"Nicht so fest, Nicholas!... Au! Du tust mir weh!" Ich schob ihn von mir runter. Was war denn bloß los mit ihm? Ich will ja jetzt nicht andeuten, dass wir sonst nur Blümchensex hatten, aber er war nie ruppig zu mir. "Was ist denn heute los mit dir, hm? Sonst fasst du mich doch auch nicht so hart an." - "Entschuldige!" Er gab mir einen zarten Kuss. "Hast du dich heut über was geärgert oder hat es was mit mir zu tun?" - "Nein, es ist nichts. Tut mir leid!" Keine Minute später musste ich mich wieder aus seinen Armen lösen. "Also doch! Es hat was mit mir zu tun?!" Erwartungsvoll sah ich ihn an. "Es bricht mir fast das Herz..." Ihm fiel es sichtlich schwer mir zu antworten. "Mark hat uns heute eröffnet, dass er vorhat dir einen Antrag zu machen." Ich war sprachlos. "Es war mir ja klar, dass das irgendwann passieren würde, aber ich dachte es dauert noch eine Weile. Ihr kennt euch doch erst ein Jahr... Sag doch was!" Ich war allerdings so durcheinander, dass ich kein Wort hervorbrachte. "Du gehörst zu mir!" Während Nicholas das aussprach wurden seine Augen feucht. Ich drückte ihn an mich und streichelte sein Haar. "Das ist ein Zeichen, wir müssen es ihnen sagen, Alina!" - "Du willst doch nicht etwa erzählen, dass wir...?" - "Nein, aber wir müssen unsere jeweiligen Beziehungen beenden. Oder willst du das etwa gar nicht? Habe ich mir die ganze Zeit etwas vorgemacht?" - "Nein, du bedeutest mir alles, mein Liebster!" - "Ich weiß, für dich ist es viel schwerer als für mich. Ich liebe Gina schon lange nicht mehr. Eigentlich hab ich sie nur geheiratet, weil ich dachte es würde von mir erwartet, wir waren ja schon seit Ewigkeiten zusammen, obwohl sie nie meine Traumfrau war. Irgendwann hab ich eben aufgegeben nach dieser zu suchen und mich damit abgefunden. Ich hatte so schreckliche Angst für immer allein bleiben zu müssen. Konnte ja keiner ahnen, dass ich dir dann doch noch begegne und ausgerechnet als Marks Freundin!" - "Es wird nicht leicht für uns!" - "Nein, jetzt wird es erst richtig schwer. Vor allem wenn mir erst mal die Scheidung bevorsteht, dann bin ich noch mehr im Visier der Presse. Falls das hier rauskommt kann ich nicht nur Mark vergessen, sondern auch Kian und Shane. Das wäre das Ende der Band und meines bisherigen Lebens, dann hab ich nur noch dich... Aber das würde ich in Kauf nehmen, wenn es nicht anders geht, das war mir von Anfang an klar." - "Dazu wird es nicht kommen, mein Herz. Wir müssen einfach Geduld haben und sehen, wie Mark die Trennung verkraftet. Ich bin ja schon eine ganze Weile ziemlich eng mit dir befreundet, da wird es niemanden überraschen, wenn wir in Kontakt bleiben, selbst wenn ich mich von Mark trenne. Und ich denk mal wenn ein bisschen Zeit vergangen ist, wird selbst er nichts gegen eine Beziehung zwischen uns haben." - "Es wird wohl ein Jahr dauern bis wir unsere Beziehung öffentlich machen können." - "Ach, ich bin jung, ich kann warten." Wir mussten beide lachen. Von allen Freunden, die Mark hatte verstand ich mich mit Nicholas von Anfang an am besten. Wir alberten ziemlich viel rum und alle machten sich immer über uns lustig: " Na endlich hat Nicky eine Spielkameradin gefunden." oder "Ach, der Kindergarten ist wieder in Aktion." Da wir in der gleichen Stadt wohnten bot es sich auch an dass wir öfters mal was allein unternahmen und irgendwie ging dann alles wie von selbst. Das mit uns lief jetzt bereits ein halbes Jahr. Wir riskierten viel, zu viel und früher oder später würden wir zwei Menschen damit sehr weh tun. Wir wussten natürlich dass es falsch war und hatten daher schon mehrmals versucht, die Finger voneinander zu lassen, jedes mal erfolglos. Mit der Zeit gaben wir es auf dagegen anzukämpfen. Es hatte keinen Sinn, denn das war nicht nur Sex, wir waren verliebt.
Nicholas und ich beschlossen am nächsten Tag reinen Tisch zu machen. Am Abend rief er mich an. "Hi Maus! Das war ja viel leichter als ich dachte. Ich habe zufällig mitbekommen, dass Gina eine Affäre mit dem Assistenten ihres Vaters hat. Ich war vorher noch mal bei ihren Eltern, weil ich dort was vergessen hatte und da hab ich die beiden in der Küche erzählen gehört. Sie haben eindeutig schon länger was miteinander. Ich hab dann noch eine Weile gewartet und als sie sich küssten hab ich sie überrascht. Na ja, wenigstens bin ich jetzt nicht der Arsch. Was ist denn mit dir los, du bist so still? Hast du jetzt Zeit?" - "Ja, klar." - "Super, dann komm ich vorbei. Freu mich schon übelst dich zu sehn." Ich hatte leider nicht so gute Nachrichten für ihn. Als er bei mir klingelte öffnete ich ihm mit verheulten Augen die Tür. "Nicholas!" Er nahm mich in den Arm. "Al, Süße! Was ist denn los?" Doch ich schluchzte nur und heulte seine Strickjacke voll. "Schhh, beruhige dich erst mal!" Er schob mich sanft zur Couch. "Ich bin jetzt verlobt." - "Was?!" Nicholas sah mich entsetzt an. "Mark hat mich gebeten zu ihm zu kommen. Am Telefon wollte ich’s ihm nicht sagen, doch als ich da ankam, war seine ganze Family da und da hab ich’s einfach nicht übers Herz gebracht nein zu sagen. Wie hätte ich denn da nein sagen können?!" Er zog mich an sich und strich über mein Haar. "Ist schon gut, meine Kleine. Ich bin dir nicht böse." - " Aber unser Schlamassel ist jetzt noch viel größer und das ist allein meihhhneee Schuldhhhhh." - "Schhh, ganz ruhig!" Nicholas gab mir einen Kuss auf die Strirn. "Tiocfaidh ár lá. Unser Tag wird kommen." Ich wischte mir meine Tränen mit dem Handrücken weg. "Es gibt immer einen Ausweg, so lange wir zusammenhalten. Mach dir keinen Stress, mein Schatz! Du hast ja jetzt erst mal eine Woche Zeit, wir sind mit Westlife in Italien unterwegs." - "Ja ich weiß, das hab ich nicht vergessen. Schickst du mir eine Karte aus Florenz?" - "Sicher. So und jetzt bringen wir dich erst mal auf andere Gedanken. Ich will dich nämlich nie wieder weinen sehen." Er lächelte mich an und zog mir langsam meine Klamotten aus. Ich ließ ihn gewähren, obwohl es da noch eine andere Sache gab, die mich belastete, aber darüber wollte ich jetzt nicht reden, denn ein bisschen Liebe konnte ich wirklich gut gebrauchen... Als Nicholas am nächsten Morgen ging um mit der Band nach Rom zu reisen, war ich noch im Halbschlaf. Er setzte sich zu mir ans Bett und streichelte mir über den nackten Rücken. "Es wird alles gut." flüsterte er mir zu und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Wenn du wüsstest, dachte ich. Dann schlief ich wieder ein und wachte erst am späten Nachmittag auf. Die letzten 2 Tage hatten mir ganz schön zugesetzt. Zum Glück hatte ich Semesterferien und konnte es mir leisten den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Ich hatte meine Regel seit 14 Tagen nicht bekommen, womöglich war ich schwanger. Ich nahm zwar die Pille, aber ich nahm sie nicht immer ganz pünktlich ein. Bisher hab ich mir da auch noch nie Gedanken gemacht, auf dem Beipackzettel steht ja, dass sie in einer Zeitspanne von 12 Stunden noch sicher ist. Klar, die Blutung kann sich auch durch Stress verzögern, ja, ja. Natürlich wusste ich nicht ob es von Mark oder von Nicholas war. Ich würde es noch nicht einmal wissen, wenn ich das Baby in meinen Armen halte. Nicholas und ich waren beide blond. Möglich, dass es sein Kind war, möglich dass es einfach nur mir ähnlich sah. Nur ein Vaterschaftstest nach der Geburt würde Klarheit schaffen. Doch zuerst brauchte ich einen Schwangerschaftstest, aber ich hatte zu viel Schiss den allein zu machen, außerdem wenn ich nun wirklich schwanger war, müsste ich so schnell wie möglich eine Abtreibung machen und da brauchte ich erst recht jemanden an meiner Seite, der mich lieb hat, sonst würde ich daran zerbrechen. Ich hatte keiner meiner Freundinnen aus Dub erzählt, was da zwischen mir und Nicholas lief und ich wollte es auch nicht, es war zu riskant. Ich kam zu dem Schluss, dass ich ihm selber auch nichts von der Schwangerschaft erzählen konnte. Er würde einer Abtreibung niemals zustimmen. Denn er kannte mich gut und würde früher oder später mitkriegen, wie viel Angst ich davor habe und es mir ausreden. Aber ich wollte nicht, dass er alles für mich aufgab. Doch genau das würde er tun. Seine Worte wiederholten sich immer wieder in meinen Kopf "...dann hab ich nur noch dich... Aber das würde ich in Kauf nehmen, wenn es nicht anders geht..." Es ging anders, aber dieser Meinung wäre er wohl nicht. Er würde bei mir bleiben, auch auf die Gefahr hin, dass es Marks Kind war. Doch soweit wollte ich es nicht kommen lassen, denn dann hätten wir erst richtige Probleme. Wir konnten es ja schlecht verschweigen, denn mit der Zeit würde man es sicher auch sehen, anhand der Ähnlichkeiten. Aber ich wollte kein Kind aufziehen, dessen Eltern sich hassten, aber genau das würde passieren, wenn ich es austrug. Deshalb beschloss ich am Wochenende nach Deutschland zu fliegen und eine Freundin in München zu besuchen, für den Fall der Fälle war das, das Beste. Hoffentlich hat sie auch Zeit, Kerstin würde mir zwar immer helfen, wenn ich sie brauche, aber hatte sie letztens nicht was von Sommerurlaub erzählt? Schoss es mir durch den Kopf, während ich ihre Nummer wählte. Ich hatte es mir aufgeschrieben, wann das war, aber den Zettel hab ich verschlampt. "Ja?!" - "Hi, Kerstin!" - "Na Albrechtn, was willste?" - "Ich weiß, angesichts der Tatsache, dass heute schon Donnerstag ist, isses vielleicht n bissl kurzfristig, aber kann ich dich von morgen Abend bis Montag früh besuchen?" - "Hast wohl genug von der Provinz, was?" - "Ich wohne ich Dublin!" - "Ach jetzt tu doch nich so, als wenn das ne richtige Großstadt wär. Ne halbe Million Einwohner!" - "Eine Million!" - "Aber nur wenn man die Kleinstädte rundrum mitzählt." - "Na is ja jetzt auch egal. Also klappt das jetzt?" - "Vielleicht, mal sehen." - "Wieso, wovon hängt das denn ab?" - "Mann, das war n Joke. Freilich kannst du kommen." - "Gut, ich brauch nämlich deine Hilfe." - "Mensch, Al! Was hast du denn jetzt wieder angestellt?" - "Ziemlich viel, zu viel um es am Telefon zu erklären." Jetzt war ich zumindest ein bisschen erleichtert. Kerstin konnte ich mich immer anvertrauen und mal ein paar Tage Tapentenwechsel, würden mir ganz gut tun. Ich schaltete die Glotze an, denn einschlafen konnte ich noch nicht wieder. Ich entschied mich für Set It Off. Klang ganz interessant was da in der Fernsehzeitung stand, 4 Frauen die Banken überfallen. Der Streifen war gar nicht mal schlecht und für eine Weile vergaß ich meine Sorgen, bis mich ein Song am Ende des Films wieder in die Realität zurück holte. "I often told myself that we could be more than just friends. I know you think that if we move to soon, it would all end. I live in misery when you’re not around. And I won’t be satisfied till we’re taken both vows. There’ll be some love maken, heart breaken, soul shaken. Love maken, heart breaken, soul shaken. What’s it gonna be ‘cuz I can’t pretend. Don’t you want to be more than friends. Hold me tight and don’t let go. Don’t let go. YOU HAVE THE RIGHT TO LOSE CONTROL… Ich musste bitter lachen, hätte ich mal lieber auf dieses Recht verzichtet, dann müsste ich jetzt nicht so viel verantworten.
"Mensch Kerstin, bei dir hat jemand eingebrochen!" schrie ich entsetzt, den Spaß machte ich mir jedes Mal, wenn ich ihre Wohnung betrat, denn so sah es wirklich immer aus. "Haha! Al, das is mit der Zeit wirklich nich mehr lustig." - "Aber du musst trotzdem jedes mal grinsen." Kerstin umarmte mich und nahm mir die Tasche ab. "Hey Süße, wie geht’s dir denn, erst mal?" - "Ganz schön beschissen." - "Und wie geht’s Mark?" - "Ich werde mich von ihm trennen." - "Ach, schade! Der war doch so nett." - "Ja, ich weiß. Aber Nicholas wirst du auch mögen." - "Oh, du hast schon einen neuen Freund?! Und wie sieht er aus?" - "Blond, blaue Augen, genau so groß wie ich. Er ist richtig süß! Wart mal, ich hab n Foto." - "Mensch, Al, der is ja hübsch... Und wie läufts so... im Bett?" - "Kerstin!... Also er ist nicht so stark wie Mark, er kann mich nicht bis zum Bett tragen, aber das ist echt so was von egal, denn es kribbelt total. So intensiv hab ich das noch nie gespürt. Ich bin richtig verliebt." - "Ja, das kann man auch deutlich sehen, an dem Glänzen in deinen Augen. Na ja, wenn ihr beide gleich groß seid, is Sex im stehen ja kein Problem." Wir brachen in schallendes Gelächter aus. Das war das tollste an Kerstin, sie konnte einen wirklich immer zum lachen bringen. "Und wenn du so glücklich mit ihm bist, wo liegt dann das Problem?" - "Er ist ein Freund von Mark und wir haben jetzt schon seit nem halben Jahr was miteinander." - "Ups! Und Mark hat es gemerkt, oder wie?" - "Nein, niemand weiß was davon. Aber ich bin vielleicht schwanger." - "Und du weißt jetzt natürlich nicht von wem?" - "Mhh!" - "Ohh, verdammt! Na hast du denn schon einen Test gemacht?" - "Nein, deswegen bin ich ja hier, ich würd nen Nervenzusammenbruch kriegen, wenn ich das allein machen müsste. Nicholas kann ich es auch nicht erzählen, er würde nicht wollen, dass ich es abtreibe, aber dann würde alles auffliegen und ich will nicht, dass er in Schwierigkeiten kommt. Argh! Warum muss ich immer alles kaputt machen? Wieso bin ich nie zufrieden mit dem was ich habe? Jede andere wäre glücklich. Das ist alles meine Schuld." weinte ich. "Es ist nicht allein deine Schuld! Al, das ist es nicht! Dein Nicholas hat auch ganz schön was zu verantworten. Und das hat er bereits riskiert, als er zum ersten mal mit dir geschlafen hat." Kerstin reichte mir ein Taschentuch. "Du brauchst unbedingt Klarheit, Al! Du musst den Test am besten sofort machen!" - "Ja, ich weiß." - "Du beruhigst dich jetzt erst mal. Und ich geh schnell in die Apotheke und kauf dir nen Test, ok? Ach, ich bring lieber gleich 3 verschiedene, um auf Nummer sicher gehen. Und Al, wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben." - "Wo hast du das denn her?" - "Von Goethe." - "Seit wann liest du denn Goethe?" - "Ach das stand gestern auf meinem Abreißkalender." Als Kerstin weg war, beschloss ich das Abendessen zu machen und während es so vor sich hinkochte, sah ich mir den Kalender mal genauer an. Jetzt im Juli konnte man jeden Tag ein anderes Sprichwort über die Liebe lesen. Heute stand da "Liebe mich dann, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten". Ich musste wieder an Nicholas denken und an seine Reaktion am vorgestrigen Abend. Er war es wert, er war den ganzen Stress wirklich wert, das war mir von Anfang an klar. So verständnisvoll hat mich selten jemand behandelt, mit Ausnahme von Kerstin. "Cool, du hast gekocht! Insgeheim hab ich ja darauf gehofft." - "Platzt dein Kühlschrank deshalb aus allen Nähten?" - "Na ja, ich dachte du könntest mir nen kleinen Vorrat zum Eingefrieren zubereiten." - "Einen kleinen Vorrat?" - "Na ja so für die nächsten 3 Wochen." - "Unfassbar, kaum angekommen, schon wird man wieder ausgenutzt!" grinste ich. "Ach, komm schon Al! Du weißt doch, dass ich nicht kochen kann. Und du willst doch nicht, dass die Feuerwehr demnächst meinen leblosen Körper findet, von den giftigen Dämpfen rosa angelaufenen?" Ich musste lachen, weil ich mir das gerade bildlich vorstellte. Kerstin hatte ja schon mal fast die Küche abgefackelt, als sie sich nur Pommes machen wollte. "Schon gut, ich hab ja das ganze Wochenende Zeit dazu. Vielleicht back ich dir auch noch nen Kuchen, ich muss dich ja wenigstens ein bissl dafür entschädigen, dass ich dich hier mit meinen Problemen belaste." - "Ach, da mach dir mal keinen Kopf. Ich bin immer auf deiner Seite egal, was du ausgefressen hast!" - "Danke, das weiß ich. Deswegen bin ich ja auch zu dir gekommen. Ach sag mal wenn du grad so auf meine Kochkünste angewiesen bist, hast du deinen Freund wohl nicht mehr?" - "Welchen von den 10?" - "Haha, na Jean-Pierre!" - "Ach so der. Nö, hat nicht gehalten." - "Mensch, der war doch Koch!" - "Ja, aber das war auch das einzig gute an ihm. Ständig seine Wutausbrüche, ja, wegen jedem Scheiß. Ach ja und enttäuscht sein, das konnte er auch gut. Nö, eh echt nich, bevor ich mich jeden Tag anschreien lasse..." - "...Verhungerst du lieber! Mensch Kerstin, wieso hast du denn nie was gesagt?" - "Ach ich hatte keine Lust über den Arsch zu reden, ich lass mir von dem doch nicht den Tag versauen. Lange hab ich’s mir eh nicht gefallen lassen. Also mach dir keine Sorgen, ich bin ok!" Nach dem Essen war die Stunde der Wahrheit gekommen. "Ich hab Angst, Kerstin!" - "Wollen wir vorher lieber noch einen trinken gehen?" - "Darf man das überhaupt, verfälscht das nicht irgendwie das Ergebnis oder so?" - "Keine Ahnung, ich hab bis jetzt noch nie einen gemacht. Guck doch ma in den Beipackzettel!" - "Ha, dann weiß ich ja morgen früh noch nicht, ob ich nun schwanger bin. Nein, außerdem will ich es ja wissen." Jetzt warteten wir also ob sich was verfärbte. "Ahhh, ich kann gar nicht hingucken. Kerstin sag du es mir!" - "Du bist definitiv nicht schwanger, alles 3 Tests sind negativ." Sie nahm mich in den Arm und wir freuten uns total. "Mensch, Alina Albrecht, du hast wirklich mehr Glück als Verstand!" - "Ja ich weiß, aber du hast mich trotzdem lieb." - "Ich kann gut verstehen, warum dein Verstand beim Anblick deines Märchenprinzen aussetzt. Ich kann nur hoffen, dass er den ganzen Stress auch wert ist." - "Doch, absolut!" lächelte ich zufrieden. Nun war auch ich zuversichtlich, dass alles gut werden würde, es stand mir nur noch das Gespräch mit Mark bevor. Aber daran wollte ich jetzt noch nicht denken. "Also von mir aus können wir jetzt einen trinken gehen. Ich könnt n Guinness jetzt echt vertragen" - "Ob die mir im Irish Pub auch ne Grüne Wiese mixen?" - "Ach, klar Kerstin!" (für alle Unwissenden: Grüne Wiese ist ein Cocktail aus Blue Curacao und Orangensaft J )
Als ich Montag Mittag zu Hause eintraf, grinste mich eine Postkarte aus Venedig an und zeigte mir, dass Nicholas an mich gedacht hatte. "Ciao Bella! Sorry, hatte in Florenz leider keine Zeit ne Karte für dich zu besorgen, aber du freust dich sicher auch über eine aus dem schönen Venedig. Hier würde ich später auch mal gern mit dir hinfahren. Freu mich schon auf Mittwoch, wenn ich dich wiederhabe. Ti amo." Ich beschloss ihn anzurufen, ich hatte mich ja das ganze Wochenende nicht gemeldet. Ich wollte ehrlich gesagt auch für niemanden erreichbar sein, solange ich mich in München aufhielt, um ein bissl Abstand zu gewinnen. Also hatte ich mein Handy daheim gelassen. Hätte ich es mitgenommen, wäre ich früher oder später der Versuchung erlegen, es auch zu benutzen. Aber so verbrachte ich wenigstens ein paar entspannte und lustige Tage, nachdem sich der ganze schwanger-oder-nicht-Mist in Luft aufgelöst hatte. Ich wollte aber schon wissen, wer angerufen hat, also hab ich das Handy die ganze Zeit am Netz gelassen, wäre es aus gewesen, hätte es ja keine unbeantworteten Anrufe anzeigt. Mailbox hab ich schon lange nicht mehr, nervt sowieso nur. Du rufst dann immer da an und am Ende hat doch keiner was draufgesprochen, sondern nur zu spät aufgelegt. Jetzt zeigte mein Display 10 Anrufe in Abwesenheit an, 8 von Nicholas, 2 von Mark und 3 Sms, alle von Mark. Nicholas und ich schrieben nur ganz selten Nachrichten, sondern telefonierten lieber. Sms waren zu gefährlich, jedenfalls wenn eindeutige Sachen drin standen, also Dinge aus denen man schließen konnte, dass wir mehr waren als Freunde. Und man kommt ja vielleicht nicht immer dazu die gleich zu löschen und wenn dann jemand anders sein oder mein Telefon in die Finger bekommen hätte... Leider hatte ich wenig Erfolg, ich versuchte im Laufe des Tages mehrmals ihn anzurufen, aber irgendwie war da eine Störung, es klingelte noch nicht mal. Am Abend beschloss ich mich bei Mark zu melden. "Hi, Al! Warum haste denn nich ma angerufen?" - "Ich ruf doch jetzt an!" - "Ja warum haste denn nich ma früher angerufen? Mensch, ich dachte schon du wärst ins Koma gefallen, wo hast du denn das ganze Wochenende über gesteckt?" - "Ach, mir war langweilig und da hab ich mich spontan entschieden Kerstin zu besuchen. Mein Handy hab ich zu Hause vergessen, sorry. Hey, wie wärs wenn ich dich am Mittwoch vom Flughafen abhole? Wann kommt ihr denn an?" - "Ok, aber als Wiedergutmachung musst du mir schon n bisschen mehr bieten!" Ich wusste worauf er anspielte, aber ich wollte jetzt nicht darauf eingehen, das hätte später nur noch zu größerer Erklärungsnot geführt. Stattdessen lachte ich nur. "Wart mal, weiß ich gar nicht wann... Nicky sagt, das müsste so um 11.00 sein. Ich soll dich übrigens von ihm grüßen." - "Ja, schönen Gruß zurück. Sag mal, was hat der überhaupt mit seinen Handy angestellt? Ich hab vorhin mal versucht ihn anzurufen, aber da hört man nicht mal n Klingeln." - "Ach, das ist ihm ins Wasser gefallen, als wir am Samstag in Venedig waren. Wir sind abends noch weg gegangen und als wir aus der Gondel gestiegen sind, isses passiert. Das witzige ist ja, dass es auf dem Hinweg geschah, also in völlig nüchternem Zustand..." - "Mark? Bist du noch dran?" - "Ja, ja klar. Ich musste nur gerade vor Nicky flüchten." - "Ach so, du kannst Shane und Kian ja mal ausrichten, dass wir sie dann nach Sligo mitnehmen können." - "Bist du sicher Schatz, so viele Opfer?!"
Als ich am Mittwoch am Dubliner Flughafen wartete, war Nicholas der erste den ich sah. Wir umarmten uns kurz. "Eigentlich hatte ich ja gehofft du, würdest mich abholen." flüsterte er mir zu. Es war so schön seine Nähe zu spüren, wie gern hätte ich ihn jetzt geküsst. Er schien das selbe zu denken, denn ich spürte wie er den Duft meiner Haare einsog. "Ich kann dir nicht mal versprechen, dass wir uns heute Abend sehen. Ich werd es Mark heute sagen." - "Lass dir Zeit, ihr habt sicher Unmengen zu bereden." - "Ich meld mich." Dann sah ich auch schon Mark und Shane auf uns zukommen. Ich lief zu Mark, drückte ihm einen Schmatzer auf die Wange und schnappte mir eine von seinen Taschen. "Hey, Shane!" - "Hey, Al!" - "Sagt mal, wo ist eigentlich Kian?" - "Ach der ist nach London geflogen um seine Freundin zu besuchen." - "Alles klar, dann sind wir ja komplett." Wir verabschiedeten uns von Nicholas und liefen zu meiner Karre. Ich war froh, dass wenigstens Shane mitkam, sonst hätte ich die Fahrt wohl nicht überlebt. Aber so löste sich meine Anspannung ziemlich schnell. "Na, wie wars denn überhaupt so in Italien?" - "Wir hatten ziemlich viel Arbeit", maulte Shane. "Ja, Alter, aber du musst zugeben, dass es auch ganz schön lustig war!" - "Stimmt! Hey, Al, hat Mark dir schon dass mit Nickys Handy erzählt?" - "Ja, das weiß ich schon." "So ein Depp", grinste Mark. - "Ey, das petz ich!" und ich darauf "Ja, Shane, das kannst du doch so gut." Mark und ich brachen in schallendes Gelächter aus. "Das soll wohl ne Verschwörung gegen mich werden, oder was?" Darauf wir im Chor "Na klar!" - "Ich steig gleich aus." Ich hielt an, um Shane zu schocken, denn damit hatte er bestimmt nicht gerechnet. "Viel Spaß, beim Laufen!" "Wollen wir ihm nicht noch ne Chance geben, Maus?" fragte Mark scheinheilig. "Na gut, aber beim nächsten schlechten Witz..." "Pah, dann sag ich eben gar nix mehr" meinte Shane gespielt beleidigt. "Schön wärs!" sagten wir gleichzeitig. "Argh! Ihr seid heute wieder so was von fies!" - "Ja, ich weiß Shane. Tut mir leid." "Nö, mir nicht." meinte Mark eiskalt. "Aber noch viel besser als das mit Nickys Handy, war doch das was vorgestern Abend in Mailand passiert is, nicht wahr Shane?" - "Hör bloß auf du!" "Wieso, was habt ihr denn gemacht?" mischte ich mich ein. "Also wir waren in ner Disco, da kommt n Mädel auf uns zu und labert uns an. Jedenfalls stand die voll auf Shane. Na ja und als wir dann gehen wollten hat Shane sie noch mal umarmt. Und du glaubst nicht, wie schnell der ihr Freund neben uns stand! Wase du fasse Francesca an, eh? Und dann hat der auch gleich nach seinen Freunden geschrieen. Alessandro, Miguel, Arschloch hatte Francesca angefasst, eh." - "Boah, Al, ich schwörs dir, der sah aus wie einer von der Mafia!" - "Ja, du, Shane hat ganz schön vor dem gezittert." - "Hab ich nicht!" - "Hast du doch! Hehe, aber diese Francesca hat ihrem Superfreund dann übelst die Szene gemacht, wie er wohl mit Shane reden würde und so weiter." Die Zeit verging ziemlich schnell und ehe ich mich versah, waren wir auch schon angekommen. Bei Mark war keiner daheim, außer Snoopy, zum Glück auch. So konnten wir wenigstens in Ruhe reden. Aber Angst hatte ich trotzdem. Die letzten paar Monate hab ich mir jeden Tag gesagt, irgendwann mach ich’s, aber nicht sofort, doch jetzt konnte ich diese Einstellung nicht mehr länger beibehalten. Zum einen wollte ich Nicholas nicht länger vertrösten und zum anderen wollte ich nie wieder so einen Stress haben, wie ich ihn in den letzten paar Tagen erlebt hatte. Außerdem ging es auch gar nicht anders. Ich musste etwas unternehmen, ich! Es würde kein edler Ritter auf einem Pferd vorbeikommen und alle meine Probleme lösen, also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen. "Mark, ich..." weiter kam ich nicht, mein Handy klingelte. "Entschuldige!" Dann nahm ich ab. "Ja?!" - "Hi, Al! Hier ist Shane." - "Hi, hast du was bei mir im Auto vergessen?" - "Nein. Al, das konnte ich dir während der Fahrt nicht sagen. Können wir uns kurz treffen, ich muss allein mit dir reden." Oh, nein! dachte ich. Shane klang so ernst, er wird doch wohl nicht gemerkt haben, was das letzte halbe Jahr vor sich ging? Mittlerweile lag ich im Garten auf der Hollywoodschaukel. "Ja und was soll ich Mark sagen? Kannst du es mir nicht am Telefon erzählen? Mark ist außer Hörweite, ich bin allein im Garten." - "Also gut. Al, du sollst eins wissen, ich mag dich sehr gern und dein Glück liegt mir am Herzen. Deshalb will ich nicht, dass du den größten Fehler deines Lebens begehst." - "Shane, wovon redest du?" - "Hör zu, du kannst nicht Marks Frau werden!" - "Ach ja und warum nicht?" - "Weil er nicht ehrlich zu dir ist." Damit hatte ich jetzt überhaupt nicht gerechnet. "Es ist vielleicht nicht sehr respektvoll meinem Freund gegenüber, aber ich muss es dir sagen. Ich kann das nicht länger mit ansehen. Du bist ein netter Mensch und ich will nicht, dass dir weh getan wird." - "Danke, Shane! Also betrügt er mich?" - "Er hat nach wie vor ab und zu seine One-Night-Stands." - "Ja und hast du ne Ahnung, warum er dann will, dass ich ihn heirate?" - "Also das weiß ich echt nicht. Aber dass er mit anderen Frauen schläft heißt ja nicht dass er dich nicht gern hat." - "Alles klar!" Aber Shane hatte Recht. Ich machte es ja genau so. Doch ich schlief nur mit einem anderen und ich hatte einen Grund, ich war verliebt. Wie Mark sein Verhalten rechtfertigte weiß ich nicht. Aber wieso war das nur Shane aufgefallen? Hätte Nicholas nicht auch etwas davon merken müssen? Na klar, Mark tat es bestimmt nicht, wenn sie auf unterwegs waren, sondern dann wenn ich mich mit Nicholas traf. "Weißt du, das schlimmste daran ist eigentlich, dass er mich trotzdem an sich binden will." Ich wollte ihn ja sowieso verlassen, aber es tat trotzdem irgendwie weh, zumal ich ja noch Gefühle für ihn hatte, zwar nicht so starke wie für Nicholas, aber trotzdem... Tja so ist das halt, wenn man auf ein mal gezwungen ist, das Ganze aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Na ja aber so fällt es mir wenigstens leichter Schluss zu machen, denn jetzt musste ich mich nicht mehr mit Schuldgefühlen rumplagen. Oder doch? Vielleicht tat er das ja nur, weil er merkte dass ich ihm untreu war? Aber nein, dann hätte er doch was gesagt. Das hätte er sich doch nicht gefallen lassen. "Shane, hast du ne Ahnung wie lange das jetzt schon geht ?" - "Tut mir leid, da hab ich echt keine Ahnung." - "Ja wann hast du es denn das erste mal bemerkt?" - "Das is schon ne Weile her. Ich hab auch erst ma nix gesagt, weil ich mich nicht einmischen wollte aber als es dann häufiger vorkam, hab ich ihn mal darauf angesprochen, aber er meinte halt nur jedes mal, dass er eben betrunken war und so weiter. Aber jetzt ist er echt zu weit gegangen, dich trotz allem zu fragen... Ich hätte es dir schon viel eher sagen sollen, entschuldige bitte." - "Nein, ist schon ok, du wolltest deinen Freund schützen, ich versteh das. Und mach dir mal keine Sorgen, ich sag ihm nicht, dass ich’s von dir weiß, ich lass mir irgendnen Scheiß einfallen von wegen weibliche Intuition und dass ich doch nicht blind wäre oder so was." - "Danke!" - "Nein, ich hab zu danken. Du bist echt ein guter Freund, Shane. Ich hab dich lieb!" - "Ich dich auch! Ciao!" Ich wusste gar nicht wie ich mich überhaupt fühlte, irgendwie betäubt, das auf jeden Fall. Ich lag noch eine Weile so da, bis ich jemand neben mir spürte. Ich öffnete meine Augen und sah das Mark vor mir stand. Ich setzte mich auf und er ließ sich neben mir nieder. "Es tut mir leid, Mark! Ich kann nicht deine Frau werden. Ich hätte letzten Mittwoch nicht ja sagen dürfen, aber ich habs nicht gekonnt, deine ganze Familie war da und da hab ich’s nicht übers Herz gebracht. Ich bin noch nicht so weit, ich kann noch keine Ehe führen. Es tut mir leid!" - "Und was soll ich jetzt meinen Eltern sagen?!" - "Wie bitte? Was du deinen Eltern sagen sollst? Ah, ich verstehe, es geht dir gar nicht um mich! Du suchst nur eine Vorzeigegattin, damit sich deine Eltern keine Sorgen mehr um dich machen." - "Du kannst dir nicht vorstellen, wie das nervt! Ich dachte, wenn ich verheiratet bin, hört es endlich auf. Und du bist ein netter Mensch, ich mag dich und der Sex ist auch immer richtig geil." - "Aber das reicht doch nicht für eine Ehe! Das hast du doch schon bei Nicky und Gina gesehen." - "Ja ich weiß, tut mir leid." - "Das braucht es nicht. Du sollst nicht denken, dass ich dich deswegen jetzt nicht mehr mag, so ist es nicht. Aber wir sind beide zu jung um eine Ehe zu führen, in der es keine Liebe gibt." mit diesen Worten gab ich ihm den Ring zurück. "Ich weiß, ich kann dir nicht die Liebe geben die du verdienst, noch nicht, aber ich könnte es lernen mit der Zeit." - "Aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die das lernen können. Es tut mir leid, ich wünschte ich könnte es." Eine einsame Träne kullerte meine Wange herunter, die Mark mit dem Daumen wegstrich. "Wenn ich’s mit dir nicht schaffe dann schaff ich’s mit keiner. Ich hab solche Angst für immer allein bleiben zu müssen." - "Das brauchst du nicht, das brauchst du wirklich nicht!" Ich lehnte meine Stirn gegen seine. "Ich weiß, das hört sich jetzt vielleicht bescheuert an, aber es ist nicht verkehrt hohe Ansprüche zu haben. Du kannst dagegen nichts machen, wenn du versuchst dich mit weniger zufrieden zu geben, wirst du nicht glücklich, sondern nur noch unzufriedener. Es ist besser allein zu bleiben und weiter zu suchen, als mit jemandem zusammen zu sein, den man nur halbherzig liebt." - "Es wäre trotzdem schön, wenn du da bist! Ich will dich nicht verlieren!" Ich ergriff Marks Hand. "Das brauchst du nicht, nur weil wir uns trennen, heißt das ja nicht, dass ich nicht mehr für dich da bin. Ich hab dich immer noch lieb!" - "Du hast einen anderen, stimmts?" - "Du weißt es?" - "Ich habs irgendwie geahnt. Keine Angst, du brauchst mir nicht erzählen wer es ist." - "Aber wieso hast du denn nie was gesagt?" - "Der Typ, der ich früher mal war, hätte was gesagt. Der hatte nämlich so ne Einstellung: Hey, ich hab zwar grad keine feste Freundin, zum Glück. Aber wenn doch, dann bin ich der Einzige der die nagelt, der Einzige! Ich wollte dich nicht verlieren, aber das werde ich, denn du liebst ihn?!" - "Ja, das tue ich. Es tut mir leid, aber wir können uns nun mal nicht aussuchen in wen wir uns verlieben." - "Nein, das können wir nicht." Wir saßen noch eine Weile Kopf an Kopf gelehnt, da. "Hey, wegen deinen Eltern, wenn du willst können wir es ihnen gemeinsam beibringen." - "Nein, ich muss ich dich gehen lassen und damit muss ich ja irgendwann mal anfangen. Ich schaff das schon! Ich hab jetzt begriffen, dass ich nicht meine Eltern glücklich machen muss, sondern mich und genau das werde ich ihnen auch sagen." Ich stand auf und gab Mark eine Kuss auf die Stirn. "Na dann, machs gut!" - "Freunden sage ich auf Wiedersehen." Ich lächelte ihn an. "Na denn bis bald!... Ach so, ich möchte das du eins weißt. Ich bereue keine Minute mit dir und ich war wirklich gern mit dir zusammen. Nur weil es nicht gehalten hat, heißt das noch lange nicht, dass ich meine Zeit verschwende hätte." Wir umarmten uns noch mal ganz fest, dann ging ich zum Auto, erleichtert, dass wir es so beenden konnten. Als ich auf die Straße trat, kam die Sonne hinter den Wolken hervor und schien mir ins Gesicht, da wusste ich, dass jetzt etwas Neues beginnen würde.
2 Jahre später in Venedig:
Ich stand im Bademantel auf dem Balkon unseres Hotelzimmers und schaute auf
den Kanal Grande. Nachts war die Stadt fast noch schöner, ein Lichtermeer
im dunklen Wasser. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich gar nicht merkte
wie Nicholas sich von hinten an mich ranschlich. Er legte seine Hände um
meine Taille und küsste meinen Hals. Als ich mich umdrehte um ihn zu küssen,
erfasste Nicholas meine Hände, sah mir tief in die Augen und fing an zu
singen. „All my life, I waited for someone. And all this time, you were the
one, so if you want a man that is here to stay, swearing he’s forever true,
I’ll never walk away, I’ll never give up on you. And if you a love that will
save the day, no matter what you’re going through, I’ll never walk away, I’ll
never walk out on you.” Tränen strömten meine Wangen runter, so überwältigt
war ich. Nicholas steckte mir einen wunderschönen silbernen Ring an den
Finger, dessen Stein die Farbe meiner Augen hatte. Ich fiel ihm um den Hals.
„Ja, natürlich, Nicholas. Ich will deine Frau werden.“ Er drückte
mich ganz fest an sich und ich konnte spüren wie heftig sein Herz schlug.
Wir standen eine Weile so da, bis er den Gürtel meines Bademantels packte
und mich so vom Balkon zog. Er ging rückwärts aufs Bett zu, da er
mich immer noch festhielt, fiel ich auf ihn, was in einem leidenschaftlichen
Zungenkuss endete. „Das war so süß! Fast ein bisschen außergewöhnlich,
viel einfallsreicher als in irgendeinem Nobelrestaurant vor mir auf die Knie
zu gehen.“ - „Eigentlich wollte ich dafür nachher eine Bootsfahrt mit dir
auf dem Fluss machen, aber du hast so süß ausgesehen, wie du da in
deinem hellblauen Bademantel auf dem Balkon standest, da hab ich mich spontan
umentschieden.“ Ich grinste ihn an. „Das war auch gut so, denn da wir allein
sind kann ich jetzt wenigstens richtig meine Gefühle rauslassen.“ Ich kniete
mich über ihn und brauchte nicht lange zu warten, bis ich meinen Bademantel
los war...
Ende