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>> by Alina <<
Für alle, die den Glauben an die Liebe
(fast) verloren haben
Nicky, Bryan, Shane, Kian und Mark waren alle im Studio
und studierten die Choreographie zu "Dreams come true" und "Uptown Girl" ein.
Es war ein Freitagabend und die Jungs waren alle schon erschöpft. Sie waren
den ganzen Tag bei verschiedenen Fotoshootings gewesen und probten danach gleich
für die kommende Europatournee weiter.
Auf einmal hallte ein Aufschrei durch die Halle. Shane stürzte bei einer
Umdrehung und schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf. Die anderen knieten besorgt
neben ihm nieder. Shane blieb reglos liegen.
"Er ist bewusstlos", sagte Nicky aufgeregt.
"Ich rufe einen Krankenwagen", meinte Kian und wählte die Notrufnummer.
Shane wurde nun schon eine Stunde untersucht. Die anderen Jungs saßen
im Warteraum.
Bryan lief nervös auf und ab.
"Hoffentlich ist es nichts ernstes", dachten alle im Stillen.
In dem Moment trat eine hübsche Krankenschwester auf sie zu. Sie hatte
lange dunkelbraune Haare und blaue Augen. Kian erinnerten diese Augen an das
Meer.
"Hallo, ihr seid wohl die Freunde von Shane Filan", sagte sie.
"Ja, wie geht es ihm? Ist es was ernstes?" wollte Nicky wissen.
"Er ist wieder bei Bewusstsein. Er hat von dem Sturz nur eine leichte Gehirnerschütterung
davon getragen. Allerdings muss er zur Beobachtung diese Nacht hier bleiben.
Ihr könnt aber zu ihm", erklärte sie freundlich.
Dabei sah sie Kian an. Ihr Blick wurde magisch von ihm angezogen, ihm ging es
gleich.
Sie war unglaublich schön, er konnte seine Augen kaum von ihr abwenden.
Sie folgten ihr zu Shane. Als sie im Krankenzimmer eintrafen, fanden sie ihn
im Bett liegend vor.
"Was machst du nur für Sachen. Du hast uns einen ganz schönen Schrecken
eingejagt", sagte Kian.
"Ich mir selber auch", lachte Shane. Er war fast wieder der Alte.
"Was ist eigentlich genau passiert?" fragte Mark.
"Ich bin bei einer Umdrehung gestolpert. Aber mir geht es schon wieder gut.
Mir ist nur noch etwas schwindelig. Der Arzt meinte, ich solle die nächsten
Tage etwas ruhiger angehen. Das war alles", gab Shane zur Auskunft.
"Möchtest du etwas zu trinken haben?" fragte die Krankenschwester.
"Ja, das wäre nett. Danke. Ich bin übrigens Shane und das sind meine
Freunde Nicky, Mark, Bryan und Kian", sagte Shane und deutete auf den jeweiligen.
So, so, Kian heisst er also. Ein schöner Name, dachte sie.
"Ich heiße Angeliqua, aber meine Freunde sagen alle Angie zu mir."
Ihr Aussehen erinnert mich eher an Angel, wie ein Engel, dachte Kian.
In dem Moment wurde eine Patientin in Shanes Zimmer geschoben. Es war ein Doppelzimmer.
Auf dem Bett lag ein hübsches etwa 20 jähriges Mädchen. Sie hatte
schulterlange blonde Haare und braune Augen. Sie hatte einige Prellungen an
den Armen und Beinen und ein großes Pflaster an der Stirn. Shane fand
sie trotzdem bildhübsch.
Als sich Angie zu der Patientin umdrehte, bekam sie einen Schock.
"Chelsea, mein Gott, was ist denn schon wieder passiert?" besorgt setzte sie
sich ans Bett ihrer Freundin und nahm ihre Hand. Chelsea legte ihren Kopf zur
Seite. Ihr war es peinlich, in Anwesenheit der fremden Jungs darüber zu
reden. Angie verstand, warum Chelsea so abweisend war. Sie konnte sich bereits
denken, um was es ging. Es musste mit Chelseas Freund Scott zu tun haben. Dieser
Mistkerl!
"Ich komme später wieder zu dir, okay", sagte Angie und erhob sich.
Chelsea nickte und blickte ihr mit Tränen in den Augen nach.
Eine Stunde später kam Angie zu Chelsea zurück. Die Jungs waren inzwischen
gegangen und Shane schien zu schlafen. Leise berichtete Chelsea Angie was passiert
war.
Was sie nicht wusste war, dass Shane gar nicht schlief, sondern alles mithören
konnte, obwohl sie flüsterte.
"Was soll ich groß drum rum reden. Wir hatten wieder Streit. Das kennst
du ja inzwischen. Angie, ich weiss einfach nicht mehr weiter."
"Es gibt nur einen Ausweg: Du musst dich von ihm trennen. Und zwar so schnell
wie möglich", sagte Angie ernst.
"Ich weiss, aber..."
"Kein aber! Was passiert als nächstes? Hast du darüber schon mal nachgedacht?
Ich will meine beste Freundin nicht irgendwann an einem Grab besuchen."
"Ich habe Angst vor ihm. Ich hatte vor ihn zu verlassen, aber da hat er mir
nur gedroht", sagte Chelsea verzweifelt.
"Ich helfe dir. Der soll mich mal kennen lernen. Wenn du entlassen wirst, ziehst
du erstmal für ein paar Tage zu mir", entschied Angie.
"Danke. Ich bin so froh, dass ich dich habe."
"Dazu bin ich doch da", meinte Angie und stand auf. Sie musste wieder an die
Arbeit.
Nachdem sie gegangen war, drehte sich Chelsea mit dem Rücken zu Shane.
Als er seine Augen aufschlug, konnte er sie weinen hören.
Was ist das nur für ein Mensch, der einem anderen sowas antut, schoss es
Shane durch den Kopf. Chelsea tat ihm unendlich leid. Und dann fasste er einen
Entschluss.
Langsam stand er auf und trat an ihr Bett. Als er sich räusperte, drehte
sich Chelsea um.
"Hi, ich wollte dich nicht stören, aber ich habe eben das Gespräch
zwischen dir und Angie mitbekommen. Ich heiße übrigens Shane", stellte
er sich vor. Chelsea verlor sich sofort in seinen grünen Augen. Sie waren
wunderschön.
"Chelsea, aber das weißt du sicherlich schon. Tut mir leid, dass du wegen
uns nicht schlafen konntest", sagte sie und schämte sich. Ihr war es peinlich,
dass er von ihrem Problem mit ihrem Freund wusste.
"Das ist schon okay. Hör mal, ich weiss, du kennst mich so gut wie gar
nicht, aber wenn du reden willst", fing Shane an. Er konnte sich nicht helfen.
Eigentlich ging es ihn überhaupt nichts an, aber dieses Mädchen hatte
etwas an sich, dass ihn faszinierte.
Chelsea hingegen fühlte ähnlich. Sie kannte ihn nicht, wusste nur
seinen Namen, und dass er die schönsten Augen hatte, die sie je gesehen
hatte. Aber da war dieses Gefühl in ihr. Ein bisher völlig unbekanntes,
das ihr aber sagte, ihm vertrauen zu können.
"Du hast echt alles mitbekommen? Die Sache mit meinem Freund?" fragte sie ihn.
"Ja, habe ich. Ich kenne ihn zwar nicht, und auch kann ich mir kein Bild von
eurer Beziehung machen. Aber wenn er dir weh tut, dann solltest du dich von
ihm trennen, wie Angie gesagt hat. Du verdienst das nicht", sagte Shane und
wunderte sich selber über seine Worte. Doch sie waren die Wahrheit, das
stand außer Frage.
"Ich wollte mich von ihm trennen, ich will es immer noch. Was meinst du, warum
ich wieder hier bin? Das ist nicht das erste Mal. Ich wollte Schluß machen,
und das Ergebnis siehst du ja selbst", sagte Chelsea. Dicke Tränen liefen
über ihre Wangen.
Shane wusste nicht, was er entgegnen sollte. Statt zu antworten, nahm er sie
einfach in den Arm. Zunächst vorsichtig, doch als er merkte, dass sie sich
an ihn schmiegte, hielt er sie fester. Nach einer Weile hatte sie sich wieder
beruhigt.
"Es tut mir leid", stammelte Chelsea.
"Was tut dir leid?"
"Das ich mich so habe gehen lassen. Ich bin selber Schuld, dass es so weit gekommen
ist."
"Sag das nicht. Er ist derjenige, der dir weh tut, vergiß das nicht. Wenn
es hier jemandem leid tun muss, dann ihm."
Wie kommt es nur, dass alles, was er sagt, einen Sinn ergibt? Und dass er auf
alles die richtige Antwort zu haben scheint, fragte sich Chelsea. Es ging ihr
mittlerweile schon viel besser. Es viel ihr ungewohnt leicht, mit Shane zu reden.
Sonst hatte sie nur Angie von der Sache erzählt.
"Weißt du, es gab auch schöne Zeiten. Er war nicht immer so. Anfangs
war alles wunderschön. Es war wie im Traum".
"Wie lange seit ihr schon zusammen?" wollte Shane wissen.
"Ein Jahr. Die letzten drei Monate waren der reinste Horrorr. Davor war er so
lieb und zärtlich, so einfühlsam. Ich weiss nicht was passiert ist,
dass er sich so änderte. Alles was ich will, ist, dass es wieder so wird
wie früher", sagte Chelsea traurig.
"Er hat kein Recht so mit dir umzugehen. Niemand hat das", meinte Shane. Er
verspürte Wut auf diesen Kerl. Die ganze Geschichte stimmte ihn aber auch
traurig. Er konnte sich nicht vorstellen, sowas jemals einem Girl anzutun, schon
gar nicht seiner Freundin.
"Lass uns von etwas anderem reden, okay? Wieso bist du eigentlich hier?" fragte
Chelsea.
"Ich bin bei Tanzproben ins Stolpern gekommen und gestürzt. Ich war für
ein paar Minuten bewusstlos. Aber es ist alles wieder in Ordnung. Morgen werde
ich bereits entlassen", sagte Shane. Morgen schon, dachte Chelsea und ertappte
sich dabei, dass sie diese Tatsache enttäuschte.
"Welche Tanzproben?" wollte sie weiter wissen.
"Erinnerst du dich an die Jungs vorhin?"
Sie nickte.
"Sie und ich sind in einer Band, Westlife. Hast du schon davon gehört?"
Jetzt war es Chelsea, die geschockt war. Natürlich hatte sie schon von
ihnen gehört. "Swear it again" und "Fool again" waren nur einige der Songs
die ständig bei ihr liefen. Warum hatte sie ihn nicht erkannt? Allerdings
hatte sie sich auch nie sonderlich um deren Aussehen gekümmert. Die Lieder
waren es, die sie in ihren Bann zogen.
"Oh nein, das ist mir jetzt oberpeinlich", brachte sie verlegen hinzu.
"Das muss es nicht. Angie hat uns auch nicht erkannt", meinte Shane und lächelte.
"Dabei hören wir eure Songs ständig zu Hause", gab Chelsea zu.
"Wirklich? Welchen magst du denn am meisten?" wollte Shane wissen.
"Ich mag I don’t wanna fight, das ist so traurig aber auch Seasons in the sun.
Angie hingegen ist verrückt nach Flying without wings und If I let you
go. Im Grunde finden wir aber alle Lieder auf eurem Album spitze."
"Das freut mich. Wir gehen ab nächsten Monat auf Tournee durch Europa.
Kommt doch bei einem Konzert in eurer Nähe vorbei", meinte Shane.
"Ja, das wird bestimmt schön werden. Ich werde Angie fragen. Wie ich sie
kenne, ist sie sofort dabei."
Die beiden unterhielten sich bis spät in die Nacht, bevor sie sich endlich
schlafen legten. Die Zeit verging wie um Flug. Sie ist richtig süss, dachte
Shane. Er blieb noch wach und dachte nach. Ihm war klar, dass er Chelsea unbedingt
wieder sehen wollte. Nur was war mit ihrem Freund? Sie wollte Schluss machen,
aber hatte Angst davor. Er beschloss ihr dabei zu helfen. Chelsea konnte hingegen
seit Wochen der Furcht wieder beruhigt einschlafen. Es war eine Nacht voller
Schicksal gewesen. Das würden die nächsten Wochen zeigen.
Am nächsten Morgen holte Kian Shane im Krankenhaus ab. Er hoffte darauf,
Angie anzutreffen. Sie hatte ihre Schicht aber bereits beendet und würde
erst wieder am Abend kommen.
"Wie lange musst du noch hier bleiben?" fragte Shane Chelsea.
"Wahrscheinlich bis morgen. Ich gehe dann mit Angie nach Hause, wenn sie mit
der Arbeit fertig ist", meinte Chelsea.
"Ich weiss nicht, wie es dir geht, aber ich würde dich gerne wieder sehen.
Was macht ihr morgen Abend?"
"Ich denke mal nichts."
"Gut, dann holen Kian und ich euch morgen Abend ab. Oder muss Angie arbeiten?"
"Nein, morgen Abend hat sie frei. Und danach hat sie auch wieder Frühschicht.
Ich schreibe dir ihre Adresse auf." Gesagt getan. Shane waren die Blicke zwischen
Kian und Angie gestern nicht entgangen. Von daher hielt er es für eine
gute Idee, wenn sie sich zu viert treffen würden.
"Okay, dann bis morgen. Ich freue mich", meinte Shane und gab Chelsea zum Abschied
einen Kuss auf die Wange.
"Bis morgen. Ich freue mich auch", sagte sie leise und sah ihm hinterher.
Als Angie am Abend eintraf und ihre Freundin besuchte, erzählte diese
ihr aufgeregt von Shane.
"Er will mich wirklich wiedersehen. Wir haben gestern die halbe Nacht miteinander
geredet. Ich kann es selber nicht erklären, weil ich es selber nicht verstehe.
Ich hatte nur das Gefühl, ihm vertrauen zu können. Er hat einen sehr
sympathischen Eindruck auf mich gemacht. Klingt verrückt, oder?"
"Nein, finde ich nicht. Ist doch schön, wenn ihr euch so gut versteht.
Die Jungs scheinen nett zu sein", meinte Angie und dachte dabei an Kian. Ob
sie ihn jemals wieder sehen würde? Sie wusste ja noch nichts von der Verabredung.
"Wir sind morgen Abend zum Essen von mit ihnen verabredet", platzte Chelsea
heraus.
"Was heisst wir?"
"Shane hat den Vorschlag gemacht, dass er, Kian, du und ich uns treffen könnten.
Sie holen uns gegen 19 Uhr ab. Ist doch okay, oder?"
"Wow, das geht ja schnell. Natürlich bin ich dabei. Man hat schließlich
nicht jeden Tag die Chance mit Kian und Shane von Westlife essen zu gehen."
"Du hast sie erkannt? Ich meine, mir kamen sie auch irgendwie bekannt vor. Aber
ich hätte nie gedacht, sie in einem Krankenhaus einmal kennen zu lernen.
Mir war das vor Shane furchtbar peinlich", sagte Chelsea. Angie musste lachen.
"Kann ich mir vorstellen. Ich habe sie sofort erkannt, wusste aber nicht, was
ich sagen sollte. Also habe ich kein Wort darüber verloren. Komisch war
es trotzdem. Sie schienen aber so natürlich. Mir kam es keinen Moment vor,
als hätte ich Stars vor mir."
"Ich habe nie mit jemand anderem über Scott geredet, außer mit dir.
Bei ihm ist es mir so leicht gefallen. Er hat mich einfach in den Arm genommen.
Irgendwie war das schön", meinte Chelsea.
"Was hat er denn zu Scott gesagt?"
"Das selbe wie du, dass ich mich von ihm trennen sollte."
"Das würde dir jeder normale Mensch sagen. Aber wie ich Scott kenne, schleimt
er sich wieder bei dir ein und wickelt dich um seinen Finger. Diesmal musst
du standhaft bleiben. Du brauchst ihn nicht, und rede dir nichts anderes ein.
Du hast mich. Und anscheinend hast du auch in Shane einen neuen Freund gefunden.
Das wird sich mit der Zeit zeigen", sagte Angie. Danach machte sie sich an die
Arbeit. Die Nachtschicht war meistens ruhig, wenn nicht gerade Notfälle
reinkamen. Sie freute sich darauf Kian wieder zu sehen. Eigentlich hatte sie
keine Lust auf eine Beziehung. Sie war bisher einmal richtig verliebt gewesen.
Sie dachte, dass er die Liebe fürs Leben wäre. Er hieß David,
und sie waren über zwei Jahre zusammen. Sie lernten sie mit 17 in einem
Club kennen. Eigentlich hielt Angie nicht viel von Discobekanntschaften. David
hingegen war aber sehr charmant und gab sich viel Mühe, sie näher
kennen zu lernen. Er war kein Macho, auf solche Typen stand Angie überhaupt
nicht.
Sie waren sehr glücklich, zumindest hatte sie den Eindruck. Der hielt an,
bis sie ihn eines Abends im Club mit einer andern rummachen sah. Er versuchte
sich zwar rauszureden, aber die Situation war offensichtlich gewesen. Das alles
war ein Jahr her, und Angie fragte sich oft, ob sie jemals wieder jemanden bedingungslos
lieben könnte. Sicher würde sie sich irgendwann wieder verlieben.
Sie hatte Angst davor, wieder enttäuscht zu werden. Sie hatte ihm vertraut,
und er hatte das schamlos ausgenutzt. Es war nicht so, dass die Männer
sie nicht ansprachen. Im Gegenteil, sie wirkte auf Männer. Das wusste sie
auch. Sie wollte aber was ernstes, auf Affären hatte sie keine Lust. Sie
war einfach nicht der Typ dafür. Wahrscheinlich machte sie sich über
morgen zu viele Gedanken. Aber Kian war der erste seit ihrer Trennung mit David,
den sie bereit war zu treffen.
Am nächsten Abend. Die Mädels hatten sich zurecht gemacht. Chelsea
trug einen knielangen Jeansrock mit einem rosafarbenen Top. Angie entschied
sich für Jeans und eine weiße Bluse. Sie benutzten nie viel Make
up. Natürlich mochten sie es am liebsten, und sie sahen umwerfend aus.
Das fanden auch Shane und Kian, als sie die beiden abholten.
Sie gingen in ein kleines italienische Restaurant. Besser hätte ein erstes
Date nicht laufen können. Die Atmosphäre war traumhaft. Chelsea und
Angie wollten wissen, wie das Leben auf Tournee abläuft.
"Es ist ziemlich spannend und macht Spass. Aber es ist auch stressig. Dennoch
möchten wir den Job um nichts in der Welt tauschen. Die Reisen in ferne
Länder sind mit das Beste an der ganzen Sache. Wir haben für unser
Alter erstaunlich viel gesehen", meinten Shane und Kian.
"Nicht zu vergessen, die vielen hübschen Mädchen, die euch zu Füßen
liegen", sagte Angie frech grinsend.
"Tja, das ist eben ein positiver Nebeneffekt. Ein sehr positiver", lachte Shane.
Er sah auf und blickte direkt in Chelseas braune Augen. Schüchtern wandte
sie den Blick ab.
"Die Schönsten sitzen gerade mit uns am Tisch", sagte Kian und sah Angie
an. Er flirtet mit mir, und ich muss gestehen, dass ich das nicht gerade unangenehm
finde, dachte sie im Stillen. Sie merkte, wie ihr das Blut in den Kopf stieg.
Toll, jetzt bin ich auch noch rot wie eine Tomate. Sie versuchte das beste aus
der Situation zu machen. Sie lächelte Kian zurück und sagte leise
"Danke". Na also, geht doch, dachte sie weiter. Nach dem Essen gingen die Vier
noch in einen nahegelegenen Park. Sie spazierten an einem See vorbei in dessen
Wasser sich der Mond spiegelte.
"Wie romantisch", sagte Angie.
"Ja, das ist es wirklich. Bist du romantisch?" wollte Kian wissen.
"Ja, sehr. Und du?"
"Auch. Ich mag es, so wie jetzt im Mondschein spazieren zu gehen. An einem Strand
ist das am schönsten", sagte Kian. Angie mochte romantische Männer,
die sensibel und einfühlsam waren. Vielleicht gehörte Kian dazu. Zumindest
machte er den Eindruck.
"Ich würde gerne in der Nähe eines Strandes wohnen. Italien hat schöne
Strände", meinte Angie.
"Du warst schon dort? Wo genau? Italien gefällt mir auch sehr gut."
"Hauptsächlich in der Toscana. Ich liebe Italien. Aber hier in Irland ist
es auch schön."
"Von allen Orten dieser Welt, die ich bis jetzt gesehen habe, gefällt mir
Los Angeles am besten. Aber Irland ist meine Heimat. Ich kann mich nur hier
richtig zu Hause fühlen", erklärte Kian. Sie liefen noch eine Weile
sich unterhaltend weiter. Der Abend war sehr schön gewesen, und man war
sich einig, das so bald wie möglich zu wiederholen.
Als die Mädchen zu Hause ankamen, fanden sie auf dem Anrufbeantworter
zwei Nachrichten vor. Beide waren von Scott.
"Chelsea, ich weiss, dass du bei Angie bist. Ruf mich bitte an. Ich muss mit
dir reden. Es ist wichtig. Bitte mein Kleines".
"Das ist typisch für ihn. Erst schlägt er dich krankenhausreif und
danach schleimt er wieder rum. Einfach widerlich dieser Typ", sagte Angie aufgebracht.
Die zweite Nachricht war dann schon nicht mehr ganz so freundlich:
"Wo bist du? Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe? Wenn du meinst,
mit mir Spielchen spielen zu müssen, dann hast du dich geirrt. Du wirst
schon noch sehen, was du davon hast."
"Jetzt droht er dir auch noch. Der hat sich nicht mehr alle. Mach’ dir keine
Sorgen, du bleibst vorerst bei mir, bis sich alles wieder beruhigt hat. Vorher
lass ich dich nicht in deine Wohnung zurück. Widerstand zwecklos", meinte
Angie. Chelsea musste lachen, obwohl sie die Scotts Nachricht schon etwas beunruhigte.
Sie wollte einfach nur ihre Ruhe vor ihm. Damit war sie sich mittlerweile sicher,
spätestens seit sie mit Shane gesprochen hatte. Sie kannte ihn erst einen
Tag, aber seitdem schien ihr alles so klar. Sie wollte und konnte nicht mehr
zu Scott zurück. Nie wieder sollte er Gelegenheit haben sie anzufassen.
I Gave It All To You
With No Questions Asked
I Wanted A Future
Who Cares About My Past?
That First Argument
You Up And Left
I’ve Seen A Change In You
Words I Won’t Accept
I Thought I Lost You
When You Twist Back My Arm
Cause The Man I Thought I Knew
Wouldn’t Do Me No Harm
And That Ran Through My Mind, Over Again
I Promised Myself You Wouldn’t Put Your Hands On Me Again
Never No More
I Didn’t Sleep That Night
I Held My Pillow Tight
Now Trust Me When I Say
You Have Been Told
I’m Telling You Never To Touch Me No More
Never No More
I Should’ve Left You
When You Called Me Out My Name
I Stopped To Your Level
Replied You The Same
No Here We Are Again
You At My Throat
Now I See The Same Old Change
That I Did Before
I Walk Away From You
At The Drop Of A Dime
So Often This Treatment
Is Way Out Of Line
And That Ran Through My Mind, Over And Over Again
Promised Myself You Won’t Put Your Hand On Me Again
Never No More
You Know I Rather Give You Your Space
Cause I Just Don’t Know
Where To Run, What To Say
Stay Out Your Way, Or Get In Your Face
I Just Know You Better Not Touch Me Again
Or I’ll Walk Away
That Is One Game I Refuse To Play
I Didn’t Sleep That Night
I Held My Pillow Tight
Now Trust Me When I Say
You Have Been Told
I’m Telling You Never To Touch Me No More
Never No More
Als Shane aus seinem Auto steigen wollte, entdecke er eine Jacke auf dem Rücksitz. Er hob sie auf und erkannte, dass sie Chelsea gehörte. Sie roch noch nach ihrem Parfüm. Dabei stellte er sich ihr hübsches Gesicht vor. Sie hatte ein bezauberndes Lächeln und schöne große dunkle Augen. Er nahm die Jacke mit ins Haus und entschied sich, morgen bei Chelsea anzurufen. Jetzt war es schon zu spät.
Am nächsten Morgen bei den Mädels beim Frühstück.
"Ich habe meine Jacke bei Shane im Auto vergessen", meinte Chelsea beiläufig.
"Tja, das heisst dann wohl, dass ihr euch schon sehr bald wieder seht", schmunzelte
Angie.
"Was dagegen? Ich glaube, dass du Kian aber auch bald wieder treffen wirst".
"Ich habe bestimmt nichts dagegen. Ich freue mich, dass ihr euch so gut versteht.
Er ist ganz anders als Scott. Du verdienst einen lieben Freund, einen der dich
achtet und dich zu schätzen weiß", sagte Angie.
"Was hälst du von Kian? Ihr habt gestern nett miteinander geplaudert",
bemerkte Chelsea.
"Er ich total nett, soweit man das nach einem ersten Date beurteilen kann."
"Höre ich da nicht ein ABER heraus?"
"Es ist wegen David. Ich bin total mißtrauisch geworden, dank ihm. Ich
frage mich, ob ich jemals den richtigen finden werde. Oder stelle ich zu hohe
Ansprüche? Meiner Meinung nach nein. Ich möchte lediglich jemanden,
der romantisch, sensibel, humorvoll und vor allem treu ist."
"Das sieht bei mir genauso aus. Da kann ich dich beruhigen, wegen der Ansprüche.
Scott war einst so gewesen", meinte Chelsea traurig.
"War so gewesen. Das bringt dir bloß jetzt nicht viel."
"Ich weiss. Willst du Kian wieder sehen?"
"Also, wenn er mich fragen würde, würde ich ja sagen."
"Ich bin sicher, er meldet sich bei dir."
Genau das traf wenig später ein. Zunächst rief Shane an, um Chelsea
mitzuteilen, dass er ihre Jacke gefunden hatte. Er wollte am frühen Nachmittag
vorbei kommen. Kurz darauf rief Kian an, um Angie zum Kino am Abend einzuladen.
"Was findet er an mir?" Diese Frage stellte Angie mehr zu sich selbst, anstatt
zu Chelsea.
"Wie was findet er an dir? Bist du blind? Hast du mal in den Spiegel geschaut?
Du siehst umwerfend gut aus. Zudem bist du intelligent, charmant und schlagfertig.
Das wird ihm gestern schon aufgefallen sein. Ich denke, er findet dich interessant
und möchte dich eben deswegen wieder sehen. Das ist deine Chance. Verschenke
sie nicht. Tausende von Mädchen da draußen würden wer weiss
was geben, um mit ihm ausgehen zu können."
"Das ist es ja gerade. Und er will ausgerechnet mich. Hoffentlich hält
er mich nicht für ein billiges Groupie", meinte Angie.
"Du spinnst echt. Ich glaube, jetzt ist es Zeit, dass ich dir den Kopf wasche.
Sonst musstest du das immer bei mir wegen Scott machen. Aber David hat anscheinend
auch seine Spuren bei dir hinterlassen."
"Wenn ich so hübsch bin, wie du sagst, warum hat er dann mit dieser Tussi
rumgemacht?"
"Weil er ein Arschloch ist. Vergiß ihn. Der hat dich genauso wenig verdient,
wie Scott mich. Das ist doch immer deine Rede."
"Ja, ich gebe anderen sehr gerne Ratschläge und versuche zu helfen. Aber
bei mir selber versage ich."
"Dafür hast du mich. Du passt auf mich auf, und ich pass auf dich auf.
Ganz einfach."
Gegen drei Uhr traf Shane bei den Mädchen ein. Er reichte Chelsea ihre
Jacke.
"Danke, das ist lieb von dir", sagte sie und lächelte ihn an.
"Hast du Lust spazieren zu gehen? Ich kenne einen schönen See, wird dir
bestimmt gefallen", schlug Shane vor.
"Gerne." Chelsea sagte schnell Angie Bescheid und verschwand danach mit Shane.
"Geht es dir wieder besser?" wollte Shane wissen.
"Du meinst wegen Scott? Ja, es geht wieder. Ich hoffe, er lässt mich in
Ruhe. Gestern Abend hat er auf den Anrufbeantworter gesprochen."
"Ehrlich? Was hat er gewollt?"
"Er bat mich darum, ihn anzurufen. Es sei wichtig. Das war die erste Nachricht.
Bei der zweiten hat er rumgeschrien und mir gedroht. Es ist immer das Selbe.
Am Ende ist er fast wieder der Alte und entschuldigt sich für alles. Aber
diesmal gehe ich nicht zu ihm zurück", sagte Chelsea. Shane nahm ihre Hand.
"Diese Einstellung ist gut. Wenn du meine Hilfe brauchst, bin ich für dich
da, okay?"
"Danke."
"Gern geschehen. Es ist mir eine Ehre", schmeichelte Shane, was Chelsea erneut
zum Lächeln brachte.
"Hattet ihr heute keine Proben?"
"Doch, aber diesmal nur am Vormittag."
"Schade, dass ihr in zwei Wochen wieder aufbrechen müsst."
"Die Zeit geht aber verdammt schnell um, glaub mir. Heute ist es noch Dublin,
morgen schon Paris und übermorgen Rom. Als was arbeitest du eigentlich?
Doch nicht etwa auch als Krankenschwester?"
"Nein, das ist nichts für mich, und Angie macht das auch viel besser. Ich
habe eine abgeschlossene Tanzausbildung hinter mir und möchte ab September
diesen Jahres Business Economy studieren."
"Was ist das für eine Tanzausbildung?"
"Im Bereich Jazzdance. Aber das war eher ein Hobby von mir."
"Klingt interessant."
"Findest du?"
"Sonst würde ich es nicht sagen. Wie lange kennst du Angie eigentlich schon?"
"Seit 5 Jahren. Wir haben uns in der Schule kennengelernt. Ich stamme eigentlich
aus London, aber dann hat mein Vater hier in Dublin eine Stelle angeboten bekommen.
So bin ich hier gelandet. Wir haben uns von Anfang an verstanden und sind seitdem
unzertrennlich."
"Man merkt, dass ihr euch gut versteht. Kian und ich kennen uns schon eine Ewigkeit,
lange bevor es Westlife überhaupt gab. Er gehört zu meinen besten
Freunden."
Sie liefen noch eine Weile am See entlang. In die Stadt wollten sie lieber nicht
gehen. Shane würde vermutlich von Fans erkannt werden, das war meistens
so. Er wollte lieber in Ruhe mit Chelsea reden, mit ihr alleine sein um sie
besser kennenzulernen.
"Sag mal, was ist Kian für ein Typ wenn es um Frauen geht?" fragte Chelsea
plötzlich.
"Wie meinst du das?"
"Naja, ich denke dabei an Angie. Weißt du, sie hat auch eine schwere Zeit
hinter sich. Ihr erster richtiger Freund David, mit dem sie zwei Jahre zusammen
war, hat sie betrogen. Und irgendwie hat sie noch immer vor einer neuen Partnerschaft
Angst. Nicht dass ich davon ausgehe, dass sie und Kian zusammen kommen."
"Da kann ich dich beruhigen. Kian würde sowas niemals machen. Das ist einfach
nicht seine Art. Wenn er liebt, dann liebt er richtig, mit allem was dazu gehört.
Er kann sehr romantisch sein. Ein Mädchen könnte sich keinen besseren
Freund vorstellen. Das sage ich nicht nur, weil er mein Freund ist. Zudem glaube
ich, dass er Angie ziemlich gerne hat."
"Weißt du was, was ich nicht weiß?" fragte Chelsea neugierig.
"Vielleicht. Nein, im Ernst. Er hat mir erzählt, dass er sie süss
findet. Für uns ist es sehr schwer Mädchen kennenzulernen. Das klingt
für dich vielleicht verrückt. Ich meine Mädchen, die es ernst
meinen. Die nicht nur irgendwelche Stars in uns sehen, sondern die an uns als
Person interessiert sind."
"Ich könnte nicht mit jemandem zusammen sein, für den ich nichts empfinde.
Liebe kommt erst mit der Zeit, aber man fühlt schon vorher etwas für
diese Person. Autos, Geld, das alles ist nicht wichtig für mich. Ich möchte
nicht von dem Mann abhängig sein. Das ist mir wichtig", sagte Chelsea.
Shane gefiel diese Einstellung. Mit so einem Mädchen könnte ich mir
etwas ernstes vorstellen, dachte er nach.
Die vier verbrachten in den nächsten Tagen so viel Zeit wie möglich
miteinander. Am Abend vor dem Beginn der Tournee luden Chelsea und Angie die
Jungs für ein gemeinsames Essen zu sich nach Hause ein. Danach schauten
sie noch ein Video, Pearl Harbor.
"Der Film ist so traurig", meinte Angie. Sie saß neben Kian, der seinen
Arm um sie gelegt hatte. In dem Moment klingelte das Telefon.
"Hallo", meldete sich Chelsea.
"Ich bin so froh, dass ich dich erreiche. Bitte leg jetzt nicht auf." Es war
Scott.
"Scott, was willst du? Lass mich einfach in Ruhe", sagte Chelsea entschieden.
"Ich muss dich aber sehen. Oh Kleines, mir tut das alles so entsetzlich leid."
"Das sagst du jedesmal. Ich habe keine Lust mehr darauf. Für mich hat sich
das erledigt. Ruf nicht mehr an."
"Wie erledigt? Wenn hier jemand Schluss macht, dann bin ich es. Hast du kapiert
du kleine Schlampe?" Scott schrie so laut, dass Shane, der neben ihr saß,
alles mitanhören konnte. Wütend nahm er den Hörer in seine Hand.
"Jetzt hör mal zu du Schwein. Lass Chelsea in Ruhe, wie sie es gesagt hat.
Ruf sie nie wieder an, sonst kannst du was erleben. Danke!" Damit legte er auf.
"Ich hatte schon gehofft, dass ich ihn los wäre", meinte Chelsea.
"Wenn er nochmal anruft, sagst du mir Bescheid, okay?" sagte Shane.
"Irgendwann muss er ja mal kapieren, dass seine Versuche sinnlos sind. Ich bin
sicher, er wird bald aufgeben", sagte Chelsea.
"Hoffentlich. Der Typ kann echt sehr unangenehm werden", meinte Angie. In ihrer
Stimme schwang ein Anflug von Angst mit. Kian bemerkte es dennoch. Er nahm ihre
Hand.
"Wir passen schon auf euch auf, keine Sorge", meinte er sanft. Er ist so süss,
dachte Angie.
"Kian hat Recht. Egal wo wir sind, ihr könnt uns jederzeit anrufen. Unsere
Nummern habt ihr ja", stimmte Shane zu.
"Echt schade, dass wir uns dann so lange nicht sehen", sagte Angie.
"Wiedersehen macht Freude", meinte Kian und lächelte sie an.
Sie verbrachten noch zwei Stunden miteinander. Danach nahmen sie schweren Herzens
Abschied voneinander.
"Ich werde Angie vermissen. Sie ist etwas besonderes", meinte Kian zu Shane,
während sie auf dem Heimweg waren.
"Mir geht es mit Chelsea genauso. Mal sehen, wenn wir in London und Umgebung
unterwegs sind, könnten wir die beiden für ein paar Tage einfliegen
lassen", fiel Shane ein.
"Daran habe ich auch schon gedacht. Lass uns sie damit überraschen."
Sie telefonierten täglich miteinander. Selbst wenn sie sehr im Stress waren,
nahmen sie sich zwischendurch einfach die Zeit bei den Mädchen anzurufen.
Sie erzählten ihnen von den Konzerten, den Interviews und Fototerminen.
Chelsea und Angie hörten ihnen jedesmal gespannt zu. Sie konnten noch immer
nicht ganz glauben, mit den Jungs von Westlife befreundet zu sein. Vor allem,
wenn man bedenkt, unter welchen Umständen sie sich kennen gelernt hatten.
Eines Abends fuhr Chelsea in ihre Wohnung, um ein paar Klamotten zu holen. Sie
wohnte noch immer bei Angie. Vorerst wollten sie es auch noch dabei belassen,
bis sie sicher waren, dass von Scott keine Gefahr mehr ausging. Gerade als sie
die Wohnung wieder verlassen wollte, stellte sich ihr jemand in den Weg. Chelsea
stockte der Atem. Vor ihr stand Scott!
"Ich frage mich, wo sie bleibt. Sie müsste längst wieder zurück
sein", sagte Angie zu sich selbst, nachdem Chelsea bereits eine Stunde weg war.
Sie beschloss zu ihr zu fahren. Als sie die Wohnungstür öffnete stand
Chelsea plötzlich vor ihr, völlig durcheinander.
"Da bist du ja wieder. Ich habe mir schon Sorgen gemacht und wollte eben zu
dir fahren."
Anstatt eine Antwort zu geben, fing Chelsea an zu weinen.
"Was ist denn passiert? Oh nein, es muss mit Scott zu tun haben. Ich habe es
geahnt."
"Gerade als ich gehen wollte, stand er vor mir, wie aus dem Nichts. Er wollte
nur reden. Ich dachte mir "Gut. Sei nett zu ihm, dann bekommst du ihn schon
irgendwie aus der Wohnung." Während ich mir einen Plan überlegte unbeschadet
davon zu kommen, schleimte er sich immer mehr bei mir ein. Er war total aufdringlich.
Dann fing er an, mich zu bekrappschen. Ich stieß ihn, so fest ich konnte,
und er fiel rücklings auf den Boden. Diese Chance nutze ich und lief so
schnell ich konnte aus der Wohnung. Gott, wenn er jetzt noch da ist", weinte
Chelsea.
"Wir müssen die Polizei anrufen. Beruhig dich erstmal. Das regeln wir schon",
sagte Angie.
Sie verständigten umgehend die Polizei. Als die Beamten bei Chelseas Wohnung
eintrafen, war Scott bereits verschwunden. Die Polizisten legten Chelsea nahe,
Scott wegen Nötigung und Belästigung anzuzeigen. Sie überlegte
kurz und willigte dann ein. Zwei Stunden später waren die Mädels wieder
zu Hause.
"Es war die richtige Entscheidung ihn anzuzeigen. Glaub’ mir. Das war sogar
längst überfällig", fand Angie. Chelsea nickte und starrte aus
dem Fenster. Sie dachte an Shane, und wie schön es wäre, jetzt von
ihm in den Arm genommen zu werden. Sicher war Angie ihr eine große Hilfe,
aber es war nicht das selbe. Als könne er ihre Gedanken lesen, rief Shane
in genau dem Moment an. Chelsea berichtete ihm von dem Vorfall. Wut stieg in
ihm auf, doch er ließ es sich nicht anmerken und sprach statt dessen beruhigende
Worte zu ihr. Er fand es ebenfalls gut, dass sie Anzeige erstattet hatten. Angie
hatte sich sogar als Zeugin gestellt. Nachdem Shane das Gespräch beendet
hatte, suchte er Kian auf.
"Dieses Schwein von Scott hat Chelsea belästigt. Sie war in ihrer Wohnung
um Klamotten zu holen, als er plötzlich vor ihr stand. Anscheinend hat
er ihr aufgelauert. Keine Ahnung was in seinem kranken Hirn vor sich geht. Sie
hat aber Anzeige erstattet, zum Glück."
"Ansonsten geht es ihr aber gut, oder?" fragte Kian.
"Ja, sie ist nur etwas geschockt. Ich wäre jetzt gerne bei ihr. Was hälst
du davon, wenn wir sie und Angie für das kommende Wochenende einladen?
Da sind wir zwar noch in Paris, aber ich möchte sie unbedingt wieder sehen",
schlug Shane vor.
"Ja, die Idee klingt gut. Ich will Angie auch wieder sehen."
"Könntest du dir etwas ernstes mit ihr vorstellen?"
"Sie hat alle Eigenschaften, die mir wichtig sind. Sie hat Humor und Charme
und ist dabei total süss. Ich vermisse sie, obwohl wir uns erst seit kurzem
kennen."
"Ich glaube, ich habe mich in Chelsea verliebt", gab Shane zu.
"Das habe ich mir schon gedacht. Du redest die ganze Zeit von ihr."
"Wie du von Angie. Komm, lass uns den anderen von unserem Vorhaben erzählen",
meinte Shane. Nicky, Bryan und Mark hatten selbstverständlich nichts dagegen.
Sie besprachen das ganze noch mit ihrem Tourmanager Anto. Auch er war einverstanden.
Chelsea und Angie wussten zunächst gar nicht, wie sie auf die Einladung
reagieren sollten. Sie waren schlichtweg sprachlos. Endlich würden sie
Shane und Kian wieder sehen, und dann auch noch in Paris. Was gab es schöneres?
Am Samstagmorgen landete ihr Flieger am Flughafen in Paris. Shane und Kian
ließen sie abholen und ins Hotel bringen. Die Wiedersehensfreude war groß.
Bryan wurde von seiner Frau Kerry und ihrer kleinen Tochter Molly begleitet.
Sie freuten sich, Kerry kennenzulernen und kamen sofort mit ihr ins Gespräch.
"Geht es dir auch wirklich gut? Ich habe mir Sorgen um dich gemacht", wollte
Shane wissen.
"Das ist lieb, aber es ist wirklich alles in Ordnung", meinte Chelsea, die noch
immer von Shane umarmt wurde. Er wollte sie gar nicht mehr los lassen.
"Was steht für heute auf eurem Programm?" fragte Angie neugierig. Sie ging
davon aus, dass die Jungs etliche Termine wahrzunehmen hätten.
"Was immer dein Wunsch ist", sagte Kian. Angie sah ihn mit großen Augen
fragend an.
"Wir haben heute frei. Das nächste Konzert ist erst wieder morgen Abend.
Das heisst, dass wir Paris unsicher machen können", erklärte Kian.
Das ist einfach zu schön, um wahr zu sein, dachte Angie. Am Mittag machten
sie eine Sightseeing-Tour durch Paris, unter anderem auch zum Eifelturm. Es
hatte den Anschein, als wäre die Stadt nur für Verliebte erbaut worden.
Ständig trafen sie auf Pärchen, die Händchen hielten. Nach kurzer
Zeit gehörten sie auch dazu. Sie machten Unmengen von Fotos, Kian zusammen
mit Angie, Shane mit Chelsea und alle vier zusammen. Am Abend wollten alle in
einen Club gehen. Er war ziemlich gut besucht. Chelsea und Shane saßen
in einer Sitzecke und unterhielten sich, während Angie und Kian zusammen
tanzten. Bei einem langsamen Song zog er sie eng an sich. Sie legte ihren Kopf
auf seine Brust, und sie wiegten sich im Takt zu dem Lied. Als sie kurz aufblickte,
sah sie direkt in seine blauen Augen. Kian strich mit seiner Hand über
ihre Wange und beugte sich langsam nach vorne, bis sich ihre Lippen trafen.
Angie hatte das Gefühl, als würden tausende von Schmetterlingen in
ihrem Bauch umherfliegen. Es war ein kurzer, aber sehr zärtlicher Kuss.
"Wow, das war sehr schön", sagte Kian.
"Finde ich auch." Verlegen ließ Angie ihren Kopf sinken. Kian schloss
sie wieder in seine Arme. Am liebsten hätte er sie nie wieder losgelassen.
"Kian, können wir nach draußen gehen? Ich möchte mit dir reden",
sagte Angie. Sie hasste sich dafür, diesen Moment zu zerstören, aber
es war wichtig für sie.
"Klar. Komm mit." Kian nahm sie bei der Hand und ging mit ihr nach draußen.
"Was ist los? Habe ich etwas falsch gemacht?" fragte er besorgt.
"Nein, das ist es nicht. Der Kuss eben war wunderschön. Es ist nur, ich
weiß nicht wohin das führen wird. Ich weiß nur, das ich mich
seit langem nicht mehr so gut gefühlt habe. Aber da ist diese Angst in
mir."
"Wovor hast du Angst?" fragte Kian und trat näher an Angie heran.
"Es ist wegen meinem Exfreund David. Wir waren zwei Jahre zusammen. Ich glaubte
an die große Liebe. Doch ich schien ihm nicht zu reichen. Eines Abends
erwischte ich ihn im Club mit einer anderen. Von Freunden erfuhr ich später,
dass es nicht das erste Mal war. Ich habe sofort Schluss gemacht. Unter diesen
Umständen konnte ich nicht länger mit ihm zusammen sein. Ich hatte
an uns geglaubt, und er hat mich nur benutzt. Er hat mir sehr weh getan", erzählte
Angie. Kian hebte ihr Kinn an, so dass sie ihm direkt in die Augen sah.
"Hör zu. Ich habe dich unheimlich gerne. Du sollst nicht nur eine Affäre
sein. Ich möchte mit dir zusammen sein. Ich weiß nicht, wie ich dich
dazu bringen kann mir zu glauben, aber ich werde mein Bestes tun, es dir zu
beweisen. Ich würde dich nie betrügen. Lass es uns wenigstens versuchen.
Wenn es nicht funktioniert, dann können wir es immer noch sein lassen",
meinte Kian ernst. Seine Worte überzeugten Angie. Glücklich schlang
sie ihre Arme um ihn. Er hatte Recht. Sie hatte nichts zu verlieren. Wenn sie
es nicht wenigstens versuchte, würde sie sich immer fragen, was hätte
sein können. Und das wäre noch schlimmer.
Gegen drei Uhr kehrten alle ins Hotel zurück. Angie und Chelsea teilten
sich ein Zimmer.
"Jetzt sag‘ schon, wie küsst er?" fragte Chelsea neugierig, als sie im
Bett lagen.
"Einfach himmlisch", antwortete Angie verträumt.
"Und was ist mit dir und Shane?" fügte sie hinzu.
"Nichts. Was sollte sein?"
"Jetzt tu nicht so unschuldig. Das sieht doch ein Blinder, dass ihr mehr als
nur Freundschaft füreinander empfindet", meinte Angie.
"Wir verstehen uns blendend. Mehr ist aber nicht."
"Was nicht ist, kann ja noch werden", schmunzelte Angie.
"Hast du Kian eigentlich von David erzählt?"
"Ja, er weiß alles. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich Angst vor einer
neuen Enttäuschung habe."
"Anscheinend hat sein umwerfender Charme aber deine Angst besiegt", meinte Chelsea.
"Ich bin glücklich, definitiv. Aber da sind diese Zweifel in mir. Sieh
mal, sie sind so oft auf Tournee. Woher will ich wissen, dass er mir treu ist?
Sie sind von wunderschönen Frauen umgeben", meinte Angie skeptisch.
"Man muss aber nicht erst ein Star sein, um fremd zu gehen. David ist das beste
Beispiel dafür. Ich will damit nur ausdrücken, dass dir das mit einem
anderen auch passieren kann. Ausserdem spielen die anderen hübschen Mädchen
keine Rolle. Er will dich!"
"Ich hoffe, du hast Recht", sagte Angie. Sie schloss die Augen und dachte dabei
an Kian.
Am nächsten Tag hatten Westlife einen Interviewtermin. Sie würden
erst gegen Mittag wieder zurück sein. Kerry gesellte sich währenddessen
zu Angie und Chelsea. Die Mädels plauderten über Gott und die Welt.
Angie wollte von Kerry wissen, wie es ist, mit einem Mädchenschwarm wie
Bryan verheiratet zu sein. Kerry erzählte gerne von ihren Erfahrungen.
Sie hatte Bryan schon oft auf Tournee begleitet, egal ob in Europa, Asien oder
den USA. Es war jedesmal aufregend gewesen.
"Bist du nicht auf die ganzen weiblichen Fans eifersüchtig?" fragte Angie
weiter.
"Nein. Anfangs ist das schon ein komisches Gefühl. Aber ich war ja mal
bei Atomic Kitten und von daher weiß ich, wie das ist. Ich habe volles
Verständnis für Bryan. Das sollte man auch aufbringen. Natürlich
kann ich nicht nonstop bei ihm sein. Aber wenn wir uns dann wieder sehen, ist
die Freude um so größer. Für mich hat das im Großen und
Ganzen nie ein Problem dargestellt", erzählte Kerry. Sie verbrachten einen
schönen Vormittag miteinander. Als die Jungs wieder zurückkamen, begrüßte
Kian Angie mit einem sanften Kuss.
"Hi, alles klar?" wollte er wissen.
"Ja, und bei dir? Wie war das Interview?"
"Ganz okay. Ich habe dabei aber die ganze Zeit an dich gedacht."
"Das ist süss von dir. Dürfen Chelsea und ich heute Abend eigentlich
mit zum Konzert?"
"Natürlich kommt ihr mit. Wir haben schon Plätze in der ersten Reihe
für euch engagiert. Das ist alles geregelt."
Chelsea war mittlerweile in ihr Zimmer gegangen. Sie verspürte auf einmal
das Bedürfnis alleine zu sein. Sie dachte nach, über Scott. Die ganze
Sache nahm sie doch mehr mit, als angenommen. Während sie so nachdachte,
stiegen Tränen in ihre Augen. Sie war so tief in Gedanken versunken, dass
sie gar nicht bemerkte, wie Shane ins Zimmer trat.
"Hey, was ist denn los mit dir?" Er setzte sich neben sie.
"Ich habe nur an Scott gedacht. Das ist alles." Shane schloss sie in seine Arme.
Und da war es wieder, dieses Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit. Trotzdem
begann sie zunächst noch mehr zu weinen. Sie ließ ihren Gefühlen
endlich freien Lauf. Shane hielt sie einfach nur fest und sprach beruhigende
Worte zu ihr.
"Ich habe mich plötzlich so einsam gefühlt", sagte Chelsea.
"Das bist du nicht. Ich bin bei dir. Wann immer du mich brauchst, bin ich für
dich da. Das weißt du."
"Ja, ich frage mich nur, womit ich das verdient habe."
"Ganz einfach, weil du es Wert bist."
"Wie kommt es, dass du immer die richtigen Antworten findest, die bewirken,
dass es mir besser geht?
"Ich sage dir nur das, was ich denke." Gerne hätte er sie geküsst.
Doch der Zeitpunkt schien noch nicht der richtige zu sein. Er wollte Chelsea
unter keinen Umständen verletzen.
Das Konzert wurde ein voller Erfolg. Chelsea und Angie amüsierten sich
prächtig. Kerry beobachtete die beiden mit einem Lächeln. Für
sie war die Fanhysterie nichts neues mehr. Für Chelsea und Angie war es
hingegen Neuland, und sie waren sprachlos. Bei "My love" blickte Kian zu Angie,
und es schien, als würde er nur für sie singen. Shane winkte Chelsea
auch immer wieder zu.
"Wie hat euch das Konzert gefallen?" wollten die Jungs nach dem Auftritt wissen.
"Es war einfach Wahnsinn. Die Show war super", sagte Chelsea.
"Mir hat besonders "My love" gefallen", bemerkte Angie und lächelte Kian
dabei an.
"Was hälst du davon, wenn wir nachher noch einen Film bei mir im Zimmer
gucken?" fragte er.
"Nichts lieber als das."
Eine Stunde später saßen die beiden eng aneinander gekuschelt vor
dem Fernseher und guckten "Dirty Dancing". Angie liebte diesen Film. Sie konnte
ihn immer wieder sehen. Zwischendurch küssten sie sich immer wieder.
"Du schmeckst so gut. Ich kann nicht genug von dir bekommen", sagte Kian.
"Das geht mir genauso. Es ist schon so lange her, dass ich jemandem so nah war.
Ich kann mich kaum noch daran erinnern. Aber du hilfst mir sehr wieder auf die
Sprünge zu kommen."
"Wie lange ist es denn her?"
"Seit ich mit David Schluss gemacht habe. Das war vor ungefähr einem Jahr."
"David ist der einzigste Mann in deinem Leben gewesen, oder?"
"Ja, ich war zu enttäuscht. Ich habe zwar andere Männer kennen gelernt,
konnte mir aber mit keinem von denen etwas Ernstes vorstellen. Schon gar nicht
mit Typen in den Discos. Die wollen alle nur das eine, und dafür bin ich
nicht zu haben. Tja, und dann kamst du und hast mir den Kopf verdreht. Du bist
der erste, mit dem ich mir mehr vorstellen kann."
"Du machst mich glücklich, weißt du das?" meinte Kian.
"Mal überlegen. Du sagst es mir alle paar Minuten. Aber ich kapier es nicht."
Angie stellte sich dumm. Kian musste lachen.
"Du bist so süss. Ich bin verrückt nach dir", sagte er.
"Zu wie vielen Mädchen du das schon gesagt hast", meinte Angie.
"Hey, was soll das jetzt heißen?"
"Es war nur so dahin gesagt", versuchte Angie sich rauszureden.
"Nein. Ich will nicht, dass du einen falschen Eindruck von mir hast. Zugegeben,
ich hatte einige Affären. Aber das war nichts ernstes, und die Mädchen
wussten das auch. Ich habe ihnen nichts vorgespielt. Ich sage aber ganz bestimmt
nicht jeder, dass ich sie gerne mag und eine Beziehung mit ihr möchte.
Verstehst du? Ich meine es wirklich ernst", sagte Kian und sah Angie ernst an.
"Es tut mir leid. Die Bemerkung eben war dumm."
"Ist schon okay. Ich verstehe, dass du noch Angst hast wegen David. Ich werde
dir beweisen, dass ich nicht so bin wie er." Dieses Versprechen besiegelte Kian
mit einem langen Kuss.
Chelsea saß auf ihrem Bett und dachte an Shane. Sie stellte sich vor,
in seinen Armen zu liegen und dabei merkte sie, dass sie sich nach ihm sehnte.
Ihr wurde klar, dass sie unbedingt zu ihm wollte. Sofort!
"Herein", rief Shane als Chelsea an seinem Zimmer anklopfte. Sein Gesicht hellte
sich schlagartig auf, als er sie erblickte.
"Hey Bella, alles klar? Ich wollte auch bei dir vorbei schauen."
Chelsea war nicht nach reden zumute. Langsam ging sie auf ihn zu. Sie wollte
nur noch eins: Ihn küssen! Er wusste nicht recht wie ihm geschah, als sie
ihre Arme um ihn legte und ihre Lippen seine berührten. Das Gefühl
war unbeschreiblich. Als sie voneinander abließen, sahen sie sich tief
in die Augen. Und dann küsste Shane Chelsea. Er küsste sie mit solcher
Leidenschaft, dass es ihr fast den Atem nahm.
"Gott, wie oft habe ich mir das vorgestellt, und jetzt wird dieser Traum wahr",
sagte er ganz außer Atem.
"Ich mir auch. Bis mir klar wurde, dass ich nicht länger warten konnte.
Ich habe plötzlich solches Verlangen nach dir verspürt", sagte Chelsea
verlegen. Shane konnte nicht anders, er musste sie wieder küssen. Sie ließen
sich auf sein Bett fallen.
"Ich hätte es schon viel früher tun sollen", sagte Chelsea. Sie hatte
ihren Kopf auf seine Brust gelegt, und er strich ihr durchs Haar.
"Ich wollte dich vorhin schon küssen, vor dem Konzert als ich bei dir war.
Ich hatte aber Angst dich zu verletzten", gab Shane zu.
"Wegen Scott?"
"Ja. Ich wollte dich nicht bedrängen."
"Du bist lieb, total rücksichtsvoll", meinte Chelsea.
"Ich könnte dich nie verletzen. Ich möchte, dass du dich bei mir sicher
fühlst. Wenn du Angst hast, dann sag es mir, okay?" sagte Shane. Chelsea
nickte und gab Shane einen Kuss.
Die nächsten drei Tage vergingen rasend schnell. Ehe sie sich versahen,
war ihr Kurzurlaub vorbei. Am Flughafen nahmen sie Abschied voneinander. Kian
und Shane versprachen den Mädchen, sie so bald wie möglich in Dublin
zu besuchen. Inzwischen hatte jeder in der Band mitbekommen, dass sie zusammen
waren. Es war die Art, wie sie sich ansahen und miteinander redeten. Sie machten
auch kein Geheimnis daraus. Jedenfalls nicht vor den Freunden. Vor der Öffentlichkeit
wollten sie es aber vorerst geheimhalten. In den nächsten drei Monaten
versuchten sie sich so oft wie möglich zu sehen. Als die Europatournee
beendet war, machten die Jungs erstmal eine Woche Urlaub bei ihren Familien.
Angie freute sich total auf Kian. Sie fühlte sich ohne ihn schrecklich
einsam. Irgendwie kam sie mit der Situation nicht zurecht. Sie lag abends im
Bett und stellte sich Kian mit einer anderen vor. "Er ist immerzu von hübschen
Frauen umgeben. Denen kann er doch gar nicht widerstehen. Selbst wenn er wollen
würde nicht." Diese Eifersucht raubte ihr nochmal den Verstand. Sie war
manchmal richtig deprimiert. Am Schlimmsten war es immer, wenn er abreiste.
Sie konnte tagelang nichts essen und nahm dementsprechend ab. Chelsea machte
sich Sorgen um Angie. Sie kam mit der Situation viel besser klar. Sie war sehr
glücklich mit Shane. Scott rief ab und zu noch an. Doch sie erzählte
es Shane nicht. Sie wollte ihn nicht beunruhigen. Er hat schon genug zu tun,
dachte sie nach. Die Polizei hatte Scott nach dem Vorfall in ihrer Wohnung zwar
verwarnt, sich ihr auf 50 Metern Entfernung nicht zu nähern, aber mehr
konnten sie nicht tun. Scott war nicht vorbestraft und war noch nie unangenehm
aufgefallen. Shane hatte sich sehr darüber aufgeregt. Musste denn erst
etwas Schlimmes passieren? Er rief bestimmt 10 Mal am Tag bei Chelsea an, nur
um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war.
"Honey, ich bin wieder da", rief Kian, als er Angies Wohnung betrat. Sie lief
strahlend auf ihn zu und fiel ihm um den Hals.
"Endlich. Ich habe dich so sehr vermisst."
"Und ich dich erst. Lass dich ansehen. Du fühlst dich so leicht an", meinte
Kian und setzte sich mit Angie auf seinem Schoß auf die Couch.
"Hast du abgenommen?"
"Ein bisschen."
"Warum? Konntest du vor lauter Sehnsucht nach mir nichts essen?" fragte er grinsend,
aber in seiner Stimme schwang ein Anflug von Sorge mit. Wenn er wüsste,
wie Recht er damit hatte.
"Da muss ich dich leider enttäuschen. Ich habe nur eine Diät gemacht."
"Wo du es auch so nötig hast", meinte Kian kopfschüttelnd.
"Du weißt doch, wie wir Mädchen sind, wenn es um die Figur geht.
Aber genug davon. Erzähl mir lieber von der Tournee. Hast du viele Leute
kennen gelernt?"
"Also, wir hatten sehr viel zu arbeiten und von daher fehlte die Zeit, neue
Leute kennen zu lernen. Aber wir haben eine neue Tänzerin. Sie heißt
Mira und ist total nett. Du musst sie unbedingt kennen lernen", sagte Kian.
"Aha. Und woher weißt du so genau, dass sie nett ist?" fragte Angie mißtrauisch
weiter.
"Wir haben viele Stunden bei den Proben zusammen verbracht. Außerdem waren
wir einmal zusammen essen, nichts besonderes. Du würdest sie mögen."
"Und, wie ist sie im Bett?" fragte Angie, so beiläufig wie nur möglich.
Kian glaubte nicht richtig zu hören.
"Bitte was?"
"Na ob du deinen Spaß mit ihr im Bett hattest?"
"Bist du verrückt? Weißt du überhaupt, was du mir da unterstellen
willst?" fragte er wütend und stand auf. Angie merkte, dass sie einen riesen
Fehler begangen hatte.
"Beruhig dich. Das war eben nicht ernst gemeint", versuchte sie sich schnell
rauszureden.
"Ich fasse es nicht. Ich bin tausende von Meilen gereist um dich noch vor meiner
Familie zu sehen, und du hast nichts besseres zu tun als mich zu fragen, ob
ich mit Mira geschlafen habe. Ich kann einfach nicht glauben, dass du so grundlos
mißtrauisch bist!" schrie Kian Angie an und ging ins Schlafzimmer. Das
musste sie erstmal verdauen. Nach ein paar Minuten ging sie ihm nach. Er saß
auf dem Bett.
"Kian, es tut mir leid", sagte sie sanft und sah ihn mit ihren blauen Augen
flehend an. Jedem anderen Mann hätte dieser Anblick das Herz gebrochen.
Jedoch nicht einem wütenden Kian.
"Du vertraust mir nicht. Was hat das ganze dann für einen Sinn?"
"Es tut mir wirklich leid. Es ist nur, ich bin die ganze Zeit alleine zu Hause,
während du um die ganze Welt reist", sagte Angie.
"Und da habe ich natürlich nichts besseres zu tun, als mit anderen Weibern
ins Bett zu gehen. Weil das auch ein super Gefühl ist, wo meine Freundin
nichts ahnend zu Hause sitzt." Angie wusste nicht mehr, was sie noch sagen sollte.
Tränen stiegen in ihre Augen und liefen schließlich über ihre
Wangen. Als Kian sie so verzweifelt neben sich sitzen sah, konnte er nicht anders.
Er nahm sie in den Arm. Er konnte vielleicht ihrem Bitten widerstehen aber nicht
ihren Tränen.
"Ssh, ist schon gut. Nicht weinen."
"Bitte verzeih mir. Ich mache nochmal alles kaputt", schluchzte Angie wie ein
kleines Kind, das von seiner Mutter geschlagen wurde.
"Ja, ich verzeihe dir Babe. Aber lass uns nicht mehr wegen diesem Thema streiten",
sagte Kian und wischte ihre Tränen mit seinem Daumen weg. Angie nickte.
"Okay, dann können wir uns jetzt auf was anderes konzentrieren", meinte
Kian und begann Angie sanft zu küssen. Angie konnte das noch nicht so gut
erwidern, denn ihr Atem musste sich erst wieder vom Weinen beruhigen. Kian küsste
sie noch sanfter, folgte ihrem Atemrythmus. Schnell gewann das Paar seine Leidenschaft
zurück.
Shane verbrachte seinen Urlaub mit Chelsea in Sligo. Er hatte ohnehin vorgehabt,
sie seinen Eltern vorzustellen. Sie waren seit drei Monaten zusammen, und er
fühlte, dass diese Beziehung etwas ernstes und besonderes war. Seine Eltern
waren von Chelsea und ihrer liebenswerten Art begeistert. Sie freuten sich sehr,
sie endlich persönlich kennen zu lernen. Nun konnten sie verstehen, warum
Shane am Telefon immerzu von ihr schwärmte.
"Deine Eltern sind total nett. Ich mag sie", sagte Chelsea, als sie am Abend
mit Shane im Bett lag.
"Sie mögen dich auch. Ich bin froh, dass ihr euch so gut versteht." Shane
gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
"Wenn wir das nächste Mal in Dublin sind, besuchen wir meine Eltern", meinte
Chelsea.
"Gerne", entgegnete Shane und küsste Chelsea. Er blickte ihr tief in die
Augen. Sie konnte so viel Liebe von seinen Augen ablesen, es erschien ihr fast
unglaublich. In diesem Moment war sich Chelsea sicher, für immer mit Shane
zusammen zu sein. Ihr Leben hatte sich in den letzten drei Monaten so sehr zum
besseren gewandelt. Sie fragte sich manchmal, ob sie es auch geschafft hätte
von Scott loszukommen, wenn Shane nicht gewesen wäre. Sie war ihm unglaublich
dankbar dafür. Er hatte ihr den Glauben an die Liebe zurückgegeben.
"Shane, ich möchte mit dir schlafen", sagte sie kaum hörbar.
"Bist du dir sicher?" fragte er sie und hob ihr Kinn an um ihr in die Augen
blicken zu können.
"So sicher war ich noch nie in meinem Leben." Sie schlang ihre Arme um Shanes
Nacken und küsste ihn. Zunächst küssten sie sich langsam, dann
mit voller Leidenschaft. Sie streiften sich gegenseitig die Klamotten vom Leib.
Shane bedeckte Chelseas Körper mit sanften Küssen. Sie begann leise
zu stöhnen.
"Ich habe mich so nach dir gesehnt", hauchte sie in sein Ohr.
"Und ich mich nach dir. Ich werde dir zeigen wie sehr", gab er zurück.
Sie gaben sich ganz ihren Gefühlen hin und wurden eins.
In der gleichen Nacht schliefen Kian und Angie auch zum ersten Mal miteinander.
Es war eine Nacht voller Liebe und Leidenschaft.
"Guten Morgen mein Schatz. Wie hast du geschlafen?" wollte Kian wissen.
"Mit dir an meiner Seit sehr gut. Ich wünschte, dass würde immer so
sein", sagte Angie.
"Wenn ich nicht bei dir bin, dann schließe einfach deine Augen und denk
an mich. In Gedanken werde ich immer bei dir sein, egal wie viele Meilen uns
trennen. Ich liebe dich", sagte Kian. Angie stiegen vor Glück Tränen
in die Augen.
"Ich liebe dich auch. Nach letzter Nacht liebe ich dich sogar noch mehr."
"Es war wunderschön. So schön, dass ich es gleich wiederholen könnte",
sagte Kian und begann Angies Hals mit Küssen zu bedecken.
Die nächsten Monate verliefen wie im Film, einem romantischen Liebesfilm
natürlich. Mittlerweile war es auch kein süßes Geheimnis mehr,
dass Shane und Kian von Westlife in festen Händen waren. Die Presse hatte
Wind davon bekommen und berichtete ausführlich darüber. Die Reaktionen
der Fans waren im Großen und Ganzen positiv.
Kian hatte Angie und Mira miteinander bekannt gemacht. Er wollte Angies ständigem
Mißtrauen ein Ende setzen. Er meinte es gut, ohne zu wissen, dass er damit
alles nur noch schlimmer machte. Mira war in Angies Augen sehr hübsch.
Sie sah sie als ernstzunehmende Konkurrentin, was sie sich allerdings nicht
anmerken ließ. Dabei hatte sie wirklich keinen Grund zur Sorge. Chelsea
versuchte ihr jedesmal ins Gewissen zu reden. Das hielt dann auch eine Weile
an, aber bei der geringsten Kleinigkeit war alles wieder hinfällig. Wenn
sie sich nicht änderte, konnte das auf die Dauer die Beziehung ernsthaft
gefährden. An einem ruhigen Samstagnachmittag bekam Angie zum ersten Mal
das Ausmaß ihres Mißtrauens zu spüren. Sie war tierisch eifersüchtig
auf Mira. Auf Tournee konnten sie und Kian jede Menge Zeit miteinander verbringen.
Sie konnte nicht länger damit umgehen. An jenem Nachmittag war Kian bei
ihr zu Hause. Die beiden wollten am Abend mit Shane, Chelsea, Nicky, Georgina
und Mira in einen Club gehen.
"Kann Mira nicht mit ihren Freunden weg gehen? Oder hat sie keine?" fragte Angie
Kian.
"Wir sind doch auch ihre Freunde. Wieso hast du auf einmal was dagegen, dass
sie mitkommt? Ich dachte, du magst sie."
"Sie ist nett, aber als Freundin würde ich sie nicht bezeichnen. Sie soll
die Finger von dir lassen." Angie wusste, dass sie das besser nicht hätte
sagen sollen. Aber jetzt hatte sie den Stein ins Rollen gebracht.
"Wie bitte? Die Finger von mir lassen? Du bist schon wieder grundlos eifersüchtig.
Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich weder etwas mit Mira noch mit einer
anderen habe? Du bist die einzige in meinem Leben. Ich liebe dich!"
"Dann sag mir, warum du mich liebst!" forderte Angie. Kian starrte sie fassungslos
an.
"Warum ich die liebe? Ich bin verrückt nach dir. Ich denke den ganzen Tag
an dich und vermisse dich, sobald du nicht mehr in meiner Nähe bist. Du
bist mein erster Gedanke am Morgen und der letzte am Abend. Mein Herz gehört
nur dir, und du fragst mich allen ernstes warum ich dich liebe?" rief Kian aufgebracht.
Verlegen blickte Angie auf den Boden. Sie hasste sich selber für ihr Mißtrauen.
"Wieso kannst du mir nicht vertrauen, es wenigstens versuchen?"
"Es ist wegen David", sagte Angie leise.
"Nein, das ist in meinen Augen nur noch eine Ausrede von dir. Vergleich mich
nicht mit David. Ich bin nicht David. Anfangs konnte ich verstehen, dass du
Angst hast. Ich habe dir alle Zeit der Welt gegeben. Aber du versuchst es nicht
mal, mir zu vertrauen. Du gibst dir überhaupt keine Mühe. Egal wie
oft ich dir beteuer, dass ich keine andere habe, es ändert nichts. Egal
was ich mache oder sage, es bleibt alles beim Alten. Ich kann so nicht mehr
weiter machen Angie. Ich will nicht mehr. Wie können wir eine aufrichtige
Beziehung führen, wenn du mir kein Vertrauen entgegen bringst? Ich bin
es leid, mich ständig bei dir rechtfertigen zu müssen. Entweder du
glaubst mir, oder du lässt es bleiben", sagte Kian, nahm seine Jacke und
verließ die Wohnung. Angie sah ihm weinend hinterher.
Als er am Abend noch immer nicht aufgetaucht war, rief sie bei Chelsea an. Sie
erzählte ihr von dem Vorfall.
"Oh nein. Angie, warum bist du so mißtrauisch? David war ein riesen Arschloch.
Aber nicht jeder Mann ist so. Sieh mal, ich habe Shane auch eine Chance gegeben
und es bis heute nicht bereut. Ich hätte auch Grund Angst zu haben, wegen
Scott. Kian trägt dich auf Händen. Er tut alles für dich, ruft
dich immer an, wenn er auf Tournee ist. Er denkt immerzu an dich. Für eine
andere ist kein Platz in seinem Leben."
"Ich weiß Chelsea, ich weiß. Bitte mach mir keine Vorwürfe.
Die mache ich mir schon selber. Kian ist noch immer nicht zurück. Sein
Handy ist aus, ich kann ihn nicht erreichen", weinte Angie.
"Ich werde Shane fragen, ob er was weiß. Ich melde mich wieder bei dir
Süsse. Und Kopf hoch. Das wird schon wieder." Damit war sich Angie nicht
mehr so sicher. Sie wollte nur zu Kian zurück. Sie wollte ihn umarmen,
küssen, sich entschuldigen, zum tausendsten Mal.
Nach einer Stunde rief Chelsea Angie zurück.
"Kian hat sich bei Shane gemeldet", begann Chelsea. "Er ist in Sligo bei seiner
Familie. Er hat Shane auch von eurem Streit erzählt. Im Prinzip genau das
selbe, wie du mir. Er ist sehr verletzt. Er fragt sich ernsthaft, ob eure Beziehung
überhaupt noch einen Sinn ergibt."
"Oh nein, ich muss unbedingt zu ihm. So schnell wie möglich", meinte Angie
panisch.
"Beruhige dich. Ich halte es für keine so gute Idee, dort aufzukreuzen.
Kian braucht Abstand. Er möchte in Ruhe über eure Beziehung nachdenken.
Lass ihm einfach etwas Zeit. Ich bin sicher, dass er wieder zu dir kommt."
"Das kann ich nicht. Ich kann unmöglich zu Hause sitzen und abwarten. Stell
dir vor, es ginge um dich und Shane. Würdest du dann nicht auch zu ihm
fahren wollen?"
Chelseas Schweigen war für Angie Antwort genug. Schnell packte sie ein
paar Sachen zusammen und machte sich auf den Weg zu Kian nach Sligo.
Nach einer 2,5 stündigen Fahrt kam sie bei dem Haus seiner Eltern an. Ob
es wirklich eine gute Idee war? Sie kannte seine Eltern bereits. Sie mochten
sich auf Anhieb. Vielleicht würde sie mit ihrem plötzlichen Erscheinen
aber alles nur noch schlimmer machen? Jetzt war es zu spät. Mit Herzklopfen
stand sie vor der Haustür und klingelte. Kians Mutter Patricia öffnete.
"Angie, was für eine Überraschung. Komm rein." Patricia umarmte sie
zur Begrüßung.
"Du möchtest sicherlich zu Kian." Angie nickte.
"Er hat mir von eurer Auseinandersetzung erzählt. Er ist oben in seinem
Zimmer. Geh ruhig rauf."
"Ist er noch sauer auf mich?"
"Ich glaube, er ist vielmehr enttäuscht. Keine Angst, er wird dir nicht
den Kopf abreißen. Ich habe ihn bereits beruhigt", meinte Patricia und
lächelte Angie aufmunternd an.
"Danke", sagte Angie und ging nach oben. Vorsichtig klopfte sie an seinem Zimmer
an. Als sie keine Antwort bekam, trat sie langsam ein. Kian saß an seinem
Tisch und schrieb einen neuen Song. Er blickte kurz zu Angie auf, wandte sich
dann wieder seinem Text zu.
"Kian, bitte laß uns miteinander reden."
"Ich höre", meinte er kühl.
"Ich weiß nicht, was ich sagen soll, außer dass es mir leid tut.
Es ist jedesmal das selbe. Ich hasse mich selber für das, was ich dir antue.
Ich mache alles mit meiner blöden Eifersucht kaputt. Aber als David mich
betrog, da hat er was in mir zerbrochen."
"Ja, und diese Wunde ist immer noch da. Du bist noch nicht über ihn hinweg.
Du musst einen Schlußstrich ziehen. David ist Vergangenheit. Wir könnten
eine wunderschöne Zukunft haben," sagte Kian.
"Ich vermisse dich, und ich komme fast um vor lauter Sehnsucht nach dir."
"Denkst du, mir fällt es leicht, dich jedesmal zurück zu lassen? Ich
denke den ganzen Tag an dich. Ich denke, dass du noch nicht bereit für
eine Beziehung bist. Du musst erst von David los lassen."
"Kian, hast du mich wirklich geliebt. Beantworte mir nur diese eine Frage, bitte!"
"Ja, und ich werde dich auch immer lieben. Aber zu einer Beziehung gehört
mehr als Liebe."
Angie wusste, dass Kian die Wahrheit sprach. Plötzlich wusste sie, was
zu tun war.
Kian wurde mitten in der Nacht wach. Er blickte neben sich und stellte fest, dass Angie nicht mehr neben ihm lag. Sie hatten sich vorhin geliebt. Ihr Liebesakt schien voller Schmerz, als würden sich ihre Körper voneinander verabschieden. Auf der Kommode neben seinem Bett fand er ein zusammengefaltetes Papier. Sein Name Stand drauf, und er erkannte Angies Schrift. Er faltete das Papier auseinander und begann zu lesen:
Mein Liebster,
es tut mir unendlich weh, diesen Schritt zu gehen. Aber wenn wir eine Chance haben wollen, dann muss ich diesen Weg gehen. Ich liebe dich so sehr, dass es weh tut. Dabei tue ich dir weh, was mir unendlich leid tut. Du hast mir die Augen geöffnet. Ich muss von meiner Vergangenheit Abschied nehmen, sonst können wir nie glücklich miteinander leben. Ich möchte dir danken, für deine Liebe. Dies soll kein Abschied für immer sein mein Liebling. Unsere Wege werden sich nur für kurze Zeit trennen. Die Liebe wird uns wieder zusammen führen, und dann hoffentlich für immer. Schließe einfach deine Augen, und ich werde bei dir sein. Ich nehme dich mit in meinem Herzen. Ich liebe Dich.
Angie
Als er zu Ende gelesen hatte, liefen Kian dicke Tränen über die Wangen. Ihre Entscheidung war die richtige gewesen, aber es tat weh. Eben noch hatte sie neben ihm gelegen, und jetzt war sie fort. Wer weiß, wann er sie wieder sehen würde? Er griff zu einem Stift und einem Blatt Papier und schrieb sich seinen ganzen Schmerz von der Seele
If only you could see the tears
In the world you left behind
If only you could hear my heart
Just one more time
Even when I close my eyes
There's an image of your face
And once again I come to realise
You're a loss I can't replace
Soledad
It's a keeping for the lonely
Since the day that you were gone
Why did you leave me soledad?
In my heart you were the only
And your memory lives on
Why did you leave me?
Soledad
Walking down the streets of Nothingville
Where our love was young and free
Can't believe just what an empty place it has come to be
I would give my life away
If it could only be the same
Cos I can't still the voice inside of me (ooh)
That is calling out your name
(Calling out your name)
Soledad (soledad)
It's a keeping for the lonely
Since the day that you were gone (you were gone)
Why did you leave me soledad?
In my heart you were the only
And your memory lives on (on)
Why did you leave me
Soledad
Time will never change the things you've told me yeah
And after all we're meant to be
Love will bring us back to you and me
If only you could see
Soledad (soledad)
It's a keeping for the lonely
Since the day that you were gone (you were gone)
Why did you leave me soledad? (oh no)
In my heart you were the only
And your memory lives on (oh no)
Why did you leave me (soledad)
Soledad (soledad)
It'a keeping for the lonely (keeping for the lonely)
Since the day that you were gone
Why did you leave me soledad? (ooh why did you leave me)
Soledad (soledad)
In my heart you were the only (heart you were the only)
And your memory lives on (lives on)
Why did you leave me
Soledad (soledad)
Why did you leave me soledad?
Das Lied wurde auf dem neuen Westlife Album "Coast to Coast” aufgenommen. 4
Monate waren bereits vergangen, seit Angie Kian verlassen hatte. Allmählich
glaubte er nicht mehr daran, dass sie zu ihm zurückkehren würde. Mit
jedem weiteren Tag schwand seine Hoffnung. Chelsea wusste auch nicht, wo sie
sich aufhielt. Sie war seit jenem Tag spurlos verschwunden, und hatte nur den
Abschiedsbrief hinterlassen. Für Chelsea war es ebenfalls sehr schwer,
sich damit abzufinden. Angie war ein fester Bestandteil ihres Lebens gewesen.
Sie war ihre bester Freundin, mehr noch. Sie war die Schwester, die sie nie
hatte. Shane versuchte sie so gut es ging, zu trösten. Es war an einem
warmen Nachmittag im September, als es an Chelseas Haustür klingelte. Komisch,
Shane wollte mich doch erst in einer Stunde abholen. Wer kann das sein, fragte
sie sich. Als sie die Tür öffnete, bleib ihr vor Schreck der Mund
offen stehen. Vor ihr stand Angie!
"Oh mein Gott, wo hast du gesteckt? Bist es wirklich du?" Chelsea war ganz aufgeregt.
"Ja, ich bins wirklich. Ich bin so froh, dich zu sehen." Die Freundinnen fielen
sich in die Arme.
Sie redeten über die Ereignisse der vergangenen Monate. Chelsea wollte
natürlich genau wissen, wo Angie sich aufgehalten hatte. Sie war bei ihrer
Cousine in den USA gewesen. Sie hatte einfach den Abstand gebraucht. Sie hatte
das Gefühl gehabt, hier zu ersticken. Chelsea hörte ihr aufmerksam
zu.
"Wir haben uns solche Sorgen gemacht. Warum hast du nicht angerufen, um wenigstens
ein Lebenszeichen von dir zu geben?" fragte Chelsea.
"Ich wollte einfach mit nichts und niemandem in meinem jetzigen Leben Kontakt
haben. Ich habe Zeit für mich gebracht. Außerdem habe ich Angst gehabt,
dass du Kian davon erzählst." Bei dem Gedanken an ihn musste sie lächeln.
Sie liebte ihn immer noch, da war sie sich sicher.
"Er ist total fertig gewesen. Er ist fast gestorben vor Angst um dich", erzählte
Chelsea.
"Es tut mir sehr leid. Ich werde nachher mit ihm darüber reden."
Kian wartete mit Bryan und Kerry im Pub auf Shane und Chelsea. Er hatte von
Angies Rückkehr noch keine Ahnung. Fassungslos starrte er sie an, als sie
vor ihm stand. Er erhob sich und lief nach draußen. Er wusste nicht, wie
er reagieren sollte. Angie ging ihm nach.
"Kian, ich kann verstehen, dass du sauer bist", begann sie. Doch sie wurde von
ihm unterbrochen.
"Sauer? Ich bin nicht sauer. Ich bin fast umgekommen vor Sorge um dich. Plötzlich
warst du verschwunden, und keiner wusste wohin."
"Ich habe einfach Zeit für mich gebraucht. Ich erwarte nicht, dass du das
verstehst. Es ist so wie in dem Brief, den ich dir geschrieben habe. Ich konnte
es dir in dem Moment einfach nicht sagen. Sonst hätte ich nie den Mut aufgebracht
dich zu verlassen."
"Es geht nicht darum, dass du Zeit gebraucht hast. Die Erfahrung mit David stand
immer zwischen uns. Aber ich hatte nur diesen Brief von dir. Ich wusste nicht
einmal mehr, ob du jemals zu mir zurück kommst. Es ging hier schließlich
nicht nur um ein paar Tage oder Wochen. Es waren Monate. Das war nicht fair
Angie", sagte Kian aufgebracht.
"Es tut mir leid. Aber ich habe es für uns getan, um unsere Beziehung zu
retten."
"Das nennst du Beziehung? Ich verstehe unter einer Beziehung, dass man mit dem
Partner über Probleme redet und versucht, eine gemeinsame Lösung zu
finden. Nicht einfach weg laufen."
"Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten. Ständig habe ich dir grundlos
Vorwürfe gemacht. Denkst du, mir hat es gefallen, dir nicht zu vertrauen.
Ich habe teilweise total zickig reagiert. Wenn das so weiter gegangen wäre,
wäre unsere Beziehung daran kaputt gegangen."
"Das weiß ich. Ich hätte dir alle Zeit der Welt gegeben. Das ist
nicht das Problem. Aber du hast mich total verunsichert zurück gelassen.
Ich habe mich jeden Tag gefragt, wo du bist, und ob es dir gut geht. Damit hast
du die Beziehung nicht gerettet", meinte Kian.
"Ich weiß nicht, was ich noch sagen soll, außer dass es mir leid
tut. Und glaub’ mir, ich habe dich vermisst. Ich habe auch jeden Tag an dich
gedacht."
"Was erwartest du jetzt von mir? Dass ich sage, ist alles okay mein Schatz.
Lass uns einfach da weiter machen, wo wir aufgehört haben."
"Nein, aber bitte versuche mich zu verstehen."
"Vielleicht werde ich das irgendwann können, vielleicht", sagte Kian, drehte
sich um und ging zu seinem Auto. Dann fuhr er weg. Er war zu durcheinander und
wollte alleine sein.
Angie lag zu Hause auf ihrem Bett und dachte an Kian. Ihre Gefühle für
ihn waren unverändert. Sie war sich mittlerweile aber nicht mehr so sicher,
die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie konnte seine Reaktion verstehen,
dabei hatte sie es nur gut gemeint.
Sie war zu ihm zurück gekommen, um für immer bei ihm zu bleiben.
Kian dachte unterdessen an Angie. Sie war noch genauso hübsch wie zuvor,
wenn nicht noch hübscher. Er hatte sie schrecklich vermisst. Jetzt war
sie zurück, und alles was er tat, war ihr Vorwürfe zu machen. Vielleicht
hatte sie es wirklich nur gut gemeint. Das war eben ihre Art gewesen, mit dem
Problem umzugehen. Er versuchte sie zu verstehen. Es gab nur zwei Möglichkeiten.
Entweder würde er ihr verzeihen, oder es war endgültig vorbei.
Eine Stunde später klingelte es an Angies Wohnungstür. Als sie öffnete, sah sie zu ihrer Überraschung Kian. Ohne ein weiteres Wort nahm er sie in seine Arme. Sie hielten sich eine Ewigkeit engumschlungen. Keiner sagte ein Wort, das war auch nicht nötig. Kian hatte sich entschieden: Für Angie!
Spread your wings and prepare to fly
For you have become a butterfly
Fly abandonedly into the sun
If you should return to me
We truly were meant to be
So spread your wings and fly
Butterfly
Liebe, was bedeutet Liebe? Es gibt unendlich viele Antworten auf diese Frage.
Bei Shane und Chelsea bedeutete sie Stärke und Hoffnung, ebenso bei Angie
und Kian. Die Liebe hat alle stark gemacht. Angie hatte vor einer neuen Enttäuschung
zunächst Angst. Der Schmerz saß einfach noch zu tief. Diese Angst
hätte beinahe alles zerstört. Sie brauchte Zeit und Freiheit um zu
erkennen, dass Kian nicht wie David war. Kian hatte eine ehrliche Chance verdient,
die Chance ihr wahre und bedingungslose Liebe zu schenken.
Chelsea hingegen hatte ebenfalls allen Grund einer neuen Beziehung mißtrauisch
entgegen zu blicken. Wie sollte sie auch keine Zweifel haben, wenn man von seinem
eigenen Freund monatelang mißhandelt wird. Sie hatte an sich und Scott
geglaubt. Bei jedem weiteren Schlag in ihr Gesicht, wurde dieser Glaube zerstört.
Es musste aber erst Shane in ihr Leben treten, der ihr die Kraft gab, Scott
zu verlassen.
Alle vier hatten sich ihr Leben lang nach wahrer Liebe gesehnt. Sie zu suchen,
wäre hoffnungslos gewesen. Denn die Liebe findet den Weg in das Herz eines
Menschen......
Songs
Aaliyah "Never no more"
Westlife "Soledad”
Mariah Carey "Butterfly”