprechen, ohne Hast.
Sagst du mir bitte, warum du heute morgen ohne ein Wort gegangen bist?" Marsha
knetete ihre Hände und suchte nach den richtigen Worten. "Ich habe voll
das schlechte Gewissen. Ich habe mich geschämt. Ich wusste nicht, was ich
machen sollte und ich hatte Angst." "OK, das mit dem schlechten Gewissen kann
ich nachvollziehen, denn das habe ich auch. Obwohl wir beide gestern sehr wohl
wussten, was wir taten, ist es bei Tageslicht meist noch was anderes. Was nicht
heisst, das ich es bereue, das tu ich auf keinen Fall. Aber warum hast du dich
geschämt und warum hattest du Angst?" "Die ganze Zeit behaupte ich vor
den anderen, das wir beide nur Freunde sind und dann schlafe ich mit dir, obwohl
ich verheiratet bin. Ich kann ihnen nie wieder unter die Augen treten und Angst
habe ich davor, was du jetzt wohl von mir denkst." Ängstlich schaute Marsha
Kian an. "Den anderen geht es gar nichts an, was gestern zwischen uns passiert
ist. Das ist nur eine Sache zwischen dir und mir. Und außerdem wollte
ich es ja wohl auch. Und wie meinst du das, was soll ich jetzt von dir denken?"
"Das ich als verheiratete Frau einfach mit jemanden anderen ins Bett springe.
Eigentlich bin ich nicht so. Es war das aller erste Mal mit dir." Versuchte
Marsha ihm zu erklären. "Darüber mach dir mal keine Sorgen. Wenn ich
der Meinung wäre, du würdest trotz Eherings mit jedem ins Bett gehen,
dann wäre das letzte Nacht gar nicht passiert. Und soll ich dir noch was
sagen? Auch ich habe Angst." "Warum hast du Angst, dir kann doch gar nichts
passieren." Marsha schaute ihn erstaunt an. "Ich habe Angst, das unsere Freundschaft
durch letzte Nacht kaputt gegangen ist. Ich habe dich als Freundin sehr zu schätzen
gelernt und ich will dich nicht verlieren." Damit hatte Marsha jetzt überhaupt
nicht gerechnet. "Ich hab nen Vorschlag. Lass uns die letzte Nacht einfach in
guter Erinnerung behalten und ansonsten machen wir so weiter wie bisher. Ich
will dich als Freund auch nicht verlieren." Schlug Marsha vor. "Das wollte ich
dir auch schon vorschlagen. Also bleibt die letzte Nacht unter uns? Hast du
nicht vor, es deinem Mann zu beichten?" erwiderte Kian. "Wenn es dir Recht ist,
ja. Wenn das rauskommt, kann ich meine Ehe abharken." "Also Freunde?" "Freunde."
Kian fing an zu lächeln und nahm Marsha ganz fest in den Arm.
Sie tranken noch einen Kaffee zusammen, bevor Marshas Flug aufgerufen wurde.
Kian begleitete sie noch bis zum Gate. "Tja dann heißt es jetzt wohl Abschied
nehmen." Meinte Marsha traurig. Kian nickte. "Aber wir sehen uns wieder. Spätestens
wenn wir nach Deutschland kommen." "Und grüß mir die anderen ganz
lieb und sie sollen nicht böse sein, dass ich mich nicht von ihnen verabschiedet
habe." "Ja, das mache ich. Ich werde es ihnen erklären. Und wenn du Sorgen
hast oder einfach nur mal wieder meine Stimme hören willst, hier ist meine
Handynummer. Du kannst mich jederzeit anrufen." Kian reichte ihr eine Karte
auf der seine Handynummer und die von zu Hause stand. "Danke. Meine Nummer hast
du ja auch." Erinnerte sie ihn an den Zettel in seinem Wagen. "Und damit du
mir glaubst, dass ich dich wiedersehen will, möchte ich das du das trägst."
Meinte Kian und gab ihr seine Kreuzkette, die er die ganze Zeit getragen hatte,
seid Marsha ihn kannte. "Hey, das kann ich nicht annehmen." Wehrte sie ab. "Doch
du musst sogar." Bestand Kian drauf. "Danke, das ist so lieb von dir." Stammelte
Marsha und hatte schon wieder Tränen in den Augen. Wieder wurde ihr Flug
aufgerufen. Der Abschied kam immer näher. "Komm her." Meinte Kian und drückte
sie ganz fest an sich. Noch einmal genoss sie seine Berührungen. "Am liebsten
würde ich dir noch mal einen Kuss geben. Aber..." murmelte Kian. "Dann
tu es einfach." Ermunterte Marsha ihn lächelnd. Kian schaute sich prüfend
um, und als er sich sicher schien, das sie nicht beobachtet wurden, drückte
er seine Lippen auf ihre. Marsha Herz hüpfte freudig und dann löste
sie sich lächelnd von ihm. Kian lächelte zurück. "Melde dich,
wenn du zuhause angekommen bist und wir telefonieren die Tage, ja?" "Ja. Machs
gut. Bye." Marsha löste sich von Kian, drehte sich um und wollte gehen.
Doch Kian hielt sie am Arm fest. Marsha schaute ihn fragend an. "Hab dich lieb."
Meinte Kian leicht verlegen. "Ich dich auch. Bis bald." Antwortete Marsha und
ging dann endgültig. Hinter der Glastür drehte sie sich noch mal kurz
um und winkte Kian zu. Nachdem sie die Kontrollen passiert hatte, setzte sie
sich noch mal kurz auf einen der Sitze in der Wartehalle. Immer wieder gingen
ihre Finger an die Kette und spielten damit. Es war schön, ein Erinnerungsstück
an Kian zu haben. Das machte den Abschied nicht so schwer. Dann fiel ihr die
Visitenkarte ein, die er ihr eben gegeben hatte. Schnell kramte sie die aus
der Tasche und suchte nach ihrem Handy. Sie speicherte die Nummer ab und als
sie den Namen eingeben wollte überlegte sie kurz. Seinen richtigen Namen
wollte sie aus Sicherheitsgründen nicht eingeben. Es sollte ihr Geheimnis
bleiben, wen sie alles in Irland kennen gelernt hatte. So gab sie als Namen
einfach nur John Francis ein. Da würde niemand so schnell auf den richtigen
Namen kommen. Danach schrieb sie noch schnell eine SMS an ihren Mann, das der
Flug wohl planmäßig landen wurde und konnte dann auch schon in das
Flugzeug einsteigen. Als sie vom Boden abhoben, schaute Marsha wehmütig
zurück und hatte jetzt schon Sehnsucht nach diesem Land. Vielleicht würde
sie irgendwann mal wieder kommen. Gedankenverloren griff sie wieder zur Kette
und hielt sie ganz fest in den Händen. Ein Lächeln huschte über
ihr Gesicht und Irland verschwand unter den Wolken.
Vier Monate später:
Mittlerweile war es Mai geworden, die Sonne kam höher und einiges hatte sich seit der Abreise aus Irland im Marshas Leben geändert. Alle hatten sich damals gefreut, als sie gut erholt und mit neuem Mut aus dem Urlaub zurückgekommen war. Man hatte sie ausgefragt, wie es gewesen war und ob sie viele Leute kennen gelernt hatte. Marsha hatte aber nie die wirklichen Namen ihrer neuen Freunde preis gegeben, da sie diese Erinnerung für sich behalten und keinen großen Wirbel haben wollte. Vielleicht eines Tages würde sie alles erzählen, aber zu dem Zeitpunkt hielt sie es für nicht richtig. Sie nahm ihr Leben wieder voll in die Hand und genoss es. Sie wollte einiges ändern, doch wusste sie nicht, das es noch ganz anders kommen sollte. Hin und wieder telefonierte sie mit Kian, was durch seine Arbeit aber nicht regelmäßig vorkam. Ihr Leben lief soweit in ganz normalen Bahnen weiter, bis zu dem Tag, als Marsha feststellen musste, das sie schwanger war. Aber das konnte doch nicht sein, denn immerhin hatte der Arzt doch gesagt, es wäre nicht möglich, das sie Kinder bekommen würde. Ihr war gleich klar, das es nur von Kian sein konnte, da sie in der fraglichen Zeit nur mit ihm geschlafen hatte. Eine Welt brach für Marsha zusammen. Alles das was sie sich vorgenommen hatte, löste sich in Luft auf. Das was sie eigentlich hatte verhindern wollen, würde jetzt doch passieren. Sie hatte es ihrem Mann beichten müssen, ihm alles erzählt, bis auf den wirklichen Namen des Vaters. Ihr Mann konnte ihr den Fehltritt nicht verzeihen und trennte sich von ihr. Marsha war am Boden zerstört, obwohl sie doch selber schuld dran war. Marshas Eltern sprachen wochenlang nicht mit ihr, als alles herauskam. Sie waren zu sehr geschockt, das gerade ihr große, vernünftige Tochter so einen Betrug begangen hatte. So langsam hatten sie sich wieder beruhigt, und freuten sich wahnsinnig auf das Enkelkind. Der einzige der in dieser Zeit zu ihr hielt und ihr beistand, war ihr bester Freund Philipp. So zog sie erst mal zu Philipp, der ihr einen Platz bei sich anbot, bis sie eine eigene Wohnung gefunden hatte. Kian konnte und wollte sie davon nichts erzählen. Er würde ihr nie glauben, denken das sie ihn hinters Licht geführt hatte. Er würde sie hassen. Da sie entschlossen hatte, ihm nie was von dem Kind zu erzählen, war ihr klar, das sie ihn wohl nie wieder sehen würde, da sie ihr Geheimnis nur so für sich behalten konnte. Das machte sie nur noch mehr trauriger, als sie ohnehin schon war. Vielleicht würden sie noch ein paar Mal telefonieren, und dann würde der Kontakt bestimmt bald abbrechen. Nur einmal war sie kurz davor gewesen, ihre Prinzipien über Bord zu werfen. Als sie im Internet las, das Bryan plötzlich die Band verlassen wollte, rief sie gleich bei Kian an und wollte hören, ob es der Wahrheit entsprach. Kian und auch die anderen waren sehr niedergeschlagen und verzweifelt, da sie nicht wussten, wie es weitergehen sollte. Marsha war kurz davor nach Irland zu fliegen, um Kian beizustehen. Es tat ihr so weh, ihn so traurig zu sehen. Aber nach der besagten Pressekonferenz überschlugen sich die Dinge und es waren alle wieder etwas besserer Hoffnung, was die Zukunft der Band anging, das Marsha ihren Plan zerschlug. Die geplante Tour sollte trotzdem stattfinden - auch ohne Bryan.
Eines Abends saß sie mit Philipp im Wohnzimmer und sie plauderten ein wenig. Und wieder kam das Thema auf den Vater ihres ungeborenen Kindes. "Ich meine, ich akzeptiere es, wenn du niemanden den Namen des Vaters nennen willst, selbst mir nicht, aber trotzdem versteh ich nicht, warum du ihm nicht sagst, was hier alles passiert ist. A: Hat er ein Recht darauf zu wissen, das er Vater wird und B: Er könnte dich unterstützen." Fing Philipp wieder mit dem Thema an. "Das ist es doch, was ich nicht will. Er soll sich nicht verpflichtet fühlen, mir zu helfen. Ich hab Angst, das er mir nicht glaubt und mich hasst." "Irgendwann wird es rauskommen, spätestens wenn ihr euch wiederseht." Gab Philipp zu bedenken. "Vielleicht weiß ich das ja zu verhindern." Überlegte Marsha. In diesem Moment klingelte das Handy. Sie schaute drauf und sofort kam wieder ein Leuchten in ihre Augen. "Hey. Na lebst du noch?" begrüßte sie Kian am Telefon. "Hallo meine Süße. Wie geht es dir?" "Alles bestens. Und dir?" "Oh ziemlich erledigt. Es wird Zeit, das die Tour endlich zu ende geht. Deswegen ruf ich auch an." "Wieso was ist denn?" "Hast du schon Post von mir bekommen?" "Post?" Nee. Was denn für Post?" Marsha war verwirrt. "Ach schade. Aber dann wird sie bestimmt in den nächsten Tagen kommen." Kian schien enttäuscht. "Und was ist es?" jetzt war Marsha neugierig. "Sag ich nicht, ist eine Überraschung." "Och man, du bist gemein." "Das kannst du so gar nicht sehen. Weißt du eigentlich wie sehr ich mich schon freue, dich bald wiederzusehen? Wir sehen uns doch, wenn wir in Deutschland sind?" Marsha hielt die Luft an. Oh man, wie sie diese Frage hasste. "Kann ich dir noch nicht sagen. Ich habe im Moment ziemlich viel um die Ohren." Versuchte sie auszuweichen. "Hey, mach kein Scheiß. Ich habe mich schon so auf unser Wiedersehen gefreut." Jetzt schien Kian entsetzt. "Ich muss mal sehen." "Marsha, und wenn ich dich persönlich abholen muss. Ich will, das wir uns wiedersehen." "Wir können ja noch mal telefonieren." Versuchte Marsha abzulenken. "Ja, machen wir. Ich muss jetzt leider auch wieder los. Die anderen warten." "OK, dann noch viel Spaß. Wir hören uns." Nachdem Marsha aufgelegt hatte, schaute sie traurig zu Philipp. "War er das?" fragte er mitfühlend. Marsha nickte. "Er will mich wiedersehen. Aber ich habe schreckliche Angst." "Du musst es ihm aber irgendwann sagen, ansonsten machst du es nur noch schlimmer." Gab Philipp zu bedenken. "Ach du hast ja Recht, aber ich kann nicht." Marsha schüttelte entschieden mit dem Kopf.
Ein Tag nach dem Telefonat bekam Marsha die Post von Kian. Es waren zwei Backstage-Karten für die beiden Konzerte in Deutschland. Das Herz rutschte ihr in die Hose, als sie die Karten entdeckte. Was sollte sie bloß tun. Sie hatte damals vor dem Urlaub Karten bestellt gehabt und wollte mit ihrer kleinen Schwester hin, hatte das aber wieder zerschlagen, als alles passiert war. Ihre Schwester war sehr traurig gewesen, konnte aber verstehen, das Marsha wegen dem ganzen Ärger, wegen der Schwangerschaft und der Trennung keinen Nerv darauf hatte. Sie wusste ja auch den eigentlichen Grund nicht. Die Tage bis zu den Konzerten vergingen wie im Fluge und Marsha hatte sich immer noch nicht entscheiden, was sie machen sollte. Dabei war sie sich vorher so sicher gewesen, nie wieder auf ein Treffen mit Kian ankommen zu lassen. Kian hatte noch ein paar Mal versucht anzurufen, aber Marsha war nicht rangegangen, auch hatte sie seine SMS nicht mehr beantwortet. Ihr Verhalten war absolut nicht fair, aber sie wusste nicht was sie sonst hätte machen sollen.
Am Morgen des ersten Konzertes hatte Marsha einen Besichtigungstermin für eine Wohnung. Die Vermieter waren sehr freundlich und entgegenkommend. Und obwohl Marsha schwanger war, bekam sie die Wohnung. Die Vermieter wollten ihr gerne unter die Arme greifen. Sie liebten kleine Kinder und da sie nie eigene hatten, freuten sie sich schon auf den kleinen Krümel. Als sie wieder bei Philipp ankam, fühlte sie sich seit langem wieder einigermaßen glücklich und beflügelt. In der Tür rief sie schon. "Süßer, bin wieder da. Bald bist du mich los, ich hab die Wohnung bekommen." Sie ging ins Wohnzimmer, blieb dann wie angewurzelt stehen und traute ihren Augen nicht. Alle Farbe wich ihr aus dem Gesicht, ihr Alptraum wurde wahr. "Kian." Flüsterte sie erschrocken.
"Was... machst du denn... hier?" stotterte sie erschüttert. Kian stand vom Sofa auf, auf dem er gesessen hatte und kam auf Marsha zu. "Am liebsten würde ich dich als erstes übers Knie legen. Aber in deinem Zustand..." meinte er mit enttäuschter und gleichzeitig auch wütender Stimme. "Ich glaub, ich lass euch mal etwas alleine." Meldete Philipp sich grinsend zu Wort, gab Marsha einen Kuss auf die Wange und verlies das Haus. Marsha stand immer noch wie angegossen in der Tür und starrte Kian an. "Ich denke, wir beide haben einiges zu klären, oder was meinst du?" stellte Kian fest, nahm Marshas Hand und führte sie zum Sofa. Dort drückte er sie auf die Polster und setzte sich neben sie. "Also?" forderte Kian sie auf. "Woher weißt du...wie hast du mich...?" fragte Marsha mehr als verwirrt. "Tja, nachdem du nach unserem letzten Telefonat nicht mehr rangegangen bist und dich auch nicht mehr gemeldet hast, hatte ich beschlossen, das wahr zu machen, was ich dir versprochen hatte. Ich wollte dich holen. Also bin ich zu der Adresse gefahren, die ich von dir hatte, was ziemlich aufregend war. Mit euren Autos und diesem grässlichen Rechtsverkehr komm ich nicht klar." Kian grinste schief. "Und wen treff ich da, deinen getrennt lebenden Ehemann." Fuhr er dann fort. "Woher weißt du, dass wir getrennt leben?" "Er hat es mir erzählt - ungewollt. Er dachte nämlich, ich wüsste über alles Bescheid. Er hat mir dann diese Adresse hier gegeben und da bin ich." "Oh." Kam es kleinlaut von Marsha und sie starrte weiterhin auf den Fußboden. Kian stand auf und ging ans Fenster. "Ich frag mich die ganze Zeit, wie hartherzig, fies und gemein du mich halten musst. Verdammt Marsha, warum hast du mir nicht erzählt, war hier los ist?" Kian drehte sich zu Marsha um und schaute sie verletzt an. "Ich hatte Angst, das du mir nicht glauben würdest, das du mich hassen würdest. Und ich will niemanden zur Last fallen. Ich habe mir diese Scheiße selber eingebrockt, also muss ich da auch alleine mit klar kommen." Versuchte sie ihr Verhalten zu erklären. "Euch Frauen soll mal einer verstehen. Erstens hast du dir die Sache nicht alleine eingebrockt, denn zum schwanger werden gehören immer noch zwei. Und es grenzt doch an ein Wunder, das du schwanger bist. OK, man kann sich wirklich weitaus bessere Situationen vorstellen, um ein Kind zu bekommen" Kian grinste wieder schief "aber so ist das Leben. Du hättest es mir von vorn herein sagen müssen, das ich Vater werde." Stellte Kian entschieden fest. "Kian, denk doch mal nach. Ich ruf dich an und erzähle dir freudestrahlend das du Vater wirst. Hättest du mir geglaubt?" Kian überlegte einen Moment. "Im ersten Moment wäre ich bestimmt geschockt gewesen - bin ich ja jetzt auch - aber ich hätte dir geglaubt. Ja." "Und warum solltest du mir glauben? Dann könnte ja jede ankommen und das behaupten." Marsha war nicht wirklich überzeugt. Kian schaute eine Zeit lang aus dem Fenster und dachte über ihre Worte nach. "Ich denke einfach, wenn du es darauf angelegt hättest mir ein Kind anzudrehen, wärst du nach dem ersten Kuss nicht weggelaufen, hättest mir nicht alles über deine Probleme erzählt und wärst auch nicht nach unserer gemeinsamen Nacht weggelaufen. Etwas mehr Menschenkenntnis kannst du mir schon zutrauen." Meinte er dann. "Und jetzt?" fragte Marsha. "Jetzt packst du erst mal ein paar Sachen für die nächsten Tage und dann nehme ich dich mit nach Hamburg." "Aber geht das denn so einfach? Und außerdem wo soll ich schlafen?" Marsha war nicht überzeugt. "Die Jungs reißen mir den Kopf ab, wenn ich ohne dich komme. Genauso wie Geo. Und du bleibst natürlich bei uns im Hotel." "Na das kann ich nicht verantworten, das dir die anderen ein Haar krümmen." Lachte Marsha, wurde aber gleich wieder ernst. "Und wie soll es dann weitergehen?" fragte sie ängstlich. "Das klären wir beide dann in aller Ruhe. Ich denke, das alles hier muss erst mal sacken. Ich werde dir auf jeden Fall beistehen. Zusammen schaffen wir das." Kian ging auf Marsha zu, nahm sie liebevoll in den Arm und drückte sie an sich.
"Du Kian, können wir meine kleine Schwester mitnehmen? Eigentlich hatten wir nämlich schon Karten für morgen, aber nach dem ganzen Trouble hatte ich das abgesagt. Sie war total traurig?" fragte Marsha etwas verlegen. Sie hatte gerade ihre Tasche gepackt, als ihr die Idee gekommen war. "Aber sicher können wir das machen. Sie muss sich nur beeilen. Ach halt warte, der Leihwagen ist nur ein Zweisitzer." "Wo hast du ihn denn gemietet?" wollte Marsha wissen. "Bei Hertz am Flughafen, warum?" "Gut, wir haben hier eine Zweigstelle. Da kannst du ihn bestimmt umtauschen. Aber erst sprech ich besser mit meiner Schwester." Marsha lief zum Telefon und wählte die Nummer. Ihre Mum ging ran. "Hi, ich bin es. Ist die Lisa auch da? Dann gib sie mir mal bitte schnell. Hey Kleines. Sag mal hast du die nächsten drei Tage schon was vor? Oder ist dein Urlaub schon wieder ausgebucht?" "Nee, ich habe nichts weltbewegendes vor, warum?" "Gut, dann sag den Rest ab und pack innerhalb von fünfzehn Minuten deine Tasche. Ich hol dich gleich ab." "Häh?" "Lass dich überraschen. Es wird dir gefallen." "OK, auf deine Verantwortung." Meinte Lisa. Nachdem Marsha aufgelegt hatte, erklärte sie Kian, wie er zu der Autovermietung kam und verabredete sich dort mit ihm. Dann gab sie Philipp Bescheid, das sie die nächsten Tage nicht da sein würde und sprang in ihr Auto, um ihre Schwester abzuholen.
Dort angekommen, wartete Lisa bereits auf Marsha. "Kannst du mir jetzt mal bitte verraten, was diese ganz Aktion soll?" fragte sie neugierig. "Das erfährst du schon früh genug. Du wirst überrascht sein." Grinste Marsha und sprach noch kurz mit ihrer Mum, bevor sie losfuhren. "Hab ich dir eigentlich schon mal gesagt, das ich Überraschungen hasse?" brummelte Lisa. "Falsch, du magst es nur nicht, wenn man dich im Ungewissen lässt. Und glaub mir, diese Überraschung wirst du lieben." "Verrätst du mir wenigstens, wohin wir fahren?" "Ich muss erst noch in die Stadt, jemanden aufgabeln und dann geht’s Richtung Norden." Erklärte Marsha grinsend. "Hä? Wie Richtung Norden?" Lisa war jetzt völligst verwirrt. "Sagt dir Hamburg was?" gab Marsha ihr einen Tipp. Lisa überlegte. "Wie jetzt? Fahren wir jetzt doch zum Konzert?" Marsha nickte. "Wir hatten Karten für Oberhausen, du sagst ab und jetzt fahren wir nach Hamburg? Muss ich das verstehen?" "Keine Panik, nach Oberhausen fahren wir morgen auch noch." "Hallo? Hast du im Lotto gewonnen oder so? Wer soll das denn bezahlen?" Lisa sah Marsha panisch von der Seite an. "Lass dich einfach überraschen, ok?" Lisa verstand jetzt gar nichts mehr und schüttelte nur noch mit dem Kopf. Marsha musste so sehr lachen, das sie sich kaum noch auf den Verkehr konzentrieren konnte.
Einige Zeit später hielten sie in der Stadt vor Europcar. Lisa schaute Marsha fragend hinterher, als diese ausstieg und zum Kofferraum ging. "Na nun komm schon. Wir haben nicht ewig Zeit." Forderte Marsha ihre Schwester auf und die stieg immer noch skeptisch aus dem Wagen. Nachdem sie ihre Taschen rausgeholt hatten und den Wagen verschlossen hatten, gingen sie auf das Gebäude zu. In diesem Moment kam Kian strahlend heraus und wedelte mit einem Schlüssel. "Ich habe ein anderes Auto bekommen." Rief er Marsha zu und wartete das die beiden bei ihm ankamen. "Ach ja, und welches?" fragte Marsha. "Das da hinten." Meinte Kian und zeigte auf einen schwarzen Mercedes. "War ja klar. Der Herr reist nur standesgemäß." Grinste Marsha. "Nur damit ihr beiden, äh ihr drei es bequem habt." Rechtfertigte Kian sich und strich über Marshas Bauch. Durch Kians Bemerkung fiel Marsha, das sie Lisa und Kian miteinander bekannt machen sollte und drehte sich zu Lisa um. Die stand neben ihr und starrte Kian an, als würde sie überlegen, woher sie diesen Mann kannte. Dadurch das Kian ein Cap und eine Sonnenbrille trug, konnte man ihn auf den ersten Blick nicht erkennen. "Lisa, darf ich dir Kian Egan vorstellen. Ein lieber Freund von mir und der Vater meines Kindes. Kian das ist meine Schwester Lisa." Stellte Marsha die beiden jetzt einander vor. Kian reichte der plötzlich ziemlich blassen Lisa die Hand und meinte. "Hallo Lisa. Schön dich kennen zu lernen." "Marsha, das ist jetzt ein böser Scherz, oder?" fragte Lisa nur. "Was meinst du? Das das Kian Egan ist, oder das mit dem Vater meines Kindes?" Marsha grinste nur. So platt hatte sie ihre Schwester noch nie gesehen. "Beides." "Süße, in beiden Fällen ist das kein Scherz. Das ist Kian Egan und er ist der Vater." "Oh, ich glaub ich muss mich mal setzen." "Ok, tu das im Auto, dann hast du genug Zeit, die Sache zu verdauen?" meinte Marsha und bugsierte ihre Schwester zum Wagen. Kian, der nicht verstanden hatte worum es bei dem Gespräch ging, nahm nur achselzucken die beiden Taschen und folgte den beiden.
Kurz darauf machten sie sich endlich auf den Weg nach Hamburg. Lisa saß hinten und starrte schweigsam aus dem Fenster. Marsha erklärte Kian währenddessen, worüber sie sich eben unterhalten hatte. "Sie wusste noch gar nichts?" fragte Kian. "Ich habe niemanden etwas von dir erzählt. Ich wollte dich nicht in Schwierigkeiten bringen." Erklärte Marsha. "Aber welche Last musstest du die ganze Zeit mit dir herumschleppen?" fragte Kian und Marsha zuckte nur mit den Schultern. "Aber das ist jetzt vorbei." Meinte Kian daraufhin entschlossen. "Kian könnten wir mal anhalten? Ich darf doch Kian sagen, oder? Ich brauch jetzt eine Zigarette." Kam es plötzlich von hinten. "Das ist eine gute Idee. Ich könnte auch eine gebrauchen. Sicher darfst du mich Kian nennen." Kian schaute durch den Rückspiegel nach hinten lächelte Lisa an. Diese wurde prompt tomatenrot, was Marsha zum lachen brachte. Kian fuhr auf den nächsten Rastplatz und suchte eine Parklücke. Nachdem sie angehalten hatten, sprang Lisa aus dem Auto und zündete sich gleich eine Zigarette an. Marsha stellte sich dazu und machte sich auch eine an. "Kian könntest du meiner Schwester mal bitte klarmachen, das sie aufhören soll zu rauchen. Auf mich hört sie nicht." Meinte Lisa zu Kian und schaute Marsha dann böse an. "Ich muss zugeben, mir gefällt es auch nicht, was ich da sehe, aber ich werde mich hüten, Marsha Vorschriften zu machen. Ich möchte meine Gesundheit gerne noch behalten." Entgegnete Kian. "Ich schränke mich doch ein, aber hin und wieder brauch ich eine." Verteidigte sich Marsha. "Schwester, Schwester. Ich habe ja schon immer geahnt, das du verborgene Seiten hast, aber ich finde, jetzt hast du den Vogel echt abgeschossen. Und ich dachte immer, ich wäre schlimm." Meinte Lisa plötzlich lachend und Marsha sah sie fragend an. "Ja. Hallo? Bist glücklich verheiratet, fährst dann alleine in den Urlaub. Angelst dir dort einen der begehrtesten Junggesellen und kommst schwanger wieder. Das ist doch der absolute Hammer. Und dann behältst du es auch noch monatelang für dich." "Tja, jeder hat so seine dunklen Seiten. Ich bin nicht wirklich stolz darauf, was ich gemacht habe, aber jetzt muss ich wohl das Beste daraus machen." Erwiderte Marsha. "So Mädels, wir müssen weiter. Sonst dreht Anto mir den Hals um, wenn ich zu spät komme." Drängelte Kian etwas, warf seine Zigarette weg und ging wieder auf die Fahrerseite des Wagens. Nachdem alle wieder eingestiegen waren, ging es weiter.
Es war schon nach drei Uhr als sie in die Tiefgarage des Hotels fuhren. Marsha
wurde es ziemlich mulmig, da der Moment nun immer näher kam, das sie die
anderen wiedersehen würde. Sie hatte Angst, das sie doch sauer auf sie
sein würden. Und von der Schwangerschaft wussten sie auch noch nichts.
Kian merkte, das Marsha etwas beschäftigte. "Hey, alles in Ordnung mit
dir?" fragte er, als er das Auto eingeparkt hatte und legte ihr seine Hand auf
ihre. "Hm, geht schon. Bin nur etwas nervös." "Sie werden sich freuen,
dich zu sehen. Ich habe ihnen damals alles erklärt und sie konnten es verstehen.
Sie sind dir nicht böse." Kian konnte sich denken, was Marsha beschäftigte
und versuchte sie zu beruhigen. "Und was ist mit dem Baby?" "Wir Iren lieben
Babys und sie werden unseres auch lieben. Komm her, lass dich drücken.
Ich bin bei dir. Es wird dir nichts geschehen." Kian nahm Marsha fest in den
Arm. Dann stiegen sie aus und holten ihre Taschen aus dem Kofferraum. Über
einen Aufzug gelangten sie in die Lobby, wo Kian den Autoschlüssel mit
der Bitte abgab, das man das Auto wieder zurückbrachte und organisierte
noch ein Zimmer für die beiden Mädels. Marsha und Lisa warteten etwas
abseits, bis Kian alles erledigt hatte und zu ihnen herüber kam. "Sie hatten
sogar noch ein Zimmer auf unserer Etage, so seid ihr in unserer Nähe."
Meinte Kian lächelnd. Marsha nickte dankend und folgte mit Lisa Kian zum
Aufzug. Lisa hatte die ganze Zeit nichts mehr gesagt, sie war einfach überwältigt
von der Atmosphäre dieses Hotels. "Lisa alles klar, du bist so ruhig?"
fragte Kian sie, als sie nach oben fuhren. "Ja...nee. Also... das Hotel ist
schon der Hammer.” Grinste sie und wurde rot. Die Fahrstuhltür öffnete
sich und ein großer, stämmiger Mann stellte sich vor sie. "Egan.
Hatte ich nicht gesagt, um spätestens drei Uhr bist du wieder hier? Jetzt
haben wir es fast halb vier." Meinte er und schaute bedrohlich auf die drei
nieder. "Es tut mir leid. Aber unterwegs war die Hölle los. Aber jetzt
bin ich doch da. Nicht böse sein, Anto." Meinte Kian und setzte seinen
Dackelblick auf. "Ihr Stars bringt mich noch um meinen letzten Nerv. Und Manieren
habt ihr auch nicht. Wer sind denn diese beiden hübschen Damen? Würdest
du uns mal bitte vorstellen." Grinste Anto jetzt. In der Zwischenzeit waren
sie aus dem Fahrstuhl gestiegen und standen auf dem Gang. "Anto, das ist Marsha.
Eine liebe Freundin von mir und das ist ihre Schwester Lisa. Mädels das
ist unsere gute Seele Anto." Stellte Kian sie einander vor. Anto gab jeder die
hand und wünschte ihnen viel Spaß. "Anto, wann geht’s zum Stadion?"
wollte Kian noch wissen. "Um Punkt fünf ist Abfahrt." "Ok, verstanden?"
Kian schnappte sich Marshas Hand und ging mit den beiden zu deren Zimmer am
Ende des Ganges. Als sie in das Zimmer eintraten, blieb ihnen kurz die Luft
weg. Das Zimmer war wunderschön. "Kian das geht nicht. Das ist doch viel
zu teuer. Ich will ein andere Zimmer." Marsha war verlegen. Nie und nimmer konnte
sie so eine Unterkunft bezahlen. "Red keinen Blödsinn. Und mach dir wegen
der Bezahlung keine Gedanken. Es wird mich schon nicht ruinieren." Kian lächelte.
"Kian, nein." "Doch und keine
Widerrede." Entschied Kian bestimmend. Marsha funkelte ihn böse an, besann
sich dann aber wieder und gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Ihr Stars bringt
mich noch um den letzten nerv." Äffte Marsha Anto nach und fing an zu grinsen.
"Na warte, das gibt Rache." Drohte Kian lachend. "Aber erst mal wollen wir sehen,
wo die anderen sind, ja?" lenkte er dann aber ab und zog Marsha mit ihrer Schwester
wieder aus dem Zimmer.
Ein paar Türen weiter hielt er an und klopfte. Kurze Zeit später öffnete sich die Tür und Nicky stand vor ihnen. "Hey Marsha. Klasse das du da bist." Rief er, riss sie in seine Arme und wirbelte sie durch die Luft. "Hat er es also doch geschafft, dich hierhin zu zerren." Lachte er und gab Marsha einen Kuss auf die Wange. "Kommt rein, die anderen sind auch da." Sie gingen in das Zimmer, was sich dann aber als Suite herausstellte und alle saßen in dem Wohnzimmer herum und vertrödelten die Zeit. "Seht mal, wer da ist." Forderte Nicky die anderen auf und alle sahen herüber. "Mensch Marsha. Endlich, wir dachten schon, Kian hätte dich wer weiß wohin entführt." Meinte Mark grinsend und drückte sie ganz fest an sich. Geo stand schon hinter ihm und drückte ihn an die Seite. "Süße, endlich bist du wieder da." Zum Schluss begrüßte auch Shane sie. Alle schienen sich wirklich zu freuen, Marsha mal wieder zu sehen. "Stellst du uns auch das nette Mädel vor, was da ganz verlegen steht?" forderte Mark Marsha auf und ließ einen wohlwollenden Blick über Lisa gleiten. "Mark, Finger weg, sonst setzt es was." Drohte Marsha ihm. "Also Leute, das ist meine kleine Schwester Lisa." Alle begrüßten Lisa mit einem Bussi auf die Wange und sie wurde immer verlegener. "Mark, ich sagte Finger weg." Ermahnte Marsha ihn lachend, als er länger als unbedingt nötig, seine Lippen an Lisas Wangen hielt. "Deine große Schwester kann ganz schön streng sein, oder?" fragte er Lisa grinsend. "Hm, und dafür könnte ich sie gerade umbringen." Flachste sie zurück. "Shane, wo hast du deine Frau gelassen?" fragte Marsha jetzt. "Hm, der geht es in letzter Zeit nicht so gut und daher meidet sie das Fliegen." Grinste er. "Wie sie ist krank?" Marsha war erschrocken. "Na ja, direkt krank kann man das nicht nennen. Aber in spätestens sieben Monaten hat sie es hinter sich." Jetzt verstand Marsha, lief auf Shane zu und nahm ihn in den Arm. "Wie jetzt? Du wirst Papa, das ist ja klasse. Ich freu mich so für euch." "Danke. Ich bin auch sehr glücklich. Und wie geht es dir so? Gut siehst du aus. Hast aber auch etwas zugelegt, wie?" meinte Shane und tätschelte ihre Hüfte. Marsha schaute hilfesuchend zu Kian und er nickte zaghaft. "Tja, es gibt Frauen, die können während einer gewissen Zeit in kein Flugzeug steigen und andere legen ein wenig zu." Meinte sie nur und hoffte, das Shane verstehen würde, was sie damit meinte. Einen kurzen Moment überlegte Shane wirklich was sie damit meinte, da Kian doch erzählt hatte, das Marsha keine Kinder bekommen konnte. Doch dann hellte sich sein Gesicht auf und er fing an zu strahlen. "Wie du auch? Aber das ist doch nicht möglich. Kian hat doch gesagt, dass..." Shane war ganz außer sich. "Dein Mann muss vor Stolz platzen." Marshas Miene wurde plötzlich wieder ernst. "Wohl eher nicht." Sie schaute schon wieder hilfesuchend zu Kian. "Er ist nicht der Vater. Es ist von mir." Beendete er den Satz für Marsha und legte beschützend einen Arm um ihre Schultern. Plötzlich herrschte Totenstille in dem Raum. Shane schaute ungläubig von Kian zu Marsha und wieder zurück. "Und du bist dir da ganz sicher? Ich wäre da an deiner Stelle verdammt vorsichtig." Meinte Shane und schaute Marsha eisig an. Marsha zuckte bei den Worten zusammen. Genau das hatte sie befürchtet. Das sie ihr nicht glauben würden, dass sie sie verachten würden. Sie schaute sich um, sah in die ungläubigen Gesichter und Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie drehte sich um und flüchtete aus dem Zimmer. Marsha konnte diese Ungläubigkeit und diesen Missmut in den Gesicherten nicht mehr ertragen. Sie hätte nie hierher kommen dürfen. Kian stellte sich drohend vor Shane. "Du bist so ein Arschloch. Wenn wir uns nicht schon so lange kennen würden und nicht so gut befreundet wären, würde ich dir jetzt eine reinschlagen." Damit drehte er sich um wollte Marsha nach. Dann entdeckte er Lisa, die erschrocken und ungläubig neben Mark stand. "Mark, kümmerst du dich bitte um Lisa. Ich versuche den Schaden, den Shane gerade angerichtet hat, wieder zu beheben." Mark nickte und Kian stürmte aus dem Zimmer.
Kian stand vor Marshas Zimmer und hörte hinter der Tür ihr Schluchzen. "Marsha, mach bitte die Tür auf." Es dauerte einige Momente, dann wurde die Tür geöffnet. Er ging hinein und schloss sie hinter sich. Marsha lag jetzt auf dem Bett und weinte. Er setzte sich auf die Kante und nahm sie in den Arm. Es tat ihm weh, sie so leiden zu sehen. "Bitte hör auf zu weinen. Shane ist ein Idiot. Er hat doch keine Ahnung." "Aber er hat doch Recht, wer gibt dir die Gewissheit, das ich nicht lüge. Ich habe alles vermasselt. Das Leben meines Mannes habe ich ruiniert, meins habe ich ruiniert und deins werde ich auch noch kaputt machen." Marsha sah ihn völlig aufgelöst an. "Verdammt, ich glaube dir aber. Was kann ich tun, damit du mir vertraust? Und mach dir nicht solche Vorwürfe, es war halt Schicksal. Und egal was du sagst oder denkst, ich werde dir beistehen und helfen." Kian legte Marsha eine Hand unters Kinn und zwang sie so damit, ihn anzusehen. "Ich möchte aber, bevor du irgendetwas tust, das wir, wenn das Baby da ist, einen Vaterschaftstest machen. Nur dann kann ich beruhigt sein, weil dann alle Zweifler bestimmt falsch liegen." Schlug Marsha jetzt vor. "Wegen mir müssen wir das nicht machen." "Wegen mir auch nicht. Ich möchte nur von niemanden mehr unterstellt bekommen, das ich dir was unterjubeln will. Und ich denke auch, das wir bis dahin niemanden was über die Schwangerschaft sagen." Meinte Marsha nun bestimmt. "Aber..." wollte Kian widersprechen. "Kian, nichts aber. Ich möchte es so." unterbrach Marsha ihn. "Na gut, meinetwegen. Wenn du es so möchtest." Gab Kian nach. "Danke." Marsha lächelte zaghaft. "Nicht dafür. So und nun mach dich hübsch. Wir haben heute noch was vor. Ich geh noch mal rüber und lese Mr. Filan die Leviten. Kommst du dann rüber oder soll ich dich holen?" "Ich komm dann rüber. Sei nicht zu hart zu ihm. Er macht sich halt nur Sorgen um dich." Versuchte Marsha ihn milde zu stimmen. "Trotzdem hat er kein Recht, dich so zu verletzen." Kian war noch immer stocksauer. "Sei nicht so." Marsha versuchte ihn ihr charmantestes Lächeln zuzuwerfen. "Na, mal sehen.". Kian lächelte zurück, gab ihr noch einen kurzen Kuss und ging wieder zu den anderen.
In der Zwischenzeit musste Mark sich mächtig beherrschen, das er Shane nicht den Kopf abriss. "Sag mal, was für ne Zecke hat dich denn gebissen? Sicher ist es für uns alle überraschend, das Marsha von Kian ein Kind erwartet. Aber wie kannst du ihr unterstellen, da sie uns verarschen will? Du kennst dich doch gar nicht." "Ach aber du, oder wie? Meckerte Shane zurück. "Zumindest mehr als du." "Aber so gut, um es 100 %ig auszuschließen nicht. Ich will doch nur nicht, das Kian in etwas reinrennt, wo er verletzt wird." Versuchte Shane sich zu rechtfertigen. "Meine Schwester würde sich eher umbringen, als irgendjemanden absichtlich zu verletzten. Ihr wisst doch gar nicht, was in den letzten Monaten bei ihr alles passiert ist. Was sie durchgemacht hat. Wenn Kian heute nicht bei ihr aufgetaucht wäre, hätte er es nie erfahren. Sie wollte ihn da nicht mit reinziehen. Nur weil er so ein Sturkopf ist, bekommt das Kind einen Vater. Selbst ich wusste bis heut morgen nicht, wer der Vater ist." Schrie jetzt Lisa Shane an. Er schaute sie ganz verdutzt an. In diesem Moment ging die Tür auf und Kian stand im Raum, starrte Shane sauer an und warf Lisa danach ein Lächeln zu. Er musste einiges vor der Tür mitbekommen haben. "So, damit alle beruhigt sind. Marsha will nicht meine Hilfe, bevor ein Vaterschaftstest bewiesen hat, das ich der Vater bin. Und so lange soll das alles hier unter uns bleiben. Also kein Sterbenswörtchen an irgendjemanden." Erklärte Kian in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. Shane schaute betreten zu Boden. Ihm wurde anscheinend klar, das er völligst falsch gelegen hatte. "Wo ist sie jetzt?" fragte er Kian mit einem entschuldigenden Blick. "In ihrem Zimmer, warum?" "Ich enke, ich muss mich bei ihr entschuldigen." "Lass dich nicht aufhalten." Meinte Kian nur und wandte sich Lisa zu. Shane stand auf und verlies den Raum. "Es tut mir leid, Lisa. Du musst wissen, normalerweise sind wir echt ein nettes Völkchen. Ich hoffe du hast jetzt keine schlechte Meinung von uns." Entschuldigte sich Kian bei Lisa. "Ach ist halt eine doofe Situation, da kann man euch keine Vorwürfe machen." Lächelte Lisa.
Marsha war gerade im Badezimmer fertig, als es an der Tür klopfte. Sie vermutete das es Lisa war, die keinen Schlüssel hatte und machte auf. Vor ihr stand ein ziemlich geknickter Shane, der nervös von einem Bein auf das andere tippelte. "Hi. Kann ich dich kurz sprechen?" fragte er vorsichtig und Marsha bat ihn nickend herein. "Es tut mir leid. Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Ich habe mich wie ein Idiot verhalten. Ich hoffe du kannst mir verzeihen." Begann Shane. "Schon gut." "Nein, es ist nicht gut. Ich habe dich verletzt." "Shane vergiss es. Ihr macht euch doch auch nur sorgen um Kian. Ich kann das verstehen. Wahrscheinlich würde ich in eurer Situation genauso reagieren." Marsha konnte ihn wirklich verstehen, so ging sie auf ihn zu und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Shane fing an zu lächeln. "Du bist mir nicht mehr böse?" "Nein. Ich bin keinem von euch böse. Wenn dann nur mir selber. Ich mache allen das Leben schwerer, als es sein muss." "Hey. Vielleicht war es Schicksal, das es so gekommen ist. Wer weiß was noch alles so kommt. Kopf hoch, auf uns kannst du zählen." Versuchte Shane Marsha aufzubauen. "Danke. Das ist lieb." "So und nun auf mit uns ,wir wollen doch unsere deutschen Fans nicht warten lassen." Shane hielt ihr seine Hand hin und half ihr hoch. Als sie das Zimmer verließen, hielt er immer noch ihre Hand und so gingen sie zu den anderen zurück. Als sie in dem Zimmer eintrafen, warteten die anderen schon auf sie und waren froh, das alles wieder in Ordnung war. Da es schon ziemlich spät war, machten sie sich auf, um zu dem Stadion zu kommen, wo das heutige Konzert stattfinden sollte. Sie begaben sich alle in die Tiefgaragen, wo schon zwei schwarze Vans auf sie warteten. Nachdem Marsha eingestiegen war, legte sie ihren Kopf an die Lehne und machte die Augen zu. "Hey, alles in Ordnung?" fragte Lisa, "Hm, nur etwas müde." Antwortete Marsha. "Vielleicht solltest du im Hotel bleiben und dich ausruhen." Gab Kian zu bedenken. "Hä. Erst schleppst du mich nach Hamburg und dann soll ich im Hotel versauern und euer Konzert verpassen? Vergiss es." Marsha tat mehr als empört und zwickte Kian in die Seite. "Aua." Er war ihr einen bösen Blick zu und zog eine Schmolllippe. "Oh Kian Schatz, verzeih mir." Säuselte Marsha und sah ihn mit einem Blick an, der Eisberge zum Schmelzen bringen konnte. "Pah." Kam es nur von ihm und Marsha spielte ihren nächsten Trumpf aus. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und lächelte ihn von unten herauf an. Kian fing an zu lachen und gab ihr einen Kuss auf die Nase. "Dir kann man einfach nicht lange böse sein." Murmelte er, legte einen Arm um sie und Marsha fing an zu strahlen.
Bald waren sie am Stadion angekommen und Marsha sah die vielen Fans warten. "Oh, müssen wir da durch?" fragte sie ängstlich. "Nee, ich denk nicht." Meinte Kian, stieg aus und half Marsha. Dann griff er nach ihrer Hand und zog sie hinter sich her. Mark legte wiederum eine Hand auf Lisas Rücken um ihr zu bedeuten, das sie ihm folgen soll. Ein lautes Gekreische schlug ihnen entgegen. Kian legte sein bestes Strahlen auf und winkte den Fans zu. Marsha lief mit etwas gesenkten Kopf hinter her. "Wow, das ist der Hammer." Flüsterte Lisa hinter ihr. Marsha sah sie fragend an. "Ja, normalerweise würden wir allerhöchstens da hinten stehen, aber wir sind hier. Das ist schon echt cool." Meinte Lisa und Marsha musste über die Euphorie ihrer Schwester schmunzeln. Bald waren sie in den Katakomben des Stadions verschwunden und es wurde wieder leiser. "Na alles ok?" fragte Kian. "Ja sicher, warum nicht? War halt nur etwas beängstigend, wenn man es nicht so kennt." Erwiderte Marsha und lächelte ihn an. Sie machten es sich erst mal beim Catering gemütlich, unterhielten sich mit Geo, die natürlich alles über ihre Schwangerschaft wissen wollte und aßen etwas. Selbst Lisa hatte ihre anfänglich Schüchternheit etwas abgelegt und plauderte munter mit. Marsha erzählt auch kurz, was in den letzten Monaten alles passiert war. Während die Mädels es sich so richtig gut gehen ließen, mussten die Jungs arbeiten. Ablaufbesprechung mit den Technikern und Musikern, danach umziehen, warm singen. Sie schauten nur kurz vorbei, stopften sich schnell was rein und waren dann schon wieder auf den Weg in die Maske. Die Vorgruppe war schon fast mit ihrem Programm durch , als sich die Madels wieder erhoben und zusahen, das sie zum Bühnenaufgang kamen, damit sie noch Glück wünschen konnten, bevor es losging. Als erstes kamen Shane und Mark, gaben jeden einen Bussi auf die Wange und gingen weiter. Nicky war der nächste. Ein Kuss für seine Frau, ein Bussi für Marsha und Lisa und schon war er hinter der Bühne verschwunden. Kian kam, an seiner Krawatte herumfummelnd wieder und bemerkte sie erst gar nicht. "Hey, was ist los?" fragte Marsha ihn. "Och Mann, diese blöde Krawatte macht mich rasend." Stöhnte er. "Du siehst umwerfend aus." Lächelte sie ihn an und er grinste zurück. "Na, wenn du das sagst. Genieß die Show und Racker, pass auf deine Mum auf." Meinte Kian, tätschelte Marshas Bauch und gab ihr einen kurzen Kuss auf den Mund. Nachdem nun auch Kian hinter der Bühne angelangt war, gingen die Mädels zum Graben und ergatterten sich einen Platz. Die Mädels in der ersten Reihe erkannte Geo und riefen nach ihr. Geo winkte lächelnd zurück. Da sie nicht wussten, wer Marsha und Lisa waren, wurden sie nicht weiter beachtet, was Marsha auch nicht wirklich ungelegen kam.
Dann begann das Konzert und das Stadion schien auszuflippen. Marsha und Lisa starrten begeistert zur Bühne und genossen sichtlich, was sie dort erlebten. Kian suchte den Graben mit seinen Blicken ab, als würde er jemanden suchen. Als er Marsha entdeckt hatte, lächelte er sie an und zwinkerte ihr zu. Nach zwei Liedern meinte Geo, das sie wieder in die Garderobe gehen würde, das sie die Show ja schon kannte. Marsha nickte ihr zu und wandte sich dann wieder zur Bühne. Die Show war der absolute Hammer, Marsha und Lisa hatten mächtigen Spaß, tanzten und sangen mit. Nachdem die Show zu ende war, gingen sie wieder nach hinten und wollten dort in der Garderobe auf die anderen warten. Plötzlich wurden ihr von hinten die Augen zugehalten. Erschrocken blieb sie stehen und vernahm einen Duft aus Schweiß, vermischt mit einem Herrenparfüm. Vorsichtig drehte sie sich um und erkannte einen grinsenden Kian. "Mann, musst du mich so erschrecken." Nörgelte sie los. "Sorry, kam so über mich. Und wie hat es euch gefallen?" entschuldigte Kian sich. "Jaaa, war ganz nett." "Wie nur ganz nett?" Kian war entrüstet und Marsha fing an zu grinsen. Zwischenzeitlich waren sie an der Garderobe angekommen und Kian stiefelte durch die Tür. "Pah, sie fand es nur ganz nett." Meckerte er und ging gleich weiter zum Duschen. Marsha zwinkerte den anderen zu und musste sich vor Lachen den Bauch halten. "Was hast du denn mit dem gemacht?" wollte Nicky erstaunt wissen. "Er hat gefragt wie ich die Show fand. Und ich habe gesagt, das sie ganz nett war. Hätte ich ihm um den Hals fallen sollen und hysterisch kreischen sollen?" grinste Marsha. "Oh, sie hat unseren Perfektionisten beleidigt. Grobes Foul." Kicherte Shane. Marsha ließ sich auf eines der Sofas allen und legte immer noch lachend die Beine hoch. Lisa reichte ihr was zu trinken und setzte sich daneben. Es muss wohl doch alles etwas viel gewesen sein, denn Marsha merkte, wie ihre Augen immer schwerer wurden und sie sie erschöpft schloss.
Jemand strich ihr zärtlich das Haar aus der Stirn. "Hey aufwachen. Wir wollen zurück." Hörte sie eine Stimme, konnte sich aber irgendwie nicht dazu überwinden, die Augen zu öffnen. Jemand griff ihr um die Taille und unter die Knie und vorsichtig wurde sie auf einen Arm gehoben. "Madame ist erschöpft. Bringen wir sie ins Hotel." Vernahm sie wieder diese sanfte Stimme, schlang ihre Arme um den Nacken und kuschelte sich an die Brust. Warum war sie eigentlich immer so müde. Im Unterbewusstsein bekam sie mit, wie eine Tür geöffnet wurde und ein kühler Windzug sie erfasste, dann hörte sie schon wieder dieses laute Gekreische. Eine Autotür wurde geöffnet und ganz sachte wurde Marsha auf einen der Sitze gepackt. Dann wurde sie in einen Arm genommen und sie ließ ihren Kopf an eine Schulter sinken.
Während sie nun wieder tief und fest schlief, schaute Kian besorgt auf sie herab und wandte sich dann an Lisa. "Sag mal, hat sie das in letzter Zeit häufiger?" Lisa nickte. "Seit sie schwanger ist, kommt das oft vor, besonders wenn sie sich zuviel zumutet, so wie heute. In dem einem Moment spricht sie noch mit dir und dann plötzlich schläft sie und eine Bombe könnte neben ihr einschlagen. Das dauert dann so ne halbe Stunde und dann ist sie wieder topfit." Mark und Shane, die mit in dem Wagen saßen, brachen bei der Vorstellung in schallendes Gelächter aus. Kian warf ihnen einen warnenden Blick zu, das sie leiser sein sollten. Kurz bevor sie das Hotel erreichten, regte Marsha sich wieder. Sie dehnte und streckte sich, öffnete die Augen und war Kian ein strahlendes Lächeln zu. "Hi." Kian musste ein ziemlich dummes Gesicht gezogen haben, weil wieder alle anfingen zu lachen. "Na ausgeschlafen?" fragte er jetzt. "Ich denke. Zumindest für die nächsten zwei Stunden." Marsha wurde etwas verlegen. "Wie bin ich eigentlich in den Van gekommen?" fragte sie. "Tja, da du keinerlei Regung mehr gezeigt hast, musste ich dich wohl oder übel tragen. Ich hatte nicht vorgehabt, die ganze Nacht dort zu verbringen" entgegnete Kian grinsend. "Und was machen wir jetzt?" Ich glaube ich habe Hunger" fragte Marsha. "Ich würde sagen, wir sehen mal zu, das wir im Hotel noch eine Kleinigkeit bekommen, damit du uns nicht vom Fleisch fällst" bemerkte Mark mit einem Grinsen. Marsha streckte ihm die Zunge raus, musste aber auch lachen.
Als die Wagen in der Tiefgarage hielten, half Kian Marsha beim Aussteigen und legte ihre schützend eine Hand auf den rücken. Gemeinsam gingen sie alle hoch in eines der Restaurants und suchten sich einen großen Tisch, an dem alle Platz fanden, der aber auch etwas abseits stand, damit man nicht wie auf einem Präsentierteller saß. "Sag mal Marsha, wie soll es jetzt eigentlich weitergehen? Und weißt du schon, was es wird?" fragte Nicky, nachdem alle was bestellt hatten und die Getränke gebracht worden waren. Marsha zuckte mit den Achseln. "Nee, weiß noch nichts. Möchte ich auch nicht. Ich lass mich einfach überraschen. Ich war jetzt erst mal bei meinem besten Freund untergekommen, habe jetzt aber eine eigene Wohnung gefunden, die ich mir hoffentlich auch leisten kann, wenn der Racker da ist. Ein paar Monate arbeite ich noch und dann geh ich in Mutterschutz. Ich werde einfach versuchen müssen, das beste daraus zu machen. Ich habe trotz allem viele Freunde, die mir helfen." "Genau, du hast ja uns" meinte Shane lächelnd. "Eigentlich meinte ich eher meine Freunde hier in Deutschland und natürlich auch meine Familie" lachte Marsha, nachdem sie den mörderischen Blick von ihrer Schwester aufgefangen hatte. "Nachdem sie der ersten Schock überwunden haben, unterstützen sie mich, wo sie nur können." "Aber trotzdem hast du auch uns. Wir werden dir auch beistehen" meinte Shane nun etwas nachdrücklicher. "Das ist so lieb von euch, aber ihr kennt meine Meinung. Solange ein Vaterschaftstest nicht eindeutig bewiesen hat, das Kian der Vater ist, kann und will ich eure Hilfe nicht annehmen. Ich will euch nicht zur Last fallen" meinte Marsha bestimmt, worauf es lauten Protest von allen Seiten hagelte. "Jetzt hör aber auf. Du bist uns ans Herz gewachsen und es ist scheiß egal, wer nun der Vater ist. Du bist uns immer willkommen und wir werden dir helfen, wo wir nur können" übernahm Mark nun das Wort. Marsha schaute zweifelnd und hilfesuchend zu Kian, der neben ihr saß. Aber anstatt ihr zu Hilfe zu kommen, lächelte er sie nur siegessicher an und das, obwohl er ihre Einstellung kannte. "Tja meine Süsse, gegen soviel Fürsorge wirst du wohl nicht ankommen" schmunzelte er. Marsha blieb fast nichts anderes übrig, als sich zu fügen. Aber so leicht würde sie es ihnen nicht machen. Iren waren vielleicht stur, aber Deutsche konnten es noch viel besser.
Bald darauf wurde das Essen gebracht und alle verfielen in eine gefräßige Stille. Nachdem Marsha ihren Teller leer gegessen hatte meinte sie gähnend "Ich glaube, ich werde mich jetzt ins Bett begeben. Morgen wird wohl wieder ein langer Tag und ich brauch meinen Schönheitsschlaf." Sie schaute Lisa fragend an. "Macht es dir was aus, wenn ich noch etwas hier unten bleibe?" fragte diese. "Nein, sicher kannst du noch bleiben. Viel Spaß noch." Marsha gab Lisa einen Kuss auf die Wange und ging Richtung Tür. "Warte. Ich bring dich" rief Kian ihr hinterher. Marsha wartete auf ihn und meinte "Du musst das aber nicht tun." "Das mach ich doch gerne. Ich wollte eh noch kurz was mit dir besprechen" entgegnete Kian und legte vorsichtig einen Arm um sie. Als die Fahrstuhltüren sich schlossen, lehnte Marsha sich an die Wand und schaute müden zu Kian hoch. "Und was hast du auf dem Herzen?" "Also...ähm...na ja..." "Kian, sag einfach was du wissen willst. Ich reiß dir schon nicht den Kopf ab" lachte Marsha ihn an. "Ja also, ich möchte, also... ich hab mir überlegt...ich würde mich freuen, wenn du zu mir ziehen würdest. Sag jetzt nichts, überleg es dir einfach" schob er noch schnell hinterher, als er sah, das Marsha protestieren wollte. "Ich möchte dich einfach nur gut aufgehoben wissen, und so kann ich dir mit der Schwangerschaft und dem Knirps einfach viel besser helfen, als wenn du soweit weg in Deutschland bist" versuchte er ihr die Sache zu erklären. "Aber wir hatten doch abgemacht, da wir erst mal den Test abwarten. Und würde es nicht automatisch in der Presse landen, wenn ich bei dir wohnen würde. Ich will dich einfach nicht in Schwierigkeiten bringen" gab Marsha zu bedenken. "Aber das hat doch nichts mit dem Test zu tun. Und die Presse kann mir wirklich den Buckel runterrutschen." "Aber..." versuchte Marsha es noch mal. "Schlaf eine Nacht drüber und überleg es dir in aller Ruhe" meinte Kian beschwörend. Marsha nickte nur. Sie waren zwischenzeitlich an ihrem Zimmer angelangt und Marsha schloss auf. Dann drehte sie sich noch mal zu ihm hin, stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen kurzen Kuss auf den Mund. "Ich werde es mir überlegen. Gute Nacht und schlaf gut" flüsterte sie ihm zu. "Ja du auch. Bis morgen." Kian strich ihr eine Strähne aus der Stirn und drehte sich um. Marsha schaute ihm noch hinterher, bis er um die Ecke gebogen war, ging dann in ihr Zimmer und machte sich bettfertig.
Kian ging direkt zu den anderen zurück. Als er unten im Restaurant ankam, waren nur noch Shane, Mark und Lisa da. "Wo ist der Rest geblieben?" wollte Kian erstaunt wissen. "Die haben sich auch schon zurückgezogen. Lisa und ich wollen noch in die Bar, was trinken. Kommt ihr mit?" fragte Mark. "Ja gleich. Geht doch schon mal vor" meinte Shane, der Kian genau ansah, das ihn etwas beschäftigte und ihm die Möglichkeit geben wollte, sich auszusprechen. Mark verstand den Wink auch und zog mit Lisa ab. "Also Ki, was ist los?" meinte Shane lächelnd und bedeute Kian, das er sich setzen sollte. Seufzend ließ dieser sich auch auf einen Stuhl fallen und starrte kurze zeit vor sich hin. "Diese Frau ist so was von stur, das glaubt kein Mensch" stöhnte er dann. "Wieso? Was will sie denn nicht, was du aber willst?" "Ich habe sie gefragt, ob sie zu mir nach Irland zieht. Dann hätte ich sie in meiner Nähe und könnte ihr viel besser helfen, als wenn sie in Deutschland bleibt. Aber sie hat wieder Bedenken ohne Ende gebracht" erzählte Kian. "Und die wären?" wollte Shane genauer wissen. "Ach, wir sollten doch erst den Test abwarten. Und außerdem würde die presse bestimmt Wind davon bekommen, wenn sie bei mir wohnt. Sie will mich nicht in Schwierigkeiten bringen. Halt das Altbekannt. Aber ich will ihr doch nur helfen aber wie soll das gehen, wenn sie so weit weg ist." Kian schaute Shane fragend an. "Warum überkommt mich das Gefühl, das es bei dir nicht nur um die Schwangerschaft und um das Baby geht. Kann es sein, das du doch um einiges mehr für sie empfindest, als du uns die letzten Monate weis gemacht hast?" Shane schaute Kian wissen an. "Ach quatsch. Wir sind nur Freunde" versuchte Kian sich herauszureden. "Das kannst du mittlerweile deiner Oma erzählen. Ich habe doch gesehen, wie du gestrahlt hast, wenn ihr telefoniert habt und dein ganzes Verhalten, seit dem sie hier ist. Ich weiß zum Beispiel auch, das du immer ein Foto von ihr mit dir herumträgst. Also komm, sei endlich ehrlich zu dir und zu mir auch." Shane lächelte seinen Freund aufmunternd an. "Woher weißt du das mit dem Foto?" Kian schien erschrocken. "Es ist mal in der Garderobe aus deiner Jeans gerutscht. Aber lenk nicht ab" erklärte Shane. "Ich mag sie. Ja, ich mag sie sogar sehr, aber ich weiß nicht, ob da noch mehr ist. Im Moment herrscht bei mir ein heilloses Durcheinander" meinte Kian und zeigte an seinen Kopf. Shane gab sich damit zufrieden. "Das wird sich schon alles finden. Warte es nur ab. Und um Marsha eventuell etwas Wind aus den Segeln zu nehmen, hätte ich da eine Idee. Sie könnte doch erst mal bei Gil und mir wohnen. Sie wäre dann in deiner Nähe, aber nicht so nah, das die Presse was spitz kriegt. Und sie wäre nicht allein, wenn wir mal wieder unterwegs sind" meinte Shane. "Das ist eine verdammt gute Idee. Ich könnte sie immer sehen, wann ich will und keiner würde etwas mitbekommen. Das ist verdammt gut, Shane." Kian war begeistert. "Ich werde morgen gleich mal mit ihr darüber reden, aber erst muss ich Gil fragen, ob es ihr auch Recht ist" meinte Shane.
Zwischenzeitlich lag Marsha in ihrem Bett und konnte keinen Schlaf finden. Warum wollte Kian unbedingt, das sie zu ihm nach Irland zog. Ihm musste doch klar sein, das es nur Ärger geben würde. Sie hatte wirklich keine Lust, in der Presse zerrissen zu werden oder das Kian irgendein Schaden dadurch nehmen würde. Marsha musste ihm einfach wieder von dieser Idee abbringen. Es sollte doch erst mal alles so bleiben, wie es war. Wie stellte er sich das vor? Wie sollte sie dort leben, so ganz ohne Job und Geld? Es war ja wirklich süß von Kian, wie er sich um sie sorgte, aber er wusste doch was sie davon hielt. Sie wollte das alles selbständig auf die Reihe bekommen. Irgendwann schlief sie dann doch ein und bekam auch nicht mit, wie in den frühen Morgenstunden ihre Schwester wieder kam.
Am nächsten Morgen wurden sie von einem Klopfen an der Tür geweckt. Marsha öffnete vorsichtig die Augen und sah zu Lisa herüber, die nicht ein Ohr am Kopf rührte. "Ja?" rief sie dann in Richtung Tür. "Guten Morgen ihr beiden Hübschen. Aufstehen. In einer Stunde ist Abfahrt" hörte man Marks Stimme vom Flur und wie von Taranteln gestochen, saß Lisa plötzlich senkrecht im Bett. "Danke Mark, wir sind gleich unten" rief Marsha und drehte sich grinsend zu ihrer Schwester. "Guten Morgen. Na was treibt dich denn so aus dem Schlaf?" "Nichts, nichts. Guten Morgen. Ich geh schon mal schnell duschen" murmelte Lisa und schwang sich leicht errötend aus dem Bett. Kurz darauf hörte man die Dusche rauschen. Marsha nahm sich vor, später mit Lisa in Ruhe zu reden, schwang sich dann ebenfalls aus dem Bett und suchte sich schon mal was zum Anziehen heraus. Nachdem Lisa die Dusche wieder geräumt hatte, schlüpfte Marsha hinein und ließ das warme Wasser an sich herunter prasseln. "Und hattest du noch einen schönen Abend?" fragte Marsha scheinheilig aus der Dusche heraus. "Ja war ganz nett" kam nur zurück. "Wann warst du den auf dem Zimmer?" bohrte Marsha nach. "Keine Ahnung, so gegen zwei oder so." Ihre Schwester war doch sehr gesprächig heute morgen. Marsha stellte die Dusche ab, schlang ein Handtuch um den Körper und stieg aus. Von hinten nahm sie ihre Schwester in den Arm und meinte "Ich kann dir keine Vorschriften machen - will ich auch nicht - nur sei vorsichtig." Lisa drehte sich um und schaute Marsha fragend an. "Na du siehst doch, was passieren kann, wenn man es nicht ist" erklärte Marsha und strich über ihren Bauch. Lisa lächelte und legte auch eine Hand auf Marshas Bauch. "Ich finde es gar nicht so schlimm, das du mal nicht so vorsichtig warst. Jetzt werde ich immerhin doch noch Tante. Aber um dich zu beruhigen, es läuft nichts zwischen Mark und mir, wir verstehen und nur gut und haben ein wenig Spaß zusammen." "Ja, ja. Vor ein paar Monaten habe ich genau das gleiche von mir gegeben" grinste Marsha. "Sag mir lieber mal, wie es jetzt zwischen dir und Kian weitergehen soll" wollte Lisa jetzt wissen. "Wie meinst du das?" Marsha putzte sich gerade die Zähne, so dass diese Frage nicht ganz klar über ihre Lippen kam. "Meiner Meinung nach seit ihr euch noch immer ziemlich nah. So wie ihr euch immer anseht und miteinander umgeht." Marsha schüttelte nur mit dem Kopf, spukte die Zahncreme aus und erwiderte "Wir sind Freunde. Das was damals passiert war, war ein Ausrutscher." "Ja, ja. Hallo? Ich sehe doch, was da zwischen euch läuft." Lisa glaubte ihrer Schwester kein Wort. "Ach ich weiß doch auch nicht. Ich mag ihn, aber ob da mehr ist, kann ich nicht sagen. Im Moment habe ich auch verdammt noch mal genug anderen Scheiß um die Ohren, als auch noch meine Gefühlswelt klar zu bekommen" meinte Marsha aufgewühlt und plötzlich zuckte sie zusammen. "Was ist los?" fragte Lisa erschrocken. Marsha fasste sich wieder an den Bauch und fing an zu lächeln. "Der Terrorzwerg macht nen Aufstand. Hier fühl mal." Marsha nahm die Hand von Lisa und legte sie sich auf den Bauch. Kurz drauf spürte man schon wieder einen leichten Stoß. Lisa fing an zu quieken. "Ist das geil."
Einige Zeit später gingen sie zum Frühstück runter. Lisa konnte nicht an sich halte und musste jedem erzählen, dass sich der Terrorzwerg bewegt hatte. Sie war so stolz darauf, das sie bald Tante wurde. Kian, der neben Marsha saß fragte "Darf ich auch mal fühlen?" "Ich weiß aber nicht, ob es sich noch mal rührt, aber sicher" antwortete Marsha und Kian legte vorsichtig seine Hand auf ihren Bauch. Es dauerte einige Zeit bis Kian dann einen leichten Druck an seiner Hand spürte. Seine Augen leuchteten auf und er fing an zu lächeln. "Hammer!" flüsterte er tief bewegt und schaute Marsha tief in die Augen. Einen kurzen Moment war es so, als wären sie beide ganz alleine mit ihrem Kind auf der Welt. Kian beugte sich vorsichtig rüber und gab Marsha einen sanften Kuss auf die Lippen, wobei er sie die ganze Zeit ansah. Marsha fühlte sich in diesem Moment so geborgen und geliebt, das es ihr fast die Tränen in die Augen trieb. Sie blinzelte kurz und Kian wand sich mit einem Lächeln wieder den anderen zu. Lisa meinte nur leise zu Marsha "Ja, ja, nur Freunde." Grinste und widmete sich wieder ihrem Kaffe. Marsha war ihr einen bösen Blick zu, sagte aber nichts mehr dazu. Nachdem sie zu Ende gefrühstückt hatten, machten sie sich auf den Weg zum Flughafen. Von Hamburg wollte man bis nach Düsseldorf fliegen, um dann den restlichen Weg bis nach Oberhausen mit dem Tourbus zu fahren. Am Flughafen angekommen, warteten schon etliche Fans auf sie. Marsha verzog das Gesicht und schaute hilfesuchend zu Kian. "Keine Angst, wir sind bei euch" meinte er nur lächelnd. Dann sprach er mit Anto, der vorne neben dem Fahrer saß. "Anto, achte gleich bitte etwas auf die Mädels hier. Bitte bring sie so schnell wie möglich zum Gate." "Klar mach ich" erwiderte Anto und lächelte die beiden an. "Ok, wir steigen jetzt aus. Der Fahrer bringt euch dann bis dahinten und dort könnt ich unbehelligt aussteigen. Wir sehen uns dann gleich im Flieger. Ok?" meinte Kian, gab Marsha einen kurzen Kuss und stieg aus dem Wagen. Von draußen hörte man lautes Gekreische. Die Jungs und Geo gingen mit Hilfe der Security durch den abgesperrten Bereich, gaben hier und da noch ein Paar Autogramme und verschwanden dann im Inneren des Flughafengebäudes. Der Fahrer fuhr den Van einige Meter weiter bis zu einem anderen Eingang. Anto stieg aus und öffnete dann die Tür. So Mädels und jetzt ihr" meinte er und führte sie in Richtung Gebäude. Es wurde hier keine Notiz von ihnen genommen und so erreichten sie unbeobachtet den Schalter zum Einchecken, brachten alle Formalitäten hinter sich und gingen gleich zum Flugzeug.
Im Flugzeug trafen sie dann auch wieder auf die anderen. Lisa saß ganz hibbelig am Fenster und schaute gespannt hinaus. Es war ihr erster Flug und sie war mächtig aufgeregt. Shane setzte sich auf den Platz auf der anderen Gangseite und sprach Marsha leise an. "Hast du gleich mal einen Augenblick Zeit für mich?" "Ja klar, was gibt es denn?" wollte Marsha neugierig wissen. Shane bedeutete ihr, das sie zu ihm herüber kommen sollte. Marsha schaute Lisa fragend an und sie nickte. "Gleich. Warte bis wir in der Luft sind. Dann kann ich Lisa allein lassen" meinte Marsha zu Shane und der nickte. Der Privatjet rollte so langsam in Richtung Startbahn und Marsha nahm Lisas Hand. Dann starteten sie und Lisa schaute noch immer wie gebannt aus dem Fenster. Als sie oben waren, verlies Marsha ihren Platz und setzte sich zu Shane. "Also was gibt’s?" fragte Marsha. "Hm... also... der Kian hat mir gestern erzählt, was er dir vorgeschlagen hat und das du Bedenken hast. Und da wollte ich dir noch einen anderen Vorschlag machen" fing Shane an. "Wieso spricht Kian mit dir darüber?" "Sollte er nicht?" kam von Shane die Gegenfrage. Marsha zuckte mit den Achseln. "Ihn beschäftigt das Ganze ziemlich. Und da brauchte er jemanden, den er um Rat bitten konnte." "Und was sagst du zu seiner Idee?" wollte Marsha jetzt wissen. "Ich kann ihn verstehen, das er dich und das Kind in seiner Nähe haben will und ich verstehe auch deine Bedenken. Gil und ich haben uns überlegt, das du auch gerne erst bei uns wohnen kannst. So bist du in Kians Nähe, aber nicht so nah, das die Presse schnell dahinter kommt" legte er seine Überlegungen auf den Tisch. Marsha dachte darüber nach was Shane ihr gerade gesagt hatte. "Das hört sich ja ganz lieb an und ich danke euch auch dafür, aber wovon soll ich leben, wenn ich jetzt Deutschland verlasse." Marsha war noch immer nicht überzeugt. "Darüber mach dir mal keine Gedanken. Das kriegen wir schon irgendwie hin. Und wenn der Test, den du ja unbedingt willst, bestätigt, das Kian der Vater ist, dann wirst du nicht mehr verhindern können, das er euch unterstützt. Denk in Ruhe drüber nach. Du musst es ja nicht jetzt entscheiden." Marsha dachte wieder über Shanes Worte nach und nickte. "Ich werde darüber nachdenken" meinte sie dann. "Du kannst dich immer auf uns verlassen. Wir sind für dich da" meinte Shane noch und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Danke" murmelte Marsha mit Tränen in den Augen. Seit sie schwanger war, spielten ihre Hormone verrückt und sie war verdammt nah am Wasser gebaut.
Nachdem sie in Oberhausen im Hotel angekommen waren, legte Marsha sich erst mal etwas hin. Sie wollte nicht abends wieder schlapp machen. Sie dachte noch viel über das Gespräch mit Shane nach, kam aber nicht wirklich mit ihrer Entscheidung weiter. Sie war auch nicht überzeugt davon, das man die Presse so leicht täuschen könnte. Lisa kam ins Zimmer und betrachtete ihre Schwester. "Was liegt die auf dem Herzen?" fragte sie nach einer Weile. "Ach es ist alles so kompliziert. Kian möchte das ich nach Irland ziehe" begann Marsha und Lisa sah sie mit großen Auge an. "Oh. Wie kommt das denn jetzt?" Marsha erzählte ihr die Geschichte und danach saßen sie beide auf dem Bett und hingen ihren Gedanken nach. "Und was sagst du dazu?" wollte Marsha die Meinung ihrer Schwester hören. "Ich denke, für diesen Schritt solltest du dir zumindest erst mal über deine Gefühle zu Kian klar werden. Es ist ein ziemlich schwerwiegender Schritt. Aber wenn du zu ihm ziehst, werde ich dich unterstützen. Du bist ja nicht aus der Welt. Wir können dich besuchen kommen oder du kommst mal zu uns" meinte Lisa ernst. "Meinst du das wirklich?" Lisa nickte. "Auch wenn ich dich tierisch vermissen werde, wenn du dir sicher bist, das du in Irland glücklicher wärst, dann tu es und lass dich von niemanden abhalten." Marsha nahm ihre Schwester fest in den Arm und wieder flossen Tränen. Sie hasste ihre Hormone.
Am späten Nachmittag machten sie sich auf den Weg in die Konzerthalle. Und es war schon wie den Tag zuvor in Hamburg. Sie wurden von kreischenden Mädchen empfangen, die vor der Halle ausharrten. "Geht schon mal rein, wir wollen mal noch nett sein und ein paar Autogramme geben. Es sind ja nicht so viele, da die meisten schon drinnen sind. Wir kommen gleich nach" meinte Kian und gab sie in die Obhut der Security. So gingen die Mädels schon mal in die Katakomben voraus und machten es sich wie gestern im Catering-Bereich gemütlich. Bald kamen auch die Jungs nach und sahen etwas gestresst aus. "Warum lassen wir uns eigentlich immer auf dieses Spielchen ein? Erst waren es ja nur ein paar Fans, aber irgendwo muss ein Nest gewesen sein. Plötzlich waren es Hunderte" Mark war noch immer erschrocken. "Weil wir es tief in unseren Herzen gerne machen" grinste Nicky, verdrehte dabei aber spielerisch die Augen. Alle stimmten in sein Lachen mit ein. Nach einem kurzen Snack machten sie sich schon wieder auf den Weg zum letzten Check und zum Umziehen. Die Mädels begaben sich bereits hinter die Bühne und warteten darauf, das die Jungs fertig für die Bühne waren. Nach einiger Zeit kamen auch schon die ersten beiden zu Ihnen herüber, um sich noch einen Kuss abzuholen. Als Kian vor Marsha stand, zog er sie an sich und nahm sie fest in den Arm. "Viel Glück" wünschte Marsha ihm. "Dir wünsch ich viel Spaß" antwortete er und gab ihr einen Kuss. Dann drehte er sich um und begab sich hinter die Bühne. Marsha und Lisa stellten sich wieder in den Bühnengraben und betrachteten das ganze Treiben. "Schon ein komisches Gefühl zu wissen, das wir jetzt eigentlich irgendwo da hinten sitzen müssten. Und nun stehen wir hier, am besten Platz der ganzen Halle" meinte Lisa verschmitzt. Marsha musste auch lachen.
Kurz darauf begann das Konzert und Marsha genoss es sichtlich. Sie fühlte sich im Moment einfach nur wohl. Ungefähr zur Hälfte des Konzertes merkte Marsha, wie das Baby im Bauch ziemliche Randale machte. Anscheinend war es ihm zu laut in der Halle. "Lisa kann ich dich hier alleine lassen. Das Baby findet es wohl zu laut hier. Ich werde wohl mal nach hinten gehen müssen" fragte sie ihre Schwester. Lisa schaute sie besorgt an. "Soll ich mitkommen?" "Quatsch. Geo ist doch auch noch da" beruhigte Marsha Lisa. "Gut, dann halte ich hier die Stellung. Pass auf dich auf." Marsha machte sich auf den Weg in den Backstage-Bereich und mit jedem Schritt wurde das Kind ruhiger. "Na wenn das dein Papa hört, das du seine Musik nicht magst..." sprach sie leise mit dem Baby und lächelte dabei. Kurz darauf kam sie im Aufenthaltsraum an und setzte sich zu Geo. "Wie schon genug vom Konzert?" fragte Geo erstaunt. "Ich nicht, aber der kleine Terrorzwerg. Hat eben ganz schön Randale geschlagen. Kian wird sicher nicht erfreut sein, wenn sein Kind seine Musik so verschmäht" erklärte Marsha grinsend und sie mussten lachen. Geo machte den Fernseher an, der in der Ecke stand und so konnten sie über den Hallenkanal das Konzert in Ruhe zu Ende sehen.
Das Konzert war zu Ende und Marsha und Geo waren gerade in einem Gespräch über Babys vertieft, als Kian wie von Bienen gejagt in den Raum gestürzt kam. "Marsha ist alles in Ordnung mit dir? Lisa hat gerade erzählt, das es dir nicht gut ginge und das du hier sitzt." "Falsch Kian. Ich habe gesagt, das das Baby Randale gemacht hat uns sich Marsha deswegen hierhin verzogen hat, um dem Kind mehr Ruhe zu gönnen. Wenn du dann gleich den Teufel an die Wand malst..." Lisa war hinter in getreten und verdrehte die Augen. Marsha fing an zu lachen und hielt sich den Bauch. "Kian. Es war wohl nur zu laut und das Baby hat doll gestrampelt, also bin ich hierher gekommen, wo es nicht mehr so laut ist. Und schon hat es wieder Ruhe gegeben. Es ist alles in bester Ordnung" versuchte Marsha ihn zu beruhigen. "Dann ist ja gut. Ich war nur sehr erschrocken. Ich hatte mich schon gewundert, als du plötzlich nicht mehr da warst." Kian schien wirklich erleichtert. Nach und nach gingen die Jungs duschen und danach machten sich alle wieder auf den Rückweg ins Hotel um noch was zu essen.
Nach dem Essen gingen sie in die Hotelbar, da sie den letzten Abend in Deutschland noch ein wenig feiern wollten. "Und hast du dir meinen Vorschlag schon mal durch den Kopf gehen lassen?" fragte Kian irgendwann. "Ich habe schon viel darüber nachgedacht, aber ich weiß noch nicht, was ich machen werde. Erstens muss ich mir noch über einiges klar werden. Ich möchte auch erst noch mit meinen Eltern darüber sprechen, bevor ich mich entscheide" meinte Marsha und schaute Kian in Hoffnung an, das er sie verstand. Er nickte und meinte "Kann ich verstehen, immerhin wäre es eine Entscheidung mit viel Tragweite. Ich kann die nur immer wieder sagen, wie glücklich du mich machen würdest, wenn du zu mir nach Irland kommen würdest." Marsha schaute Kian verwundert an. "Und warum würde ich dich damit glücklich machen?" fragte sie leise und hatte aus irgendwelchen Gründen leichte Angst vor der Antwort. "Na ja...ähm...weil...ich dich mag, sehr sogar. Und ich möchte für dich und das Kind da sein." Wenn sie jetzt eine Liebeserklärung erwartet hatte, dann wurde sie enttäuscht. Marsha, mach dir nix vor. Das willst du doch auch gar nicht, schalte sie sich selber. "Gib mir noch etwas Zeit für meine Entscheidung, das kann ich nicht von heute auf morgen machen" antwortete sie dann lediglich. Kian nickte wieder. "Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst. Ich werde auf dich warten."
Es war schon ziemlich spät, als Marsha sich von den anderen verabschiedete. Lisa wollte noch ein wenig bleiben. Sie und Mark hatten sich die ganze Zeit angeregt unterhalten und konnten sich noch nicht von einander trennen. Marsha lächelte darüber. Kian brachte sie, wie schon gestern zu ihrem Zimmer, nahm sie in den Arm und gab ihr einen kurzen Kuss. "Schlaf gut und träum süß" meinte er dann. "Ja du auch. Gute Nacht" antwortete Marsha und ging in ihr Zimmer. Nachdem sie sich bettfertig gemacht hatte, lag sie noch lange wach und grübelte mal wieder darüber, was sie jetzt machen sollte. Tief in ihrem Inneren war es ihr schon klar, aber sie wollte es sich noch nicht wirklich eingestehen. Lisa kam ins Zimmer und war selig am lächeln. "Na was ist denn mit dir passiert?" fragte Marsha lächelnd. "Och nix" meinte Lisa und versuchte ein unbeteiligtes Gesicht zu machen. "Erzähl mir doch nix, ich kenn dich doch" bohrte Marsha nach. "Er hat mir seine Nummer gegen und ich soll dich auf jeden Fall ganz oft in Irland besuchen kommen." Lisa wurde leicht rot. "Und?" Marsha schaute Lisa eindringlich an. Das war doch noch nicht alles, das war Marsha klar. "Nix und." "Lisa." "Ok, er hat mich geküsst. Es war nur ein ganz kurzer. So unter Freunden. Es hatte nichts zu bedeuten" Lisa war ganz verlegen. Marsha lächelte nur und sagte nichts mehr zu der Sache. Lisa würde schon wissen, was sie macht. "Und wir kommt er darauf, dass ich nach Irland ziehe?" Lisa zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Ich denke, irgendwie ist das allen schon klar, nur dir nicht." Sie lächelte. "Doch ich denke, mir so langsam auch." "Oh, woher der plötzliche Sinneswandel?" Lisa war sehr überrascht. "Wenn ich es nicht mache, würde ich mir immer überlegen, wie es wäre. Ich meine, egal wie es sich zwischen Kian und mir entwickelt, ich sollte dem Kind nicht die Chance nehmen, seinen Vater so oft wie möglich zu sehen." Marsha versuchte es ihrer Schwester zu erklären, ohne ihre wahren Gefühle offen zu legen, da sie sich diese auch noch nicht eingestehen konnte. Aber Lisa fiel nicht darauf rein, obwohl sie sich jeglichen Kommentar verkniff. "Aber bevor ich mich entgültig entscheide, will ich noch mit Mum und Dad reden." "Ja, denn uns beiden ist klar, ohne den Segen unserer Eltern würdest du in Irland trotzdem nicht glücklich werden" erwiderte Lisa und nickte ernst. "Und sei so lieb, behalte es erst mal für dich. Ich möchte niemanden falsche Hoffnungen machen" bat Marsha Lisa. Lisa nickte zustimmend und verkrümelte sich danach ins Bad, damit sie sich für die Nacht fertig machen konnte.
Am nächsten Morgen wurden sie wieder durch ein Klopfen an der Zimmertür geweckt. "Guten Morgen. Aufstehen" rief Mark vom Flur her. Marsha öffnete verschlafen ihre Augen und sah direkt in die von Lisa. Sie lächelte mal wieder. "Danke, wir sind gleich unten" rief Lisa zurück und sprang aus dem Bett. Marsha musste über Lisas Benehmen lachen. Zuhause musste man sie zwingen, damit sie aufstand und hier? Kurz darauf machte auch Marsha sich auf ins Bad, als sie hörte, das die Dusche wieder frei war. Eine halbe Stunde später gingen sie runter, um das letzte Mal mit den Jungs und Geo zu frühstücken.
"Guten Morgen allerseits" rief Marsha als sie am Tisch ankamen. "Wünschen wir euch auch. Na wie geht es dir?" fragte Geo. "Hm, bestens" antwortete Marsha, setzte sich neben Kian und schaute ihn lächelnd an. Er lächelte etwas gequält zurück. "Hey schlecht geschlafen. Du siehst so mürrisch aus?" wollte Marsha wissen. "Nee alles in Ordnung. Bin nur noch etwas müde" erwiderte Kian. Marsha war sich sicher, das es nicht ganz stimmte, wollte ihn aber nicht weiter ausfragen. Wenn er mit ihr darüber reden wollten, was ihn belastete, dann würde er es von sich aus machen. "Ach Marsha. Ich habe eben mit Anto gesprochen. Einer von unseren gemieteten Vans steht euch zur Verfügung. Ihr müsst nur Bescheid sagen, wann ihr abreisen wollt, dann bringt euch der Fahrer nach Hause" meinte Shane jetzt. "Das ist doch nicht nötig. Wir können doch auch mit dem Zug fahren" widersprach Marsha. "Vergiss es. In deinen Zustand fährst du nicht mit dem Zug. Es ist super unbequem und ihr müsstet bestimmt oft umsteigen. Ihr nehmt den Van" meinte Kian nun entschieden. "Kian ich bin schwanger - nicht krank." "Genau, deswegen ja." Marsha wusste, das es keinen Sinn machen würde, Kian zu widersprechen und ließ es bleiben auch wenn es sie rasend machte, wie er sie bemutterte. "Danke" meinte sie dann nur zu Shane und biss in ihr Brötchen. Kian bedachte sie daraufhin keines Blickes mehr. "Süsse, ich will dich nicht bevormunden, ich mach mir nur Sorgen um dich" meinte Kian nun versöhnlicher. Ihm war bewusst, das es Marsha hasste von ihm so gegängelt zu werden. Marhsa musste nun schon wieder lächeln und meinte dann "Das weiß ich doch. Und das find ich auch lieb, aber pack mich bitte nicht in Watte. Es reicht schon, wenn meine Familie das macht." Sie lehnte sich zu ihm rüber und gab ihm einen Kuss auf die Wange, um ihm zu bedeuten, das sie nicht mehr böse war.
Sie ließen sich beim Frühstücken richtig Zeit und genossen noch mal die letzten Minuten des Zusammenseins. Irgendwann stand Anto am Tisch und meinte, es würde so langsam wirklich Zeit für den Aufbruch. Auch ihm schien es leid zu tun, die Runde auflösen zu müssen. Die sieben wollten noch eben schnell ihre Koffer holen und Marsha und Lisa sollten unten warten, damit man sich gleich voneinander verabschieden konnte. So tranken die beiden noch in Ruhe einen Kaffee und warteten auf die anderen. "Ich vermisse sie jetzt schon. Obwohl ich sie erst zwei Tage kenne, mag ich sie" meinte Lisa etwas traurig. "Na, wenn es so kommt, wie ihr es plant, seht ihr euch doch bestimmt bald wieder" schmunzelte Marsha. "Du bist doch auch schon der Meinung, da es so am besten ist. Auch wenn du mit deinen Gefühlen und Gründen noch nicht ganz ehrlich bist" erwiderte Lisa mit einem Grinsen. Marsha konnte darauf nicht mehr antworten, da die anderen zwischenzeitlich wieder zurückkamen. Als alle versammelt waren, begann das Verabschieden. Sie wollten sich schon hier voneinander verabschieden, da es draußen vor Fans wimmelte und man so nicht die Ruhe hätte. "Bevor ich es vergesse, hier ist meine Nummer. Melde dich wenn du dich entschieden hast. Und auch so kannst du jederzeit anrufen" meinte Shane, als er Marsha noch einmal drückte und gab ihr eine Karte. "Ich melde mich auf jeden Fall - Versprochen" antwortete Marsha und gab ihm ein Kuss auf die Wange. Als letztes verabschiedete sie sich von Kian. "Ich ruf dich heute Abend an, wenn wir mit dem Konzert durch sind" meinte dieser. "OK, ich werde auf deinen Anruf warten." "Und wann sehen wir uns wieder?" "Das wird man sehen. Aber ich denke bald. Und wenn ich dich nur besuchen komme." Marsha wollte Kian einfach noch keine Hoffnungen machen, so lange wie zuhause noch nicht alles geklärt war. Aber sie konnte sehen, das er über ihre Antwort enttäuscht war. "Beeilung Leute, wir sind wirklich schon sehr spät dran" erinnerte Anto wieder an den Aufbruch. Marsha nahm Kian ganz fest in den Arm und schaute ihm tief in die Augen. "Ich werde dich vermissen" sagte sie leise. Er drückte sie noch mal an sich heran. "Ich dich auch. Du glaubst gar nicht wie sehr" erwiderte er und gab ihr einen zärtlichen Kuss, den sie auch erwiderte. Als sie sich lösten, meinte Kian dann noch mit leicht belegter Stimme "Pass mir auf den Racker auf, ja?" "Natürlich. Bis dann." Marsha lächelte Kian noch mal an und machte dann einen Schritt zurück. Kian nahm seinen Koffer und ging Richtung Tür. Dort drehte er sich noch mal um und winkte.
2 Monate später:
"Hast du deinen Pass?" fragte Marsha Lisa, als sie am Flughafen ankamen. "Zum zehnten Mal. Ja" antwortete Lisa entnervt. Mum und Dad mussten lachen. "Marsha sei doch nicht so nervös. Sonst bist du doch auch immer die Ruhe selbst" meinte ihr Dad schmunzelnd. "Vielleicht liegt es daran, das ich sonst immer wiedergekommen bin und diesmal komme ich, wenn dann nur zu Besuch." Marsha schaute ganz zerknirscht. "Na ja, vielleicht kommst du ja doch irgendwann ganz wieder" hoffte ihre Mum immer noch, worauf Marsha nur mit den Achseln zuckte. "Auf jeden Fall kommen wir im Oktober und besuchen dich und unser Enkelkind. Ach und vergiss nicht, Kian von uns zu grüßen" setzte ihre Mum noch nach. "Genau, und ich freu mich jetzt schon riesig auf euren Besuch. Ja, ich werde ihn von euch grüßen." Marsha lächelte ihre Mum an und drückte sie fest an sich. Nach dem Verabschieden machten Marsha und Lisa sich auf den Weg in die Transithalle und warteten darauf, das sie ins Flugzeug steigen konnten. "Oh man, freu ich mich schon darauf, die anderen wiederzusehen" Lisa hüpfte aufgeregte auf und ab. "Hm, besonders Mark, oder weiß" Marsha lachte über die rote Birne, die Lisa plötzlich bekam. Mark und sie hatten in den letzten Wochen regelmäßig miteinander telefoniert. Und Mark hatte auch die Idee gehabt, das Lisa Marsha begleiten sollte, wenn sie nach Irland zog. So hatte Lisa sich zwei Wochen Urlaub genommen und flog mit, was Marsha sehr recht war. So musste sie das ganze nicht alleine durchmachen.
Nachdem sie endlich aufgerufen wurden, begaben sie sich zum Flieger und machten es sich in ihrem Sitzen bequem. Als Marsha sich angeschnallt hatte, machte sie ihre Augen zu. Die letzten Wochen waren verdammt anstrengend gewesen. Nachdem sie aus Oberhausen zurückgekehrt waren, hatte Marsha erst mit ihrem bestein Freund über alles gesprochen. Sie hatte ihm alles erzählt, auch was sich in den vergangen Tagen abgespielt hatte und auch er hatte ihr geraten, es zumindest zu versuchen. Dann war sie zu ihren Eltern gefahren und hatte auch ihnen alles gebeichtet, auch wer der Vater ihres Kindes war. Nach dem ersten großen Schock hatten sie ihr geraten, auf ihr Gefühl zu hören und sie wollten ihr in allem beistehen. Einige Tage hatte sie noch über die ganze Sache nachgedacht und hatte sich dann dazu entschlossen, es zu versuchen. Ihr war klar geworden, das sie einiges mehr für Kian empfand, als sie sich hatte eingestehen wollen. So konnte sie zumindest in seiner Nähe sein, egal wie es sich weiterentwickeln würde. Kian war ihr fast durchs Telefon gekrabbelt, so hatte er sich gefreut, als sie ihm die Nachricht überbrachte. Marsha musste bei der Erinnerung an das Telefongespräch lächeln. Kian hatte gleich alles geplant und war ganz nicht mehr zu bremsen gewesen. Vor zwei Wochen war er dann für einige Tage bei Marsha gewesen, um sich ihren Eltern vorzustellen. Sie hatten sich trotz einiger Sprachprobleme ziemlich gut verstanden. Nach seinem Besuch waren ihre Eltern etwas beruhigter. Ihnen war doch nicht so ganz wohl dabei gewesen, das ihre Tochter in ein fremdes Land zu einem fremden Mann zog. Wobei sie ja nicht bei Kian einzog, sondern bei Gil und Shane. Aber Kian hatte sich mit seinem Charme in die Herzen ihrer Eltern gespielt und Marshas Mum war ihm völlig erlegen. Tja wie die Tochter so die Mutter. Kian hatte zwar noch mal versucht sie davon abzubringen zu Gil und Shane zu ziehen, aber sie war bei ihrer Entscheidung geblieben. Gil und Shane freuten sich schon darauf, das Marsha bei ihnen zu Gast sein würde. So konnten die beiden Frauen sich eingehend über ihre Schwangerschaften unterhalten und sich gegenseitig beraten.
Irgendwann musste Marsha eingeschlafen sein. Lisa weckte sie, als sie im Landeanflug auf Dublin waren. Plötzlich war Marsha richtig aufgeregt. Bald würde sie Kian und die anderen wiedersehen und sie hoffte, das sie sich so nicht wieder so schnell verabschieden musste. Als der Flieger gelandet war und sie ausgestiegen waren, suchten sie erst mal ihre Koffer vom Band und gingen durch die Kontrollen. Als sie in der großen Halle ankamen entdeckten sie Anto etwas abseits stehen und auf sie warten. Kian hatte ihr am vorherigen Tag am Telefon erzählt, das Anto sie abholen würde, da Kian noch einen Termin hatte und es so auch unauffälliger wäre. Marsha ging mit Lisa auf Anto zu. "Anto, schön dich wiederzusehen" begrüßte sie ihn und hielt ihm ihre Hand hin. "Mädchen lass dich drücken" meinte Anto daraufhin und zog sie an sich. Marsha musste über die Begrüßung herzhaft lachen, da sie damit nicht gerechnet hatte. "Hallo Lisa, schön das du auch da bist" begrüßte Anto auch Lisa und zog sie ebenfalls in seine Arme. "So Mädels, dann gebt mir mal euer Gepäck und dann geht’s los. Draußen steht der Wagen" meinte Anto als er sich von Lisa gelöst hatte und führte die beiden aus dem Flughafengebäude. Nachdem alles verstaut war, stiegen sie in den Wagen und Anto fuhr los.
Nach unendlichen drei Stunden kamen sie endlich in Sligo an. Marsha war unendlich glücklich wieder hier zu sein. Sie merkte erst jetzt wie sehr sie diese Stadt vermisst hatte. Auch Lisa schien es zu gefallen. "Hier kann man sich, glaub ich, wohl fühlen" meinte sie zu Marsha und diese nickte zustimmend. Bald fuhr Anto eine Auffahrt zu einem wunderschönen Haus hoch. Marsha und Lisa klappten die Kinnladen runter. "OK, ich besuch dich häufiger" meinte Lisa nur baff. Auch wenn Marsha schon mal in Sligo gewesen war, so hatte sie vorher das Anwesen der Filans nie gesehen. Das Auto hielt und Anto öffnete die Tür. Marsha und Lisa waren noch nicht ganz ausgestiegen, als die Haustür geöffnet wurde und Shane mit Gil herausgelaufen kam. "Na endlich, da seid ihr ja" rief Shane und kam auf sie zu. Er nahm Marsha ganz fest in den Arm. "Marsha ich freu mich, das du hier bist." "Ich freu mich auch riesig. Danke, das ich hier sein darf" meinte Marsha und gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Gil, schön dich endlich mal wiederzusehen. Man dir sieht man die Schwangerschaft ja schon richtig an. Du siehst gut aus" begrüßte Marsha dann Gil und nahm sie in den Arm, was bei den beiden Babybäuchen nicht so einfach war. Sie mussten auch beide herzhaft lachen. Nachdem auch Lisa begrüßt wurde, gingen sie ins Haus. Shane und Anto holten noch das Gepäck und folgten dann den Frauen. Sie setzten sich alle ins Wohnzimmer, um erst mal in Ruhe einen Kaffee zu trinken. "Ihr habt wirklich ein wunderschönes Haus" bemerkte Marsha. "Danke. Wir haben auch versucht, es uns so schön wie möglich zu machen" erklärte Gil. Sie unterhielten sich über ihre Schwangerschaften, als es an der Tür klingelte. Shane stand auf, um zu sehen, wer dort vor der Tür stand. Kurz darauf kam er mit Mark wieder ins Wohnzimmer. Lisa sprang auf und rannte auf Mark zu. "Mark" rief sie und umarmte ihn stürmisch. "Hey Süße. Man tut das gut, dich wiederzusehen" meinte Mark und wollte Lisa gar nicht mehr loslassen. Shane, Gil und Marsha schauten sich an und grinsten. "Ist jetzt langsam gut, da wird man ja richtig eifersüchtig" flachste Shane. Mark warf ihm einen bösen Blick zu, löste sich aber von Lisa, kam auf Marsha zu und begrüßte sie. "Willkommen in deiner neuen Heimat. Ich hab dich vermisst." "Hallo Mark. Danke. Ich glaub aber nicht so sehr, wie meine Schwester" erwiderte Marsha und gab ihm grinsend einen Kuss auf die Wange.
Am späten Nachmittag ging Marsha hoch in ihr Zimmer und packte erst mal aus. Danach stellte sie sich unter die Dusche und versuchte zu entspannen. Als sie wieder ins Zimmer kam, legte sie sich auf das Bett und schloss die Augen. Kian war bis jetzt noch nicht aufgetaucht und das enttäuschte Marsha. Sie hatte geglaubt, das er sich auf das Wiedersehen freuen würde. Aber es sah so aus, als wäre es wohl nicht so. Sie war fast eingeschlafen, als es an der Tür klopfte. Marsha wollte aber ihre Ruhe haben und antwortete nicht. Dann hörte sie wie die Tür geöffnet wurde. Jemand schritt auf das Bett zu und setzte sich. Ein Hauch von Parfüm zog Marsha in die Nase und sie konnte es sofort zuordnen. "Hey Süße aufwachen" hörte sie Kian leise reden und er strich ihr eine Strähne aus der Stirn. Marsha öffnete die Augen und schaute ihn an. "Hey, bist du doch noch gekommen." "Sorry, hat etwas länger gedauert. Aber jetzt bin ich ja da" entschuldigte Kian sich. Marsha setzte sich auf, legte die Arme um seinen Nacken und zog ihn an sich. "Ich dachte schon, du hättest mich vergessen" murmelte sie an seinen Hals. "So ein Blödsinn. Ich habe mich doch so auf deine Ankunft gefreut." Er strich ihr über den Bauch "Und auf die des Kleinen". Marsha lächelte nun wieder. "Wir wollen gleich was essen gehen, kommst du mit?" fragte Kian nun. "Klar. Ich habe Hunger für zwei" entgegnete Marsha lachend. "Aber wenn es dir zuviel ist, können wir auch hier bleiben. Immerhin hast du einen anstrengenden Tag hinter dir" gab Kian zu bedenken. "Kian, wie oft soll ich es dir noch sagen - ich bin nicht krank, nur schwanger. Und da ich den ganzen Stress in den letzten Wochen überstanden habe, kann ich doch wohl was essen gehen." Marsha verdrehte genervt die Augen. "Gut, aber wenn du müde wirst oder so, sagst du Bescheid. Dann bing ich dich sofort nach Hause." "Ja versprochen. Ich mach mich gerade etwas ansehnlicher, dann können wir gerne los." Marsha hatte echt keinen Nerv, mit Kian über seine übertriebene Fürsorglichkeit zu diskutieren und wechselte das Thema. "Schön, dann warten wir unten auf dich" meinte Kian und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf en Mund. Dann verließ er das Zimmer wieder und Marsha schaute ihm hinterher, bevor sie aufstand und sich im Bad zurecht machte.
Eine halbe Stunde später machten sich Shane, Gil, Mark, Lisa, Kian und Marsha auf dem Weg zum Lieblingsitaliener der Jungs und suchten sich einen Tisch. Als sie das Essen bestellt hatten, verfielen die Jungs gleich wieder in geschäftliche Gespräche und die Mädels unterhielten sich über ihr Lieblingsthema - Babys. "Ach Gil, bevor ich es vergesse. Morgen müssen wir kurz nach Dublin. Louis möchte mit uns die Termine für die Studioaufnahmen durchgehen. Er hatte heute Nachmittag angerufen" meinte Shane plötzlich. "Na toll. Mal kurz heißt dann wohl eher den ganzen Tag." Gil war enttäuscht. "Sorry Schatz. Ich werde mich beeilen." "Tja, du hast es ja nicht anders gewollt, dann werden wir drei Mädels halt morgen deine Kreditkarte leer shoppen" meinte Gil nun mit einem schelmischen Grinsen. "Tu das mein Schatz" entgegnete Shane lächelnd, gab ihr einen Kuss und nahm das Gespräch mit Mark und Kian wieder auf. "Ich hoffe, ich hab euch nicht überrannt. Ihr habt doch Lust morgen shoppen zu gehen?" fragte Gil jetzt Marsha und Lisa vorsichtig. "Hallo? Shoppen liegt in denen Genen der Frauen, wir haben dazu immer Lust" lachte Lisa Gil an und die beiden anderen stimmten mit ein. Kian beugte sich zu Marsha rüber und meinte leise. "Aber überanstreng dich nicht, ok?" Marsha schaute Kian böse an, rollte mit den Augen und meinte "Natürlich nicht." Daraufhin gab er ihr einen Kuss auf die Wange und drehte sich lächelnd weg. Er nahm sein Glas Guinness, hielt es hoch und meinte dann "Lasst uns doch jetzt erst mal anstoßen. Auf deine Ankunft hier in Irland Marsha. Und natürlich herzlich willkommen dir Lisa." Alle stimmte mit ein und man prostete sich zu.
Es war schon ziemlich spät, als sie wieder bei den Filans ankamen. Mark und Lisa hatten sich noch überlegt, ein wenig auf die Piste zu gehen und hatten sich von den anderen abgeseilt. Nach dem sie alle aus dem Wagen gestiegen waren, zog sich Kian seine Jacke an und machte sie zu. "Dann mach ich mich mal auf den Weg nach Hause. Wir sehen uns dann ja morgen, ja?" meinte er dann zu Marsha. "Hey, du willst mich doch wohl nicht in meiner ersten Nacht hier in Irland ganz alleine lassen?" fragte sie gespielt entrüstet. Kian schaute sie überrascht und etwas ungläubig an. Hatte sie ihn jetzt überrumpelt oder gar geschockt? Vielleicht was das ja auch das letzte, was er wollte? Warum konnte sie nicht vorsichtiger mit ihren Sprüchen sein? Musste sie immer gleich alles über die Lippen bringen, was sie dachte? "Meinst du das ehrlich?" fragte Kian jetzt leise. "Na ja, also....ähm...nur wenn du magst." Marsha war jetzt ziemlich verlegen. "Bevor ich allein und einsam in meinem großen, kalten Bett liege kuschel ich mich lieber an dich" meinte er dann grinsend. "Gut zu wissen, was für ein Zweck meine Anwesenheit hier wirklich hat" grinste Marsha zurück, nahm seine Hand und zog ihn mit ins Haus. "Da seid ihr ja endlich. Wir dachten schon, ihr wolltet draußen übernachten" meinte Shane und schaute, als wäre es völlig normal, das Kian dort übernachten würde. "Wir mussten das nur kurz noch mal ausdiskutieren" meinte Marsha nur lachend. "Wollen wir uns noch etwas ins Wohnzimmer setzen oder seid ihr müde?" fragte Shane daraufhin. Kian schaute Marsha fragend an. "Mir geht es gut Kian. Schau nicht wieder so besorgt. Langsam machst du mich wirklich rasend" meinte Marsha genervt und ging voraus ins Wohnzimmer.
Marsha machte es sich auf dem einen Sofa bequem und legte die Füße
hoch.
Seit einigen Wochen hatte sie damit arge Probleme, das ihr immer die Füße
wehtaten. Sie versuchte sie etwas zu massieren, damit eine leichte
Linderung eintrat. Kian setzte sich neben sie, schnappte sich einen Fuß
an
und fing vorsichtig zu massieren. "Hm, das tut gut. Kannst du ruhig
häufiger machen" seufzte Marsha und lehnte sich entspannt zurück.
"Dafür
bin ich doch da" meinte Kian lächelnd. Bald darauf waren die vier
in einem
Gespräch vertieft. Shane und Gillian hatten es sich auf dem anderen Sofa
gemütlich gemacht. Irgendwann schloss Marsha nun doch erschöpft die
Augen,
hörte aber weiterhin noch zu, bis die Müdigkeit zu groß wurde
und sie doch
einschlief. Plötzlich wurde hochgehoben. "Man bist du schwer geworden"
stöhnte Kian leise und Shane fing an zu lachen. "Dann lass mich doch
einfach wieder runter. Ich will ja nicht, das du dir einen Bruch hebst"
nuschelte Marsha verschlafen, öffnete die Augen und funkelte Kian an. "Nö.
Jetzt trag ich dich. Nachdem ich es endlich geschafft habe, dich hoch zu
kriegen" flachste Kian weiter und bekam daraufhin von Marsha einen Stoß
in
die Rippen. "Frechheit. Ich glaub, das mit dem Schlafplatz muss ich mir
doch noch mal überlegen." "Zu spät, jetzt kann ich nicht
mehr fahren. Haben
eben noch ein Bier getrunken." "Ein nächtlicher Spaziergang soll
das Gehirn
so richtig freimachen, habe ich gehört." Marsha grinste Kian überlegen
an.
"Würdest du mich jetzt wirklich in die kalte, dunkle Nacht verjagen?"
Kian
schaute sie mit seinem berühmten Dackelblick an und ließ Marsha vor
der
Zimmertür langsam runter. "Ich will mal ausnahmsweise nicht so sein.
Aber
glaub ja nicht, das du da immer mit durchkommst" meinte Marsha und zog
ihn
lächelnd ins Zimmer.
"Ich bin so froh, das du jetzt endlich hier bist" meinte Kian kurze
Zeit
später, als sie aneinandergekuschelt im Bett lagen. "Ich auch. Alle
sind ie
so lieb zu mir. Ich hoffe es wir mir nicht zu einsam, wenn ich erst meine
eigene Wohnung habe." "Was willst du denn mit einer eigenen Wohnung?"
fragte Kian erstaunt und stützte sich auf, damit er Marsha besser sehen
konnte. "Ja Hallo? Ich kann doch nicht ewig bei Shane und Gil wohnen."
"Aber ich dachte, wenn das mit dem Baby endlich geklärt ist, ziehst
du zu
mir." "Zu dir? Aber wie soll das gehen? Wir würden uns doch irgendwann
nur
noch zoffen. Du hast doch dein Leben und ich hab meines. Meinst du, es wäre
gut, wenn wir nur wegen dem Baby zusammenziehen würden? Ich denk nicht.
Die
Presse hätte ihre Freude." "Meinst du denn, bei dir wäre
es nur wegen dem
Baby? Also ich mag dich, ich mag dich wirklich sehr. Es wäre für mich
nicht
nur wegen dem Baby. Und ich habe dir schon oft gesagt, das mir die Presse
in diesem Fall ziemlich egal ist." "Kian, ich mag dich auch wahnsinnig
gerne. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das reicht. Was ist, wenn du
wieder jemanden kennen lernst oder ich? Man hätte nie seine Privatsphäre.
Es würde automatisch zu Spannungen kommen" gab Marsha zu bedenken.
>Ich
habe nicht vor, jemanden kennen zu lernen. Ich hab doch dich< dachte Kian.
"Na ja, lass uns nichts überstürzen. Noch ist ja ein wenig Zeit"
meinte er
dann nur, legte sich wieder hin und nahm Marsha in den Arm. Kurz darauf war
Marsha eingeschlafen. Kian lag noch lange wach und dachte nach. Er hatte
wirklich nicht vor, jemanden kennen zu lernen. Er wollte Marsha, das war
ihm in den letzten Wochen klargeworden. Aber er wusste auch, das er ihr
noch viel Zeit lassen musste. Sie musste erst mal innerlich mit ihrer Ehe
abschließen und sich hier bei ihm einleben. Und wenn es das letzte war,
was
er tat, sie würde wenn dann bei ihm einziehen. Er wollte sie immer um sich
haben, sie nie wieder gehen lassen. So langsam aber sich musste er sich
eingestehen, das er sich trotz aller Gegenwehr verliebt hatte. Aber was
empfand sie für ihn? Gut sie mochte ihn. Aber war da auch mehr? Konnte
da
noch mehr kommen? Er hatte im Moment absolut keine Ahnung und war sich auch
nicht wirklich sicher, wie er weiter vorgehen sollte.
Am nächsten Morgen wurde Marsha durch frischen Kaffeeduft geweckt.
Vorsichtig öffnete sie die Augen und sah Kian auf der Bettkante sitzen.
Er
hatte einen Becher Kaffee in der Hand. "Guten Morgen. Na gut geschlafen?"
Marsha nickte und griff fröhlich nach dem Becher. Kian zog die Tasse weg
und reichte ihr eine zweite Tasse, die bis dahin auf dem Nachtschrank
gestanden hatte. Ungläubig sah Marsha in die Tasse und roch. Dann schaute
sie drohend zu Kian. "Kian John Francis Egan. Wenn ich nicht sofort einen
Kaffee kriege, passiert ein riesengroßes Unglück" drohte sie
ihm. "Oh,
jetzt hab ich aber Angst. Wenn du Kaffee willst, dann hol dir einen. Von
mir gibt's keinen. Der ist viel zu ungesund für den kleinen Racker"
grinste
er, sprang auf und verlies fluchtartig das Zimmer, bevor das Kissen ihn
treffen konnte, ,das Marsha nach ihm war. "Das schwört Rache, Egan"
rief
sie ihm hinterher. Schnell begab sie sich ins Bad und wusch sich, dann zog
sie sich an und ging anch unten in die Küche. Dort fand sie einen
grinsenden Kian vor, der genüsslich an seinen Kaffee nippte. Shane und
Gillian saßen auf der anderen Seite vom Tisch und wünschten ihr einen
guten
Morgen. "Guten Morgen ihr beiden. Meine Schwester noch am pennen?"
fragte
Marsha, bedachte Kian aber mit keinem Blick. "Sieht fast so aus, sie war
noch nicht unten" antwortete Shane. "Gut, dann schmeiß ich sie
eben aus dem
Bett" erwiderte Marsha und ging noch mal nach oben. Sie klopfte leise an
die Tür, aber es kam keine Antwort. War sie überhaupt wiedergekommen?
Leise
öffnete Marsha die Tür und schaute hinein. Was sie da sah lies sie
lächeln.
"Aufwachen ihr beiden Langschläfer. Frühstück ist ferstig"
rief sie in den
Raum. Beim Schließen der Tür sah sie noch, wie die beiden zusammen
zuckten.
Dann ging sie lächelnd wieder in die Küche. "Wir müssen
wohl noch ein
Gedeck mehr auflegen. Sie liegt da oben nicht allein" meinte Marsha
grinsend. Die anderen drei schauten sie fragend an. "Mark" meinte
Marsha
nur, ging zum Küchenschrank und holte nen Teller raus.
Marsha setzte sich an den Tisch zurück, goss sich eine Tasse Kaffee ein
und
sah dabei demonstrativ Kian an. Gil grinste. "Ah ich seh schon, die ersten
Streitigkeiten." "Nee, wir streiten uns nicht" meinte Kian. "Nö,
wir
diskutieren nur unsere Standpunkte aus. Und meiner heißt: Ohne meinen
Morgenkaffee bin ich ungenießbar - schwanger oder nicht" erklärte
Marsha
und nippte genüsslich an der heißen, schwarzen Flüssigkeit.
Shane und Gil
brachen in Gelächter aus. "Diese Diskussion kommt mir sehr bekannt
vor"
meinte Gil und sah Shane dabei verliebt an. Kurz darauf ging die Tür auf
und zwei noch ziemlich verschlafen aussehende Gestalten kamen herein.
"Guten Morgen" kam es nur gemurmelt. Sie setzten sich und nahmen sich
auch
erstmal was von dem Kaffee. "Na Mark, gestern Abend wohl nicht mehr nach
Hause gefunden, oder wie?" fragte Kian grinsend. "Du ja anscheinend
auch
nicht, Egan" kam nur der Kommentar zurück. "Vielleicht bin ich
ja schon in
aller Frühe hier wieder hingekommen, um mit Marsha zu frühstücken."
Kian
sah Mark ernst an. Mark betrachtete seinen Freund kurz eingehend. "Klar,
deswegen sitzt du hier nur in Jeans und Tshirt. Hast keine Socken an und
deinen Haare sehen aus, als hätten sie einen Tornado nur knapp überlebt"
Mark grinste hintergründig, als er seine Vermutung aussprach. Alle am Tisch
fingen herzhaft an zu lachen. "Touchè" lachte Kian nur. "Ich
hoffe es stört
euch nicht, das ich hier geblieben bin" meinte Mark dann an Shane und Gil
gerichtet, als sich alle wieder beruhigt hatten. "So ein Blödsinn.
Du bist
hier immer willkommen" meinte Gillian entrüstet. "Es war halt
schon
ziemlich spät und wir hatten was getrunken und da wollte ich ihn nicht
alleine nach Hause gehen lassen" rechtfertigte Lisa sich und wurde dabei
leicht rot. "Hallo? Das ist uns doch egal, wie und warum. Ihr macht das
schon. Also bitte keine weitere Details der letzten Nacht mehr" lachte
Shane.
Nach dem Frühstück machten sich die Jungs auf den Weg nach Dublin.
"Magst
du mich noch?" fragte Kian, als er sich von Marsha verabschieden wollte
und
sie ihm immer noch die kalte Schulter zeigte. "Hm, muss ich mir noch
überlegen." Kian zog eine Schmolllippe. "Nur wenn du mir nie
wieder meinen
Kaffee verweigerst" lenkte Marsha ein. "Nie wieder, versprochen."
"OK, dann
sei dir vergeben." Marsha gab ihm einen Kuss auf die Wange und lächelte
ihn
an. "Dann bin ich ja beruhigt. Bis heute Abend" Kian lächelte
zurück und
ging dann mit den anderen hinaus. Die Mädels machten sich langsam fertig,
um in die Stadt zu fahren.
Abends saßen Gil, Lisa und Marsha völligst erledigt im Wohnzimmer.
Sie
waren irgendwie den ganzen Tag durch die Stadt gedüst und hatten viel zu
viel eingekauft. Die Einkaufstüten lagen noch immer dort, wo sie sie
abgestellt hatten. Auf dem Tisch lag noch das Pappgeschirr vom Chinesen.
Dort hatten sie sich noch was geholt, da keiner mehr die Kraft hatte, sich
in die Küche zu stellen und was zu kochen. In diesem Moment wurde die
Haustür aufgeschlossen und Shane rief: "Hallo, sind wieder da."
Dann hörte
man, wie jemand über die Einkaufstüten stolperte. "Was ist denn
hier los?"
fluchte Shane. "Hallo Schatz. Bringt doch bitte gleich mal die Tüten
mit"
rief Gil ihrem Mann völlig unmotiviert zu. Kurz darauf kamen drei entsetzte
Männer mit unzähligen Tüten ins Wohnzimmer. "Habt ich das
alles
eingekauft?" fragte Kian entgeistert. "Jep" meinte Lisa nur.
"Ich bin
pleite, ruiniert, abgebrannt" rief Shane verzweifelt aus. "Ich habe
dich
doch gewarnt" grinst Gil ihren Mann an. "Es sieht mehr aus, als es
wirklich
ist" versuchte Marsha die Jungs zu beruhigen und massierte dabei wieder
ihre schmerzenden Füße. Shane stellte die Tüten ab und jeder
suchte sich
seine dabei weg. "OK Mädels , sämtliche Kreditkarten zu mir.
Die werden
jetzt einbehalten. Da ist ja lebensgefährlich, euch auf die Läden
loszulassen" meinte Shane, als alle Errungenschaften vorgeführt worden
waren. "Gut das ich keine haben" meinte Marsha grinsend. "Ich
habe auch
keine" kam von Lisa. "Tja Schatz, bleibst wohl nur noch du" grinste
Shane
seine Frau an. "Pah, vergiss es" grinste diese zurück. "Was
gibt's denn
eigentlich zu essen?" fragte nun Mark, um das Thema zu wechseln. "Bestellt
euch was. Die Küche bleibt heute kalt" meinte Marsha nur und zeigte
dabei
auf die Essenreste der Mädels. Und so machten die Jungs sich daran, das
sie
was zu Essen bekamen.
Sechs Wochen später:
Marsha hatte sich mittlerweile ziemlich gut eingelebt. Es war nun auch
nicht mehr lange bis zur Geburt ihres Kindes. Sie lag auf dem Sofa im
Wohnzimmer von Shane und Gil und ließ ein wenig die Seele baumeln, oder
besser gesagt, sie war mal wieder am grübeln. Ihre Gefühle für
Kian waren
von Tag zu Tag stärker geworden, aber sie war sich fast sicher, das es
nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Er war zwar immer lieb, fürsorglich
und
zärtlich zu ihr, aber mehr war da nie von ihm gekommen. Wahrscheinlich
ging
es ihm wohl nur um das Kind, sie war nur ein lästiges Anhängsel. Seit
einigen Tagen schaute sie schon immer in die Zeitung, um eine eigene kleine
Wohnung zu finden. Sie war fest entschlossen nicht zu Kian zu ziehen. Das
würde ihre Kräfte übersteigen. Sie brachte einfach ihre eigenen
vier Wände.
So war sie auch an diesem Nachmittag in der Zeitung vertieft, als Shane
durch die Tür kam. "Hey Kleines. Na was machst du da?" "Hi
Shane,
Wohnungsanzeigen durchsehen" antwortete Marsha Shane. "Hä? Wieso
das denn?"
fragte Shane nun überrascht. "Weil das bei der Wohnungssuche sehr
behilflich sein kann" meinte Marsha nun und grinste. "Ich frag mich
nur,
warum du nach einer Wohnung suchst." "Na ich kann euch doch nicht
ewig
belagern. Und die Presse ist auch schon am spekulieren, wer ich bin und was
ich hier mache." Die ersten Wochen waren pressetechnisch unproblematisch
verlaufen. Aber dann hatte sich so ein übermotivierter Journalist an ihre
Hacken geheftet, nachdem Marsha mehrfach mit Gillian in der Stadt gesichtet
worden war. Seit dem wurde einiges spekuliert. Warum sie bei den Filans ein
und aus ging? Wer der Vater ihres Kindes war? Von ihrer Beziehung zu Kian
war noch nichts durchgesickert, was aber daran lag, das Marsha sehr
vorsichtig war. Einen Morgen hatte sie sich wahnsinnig aufgeregt, als sie
das Gerücht gelesen hatte, das sie der Seitensprung von Shane gewesen sei
und das Kind von ihm wäre. Man bewunderte Gil für ihre selbstlose
Haltung,
Marsha bei sich aufzunehmen. Marsha hatte sich fürchterlich aufgeregt,
und
Gil hatte nen Lachkrampf bekommen. Shane hatte dann bei der Zeitung
angerufen und klarstellen lassen, das Marsha nur eine gute Freundin der
Familie sei und für einige Zeit zu Besuch ist. Nicht mehr nicht weniger.
Marsha wollte einfach nur, bevor alles eskalierte, sich eine eigene Wohnung
suchen und damit alle ein wenig aus der Schusslinie nehmen. "Red kein
Blödsinn. Wir haben dich gerne hier. Aber eigentlich bin ich davon
ausgegangen, das du zu Kian ziehst, wenn das Baby da ist." wandte Shane
nun
ein. "Ich will niemanden zur Last fallen. Irgendwann muss ich mal wieder
auf eigenen Beinen stehen. Und wenn Kian sein Kind sehen will, kann er
jederzeit vorbeikommen. Ich bleibe ja schon hier in Sligo, also wäre das
kein Problem" Erklärte Marsha ihm ihre Überlegungen. "Weiß
Kian schon
davon? Ich kann mir nicht vorstellen, das er begeistert davon ist" "Wir
haben darüber gesprochen und eigentlich kann es ihm doch auch egal sein.
Das Kind ist ja in der Nähe." "Ich glaub nicht, das es ihm so
egal ist,
aber das müsst ihr unter euch klären." Shane machte ein nicht
ganz so
glückliches Gesicht, sagte aber nichts weiter dazu. Als er einige Zeit
später zu Gil in die Küche ging, sprach er mit ihr darüber. "Wusstest
du,
dass Marsha sich eine Wohnung sucht?" "Nee, warum tut sie das? Ich
denke,
sie zieht zu Kian?" Auch Gil war überrascht. "Ich denke einfach,
sie hat
Angst verletzt zu werden. Sie liebt ihn, das sieht jeder, nur Kian nicht.
Und der Idiot hat ihr immer noch nicht gesagt, was er für sie empfindet.
Ich weiß wirklich nicht worauf er wartet." "Können wir
denn irgendetwas für
die beiden tun?" fragte Gil. "Nee, ich denke das müssen die beiden
unter
sich ausmachen." "Na Hauptsache, das geht gut."
Marsha hatte das Gespräch mitbekommen, da sie in die Küche hatte
gehen
wollen, um sich etwas zu trinken zu holen. Sie ging dann aber wieder
unverrichteter Ding zurück ins Wohnzimmer. Was sollte sie von dem ber auch
einfach daran, das du ihr immer noch
nicht deine wahren Gefühle gestanden hast. Wusstest du, das sie eine
Wohnung für sich und das Baby sucht?" Shane versuchte Kian ins Gewissen
zu
reden, damit er endlich zu seinen Gefühlen stand. "Ja, wir hatten
da mal
kurz drüber gesprochen, waren uns aber noch nicht einig geworden. Und
außerdem wäre jetzt wohl kaum der passende Moment für eine Liebeserklärung"
redete Kian sich heraus. "Und warum nicht? Anscheinend hast du gar nichts
dagegen, das sie eine Wohnung sucht." Shane stieg da so langsam nicht mehr
durch. "Hallo wir haben uns gerade gezofft. Meinst du etwa dann geh ich
da
hin und sage ihr das ich sie liebe? Die schmeißt mich achtkant wieder
raus." "Tja, dann lass dir mal was einfallen, ansonsten wirst du sie
verlieren" meinte Shane dann nur noch, drehte sich um und ging hoch, um
sich für den Abend fertig zu machen.
Eine Zeitlang stand Kian noch am Fenster und sah gedankenverloren raus,
dann nahm er all seinen Mut zusammen und ging nach oben in Marshas Zimmer.
Vorsichtig klopfte er an und öffnete die Tür. Marsha saß am
Fenster und
schaute hinaus. "Kann ich reinkommen?" fragte Kian leise, aber es
kam keine
Antwort. Langsam ging er ins Zimmer und verschloss die Tür. Dann ging er
weiter auf sie zu und stellte sich vor sie hin. "Es tut mir leid, das ich
dich eben so angefahren habe" entschuldigte sich Kian. "Ich war auch
nicht
wirklich nett" antwortete Marsha und sah ihn an. "Wollen wir das von
eben
vergessen?" fragte Kian vorsichtig und Marsha nickte, lächelte zaghaft
und
stand auf. Dann ließ sie sich in seine ausgebreiteten Arme gleiten. "Was
meinst du, wollen wir morgen früh zusammen frühstücken, bevor
wir zum Arzt
fahren?" Marsha hatte Kian vor einigen Tagen gefragt, ob er mit zu ihrem
Termin beim Frauenarzt wollte. "Ja , das können wir machen. Wann soll
ich
da sein?" Marsha war von Kians Idee begeistert. "So gegen neun? Dann
können
wir mal in aller Ruhe über einige Dinge reden" schlug Kian vor. "Ok,
machen
wir das." "Kian bist du hier oben?" hörte man Shane von
Flur her rufen.
"Ja, ich bin hier" rief Kian zurück. Die Tür wurde geöffnet
und Shane stand
dort. "Wir wollen los. Mark ist auch schon da" erklärte Shane
sein
Auftauchen. "OK, bin sofort unten." Shane nickte und ging wieder.
"Mach
kein Blödsinn heute Abend, ja? Wir sehen uns dann morgen früh"
meinte Kian
zu Marsha. "Ich mach nie Blödsinn. Ja bis morgen. Ich freu mich schon"
erwiderte Marsha und gab ihm einen kurzen Kuss. Als Kian sich verabschiedet
hatte, setzte Marsha sich wieder ans Fenster und beobachtete, wie die
anderen sich auf dem Weg zur Gala machten. Und hab ihr euch wieder
vertragen?" fragte Shane auf dem Weg zum Auto. Kian nickte. "Und hast
du
ihr es jetzt endlich gesagt?" Kian schüttelte mit dem Kopf. "Oh
Mann, Egan.
Worauf wartest du denn noch?" Shane konnte es einfach nicht glauben. "Wir
haben uns für morgen früh zum Frühstück verabredet. Dann
sag ich es ihr"
erklärte Kian. "Na dann, hoffe ich mal das beste."
Am nächsten Morgen ging Marsha gutgelaunt zu Kians Haus. Sie freute sich
schon tierisch darauf, mit ihm zu frühstücken, so ganz alleine ohne
die
anderen. Danach würden sie zusammen zum Arzt fahren und sich per
Ultraschall ihr Kind ansehen. Es würde bestimmt ein wunderbarer Tag werden.
Als sie um die Ecke bog, konnte sie das Haus schon sehen und ihre Vorfreude
stieg mit jedem Schritt. Am Haus angekommen drückte sie auf den
Klingelknopf und hörte Whiskey drinnen bellen. Marsha schaute noch mal
auf
ihre Uhr. Es war genau neun Uhr. Sie hörte Schritte, die Tür wurde
geöffnet, aber es stand nicht wie von Marsha erwartet, Kian vor ihr. Es
war
eine fremde Frau, die lediglich ein T-Shirt trug, das der Größe nach
zu
urteilen Kian gehörte. Es war, als ob jemand Marsha das Herz aus der Brust
reißen würde. Marsha schaute die Frau ungläubig an. "Kann
ich Ihnen
helfen?" fragte die Fremde Marsha freundlich. "Ist Kian da?"
fragte Marsha
tonlos zurück. "Kian Schatz, hier ist jemand für dich" rief
die Fremde ins
Haus rein. Marsha hörte wie jemand die Treppen herunter gelaufen kam und
plötzlich stand Kian vor ihr, nur mit einem Handtuch bekleidet und mit
nassen Haaren, wie schon so oft. Marsha sah ihn mit großen Augen an.
"Marsha? Du bist schon da?" fragte Kian erschrocken. Marsha schaute
ihn mit
so einem verletzten Blick an, den er noch nie gesehen hatte und auch nie
wieder sehen wollte. "Wie du siehst" meinte Marsha tonlos, schaute
ihn von
oben bis unten an und meinte dann noch: "Ich hätte nie gedacht, das
ich
diesen Anblick einmal so hassen würde." Dann drehte sie sich um und
ging
die Auffahrt wieder hinunter, die sie noch vor einigen Augenblicken so
glücklich hinauf gestiegen war. "Marsha warte" rief Kian ihr
hinterher und
wollte schon lossprinten sie aufhalten. Aber Charlene hielt ihn fest. "Du
willst doch wohl nicht so auf die Straße. Zieh dir erst mal was an."
Kian
schaute an sich herunter, drehte sich um und rannte nach oben. Nachdem er
sich was angezogen hatte, rannte er wieder runter. "Sorry Charlene, ich
muss weg. Ziehst du bitte die Tür hinter dich zu, wenn du gehst? Ich ruf
dich an." Charlene nickte und Kian rannte aus dem Haus zu seinem Wagen.
In Rekordzeit fuhr er vor Shanes Haus vor, rannte zur Tür und klingelte
Sturm. Es schien ihm, als würde es Stunden dauern, bis jemand öffnete.
Er drückte noch mal auf die Klingel. Die Tür wurde aufgerissen und
ein ziemlich verschlafener Shane stand vor ihm. "Was ist denn in dich gefahren?"
fragte er sauer. "Ist Marsha hier?" fragte Kian nur. "Keine Ahnung.
Bis vor zwei Minuten habe ich nämlich noch tief und fest geschlafen. Außerdem
ich denke sie ist bei dir?" fragte Shane genervt. Kian
erwiderte daraufhin nichts mehr, drängelte sich an Shane vorbei und rannte
nach oben in Marshas Zimmer. Dort angekommen musste er feststellen, das sie
nicht da war. Niedergeschlagen setzte er sich aufs Bett und überlegte,
wo er noch suchen konnte. "Könntest du mir jetzt mal bitte erklären,
was hier los ist?" Shane kam ins Zimmer und setzte sich neben Kian aufs
Bett. "Ich hab es vermasselt." "Was hast du vermasselt?"
Shane konnte sich aus der ganzen Sache keinen Reim machen. "Charlene hat
bei mir übernachtet" meinte Kian. Shane fiel die Kinnlade herunter.
"Egan, sag das das nicht wahr ist." Wie konnte ein einzelner Mann
nur so dämlich sein. "In meinem Gästezimmer, nicht das was du
schon wieder denkst." Kian sah seinen Freund empört an. "Ach
so. Und was hast du dann vermasselt, wenn gar nichts passiert ist?" "Ich
stand heute morgen gerade unter der Dusche, als Marsha zum Frühstück
kam. So hat Charlene die Tür geöffnet, rief nach mir und ich bin nur
mit
Handtuch an die Tür gegangen" versuchte Kian die Geschehnisse vom
Morgen zu erklären. "Und Marsha nahm gleich das Schlimmste an oder
wie?" Shane ahnte so langsam, was das Problem war. Kian nickte. "Oh
Shit" entgegnete Shane nur. "Aber es war doch gar nichts. Glaub mir.
Ich liebe Marsha doch. Was mach ich denn jetzt? Sie hat mich so verletzt angesehen
und gesagt das sie
mich hasst." Kian war total am Ende. "Ich zieh mir eben was an und
dann fahren wir sie suchen. Das klärt sich alles" meinte Shane und
verlies das Zimmer.
In der Zwischenzeit irrte Marsha durch Sligo. Sie merkte nicht, wo sie hinlief.
Sie lief einfach nur. Total leer und tief enttäuscht. Sie hätte von
Anfang an wissen müssen, das es Kian nur um das Kind ging. Und sie hatte
sich noch Hoffnungen gemacht. Sie war ja so blöd. Und dann noch ihre Reaktion
vorhin. Hätte sie nicht einfach nur cool reagieren können, anstatt
diese Bemerkung loszulassen? Kian konnte sich doch jetzt denken, das sie so
dämlich war, sich in ihn zu verlieben. Ihr fiel auf das sie am Strand
angekommen war. Sie sah aufs Meer hinaus und zog tief die kühle, saubere
Seeluft ein. Dann ließ sie ihren Blick wandern. Dort hinten stand die
Bank, auf der sie gesessen hatte, als sie Kian kennen lernte. Sie hatte sich
ihr Leben total verpfuscht. Sie könnte jetzt noch immer glücklich
verheiratet
sein, mit ihren Freunden zusammen sein und ihre Familie um sich haben. Aber
nein - sie musste ja mit diesem Idioten ins Bett steigen und sich schwängern
lassen. Alles hatte sie sich kaputt gemacht. Jetzt saß sie hier schwanger,
ganz allein und verletzt in einem fremden Land. Am liebsten würde sie jetzt
sofort wieder nach Deutschland zurückkehren und sich bei ihrer Familie
ausheulen und sich trösten lassen. Könnte sie doch alles bloß
wieder rückgängig machen. Plötzlich durchzog sie ein heftiger
Schmerz und sie schrie leise auf. So schnell wie möglich, aber doch vorsichtig
verlies sie den Strand in Richtung Straße und lief zur Stadt zurück.
Warum war hier denn keiner, der ihr helfen konnte. Sie hatte so wahnsinnige
Angst um ihr Baby. Das hatte sie doch nicht so gemeint, als sie sich wünschte
wieder alles rückgängig machen zu können. Immer wieder zuckte
der Schmerz durch
ihren Körper und Tränen schossen ihr in die Augen. Sie hielt sich
an einer Laterne fest und versuchte gegen den Schmerz zu atmen. Sie bekam kaum
mit, wie ein Wagen neben ihr hielt. "Miss, kann ich ihnen helfen. Geht
es ihnen nicht gut?" hörte sie auf einmal eine Stimme. Marsha sah
auf und erkannte einen Mann der neben seinem Taxi stand. "Mein Baby. Bringen
sie mich bitte ins Krankenhaus" hauchte Marsha leise. Der Mann hatte sie
wohl aber verstanden, kam ums Taxi herum gelaufen und half ihr beim einsteigen.
Dann brachte er sie auf dem schnellsten Wege ins Krankenhaus. Dort wurde sie
gleich in den Kreissaal gebracht und genau untersucht. "Sollen wir jemanden
für sie anrufen?" fragte die Krankenschwester freundlich. "Nein
niemanden" antwortete Marsha tonlos.
"Ich ruf jetzt im Krankenhaus an. Ihr ist bestimmt was passiert"
meinte Kian bestimmt, als sie Marsha bis zum Nachmittag noch immer nicht gefunden
hatten und sie sich auch nicht gemeldet hatte. Sie hatten wirklich überall
gesucht, aber Marsha war wie vom Erdboden verschluckt. Kian griff nach seinem
Handy und wählte die Nummer. "Kian Egan hier. Können Sie mir
sagen, ob eine Marsha Möller heute bei Ihnen eingeliefert wurde?"
fragte er, als er jemanden in der Leitung hatte. "Ich schau mal gerade
nach. Einen Moment. Ja, diese Dame liegt bei uns auf der Entbindung" antwortete
die Dame freundlich. "Danke" meinte Kian und legte geschockt auf.
"Und?" fragte Gil gespannt. "Ich hab sie gefunden. Sie ist im
Krankenhaus. Auf der Entbindung." Kian war kalkweiß im Gesicht geworden.
Hoffentlich war mit dem Baby nichts passiert und hoffentlich ging es Marsha
gut. "Und dann sitzen
wir hier noch?" fragte Shane ungläubig. Er krallte sich Kian und rannte
mit ihm und Gil zum Wagen. Auf dem schnellsten Weg fuhr er mit den beiden ins
Krankenhaus.
"Kann ich bitte zu meiner Freundin. Sie liegt auf der Entbindung."
Kian stand vor der Dame am Empfang und war ganz außer Puste. Die Dame
schaute in den Computer. "Station 12a. Fragen Sie dort bitte weiter"
meinte sie dann lächelnd. "Danke" mehr brachte Kian nicht heraus
und rannte zu den
Aufzügen. Shane und Gil liefen hinterher. "Tut mir leid. Sie möchte
im Moment niemanden bei sich haben" erklärte die Krankenschwester,
als die drei oben angekommen waren und sie nach Marsha gefragte hatten. Kian
schien es, als ob ihm jemand die Beine unterm Körper wegzog. Sie wollte
ihn nicht mehr. "Fragen Sie sie bitte, ob Gil zu ihr darf?" meldete
Gil sich entschieden zu Wort. "Wenn sie meint, das sie das alleine durchstehen
muss, hat sie sich geschnitten" meinte sie dann noch zu Shane und Kian,
als die Schwester losgegangen war. Kurz darauf stand die Schwester vor einer
Tür
und winkte Gil zu sich heran. Schnell gab Gil Shane noch einen Kuss und ging
ins Zimmer. Shane krallte sich den noch immer ganz blassen Kian und packte ihnen
auf einen der Stühle im Warteraum. "Ich hol uns jetzt erst mal einen
Kaffee" meinte Shane und zog los. Als er mit zwei Bechern zurückkam,
setzte er sich neben Kian und reichte ihm einen Becher. "Sie will mich
nicht mehr. Sie hasst mich." Kian war am Boden zerstört. "Quatsch.
Sie ist nur sehr durcheinander. Sie beruhigt sich auch wieder und dann könnt
ihr die Sache klären" versuchte Shane seinen Freund zu beruhigen.
"Mensch Marsha, was machst du denn für Sachen? Kian ist ganz außer
sich vor Sorge." Gil trat ans Bett in dem Marsha gerade versuchte, eine
Wehe zu verarbeiten. "Erwähne nie wieder in meiner Gegenwart diesen
Namen" presste Marsha nur hervor. "Hey, hey, nicht so harte Worte.
Ich weiß haargenau das du das nicht so meinst. Du liebst ihn doch"
lächelte Gil und strich Marsha übers Haar. "Diesen Idioten lieben?
Niemals. Träum weiter" entgegnete Marsha kalt, aber nicht ohne ein
leichtes Zittern in der Stimme, das auch Gil nicht entgangen war. "Sehen
wir doch jetzt erst mal zu, das wir diesen Terrorzwerg auf die Welt bekommen
und dann sehen wir weiter" lenkte Gil noch immer lächelnd ein und
nahm Marshas Hand. "Mann, wie lange dauert das den noch?" Kian ging
im Wartezimmer auf und ab. "Kian setz dich bitte hin, du machst mich mit
deinem Gerenne auch schon
ganz wahnsinnig." "Ich will jetzt endlich zu Marsha. Ich halte es
hier nicht mehr aus." Kian raufte sich die Haare. "Also wenn ich mich
in ein paar Monaten auch so anstelle, darfst du mir gerne eine scheuern"
Shane grinste. "Du wirst dann wohl auch nicht hier herumstehen müssen,
sondern wirst bei deiner Gil sein dürfen. Das ist meiner Meinung nach ein
kleiner aber feiner Unterschied" meckerte Kian wieder los. "OK, da
muss ich dir Recht geben" sah Shane ein. Zwei Stunden später war der
kleine Prinz da. "Also wenn du jetzt noch einen Test willst, erklär
ich dich für verrückt. Der sieht meinem Cousin wie aus dem Gesicht
geschnitten aus. Sie mal diese kleinen süßen blauen Augen und
die Ohren. Ganz der Papa." Gil war ganz außer sich vor Entzückung.
Marsha war einfach nur müde und ausgelaugt. Sicher sie war auch glücklich,
einen gesunden Sohn auf die Welt gebracht haben. Aber im Moment konnte sie das
nicht wirklich so zeigen. "Hast du denn schon einen Namen?" fragte
Gil. Marsha schüttelte mit dem Kopf. "Was hältst du von Cedric
Shane Francis?" fragte Marsha einer Weile leise und schaute zu Gil herüber,
die noch immer ganz verträumt in das Bettchen sah. Gil schaute auf und
hatte Tränen in den Augen. "Ein wunderschöner Name" flüsterte
sie. Marsha lächelte und schloss die Augen. "Wollen wir die Herren
denn jetzt mal von ihren Qualen erlösen?" fragte Gil. "Shane
kann gerne hereinkommen, aber Kian will ich nicht sehen" entgegnete Marsha
bestimmt. "Marsha, ihr müsst das klären. Es ist alles ein Missverständnis."
"Oh nein. Gil, ich kann verstehen, das du deinen Cousin verteidigen willst.
Nur so eindeutig kann ein Missverständnis nicht aussehen." Marsha
hatte wieder Tränen in den Augen. "Ich sag ihnen jetzt erst mal Bescheid.
Du kannst es dir ja noch überlegen." Gil stand auf, warf noch mal
einen Blick auf das schlafende Baby und verlies das Zimmer.
Kian stand gedankenverloren am Fenster und sah hinaus. Diese Warterei machte
ihn wahnsinnig. Wie gerne wäre er jetzt bei Marsha und würde ihr beistehen.
Er hatte doch gewusst das sie um neun Uhr bei ihm sein wollte, warum ist er
bloß vorher noch unter die Dusche gegangen. Dann wäre es nie zu diesem
Missverständnis gekommen und sie würde ihn jetzt nicht hassen. Shane
saß auf einem Stuhl und hatte die Augen geschlossen. Er konnte nicht mehr
mit ansehen, wie Kian litt. Er tat ihm so leid. wenn Shane nur irgendwas für
seinen Freund tun könnte, aber im Moment konnten sie einfach nur abwarten.
In diesem Moment kam Gil über den Flur auf die beiden zu. Sie strahlte.
"Und jetzt sag schon. Geht es ihr gut? Ist alles in Ordnung?" Kian
war auf sie zugerannt und war ganz panisch. "Glückwunsch Cousin. Du hast
einen Sohn. Ja, sicher geht es ihr gut." Gil drückte Kian kurz an
sich
und ging dann zu Shane um ihn einen Kuss zu geben. Kian stand wie angewachsen
auf dem Flur und grinste. "Na willst du nicht hingehen?" fragte Gil.
OK, es war vielleicht nicht fair von ihr, gegen Marshas Wunsch zu handeln. Aber
irgendwie musste man dem Glück ja auf die Sprünge helfen. "Sie
will mich jetzt doch sehen?" fragte Kian ungläubig. "Na ja, eigentlich
nicht. Aber geh jetzt hin und klär das endlich. Und wehe du lässt
dich abschütteln" gab Gil zu. "Ich weiß nicht." Kian
war sich nicht sicher, ob er dann wirklich zu Marsha gehen sollte. "Kian
John Francis Egan, beweg deinen Arsch in dieses Zimmer da. Und zwar zack zack."
Shane baute sich drohend vor Kian auf. "OK, OK, ich geh ja schon."
Er stand erst noch unschlüssig vor der Tür, klopfte dann aber an
und öffnete die Tür. Er konnte an Marshas Gesichtsausdruck erkennen,
das sie ihn nicht erwartet hatte. Erst hatte sie noch müde gelächelt,
als sie ihn erkannt hatte, verschloss sich ihre Miene und sie drehte das Gesicht
weg.
Kurzfristig verlor Kian den Mut, straffte dann aber die Schultern und betrat
den Raum. Langsam ging er auf das Bett zu und setzte sich auf die Kante. "Hey,
wie geht es dir?" fragte er leise. "Bestens" kam nur als Antwort.
"Können wir reden?" versuchte Kian es noch mal. "Nein. Da
ist das Kind - dein Sohn, nimm ihn und geh. Es ist doch das, was du wolltest"
meinte sie tonlos. "Das stimmt nicht. Verdammt Marsha, ich liebe dich.
Ich will dich nicht verlieren." Kian war verzweifelt. "Hör auf
damit. Du musst
mir nichts vormachen. Jetzt geh endlich." Marsha funkelte ihn an. Wie konnte
eine einzelne Frau nur so stur sein. Aber Schatz, was du kannst, kann ich schon
lange, dachte Kian. "Nein. Ich geh nicht eher, bis wir das geklärt
haben und du mir glaubst und wenn ich die ganze Nacht hier sitzen muss"
meinte er entschlossen. Marsha schaute ihn kurz überrascht an und drehte
dann den Kopf wieder weg. Eine Zeitlang sah er sie schweigend an, doch dann
hielt er es nicht mehr aus. "Da war nichts mit Charlene. Sie ist eine alte
Schulfreundin von Shane, Mark und mir. Sie ist Journalistin in Dublin und war
gestern auch auf dem Ball. Wir hatten etwas zusammen gefeiert und da wollte
ich sie nicht mehr bis nach Dublin fahren lassen und habe ihr angeboten, bei
mir im Gästezimmer zu übernachten. Ich war gerade unter der Dusche,
als du heute morgen geklingelt hast. Es sah vielleicht so aus, aber es ist nichts
passiert. Glaub mir. Ich liebe dich und ich könnte dich nie so hintergehen."
Marsha hatte die ganze Zeit nur zugehört und nichts gesagt. Sie schaute
ihn an - so was wie Hoffnung lag in ihrem Blick. "Und das sagst du nicht
nur wegen dem Baby?" fragte sie. "Nein. Das Baby hat damit absolut
gar nichts tun. Sagen wir mal so, der Kleine war zumindest eine gute Ausrede,
um dich zu mir zu holen. Obwohl ich mir da meiner Gefühle zu dir noch nicht
wirklich bewusst war. Das ist erst in den
letzten Wochen gekommen, das ich es mir eingestanden habe" erklärte
er und nahm dabei ihre Hände in seine. "Warum hast du nie was gesagt,
oder mir ein Zeichen gegeben?" fragte Marsha. "Ich hatte Angst. Ich
wusste ja nicht, was du fühlst. OK, ich weiß es immer noch nicht,
aber..." meinte Kian, wurde aber von Marsha unterbrochen, die ihn am Kragen
packte und ihn an sich heranzog. Bevor er noch was sagen konnte, drückte
sie ihm ihre Lippen auf den Mund. Als sie sich wieder löste meinte sie
leicht atemlos: "Ich liebe dich auch." Kian schaute sie überrascht
an und strahlte dann von einem Ohr zum anderen. Er zog Marsha wieder in seine
Arme und küsste sie leidenschaftlich. Nach einiger Zeit drückte Marsha
Kian sanft von sich und sagte leise: "Möchtest du eigentlich gar nicht
deinen Sohn begrüßen?" "Oh Gott ja." Kian sprang auf,
ging zu dem kleinen Bettchen und schaute ganz
versonnen hinein. "Du darfst ihn auch gerne mal auf den Arm nehmen. Er
zerbricht nicht." Marsha musste bei soviel Unsicherheit schmunzeln. So
kannte sie Kian gar nicht. Vorsichtig nahm er das Kind hoch und setzte sich
damit zu Marsha aufs Bett. "Er ist wunderschön. Danke" flüsterte
Kian, als
wolle er seinen Sohn auf gar keinen Fall wecken. "Wieso dankst du mir?"
"Du hast mir das schönste Geschenk gemacht, was man sich nur wünschen
kann." Kian hatte Tränen in den Augen, als er das sagte. Marsha wischte
ihm die Tränen weg und gab ihm einen zärtlichen Kuss. "Komm her
zu mir" sagte sie und rutschte etwas zur Seite. Kian ging um das Bett herum,
legte den Kleinen zwischen sie und legte sich dazu.
"Ob die beiden sich gegenseitig erwürgt haben? Kian kommt gar nicht
wieder und man hört auch gar nichts" fragte Gil vorsichtig. "Wollen
wir mal nachsehen?" Shane schien sich auch nicht ganz sicher. Gil nickte.
Leise und vorsichtig drückte sie die Türklinke runter und schoben
die Tür auf. Das Bild was sich ihnen bot, ließ sie lächeln.
Alle drei waren eingeschlafen und lagen friedlich im Bett. "Oh ist das
süß" flüsterte Gil leise. "Schade das wir keinen Fotoapparat
mithaben." "Warte hier, ich bin gleich wieder da" flüsterte
Shane zurück und lief in Richtung Ausgang. Im Handschuhfach seines Wagens
hatte er eine Sofortbildkamera. Hin und wieder hatte sein Vater echt gute Tipps
für ihn. Er hatte mal gesagt, so was müsste man immer im Auto haben,
für den Fall, das man einen Unfall oder so hatte. Mit der Kamera lief er
zurück ins Krankenhaus und hielt sie triumphierend hoch. Gil lächelte
stolz. Sie öffneten die Tür wieder und schlichen leise hinein. Shane
stellte sich vor das Bett und machte einige Fotos von den dreien. Der einziger
der das ganze mitbekam war Egan Junior. Der öffnete irritiert die
Augen, um zu erkennen, was um ihn herum passierte. Shane schrieb noch schnell
eine Nachricht auf eines der Bilder, legte sie dann auf das Nachttischchen und
verlies mit Gil wieder das Zimmer.
Einige Zeit später wurden Marsha und Kian durch das Weinen ihres Sohnes
geweckt. "Hm, ich glaube aus ihm wird mal ein verdammt guter Sänger"
schmunzelte Kian, der sich die Augen rieb. "Und er ist jetzt schon genauso
verfressen wie sein Vater" kicherte Marsha. "Das war jetzt nicht nett."
"Ich weiß, aber witzig" gab sie noch zurück und drückte
Kian einen Kuss auf die Lippen bevor er noch was sagen konnte. "Was meinst
du, während du dich um unseren Sohn kümmerst, fahre ich eben nach
Hause, rede mit Mum und Dad, hole dir ein paar Sachen und komm dann wieder"
schlug Kian nun vor. "Das
wäre echt lieb von dir." Aus den Augenwinkeln entdeckte Marsha die
Bilder. "Hey sieh mal" meinte sie und wies auf das Nachttischchen.
Kian nahm die Fotos vom Tisch und lächelte, dann reichte er sie an Marsha
weiter. "Nimm sie doch mit, dann kannst du deiner Family gleich den Nachwuchs
zeigen"
meinte Marsha, nachdem sie sich die Bilder angesehen hatte. "Ja, das mache
ich. OK, dann sehen wir uns später. Ich beeile mich." Kian nahm die
Bilder, gab Marsha noch einen langen, flammenden Kuss und machte sich dann auf
den Weg.
Erst fuhr er zu Shane, um einige Sachen für Marsha zu holen. "Hey
Kumpel. Herzlichen Glückwunsch. Komm rein" begrüßte Shane
ihn. "Ich hoffe du bist mir nicht böse, aber ich habe die anderen
schon alle angerufen. Ich konnte es nicht für mich behalten." Shane
machte ein betretendes Gesicht musste
dann aber doch grinsen. "Quatsch. Im Moment hätte ich da eh keine
Zeit für" entgegnete Kian lachend. "Ich soll euch ganz lieb grüßen.
Sie kommen morgen mal vorbei. Und wie fühlt es sich an, Vater zu sein?"
wollte Shane wissen. "Granatenstark. Ich in so glücklich im Moment
und könnte die ganze Welt umarmen." Kian strahlte wie ein Honigkuchenpferd.
"Und mit Marsha hat sich
jetzt auch alles geklärt?" harkte Shane nach. "Ja, wir sind zusammen
- endlich. Sie liebt mich und ich liebe sie. Es ist der schönste Tag in
meinem ganzen Leben." "Das hört man gerne. Ich freu mich wirklich
von ganzem Herzen für euch. Wurde aber auch echt langsam Zeit. Gil hat
schon
ein paar Sachen für Marsha zusammengepackt, brauchst du nur noch mitnehmen.
Willst du noch was trinken?" "Nee danke. Ich komme morgen noch mal
vorbei. Will noch zu meinen Eltern, ihnen die freudige Nachricht überbringen."
"OK, dann holen wir das Feiern morgen nach, ja?" "Klar, dann
sind die anderen auch da und dann machen wir so richtig einen drauf. Der Abend
geht dann auf meine Kappe. Für meinen Sohn zahl ich gerne" meinte
Kian grinsend. "Oh dann kannst du gerne wöchentlich Vater werden,
wenn du dann auch mal nen Abend finanzierst" grinste Shane und schlug Kian
freundschaftlich auf die Schulter. Sie verabschiedeten sich kurz und schon war
Kian auf dem Weg zu
seinen Eltern. Als er kurz darauf dort ankam, schnappte er sich die Fotos und
ging ins Haus. "Mum, Dad, euer Sohn ist da" rief er ins Haus, als
er die Tür aufschloss. "Welcher von den dreien" rief seine Mutter
lachend, als sie aus dem Wohnzimmer kam. "Kian, schön dich zu sehen.
Was ist denn mit
dir los? Du bist ja ganz aus dem Häuschen" begrüßte seine
Mutter ihn und drückte ihn an sich. Kian ging erst mal seelenruhig ins
Wohnzimmer, begrüßte seinen Dad und setzte sich auf das Sofa. Dann
zückte er grinsend die Fotos aus der Tasche und reichte sie seiner Mum.
Erst schaute sie fragend, dann fing sie glücklich an zu lächeln und
reichte die Fotos weiter an ihren Mann. "Tja, dann kann ich wohl jetzt
Opa zu dir sagen" meinte sie zu ihrem Mann. Er schaute kurz auf die Fotos
und grinste breit. "Sohn lass dich umarmen. Ich bin so stolz auf dich."
"Aber wieso auf mich. Ich hab doch wohl das wenigste daran gemacht, das
war doch ganz allein Marsha" erwiderte Kian lachend. "Ja genau wie
geht es Marsha? Ist alles in Ordnung? Und sag uns doch erst mal was es ist,
ein Mädchen oder ein Junge?" wollte seine Mum ganz aufgeregt wissen.
"Also Marsha geht es sehr gut und eurem
Enkelsohn auch. Ich kann euch auch gleich die nächste Frage beantworten.
Er soll Cedric Shane Francis heißen. Und bevor ich es vergesse - Marsha
und ich sind zusammen." Kian grinste von einem Ohr zum anderen. "Ach
also doch nicht nur Freunde oder wie war das?" "Dad, spar dir jeglichen
Kommentar." Kian buffte seinen Dad freundschaftlich in die Seite und lachte
glücklich. "Auf jeden Fall wünschen wir euch alles Liebe der
Welt. Sag Marsha schöne Grüße. Wir kommen sie und unseren Enkelsohn
dann morgen mal besuchen" meinte seine Mutter und drückte ihm einen
Kuss auf die Stirn. "Sage ich ihr. So, ich will dann auch mal wieder los.
Marsha wartet bestimmt schon auf ihre Sachen. Bis morgen dann." Kian verabschiedete
sich und fuhr auf den schnellsten Weg wieder ins Krankenhaus.
"Hallo Mum, ich bin es Marsha" meldete sich Marsha am Telefon. Sie
hatte sich zwischenzeitlich überlegt, ihren Eltern Bescheid zu geben. "Hallo
mein Kind, na wie geht es dir?" "Ach so langsam wird es wieder. Hier
ist jemand, der euch Hallo sagen will" meinte Marsha und hielt den Hörer
in Cedrics
Richtung und just in dem Moment fing er an zu quengeln. Marsha musste leise
lachen, nahm den Hörer wieder an sich. "Hast du gehört?"
"Was war das Marsha?" "Tja beim ganz genauen betrachten würde
ich sagen, euer Enkelsohn." "Jetzt echt? Das ist ja der Hammer. Aber
warum denn jetzt
schon?" Ihre Mum war ganz aus dem Häuschen. "Der kleine Mann
kommt ganz nach seinen Eltern - sehr ungeduldig." "Aber es geht euch
gut?" Schon machte sich ihre Mum wieder Sorgen. "Es ist alles in bester
Ordnung." "OK, mein Kind. Das muss ich deinem Vater und deiner Schwester
erzählen. Wir
hören uns und in spätestens zwei Wochen sind wir ja bei euch. Ich
hab dich lieb. Gib dem Kleinen und auch Kian einen Kuss von uns." "Ja
Mum. Ich meld mich noch mal die Tage. Grüß alle ganz lieb von mir."
Marsha legte auf und betrachtete versonnen ihren Sohn.
Plötzlich klopfte es leise und Kian öffnete die Tür. "Hey das bist du ja wieder" meinte Marsha und lächelte glücklich. "Na wie geht es meinen liebsten beiden?" "Bestens." "Liebe Grüße von Shane, Gil, den anderen Jungs, Mum und Dad." "Ich soll dich auch lieb grüßen. Habe eben in Deutschland angerufen." Kian nickte und setzte sich zu Marsha aufs Bett, dabei rieb er sich über das Gesicht. "Hey was ist los?" fragte Marsha besorgt. "Hm nur etwas müde, war irgendwie ein langer anstrengender Tag. Dagegen ist ein Promo-Tag mit Interviews, Auftritten und Fotoshootings Kinderkram." Kian grinste sie schief an. "Dann fahr doch nach Hause und schlaf dich aus." Schlug Marsha vor. "Nein, ich will noch nicht." "Dann komm her und leg dich zu mir" forderte Marsha ihn auf, legte dabei Cedric vorsichtig in sein Bettchen und rückte etwas an die Seite. Kian zog seine Schuhe aus, legte sich zu ihr und nahm sie fest in den Arm. "Weißt du eigentlich wie glücklich ich bin? Ich lass dich nie wieder gehen" murmelte Kian. "Ich will auch gar nicht mehr gehen. Jetzt wie wir uns endlich gefunden haben, wirst du mich auch so schnell nicht mehr los. Und jetzt sind wir sogar eine richtig kleine Familie." Marsha war so glücklich. "Also willst du keinen Test mehr?" fragte Kian nach. "Also wenn du einen willst, machen wir einen. Ich habe da absolut kein Problem mit" entgegnete Marsha entschlossen. "Ich wollte nie einen und dort liegt meiner Meinung nach der lebende Beweis, das ich der Vater bin." Kian schaute ganz verliebt in das Bettchen. Marsha wurde es ganz warm ums Herz, als sie diesen glücklichen Blick sah. "Ich weiß das ich mir wahrscheinlich jetzt wieder eine Standpauke anhören kann, aber ich möchte unser Glück gerne offiziell machen. Ich will euch nicht mehr verstecken" fing Kian das leidige Thema wieder an und schaute etwas ängstlich zu Marsha. Sie schaute ihn erschrocken an, aber er merkte auch, das sie über das Gesprochene nachdachte. Eine Zeitlang sagte sie gar nichts, aber dann meinte sie leise und mit Angst in der Stimme: "Vielleicht hast du Recht. Immer können wir es eh nicht verheimlichen. Und wenn die Presse dann Wind davon bekommt, wird es schlimmer, als wenn du von dir aus alles erzählst. Tu mir nur einen Gefallen. Sie sollen Cedric weitestgehend in Ruhe lassen. Er soll ein normales Leben führen, ohne Blitzlichtgewitter und bösen Verleumdungen." Marsha fühlte sich nicht wirklich wohl bei dem Gedanken, bald kein Privatleben mehr zu haben und das zeigte sie Kian auch. "Wir werden eine Pressekonferenz einberufen, wo wir alles erzählen und wo die Presse auch Fotos von unsrem kleinen Prinzen machen können und dann werde ich die Presse bitten, dich und auch Cedric in Ruhe zu lassen, zumindest so weit wie es möglich ist. Das verspreche ich dir." Kian sah Marsha ernst an. Marsha nickte und kuschelte sich in seine Arme. "OK" murmelte sie. "Gut dann haben wir ja nur noch eines zu klären" begann Kian wieder. Marsha schaute erwartungsvoll auf und Kian grinste sie schelmisch an. "Ich hoffe auch, das deine Schnapsidee mit einer eigenen Wohnung jetzt der Vergangenheit angehört. Ich will dich bei mir haben und sonst nirgendwo" meinte Kian dann und schaute ihr tief in die Augen. "Na wenn du mich so lieb bittest, kann ich ja wohl schlecht nein sagen, oder?" erwiderte Marsha daraufhin sarkastisch, lächelte ihn dann aber an. "Schön. Dann bin ich ja beruhigt" grinste Kian zurück. "Ich liebe dich, Kian" flüsterte Marsha leise und küsste ihn innig. "Ich liebe dich auch. Für immer und ewig" erwiderte Kian, als sich ihre Lippen von einander lösten.
The End