„Meine Fresse, wir sind die geilste Band weltweit!“, rief Kian stolz und streckte einen Arm hoch in die Luft.
„Mit dem besten Manager der Welt!“, fügte Dan hinzu und legte freundschaftlich seinen Arm auf Shanes Schulter, der zufrieden vor sich hin lächelte.
„Man Shany, erst hab ich ja damals gedacht du hättest völlig ’n Rappel als du uns mit deinem Irish Song Contest Ding ankamst, aber mittlerweile!“, sagte Alex, der mit den Fingern den Takt von More Than Words auf seiner Hose nachtrommelte.
Ja, in der Tat war es kaum fassbar, dass es jetzt einen Monat her war seit Shane den Zeitungsartikel mit dem Irish Song Contest ausgegraben hatte. Knapp einunddreißig Tage – und trotzdem schienen diese Tage auf seltsame Art und Weise das Leben der sechs verändert zu haben. So waren Pferdenarr Shane, Möchtegernhardrocker Kian und der sonst so megaschüchterne Mark inzwischen die besten Freunde geworden waren. Alex, Dan und John hingegen hielten sich immer noch zurück was zu emotionale Beziehungen betraf.
Bei jenem Irish Song Contest hatten sie jedoch den ersten Platz mit ihrer eigenen Version von More Than Words eingeräumt und ihren Überraschungspreis gerade hinter sich gebracht: einen Auftritt in der neuen Fernsehshow JHP, wo in Zukunft alle möglichen Stars hinkommen würden.
„Shane!“ Gill kam zu ihm gerannt, umarmte ihn und küsste ihn. „Man, ich bin so stolz auf dich!“
„Danke, Sweetheart“, sagte er und lächelte sie an.
Sie griff in ihre Handtashe und zog einen kleinen Strauß Blumen heraus. „Hier, der ist für dich.“
„Danke!“, sagte er grinsend und nahm ihn an.
Gill fing unterdessen an die anderen Sträuße unter den Jungs zu verteilen, blieb vor Kian, ihrem Cousin, stehen, verzog das Gesicht und überreichte ihm dann auch einen.
„Danke Pumuckel!“, sagte er grinsend und sie verdrehte die Augen.
Für Kian war es mittlerweile geläufig sie mit Pumuckel anzureden, seit sie vor ein paar Wochen einen Haarunfall erlitten hatte. Statt Kastanienbraun waren ihre Haare feuerrot geworden. Mittlerweile war die Tönung schon fast wieder draußen und man konnte ruhig davon sprechen, dass Gills Haare wieder ihr natürliches goldbraun zurückbekommen hatten.
„Komm Schatz“, sagte sie und griff nachShanes Hand, ging hoch erhobenen Hauptes los und drehte sich dann aber doch um. „Ach übrigens, Barbie: mein Freund liebt mich sogar mit roten Haaren, deine Ex hat dich ja verlassen, auch ohne dass du dir die Haare gefärbt hast!“ Damit schritt sie davon.

„Sag mal, weißt du eigentlich, wie’s jetz’ mit der Band weitergeht?“, fragte Kian und schon sich einen so großen Löffel in den Mund, dass er Probleme hatte, diesen zu schließen.
Er, Mark und Shane saßen in der Schulkantine an ihrem Tisch und aßen ihr Mittagessen. Shane musste zugeben, dass er darüber noch gar nicht nachgedacht hatte. Ja, es musste irgendwie weitergehen. Aber wie? Shane überlegte fieberhaft, was er ihnen als Ausrede erzählen konnte.
„Also, ja, es steht wieder was an!“, druckste er herum.
„Und was?“, fragte Mark.
„Ähm, es ist noch nicht sicher. Aber ich sag’s euch sobald ich mehr weiß.“
„Wieso denn nicht jetzt?“, fragte Kian, „Wir sind immerhin ’ne Band!“
„Ja und?“
„Ja, da hat man keine Geheimnisse voreinander!“
„Erzählst du mir denn jedes Geheimnis?“
„Klar!“
„Ach ja?“, fragte Shane, „Und mit wem bist du gestern auf der Aftershowparty verschwunden?“
„Das geht dich überhaupt nichts an!“, fauchte Kian eingeschnappt.
„Also“, sagte Shane zufrieden und stand auf. „Ich bin dann weg. Gill wartet auf mich. Bis dann.“ Er hob eine Hand und lief nach draußen.

Als er nachmittags ins Café seiner Eltern kam, wartete seine Mutter bereits auf ihn. „Hallo mein Schatz“, sagte sie und drückte ihn auf seinen Stuhl, holte das Essen vom Herd und servierte es ihm.
Shane sah sie irritiert an und schob sich einen mächtigen Löffel vom Kartoffelpüree in den Mund. „Wasch isch losch?“
„Ess’ erst mal“, sagte sie, „Gleich kannst du’s bestimmt nicht mehr und dann hab ich Angst, dass du mir spätestens heute Abend umkippst.“
„Wieso?“, fragte Shane vorwurfsvoll und legte den Löffel hin.
„Du sollst essen“, sagte sie.
„Aber ich...“
„Du isst jetzt oder ich sag’s dir nicht!“
„Man Mama, ich bin keine drei mehr!“, sagte er und aß wie Kian am Mittag einen extragroßen Löffel, um die tolle Überraschung schnell herauszubekommen. Dabei verschluckte er sich und bemühte sich, die übergroße Portion im Mund zu behalten. Er wandte sich ab, griff nach einer Serviette und spuckte es hustend darein.
„Das seh’ ich!“, sagte seine Mutter mit verknoteten Armen milde lächelnd.
Shane sagte nichts, faltete die Serviette peinlich berührt und geschafft zusammen und setzte sich wieder gerade hin.
„Ich habe heute Louis Walsh angerufen“, sagte seine Mutter und setzte sich gegenüber von ihm hin.
„Jaund?“, fragte Shane mit dem nächsten Löffel im Mund.
„Er managed Bands wie Take That und so.“
„Freut misch für ihn!“, sagte Shane kauend.
„Er will euch unter Vertrag nehmen.“
Shanes Mutter hörte einen Knall und reckte ihren Hals. Shane war vom Stuhl gefallen, saß da jetzt völlig verdattert und hatte sich mit den Händen auf dem Boden abgestützt. Alle Gäste hörten auf zu Essen und sahen erstaunt zu ihrem Sohn, als wäre der nicht mehr ganz dicht. Sie lächelte zufrieden.
„Mama nein!“, sagte Shane und schüttelte wie ein hilfloses Kind den Kopf.
„Doch“, sagte sie.
„Nein!“
„Doch!“
„Mama, ich hab aber nein gesagt!“ Ihm sprangen Tränen in die Augen und er fing an zu lächeln, „Mama, der nimmt uns doch nicht unter Vertrag, oder? Doch nicht meine Band?“
„Doch!“, sagte sie strahlend und half ihm hoch.
„Ich werd’ berühmt!“, rief Shane und drückte sie feste und währenddessen rollte die ersten Tränen vor Glück.
Im Restaurant, in dem bis jetzt völlige Stille geherrscht hatte, kam lautes, überraschtes Gemurmel auf. Shanes Mutter kamen auch Tränen in die Augen, aber sie bemühte sich, diese zurückzuhalten, immerhin war sie bei der Arbeit und zuviel Action würde dem Betrieb nicht gut tun. Es reichte schon, dass ihr Sohn gerade seinen Gefühlen so freien Lauf ließ, was ja auch unter den Umständen verständlich war.
Die Restauranttür flog auf, aber Shane ließ sich nicht sonderlich davon stören.
„Tag Mrs. Filan eh Fishy, was geht’n bei dir ab?“ Shane drehte sich um und sah geradewegs Kian und Mark ins Gesicht.
„Wir werden berühmt“, sagte er.
„Was?“, fragte Mark.
„Wir werden berühmt“, wiederholte er und er vermochte gar nicht die Worte in den Mund zu nehmen, „Mum hat Walsh angerufen, den Take That Manager, der managed uns!“
„Wie bitte?“, fragte Kian vorwurfsvoll Shanes Mutter.
„Niemand zwingt dich morgen hinzugehen“, sagte die schulterzuckend und bemerkte die schmutzigen Fußabdrücke auf dem Boden, die Shane mal wieder hinterlassen hatte und die Flecken an seinem Hintern, weil er ja hingeflogen war. Der Junge hatte einfach ein Talent sich schmutzig zu machen!
„Ja, aber...“, wandte Kian sich wieder an Shane und ihm fehlten die Worte, „Aber dann werden wir ja ganz berühmt!“
„Ja“, sagte Shane glücklich.
„Ich werd berühmt!“, rief Kian und rannte zu ein paar Gästen, um ihnen
Autogramme auf ihre Servietten zu geben, ließ sich von ihren Protesten kaum stören und ging über zum nächsten Tisch.
„Komm Kian, ich hab noch was zutun“, griff Shanes Mutter ein und zog ihn und den völlig erstarrten Mark mich sich. Shane rannte ihnen hinterher in die Küche.
„Schält erst mal die Kartoffeln und wenn ihr damit fertig seit, könnt ihr wieder rauskommen“, sagte sie.
„Ja aber...“, sagte Shane und blieb trotzig stehen. Wie konnte seine Mutter ihn jetzt Kartoffeln schälen lassen?
„Nichts aber, schälen und wenn ihr fertig seid, dann könnt ihr wieder rauskommen!“, sagte sie und schloss die Tür hinter sich.
„Mrs Filan, ich bin ein Superstar!“, rief Kian ihr wütend hinterher, aber sie reagierte nicht darauf.
Kian griff murrend nach einem Küchenmesser und fing an zu schälen. „Kein Superstar kocht Essen!“
Shane griff ebenfalls nach einem Messer und sah zu Mark, der da immer noch baff stand und sich nicht rührte.
„Hey Kumpel, alles klar?“
„Du singst ja gar nicht!“, sagte Kian.
„Aber...wir sind doch keine Superstars“, sagte er und sah die beiden an.
„Wir werden ja auch welche“, klärte Kian ihm auf und schnitt sich versehentlich in den Finger. „Aaaaah, scheiße!“
Er lutschte an seinem Finger und warf das Messer sauer weg.
„Ich werd...ich werd Superstar!“, sagte Mark auf einmal und sein Gesicht strahlte auf.
„Na, endlich hat der’s auch gerallt!“, sagte Kian und riss das Fenster auf. „Kommt Leute, wir geh’n ’n Eis essen!“
Er und Mark kletterten nach draußen.
„Komm Fishy!“, rief Kian.
„Nee, lass mal!“, rief Shane und griff wieder nach einer Kartoffel, “Ich mach das hier zuende. Geht ihr mal!“
„Sicher?“, fragte Mark.
„Ja.“
„Okay, bis dann.“
Die beiden winkten und waren dann weg.

Die Jungs fuhren am nächsten Tag zu Walsh nach Dublin. Kians Vater brachte sie dankenswerterweise. Vor dem großen Haus wussten sie dann nicht so recht, ob sie das wirklich tun sollten. Walsh war reich, das war keine Frage. Aber was würde er dazu sagen, dass sie nur zu dritt erschienen? Alex hatte sie mal wieder nicht ernst genommen und war erst gar nicht darauf eingegangen, Dan musste zu seinem Vater und John für die Schule lernen.
„Tja, dann“, sagte Kian und ging voraus, klingelte und wartete etwas.
Es dauerte ein paar Minuten, dann ging das Tor auf und die Jungs marschierten auf das Haus zu. Sie wurden höflich empfangen und gleich in das Wohnzimmer von Walsh gebeten, setzten sich und warteten ab, ehe er kam.
Sie begrüßten sich, stellten sich vor und dann setzte Walsh sich in seinen Sessel und sah sie der Reihe nach an.
„Und wie seid ihr auf die Idee gekommen, beim Song Contest mitzumachen?“, fragte er.
Die Jungs sahen sich nervös an. Keiner von ihnen wollte etwas falsches sagen und so antwortete Kian bescheiden: „Shane hat den Artikel gelesen und uns angemeldet.“
„Aha“, sagte Walsh und musterte Shane ausgiebig.
„Die andern konnten leider nicht kommen“, sagte Shane schüchtern.
„Welche andern?“, fragte Walsh.
„Na, die zwei Gitarristen und der Schlagzeuger.“
„Es geht mir auch nicht um die Gitarristen und den Schlagzeuger. Was haltet ihr von Boybands?“ Er sah Mark an, der bis jetzt am stillsten gewesen war.
„Na ja“, sagte der, „Ich hab nichts gegen sie. Ich hör aber eigentlich mehr Michael Jackson.“
„Das macht doch nichts“, sagte Walsh betont freundlich und fuhr dann fort: „Dann wäre ich euch jetzt dankbar, wenn ihr mir alle was singen könntet.“ Er sah erwartungsvoll Shane an, der das Gefühl hatte, er würde vor lauter Aufregung keinen Ton herausbekommen. Er wollte also tatsächlich eine Boyband aus ihnen machen. In Shane begann es überall zu kribbeln. Trotzdem wusste er, er musste jetzt was singen und deshalb sang er und hatte das Gefühl, er würde total stottern: „And when she walks and she’s looking so fine, you’ll say I’m not so tough just because I’m in Love with an Uptown-Girl...“ Ihm fiel auf, dass er den Text nicht weiter konnte und er überlegte fieberhaft, was er jetzt tun sollte.
„Und weiter?“, fragte Walsh.
Shane kam ins Schwitzen. Er musste jetzt bald den Text wieder können, sonst war er arm dran. Er horte Walsh’s Finger trommeln und sang kurzerhand: „I’m the one who wants to be with you and deep inside I hope you feel it too, waited on a line of greens and blues, yeah just to be the next to be with you!”
„Okay, das hat doch schon ganz gut geklappt“, sagte Walsh und sah Kian an.
„Built up your confidence so you can be on top for once, wake up who cares about little boys that talk too much but I’ve seen it all go down your game of is all rained out so come on baby, come on over, let me be the one to hold you!”
„Sehr gut“, Walsh’s Blick wanderte zu Mark, der immer noch ganz schüchtern da saß und bis jetzt kaum etwas gesagt hatte.
„Hold on little girl“, fing der leise und kaum verständlich an und legte dann voll los: „Show me what he’s done to you stand up little girl, a broken heart can’t be that bad when it’s true, it’s true faith will twist the both of you so come on baby, come on over, let me be the one to show you!“
Walsh sah ihn völlig vom Hocker weggerissen an. Dass dieser schüchterne Junge so laut loslegte hätte er im Leben nicht vermutet. Mark grinste verlegen und sank wieder auf dem Sofa neben Kian und Shane zusammen.
Beinahe hätte Walsh ausgerufen, dass das ja wirklich toll war, wie die drei singen konnten, aber er riss sich zusammen. Das Showbiz war hart und da gab es keine Komplimente, das würden die Jungs früh genug merken und es war besser, wenn man ihnen das gleich klarmachte.
„Gut“, sagte er und räusperte sich, stand auf und wischte über seine Hose, „Ihr werdet von mir hören. Auf Wiedersehen.“

„Verdammte scheiße, das stimmt nicht!“, fluchte Nicky und schmiss die Zeitung gegen die Wand, drehte sich wütend auf seinem Bett auf den Bauch. Er vergrub die Hände in seinen blonden, mittellangen Haaren und sah ärgerlich auf die Fußballbettdecke. Er war nicht unkonzentriert gewesen, er hatte sich konzentriert - und wie. Dass dieser Scheißball in einem so schrägen Winkel ins Tor gefallen war war eben Pech gewesen, großes Pech. Er hatte links gestanden – und der Ball war rechts reingekommen. Zwei eins, dann der Abpfiff. Nicky legte eine Hand verzweifelt vor sein Gesicht. Wenn die Zeitungen das weiter so ausschlachteten, würde er bald seine Stelle als Torwart los sein. Die Fans würden das so wollen. Zumindest die männlichen. Dabei hatte er sein Leben lang für die Stelle als Torwart bei Leedsunited gearbeitet, seit er laufen konnte. Und dann kam da so ein dämliches Tor dahergelaufen und ruinierte ihm die ganze Arbeit! Ja, sie ließ seinen Kindheitstraum zerplatzen!
Die Tür flog auf und Brian kam in sein Zimmer geschlurft.
„Hey Nikola!“, sagte er und ließ sich neben ihn fallen. „Schlechte Laune?“
Nicky drehte sich auf den Rücken und sah an seine mit Fußballpostern zutapezierte Decke. „Ja, sehr schlechte sogar!“, antwortete er bitter.
„Das ist schlecht“, sagte Brian und griff in seine Tüte mit Chips auf dem Nachttisch, bediente sich großzügig und fuhr dann fort: „Vielleicht solltest du dir einfach ’n neuen Job suchen, wenn der dich so deprimiert!“
„Ich geb’ ihn nicht auf!“, fauchte Nicky und richtete sich auf, „Das nächste Spiel wird besser, ich schwör’s dir, die machen das alles viel schlimmer, als es ist!“
„Na ja, ich mein, es war schlimm“, sagte Brian und verdrehte die Augen, als er das Radio hörte, aus dem Cathlens Stimme ertönte. „Kanscht du die Scheiße nischt auschmachen?“
„Aufgepasst Boys!“, rief sie, „Hier in Dublin findet Morgen das Casting einer neue Pop...“
Brian drehte das Radio aus. Doch Nicky war inzwischen hellhörig geworden. Popwas? Etwa etwas mit Musik? Er drehte das Radio wieder an und ließ Cathlen weitersprechen:
„...Patrick Street 21! Und jetzt weiter zu den Charts...!“
Nicky drehte das Radio aus.
„’n Casting?“, fragte Brian, „Eh Alter, la’ma hingehen!“
„Ich weiß nich’!“, sagte Nicky nachdenklich und sah an die Decke, „Wir wissen dank dir nicht mal die Uhrzeit.“
„Wir geh’n einfach morgens hin und warten. Dann kommen wir auch schneller dran und können eher wieder nach Hause gehen!“
„Nachdem wir den halben Tag da verbracht haben!“
„Ach komm schon, Nico!“, sagte Brian und stieß ihn in seine Hüfte.
Nicky legte eine Hand dahin und sah weiter an die Decke. „Was woll’n die denn mit uns? Und außerdem is’ die Wahrscheinlichkeit, dass wir da beide reinkommen, mehr als gering!“
„Ja, aber wir müssen’s wenigstens versuchen“, sagte Brian.
„Also gut“, gab Nicky nach. Schlimmer als es ihm im Moment ging konnte es sowieso nicht kommen.

Shane, Mark und Kian gingen unruhig im Raum auf und ab. Hier waren vier Stühle und ein Tisch aufgebaut. Walsh hatte ihnen erlaubt mitzubestimmen, wer die zwei neuen Mitglieder werden würden und das war eine Erleichterung für die drei, auf der anderen Seite wussten sie aber auch nicht so recht, ob sie mit ihrer Entscheidung nachher das Falsche taten. Außerdem war er ihnen mit einer zweiten Überraschung gekommen and this was noone else than Ronan Keating. Er würde die Band mit managen und das machte alles noch wichtiger als es ohnehin schon war.
Und Dan, Alex und John? Sie hatten gepasst, was das Thema Boyband betraf. Deshalb zogen sie jetzt auch das Casting durch.
Walsh ging weiter hinten im Raum auf und ab und rauchte eine Zigarette.
Auf einmal klopfte es und ein blonder Typ steckte seinen Kopf herein: „Is’ einer da?“
Die drei sahen auf. Der Typ hatte inzwischen gemerkt, dass einer da war und öffnete die Tür ganz, ging locker zu Shane, Mark und Kian und fragte, während er scharf aus Walshs Augen beobachtet wurde: „Ich und mein Kumpel suchen so’n Casting, kann uns da einer weiterhelfen?“
„Is’ hier“, sagte Shane.
„Oh, da bin ich ja genau richtig! Wartet ihr auch?“
„Nee, wir sind die Caster“, sagte Kian.
„Ach so!“, leuchtete es dem Typen ein, „Ja, dann...geh ich besser noch mal raus und komm wieder rein, um euch auch wie Caster zu empfangen! Bis dann!“
Er winkte und ging wieder nach draußen.
„Was war das denn für einer?“, fragte Mark, sobald er die Tür hinter sich geschlossen hatte.
„Tja“, sagte Shane schulterzuckend, „Keine Ahnung!“
Es klopfte höflich. Die drei erwarteten, dass er jetzt wieder reinkam, aber nach einigen Sekunden folgte ein erneutes, betontes Klopfen.
Die Jungs sahen sich ratlos an. „Herein?“, rief Kian.
Die Tür ging auf und der Typ kam wieder herein, diesmal mit einem anderen mit ebenfalls blonden Haaren, wenn auch einen Ton heller und ebenfalls mittellang.
„Entschuldigen Sie, ich hab gehört hier wäre ein Casting!“, sagte er und ging zu ihnen, „Aaah, das müssen die Caster sein!“
Die drei Jungs prusteten.
Der zweite Blonde kam etwas näher und blieb neben Brian vor ihnen stehen. Shane erkannte plötzlich wer das war und er riss den Mund auf. Das war niemand anders als Nicholas Byrne, der da vor ihm stand! Der Torwart von Leedsunited erschien zu ihrem Casting! Unglaublich!
Nicky bemerkte seinen Blick und grinste kurz.
„Ach ja, wir haben uns noch nicht vorgestellt“, fiel es Brian ein und er legte seine Hände auf die Schultern seines Kumpels, der neben ihm fast wie ein Zwerg wirkte und sagte: „Das ist Nico, der Torhüter von Leedsunited. Seid so nett und sprecht ihn nicht auf das letzte Spiel an, er hat den Ball nämlich nicht ins Tor gehen lassen, sondern der Ball ist einfach so ins Tor gegangen! Ja-ha, ein richtig fieser Ball war das! Also, wenn ich an Nicos Stelle gewesen wäre, dann hätte ich mir den Ball genommen und ihm mal so richtig die Meinung gegeigt, aber richtig rund gemacht hätte ich ihn!“
Die anderen lachten wieder und auch Nicky grinste mit.
„Und wie heißt du?“, fragte Shane interessiert.
„Ich heiße Brian“, sagte Brian, „Brian McFadden, um genau zu sein. Und ihr?“
„Kian“, sagte Kian.
„Mark“, sagte Mark.
„Sha...“, wollte Shane sagen, aber Kian fuhr ihm dazwischen: „Dass’is unser Fishy!“
Shane verdrehte die Augen, verknotete die Arme und sah zur Seite. Kian konnte einen ja nicht besser blamieren, als vor seinen zukünftigen eventuellen Bandmitgliedern.
„Fishy!“, rief Brian und fing an lauthals zu lachen.
„Was in der Welt muss man tun um Fishy zu heißen?“, fragte Nicky grinsend.
„Ich heiß nicht Fishy, ich heiß Shane, mein Pferd heißt so!“, sagte Shane.
„Könnt ihr jetzt Mal langsam singen oder wollt ihr wieder geh’n?“, rief Walsh ihnen zu.
Brian musterte ihn kurz und sah die Jungs an. „Tja, dann singen wir mal lieber.“
Walsh nahm Platz und befahl Kian, Mark und Shane, sich auch hinzusetzten. Nicky setzte sich auch und lehnte sich an die Wand und Brian stellte sich in die Mitte. Er räusperte sich und die anderen grinsten schon, dann legte er aus vollem Hals los: „’cause I’m just a Teenie...!“
„Stop!“, rief Walsh und hob eine Hand, dass Brian innehielt und ihn grinsend ansah, „Also, entweder du singst jetzt was vernünftiges oder du kannst wieder gehen!“
Spätestens das wäre für Nicky der Moment gewesen sich umzudrehen und zu gehen, aber Brian überlegte einen Moment und fing dann wieder von vorne an: „But if tomorrow never comes...don’t you know how much I loved ya...yeah you’re all my only one, if tomorrow nevers comes but just if tomorrow never comes!“
„Danke, der nächste“, sagte Walsh, ohne aufzusehen und Nicky stand auf, ging in die Mitte und legte los: „Uptown-Girl she’s been living in her Uptown-World, I bet she never had a backstreet guy I bet her Mama never told her why, I’m gonna try for an Uptown-Girl, she’s been living in her Uptown-world...“
“Danke”, sagte McTiennen und sah auf, „Ihr werdet von uns hören!“
„Wie denn ohne Adresse?“, fragte Brian und hob fragend eine Augenbraue.
„Schreib auf“, sagte Ronan und hielt ihm ein Blatt Papier entgegen. Brian stürmte zu ihm, schrieb seine Adresse auf und gab dann Nicky den Stift, der schrieb seine auch auf und dann verabschiedeten sie sich und gingen nach draußen.
Es würde gut noch eine Stunde dauern, ehe die anderen Castingteilnehmer kommen würden. Aber trotzdem wussten alle Beteiligten, sie hatten das fehlende Stück der Band gefunden. Westlife war geboren.