Langsam schob ich mich durch die Menschenmengen in der Ankunftshalle des Liverpooler Airports. Irgendwie mag die Atmosphären in solchen Ankunftshallen. Egal ob Bahnhof oder Flughafen, sie strahlen so ein schönes Gefühl aus. Überall gibt es Wiedersehensfreude und nicht wenige liegen sich in den Armen. Ich mag die lächelnden und glücklichen Gesichter in dieser unpersönlichen Umgebung. Okay, vielleicht hört sich das jetzt kitschig an, aber ich glaube manchmal auch, wenn es meistens nicht so scheint, bin ich hoffnungslos romantisch. Aber wie gesagt, ich befand mich selbst mitten zwischen diesen Menschen und bugsierte meinen Gepäckwagen vor mir her. Immer wieder hielt ich nach ihm Ausschau. Ich konnte ihn nirgendwo entdecken. Aber das hieß nichts. Pünktlichkeit war noch nie seine Stärke gewesen. Ich freute mich unheimlich auf meinen besten Freund und freute mich auch darauf endlich wieder Zeit mit ihm zu verbringen. Seit er mit seiner Band, Westlife, unterwegs war und das waren immerhin schon einige Jahre, hatten wir uns nicht mehr sooft gesehen wie früher. Umso mehr hatte ich mich über seinen Anruf letzte Woche gefreut.
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Eine Woche zuvor:
Ich kam mal wieder gefrustet von meiner Theaterschule zurück. Warum mussten wir gerade so einen alten ‚Schinken’ wie ‚Was ihr wollt’ von Shakespeare (Anmerkung der Autorin: Ich habe nichts gegen Shakespeare und mag seine Werke größtenteils gerne, aber das passte jetzt ziemlich gut) spielen? Ich meine, ich haben nichts gegen Shakespeare, aber ich hätte mir für meine Prüfung ein etwas neuzeitlicheres Stück gewünscht. Doch mein Lehrer hatte kein Erbarmen mit mir gehabt. und mich mit den Worten "Wir sehen uns in drei Monaten" zu der Rolle einer Frau, die die meiste Zeit des Stücks vorgibt, ein Mann zu sein, verdonnert. Genervt starrte ich das Script an und seufzte. Doch ich musste die Rolle gut spielen, nein brillant. Ich musste allen beweisen, das ich jeder Rolle gewachsen war. Sonst konnte ich einen festen Platz am Dubliner Abbey Theatre vergessen. Unwillig überlegte ich, ob ich nicht doch schon einmal einen Blick auf den Text werfen sollte, da klingelte das Telefon. Erleichtert nahm ich ab: "Lara McKenzie?" "Hey, toll dass du da bist!", kam es vom anderen Ende. Ich erkannte die Stimme sofort. Es war mein bester Freund. "Du hast mich gerettet", stöhnte ich, "ich war kurz davor mir mein Script anzugucken." "Hast du endlich deine Rolle?", fragte er. Ich brummte so etwas wie ‚Ja’. "Herzlichen Glückwunsch", rief er ins Telefon. "Davon kann nicht die Rede sein", meinte ich. "Ach komm Lara, so schlimm kann es nicht sein", mein bester Freund lachte, "welches Stück ist es denn?" "’Was ihr wollt’ von Shakespeare", erzählte ich in leidendem Ton, "ich habe die Rolle der ‚Viola’. Bei meinem Pech spielt die aber fast das ganze Stück einen Mann. Jetzt habe ich drei Monate Zeit mich damit zu identifizieren und den Text zu lernen." "Oh du Arme, mal sehen ob ich dich aufmuntern kann...", er lachte immer noch. "Das ist überhaupt nicht lustig", brummte ich gespielt beleidigt ins Telefon. "Ja, ja", sagte er, "Hör mal, warum ich anrufe. Was hältst du davon ein bisschen mit uns auf Promotour zu kommen? Ich vermisse dich, unsere Gespräche und einfach die Stimmung, wenn du da bist." "Ähm", ich schwieg. "Was sagst du, Lara?", wollte er wissen. "Ja, natürlich!!! Du das ist die beste Idee seit langem. Wir haben uns jetzt bestimmt zwei Monate nicht mehr gesehen", freute ich mich. "Dann kommst du also mit?", vergewisserte er sich. "Ja klar", meine Stimme war gleich ein bisschen fröhlicher. "Wir müssen unser neue Single und dann das Album promoten", erklärte er mir, "und du kommst mit." "Klar, das kenne ich ja schon und ab und zu mach ich McDonalds- Dienst", lachte ich, "wann geht’s eigentlich los?" "Nächste Woche in Liverpool. Wir haben den Tag noch frei. Ich könnte dich also persönlich vom Flughafen abholen. Passt dir das?", fragte er. "Das klingt gut", meinte ich, "und du bist sicher, dass du eine Person, die öfters mit ihrem schrecklichen Script durch die Gegend rennt die Zeit verbringen willst?" "Kein Problem", er lachte, "ich helfe dir sogar, wenn wir mal nicht singen oder Interviews machen müssen..." "Ich nehme dich beim Wort", antwortete ich, "aber jetzt mal im Ernst, ich freue mich auf dich und auf die anderen auch..." Wir redeten noch ein bisschen und machten die Uhrzeit für die nächste Woche aus.
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Und jetzt stand ich hier. Doch es gab immer noch kein Zeichen von ihm. Jetzt doch etwas unruhig, sah ich mich wieder um. Dann entdeckte ich ihn plötzlich am Eingang. Er trug zwar eine dunkle Sonnenbrille und eine Cappi, aber ich wusste, dass er es war. Mark. Ich hätte meinen besten Freund unter Tausenden wiedererkannt. Sogar in dieser Verkleidung. Und jetzt hielt mich nichts mehr. Ich ließ meinen Gepäckwagen stehen und lief auf ihn zu. "Mark!", rief ich. Mein Schrei ließ ihn aufschrecken. Er fuhr herum und sah mich. "Lara!" Sekunden später lagen wir uns in den Armen und er wirbelte mich herum. "Ich kann es gar nicht fassen, dass du hier bist", meinte er lächelnd. "Du wirst dich damit abfinden müssen", antwortete ich grinsend. "Wir mir wahnsinnig schwer fallen", Mark lies mich los und schob mich ein bisschen von sich weg, "du siehst irgendwie anders aus." "Was soll das denn heißen?", ich sah ihn gespielt misstrauisch an. "Irgendwas an dir ist anders...", meinte er, "hast du deine Haare kürzer?" Ich lachte und nickte: "Ich habe da gar nicht mehr dran gedacht. Aber richtig, meinte Haare sind echt kürzer." "Na siehst du", Mark legte mir einen Arm um die Schulter und sah mir triumphierend an, "ich hatte Recht." Ich lachte. Wie hatte ich unsere leicht ironischen Gespräche vermisst. Nein, eigentlich hatte ich den ganzen Mark vermisst. Wir hatten immer Spaß zusammen, aber wir konnten auch über alles reden und er war trotz seinem Job immer für mich da und ich für ihn. Ich konnte mir überhaupt niemand anderen als meinen besten Freund vorstellen. Mark und ich, wir waren in Sligo, einem kleinen Städtchen an der Westküste Irlands, aufgewachsen. Wie lange kannten wir uns jetzt? Ich glaube schon seit dem Kindergarten. Wir waren zusammen zur Grundschule gegangen und später zusammen auf die Secondary School. Wir hatten fast alles zusammen gemacht. Er hatte mich in meiner Theaterspielerei bestärkt, ich hatte seine Leidenschaft für die Musik unterstützt. Ich hatte den ganzen Werdegang von Westlife miterlebt. Ich gebe zu, ich hatte Angst, dass sich dadurch zwischen Mark und mir etwas verändern könnte, aber das hatte nicht. Er war immer noch der Selbe, mein bester Freund. Gut, wir sahen uns etwas weniger als früher, aber das war schon in Ordnung. Mark riss mich aus den Gedanken. "Hey, träumst du ?", wollte er wissen. "Nein, ich habe nur kurz was überlegt", meinte ich, "im übrigen können wir jetzt auch los. Ich muss noch kurz meine Koffer holen." "Warte das mache ich für dich. Zeig mir einfach, wo deine Koffer stehen", sagte Mark. "Da vorne", ich zeigte auf meinen Gepäckwagen, "aber das musst du nicht machen. So schwer sind die nicht." "Keine Widerrede, ich mache das für dich", Mark war schon auf dem Weg zu dem Gepäckwagen, "wir müssen uns etwas beeilen. Ich glaube ich stehe im Halteverbot." "Ja, ja und die ganze Aufregung nur wegen mir", ich musste lachen. "Hey, ich freue mich doch dich endlich wieder zusehen, was ist da schon ein Strafzettel?", Mark sah mich gespielt verständnislos an. "Dann fühle ich mich jetzt geehrt", antwortete ich, als ich neben Mark zum Ausgang ging. Was freute ich mich endlich wieder bei ihm zu sein.
"So jetzt ist alles eingeladen", Mark schlug den Kofferraum des Autos zu, "ist ja doch noch kein Strafzettel geworden." "Da hast du aber Glück gehabt", meinte ich. "So einsteigen, my lady", Mark hielt mir die Beifahrertür des Wagens auf. "Danke." Ich stieg ein. Mark stieg auf der Fahrerseite ein und startete das Auto. "Und wie geht es dir?", wollte ich nun wissen, "habt ihr viel Stress?" "Es geht, nicht mehr als sonst auch. Aber eigentlich fängt morgen ja erst alles an. Von wegen Promotion und so. Aber wir haben in den letzten Tagen noch an unserem neuen Album gefeilt, aber jetzt ist es fertig. Wenn du willst kannst du nachher schon mal Probe hören", erzählte er. "Echt? Gerne", ich nickte, "ich bin doch mal gespannt auf euren neuen Stil." "Ich denke, es wird dir gefallen", meinte Mark, "und wie geht es dir? Hast du dich mittler Weile mit deinem Theaterstück angefreundet?" "Also ich würde es nicht angefreundet nennen. Waffenstillstand trifft es eher...", antwortete ich, "aber ich werde es ja lernen müssen, wenn ich ins feste Ensemble von dem Theater aufgenommen werden will." "Ich habe dir ja gesagt, dass ich dir helfe. Wir können uns die Sache ja heute Abend gleich mal ansehen", schlug Mark vor. "Nicht heute. Ich finde das total lieb, dass du mir helfen willst, aber heute will ich nichts von diesem Theaterstück hören und sehen...", ich lachte. "Okay, dann lassen wir es heute", Mark grinste, "und machen uns so einen schönen Abend. Die anderen freuen sich auch schon auf dich." "Wie geht’s ihnen denn?", wollte ich wissen. "Bryan ist Recht happy, denn seine drei Mädels sind da und kommen die nächsten Tage mit ihm mit. Georgina und Gillian sind auch da. Folglich geht es Shane und Nicky auch recht gut. Nur Kian vermisst seine Jodi ein bisschen. Aber sie wollte ihn auch besuchen kommen", gab Mark Auskunft, "sag mal, was hat Declan eigentlich gesagt, dass du mich besuchen kommst?" Declan. Declan, war seit einigen Tagen mein Ex-Freund. Warum kam Mark jetzt ausgerechnet auf ihn zu sprechen? "Wir sind nicht mehr zusammen", sagte ich mit leiser Stimme. "Was?", Mark wandte seinen Blick für einen Moment von der Straße und sah mich an, "wann ist das denn passiert?" "Na ja unsere Beziehung war ja seit einiger Zeit nicht mehr die Beste, aber dann vor einer Woche ist es dann aus gewesen. Er hat Schluss gemacht, als ich ihm erzählt habe, dass ich zu euch fahre", erzählte ich Mark, "er hat es nie verstanden, dass ich einen Mann als besten Freund habe und hat mir immer vorgeworfen, dass ich ihn mit dir betrogen hätte. Er hat mir nicht vertraut. Und wenn mir jemand nicht vertrauen kann, dann ist er sowieso nicht der Richtige." Mark antwortete nicht sofort, sondern fuhr bei der nächsten Gelegenheit auf einen Parkplatz direkt an der Straße. "Warum hast du mich denn nicht angerufen?", fragte er besorgt, "du weißt doch, dass du das jeder, wirklich jederzeit kannst." "Ich weiß nicht, ich wollte nicht darüber reden. Mir ging es gar nicht so schlecht nach der Trennung, wie gesagt, er war nicht der Richtige", antwortete ich, "ich weiß nicht mal ob es überhaupt den Richtigen für mich gibt." Mark schüttelte lachend den Kopf. "Lara, weißst du was du für einen Mist redest? Guck dich doch an. Du bist hübsch, du bist intelligent und unheimlich liebenswürdig, auch wenn du einen kleinen Dickkopf hast. Es gucken sich haufenweise Männer nach dir um. Und irgendwann wird auch der Richtige dabei sein." Ich lächelte. Mark war so lieb. "Meinst du?", fragte ich. "Aber sicher", Mark nahm meine Hand und drückte sie, "daran darfst du nicht zweifeln." "Danke Mark, was wäre ich nur ohne dich?", meinte ich. "Ach komm, wir sind doch Freunde, das ist doch selbstverständlich", sagte Mark, "aber jetzt traue ich mich gar nicht mehr zusagen, dass ich jemanden habe." Ich wurde hellhörig und sah Mark erstaunt an."Seit wann?" "Richtig ernst erst seit eineinhalb Monaten", Mark grinste. "Und du hast mir kein Sterbenswörtchen erzählt?", ich sah ihn gespielt vorwurfsvoll an. "Ich wollte mir erst sicher sein, dass es etwas ernstes ist", meinte Mark verlegen. "Ist doch in Ordnung", ich lächelte, "ich freue mich für dich." Ich meinte das ernst. Ich freute mich wirklich, dass Mark endlich eine Freundin hatte. Er hatte seit Westlife ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht und ziemlich viele Frauen, die er kennen gelernt hatte, wollten nur an sein Geld. Aber ich war auch ein bisschen eifersüchtig, aber wirklich nur ein bisschen und das ließ ich mir vor Mark natürlich nicht anmerken. "Wie heißt sie denn?", wollte ich wissen. "Du wirst Sal heute Abend kennen lernen", meinte Mark. "Ach sie ist auch da?", fragte ich erstaunt, "hat sie kein Problem damit, wenn ich die ganze Zeit da bin und stört euch das nicht?" "Sie hat von dir doch nichts zu befürchten und außerdem habe ich dich eingeladen. Du kommst auf keinen Fall zu kurz", Mark lachte, "und jetzt lass uns weiter fahren. Wir sind ja gleich im Hotel." "Da bin ich ja beruhigt", ich grinste zurück. Ich sah Mark von der Seite an, als er das Auto auf die Straße lenkte. Wie hieß seine Freundin noch mal? Sal?! Irgendetwas löste der Name bei mir aus, aber ich wusste nicht was. Na ja ich würde sie ja kennen lernen. "Shit", brummte Mark plötzlich und riss mich somit wieder aus meinen Gedanken. "Was ist los?", fragte ich. "Ich sollte doch noch bei McDonalds vorbei, Bryan und seinen Kids was mitbringen. Frag mich nicht wieso, aber die wollten unbedingt das Essen. Und jetzt sind wir gerade an einem vorbei gefahren", grummelte Mark vor sich hin. "Das war doch nicht das einzigste McDonalds in Liverpool, oder?", ich sah Mark grinsend an, "wir holen halt beim nächsten was." "Da hast du auch Recht", meinte Mark, "guck mal da vorne ist schon eins." "Was habe ich dir gesagt?", ich grinste. Mark grinste zurück, nickte und lenkte den Wagen auf den Parkplatz des Fastfoodrestaurants. Er hielt auf einem Platz und sah zu mir. "Du Lara, könntest du mir einen kleinen Gefallen tun?", Mark grinste immer noch. "Lass mich raten, du hast Angst dich könnte jemand erkennen und nun soll ich das Zeugs holen?", ich sah ihn fragend an. "Woher weißt du das?", fragte Mark. "Ich kenne dich", antwortete ich, "sag schon was soll ich holen?"
Eine gute Viertelstunde später kamen wir dann auch endlich bei dem Hotel, wo Westlife untergebracht waren, an. Es war eines dieser vier bis fünf Sterne-Hotels, wo man alles bekam, was man sich wünschen konnte. Ich will nicht sagen, dass ich diesen Luxus nicht angenehm fand, aber so notwendig war das alles nicht für mich. Aber gut als Mitglieder einer sehr erfolgreichen Boyband war diese Unterkunft Standard und wie gesagt es störte mich ja nicht. Mark hatte meine Koffer einem Portier übergeben und zusammen betraten wir die überdimensionale Eingangshalle des Hotels. Ich sah mich um. Alles war ziemlich prunkvoll eingerichtet und von der Decke hingen sogar goldene Kronleuchter. Irgendwie verunsicherte mich dies alles ein bisschen. Mark schien es zu merken. "Hey, daran gewöhnst du dich. Das weißst du doch noch von den letzten Malen", meinte er und stieß mich in die Seite. Ich lächelte ihn nur schief an. Wir gingen erst kurz zur Rezeption und Mark gab mir den Schlüssel für mein Hotelzimmer. Dann gingen wir in die Hotellobby. In einer Ecke saßen sie schon alle. Bryan mit Kerry und seinen Kids, Shane und Gillian, Nicky und Georgina und Kian. "Hey Leute, wir sind da", Mark lachte. Ich begrüßte erst einmal alle. Kian und Shane kannte ich auch schon seit der Schulzeit, da Mark mich auch oft zu Proben ihrer damaligen Band mitgenommen und außerdem hatten wir auch alle zusammen bei Musicals mitgespielt. Und Gillian kannte ich natürlich auch seit meiner Kindheit. Wir waren früher recht gute Freundinnen gewesen. Seit wir uns nicht mehr so oft sahen, waren wir nicht mehr so stark befreundet, aber wir trafen uns immer wieder einmal und quatschten endlos lange. Bryan, Nicky und ihre Frauen, damals noch Freundinnen, hatte ich kennengelernt, als Westlife gegründet wurde. Ich verstand mich mit allen sehr gut. Darum freute ich mich immer wieder wenn ich sie wieder sah. "Na Lara", Bryan grinste, "hast du es ohne deinen besten Freund nicht mehr ausgehalten?" "Scheinbar nicht", ich grinste zurück, "aber ich freue mich trotzdem euch wieder zu sehen." "Mark erzählt auch schon die ganze Zeit, dass du ihn besuchen kommst", erzählte Kian, "er ist heute überpünktlich zum Flughafen gefahren, dass er dich auch ja nicht verpasst." "Oh das ist schön zu hören", ich grinste in Marks Richtung, "aber es hat trotzdem einige Zeit gebraucht, bis wir uns gefunden haben." "Na ja, was konnte ich denn dafür, dass die Straßen in Liverpool so voll waren?Und ich habe sie ja gefunden", sagte Mark. "Und wir freuen uns, dass Lara jetzt da ist", Nicky grinste. "Hey", Georgina stieß ihn in die Seite, "nicht dass du mir untreu wirst." "Gina, was denkst du von mir", Nicky legte einen Arm um seine Frau. "Sollte nur ein Witz sein", Georgina lachte, "wenn Jodi auch noch kommt, dann machen wir wenn die Jungs mal wieder einen Auftritt haben einen richtigen Girls Abend. Oder was haltet ihr davon, Mädels?" "Also ich bin dabei", stimmte Kerry zu, Gillian und ich nickten. "Siehst du, Mark. So schnell ist man abgeschrieben", lachte Bryan, "eben ist sie noch nur noch wegen dir gekommen und jetzt plant sie schon Aktionen mit den anderen Girls." "Ach was", ich legte Mark einen Hand auf die Schulter, "ein bisschen Zeit werde ich auch noch für dich haben." "Da bin ich ja beruhigt", antwortete Mark. "Apropos Girls. Sag mal Mark hast du Lara schon von deiner neuen First-Lady, natürlich neben ihr, erzählt? Und wo ist sie eigentlich?", fragte Shane Mark mit einem merkwürdigen Blick, den ich nicht deuten konnte. Doch ich machte mir auch im Moment auch nicht all zu viele Gedanken darüber. Doch ich merkte trotzdem, dass Mark ihm einen ärgerlichen Blick zuwarf. "Was soll das, Shay?", fragte er mit leicht genervten Unterton, "klar habe ich ihr von Sal erzählt. Ich stelle sie ihr später vor. Sie ist im Moment in der Stadt einige Besorgungen machen." "Das ist ja mal was ganz neues", Kian grinste. Ich sah aus den Augenwinkeln, dass Nicky und Bryan sich auch ein Grinsen nicht verkneifen konnten. Shane sah eher etwas besorgt aus. Ich sah weiter zu Mark. Er warf auch Kian einen ärgerlichen Blick zu, aber das war nicht alles. Er schien wirklich wütend zu sein. Ich wunderte mich, was war denn dabei, wenn die Jungs Mark ein bisschen hoch nahmen? Oder war es etwas anderes? Ich musste ihn bei Gelegenheit mal fragen. "Ich gehe jetzt erst mal auf mein Zimmer", meinte ich, "ich muss mal gucken, ob der Portier die Koffer auch zum richtigen Zimmer gebracht hat." "Ich komme mit, ich wollte dir doch auch noch unser neues Album zum Probehören geben", Mark stand mit mir auf. "Bis später, Lara", meinte Bryan. "Wartet noch einen Moment, was haltet ihr davon, wenn wir heute Abend alle zusammen essen gehen?", wollte Nicky wissen, "zur Begrüßung von Lara und zum Auftakt unserer Promotour." "Also ich finde die Idee gut", meinte Shane. Und auch die anderen bis auf mich und Mark stimmten zu. "Was ist mit euch?", fragte Nicky. "Ich finde die Idee gut", antwortete ich. Alle, ich eingeschlossen, sahen zu Mark. "Okay, heute Abend", brummte er, "bestellt von euch einer einen Tisch?" Nicky erklärte sich dazu bereit. Dann verließen Mark und ich entgültig die Lobby und gingen in Richtung Fahrstuhl.
"Shit, in welchem Stock ist denn mein Zimmer?", umständlich suchte ich in meiner Tasche nach dem Zimmerschlüssel. "Fünfter Stock, genau wie meins und die von den anderen", gab Mark Auskunft und drückte den Knopf mit der 5. Ich sah ihn von der Seite an. Mark wirkte etwas angespannt und gar nicht mehr so fröhlich, wie vorhin am Flughafen. "Ist irgendwas?", wollte ich wissen. Mark reagierte nicht sofort. "Hey", ich stupste Mark sanft an, "hast du irgendwas?" Seine Gesichtszüge lockerten sich wieder ein bisschen und er lächelte. "Nein alles in Ordnung, Lara." "Meinst du wirklich?", ich sah ihn besorgt an, "ist irgendwas mit den Jungs?" "Wieso denn?", wollte Mark wissen, während der Fahrstuhl stoppte und wir aussteigen konnten. "Ich weiß nicht. Shanes Kommentar", sagte ich zaghaft. "Ach das ist nichts. Nur solche kleinen Sticheleien. Die kennst du doch", antwortete Mark, doch er sah mich nicht an, "welche Zimmernummer?" Ich kramte in meiner Tasche und zog den Schlüssel hervor. "505", sagte ich. "Das ist da vorne", Mark deutete auf eine Tür. Ich öffnete die Tür. Meine Gepäck stand bereits im Eingang von dem Zimmer. Ich sah mich im Zimmer um. Es war groß und hell, mit einem großen Bett in der Mitte. Mark stand hinter mir. "Ist das Zimmer okay?", fragte er. "Die Frage ist doch jetzt nicht ernst gemeint. Du weißt doch, dass das mehr als genug ist. Ein kleineres Zimmer hätte es auch getan", meinte ich. "Hey, erstens soviel kleinere Zimmer gibt es hier nicht und zweitens will ich doch, dass du dich wohl fühlst", Mark lächelte mich an. "Ich würde mich auch mit einem kleineren Zimmer wohlfühlen", sagte ich, "ich bin einfach froh wieder bei dir zu sein." "Und ich bin froh, dass du da bist. Ich meine früher haben wir uns fast jeden Tag gesehen und seit dem mit Westlife ist das halt nicht mehr möglich und das fehlt mir schon", Mark lächelte, "darum habe ich dich auch eingeladen. Ich werde zwar öfters mal beschäftigt sein. Aber ich werde schon Zeit für uns finden. Immerhin müssen wir ja dein Stück auf die Reihe bekommen." Ich nickte lächelnd und setzte mich auf mein Bett. "Und was ist mit deiner Freundin, ich weiß, dass ich dich schon mal gefragt habe, aber ist das wirklich okay für sie? Ich will nicht der Auslöser für eine Krise oder so was sein", warf ich ein. "Sie weiß Bescheid. Mach dir keine Gedanken", murmelte Mark und wandte sich ab, "hast du schon das Bad besichtigt? Wenn dir da noch was fehlt müsstest du den Zimmerservice rufen, okay?" "Okay." "Gut, ich gehe gerade mal rüber in mein Zimmer und hole ein Probeexemplar von unserer neuen CD. Die wolltest du doch hören. Bin gleich wieder da", damit verschwand Mark aus dem Zimmer. Ich sah ihm etwas verwirrt hinterher. Warum reagierte er so komisch, wenn man ihn auf seine Freundin ansprach? Wer war diese Frau? Mir fiel auf, dass er mir noch nicht einmal ihren richtigen Namen gesagt hatte. Sal? Das konnte viel bedeuten. Warum machte er so ein Geheimnis daraus? Und was hatten Shanes und Kians Bemerkungen zu bedeuten? Warum erzählte mir Mark nicht mehr von seiner Freundin? Er hatte das doch immer getan. Doch ich kam nicht weiter zum Nachdenken, denn Mark kam wieder ins Zimmer. "So jetzt bin ich mal gespannt, was du von unseren neuen Songs hältst..."
Ich fuhr mit dem Lift nach unten in die Lobby. Ich sah auf die Uhr. Es war fünf vor halb acht. Hoffentlich war schon jemand von den anderen da. Wir wollten nämlich erst um zwanzig vor zum Restaurant aufbrechen. Ich begutachtete mich noch einmal im Spiegel des Aufzugs. Doch, ich war zufrieden mit mir. Ich musste zugeben, ich war etwas aufgeregt, doch ich wusste eigentlich gar nicht warum. Es war nicht das erste Mal, dass ich in ein edles Restaurant ging und außerdem kannte ich alle mit denen ich dort hin ging. Stopp, Marks Freundin. Ich würde endlich Marks Freundin kennen lernen. War ich etwa deswegen aufgeregt? Das war doch Schwachsinn. Ärgerlich schüttelte ich den Kopf. Warum sollte ich nervös sein, wenn ich Marks Freundin kennen lernte? Na gut, ich machte mir ins Geheim Gedanken, ob es die Richtige für ihn wäre. Und ich hatte ja schon erwähnt, dass ich ein bisschen eifersüchtig war, aber das war eigentlich nicht nennenswert. Mark würde ja weiter mein bester Freund bleiben und außerdem traute ich ihm nicht zu, dass er sich eine Idiotin als Freundin aussuchte. Wenig später hielt der Lift und ich stieg im Erdgeschoss aus.
Etwas unsicher sah ich mich um. Doch dann erblickte ich Kian, Nicky und Georgina in einer Sitzecke sitzen. Kian winkte mir zu. Ich beeilte mich zu den drei zukommen und setzte mich zu ihnen. "Na hast du dich schon eingelebt?", fragte Nicky. "Na ja eingelebt ist übertrieben, aber ich fühle mich recht wohl hier. Wie lange bleibt ihr denn in Liverpool?", wollte ich wissen. "Die nächsten zwei Tage, dann fahren wir mit einem Bus in diverse Städte Englands, machen dort Interviews, haben Auftritte und veranstalten Autogrammstunden für die Fans", erklärte Nicky, "und du kommst mit?" Ich nickte. "Dann mach dich darauf gefasst, dass es ziemlich anstrengend wird", sagte Kian, "aber ich denke wir werden auch viel Spaß haben." "Davon bin ich überzeugt", ich lächelte. "Hast du schon unsere neuen Songs gehört?", fragte Kian, "sonst werde ich dir gleich noch eine Probe-CD geben." "Da kommst du leider ein wenig spät. Ich habe vorhin mit Mark exklusiv mir die Tracks angehört. Und ich muss sagen: Alle Achtung das Album ist sehr gut. Und am besten ist, dass kein Lied klingt wie das andere", sagte ich. "Das ist ja schön zu hören", meinte Kian, "hoffen wir dass es die Fans genauso sehen. Es ist nicht ganz der typische Westlifestil." "Ich drücke euch die Daumen, dass es klappt", sagte ich, "aber Mark hat mir auch ganz interessante Details von den Albumaufnahmen erzählt. Besonders von dir, Nicky. Stimmt es, dass du deine Aufnahmen wie Robbie Williams, nackt machen wolltest?" "Ähm...", Nicky wurde etwas rot. Kian fing an zu lachen und Georgina sah ihren Mann belustigt an. "So, so Nicky. So kommt alles raus", meinte sie und lachte auch. "Es war doch nur so eine Idee", verteidigte sich Nicky, "ich habe ja immerhin meine Boxershorts anbehalten." "Also doch", Georgina konnte sich vor Lachen nicht halten, "ich dachte das wäre mir vorbehalten dich so zu sehen." "Es war echt lustig", meinte Kian, "ich bekomme immer fast einen Lachanfall, wenn ich *To be with you* höre." "Ich habe das Gefühl, dass Mark Feehily nicht mehr lange lebt", brummte Nicky. "Ach komm, war doch nur ein Witz", Georgina strich ihm über die Wange. "Ja, ja", Nicky grinste auch, "aber sag mal Lara, hat dir Mark jetzt endlich seine Freundin vorgestellt oder ist sie immer noch Besorgungen machen?" Er betonte den Ausdruck ‚Besorgungen machen’ spöttisch. "Nee, ich habe sie noch nicht gesehen. Er macht ein ziemliches Geheimnis daraus", sagte ich mit einem Seufzen, "aber ich denke sie wird schon zu Mark passen." "Tut sie nicht", meinte Kian. Ich sah ihn grinsend an. "Und wieso nicht? Bist du etwa eifersüchtig? Ich dachte du hättest Jodi?", fragte ich immer noch lachend. "Nee eifersüchtig bestimmt nicht", Kian schüttelte den Kopf, "ich denke sie passt nicht zu Mark." "Wir machen uns ziemliche Gedanken um Mark deswegen", Nicky stimmte Kian zu. "Was ist denn mit seiner Freundin?", wollte ich wissen, "ich weiß eigentlich, dass Mark nicht die Erstbeste nimmt." "Du wirst sie ja gleich kennen lernen", meinte Kian, "dann musst dir ein eigenes Bild machen." "Werde ich auch Kian, keine Sorge", ich lächelte, aber ich konnte mir Kians Verhalten nicht ganz erklären. Doch ich konnte nicht weiter darüber nachdenken, denn Kerry, Bryan und ihre beiden Kids gesellten sich zu uns. "Kommt ihr etwa auch mit?", fragte ich Molly, die mich angrinste. Sie nickte eifrig. "Ja wir gehen heute aus wie die Erwachsenen", erklärte sie mir. Ich musste lachen. Molly war einfach süß und Lilly natürlich auch. Bryan und Kerry konnten sich so glücklich mit den Kleinen schätzen. Als nächstes kamen Shane und Gillian und setzten sich auch zu uns. Mittlerweile war es schon viertel vor acht. Kian sah auf die Uhr und runzelte die Stirn. Ich sah seinen Blick. "Hey komm, du kennst doch Marks Hang zur Pünktlichkeit", meinte ich. "Ich denke nicht, dass das an Mark liegt, sondern an der Person, die dahinten neben ihm geht", antwortete Kian trocken. Ich fuhr herum. Mark stieg gerade mit einer jungen Frau aus dem Aufzug. Erst konnte ich sie nicht so gut erkennen, aber als sie näher kamen, erkannte ich sie. Sie hatte unheimliche Ähnlichkeit mit... Ich schloss für einen Moment die Augen, das war ja Unsinn. Ich öffnete die Augen wieder. Mark und die junge Frau standen jetzt unmittelbar vor mir. "Lara, kennst du Salene noch? Meine Freundin...", sagte Mark. Ich sah von Mark zu seiner Freundin. Ich konnte nichts sagen. Ich konnte nicht glauben, wen ich hier vor mir hatte...
*~*~*~*~*~*~*~*~*~*
~*~Flashback~*~
Sligo, Jahre zuvor
Meine Mutter klopfte an meine Tür. "Lara, Mark ist da." Kurz darauf betrat Mark mein Zimmer und ließ sich auf mein Bett fallen. "Du errätst nie was heute passiert ist?", sagte er. "Dir auch einen wunderschönen guten Tag", murmelte ich. Mark grinste. "Sorry Lara. Schön dich zu sehen." "Na geht doch", ich grinste auch, "und was ist jetzt passiert? Du hast ja schon gesagt, dass ich es nie errate, aber wenn man dich so sehen würde könnte man glatt meinen, dass du verliebt wärst..." "Woher weißt du das?", Mark setzte sich wieder auf und sah mich erstaunt an. "Weibliche Intuition", lachte ich , "aber jetzt erzähl mal was ist passiert und wer ist es?" "Sie heißt Salene", sagte Mark, "du weißst ja, dass Kian und ich heute nachsitzen mussten, weil wir Mr. St.John so geärgert haben. Und danach sind wir halt noch am Sportplatz vorbei gegangen und da haben die Cheerleader geprobt. Und dann habe ich sie gesehen. Lange blonde Haare, blaue Augen und ein unglaubliches Lächeln. Aber das beste ist, sie hat mir, na ja mir und Kian zugewunken." "Und woher weißt du, dass sie Salene heißt?", fragte ich. "Eine Freundin hat sie so gerufen", erklärte Mark. "Warte mal, du meinst doch jetzt nicht Salene Davids? Ja die ist auch blond und bei den Cheerleadern. Ja, sie heißt Salene Davids", meinte ich. Mark sah mich mit großen Augen an: "Woher weißt du das?" "Wir haben zusammen Kunst und Geschichte", gab ich Auskunft. "Echt und verstehst du dich gut mir ihr?", wollte Mark wissen. Ich verdrehte die Augen. Mark war ja echt hin und weg. "Ich habe nicht viel mit ihr zu tun", gab ich ehrlich zu, "ich glaube ich bin nicht ganz ihr Niveau." "Was meinst du damit?", fragte Mark. "Sie ist ziemlich arrogant", erklärte ich. "Vielleicht scheint das auch nur so", sagte er, "sie ist bestimmt ganz anders. Kannst du dich nicht mal mit ihr unterhalten und ihr was von mir erzählen?" Ich sah ihn groß an. "Ich soll dich mit ihr verkuppeln?" "Nein, du sollst mich lediglich interessant machen", entgegnete Mark. "Und warum gehst du nicht selbst zu ihr hin und fragst sie, ob ihr mal was trinken gehen wollt oder so? Sag ihr einfach, dass du sie beim Cheerleadertraining gesehen hast und es toll fandest oder so was", riet ich ihm. "Ja, aber ich will erst wissen, was sie über mich denkt, dann mache ich das dann vielleicht", Mark sah verlegen zu Boden, "kannst du nicht, Lara. Bitte." Er sah vom Boden zu mir und blickte mich bittend an. "Okay", seufzte ich, "aber dafür habe ich etwas bei dir gut." Mark fiel mir um den Hals. "Danke. Du bist echt die Beste", sagte er. "Wozu sind Freunde denn sonst da?", meinte ich.
Okay, gesagt getan. Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust mit Salene zu reden. Ohne Zweifel sie war hübsch, aber ich mochte ihre Art nicht. Sie hatte immer einen ausgewählten Kreis von Mädchen um sich, die ihre Freundinnen sein durften. Und sie war immer nur mit den Stars aus der Fußballmannschaft zusammen. Kurz und gut duldete sie nur Leute, die ähnlich perfekt waren wie sie, in ihrer Umgebung. Und wie gesagt hatte ich auch nicht viel mit ihr zu tun. Ich gehörte nicht zu ihrem Freundeskreis und legte auch keinen Wert darauf. Ich war mit meinen Freunden mehr als zufrieden. Doch das spielte jetzt keine Rolle. Ich musste meinem besten Freund einen Gefallen tun. Also seufzte ich und ging, bevor die Stunde anfing, zu Salenes Tisch. Sie saß dort im Kreise ihrer Freundinnen und sah nicht mal auf, als ich vor ihrem Tisch stand. "Hi Salene", sagte ich und verfluchte meine Gutmütigkeit. Das würde Mark einen großen Gefallen kosten. Salene sah mich an. "Hast du mit mir geredet?", wollte sie wissen und sah mich mit abwertenden Blick an. Ich nickte und fühlte mich noch dämlicher. "Wie geht’s denn so?", fragte ich. "Was willst du?", Salene gab ein Gähnen vor. "Ähm, das ist so. Kennst du Mark Feehily?", wollte ich wissen. "Wen?", Salene sah mich verständnislos an. "Ein Freund von mir. So ein großer, Braunhaariger", erklärte ich, "er hat bei der Musicalaufführung letzte Woche mitgewirkt." Salene sah mich immer noch verständnislos an. Doch eine ihrer Freundinnen meldete sich zu Wort: "Ich weiß wen sie meint. Das ist so ein Looser, der bei diesen Musicals mitmacht." Salene lachte und wandte sich dann mit zuckersüßer Stimme an mich: "Wenn das so ist. Vielleicht habe ich ihn schon mal gesehen, aber eigentlich gebe ich mich nicht mit Loosern ab." Innerlich kochte ich. Was bildeten diese Zicken sich eigentlich ein? Dass sie der Mittelpunkt der Welt waren? Doch ich lächelte und meinte: "Na ja ich gehe dann mal wieder..." Schnellstens drehte ich mich um und ging zu meinem Platz. Hinter mir konnte ich Salene und ihre Freundinnen lachen hören.
"Und was hat sie gesagt?", fragte Mark als erstes als er in der Mittagspause in die Schulkantine. Ich sah leicht genervt zu ihm hoch. "Nicht viel." "Was hast du denn gesagt?", wollte er wissen. "Ich habe sie gefragt, ob sie dich kennt", antwortete ich und schob mir eine Gabel Nudeln in den Mund. "Und was hat sie dann gesagt?", Mark ließ mit keine Ruhe. "Ja, sie hat gesagt, sie wüsste wer du bist", log ich, aber ich konnte Mark nicht sagen, dass Salene ihn nicht kannte und ihre Freundin ihn als Looser bezeichnet hatte. Außerdem war ich auch ein bisschen sauer auf ihn. "Und mehr nicht?", Mark klang etwas enttäuscht. "Schuldige, aber ich habe mein bestes getan. Hätte ich zu ihr hingehen sollen und sagen *Du Salene, mein Freund Mark ist ganz heftig in dich verschossen.*?", fuhr ich ihn an. "Nein, ist schon okay. Tut mir leid. Danke dass du zu ihr gegangen bist", entschuldigte sich Mark. "Es ist vielleicht am besten, wenn du selbst zu ihr gehst", meinte ich. Vielleicht war Salene ja zu Mark netter als zu mir. Ich hoffte es jedenfalls. "Ich habe eine Idee, ich kann sie heute nach dem Cheerleadertraining mal ansprechen", Mark sah mich erwartungsvoll an. "Tu was du nicht lassen kannst, Mark Feehily", grinste ich. "Drück mir die Daumen", Mark grinste zurück, "und kein Wort zu den anderen." Er deutete auf Kian, Shane, Gillian und Derek, die zu unserem Tisch kamen. Ich nickte verschwörerisch und wand mich wieder meinem Essen zu.
Am späten Nachmittag rief ich Mark an, denn ich musste einfach wissen, wie es gelaufen war. Er nahm ab. "Ja?" "Hallo Mark", sagte ich. "Hey Lara", murmelte er. "Was ist los?", wollte ich wissen, "wie ist es gelaufen?" "Frag bloß nicht", brummte Mark. "Komm schon, was ist denn passiert?", fragte ich. "Na gut, ich habe sie nach dem Cheerleadertraining angesprochen. Ich habe ihr Komplimente gemacht und sie gefragt, ob sie nicht mal Lust hätte mit mir auszugehen", erzählte Mark. Ich staunte. Er musste ja wirklich verliebt sein. Sonst war er eigentlich immer ziemlich zurück haltend. "Und was hat sie gesagt?", fragte ich. "Sie hat mir angegrinst und gesagt, dass sie keine Lust hat", meinte Mark niedergeschlagen.
Und es war nicht bei diesem einen Mal geblieben. Mark hatte Salene noch öfters gefragt, aber sie hatte immer wieder abgelehnt und ihm fiese Bemerkungen an den Kopf geworfen. Einmal hatte sie doch zu gesagt, aber ihn dann versetzt. Sie machte sich sogar öffentlich über ihn lustig. Irgendwann sah Mark dann auch ein, dass sie es nicht wert war. Er war zwar ziemlich traurig, aber ich und die anderen hatten ihn immer wieder aufgemuntert und nach einiger Zeit war er über Salene Davids hinweg...
*~*~*~*~*~*~*~*~*~*
Umso weniger konnte ich fassen, dass genau diese Salene Davids jetzt vor mir
stand. Doch mir blieb keine Zeit mich von dem Schock zu erholen, denn Salene
fiel mir um den Hals. Ganz recht, mir Lara McKenzie, die für sie früher
nicht mehr als ein Looser gewesen war, fiel sie um den Hals. "Lara, wir haben
uns ja Ewigkeiten nicht mehr gesehen", rief sie, künstlich erfreut, hervor,
"Mensch, war ich erstaunt als Mark mir erzählt hat, dass ihr immer noch
befreundet seid." Sie lächelte ihr künstliches Lächeln weiter.
"Hallo Salene", brachte ich endlich hervor. Kian rettete die Situation: "So
dann können wir ja los." Alle standen auf. "Wohin gehen wir eigentlich?",
hörte ich Salene fragen, während sie sich bei ihm einhackte. "Ins
Cesar’s Palace", gab Mark Auskunft. Ich konnte sehen, wie ihre Augen aufleuchteten.
Genervt drehte ich mich weg. Ich hatte keine Ahnung, wie Mark Salene wieder
getroffen hatte und was wollte sie? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie
Mark von heute auf morgen heiß und innig liebte. Na klar, er war ein Star,
sah gut aus und ja er hatte viel Geld. Salene hatte immer gerne ihre Zeit mit
den Stars ihres Umfeld verbracht. Und Mark war ja jetzt ein wirklicher Star.
Aber wie hatte sie es geschafft, dass Mark sie wieder so anhimmelte? "Na habe
ich dir zu viel versprochen?", raunte Kian mir zu, als hätte er meine Gedanken
gelesen. "Nein, hast du nicht", brummte ich, "wie ist das denn passiert?" Kian
zuckte mit den Schultern.
Wir fuhren mit drei Autos zum ‚Cesar’s Palace’. Im Nicky, Georgina, Gillian und Shane, die McFaddens und Kian, Mark, Salene und ich teilen uns ein Auto. Zu meinem Glück setzte sich Kian neben den Chauffeur, so dass ich neben Salene und Mark sitzen musste. Ich fühlte mich unwohl, die beiden so nah bei einander zu sehen. Besonders als Salene ihre Hand auf Marks Oberschenkel legte und ihm einen verheißungsvollen Blick zu warf. Ich wandte meinen Blick ab und sah aus dem Fenster auf die Straßen von Liverpool. "Sag mal, Mark, was für Details von unseren Aufnahmen hast du Miss McKenzie eigentlich noch verraten?", Kian wandte sich zu Mark. Der sah verständnislos zu mir. Ich musste grinsen. "Ich habe Nicky nur auf seine Fast-Nackt-Einlage angesprochen", sagte ich. "Und wie hat er reagiert?", Mark grinste auch. "Er hat so was wie eine Morddrohung ausgesprochen", antwortete Kian, "also gib beim nächsten Fußballmatch auf deine Shorts acht." Mark nickte. "Was ist denn mit Nicky?", meldete sich Salene zu Wort, "du hast mir davon gar nichts erzählt, Mark." Sie verzog schmollend ihren Mund. "Echt? Das muss ich wohl vergessen haben...", Mark machte ein zerknirschtes Gesicht. Das war ja großartig. Sofort wenn sie etwas tat, war er mit gesammelter Aufmerksamkeit bei ihr. Ich konnte es nicht fassen. Wo war ich hier nur hin geraten?
Zum Glück erreichten wir bald das Restaurant. Es handelte sich, wie ich bei Salenes Reaktion schon festgestellt hatte, um ein feines und teures Restaurant. Ein Ober führte uns zu einem großen Tisch. Wir setzten uns alle. Für Molly und Lilly gab es extra Kinderstühle. Ich saß zwischen Mark und Kerry. Auf Marks anderen Seite saß, wie sollte es anderes sein, Salene und strahlte ihn die ganze Zeit an. Ihm schien das sichtlich gefallen. Ich konnte ihm ansehen wie verliebt er war. Aber warum gerade in Salene? Es gab tausende, wahrscheinlich sogar Millionen nette Mädchen auf der Welt, warum hatte er gerade etwas mit Salene angefangen. Salene, von der fast jeder wusste, dass sie sich für niemanden, außer sich selbst, wirklich interessierte. Ich unterhielt mich eine Weile mit Kerry, bis der Ober mit den Speisekarten kam. Das Restaurant hatte eine unglaubliche Auswahl und ich tat mir schwer mit dem Aussuchen. Schließlich entschied ich mich für Hünchen mit diversen Gemüse. Gleich darauf kam der Ober wieder und nahm unsere Bestellungen auf. Ich sagte ihm meine Bestellung. Mark sah mich erstaunt an. "Hey das gleiche wollte ich auch nehmen", grinste er. Ich lächelte. So was passierte öfters. Mark und ich bestellten das gleiche Essen oder sagten zu selben Zeit dasselbe... So war das halt, wenn man schon ewig sehr gut befreundet war. Mark bestellte auch. "Es gibt aber auch Zufälle", meldete Salene sich wieder zu Wort und lächelte erst Mark und dann mich an. Aber als sie mich anblickte sah ich wie sich ihre Gesichtszüge verhärteten und einen Moment wich ihr nun mehr falsches Lächeln ganz aus ihrem Gesicht. Ich schüttelte leicht den Kopf. Nein, Mr. Feehily ihre Freundin hat kein Problem mit mir. "Haben sie schon gewählt, Miss?", der Ober wandte sich an Salene. "Oh Entschuldigung", Salene schenkte dem Ober ein hochnäsiges Lächeln, "ich nehme die Nummer 33." "Du lebst aber gut", meinte Shane. Salene sah ihn nur verständnislos an. Ich verstand es auch nicht ganz. Verwirrt sah ich zu Shane. Er bemerkte meinen Blick und machte eine Geste, dass ich noch einmal in die Speisekarte gucken sollte. Schnell schlug ich das Teil noch einmal auf. Nummer 33 war eins der teuersten Gerichte, die es überhaupt in diesem Restaurant war. Gut, alles war hier teuer, aber das war schon richtig unverschämt und sie hatte sich genau das ausgesucht.
Der Abend verlief ohne nennenswerte Vorfälle. Das Essen war sehr gut und ich unterhielt mich mit allen gut. Aber ich konnte mir nicht helfen. Ich sah die ganze Zeit zu Salene, die alles tat um Marks Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Ich versuchte mich abzulenken schließlich war ich nicht dafür da um auf Mark aufzupassen, aber mich störte es dennoch, dass er sich gerade Salene als Freundin ausgesucht hatte.
Spät kamen wir alle ins Hotel zurück. Molly und Lilly schliefen längst auf den Armen ihrer Eltern und auch wir anderen waren ziemlich müde. Ich sagte ein allgemeines *Gute Nacht* in die Runde und wollte in mein Zimmer gehen. "Hey, sagt man so seinem besten Freund *Gute Nacht*?", Mark hielt mich fest. "Oh tut mir leid, Mark", ich grinste, "ich glaube ich war in Gedanken schon ganz bei meinem Bett." "Das habe ich gemerkt", Mark lächelte, "ich will dich auch nicht länger davon abhalten. Nur soviel, wir müssen morgen um circa neun Uhr zum ersten Interview und danach geht’s dann ab in unseren Bus und quer durch England, also mach dich auf einen langen Tag gefasst." Ich nickte: "Kein Problem. Zur Not schlaf ich halt, während ihr Interviews macht, ne Runde weiter." "Okay", Mark lächelte und sah mich weiter an, als wollte er noch etwas sagen. "Ist noch was?", ich sah ihn fragend an, "hast du noch irgendetwas auf dem Herzen?" "Ähm...", Mark zögerte. "Mark, kommst du jetzt?", Salene gesellte sich zu uns, "ich dachte du wolltest ihr *Gute Nacht* sagen. Ich hätte nicht gedacht, dass zwei Worte solange dauern." Meine Güte, was hatte sie jetzt schon wieder für ein Problem? Mark zu liebe riss ich mich zusammen und verkniff mir jegliche Bemerkung. Mark sah von mir zu Salene und wieder zurück. "Mist, jetzt ist mir ganz entfallen, was ich noch sagen wollte", Mark zuckte mit den Schultern, "na ja, gute Nacht, Lara. Träum was Schönes." Er nahm mich kurz in den Arm. "Gute Nacht, Mark", antwortete ich. "Dann wäre das jetzt auch geklärt", Salene nahm Mark beim Arm, "dieses Gespräch ist wirklich zu interessant, aber ich bin hundemüde und es wäre jetzt wirklich reizend, wenn wir gehen könnten. Gute Nacht, Lara." Sie lächelte wieder ihr falsches Lächeln. "Gute Nacht", ich lächelte genauso falsch zurück und betrat dann entgültig mein Zimmer. Diese dämliche Kuh. Ich war ja gespannt, wie das weiter gehen würde. Salene schien Mark ja wirklich gut unter ihrer Fittiche zu haben. Aber viel mehr interessierte mich ja noch, wie die beiden sich wieder getroffen hatten. Und war Salene nicht mehr mit Matthew O’Donald zusammen? Nein, wenn ich mich recht erinnerte war sie ja sogar verheiratet gewesen. Nicht dass es mich groß interessiert hätte, aber meine Ma hatte mir mal erzählt, dass es in der Sligoer Tageszeitung gestanden hätte. Aber das konnte ja doch nicht stimmen. Warum machte ich mir eigentlich so viele Gedanken um Salene? Ich gähnte. Ich war doch eigentlich nur wegen Mark hier, weil er mein bester Freund war. Und das würde Salene auch nicht ändern können. Außerdem war Mark alt genug um zu wissen was er tat. Ich nickte um mich selber davon zu überzeugen und wühlte in meinem Koffer schnell nach einem Nachthemd. Ich zog mich um und ließ mich auf das riesige Bett fallen. Was hatte Mark vorhin noch gesagt? *Schlaf gut und träum was Schönes* Genau das würde ich jetzt tun und keine weitern Gedanken an Salene verschwenden. Der Tag war lang genug gewesen und ich war wirklich müde. Ich kuschelte mich unter die Bettdecke und bald war ich auch tief und fest am Schlafen.
Verschlafen wachte ich am nächsten Tag durch meinen Wecker auf. Warum hatte ich diese verflixte Ding nur gestellt? Ach ja, die Lifer mussten ja schon so früh zu dem Interview. Müde rieb ich mir die Augen und kroch aus dem Bett. Als erstes ging ich erst einmal ausgiebig Duschen. Ich ließ mir das Wasser auf den Kopf prasseln und langsam, langsam wurde ich etwas wacher. Nachdem ich ungefähr eine Viertelstunde lang geduscht hatte, drehte ich das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Ich ging wieder ins Zimmer zurück um mich anzuziehen. Ich war gerade soweit fertig und wollte mir meine Haare fönen, als es leicht an meiner Zimmertür klopfte. Ich strich mir schnell meine nassen Haare aus dem Gesicht und öffnete die Tür.
"Guten...oh ich wollte dich nicht stören...", Mark sah mich halb belustigt halb erschrocken an. "Ist schon okay", ich lächelte, "komm rein, ich muss mir nur noch meine Haare fönen." Mark trat ein und belächelte das Chaos, dass ich innerhalb der einen Nacht in dem Hotelzimmer verursacht hatte. "Immer noch die kleine Chaosqueen?", fragte er grinsend. "Scheinbar, aber das liegt nur an der fremden Umgebung", behauptete ich, "meine Dubliner Loft halte ich jetzt verhältnismäßig ordentlich..." "Ach so", Mark nickte grinsend und ließ sich auf dem Bett nieder. Ich ging währenddessen wieder ins Bad und stellte den Fön an. Doch das hielt mich nicht davon hab mit Mark zu reden. "Wo hast du denn deine Freundin gelassen?", rief ich um das Getöse von dem Fön zu übertönen. "Was hast du gesagt?", kam es von Mark zurück. Ich schaltete den Fön wieder aus und kam wieder zu Mark ins Zimmer. "Ich habe dich gefragt, wo deine Freundin ist?", wiederholte ich meine Frage. "Salene? Sie schläft noch. Und ich wette sie steht auch nicht früher als eine halbe Stunde bevor wir losfahren auf", Mark lachte. "Ach so", ich wandte mich meinem Koffer zu und wühlte nach einen Haargummi. Eine Weile war es still. "Warst du erstaunt, dass ich mit Salene zusammen bin?", fragte Mark plötzlich. Ich hatte mittlerweile mein Haargummi gefunden und drehte mich damit zu ihm um. "Wenn ich ehrlich bin ja. Ich hätte jeden erwartet, nur nicht sie", antwortete ich wahrheitsgemäß, "ich verstehe auch nicht ganz warum du mit ihr zusammen bist." Mark sah mich verlegen an. "Ich weiß du kannst sie nicht leiden", sagte er. "Und das ist noch untertrieben", murmelte ich, "weißt du nicht mehr wie sie war? Sie hat sich immer für etwas besseres gehalten. Sie hat uns und besonderes dich damals total mies behandelt. Sie hat dich immer abblitzen lassen, obwohl du sie immer so süß eingeladen hast und ihr Komplimente gemacht hast. Sie war fies und gemein. Ich meine, sie hätte es dir doch einfach so sagen können, dass sie nicht an dir interessiert war. Aber nein sie hat es auf die fiese Tour gemacht. Sind das nicht Gründe genug um sie nicht leiden zu können?" Dass ich sie immer noch für eingebildet und selbstsüchtig hielt verschwieg ich wohlweißlich. "Ja schon und ich war damals auch echt down, aber sie hat sich geändert. Sie ist nicht mehr so...", warf Mark ein. Am liebsten hätte ich aufgelacht. Vielleicht hatte sie jetzt Interesse an Mark, diesbezüglich hatte sie sich bestimmt geändert, aber warum hatte sie an Mark Interesse? Bestimmt nicht, weil sie plötzlich zur Gesinnung gekommen, war dass Mark die Liebe ihres Lebens war. Doch das sagte ich Mark nicht. Stattdessen fragte ich: "Und was macht dich da so sicher?" "Sie hat es mir gesagt", erklärte Mark, "sie meinte, dass sie früher etwas oberflächlich und nur um sich bedacht gewesen wäre, aber sie hat auch gesagt, dass sie sich geändert hätte." "Sie hat es gesagt?", ich sah ihn misstrauisch an. "Ja und ich finde auch, dass sie anders ist", meinte Mark. Ich seufzte leise und fast unhörbar. Natürlich Mark sah seine Freundin in einem anderen Licht als ich. Ich hatte Salene nie wirklich gemocht. Aber er war damals sehr in sie verliebt gewesen und schien es wieder zu sein. Vielleicht hatte sie sich ja wirklich geändert. Ich glaubte es zwar nicht, aber es konnte sein. Außerdem wollte ich mich nicht mit Mark streiten. "Und wie habt ihr euch kennen gelernt?", fragte ich deshalb. "Sie hat mich eines Tages auf der Straße in Cork angesprochen. Wir waren, da weil wir Outfits, die speziell für uns gefertigt worden sind , anprobieren mussten. Und nachher bin ich noch kurz was besorgen gegangen und da hat sie mich angesprochen", erzählte Mark, "erst war ich auch ziemlich skeptisch, aber hat gesagt, dass ihr das alles leid täte und ob wir uns nicht mal treffen könnten. Ich habe dann halt eingewilligt und es ist nach jeden Treffen mehr daraus geworden." Mark strahlte. Ich konnte sehen wie glücklich er war. Eigentlich freute ich mich dass, er endlich mal verliebt war, aber ich konnte mich nicht ganz freuen. Ganz einfach weil Tatsache war, dass er in Salene verliebt war. Doch ich unterdrückte mein Gefühl und umarmte Mark. "Ich freue mich, wenn du glücklich bist", sagte ich. Mark drückte mich fest an sich und sagte: "Und ich bin froh, dass du da bist." Dann sah er auf die Uhr. "Oh shit, in genau einer Viertelstunde müssen wir los und wir haben beide noch nicht gefrühstückt", entfuhr es ihm. "Oh ich glaube, dann müssen wir uns jetzt beeilen", ich grinste und schmiss meine restlichen Sachen in den Koffer, "ist jetzt nicht ordentlich, aber ich fahre nicht ohne Frühstück hier weg." "Ganz meine Meinung", Mark beugte sich zu mir um mir beim Schließen des überfüllten Koffers zu helfen, "und jetzt gehen wir essen." Er zog mich zur Tür.
Wir schafften gerade noch schnell etwas zu essen bis Louis in den Frühstücksraum gestürmt kam und uns beziehungsweise eher Mark rausscheuchte. "Kommt, wir müssen los", rief er, "dieses Fotoshooting und das Interview sind wichtig. Besonders weil ihr in dem Interview erstmals über euer neues Album gefragt werdet." Mark und ich grinsten uns an. Louis war mal wieder ganz in seinem Element. In der Lobby waren sich schon die anderen Lifer samt Frauen, Freundinnen, Kinder und Gepäck versammelt. Auch Salene schien mittlerweile aufgestanden zu sein und kam auf Mark zu. Sie gab ihm einen langen Kuss und schlang dann ihre Arme um seine Tallie. "Wo warst du denn, Schatz?", fragte sie und zog einen perfekten Schmollmund, "ich hätte gerne noch mit dir gekuschelt." "Ich war kurz bei Lara", erklärte Mark, "wir wollten einfach mal wieder zusammen quatschen." "Ach hallo, Lara", Salene schenkte mir ein kurzes Lächeln, aber kurz danach traf mich ihr abfälliger Blick, dann wandte sie sich wieder Mark zu, "ach so, aber ihr beide seht euch doch den ganzen Tag über, dann könnt ihr doch auch reden. Ich wache doch so gerne neben dir auf, Marky." Marky... Wie schrecklich. Niemand nannte ihn ernsthaft Marky. Außer jetzt Salene. Mir war zum Kopfschütteln zu Mute. Zum Glück kam in diesem Augenblick Kerry auf mich zu. "Na gut geschlafen?", sie lächelte. "Doch ganz gut", sagte ich, "nur das frühe Aufstehen ist nicht so ganz nach meinem Geschmack." "Na ja, wer mag das schon?", meinte Kerry, "ich bin eigentlich gekommen um mich zu verabschieden, weil ihr doch gleich zum Interview fahrt. Ich muss mit den Kids zurück nach Dublin." "Schade und ich bin gestern erst angekommen. Was wird dann mit unserem Girlsabend?", wollte ich wissen. "Den machen wir noch. Ich komme ja in einer Woche wieder außerdem ist Jodi jetzt auch noch nicht da", Kerry lachte, "mach’s erst mal gut und pass auf Mark auf, dass er Salene nicht zu sehr verfällt..." "Du magst sie auch nicht?", ich warf Kerry einen erstaunten Blick zu. Kerry grinste: "Sie ist unmöglich. Weißt du ich bin jetzt fünf Tage hier bei Bryan und den Jungs und habe das zwischen Mark und Salene mit bekommen. Sie war in den fünf Tagen drei Mal ausgiebig shoppen, natürlich auf Marks Kosten. Außerdem bekommt sie von ihm auch sonst immer das was, sie gerade will. Und zudem ist sie zu uns arrogant und hochnäsig. Bei den anderen Jungs geht es noch, aber uns also Gillian, Georgina und mich hat sie zum größten Teil ignoriert und sonst mit ironischen oder spitzfindigen Bemerkungen abgefertigt." "Großartig", ich musste lachen, "genauso habe ich mir das vorgestellt. Von wegen sie hat sich verändert." "Alle herhören! Wir wollen jetzt los!", tönte Louis Stimme über unsere Köpfe. "Okay, Kerry mach’s gut", ich umarmte sie schnell, "ich mache hier jetzt keine lange Abschiedsszene, weil mir Bryan sonst den Kopf abreist, wenn ich ihm seine letzten Momente mit dir versaue." Ich zwinkerte Bryan, der zu uns gekommen war, zu. "Ich verzeihe dir noch mal", grinste er und wandte sich dann Kerry zu. Ich ließ die beiden alleine und gesellte mich zu Kian und Nicky, die mit Molly und Lilly spielten. "Lara", Molly streckte ihre beiden Ärmchen nach mir aus. "Siehst du", zog ich Kian auf, der Molly gerade auf dem Arm hatte, "sie mag mich viel lieber als dich. Sie will nämlich zu mir." Kian zog einen Schmollmund und sah Molly gespielt enttäuscht an: "Zu wem willst du?" "Ich will zu Lara", sagte Molly. "Gegen den Wunsch einer Dame bin ich machtlos", grinste er und gab mir Molly. "Na Molly", fragte ich, "fährst du jetzt wieder nach hause?" "Ja, aber Daddy nicht", meinte sie. "Nein Daddy, muss gleich mit ganz vielen fremden Männern reden", sagte Kian und kniff Molly ganz sanft in die Wange. "Was erzählst du meiner Tochter wieder für einen Unsinn, Egan?", Bryan kam mit Kerry zu uns. "Ich erzähle ihr nur, was ihr Dad gleich machen muss", erklärte Kian. "Der Daddy muss sich jetzt von seinen Süßen verabschieden", Bryan nahm mir Molly ab, flüsterte ihr etwas ins Ohr und knuddelte sie lange. Dann nahm er Nicky Lilly ab und tat das gleiche. Louis wartete ungeduldig. "Können wir dann?" "Klar", Bryan nickte, winkte seiner kleinen Familie noch schnell zu und verließ als letzter von uns das Hotel. Man konnte Bryan ansehen, dass er viel lieber bei seinen Mädels geblieben wäre als irgendwelche Interviews zu führen. Doch als wir den Bus, der extra für die Promotour in England zur Verfügung stand, betraten, war er schon wieder der Alte und machte wieder Witze.
Ich staunte erst einmal, als ich den Bus von innen genau betrachtete. Es gab jede Menge gemütliche Sitzmöglichkeiten, natürlich einen Fernseher mit Playstation und ich entdeckte sogar einen kleinen Kühlschrank. "Na?", Mark tippte mir von hinten auf die Schulter, "du schaust, als ob du noch nie einen Tourbus von uns gesehen hast." "Doch, aber irgendwie werden die von Mal zu Mal größer", ich musste grinsen. Mark grinste zurück, aber Salene, die Mark immer noch nicht von der Seite gewichen war, lachte laut auf. "Ach Lara, so was kann auch nur von dir kommen. Es klang nach dem Mädchen aus Sligo. So süß naiv", sagte sie amüsiert mit zuckersüßer Stimme. Für einen Moment starrte ich sie entgeistert an. Was bildete sich die Kuh eigentlich ein? Mich naiv zu nennen. Ich sah zu Mark. Doch der sah etwas hilflos zwischen uns beiden hin und her. Er wusste genau, dass Salenes Kommentar fies gewesen war, aber er blieb stumm und sagte nichts. Wenn er seine tolle Freundin in Schutz nehmen musste, bitte, ich konnte mich auch selber wehren. Ich zog die Augenbraue hoch: "Ich bin also naiv und was bist du dann, Salene?" Salene brach wieder in ein künstliches Lachen aus: "Hey das war doch nur ein Scherz mit dem ‚naiv’. Natürlich bist du das nicht. War echt nur ein Joke, ich wollte dich nicht beleidigen. Ich will mich doch mit der besten Freundin meines Schatz gut verstehen." Schon alleine wie sie ‚beste Freundin’ aussprach wusste ich, dass sie es nicht ernst meinte. Sie konnte mich nicht leiden und genauso wenig wie ich sie. Doch Mark schien nichts zu merken. Er lächelte Salene nur verliebt an.
Ich zog es vor die beiden erst einmal alleine zu lassen und ging erst mal in die zweite Etage des Busses, wo sich die anderen niedergelassen hatten. "Na was machen Mark und Salene?", fragte Bryan. "Geh doch gucken", meinte ich und ließ mich neben Shane auf ein Sofa fallen, "aber ich glaube du wirst stören." "Wieder eine Marathonknutscherei?", wollte Bryan wissen. "Woher soll ich das wissen, du neugieriger Kerl?", ich grinste, "Mark und ich sind zwar sehr gut befreundet, aber du glaubst doch selber nicht, dass er mir jedes mal Auskunft gibt, was er mit seiner Freundin macht. Aber trotzdem glaube ich du hast Recht." "Schade, dass nicht irgendwelche Fotographen in der Nähe sind. Dann würde sie ihn doch noch viel lieber küssen", Gillian, die bisher ziemlich still neben Shane gesessen hatte, verzog ihren Mund, "leider ist noch niemand so richtig aufmerksam geworden. Aber es kann nicht mehr lange dauern. Coverstories noch und nöcher." "Ich glaube nicht, dass Mark da mitmacht. Ihm ist doch immer wichtig gewesen, dass sein Privatleben aus der Presse rausgehalten wird. Und ich denke nicht, dass er auf einmal seine ganzen Standpunkte über Bord werfen wird", warf ich ein um Mark ein wenig in Schutz zu nehmen. Er war halt verliebt, wenn auch in Salene. "Ich hoffe das bleibt auch so", Kian seufzte, " ich habe wirklich kein gutes Gefühl bei Salene. Mich wundert es, dass sie sich auf einmal für Mark interessiert und es ist schlimm, dass sie so einen Einfluss auf ihn hat." Kian sprach aus was ich dachte. Hoffentlich veränderte Mark sich nicht zu sehr durch Salene.
"So da wären wir", Louis stieg als erster aus dem Bus, der vor einem großen Bürogebäude gehalten hatte, "ich gehe gerade mal gucken, wo wir hin müssen." "Louis ist ja total aufgeregt", Nicky lachte, "irgendwie tut der so als ob das eines unserer ersten Interviews." "Na ja, aber immer noch besser, wenn er die ganze Zeit meckert", meinte Mark. "Du sagst es. Ich fande das eben schon wieder total bescheuert, dass er so gedrängelt hat, als ich mich von meinen Mädels verabschiedet habe", Bryan verzog sein Gesicht. "Was ist das eigentlich für ein Magazin, für das ihr jetzt das Interview gebt?", wollte ich wissen, während ich aus dem Bus stieg. "Ich glaube das ist die meist verkaufte Jungendzeitschrift Großbritanniens, also schon ziemlich wichtig", erklärte Mark mir, "aber ich denke du weißt ja was auf uns zu kommt. Wir werden erst mal ewig lange in verschiedene Outfits gesteckt, dann werden Fotoshootings gemacht und dann gibt’s noch das Interview." "Okay und ich werde mich dann, während ihr arbeitet, gemütlich irgendwo hinsetzen und euch zu schauen", erzählte ich ihm mit einem breiten Grinsen. "Lach du nur, du wirst schon sehen was du davon hast", Mark drehte sich weg. "Ach komm, du kannst gar nicht sauer auf mich sein", ich drehte mich mit ihm, so dass ich ihn immer noch ansehen konnte, "du kannst es einfach nicht." Ich knuffte ihn in die Seite. Mark grinste wieder: "Du hast Recht, es geht nicht.", antwortete er. Wir lachten beide. Genau in diesem Moment trat Salene aus dem Bus und kam direkt auf uns zu. "Du Mark", sie lächelte Mark an, "wärst du mir böse, wenn ich nicht mit zum Interview kommen würde?" "Was ist denn los?", Mark sah sie halb verwirrt, halb erschrocken an. "Du weißt doch, dass mich so etwas nicht wirklich interessiert. Dieses stundenlange Rumsitzen, während ihr endlos lange Fragen beantwortet", sagte Salene. Ich konnte sehen, wie Mark traurig sein Gesicht verzog: "So langweilig ist das nicht und ich dachte..." "Hey, ich gucke mir das Interview an, wenn es in der Zeitung steht, okay? Außerdem hast du wenn wir erst mal da drin sind sowieso keine Zeit für mich", Salene schob die Unterlippe vor und sah Mark an, "und außerdem habe ich gestern ein Kleid in der Liverpooler Innenstadt gesehen. Das war einfach fantastisch." Ich konnte es nicht fassen. Marks Arbeit interessierte Salene nicht die Bohne. Stattdessen wollte sie shoppen gehen. Sie merkte nicht einmal, dass Mark enttäuscht war. Ihm war seine Arbeit, also Westlife, immer sehr wichtig und Salene tat alles einfach als unwichtig ab. "Ich fände es schöner, wenn du hier bei mir bleiben würdest", sagte Mark zu Salene. "Was soll ich denn da? Ich kann doch sowieso nichts machen außer euch beim Foto machen zu sehen. Nee, du", Salene schmiegte sich für einen Moment an Mark, "außerdem finde ich so ein tolles Kleid nicht jeden Tag. Ich nehme mir von hier einfach ein Taxi und wenn ihr fertig seid, dann bin ich auch wieder hier. Nur ich glaube ich habe nicht genug dabei für das Taxi und das Kleid." "Hier", Mark drückte Salene ein paar Scheine in die Hand, " aber in circa drei Stunden müssen wir auf jeden Fall weiter." "Ist in Ordnung, danke Schatz, ich wusste du würdest mich verstehen", Salene drückte Mark einen Kuss auf die Wange und zog dann ihr Handy aus der Tasche um sich vermutlich ein Taxi zu rufen. Mark stand ziemlich bedrückt neben ihr. Er tat mir leid. Er hatte sich die Zeit mit Salene bestimmt anders vorgestellt. Ich persönlich war aber eher froh, dass wir sie erst einmal für eine Weile los waren. Nach ihrem Kommentar vorhin wünschte ich sie sonst wohin. In diesem Moment kam Louis. "Okay, alle reinkommen. Hat zwar ein bisschen länger gedauert, weil die da mit ihrem Papierkram nicht zurecht gekommen sind", rief er. Salene sah zu Mark. "Aber du wartest noch bis mein Taxi kommt, oder?", fragte sie. Diesmal kam Mark nicht zum Antworten, denn Kian hatte ihn am Arm gepackt und meinte zu Salene: "Nein, er wartet nicht. Wir werden jetzt da reingehen und unsere Arbeit machen." Salene sah ihn leicht schockiert an. Doch Kian schien das nicht zu interessieren, sondern er zog Mark mit sich zum Eingang. Ich entschloss mich ihnen zu folgen.
"Na wie sehe ich aus?", Bryan kam in einer pinken Jacke zu Georgina, Gillian und mir. Wir hatten uns es in einer kleinen Ecke der Redaktion gemütlich gemacht. "Fürchterlich Bryan", Georgina lachte, "lauft ihr alle so rum, dann will ich meinen Gatten lieber gar nicht sehen." "Das nehme ich persönlich, Gina", Nicky kam hinter Bryan in den Raum. Er trug im Gegensatz zu Bryan etwas Normales. "Du siehst doch ordentlich aus, dagegen kann man nichts sagen. Also sehe ich dich liebend gerne, Schatz", Georgina war aufgestanden und küsste Nicky auf die Wange. Ich wandte mich an Bryan: "Sag mal hast du so das Fotoshooting gemacht?" "Klar, *Think Pink* ist meine neue Parole”, Bryan grinste. "Glaub ihm kein Wort", Mark erschien hinter Bryan, "das hätten wir gar nicht zu gelassen." "Was habt ich alle nur gegen pink?", Bryan lachte. "Nichts gegen die Farbe", antwortete Shane, "der jetzt auch den Raum betrat und sich zu Gillian setzte, "aber sie steht dir einfach nicht." "Besten Dank", Bryan drehte sich gespielt beleidigt von Shane weg und wandte sich an Kian, der als letztes den Raum betrat, "Onkel Kian? Shane war ganz, ganz gemein zu mir..." "Bryan", Kian schüttelte lachend den Kopf, "wann lernst du endlich so was selbst zu regeln?" "Warum seid ihr jetzt eigentlich alle hier?", wollte ich wissen, "seid ihr schon fertig?" "Nee, wir haben nur eine Viertelstunde Pause und dann müssen wir noch das Interview machen", erklärte Mark. "Was ich dachte ne halbe?", Bryan sprang auf, "dann mache ich mich mal auf den Weg was zu Essen besorgen. Ich habe da unten solche Automaten gesehen. Kommt jemand mit?" Kian, Nicky und Georgina schlossen sich an. Shane und Gillian saßen neben einander und unterhielten sich leise. Mark lies sich neben mich fallen. "Ist dir das hier nicht zu langweilig?", fragte er. "Wieso? Ich fühle mich relativ wohl. Ich habe mich eben mit Gillian und Georgina unterhalten. Und solche Einlagen wie von Bryan sind doch auch recht unterhaltsam. Warum fragst du?", Ich sah Mark an. "Ach nur so", meinte er. Ich musste lachen. Mark konnte schon immer schlecht lügen. "Dir macht das zu schaffen, dass Salene lieber einkaufen gegangen ist, als hier bei dir zu sein, oder?", ich legte meine Hand auf seine. "Vor dir kann man einfach keine Geheimnisse haben", Mark lachte, "aber du hast recht. Ich hätte sie lieber hier. Ich verstehe ihre Reaktion einfach nicht. Gestern habe ich ihr hiervon erzählt und sie schien auch total interessiert und heute erzählt sie mir, dass sie sich ja sowieso langweilen würde..." Mir lag ein böser Kommentar auf der Zunge, aber ich schluckte ihn um Mark nicht zu verletzten hinunter. "Ähm... ich weiß auch nicht", meinte ich, "ist schon komisch, aber vielleicht lag es ja an dem Kleid, dass sie so schön fand. Es hat bestimmt nichts mir dir zu tun." "Hoffentlich", Mark seufzte. "Bestimmt", ich bemühte mich um ein Lächeln, "mach dir nicht so viele Sorgen." "Du hast recht", meinte er, "und jetzt lass uns über etwas anderes reden. Was ist eigentlich mit deinem Theaterstück?" Ich verdrehte die Augen: "Nicht viel... Ich habe es immer noch nicht angerührt." Mark hob tadelnd den Zeigefinger: "Das ist aber nicht gut. Du willst doch unbedingt in das Ensemble aufgenommen werden, also musst du endlich anfangen deinen Text zu lernen. Ich kann doch nicht verantworte, dass du nicht perfekt bist. Ab morgen üben wir zusammen." "Hast du denn da Zeit für?", wollte ich wissen, "ich will dir nicht zur Last fallen." "Lara McKenzie, hörst du mir eigentlich gar nicht zu?", Mark sah mich ernst an, "du fällst mir nicht zur Last. Ich bin froh, dass du hier bist." "Du vielleicht, aber was ist mit Salene. Ich kann mir vorstellen, dass sie froh wäre, wenn ich wieder weg wäre", antwortete ich. "Ach was. Das kommt dir nur so vor. Salene hat nichts gegen dich", entgegnete Mark rasch. "Bist du dir da sicher?", fragte ich schnell zurück. Doch bevor Mark antworten konnte, kamen die anderen wieder. "Los auf in die zweite Runde", rief Kian, "jetzt ist Fragen beantworten angesagt." Mark sah mich entschuldigend an und sagte: " Tut mir leid, Lara, wir reden später weiter und dann fangen wir auch mit Proben an..." Dann lief er hinter seinen Bandkollegen her. Ich musste lächeln. Wir waren eben doch beste Freunde und da konnte Salene auch nichts gegen machen.
Circa eine Woche später.
Ich war jetzt schon eine ganze Weile mit Westlife auf Promotour und ich fühlte mich trotz aller Strapazen, wie das regelmäßige, frühe Aufstehen und das manchmal endlose warten in bei einem Interview der Jungs, richtig wohl. Ich war gerne mit den Jungs, Gillian, Georgina, Kerry, die mittler Weile auch wieder da war, und vor allen Dingen natürlich mit Mark zusammen. Wir hatten trotz des engen Terminplans der Lifer, Zeit richtig lange zu reden und auch mit meinem Theaterstück machte ich Fortschritte, weil mir das Proben mit Mark richtig viel Spaß machte. Das, eigentlich die einzige, die mich störte war Salene. Je länger sie in meiner Nähe war, desto weniger konnte ich sie leiden. Sie konnte mich anscheinend auch nicht leiden. Sie war immer falsch-freundlich zu mir, aber sie missbilligte anscheinend, dass Mark und ich viel Zeit mit einander verbrachten. Was mich besonderst störte, war dass sie einfach in unsere Theatersessions hinein platzte und dass sie so einen großen Einfluss auf Mark hatte. Er tat so viel für sie und sie tat nur etwas für ihn, wenn sie gerade dazu Lust hatte oder sie allen zeigen wollte, was für ein tolles Paar waren. Das geschah dann meistens in der Öffentlichkeit. Und sie ließ es sich nach wie vor auf Marks Kosten gut gehen. Mittlerweile war ich mir fast sicher, dass sie nicht wirklich an Mark interessiert war. Aber was war dann mit ihr los?
Ich saß in meinem Zimmer in einem Hotel in der Nähe von... ja ich glaube es war in der Nähe von Glasgow. Ich verstand mittlerweile warum Mark sich am Anfang von Westlife immer beschwert hatte, dass er so schnell von einem Ort zum anderen musste und er am Ende nicht mehr wusste, wo er eigentlich war. Bei mir machten sich schon ähnliche Probleme bemerkbar. Aber das nur nebenbei. Ich saß also in dem Hotelzimmer und wartete auf Mark. Er wollte vorbeikommen um mit mir meine Rolle zu üben. Mich erstaunte es immer wieder, wie gut es mit ihm klappte. Ich hatte mich mittlerweile sogar fast mit meiner Rolle angefreundet und es klappte immer besser. Ich sah mir gerade nochmal die Textstelle, die wir heute üben wollten, im Script an, als mein Handy klingelte. Nach dem zweiten Klingeln nahm ich ab:
"Lara McKenzie, hallo?"
"Hallo Lara, schön dass ich dich erreiche”, es war Jane eine Freundin von mir, die auch mit mir in Sligo zur Schule gegangen war, jetzt aber in Cork lebte, "ich bin nämlich gerade in Dublin und ich dachte ich könnte gleich mal so auf einen Girlsabend zu dir kommen."
"Hey, das tut mir leid. Ich bin gar nicht in Dublin. Ich bin momentan in Glasgow", antwortete ich.
"Was machst du in Glasgow?"
"Ich begleite Mark und die Jungs ein bisschen auf Promotour", erklärte ich ihr.
"Du Glückliche, aber ich dachte du strebst an ins Ensemble vom Abbey aufgenommen zu werden?"
"Ja, aber jetzt habe ich da erst mal nichts zu tun, weil ich Text lernen muss. Es geht so zusagen um meine Aufnahmeprüfung", erklärte ich ihr, "Proben finden erst wieder ab Dezember/Januar statt."
"Du hast es echt gut", stöhnte Jane, "und ich rackere mich Tag für Tag in diesem Büro ab."
"Ach komm, das Auswendiglernen ist auch net gerade toll. Aber egal. Mir tut es irgendwie leid, dass ich jetzt nicht in Dublin bin", sagte ich, "aber wir holen das nach, wenn ich wieder da bin."
"Aber sicher!", Jane lachte, "ich bestehe darauf. Aber ich muss dir trotzdem was total witziges erzählen. Egal ob mich meine nächste Telefonrechnung in den Ruin treibt."
"Was denn?", fragte ich neugierig. Ich unterhielt mich einfach gerne mit Jane, "erzähl..."
"Also ich war gestern in der Innenstadt von Cork einkaufen. Und weißt du wen ich da getroffen habe. Matthew..."
"Welchen Matthew?"
"Na meinen allerersten Freund. Du weißst schon Matthew O’Donald, der mich für Salene Davids, dieser dummen Kuh, verlassen hat und dann total das Eckel geworden ist", erklärte Jane mir.
"Und?", fragte ich weiter.
"Er hat mich auch wieder erkannt, stell dir vor wir sind ins Gespräch gekommen und haben uns richtig gut unterhalten. Was wir inzwischen so machen und so weiter. Stell dir vor er ist mittler Weile mit Salene verheiratet, der Schwachkopf", Jane lachte, "wie kann man nur? Aber er scheint überglücklich zu sein. Sie haben sogar einen kleinen Sohn, Matthew hat ihn spazieren gefahren."
"Was sagst du da?", mir fiel fast das Handy aus der Hand, "Salene Davids und Matthew O’Donald?!"
"Ja, genau die beiden, jetzt wahrscheinlich beide O’Donald. Ich hätte nicht gedacht, dass die beiden solange zusammen bleiben", wiederholte Jane.
"Und... was hat er über Salene gesagt?", fragte ich weiter, ohne wirklich glauben zu können, was ich gerade hörte.
"Ja Salene hat angeblich einen sehr guten Job in England, während Matthew auf das Kind aufpasst", antwortete Jane, "ich hätte ja nicht gedacht, dass dieses Spatzenhirn es zu irgendetwas bringt."
"Guter Job?", wiederholte ich immer noch fassungslos.
"Ja, sag mal hörst du schlecht, Lara?", wollte Jane lachend wissen.
"Nee, nee ist alles in Ordnung. Ich bin nur etwas müde. Die Promotour von den Lifern ist relativ anstrengend."
"Okay, dann gehst du jetzt schnell ins Bett und wir reden ein andermal weiter", meinte Jane, "mein Akku ist sowieso gleich leer. Mach’s gut, Lara."
"Du auch. Ich ruf dich demnächst mal an. Ciao."
Dann legten wir beide auf. Ich realisierte erst was ich gerade erfahren hatte. Salene hatte sich auf keinen Fall geändert. Ich hatte es ja schon immer geahnt. Sie war immer noch so falsch wie früher. Sie hatte Mark schlicht weg hinters Licht geführt. Ihr tat es nicht leid, dass sie Mark früher so mies behandelte hatte. Sie nutzte ihn doch nur aus. Vielleicht brauchte sie eine Pause von Matthew oder vielleicht lief es bei den beiden finanziell nicht so gut und sie hatten als Salene Mark wiedergetroffen hatte, einen Plan gemacht. Mir kamen noch hunderte solcher Gedanken doch eine Sache war klar: Salene war verheiratet, sie hatte einen Sohn und Mark wusste nicht das kleinste bisschen davon. Sollte ich ihm es sagen? Aber wie würde er reagieren und würde er mir überhaupt glauben? Er hielt doch ziemlich viel auf Salene. Was sollte ich denn überhaupt sagen? *Hallo Mark, ich habe gerader erfahren, dass deine Freundin, eigentlich Salene O’Donald heißt, demnach ist sie verheiratet und zusätzlich hat sie noch ein Kind.* So konnte ich ihm das unmöglich sagen.
Plötzlich hörte ich ein lautes Klopfen. "Lara? Bist du da?" Ich sprang erschrocken auf. Mark. Langsam ging ich zur Tür und öffnete. "Hey Lara, was ist denn los?", Mark grinste, "ich stehe bestimmt schon drei Minuten vor deiner Tür und klopfe." "Was, ich habe dich gar nicht gehört", antwortete ich ziemlich erstaunt. "Was hast du denn gemacht, dass du nichts mitbekommen hast?", wollte Mark wissen, "ich war immerhin ziemlich laut." "Ähm... ich war im Bad", sagte ich schnell. Ich fühlte mich ihm gegenüber wie ein Verräter, aber ich wusste nicht wie ich es Mark beibringen sollte. "Ach so", Mark setzte sich auf einen Stuhl und nahm mein Script in die Hand, "was wollen wir denn heute üben? Kannst du schon wieder was auswendig?" "Hm nee, lass mich noch mal den Monolog von gestern machen", schlug ich vor und versuchte die Gedanken rund um Salenes Lüge zu verdrängen. "Na dann fang an", Mark sah mich erwartungsvoll an. Ich versuchte mich an meinen Text zu erinnern und fing an ein paar Zeilen zu sprechen. Doch ich verhaspelte mich immer. "Hey leidest du unter Gedächtnisschwund?", unterbrach mich Mark nach einigen Minuten, "gestern konntest du das doch perfekt und heute hört sich das an als ob du dir den Text gerade mal drei, vier mal durchgelesen hättest." "Ich weiß auch nicht", ich lachte, "keine Ahnung... Ich fang noch mal an, okay?" "Okay, aber jetzt verlange ich volle Konzentration, Miss McKenzie!", Mark sah mich mit gespielt ernster Miene an. "Alles klar, Oberstudienrat Feehily", gab ich zurück und fing an den Text noch einmal von vorne zu sprechen. Doch es klappte nicht besser. Niedergeschlagen ließ ich mich aufs Bett sinken. "Ich glaube das klappt heute nicht", seufzte ich. Mark setzte sich neben mich. "Was ist denn los? So durcheinander wie heute, habe ich dich ja noch nie erlebt. Ist irgendwas passiert?", fragte er sanft. Ich schüttelte heftig den Kopf: "Nein, ich glaube ich bin nur total müde." Mark betrachtete mich einige Augenblicke. "Bist du sicher?", fragte er dann nach. Er kannte mich halt genauso gut, wie ich ihn und er merkte, wenn etwas nicht in Ordnung war. Doch ich konnte ihm es einfach nicht sagen. Schon alleine, weil er mir wahrscheinlich nicht glauben würde. Ich nickte also: "Ja, ich glaube es war heute ein bisschen zuviel für mich." Mark sah mich immer noch ein wenig ungläubig an, aber dann nickte er auch: "Dann legst du dich jetzt auf schnellsten Weg ins Bett und schläfst erst mal ordentlich, damit du morgen wieder fit bist." "Vielleicht ist das das Beste", meinte ich, "und morgen üben wir dann weiter." "In Ordnung. Dann schlaf gut, Lara", Mark nahm mich, wie gewohnt noch einmal kurz in den Arm, "oder brauchst du noch etwas? Soll ich dir noch einen Tee oder so bestellen?" "Nee, lass mal gut sein. Ich habe alles", lehnte ich ab. "Okay, dann wünsche ich dir noch mal ne gute Nacht", sagte Mark. "Wünsche ich dir auch", ich lächelte. Mark nickte mir noch mal zu und verließ das Zimmer. Ich lies mich erschöpft aufs Bett sinken. Meine Gedanken wanderten sofort wieder zu Salene und der Tatsache, dass sie Mark von vorne bis hinten vereimerte. Seufzend stand ich auf und ging ins Bad um mich bettfertig zu machen, dabei überlegte ich die ganze Zeit wie ich Mark darauf aufmerksam machen konnte, dass Salene eine Lügnerin war. Ich kam zu dem Schluss, dass ich erst einmal abwarten wollte, wie sich die Dinge entwickelten und dann weiter sehen wollte. Ich ging wieder in mein Zimmer und legte mich ins Bett. Ich war müde, nein ich fühlte mich sogar ziemlich schlapp. Ich wusste auch nicht wieso, doch zum Glück schlief ich schnell ein.
Am nächsten Morgen wachte ich mit dem Weckerklingeln auf. Ich fühlte mich unausgeschlafen, obwohl ich die ganze Nacht durchgeschlafen hatte, wenn auch ziemlich unruhig. Außerdem hatte ich ein wenig Schüttelfrost und mein Hals tat mir weh. Mir schien das Klima in Schottland nicht sonderlich zu bekommen. Am liebsten hätte ich mich, wieder umgedreht und weiter geschlafen, aber wir wollten heute weiter nach Edinburgh und ich wollte nicht, dass man auf mich warten musste. Also erhob ich mich schwerfällig und schlurfte ins Bad. Ein Blick in den Spiegel sagte mir, dass ich auch so aussah, wie ich mich fühlte. Hatte ich noch Zeit für eine kleine Dusche? Ich lief zurück zum Bett und sah auf den Wecker. Das war noch drin. Schnell stieg ich in die Duschkabine. Nach einigen Minuten stellte ich die Brause wieder ab und suchte nach einem Handtuch, dass ich um meinen ganzen Körper schlang. Mir war immer noch kalt und ich fröstelte. Schnell zog ich mir den hoteleigenen Bademantel an und suchte in meinem Koffer nach dem wärmsten Pullover den ich finden konnte und zog ihn mir zusammen mit meiner dicksten Jeans über. Doch ich fror immer noch. Vielleicht musste ich einfach nur einen heißen Kaffee trinken. Davon würde mir bestimmt warm werden und vielleicht ging ja auch mein Schlappheitsgefühl weg. Schnell packte ich meinen Koffer für die Weiterreise und ging dann hinunter zum Frühstück. Sie saßen schon alle da. Sogar Salene hatte sich bequemt heute mal früher aufzustehen. Ich würdigte sie keines Blickes, warf ein allgemeines *Hallo* in die Runde und lies mich dann auf den einzigen freien Platz zwischen Bryan und Gillian fallen. "Einen wunderschönen Guten Morgen, Lady McKenzie", Bryan grinste, "ich hoffe Sie haben gut geschlafen..." Ich warf Bryan ein schwaches Lächeln zu und nickte dem Ober, der mir eine Tasse mit Kaffee füllte, zu. Ich hatte heute einfach keinen Sinn für Bryans Witze. Ich fühlte mich einfach nur miserabel. Aber Bryan schien das nicht zu merken. Ich trank ziemlich schweigsam meinen Kaffee, während die anderen gutgelaunt eine Unterhaltung führten und lachten. Mir war immer noch so fürchterlich kalt. Plötzlich stupste mich Gillian sanft in die Seite. "Lara, ist alles in Ordnung? Du hast noch gar nichts gegessen...", bemerkte sie. "Nein, nein. Es ist alles okay. Ich fühle mich einfach nicht so gut und habe keinen Appetit", antwortete ich. "Bist du sicher?", Gillian sah mich besorgt an, "du siehst wirklich nicht so gut aus." "Es ist nur eine kleine Erkältung mehr nicht", versuchte ich sie zu beruhigen. Ich würde das bestimmt in den Griff bekommen. Ich war so selten krank, das kam bestimmt nur, weil ich in den letzten Tagen so viel unterwegs gewesen war. Ich hatte mich wahrscheinlich noch nicht ganz daran gewöhnt. Ich würde eine Vitamin C-Tablette schlucken und dann ging es mir bestimmt besser.
Ich schlang meine Arme um meinen Körper und starrte auf die Tür hinter der die fünf Jungs von Westlife seit über zwei Stunden verschwunden waren. Wir waren nach einer Aufzeichnung für eine TV in Edinburgh noch zu einem weiteren Interviewtermin gefahren. Mir war schon wieder so kalt und ich fühlte mich noch schlimmer als am Morgen. "Ist euch auch so kalt?", fragte ich Gillian, Georgina und Kerry, die mit mir warteten. Salene war diesmal im Tourbus geblieben. Aber das war mir sowieso sehr recht, weil mir jedes Mal wenn ich sie sah, das was Jane erzählt hatte, einfiel. Ich konnte es immer noch nicht fassen, was ich da erfahren hatte. Aber im Moment fühlte ich mich zu elend um mir darüber noch weitere Gedanken zu machen. Ich war immer noch so müde. "Kalt?", Georgina sah mich erstaunt an, "ich finde es echt warm hier drinne. Fast schon stickig." "Echt, mir ist wahnsinnig kalt", sagte ich und schüttelte mich. "Hm, das klingt aber nicht gut", Kerry sah mich besorgt an. "Ich weiß auch nicht", sagte ich und schüttelte mich schon wieder. "Kann das sein, dass deine kleine Erkältung doch nicht so klein ist", fragte Gillian. "Ach das geht morgen bestimmt wieder", wehrte ich ab, obwohl ich mir da nicht ganz sicher war. "Ich gehe jetzt auf jeden Fall mal gucken, ob ich hier nicht irgendwo einen Tee für dich finde, vielleicht geht es dir danach besser." Ich nickte. Wenige Minuten kam Georgina mit einem Plastikbecher, aus dem es dampfte, wieder. "Hier trink das, dann fühlst du dich bestimmt wieder etwas besser", meinte sie. "Danke, Gina", ich lächelte und nahm den Becher. Das heiße Getränk tat gut und mir wurde auch etwas wärmer, aber mein Schüttelfrost ging trotzdem nicht weg.
Etwas später waren die Lifer auch fertig und kamen aus den Studios. "Mal wieder ein bisschen Arbeit geschafft", rief Shane zufrieden, "und jetzt haben wir frei." Die anderen waren auch ziemlich gut gelaunt. Ich hätte mich gerne von ihrer guten Laune anstecken lassen, hätte mein Kopf nicht so gedröhnt. "Na los kommt, dann können wir uns heute für das Nachtleben in Edinburgh fertig machen", schlug Bryan vor, "es ist eine Ewigkeit her, dass wir so richtig feiern waren." Kerry, Georgina und Gillian standen auf und folgten den Lifern in Richtung Ausgang. Ich ging als letztes hinter her. Wieder im Bus suchte ich mir meine Jacke und kauerte mich auf ein Sofa. Ich schloss die Augen. Warum war mir immer noch so kalt? Der Bus war doch gut geheizt und warum dröhnte mein Kopf so? Es war so als würde er jeden Moment platzen. Ich sehnte mich nach einem warmen Bett. Ich wollte mich einfach nur hinlegen und ganz lange schlafen. Nur noch schlafen. "Lara?", jemand berührte mich an der Schulter. Matt öffnete ich meine Augen. Mark saß vor mir und sah mich besorgt an. "Georgina hat gesagt, du fühlst dich nicht besonders", wollte er wissen. "Hm", murmelte ich, "mir ist kalt." Ich spürte Marks Hand auf meiner Stirn. "Du bist ganz heiß", sagte er, "du hast Fieber." Ich antwortete nicht. Ich war einfach nur müde. Ich hörte Stimmengewirr um mich herum, doch ich konnte nicht ausmachen zu wem die einzelnen gehörten. Alles drehte sich auf einmal. Ich merkte nur noch, wie eine Decke über mir ausgebreitet wurde, dann war alles weg. Ich spürte nur noch diese unendliche Müdigkeit...
Ich stand am Rand eines Abgrunds und alles um mich herum schwankte.
Ich durfte keinen Schritt nach vorne machen, sonst würde ich in dieses
schreckliche schwarze Loch fallen. Wieder schwankte alles und ich stolperte.
Ich konnte mich nicht mehr halten und fiel...
Schweißgebadet fuhr ich aus dem Schlaf. Alles um mich war dunkel, aber
ich fiel nicht mehr. Wo war ich? Erschrocken sah ich mich um. Jemand strich
mir meine nassgeschwitzten Haarstränen aus dem Gesicht und ich hörte
eine vertraute Stimme: "Es war nur ein Traum. Es ist alles gut. Ich bin bei
dir. Versuch weiter zu schlafen." Ich hielt die Hand fest, die immer noch leicht
über meinen Kopf strich, fest. Wenig später hatte ich mich beruhigt
und schlief wieder ein.
Als ich das nächste Mal aufwachte war es schon hell. Es war so hell in dem Zimmer, dass ich blinzeln musst, als ich die Augen aufmachte. Das Dröhnen in meinem Kopf war verschwunden, aber ich fühlte mich immer noch sehr matt und schwach. Wo war ich eigentlich? Warum war ich nicht mehr im Bus? Ich drehte mich etwas zur Seite und sah Mark auf einer Couch neben dem Bett schlafen. Was machte er hier? War er die ganze Zeit bei mir gewesen? "Mark?", rief ich leise. Er brummte nur etwas und drehte sich etwas um, doch dann sprang er auf. "Lara? Ist was nicht in Ordnung?", er sah mich besorgt an. Ich musste lachen. "Doch mir geht schon besser, aber ich hoffe du hast ein paar Antworten für mich", sagte ich, "ich kann mich nämlich partout nicht mehr daran erinnern, wie ich gestern aus dem Bus und hier hingekommen bin. Ich weiß auch nicht was mit mir los war." "Also du weißt noch, dass es dir gestern nicht gut ging, oder?", Mark lies sich beruhigt auf meiner Bettkante nieder. Ich nickte: "Ich weiß auch nicht, wie das gekommen ist. Ich muss mich wohl in der letzten Woche erkältet haben." "Ja und im Bus musst du dann so eine Art Schwächeanfall gehabt haben. Auf jeden Fall sind wir dann sofort ins Hotel gefahren und ich habe dich dann auf das Zimmer hier gebracht. Wir sind überings im Park Hotel in Edinburgh." "Ach so, danke", ich fuhr mir durchs Gesicht, "und du warst die ganze Zeit hier bei mir?" "Ja, ich konnte dich in deinem Zustand doch nicht alleine lassen", antwortete Mark, "stell dir mal vor dir wäre es wieder schlechter gegangen. Außerdem habe ich mir Sorgen um dich gemacht. Dich haut doch so schnell nichts um, hm?" "Dachte ich eigentlich auch", ich lachte, "danke, dass du dir meinetwegen die Nacht um die Ohren geschlagen hast." "Das ist doch nicht der Rede wert, Lara", Mark schüttelte den Kopf, "ich bin dein bester Freund und der hat verdammt noch mal da zu sein, wenn es dir nicht gut geht und damit Ende der Diskussion. Ich gehe dir jetzt Frühstück holen und vor allen Dingen etwas zu trinken, womit du dann die Tabletten nehmen kannst, die mir Jake für dich gegeben hat."
Damit verschwand er im Vorzimmer und ich hörte, wie er etwas bestellte. Dann kam er wieder zu mir. "Frühstück kommt gleich", sagte er. "Was hat eigentlich Salene gesagt, dass du die ganze Nacht hier warst?", wollte ich wissen. Mark zuckte mit den Schultern: "Ich weiß nicht, aber es gibt doch keinen Grund eifersüchtig zu sein, oder?" Ich schüttelte den Kopf. "Eigentlich nicht." "Na siehst du", Mark lachte, "ich denke sie wird kein Problem damit haben." Ich war mir da nicht so sicher, aber ich schwieg. Es klopfte an der Tür. Ein Hotelangestellter brachte das Frühstück. Mark stand auf, nahm ihm das Tablett ab und trug es zum Bett. "So und jetzt wird erst mal gefrühstückt", ordnete er an, "was möchtest du auf deinen Toast?" "Mark, ich bin nicht mehr so krank, dass ich mir meinen Toast nicht alleine schmieren kann", kicherte ich. "Keine Widerrede. Du sollst dich heute ganz und gar ausruhen. Also was willst du?", Mark sah mich grinsend an. "Okay, ich gebe mich geschlagen. Käse", orderte ich. Ich sah zu wie er übertrieben fürsorglich zwei Scheiben Toast mit Butter bestrich und mir eine Tasse Tee eingoss. Diese reichte er mir dann zusammen mit einer Tablette. Ich schluckte die Tablette und trank dann ein paar Schlucke Tee. "Und was ist jetzt mit meinem Toast?", ich streckte meine freie Hand aus. "Mund auf", Mark hielt eine Scheibe etwas näher zu mir hin. "Mark ich bin kein Invalide", lachte ich. "Jetzt lass mir doch auch mal ein bisschen Spaß", Mark schob gespielt beleidigt seine Unterlippe vor, "lass mich doch mal Krankenpfleger spielen." "Okay, aber nur dir zu liebe", sagte ich. "Okay einen Bissen für die Lara", Mark hielt mir den Toast hin. Ich nahm einen Bissen. "Hm, vorzüglich", ich schloss genießerisch die Augen, "ich glaube ich bin jetzt öfters krank, wenn du mich immer so verwöhnst." "Na ja heute hast du ja auch noch strenge Bettruhe", sagte Mark, "du sollst dich noch ausruhen bevor wir morgen wieder weiter fahren." Ich nickte. "Ich muss gleich zu einem Termin. Aber der erste ist hier im Hotel. Wir haben so ein Meet and Greet. Und bevor wir heute Nachmittag zu der TV-Show fahren gucke ich noch mal bei dir vorbei und wenn es dir wieder schlechter geht, dann rufst du mich sofort an, okay?", Mark sah mich an. "Klar, mache ich, Papa", versprach ich. "Braves Kind", Mark grinste, "so ich muss jetzt leider los. Ich glaube Kerry, Gina und Gillian wollten dir währenddessen ein bisschen Gesellschaft leisten. Du weißt also, wenn es gleich an der Tür klopft wer das ist." Ich nickte. "Wir sehen uns dann nachher", Mark lächelte mich an, "werde mir bloß schnell wieder gesund." "Ich versuche es, aber mir geht es dank deiner brillanten Pflegertechnik ja schon viel besser", meinte ich, "bis später." Mark winkte mir noch mal zu und verließ das Zimmer. Ich sah ihm nach. Er war so lieb und er hatte sich richtig Mühe gegeben, dass es mir wieder besser ging. Mark war einfach toll. Salene hatte ihn einfach nicht verdient. Ich musste wieder lachen, als ich daran dachte, wie Mark mich gefüttert hatte. Es war einfach unglaublich, wie er mich immer zu Lachen brachte. Besonders, weil man diese Eigenschaft nicht unbedingt von Mark erwartete. Plötzlich klopfte es an der Tür. "Das ging aber schnell", murmelte ich vor mich hin, stand ganz vorsichtig auf und ging zur Tür. Meine Beine waren immer noch ein bisschen wackelig, aber ich konnte recht gut laufen. Ich öffnete, doch wider Erwartens stand vor mir weder Kerry, Georgina noch Gillian. Es war Salene, die mich böse anfunkelte. Sie stürmte sofort in mein Zimmer. "Du", fauchte sie. Ich sah sie irritiert an. "Du hinterhältige kleine Schlampe", zischte sie. "Könnest du mir mal sagen, was los ist?", fragte ich und ging wieder in Richtung Bett. Alles machte mein Kreislauf doch noch nicht mit. "Was los ist? Du mit deinem Theater. Krank spielen, ha ha, da fällt doch kein Mensch darauf rein", Salene baute sich vor mir auf, "du hast es doch nur auf Mark abgesehen." Soviel also zu dem Punkt Salene hätte kein Problem damit, dass Mark sich um mich gekümmert hatte. "Ich bin zwar Theaterschülerin, aber so gut bin ich dann doch noch nicht, dass ich einen Zusammenbruch vorspielen kann", ich sah sie verächtlich an, mir kamen sofort wieder alle Erinnerungen an das Telefonat mit Jane ins Gedächniss zurück, "Mark ist mein bester Freund und er hat sich um mich gekümmert." "Das mit dem besten Freund ist doch nur Ausrede. Du bist doch schon immer scharf auf Mark gewesen. Und weil er kein Interesse an dir hat, musst du auf diese billigen Tricks zurück greifen", Salene sah mich hochnäsig an. "Salene, ich bitte dich", ich sah sie genervt an, "selbst wenn es so wäre, ich hätte solche dämlichen Trick nicht nötig. Ich nicht!" Sie war doch so lächerlich. "Was meinst du damit?", Salene sah mich aufgebracht an. "Was denn?", ich sah sie unschuldig an. "Ach nichts, aber lass dir gesagt sein, Mark gehört mir und er will mich. Du hast keine Chance", Salene warf mir noch einen letzten vernichtenden Blick zu und verließ dann erhobenen Hauptes mein Zimmer. Ich ließ mich aufs Bett zurück sinken und stöhnte. Na wunderbar, jetzt hatte sie ja wenigstens ihr wahres Gesicht gezeigt. Ich hatte ihre Taktik Mark ganz auf sich zu polen gestört und jetzt unterstellte sie mir, dass ich in meinen besten Freund verliebt wäre. Ich zog wieder die Bettdecke über mich und machte den Fernseher an und schüttelte den Kopf. Mark war mein bester Freund, schon ewig. Ich und Mark? Natürlich war das alles ausgedachter Quatsch von Miss Supertoll Davids. Warum machte ich mir um ihr Gequatsche eigentlich so einen Kopf? Sie war sauer, dass Mark auf einmal nicht mehr alles tat um sie zufrieden zu stimmen und da hatte sie halt etwas dagegen tun müssen.
"Lara, was guckst du denn da?" Ich schreckte auf. Vor mir standen Gillian und Kerry. "Was?", ich sah sie irritiert an, dann fiel mein Blick auf den Fernseher, wo gerade ein Shopping Kanal lief, "Ich weiß auch nicht, eigentlich war ich in Gedanken." "Ach so", Gillian setzte sich zu mir aufs Bett, "sag mal warum ist eigentlich deine Zimmertür offen? Hier kann jeder einfach so rein marschieren." Ich musste lachen. "Ich hatte, kurz nachdem Mark mit den Jungs losgezogen ist, Besuch", erklärte ich Kerry und Gillian, die mich verständnislos ansahen. "Salene ist gekommen um mich zu beschimpfen und zu verdächtigen sonst was mit ihrem Schatz gemacht zu haben", erzählte ich ihnen von Salenes Besuch, "ach ja und angeblich bin ich gar nicht krank, sondern spiele das alles nur um Mark rum zu bekommen." Kerry lachte: "Ach du meine Güte, die ist doch nicht mehr ganz richtig. Wahrscheinlich war Mark froh, dass er mal ne Nacht nicht bei ihr schlafen musste." Gillian lachte. "Ich habe mich eher gewundert, weil er ihr doch sonst jeden Wunsch von den Augen abliest", sagte ich ehrlich. Mich hatte es wirklich gewundert, dass Mark plötzlich nicht auf Salene gehört hatte und bei mir geblieben war. "Hey, das war auch mal bitter nötig, dass er nicht alles macht was ihr gefällt. Ihm sind auch noch andere Dinge beziehungsweise Menschen wichtig. Zum Beispiel seine kranke, beste Freundin", Gillian lächelte mich an, "wie geht es dir eigentlich?" "Es geht wieder", antwortete ich, "zumindestens dreht sich nicht mehr alles und mein Kopf explodiert nicht mehr ständig. Ich fühle mich nur noch ein bisschen schlapp." "Das ist gut zu hören, wir haben uns alle Sorgen um dich gemacht", sagte Kerry, "und als du dann fast zusammengebrochen bist hast du und einen richtigen Schreck eingejagt." "Aber besonders Mark. Er hat sich die ganze Zeit echt rührend um dich gekümmert und dich dann zu guter Letzt ins Hotelzimmer getragen", erzählte Gillian mir. "Und was hat Salene gemacht? So wie die mich eben angefahren hat, muss die ja echt sauer gewesen sein", kicherte ich. "Na ja, als Mark dann länger als ne Stunde bei dir war, wollte sie immer auch ins Zimmer und ihn daraus holen oder sonst irgendwas", lachte Kerry, "das war echt lustig. Sie hat zum ersten Mal nicht die Beachtung von ihm bekommen, die sie immer haben will. Das muss sie echt gekränkt haben. Und außerdem war Mark mit einer anderen zusammen. Tragisch, tragisch." "Sehr witzig", ich schüttelte meinen Kopf, "von zusammen sein kann ist nicht die Rede. Mark hat sich um mich gekümmert. Ich hätte das auch für ihn getan. Wenn Salene das nicht kapiert, ist das ihr Problem." Mark und ich waren doch nur Freunde, was fing Kerry jetzt auch schon mit zusammen sein an? Ich konnte nicht weiter darüber nachgrübeln, denn es klopfte an der Tür. "Ich geh’ schon", sagte Gillian und lief zur Tür. Sie kam mit Georgina im Schlepptau wieder. "Hallo. Na Lara, geht’s dir besser?", sie lächelte und stellte mir eine Kanne auf den Nachttisch, "frischer Tee." "Danke", sagte ich. "Und sind unsere Jungs fleißig am arbeiten?", erkundigte Gillian sich bei Georgina. "Arbeiten ist übertrieben. Sie machen gerade ein paar Fans glücklich. Es ist so süß zu sehen, wie sehr die Fans strahlen, wenn sie den Jungs gegenüberstehen", Gina grinste. "Ist doch schön und was machen wir jetzt?", wollte Kerry wissen. "Also ich bin mal dafür, dass wir Lara ein bisschen anständiges Fernsehen bebringen. Nicht dass sie noch mal diese peinlichen Homeshoppingsender guckt", Gillian grinste und griff nach der Fernbedienung. Georgina guckte ein bisschen irritiert. "Lara hat vorhin nämlich hochinteressiert Homeshopping Europe geguckt", erklärte Kerry ihr lachen. "Mrs McFadden, wenn ich mein Kopfkissen nicht für meinen Kopf bräuchte, dann würde ich dich jetzt damit wegen Tatsachenverdrehung bewerfen", grinste ich und an Georgina gewandt, "glaub ihr kein Wort. Ich war in Gedanken und hab irgendwas gesehen." "Ja, ja das kann man immer sagen", meinte Gillian lachend. Ich schüttelte nur meinen Kopf und trank einen Schluck Tee.
Der Vormittag wurde noch sehr lustig, da ich mich mit den Mädels
einfach gut verstand. Kurz vor Mittag kam Mark dann auch wieder. "Na, wie geht
es meiner Kranken ohne ihren Pfleger?", wollte er lachend wissen. "Ich habe
es ausgehalten", entgegnete ich, "aber es war hart." "Na ja, jetzt bin ich wieder
bei dir", Mark lächelte. "Wie war das Meet and Greet?", fragte ich, "Georgina
hat erzählt, dass die Fans sehr glücklich waren?” "Ich hoffe doch.
Wir haben jedenfalls getan was wir konnten. Wir haben uns mit den Fans unterhalten,
wir haben Fotos gemacht, Autogramme geschrieben. Aber die Fans waren auch echt
nett. Sie waren nicht solche von der total hysterischen Sorte, die wenn sie
uns sehen sofort anfangen zu kreischen. Eigentlich total lieb", Mark lächelte
und schilderte mir einzelne Beispiele. Während er sprach, sah ich ihn an.
Ich liebte seine Mimik, sein Lächeln und seine blauen Augen, die aufleuchteten,
als er ein besonders lustiges Detail des Meet and Greets zum Besten gab. Moment
mal? Ich liebte?! Verwirrt sah verzog ich mein Gesicht. Mark bemerkte es natürlich:
"Lara, was ist? Geht’s dir wieder schlechter?" "Nee, ist alles in Ordnung. Mir
ist gerade nur so ein Gedanke gekommen", sagte ich, "erzähl ruhig weiter.
Bryan hat mal wieder den Clown für alle gespielt?" Mark nickte und fuhr
fort. Ich versuchte mich drauf zu konzentrieren, was er sagte, aber mir schoss
immer wieder dieser Gedanke in den Kopf. Wie kam ich darauf lieben im Bezug
auf Mark zu verwenden? Mark und ich waren doch Freunde. Ich konnte mir nicht
vorstellen, dass es ihn nicht in meinem Leben gab, aber wieso machte ich mir
jetzt Gedanken über etwas was weitaus mehr bedeutete? Ich wusste es nicht.
Wahrscheinlich lag mir immer noch Salenes Störung im Magen und ich überlegte
mir wie sie auf ihre mehr oder weniger hirnrissige Idee kam. Ich musste diesen
Vorfall vergessen, sonst kam ich auch noch wirrere Gedanken. Mark und ich waren
Freunde. Beste Freunde schon seit immer und ewig, aber nicht mehr. Ich wandte
mich an Mark: "Sag mal, wo müsst ihr gleich nochmal hin?" "Also wir haben
so eine Aufzeichnung für eine TV-Show. Wir werden ein paar Fragen beantworten
und noch *Hey Whatever* singen, wenn ich mich recht erinnere", erklärte
Mark, "und dann haben wir frei. Aber ich denke, dass sich das alles ziemlich
lange hinziehen wird. Doch wenn wir fertig sind, dann komme ich auf jeden Fall
noch mal zu dir." Ich lächelte: "Meinst du denn, dass Salene keinen Aufstand
macht, wenn du wieder zu mir gehst. Sie war vorhin schon hier und hat mich angefaucht!"
Ich verschwieg ihm ihre Unterstellungen. Es war schon dämlich genug, dass
ich mir darüber Gedanken machte. Mark sollte das nicht auch noch tun. "Was?",
Mark sah mich erstaunt an, "sie war vorhin zwar etwas sauer, aber dann war sie
verständnisvoll." "Also als sie hier war, war das ein bisschen anders",
erzählte ich ihm. "Das hat sie bestimmt nicht so gemeint", sagte Mark.
Oh doch, sie hatte es so gemeint. Ich wurde wütend. Merkt Mark denn nicht,
was seine sogenannte Freundin für ein mieses Spiel spielte?! Nein, er konnte
es nicht wissen. Einmal weil er nicht meine Hintergrundinformationen hatte und
zweitens weil er in Salene verliebt war. "Hey", Mark merkte, dass ich mich ein
bisschen abwandte, "soll ich noch mal mit ihr reden? Ich weiß ja, dass
ihr nicht die besten Freunde seid, aber bisher seid ihr doch einiger Maßen
miteinander ausgekommen..." "Wenn du meinst", sagte ich immer noch etwas unwillig.
Ich wollte ihm nicht zustimmen, weil ich Salene wirklich nicht leiden konnte.
Nachdem was ich über sie wusste schon gar nicht. Warum konnte Mark nicht
liebe, nette Freundin haben, so wie die anderen Guys auch? Auch wenn ich manchmal
etwas schwierig war, ich kam mit fast allen Menschen gut aus. Warum musste er
mit dieser Ziege zusammen sein? Ich drehte mich weg. "Lara?", Mark berührte
mich leicht an der Schulter, "habe ich was Falsches gesagt?" Ich zögerte
eine Minute, dann drehte ich mich wieder zu Mark. "Nein, ist schon in Ordnung.
Aber ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, dass ich hier bin", sagte
ich leise. "Lara, langsam wird es lächerlich... Wie oft habe ich dir jetzt
schon gesagt, dass ich froh bin, dass du hier bist?", Mark sah mich eindringlich
an, "oder habe ich mich dir gegenüber irgendwie daneben benommen? Dann
musst du es mir aber auch sagen." "Du nicht!", antwortete ich, "ich weiß,
dass du Salene sehr magst und du weißt, dass ich sie nicht ausstehen kann
und sie mir täglich einen neuen Grund gibt sie noch weniger zu mögen.
Ich will dir keine Probleme machen, weil sie sich beschwert, dass du die ganze
Nacht bei mir warst." "Sie meinte, sie hätte das missverstanden. Sie ist
nicht mehr sauer", wiederholte Mark. "Ach nein? Und warum beschuldigt sie mich
dann, dass ich dich ihr ausspannen würde?", gab ich zurück ohne an
meinen Vorsatz, Mark nichts von ihren Unterstellungen zu erzählen, zu denken.
"Sie ist halt etwas eifersüchtig. Das ist doch normal. Guck mal was würdest
du sagen, wenn wir beide zusammen wären und ich wäre die ganze Nacht
bei jemand anderen gewesen", versuchte Mark mich zu beruhigen. Jedoch erreichte
er damit genau das Gegenteil. Warum fing er jetzt auch mit dem Mist von mir
und ihm an? Und warum musste er Salene die ganze Zeit in Schutz nehmen? Ich
verstand es einfach nicht. "Ich weiß, wann ich jemanden vertrauen kann.
Sie anscheinend nicht!", brummte ich. "Komm sei nicht sauer", Mark sah mich
bittend an, "ich hasse es, wenn wir uns streiten beziehungsweise kurz davor
sind. Ich möchte wirklich gerne, dass du hier bist. Und mit Salene bekommen
wir auch irgendwie hin." Ich seufzte. Warum konnte ich Mark eigentlich nicht
böse sein, wenn er mich so ansah, wie er es in diesem Moment tat? "Ist
schon okay!", ich lenkte ich ein, "ich will mich auch nicht mit dir streiten."
"Na dann komm her", Mark umarmte mich, "ich rede noch mal mit Salene, okay?"
Für einen Moment hielt er mich fest. Und ich ihn. Ich konnte ihn ganz nah
bei mir spüren. Konnte sein Aftershave riechen. Es fühlte sich alles
so gut an und ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn dieser Moment für
immer geblieben wäre. Natürlich war es nicht so. Augenblicke später
ließen wir uns wieder los. Mark lächelte. "Bist du noch sauer?",
fragte er vorsichtig. Ich schüttelte den Kopf. Was sollte ich auch anderes
machen?! Natürlich fand ich es nicht gut, dass er Salene so anhimmelte
und ich war auch immer noch wütend, dass er sie in Schutz nahm, aber da
war auch noch etwas anderes. Das hatte nichts mit Salene zu tun oder damit dass
Mark sich für sie einsetzte. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich
mich Mark gegenüber anders verhalten hatte und es immer noch tat. Ich war
plötzlich so unsicher und wusste nicht, was ich als nächstes machen
sollte. Außerdem schlug mein Herz laut. So laut, dass ich glaubte Mark
müsste es auch hören. Ich war so in Gedanken, dass ich gar nicht merkte,
dass Mark mich ansprach. "Hey Lara, bist du schon wieder am träumen, oder
bist du vielleicht doch sauer auf mich?", er wedelte mit einer Hand vor meinem
Gesicht herum. "Was?", ich sah ihn leicht erschrocken an. Mark lachte: "Total
in Gedanken. Okay, noch einmal zum Mitschreiben: Ich wollte wissen, ob du was
essen möchtest? Ich habe noch ein bisschen Zeit und könnte dir was
holen." "Nein, ich habe noch nicht sonderlich Appetit", lehnte ich ab, "aber
trotzdem danke." Ich würde jetzt bestimmt nichts herunter bekommen, nicht
solange ich diese wirren Gedanken im Kopf hatte. "Möchtest du sonst irgendwas
haben?", fragte Mark weiter, "soll ich dir was zum Lesen holen?" Ich lächelte
wieder und schüttelte den Kopf: "Ich hab doch noch mein Script. Das wird
mich schon auf Trab halten." "Ach ja, wenn du wieder ganz gesund bist, dann
üben wir auch wieder zusammen, okay? Mir fängt das langsam auch an
Spaß zu machen", meinte Mark. "Echt?", ich sah ihn erstaunt an. "Ja, wirklich.
Theater ist so anders als Singen", sagte er. "Es gibt aber so viele Stücke,
die viel interessanter und besser zu spielen sind...", warf ich ein. "Da bist
du die Expertin", grinste er. Wir redeten noch eine Weile, doch bald musste
Mark los. "Ich schau später noch mal rein, okay?", meinte er. "Du musst
nicht die ganze Zeit meinen persönlichen Krankenpfleger spielen", antwortete
ich. "Ich will aber", Mark sah mich wie ein trotziges Kind an. "Na gut, dann
will ich dich mal nicht davon abhalten. Ganz nebenbei freue ich mich natürlich
auch darüber", ich lächelte. "So was hört man immer gerne", Mark
grinste, "mach’s gut und wenn was ist verlange ich von dir, dass du mich anrufst."
"Geht in Ordnung", ich nickte. "Dann bis später", er nahm mich kurz in
den Arm und verließ dann das Zimmer. Ich sah ihm nach. Auch als er bestimmt
schon zehn Minuten weg war starrte ich immer noch auf den Fleck, wo er eben
noch gewesen war. Mein Herz klopfte schon wieder wie verrückt. Was war
nur mit mir los? Solche Symptome hatte man doch nur, wenn man in jemanden verliebt
war!!!
Und ich war doch nicht in Mark verliebt. Das konnte gar nicht sein. Wir waren
beste Freunde schon ewig und nie hatte ich mich in ihn verliebt oder er sich
in mich. Dafür kannten wir uns doch viel zu gut. Ich stöhnte und ließ
mich zurück in die Kissen fallen. Ich war bestimmt noch nicht ganz gesund,
woher konnten sonst diese Hirngespinste kommen?
Am nächsten Morgen war ich soweit wieder fit, dass ich aufstehen konnte und die Lifer wieder voll begleiten konnte. An diesem Tag sollte es wieder nach England gehen und zwar in den Süden, wo Westlife einige Autogrammstunden und Interviews hatten. Ich hatte gerade meine Sachen zusammen gepackt, als es an meiner Tür klopfte. Ich öffnete und blickte in Marks strahlendes Gesicht. "Guten Morgen, na wie geht es meiner Patientin heute?", fragte er. "Den Umständen entsprechend", antwortete ich und lächelte ihn an, "aber ich fühle mich im Stande den Tag zu überleben." "Das ist gut. Schön, dass es dir wieder besser geht. Aber wenn ich es mir überlege war es gar nicht so übel für dich den Krankenpfleger zu spielen", sagte er und sah mich wieder mit seinem umwerfenden Lächeln, dass mir einen leichten Schauer über den Rücken jagte, an. Schnell sah ich zu Boden. Was war denn nun schon wieder mit mir los? Konnte ich mich nicht einfach normal verhalten? Wie immer. Ich riss mich zusammen, atmete tief aus und grinste Mark dann an. "Ich habe deine Pflege auch sehr genossen. Ich könnte mir mal überlegen, ob ich dich nicht fest anstellen soll. Wenn ich mal krank werde, dann hätte ich immer jemanden", sagte ich. "Ich überleg es mir, okay? Aber erst gehen wir jetzt zusammen frühstücken", schlug Mark vor. "Gute Idee, ich habe riesigen Hunger", sagte ich und zusammen gingen wir zum Speisesaal des Hotels. Dort wurden wir schon von den anderen empfangen. "Na kommt ihr auch mal endlich?", Bryan grinste uns entgegen, "Mark hat gesagt er geht dich kurz holen und dann bleibt ihr stundenlang weg." Ich sah aus den Augenwinkeln, wie Salene ihr Gesicht grimmig verzog. "McFadden, du übertreibst maßlos", Mark schüttelte den Kopf, "mir wird es wohl gestattet sein mich mit meiner besten Freundin etwas länger außerhalb eurer Obhut zu unterhalten." "Jetzt setzt euch erst mal", Kian zeigte auf zwei leere Stühle, "schön, dass es dir wieder besser geht Lara." "Das stimmt", Shane nickte, "du hast uns allen einen ganz schönen Schrecken eingejagt, als du da so zusammengeklappt bist." "Ich gebe mir Mühe, dass ich in Zukunft eure Nerven etwas schonen werde", lachte ich, "mir geht es ja auf jeden Fall wieder besser. Ich habe heute sogar richtig Appetit." "Das hört sich ja sehr gut an", Shane lachte, "du bist auf dem besten Wege wieder gesund zu werden." "Das hoffe ich doch. So schön Mark mich gepflegt hat, die ganze Zeit im Bett zu liegen ist doch nichts", sagte ich. "Das meine ich auch. Mark hat auch gar keine Zeit sich ewig um kranke Leute zu kümmern, nicht wahr mein Schatz?", Salene legte Mark eine Hand auf sein Knie und sah mich herausfordernd an. "Hey Sal, ganz ruhig. Erstens habe ich mich nicht ewig um Lara gekümmert und zweitens war es selbstverständlich, weil sie meine Freundin ist, meine beste Freundin. Versteh das doch", Mark griff nach ihrer Hand. Ich musste lächeln. Salene hatte Mark doch nicht mehr so im Griff, wie sie das gerne gehabt hätte. Salene presste die Lippen zusammen und griff nach ihrer Tasse. Man konnte sehen, wie sie kochte. Ich sah Mark an. Er schien nicht zerknirscht zu sein oder so. Er unterhielt sich schon wieder angeregt mit Nicky. Er sah kurz auf und lächelte mir zu. Ich lächelte zurück. Und da war es schon wieder dieses Herzklopfen. Hastig, als könnte es irgendjemand hören, beugte ich mich wieder über meinen Teller.
Einige Tage später, wir waren bei einer TV-Aufzeichnung, wo Westlife einige Songs ihres Album performten. Ich saß mit Gillian, Georgina, Kerry und auch Salene hinter der Bühne und sah mir alles auf einem Bildschirm an. Die Lifer sangen gerade *Hey Whatever*. "Der Song ist einfach genial", ich wandte mich an die anderen. "Absolut", Georgina bewegte sich etwas im Takt der Musik. Kerry und Gillian stimmten ihr zu. Salene sagte gar nichts. Sie gähnte nur und tat sehr gelangweilt. Wieder spürte ich meine Abneigung für sie. Ich hätte ihr gerne meine Meinung über ihr Spielchen und Mark gesagt, aber irgendwie war das hier nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Also riss mich etwas zusammen und sah wieder auf den Bildschirm. Es wurde gerade eine Großaufnahme von Marks Gesicht, als er seinen Part sang, gezeigt. Mir lief wieder ein kleiner Schauer über den Rücken, obwohl das hier doch nur ein Bildschirm war und ich verfolgte jede einzelne Bewegung von Mark. Ich konnte meinen Blick einfach nicht von dem Schirm wenden. Er sah so gut aus und sein Lächeln. Plötzlich schreckte ich zusammen, als mir bewusst wurde, dass ich die ganze Zeit, wie hypnotisiert auf den Bildschirm gestarrt haben musste. Hoffentlich hatten die anderen und vor allen Dingen Salene nichts mitbekommen. Schnell stand ich auf und sagte: "Ich gehe mir kurz einen Kaffee holen, möchte noch jemand etwas?" Kerry, Georgina und Gillian verneinten. Salene beachtete mich nicht mal. Also verließ ich schnell den Raum. Auf dem Flur lehnte ich mich erst mal gegen eine Wand und atmete tief durch. Meine Hände zitterten immer noch ein wenig. Ich musste mein Verhalten endlich in den Griff bekommen. Warum spielte bei mir auf einmal alles im Bezug auf Mark verrückt? Solche Symptome hatte man doch wirklich nur, wenn man verliebt war und ich war doch nicht in Mark verliebt?! Wir waren doch schon ewig Freunde. Da konnte man sich doch nicht einfach verlieben. Schnell ging ich zum Automaten und zog mir einen Kaffee. Ich sollte mir nicht so viele Gedanken darüber machen. Ich trank einen Schluck von dem heißen Getränk und machte mich langsam wieder auf den Weg zu dem Raum.
"Da ist ja auch die Letzte", klang es mir entgegen, als ich die Tür öffnete und mit meinem Kaffee in der Hand eintrat. Nicky grinste mir entgegen. "Wir sind fertig und können jetzt weiter fahren", sagte er. Wir machten uns alle auf den Weg in Richtung Ausgang. Auf halben Weg hackte sich Gillian bei mir ein. "Na du, geht’s wieder?", fragte sie mich. "Was meinst du?", ich sah sie verwirrt an. "Na ja, du bist ja eben bestimmt nicht rausgegangen, weil du so unheimliche Lust auf Automatenkaffee hattest, oder?", Gillian grinste. "Ich hatte wirklich Durst", entgegnete ich. "Aber das ist doch nicht der wirkliche Grund oder?", Gillian sah mich an, "du hast dir eben ziemlich intensiv die Performance angesehen." "Ich hab doch gesagt, dass ich *Hey Whatever* mag", antwortete ich, obwohl ich genau wusste, worauf sie hinaus wollte. "Komm Lara", Gillian lächelte, "ich habe gemerkt, dass du bei Mark regelrecht am Bildschirm geklebt hast. Du magst ihn, hm?" "Natürlich er ist ja auch mein bester Freund, warum sollte ich ihn nicht mögen?", mir wurde dieses Gespräch langsam unangenehm. "Das meine ich nicht. Ich habe deinen Blick gesehen, mit dem du Mark angesehen hast. Das war etwas anderes als nur freundschaftlich", widersprach Gillian. "Komm Gillian, was soll das hier werden?", ich lachte, "fängst du jetzt auch schon an wie Salene Gespenster zu sehen. Mark und ich sind Freunde, aber mehr nicht. Warum muss ich da jedem neu erklären?" Gillian lächelte: "Musst du nicht. Ich wollte dich nur darauf ansprechen." "Okay, aber zwischen Mark und mir ist echt nichts außer Freundschaft. Außerdem ist er doch sowieso mit Salene zusammen", sagte ich. "Auch wieder wahr", Gillian lachte, "aber du würdest besser zu ihm passen, als diese Kuh..." "Gillian Walsh bzw. bald Filan könntest du die Güte haben jetzt deine Klappe zu halten", ich sah sie gespielt ärgerlich an. "Bin ja schon ruhig", grinste. Wir sahen uns um. "Wo sind die anderen?", wollte ich erstaunt wissen. "Irgendwie weg. Hoffentlich fahren die nicht ohne uns", Gillian nahm mich beim Arm, "komm wir beeilen uns." "Als ob Shane dich zurück lassen würde", ich schüttelte lachend den Kopf, "das würde er doch gar nicht überleben." Trotzdem beeilten wir uns.
"Da seid ihr ja endlich!", Shane stand in der offenen Tür und sah uns entgegen, "wo wart ihr denn, wir warten seit zehn Minuten auf euch." "Wir hatten noch was zu besprechen, Darling", Gillian gab Shane einen Kuss auf die Wange. "Darf man auch fragen was?", Shane sah uns neugierig an. Ich sah zu Gillian und sie sah zurück zu mir. "Frauensachen", sagten wir beide aus einem Mund. "Oh da will ich mal lieber nicht mehr nachfragen", Shane lachte, "kommt jetzt endlich rein, damit wir weiter fahren können. Wir müssen jetzt zu einer Autogrammstunde." Wir gingen zu den anderen, die sich schon in der gemütlichen Sitzecke im hintern Teil des Bus bequemgemacht hatten. Nur Mark und Salene fehlten. Ich versuchte es zu ignorieren und beteiligte mich am Gespräch der anderen, aber ich konnte mir nicht helfen mich störte ihre Abwesenheit. Bestimmt waren sie oben im Bus und... Was machte ich mir da Gedanken drüber? Es war doch ihre Sache. Ich versuchte mich zusammen zu reißen und wandte mich Nicky zu, der mir irgendetwas erzählte. Doch immer wieder wanderten meine Gedanken woanders hin. Schließlich stand ich auf und ging in Richtung Toilette. Ich musste einfach ein paar Minuten alleine sein. So schlüpfte ich schnell in die Minikabine und ließ mich auf dem Klodeckel nieder. Ich stützte meinen Kopf in die Hände. Was war nur los mit mir? Warum spielte ich denn so verrückt? Es war doch eigentlich nichts. Warum verhielt ich mich dann so? Vielleicht lag es auch an dem Gespräch mit Gillian. Warum redete plötzlich alle Welt von Mark und mir. Wir waren doch ewig Freunde und jeder hatte das akzeptiert. Warum kamen jetzt alle mit den Unterstellungen ich wäre in Mark verliebt oder wir wären ein tolles Paar. Schluss. Ich fuhr mir mit den Fingern über die Augen. Ich würde mich ab jetzt normal verhalten. Und nur noch normal. Ich würde mir keine Gedanken mehr machen. Ich atmete noch einmal tief durch, trat aus der Toilette und wollte wieder zurück zu den anderen in die Sitzecke. Doch plötzlich entdeckte ich etwas. In einer Ecke etwas hinter einem Vorhang verborgen, standen Mark und Salene und küssten sich zärtlich. Ich sah wir Mark liebevoll mit seinen Fingern über ihren Rücken fuhr.
Auf Zehenspitzen kehrte ich schnell wieder in die Toilette zurück.
Immer darauf bedacht, dass die beiden nicht auf mich aufmerksam wurden. Ich
hätte Salenes triumphierendes Grinsen nicht ertragen. Langsam schloss ich
die Toilettentür wieder und ließ mich auf den Klodeckel fallen. Immer
wieder sah ich das Bild vor mir. Mark, der sanft seine Arme um Salene gelegt
hatte und anscheinend nichts wahrnahm... In diesem Moment wurde es mir plötzlich
klar. Auf einen Schlag konnte ich mein Verhalten der letzten Tage deuten. Ich
konnte mir meine Gefühle erklären, denn ich wünschte mir in diesem
Moment nichts mehr als an Salenes Stelle in Marks Armen zu sein. Ich war, so
absurd das klang, in meinen besten Freund verliebt. In Mark. Ich wusste nicht
wann es passiert war, geschweige denn wieso. Ich wusste schlicht und einfach,
dass es so war. Aber wie sollte es weiter gehen? Ich konnte wohl schlecht rausgehen,
ihn von Salene wegzerren und ihm sagen, dass ich mich in ihn verliebt hätte.
Ich schüttelte den Kopf. Nein, erstens hätte ich dazu nie im Leben
den Mut gehabt. Außerdem war er mit Salene zusammen, auch wenn sie ihn
anscheinend vereimerte. Und dazu kam noch, dass Mark und ich schon seit Ewigkeiten
beste Freunde waren. Würden meine Gefühle nicht alles zerstören?
Sollte ich nicht einfach versuchen alles zu vergessen und so tun also ob nichts
wäre? Sicher das wäre das einfachste gewesen, aber ich spürte,
dass es dafür längst zu spät war. Gefühle kann man nicht
einfach abstellen wie einen Wasserhahn und meine erst recht nicht. Aber ich
konnte es ihm nicht sagen. Nicht jetzt. Ich musste wohl oder übel tun,
als ob nichts wäre. Jedenfalls im Moment.
Plötzlich klopfte es an der Toilettentür. "Wer ist denn da solange
auf dem Klo? Ich muss ganz dringend", rief Kian. Ich atmete noch ein mal tief
durch, betätigte dann die Klospülung um nicht irgendwelchen Verdacht
zu erregen und öffnete die Tür. "Na endlich", Kian drängelte
dich an mir vorbei in die Toilette. Ich machte mich entgültig auf den Weg
zurück zu den anderen und hoffte, dass Mark und Salene noch nicht bei den
anderen saßen. Doch sie hatten sich schon zu den anderen gesellt. Salene
saß auf Marks Schoß und hatte ihre Arme um seinen Hals geschlungen.
Ich versuchte es so gut es ging zu ignorieren und setzte mich dazu. "Na hattest
du irgendwelche Probleme mit deinem Unterleib?", Bryan grinste mich an. "Du
bist nicht irgendwie neugierig, Bryan?", ich grinste ebenfalls an. "Wie kommst
du denn darauf?", Bryan machte ein unschuldiges Gesicht. Ich verdrehte meine
Augen. Bryan und seine Kommentare. Aber wenigstens lenkte mich das Gespräch
etwas von Salene und Mark ab. Zwar saßen die beiden nicht mehr total versunken
ineinander da, aber es versetzte mir trotzdem einen Stich die beiden so zu sehen.
"Das war jetzt perfekt", Mark klatschte, "die Szene hast du textlich jetzt total gut drauf." "Na endlich, ich dachte du wärst nie zufrieden", seufzte ich, "du bist schlimmer als mein Professor an der Theaterschule." Doch dann musste ich lächeln. Mir machte es Spaß mit Mark zusammen zu sein. Und ich hatte noch nie mit jemanden besser außerhalb des Theaters üben können wie mit Mark. "Hey, wenn du das schlimm nennst, dann solltest du mal zu unseren Tanzproben für die nächste Tour mitkommen", Mark grinste, "wenn du dann Pricilla einmal in Action erlebt hast, dann weißt du es wie gut du es mit mir hast." "Ach komm das weiß ich doch", sagt ich ohne zu überlegen. Im nächsten Moment hätte ich es am liebsten zurück genommen. Nicht, dass ich es nicht so gemeint hätte, aber es musste sich doch einfach bescheuert angehört haben. Ich sah zu Boden. "Ehrlich?", Mark sah mich mit seinen blauen Augen an. Wieder lief mir ein Schauer über den Rücken. Ich versuchte mich zusammen zu reißen. "Natürlich meine ich so was ehrlich, Mark", ich versuchte zu lachen, "und jetzt lass uns weiter machen." Mark sah mich mit hochgezogener Augenbraue an, nickte dann aber. Hatte er etwas gemerkt? Eigentlich war das ja auch nicht schwer, so dämlich wie ich mich hier benahm. Ich musste mich ein bisschen mehr zusammen nehmen. Ich wollte nicht, dass er etwas merkte. Es würde für immer etwas zwischen uns ändern und das konnte ich nicht riskieren...
"Welche Szene wollen wir jetzt nehmen?", Mark sah mich fragend an. Ich beugte mich eilig über das Script und blätterte. "Warte lass mich mal sehen, ich habe da so was gesehen...", Mark nahm mir das Heft ab und blätterte bis zu der Seite, die er anscheinend gesucht hatte, "können wir das hier machen?" Ich warf nur einen kurzen Blick auf das Script und nickte. Ich musste ja schließlich alles können. "Dann mal los, ich übernehme jetzt gerade die Rolle des Orsino", verkündete Mark und begann auf mich einzureden. Zu spät merkte ich um welche Stelle es sich wirklich handelte. Aber es war zu spät, denn Mark sprach schon Orsinos Text: " Und wenn du jemals liebst, Gedenke meiner süßen Qualen. Denn so wie ich sind alle Liebenden. Unstet und launenhaft in jeder Regung." Ich schluckte Mark hatte es sehr überzeugend rübergebracht. Zu überzeugend für meine momentane Verfassung. Aber ich versuchte mich zusammen zureißen, schließlich spielte ich im Moment eine als Mann-verkleidete Frau und antwortete tapfer mit leicht gleichgültiger Stimme: "Wir sind in Schwüren stark, in der Liebe schwach." Mark lachte. Ich sah ihn irritiert an. "Was?" "Nichts, aber es ist unglaublich mit dir kann man sogar Männergespräche führen", grinste er. "Kein Wunder im Moment spiele ich auch eine als Mann-verkleidete Frau", gab ich zurück, "aber wenn du das sagst nehme ich an, dass ich überzeugend war." "Ganz und gar. Du bist halt doch eine gute Schauspielerin", Mark nickte, "ich weiß gar nicht, warum du so gegen dieses Stück bist." "Ich spiele lieber modernere Dinge, das weißt du doch", antwortete ich, "aber ich finde mich ja langsam mit dem Stück hier ab. Ich tue doch fast alles um diesen Platz am Abbey Theatre zu bekommen." "Aber du musst die Rolle doch auch verinnerlichen, sonst kommt es nicht rüber", meinte Mark und setzte sich neben mich und sah mich eindringlich an, "ich erkläre es dir anders. Wenn ich ein Lied mit Gefühl singen soll und das auch noch gut rüberkommen soll, dann muss ich mich mit den Gefühlen, die das Lied ausdrückt, auch identifizieren. Und so musst du es mit dem Theaterstück auch machen. Eigentlich kenne ich das auch so von dir aber bei diesem Stück fehlt diese Verinnerlichehrung. Du kannst den Text perfekt und spielst es echt gut, aber es fehlt dieses Etwas." "Du hast ja recht", ich nickte, "ich glaube ich sträube mich immer noch gegen dieses Stück. Ich spiele lieber moderne Sachen, aber eine gute Schauspielerin spielt jede Rolle gut und kann sich damit identifizieren. Aber dieses Mal komme ich damit nicht so gut klar. Vielleicht ist es auch der Druck, weil es diesmal um alles oder nichts geht." "Das kann sein", Mark lächelte, "aber so schwer ist das doch nicht. Die Story ist doch einfach. Der Hauptpunkt ist doch, dass die Hauptperson sich in jemanden verliebt und dieser Jemand es nicht merkt, weil a die Hauptperson verkleidet ist und b der Jemand in jemand anderen verliebt ist." Ich sah ihn einige Momente nur an. Dann realisierte ich, was Mark gesagt hatte. Die Story von *Was ihr wollt* war ja meiner Situation gar nicht so fremd. Und gerade Mark brachte mich darauf. Ich musste lachen. "Was ist so lustig?", Mark sah mich irritiert an, "langsam fange ich mir an Sorgen um dich zu machen, Lara. Irgendwie bist du heute komisch." "Ach nichts, Mark. Mir ist gerade nur etwas eingefallen und darum habe ich gelacht", versuchte ich mich aus der Affäre zu ziehen. Ich konnte ihm unmöglich sagen, dass die Handlung von *Was ihr wollt* ziemlich identisch mit meinen Gefühlen für ihn waren. Bevor er mir noch mehr Fragen stellen konnte klopfte es an der Tür. "Erwartest du jemanden?", fragte Mark mich. Ich schüttelte den Kopf und ging zur Tür. Einerseits erleichtert, dass ich Marks Fragen entgehen konnte, anderseits etwas ärgerlich, dass unsere Zweisamkeit gestört wurde. Ich öffnete die Tür. "Was?", entfuhr es mir ein leicht wenig unfreundlich. "Hey, störe ich so?", Bryan grinste mir entgegen und sah in das Zimmer hinein. Ich musste lachen. "Nein, tust du nicht, aber was führt dich hierher?", wollte ich wissen. "Arbeit und Instinkt", gab Bryan Auskunft. "Aha", ich nickte, "könntest du das ein bisschen ausführen?" "Mit Freude. Also wir haben in circa fünf Minuten einen Fototermin unten im Hotel. Und ich dachte mir, dass ich Mark hier bei dir finde. Zumal wir Mark ebenfalls für den Termin brauchen", erklärte Bryan. "Du hast Recht Mark ist hier", sagte ich, "Mark!" Mark erschien hinter mir in der Tür. "Was ist Bryan?", wollte er wissen. "Du scheinst unser Fotoshooting zu vergessen zu haben", meinte Bryan mit einem Grinsen. "Shit", Mark schlug sich mit einer Hand gegen die Stirn. "Du hast es vergessen", Bryan nickte. "Wir haben ein bisschen Laras Theaterstück geprobt und dabei habe ich das wohl vergessen", Mark hob entschuldigend die Hände. "Dafür hast du ja noch deine Bandmitglieder, die dich daran erinnern", sagte Bryan, "aber jetzt lass uns beeilen, sonst bekommen wir Stress." "Okay", Mark nickte und wandte sich an mich, "tut mir leid, Lara, wir müssen später weiter machen. Kommst du mit zum Shooting?" "Okay", ich nickte. Zusammen gingen wir den Flur entlang Richtung Aufzug. Ich sah Mark von der Seite an. War ich glücklich darüber, dass unsere Unterhaltung unterbrochen worden war? Ich konnte es nicht sagen. Zwar hatte ich mich in Marks Gegenwart etwas unsicher gefühlt, aber ich hätte nichts dagegen gehabt noch länger mit ihm mein Stück zu proben...
Ich ließ mich auf das große Sofa im Tourbus der Lifer fallen und schloss die Augen. Nur Ruhe... Das war jetzt was ich brauchte. Den ganzen Morgen war ich mit Mark und den anderen unterwegs gewesen. Es war zwar relativ interessant gewesen, aber zu meinem Pech, hatte sich Salene heute wohl in den Kopf gesetzt, die treue Freundin zu spielen und war die ganze Zeit um Mark herum. Wahrscheinlich weil Mark und ich in den letzten Tagen oft zusammen gewesen waren. Und darum musste sie jetzt jede Gelegenheit nutzen um Marks Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich war froh, dass ich sie jetzt nicht mehr sehen musste, denn so sehr ich mich auch zusammen nahm, mir machte es unheimlich etwas aus, die beiden am turteln zu sehen. Was sollte ich nur machen? Erst hatte ich ja gedacht, dass meine Gefühle für Mark nur eine vorübergehende Erscheinung wären, aber ich merkte jeden Tag aufs Neue, dass es nicht so war. So schlimm das klingt, aber ich fühlte mich wie ein Teenager, der sich zum ersten Mal verliebt hatte. Ich fuhr mir durchs Gesicht und seufzte. Ich musste mir eine Lösung für mein Problem einfallen lassen, denn über kurz oder lang würde auch Mark etwas merken. Ich seufzte, angelte nach meinem Discman und ließ mich auf das Sofa zurück fallen. Jetzt wollte ich mich einfach nur noch ausruhen und nicht nachdenken. Ich drückte auf Play, doch ich schreckte sofort wieder auf. Ich hatte immer noch das Probeexemplar von Turnaround in meinem Player. Ich überlegte eine Sekunde, ob etwas neutraleres nicht besser geeignet wäre, doch dann entschloss ich mich die CD nicht zu wechseln. Ich schloss die Augen, lauschte der Musik und sang leise mit. Besonders der Text von *Obvious* hatte es mir angetan. Irgendwie passte das. Und wer sollte mich stören? Ich war ja alleine...
You are my very first thought in the morning
And my last at nightfall
You are the love that came without warning
I need you, I want you to know
I've made it obvious…
Ich fühlte mich wie jemand an der Schulter berührte. Ich fuhr hoch
und riss die Augen auf. Vor mir standen Bryan und Kian und grinsten mich an.
Ich zog mir verlegen die Stöpsel meines Discman aus den Ohren und schaltete
das Gerät ab. "Hey wir wollten dich nicht stören", meinte Kian und
ließ sich neben mich auf das Sofa fallen. "Ist schon okay", sagte ich
immer noch verlegen. Bryan setzte auf meine andere Seite. "Dir scheint ja unsere
CD wirklich zu gefallen", meinte Bryan und grinste mich immer noch an. "Ja,
ich mag die Lieder", ich sah unbehaglich von Bryan zu Kian und wieder zurück.
Was wollten die beiden? "Du warst gerade ganz versunken", fing Kian an. "Ja
ich habe mich ausgeruht. Habt ihr da irgendwie ein Problem damit?", gab ich
schärfer zurück, als beabsichtigt, aber sollten diese Andeutungen
und die Fragerei? "Nein, wir sind auch nur gekommen um uns auszuruhen. Die anderen
sind einen Kaffee trinken gegangen außer Kerry, was ist noch mal mit Kerry,
Bry?", Kian sah zu Bryan. "Sie hat noch ein Telefongespräch zu führen."
"Ach so, ihr habt jetzt also Pause?", ich versuchte ein lockeres Gespräch
aufzubauen. "Hm", Bryan nickte, "und du geht’s dir nicht so gut oder ist unsere
Arbeit zu uninteressant?"" "Ach quatsch. Ich brauchte nur ein bisschen Zeit
für mich. Ein bisschen nachdenken, Musik hören, ihr wisst schon...",
versuchte ich den beiden zu erklären. "Ah ja", Kian sah mich nachdenklich
an, "du wollest nicht jemanden aus dem Weg gehen, oder?" Ich sah ihn perplex
an. "Wieso?" "Na ja ich dachte ich es ist vielleicht wegen Salene. Du magst
sie nicht, oder?", Kian sah mich weiter an. "Nein, ich mag sie nicht. Ich konnte
sie noch nie leiden. Sie ist eine eingebildete, unverschämte Ziege", entfuhr
es mir. "Hey ganz ruhig", Bryan legte mir beschwichtigend eine Hand auf den
Arm. "Mögt ihr sie etwa?", ich sag die beiden ungläubig an. "Nein,
wer außer Mark mag sie denn hier überhaupt?", Kian schüttelte
den Kopf. "Niemand?", fragte ich grinsend. "Genau" Bryan nickte, "und ich werde
das Gefühl nicht los, dass sie ihn ausnutzt..." Für eine Sekunde überlegte
ich, ob ich den beiden erzählen sollte, was ich über Salene wusste,
doch ich ließ es bleiben. "Das Gefühl habe ich", sagte ich stattdessen,
"ich verstehe nicht, was er an ihr findet. Sie ist unfreundlich, gehässig
und gibt sich nur mit ihm ab, wenn sie Lust hat. Ich finde das so mies. Und
Mark merkt es nicht. Es gibt so viele andere Girls, warum musste er gerade Salene
nehmen? Er hat jemanden besseres verdient. Jemanden viel besseres", ich stoppte
erschrocken. Soviel hatte ich gar nicht sagen wollen. Mir waren diese Sachen
alle in der Wut auf Salene herausgerutscht. Und aus der Tatsache, dass Mark
mir etwas bedeutete. Viel bedeutete. Kian und Bryan sahen mich mit einem leichten
Lächeln an. Es kein spöttisches Lächeln und es lag ein viel wissender
Ausdruck darin. Einige Minuten war es ruhig im Bus, dann fing Kian leise an
zu reden: "Kann es sein, dass du Mark mehr magst, als nur als deinen besten
Freund?"
Ich sah ihn mit großen Augen an. Im ersten Moment war ich drauf und dran
alles abzustreiten. Doch dann wurde mir bewusst, dass ich jemanden brauchte,
dem ich endlich mal von meinen Gefühlen erzählen konnte. Langsam,
fast in Zeitlupentempo, nickte ich auf seine Frage. "Ich habe es mir fast gedacht",
Kian lächelte und Bryan nickte. "Wie...", ich sah sie verständnislos
an. "Du und Mark. Ihr beide seid doch immer schon mehr als nur gute Freunde
gewesen", sagte Kian. "Das stimmt nicht. Wir sind wirklich nur gute Freunde
gewesen. Zwischen uns war nie etwas, was mehr als Freundschaft bedeutet hat",
rechtfertigte ich mich, "und ich wollte auch das hier nicht." "Nein, ich meinte
das anders", versuchte mir Kian das zu erklären, "vielleicht habt ihr das
selbst noch nicht gemerkt, aber beste Freunde ist eine Sache, aber was zwischen
dir und Mark ist, ist etwas anderes. Es war nur die Frage der Zeit, bis sich
einer von euch bewusst wird, dass es mehr ist. Schau ihr kennt euch beide jetzt
schon lange. Ihr habt euch die ganze Zeit mehr als gut verstanden. Wenn ich
mich erinnere, habt ihr euch noch nie länger als einen Tag gestritten und
ihr kommt auch keine Woche aus ohne etwas von einander zuhören. So sehe
ich das jedenfalls." "Also ich kenne dich und Mark jetzt noch nicht so lange
wie Kian, aber auch schon sehr lange", fing jetzt auch Bryan an, "aber mir ist
das auch aufgefallen. Und zwar auch bei Mark." "Das ist doch Schwachsinn. Ich
habe jetzt gemerkt, dass ich für Mark mehr als Freundschaft empfinde",
ich schüttelte entschieden den Kopf. Meine Gefühle für Mark waren
ja schon verwirrend genug, aber mit der Theorie von Bryan und Kian war ich schlicht
weg überfordert. Wie kamen die beiden darauf? "Ich weiß nicht. Ich
glaube es war anders, aber das ist ja jetzt auch nebensächlich", Kian legte
mir eine Hand auf den Arm. In diesem Moment brach alles aus mir raus. Mir kamen
die ersten Tränen. "Ich habe doch auch keine Ahnung, wie das passiert ist,
aber ich liebe ihn", schluchzte ich. "Ist ja gut", Bryan zog mich in seine Arme
und Kian strich mir beruhigend über den Rücken, "ganz ruhig. Natürlich
kannst du da nichts für. Niemand kann etwas für seine Gefühle."
"Aber ich kann es Mark unmöglich sagen. Erstens wäre danach zwischen
uns nichts mehr wie es mal wahr und außerdem liebt Mark Salene und er
ist mit ihr zusammen", ich versuchte mir die Tränen wegzuwischen, doch
es kamen schon wieder neue. "Hier nimm erst mal das", Kian hielt mir ein Taschentuch
entgegen. Ich nahm es dankbar und wischte langsam meine Tränen weg. "Natürlich
brauchst du etwas Zeit um Mark das zu sagen, aber irgendwann wird es einen Zeitpunkt
geben. Und zu Salene kann ich nur sagen, dass das nur eine Frage der Zeit ist.
Er ist fasziniert von ihr, aber nur weil er eine Vorstellung von ihr hat, die
nicht der Wahrheit entspricht. Wenn er sie sehen würde, wie sie wirklich
ist, dann wäre Mark längst nicht mehr so begeistert von ihr", versuchte
Kian mich aufzumuntern, "aber du bedeutest ihm viel, das kann ich dir hier mit
aller Ehrlichkeit sagen. Guck mal, als du krank warst, saß er die ganze
Zeit bei dir um nur ein Beispiel zu nennen." "Aber das heißt noch lange
nicht, dass er die gleichen Gefühle für mich hat...", widersprach
ich. "Wer weiß, ich halte ja immer noch an meiner Theorie fest", Kian
lachte. "Und außerdem passt du viel besser zu Mark als Salene, Lara",
Bryan sah mich ernst an. "Dankeschön", ich musste jetzt doch lächeln,
"wenigstens einer der das sagt." Bryan lächelte leicht. Das mochte ich
an Bryan. Er machte viel Spaß und alberte oft herum, aber er wusste, wann
er ernst sein musste. "Ich finde das auch", Kian nickte, "Salene ist viel zu
selbstsüchtig, dass sie jemals zu Mark passen wird." "Aber er merkt das
nicht. Er ist viel zu verliebt in sie", ich verzog das Gesicht. "Er wird es
irgendwann merken, wenn dieses erste Gefühl weg ist...", meinte Kian. Ich
nickte. Was würde Mark erst sagen, wenn er wüsste, dass seine Freundin
eigentlich verheiratet war und ein Kind hatte? Schnell verscheuchte ich diesen
Gedanken wieder. Im Moment war dieses Thema ein bisschen nebensächlich.
Entschlossen schluckte ich noch einmal und wischte mir dann meine Tränen
aus dem Gesicht. "Geht es wieder ein bisschen?", wollte Bryan wissen. Ich nickte:
"Muss ja irgendwie und ich kann ja nicht so verheult rumlaufen, dann wissen
ja gleich alle, dass mit mir etwas nicht stimmt!" "Hast du es vor Mark zusagen?",
fragte Kian mich plötzlich. "Ich weiß nicht. Auf keinen Fall in den
nächsten Tagen oder Wochen. Es muss der richtige Zeitpunkt sein, aber ich
will eigentlich da noch nicht darüber nachdenken. Wenn der richtige Zeitpunkt
gekommen ist, werde ich es wissen", sagte ich. Bryan und Kian nickten verständnisvoll.
"Ihr behaltet, das was ich euch jetzt gesagt habe aber für euch, oder?",
ich sah die beiden unsicher an. "Klar, wir haben nicht vor, das jetzt herum
zuposaunen", Bryan nickte, "das ist doch selbstverständlich, dass wir das
für uns behalten." "Genau. Und wenn du mit jemanden wieder reden möchtest,
dann sind wir beide da", stimmte Kian Bryan zu. "Danke", sagte ich. Ich fühlte
mich trotz allem ziemlich erleichtert, dass ich wenigstens einmal über
meine Gefühle geredet hatte. "Geht’s dir wieder so gut, dass du mit uns
kommen kannst? Ich habe nämlich gerade gesehen, dass unsere Pause vorbei
ist und wir weiter machen müssen. Ich glaube jetzt kommt das Fotoshooting",
Kian sah zu mir. "Ich denke schon", ich lächelte, "ich wasche mir nur gerade
einmal durchs Gesicht, damit nicht jeder sieht, dass ich geweint habe, okay?"
"Kein Problem, wir warten draußen auf dich", Bryan nickte und ich machte
mich auf dem Weg zu Toilette.
Chapter #11
"It’s London, Baby", riefen Bryan und Nicky, als sie gemeinsam aus dem Bus vor
dem Hotel kletterten. "Oh mal wieder zu viel *Friends* gesehen?", ich grinste.
"Hey diese Sendung ist Kult”, verteidigte Bryan die Sendung, "und außerdem
ist es schön mal wieder in London zu sein." "Das meine ich aber auch",
Mark erschien hinter mir, "diese ganzen viel versprechenden Nachtclubs. Und
das beste ist, dass wir heute Abend frei haben." "Wenn ich dich so sprechen
höre, habt ihr wohl schon was geplant, hm?", ich sah ihn an. "Kann man
so sagen, wir wollen heute Abend mal wieder richtig ausgehen. Und hier in London
kann man das ja sehr gut", Mark grinste, während wir nebeneinander auf
den Hoteleingang zugingen. "Das ist wahr", sagte ich, "und wisst ihr schon wo
ihr hin wollt?" "Jetzt fang nicht so an", Mark legte mir einen Arm um die Schultern,
"ich er kenne dich ja gar nicht mehr wieder. Wieso ihr? Wir wollen alle zusammen
ausgehen also du auch!!!" "Ich weiß auch nicht, was los ist, Mark", ich
zwang mich zu einem Lächeln, obwohl er mich noch so nervös machte,
"im Moment bin ich wohl ein bisschen durcheinander. Aber ich komme gerne mit
Londons Nachtleben unsicher zu machen." Das war nicht einmal gelogen. Ich war
wirklich durcheinander. Ich musste ihm ja nicht auf die Nase binden, dass er
daran Schuld war. "Kann ich dir irgendwie helfen?", Mark sah mich von einer
Minute auf die andere ernsthaft an, "du weißt doch, dass du jederzeit
mit mir reden kannst, wenn du ein Problem hast." Ich musste lächeln. Am
liebsten wäre ich Mark um den Hals gefallen. Er machte sich ja doch Sorgen
um mich. Einen Moment überlegte ich nicht, ob ich ihm nicht doch alles
sagen sollte. "Ich weiß nicht Mark, es ist...", begann ich, doch genau
in diesem Augenblick tauchte Salene auf, hackte sich bei Mark unter und gab
ihm einen Kuss auf die Wange. "Na mein Süßer, ich dachte du hättest
auf mich gewartet", flötete sie, während sie mir einen siegessicheren
Blick zu warf. "Hey, ich bin doch nur ein paar Schritte vom Bus entfernt gewesen",
antwortete Mark lachend. Ich hielt die beiden zusammen nicht aus. "Wir sehen
uns dann gleich mal. Wann müsst ihr zur Autogrammstunde?", wollte ich von
Mark wissen. "In einer halben Stunde, aber warte mal, Lara. Wolltest du mir
nicht eben noch was sagen?", Mark sah mich verwirrt und ein bisschen enttäuscht
an. Aber darauf konnte ich jetzt keine Rücksicht nehmen. "Nicht so wichtig",
sagte ich und zwang mich zum wiederholten Mal zum lächeln, "bis gleich."
Mit diesen Worten beeilte ich mich Bryan und Nicky, die vor uns gingen einzuholen.
Vielleicht sah es wie Flucht aus, aber das letzte, was ich sehen wollte, war
wie Mark und Salene miteinander herumturtelten.
Wenig später ging es auch schon weiter zum Piccadily Circus, wo Westlife
in einem großen Musikgeschäft eine Autogrammstunde für ihre
Fans veranstalteten. Noch bevor der Bus hielt konnte man, den Lärm der
Fans wahrnehmen. Ich rutschte ans Fenster und blickte raus. Ich musste immer
wieder staunen, wenn ich diese Fanmengen sah. Nicht, dass ich es nicht kannte.
Ich hatte Mark oft genug auf Promotionstouren und auch auf Konzerten besucht,
aber es war immer noch beeindruckend. "Unfassbar nicht?", Mark ließ sich
neben mich auf den Sitz fallen, "so viele Fans. Selbst nach so vielen Jahren
ist es einfach erstaunlich." Ich sah Mark überrascht an. Er hatte genau
das gesagt, was ich gedacht hatte. "Lara, was ist los? Du siehst mich an, als
ob ich etwas im Gesicht hätte", sagte Mark wieder mit diesem unwiderstehlichen
Lächeln. "Nein, es ist nur, dass ich auch gerade daran gedacht habe, wie
viele Fans hergekommen sind...", antwortete ich. "Hey, ich sag doch wir haben
irgendeine Verbindung", Mark lächelte und stieß mich sanft in die
Seite, "wir sind schließlich nicht umsonst so lange befreundet. Und jetzt
lass uns gehen. Es ist zwar erstaunlich, dass so viele Fans da sind, aber dass
alle Autogramme wollen überhaupt nicht." "Wo du recht hast, hast du recht",
ich ließ mich von ihm mitziehen, "aber ihr bekommt ja immer auch richtig
schöne Geschenke und Sträuße an Rosen." "Möchtest du welche
haben?", Mark grinste, "ich kann dir bestimmt körbeweise welche geben..."
"Nee, nee lass mal die sind für euch”, wehrte ich ab, "ich kann euch eure
Rosen doch nicht wegnehmen." "Das ist sehr sozial von dir", Mark nickte grinsend.
"Wer ist sozial", Bryan tauchte mit Kerry neben uns auf. "Lara, weil sie uns
unsere Fanrosen lässt", gab Mark Auskunft. "Das ist wirklich sozial", Bryan
nickte, "ich meine wir bekommen so wenig und dann dürfen wir sie auch noch
behalten." Ich musste lachen. Was waren die Jungs nur für Spinner. "So
Lads, beeilt euch", Kian kam mit den anderen auf uns zu, "wir müssen nach
oben kommen. Es sind unglaublich viele Fans da. Beeilung." Salene, die ebenfalls
gekommen war, nahm sofort wieder Mark in Beschlag. Ich verzog das Gesicht. Jedes
Mal, wenn Mark und ich uns unterhielten oder überhaupt zusammen waren,
musste sie sich einmischen und Mark für sich beanspruchen. "Ganz ruhig",
Bryan legte mir eine Hand auf den Arm, "nicht aufregen." Ich atmete tief durch
und nickte. Er hatte recht. Ich durfte mich von Salene nicht aus der Fassung
bringen lassen.
"Wisst ihr was Girls?", Kerry sah zu Georgina, Gillian und mir, "was haltet
ihr davon, wenn wir uns mal ein bisschen in dem Laden hier umsehen?" "Also ich
komme mit, so lustig es auch ist die Fans zu beobachten, aber ich brauch ein
bisschen was anderes", schloss ich mich Kerry an. Wir saßen seit gut einer
Stunde etwas verborgen im Hintergrund und beobachteten wie die Lifer Autogramme
für ihre Fans schreiben. "Kommt ihr auch mit?", ich wandte mich an Georgina
und Gillian. Doch die beiden schüttelten den Kopf. "Dann lass uns mal gehen",
Kerry nickte mir zu und wir gingen eine Treppe hinunter, die direkt in die Verkaufsräume
des Musikladens führte. "Lass uns da vorne mal gucken", Kerry zog mich
zu den neuerschienenen CDs und sah sie sich aufmerksam an. Ich widmete mich
ebenfalls ein paar CDs. Doch als ich einmal aufsah, entdeckte ich eine Frau,
die es ziemlich eilig hatte. Beim näheren Hinsehen bemerkte ich, dass es
Salene war. Was hatte sie vor? "Kerry, wartest du hier auf mich? Ich bin gleich
wieder da", flüsterte ich Kerry zu und lief hinter Salene her. Ich achtete
jedoch darauf, dass mich sie mich nicht bemerkte. Salene lief weiter durch das
Musikgeschäft bis sie zum Ausgang kam. Sie ging raus und lief um eine Ecke.
Zögernd verließ ich auch das Geschäft und sah mich um. Erst
sah ich niemanden, doch als ich um eine Ecke spähte, entdeckte ich sie.
Sie stand nicht weit von mir und telefonierte. Schnell versteckte ich mich wieder
hinter der Mauer und versuchte soviel wie möglich mit zubekommen.
Sie lachte gerade und dann sagte sie: "Nein ist alles in Ordnung, Matthew. Ich
komme ganz gut klar. Mark ist kein Problem. Das läuft alles hervorragend."
Sie lauschte einen Moment. "Nein, es geht, die einzigste, die stört, ist
Marks beste Freundin, oder wie er das bezeichnet. Sagt dir Lara McKenzie noch
etwas? Nicht? Ist auch nicht so wichtig. Auf jeden Fall hängt sie mehr
mit Mark zusammen als mir lieb ist, aber das bekomme ich auch noch hin. Mark
muss nur merken, was wichtig ist."
Sie schwieg wieder einige Augenblicke. Währendessen hätte ich ihr
liebend gerne den Hals umgedreht, aber ich beherrschte mich und konzentrierte
mich weiter auf das Telefonat.
"Hey Schatz das musst du verstehen. Ich muss doch ziemlich überzeugend
sein, wenn er glauben soll, dass ich unsterblich in ihn verliebt bin, obwohl
ich lieber bei dir und unserem Kleinen wäre, aber das ist eine einmalige
Chance. Sowohl für unsere Finanzen als auch für mein Ansehen, vielleicht
springt ja noch mehr dabei heraus...", Salene lächelte selbstgefällig,
"du ich muss jetzt Schluss machen, ich habe noch viel vor. Ja ich werde mir
mal London ansehen. Er muss ja diesen Fans Autogramme schreiben. Totlangweilig
kann ich dir sagen. Aber wie dem auch sei, ich melde mich wieder. Gib dem Kleinen
einen Kuss von mir. Ja ich dich auch. Bye"
Salene steckte ihr Handy zurück in die Tasche. Ich beeilte mich, dass ich
wieder in das Geschäft kam. Jane hatte sich nicht verhört oder irgendwie
vertan. Die ganze Geschichte war wahr. Salene war in Wirklichkeit mit einem
anderen zusammen und dazu war sie auch noch Mutter. Sie war nur wegen dem Geld
mit Mark zusammen. Wie konnte sie nur? Langsam ging ich zu Kerry, die gerade
von Fans entdeckt worden war und Autogramme schrieb. Als sie fertig war, sah
sie mich an. "Lara, ist irgendwas? Du siehst ein bisschen seltsam aus", stellte
sie fest. Ich schüttelte den Kopf: "Nee ist alles in Ordnung, außer
dass ich ein bisschen Hunger habe. Wollen wir nicht gerade mal hoch und fragen,
ob Gill und Gina nicht auch etwas essen gehen wollen? Ich denke die Jungs sind
noch länger nicht fertig." "Einverstanden", Kerry nickte, "ist ne gute
Idee. Ich habe auch Hunger."
Chapter #12
Später an diesem Tag:
Mark war wieder zu mir gekommen und wir probten mein Stück. "Also ich glaube
meine kleine Standpauke letztens hat doch gefruchtet", Mark lächelte und
lehnte sich zurück. "Was meinst du?", ich stellte mich absichtlich dumm.
Natürlich wusste ich was er meinte, aber ich wollte aus irgendeinem Grund
noch mal wiederholt haben. "Ich meine, dass du die Gefühle der Person,
die du spielst verinnerlichen musst und das klappt jetzt. Man könnte meinen,
du hättest die gleichen Gefühle wie Viola beziehungsweise Cesario",
Mark grinste. Ich erstarrte. Wusste er etwa, dass...? Hatten Bryan oder Kian
doch gequatscht, wollte er mich jetzt bloßstellen? Nein das war nicht
Marks Art. Überhaupt nicht. "Wieso?", ich sah ihn an. "Ich weiß nicht,
diesmal hast du es so mit Leib und Seele gespielt. Du warst richtig überzeugend,
aber das ist auch eigentlich was ich von dir kenne", sagte Mark und griff nach
meiner Hand, "ich dachte nur, weil seit du hier bist habe ich den Eindruck,
dass du irgendwie ein bisschen anders bist. Daher auch die Frage nach den Gefühlen."
"Mark du weißt doch, dass es im Moment keinen gibt für mich gibt",
sagte ich, aber sah ihn dabei nicht an. Was hätte ich dafür gegeben
ihm von meinen wahren Gefühlen zu erzählen? Aber es war unmöglich
für mich. Jedenfalls in diesem Moment. "Aber ich spüre doch, dass
etwas mit dir ist. Wolltest du mir nicht vorhin etwas sagen?", Mark suchte meinen
Blick. "Wann?", ich tat erstaunt. Vorhin hatte ich wahrscheinlich wirklich die
fixe Idee gehabt ihm meine Gefühlslage näher zu bringen. Es war nicht
so, dass ich ihm nicht vertraute. Mark war wahrscheinlich einer der Menschen
in meinem Leben, denen ich am meisten vertraute, aber irgendwie war eine Sperre
in mir. Diese Sperre bestand aus Angst, die Angst ihn zu verlieren. "Heute Morgen
als wir hier vor dem Hotel aus dem Bus gestiegen sind. Da wolltest du mir etwas
sagen...", Mark sah mich weiter an. "Ich weiß auch nicht", meine Stimme
zitterte leicht, ich durfte meine Beherrschung nicht verlieren um keinen Preis,
"es war bestimmt nicht wichtig, wenn ich mich jetzt schon nicht mehr daran erinnern
kann." "Wenn du meinst", Mark sah mich nachdenklich an. Und diesmal konnte ich
sehen, dass er mir nicht glaubte. Ich zwang mich, mich zusammen zureißen
und zu lächeln. "Es tut mir leid, Mark, dass ich so abscheulich bin und
so komisch", sagte ich, "ich glaube, ich stehe wegen diesem dämlichen Theaterstück
ziemlich unter Druck. Es hängt alles davon ab und ich habe ziemlich hohe
Ansprüche an mich." Das war nicht einmal gelogen. Ich setzte mich unter
Druck. Und das Theaterstück hatte auch eine Schuld daran. Je mehr ich Marks
Ratschlag befolgte mich auf die Rolle einzulassen, je mehr merkte ich, dass
es etwas mit meinen eigenen Gefühlen zu tun hatte. "Hey, ganz ruhig, Kleine",
Mark legte einen Arm um mich und strich mir beruhigend über den Rücken.
Kleine, so hatte er mich früher immer genannt, weil ich etwas jünger
als er war. Nicht erwähnenswert, aber Mark hatte es immer Spaß gemacht
mich so zu nennen. Jetzt nannte er mich nicht mehr so oft Kleine, nur noch in
Gelegenheiten, wie jetzt. "Du bist doch nicht abscheulich und du brauchst dich
auch nicht unter Druck setzen. Du bist eine gute Schauspielerin, Lara. Du bist
wirklich gut. Warum machst du dir immer solche Gedanken?", Mark strich mir weiter
behutsam über den Rücken. Mir lief ein Schauer über den Rücken.
Marks Berührungen waren einfach zu viel für mich. Doch für nichts
in der Welt hätte ich jetzt wo anders sein wollen, als in Marks Armen.
Lange Zeit saßen wir nur nebeneinander ohne ein Wort zusagen. Es kam mir
wie eine Ewigkeit vor, als Mark wieder zu sprechen anfing: "Geht’s wieder ein
bisschen?" Ich seufzte und nickte. "Danke." "Dafür nicht", Mark drückte
meine Schulter, dann schreckte er auf, "oh Mist, guck mal auf die Uhr wir wollten
doch in einer halben Stunde los. Die Clubs in London unsicher machen. Oder wollen
wir lieber hier bleiben? Ich meine, wenn du dich nicht so gut fühlst..."
Ich schüttelte den Kopf: "Nee, lass uns mal mitgehen. Vielleicht komme
ich dann ein bisschen auf andere Gedanken." "Bist du dir sicher?", Mark sah
mich besorgt an. "Ganz sicher Mark", ich lächelte. "Dann ist ja gut. Ich
schlage dann vor, dass wir uns jetzt fertig machen und ich hole dich in einer
halben Stunde ab, okay?", schlug Mark vor. Ich sah ihn ein klein wenig irritiert
an: "Bekommt Salene keinen Anfall, wenn du mich noch extra zum Ausgehen abholst?"
"Salene ist im Moment gar nicht da. Sie hatte noch etwas zu tun und kommt später.
Ich schicke ihr dann eine SMS, wo wir sind", erklärte Mark, "also in einer
halben Stunde?" "Okay", ich nickte.
Sofort als Mark die Türe hinter sich geschlossen hatte, brach bei mir Panik
aus. Ich hatte eine halbe Stunde Zeit mich zu stylen. Ein Blick in den Spiegel
verriet mir, dass ich im Moment alles andere als partymäßig aussah.
Meine Haare schienen sich selbstständiggemacht zu haben und ich sah irgendwie
abgespannt aus. Darüber hinaus hatte ich keine Ahnung was ich anziehen
sollte. Hektisch wühlte ich in meinem Koffer. Was würde denn passend
sein. Ich probierte verschiedene Sachen an. Sollte ich noch mal das Kleid anziehen,
dass ich bei dem Essen im Cesar’s Palace an hatte? Oder lieber etwas anderes.
Nach gut zehn Minuten entschied ich mich für eine enge, dunkle Jeans und
ein beiges Top mit einem schwarzen Spitzenrand. Doch bevor ich mich umzog ging
ich erst mal ins Bad und wusch mir durchs Gesicht und kämmte mir meine
Haare. Dann zog ich mir meine Kleidungstücke an und legte etwas Make up
auf, aber nicht viel. Ich schminkte mich nie übertrieben und jetzt auch
nicht. Dann warf ich einen prüfenden Blick in den Spiegel. Ich sah nicht
aus wie eine Schönheitskönigin, aber ich war mit mir zufrieden. Ich
war keine Sekunde zu früh fertig, denn es klopfte an der Tür. Schnell
griff ich nach meinem Zimmerschlüssel und etwas Geld und öffnete die
Tür. "Na bist du fertig?", Mark lächelte. Ich konnte nur nicken. Mark
sah einfach toll aus. Er hatte er trug ein rotes Shirt mit einem schwarzen Aufdruck
und eine schwarze Lederjacke darüber. "Dann lass uns gehen, my Lady", Mark
hielt mir seinen Arm hin, so dass ich mich einhacken konnte. Zögernd ging
ich darauf ein. "Du siehst überings sehr hübsch aus, Lara", Mark lächelte
mal wieder sein unwiderstehliches Lächeln, was bei mir zusammen mit dem
Kompliment eine Gänsehaut auslöste. Zusammen gingen wir in Richtung
Lift. "Wo gehen wir eigentlich hin?", wollte ich von Mark wissen, als ich mich
innerlich wieder etwas beruhigt hatte. "Lass dich einfach überraschen",
Mark grinste mich breit an. "Mark Feehily, ich mag es nicht, wenn du so grinst,
das verheißt nichts Gutes", sage ich und zog meinen Arm von ihm weg. "Ach
Lara, was du immer von mir denkst", Mark verzog sein Gesicht zu einer Unschuldsmiene,
"vertrau mir einfach und lass dich überraschen." "Mark, du weißt,
dass ich dir vertraue, aber...", fing ich an. "Shhh", Mark lächelte noch
einmal und ignorierte dann jeden Versuch von mir, das Ziel des Abends aus ihm
heraus zu bekommen. Ich sollte es jedoch wenig später erfahren.
"So wir wären da", Shane zeigte auf einen Club direkt vor uns. Ich schob
mich an Bryan und Kerry vorbei um besser sehen zukönnen. Vor dem Club prangte
ein dickes Schlid. TONIGHT: KARAOKE - Best of Filmmusic. "Karaoke?”, ich sah
ungläubig von einem zum anderen, "das ist doch nicht euer Ernst." "Ich
glaube auch nicht", Gillian teilte wohl meine Ansicht. "Ach kommt, das ist lustig",
Kian lachte. "Ich hasse Karaoke", sagte ich und wollte ich mich nach hinten
bewegen. "Oh nein", Mark hielt mich fest, "wir werden jetzt darein gehen." Mit
sanften Druck schob er mich vor sich her. Und keine Minute später befand
ich mich in mitten eines Londoner Clubs. Wir suchten uns erst mal einen Tisch,
was sich bei der Größe unserer Gruppe, gar nicht so einfach war.
Schließlich hatten wir einen Tisch ziemlich in der Mitte des Clubs gefunden.
"So ich gehe die erste Runde holen", bot sich Nicky an. Er nahm die Getränkewünsche
entgegen und machte sich auf an die Bar. Wir anderen nahmen Platz. Das heißt
Bryan und Kerry gingen gleich auf die Tanzfläche und verschwanden im Gewusel
der Tanzenden. Auch Shane und Gillian hielten es nicht lange auf ihren Stühlen
aus. "Willst du auch tanzen?", Mark sah mich an. "Ich weiß nicht", ich
sah eine Spur neben ihm her, "du hast mich ziemlich herein gelegt." "Wie sonst
sollte ich dich, denn hier her bekommen, du hättest dich doch an deinem
Hotelbett festgekettet. Außerdem wollte ich mal mit einer richtigen Schauspielerin
singen", Mark grinste, "komm bitte..." Ich musste lächeln. Ich konnte Mark
es nicht abschlagen, weil ich mir im Moment nichts mehr wünschte als mit
ihm zu tanzen. "Okay", ich lächelte ihn an, "aber über das Singen
reden wir noch." Mark antwortete mir nicht, sondern zog mich nur von meinem
Stuhl hoch und ging mit mir zur Tanzfläche. Die Zeit verflog nur so. Ich
konnte schon nach wenigen Minuten nicht mehr sagen, wie lange ich mit Mark tanzte.
Es war einfach ein wunderschönes Gefühl ihm so nahe zu sein. "Na du
bist du noch sauer?", fragte Mark über die Musik hinweg. Ich schüttelte
den Kopf. Wie konnte ich das? Ich tanzte mit ihm und fühlte mich einfach
nur wohl. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir noch ewig so
weiter tanzen können.
Doch plötzlich schob sich jemand zwischen uns. Dieser Jemand war niemand
anderes als Salene. "Hey Süßer, toll dass ich dich endlich gefunden
habe", flötete sie und drückte Mark einen Kuss auf die Lippen. Dann
wandte sie sich mit einem fiesen Grinsen an mich. "Danke Lara, dass du solange
für mich auf Mark aufgepasst hast", sagte sie mit zuckersüßer
Stimme, "es wäre ja auch nicht gut gewesen, wenn sich diese ganzen Girls
hier an meinen Mark heran gemacht hätten, nicht wahr? Da ist so eine beste
Freundin schon gut. Vielen Dank dir noch mal." Damit legte sie ihre Arme um
Marks Hals und schmiegte sich an ihn. "Lara...", Mark sah mich mit einem Blick
an, den ich nicht ganz deuten konnte. "Ist schon okay", sagte ich leise, sodass
er es unmöglich hörten konnte. Dann ging ich langsam zurück an
unseren Tisch. Mittlerweile war er ganz leer. Wahrscheinlich amüsierten
sich alle, nur ich nicht. Warum hatte Salene gerade jetzt auftauchen müssen?
Ich hatte mich so gut mit Mark gefühlt. Warum musste sie alles kaputt machen?
Und es war nur zu deutlich, dass er sie viel lieber hatte als mich. Salene,
die ihn nicht liebte. Salene, die ihn nach Stich und Faden hinter das Licht
führte. Ich hockte an den Tisch, nippte an meinem Cocktail und versuchte
nicht in die Richtung von Mark und Salene zu gucken. "Na auch so begeistert?",
Kian ließ sich mit einem Bier neben mich fallen. Ich nickte. "Salene ist
eben gekommen", sagte ich erklärend. "Ich verstehe und unser Feehily war
sofort hin und weg", schlussfolgerte Kian. Ich sah ihn nur vernichtend an. "Sorry,
war nicht so gemeint. Mir geht’s auch nicht besonders gut. Ich hätte die
Möglichkeit mich zu amüsieren, du glaubst gar nicht, wie viele Girls
hier an dem Tisch vorbei gekommen sind, aber irgendwie geht mir Jodi total ab",
brummte Kian. "Habt ihr denn gar keine Zeit euch zu sehen?", fragte ich mitfühlend.
"Scheinbar nicht. Ich kann hier nicht weg, weil wir zu tun haben. Jodi hat bei
Hollyoaks viel zu tun", Kian schüttelte den Kopf und nahm einen Schluck
Bier. "Was machen wir beiden Unglücklichen eigentlich hier?", ich musste
trotz allem lachen. Kian grinste auch. "Keine Ahnung", meinte er, "warte mal,
ich hab ne Idee. Würdest du eventuell mit mir tanzen? Ich meine, dann wären
wir beide ein bisschen abgelenkt und bei dir wüsste ich, dass du nicht
nur mit mir tanzen würdest, weil ich Kian Egan von Westlife bin." "Okay
lass uns tanzen, bevor wir hier beide in unserer Trauer versinken", antwortete
ich. Wir beide standen gleichzeitig von unseren Stühlen auf und stürzten
uns zusammen in das Gewühl von Tanzenden. Der DJ legte im Moment ein paar
groovige Stücke auf und bald war ich voll in meinem Element. Kian konnte
sehr gut tanzen und ich war froh, dass ich mich etwas von Mark und Salene ablenken
konnte. "DA", Kian zeigte plötzlich auf mich. Ich sah ihn irritiert an.
"Was?", wollte ich wissen. "Du hast gelächelt", meinte er. Ich lachte.
"Du auch!" "Wir bessern uns nicht wahr?", stellte er fest. "Du hast Recht",
stimmte ich ihm zu, während ich etwas auf ihn zu tanzte. Dann lachten wir
beide wieder.
"Ladies and Gentlemen", rief ein Mann im Anzug, auf den im Augenblick alle Scheinwerfer
gerichtet waren, "nun ist es mal wieder soweit unsere Karaokemaschiene wird
angeworfen." "Komm", Kian zog mich mit sich zu unserem Tisch, "jetzt fängt
es an." Wir kamen als letzte zum Tisch zurück. "Na Egan, hast du für
heute Abend einen Ersatz für Jodi gefunden?", Bryan grinste. "Ich würde
nicht sagen, dass Lara ein Ersatz ist. Wir dachten unter gegebenen Umständen
ist es mal ganz gut mit einander zu tanzen", Kian lachte. Ich begegnete Marks
Blick. Er sah mich seltsam an. Er schien irgendeine Antwort zu suchen. "Habt
ihr euch schon überlegt, was ihr singen wollt", fragte Nicky in die Runde.
"Hm, Filmmusik", Shane legte die Stirn in Falten, "mir würde nur etwas
für Gillian einfallen." Er grinste seine Verlobte neben sich an. "Shane
Filan, vergiss es", Gillian schüttelte energisch den Kopf. "Ach komm, Gill",
Shane schlang seine Arme um ihre Tallie. "Ich habe nein gesagt" , Gillian wandte
sich aus seiner Umarmung, "also versuch nicht mich um zustimmen." "Na gut",
Shane küsste Gillian auf die Wange, "ich gebe mich geschlagen." "Okay,
dann mache ich halt den Anfang", Bryan schob sich in Richtung Karaokemaschiene.
"Ich bin ja mal gespannt", ich lachte, "Kerry, weißt du schon mit welchem
Lied uns dein Gatte beglücken will." "Ich habe keine Ahnung", Kerry schüttelte
den Kopf. Doch da erklangen schon die ersten Klänge. Shane fing an zu grinsen.
"Lads, denkt ihr was ich denke?", fragte er. "Ja klar *Greased Lightning*”,
Kian lachte, "das weckt alte Erinnerungen.” "Und Bryan macht das sehr gut",
sagte ich.
Als Bryan mit seinem Lied geendet hatte, jubelten wir alle. Kerry lief zu ihrem
Ehemann und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. "War lustig, Schatz",
sagte sie. Während die nächste Teilnehmerin Celine Dions *My heart
will go on* sang, setzte Bryan sich wieder an den Tisch und sah von einem zum
anderen. "Und wer singt jetzt?", fragte er. "Ich wäre ja für Lara",
Mark grinste mich an. "Nein", ich schüttelte den Kopf. "Ach komm Lara,
kneifen gilt nicht", Nicky grinste auch. Irgendwie grinsten mich alle an dem
Tisch an. Außer Salene natürlich, die schien das alles mal wieder
nicht zu interessieren... "Nee wirklich nicht", ich machte mich ganz klein auf
meinem Stuhl. "Lara, jetzt sei doch nicht so stur", Mark stieß mich in
die Seite. Plötzlich kam mir ein Gedanke. "Okay ich mache es, aber ich
singe nicht alleine", sagte ich, "Mark du wolltest doch unbedingt hier hin,
also musst du jetzt auch mit mir singen, was dir bestimmt nicht schwer fallen
wird. Ach so ich habe noch eine Bedingung. Ich suche den Song aus." "Ich glaube
nicht, dass Mark mit dir singen will", Salene funkelte mich wütend an.
"Ich glaube nicht, dass du das weißt", fuhr Kian sie von der Seite an.
Ich nickte ihm dankbar zu. "Mark?", ich sah ihn fragend an. "Okay, ich habe
ja gesagt, dass ich mit dir zusammen singen will", er griff nach meiner Hand
und wir gingen unseren Song anmelden. "Was für ein Lied willst du denn
Singen?", fragte Mark mich. "*Time of my life* aus Dirty Dancing", gab ich Auskunft.
"Nein”, Mark versuchte mich fest zuhalten, "das passt doch gar nicht.” "Aus
dir spricht der talentierte Sänger, Mark", ich grinste, "es soll auch nicht
passen. Ich kann doch gar nicht singen und irgend einen Ausgleich muss es doch
geben." Damit gab ich den dafür zuständigen Leuten, meinen Musikwunsch
durch. Wenig später wurden Mark und ich auf die kleine Bühne gewunken.
"Okay, dann mal los", murmelte ich. Ich fühlte mich gar nicht wohl. Ich
fühlte mich unsicher. Beim Theaterspielen war das anders. Da wusste ich,
dass ich voll hinter dem stand, was ich tat, aber das hier war etwas anderes.
Ich sollte singen. "Hey ganz ruhig, stell dir vor, dass du Theater spielst",
Mark griff nach meiner Hand, als die ersten Klänge der Musik erklangen,
"die Leute hier erwarten nichts von dir. Das ist alles nur just for fun." Ich
nickte. Mark begann damit zu singen und er machte es wie erwartet sehr gut.
Dann kam mein Einsatz. Die ersten Zeilen sang ich noch sehr holprig und von
meiner Gesangsleistung ganz zu schweigen, aber dann merkte ich, wie ich mich
mehr und mehr entspannte. Meine Stimme wurde davon zwar nicht besser, aber es
begann mir Spaß zu machen. Auch Mark schien es zu merken. Er lächelte
mir während meines Parts an und hielt den Daumen hoch. Irgendwann verklang
die Musik wieder. Die Leute im Club klatschten. Mark kam zu mir und umarmte
mich. "Siehst du war doch gar nicht so schlimm", lachte er, "und du hast sogar
Applaus bekommen." "Ja klar Mr. Westlife. Und dich haben sie gar nicht erkannt",
entgegnete ich, aber grinste. "Na ja, aber ich bin stolz auf dich", Mark umarmte
mich, als wir wieder auf dem Weg zu unserem Tisch waren. Ich errötete leicht.
Zum Glück war es nicht so hell im Raum, dass irgendjemand es sehen konnte.
"Da kommt ja unser Traumpaar", zurück rief Nicky, "ihr wart großartig."
"Das muss ich doch auch mal sagen", Bryan nickte, "Respekt, aber Mark du hast
neben Lara gar nicht so gewirkt." "Wer weiß worauf du wieder geachtet
hast", Kerry stieß Bryan in die Seite, "nein es war aber echt lustig."
"So viel Lob hätten wir gar nicht erwartet, was Lara?", Mark legte einen
Arm um mich, "ich finde wir sollten jetzt erst mal anstoßen." Er griff
nach zwei Getränken auf dem Tisch und reichte eins davon mir. "Auf unseren
Auftritt", sagte er und stieß an mein Glas. "Auf unseren Auftritt", wiederholte
ich, lächelte Mark an und trank dann einen Schluck.
"Das ist ja alles ganz reizend", Salene schob sich zu Mark und mir. Salene,
ich verdrehte die Augen. Ich hatte sie bei unserem Auftritt fast vergessen,
aber sie gab mir ja nicht ein mal die Gelegenheit dazu, wenn ich länger
als fünf Minuten etwas mit Mark machte. "Was?", Mark sah Salene irritiert
an. "Ich wollte dich nur daran erinnern, dass es mich auch noch gibt. Aber das
scheinst du ja bei deiner tollen Darbietung vergessen zu haben", Salene warf
mir einen giftigen Seitenblick zu. "Wir haben doch nur miteinander gesungen",
verteidigte sich Mark. "Na gut, der Auftritt ist ja jetzt vorbei, dann kannst
du ja auch wieder mit mir tanzen", Salene sah ihn an. "Wenn du willst", Mark
zuckte mit den Schultern. "Na dann komm", Salene zog ihn am Arm. Sie gingen
auf die Tanzfläche. Ich sah Mark nach. Es schien mir so, dass jedes Mal,
wenn ich Mark gerade nahe war, glitt er mir im nächsten Moment wieder durch
die Finger. Was machte ich nur falsch? Warum gewann immer nur Salene? Langsam
setzte ich mich wieder auf meinen Platz neben Georgina. Die anderen unterhielten
sich über irgendwelche Sachen, aber ich beteiligte mich nicht am Gespräch.
Ich sah immer nur Mark und Salene, die sich zusammen beim Tanzen amüsierten.
Nach einiger Zeit hatte ich zu viel. Ich hatte keine Lust mehr hier zu sitzen.
Ich musste raus. Ich murmelte eine Entschuldigung und bahnte mir einen Weg durch
die Menschenmengen. Endlich sah ich die Tür vor mir und wenig später
stand ich im Freien. Ich lehnte mich an die Wand und atmete tief ein. Es war
eine kalte Novembernacht, aber ich nahm die Kälte gar nicht wahr. Ich war
froh nicht mehr Salene und Mark vor Augen haben zu müssen.
"Ist dir nicht kalt?", hörte ich eine Stimme hinter mir. Kian stand dort
und hielt mir eine Jacke entgegen. "Danke", ich nahm die Jacke und zog sie mir
über mein Top. "Ist es so schlimm?", Kian sah mich mitfühlend an.
"Ich weiß nicht, was los ist. Erst hatte ich das Gefühl ihm so nah
zu sein und dann...", ich wischte mir eine Träne aus dem Gesicht. Kian
legte mir einen Arm um die Schulter. "Du bedeutest Mark etwas, glaub mir", sagte
er sanft, "er hat dich die ganze Zeit auf der Bühne nicht aus den Augen
gelassen, was meinst du warum Salene so wütend war?" Ich lächelte
schwach und antwortete nicht. "Sollen wir fahren?", wollte Kian plötzlich
wissen. Ich sah ihn erstaunt an. "Ich habe auch keine Lust mehr auf diesen Club
und auf Party machen. Ich weiß nicht, sonst bin ich auch nicht der Typ,
der früh zurück fährt, aber heute fühle ich mich einfach
nicht danach", erklärte Kian. "Wenn ich dir damit wirklich nicht den Abend
verderbe, dann würde ich dein Angebot annehmen", sagte ich leise. "Ich
würde es wirklich nicht sagen, wenn ich es nicht so meinen würde",
beteuerte Kian, "ich gehe gerade noch mal rein und sage den anderen Bescheid,
okay?" "Ist in Ordnung, ich warte hier auf dich", antwortete ich. "Gut bis gleich",
Kian verschwand wieder im Club. Es dauerte keine fünf Minuten, bis er wieder
kam: "Alles in Ordnung, wir können fahren."
Chapter #13
"So da wären wir", Kian halt mir aus dem Taxi. "Okay, ich freu mich schon
auf mein Bett", ich versuchte ein Lächeln. "Ich mich auch", Kian grinste.
Wir gingen beide in das Hotelgebäude hinein. "Oder vielleicht ruf ich noch
Jodi an", überlegte Kian. "Ja... mach das", ich nickte, doch dann sah ich
etwas und musste grinsen, "oder lass es doch sein. Ich denke sie wird heute
Abend beschäftigt sein." "Hä?", Kian sah mich verständnislos
an. "Dann guck mal nach da vorne", ich zeigte in Richtung Rezeption, "diese
junge Frau sieht deiner Jodi doch verdammt ähnlich, oder?" Kian sah in
die Richtung, die ich ihm gezeigt hatte. In der nächsten Sekunde lief er
schon auf seine Freundin zu und umarmte sie. Ich ging betont langsamer, so dass
sie sich erst ausreichend begrüßen konnten. Jodi, die sich gerade
von Kian gelöst hatte, bemerkte mich. "Hey Lara, toll dich mal wieder zu
sehen", Jodi umarmte mich zur Begrüßung, "woher kommt ihr denn?"
"Wir waren alle zusammen in so einem Club, aber mir gings nicht so gut und Kian
auch nicht, weil er dich vermisst hat und dann sind wir zusammen ins Hotel gefahren",
erzählte ich Jodi. "Oh... Hast du mich wirklich so vermisst?", Jodi drehte
sich zu Kian, der hinter ihr stand und seine Arme um sie geschlungen hatte.
"Ja. Ich bin so froh, dass du da bist", Kian gab Jodi einen Kuss auf die Wange.
Ich seufzte die beiden waren einfach süß, doch mich erinnerte das
alles auch wieder an Mark. "Ich geh dann mal schlafen", sagte ich, "ich wünsche
euch eine schöne Zeit, wir sehen uns morgen." "Okay Lara, schlaf gut",
Kian umarmte mich, "und sei nicht traurig." "Gute Nacht, Lara", Jodi lächelte.
Ich nickte den beiden noch einmal zu und machte mich auf den Weg zu meinem Hotelzimmer.
In meinem Zimmer angekommen, wollte ich sofort ins Bett. Aber ich merkte schnell,
dass ich nicht so bald einschlafen würde. Immer wieder wanderten meine
Gedanken zu dem vergangenen Abend. Mark und ich beim Tanzen, Mark und ich bei
unserer Karaokenummer. Und immer wieder hatte Salene gestört. Ich rollte
mich zur Seite und versuchte alle Gedanken aus meinem Kopf zu bekommen. Doch
es war schier unmöglich. Denn die Bilder, die mir in ins Gedächniss
kamen, waren unmöglich zu vertreiben. Mark wie er mich beim Singen anlächelte,
Mark, der mich umarmte, Mark wie er mich ansah, als er mit Salene tanzte. Nach
einer guten Stunde, in der ich and die hundert mal meine Schlafposition geändert
hatte, gab ich es auf und schaltete das Licht wieder an. Ich ging ins Bad und
sah in den Spiegel. Mir sah ein Spiegelbild mit wirren Haaren und müdem
Gesicht entgegen. Ich sah ja noch schlimmer aus als vor dem Ausgehen. Ich lachte
auf und fuhr mir mit den Fingern durch die Haare. Dann ging ich zurück
in den Hauptraum. Dort holte ich mir erst mal eine Flasche Wasser aus der Minibar
und trank sie mit großen Schlucken aus. Dann verzog ich mich wieder ins
Bett. Doch ich wusste, dass ich jetzt nicht schlafen konnte. Genervt schaltete
ich den Fernseher an und zappte mich durchs Nachtprogramm. Ich blieb bei einer
Late Night Show hängen und sah mir an, wie der Showmaster sich mit mehr
oder weniger berühmten Leuten unterhielt. Richtig konzentrieren konnte
ich mich sowieso nicht. Ich wusste gar nicht mehr wie lange ich auf den Fernseher
gestarrt hatte, als ich ein leises Klopfe an der Tür. Erst ignorierte ich
es, weil ich dachte ich hatte mich verhört. Doch dann hörte ich es
wieder, diesmal ein wenig lauter. Wer konnte das sein? Ich sah auf die Uhr.
Es war halb vier. Langsam stieg ich aus dem Bett und ging zur Tür. Vor
der Tür stand Mark. "Du?", ich sah ihn erstaunt an. "Kann ich rein kommen?",
wollte Mark wissen. Er klang seltsam. "Klar", ich trat zur Seite, so dass er
eintreten konnte. Ich musterte ihn unauffällig. Irgendetwas stimmte nicht
mit ihm, das konnte ich spüren. "Setz dich doch, mein Bett ist zwar nicht
mehr frisch gemacht, aber ich hoffe es ist trotzdem okay", sagte ich mit einem
schiefen Lächeln. Mark antwortete nicht und ließ sich auf meinem
Bett nieder. "Warum bist du so früh gegangen?", fragte er. "Mir gings nicht
so gut", log ich, "ich glaube ich habe die Luft in dem Club nicht bekommen."
"Und was war mit Kian?", fragte Mark weiter. "Hm, er hat Jodi vermisst", sagte
ich. Ich verstand immer noch nicht was das Ganze sollte. Mark hatte anscheinend
etwas auf dem Herzen. "Jodi, hm? Ihr habt euch heute Abend gut verstanden nicht?",
wollte Mark wissen. "Ich mag Kian. Wir haben miteinander getanzt, weil wir sonst
die ganze Zeit herumgesessen hätten", ich lachte, "außerdem hat Jodi
auf Kian gewartet als wir zurück ins Hotel gekommen sind. Sie hat endlich
Zeit ihn zu besuchen." "Ach so", Mark nickte. Er wirkte schon wieder etwas abweisend.
Einen Augenblick sah ich Mark an, dann hielt ich es nicht mehr aus. "Was ist
mit dir Mark? Du kommst doch nicht ohne jeden Grund zu mir. Jedenfalls nicht
um diese Uhrzeit", sagte ich. Mark lachte auf und schüttelte den Kopf.
Es vergingen wieder einige Minuten ohne, dass er ein Wort sagte. "Kennst du
das Gefühl, wenn man sich so seltsam fühlt?", fing er plötzlich
wieder an zu sprechen. "Was meinst du?", wollte ich wissen. Worauf wollte er
hinaus? Mir wurde diese ganze Situation immer merkwürdiger. "Ich fange
am besten erst mal ganz am Anfang an", sagte Mark, "du hast ja heute mitbekommen,
dass Salene heute den ganzen Tag so komisch war. Oder schon die ganzen letzten
Tage. Ich weiß nicht genau." Ich hatte das Bedürfnis zu Schreien.
Das war doch jetzt nicht sein Ernst. Er wollte doch jetzt nicht mit mir darüber
reden, was Salene fehlte. Ich war für ihn da, aber nicht um Salenes Probleme
zu diskutieren. Das brachte ich in meiner Verfassung nicht zu Stande. Trotzdem
schwieg ich und wartete darauf, dass Mark weiter redete. "Vielleicht habe ich
das auch einfach nur anders wahrgenommen. Auf jeden Fall fande ich das heute
im Club auch seltsam. Sie hat das alles gar nicht interessiert, was so gelaufen
ist. Eigentlich wollte sie nur tanzen und sich nicht mal unterhalten. Und gar
nichts. Ihr zu liebe habe ich das gemacht, aber es war nicht, dass ich mich
wohl gefühlt habe. Und dann sind wir vor ungefähr einer Stunde zurück
gekommen und na ja...", Mark stoppte und sah mich wissend an, "danach habe ich
mich so leer gefühlt. Und dieses Gefühl ist immer noch da." Ich sah
ihn an. "Ein leeres Gefühl?", wiederholte ich. Mark nickte. "Und geht dieses
Gefühl von ihr aus oder kommt es von dir?", fragte ich. Warum tat ich das
hier? Ich verstand mich selber nicht. Aber ich konnte meinen Mark nicht unglücklich
sehen. Er wirkte sehr traurig und verwirrt, wie er so neben mir auf dem Bett
saß. "Ich glaube von mir. Irgendwas läuft nicht richtig", sagte Mark,
"ach Lara. Ich erzähle dir hier alles und nehme das für selbstverständlich,
dass du mir zuhörst. Dabei hättest du allen Grund auf mich sauer zu
sein. Ich habe dich heute zwei mal stehen lassen. Es tut mir leid. Ich weiß
auch nicht was mit mir los ist." "Hey", ich nahm Mark in den Arm, "ich bin dir
ja nicht böse." Das war nicht mal gelogen. Ich konnte ihm gar nicht böse
sein. Nicht jetzt. "Nein, das soll jetzt nicht so klingen, dass ich das nur
sage, damit ich ein reines Gewissen habe", unbrach Mark wieder die Stille, "es
tut mir wirklich leid. Lara, du bist meine beste Freundin. Du bist mir sehr
wichtig. Auch wenn du es in den letzten paar Tagen vielleicht nicht gemerkt
hast." Ich konnte nichts sagen. Ich war seine beste Freundin. Nicht weniger,
aber auch nicht mehr. Merkte er denn nicht, wie viel er mir bedeutete? "Aber
ich habe mir überlegt, wie ich das wieder gut machen werde", redete Mark
weiter. "Hey du brauchst nichts gut machen", ich schüttelte den Kopf. "Warte
doch erst mal. Ich wollte vorschlagen, dass wir und morgen beziehungsweise nachher,
wenn wir ausgeschlafen haben, einen Tag nur für uns beide machen. Wir haben
einen Tag frei. Wir könnten doch ein bisschen durch London ziehen. Was
essen gehen und einfach nur gucken, was uns über den Weg läuft", schlug
Mark vor, "und wenn du es nicht als Wiedergutmachung sehen willst, dann nimm
es doch einfach als ein Tag, der nur uns beiden gehört." Ich sah ihn an.
Ich fand seine Idee toll. Ein Tag nur für Mark und mich. Doch ich zögerte.
"Salene ist morgen nicht da, sie wird dich also auch nicht anfahren", sagte
Mark auf mein Zögern hin, "komm schon Lara, ich würde mich echt freuen.
Das wird toll." "In Ordnung, ich freue mich", willigte ich ein. "Toll, dann
ziehen wir nachher los, wenn wir ausgeschlafen haben, okay?", Mark lächelte
wieder. Es tat gut ihn wieder lächeln zu sehen, sein verstörter Blick
vorhin hatte mir Angst eingejagt. "Ja", ich nickte, "geht es dir denn jetzt
ein bisschen besser? Ich meine, wegen eben?" Mark seufzte. "Ein bisschen schon,
weil ich darüber geredet habe. Danke Lara", er legte mir eine Hand auf
den Arm und gab mir einen kleinen Kuss auf die Wange. Ich zuckte zusammen und
sagte nichts. "Dann werde ich jetzt mal wieder gehen, damit du auch schlafen
kannst. Nicht, dass du morgen unsere Londontour verschläfst", sagte Mark.
"Ist gut, glaubst du dir geht es auch gut damit?", fragte ich noch mal. "Ich
denke Salene schläft jetzt", sagte Mark. Ich nickte. "Dann wünsche
ich dir noch eine gute Restnacht", Mark lächelte, "bis nachher." "Bis nachher",
sagte ich leise und sah ihm nach, als er das Zimmer verließ. Ich ließ
mich auf mein Bett zurück fallen und strich mir mit dem Finger über
meine Wange, wo ich Marks Kuss immer noch spürte. Mein Herz klopfte und
ich musste bestimmt die ganze Zeit grinsen. Warum hatte er nur so eine Wirkung
auf mich? Das schlimme war, dass er es ja nicht einmal merkte. Aber nichts desto
trotz. Ich freute mich auf unseren Tag in London. Mit diesem Gedanken schlief
ich ein.
Chapter#14
"London ist einfach schön", schwärmte ich als ich zusammen mit Mark
am Ufer der Themse entlang ging. "Ja", Mark nickte, "Und wir haben ja heute
echt Glück, dass es nicht regnet oder sonst irgendwie ungemütliches
Wetter gibt. Für November ist das echt gut." Er hatte Recht. Das Wetter
heute war wirklich gut. Es war zwar kalt, aber angenehm kalt. Wir waren jetzt
schon seit einigen Stunden in London unterwegs, hatten uns die verschiedensten
Geschäfte und Läden angesehen und waren einfach nur durch die Straßen
gebummelt. Ich genoss jede Sekunde unserer kleinen Tour. Es war so schön
mit Mark unterwegs zu sein, sich mit ihm zu unterhalten und einfach nur zu wissen,
dass er neben mir ging. Okay, das mag jetzt vielleicht ein bisschen kitschig
und übertrieben klingen, aber ich fühlte mich wirklich so.
Mark musste gemerkt haben, dass ich mit meinen Gedanken ganz weit weg gewesen
war. Er sah mich an und grinste dann. Es dauerte eine Minuten bis ich es bemerkte.
"Was?", fragte ich ihn und musste lachen, "habe ich irgendetwas im Gesicht?"
"Nein, du schienst an etwas gedacht zu haben", sagte er. "Ich habe gedacht,
dass es schön ist, mit dir den Tag zu verbringen. Es war echt eine gute
Idee ein bisschen durch London zu ziehen", sagte ich. Das war nicht gelogen.
Ich hatte ihm lediglich meine Gefühle verschwiegen. "Es freut mich, dass
es dir gefällt. Und mir tut es auch sehr gut. Einen Tag mal aus dem ganzen
Wahnsinn des Showbiz rauszukommen und sich Zeit für die wirklich wichtigen
Dinge zu nehmen. Zum Beispiel ein Stadtbummel mit meiner besten Freundin", Mark
lächelte. Ich lächelte zurück. Wenigstens fühlte er sich
nicht unwohl in meiner Gegenwart. "Komm, lass uns mal dahinten zu dem Park gehen",
Mark nahm mich an die Hand. Ich sah auf unsere Hände. Wir mussten aussehen
wie ein glückliches Päarchen. Der Schein konnte so trügen. Das
wurde mir jetzt wieder bewusst. Doch ich wollte nicht schon wieder an meine
Gefühle für Mark denken. Ich wollte einfach nur die Stunden mit ihm
genießen, wo ich ihn nicht mit Salene teilen musste.
Wir liefen schon eine Weile durch den Park, als ich eine Gruppe von Menschen
sah, die durch eine Art Eingang gingen. "Was ist denn dahinten?" ,fragte ich
Mark und deutete mit meinem Finger in eine Richtung. "Keine Ahnung", Mark zuckte
mit den Schultern, "aber wir können ja mal schauen gehen." Gemeinsam gingen
wir auf die Stelle zu. "Eine Eisbahn", rief ich als ich lesen konnte, was über
dem Eingang stand, "meine Güte es muss ewig her sein, dass ich das letzte
Mal Schlittschuh gefahren bin. Hättest du nicht auch Lust das mal wieder
zu machen?" Mark hatte seine Hände in den Taschen vergraben und warf mir
einen zweifelnden Blick zu. "Ich weiß nicht. Ich stell mich bei so was
immer ungeschickt an. Tennis oder Fußball sind eher meine Sportarten."
"Ach komm schon. Ich halte dich auch fest", versuchte ich Mark zu überreden,
"versprochen." Mark zögerte immer noch und warf mir dann einen langen Blick
zu. "Okay, du hast mich überredet", sagte er und ging auf den Eingang zu.
Ich folgte ihm.
Wenig später stiefelten wir auch schon auf Schlittschuhen in Richtung Eisfläche.
Ich stieg sofort auf das Eis und ließ mich ein paar Meter nach vorne gleiten,
dann sah ich mich nach Mark um. Er stand noch außerhalb der Eisfläche
und sah zu mir. " Na komm, Mark. Das ist lustig", ich hielt ihm eine Hand hin.
Langsam kam er näher und ergriff meine Hand. "So und jetzt entspann dich
und lass dich von mir ziehen", sagte ich, nahm auch seine andere Hand und fuhr
ein paar Meter zurück, dass Mark vorwärts glitt. Nach einigen Minuten
merkte ich, wie Mark etwas sicherer wurde. "Das fühlt sich gar nicht so
schlecht an", grinste er. "Sag ich doch", ich lachte, "du solltest öfters
auf mich hören." "Das glaub ich auch, Lara", Mark nickte, "und jetzt ziehe
ich dich mal, okay?" Er nahm wieder meine Hand und fuhr los. Er fuhr quer über
die gesamte Eisfläche. Plötzlich drehte er sich zu mir um und machte
einen erschrockenen Gesichtsausdruck. "Was ist los?", ich sah ihn irritiert
an. "Wo sind bei diesen Dingern die Bremsen?", Mark sah mich leicht panisch
an. "Einen Fuß aufstellen", rief ich, aber es war schon zu spät.
Mark strauchelte und fiel dann der Länge nach auf das Eis. Ich stoppte
gerade vor ihm und beugte mich zu ihm. "Mark? Ist alles in Ordnung?", wollte
ich besorgt wissen. Mark drehte sich zu mir und grinste: "Alles okay." Er versuchte
sich aufzurappeln. Ich reichte ihm eine Hand und half ihm. "Ich glaube ich sollte
doch noch üben", meinte Mark, "aber ich wollte dich halt beeindrucken,
dass ich schnell lernfähig bin." "Ihr seid doch alle gleich", alberte ich.
"Ach komm so schlimm bin ich auch nicht", Mark grinste, "eigentlich wollte ich
dich jetzt auf einen Kaffee einladen, aber das überlege ich mir jetzt noch
mal." "Und wenn ich mich ganz lieb bei dir entschuldige?", fragte ich und sah
Mark mit großen Augen an. "Hm, na ja okay", Mark nickte, "dann lass und
mal gehen." Er deutete auf einen kleinen Kiosk am Rande der Eisbahn. "Setz du
dich auf die Bank dort, ich besorge uns den Kaffee", sagte er.
"So mit Milch und etwas Zucker", Mark reichte mir einen dampfenden Pappbecher
und ließ sich dann neben mir nieder. "Du bist ein Schatz", sagte ich,
"dass du das nie vergisst." "Hey ich kenne dich schon so lange, da werde ich
doch deine Trinkgewohnheiten von Kaffee kennen", Mark sah mich vorwurfsvoll
an. Ich lächelte und wusste nicht genau, was ich darauf sagen sollte. "Wie
lange kennen wir uns jetzt eigentlich?", fragte Mark plötzlich, "mir erscheint
das wie eine Ewigkeit." Ich schwieg immer noch und trank einen großen
Schluck von meinem Kaffee. Warum fing er jetzt damit an? Es erinnerte mich nur
an "Was meinst du?", Mark sah mich erwartungsvoll an. "Ich weiß nicht.
Mit der Ewigkeit hattest du gar nicht mal so Unrecht", sagte ich, aber ich sah
ihn nicht an. "Moment mal im Kindergarten haben wir immer schon zusammen gespielt",
Mark nickte, "das war’s. Wer hätte gedacht, dass wir heute immer noch die
besten Freunde sind?" "Ich weiß nicht", antwortete ich wieder. Warum war
nicht alles so geblieben wie es immer gewesen war? Ich und Mark. Wir beide als
beste Freunde. Ich schluckte. Ich durfte jetzt bloß nicht anfangen zu
weinen. Das war das Schlimmste was ich jetzt machen konnte. Ich atmete einmal
tief durch und trank dann meinen Kaffee aus. "Wollen wir noch ein bisschen fahren?",
fragte ich und versuchte überzeugend zu lächeln. Mark sah mich verwundert
an und ich war mir sicher, dass er wusste, dass etwas nicht stimmte. Doch dann
lachte er auch: "Okay, ich trinke nur noch meinen Kaffee aus, dann bin ich bereit
für weitere blaue Flecken!"
Wir blieben noch auf der Eisbahn bis es schon dunkel und richtig kalt wurde.
"So jetzt reicht es aber auch", Mark fröstelte als aus dem Eisbahnbereich
herausgingen, "ich habe mich für die nächste Zeit genug im Eissportbereich
betätigt." Ich lachte.
Wir gingen zurück zum Hotel. Mark brachte mich bis zu meiner Zimmertür.
"Ich fand den Tag mir dir sehr schön", Mark lächelte mich an. Bei
diesem Blick bekam ich schon wieder weiche Knie. "Für mich war es auch
schön", ich sah ihn an. Einen Moment schwiegen wir beide. In Liebesfilmen
ist das immer die Szene wo sich das Paar zum ersten Mal bei romantischer Musik
küsst. Natürlich war es Schwachsinn jetzt an so etwas zu denken. Erstens
Mark und ich waren kein Paar, zweitens befanden wir uns in der Realität
und nicht in einem Liebesfilm und drittens geschah so etwas am wenigsten, wenn
ich mir es wünschte. "Vielleicht können wir ja noch etwas zusammen
machen. Ich würde ungern jetzt schon auf mein Zimmer gehen", unterbrach
Mark unser Schweigen. "Wenn du möchtest, kannst du gerne noch ein bisschen
mit zu mir rein kommen", schlug ich vor, "wir könnten uns vielleicht noch
einen Film oder so angucken. Das ist ein sehr guter Aspekt an diesen Hotels:
Der große Fernseher." "Gerne", Mark lächelte, "und zu dem Film können
wir uns ja noch irgendetwas zu Essen beim Zimmerservice bestellen." "Gute Idee",
sagte ich, während ich meine Zimmertür aufschloss, "du bestellst jetzt
etwas zu essen und ich gucke durchs TV-Programm, was es heute für uns zu
bieten hat." "Alles klar", Mark ließ seine Jacke auf einen Stuhl fallen
und ging zum Servicetelefon herüber. Ich ging derweilen zum Fernseher und
drehte ihn so, dass man von der Couch, die etwas entfernt stand, gute Sicht
hatte. Dann schnappte ich mir das Fernsehprogramm und begann es durch zu sehen.
"Essen kommt gleich", verkündete Mark und ließ sich neben mich auf
die Couch fallen, "na was läuft denn so im TV?" "Also du hast die Wahl
zwischen einer herzzerreißenden Tragödie, einem knallharten Actionstreifen
und einer wirklich gutgemachten Komödie", eröffnete ich ihm. "Ich
nehme an, du bist für die Komödie", stellte Mark fest. "So kann man
das auch sagen", lachte ich. "Dann wird es die Komödie", Mark lehnte sich
zurück und sah auf den Bildschirm. "Es seid denn du willst etwas anderes
sehen", sagte ich. "Nee, Komödie ist schon in Ordnung", Mark nickte. Wir
kuschelten uns beide in die Couch und sahen uns den Film, der wirklich lustig
war, an. Zwischendurch kam auch noch das, von Mark bestellte, Essen und wir
ließen uns es richtig schmecken. Kurz und gut es war ein perfekter Abend.
"Der Film war echt gut", Mark gähnte. Mittlerweile lag er fast auf der
Couch und ich lehnte an seiner Schulter. "Hm", murmelte ich, "du weißt
doch, ich habe einen guten Geschmack." "Und du bist gar nicht eingebildet",
ergänzte Mark und stupste mit seinem Finger gegen meine Nase. "Das sowieso
nicht", ich griff nach der Fernbedienung um nach dem Abspann des Films ein bisschen
durch das TV zu zappen. Schließlich landete ich bei MTV. Es lief gerade
eine Rückblende diverser Awardshows des Senders. Interessiert sahen wir
uns verschiedene Auftritte an. Mark gab einige Kommentare dazu ab. Dann kam
wieder eine Anmoderation. "Und jetzt zeigen wir einen Auftritt von einer Awardshow
von 1999. Hier sind Westlife", sagte der Moderator. Mark sprang auf und saß
fast senkrecht auf der Couch. "Ich ahne Schreckliches", murmelte er, "Lara bist
du so gut machst du das aus?" "Was ist da denn schlimmes bei?", ich lachte.
"Das ist dieser schreckliche Auftritt, wo uns der Schwachsinn mit den Paliettenhemden
eingeredet worden ist", erklärte Mark, "ich hasse diesen Auftritt. Die
meisten anderen sind okay, aber der nicht. Bitte schalte das aus." "Ich finde
das süß", ich grinste und heftete meinen Blick weiter auf den Bildschirm
gerichtet. "Lara komm", Mark versuchte mir die Fernbedienung zu entwenden. Ich
hielt sie von ihm weg. "Na gut, wenn du so nicht hören willst, dann muss
ich dich anders dazu bringen und andere Seiten aufziehen", Mark grinste jetzt
auch und ehe ich mich versah drückte er mich in die Couch und begann mich
zu kitzeln. "Mark hör auf", kicherte ich, "du weißt doch, dass ich
kitzelig bin." "Oh ja, das weiß ich", Mark ließ nicht von mir ab
und kitzelte mich weiter. Ich wand mich und versuchte mich aus seinem Griff
zu befreien. Doch er war stärker als ich und so kitzelte er mich unbarmherzig
aus. "Ist ja gut", stieß ich hervor, "die Fernbedienung ist dein." Mark
grinste und schaltete den Fernseher aus und beugte sich dann wieder über
mich. "Und du glaubst das reicht?", Mark kitzelte mich wieder, "bevor ich dich
in Ruhe lasse, musst du dich erst entschuldigen." "Das auch noch?", fragte ich
grinsend. Er kitzelte mich immer noch. "Okay, okay. Es tut mir leid", sagte
ich atemlos. "Das klingt doch schon besser", Mark grinste wieder. Ich merkte,
dass er immer noch über mir war. Langsam wich sein Grinsen wieder von seinem
Gesicht. Plötzlich war es ganz still und außer unserem schwerem Atmen
war nichts mehr zu hören. Wir sahen uns in die Augen. Ich genoss den Moment,
denn ich liebt nichts mehr als in Marks blaue Augen zu sehen. Und dann, ich
weiß nicht was mich dazu bewegte, hob ich langsam, ganz langsam meinen
Kopf und schließlich küsste ich Mark. Sekunden später registrierte
ich was ich da tat. Ich musste verrückt sein ihn einfach zu küssen.
Total verrückt.
Chapter #15
Verwirrt löste ich mich nach einem Moment wieder von ihm. Ohne ein Wort
zu sagen ging Mark von mir herunter und wir setzten uns aufrecht hin. Mark sah
mich verständnislos an, als sei ihm selbst nicht so ganz klar, was da eben
passiert war. Ich merkte, dass sein Blick auf mir haftete und eine Antwort suchte.
Doch nicht mal ich selbst wusste, wie das hier passiert war. Wahrscheinlich
war ich von meinen Gefühlen überrannt worden. Und das gerade, wo ich
doch gedacht hatte, alles unter Kontrolle zu haben. Aber Gefühle konnte
man wohl nicht unter Kontrolle haben, wie mir gerade wieder bewusst wurde. Genau
so wenig, wie man sie unterdrücken konnte. Aber ich wusste nicht, was ich
Mark jetzt sagen sollte. Auch Mark sah mich weiterhin stumm an. Ich konnte seinem
Blick einfach nicht Stand halten und sah interessiert an die Tapete. Am liebsten
wäre ich aufgesprungen und hätte mich auf der Toilette eingeschlossen
oder hätte sonst irgendetwas in dieser Art getan. Doch ich blieb sitzen
und starrte weiter ohne jede Regung an die Wand. Dann spürte ich plötzlich
eine Hand unter meinem Kinn, der mich sanft dazu bewegte Mark wieder anzusehen.
Zu meiner Überraschung lächelte er. Was sollte das jetzt wieder bedeuten?
Marks Hand unter meinem Kinn wanderte zu meinem Nacken und dann zog er mich
langsam und sanft zu sich. Ich sah ihn an. Er lächelte immer noch. Und
dann küsste er mich. Ganz sanft und zurückhaltend. Ich brauchte einen
Moment um es zu verstehen. Mark küsste mich. Und wie. Es war ein unbeschreibliches
Gefühl seine Lippen auf meinen zu spüren. Langsam entspannte ich mich.
Als Mark das merkte wurde sein Kuss härter und leidenschaftlicher. Ich
fuhr langsam mit meinen Händen über seinen Oberkörper und schlang
schließlich meine Arme um seinen Hals um ihn noch näher zu spüren.
Auch Marks Hände gingen auf Wanderschaft. Er fuhr von meinem Nacken zu
meinen Schultern und dann meinen Rücken herunter, wo er zärtlich den
Lauf meiner Wirbelsäule nachzeichnete. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor,
als wir uns atemlos von einander lösten. Doch lange hielten wir diesen
Zustand nicht aus und wieder trafen sich unsere Lippen zu einem weiteren innigen
Kuss. Mitten im Kuss zog Mark mich plötzlich hoch und nahm mich auf den
Arm. Er trug mich zum Bett hinüber und ließ mich vorsichtig in die
weichen Kissen fallen. Er blieb einen Moment stehen und sah mich an. Dann lächelte
er leicht. Ich richtete mich auf und zog ihn wieder zu mir herunter. Er sank
zu mir und begann dies mal meinen Hals zu küssen. Ich schauderte ein Wenig,
weil mir seine Zärtlichkeiten kalte Schauer über den Rücken laufen
ließen. Ich zog seinen Kopf langsam wieder zu mir und wir versanken wiederholt
in einem leidenschaftlichen Kuss...
Ich hörte ihn neben mir atmen. Sonst war alles still. Keine anderen Geräusche
nur sein langsames, regelmäßiges Atmen. Ich lag mit dem Rücken
zu ihm, aber Mark hatte seine Arme um mich geschlungen und sich fest an mich
gezogen, dass ich mich richtig geborgen fühlte. Ich merkte, dass er auch
noch nicht schlief, denn er küsste in leichten Abständen meinen Nacken.
Doch keiner von uns sagte ein Wort. Aber das war nicht schlimm oder störend.
Für mich bedurfte es in diesem Moment keine Worte. Für mich zählte,
dass er neben mir lag, dass ich ihm nahe war und dass wir zusammen waren. Alles
andere war so weit weg. Ich wollte jetzt einfach nicht nachdenken, sondern ich
wollte einfach diese schönen Stunden genießen. Zufrieden kuschelte
ich mich noch enger an Mark und schloss die Augen. Wenige Minuten später
war ich eingeschlafen.
Am nächsten Morgen erwachte ich durch die Sonne, die durch das Fenster
schien. Das gute Wetter vom vorigen Tag hatte sich also gehalten. Und das im
November und in England. Ich lächelte und drehte mich um und wollte mich
ein bisschen an Mark, den ich neben mir erwarte, kuscheln. Doch er war nicht
mehr da. Erstaunt riss ich meine Augen auf. Warum war er nicht mehr hier? Hatte
ich das alles nur geträumt? Nein das war doch Unsinn, so etwas wie letzte
Nacht hätte ich niemals träumen können. Vielleicht war er ja
im Bad. Ich legte mich zurück in die Kissen. Aber nach einiger Zeit wurde
mir bewusst, dass er auch nicht im Bad war. Seine Kleidung war nämlich
auch verschwunden. Mark war nicht mehr da. Hatte er einen Termin, aber soweit
ich wusste, war der nächste Termin für Westlife erst am Nachmittag.
Verwirrt stand ich auf. Irgendetwas stimmte hier nicht, aber was war los? Ich
gähnte und rieb mir den Schlaf aus den Augen. Ich würde es schon in
Erfahrung bringen. Ich ging erst einmal ins Bad, machte mich fertig und zog
mich an.
Dann beschloss ich zum Frühstück zu sehen. Ich trat gerade auf den
Hotelflur, als mir Mark über den Weg lief. Ich lächelte ihn an. "Hallo
Mark", sagte ich und wollte auf ihn zu gehen, "ich..." Doch Mark nickte mir
nur flüchtig zu und verschwand gleich darauf in seinem Zimmer. Ich war
wie vor den Kopf geschlagen und starrte ihm hinterher. Was sollte das denn?
Er hätte doch wenigstens etwas zu mir sagen können. Ich verstand es
nicht, aber meine Ahnung wurde bestärkt. Hier stimmte etwas gewaltig nicht.
Doch ich konnte meine Gedanken nicht zu Ende denken, denn ich hörte eine
fröhliche Stimme. "Guten Morgen Lara", Shane und Gillian kamen mir entgegen,
"kommst du mir frühstücken." "Klar", ich nickte. Und nach dem Frühstück
nahm ich mir vor mit Mark zu reden.
"Sagst du Mark noch bescheid, dass wir um 14.00h los müssen?", Kian sah
mich fragend an, als wir vom Frühstück zurück kamen. "Mach ich,
ich muss sowieso mit ihm reden", ich nickte und wollte weiter gehen, denn Kian
und Jodi sahen aus als wollten sie noch ein bisschen alleine sein. "Lara, warte
mal", Kian hielt mich am Arm fest, "sag mal weißt du was mit Mark los
ist? Er war heute morgen irgendwie ganz durch den Wind." "Keine Ahnung", ich
zuckte mit den Schultern, "frag ihn doch." "Ich fürchte, dann werde ich
auch kein Antwort bekommen", Kian lachte, "er scheint nicht so gut drauf zu
sein, aber du kannst ihm ja sagen, wenn du mit ihm redest, dass ich nach ihm
gefragt habe." "Klar", ich nickte abwesend. Ich war mit den Gedanken schon bei
Mark. Was war nur los? Ich musste es unbedingt herausbekommen.
Entschlossen ging ich jetzt zu Marks Zimmer und klopfte an die Tür. Einige
Minuten passierte gar nichts. Dann öffnete Mark die Tür. "Hi Mark",
ich lächelte ihn an, "kann ich rein kommen.?" Mark blieb in der Tür
stehen. "Ich weiß nicht, eigentlich hab ich noch was zu erledigen. Geschäftliche
Dinge...", druckste Mark herum und sah neben mir her. "Ach ja und warum habe
ich das Gefühl, dass du mir aus dem Weg gehst?", fragte ich ihn. "Wieso
aus dem Weg gehen?", Mark sah weiter an mir vorbei. "Sag mal was wird das hier?",
ich sah ihn entgeistert an. Ich verstand ihn nicht. Was hatte er, warum redete
er so mit mir? Ich hatte ihm doch nichts getan. Er hatte es doch auch gewollt.
"Na dann komm halt rein, aber ich muss wirklich noch etwas erledigen", Mark
trat zur Seite. In ging in das Zimmer. Mark folgte mir. "Und was ist jetzt los?",
fragte er gleichgültig. "Komm du weißt genau worum es geht", sagte
ich jetzt schon eine Spur schärfer. Warum tat Mark so, als ob nichts zwischen
uns gewesen sei? Es war doch so. Mark schwieg. Ich sah ihn verständnislos
an. "Mark, wir haben miteinander geschlafen. Würdest du jetzt bitte nicht
so tun, als ob du nicht wüsstest wovon ich spreche", ich sah ihn ärgerlich
an. Doch mir war immer noch nicht ganz klar, was hier überhaupt passierte.
Vor noch ungefähr zwei Stunden hatte ich mich noch überglücklich
gefühlt. "Natürlich weiß ich das", sagte Mark leise. Er sah
mich immer noch nicht an. "Und?", wollte ich wissen. Mir wurde das hier echt
zuviel. Warum benahm er sich so seltsam? "Und was?", Marks Stimme klang immer
noch gleichgültig, "können wir die ganze Sache nicht einfach vergessen?"
Ich sah ihn fassungslos an. Vergessen? Wie könnte ich die letzte Nacht
jemals vergessen? Hatte es ihm nichts bedeutet? "Dir hat das alles nichts bedeutet?",
fragte ich Mark. "Ja, nein, ich weiß nicht...", Mark sah mich an, "ich
habe keine Ahnung, wie das passiert ist. Aber können wir nicht einfach
wieder beste Freunde sein wie immer? Wir können das doch nicht unsere Freundschaft
kaputt machen lassen. Nicht durch so eine Art Hormonsache." "Hormonsache?!",
ich schrie es fast und , "sag mal Mark Feehily verstellst du dich so dermaßen
oder hast du wirklich keine Ahnung?" "Ahnung wovon?", Mark sah mich jetzt verständnislos
und unsicher an. Ich lachte auf. Doch eigentlich war mir zum Heulen zu Mute.
Hatte ich mich wirklich so vertan? Ich hatte gedacht, dass Mark die Nacht wenigstens
etwas bedeutet hätte. Dass er wenigstens ein bisschen meiner Gefühle
für ihn gespürt hatte. Meine Güte, er wusste doch, dass ich so
etwas nie machen würde ohne jegliche Gefühle. "Ich liebe dich", sagte
ich. "Lara jetzt komm wieder herunter. Wir haben eine Nacht miteinander verbracht",
Mark schüttelte den Kopf, "meinst du nicht, dass das ein bisschen was anderes
ist. Du hast auch Angst um unsere Freundschaft oder? Komm, wenn wir nie wieder
über diese Sache reden, dann kann doch alles werden, wie früher."
"Oh komm mir doch nicht so. Ich dachte eigentlich, dass du mich kennen würdest.
Ich schlafe mit niemanden, den ich nicht liebe. Ich liebe dich, Mark und nicht
erst seit gestern oder heute", mir lief die erste Träne die Wange herunter,
"und sag nicht noch mal, dass alles so wird wie früher. Das kann es gar
nicht mehr." Jetzt starrte mich Mark fassungslos an. "Lara, aber ich bin mit
Salene zusammen", war alles was Mark dazu zusagen hatte. Okay, es war sowieso
schon alles verworren und jetzt musste er auch noch auf Salene kommen. "Salene?",
ich warf ihm nur noch einen ungläubigen Blick zu, "du liebst Salene? Die,
dich hier am meisten verarscht?! Ich sag dir mal was: Salene ist mit dir zusammen,
weil sie dich ausnutzen kann. Du stehst in der Öffentlichkeit und bist
reich. Das ist doch ein gefundenes Fressen für sie und ihre Familie. Ja
Familie. Salene ist nämlich mit Matthew O’Donald, falls du dich noch an
ihn erinnerst, verheiratet und sie hat einen Sohn." "Lara findest du nicht,
dass es reicht?", Mark griff nach meiner Hand, "Salene hat hier mit uns beiden
nichts zu tun. Ich weiß ja, dass du sie nicht leiden kannst, aber so was
zu erzählen, das ist wirklich nicht in Ordnung."
Ich entriss ihm meine Hand. "Und ob Salene eine Rolle spielt", fauchte ich,
"sie vereimert dich nach Strich und Faden." "Lara bitte!", Mark sah mich flehend
an, "ich glaube das nicht. Sicher du bist jetzt verwirrt. Aber so etwas zu erzählen..."
Natürlich war jetzt die unpassenste Gelegenheit Mark von den Machenschaften
seiner sogenannten Freundin zu erzählen. Aber jetzt konnte ich sowieso
nicht zurück. Und irgendwie schmerzte es mich doch, dass Mark dieser Kuh
mehr vertraute mehr als mir. Hatte ich ihn die ganze Zeit falsch eingeschätzt?
War mit einem Schlag alles, was jemals zwischen ihm und mir war, vorbei? Ich
konnte keinen klaren Gedanken fassen. "Lara können wir nicht noch mal vernünftig
reden ohne solche Geschichten?", bat Mark. "Ich erzähle keine Geschichten,
Mark. Alles was ich dir in den letzten Minuten gesagt habe ist wahr. Mir hat
das gestern mehr als alles andere bedeutet und mich war es eben nicht nur eine
Sache, wie du eigentlich wissen solltest", fing ich an zu reden, "und auch das
mit Salene ist nicht gelogen. Ich habe dir nichts falsches erzählt. Aber
du scheinst ja nichts wahrhaben zu wollen. Gar nichts." Mark hatte sich mittler
Weile auf seinem Bett nieder gelassen und hatte seinen Kopf auf seine Hände
gestützt. "Ich weiß gar nichts mehr", murmelte er leise. "Findest
du nicht, dass du dir es verdammt einfach machst?", fragte ich ihn. Ich bekam
keine Antwort. "Okay eine Sache. Dir hat dir das alles nichts bedeutet und du
liebst Salene?", fragte ich, "ich möchte nur eine einfache Antwort Mark
und dann lasse ich dich in Ruhe." Ich sah ihn an. Langsam hob Mark den Kopf,
sah mich an, dann wanderte sein Blick zum Fenster. Ich wartete noch einige Moment
ab. "Gut, keine Antwort ist auch eine Antwort", murmelte ich. Ich merkte nur
noch, wie mir Tränen die Wangen herunter liefen, dann stürzte ich
aus Marks Zimmer und knallte die Tür hinter mir zu.
Chapter #16
Ich lief sofort in mein Zimmer und begann alle meine Klamotten zusammen zu suchen
und in meinen Koffer zu feuern. Ich wollte nur noch weg. Weg aus diesem Hotel,
weg von diesen Erinnerungen und vor allen Dingen weg von Mark. Ich konnte es
immer noch nicht fassen, war gerade passiert war. Irgendwie war eben alles zerstört
worden. Er wollte Salene obwohl sie ihn hinter das Licht führte und er
glaubte mir nicht mehr. Darüber hinaus hatte ihm das alles nichts bedeutet.
Und das Schlimmste war unsere Freundschaft exsistierte auch nicht mehr. Mit
einem Schlag war alles vorbei. Schluss , Aus, Ende. Ich pfefferte gerade meine
Kulturtasche oben auf meinen Klamottenberg im Koffer, als es an der Tür
klopfte. Wer konnte das sein? Mit einer kleinen Hoffnung, dass es Mark sein
könnte, ging ich zur Tür und öffnete. Doch draußen stand
Kian. "Ich habe dich gerade auf dem Flur gesehen und noch mal wegen Mark...",
er stoppte als er mein verheultes Gesicht sah, "mein Gott Lara, was ist passiert."
"Kian ich will nur noch hier weg", mir kamen schon wieder die Tränen. "Shh
ist ja gut", Kian nahm mich in den Arm, "du kommst jetzt erst mal mit zu Jodi
und mir und dann erzählst du mir was passiert ist." Langsam führte
er mich zu seinem Zimmer herüber. Ich hörte von drinnen wie Jodi rief:
"Kian ist alles in Ordnung?" Kian schob mich in das Zimmer. "Lara", Jodi kam
zu mir und umarmte mich auch, "was ist denn los?" "Lass sie sich erst einmal
hinsetzen und beruhigen", meinte Kian und drückte mich auf die Couch im
Zimmer. Jodi gab mir ein Paket Taschentücher in die Hand. Ungefähr
10 Minuten und 10 Taschentücher später hatte ich mich soweit beruhigt.
"Und jetzt erzähl mal was los ist", forderte Kian mich auf, "ich gehe doch
richtig in der Annahme, dass es etwas mit Mark zu tun hat." "Ja", ich nickte.
Und dann erzählte ich den beiden alles.
"Und jetzt will ich einfach nur weg", schloss ich. "Wir hatten also doch Recht
mit Salene", knurrte Kian, "diese Schlange." "Aber Mark glaubt das doch sowieso
nicht. Er liebt sie", mir kam schon wieder eine Träne. "Ich glaube das
nicht", Kian schüttelte den Kopf, "er macht so was, das du gerade erzählt
hast, nicht, wenn er nicht irgendwelche Gefühle hat. Ich glaube das einfach
nicht." "Kian hör auf", ich schüttelte den Kopf, "das bringt doch
nichts. Mark hat mir doch eindeutig bewiesen, dass ihm nichts an mir liegt und
die Freundschaft ist unter momentanen Bedingungen nicht möglich." "Glaubst
du nicht, dass du noch mal mit ihm reden solltest?", fragte Jodi jetzt auch.
"Was bringt das? Es ging eben nicht und es geht jetzt auch nicht. Ihr habt ihn
nicht gesehen", ich sah zu Boden, "na ja. Kann ich von euch aus gerade mal Telefonieren.
Ich möchte mich erkundigen, wann der nächste Flug nach Dublin geht."
"Lara, meinst du nicht, dass das ein bisschen überstürzt ist?", Kian
sah mich zweifelnd an, "vielleicht musst du Mark erst mal ein bisschen Zeit
geben?" "Ich halte es so aber hier nicht aus, Kian, versuch mich mal zu verstehen.
Ich brauche Abstand. Wirklich Abstand und den bekomme ich hier nicht. Außerdem
kommt Salene bestimmt bald wieder und die kratzt mir doch die Augen aus, wenn
sie erfährt, was ich Mark erzählt habe", ich schüttelte abermals
den Kopf. "Du meinst wirklich dass es richtig ist?", fragte Kian ein letztes
Mal. "Es ist für mich im Moment für mich die einzigste Lösung",
ich nickte. "Okay, dann tu dir keinen Zwang an. Ich glaube Kerry und Bryan wollten
heute sowieso noch was erledigen. Vielleicht können die dich auch noch
beim Flughafen absetzen", überlegte Kian, "ich gehe gleich mal fragen."
"Okay danke, danke euch beiden, dass ihr mir zu gehört habt", ich lächelte
schief. "Ist doch keine große Sache", meinte Jodi. "Trotzdem danke", sagte
ich und griff dann nach dem Telefon. Kian verließ das Zimmer. "Heathrow
Airport, London, wie kann ich Ihnen helfen?", fragte die Stimme am anderen Ende
der Leitung. "Guten Tag, wäre es möglich heute noch einen Flug nach
Dublin zu bekommen?"
Dann ging alles ziemlich schnell. Ich bekam einen Flug am frühen Nachmittag.
Kerry und Bryan fuhren mich zum Flughafen. Und jetzt standen wir vor der Gangway.
"Danke, dass ihr mich hier hin gebracht habt und dann auch noch mit mir gewartet
habt", ich sah die beiden dankbar an. "Hey das ist doch gar kein Problem, auch
wenn wir nicht froh sind, dass du dich so entschieden hast", meinte Kerry. "So
war es ja eigentlich wirklich nicht geplant", wandte auch Bryan ein. "Nicht
wirklich", ich seufzte, "aber ich kann es leider auch nicht ändern. Ich
wollte auch nicht, dass es so kommt." Die beiden schwiegen. "Glaubt ihr, dass
Shane, Gillian, Nicky und Georgina mir auch wirklich nicht böse sind, dass
ich jetzt so Hals über Kopf abgereist bin. Ich hatte jetzt wirklich keine
Kraft mehr noch einmal alles zu erklären", sagte ich leise. "Ach mach dir
da keine Gedanken rüber", Bryan lächelte, "das regeln wir schon. Und
ich denke die wissen sowieso, ein kleines bisschen." "Wieso?", ich sah Bryan
irritiert an. "Ihr saht so toll aus als ihr im Club zusammen gesungen habt",
Kerry grinste, "daher habe ich mir ja auch meinen Teil gedacht." Der Abend im
Club. Ich zuckte zusammen. Jede Erinnerung an Mark und mich ließen mir
wieder die Tränen in die Augen schießen. Doch ich riss mich zusammen.
Ich wollte nicht weinen. Jedenfalls nicht vor Bryan und Kerry. Dann kam der
Aufruf für meinen Flug. "Oh ich glaube ich muss gehen", ich nickte in Richtung
Gangway. "Ich glaube auch", Kerry umarmte mich, "mach’s gut. Wir telefonieren
und sehen uns spätestens auf Shane und Gillians Hochzeit okay?" "Ja", ich
nickte. "Das gleiche was Kerry gesagt hat gilt auch für mich", auch Bryan
schloss mich in die Arme, "und ich trete Mark dafür in den Hintern, dass
er dich hat gehen lassen, okay?" Ich musste lachen. Bryan war schon ein Chaot.
"Macht’s gut und grüßt mir eure beiden Kleinen", sagte ich noch bevor
ich entgültig in Richtung Flugzeug ging und London hinter mir ließ.
Chapter # 17
*Ein kleiner Wechsel*
Währenddessen im Hotel. Mark saß immer noch an dem Fleck, wo er gesessen
hatte, als Lara das Zimmer verlassen hatte. Er war gerade dabei zu realisieren,
was geschehen war. Alles war so schnell über ihm zusammen gebrochen. Der
gestrige Tag zusammen mit Lara, wo er sich so wohl gefühlt hatte, die letzte
Nacht mit Lara, die er nicht wirklich bereute, der nächste Morgen und seine
Zweifel und dann der Streit mit Lara. Er war verwirrt. Warum hatte Lara ihm
gesagt, dass sie ihn liebte? Er und Lara waren doch immer nur Freunde gewesen.
Die besten Freunde. Das hatte sich doch auch nicht geändert? Mark kratzte
sich am Kopf. Er war doch mit Salene zusammen. Und eigentlich war er in Salene
verliebt. Unheimlicher Weise war er sich da selbst nicht mehr sicher. Und was
hatte es damit auf sich, was Lara ihm gesagt hatte? Salene, verheiratetet und
mit einem Kind. Mark schüttelte ungläubig den Kopf. Das konnte nicht
wahr sein. Warum hatte Lara ihm es denn erst jetzt gesagt und nicht schon vorher?
Durcheinander fuhr er sich durch die Haare. Er wusste gar nicht mehr was er
denken und glauben sollte. Er wusste nur, dass Lara ihm einfach nicht aus dem
Kopf ging.
Es klopfte an der Tür. Mark sprang auf. "Vielleicht ist das ja Lara", fuhr
es ihm durch den Kopf und öffnete die Tür in Windeseile. Doch vor
ihm stand Salene. "Hi Schatz, na hast du mich vermisst?", sie drückte ihm
einen dicken Kuss auf den Mund. "Hi Sal", sagte Mark tonlos, "wie geht’s dir?
Deine Erledigungen alle fertig." "Ja und jetzt bin ich nur noch für dich
da. Aber vorher gehe ich duschen", Salene grinste. "Gut, ich muss nämlich
mit dir reden", meinte Mark mit ernstem Gesicht. "In Ordnung, aber vorher darf
ich doch noch duschen oder?", Salene legte einen Arm um Mark. "Okay, aber beeil
dich. Es ist wirklich wichtig", bat Mark. "Kein Problem", Salene legte einen
Arm um Marks Hals, "bin in zehn Minuten bei dir, Süßer." Damit verschwand
sie in der Dusche. Mark ließ sich auf die Couch fallen und überlegte
wie er Salene am besten auf das, was ich ihm gesagt hatte, ansprechen sollte.
Während er noch überlegte klingelte das Handy in Salenes Tasche. "Bist
du so gut und gehst dran?", rief Salene aus dem Bad, "ich komme gleich." Mark
griff nach dem Hand. "Bei Salene Davids", meldete er sich. "Davids? Na egal
gut, dass ich endlich jemanden erreiche", eine Frauenstimme war am anderen Ende,
"können sie Salene ausrichten, dass sie sich bitte so schnell wie möglich
bei mir melden soll. Seit sie weg ist, ist ihr Kleiner nur noch am Schreien
und Matthew erreiche ich auch nicht." Mark stutzte. Das durfte doch nicht wahr
sein. "Hey sind Sie noch dran?", fragte die Anruferin, "wie war noch mal ihr
Name." "Ich habe meinen Namen zwar noch nicht genannt, aber ich heiße
Mark Feehily und sie haben mir gerade sehr geholfen", sagte Mark mit leiser
Stimme. "Ach nehmen sie mein Gequatsche nicht so ernst", die Anruferin musste
jetzt wohl auch gemerkt haben, dass sie einen schweren Fehler begangen war.
"Und tschüss", Mark drückte das Gespräch weg. Er konnte nicht
glauben, was er gerade da gehört hatte. Ich, Lara, hatte ihn nicht belogen.
Die Sache mit Salene stimmte also. Fassungslos schüttelte er den Kopf.
"Wer war das denn Schatz?", Salene kam, nur mit einem Badehandtuch bekleidet,
in das Zimmer. "Dein Babysitter", antwortete Mark ruhig. "Was?", Salene sah
in verwundert und ein klein bisschen schockiert an. "Ich würde mich jetzt
am ehesten interessieren ob es meinem Kleinen gut geht", Marks Stimme war weiterhin
ruhig. "Wovon redest du?", Salene kam auf Mark zu. "Komm Salene hör auf
dich zu verstellen ich weiß es", Marks Stimme verlor seine Ruhe, "du hast
mich jetzt lange genug hinters Licht geführt. Ich glaube es ist Zeit über
die Wahrheit zu reden, meinst du nicht auch?" Salene setzte ein hochmütiges
Gesicht auf. "Was willst du wissen?", fragte sie. "Was du hast du noch alles
vorgehabt? Wie lange wolltest du dieses Spiel noch durch ziehen. Mein Gott,
hast du überhaupt kein schlechtes Gewissen gegenüber deinem Mann?",
Mark schüttelte den Kopf. "Joy hat sich verplappert", meinte Salene. "Sie
hat mir meine Informationen nur versehentlich bestätigt", gab Mark zurück.
"Mark das ist doch alles ganz anderes. Joy hat doch keine Ahnung", Salene wollte
sich an Mark kuscheln. "Komm lass mich", Mark stand auf und entfernte sich,
"ich hab genug. Ich meine es ist ja schlimm genug, was du da gemacht hast, aber
dass du es immer noch nicht zugibst... Wie konnte ich nur auf so was reinfallen?"
"Was willst du jetzt damit sagen?", Salene sah Mark an. "Dir sage ich gar nichts
mehr!", gab Mark zurück, "ich will nur noch, dass du verschwindest. Pack
einfach deine Sachen und verschwinde. Ich will dich nie wieder sehen." "Mark
bitte. Das war nicht gefakt. Ich mag dich wirklich", Salene verließ sich
auf Betteln. Mark sah sie kalt an: "Ich weiß es besser. Ich gehe jetzt
und wenn ich wieder komme, möchte ich, dass du weg bist!" Damit verließ
er das Zimmer.
"Sie hat nicht gelogen, Lara hat nicht gelogen", hämmerte es ihm gegen
seine Stirn. Warum hatte er ihr nicht geglaubt? Was war überhaupt los mit
ihm? Er hatte gerade mit seiner Freundin Schluss gemacht. Na gut er hatte gedacht
es wäre seine Freundin. Aber er fühlte sich nicht traurig, dass die
Beziehung oder was auch sonst es gewesen war, vorbei war. Er trauerte nicht
um Salene. Er war nur ärgerlich darüber, dass er sich so hinter das
Licht hatte führen lassen. Er machte sich nur Vorwürfe, dass er Lara
nicht geglaubt hatte. Sie war einer der wenigen Personen in seinem Leben, denen
er vertrauen konnte. Und Lara hatte er verärgert, ihr nicht geglaubt und
sie wegen der letzten Nacht vor den Kopf gestoßen. Mark ging etwas an
die frische Luft um klare Gedanken fassen zu können. Wie sollte es jetzt
weiter gehen? Klar Salene war hoffentlich bald weg. Sie wollte Mark nicht so
schnell wieder sehen. Aber was war mit Lara? Was sollte er Lara sagen? Er wollte
unbedingt mir ihr reden. Doch er war relativ verwirrt wegen der letzten Nacht.
Nein, seitdem war verwirrt. Es war nämlich nicht nur eine so genannte Hormonsache
gewesen. Wenn es das gewesen wäre, dann wäre alles ganz einfach für
Mark gewesen. Dann hätte er es abtun können, aber so war es wirklich
nicht. Er spürte dass er darüber auch mit Lara reden musste, aber
noch nicht gleich. Jetzt wollte er sich erst einmal dafür entschuldigen,
dass er ihr nicht geglaubt hatte. Schnell drehte er um und lief zurück
ins Hotel.
Außer Atem kam er bei Laras Zimmer an. Doch da war das Reinigungspersonal
am Sauber machen. Was war los? "Hallo, was machen sie da?", wollte Mark wissen,
"das Zimmer ist doch noch belegt." "Da müssen Sie sich irren, Mister",
antwortete die Frau, die das Zimmer säuberte, "wir haben die Anweisung
bekommen das Zimmer sauber zu machen, da es wieder leer ist." "Das kann gar
nicht sein", Mark schüttelte ungläubig den Kopf, "darf ich mal?" Damit
ging er in das Zimmer in dem er am Morgen noch mit Lara gewesen war. Es war
wirklich nicht mehr belegt. Laras Sachen waren verschwunden. "Ich will Sie ja
nicht stören, aber ich würde jetzt gerne meine Arbeit weiter machen",
die Frau trat zu ihm. "Natürlich. Entschuldigen Sie meine Störung",
Mark verließ das Zimmer wieder. Wo war Lara? Sie konnte doch nicht einfach
weg sein. Vielleicht wussten ja die anderen etwas. Mark lief zu der nächsten
Tür und hämmerte dagegen. Es war Kians Tür. "Ja", Kian öffnete,
"Mark. Mit dir hätte ich mehr oder weniger gerechnet." "Kian weißt
du wo Lara ist?", fragte Mark sofort ohne auf Kians Kommentar einzugehen. "Ja",
Kian nickte, "komm erst mal rein." "Ich will zu Lara", Mark schüttelte
den Kopf. "Ich weiß, ich bin ja nicht taub. Aber komm trotzdem erst mal
rein. Ich muss dir etwas erklären." Widerwillig betrat Mark Kians Zimmer
und begrüßte Jodi, die sich gerade von der Couch erhob. "Ich lass
euch beide mal alleine. Ich muss sowieso noch ein Telefonat führen. Bis
gleich", damit gab sie Kian einen Kuss auf die Wange und verließt das
Zimmer. "Setz dich", Kian schob Mark in Richtung Couch. "Ich möchte mich
nicht setzen. Sag mir doch endlich wo Lara ist. Ist sie unten in der Lobby oder
in London unterwegs?" "Weder noch", Kian sah Mark an. "Wo ist sie dann?", fragte
Mark, "bitte sag es mir." "Nun ja, sie ist auf dem Weg nach Dublin", sagte Kian
und sah Mark mit einem unbehaglichen Blick an. "Was? Erzähl doch keinen
Mist. Das kann gar nicht sein", Mark sah Kian ungläubig an. "Es ist so.
Bryan und Kerry haben sie vorhin zum Flughafen gebracht", bestätigte Kian.
"Aber wieso?", Mark sank jetzt doch auf die Couch. Kian setzte sich neben seinen
Freund und legte ihm eine Hand auf den Arm. "Ich glaube das weißt du ganz
gut, oder?", sagte er leise. "Du weißt es?", Mark sah ihn an. Kian nickte.
"Alles?", fragte Mark weiter. "Ich weiß nicht, aber eine ganze Menge",
bestätigte Kian wieder. "Hat Lara irgendetwas gesagt bevor sie gegangen
ist?", wollte Mark wissen. "Ich habe sie vorhin gesehen. Ich denke unmittelbar
nach eurer Auseinandersetzung. Sie war fertig und wollte nur noch weg", erzählte
Kian. "Oh nein", Mark fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht, "warum hat
sie nicht gewartet? Ich war vorhin so durcheinander. Und dann habe ich ihr das
nicht ein mal mit Salene geglaubt. Ich bin so ein Idiot." "Ach ja Salene gibt
es auch noch", Kian musste grinsen, "was hast du mit ihr vor?" "Gar nichts habe
ich vor. Ich hoffe sie ist schon weg. Ich habe ihr eben gesagt, dass sie sich
in Zukunft von mir fernhalten soll", erklärte Mark. "Und woher der plötzliche
Sinneswandel?", wollte Kian wissen. Mark erzählte es ihm. "Aber Salene
ist mir auch egal. Ich zerbreche mir momentan den Kopf über Lara", sagte
Mark. "So so", Kian lächelte. "Was? Lara ist meine beste Freundin. Jedenfalls
ist das so gewesen", Mark sah Kian irritiert an. "Komm hör mir mit diesem
Zeugs mit bester Freund, beste Freundin auf. Lara hat das auch schon vor einiger
Zeit erzählt", Kian schüttelte den Kopf, "vielleicht seid ihr so angefangen,
aber mittler Weile ist das doch viel mehr. Das sieht sogar ein Außenstehender
wie ich." "Wie kommst du darauf?", Mark schüttelte den Kopf. Das was Kian
sagte machte doch keinen Sinn, oder etwa doch? Immerhin fühlte er sich
in der letzten Zeit am wohlsten, wenn Lara in der Nähe war und seine Gefühle
wegen dem was letzte Nacht geschehen war. "Ich habe euch beide gesehen. Das
beste Beispiel war als ihr im Club zusammen gesungen habt. Oder Laras Gefühle",
Kian lächelte über Mark. Mark schien ganz durcheinander zu sein. "Lara
hat das also vorhin wirklich ernst gemeint?", sagte Mark mehr zu sich selbst
als zu Kian. "Ja Mark sie ist in dich verliebt und das schon länger", meinte
Kian leise. "Hat sie das dir gesagt?" Mark sah Kian erstaunt an, "warum ist
sie nicht zu mir gekommen?" "Warum nicht Mark? Sie hatte Angst vor deiner Reaktion
und außerdem sahst du so glücklich mit der lieben Salene aus", Kian
sah Mark an. Mark hatte seinen Kopf auf die Hände gestützt und schüttelte
ihn immer wieder. "Und jetzt ist sie weg", murmelte er, "warum habe ich es überhaupt
soweit kommen lassen?" "Hey mach dir keine Vorwürfe. Sie ist verletzt und
das kann auch jeder verstehen, aber du warst auch verwirrt. Ruf sie in Dublin
an. Mehr kannst du im Moment nicht tun oder?" "Nicht wirklich", Mark seufzte.
*Wechsel Ende*
Chapter #18
Zu hause. Ich warf mein Gepäck auf den Boden und trat in meine Wohnung.
Alles sah noch so aus, wie ich es vor einigen Wochen zurück gelassen hatte,
doch etwas war anders. Es lag aber an mir. Als ich weggegangen war hatte ich
mich auf die ganzen Leute gefreut und besonders auf Mark. Mark. Der Gedanke
an ihn schmerzte mich. Immer wieder kamen mir seine Sätze von heute Morgen
ins Gedächtnis. Er hatte mir nicht mit Salene geglaubt. Wahrscheinlich
saß er jetzt wieder mit ihr zusammen und erfüllte ihr jeden Wunsch,
den sie hatte. Aber viel schlimmer war ja noch. Ihm hatte das alles zwischen
uns nichts bedeutet. Die Nacht war für ihn nichts besonderes gewesen. Hormonsache.
Ich hörte seine Stimme. Konnte ich mich wirklich so getäuscht haben?
Ihm hatte auch alles, was ich gesagt hatte nichts bedeutet. Mir kamen schon
wieder die Tränen. Ich wischte mir über das Gesicht. Jetzt bloß
nicht schon wieder weinen. Ich atmete tief ein. Dann beschloss ich erst einmal
joggen zu gehen.
Ich hatte meine Gewohnheit, während ich mit Westlife auf Promotour war,
stark vernachlässigt, aber jetzt brauchte ich es unbedingt. Schnell zog
ich mir meinen wärmsten Trainingsanzug an und machte mich auf den Weg zu
den Park in Nähe meiner Wohnung, wo ich am liebsten lief. Ich nahm diesmal
die große Runde um meinen Kopf etwas frei zu bekommen. Das Laufen tat
mir gut und langsam beruhigte ich mich. Ich freute mich jetzt schon richtig
auf meine Rückkehr in die Wohnung, wo ich ein heißes Bad nehmen würde
und mich dann vor den Fernseher setzten würde. Doch meine Pläne wurden
wieder nebensächlich, als ich an einem Zeitungskiosk, am Rande des Parks,
vorbei kam. Erst dachte ich, dass ich mich im vorbeilaufen verguckt hätte.
Darum ging ich irritiert noch einmal zurück zu dem Kiosk. Doch da stand
es in großen Buchstaben auf der Titelseite. Mark Feehily von Westlife
verliebt?! Und darunter war ein großes Bild von mir und ihm wie wir durch
London schlenderten. Ich nahm die Zeitung heraus um besser lesen zu können:
Scheint Mark Feehily von Westlife jetzt auch die Frau für ihn gefunden
zu haben? Nach dem Mark Feehily seit zwei Monaten immer öfters mit einer
anderen unbekannten Frau gesehen wurde, scheint er sich jetzt mit der Richtigen
zu zeigen. Mark und seine Begleitung wurden gestern an diversen Plätzen
in London gesehen. Sie wirkten die ganze Zeit sehr vertraut und hielten auch
zeitweise Händchen. Ein Freund des Sängers sagte, dass Mark und die
noch Unbekannte sich schon länger kennen würden und regelmäßige
Treffen stattfinden würden. Wir bleiben an der Story dran.
Darunter war noch ein Bild von Mark und mir beim Eislaufen. Ich feuerte die
Zeitung, zum Erstaunen des Verkäufers, zurück in den Ständer
und lief weiter. Was wusste schon dieses Mistblatt? Gar nichts. Ich konnte mir
nicht helfen, denn jetzt liefen mir die Tränen wirklich ohne Halt über
die Wangen. Mark und ich verliebt? Oder gar eine Beziehung? Das war doch lachhaft.
Ich war vielleicht verliebt, aber was brachte das? Mark zog doch Salene vor.
Während mir meine Gedanken durch den Kopf gingen, war mir die Lust am Laufen
gründlich vergangen und ich machte mich auf den Weg nach hause. Dort angekommen
wollte ich erst mal ein Bad nehmen. Doch immer wieder wanderten meine Gedanken
zu Mark und dem Geschehenen. Nicht einmal be meinem Bad konnte ich mich richtig
entspannen, so dass ich nach kurzer Zeit ziemlich geknickt aus der Badewanne
kam. Müde ließ ich mich auf mein Sofa im Wohnzimmer fallen. Warum
konnte ich nicht für ein paar Minuten alles vergessen und zur Ruhe kommen?
Aber es war vergebens. Ich setzte mich wieder auf und angelte nach der Fernbedienung.
Vielleicht lenkte mich etwas Fernsehen ja von meinem Kummer ab. In diesem Moment
fiel mir das Blinken meines Anrufbeantworters auf. Vielleicht war das Kian oder
sonst einer, der wissen wollte ob ich gut angekommen war. Seufzend drückte
ich auf den Knopf. Am liebsten wäre ich aufgesprungen. Mir kam Marks Stimme
entgegen:
"Hallo Lara, ich... wollte mich mal melden, weil du ja so Hals über Kopf
aufgebrochen bist. Ich... Ach ruf mich einfach zurück. Ich muss mit dir
reden. Bitte."
Mark. Warum rief er an? Was wollte er? Ich wollte nicht mit ihm reden. Nein
ich konnte es nicht. Ich war heute morgen vor ihm fast in Tränen ausgebrochen.
Ich würde das mir heute nicht noch einmal gönnen. Und selbst wenn
es nur am Telefon war. Ich weinte ja jetzt schon fast wieder. Ich fuhr mir mit
dem Finger über die Augen. Wie gerne hätte ich jemanden gehabt, der
mich tröstete. Sonst hatte ich in diesen Fällen immer Mark angerufen,
aber das ging ja schlecht. Mir fehlte er jetzt schon. Aber genau so war es unmöglich
für mich mit ihm zu reden. Jedenfalls im Moment. Alles was ich brauchte
war jetzt Abstand. Viel Abstand.
Chapter # 19
Die nächste Zeit erlebte ich wie in Trance. Es war nicht so, dass ich total
durch hing. Ich tat meine Pflichten und erledigte meine Arbeit. Mittler Weile
hatten auch die Theaterproben angefangen und ich verbrachte mehrere Tage die
Woche im Abbey Theatre. Die Proben verliefen gut und ich spielte mich relativ
schnell mit meinem Team ein. Meine Rolle konnte ich ja dank dem Üben mit
Mark nahe zu perfekt auswendig. Aber ich hatte das Gefühl bei allem, was
ich tat, alles aus der Ferne zu sehen und nicht richtig daran teilzunehmen.
Es erschien mir alles so unwirklich und fremd. Es war deutlich zu spüren,
dass mir etwas fehlte. Und natürlich wusste ich genau, was beziehungsweise
wer das war. Ich vermisste Mark unheimlich. Kian hatte es damals gesagt. Wir
hatten es nie ausgehalten als länger als eine Woche etwas von einander
zuhören. Doch jetzt war es so. Ich hatte seit dem ich aus London wieder
da war nicht mehr mit Mark geredet. Er hatte zwar noch oft angerufen, aber ich
ging nicht dran und rief ihn auch nicht zurück. Ich konnte es von mir aus
einfach nicht. Ich hätte nicht damit umgehen können. Ich hätte
nicht einfach wieder mit Mark befreundet sein können. Dafür waren
meine Gefühle für ihn wieder zu stark. Und er wollte nur Freundschaft,
das hatte er mir ja in London mit seinem Verhalten bestätigt. Hormonsache.
Mich verletzte dieser Ausdruck immer noch. Außerdem wären wir nie
wieder so befreundet gewesen, wie wir es einst waren. Diese eine Sache hätte
für immer zwischen uns gestanden. Und doch vermisste ich ihn. Unsere Gespräche,
Telefonate und einfach das Gefühl zuwissen, dass jemand für mich zu
jeder Zeit da war und wenn es nur per SMS war. Besonders in der Weihnachtszeit,
die jetzt in vollem Gange war, war es schlimm. Ich versuchte mich zwar so gut
es ging abzulenken, aber in manchen Momenten war es einfach nicht möglich.
Ich telefonierte in dieser Zeit oft mit Kian und den anderen. Durch sie hatte
ich auch erfahren, dass Mark sich von Salene getrennt hatte. Alle rieten mir
doch endlich mit Mark zu reden, denn Mark litt angeblich auch sehr. Ich spürte,
dass mir jedes Mal die Tränen kamen, wenn die anderen von Mark sprachen,
aber ich konnte einfach nicht mit ihm reden und so tun, als ob alles wieder
in Ordnung wäre. Damit hätte ich mich und Mark belogen und das würde
auf die Dauer nicht gut gehen. Dem war ich mir sicher.
Kurz vor Weihnachten fuhr ich nach Sligo um die Feiertage mit meiner Familie
zu verbringen und dann zur Hochzeit von Shane und Gillian zu gehen. Die beiden
hatten mich und meine Familie eingeladen, was mich sehr freute. Ich war froh
nicht alleine auf die Hochzeit gehen zu müssen. Ich würde das erste
Mal Mark wieder begegnen. Darum war ich froh meine Familie mit zu haben. Doch
jetzt freute ich mich erst mal meine Familie wieder zu sehen. Meine Eltern und
natürlich meine kleine Schwester Sue. Na gut sie war auch nicht mehr so
klein. Genauer gesagt sie war vierzehn.
Sue stand auch schon vor dem Hauseingang als ich gegen Mittag am 24.Dezember
bei meinem Elternhaus ankam. "Lara", rief sie und lief mir entgegen, sobald
ich aus meinem Auto gestiegen war. Ich umarmte sie. "Hallo Süße,
bin ich froh dich wieder zu sehen", murmelte ich während der Umarmung.
"Ich freu mich auch", Sue strahlte über das ganze Gesicht, "ich muss dir
unbedingt was erzählen. Ich werde auch Schauspielerin genauso wie du. Das
wird heute ganz toll." Ich lachte. Das war meine übereifrige Schwester.
"Ganz langsam Sue. Ich verstehe ja kaum ein Wort, davon was du sagst", ich lachte,
"komm wir gehen erst mal herein und dann erzählst du mir alles ganz genau,
okay?" "Klar", Sue lächelte, griff nach meiner Hand und zog mich in Richtung
Haus. "Warte, warte ich hab doch noch mein Gepäck", sanft löste ich
Sue von mir und griff nach meiner Reisetasche, die ich auf der Rückbank
meines Autos deponiert hatte. "Ja jetzt komm", drängelte meine kleine Schwester
und ich folgte ihr ergeben. Im Haus begrüßte ich erst mal meine Mam
und meinen Dad, die in der Küche auf mich warteten. "Hallo meine Große",
Dad klopfte mir auf die Schulter und lächelte. Mam drückte mich an
sich. "Schön dich mal wieder bei uns zu haben. Du kommst so selten", seufzte
sie. "Ich habe viel zu tun mit dem Theater spielen und dazu sind die Möglichkeiten
in Dublin viel besser als hier. Das weißt du doch. Außerdem bin
ich jetzt ja hier und ich bleibe ja bis Neujahr", sagte ich. Meine Mam hätte
es glaube ich noch am liebsten, wenn ich noch zu hause wohnen würde. Aber
ich denke ich brauche den Abnabelungsprozess von Kindern, wenn sie erwachsen
werden, nicht erläutern. Außerdem war ich bei Gelegenheiten wie diesen
gerne zu Hause. "Darf ich jetzt endlich was sagen?", fuhr Sue dazwischen, "ich
wollte Lara schon die ganze Zeit etwas erzählen." "Ja jetzt bis du dran",
Mam lächelte meiner kleinen Schwester zu. "Also ich finde ja deinen Job
so toll und ich will jetzt auch Theater spielen wie du", eröffnete mir
Sue, "ich spiele nämlich heute beim Weihnachtsstück in unserer Schule
die Hauptrolle. Und ihr müsst alle zu gucken." "Hey das ist ja super",
ich umarmte meine Schwester wieder, "klar gehen wir zu gucken. Ich lasse mir
das doch nicht entgehen." Sue strahlte über das ganze Gesicht. "Danke!
Ich gebe mir auch ganz viel Mühe." Ich musste lachen. Es war schön
bei meiner Familie zu sein. Vielleicht vergaß ich hier ja meinen Kummer
für einige Zeit...
Stunden später, saß ich zwischen meinen Eltern in einer der vorderen
Reihen, der Schulaula der Sligo Grammar School und wartete darauf, dass das
Stück von meiner Schwester anfing. "Irgendwie ist sie dir total ähnlich",
Mam lächelte mich an, "vielleicht wird sie ja wirklich Schauspielerin wie
du." "Wenn sie Durchhaltevermögen hat und es wirklich will, dann ja", ich
lächelte, "aber das ist ganz schön harte Arbeit. Ich habe mit meinem
Aufnahmestück echt zu kämpfen." "Ist es so schlimm?", wollte Mam mitfühlend
wissen, "übernimm dich bloß nicht." "Ach das bestimmt nicht. Es ist
halt nur ziemlich viel Stress, weil es halt um meine richtige Aufnahme für
das Abbey Theatre ist, aber ich schaffe das schon", versicherte ich meiner Mutter.
"Dann ist ja gut. Und du bist nicht böse, dass wir nicht zur Premiere am
10. März kommen können. Sondern erst wenn ihr es am Wochenende spielt?",
fragte meine Mutter nach. "Ach quatsch. Ich weiß ja, dass ihr aus Sligo
herkommen müsst", ich schüttelte den Kopf. "Psst", mein Vater deutete
auf die Bühne, "ich glaube das Stück fängt an."
Das Weihnachtsstück war gut gemacht. Es war ein modernes Märchen und
Sue spielte echt gut. Sie schien sich auf der Bühne wohl zufühlen,
genau wie ich es immer tat. Ich genoss es in vollen Zügen. Doch etwas machte
mich im Laufe des Stückes stutzig. Mir kam einer der anderen Schüler
ziemlich bekannt vor. Ich meine damit richtig bekannt. Ich kannte viele der
Kinder der Sligo Grammar School vom sehen, aber der eine Junge, den ich wegen
seiner starken Verkleidung nicht erkennen konnte, war mir wirklich bekannt.
Erst zu Anfang des zweiten Aktes fiel es mir ein. Es war Colin Feehily. Marks
Bruder. Dann war Mark wahrscheinlich auch hier. Nein nicht nur wahrscheinlich.
Er war hier. Mark verbrachte natürlich auch die Feiertage mit seiner Familie
und dann würde er sich es auch nicht nehmen lassen sich das Theaterstück
von seinem kleinen Bruder anzusehen. Ich versuchte meine Gedanken zu verscheuchen
und mich weiter auf das Stück zu konzentrieren. Schließlich wollte
ich Sue nicht enttäuschen und ihr nachher genau sagen, was ich gut gefunden
hatte, aber es ging nicht. Immer wieder wanderten meine Gedanken zu Mark und
wie ich am besten ein Zusammentreffen mit ihm vermeiden könnte. Als das
Stück zu Ende war, entschuldigte ich mich bei meinen Eltern und wollte
auf dem schnellsten Weg die Schule verlassen. Bloß nicht Mark begegnen.
Ich hatte mich schon fast bis zum Ausgang vor gekämpft, als ich die Stimme
meiner Schwester hörte: "Lara, komm hier her!" Ich wandte mich um. Sie
stand circa 30 Meter von mir weg und neben ihr standen Colin und Mark. Jetzt
konnte ich wohl schlecht verschwinden, denn ich wollte weder meine Schwester
enttäuschen noch dass irgendjemand etwas von der Sache zwischen Mark und
mir mitbekam. Langsam ging ich auf die drei zu. Ich merkte, dass Mark mir entgegen
sah. Und es lag etwas in seinem Blick, dass ich nicht deuten konnte. Schnell
sah ich weg. "Hi Lara", Colin winkte mir zu, "Sue hat doch toll gespielt oder?
Sie will mir das einfach nicht glauben." "Doch du warst grandios", ich strich
Sue über die Schulter, "ich bin richtig stolz auf dich! Und du Colin warst
auch gut." "Danke", Colin lächelte mich an, "komm Sue, wir gehen wieder
zu den anderen. Oder müssen wir schon los, Mark?" Colin blickte zu seinem
großen Bruder auf. "Nein. Mam und Dad unterhalten sich noch und Barry
ist auch noch irgendwo im Getümmel hier. Ich hole dich dann", sagte Mark.
"Okay dann lass uns gehen", Colin nahm Sue bei der Hand und die beiden verschwanden
in Richtung Bühne. Ich sah den beiden nach. Doch plötzlich realisierte,
dass ich jetzt alleine mit Mark war. "Hallo Lara, tut mir leid, dass ich dich
erst jetzt begrüße, aber Colin war eben schneller", hörte ich
nun seine Stimme. Ich drehte mich zu ihm um. "Hi", sagte ich. Ich wollte das
Gespräch so schnell wie möglich beenden, denn ich merkte schon wieder
die Anziehung, die Mark auf mich ausübte und außerdem kamen mir wieder
die Szenen aus London in den Kopf. Ich wollte einfach nur noch weg. "Wie geht
es dir?", Mark teilte anscheinend meine Absichten nicht im geringsten und wollte
sich mit mir unterhalten. "Ganz gut", nun musste ich auch die obligatorische
Gegenfrage stellen, "und dir?" "Na ja", Mark schüttelte energisch mit dem
Kopf, "können wir nicht mit dem Mist hier aufhören? Wir müssen
dringend miteinander reden, Lara." "Über was denn?", ich trat einen halben
Schritt von ihm weg. "Du weißt schon", Mark sah mich verlegen an. "Nein
ich weiß nicht, Mark", gab ich zurück, "und ich will nicht reden,
ich kann nicht reden. Es wurde alles gesagt und das weißt du!" "Nein Lara,
bitte gib mir doch eine Chance", Mark sah mich bittend an, "ich habe damals
nicht gut reagiert. Ich war durcheinander. Ich habe Sachen gesagt, die ich vielleicht
nicht so gemeint habe." "Es geht nicht, Mark", ich schüttelte Kopf, "ich
kann nicht." Ich spürte wie mir die ersten Tränen aufstiegen. "Lara",
Mark griff sanft nach meiner Hand. Ich riss mich los und lief bevor er irgendetwas
unternehmen konnte aus der Aula. Draußen angekommen begann ich richtig
an zu weinen. Warum war ich ihn verliebt? Warum bekam ich ihn nicht aus dem
Kopf? "Lara?", Dad tauchte plötzlich neben mir auf, "was ist denn los mit
dir? Warum weinst du?" "Frag bitte nicht", sagte ich leise, "es geht gleich
wieder." "Lara hast du Probleme?", Dad sah mich ernst an. "Nein, ich fühle
mich in der letzten Zeit nicht so gut", meinte ich leise. "Wirklich?", Dad sah
mich prüfend an. "Ja, es geht bestimmt gleich wieder", ich nickte. "Okay,
aber wenn du etwas hast, dann komm zu mir", Dad strich mir über den Rücken.
"Mache ich", ich nickte. "Dann lass uns jetzt noch auf dein Mutter und Sue warten",
Dad lächelte, "die beiden müssten jeden Moment kommen." "Dad?", ich
sah ihn an, "sag ihnen nicht, dass ich geweint habe. Es ist wirklich alles okay."
"In Ordnung", Dad sah mich an. "Danke", antwortete ich.
Chapter #20
Ich gab mir aller größte Mühe Weihnachten so fröhlich zu
sein, wie es nur ging. Ich freute mich ja wirklich bei meiner Familie zu sein
und wollte es ihnen auch zeigen. Und außerdem wollte ich nicht, dass sich
jemand Sorgen um mich machte. Doch mir lag die Begegnung mit Mark schwer im
Magen. Immer wieder hörte ich seine bittende Stimme, mit der er mich gebeten
hatte mich mit ihm auszusprechen. Jedes Mal wenn ich daran dachte, bekam ich
eine unbändige Sehnsucht nach Mark und ein paar Mal war ich kurz davor
ihn anzurufen, aber im letzten Moment ließ ich es dann doch. Es stand
mittler Weile so viel zwischen uns. Und ich wusste, dass ich wenn ich Mark gegenüber
stand nicht mehr klar denken konnte.
Dies war einer der Gründe, warum ich ihm auf der Hochzeit von Shane und
Gillian so gut es eben ging aus dem Weg ging. Ich verbrachte den Tag die meiste
Zeit an der Seite meiner Eltern und beobachtete die wunder schöne Hochzeit.
Shane und Gillian waren echt zu beneiden und sie wirkten überglücklich.
Mark war die meiste Zeit auch ziemlich ausgelastet, da er als einer der Trauzeugen
von Shane ziemlich viel geplant hatte. So sahen wir uns immer nur von weitem,
was mir auch ziemlich recht war. Auch die anderen Lifer sah ich jeweils nur
kurz, weil sie immer von ziemlich vielen Leuten umringt waren und kaum Zeit
hatten. Umso erstaunter war ich als Shane mir, auf dem Rückweg von der
Toilette zurück, entgegen kam. "Lara", er lächelte und blieb stehen
und umarmte mich, "schön dich zu sehen." "Shane. Alles Gute dem frischgebackenen
Ehemann", ich grinste, "die Hochzeit ist toll." "Finde ich auch. Gillian und
ich sind einfach nur begeistert", Shane war seine Freude an zumerken, er strahlte
über das ganze Gesicht. "Wo ist denn eigentlich deine Braut?", wollte ich
wissen. "Du das wüsste ich auch gerne?", Shane lachte, "nein im Ernst,
Gill redet gerade mit irgendwelchen Tanten von ihr und da störe ich nur.
Wie geht’s dir eigentlich? Wir haben uns ja nicht mehr gesehen, seitdem du so
überstürzt weggefahren bist." "Mir geht es ganz gut. Tut mir leid.
Aber ich habe es doch schon erklärt, es ging alles so schnell, da ging
das mit verabschieden nicht so gut", ich sah Shane entschuldigend an. "Das ist
schon in Ordnung, mach dir wegen uns keine Gedanken. Ich denke jeder konnte
deine Reaktion in dem Moment verstehen", sagte Shane. "Ja?", ich sah ihn erstaunt
an. "Lara, wir alle haben verstanden worum es ging", Shane nickte leicht, "wir
konnten dich verstehen, dass du Abstand brauchtest. Aber meinst du nicht, dass
es jetzt genug ist? Rede mit Mark. Er ist so unglücklich seitdem du weg
bist. Er vermisst dich." "Es geht nicht, Shane", stieß ich hervor. Warum
fing er jetzt von Mark an? "Ich kann nicht mit ihm reden. Es ist soviel passiert",
sagte ich leise. "Ja und gerade deswegen ist es doch so wichtig", Shane sah
mich ernst an, "Mark ist wirklich unglücklich. Man merkt es ihm doch an
oder siehst du das nicht?" "Es geht wirklich nicht. Mark meint nach einem Gespräch
könnten wir weiter machen, wie früher, aber es kann nicht mehr werden
wie früher. Diese Sache hier wird immer zwischen Mark und mir stehen",
ich schüttelte den Kopf. "Vielleicht denkt Mark ja auch anders als du meinst",
wandte Shane ein. "Ich fühle mich einfach noch nicht so weit", ich schluckte
und versuchte krampfhaft zu vermeiden, dass Tränen kamen. "Es ist deine
Entscheidung", Shane legte mir eine Hand auf den Arm, "ich wollte nur helfen,
weil ich sehe, dass du dich doch auch nicht wohl fühlst." "Danke Shane,
aber mach dir keine Sorgen. Ich muss alleine damit klar kommen", ich versuchte
zu lächeln. "Du musst nicht, das weißt du auch, aber wie gesagt:
es ist deine Entscheidung. Aber wenn du jemanden zum reden brauchst, ich bin
da und ich denke die anderen auch", Shane lächelte. "Danke das bedeutet
mir viel", meinte ich. "Dafür sind Freunde doch da", Shane nickte, "ich
gehe jetzt mal wieder zu Gillian. Sie scheint endlich mit dem Gespräch
mit ihrer Tante fertig zu sein." "Okay mach das", antwortete ich. "Bis später
und vielleicht denkst du ja doch noch einmal darüber nach, was ich gesagt
habe", damit umarmte Shane mich und verschwand in Richtung Gillian. Ich sah
ihm nach. Anscheinend waren alle auf dem Laufenden, was Mark und mich betraf.
Nein es war ja offensichtlich gewesen war los war. Wahrscheinlich hatte es Mark
auch erzählt. Ich durfte Shane nicht böse sein, dass er mich gebeten
hatte mit Mark zu reden. Er wollte sicher nur das beste. Für mich und für
Mark. Aber es war alles viel komplizierter, als alle sich das vorstellten. Ich
warf einen Blick zu Mark, der mehrere Tische, von mir entfernt sah. Er sah wirklich
nicht glücklich aus, das konnte ich auch aus dieser Entfernung erkennen.
Er hatte ein Glas in der Hand und jemand saß neben ihm und erzählte
etwas. Doch Mark schien nicht zu zuhören. Er saß einfach da und nickte
hin und wieder. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich nicht doch zu ihm
hingehen sollte. Doch ich wusste, dass wir nicht hätten reden können.
Irgendetwas sperrte sich in mir. Ich war noch nicht soweit, weil ich merkte,
dass meine Gefühle für Mark immer noch die selben waren, wie als ich
aus London geflüchtet war. Unter diesen Umständen war ich für
ein Gespräch, wie ich es mit Mark hätte führen müssen, nicht
fähig. Langsam wandte ich meinen Blick von Mark und ging wieder zu meiner
Familie.
Die Hochzeit verlief ohne irgendwelche weiteren Zwischenfälle. Wenige Tage
danach kehrte ich auch in meine Wohnung nach Dublin zurück. Ich hatte auch
in den Tagen nach der Hochzeit nicht mit Mark gesprochen. Ich hatte ihn nicht
mal gesehen. Dafür war sein Bruder Colin jetzt oft bei uns. Sue und er
schienen richtig befreundet zu sein. Ich glaubte, sogar dass meine Schwester
ein kleines bisschen in Colin verliebt war. Doch irgendwie erinnerte mich das
alles an Mark und mich. Wir waren auch immer zusammen gewesen. Aber immer nur
auf freundschaftlicher Basis. Es hatte doch immer geklappt. Wir waren immer
so stolz darauf gewesen zu zeigen, dass wir als Junge und Mädchen und später
als Mann und Frau nur gute Freunde waren. Es war vielleicht doch nicht möglich.
Schließlich hatte ich mich in Mark verliebt. Aber darüber nachdenken
halft jetzt auch nichts mehr. Jetzt war sowieso alles anders.
Wieder daheim in Dublin hatte ich viel zu tun. Von Woche zu Woche wurden die
Theaterproben intensiver, da das Stück bei der Premiere Anfang März
richtig gut werden sollte. Oft war ich bis abends im Theater und wir übten
die verschiedenen Stellen, übten Aufgänge oder besprachen die Kostüme.
Nach solchen Tagen fiel ich immer tot müde ins Bett und schlief lange und
traumlos. Ich verbrachte somit die meiste Zeit im Theater. In der anderen Zeit
traf ich mich meistens mit Freunden oder beschäftigte mich anders, damit
ich keine Zeit zum Nachdenken hatte. Ich wollte mich ablenken und je voller
ich mir den Tag packte, desto besser ging dies. Aber im Moment hörte ich
auch wenig von Kian, Shane und den anderen, denn, wie sie mir erzählt hatten,
hatten sie auch beide Hände voll zu tun. Sie mussten Promotion für
ihre neue Single machen und ein Video drehen. Und von Mark hörte ich gar
nichts. Er rief nicht mehr an und meldete sich auch sonst nicht mehr. Eigentlich
hatte ich damit ja erreicht, was ich wollte ich. Abstand. Aber irgendwie fühlte
ich mich leer ohne Mark. Man muss sich das mal vorstellen. Früher hatte
er mich jedes Mal angerufen auch wenn er noch so im Stress war. Mir fehlten
diese kleinen Dinge unglaublich, aber gerade deswegen versuchte ich mich auch
abzulenken. Ich wäre nicht fähig gewesen meinen Tagesablauf in den
Griff zubekommen, wenn ich immer diese Gedanken gehabt hätte. Darum war
es auch besser. So je weniger ich an ihn dachte, desto besser würde es
mir irgendwann gehen. So dachte ich jedenfalls. Natürlich war das keine
Lösung und tief in mir wusste ich das auch, aber im Moment fühlte
ich mich wohler, wenn es so lief.
Chapter # 21
Zwei Monate später:
Ich sank in die Arme meines Geliebten Orsino, der endlich gemerkt hatte, dass
sein Dienstbote Cesario eigentlich eine Frau war und dass er sie liebte. Mit
Worten des Narr endete das Stück. "Sehr gut", mein Lehrer von der Theaterschule,
Mr. Hawkins, der das ganze Stück inszeniert hatte, klatschte in die Hände,
"eigentlich sagt man, dass Generalproben immer daneben gehen müssen, damit
die Premiere gut wird, aber so wie ihr gespielt habt, da kann das morgen nur
noch perfekt werden." "Na dann sind wir ja voller Zuversicht", Kevin, der die
Rolle des Orsino hatte, grinste unseren Lehrer an. "Das sollt ich auch sein.
Ihr beherrscht dass alle so gut, da kann morgen gar nichts schief gehen", Mr.
Hawkins lächelte, "und jetzt zieht euch alle wieder eure normale Kleidung
an und dann setzen wir uns noch für ein bis zwei Stunden zusammen und reden
noch über einige Details." Wir alle nickten und gingen zu der Umkleide.
"Na bist du nervös wegen morgen?", Mary, die die Olivia spielte, sah mich
erwartungsvoll an, "ich meine bei dir geht es ja um ziemlich viel." "Oh ja und
ich bin auch aufgeregt", ich verdrehte die Augen, "hoffentlich fliege ich morgen
nicht der Länge nach auf die Bühne." "Ach so komm, mal dir so etwas
bloß nicht aus, sonst bekommst du nur noch mehr Lampenfieber", Mary drohte
mir lachend mit dem Zeigefinger. Ich wollte etwas erwidern, als mein Handy klingelte.
Ich lächelte Mary entschuldigend zu und ging ran: "Lara McKenzie?" "Lara?",
ich konnte Georginas Stimme am anderen Ende erkennen. "Hallo Geo, na wie geht’s
dir? Ich habe ja lange nichts mehr von dir gehört", sagte ich freudig.
Doch Georgina schien gar nicht auf meine Worte geachtet zu haben: "Lara, du
musst sofort her kommen." "Geo ich verstehe ich kein Wort , wo soll ich hin
kommen?", ich lachte. Was war denn jetzt los? "Wir sind im ‚Four Seasons’. Kannst
du so schnell wie möglich hin kommen? Alles weitere erkläre ich dir
da", Georginas Stimme war eindringlich. "Wie stellst du dir das vor? Ich habe
gleich noch eine Besprechung wegen meiner Generalprobe und der Premiere morgen.
Ich kann hier nicht weg", antwortete ich. "Nein, bitte Lara, komm jetzt es ist
wirklich wichtig", bat Georgina wieder. "Sag mir erst worum es geht? Ist was
passiert?", langsam wurde ich doch unruhig. "Das kann man wohl sagen", murmelte
Georgina, "deshalb ist es ja so wichtig, dass du kommst. Das zu erklären
dauert viel zu lange." "Okay, ich komme. Ich bin spätestens in einer Viertelstunde
da", antwortete ich und legte auf. Schnell packte ich meine Sachen zusammen
und lief aus der Umkleide. Ich merkte nicht einmal, wie Mary mir irritiert nach
sah. Ich musste Mr. Hawkins finden. Hoffentlich lies er mich gehen. Aber Georgina
hatte wirklich ernst und besorgt geklungen. Es handelte sich bestimmt nicht
um irgendeine Lappalie. Ich fand Mr. Hawkins mit einer Tasse Kaffee auf dem
Flur vor dem Besprechungsraum. "Mr. Hawkins, ich habe eine Bitte", ich blieb
vor ihm stehen. "Ah Lara, unser Neuling! Du hast heute sehr gut gespielt, wenn
du morgen auch so gut spielst, dann sehe ich kein Problem für deine Aufnahme",
Mr. Hawkins lächelte. "Ähm danke. Was wollten sich jetzt noch bei
der Besprechung sagen?", fragte ich, während ich immer nervöser wurde.
Ich musste unbedingt hier weg und zum ‚Four Seasons’. "Das wirst du gleich erfahren",
meinte Mr. Hawkins. "Ich habe eben nämlich einen Anruf bekommen, dass etwas
passiert ist und ich dringend dahin muss", sagte ich zaghaft, "deshalb wollte
ich fragen, ob ich die Besprechung nicht einfach ausfallen lassen könnte."
"Aber Lara, da wird der ganze Ablauf von Morgen noch einmal durch gesprochen
und gerade für dich ist das sehr wichtig", wandte mein Lehrer ein. "Aber
ich muss wirklich. Es ist eine Privatsache", ich sah ihn flehend an. "Okay,
aber du wirst es morgen dann schwerer haben und du denk dran, du hast morgen
die eine Chance, wenn du nicht gut spielst, weißt du was das bedeutet",
Mr. Hawkins sah mich ernst an. "Ja, ich bin mir der Konsequenzen bewusst. Vielen
Dank. Bis morgen", ich nickte ihm lächelnd zu und lief im nächsten
Moment schon aus dem Gebäude. Meine Gedanken waren schon wieder bei Georginas
Anruf. Was war los? War etwas mit Mark? Aber das passte nicht zum ‚Four Seasons’.
Schnell schloss ich mein Auto auf und startete es. Ich musste auf dem schnellsten
Weg in dieses Hotel.
Da es gerade Mittagszeit war, kam ich schlecht durch Dublin. Irgendwie schien
jeder gerade jetzt irgendwo hin zu müssen. Und bei meinem Glück war
auch jede Ampel vor mir rot. Angenervt schlug ich auf das Lenkrad, als ich mal
wieder gezwungen war zu warten. Das durfte doch nicht wahr sein. Ich musste
so schnell wie möglich ins ‚Four Seasons’. Mittler Weile konnte ich wirklich
an nichts anderes mehr denken. Was war passiert? Es musste etwas Ernstes sein,
denn alle wussten, dass mir das Theater sehr wichtig war und dass man mich wirklich
nur in Ausnahmen aus einer wichtigen Probe holen konnte. Ich atmete auf als
die Ampel endlich auf grün schaltete und gab wieder Gas. Nach gut zehn
Minuten erreichte ich auch endlich das ‚Four Seasons’ von Dublin. Nur ich musste
feststellen, dass es weit und breit keinen Parkplatz gab. Überall standen
Ü-Wagen. Ich fuhr in eine Nebenstraße, wo ich endlich einen Parkplatz
fand und sprang aus dem Auto und machte mich auf den Weg zurück zum ‚Four
Seasons’. Davor angekommen, sah ich mich nach Georgina oder nach jemand anderem,
der mir bekannt war, um. Doch um mich herum standen und liefen nur Menschen,
die Kameras, Mikros und ähnliches mit sich trugen. Reporter und Fernsehteams.
Das wurde hier ja alles immer seltsamer. Ich blickte zum Eingang. Ob ich einfach
herein gehen sollte? Glücklicher Weise entdeckte ich gerade in diesem Moment
Georgina, die auf mich zu kam. "Geo, endlich", ich umarmte sie zur Begrüßung,
"verrätst du mir jetzt endlich was hier los ist?" "Ja komm mit", Georgina
nahm mich am Arm, "die Jungs geben gleich eine Pressekonferenz." "Eine Pressekonferenz?!",
ich sah sie entgeistert an, "ich habe meine Generalprobe, wegen einer stinknormalen
Pressekonferenz abgebrochen?" "Hör mir doch zu", Georgina sah mich ernst
an, "es ist halt keine normale Pressekonferenz. Sie haben etwas zu verkünden.
Etwas womit niemand rechnet. Sie saßen die letzen Tage und das ganze Wochenende
bei Nicky und mir zu Hause und haben geredet." "Worüber?", fragte ich ungeduldig.
"Bryan will die Band verlassen und heute wird es offiziell gemacht", sagte Georgina.
"Was?", ich glaubte mich verhört zu haben. "Ja, eigentlich wollten sie
sich am Wochenende treffen um Details für die Tour zu besprechen und da
hat Bryan es ihnen mitgeteilt. So weiß ich es jedenfalls von Nicky. Ich
war auch nicht dabei", erzählte mir Georgina, während wir zu dem Raum
gingen, in dem die Pressekonferenz abgehalten werden sollte, "Bryan will mehr
Zeit mit Kerry und seinen Kids verbringen." Ich schluckte. Ich konnte Bryan
verstehen. Und was war mit den anderen? Besonders was war mit Mark? Ich wusste
immer, dass es sein großer Traum war in einer Band zu sein und zu singen.
Ihm war Westlife sehr, sehr wichtig. Und bei den anderen war ich mir auch sicher.
Ich sah Georgina an: "Was ist mit den anderen? Wie geht es ihnen?" "Sie sind
natürlich sehr traurig. Ich meine es ist schwer jemanden, mit dem man den
größten Teil der vergangenen Jahre verbracht hat, gehen zu lassen.
Du weißt ja auch wie gut sie befreundet sind. Daran wird sich auch nichts
ändern, aber Bryan wird halt nicht mehr immer bei ihnen sein", antwortete
Georgina, "aber sie wollen weiter machen." Ich nickte, während wir den
Raum betraten. "Ich habe dich wegen Mark hergebeten", sprach Georgina weiter,
"ich weiß, dass ihr für eure Verhältnisse ewig nicht miteinander
gesprochen habt. Aber Mark braucht jetzt jemanden." "Das ist doch gar kein Thema",
sagte ich und ich meinte es so auch. Ich machte mir Sorgen um Mark. Um die anderen
natürlich auch, aber halt am meisten um Mark. Ihn kannte ich halt am besten
und konnte mir vorstellen, wie er sich jetzt fühlte. Hinter den Kameras,
wo ich mit Georgina nun hinging, um dort die Pressekonferenz mit zu verfolgen,
standen schon Kerry und Gillian. Als ich die beiden begrüßte, sah
ich das Kerry leicht gerötete Augen hatte. Sie schien geweint zu haben.
Gillian wirkte relativ gefasst, so wie Georgina und ich. Jodi war nicht da.
Ich erfuhr von Gillian, dass sie nicht von ihrer Arbeit wegkonnte. Ich sah mich
etwas in Raum um. Die Kamerateams und Fototeams schienen jetzt fertig mit dem
Aufbau ihrer Geräte zu sein. Doch von Bryan, Kian, Mark, Nicky und Shane
fehlte jede Spur. "Wo sind sie denn?", wollte ich von den anderen wissen. "Die
Pressekonferenz soll so um eins anfangen. Ich denke sie werden gleich da sein",
gab Gillian Auskunft, "sie wollen noch einmal geschlossen auftreten." Und sie
behielt Recht. Wenige Minuten später öffnete sich die Tür. Vorne
weg ging Louis und dahinter kamen sie. Alle wirkten sehr müde und angespannt.
Mark betrat vor Bryan als Vorletzter den Raum. Mein Blick blieb an ihm hängen.
Ich konnte sehen, dass es ihm schlecht ging. Er sah nicht auf, als er durch
den Raum zu seinem Platz ging und auch als er sich hinsetzte, heftete er seinen
Blick sofort auf die Tischplatte. Als alle saßen begann die Pressekonferenz.
Shane verkündete, dass Bryan Westlife verlassen wollte. Daraufhin wurden
Bryan viele Fragen nach dem Grund seiner Entscheidung gestellt. Bryan beantwortete
alle tapfer und man sah, dass es ihm nicht leicht fiel. Danach wurden Vermutungen
angestellt wie es mit Westlife weiter gehen sollte. Mark, Kian, Shane und Nicky
sagten, dass sie auf jeden Fall weiter machen wollten. Ich sah die ganze Zeit
zu Mark. Ich würde für ihn da sein, wenn das hier alles vorbei war.
Das nahm ich mir vor. Alles andere war jetzt Nebensache. Als die Reporter alle
Fragen gestellt hatten, erhoben sich die Lifer und Kian dankte Bryan mit einer
Rede und wünschte ihm alles Gute für die Zukunft. Danach umarmten
sich die fünf lange. Und ich konnte erkennen, dass alle nur mit Mühe
die Tränen zurück halten konnten. So endete die Pressekonferenz. Es
hatte nicht einmal eine Stunde gedauert. Bryan löste sich von den anderen
und kam in unsere Richtung. Er nickte uns zu und hielt Kerry die Hand hin. Zusammen
verließen sie den Raum.
"Puh", Georgina seufzte, "das war doch ganz schön hart." Gillian und ich
stimmten ihr zu. Ich sah zu den Lifern. Sie waren in den kleinen Garten, der
sich vor dem Raum befand, gegangen und Reporter schossen Fotos. Die ersten Fotos
von Westlife zu viert. "Kommt", sagte Gillian, "wir warten am Hotel Eingang
auf die Jungs. Das dauert hier noch ein bisschen, nehme ich an." Wir verließen
den Raum, setzten uns in die Hotellobby und warteten. Es dauerte wirklich noch
etwas. In der Zeit, in der wir warteten redeten wir nicht wie gewohnt, wir hingen
alle drei unseren Gedanken nach. Ich überlegte mir, wie Marks Reaktion
ausfallen würde, wenn er mich sah. Hoffentlich wollte er mich auch sehen.
Ich hätte es ihm nicht verdenken können, wenn er mich nicht sehen
wollte. Ich hatte ihn ja auch nicht sehen wollen. Damals nach der Aufführung
und auf der Hochzeit. Plötzlich schreckte ich auf, da ich Stimmen hörte
mir bekannte Stimmen. Sie kamen näher, aber jedoch konnten sie uns nicht
sehen. Gillian und Georgina sprangen sofort auf und liefen zu ihren Männern.
Ich blieb sitzen. Ich wollte nicht zu Mark gehen, wenn alle dabei waren. Georgina
und Gillian warfen mir erst zwar einen seltsamen Blick zu, aber dann verstanden
sie. Sie gingen alle zum Ausgang. Als sie aus der Tür getreten waren, stand
ich langsam auf und folgte ihnen. Sie standen vor dem Hotel. Georgina und Nicky
wandten sich schon zum Gehen und auch Shane und Gillian schienen aufbrechen
zu wollen. Kian telefonierte. Ich vermutete mit Jodi. Mark stand etwas unschlüssig
daneben. Er wirkte richtig verloren.
Ich zögerte noch einen Moment, dann gab ich mir einen Ruck und ging auf
ihn zu. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Schlimmer als im Moment konnte es
nicht werden. Dennoch holte ich noch ein mal tief Luft, bevor ich seinen Namen
rief. "Mark?" Mark, der mit dem Rücken zu mir gestanden drehte sich ungläubig
um. Als er mich sah blieb sein ungläubiger Ausdruck. Ich kam noch einen
Schritt näher. "Hallo Mark", sagte ich. Er sah mich weiter hin an. "Lara."
In seiner Stimme ich immer noch einen ungläubigen Ton hören. "Ich
glaube ich frage dich jetzt nicht, wie es dir geht", meinte ich. "Du warst die
ganze Zeit da?", wollte Mark wissen. Ich nickte: "Geo hat mich angerufen und
dann bin ich hier hergekommen. Es tut mir leid." Mark antwortete nicht sondern
starrte nur auf den Boden. Ich sah, dass er Mühe hatte seine Tränen
zu unterdrücken. "Ich weiß nicht, wenn es dir nicht recht ist, dass
ich hier bin, dann habe ich da Verständnis für", redete ich weiter,
weil ich Marks Anblick nicht ertragen konnte. Plötzlich sah Mark auf. "Nein
das ist es nicht. Es ist die Sache mit Bryan", sagte er leise, dann lief ihm
eine Träne über die Wange. Ich konnte nicht anders. Ich musste ihn
in einfach in den Arm nehmen. Alles war vergessen. Unser Streit, meine vielen,
vielen Gedanken... Jetzt zählte nur noch, dass ich für ihn da war.
"Es ist nicht wegen dir. Ich bin froh, dass du da bist", murmelte Mark während
der Umarmung und drückte mich noch fester. Es war ein schönes Gefühl
ihn endlich wieder im Arm zu halten. Wenig später lösten wir uns wieder
von einander. "Weißt du was Mark, du kommst jetzt einfach mit zu mir.
Da können wir reden. Wenn wir hier noch länger stehen, finden wir
morgen nur wieder einen Zeitungsbericht vor. Uns so gerne stehe ich nicht in
der Zeitung", meinte ich. "Ich komme gerne mit", Mark nickte, "ich sage nur
noch Kian bescheid." Er drehte sich um. Doch hinter ihm war niemand mehr. "Er
hat es anscheinend vorgezogen zu verschwinden", meinte ich. "Auch gut, dann
können wir ja los", sagte Mark.
Wenig später kamen wir in meiner Wohnung an. "Mach’s dir gemütlich.
Du kennst dich ja aus. Ich mache uns gerade einen Tee oder möchtest du
etwas anderes?", ich blickte zu Mark. "Tee ist schon in Ordnung", er nickte.
Ich ging in meine kleine Küche und kochte Tee. Einige Minuten danach betrat
ich mit zwei dampfenden Bechern das Wohnzimmer. Mark saß auf dem Sofa
und starrte vor sich hin. Er wirkte jetzt noch müder als vorhin auf der
Pressekonferenz. "Hier dein Tee", ich stellte eine Tasse vor ihm auf den Tisch.
"Danke", er griff danach und trank einen Schluck. Ich setzte mich neben ihn.
Wir schwiegen für eine Weile. Ich wusste nicht wie ich anfangen sollte
und Mark schien einfach etwas Zeit zu brauchen. Doch dann fing er an zu reden,
immer und immer mehr Worte kamen aus ihm heraus: "Ich glaube ich habe das immer
noch nicht realisiert, was in den letzten Tagen und heute passiert ist. Wir
sind alle zusammen gekommen und um die Tour zu besprechen und dann eröffnet
Bryan uns so etwas. Und niemand hat es gemerkt. Gut wir haben gemerkt, dass
Bryan in der letzten Zeit etwas unzufrieden schien, aber wir haben nie, nie
einen Gedanken daran verschwendet, dass er die Band verlassen will. Und dann
die letzten Tage, wo wir versucht haben ihn zu verstehen und ihn umzustimmen.
Doch Bryan war fest davon überzeugt, dass es das Richtige ist. Wir konnten
nicht anders, wenn er nicht mehr glücklich mit Westlife war, dann musste
er einen Schlussstrich ziehen. Aber ich vermisse ihn jetzt schon. Die Band wird
nie mehr so sein, wie früher." Mark stoppte. Ich griff behutsam nach seiner
Hand. "Du bist fertig, wie lange habt ihr geredet?", fragte ich nach, "es ist
absolut normal, dass du durcheinander bist." "Fünf Tage haben wir bei Nicky
zu Hause verbracht", erzählte Mark, "aber es ist nicht nur das. Ich habe
Angst, dass es ohne Bryan kaputt geht. Mir und den anderen ist die Band immer
noch total wichtig. Es geht dabei nicht um das Geld. Das haben wir alle, aber
die Band bedeutet mir so viel." "Ich weiß Mark", antwortete ich ihm leise,
"aber ihr habt eine Chance. Ihr habt so viele Fans. Ihr seid gut. Jetzt kann
keiner sagen, ob es geht. Aber euch stehen alle Möglichkeiten offen zu
beweisen, dass ihr als Band gut seid." "Du hast ja recht", stimmte Mark mir
zu, "aber jetzt ist alles noch so unbegreiflich. Ich meine wir waren jahrelang
zu fünft unterwegs und dann auf einmal nur noch zu viert. Und übermorgen
geht es schon weiter." "Dann ruh dich jetzt aus, Mark", schlug ich ihm vor,
"du bist doch sicher müde. Leg dich hin, versuch dich zu beruhigen und
schlaf ein bisschen." "Meinst du wirklich?", Mark sah mich unsicher an. "Wenn
du dir jetzt immer weiter Gedanken machst, dann wirst du irgendwann verrückt
und stehst noch schlimmer zu als jetzt", mahnte ich, "für mich ist das
doch kein Problem, dass du hier bist. Versuch einfach zur Ruhe zu kommen. Komm
leg dich hin." Ich stand auf, so dass er sich auf meinem Sofa lang machen konnte.
"Ich bin in der Küche, falls du noch etwas brauchst", sagte ich, griff
nach den Teetassen und ging leise aus dem Zimmer. Als ich zurück kam, schlief
Mark schon. Er war wirklich erschöpft gewesen. Ich setzte mich auf einen
Sessel gegenüber von dem Sofa und sah in einfach nur an. Er wirkte so friedlich,
wie er da lag und schlief. Doch seinem Gesichtsausdruck konnte ich entnehmen,
dass er wirklich fertig war. Darum verhielt ich mich leise, damit ich ihn ja
nicht aufweckte. Er brauchte seinen Schlaf und ich fand es einfach nur schön
ihn beim Schlafen an zusehen. Doch ich merkte auch eine Veränderung bei
mir, die ohne dass ich sie bemerkt hatte, stattgefunden haben musste. Ich hatte
plötzlich nicht mehr diese Sperre vor einer Begegnung mit Mark. Wenn ich
ihn so ansah, merkte ich dass vieles möglich war. Vielleicht würden
wir ja doch irgendwann wieder die besten Freunde werden. In diesem Moment schien
mir so vieles möglich zu sein.
Als Mark erwachte, schob ich gerade zwei Tiefkühlpizzen in den Backofen.
"Oh das sieht ja gut aus", hörte ich Marks Stimme hinter mir. "Ist Thunfisch
okay?", fragte ich, "tut mir leid, aber ich habe momentan nichts anderes hier."
"Nein, nein, ist völlig okay", Mark lächelte. "Dann ist ja gut. Wie
fühlst du dich?", wollte ich wissen. "Immer noch ziemlich durcheinander,
aber ich fühle mich nicht mehr so schlapp", Mark fuhr sich mit den Fingern
durch die Haare, "kannst du mir sagen, wie lange ich geschlafen habe?" "Warte
jetzt ist es kurz nach sieben. Vier Stunden", gab ich ihm Auskunft. "Wow", Mark
ließ sich auf einem Küchenstuhl nieder, "macht dir das wirklich nichts
aus, dass ich hier bin." "Nein, sonst hätte ich dir das doch gar nicht
vorgeschlagen", ich schüttelte den Kopf und setzte mich zu ihm, "die Pizza
dürfte in einer guten Viertelstunde fertig sein." "Sehr gut, so langsam
macht sich auch bei mir der Hunger bemerkbar", Mark fuhr sich symbolisch über
seinen Bauch, "jetzt erzähl du mir aber noch mal wo Georgina dich weg geholt
hat." "Na ja ich war gerade im Theater", erzählte ich Mark. "Und bist da
einfach weggegangen?", er sah mich entgeistert an, "du hast doch morgen Premiere."
"Woher weißt du das denn?", ich sah ihn überrascht an. "Hast du das
nicht mal erzählt?", meinte Mark ausweichend. "Nein, das habe ich erst
kurz nachdem erfahren, als ich aus London zurückgekommen bin erfahren",
ich grinste. "Dann habe ich das wohl irgendwo mitbekommen", Marks Blick war
etwas verlegen, "aber du kannst doch einfach nicht von deiner Generalprobe fern
bleiben. Lara so was geht nicht." "Das Stück hatten wir doch durchgeprobt,
wir hatte nur noch eine Besprechung", schwächte ich ab, "außerdem
war das mit euch doch auch wichtig. Und das mit dem Theater schaffe ich morgen
irgendwie. Die Generalprobe war zufriedenstellend." "Aber es geht um sehr viel,
Lara, das weiß ich, selbst wenn wir in der letzten Zeit nicht viel miteinander
gesprochen haben", sagte Mark. "Sag doch einfach, dass wir gar nicht miteinander
geredet haben", schlug ich vor. "Du hast ja recht", Mark nickte, "aber ich bin
froh, dass es jetzt wieder in Ordnung ist. Das ist es doch oder?" "Wenn du mir
mein blödes Verhalten verzeihen kannst", ich lächelte zaghaft. "Hey
ich war doch im Endeffekt Schuld daran" , wandte Mark ein, "ich habe alle diese
dummen Sachen gesagt und dann..." "Shhh", ich hob meine Hand um ihn zu stoppen,
"sprich nicht weiter. Lass und diese Sache einfach vergessen und nicht mehr
darüber reden." "Lara, ich weiß nicht. Ich muss doch noch etwas...",
fing Mark wieder an. "Bitte Mark", ich sah ihn flehend an. Am besten würde
es doch laufen, wenn wir einfach nicht mehr darüber sprachen und wieder
Freunde werden würden. Irgendwann würde das schon gehen. "Wenn du
meinst", gab Mark schließlich nach, er drehte sich nach dem Backofen um,
"ich glaube das riecht hier so, als ob die Pizza fertig ist."
Es wurde noch ein sehr schöner Abend. Mark und ich aßen die Pizza
und redeten noch stundenlang über alles mögliche. Ich tröstete
Mark noch etwas und machte ihm Mut. Langsam schien er auch wieder richtig beruhigt
zuhaben, was mich freute, denn ich sah ihn nicht gerne leiden. Dann erzählte
ich ihm von den Proben für das Theaterstück und von meiner Aufregung
wegen dem kommenden Tag. Erst viele Stunden später gingen wir schlafen.
Mark übernachtete bei mir auf dem Sofa, da es jetzt viel zu spät war
um noch nach Hause zu fahren und es störte mich auch gar nicht ihn bei
mir zu haben. Ich hatte ihn eben doch sehr vermisst.
Chapter #22
Ich wurde am nächsten Morgen durch ein durchaus fröhlich klingendes
"Guten Morgen" geweckt. Langsam öffnete ich meine Augen und sah mich um.
Mark stand in Boxershorts und T-Shirt in der Tür und lächelte mich
an. "Ich weiß zwar nicht, wann du im Theater sein musst, aber ich dachte
mir mal, dass es nicht schlecht ist, wenn ich dich jetzt wecke", meinte er.
"Wie spät ist es denn?", wollte ich wissen und setzte mich auf. "Kurz nach
elf", sagte er nach einem kurzen Blick auf seine Uhr. "Dann wird es höchste
Zeit", mit einem Satz war ich aus dem Bett, "ich muss schon um halb vier am
Theater sein. Ich weiß auch nicht wieso, aber Mr.Hawkins hat das so angeordnet."
"Ja, aber du hast noch genug Zeit", wandte Mark ein. "Ich wollte aber unbedingt
noch laufen und dann muss ich noch duschen", ich rieb mir die Augen. "Jetzt
mal ganz ruhig", Mark grinste über meine Hektik, "jetzt gehst du erst mal
frühstücken. Ich habe welches gemacht, dann gehst du laufen und ich
räume das weg und wenn du wieder kommst, machst du dich fertig und zum
Schluss bringe ich dich zum Theater, dann kann nichts schief gehen." "Du bist
ein Schatz", ich sah ihn dankbar an und lief dann in die Küche, wo ein
gedeckter Tisch auf mich wartete. Mark hatte sogar an Brötchen gedacht.
Ich setzte mich gerade an den Tisch, als Mark zu mir in die Küche kam.
"Fehlt noch irgendetwas?", wollte er wissen. "Nein es ist perfekt. Danke Mark,
du musst das aber nicht machen. Ich denke du hast genug eigene Probleme", meinte
ich. "Lara, aber du hast mir gestern schon sehr geholfen, dass du mir einfach
zu gehört hast und für mich da warst", Mark sah mich fest an, "außerdem
bin ich froh, dass wir wieder mit einander reden." "Das war doch Ehrensache.
Wir sind doch Freunde", warf ich ein. Das mit den Freunden fiel mir zwar immer
noch etwas schwer zu sagen, aber mit der Zeit würde ich mich wohl daran
gewöhnen, dass Mark und ich Freunde waren und nicht mehr. "Außerdem
brauchst du heute Unterstützung", Mark grinste, "ich habe doch eben gesehen
wie zerstreut du bist. Ich muss doch aufpassen, dass du vor deiner Premiere
nicht durchdrehst." "Sprich dieses Wort nicht aus", ich legte mein Brötchen
zurück auf den Teller und schob diesen von mir, "mir ist jetzt schon ganz
übel vor Aufregung. Ich glaube ich kann nichts essen." "Du musst was essen,
nicht dass du mir heute von der Bühne kippst", Mark schob den Teller wieder
zurück, "und heute Abend packst du das, da bin ich ganz sicher. Denk einfach
daran was ich dir gesagt habe, du musst voll und ganz hinter dem stehen, was
du tust. Und ich weiß, dass du das tust, also kann nichts schief gehen.
Außerdem bin ich ja da." "Du bist da? Aber die Premiere ist ausverkauft",
ich warf Mark einen irritierten Blick zu, "es gibt gar keine Karten mehr." "Und
was ist das hier?", Mark angelte nach seiner Jacke, zog daraus ein Karte von
unserem Stück und hielt sie mir vor die Nase, "die anderen kommen auch.
Das heißt Kian, Nicky, Georgina und Shane. Gillian kann leider nicht kommen,
weil sie morgen in Sligo zu tun hat. Schau nicht so entgeistert, wir haben die
Karten schon länger." "Du wolltest auch die ganze Zeit kommen?", fragte
ich Mark. "Klar", er nickte und wechselte dann das Thema, "Bryan und Kerry kommen
wahrscheinlich nicht, wie es geplant war. Ich denke sie brauchen erst mal ein
bisschen Zeit für sich." "Verstehe. Ist ja auch in Ordnung", antwortete
ich halbherzig. Ich war immer noch überrascht über die Tatsache, dass
Mark die ganze Zeit vorgehabt hatte zu kommen. Vielleicht... Nein, rasch schob
ich den Gedanken beiseite. Ich wollte mich auf unsere Freundschaft konzentrieren
und mir nicht wieder falsche Illusionen machen. Außerdem war heute erst
mal in erster Linie mein Theaterstück wichtig. Schließlich ging es
dabei um meine Zukunft. Bei diesem Gedanken übermannte mich sofort wieder
meine Nervosität und das andere Thema war erst mal passé...
"So da wären wir", Mark blieb einige Meter vor dem Abbey Theatre stehen.
Er hatte darauf bestanden zu Fuß zugehen, weil ich seiner Meinung nach
noch etwas frische Luft brauchte. "Okay", ich spielte nervös mit meinen
Haaren, "ich bin aufgeregt." "Das ist normal. Du weißt doch wie aufgeregt
ich immer vor unseren Konzerten bin", Mark stupste mich aufmunternd in die Seite,
"du schaffst das. Du bist gut." "Danke", ich lächelte, "wenn ich jetzt
da rein gehe, dann wird es Wirklichkeit." "Genau, denk daran du bist nur noch
einen kleinen Schritt von deinem Ziel entfernt. Die letzte Hürde nimmst
du auch noch", Mark nahm mich in den Arm, "und jetzt geh, wir sehen uns später."
Ehe ich mich versah hatte er mir einen Kuss auf die Wange gedrückt und
sich dann zum Gehen umgedreht. Ich sah ihm nach und tastete mit der Hand nach
meiner Wange. Ich konnte diesen Kuss nicht deuten. Wir hatten uns nie geküsst.
Umarmung ja aber etwas anderes nicht. Ich schüttelte den Kopf, doch ich
konnte nicht weiter darüber nachdenken, denn Mary kam auf mich zu. "Lara,
schön dass du da bist. Wollen wir reingehen?", sie blieb neben mir stehen.
"Okay bringen wir es hinter uns", ich nickte. Zusammen betraten wir den hinteren
Eingang vom Abbey Theatre. "Mr. Hawkins meinte du hättest gestern wegen
einer privaten Sache weggemusst. Ist alles in Ordnung?", erkundete sich Mary
mit einem besorgten Blick, "du bist ja gestern so überstürzt weggegangen."
"Wie man es nimmt. Jetzt geht es wieder. Es gab gestern ein paar Probleme",
gab ich Auskunft, "es war also wirklich wichtig, ich wollte mich nicht irgendwie
vor der Besprechung drücken. War da noch etwas besonderes?" "Nee nicht
wirklich. Nur worauf wir achten müssen, aber ich glaube das wurde schon
dreifach gesagt. Außerdem ist gleich noch mal eine Besprechung angeordnet
und danach geht es zum stylen und einkleiden." "Okay, dann werden wir gar keine
Zeit haben vor Aufregung zu Sterben", ich lachte. "Ich glaube auch nicht. Bist
du sehr nervös?", fragte Mary, "bei mir fängt es so langsam doch an."
"Sei froh ich bin schon seit heute Morgen an nervös", übertrumpfte
ich sie. Lachend liefen wir weiter auf den Besprechungsraum zu wo die anderen
unserer Gruppe schon warteten.
Circa fünfzehn Minuten vor Beginn des Theaterstücks saß ich
hinter der Bühne und war super nervös. Ich musste nämlich als
erste und alleine auf die Bühne. "Lara?", hörte Kevin, der auf mich
zu gerannt kam. "Was kann ich für dich tun ‚Geliebter’?", trotz meiner
Aufregung konnte ich noch grinsen. "Hier", er gab mir mein Handy, das klingelte,
"das war in deiner Tasche und hat nicht mehr aufgehört." "Danke", ich nahm
das Gespräch an, "hallo." "Na du super Schauspielerin?", kam es vom anderen
Ende. "Bryan", rief ich erfreut. "Ja so heiße ich. Nein mal im Ernst.
Ich wollte dir nur alles Gute wünschen", sagte Bryan, "tut mir leid, dass
ich gestern nicht so viel geredet habe, aber das war irgendwie Ausnahmezustand."
"Nein, das ist schon okay", beruhigte ich ihn, "war bestimmt auch nicht leicht
für dich. Wie fühlst du dich denn?" "Na ja ein bisschen komisch schon,
aber ich habe solange darüber nach gedacht und ich weiß, dass es
die richtige Entscheidung war", meinte Bryan fest, "eigentlich wollten Kerry
und ich uns heute eigentlich auch die Premiere angucken, aber jetzt brauchen
wir ein bisschen Abstand. Verstehst du doch? Oder bist du böse?" "Nein
nur, dass mir kein Mensch gesagt hat, dass ihr und besonders Mark auch kommen
wolltet", ich lachte. "Es sollte ne Überraschung werden. Du hör mal,
zwischen dir und Mark, ist wieder alles in Ordnung?", wollte Bryan wissen. "Ja
wir haben gestern noch lange geredet. Ich denke es könnte alles wieder
wie früher werden", sagte ich. "Du Lara, vielleicht...", fing Bryan an.
Ich sah zu Mr. Hawkins, der Bewegungen machte, dass ich dringend herkommen sollte.
"Du Bryan, ich muss jetzt auf die Bühne", unterbrach ich Bryan, "vielen
Dank, dass du angerufen hast. Grüß Kerry und die Mädels von
mir." "Ähm... okay. Ganz viel Glück, Lara", wünschte mir Bryan
noch, dann legten wir auf. Ich ging zu den anderen aus meiner Theatertruppe.
Wir wünschten uns Glück und machten einen Kreis. Dann ertönten
die ersten Geräusche eines Sturms. Mein Signal, dass es Zeit mich bereit
zu machen. Ich stieg die Treppen hinauf und wartete auf das Scheinwerferlicht.
In dieser Zeit ließ ich meinen Blick über das Publikum schweifen.
Es war restlos voll. In der ersten Reihe saßen Leute vom Theater, die
mir bekannt waren. Sie waren bestimmt auch an der Entscheidung über meine
Zukunft beteiligt. Ich ließ meinen Blick weiter über die Menge gleiten.
Ich entdeckte Jane und noch ein paar andere Freunde von mir. Und dann sah ich
auch Mark. Zusammen mit den anderen saß er in der dritten Reihe und blickte
gespannt nach vorne zur Bühne. Genau in dem Moment leuchtete der Scheinwerfer
auf und stolperte, wie es das Drehbuch verlangte, auf die Bühne. Dort begann
ich meinen Dialog zu sprechen. Die ersten Worte kamen noch etwas zittrig heraus,
aber dann war mein Lampenfieber vergessen und ich war vollendendens Viola.
Der Vorhang fiel und von dem Publikum schallte tosender Applaus entgegen. Ich
stand wieder hinter der Bühne und hielt mich an Kevin, ‚meinem’ Orsino,
fest, da ich so zitterte. Die Premiere war vorbei und ich war nur noch erleichtert.
Mr. Hawkins kam auf uns zugelaufen. "Ihr wart großartig", rief er uns
entgegen, "besonders du, Lara. Aber jetzt noch mal raus auf die Bühne zum
Verbeugen." Er schob mich und Kevin in Richtung Bühne. Wir liefen noch
einmal heraus und verbeugten uns. Das Publikum klatschte immer noch. Ich atmete
auf und lächelte. Es schien ihnen gefallen zu haben. Doch mit Schrecken
entdeckte ich, dass einige der vorderen Plätze , wo die Leute vom Theater
gesessen hatten, leer waren. Was hatte das zu bedeuten? Hatte es ihnen nicht
gefallen? Ich blieb auf der Bühne stehen, bis alle Schauspieler sich verbeugt
hatten und dann verließen wir alle gesammelt die Bühne. Wieder hinter
der Bühne kam Mr. Hawkins mit einem Sektglas in der Hand auf mich zu. "Lara,
es war großartig. Ich wusste zwar, dass du Talent hast, aber heute das
war wirklich eine Glanzleistung", er reichte mir ein Glas um mit mir an zu stoßen.
"Ich weiß nicht", versuchte ich ihn zu bremsen. "Warte, warte", Mr. Hawkins
lächelte, "bevor du etwas sagst, möchte ich dir noch jemanden vorstellen."
Er winkte einen Mann und eine Frau zu sich. "Lara, dass sind Mr. Andrews und
Mrs Reilly vom Abbey Theatre. Du hast sie hier doch bestimmt schon mal öfters
gesehen”, stellte mir Mr. Hawkins die beiden vor. Ich gab beiden die Hand. Es
waren zwei der Personen, die in der ersten Reihe gesessen hatten. "Gratulation,
Miss McKenzie", Mrs Reilly lächelte mich freundlich an, "sie haben sehr
gut gespielt. Ich bin richtig begeistert." "Ich kann meiner Kollegin nur zu
stimmen", Mr. Andrews nickte, "mir hat es auch sehr gut gefallen. Sie haben
richtig Talent. Heute Abend war für sie ja so zusagen die Aufnahmeprüfung
und von unserer Seite haben sie die grandios bestanden." "Auf jeden Fall", Mrs
Reilly lächelte, "Mr. Hawkins hat uns auch so viel Positives erzählt.
Ich glaube es bleibt uns nur noch zu sagen. Herzlich Willkommen am Abbey Theatre."
Ich war erst mal einen Moment sprachlos. Hatten diese beiden es eben wirklich
gesagt? Ich gehörte zum Ensemble? "Freuen Sie sich denn gar nicht?", Mr.
Andrews sah mich irritiert an. "Doch und wie", stammelte ich, "ich weiß
gar nicht was ich sagen soll. Vielen Dank." "Oh nein, das haben sie sich selbst
verdient", Mrs. Reilly lächelte. "Trotzdem vielen Dank. Ich freue mich
wirklich", ich strahlte und war froh, dass ich endlich wieder im Stande war
normale Worte zu sprechen. "Die Freude ist ganz auf unserer Seite", Mr. Andrews
lächelte, "Sie müssten in den nächsten Tagen dann nur noch einmal
vorbei kommen, damit wir die nötigen Formalitäten klären können,
in Ordnung?" "Ist in Ordnung", ich nickte. "Gut, dann wünschen wir Ihnen
noch einen schönen Abend und feiern Sie die gelungene Premiere", verabschiedete
sich Mrs Reilly und Mr. Andrews nickte. Die beiden verabschiedeten sich noch
bei Mr. Hawkins und dann verschwanden sie. "Jetzt können wir auch endlich
anstoßen", Mr. Hawkins lies sein Glas sanft an meins klirren, "herzlichen
Glückwunsch. Du hast es geschafft." Gleich darauf kam die ganze Theatergruppe
zu mir um mir zu gratulieren.
Eine gute halbe Stunde später verließ ich das Theater. Draußen
vor dem Theater warteten Kian, Shane, Nicky, Georgina und Mark. Um die Lifer
hatten sich ein paar Leute, die ich als Fans identifizierte, gesellt und sie
Jungs unterschrieben einige Papierstücke. Als Mark mich sah, lief er auf
mich zu und umarmte mich. "Lara du hast toll gespielt. Es war einfach super",
sagte er begeistert. "Danke", ich lächelte. "Mark hat Recht", Nicky nickte,
"es war wirklich toll." Die anderen stimmten ihm zu. "Und?", Mark sah mich weiter
erwartungsvoll an. "Was und?", ich grinste. "Hast du es geschafft?", fragte
er. "Was denn?", ich lächelte weiter. "Wir dürfen also gratulieren",
Kian lachte, "du hast es geschafft." "Woher weißt du das? Ich wollte euch
so schön reinlegen", ich grinste und stemmte die Hände in die Hüften.
"Ich denke mal, wenn was nicht geklappt hätte, wärst du bestimmt nicht
so fröhlich", meinte Kian. "Da hast du auch Recht", ich nickte, "okay ich
bin aufgenommen. Die Vorsitzenden vom Theater waren ich glaube ich selbst begeistert."
"Wow, ich bin ja so stolz auf dich", Mark umarmte mich wieder und die anderen
taten es ihm gleich und gratulierten mir. Es dauerte einige Minuten bis ich
sie auch mal etwas fragen konnte. "Und wie geht es euch? Ich mein nach gestern",
fragte ich vorsichtig und sah in die Runde. "Na ja, es muss ja irgendwie", Shane
seufzte, "richtig komisch wird es ja erst ab morgen, wenn wir ohne Bryan auftreten
müssen." Kian nickte: "Genau, aber wir bekommen es irgendwie hin. Wir wollen
es auf jeden Fall." "Es bleibt nicht soviel Zeit zu nachdenken", fügte
Nicky hinzu, "wir müssen jetzt erst mal daran arbeiten die Tour hinzubekommen."
"Ich drücke euch auf jeden Fall ganz fest die Daumen", ich lächelte
aufmunternd. "Danke", Kian grinste. Wir redeten noch einige Zeit miteinander,
dann entschieden sich alle aufzubrechen, da die Lifer wieder früh raus
mussten und diverse Interviewtermine hatten. Ich verabschiedete mich von allen.
Zum Schluss blieben nur noch Mark und ich übrig. "Ich bring dich noch nach
hause, okay?", er lächelte. "Gerne."
Zusammen machten wir uns auf den Weg durch das nächtliche Dublin. Es war
für Anfang März schon relativ warm, so dass es recht angenehm war.
Die erste Zeit schwiegen wir und gingen einfach nur nebeneinander her. "Wohin
musst du denn morgen?", fragte ich Mark schließlich. "Morgen früh
haben wir noch in Dublin zu tun und gegen Mittag fliegen wir nach England um
da einige TV-Shows zu besuchen. Und dann haben wir noch einige Auftritte in
einigen anderen Ländern. Aber ins gesamt wird das nur eine Woche oder so
dauern. Und dann fangen ja schon die intensiven Proben für unsere Tour
an", erzählte Mark. "Hört sich nach Stress an", meinte ich. "Wird
es auch, aber wenn dafür die Tour gut wird, dann lohnt sich das", erklärte
Mark. "Das ist natürlich was. Du musst mir unbedingt eine Karte für
den Tourauftakt besorgen. Wo ist der noch mal?", ich sah Mark fragend an. "In
Belfast am 30. März", gab er Auskunft. "Ich komme auf jeden Fall", ich
lächelte ihn an, "ich muss euch doch die Daumen drücken, wenn ihr
zum ersten Mal zu viert ein Konzert gebt." "Aber wir sehen uns vorher doch auch
noch mal, oder?", wollte Mark wissen. "Klar, ich meine du bist doch bald wieder
in Dublin, wenn ihr da die Tourproben habt", sagte ich, "Mark zwischen uns ist
doch wieder alles in Ordnung?" "Ja", Mark nickte. Mittlerweile waren wir auch
bei meiner Wohnung angekommen. "Dann ist es jetzt wohl Zeit sich zu verabschieden",
ich sah Mark an, "wir telefonieren die Tage und du gibst mir Bescheid, wann
du wieder da bist." "Mache ich", Mark nickte. Aber irgendwie wirkte er seltsam,
als er das sagte. Als ob er noch etwas hätte. Aber vielleicht bildete ich
mir das auch nur ein. "Okay, dann bis in einer Woche und wenn du einfach nur
reden möchtest, dann ruf mich einfach an", ich wollte Mark zum Abschied
umarmen. "Lara, warte", Mark stoppte mich. "Was ist denn?", ich sah ihn verwirrt
an. Marks Verhalten gefiel mir nicht. Ganz und gar nicht. "Ich...", fing Mark
an und griff nach meinen Händen, "ich kann das einfach nicht. So tun als
ob nichts wäre." Ich bekam keine Gelegenheit über seine Worte nachzudenken,
denn im nächsten Augenblick, hatte er mich noch näher an sich gezogen
und küsste mich. Dieser Kuss war einfach unglaublich und ich lief in Gefahr
mich darin zu verlieren. Doch das wollte ich nicht. Ich wollte meine Freundschaft
mit Mark, die mir soviel bedeutete, nicht noch einmal aufs Spiel setzen. Auch
wenn meine Gefühle da anderer Meinung waren. Mit dem letzen bisschen Widerstand
schob ich Mark von mir weg. "Stop Mark, wir sollten das dringend lassen", sagte
ich etwas atemlos, "wir sind Freunde, wir dürfen das nicht. Es hat unsere
Freundschaft schon einmal fast kaputt gemacht. Das können wir nicht noch
einmal aufs Spiel setzen." "Lara, wir sind mehr als Freunde und das weißt
du. Vielleicht schon länger als ich", Mark sah mich eindringlich an. "Nein
du wolltest Freundschaft, als ich dir meine Gefühle damals an diesem schrecklichen
Morgen offenbart habe", widersprach ich, "und du hattest Recht. Was wir haben
hat kaum jemand. Wir sind die besten Freunde und verstehen uns blind. Normalerweise
jedenfalls. Wir können das doch nicht einfach aufgeben für irgendwelche
wirren Gefühle." Ich sah ihn nicht an bei diesen Worten. Ich konnte es
einfach nicht. "Lara, das was ich damals gesagt habe, war nicht richtig. Ich
konnte nicht klar denken, ich war verwirrt und ich war mir über meine Gefühle
nicht im Klaren. Ich habe mir Gedanken um Salene gemacht, gut das hätte
ich mir sparen können. Aber die Sache ist so wieso vergessen. Doch ich
hatte auch Angst dich als Freundin verlieren", Mark hob mein Gesicht und zwang
mich so ihn anzusehen, "aber jetzt weiß ich es und ich versuche es dir
gerade bei zu bringen. Meine Gefühle für dich sind nicht mehr diese
rein freundschaftlichen, wie sie es mal gewesen sind. Du bist immer für
mich da gewesen, wenn ich Probleme habe, wir verstehen uns so gut, wie mit keinem
anderen, du bist liebenswert und dazu noch sehr hübsch. Lara, ich liebe
dich." "Mark hör bitte auf. Mach es nicht kaputt", ich wich seinem Blick
aus. Ich konnte ihn einfach nicht ansehen. Am liebsten hätte ich ihn umarmt
und ihm gesagt, dass ich ihn auch liebte, mehr als alles andere. Aber mein Verstand
sprach eine andere Sprache. Außerdem hatte ich Angst davor, dass es irgendwann
mal ganz vorbei sein konnte. "Ich höre deine Worte, aber wenn ich deine
Augen sehe, weiß ich dass du es nicht so meinst. Ich weiß, dass
du Angst hast dich auf das hier ein zu lassen, aber es würde doch nur etwas
anderes werden. Wir wären doch immer noch die besten Freunde, nur dass
wir dann nicht mehr auf rein platonischer Basis zusammen wären", Mark strich
mir sanft über die Wange. "Mark bitte lass mich jetzt. Gib mir etwas Zeit.
Ich muss mir erst über meine Gefühle klar werden. Es ist soviel passiert",
sagte ich leise. "In Ordnung", Mark seufzte leise, "ich werde auf dich warten."
"Dann mach’s gut. Wir sehen uns dann, wenn du wieder da bist... Ich melde mich
okay?", ich wollte mich schon zu gehen wenden, da hielt mich Mark noch einmal
fest. "Warte ich habe noch etwas für dich", er hielt mir ein zusammengefaltetes
Stück Papier entgegen. "Danke, mach’s gut , Mark", wiederholte ich noch
mal und ging dann entgültig in das Haus, worin sich meine Wohnung befand.
Ich hörte nur noch ein leises "Mach’s gut, Lara" von Mark, dann schloss
dich die Tür hinter mir und ging zu meiner Wohnung. Wie in Trance schloss
ich die Tür auf und trat in meine Wohnung. Ich nahm dies alles nicht wirklich
war. Ich hörte immer nur Marks Worte. "Lara, ich liebe dich." Das konnte
doch alles gar nicht sein. Ich musste in einem Traum sein. Ich musste gleich
aufwachen und alles nur geträumt haben. Eigentlich hatte ich mir, das was
er gesagt hatte immer gewünscht. Doch hatte ich gezögert. Warum? Es
war alles so schnell gegangen. Unserer Streit damals, dann die lange Zeit ohne
Mark und dann die letzten zwei Tage. Und dann das Gespräch eben. Es hatte
mich total aus der Bahn geworfen. Erschöpft ließ ich mich auf einen
Stuhl fallen und blickte aus dem Fenster. Von hier konnte ich über ganz
Dublin sehen. Doch das interessierte mich jetzt am aller wenigsten. Ich wollte
mir endlich im Klaren sein, was überhaupt mit mir los war. Ich wünschte
mir doch wirklich mehr als alles andere mit Mark zusammen zu sein. Mit Freundschaft
hätte ich mich nur mehr oder weniger abgefunden. Da hatte Mark eben recht
gehabt. Ich wollte mir etwas einreden. Aber warum wollte ich mir das einreden?
Ich rieb mir meine Augen. Plötzlich fiel mir auf, dass ich immer noch das
Stück Papier, das Mark mir gegeben hatte, in der Hand hielt. Was konnte
das sein? Ich faltete es schnell aus einander.
You see friends I see lovers
You said this would never end
But I want you for more than just my friend
Then you said that this is hard to say
I never really looked at you that way
Discount to tell you how I feel
Its not a passing thing, I know its real
And if you have a reason
Not to move on
So what about it baby
If you say that no I'll still be there
You keep running (running for you) I'm still falling (falling for you)
You dont notice, theres something new my hearts discovered
You keep running (keep running) I'll keep crawling (crawling until)
Until you notice
You see friends but I see lovers
You see friendship I see love
You see friendship I see love
Don't be scared to let me in your heart
I've been there before, but I've played a different part
And if you have a reason
Not to move on
So what about it baby
If you said no I'll still be there.
You keep running (running for you) I'm still falling (falling for you)
You don't notice, theres something new my hearts discovered
You keep running (keep running) I'll keep crawling (crawling until)
Until you notice
You see friends but I see lovers
You see friendship I see love
You see friendship I see love
And if you have a reason
Not to move on
So what about it baby
You keep running (running for you) I'm still falling (falling for you)
You don't notice, theres something new my hearts discovered
You keep running (keep running) I'll keep crawling (crawling until)
Until you notice
You see friends but I see lovers
You want friendship I want love
You want friendship I want love
You want friendship I want love
You want friendship I want love
(cant make it out)
Und darunter stand noch: In Liebe, Mark. Nachdem ich zu ende gelesen hatte, war es vollständig um mich geschehen und ich musste mir mal wieder ein paar Tränen wegwischen. Es war wunderschön und es passte genau auf meine Gefühle. In diesem Moment wurde mir auch klar, warum ich eben bei Mark so reagiert hatte. Er hatte Recht gehabt. Ich hatte Angst, dass die Liebe unsere Freundschaft zerstören konnte und dass wir gar nicht mehr mit einander sprechen würden, wie es die letzten Monate gewesen war. Und ich hatte Angst davor enttäuscht zu werden. Doch was sollte ich jetzt machen? Und wie sollte ich mich entscheiden? Diese Angst war ja nach wie vor da. Ich saß noch lange auf dem Stuhl, sah aus dem Fenster und machte mir Gedanken. Es verging Zeit ohne, dass ich davon Notiz nahm. Erst als ein heller Streifen am Himmel erschien, der den Morgen ankündigte, wusste ich die Antwort. Es war so zusagen die einzigste Möglichkeit überhaupt...
#Epilog#
Als ich die Tür öffnete und in die große Halle trat, befand
ich mich sofort wieder in einer Menge von Menschen. Doch es war nicht beängstigend.
Ich ging weiter und ließ meinen Blick über die verschieden Anzeigetafeln
schweifen. Ich entdeckte die für Arrival. Ungeduldig suchte ich nach der
Flugnummer, die auf meinem Zettel in meiner Hand, stand. Da C323. Und dahinter
leuchtete ein landed auf. Unwillkürlich musste ich lächeln. Pünktlich
auf die Minute. Kian hatte nicht zu viel versprochen, als ich ihn vorgestern
nach der Uhrzeit ihrer Rückkehr gefragt hatte. Und jetzt war ich hier.
Ich hoffe, dass alles gut gehen würde. Hoffentlich wollte mich Mark immer
noch sehen. Er hatte zwar an dem Abend damals Verständnis gezeigt, aber
vielleicht war er doch zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich nicht lohnte.
Dies war nur einer von den Gedanken. Vielleicht war das hier doch keine gute
Idee. Vielleicht sollte ich warten bis er angekommen war und ihn dann anrufen.
Was war wenn er genervt war und Stress gehabt hatte? Schluss jetzt! Ärgerlich
schob ich meine Gedanken beiseite. Entweder das hier war richtig oder es war
es nicht. Ich hatte mich dazu entschlossen und ich würde das jetzt durchziehen.
Weglaufen war keine Lösung.
Ich schrak durch einen Aufschrei auf. Der Schrei kam von diversen Fans, die
Westlife, die gerade aus der Passkontrolle kamen, entdeckt hatten. Shit. An
die Fans hatte ich gar nicht mehr gedacht. Na ja aber das war jetzt auch egal.
Ich wollte das hier durchziehen. Doch erst mal blieben die Lifer stehen und
gaben einige Autogramme. Ich beobachtete alles aus einiger Entfernung. Doch
ich sah, dass auch Kian, der von meinem Vorhaben wusste, sich suchend umblicke.
Ich hob zögernd meine Hand. Da sah er mich auch und winkte mich zu sich.
Langsam setzte ich mich in Bewegung und kam immer näher. Ich sah wie Kian,
Mark in die Seite stieß und in meine Richtung zeigte. Ich sah Marks Blick
der über die Menschen schweifte und dann an mir hängen blieb. Er schüttelte
erst den Kopf und sah weiter zu mir. Ich ging immer noch nach vorne. Jetzt war
ich nur noch einige Meter von ihm entfernt. Ich sah Mark etwas ängstlich
an. Doch sein Gesicht verzog sich, je näher ich zu ihm kam, in ein Lächeln.
"Hallo Mark", sagte ich, als ich direkt vor ihm stand. "Lara, du hier? Woher
wusstet du, dass wir jetzt hier ankommen?", fragte er erstaunt. Ich blickte
zu Kian und lächelte. "Also ich verstehe", Mark grinste, "das war alles
geplant." "Wenn du es so nennen willst , ja", ich lächelte unsicher. Mark
lächelte zurück. Keine Sekunde später lagen wir uns in den Armen.
"Du kannst gar nicht glauben, wie ich mich freue, dass du hier bist", flüsterte
Mark mir ins Ohr. "Wirklich?", flüsterte ich zurück. "Ich zeig’s dir",
Mark schob mich ein bisschen von sich weg. Dann küsste er mich. Und diesmal
merkte, dass es richtig war. Ich brauchte keine Angst haben. Sie war zwar noch
da, aber irgendwann würde das auch vorbei sein. Dessen war ich mir sicher,
je länger der Kuss dauerte. Als wir uns nach einigen Minuten, wieder von
einander lösten, applaudierten um uns herum alle. Peinlich berührt
sahen wir uns um. Das war vielleicht doch eine Nummer zu groß. Mark legte
einen Arm um mich und sah sich zu Kian, Nicky, Shane und der Crew um : "Ich
glaube es ist besser, wenn wir jetzt gehen." Schnell liefen wir in Richtung
Ausgang, der zum Glück nicht weit war und stiegen in den Van, der für
die Lifer bereit stand. Ich setzte mich neben Mark und kuschelte mich an ihn.
Kurz nach uns stiegen auch Shane, Nicky und Kian in den Van. "Na endlich", Kian
grinste, "und wehe ihr erzählt mir noch einmal, dass ihr nur Freunde seid."
"Keine Angst, Ki", Mark lächelte und strich mir über die Wange. Der
Van setzte sich in Bewegung. "Und hast du noch Angst?", flüsterte Mark.
"Ein bisschen schon, aber das wird schon", ich lächelte ihn glücklich
an. "Auf jeden Fall. Ich habe dir doch gesagt. Es ist nur anders, nicht schlecht",
sagte Mark leise. "Ich liebe dich", flüsterte ich, so dass nur er es hören
konnte. "Ich dich auch", Mark lächelte mich an, dann küsste er mich
wieder. Und ich muss sagen, das Gefühl, dass ich dabei hatte, war alles
andere als schlecht.
THE END
Für Leute, die *Was ihr wollt* von Shakespeare nicht kennen,
habe ich zum Schluss noch eine Inhaltsangabe des Stückes aus dem Internet
gefunden. Nur zum besseren Verständnis der Geschichte:
Inhaltsangabe
Durch einen Schiffbruch wird Viola von ihrem Zwillingsbruder Sebastian, der
ihr täuschend ähnlich sieht, getrennt. Um Gefahren zu entgehen, kleidet
sie sich in Männertracht und nimmt unter dem Namen Cesario Dienste bei
dem Herzog Orsino von Illyrien. Orsino hegt eine unerwiderte Liebe zu der schönen
Gräfin Olivia. In Trauer um ihren Bruder hat sich Olivia von der Außenwelt
abgeschlossen. Nur mit Mühe gelingt es Cesario-Viola, als Bote des Herzogs
bei ihr vorgelassen zu werden. Olivia ist von Cesarios Anblick bewegt, ihr Herz
beginnt für den Jüngling zu schlagen. Sie gesteht ihm auch ihre Liebe,
die er - Viola - natürlich zurückweisen muss. Das ist ein Schlemmer,
immer zu den tollsten Streichen aufgelegt. Er düpiert den geckenhaften,
beschränkten Junker Christof von Bleichzwang, der sich mit seiner Bewerbung
um Olivia an Tobias gewendet hat. Im Verein mit Olivias lustigem Kammermädchen
Maria und dem witzigen Narren Feste führt Tobias mit dem aufgeblasenen
Haushofmeister Malvolio eine ergötzliche Komödie auf, indem er diesem
einen Brief in die Hände spielt, dem Malvolio entnehmen muss, dass Olivia
ihn liebe. Der eitle Haushofmeister steckt sich darauf in eine Tracht, die ihn
ganz der Lächerlichkeit preisgibt, sucht mit Mienen und Gesten Olivia seiner
Liebe zu versichern und beträgt sich dabei so albern, dass man ihn schließlich
für verrückt hält und einsperrt, was aber das Spiel der lustigen
Kumpanei durchaus nicht beendet. - Zufällig stößt Olivia auf
den ebenfalls aus dem Schiffbruch geretteten Sebastian, hält ihn durch
seine Ähnlichkeit für den geliebten Cesario, findet hier Gegenliebe
und lässt sich mit ihm trauen.
Hiervon unterrichtet, gibt sich Cesario zu erkennen, nachdem Olivias Hausgenossen
durch die Verwechslung der Geschwister auch düpiert worden sind, denn Christof
von Bleichzwang, durch Tobias aufgehetzt, hat den vermeintlichen Nebenbuhler
Cesario gefordert, bekommt Mut, als er dessen weibliches Zurückziehen für
Schwäche hält, läuft dabei aber dem Sebastian in die Hände
und wird von diesem bös zugerichtet.
Als Mädchen gekleidet, gewinnt dann Viola durch ihren Liebreiz das Herz
und die Hand Orsinos.