* Die Erde und der Sand brennen. *
Lege dein Gesicht auf den brennenden Sand
und auf die Erde der Straße,
da all diejenigen, die von der Liebe verwundet sind,
den Abdruck auf ihrem Gesicht haben müssen,
* und die Narbe zu sehen sein muss. *


Maureen schminkte sich noch während Shane die zweijährigen Zwillinge anzog. Julia und Carolin sahen sich zum verwechseln ähnlich. Da sich Maureen einen Gag daraus gemacht hatte ihnen den gleichen Haarschnitt zu verpassen, konnte man sie nur anhand der Kleidung auseinanderhalten. Sie hatten das gleiche blonde Haar wie ihre Mum, allerdings viel struppiger. Egal wie oft man sie kämmte, der Flaum am Hinterkopf ließ die beiden immer zerwuschelt aussehen, aber auch ungeheuer niedlich. Von Shane hatten sie die haselnussbraunen Augen und die süße Nase. Er ging mit den Kindern noch mal ins Bad wo ihre Mutter noch immer vor dem Spiegel stand. Sie trug ein schimmerndes schwarzes Abendkleid mit Schlitz und eine Hochsteckfrisur. „Schatz, machst du mir mal bitte meine Kette zu?“ Shane setzte Carolin aufs Klo und ging dann zu seiner jungen Frau rüber, um ihr mit dem Verschluss zu helfen. Er schloss seine Augen für einen Moment und atmete den Duft ihres Parfüms ein, sie roch irre sexy. Shanes Vorfreude auf die Nacht wuchs und er beschloss, dass sie lieber nicht allzu lange auf der Party bleiben sollten um den Abend ohne Kinder zu nutzen. Die Mädchen waren eigentlich brav und schliefen meistens durch, aber ungestört zu sein war trotzdem ein anderes Gefühl. Shane hauchte seiner Frau einen Kuss auf den Nacken. Maureen durchzog ein Kribbeln, sie war schon wie elektrisiert als er ihr den Schmuck umgelegt hatte und seine Hände dabei leicht ihren Hals berührten. Seine Nähe machte sie noch immer nervös. Sie drehte sich um, da sie ihn küssen wollte, als ihr Blick Julia schweifte, die mit heruntergezogener Hose inmitten einer Pfütze stand. „Ach Julia, wieso sagst du denn nicht, dass du mal musst?“, jammerte Shane. „Du Schwein!...“, plärrte Carolin jetzt ihre Schwester an, „...Wolltest hinkacken!“ Shane und Maureen sahen einander kurz an, dann lachten sie los. „Süß, wie das jetzt rauskam >Du Schwein!< ... Hach, ich wisch das auf, machst du Jule sauber?“, fragte Maureen und holte Desinfektionslösung und Putzutensilien aus dem Schrank.
Kurze Zeit später lieferten die beiden ihre Sprösslinge bei Shanes Mutter ab. „Hallo Oma!“, wurde Mae von ihrer Schwiegertochter begrüßt. Sie gab ihr ein Bussi und nahm Maureen die Zwillinge ab. „Welche ist welche?“ – „Caro hat einen dunkelblauen Pulli an und Jule einen roten. Falls du es vergisst, frag sie einfach, sie sagen dir schon wer sie sind.“ – „Das werd ich wohl auch müssen. Spätestens wenn ich die beiden bade bin ich wieder am rätseln.“ Shane holte die Tasche mit den Sachen der Kinder aus dem Kofferraum des Mercedes und stellte sie neben Mae ab. „Hi Mum!“ – „Mein lieber Schwan, das Kleid ist aber ganz schön tief ausgeschnitten! Willst du wieder mit ihr angeben?“ – „Ja dafür hab ich auch keine Yacht.“ – „Ach, du armer! Aber ich bin sicher dieses Problemchen wirst du auch bald beheben...“ – „Nein, im Ernst, alle möglichen Leuten kaufen sich jetzt eine Yacht und binden mir auf die Nase wie toll ihre ausgestattet ist. Aber ich brauche so n Ding nicht, ich kann sagen >Hey, na und? Guck dir mal an wie toll meine Frau ausgestattet ist und da ist alles Natur, was man von deinem Boot bestimmt nicht behaupten kann.< “, grinste er. „Maureen, dreh dich mal bitte für Mum um!“ Das eng geschnittene Kleid betonte elegant ihre Kurven. Selbst Helena von Troja, die schönste Frau der Antike, wäre bei dem Anblick vor Neid erblasst. „Ja, es macht einen klasse Hintern.“ – „Entschuldige mal, sie HAT einen klasse Hintern!...“, lächelte Shane frech und griff zu, „...Eins A Qualität!“ Maureen zog ein Gesicht wie als wolle sie sagen „Was redest du bloß für einen Müll?!“, entschied sich dann aber für „Shane, hör auf damit! Ich bin keins von deinen Pferden! Als nächstes erzählst du noch was für ein super Gebiss ich habe.“, lachte sie. „Nein, DU siehst ganz bestimmt nicht aus wie ein Pferd!“, meinte Mae. „Aber schöne Zähne hast du, definitiv!“, ergänzte Shane und küsste sie zärtlich. Verträumt sah Mae die beiden an. Sie ließen von einander ab, knuddelten ihre Töchter noch einmal durch, wünschten Mae viel Spaß mit den Mädchen und machten sich auf den Weg zu Kians Geburtstagsparty, der in Dublin extra eine Disko für dieses Event gemietet hatte.
„Darf ich deinen Po noch mal anfassen?“ – „Was?“ – „Ach bitte, ja?“ – „Guck lieber auf die Straße.“ – „Dafür würde ich sogar anhalten.“ Gesagt getan, Shane fuhr an die Seite. Schmunzelnd drehte Maureen sich etwas zu ihm hin und ließ ihn gewähren. „Zufrieden?“ – „Mhh, noch nicht ganz...“, er gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss und ließ seine Hand ein Stück nach oben wandern, „Wie wärs jetzt mit ner kleinen Nummer im Auto?“ – „Zu gefährlich.“ – „Aber wieso denn? Hier sind weit und breit nur Wiesen. Wir fahren auf nen abgelegenen Feldweg und dann kanns losgehen.“ – „Nein, ich meine doch mein Kleid. Wenn du deinen Saft darauf verteilst geht der Fleck nicht mehr raus und wir müssen zurück, damit ich mich umziehen kann.“ – „Na und? Wir sind doch erst zehn Minuten weg. Wir könnten eigentlich auch gleich umkehren, dann machen wirs zu Hause und gehen später zu der Party.“ – „Ja ja, als wenn wir uns dann noch aufraffen um ein zweites mal los zu fahren... Am Ende bleiben wir gleich ganz im Bett und Kian ist hinterher wieder sauer, dass wir nicht gekommen sind, jedenfalls nicht zu seiner Party.“ – „Na schön, wir fahren jetzt weiter, aber dafür darf ich noch einmal deinen Po anfassen.“
„Ach, da schau her, wer uns auch endlich mit seiner Anwesenheit beehrt, Shay und seine Miss World!“, kam Kian auf sie zu. „Bist du echt die Miss World?“, fragte Kians naive junge Bekanntschaft Maureen. „Nein!“, schüttelte sie lächelnd den Kopf. „Aber sie könnte es sein!“, betonte Shane.
„Guck mal, da ist Shane mit seiner neuen Frau!...“, zischte Gillian ihrer Freundin zu, „...Früher hat er mit seinen Autos geprahlt, jetzt hat er sie dafür. Jedes mal hat sie n neues aufreizendes Kleid an und natürlich geht er rechts neben ihr, weil der Rock links geschlitzt ist, es soll ja auch jeder ihre Modelbeine bewundern. Sieh dir bloß mal an wie demonstrativ er seine Hand auf ihren Po legt, er lässt ihn gar nicht mehr los, dabei wissen wir doch alle wie super ihr Po ist.“ – „Wo hat er die denn aufgegabelt?“ – „Er hat sie bei Good Charlotte kennen gelernt, bei Good Charlotte, du große Scheiße.“
Nachdem Maureen sich die Hände gewaschen hatte rückte sie ihren BH zurecht und betrachtete sich noch einmal abschließend im Spiegel, nichtsahnend dass sie beobachtet wurde. Gillian war zur gleichen Zeit auf Toilette gegangen und musterte ihre Nachfolgerin nun aus nächster Nähe von oben bis unten, die perfekte Maureen mit den perfekten Zähnen und den perfekten Brüsten. Gillian fand ihre eigenen zu klein, aber Shane wollte nicht, dass sie sich Silikon einsetzen lässt. Gillian nervte ihr Pferdegebiss, aber Shane wollte nicht, dass sie es richten lässt. Sie gefalle ihm so wie sie sei, hatte er immer gesagt, nur um sich dann eine jüngere mit größeren Brüsten und schöneren Zähnen zu schnappen. Gillian hasste sie für ihre athletische Figur, die langen seidigen Locken, die schlanken Finger, die weiche Haut, die niedlichen Sommersprossen und das unschuldige Puppengesicht, das in jedem männlichen Wesen die Beschützerinstinkte zu Tage förderte. Diese Frau war ein Schönheitsideal auf zwei Beinen, sie hätte jeden Kerl haben können, aber sie musste sich ausgerechnet ihren Mann aussuchen. Gillian wollte immer Babys mit ihm, doch jetzt war Maureen diejenige der dieser Wunsch erfüllt worden war. Sie hatte alles was Gillian immer gewollt hatte und dafür hasste sie sie am meisten. Gillian trat neben sie ans Waschbecken. „Eines Tages, wenn du nicht mehr so hübsch bist wie jetzt, wird er dich auch verlassen.“ – „Was weißt du denn schon von Shanes Gefühlen für mich?!“ – „Ich bitte dich, es ist doch offensichtlich, dass du außer deinem Körper nicht viel zu bieten hast.“ – „Er wird mich niemals verlassen, er liebt mich und die Kinder.“ – „Ach ja, bist du da sicher? Wie zeigt er dir denn diese Liebe? In Form von Reizwäsche? Haha! Du wirst doch nur gevögelt, du Püppchen!“ – „Lieber bin ich ein Püppchen als so eine verbitterte Zimtzicke wie du!“, schleuderte Maureen ihr entgegen und ließ Gillian allein zurück. Diese lehnte sich aufs Waschbecken und fixierte den Spiegel. „So, er liebt dich und die Kinder also. Hah! Das glaubst du. Aber wahrscheinlich liebt er nur die Kinder und braucht dich bloß fürs Bett. Mal sehen wie es zwischen euch läuft, wenn du die Kinder nicht mehr hast...“
Maureen eilte zurück zu Shane, der bei Gina und noch ein paar anderen Freunden saß. Sie streckte ihre Hand aus und lächelte ihn an, „Tanz mit mir!“, auch wenn das nicht ihre Absicht war. Auf der Tanzfläche drückte sie sich eng an ihren Gatten und sagte ihm ins Ohr, dass sie ins Hotel wolle. „Klingt verlockend, aber wir sind grad mal zwei Sunden hier. Ein bisschen früh.“ Maureen gab ihm einen fordernden Zungenkuss und streichelte seinen Haaransatz im Nacken. „Bitte!“, setzte sie ihren Verführungsblick auf. Shane sah sich um, Kian fummelte gerade mit seiner neuen Tussi in einer Ecke rum. „Okay, gehen wir. Der braucht mich nicht mehr. Ich will mich nur noch schnell von Nicky verabschieden.“ Maureen deutete zur Bar wo dieser schon seit einer Stunde mit Mark um die Wette soff. „Wenn die so weitermachen kann Gina sie gleich im Krankenhaus zur Entgiftung einliefern. Sind die auf den Barhockern festgewachsen?“ – „Tja, sieht ganz so aus als hätte dein Spielkamerad einen neuen besten Freund gefunden...“ – „Pah, mir egal, ich spiel viel lieber mit dir, du Süße!“ Shane biss ihr leicht ins Ohrläppchen. „Na los, hauen wir ab bevor ich hier noch die Kontrolle verliere, nich gut bei so vielen Leuten. Nicky kriegt eh nüscht mehr mit, wenn er sich erst mal ins Koma gesoffen hat, da kann ichs mir auch sparen Tschüß zu sagen.“ – „Eingeschnappt?“ – „Soll er doch abhängen mit wem er will. Von mir aus braucht er gar nicht mehr anzukommen.“ – „Das dramatische Ende eines Traumpaares, Shnicky trennen sich im Streit. Nicky ging mit Mark fremd.“ – „Derbe Schlagzeile, aber der Artikel geht noch weiter. Shane, der die Trennungsgerüchte bestätigte, sagte dass ihre Zusammenarbeit bei Westlife nicht unter dem Split leiden wird. Er nahm den Treuebruch professionell hin und wünschte Micky alles Gute. Insider vermuten Nickys Seitensprung sei darauf zurückzuführen, dass er sich neben Shanes göttlicher Miss World, der keiner das Wasser reichen kann, überflüssig fühle. Die Situation eskalierte auf Kians Geburtstagsparty, der davon allerdings nichts mitbekam, da er ein junges Mädchen unsittlich in einer dunklen Ecke betatschte.“
„Da, gucks dir an, der verschwindet einfach und hälts nich ma für nötig sich von mir zu verabschieden!“ – „Vielleicht isser sauer weil du ihn heute nich genügend betütelt hast.“ – „Geht ja nich, wenn Maureen dabei is, ich hab da n kleines Problem mit ihr.“ – „Aber wieso denn, Mann? Die is doch hammernett!“ – „Ja, aber immer wenn ich sie sehe, hab ich Angst, dass meine Hormone mit mir durchgehen.“ – „Haha. Was?“ – „Ja, ehrlich Alter! Ich hatte schon das Verlangen sie flachzulegen als ich sie das erste mal gesehen hab. Aber erzähl das bloß nich Shay und versteh mich ja nich falsch! Mark, ich würde das nie tun, aber mein Körper will es nun mal. Ich kann das nich kontrollieren also bin ich gezwungen ihr aus dem Weg zu gehen.“ – „Klingt ja voll schlimm, Alter! Und du kannst dich nicht ablenken?“ – „Hab schon alles probiert, geht nicht. Ich hab schon immer eine Heidenangst wenn sie mir zur Begrüßung n Knutscher auf die Wange gibt. Und die riecht immer so gut nach Armani Emporio. Da möchte ich sie am liebsten an mich reißen und gar nicht mehr loslassen. Echt ey, wenn die mich berührt durchzucken mich tausend Stromschläge, das is heftiger als n Blitzschlag.“ – „Ahh, krass! Du bist verliebt! Zweiter Frühling, nur nich mit deiner eigenen Frau. Aber keine Angst, ich sag keinem was, so wahr ich diesen Tequilla hier trinke. Prost!“ – „Yo! Danke, du! Weißt du was am schlimmsten daran is?“ – „Nö.“ – „Dass, ich manchmal unkontrolliert anfange sie anzustarren. Ich brauch noch nich mal dran denken was ich alles mit ihr anstellen würde. Ich häng nur da und guck sie an und denk eigentlich gar nix, da krieg ich schon ne Latte. Wär voll peinlich wenn Shay das mal mitkriegt, oder Gina!“ – „Peinlich, na ja, das wäre noch dein geringstes Problem. Aber die zwei würden dich vermöbeln bis du grün und blau bist und Maureen hält dich dann echt für den absoluten Volldepp.“ – „N Albtraum, Mann! Es kommt immer öfter vor, da wünsche ich mir Gillian zurück, so schräg sie auch war. Bei der hab ich an so was nich ma denken können.“ – „Wah!...“, Mark lief es eiskalt den Rücken runter, „...Schaurige Vorstellung! Fury, hehe!“ – „Genau, haha! Shay is ganz schön aufgestiegen, von Fury zu Miss World. Was die ihm wohl vorhin auf der Tanzfläche alles für süße Sachen ins Ohr gesäuselt hat, dass er so schnell ins Hotel wollte? Es gibt echt Tage, da wünschte ich, ich wäre Shay!“ – „Oh ja!“ – „Ich merk grade, der Wein hier macht ganz schön gesprächig. Is vielleicht doch besser, dass er einfach gegangen is, am Ende hätt ich noch was dämliches zu Maureen gesagt, oder sie wieder angeglotzt. Ihre Möpse sahen aber auch scharf aus in dem Kleid!“ – „Ich glaub ich muss gleich kotzen!“ – „Ey wieso denn? Ihre Brüste sind doch super! Oder willst du damit etwa andeuten, dass es wegen mir is, weil ich so n Sexist bin?“ – „Nein Alter, ich muss gleich kotzen wegen dem vielen Alk!“ – „Mhh, warte Mann! Ich komm mit!“
Shane schloss die Tür ihres Hotelzimmers auf und hielt seiner Angetrauten eine Hand vor Augen. – „Was soll denn das werden?“ – „Warts ab!“ Er blieb vor einem Himmelbett stehen und nahm die Hand runter. „Ohh, das ist soo romantisch!“, schwärmte Maureen. „Für meine Prinzessin nur das Beste!“ – „ Das wird eine unvergessliche Nacht!“ Mit der einen Hand schob sie den Netzvorhang beiseite und mit der anderen zog sie Shane aufs Bett. „Warte, ich hab noch eine Überraschung für dich!“ Er stand auf und holte ein Geschenk aus der Tasche. Maureen wickelte das rote Papier auf und zum Vorschein kamen Dessous. Diesmal in schwarz, ein Röckchen und ein BH, beides transparent. „Es ist wunderschön, danke!“ sagte sie leicht bedrückt, es fühlte sich so an, als hätte Gillian vorhin recht gehabt. Maureen stand auf und ging ins Bad um es anzuziehen. Sie stellte fest, dass sie echt scharf darin aussah als sie sich vorm Spiegel musterte. Sie zog sowas gerne an und es machte ihr Spaß mit Shane zu schlafen, trotzdem drängten sich Gillians Worte immer wieder in ihr Bewusstsein. „Na und? Wenigstens werde ich mit Stil gebumst.“, wischte sie den Gedanken beiseite, entschlossen sich den Abend ohne Kinder nicht vermiesen zu lassen. Irgendwie schaffte sie es trotz allem nicht ganz. „Shane, können wir kurz reden?“ – „Hat das nicht Zeit bis nachher?“ – „Es ist wegen Gillian. Ich kanns dir zwar schlecht verbieten, aber es gefällt mir nicht, dass du noch mit ihr sprichst.“ – „Bist du etwa eifersüchtig?“ – „Ja.“ – „Du weißt doch, ich liebe nur dich allein.“ – „Hat mir aber trotzdem nich gefallen, dass du dich mit ihr unterhalten hast. Weißt du warum ich wirklich gehen wollte? Ich habs einfach nicht mehr ausgehalten mit der im gleichen Gebäude zu sein.“ Maureen erzählte was Gillian ihr an den Kopf geworfen hatte. „Das darfst du nicht ernst nehmen.“ – „Mach ich ja auch nicht, aber argh diese Kuh! Was bildet die sich eigentlich ein?“ Shane streichelte Maureens Haar, sie legte ihren Kopf auf seine Brust. „Mach dir keine Gedanken mehr darüber, ich werde nie wieder ein Wort mit ihr wechseln... Maureen, sieh mich an!...“ Sie drehte sich um und schaute in seine Augen. „...Du bist alles was ich mir immer erträumt habe und ich werde niemals zulassen, dass irgendetwas unser Glück zerstört.“ Um dieses Versprechen zu besiegeln, gab Shane ihr einen innigen Kuss, er ahnte nicht wie anders sich die Dinge nur Wenige Wochen später gestalten sollten.

Maureen war mit den Kindern wieder allein. Shane hatte mit der Band ein paar Fernsehinterviews und würde erst gegen Abend zurückkommen. Es war ein sonniger warmer Vormittag also ging sie mit den Zwillingen am See spazieren. Ihr Handy klingelte. „Hallo meine Schöne!“ – „Shay! Ich dachte du musst arbeiten.“, freute sie sich seine Stimme zu hören. „Ich hab jetzt eine Stunde Freizeit. Himbeer oder Navy?“ – „Mhh?“ – „Ich bin einkaufen und kann mich nicht entscheiden, also welche Farbe gefällt dir besser?“ – „Himbeer. Da bin ich ja mal gespannt was es diesmal für heißer Fummel is.“ – „Tja, warts ab. Was machst du gerade?“ – „Ich strahle mit der Sonne um die Wette weil du anrufst. Wir hängen draußen ein bisschen ab.“ – „Ich vermisse dich.“ – „Ich dich auch. Komm bald nach Hause! Ich liebe dich.“ – „Ich weiß, du bist mir verfallen, Baby.“ Maureen musste lachen. „Dein Lachen hat mir gefehlt.“ – „Ja, und was noch?“ – „Das will ich jetzt lieber nicht in der Öffentlichkeit sagen, aber ich werde es dir heute Nacht ausführlich beschreiben. Drück die Mädchen von mir!“ – „Mach ich.“ – „Ciao!“ – „Bis bald!“
Währenddessen hatte Carolin einen großen Zweig aufgehoben mit dem die beiden jetzt spielten. Kaum hatte Maureen aufgelegt fing Julia an zu weinen und lief zu ihrer Mama. Carolin hatte ihr aus Versehen damit ins Auge gestochen. Maureen kniete sich vor ihrer Tochter hin und streichelte ihr über den Kopf damit diese sich beruhigte und sie sich das Auge genauer ansehen konnte, es blutete. Sie tupfte es mit einem Taschentuch ab, aber es hörte nicht auf zu fließen. Sie mussten also beim Arzt vorbei gehen. Sie gab Julia ein frisches Taschentuch in die Hand, damit sie es sich selbst auf das blutende Auge halten konnte und nahm sie auf den Arm. Maureen wollte Carolin sagen, dass sie jetzt gehen mussten, doch die kleine war verschwunden. „Caro?“ Sie drehte sich nach allen Seiten um und sah gerade noch wie ein Mann mit Carolin auf dem Arm durch den Wald verschwand. Sie rannte mit Julia hinterher, konnte ihn aber nicht einholen, er war schon zu weit weg und durch ihr Asthma war sie ohnehin nicht die Schnellste. Der Entführer erreichte die Straße und wurde nur einen Wimpernschlag später von einem Auto erfasst. Hilflos mussten Maureen und ihre kleine Tochter das ganze aus einiger Entfernung mit ansehen. Der Wagen traf den Typen mit voller wucht und er und Carolin wurden durch die Luft geschleudert und knallten auf den Asphalt. Maureen setzte Julia ab und sank keuchend zu Boden, ihr Kreislauf kollabierte, der Schock hatte den Effekt noch verstärkt. „Mummy! Mummy!“ Durch den Lärm des Unfalls aufgeschreckt kam ein Spaziergänger mit Hund vorbei und lief zu Julia. „Was ist mit deiner Mum?“ Aber Julia weinte nur. Er griff in Maureens Hosentasche und fand das Asthmaspray. Der Mann hob ihren Kopf leicht an, schüttelte den Inhalator und hielt ihn ihr vor den Mund. Maureen atmete das Spray ein und sah ihn dankbar an. Sie wollte aufstehen und nach Carolin sehen, doch ihr war noch zu schwindelig. Sie gab dem Hundebesitzer ihr Telefon, er verstand ohne Worte, sah sich die Unfallstelle an und rief einen Krankenwagen. Auf Geheiß der Schwester am anderen Ende der Leitung stellte er das Warndreieck auf und wartete an der Straße auf den Notarzt.
Die Garda traf zuerst ein und sperrte den Unfallort ab. Maureen stand langsam auf und ging mit Julia zur Straße. Sie war immer noch etwas wackelig auf den Beinen, aber sie musste einfach wissen wie schlimm es ist. Bei Carolins Anblick hätte es ihr fast wieder den Boden unter den Füßen weggezogen, ihr kleiner Kopf lag in einer riesigen Blutlache. Ein Polizist nahm Maureens Zeugenaussage auf, während der Notarzt die Verletzten behandelte. Er stellte den Tod des Entführers fest. Der Fahrer des Wagens hatte genau wie Carolin schwere Kopfverletzungen, schließlich war ein Mann durch seine Scheibe geflogen. Carolin lebte noch, Maureen war zunächst erleichtert, das hätte sie nicht für möglich gehalten. Der Körper des Entführers musste wohl ihren Aufprall abgefedert haben. Maureen bedankte sich bei dem Hundebesitzer für seine Hilfe und stieg mit Julia in den Krankenwagen.
Sie versuchte drei mal erfolglos Shane zu erreichen, schließlich schickte sie ihm eine Kurznachricht und rief das Management an. „Ja hallo! Hier ist Maureen Filan, du musst sofort bei dem Fernsehsender anrufen wo die Jungs grad sind. Jemand muss dafür sorgen, dass Shane sich so schnell wie möglich bei mir meldet. Mit Carolin ist etwas schreckliches passiert.“ Maureen wartete gemeinsam mit Julia auf der Dachterrasse des Krankenhauses auf seinen Ruckruf. Obwohl nur wenige Minuten vergingen schien es ewig zu dauern. Unter Tränen erklärte sie Shane was passiert war. „...Es ist alles meine Schuld, ich hätte sie nicht aus den Augen lassen dürfen.“ – „Du warst überfordert weil Jule geblutet hat. Dass jemand Caro entführt während du dabei bist ist ja kein Risiko mit dem du ständig rechnen musst. Mach dir bitte keine Vorwürfe, das ändert jetzt auch nichts mehr. Du kannst nichts dafür. Ich fahre sofort zu euch.“ – „Sei bitte vorsichtig, ich würde es nicht verkraften wenn dir jetzt auch noch etwas geschieht.“ – „Ich liebe dich, Maureen.“ – „Ich liebe dich auch.“
Maureen suchte mit Julia die Kinderstation auf und bat darum, dass sich ein Arzt mal Julias Auge ansah. Es hatte zwar aufgehört zu bluten und tat auch nicht mehr weh, aber Maureen wollte sich absichern. Der Arzt trug eine heilende Salbe auf und sagte, dass es keinen Grund zur Sorge gab. Maureen ging mit ihrer Tochter in die Cafeteria, für Jule war jetzt Essenszeit, sie selbst trank nur einen Tee, ihr war ganz schlecht. Sie rief ihre Schwiegereltern an, damit die Jule abholten.
Shane drückte Maureen ganz fest an sich, dann brachen beide in Tränen aus. „Wie steht es um Caro?“ – „Ich weiß nicht, sie operieren noch.“ Einige Minuten später kam ein Arzt zu ihnen. „Es tut mir sehr Leid Ihnen das sagen zu müssen...“ – „Oh nein, ist sie etwa...?“, schluchzte Maureen. „Nein sie lebt aber...“ – „Können wir zu ihr?“, fragte Shane. „Ich bringe Sie hin.“ Hand in Hand folgten sie ihm und blieben vor einer Glasscheibe stehen. Carolin schlummerte friedlich vor sich hin, sie sah fast so aus wie immer, bis auf ein paar kleine Schnitte im Gesicht und den Verband um ihren Kopf. „Sie hatte sehr starke Gehirnblutungen, viele Nervenenden wurden irreparabel beschädigt. Sie wird von uns künstlich ernährt und beatmet. Sie kann mit Hilfe der Maschinen noch Wochen, Monate oder sogar Jahre weiterleben, das liegt ganz bei Ihnen.“ – „Wollen sie andeuten...?“, Maureen brach ab, es war zu schrecklich um es auszusprechen. „Solange ihre Tochter lebt wird sie pflegebedürftig sein.“ – „Wie schwer?“, wollte Shane wissen. „Voll pflegebedürftig, sie wird nie wieder ein normales Leben führen können. Sie ist praktisch klinisch tot. Ihr Gehirn arbeitet nicht mehr selbstständig, es wurde zu schwer verletzt. Die meisten ihrer übrigen Organe sind hingegen noch intakt. Bitte überlegen Sie sich ob Sie die spenden wollen. Sie können anderen Menschen damit das Leben retten.“ Stumm schauten die beiden ihre Tochter an während ihnen Tränen die Wangen hinunter liefen. „Ich lasse Sie jetzt allein. Mein Beleid!“ Maureen legte ihren Kopf auf Shanes Schulter, er streichelte sanft ihren Rücken. Sie standen eine Weile so da, bis Maureen als erste ihre Sprache wiederfand. „Nun ja vielleicht sollten wir das tun.“ – „Was?“ – „Die Organe spenden, wir könnten anderen Menschen damit helfen.“ – „Ich will aber keinen anderen Menschen helfen, alles was ich will ist meine kleine Carolin zurückhaben.“, entgegnete Shane trotzig. „Denkst du ich etwa nicht? Aber du hast es ja gehört, es gibt keine Hoffnung. Sie wird nie wieder aufstehen und uns anlächeln. Es ist für mich schwerer diesen Anblick ertragen zu müssen und zu wissen, dass sie niemals mehr so sein wird wie früher als sie gehen zu lassen.“ Shane nickte, sie hatte ja recht. Gemeinsam suchten sie den Arzt auf und erklärten sich einverstanden die Maschinen abstellen zu lassen und die Organe zu spenden, vorher wollten sie Carolin jedoch noch ein letztes mal in den Armen halten. Es war ein schwerer Abschied und sie beschlossen Jule an diesem Abend bei ihren Großeltern zu lassen, da sie den Tag erst mal allein verarbeiten mussten.
Zufrieden sah sich Gillian die Abendnachrichten an. Der Entführer war dabei umgekommen, er konnte keinem mehr etwas davon erzählen und der Verdacht würde niemals auf sie fallen. Zwar hatte er sich nur den einen Zwilling schnappen können, aber mit dem anderen würde sie schon fertig werden wenn es soweit war. Jetzt musste sie nur noch abwarten. Sie beschloss Shane eine Sms zu schicken. „Tut mir schrecklich leid, was dir schlimmes passiert ist. Habs grad in den News gesehen. Lieber Gruß, Gillian.“

Shane hätte sich am liebsten sofort wieder in die Arbeit mit seinen Kumpels gestürzt, um sich von dem Schmerz abzulenken, doch Maureen brauchte ihn jetzt. Weil er für sie da sein wollte, nahm er sich die nächsten paar Wochen frei von Westlife. Um Abstand von den Ereignissen zu bekommen flogen sie zusammen weg. Die zwei Wochen Kuba taten ihnen gut, aber als sie daheim ankamen war da wieder Jule, die genau so aussah wie ihre Schwester und Shane zwangsläufig an Carolin erinnerte. Er hatte zwar nicht mit ansehen müssen wie sie überfahren wurde, doch er träumte jede Nacht davon, wie es gewesen sein könnte. Also ließ er seine junge Frau allein und ging wieder mit den Jungs auf Reisen. Maureen fehlte ihm furchtbar und er rief sie häufig an, doch ihm graute jedes mal davor zurückzukehren. Shane hatte darüber nachgedacht, ob sie vielleicht noch ein Baby bekommen sollten. Nicht um Caro zu ersetzen, sondern damit sie etwas hatten worauf sie sich konzentrieren konnten, als Ablenkung. Doch er konnte sich nicht vorstellen, dass Maureen jetzt schon wieder bereit war für eine Schwangerschaft.
Früher war Maureen nie mehrere Wochen hintereinander von ihrem Mann getrennt, sie und die Mädchen waren eigentlich immer dabei und wenn Shane jetzt so lange weg war, hatte sie das Gefühl, dass in ihrem Leben etwas entscheidendes fehlte. Seit Carolins Tod fühlte sie sich mit Julia allein so einsam. Auch sie hatte darüber nachgedacht wieder schwanger zu werden. Vielleicht würde Shane dann wieder öfter zu Hause sein. Aber irgendetwas tief in ihr drin hinderte sie daran und sagte ihr, dass es noch zu früh sei.

„Shay, was machst du eigentlich hier?“ – „Weißt du, ich bin froh, dass du das fragst. Wir sind eine Band, das heißt, wir nehmen Songs auf, die sich die Leute dann anhören.“ – „Komm schon, du weißt was ich meine. Geh nach Hause zu deiner Frau, sie braucht dich und du vermisst sie doch auch.“ – „Ja, aber ich ertrage Julias Anblick einfach nicht.“ – „Vielleicht hab ich nicht das Recht das zu sagen, weil ich noch nicht mal annährend nachfühlen kann was dir wiederfahren ist, aber du kannst die kleine doch nicht dafür bestrafen, dass sie genau so aussieht wie Caro.“ – „Is ja nich so dass ich sie vernachlässigen würde, aber es tut alles so verdammt weh. Weihnachten war die Hölle, da hab ich mich noch deutlich mieser gefühlt als sonst.“ – „Ihr müsst mal wieder zu zweit wegfahren.“ – „Machen wir doch ständig.“ – „Ich meine nicht nur übers Wochenende, sondern richtig. Ihr braucht mal ein paar Wochen nur für euch... Hier nimm die!“, Nicky drückte ihm einen Umschlag vom Reisebüro mit Flugtickets und Hotelbuchung in die Hand. Shane sah ihn entgeistert an. „Die Winterferien wollte ich Gina eigentlich zum Valentinstag schenken, aber du brauchst sie dringender als ich. Ich werd ihr n Armband kaufen oder sowas. Jetzt nimm schon die Tickets und rette deine Ehe!“ – „Danke, aber...“ – „Nichts aber! Maureen wird sich freuen wenn du sie damit überraschst. Vom Balkon aus kann man die Alpen sehen. Ihr könnt Ski fahren bis zum umfallen oder auf Apré Skis gehen bis euch schlecht wird vom vielen Bier oder dieser hässlichen Stimmungsmusik. Ich würde jedoch empfehlen im Hotel zu bleiben und dich mit ihr zu vergnügen. Das Bett ist so groß wie eine Spielwiese, das Zimmer hat einen Kamin und eine riesige Badewanne. Mal ehrlich, wann hast du das letzte mal mit ihr geschlafen?“ – „...“ – „Jetzt bist du sauer weil ich das gefragt habe.“ – „Nein, ich versuche nur mich zu erinnern. Irgendwann letzte Woche, glaub ich.“ – „Oh Mann, das ist ja traurig!... Sie ist eine wunderschöne Frau! So eine findest du nie wieder! Ich meine du wirst ja auch nicht jünger.“ – „Wie nett von dir!“, entgegnete Shane ironisch. „Ahh, immer verstehst du mich falsch! Okay, lass es mich mit den Beatles sagen. She loves you. And with a love like that, you know you should be glad. Yeah! Yeah! Yeah!”

Ihre Flitterwochen hatten sie ebenfalls in Deutschland verbracht, als Erinnerung an diese Zeit trugen die Zwillinge auch deutsche Namen. Nicky hatte nicht zu viel versprochen, die Residenz war erstklassig, mit Wellnessbereich und einem internationalen Spitzenkoch als Küchenchef. Es war genau das was sie brauchten, Ruhe, viel Sex und auch sonst viel Spaß, eine angenehme Ablenkung eben. Aber nachdem sie erst mal ein paar Tage zu Hause waren, fühlte Shane sich wieder genau wie vorher. Es half alles nichts. Es konnte noch so viel Zeit vergehen, Shane verkraftete Carolins Tod einfach nicht, jedes mal wenn er Julia ansah riss die Wunde von neuem auf. So kam es, dass er ein paar Wochen später auszog.
„Wie bitte? Du hast Maureen verlassen?“ – „Es ist nur eine zeitweise Trennung. Ich muss einfach mal ne Weile allein sein, um das mit Caro endlich zu verarbeiten.“ – „Und wie hat Maureen darauf reagiert?“ – „Sie hat geweint und mich angefleht nicht zu gehen.“ – „Und da hast du es trotzdem übers Herz gebracht?“ – „Leicht wars nicht, aber es muss sein. Ich hab doch schon alles probiert! Nichts hilft mir mich besser zu fühlen. Ich brauche einfach etwas Abstand.“ – „Abstand? Soll ich dir sagen was passieren wird? Ihr werdet euch von voneinander entfernen. Ihr braucht Nähe und mehr Zeit für euch. Shane, sie ist deine Frau, ihr habt ein Kind zusammen! Dadurch dass du sie zurücklässt machst du es ihr noch schwerer, sie hat das ganze doch genau so schlecht weggesteckt wie du. Du wirst jetzt deine Sachen nehmen, nach Hause gehen und dich bei ihr entschuldigen! Ich meine es ernst, bevor du das mit Maureen nicht in Ordnung gebracht hast, brauchst du dich hier gar nicht wieder blicken zu lassen.“ – „Aber Mum!“ – „Ich will nichts mehr hören! Du hast mich schon verstanden.“ Niedergeschlagen trottete Shane aus der elterlichen Küche. Sein Vater kam aus dem Wohnzimmer gerannt und passte ihn gerade noch an der Tür ab. „Deine Mutter meint es nicht so. Na eigentlich schon. Ach, du weißt was ich meine, sie hat Maureen ziemlich gern. Von mir aus könntest du bei uns bleiben, aber ich will keinen Stress, tut mir leid.“ – „Schon gut, Dad! Ich such mir ne Wohnung.“ – „Wenn du reden willst, ruf einfach an, ich bin immer für dich da.“ – „Danke!“ Peter nahm seinen Sohn in den Arm, „Machs gut!“

Zufällig traf Shane Gillian wieder. Sie verabredeten sich wieder öfters und Gillian tröstete ihn über seinen Verlust hinweg, so kam eines zum anderen. Natürlich hatten auch sie damals Probleme gehabt, weswegen er sich schließlich von ihr getrennt hatte, doch das alles sah er jetzt nicht mehr. Wenn Shane hingegen Maureen anschaute, dachte er nicht mehr an ihr hübsches Lächeln, den Ausdruck in ihren Augen wenn er mit ihr schlief oder wie glücklich er einmal mit ihr gewesen war. Er dachte nur noch daran, dass ihre kleine Tochter gestorben war und mir ihr irgendwie auch die Liebe zu Maureen. Als Shane zum ersten mal seit so vielen Jahren wieder mit Gillian ins Bett stieg fühlte er sich schuldig für das was er Maureen damit alles antat, aber eine Stimme in seinem Kopf sagte „Schau nicht zurück, du darfst niemals zurückschauen! Ich dachte, ich weiß was Liebe ist, aber was wusste ich schon? Diese Tage sind für immer vorbei, ich sollte sie einfach gehen lassen.“.

Einsam und allein lag Maureen an diesem Oktoberabend auf ihrer Couch und sah sich ein Good Charlotte Konzert im TV an. Julia war bei ihrem Vater. Maureen hatte sich eben die Haare getrocknet, die sie vorher schwarz getönt hatte, nichts hätte ihre Stimmung besser ausdrücken können. Bei Good Charlotte hatten auch sie sich kennen gelernt, das war jetzt schon so viele Jahre her. Damals war Shane noch mit Gillian zusammen, hatte aber schon länger vorgehabt sich zu trennen. Nach einem Jahr hatte er Maureen gefragt, ob sie seine Frau werden wollte. Nachdem sie zwei Jahre verheiratet gewesen waren bekamen sie die Zwillinge. Niemals würde Maureen die Nächte mit Shane vergessen. Jetzt fühlte es sich manchmal so an, als wäre das alles nur ein Traum gewesen. Nein, sie verstand nicht, was mit ihrer Liebe geschehen war. Sie wollte ihn zurück, aber das wusste er ja. Sie hatte es ihm zwei mal gesagt, als er gegangen ist und als sie an Carolins Todestag so verzweifelt war. Maureen wollte ihn nicht ständig anrufen und damit nerven wie schlecht es ihr ohne ihn ging, deshalb beschränkte sie sich darauf möglichst traurig zu wirken, wenn sie Shane begegnete. Man konnte es ihr so deutlich ansehen, als wäre es in ihre Stirn eintätowiert „Komm zurück zu mir!“. Am Anfang unternahmen sie noch gemeinsam etwas mit Julia, doch seit Shane wieder mit Gillian zusammen war, ertrug Maureen es einfach nicht mehr in seiner Nähe zu sein, deshalb lieferte sie Jule nur bei ihm ab und nutzte ihre Freizeit dann damit etwas mit ihren wenigen Freundinnen zu unternehmen, wenn ihr nach etwas Aufmunterung war oder eben damit sich alte Fotos und Videotapes anzusehen, wenn sie einfach nur heulen und sich selbst bemitleiden wollte. Von wegen in guten wie in schlechten Zeiten. Wo war er jetzt, da sie ihn brauchte? Jede Nacht durchnässten Tränen ihr Kissen, mittlerweile waren es genug um einen ganzen Fluss damit zu füllen. Sie hatte so sehr gehofft sie könnte es schaffen ihn dafür zu hassen, dass er sie einfach mit ihrem Kummer allein gelassen hatte und vor allem dafür, dass Gillian jetzt diejenige war, die sich nachts an ihn schmiegte, doch es ging nicht. Nun ja, vielleicht hatte sie es ein bisschen übertrieben ihn zu lieben. Doch was spielte das jetzt noch für eine Rolle? Letztendlich würde es auf Scheidung hinauslaufen. Good Charlotte verabschiedeten sich und verließen die Bühne, als nächstes wurde ein Clip von Papa Roach gezeigt. „Do you even care if I die bleeding? Would it be wrong, would it be right if I took my life tonight? Chances are that I might.” Maureen konnte genau nachfühlen was der Sänger da von sich gab. Sie hatte auch schon oft daran gedacht, aber sie konnte Julia doch nicht allein lassen.

„Julia! Aufstehen, Frühstück ist fer...“ Shane öffnete ihre Zimmertür und sah, dass ihr Bett leer war. Er schaute im Bad nach, doch auch hier war sie nicht, nirgendwo in der ganzen Wohnung konnte er sie finden. Ihre Jacke und ihre Schuhe waren verschwunden. „Scheiße! Julia ist weg. Ich werd sie suchen gehen.“ – „Soll ich nicht mitkommen?“ – „Nein, bleib hier falls sie zurückkommt.“ Gillian war es nur recht, dass die kleine abgehauen war. Dieses Kind stellte ihre Geduld auf eine harte Probe. Wie konnte man mit vier Jahren bloß schon so dickköpfig sein? Bestimmt hatte ihre Mutter es dieser Göre extra eingeschärft. Sollte sie ruhig nie wieder auftauchen, dann gab es nichts mehr was noch zwischen ihr und Shane stand.
Mit den Nerven am Ende klingelte Shane bei Maureen. „Ist Julia bei dir?“ – „Nein, wieso sollte sie?“ – „Sie ist weggelaufen und ich weiß nicht, wo ich noch suchen soll.“ Zusammen klapperten sie noch ein paar Orte ab, doch finden konnten sie ihre Tochter nicht. Sollte sie nicht wiederkommen, hätte Maureen auch noch den Rest aus den Trümmern ihres einst so wunderbaren Lebens verloren. „Julia, was soll ich denn ohne dich machen? Du bist doch alles was mir noch geblieben bist.“, flüsterte sie leise. Shane hörte es trotzdem, er schaute sie an, sie war noch immer seine Frau, sie war immer noch genau so bezaubernd, wie an dem Tag an dem er sie kennen lernte, auch wenn die dunklen Haare etwas ungewohnt wirkten und plötzlich konnte er eines ganz deutlich spüren, er liebte sie noch immer und er fühlte sich schuldig, weil er sie allein gelassen hatte. Er streckte seine Hand aus und streichelte ihre Wange, dann gab er ihr einen zaghaften Kuss. Überglücklich küsste sie ihn zurück. Ja, zum ersten mal seit langem war sie wieder glücklich, so wie früher, als sei nie etwas geschehen. „Es tut mir so leid, meine Liebste! Ich war nicht für dich da, als du mich gebraucht hast. Ich habe nur an mich gedacht, verzeih mir!“, weinte Shane. Auch Maureen liefen Tränen die Wangen hinab, so gerührt war sie. Die beiden standen da wie zwei Teenager nach dem ersten großen Krach. Sie kehrten zurück nach Hause um sich zu vergewissern, ob Julia inzwischen vielleicht dort eingetroffen war. Sie fanden sie auf ihrer Schaukel im Garten. „Julia, ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist. Wieso bist du denn einfach weggelaufen?“ – „Weil ich deine neue Freundin nicht leiden kann und weil ich will, dass du Mummy wieder lieb hast.“ – „Aber das hab ich doch.“ Die beiden nahmen ihre Tochter auf den Arm und drückten sie ganz fest an sich.
Währenddessen räumte Journalist Gary Donnelly, in Dublin seinen Schreibtisch auf. „Paul, sieh dir das hier mal an!“ – „Ich komme!“ – „Du erinnerst dich doch noch an den Tag, als Maureen Filan mit ansehen musste, wie ihre Tochter überfahren wurde?“ – „Klar, die Schlagzeile haben wir doch zuerst rausgebracht. Das müsste jetzt anderthalb Jahre her sein.“ – „Das hier ist der Kerl, der die kleine entführt hat...“ hielt Gary ihm den alten Artikel hin, „...und jetzt schau mal mit wem Gillian Walsh auf diesem Bild hier redet.“ Paul schlug die Hand vor den Mund. „Wenn sie ihn gekannt hat, dann hat SIE vielleicht...“ – „Ganz genau!“ – „Mann, wo hast du das Foto denn her?“ – „Es war die ganze Zeit in meiner Schublade. Womöglich gab es interessantere Sachen zu schreiben als ich es bekam, als dass Gillian vielleicht einen neuen Freund hat. Also hab ich mir nicht die Mühe gemacht herauszufinden wer der Unbekannte ist und es erst mal weggetan für schlechte Zeiten und da hat es bis heute gelegen.“ – „Ja, aber jetzt ist er kein Unbekannter mehr.“ – „Richtig!“ – „Und wir haben alle möglichen Informationen über ihn.“ – „Richtig!“ – „Ich finde wir sollten seinen Nachbarn mal einen Besuch abstatten.“ – „Sehe ich genau so. Na dann gehen wir gleich mal vorbei. Ich hab schon nachgesehen wo er gewohnt hat, das sind nur 20 Minuten zu Fuß von uns aus.“ Die beiden klingelten zunächst gegenüber der alten Wohnung des Kidnappers. Die Tür wurde ihnen von einem stark muskelbepackten Mann mit Glatze und haufenweise Tattoos geöffnet. „Tag, können wir Ihnen ein paar Fragen stellen?“ – „Wieso? Sind Sie die verdammte Polizei oder was?“ – „Nein wir sind von der Presse. Es würde auch etwas für Sie dabei herausspringen.“, Gary wedelte mit einem 20-Euro-Schein vor seiner Nase herum. „Wie lange wohnen Sie denn schon hier?“ – „Ungefähr fünf Jahre.“ – „Würden Sie sagen Sie kannten Ihren Nachbarn von gegenüber gut?“ – „War n prima Kerl, hat mir seine Pornosammlung vermacht. Wir hatten da so ne Abmachung, falls einer von uns mal den Löffel abgibt, entfernt der andere die Videos aus dessen Wohnung, bevor die Angehörigen mitkriegen dass wir alle unsere Tussis dabei gefilmt haben.“ Paul hielt ihm ein Bild von Gillian hin, „Haben Sie diese Frau schon mal bei ihm gesehen.“ – „Die ist auch auf ner Kassette drauf. Is aber langweilig, die reden nur.“ – „Wissen Sie noch was?“ – „Nö, das spul ich doch immer vor.“ – „Können wir uns das Band vielleicht mal ansehen?“ Der Muskelmann verzog keine Miene. Gary holte einen Hunderter heraus. „Ich such die Kassette! Wartet hier!“ Nach einigen Minuten hatte er sie gefunden. „Aber wiederbringen! Das is so ne kleine Rothaarige drauf, die hat n niedlichen Arsch. Rück mal noch 100€ raus, als Pfand, damit ich sicher sein kann, dass ich sie zurück bekomm nachdem ihr sie überspielt habt.“ Gary sah Paul an. „Was?“ – „Jetzt mach schon! Ich hab keine 100€ mehr.“ – „Also schön, hoffentlich lohnt sich das auch.“

Am nächsten Vormittag brachten Shane und Maureen Julia bei Shanes Eltern vorbei. Die waren überglücklich, dass ihr Sohn wieder zurück zu seiner Frau zog und erklärten sich gern bereit ein paar Stunden auf ihre Enkelin aufzupassen damit die beiden Shanes Sachen aus der Wohnung holen konnten. Als sie dort eintrafen, stiegen zwei Polizisten aus einem Streifenwagen. „Ah! Gut, dass wir Sie treffen. Mrs Filan, können Sie uns bitte gleich mal mit aufs Revier begleiten. Wir brauchen Sie als Zeugin, Sie müssen jemanden identifizieren.“ – „Okay.“ Die Gardaí ließen die beiden verwundert zurück und klingelten an der Haustür, die von Gillian geöffnet wurde. Anscheinend war sie über Nacht geblieben und hatte die ganze Zeit auf Shane gewartet. „Miss Walsh, wir müssen Sie bitten mitzukommen. Sie stehen im Verdacht in Kindesentführung mit Todesfolge verwickelt zu sein.“ Shane konnte nicht glauben was er da hörte, es ergab alles einen Sinn. „Du falsche Schlange!“, schleuderte er ihr eiskalt entgegen und wollte auf sie losgehen. Niemals hatte er eine Frau geschlagen, doch Gillian sollte jetzt seinen ganzen Zorn zu spüren bekommen. Maureen hielt ihn zurück. Es würde nichts an der Sache ändern, außer dass die Bullen ihn wegen Körperverletzung festnahmen. Gillian sah ihn verzweifelt an, „Aber Shane, das hab ich doch alles nur für uns getan... Ich liebe dich doch!“, kreischte sie. „Du liebst mich? Du liebst mich? Ich hasse dich für den Rest meines Lebens!“ Die Handschellen klickten und die Polizisten verfrachteten Gillian im Auto. „Das war so gut wie ein Geständnis. Es ist jetzt nicht mehr nötig, dass Sie uns begleiten, Mrs Filan.“, sagte der eine Gardaí an Maureen gewandt. „Aber woher wussten Sie, dass...“, fragte Shane. „Ein Videotape, das wir von den Kollegen aus Dublin bekommen haben.“ – „Können wir es uns ansehen?“ – „Natürlich, das ist Ihr gutes Recht.“
Die beiden fuhren ihnen hinterher und saßen wenig später in einem Büro auf der Polizeistation. Der eine Bulle spulte das Band zurecht und jetzt war der Kidnapper mit einem Mädchen im Bett zu sehen, dann war das Bild kurz weg und nun konnte man ihn in Großaufnahme betrachten, wie er die Kamera platzierte. Er musste seine Freundin jeden Moment erwarten oder er wusste dass Gillian kam und nahm es auf um sie später damit zu erpressen und mehr Geld zu verlangen. Es klingelte an der Tür, er verließ das Schlafzimmer um sie zu öffnen. Er kam mit Gillian zurück und sie gab ihm Informationen und einen Koffer mit Bargeld. „Was soll ich dann mit den Kindern anstellen?“ – „Schaffen Sie die aus dem Weg.“ Er blätterte die Informationen durch und stoppte bei einem Foto. „Ist das die Mutter?“ – „Ja das ist Maureen, die Schlampe.“ – „Hübsch! Soll ich nicht vielleicht lieber sie entführen. Am Ende würde es wie ein gewöhnlicher Sexualdelikt mit Todesfolge aussehen.“ Shane gefror das Blut in den Adern, er nahm die Hand seiner zitternden Frau und drückte sie sanft. „Nein, nehmen Sie ihr nur die Kinder weg. Ich will dass sie noch richtig leidet, sie soll zusehen wie ich mir meinen Mann zurückhole.“ Dann war die Aufzeichnung zuende.
Geschockt verließen beide das Polizeirevier. Das mit Caro war schlimm und es wäre mies zu sagen, dass es besser so ist, als wenn das andere geschehen wäre, trotzdem war Shane froh, dass Maureen nichts passiert war. Das hätte er überhaupt nicht verkraftet, wenn man sie ihm auf diese Weise genommen hätte.

Maureen schlief noch als Shane am nächsten Morgen aufwachte. Er beobachtete sie eine ganze Weile bis er Durst bekam und in die Küche ging um eine Glas Wasser zu trinken. Die Sonne ging gerade auf. Er machte es sich im Wohnzimmer auf der Couch bequem und schaute sich die wunderbaren Farben am Himmel an. Auf dem Couchtisch sah er die Hülle eines altes Beatles Tapes liegen, das Maureen wahrscheinlich bei ihrer Mum mitgenommen hatte. Er griff zur Fernbedienung und schaltete es an. Irgendwie musste es Schicksal sein, dass er sich das jetzt anhörte, dachte er. „...She said you hurt her so, she almost lost her mind. But now she says she knows you’re not the hurting kind. She says she love you, and you know that can’t be bad. Yes, she loves you, and you know you should be glad, oooh. She loves you, yeah, yeah, yeah, she loves you, yeah, yeah, yeah. And with a love like that you know you should be glad. You know it’s up to you, I think it’s only fair. Pride can hurt you too, apologize to her because she loves you...” Er ging nach oben und setzte sich zu ihr ans Bett. „Maureen, wach auf!“ – „Was ist denn?“, murmelte sie. „Ich muss dir was erzählen.“ – „Mhh! Später, wenn ich ausgeschlafen habe, okay?“ Er streichelte ihr Gesicht und ihr Haar, woraufhin sie zufrieden lächelte, ihre Augen beblieben jedoch geschlossen, wodurch sich Shane gezwungen sah ihr ins Ohr zu pusten. Sie erschrak und war auf einmal hellwach. Er lachte und grinste sie breit an. „Das ist das erste mal seit langem, dass ich dich so fröhlich sehe“, lächelte sie glücklich. „Ich hab mir seit einer Ewigkeit mal wieder den Sonnenaufgang angeschaut und da ist mir endlich etwas klar geworden. Carolin fehlt mir jeden Tag, ich werde sie immer vermissen, aber du liebst mich und dafür bin ich dankbar. Es tut mir leid, dass ich dir so weh getan hab, das hattest du nicht verdient. Von jetzt an bin ich immer für dich da, denn ich kann mir nicht mehr vorstellen auch nur einen Tag ohne dich zu sein.“ Sie küsste ihn innig und zog ihn zu sich, „Das gleiche gilt für mich, ich will auch nie wieder ohne dich sein.“

Ende