Kapitel: 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14 - 15 - 16 - 17 - 18 - 19 - 20 - 21 - 22 - 23 - 24 - 25 - 26 - 27 - 28 - 29 - 30 - 31 - 32 - 33

1.
"Liebe Capital-FM Hörer. Nun die aktuellen Staumeldungen. Auch wenn es nur zwei Meldungen sind, werden die Leute, deren Strecke betroffen ist, gleich genervt den Kopf schütteln. Auf der Strecke Main Road Richtung Sligo befindet sich ein brennendes Fahrzeug auf der Fahrbahn. Dadurch 12km Stau. Auf der Michigan Road...."
Rose drückte genervt den Off-Knopf ihres Radios, damit sie das nervige Gerede nicht mehr ertragen musste. Die Sprecherin hatte Recht, das viele Autofahrer den Kopf schütteln würden. Auch sie war auf der Main Road Richtung Heimat: Sligo. Sie öffnete das Fenster, nachdem sie gezwungener Maßen anhalten musste. "Warum muss ich ausgerechnet jetzt in einen Stau kommen?" Rose schaute Richtung Himmel und sah viele dunkle Wolken aufziehen. Wie froh war sie, wieder hier zu sein. "Bestimmt fängt es gleich wieder an zu regnen. Daran muss ich mich erst wieder gewöhnen!" Ihr Mund verzog sich zu einem Lächeln. Gerade hatte sie die Worte ausgesprochen, fiel ihr der erste Regentropfen auf die Nase. "Typisch Irland! In Spanien ist man keinen Regen gewohnt." Rose war Irin, lebte aber seit sie 20 war in Spanien. Mit 19 bekam sie die Chance ihres Lebens als Journalistin in einer der wichtigsten Redaktionen Spaniens zu arbeiten. Damals war es ihr Traum gewesen, endlich aus Irland raus zu kommen und die Welt zu entdecken. Da kam ihr das Angebot aus Spanien Recht und sie nahm den Job an, ohne an die Zukunft zu denken: An ihre Familie und an das Heimweh, das sie irgendwann wieder zurück führen würde. Irgendwann... Das Irgendwann war heute.
Doch Irland hatte sie schon vor 2 Jahren wieder eingeholt, denn genau vor 2 Jahren verbrachte sie ihren Urlaub hier und traf ihre große Liebe. Auch er war Journalist, schrieb seine Artikel aber für eine englische Zeitung. Sein Name war Jason Backers. Jason hatte alles, was sich eine Frau nur wünschen konnte. Er war gebildet, reich und hatte Sexappeal. Andere Frauen würden Rose um ihn beneiden. Ja....sie weiß das es viele tun. Da musste sie nur an ihre Freundinnen aus Spanien denken, die sofort Feuer und Flamme für ihn waren, als sie ihnen das Foto zeigte. Rosanna, die eigentlich nur auf rassige Spanier stand, war begeistert von diesem zauberhaften Iren. Rose musste lächeln, als sie an ihre Freundinnen dachte. Sie vermisste alle von ihnen jetzt schon. Da sich ihre Laune gebessert hatte, schaltete sie das Radio wieder an. Sie summte zu dem Gute-Laune-Lied, während sie ihren Motor startete und langsam weiter fuhr. Weit entfernt konnte sie das Chaos sehen, das den Stau verursachte und schaute auf die Uhr. Es würde knapp werden.

2.
Mit einer halben Stunde Verspätung fuhr Rose ihren Wagen in die Einfahrt und hielt vor der tiefblau gestrichenen Garage. Sie atmete tief ein und stieg aus. Das Haus war schöner, denn je und sofort ins Auge fiel die rote Tür. Bei näherem Hinsehen konnte man kleine, tiefe Schnitzereien entdecken, die die Tür mit dem Satz: <The best place on earth> verzierten. Das tiefbraune Holz, aus dem das Haus bestand, duftete wie ein Stück Wald und Rose schloss die Augen für eine Weile und merkte, wie ihr Herz einen kleinen Hüpfer machte. Sie öffnete schnell ihren Kofferraum, holte die Reisetasche raus und lief Richtung Tür. Auch wenn Rose einen Schlüssel besaß, wollte sie nicht unhöflich erscheinen und klopfte zweimal kräftig an die Tür. Sie wartete auf ein Aufspringen oder eine Bewegung im Haus, doch im Haus blieb es still. Rose kramte in ihrer linken Hosentasche nach dem Zweitschlüssel und öffnete die Tür. Im Flur war es hell und freundlich und sie stellte ihre Tasche auf den Boden. Sie schaute sich um und war überrascht. War Jason nicht zu Hause? Rose ging Richtung Wohnzimmer und öffnete die Tür. Nichts. "Vielleicht ist er oben im Arbeitszimmer," dachte sie sich und stieg die Treppe hinauf. Sie blieb mitten im Flur stehen, da sie Stimmengemurmel aus dem Schlafzimmer hörte. Hatte Jason Besuch? Nicht im Traum hätte Rose an diese Situation gedacht, als sie die Tür zum Schlafzimmer öffnete. Ihr Jason vergnügte sich mit einer anderen Frau im Bett. Ihren Mund bekam Rose nicht mehr zu. Wie lange stand sie da? Sie wusste es nicht. Sie sah Jason, diese Frau, die sie noch nie gesehen hatte und beide schienen viel Spaß miteinander zu haben. Rose erwachte wieder aus ihrem Schock und lief schnurstracks auf das Bett zu und zog Jason die Decke vom Körper. "Kannst du mir sagen, was das soll?" Die Frau machte sich mit einem lauten Gekreische bemerkbar, während sie schützend die Decke vor ihren Körper hielt. Jason dreht sich um und sah sie an: "Rose,...was machst du denn schon hier? Ich glaubte dich erst morgen zu erwarten." "Da hast du falsch gedacht, Mister Backers." Ihre Stimme wurde lauter und ihr Körper sprach Bände. "Was macht diese Frau mit dir im Bett? Jason sag es mir!"
Rose strich sich wütend eine rote Strähne aus dem Gesicht und starrte Jason mit ihren funkelnden braunen Augen an. Zu ihrer Überraschung schien Jason sehr gelassen und fing sogar an zu grinsen. "Rose, meine Liebe. Ich hätte dir morgen alles erklärt, aber die kleine Rose muss ja alles selbst herausfinden. Selbst Schuld, wenn du nicht bis zum vereinbarten Termin warten kannst, aber...."
Rose unterbrach Jason mit einem schrillen Warnpfiff. "Hör bitte auf um den heißen Brei zu reden. Jason sag mir was mit dieser Frau ist!" Rose zeigte mit ihrem Finger auf die immer noch verängstigt aussehende Frau mit der Decke vor ihrem Körper. "Schön Rose, wenn du willst. Das ist Jessica Miller. Meine neue Freundin." Rose glaubte nicht richtig gehört zu haben und Jason erkannte dies an ihrem Gesichtsausdruck. "Ja, Rose. Jessica und ich sind zusammen. Ich hätte es dir morgen sowieso erzählt."

Rose verbarg ihre Tränen und sah beide an.
Wie konnte Jason sie nur so verletzen? Sie hätte sich eine wundervolle Zukunft mit ihm vorstellen können. Extra für ihn hatte sie einen wichtigen Auftrag abgesagt, nur um nach Irland zu kommen. Verteidigen konnte sie sich im Moment nicht. Ihr Körper war steif, ihr Mund trocken und ihr Kopf leer.
"Dann....dann....werde ich mich mal wieder auf den Heimweg begeben."
Jason nickte und Rose drehte sich um und verließ den Raum. Sie rannte die Treppe hinunter und schnappte sich die Tasche vom Fußboden. Die Tür wurde aufgeschmissen und Rose rannte aus dem Haus auf den Vorhof und schloss die Augen. Sie atmete tief ein. Diesmal fühlte sich ihr Herz schwer und verletzt an. Tränen liefen über ihre Wangen und sie musste ein Schluchzen unterdrücken. Schnell öffnete sie Rose die Autotür und startete den Motor, als ihr Handy klingelte.

3.
Rose wollte das Klingeln am liebsten ignorieren, aber derjenige, der sie anrief, schien hartnäckig zu sein. Ihren Kopf in die Hände gestützt sah sie durch die Frontscheibe auf das Haus. Hatte es in diesem Moment an Schönheit verloren? Rose schüttelte den Kopf. Sie war einfach zu sehr verletzt und wütend, dass jetzt jeder Gegenstand schrecklich erschien. Das immer noch andauernde Klingeln ihres Handys riss sie aus ihren Gedanken. "Es muss ja echt wichtig sein," dachte Rose genervt, als sie die unterdrückte Nummer annahm. "Ja, Rose McKenzey."
"Rose, meine Liebe. Wie ist das Wetter auf der grünen Insel?" "Ach, sie sind es!" José Santiago war ihr Chef. Ein sehr talentierter und ehrgeiziger Mann. Außerdem war er einer dieser Männer, der jede Woche Abwechslung bei Frauen brauchte. Kurz gesagt: Ein Macho hoch drei. Rose fand ihn trotzdem sehr nett.
"Wie soll das Wetter sein?", antwortete Rose. " Es ist regnerisch, so wie es in Irland immer ist." "Ach, Rose wie kannst du nur freiwillig nach Irland gehen, wenn hier in Spanien die Sonne ununterbrochen scheint?" Rose wusste darauf keine Antwort. War sie doch nur wegen Jason wieder gekommen oder noch wegen einem anderen Grund? Rose wechselte das Thema. "Was macht die Arbeit? Läuft noch alles ohne mich? José musste lachen. " Ach, Rose. Ich muss gestehen, ohne dich läuft es sogar sehr gut. Das ist auch der Grund warum ich anrufe!" Rose stockte und atmete tief ein. "Was soll das bedeuten?"
"Tja, Rose schon seit längerer Zeit ist mir aufgefallen, das deine Zeitungsartikel nicht mehr die richtige Wirkung auf unsere Leser haben. Kurz gesagt. Sie interessieren sich nicht mehr für dich und deine Themen und blättern über zur nächsten Seite." Rose schloss ihre Augen und sprach: "Werde konkret und sag mir, was das für meine Zukunft zu bedeuten hat!" Eine Stille machte sich auf dem anderen Ende der Leitung bemerkbar. " Rose, ich habe von Katie einen Artikel veröffentlich und die Leser sind begeistert von ihr." Rose ballte ihre Finger zu einer Faust und konnte nicht glauben, das ihre Erzfeindin Katie ihren Posten übernommen hatte. Sie war sprachlos. "Rose? Bist du noch da?"
Rose öffnete das Fenster ihres Wagens und atmete die frische Brise tief in ihre Lunge ein. "Heißt das du kündigst mir?" Wieder trat ein Schweigen ein.
"Ja, Rose. Ich muss dir unseren Vertrag kündigen, auch wenn es mir schwer fällt. Es tut mir so leid, aber ich kann die Leser nicht umstimmen und ich mache auch nur meinen Job." Rose war verzweifelt und Tränen liefen ihr übers Gesicht. Wie sehr hatte sie diesen Job geliebt und jetzt wurde ihr knallhart gesagt, man würde sich nicht mehr für ihre Artikel interessieren. Die Artikel, in die sie so viel Arbeit steckte. Alles war vorbei! "Rose ich kann dir einen anderen Job besorgen, aber so wie ich dich kenne, wirst du meine Hilfe nicht annehmen wollen!" "Ja, da hast du Recht. Ich schaffe das auch ohne dich. Machs gut, José und vielleicht bis irgendwann." "Wiedersehen, Rose!" Das letzte was sie hörte, war das Tuten in der anderen Leitung und auch sie legte auf.

4.
"Was war das heute eigentlich für ein beschissener Tag?
Erst erwische ich Jason flagranti mit einer anderen Frau, die er mir schon als seine neue Freundin vorstellt und mich vor ihr auch noch bloß stellt und dann nichts ahnend wird mir auch noch mein Job gekündigt, weil meine Artikel uninteressant geworden sind. Schlimmer kann es nicht mehr werden!"
Rose fuhr aus der Einfahrt und bog auf die Silver Street ab.
"Habe ich irgendjemanden etwas angetan, dass ich so bestraft werde? Habe ich Gott gedemütigt?" Rose hielt an der nächsten Ampel an und schaute Richtung Himmel. Verneinend schüttelte sie den Kopf. Die Ampel wechselte wieder auf Grün und Rose trat auf das Gaspedal. Leider hielt ihre Pechsträhne weiterhin an!
Nach ein paar gefahrenen Metern hörte sie einen lauten Knall aus dem Motor und der Wagen blieb auf der Stelle stehen. Rose konnte es nicht glauben und schlug wütend auf das Lenkrad. "Was ist das eigentlich für ein scheiß Tag?" Sie stieg aus und öffnete die Motorhaube. Stechend riechender Qualm stieg ihr entgegen. Mit kaputten Autos kannte sie sich überhaupt nicht aus. Früher war Jason immer derjenige gewesen, der ihr Auto reparierte. Aber jetzt konnte sie auf ihn auch verzichten. Sie schaute sich um. Niemand war zu sehen, der ihr hätte helfen können. Rose nahm ihre Tasche und lief los. Sie rannte die Straße entlang und wurde immer schneller. Der Himmel füllte sich mit grauen Wolken und keine Sekunden später war der erste Donner zu hören. Rose aber lief immer weiter. Die ersten Regentropfen fielen auf sie herab und sie fing an zu weinen. Noch nie hatte sie an einem Tag so viel geweint. Noch nie wurde ihr so viel Schmerz wie heute zugefügt. Der Regen war kalt und wurde immer stärker. Er peitschte Rose ins Gesicht. Doch sie spürte diesen stechenden Schmerz nicht. Ihre langen Haaren hingen ihr wild und zersaust im Gesicht und ihre Wimperntusche war vom vielen Weinen-und-Regengemisch verschmiert. Ihre Kleidung klebte nass und kalt an ihrem zitternden Körper. Rose fühlte sich allein gelassen. Aufeinmal bleib sie stehen und schaute vor sich.

Sie war an einer riesigen Klippe angekommen und sah nach unten, wo die tosenden Wellen gegen die Felsen schlugen. Rose drehte sich um und bemerkte, das die Straße hier endete. Wo war sie? Der Regen wollte nicht aufhören und Rose trat an die Klippen. Ihr Gedanken kreisten um das eine Wort, das ihr eben in den Sinn kam: <Selbstmord>! Was hatte das Leben noch für einen Sinn, wenn man alles verliert, was einem wichtig war und nicht mehr die Kraft hatte, noch mal neu anzufangen. Vielleicht wollte sie gar keinen Neuanfang wagen. Warum wurde ihr alles genommen, was sie zum Leben brauchte? Angst, Trauer, Wut und Verzweiflung sammelten sich in ihr an und sie ging einen Schritt weiter....
einen Schritt Richtung Abgrund. "Einfach noch einen Schritt nach vorne, Rose. Dann bist du frei. Von allen Problemen befreit. Weg von dieser ungerechten Welt gefüllt mit Hass und Leid." Der kalte Wind schlug ihr ins Gesicht und sie breitete ihre Arme aus. Wie immer wenn sie Angst hatte, schloss sie ihre Augen. Vor ihren Augen sah sie ihre Familie, ihren Hund, ihre Freundinnen, wie sie Rose fröhlich zuwinkten. Sie sah ihr Haus in Spanien. Wie liebevoll sie dieses alte Haus herrichtete und wie stolz sie auf sich war. Wollte sie das alles aufgeben? Langsam richtete sie ihren Körper nach vorne und war kurz vor dem Sprung in den Tod, als eine Hand sie am Arm packte.

5.
Rose bekam durch diese unerwartete Berührung einen riesen Schreck und verlor das Gleichgewicht. Sie erwartete jetzt den Abgrund hinunter zu fallen und schloss ihre Augen. Doch nichts passierte. Die fremde Hand umfasste noch immer ihren Oberarm und zog sie sanft vom Felsvorsprung weg. Rose öffnete ihre Augen und sah, dass sie nun zwei Schritte vom Tod entfernt war.
In Sicherheit? Ihre Gedanken sammelten sich und sie war sprachlos, wie sie so einen Schritt hat wagen können. Noch immer spürte sie die Hand, die sich aber langsam von ihr löste. "Das war nicht sehr klug von ihnen, ihr Leben so schnell beenden zu wollen!" Rose zuckte zusammen und drehte sich um.
Vor ihr stand ein etwa 183 cm großer Mann. Er war genauso durchnässt, wie sie selbst und trug eine Jeans, sowie einen schwarzen Pullover, der seinen Oberkörper perfekt zur Geltung brachte. "Ich.....ich......kann ihnen nur danken....", erwiderte Rose stotternd. "Sie haben auch allen Grund das zu tun. Ohne mich wären sie bestimmt gesprungen und die Welt hätte einen weiteren Menschen verloren. Wie viele verzweifelte Leute diesen Weg wählen und nicht an die Folgen dieser Entscheidung denken. Ich selbst stand auch schon an dieser Stelle. Auch gekränkt und allein. Doch mir hat keiner geholfen!" Der Mann trat einen Schritt auf Rose zu und erst jetzt sah sie zum ersten Mal sein wundervolles Gesicht.
Zu erst fielen ihr die strahlend blauen Augen auf, die sie sanft ansahen.
Rose Blick wanderte zu seinem wohlgeformten Mund und sie war begeistert von diesen vollen Lippen. Seine kurzen schwarzen Haare waren nass, aber er fuhr sich mit seinen Händen über den Kopf und formte sie nach oben. Er lächelte sie an. "Ich hasse es, wenn meine Haare so glatt und ungestylt sind.
Ich bin etwas eitel muss ich zugeben." Wieder grinste er und seine weißen Zähne kamen zum Vorschein. Auch er sah sich Rose genau an. Ihm fielen die braunen Augen auf und er war begeistert von ihren langen roten Haaren, von denen einzelne Strähnen ihr im Gesicht hingen. Auch gefielen ihm die Sommersprossen, die ihr Gesicht auf wunderschöne Art verzierten.
"Ich dachte, ich kann sie doch nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. So schnell beendet man sein Leben nicht. Es ist zu wertvoll!"
Rose sah ihn immer noch an. Sie war fasziniert von diesem Mann, obwohl sie ihn erst seit fünf Minuten kannte. Diese beruhigende Stimme ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen. Langsam fand sie ihre Stimme wieder.
"Ich......ich....weiß auch nicht.....wie ich überhaupt so weit gehen konnte. Ich bin eigentlich eine sehr ängstliche Person, aber ich war so verzweifelt und verletzt, das ich meine Angst einfach vergessen hatte." Sie bemerkte, wie der Mann sie mit einer beruhigenden Art anschaute, das sie schon wieder mitten im Satz aufhörte, weil sie nicht mehr wusste, was sie sagen sollte. Sie war sprachlos.
"Sie sind nervös, hab ich Recht?" Rose sah ihn an und spürte wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Der Mann sah das und musste lächeln. Er machte diese Frau mit seiner Anwesenheit doch echt nervös. "Wie heißen sie?" "Ich bin Rose,
Rose McKenzey." "Also sind sie Irin, oder? Ihr Nachname verrät das. Ich habe sie noch nie hier gesehen." "Ich bin Irin,ja," antwortete Rose, "habe meinen Wohnsitz aber in Spanien. Na ja hatte." Sie schaute traurig zu Boden und er sah das. "Ich würde sagen ich nehme sie jetzt erst mal mit zu mir nach Hause. Wir sind schon völlig durchnässt. Nur wenn sie mein Angebot annehmen, Miss McKenzey!" Er lächelte und reichte ihr seine Hand. Rose wusste nicht ob sie diesem unbekannten Mann vertrauen konnte, aber er versprühte so eine angenehme und freundliche Aura, das auch sie ihm ihr Hand gab. Er umschloss sie sanft. "Gerne, komme ich mit ihnen....äh....Mister....?"
"Nennen sie mich Mark. Mark Feehily."

6.
Rose kannte die Strecke von früher. Wie oft war sie mit ihrem Vater hier entlang gefahren. Beide wollten zum See, um wie jeden Sonntag, Fische fürs Abendessen zu fangen. Immer hatte ihr Dad die größeren Fische gefangen. Doch an diesem einen Sonntag war sie es, die freudestrahlend nach Hause kam und ihrer Mutter den riesigen Fisch auf den Tisch legte. Ihr Vater war immer stolz auf sie gewesen. Genauso wie Rose sich nie einen anderen Dad gewünscht hatte. Doch er hatte sie allein gelassen. Ihr Vater starb bei einem tragischen Geiseldrama vor neun Jahren. Sie wollte nicht an diese schrecklichen Tage denken und doch ging ihr das Bild von dem zerstörten Bus und den erschossenen Menschen nicht mehr aus dem Kopf. Auch ihr Vater war unter den Toten. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, während sie auf den See starrte. Wie sehr sie ihn doch vermisste! Mark hatte gesehen, wie Rose ihre Tränen unterdrückte, doch er wollte sie nicht mit Fragen löchern.

Wenn sie etwas erzählen wollte, würde sie das auch ohne fremde Aufforderung machen. Außerdem was würde das für einen Eindruck machen, wenn ein fremder Mann sie irgendwelche Sachen fragt, die ihn nichts angehen. Er wandte seinen Blick von ihr und sah wieder auf die leere Straße. Der Regen hörte langsam auf und der Mond war hinter den Wolken zu sehen. Sie fuhren an dem See vorbei und erreichten die Ortseinfahrt von Sligo. "Sagen sie bloß, sie wohnen hier, Mister Feehily?" Mark sah sie an und versuchte in ihren Augen irgendeinen Anhaltspunkt für die Trauer von vorhin zu finden. Aber ihre Augen waren leer und sahen ihn ohne einen Hinweis an. Er lächelte. "Ja, ich wohne in Sligo, seit meine Mutter mich hier auf die Welt brachte. Ich möchte auch nirgendwo anders wohnen. Sligo ist der wunderbarste Ort auf dieser Welt." Rose konnte die Freude in seinem Gesicht sehen, als er anfing von früher zu erzählen. Er musste eine tolle Kindheit gehabt haben. Wie sie ihn so ansah, merkte sie nicht, wie Mark langsam ihre Hand suchte und sie auch fand. Er sah sie mit diesem Blick an, der Rose wieder erröten ließ. "Wie oben auf den Klippen",dachte Mark sich und lächelte innerlich. Er ließ ihre Hand los, um den Gang zu verändern und bog in die Straße ein. "Ich komme auch aus Sligo!"
Mark lachte. "Warum lachen sie mich jetzt aus?", fragte Rose irritiert.
Marks Lächeln verschwand. "Ich lache sie nicht aus, Miss McKenzey. Denken sie nicht so von mir. Wenn ich lache, lache ich die Menschen an und nicht aus. Merken sie sich das!" Rose war verdutzt und zugleich bewunderte sie diesen Mann. Schon von Anfang an war ihr die höfliche Art von ihm aufgefallen. Es gibt nicht mehr viele Menschen von dieser Sorte. "Es tut mir leid!", murmelte Rose und sah aus dem Fenster. "Es muss ihnen nicht immer alles leid tun. Merken sie sich einfach die Sachen, die ich ihnen sage....Rose!"
Das Auto hielt und Rose sah ihn an. Noch kein einziges Mal in den letzten zwei Stunden hatte er sie Rose genannt, aber sie könnte sich daran gewöhnen.
Mark stieg aus und lief um den Wagen herum, damit er Rose die Tür öffnen konnte. "Willkommen bei mir zu Hause!" Rose stieg aus und sah sich das Haus an. Es hatte starke Ähnlichkeit mit dem von Jason, außer das die Tür weiß und das Haus aus Steinen war. Mark schloss die Tür auf und führte Rose sofort Richtung Badezimmer. "Hier können sie sich erst mal heiß duschen. Haben sie noch Anziehsachen zum Wechseln?", fragte er sie. Rose bejahte die Frage und sie verschwand im Bad. Mark lächelte und ging die Treppe hinauf, um beiden einen Tee zu kochen.

7.
Rose fühlte sich nach der Dusche wieder richtig gut und öffnete die Tür. Suchend nach Mark wählte sie einfach die Treppe, die nach oben führte.
Etwa bei der Hälfte blieb sie stehen. Mark war oben und sang. Rose war beeindruckt von seiner Stimme. Sie setzte sich auf die Stufe, schloss die Augen und lauschte seinem Gesang.
Hush now, don’t you cry. There will be a better day. I promise you. We can work it out but only if you let me know what’s on your mind. Rose, immer noch die Augen geschlossen, merkte nicht, das sie Mark schon längst entdeckt hatte.
Natürlich sang er weiter, weil er merkte, das es ihr gefiel. Vorsichtig setzte er sich zwei Stufen über sie und sah sie an, während er das Ende des Liedes anstimmte. Stille trat ein und Rose öffnete ihre Augen. Sie spürte, das Mark bei ihr saß und sie beobachtet hatte. "Sie schließen oft die Augen, hab ich Recht?"
Rose drehte sich zu ihm und nickte. "Ja ich mache das auch Gewohnheit. Wenn ich Angst habe, wenn ich an etwas denke oder wenn glücklich bin."
"Und was waren sie eben?", fragte Mark sie und sah ihr in die Augen. Rose wurde heiß und kalt zugleich. Dieser Mann brachte sie um den Verstand.
"Ich war beeindruckt von ihrer Stimme und sie hat sehr beruhigend auf mich gewirkt. Es war wundervoll!" Mark lächelte. "Sie können wunderbar singen. Sind sie in einer Band?" Marks Lächeln verschwand plötzlich und er stand auf. Was sollte er jetzt darauf antworten? Wenn er es ihr sagen würde, wüsste sie vielleicht alles über seine Vergangenheit! Sie darf nicht zu viel erfahren!
"Ja, ich war!", antwortete Mark direkt. "Und jetzt?" "Könnten wir vielleicht das Thema wechseln?", fragte er genervt. Rose bemerkte, das sie ihn an einem wunden Punkt getroffen hatte. "Möchten sie noch Tee?", fragte er sie.
"Nein, danke", antwortete Rose. "Ich werde jetzt schlafen gehen. Es war ein anstrengender Tag für mich." Er nickte. "Dann schlafen sie gut und bis morgen früh." Rose stand auf und ging die Treppe runter. Als sie sich noch mal umdrehte, sah sie Mark am Fenster stehen. Zu gern wüsste sie, was mit seiner Band und ihm passiert war. Rose wusste, das sie ihn irgendwann noch mal darauf ansprechen würde. Irgendwann.....

8.
Rose träumte schlecht. Der erste Traum handelte wieder von ihrem Vater, wie sie ihn tot in dem Bus gesehen hatte. Überall Blut und verzweifelte Hilferufe. Der Tod persönlich war an diesem Tag gekommen, um die Menschen zu holen. Sie hatte Angst und erwachte mit Schweiß auf der Stirn. Nach weiteren Versuchen einzuschlafen gelang es ihr auch, doch wurde sie wieder von einem Albtraum eingeholt. Diesmal sah sie sich den Abgrund hinunterfallen. Mark war nicht da, um ihr zu helfen. Wieder wachte sie auf. Rose sah auf den Wecker, der rechts neben ihr auf dem Nachttisch stand: 03:44. Es gelang ihr nicht noch ein drittes Mal wieder ein zuschlafen. Sie stand auf, zog sich einen warmen Pullover über und öffnete leise ihre Zimmertür. Auf dem Flur war es still, so wie es Rose erwartet hatte. Vorsichtig schloss sie die Tür und wollte sich auf den Weg zur Küche begeben, um sich dort ein Glas Wasser zu holen. Als sie den Flur entlang lief, entdeckte sie ein Bild im Schrank, das sie heute Mittag noch nicht gesehen hatte. Darauf waren fünf Jungs abgebildet. Einen erkannte Rose sofort wieder: der Zweite von rechts war Mark. Neben ihm stand ein kleinerer Mann mit blonden hoch gestylten Haaren.
In der Mitte lachte ihr ein braunhaariger, gutaussehender Mann entgegen. Neben ihm saß auf einem Stuhl wieder ein blonder junger Mann. Rose fielen sofort seine funkelnden Augen auf. Der letzte von links war etwas größer als Mark und schaute ebenfalls freundlich in die Kamera. Rose dachte nach. War dies die Band, von der Mark nichts erzählen wollte? Aber warum nur? Rose wusste nicht, warum er so abblockte, wenn sie ihn darauf ansprach.
"Was machst du da, Rose?" Rose zuckte zusammen und sah links, etwa zwei Meter von ihr entfernt, Mark an der Wand lehnen. Sie wurde nervös.
"Ich.....äh.....ich wollte mir nur ein Glas Wasser holen, weil ich Durst bekommen hatte!" Sie trat zwei Schritte vom Schrank zurück.
"Ich wusste gar nicht, dass man in einem Schrank wie diesen, Wasser finden kann. Faszinierend!" Mark kam auf sie zu. Rose aber ging immer einen Schritt zurück, den er vorwärts machte. "Na dann...ich werde mal wieder in mein Zimmer zurück gehen. Gute Nacht Mark!" Rose versuchte schnellen Schrittes zur Tür des Zimmers zu gelangen, doch hatte sie nicht mit Mark gerechnet.
"Rose, sieh mich an!" Rose blieb stehen. "Es tut mir leid Mark," sagte sie.
"Ich wollte mir wirklich nur ein Glas Wasser holen und dann habe ich das Bild entdeckt und es mir angesehen. Es tut mir....." Mark fasste ihren Arm und drehte sie zu sich um. Er sah sie an. "Warum tut dir eigentlich immer alles leid, obwohl du überhaupt nichts gemacht hast?" Rose schluckte. So nah war er ihr noch nie gewesen. Sie sah seine Augen klarer und heller als jemals zuvor und ihr schien als sei sein Mund ihrem so nah. "Ich habe gedacht", flüsterte Rose, "du wärest jetzt sauer, weil ich in deine Privatsphäre eingedrungen bin. Du redest ja nicht über deine Band, wenn sie das überhaupt ist." Sie schaute zu Boden. Sekunden vergingen. Mark hob sanft ihr Kinn an, damit er sie ansehen konnte.
"Rose, du brauchst keine Angst vor mir zu haben. Warum sollte ich dich anschreien, nur weil du dir ein Bild von mir anschaust? Ich bin dir nicht böse."
Roses Augen füllten sich mit Tränen. Sie kam sich dumm vor. Wie ein Kleinkind hatte sie sich benommen. Mark verstand nicht, warum sie wieder weinen musste und wischte ihr eine Träne aus dem Gesicht. "Warum bist du nur so verletzlich, Rose?" Er strich ihr über die Wange und sah sie an. "Ich weiß zwar nicht, was dir schreckliches passiert in den letzten Tagen. Aber ich weiß, das es irgendwann wieder aufwärts geht. Die Regenwolken werden vom Wind vertrieben und die Sonne wird wieder scheinen. Rose, irgendwann wird sie nur für dich scheinen. Du wirst glücklich werden, einen wundervollen Job und einen noch wundervolleren Mann haben. Ich verspreche dir das, Rose!"
Rose sah Mark an. Woher wusste er das mit dem Mann und dem Job? War es Zufall, das er genau diese Themen ansprach? Wer war dieser zauberhafte Mann, von dem sie so wenig wusste? Ihr huschte ein kleines Lächeln übers Gesicht.
"Ich danke dir, Mark! Das du mich gerettet hast und für deine warmen Worte, die mir immer wieder Mut machen. Thank you!" "Ich hatte dir ja gesagt, behalte meine Worte in Erinnerung. Sie werden dir ein lebenlang helfen!” Er lächelte und auch sie lächelte.

Wie gern hätte sie ihn jetzt geküsst. Seine warmen weichen Lippen auf ihren gespürt. Langsam bewegte sie ihren Kopf immer näher zu seinem. Ihre Lippen waren nur noch Millimeter voneinander entfernt. Roses Herz pochte wie wild. Rose wollte ihre Augen schließen, doch Mark löste sich aus ihrer Umarmung.
"Es ist spät, Rose! Geh schlafen. Diesmal wirst du auch besser träumen. Gute Nacht!" Er drehte sich um und ging in sein Zimmer. Rose war verwirrt. Woher wusste er schon wieder von ihren schlechten Träumen? Und die größte Frage: Warum wollte er sie eben nicht küssen? Sie war ratlos und verschwand in ihrem Zimmer, wo sie in einen ruhigen Schlaf fiel.

9.
"Das Wetter heute in Sligo wird sonnig, mit vereinzelten Schauern. Hauptsache man bekommt hier mal etwas Sonne. Und nun die aktuellen Staumeldungen....."
Rose drückte verschlafen das Radio aus und schaute auf die Uhr: 10:00
Ob Mark schon wach war? Rose setzte sich auf die Bettkante und schaute aus dem Fenster. Die Radiomoderatorin hatte nicht gelogen. Sligo durfte wirklich etwas Sonnen genießen. Nachdem Rose geduscht, ihre Haare zu einem Zopf gebunden und sich ihre Kleidung angezogen hatte, lief sie die Treppe hinauf in die Küche, wo sie hoffte Mark zu finden. Er saß mit einer Tasse Tee auf seinem Stuhl und lächelte sie an. "Guten Morgen, Rose. Haben wir gut geschlafen?"
Rose setzte sich zu ihm an den Tisch und schüttete sich ebenfalls eine Tasse Tee ein. "Ja, ich habe die restliche Nacht ruhig und gut geschlafen."
"Das freut mich!", antwortete Mark. "Wie geht es dir? Besser als gestern?"
Er schaute sie fragend an. Rose nickte. Darauf hin grinste Mark. Er stand auf und zog sich einen weiteren Pullover über, obwohl er schon einen an hatte.
Rose fiel auf, das er extrem blass war. "Geht es dir gut, Mark?" Er sah sie an und schien zu überlegen, was er antworten sollte. Doch dann lächelte er und sagte: "Ja, Rose. Mir geht es gut, so lange es dir gut geht." Rose war froh, diesen Mann getroffen zu haben und glaubte, sich in ihn verliebt zu haben. Aber sie wollte mit ihren Gefühlen nicht voreilig sein. Sie wurde erst enttäuscht. Ein kleines Lächeln huschte ihr übers Gesicht. Auch Mark war froh, das es Rose so langsam wieder besser ging, obwohl er wusste, sie würde ihn noch mal wegen gestern Abend fragen. Rose half ihm beim Tisch abräumen und beide spülten das Geschirr. Dabei erzählte sie ihm von früher, auch von ihrem Vater und dem tragischen Unfall. Mark hörte interessiert zu und Rose war froh, so einen guten Zuhörer gefunden zu haben. "Was hattest du gedacht jetzt zu tun?", fragte Mark sie, nachdem Rose ihm von ihrer Kündigung erzählt hatte.
"Ich habe keine Ahnung. Ob ich in Spanien bleibe oder wieder hier her ziehe bleibt abzuwarten." Mark überlegte und kam zu dem Entschluss, das sie doch heute zum Arbeitsamt gehen sollte, um sich dort nach einem Job zu erkundigen. "Kommst du denn nicht mit?", fragte Rose ihn. Mark verneinte. "Ich bleibe hier. Ich habe noch zahlreiche Arbeiten zu erledigen." Rose nickte. Sie sah ihn an und war plötzlich geschockt, denn er schien von jeder Minute blasser zu werden.
"Mark, du siehst blass aus!" "Mir geht es aber gut, Rose. Wirklich!"
Er stand auf und schaute aus dem Fenster. Auch Rose schob den Stuhl an den Tisch und stellte sich neben ihn. Sie fasste seine Hand. Sie war kalt. Rose strich sanft und zart über seinen Handrücken. Leider konnte sie an Marks Blick, der immer noch starr aus dem Fenster gerichtet war, nicht erkennen, ob es ihm gefiel oder nicht. "Mark, darf ich dich etwas fragen?" "Nur zu, Rose. Was liegt dir auf dem Herzen?" Rose atmete tief ein und schaute über die grüne Blumenwiese, die von vielen kleinen Sonnenstrahlen erhellt wurde.
"Warum hast du mich gestern Abend nicht geküsst?" Mark schloss seine Augen und Rose spürte wie er seine Hand fester in ihre drückte. Es schmerzte fast, so fest drückte er zu. Rose fuhr fort: "Wir waren uns so nah, Mark. Ich hatte gehofft unsere Lippen würden sich berühren, doch du bist vor mir geflohen. Warum?" Sie sah ihn an. Rose sah, wie er sich nervös auf die Lippen biss und stark am überlegen war. "Hat es etwas mit mir zu tun?" Mark schüttelte den Kopf und sah sie an. "Rose, du bist eine wundervolle Frau." Er löste sich von ihrem Händedruck und setzte sich wieder auf den Stuhl. "Aber warum dann? Hast du eine Freundin, Mark?" Wieder sah er sie mit einem klaren Blick an, der nichts über seine Emotionen aussagte. "Ich hatte eine Freundin, ja. Bis ein tragisches Schicksal uns voneinander trennte. Ich möchte nicht darüber reden, Rose!" Er wandte seinen Blick von ihr ab. "Ich würde jetzt gerne alleine sein."
Rose nickte. "Dann gehe ich jetzt zum Arbeitsamt." Auch er nickte.
Rose stand auf und nahm ihre Jacke vom Kleiderbügel. Nocheinmal sah sie ihn an. Was hatte dieser Mann zu verbergen? Sie wusste es nicht. Die Tür langsam schließend stand sie auf der Haustreppe und ging schnellen Schrittes die Straße entlang. Nach dem Weg hatte sie Mark in der Anspannung nicht gefragt. Bestimmt könnte ihre ein Passant den Weg erläutern. Rose war nach ein paar Metern außer Sichtweite.

10.
Die Straße Richtung Busstadion war überfüllt von Menschen. Viele wollten ihre letzten Einkäufe vor den kommenden Feiertagen erledigen. Rose beobachtete die Menschenmasse, die genervt und gereizt in die Geschäfte stürmten und versuchten allen Regale leer zu kaufen. "Als ob die in den zwei Tagen verhungern würden", dachte Rose kopfschüttelnd, während sie an der Bushaltestelle auf ihren Anschlussbus Richtung Stadt wartete. Da sie noch fünfzehn Minuten Zeit hatte, setzte sie sich auf die Bank und lies sich die Sonne auf ihr Gesicht scheinen. Natürlich musste sie wieder an Mark denken. Rose schloss die Augen und hatte sein Gesicht vor ihren Augen. Der Gedanke an ihn ließ ihr ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Sie wusste nicht, wie lange sie einfach nur da saß und an ihn dachte. Ihre Gedanken wurden durch ein lautes Hupen beendet. Der Bus war da! Rose stand etwas schläfrig von der Bank auf, kaufte sich ein Ticket und setzte sich an einen Fensterplatz. Sie glaubte, es sei ein Fehler gewesen, Mark wegen der gestrigen Nacht angesprochen zu haben. Er wirkte verlegen, aber auch überrascht. Vielleicht wollte er sie von Anfang an nicht küssen und sie hatte die ganze Situation falsch interpretiert.
Er war einfach nur ein netter Mann, der sie von einer schlimmen Tat abhielt. Warum sollte er sich gleich in sie verlieben? Je mehr Rose darüber nachdachte, desto peinlicher wurde ihr die ganze Sache. Wie konnte sie ihn nur so direkt fragen? "Er denkt jetzt bestimmt, ich sei eine Männerbesessene Tussi, die nach einem Tag schon mit jedem rumknutschen will!" Nach ihrem Termin beim Arbeitsamt wolle sie ihm die ganze Situation erklären. Der Bus hielt und Rose stieg aus. Jetzt müsste sie nur noch jemanden finden, der ihr den Weg zeigen kann. Nach vielem Umsehen nach links und rechts entdeckte sie einen Mann, der gerade aus der Post kam. "Der sieht doch ganz freundlich aus", dachte Rose und ging auf ihn zu. "Entschuldigen sie Mister. Ich hätte eine kurze Frage."
Der Mann sah auf und Rose ins Gesicht. "Ja, bitte", antwortete er mit einer wunderschön klingenden Stimme. "Ich suche das Arbeitsamt. Ich bin erst seit gestern hier und kenne mich nicht so gut aus." Der Mann lächelte. "Tja, seit das Amt von Sligo hier her verlegt wurde, haben viele Probleme es zu finden. Aber es ist nicht weit von hier." Während er Rose den Weg erklärte, überlegte sie, wo sie diesen Mann schon mal gesehen hatte. Er kam ihr so bekannt vor. Vor allem die Augen prägten sich in ihre Sinne ein. "Ich bin ihnen sehr dankbar. Sie sind ein guter Wegbeschreiber." Rose lachte. Dem Mann huschte auch ein Lächeln übers Gesicht. "So einer bezaubernden Frau wie ihnen, erkläre ich doch gerne den Weg." Roses Herz erwärmte sich. "Vielleicht begegnet man sich noch mal zufällig." Rose nickte. "Wenn es das Schicksal will, sehen wir uns bestimmt noch einmal wieder, aber jetzt muss ich los. Ich danke ihnen!" Rose winkte dem Mann zu und wechselte die Straßenseite.

11.
"Leider kann ich ihnen in Sligo keinen Platz als Journalistin anbieten, Miss McKenzey. Die Plätze sind sehr begehrt müssen sie verstehen."
Der Angestellte blätterte in seinen Unterlagen und schüttelte mit dem Kopf. "Das einzige Angebot liegt in Cork vor, aber die Zeitschrift, für die sie schreiben würden, ist nicht besonders angesehen." Er sah Rose an. Diese überlegte, nahm den Job aber nicht an. Der Mann versicherte Rose, sich bei ihr zu melden, falls ein neuer Job angeboten wird. Rose nickte und verließ das Gebäude. Auf der Treppe blieb sie plötzlich stehen. Vor ihren Augen erschien das Bild von Marks Schrank.
"Der zweite Mann von links......seine Augen.......dieselben wie von dem Mann, der mir den Weg hierher erklärt hatte," murmelte sie vor sich hin und ging die Stufen hinab. Er war es! Da war sich Rose sicher. Er trug seine mittellangen blonden Haare, wie auf dem Bild. Auch das Lächeln war identisch. Am liebsten würde sie Mark von dem Treffen erzählen, doch dann fiel ihr ein, dass er nicht gut auf seine Bandmitglieder zu sprechen war. Waren sie so schlimm zerstritten?
Rose hoffte, den Mann nocheinmal wieder zu treffen. Im Inneren spürte sie, das es irgendwann ein Wiedersehen geben wird. Mit ihm könnte sie dann vielleicht über die Band reden, auch wenn es hinter Marks Rücken sein musste. Er wollte ja nicht über seine Vergangenheit reden. Rose lief die Straße entlang und bemerkte, dass sich die Straßen langsam leerten.
Es war schon spät und die Sonne ging am Horizont unter. Hatte sie doch den ganzen Tag hier verbracht. Glücklicherweise bekam sie noch den letzten Bus nach Sligo. Um kurz vor acht stand sie vor Marks Haustür. Sie hatte ein komisches Gefühl, wusste aber nicht warum. Gerade wollte Rose an die Tür klopfen, als ihr Mark zuvor kam und die Tür öffnete. Es war dunkel und Rose konnte sein Gesicht nicht erkennen. "Du warst lange weg, Rose!", sagte er mit einer leisen Stimme. "Ich weiß. Es hat etwas länger gedauert, als ich gedacht hatte." Mark nickte und lief durch den Flur in das Wohnzimmer. Rose schloss die Haustür und hängte ihre Jacke im Flur auf. Sie folgte Mark ins Wohnzimmer und musste sich am Türrahmen festhalten. Sie konnte nicht glauben, was sie da sah. Mark lag schwach auf dem Sofa und trug zwei Pullover übereinander.
Seine Augen waren blutunterlaufen und seine Lippen zitterten, als ob er am erfrieren wäre. Er war blass, noch blasser, als heute morgen, wo sie das Haus verlassen hatte. "Mark....was hast du?" Rose lief besorgt zu ihm und setzte sich aufs Sofa. Sie fühlte mit ihrer Hand seine Stirn. Es schien, als ob er Fieber hätte.
"Mark, ich glaube wir sollten einen Arzt rufen. Du bist glüh heiß!" Mark sah sie an und versuchte zu lächeln. "Ach, das ist nur ein kleiner Rückfall von der Grippe die ich vor zwei Wochen hatte. Nicht weiter schlimm." Er nahm ihre Hand und sah sie an. "Wie war dein Tag, Rose?" "Ich habe keinen Job bekommen. Wie ich es erwartet hatte." Traurig schaute sie zu Boden, als Mark ihr sanft über die Wange strich. "Warte nur ab. Bald wird man sich bei dir melden und dann werden sie dir den tollsten Job anbieten, den es gibt."
Geschockt über seinen Kommentar lies sie seine Hand los. Woher wusste er das jetzt schon wieder? Sie hatte noch gar nicht erwähnt, das der Typ sich noch mal bei ihr melden wollte! Sie sah ihn an: "Mark, wer bist du? Was bist du für ein Mann? Du trittst aufeinmal in mein Leben und wir wissen so wenig voneinander und doch fühle ich mich dir so vertraut. Warum warst du da, als ich bei den Klippen stand. Es war keine Menschenseele zu sehen, aber aufeinmal standest du hinter mir. Mark....erzähl mir wer du bist!"

12.
Mark sah sie schwach an und legte seinen Kopf auf das Kissen zurück. Er schloss seine Augen und atmete gleichmäßig ein und aus. Rose saß am Rand des Sofas und sah ihn weiterhin an. Sie erwartete eine Antwort, egal wie schlecht es ihm ging. Er war ihr unheimlich. Er hatte irgendetwas vor ihr zu verheimlichen und sie wusste nicht was. "Ich möchte jetzt schlafen, Rose. Ich bin müde!"
Er legte seinen Kopf zur Seite. Rose merkte, das er ihr keine Antwort geben würde und wollte aufstehen, als sie ein seltsames Symbol auf seiner Haut entdeckte. Es ähnelte zwei Engelsflügeln die um ein Kreuz schwebten. Sie hatte diese Gravur auf seinem Arm noch nie gesehen und war ratlos, was es zu bedeuten hatte. Sie strich sanft über die Zeichnung, um sich zu vergewissern, ob sie aufgemalt oder eintätowiert war. Sie ging nicht ab. Mark öffnete schlagartig seine Augen und funkelte sie böse an. "Was machst du da?"
Er schlug ihre Hand weg und stülpte seinen Pullover über die noch eben freie Stelle. Rose war geschockt. "Ich.....ich.....wollte mir nur die Zeichnung ansehen. Ich wollte dir nicht zu nahe treten. Es geht mich nichts an, weil es bestimmt wieder eins von deinen Geheimnissen ist," antwortete Rose nervös. Sie erwartete einen Wutausbruch von Mark, doch sein böser Gesichtsausdruck verschwand so plötzlich wie er gekommen war. "Kann ich dich was fragen, Rose?" Sie nickte. "Hast du heute in der Stadt irgendjemanden getroffen?"
Er sah sie ernst an und wartete auf ihre Antwort. Rose dachte sofort an den Mann, von dem sie Mark so wie so noch erzählen wollte. "Ja, habe ich", antwortete Rose, " ich habe jemanden getroffen, Mark." Sie sah ihn an.
"Ich glaube es war jemand von deinem Bild, das ich mir letzte Nacht angesehen hatte." Mark erhob sich langsam vom Sofa und stand auf. Er ging in sein Arbeitszimmer und kehrte mit einem Bilderrahmen zurück. Vorsichtig setzte er sich wieder neben Rose und zeigte ihr das Bild. Rose schluckte. Der blonde Mann auf dem Foto lächelte und neben ihm konnte sie Mark erkennen, der ebenfalls freundlich in die Kamera schaute. "Ist es der Mann, den du heute getroffen hast, Rose?" Rose nickte und Mark schien nervös. " Das ist Kian Egan. Ein sehr guter Freund von mir und auch ein Mitglied der Band, zu der ich gehörte." Er nahm Roses Hand und sah sie an. "Du musst mir jetzt gut zu hören. Du musst dich unbedingt mit Kian treffen. Er wird dir alles erklären, was ich dir nicht sagen kann. Er ist ein liebenswerter Mensch. Ich weiß, das er auch dir sympathisch sein wird." Rose verstand nicht. "Warum soll ich mich mit ihm treffen? Vielleicht will ich das ja gar nicht. Und woher willst du wissen, das ich ihn nett finde?" Sie stand auf und wollte aus dem Zimmer gehen, als Mark ihr den Weg versperrte und sie ansah. "Tu es für mich, Rose! Es ist wichtig für mich. Für meine Zukunft. Auch für dich. Es ist dein Schicksal." Mit einem flehenden Blick sah er sie an. Rose schaute den Mann, der immer blasser werden zu schien an und fragte sich, was dieses Spiel, was er mit ihr spielte, zu bedeuten hatte. Warum um alles in der Welt sollte sie diesen Kian treffen?
"Nein Mark, ich werde mich nicht mit ihm treffen. Was soll ich mit diesem Mann, der mich überhaupt nicht interessiert. Ich habe den Mann, den ich liebe schon längst gefunden." Was hatte sie da gerade von sich gegeben? Rose schluckte verlegen. Marks Augen funkelten. Er trat näher zu ihr und strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Hand wanderte weiter zu ihrer Wange, die er liebevoll strich. Rose schaute ihn an. Mit seinem Finger malte er zärtlich die Formen ihrer Lippen nach und Rose fiel es schwer, sich noch auf den Beinen zu halten. Dieser Mann machte sie wahnsinnig. Sein Gesicht war ihrem so Nah, genauso wie an dem einen Abend. Rose betete innerlich, das er nicht schon wieder einen Rückzieher machen würde. Das würde ihr Herz nicht aushalten. Sie spürte Marks schweren Atem auf ihrer Haut und ihre Gänsehaut breitete sich weiter auf ihrem Körper aus.
"Rose, ich darf das nicht machen, aber ich kann nichts dagegen tun!" Rose verstand nicht mehr was er von ihr wollte. Innerlich explodierte sie, als Mark seine Lippen sanft auf ihre drückte.
Voller Leidenschaft knabberte er an ihrer unteren Lippe und strich ihr dabei sanft über den Rücken. Rose krallte sich an seinem Pullover fest, als seine Küsse immer fordernder und leidenschaftlicher wurden. Mit ihrer Hand fuhr sie ihm zärtlich durchs Haar und Mark wanderte mit seiner rechten Hand unter ihre Bluse. Roses Körper reagierte auf seine Berührungen wie eine tickende Zeitbombe, die, wenn er nicht bald aufhörte, explodieren würde. Sie hatte keine Kontrolle mehr über sich und erwiderte leidenschaftlich seine Küsse. Aber plötzlich lösten sich Marks Lippen ruckartig von ihren und er sah sie mit seinen himmelblauen Augen an. "Rose.......", flüsterte er mit heißer Stimme, " du weißt nicht wie lange ich einer Frau nicht mehr so nah war." Rose zog seinen Pullover aus und strich ihm sanft über die Brust. Rose wollte ihn begehren und lieben, doch plötzlich trat er einen Schritt zurück. "Rose, ich muss dir was wichtiges sagen. Wir können das nicht.....". Doch Rose hörte ihm nicht zu. Sie küsste seinen warmen vollen Lippen und wanderte tiefer zu seinem Bauchnabel. Ihre Hände öffneten langsam den Knopf seiner Hose. "Rose hör mir endlich zu...!"
Aber Rose legte ihren Zeigefinger auf seine Lippen: "Mark, bitte mach diesen Moment nicht kaputt. Ich brauche dich jetzt!" Doch Rose sah, das Marks Blick nichts Gutes zu bedeuten hatte und löste sich von ihm. Der leidenschaftliche Mark war wieder verschwunden und der zurückhaltende und ernste Mark kam wieder zum Vorschein. "Bitte setz dich Rose und hör mir gut zu", sagte er, während er seinen Pullover wieder anzog. "Es ist wichtig!"

13.
Rose strich ihre Bluse glatt und setzte sich an den Tisch. Mark füllte ein Kanne Wasser und setzte sich gegenüber von ihr. Er biss sich nervös auf die Lippe und sah sie an. Rose konnte die Angst in seinen Augen sehen und schaute ihn erwartungsvoll an. Mark wich ihrem Blick aus. Rose wusste, das die letzten fünf Minuten ihn wieder verlegen gemacht hatten und er es bereute so außer Kontrolle geraten zu sein. Mark stand auf und verschwand in einem kleinen Nebenzimmer und kam mit ein paar Fotos zurück. Er nahm seinen Stuhl und rückte neben sie. Rose sah ihn von der Seite an. Doch Mark hatte seinen Blick starr nach vorne gerichtet und schien seine Worte zu ordnen, mit denen er gleich beginnen würde. "Rose, ich fange jetzt an dir von meiner Vergangenheit zu erzählen. Hör mir einfach zu und unterbrich mich bitte nicht." Seine Hände lagen nervös auf dem Tisch. "Das Bild, welches du auf meinem Schrank entdeckt hattest, war meine Band Westlife. Wir waren sehr erfolgreich! Wir haben Millionen von Platten verkauft, spielten unsere Konzerte in ausverkauften Hallen. Kurz gesagt: Ein Traum ging für uns in Erfüllung. Shane, Kian und ich lebten für die Musik. Schon in der Schulzeit hatten wir nur diesen einen Wunsch mit unserer Musik irgendwann Erfolg zu haben. Shane kam eines Tages an und erzählte uns von seiner Idee eine Popband zu gründen.
Ich habe genau noch dieses Bild vor Augen." Mark schloss sie und fuhr fort. "Shanes Blick verriet uns, dass es kein Scherz war, sondern purer Ernst.
Kian und ich sahen uns an und mussten anfangen zu lachen. Kian warf ein, das zurzeit Rockbands total angesagt waren und was passieren würde, wenn drei Schüler, die ihren Traum zur Realität machen wollen, eine Popband gründen würden. Doch Shane sah uns an und zuckte mit den Schultern. -Na und, sagte er. Ich habe es im Gefühl, dass wir genau jetzt diese Band gründen sollen.-
Kian und ich willigten ein und wir nahmen noch drei weitere Kumpels in unsere +Versuchsband+ auf." Mark öffnete seine Augen und schüttete sich ein Glas Wasser ein. "Tja, I.O.U. war eine schöne Zeit, doch wir wollten mehr, als nur auf Schulkonzerten zu spielen. Kian, Shane und ich suchten zwei weitere Sänger, nachdem unsere anderen Mitglieder die Band verließen."
Mark fing an zu lächeln. "Und dann stießen Bryan und Nicky zu uns. Sie waren wie geschaffen für die Band....unsere Band: Westlife! Unseren ersten Erfolg hatten wir mit der Single ‚If I let you go’. Ich kann dir diese Atmosphäre nicht beschreiben, als wir erfuhren, das unsere Single von 0 auf 1 in die Charts einstieg. Wir lagen uns in den Armen und waren glücklicher als je zuvor."
Mark öffnete das Fotoalbum und zeigte Rose die Bilder ihres ersten TV-Auftrittes und ihres ersten Foto-Shootings. "Wir waren noch so unerfahren", fuhr Mark lachend fort. "Diese Bilder sind einfach nur grässlich." Rose sah sich ein Bild genauer an. Auf ihm zu sehen war Mark mit Kian, wie sie sich in den Armen lagen und auf das Zeichen warteten, dass das Konzert los ging. Mark sah, das Rose länger an dem Bild hängen blieb. "Kian war immer lockerer drauf als ich. Ich war so nervös an dem Abend. Ich konnte nichts essen und mir war schlecht. Doch dann kam Kian auf mich zu, klopfte mir auf die Schulter und sagte -Mensch, Mark. Sei doch nicht immer so ängstlich und nervös. Du hast eine Hammerstimme und du wirst die Leute damit umhauen. Sie werden dich lieben.- Ich war ihm dankbar für jedes warmherzige Wort, das er mir vor den Auftritten zusprach. Ohne ihn wäre ich bestimmt kurz vor dem Beginn der Show geflohen und hätte mich irgendwo versteckt." Er lächelte. "Kian ist ein klasse Typ und man kann sich glücklich schätzen, ihn als Kumpel zu haben."
Rose hörte ihm weiterhin zu und wendete ihr Blick auf das nächste Bild.
"Ja,ja....", seufzte Mark. "Unsere erste Tour war der Hammer. Ich will nicht behaupten, die anderen seien schlechter gewesen, aber das erste Mal bleibt einem immer in Erinnerung. Der erste Kuss, der erste Schultag, auch die erste Tour." Roses Blick blieb immer öfter an Kian hängen. Irgendwie zog sie der Mann magisch an, obwohl sie ihn überhaupt nicht kannte und zu Mark gesagt hatte, sie wolle ihn auch nicht kennen lernen. Doch als sie dann wieder in das Gesicht von Mark schaute, fiel ihr ein, das sie eigentlich diesen Mann begehrte. Sie musste schmunzeln. Mark stand auf und öffnete das Fenster, damit frische Luft in den Raum treten konnte. Rose schaute sich weiterhin die Bilder an und fand ein Bild, auf dem eine Frau abgebildet war. Sie stand mit dem Rücken zur Wand und schaute mit einem kleinen Lächeln in die Kamera. Rose fiel auf, das sie etwa genauso groß war wie sie selbst. Sie trug ihre blonden glatten Haare offen über die Schulter und ihr Pony fiel ihr knapp über die Augenbrauen. Ihre Augen waren dezent schwarz geschminkt.
"Mark?", rief Rose ihn. Mark, der immer noch am Fenster stand, drehte sich zu ihr um und sah sie an. Rose hielt das Foto hoch. "Wer ist diese Frau?"
Mark kam näher und nahm ihr das Foto aus der Hand. Er sah es lange an, endlos lange, bemerkte Rose. Sie beobachtete, wie er sich an die Tischkante lehnte und zärtlich über das Foto strich. Rose fühlte sich fehl am Platz, da Mark in seine alte eigene Welt abgetaucht war. Sie wusste nicht wie lange er einfach da stand und sich das Foto anschaute. Langsam hob er seinen Kopf hoch und sah Rose an. Sie konnte sehen, das seine Augen sich mit Tränen füllten. "Wer ist diese Frau, Mark? Möchtest du es mir erzählen?" Mark nickte und setzte sich zu ihr.
Er atmete tief ein und fuhr fort.

14.
"Ich weiß es noch ganz genau. Es war wieder einer dieser stressigen Tour-Tage. Ich war genervt und total schlecht gelaunt, weil ich mich vorher mit unserem Manager gestritten hatte. Wütend nahm ich meine Jacke und lief raus ins Freie. Ich fühlte mich unwohl in dieser Stadt und hatte Heimweh. Ich vermisste Sligo, meine Familie und wollte in diesem Moment einfach alleine sein. Ich setzte mich auf eine freie Bank und schloss meine Augen. Ich träumte, das ich mit meinem Hund vor meinen Haus in Sligo spielen würde. Ein kleines Lächeln huschte mir übers Gesicht und ich dachte mir, dass ich die zwei Wochen Tour auch noch überstehen würde. Ich öffnete meine Augen und ging zurück Richtung Konzerthalle. Ich fühlte mich besser, aber nicht gut genug."
Mark stoppte und sah Rose an. "Ich muss auch noch erwähnen, das ich oft Heimweh hatte und sehr an meiner Familie hing. Die anderen nannten mich deswegen auch Müttersöhnchen, aber das war mir egal!" Rose schmunzelte und nahm einen Schluck von ihrem Wasser. Mark erzählte weiter. "In der Halle waren die anderen vier schon fleißig am Proben für das heutige Konzert. Natürlich musste ich mich ihnen anschließen, obwohl ich keine Lust hatte, immer wieder und immer wieder die selben Tanzschritte zu üben. Ich konnte noch nie gut tanzen und wollte es auch nicht können." Rose lächelte und Mark sah das. "Tja, so bin ich halt. Ein tanzunbegabtes Muttersöhnchen!" Sein Blick fiel wieder auf das Bild. Er stoppte und sah es wieder lange an. Rose war überzeugt, das diese Frau etwas besonderes gewesen sein musste. "Ich überstand die Proben und duschte ausgiebig. Noch eine Stunde bis zum Auftritt. Die Jungs und ich machten noch eine kleine Männerrunde, die mit Bryans Scherzen echt amüsant wurde. Zu meiner Verwunderung war ich Minuten vor dem Auftritt nicht nervös. Ich freute mich sogar. Ich merkte, das dieser Tour Alltag langsam begann in Fleisch und Blut überzugehen. Ich gewöhnte mich daran und war glücklich. Das Konzert verlief nach Plan bis zum 9. Lied." Rose war gespannt auf das was folgte und Mark sah das. "Wir sangen Flying without wings, also nichts besonderes. Shane fing an zu singen und ich folgte in der zweiten Strophe." Er schloss die Augen und fing an zu singen:

Some find it sharing every morning
Some in their solitary lives
You find it in the works of other
A simple line can make you laugh or cry
Rose war wieder beeindruckt von seiner wunderschönen Stimme. Mark stoppte und sah starr nach vorne. "Dann entdeckte ich sie. Sie stand rechts in der ersten Reihe und lächelte. Sie lächelte so wundervoll, das es mir die Sprache verschlug. Sie lächelte mich an! Ich war gelähmt. Ich konnte mich nicht mehr bewegen und nicht mehr singen. Meine Stimme war weg. Die Musik stoppte und die ganzen Kameras und die ganzen Leinwände zeigten mein Gesicht. Man muss ich bescheuert ausgesehen haben. Kian kam auf mich zu und rüttelte mich. Er flüsterte: "Mark........Mark....was ist? Geht es dir gut? Hier sind Millionen von Menschen, falls du es vergessen hast. Sing weiter!" Ich hörte ihm nur teilweise zu. Immer noch war mein Blick auf sie gerichtet. Ich glaubte sie bemerkte, das mein plötzlicher Ausfall etwas mit ihr zu tun hatte. Sie grinste wieder und verschwand im Gedränge. Sie war weg! Ich hatte nur diesen einen Moment. Da ich bemerkte, das ich so langsam weiter machen musste und es mir nichts brachte auf die leere Stelle zu starren, die sich aber schnell durch einen anderen Fan füllte, fing ich an weiter zu singen. Ich hätte zu gern ihr Gesicht gesehen, als ich wieder anfing zu singen. Sie war Schuld, das ich vor Millionen von Menschen meine Stimme verlor und nicht mehr klar denken konnte. Das Konzert verlief ohne weitere Zwischenfälle, obwohl die Jungs mir oft fragende Blicke zu warfen." Er lächelte. Auch Rose war fasziniert von dieser Geschichte und schenkte ihm ein Lächeln. "Als das Konzert zu Ende war, konnte ich mich hinter der Bühne vielen Fragen stellen. Mir war aber bewusst, das ich diese Frau nie wieder sehen würde und dieser Gedanke brach mir das Herz. Ich war diesen Abend nicht sehr gesprächig und verließ mitten in der Party, die extra für uns gemacht wurde, den Raum. An der frischen Luft fühlte ich mich besser. Ich lief die Straße entlang und entdeckte ein kleines Café, wo ich mir einen Tee holen wollte. Ich ging an der Scheibe vorbei und mir stockte der Atem, als ich sah, wer in diesem Café saß. Die wunderbare Frau aus der ersten Reihe. Auch sie entdeckte mich und verschluckte sich daraufhin an ihrer Tasse Tee." Mark lächelte. "Wie süß, dachte ich mir. Ich bin ein sehr schüchterner Typ, wenn es um Frauen geht. Ich überlegte ob ich reingehen und sie ansprechen sollte?
Marks Wahrscheinlichkeit: 10% Schnell am Fenster vorbei gehen und zur Party zurück kehren? Marks Wahrscheinlichkeit: 90% Rose musste grinsen.
Dieser Mann scheint ja echt schüchtern zu sein. "Ich setzte einen Fuß nach vorne und war am gehen, als ich dachte: -Mark, wenn du jetzt nicht sofort dort rein gehst und diese Frau ansprichst, wirst du es dein Leben lang bereuen!-
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, atmete noch mal tief ein und öffnete die Tür zum Café.

15.
"Du kannst dir nicht vorstellen, wie wild mein Herz in diesem Moment schlug. Meine Hände waren schweißnass und ich fühlte mich leer. Ohne jeden Gedanken, was ich sagen wollte, wenn ich ihr vor ihr stand. Jeden Schritt, den ich vorwärts machte, schien mir wie eine Ewigkeit und doch kam ich an ihrem Tisch an. Sie blätterte ruhig in ihrer Zeitschrift und sah mich an, nachdem sie den Artikel zu Ende gelesen hatte. Ich war nervös, nervöser, als vor Beginn eines Konzertes. Mein Mund war trocken und mein Blick ließ nicht von ihrem Gesicht ab. Wieder lächelte sie mich an und deutete auf den Stuhl, der gegenüber von ihr stand. Ich setzte mich und wartete." Wieder einmal schaute Mark verträumt aus dem Fenster, als ob er das Erzählte, wie ein Film vor seinen Augen ablief. "Sie nahm ihre Tasse und nippte kurz daran, bevor sie wieder auf den Tisch stellte. "Ein Zufall, das sie das selbe Café ausgewählt haben, wie ich!" Ich sah sie an und auch sie erwiderte meinen Blick. Zum ersten Mal erklang ihre Stimme und schon jetzt war ich bereit für sie alles zu tun. Ich war besessen von dieser Frau obwohl ich sie überhaupt nicht kannte. Langsam kam meine Stimme zurück und ich antwortete, das es kein Zufall gewesen sein kann. Sie sah auf und ihre Augen funkelten wie Sterne. Wieder musste ich schlucken. Sie lächelte.
"Das Konzert war klasse. Leider hatte ich hab dem 9.Lied nicht mehr so eine gute Sicht wie vorher. Woran das wohl lag, Mark?" Mir war heiß. Sie kannte meinen Namen. Blödsinn. Klar wusste sie ihn, wenn sie auf ein Westlife Konzert ging. Mir war es etwas peinlich, das sie ausgerechnet diesen Ausfall ansprechen musste. "Ich war einfach verzaubert!"
Mark musste lächeln und sah Rose an. "Ich wusste nicht, wie ich diesen Satz über die Lippen bringen konnte. Ich...Mark Feehily war nie so direkt. Rose hörte weiterhin zu. Seit er angefangen hatte zu erzählen, hatte sie noch kein Wort gesprochen. Sie war sprachlos. Mark fuhr fort.
"Ich habe gemerkt, das sie dieses Kompliment dankend annahm. Ich sah es in ihren Augen. "Gehen wir ein Stück?", fragte sie. Ich nickte und stand auf, während sie ihren Tee bezahlte. Wartend an der Tür, zog sie ihre Jacke an und wir gingen an die frische Luft." Mark sah Rose an und sagte: "Sie war groß. Vielleicht sogar noch ein Stück größer als du." Rose lachte. "Meistens ist es üblich, das Frauen kleiner sind als ich. 1.77m ist für eine Frau sehr groß. Aber wenn sie auch so groß war bin ich beruhigt." Mark lächelte und fuhr fort.
"Wir liefen die Straße entlang und ich fragte sie, woher sie komme. Zu meinem Erstaunen war sie Deutsche. Sie sprach perfekt Englisch. Wir unterhielten uns ewig. Es kam mir so vor, als ob ich sie schon Jahre kennen würde. Die angebliche Fremde, die es bei manchen Menschen gab, die sich neu kennen lernten, existierte bei uns nicht. So gegen 01:00 Uhr nachts brachte ich sie zu ihrem Hotel, wo sie das Wochenende übernachtete. Ich stand auf der Treppe und sie eine Stufe über mir.", erinnerte sich Mark. "Dann wünsche ich dir noch eine schöne Restnacht." Sie drehte sich um und war am gehen, als ich hinter ihr her rief: "Ich weiß noch nicht mal deinen Namen!" Lächelnd warf sie ihren Kopf in meine Richtung und antwortete: "Anne, ich heiße Anne."

16.
"Am nächsten Morgen wachte ich spät auf. Sofort klopfte es an der Tür und ich konnte mir schon denken, wer es war. Nicky und Kian standen im Raum.
"Mensch Mark, wo warst du gestern Abend? Du warst aufeinmal verschwunden und niemand wusste wo du warst," sagte Kian, während er sich auf den einzigen Stuhl im Raum setzte. Nicky nickte und beide sahen mich fragend an.
"Müsst ihr alles wissen?", fragte ich genervt und zog mir die Decke über den Kopf. Kian stand auf und riss sie mir sofort wieder weg. "Ja, müssen wir. Wir sind deine Kumpels und machen uns Sorgen, wenn du aufeinmal verschwindest und nicht sagst wohin." Ich sah beide an und wusste, das sie keine Ruhe geben würden, bevor ich es ihnen nicht gesagt hätte. "Nimmst du Drogen?", fragte Nicky schockiert und ich musste lachen. "Ihr spinnt doch!" Ich stand auf und verschwand im Bad, wo ich natürlich nicht lange alleine blieb. "Also gut," gab ich genervt nach. "Mein Ausfall gestern auf der Bühne hatte etwas mit einer Frau zu tun, die ich dann zufällig noch mal wieder traf und wir uns nett unterhielten." Kian und Nicky sahen mich an und fingen an zu lachen.
"Der Marky hat ne Frau kennen gelernt. Wunder gibt’s sag ich dir Kian!"
Er stupste ihn an. "Darf ich niemanden kennen lernen, oder was?"
"Das haben wir nicht gesagt. Aber du als ewiger Single. Ich find es klasse!"
Ich schaute beiden ins Gesicht und konnte nicht erkennen, ob sie es ernst meinten oder nicht. Aufjedenfall verließen sie dann endlich mein Zimmer und ich konnte in Ruhe duschen. Als ich später zum Frühstück erschien, hatte sich mein Treffen von gestern Abend natürlich schon rum gesprochen. Ich setzte mich und schaute in grinsende Gesichter. Genervt schmierte ich mir ein Brötchen und dachte mir, was daran so komisch sei, wenn ich mich für eine Frau interessierte. In den letzten Jahren kam das nicht so oft vor, aber ich will ja auch nicht so enden, wie Kian, der jede Woche eine Neue hatte." Rose sah geschockt auf und Mark lachte. "Nein, Rose. Jetzt ist er nicht mehr so. Er hat diese Zeit einfach genossen und war stolz von so vielen Frauen begehrt zu werden. Er hat sich geändert und sucht, wie jeder andere, nach der großen Liebe. Rose vertraute Mark und dieser erzählte weiter. "Diesen Tag hatten wir gottseidank frei und ich wollte Anne unbedingt wieder sehen. Ich musste! Gegen 12:00 Uhr verließ ich unser Hotel und machte mich auf dem Weg zu ihrem. Ich war gut gelaunt und fühlte mich großartig. An der Rezeption fiel mir auf, das sie mir gestern nur ihren Vornamen genannt hatte und ich war am verzweifeln. Der Mann hinter der Rezeption wartete. Ich war gerade am Gehen als sie er mich zurück rief. Er kam hinter der Theke hervor und stand vor mir. "Ich glaube ich kenne die Frau zu der sie wollen. Die Beschreibung passt genau." Hoffnungsvoll sah ich den Mann an und war froh. Er streckte mir seine Hand entgegen, stellte sich vor und wir beide liefen Richtung Fahrstuhl. "Anne ist eine gute Freundin von mir. Wir waren sehr eng befreundet, bevor sie weg gezogen ist. Ihr Zimmer ist in der dritten Etage. Ich glaube sie wird sich über ihren Besuch sehr freuen."
Der Fahrstuhl hielt und wir liefen den Gang entlang, bevor wir vor der Zimmertür 319 hielten. "Richten sie ihr einen lieben Gruß aus. Ich werde sie nachher noch mal besuchen." Ich nickte und er verschwand wieder im Aufzug. Ich wandte mich zur Tür und klopfte zweimal kräftig an.

17.
"Obwohl wir uns gestern schon lange unterhalten hatten, war ich total aufgeregt. Anne öffnete die Tür und schenkte mir ihr wundervollstes Lächeln. Sie bat mich herein und ich wusste nicht so Recht, was ich jetzt sagen oder tun sollte. Freundlich zeigte sie auf das Sofa und wir setzten uns. "Ich habe gewusst, das du heute vorbei schauen würdest." "Freust du dich?", fragte ich und sie nickte. Wir redeten stundenlang über alles mögliche. Sie fragte mich auch, woher ich ihre Zimmernummer hatte. Zögernd erzählte ich von dem Mann an der Rezeption, den sie anscheinend kennen würde. Anne musste lächeln.
"Das war Fabian. Wir beide sind früher oft zusammen gewesen. Er ist ein guter Freund!" Zufällig kamen wir auf das Thema wie unsere Traumpartner aussehen und sein sollte. Anne errötete leicht und ich war neugierig auf ihre Antwort. Sie sah mich an und erzählte, das er aufjedenfall schwarze Haare haben musste und das sie einen Mann mit schönen Mund sehr sexy findet. Ich lächelte und dachte, das die Beschreibung voll und ganz auf mich zutrifft. Ganz direkt fragte ich sie, ob ich eine Chance bei ihr haben könnte. Wir beide fingen an zu lachen. "Von Westlife warst du immer mein Liebling!" Sie lächelte. Ich fragte, ob die Sympathie für mich immer noch vorhanden war und sie schaute verlegen zum Fenster hinaus. Anne wusste nicht was sie sagen sollte. Langsam nahm ich ihre Hand und wir sahen uns beide an. Wenn irgendjemand in diesem Moment im Raum gewesen wäre, hätte man die prickelnde Anspannung nicht ignorieren können. Ich rückte näher zu ihr und berührte sanft ihre Lippen. Etwas zögerlich erwiderte sie meinen Kuss und wenig später lagen wir in ihrem Bett und niemand konnte unsere Lust aufeinander bändigen. Es war eine wundervolle Nacht und seit dem Zeitpunkt wussten wir, das unsere frische Liebe eine Zukunft haben würde. Wir waren glücklich!"

18.
Rose schmierte ein paar Brote, während Mark in alten Erinnerungen schwelgte. Diese Anne schien echt etwas besonderes gewesen zu sein und beide liebten sich mehr als alles andere auf der Welt. So wie Rose Mark an dem Tisch sah, mit dem Foto in der Hand, wusste sie, das dieser Mann nie mehr eine andere Frau so lieben wird wie Anne. Rose setzte sich und stellte den Teller mit den Broten auf den Tisch. Mark legte das Foto zur Seite und nahm sich ein Stück Brot, in das er genüsslich biss. Rose war erfreut, dass es ihm schmeckte. Schweigend aß jeder sein Brot und Mark füllte die Gläser mit etwas Orangensaft. Rose war neugierig, wie die Liebe zwischen den beiden weiter ging. Sie nippte an ihrem Glas und stellte die entscheidende Frage. "Und wo ist Anne jetzt?"
Mark wusste, das die Frage kommen würde und versuchte seine Tränen zu unterdrücken und mit Fassung weiter zu erzählen.
"Es war an einem Sonntag. Der Tag begann wundervoll und die Sonne schien. Wir waren zu der Hochzeit von Annes Freundin Sarah eingeladen. Die Zeremonie fing Punkt 11:00 Uhr an, doch Anne und ich waren um
10:45 Uhr immer noch nicht fertig. Sie suchte nach dem Hochzeitsgeschenk, während ich krampfhaft versuchte meinen Krawattenknoten richtig hin zu bekommen. Um kurz nach 11:00 Uhr fuhren wir erst von zu Hause weg und bis zur Kirche dauerte es mindestens eine halbe Stunde. Um natürlich nicht allzu spät zu kommen fuhr ich extrem schnell." Traurig starrte er auf sein leeres Glas. "Anne sagte, ich sollte nicht zu schnell fahren, es wäre nicht schlimm, wenn wir etwas später kommen würden. Doch ich hörte nicht auf sie und beschleunigte sogar noch." Wütend schlug er mit der Faust auf den Tisch und Rose erschrak. "Ich war zu stur auf sie zu hören. Ich war nie zu spät und immer pünktlich und war wie verbohrt nicht die Zeremonie zu verpassen. Doch dann bog ich in die Straße ein und übersah den Lastwagen, der frontal in die Beifahrerseite raste." Rose hielt sich geschockt die Hand vor den Mund und war sprachlos. "Ich war bewusstlos und wachte erst Minuten später auf der Trage auf. Ich sah mein kaputtes Auto, die Ärzte, den Krankenwagen, aber nicht Anne. Wo war meine Anne? Ich stand auf und ging erschöpft zu einem der Polizisten. Dieser überbrachte mir die Nachricht, die mein Leben zerstörte:
Anne war tot! Sie war sofort tot, als der Lastwagen in unser Auto raste. Sie hatte keine Chance!" Mark stoppte und fing fürchterlich an zu weinen. Er hörte nicht mehr auf und sein Körper wurde geschüttelt von seinen Weinkrämpfen. Auch Rose liefen Tränen über die Wangen und sie setzte sich neben Mark und umarmte ihn. Noch nie hatte sie einen Mann so weinen sehen.
Mit schwacher Stimme fuhr er fort: "Ein Sanitäter kam zu mir und fragte mich, ob ich gewusst habe, dass Anne im 2.Monat schwanger war? Ich schüttelte den Kopf. Ich wollte mich noch an irgendetwas festhalten, doch ich spürte meine Beine nicht mehr und alles wurde schwarz." Mit roten verweinten Augen sah er Rose an. "Wäre ich nicht zu schnell gefahren und hätte auf Anne gehört, wäre dieser Unfall nie passiert. Wir wären später an der Kreuzung gewesen und hätten den Lastwagen verpasst. Wir würden jetzt glücklich mit unserem Kind irgendwo auf dem Land wohnen." Immer noch weinend stand er auf und ging Richtung Fenster. Plötzlich griff er nach einer Vase und warf sie schreiend gegen die Fensterscheibe, die laut zerbrach. "Ich habe meine Frau und mein Kind getötet. Ich bin ein Mörder!" Weinend hielt er sich an der Wand fest und rutschte mit dem Rücken an ihr hinunter und vergrub sein weinendes Gesicht in seinen Händen. Rose war zutiefst erschüttert und verzweifelt.
Was muss dieser Mann alles durch gemacht haben? Leise stand sie auf und setzte sich neben ihn auf den Boden. Beide schienen erschöpft und Mark schloss seine verweinten Augen und legte seinen Kopf auf Roses Schulter. Rose wusste nicht wie lange sie dort auf dem Teppich saßen und einfach schwiegen.

19.
Rose öffnete ihre Augen und bemerkte, dass sie eingeschlafen war. Es war schon dunkel und sie sah, dass auch Mark die Augen geschlossen hatte und sanft schlief. Langsam stand sie auf und räumte das Geschirr vom Tisch. Sie sah Mark an, der friedlich an der Wand lehnte und schlief. Nocheinmal holte ihn die ganze Vergangenheit ein und es hatte ihn mitgenommen. Rose tat der Mann leid und sie setzte sich wieder neben ihn. Sie strich ihm zärtlich über den Kopf. Seine Haut war warm. Langsam öffnete Mark die Augen und sah sie verschlafen an. "Hey, Rose. Wie lange habe ich denn geschlafen?" "Nicht lange. Vielleicht eine halbe Stunde oder so!" Mark erhob sich und schaute sich im Raum um. Er ging zum Tisch und räumte die Bilder wieder in den Karton. Rose stand neben ihm und er zeigte ihr ein paar Fotos von Annes Beerdigung. "Ich habe für sie gesungen. -Moments- . Es war schwer für mich. Ich hatte das Gefühl, als ob mir alle die Schuld an ihrem Tod gaben, aber ich blieb stark, obwohl ich wusste, dass sie Recht hatten." Rose schüttelte den Kopf. "Du hattest keine Schuld, Mark....der Lastwagen.....!" "Ach, hör mir auf Rose", antwortete er gereizt.
"Wie oft ich diesen Satz gehört habe. Aber niemand kann mir das Gegenteil beweisen. Ich saß am Steuer, ich trat auf das Gaspedal und nahm dem Lastwagen die Vorfahrt. Allein ich habe die Schuld! Ich habe noch nicht mal gesagt, wie sehr ich sie liebe. Ich hatte es diesen Morgen noch nicht getan und jetzt ist es zu spät!" Wieder füllten sich seine gerade getrockneten Augen mit Tränen. Er sah Rose an und stellte sich vor sie.
"Rose, du bist eine wundervolle Frau und ich habe mich einer Frau nach Annes Tod schon lange nicht mehr so nah gefühlt. Aber Anne war meine große Liebe und ich habe mir geschworen, keine Frau mehr so zu lieben wie ich sie geliebt habe. Versteh das bitte!" Er sah Roses nasse Augen. "Ich liebe dich Mark! Ich liebe dich wirklich!" Doch Mark schüttelte seinen Kopf.
"Du liebst mich nicht. Du fühlst dich nur zu mir hingezogen, weil wir die letzten Tage so oft zusammen waren. Als ich dich geküsst hatte, war ich für einen Moment gelöst von allen Problemen und ich habe es genossen. Aber als ich dich dann ansah, schoss mir das Bild von Anne durch den Kopf. Ich will dich nicht verletzten, Rose, deswegen bin ich ehrlich zu dir." Tränen liefen Rose über die Wangen und er strich sie sanft weg. Sie merkte, das dieser Mann unerreichbar war und blieb. Seine Liebe galt immer noch der gleichen Frau, die schon tot war, aber in seinem Herzen immer noch lebte. Rose war verletzt, denn noch verstand sie seine Situation und die Entscheidung. Sie nickte und sah Mark an.
"Ich akzeptiere es, Mark. Auch wenn es mir weh tut. Ich fühle mich dir sehr nah und irgendwann musst du doch wieder eine Frau lieben. Du willst doch nicht ein lebenlang alleine bleiben, oder?" "Ich bin nicht allein, Rose. Ich bin bei Anne schon seit langer Zeit", antwortete er leise. Rose verstand nicht. Sie wollte jetzt einfach alleine sein. "Ich werde mir ein Hotel suchen. Ich kann nicht mehr bei dir wohnen, Mark." Er nickte. Rose lief in ihr Zimmer und packte ihre Sachen. Als sie auf den Flur trat, stand Mark schon wartend auf sie. "Er ist wundervoll", dachte Rose sich, als sie auf ihn zuging und ihn ansah.
Seine blauen Augen leuchteten und der weiße Pullover ließ sie noch mehr strahlen. Mark nahm ihre Hand. "Rose...ich bin froh, dich kennen gelernt zu haben. Du bist eine wundervolle Person. Auch wenn jetzt noch alles aussichtslos und ungerecht scheint, wird sich dein Leben bald der Sonne zu wenden. Du wirst lächeln und glücklich sein. Trust me! Ich war nur der Mann, der dich in die richtige Richtung gelenkt hat. Jetzt musst du alleine klar kommen. Versprich mir, dass du das Schicksal annimmst, wenn es dir auf deinem Weg begegnet. Nichts geschieht zufällig. Machs gut Rose McKenzey." Sanft hob er ihr Kinn an und schenkte ihr einen letzten Kuss. Rose war den Tränen nah. "Du bist der zauberhafteste Mensch, den ich jemals getroffen habe, Mark. Du bist wundervoll. Vielleicht bis bald!" Sie drehte sich um und stieg die Treppe hinab, "Einmal werden wir uns noch sehen, versprochen!" Rose lief die Straße entlang Richtung Busstation. Als sie sich noch mal umdrehte, war die Tür geschlossen und Mark verschwunden.

20.
Rose lief traurig die Straße entlang. Wo sollte sie jetzt hin gehen?
Natürlich musste sie sich ein Hotel suchen, obwohl sie Hotels hasste. Gedankenversunken schlenderte Rose durch die Straßen und dachte über Mark und seine letzten Worte nach, die er beim Abschied sagte. Sie verstand den Sinn nicht und überlegte. Als sie ein Hotel erreichte, hatte sie immer noch keine Erklärung dafür. Rose wartete an der Rezeption, um sich ein Zimmer zu mieten. Eine kleine Frau kehrte freundlich an die Theke zurück. Rose checkte ein und ging in den zweiten Stock, wo sie ihr Zimmer aufschloss. Sie sah sich um und war ganz zufrieden. Für ein paar Tage könnte sie hier wohnen. Sie fühlte sich nur allein! Außerdem brauchte sie einen Job. Nach langem Überlegen, entschloss sie sich, morgen beim Arbeitsamt vorbei zu gehen und den Job als Journalistin anzunehmen, wenn er überhaupt noch frei war. Rose hatte keine andere Wahl!

21.
Gegen 12:00 Uhr verließ Rose das Hotel und nahm den nächstbesten Bus zum Arbeitsamt. "Lange nicht mehr hier gewesen", dachte sie genervt und setzte sich auf einen Stuhl. Nun hieß es warten. Eine Stunde später wurde sie endlich in das Zimmer gerufen und der Angestellte erkannte sie wieder und bat ihr freundlich den Stuhl an. "Ich habe mir überlegt ihr Angebot anzunehmen, auch wenn es eine schlechtere Zeitung ist. Ich brauche das Geld!", sagte Rose. Der Mann lächelte. "Ich habe eine gute Nachricht für sie. Daily Mirror sucht eine Journalistin und ich habe ihnen den Platz frei gehalten. Ich hätte sie im Laufe des Tages noch angerufen." Rose wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war sprachlos. Sie nickte und der Angestellte legte ihr die Papiere auf den Tisch. Rose war glücklich, denn nun hatte sie endlich wieder einen Job.
"Sie können Montag anfangen Miss McKenzey." Mit einem Lächeln verließ Rose das Gebäude und atmete tief ein. "Danke!", flüsterte sie. "Danke!" Rose wollte Mark besuchen, um ihm die gute Nachricht zu überbringen, doch als sie zweimal kräftig an der Tür klopfte, machte er nicht auf.
Sie war traurig, dass er nicht zu Hause war. "Wen wollen sie denn besuchen?" Erschrocken drehte Rose sich um und sah in das Gesicht von Kian.
"Ich wollte Mark besuchen, um ihm eine freudige Nachricht zu überbringen, aber er scheint nicht zu Hause zu sein." Lächelnd trat sie Treppe hinunter und stand vor Kian. "Ich bin Rose McKenzey." Freundlich schüttelte sie ihm die Hand. Kian war sprachlos. "Ähh...ich...ich bin Kian Egan. Kennen wir uns?"
"Aber ja. Sie hatten mir mal den Weg zum Arbeitsamt erklärt, wissen sie noch?" Ein Lächeln huschte über Kians Gesicht und er konnte sich an sie erinnern. Auch er schüttelte ihr freundlich die Hand. "Freut mich sie wieder zu sehen. Hat uns das Schicksal wohl doch wieder zusammen geführt!" Er lächelte. Rose dachte an die Worte von Mark. Sie brannten in ihrem Kopf:
Versprich mir, dass du das Schicksal annimmst, wenn es dir auf deinem Weg begegnet!" Sie sah Kian, wie er sie anlächelte.
"Waren sie eine Freundin von Mark?" "Ja, das kann man so sagen. Ich bin es aber immer noch." Kian sah sie an. Er musste ihr wohl vieles erzählen.
"Trinken wir etwas zusammen?" Rose nickte und beide liefen die Straße hinab.

22.
"Ich nehme einen Cappuccino", antwortete Rose als der Kellner fragte, ob sie schon bestellt hatten. Kian entschied sich für einen Kaffee und der Kellner verschwand. "Jetzt treffe ich endlich noch ein Mitglied von Westlife. Wie mich das freut." Lächelnd sah Rose Kian an, der ihr Lächeln erwiderte. "Tja...
viele Fans träumen davon, jemals mit einem Westlifer einen Kaffee trinken zu gehen. Sie leben gefährlich, Miss McKenzey!" Er lachte. "Wissen sie warum Mark nicht zu Hause war?" Kians Gesicht verfinsterte sich und er schaute aus dem Fenster. Rose bemerkte schnell, dass sie ein falsches Thema angesprochen hatte und versuchte die Situation zu retten. "Tja....äh...leben sie auch in Sligo, Mister Egan?" Er wandte seinen Blick vom Fenster ab und funkelte Rose an.
Sagte sie heute alles falsch oder was? "Wie lange kannten sie Mark schon?"
Rose antwortete, dass es keine lange Zeit war, sie sich aber gut verstanden hatten. Rose wusste nicht was diese Fragerei sollte und wurde ärgerlich.
"Das geht sie doch eigentlich gar nichts an. Warum wollen sie das alles so genau wissen?" Böse schaute sie Kian an, der sich aus diesem Blick, aber nichts machte. "Sie wissen gar nichts, Miss McKenzey, gar nichts!" Er machte Anstalten auf zu stehen und zu gehen, aber Rose fasste seine Hand und zog ihn zurück auf seinen Stuhl. "Was weiß ich nicht?" Sie sah, dass Kian sehr aufgewühlt aussah. "Sagt ihnen der 11. Dezember irgendetwas?" Rose überlegte und schüttelte den Kopf. Kian nickte und wusste, das er die Geschichte wiederholen musste. "Sie weiß es nicht!", dachte er sich, als er in Roses fragendes Gesicht sah. Er setzte sich und schloss die Augen.
"Hören sie mir zu und unterbrechen sie mich nicht." Irgendwo hatte sie diesen Satz schon mal gehört und sie bekam Angst. Kian atmete tief ein und fing an.

23.
"Mark war ein wundervoller Mensch. Wir waren so gut befreundet, dass uns niemand hätte auseinander bringen können. Ich war stolz mit so einem ehrlichen Mann befreundet zu sein. Er war für mich da, wenn ich ihn brauchte und umgekehrt. Doch Mark war eine sehr verletzliche Person und sehr sensibel. Wenn man ihm manchmal etwas direkter die Meinung sagte, wirkte er sehr schnell eingeschüchtert. Ich versuchte ihm mehr Selbstbewusstsein einzuflößen. Es war schwer. Aber als wir Westlife gründeten, war er glücklich. Er war erfreut, das so viele Menschen unsere Musik hören und lieben. Mark war stolz auf jeden von uns. Obwohl er sich oft allein fühlte, war er immer ein aufgeschlossener Mensch. Man konnte ihn auch anders erleben, wenn wir abends manchmal in eine Disco gingen. Er feierte gerne und lange. Wenn mehrere Frauen um ihn herum standen, sah er mich immer mit diesem
-Was-soll-ich-machen-Blick an. Mark war einer der Menschen, die nach der großen Liebe suchten und er fand sie auch." Kian sah aus dem Fenster und träumte. "Und dann traf er Anne, hab ich Recht?" Kian drehte geschockt seinen Kopf in Roses Richtung und sah sie an. "Sie wissen von Anne?"
"Ja, Mark hatte mir von ihr erzählt. Sie schienen sehr glücklich gewesen zu sein." Kian sah Rose immer noch an. "Hat er ihnen auch von dem Unfall erzählt?" Rose nickte traurig und auch Kian schaute zu Boden. "Sie waren perfekt!", erzählte Kian. "Ich habe Mark noch nie so glücklich gesehen. Er war wie verwandelt. Anne hatte ihm immer wieder neue Kraft gegeben. Manchmal kam er einfach zu mir, sah mich an, lächelte und sagte, wie glücklich er wäre. Jedesmal nahm ich ihn in meine Arme. Ich freute mich so für ihn, das er nach langer Suche, endlich seine Traumfrau fand." Er stoppte. "Bis zu diesem verdammten Unfall....!" Kian schlug mit seiner Faust auf den Tisch. Die anderen Leute im Café schauten neugierig zu beiden hinüber und Rose sagte es sei alles in Ordnung. Kian fing an zu weinen. "Er ist immer so vorsichtig gefahren. Meistens wollte er sowieso, das andere fahren. Warum musste das bloß passieren?" Weinend hielt er seine Hände vors Gesicht. Rose war überfordert. Sie kannte diesen Mann kaum. Doch er fasste sich und sah sie an. "Nach dem Unfall stürzte Mark in ein tiefes schwarzes Loch. Er war ein Wrack. Er aß nichts mehr, wollte nur noch alleine sein und schloss sich von der Außenwelt ab. Sogar uns vier ließ er nicht mehr an sich heran. Wir traten nur noch zu viert auf. Das schlimme war, das die Presse schrieb, er wäre Schuld gewesen. Das konnte er nicht verkraften. Er wollte nie irgendjemandem weh tun und erst gar nicht seiner großen Liebe. Eines Abends besuchte ich ihn und es war schrecklich ihn anzusehen. Ich konnte ihm nicht helfen. Niemand konnte das und sogar er selbst hatte sich schon aufgegeben. Ich sagte zu ihm er müsse weiterleben, Anne hätte es so gewollt. Dann schrie er mich an, er wüsste überhaupt nicht, was sie wollte. Nur er hätte es gewusst und habe alles kaputt gemacht. Er fing an zu weinen.
Noch nie hatte ich Mark so weinen gesehen, weil er einer der Menschen war, der gegen Weinen war. Ich nahm ihn in den Arm. Hätte ich gewusst, das ich ihn das letzte Mal an diesem Abend gesehen hätte, dann.....!"
Rose unterbrach Kian. "Das letzte Mal? Was soll das heißen?" Kian fuhr fort. "Ich weiß nicht, wie es abgelaufen ist. Ich habe nur diesen einen Zeitungsartikel vor Augen: Westlife-Star Mark Feehily beging Selbstmord!"
Rose sah ihn entgeistert an. "Sie müssen sich irren. Ich war noch gestern bei ihm zu Besuch. Er ist nicht tot!" Kian sah sie an und konnte nicht glauben, was sie da behauptete. Er sprang auf. "Mark ist tot. Ich habe ihn doch selbst gesehen."
Auch Rose erhob sich. "Ich glaube ihnen nicht. Er wohnt dort hinten in der Calry Road." Kian schrie sie an und beide wurden wegen ihres schlechten Benehmens aus dem Café geschmissen. Wütend stand Rose vor Kian und zog ihm am Ärmel. "Wir gehen jetzt zu ihm. Komm!" Kian hielt Rose für verrückt. Sie sah ihn an und lief einfach los. "Mark tot. Der will mir doch Lügen erzählen." Sie rannte immer weiter bis sie vor Marks Haustür stand und klopfte. Sie klopfte so heftig gegen die Tür, das ihre Hand schmerzte. "Warum ist er nicht da?" Kian, der ihr gefolgt war, stand hinter ihr und beobachtete die verzweifelte Frau. Rose schrie: "Mark, wo bist du. Mach auf!" Kian nahm Rose sanft am Arm, doch sie schlug ihn weg. "Lass mich, du lügst mich an!"
Kian wusste, das er Rose jetzt nicht beruhigen konnte und trat einen Schritt zurück. Rose hob einen Stein vom Boden auf und schlug die Scheibe ein. Sie hörte noch Kian irgendetwas schreien, doch Rose stand bereits in der Wohnung. Sie erschrak. Alles war leer geräumt. Vereinzelt standen noch ein paar Stühle im Raum. Wie im Trance lief sie zur Küche hinauf, doch auch diese war leer. Sie konnte es nicht glauben. Plötzlich entdeckte sie eine Zeitschrift und sah auf das Titelblatt. Westlife-Star Mark Feehily beging Selbstmord!!!
Gestern nacht gegen 23:00 Uhr entdeckten Fischer einen leblosen Menschenkörper im Wasser treiben. Da sie dachten, der Mann könnte noch am Leben sein, zogen sie ihn sofort an Bord. Ihnen wurde schlagartig klar, das dieser Mann Mark Feehily von Westlife war, der sich höchstwahrscheinlich das Leben nahm. Vermutlich sprang er von den Klippen und schlug unten auf den Felsen auf. Sein Körper war übersät von Wunden und Blutergüssen. Auch befand sich Wasser in seiner Lunge, was darauf hindeutet, das er ertrunken ist. Grund für diese Tat, war vermutlich der Tod seiner Freundin, die er durch einen tragischen Autounfall verlor, wo er am Steuer saß. Von Schuldgefühlen geplagt, war dies wohl der letzte traurige Ausweg, den er sah. Seine vier Bandmitglieder Shane Filan, Bryan McFadden, Nicky Byrne und Kian Egan zeigten sich entsetzt und wollen ohne Mark die Band nicht weiter machen. Eine öffentlich Pressekonferenz findet in 2 Tagen statt.
Rose konnte nicht mehr weiterlesen, da sie mit ihren tränengefüllten Augen nichts mehr erkennen konnte. War sie verrückt? Der Mann auf dem Foto war der gleiche, wie der, mit dem sie das Wochenende zusammen war. Ihr Kopf war leer und sie merkte nicht, wie Kian sich neben sie setzte und sie sanft über den Kopf strich. "Ich bin nicht verrückt, Kian. Ich weiß, das ich mit ihm dieses Wochenende verbracht habe.
Ich habe mit ihm gesprochen, ihn angefasst und sogar geküsst. Ich verstehe das alles nicht!" Kian beruhigte sie und sagte, das sie jetzt fantasiere sei normal nach dem Schock. Wütend sprang sie auf und wollte Kian anschreien, ihm die Meinung sagen, doch sie war zu schwach. Alles drehte sich und sie spürte einen stechenden Schmerz, als sie auf dem Boden aufschlug.

24.
Rose öffnete ihre Augen. Sie sah weiße, kahle Wände und hörte vereinzelt ein Piepen. Sie war im Krankenhaus. Sie wusste auch warum. Ihr Körper schmerzte und ihr Kopf brummte. Gerade wollte sie wieder ihre Augen schließen, als der Arzt hereinkam. Er war froh, das sie wieder wach war. Wie sich heraus stellte, war Rose in Ohnmacht gefallen, wobei sie unglücklich auf den Kopf gefallen war. Es sei nur ein leichtes Schädelhirntrauma. Sie müsse aber noch mindestens eine Woche hier bleiben. Rose nickte schwach und der Arzt verschwand. Wieder schlief sie ein und träumte von Mark. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie hoffte bald aus diesem Alptraum aufzuwachen. Doch als es an der Fensterscheibe klopfte und sie dahinter Kian wahr nahm, wusste sie das alles pure Realität war. Kian kam herein und setzte sich neben sie. Schwach sah Rose ihm in die Augen. Plötzlich war sie froh, dass er da war. "Hey, wie geht es dir?" Rose versuchte zu lächeln. "Den Umständen entsprechend würde ich sagen. Mein Kopf brummt schrecklich." Kian sah sie besorgt an. "Du bist ja auch brutal gegen die Tischkante gefallen. Du hast mir einen Schrecken eingejagt. Ich war total verzweifelt." Rose lächelte innerlich. Auch Kian bemerkte, das er diese Frau fast gar nicht kannte, sie aber irgendetwas besonderes hatte, was ihn magisch anzog. Nur war er immer noch am überlegen, warum sie behauptet hatte, mit Mark das Wochenende verbracht zu haben. "Glaubst du ich bin verrückt?" Fragend sah Rose Kian an. "Hmmm....ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Mark ist seit mehr als sieben Monaten tot und es ist unwahrscheinlich, dass du dich mit ihm getroffen hast." Rose starrte an die Decke. "Hatte er vielleicht einen Zwillingsbruder?" Kian schüttelte den Kopf. "Ich verstehe das nicht, Kian. Das Bild in der Zeitung ist total identisch. Ich kann das doch nicht geträumt haben." Sie sah ihn an. "Er war bei mir. Ich schwöre es!" Kian schaute Rose lange an und wusste nicht, was er von dieser Geschichte halten sollte. Er hatte Mark im Sarg liegen gesehen. Er ist aufjedenfall tot. Und so was wie Engel oder Seelen, die zurück kehren, existieren nicht. Das sind alles nur Märchen. Daran glaubte er nicht. Vielleicht war es einfach eine Verwechslung. "Wann kommst du hier raus, Rose?"
"In etwa 1 ½ Wochen hat der Arzt gesagt. Mein Kreislauf muss sich erst wieder stabilisieren." Kian sah sie an. "Ich werde dich öfters besuchen kommen, all right?" Rose nickte und freute sich auf jedes weitere Treffen mit ihm.

25.
Wochen waren vergangen und Rose war wieder gesund. Sie wohnte in einem kleinen Haus in Sligo, das sie sich nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus gekauft hatte. Ihren Wohnsitz in Spanien hatte sie verkauft und ihr Entschluss, für immer in Irland zu wohnen, stand fest. Der neue Job gefiel ihr auch, obwohl sie manchmal ihre alten Arbeitskollegen vermisste. Der Alltag war zurück gekehrt. Sie war wieder glücklich, auch in der Liebe. Sie und Kian hatten sich nach dem schrecklichen Vorfall immer öfter getroffen und irgendwann lieben gelernt. Alles war wieder normal, bis zu dem schicksalhaften Mittwoch im Oktober. Rose musste lange arbeiten, da sie ihren Artikel unbedingt noch fertig bekommen musste. Als sie auf die Uhr sah, erschrak sie. Es war schon kurz vor 0:00 Uhr und sie musste schnellstens nach Hause. Draußen regnete es in Strömen und Rose verschwand schnell in ihrem Auto. Das Wetter war schrecklich. Der Regen wurde immer stärker und sie konnte vor Nebel fast gar nichts mehr erkennen. Zu guter letzt verpasste Rose auch noch die Einfahrt und fuhr weiter. "Mist", dachte sie. "Ich glaube ich blicke hier gar nicht mehr durch." Verzweifelt suchte sie ihren Reiseführer, als sie plötzlich stark auf die Bremse treten musste. Vor ihr auf der Straße stand ein Reh. Rose hatte zu spät reagiert und riss das Lenkrad scharf nach rechts und landete im Graben. Geschockt stieg sie aus ihrem Auto aus. Mit einer Taschenlampe in der Hand suchte sie das Reh, doch es war verschwunden. Einerseits war sie erleichtert, dass das Tier nicht tot war, andererseits lag ihr Auto im Graben und hier draußen im Dunkeln war keine Menschenseele zu sehen. Rose entschied sich die Straße bergab zu gehen. Irgendwann müsste sie ein paar Häuser erreichen, wo sie freundlich nach einem Telefon fragen würde. Warum hatte sie ausgerechnet heute ihr Handy vergessen? Mit schnellen Schrittes lief sie die Straße entlang und blieb nach ein paar Minuten schreiend stehen. Unter ihr war der Abgrund. Hier war sie schon mal. Es sind die Klippen, wo sie sich vor einem Jahr das Leben nehmen wollte und Mark sie von dieser dummen Tat rettete. Schnell ging sie fünf Schritte zurück und starrte auf das tosende Meer. Sie hatte Angst und wollte so schnell wie möglich hier weg. Gerade hatte sie alles vergessen und wollte nicht wieder an alles schreckliche erinnert werden. Rose drehte sich um und war bereits am rennen, als sie in der Ferne ein weißes Licht sah. Sie blieb stehen. Was war das? Es kam näher und Rose hielt sich ihre Hände vor die Augen, weil es sie extrem blendete. Plötzlich war wieder alles dunkel. Rose war wie erstarrt. Dieser Ort war unheimlich und sie wollte schnell weg von hier. Sie drehte sich um fing lauthals an zu schreien. Vor ihr stand ein Mann und Rose spürte die Angst, die sich in ihrem Körper ausbreitete.

26.
Rose ging einen Schritt zurück und schrie: "Gehen sie weg, lassen sie mich in Ruhe. Ich weiß nicht, was ich ihnen getan habe, aber lassen sie mich am leben." Weinend fiel Rose auf die Knie und hielt sich ihre Hände schützend vors Gesicht. Es war still. Zu still. Sie stand langsam auf und sah sich um.
Wo war dieser Mann? "Immer noch so ängstlich, Rose?"
Schockiert drehte sich Rose um und sah in das Paar wunderschöner hellblauer Augen. "Nein....das kann nicht sein...." Sie trat zwei Schritte weg.
"Ich träume.....nein...ich weiß...ich bin tot!" Der Mann lachte und stand jetzt genau vor ihr. "Du bist hellwach Rose!"
Er stand vor ihr. Sein Gesicht war wunderschön wie immer. Seine Augen strahlten und seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.
"Das war eben sehr knapp, Rose. Pass besser auf beim Fahren!" Entsetzt schrie sie ihn an. "Musst du gerade behaupten.....Mark!" Sein Lächeln verschwand und er funkelte sie böse an. Wütend griff er ihren Arm und zog sie an sich.
"Sag so was nie wieder!" Er ließ sie los und Rose fiel zu Boden. Sie war geschockt. Wieder konnten sie sich berühren und er stand lebendig vor ihr. "Warum bist du hier Mark? Du bist tot!" Mark stand mit dem Rücken zu ihr und sie konnte sein Gesicht nicht sehen. "Also hat Kian dir alles erzählt?"
"Das kann man laut sagen. Was denkst du? Alle hielten mich für verrückt. Auch wenn Kian es nie sagte, er wusste, das ich mir diese Geschichte ausgedacht haben muss. Jeder...ja...jeder dachte ich sei verrückt. Wie konntest du mir so was antun Mark. Wieso?" "Ich habe dir geholfen, Rose. Wäre ich an dem einen Abend nicht hier gewesen, wärst du gesprungen, hab ich Recht?" Er zeigte den Abgrund hinunter und drehte sich zu ihr um. "Steh auf Rose. Sofort!" Langsam erhob sie sich vom Boden und sah ihn an. "Kian ist wundervoll, nicht wahr?"
Misstrauisch schaute Rose Mark von der Seite an. Sie muss verrückt sein. Er war es. Hundertprozentig! Aber wie kann ein toter Mensch neben ihr stehen?"
"Warum sollte ich das nicht, Rose?" Überrascht über seine Frage drehte sie sich weg. "Ich kann deine Gedanken lesen. Schon seit wir uns das erste Mal gesehen haben." Rose schüttelte den Kopf. Sie muss träumen. "Du träumst nicht, Rose!"
Schockiert schrie sie an. "Lass mich in Ruhe, Mark Feehily. Erst erscheinst du in meinem Leben und ich hatte gedacht, ich würde dich lieben und jetzt hatte ich dich vergessen und plötzlich stehst du wieder vor mir. Was soll das?"
"Erstens hast du mich nicht vergessen. Das ganze Jahr nicht. Hat Kian deine Tränen gesehen? Wie du dich fast jede Nacht in den Schlaf geweint hast?"
Er sah sie fragend an. Rose war überfordert und schaute verlegen zu Boden. Warum tut er das? "Deine Liebe zu mir, war nur von kurzer Dauer, weil du für Kian bestimmt warst." Jetzt wurde Rose einiges klar. "Ach, dann warst du also der Liebesbote der uns zusammen führen sollte? So ein Quatsch Mark. Ich glaube dir kein Wort mehr. Gar nichts mehr!" Sie war wütend und wusste nicht, ob sie am Leben war oder tot. Mark war tot. Sie hatte es gelesen. Sie war an seinem Grab. Mark schaute sie an. "Du weißt gar nichts Rose. Gar nichts."
Ihre Blicke trafen sich und Rose wusste, das ihre Liebe zu ihm nicht erloschen war, auch wenn sie Kian liebte. "Gib mir deine Hand. Ich will dir etwas zeigen!"

27.
Mark streckte Rose seine Hand entgegen und sah ihr in die Augen. "Bitte, ich muss dir so vieles erklären!" Rose war verwirrt, aber auch wütend. Wie kann er nach einem Jahr einfach wieder auftauchen. Gerade war ihr Leben wieder so wie früher und jetzt erscheint er und bringt wieder alles durcheinander.
"Ich traue dir nicht, Mark. Du bist tot und kannst nicht neben mir stehen."
Mark zog seine Hand zurück. Er sah sie an. "Ja, ich weiß Rose. Ich bin tot!
Schon seit langer Zeit!" Rose schaute auf das Meer. "Und warum stehst du dann neben mir? Warum kann ich dich sehen, dich berühren...einfach alles?"
Mark suchte nach einer passenden Antwort. "Weißt du, dass ich auf diese Frage keine Antwort habe?" Ihre Blicke trafen sich. Rose wusste nicht, wie sie jetzt reagieren sollte. Das kann doch alles nicht wahr sein. Die Stille war unerträglich. Nur das Meer war zu hören, wie die Wellen gegen die Klippen schlugen. "Warum bist du wieder hier, Mark?" Fragend sah sie ihn an. "Ich hatte dir doch versprochen, dass wir uns nocheinmal sehen, schon vergessen?" Rose schüttelte den Kopf. "Nein, aber wie sollte das gehen, wenn du tot bist. Ich habe dein Grab besucht, Mark." Wieder trafen sich ihre Blicke. "Ich weiß", flüsterte Mark. "Vertrau mir bitte!" Wieder streckte er seine Hand in ihre Richtung. Zögernd umschloss Rose sie und Mark lächelte.

28.
Rose fühlte wie sich eine wohltuende Wärme in ihr ausbreitete. Es tat gut in seiner Nähe zu sein. Sie wusste nicht, wie lange sie dort stand....aber sie hatte immer Marks Hand umschlossen. Langsam öffnete sie die Augen und war erstaunt. Der heftige Regen hatte aufgehört und am Himmel sah sie den leuchtenden Vollmond. Rose sah an sich herunter und bemerkte, dass ihre Kleidung vollständig getrocknet war. Sie drehte sich in Marks Richtung und schaute in ein lächelndes Gesicht. Stotternd fragte sie: "Warst du das? Ich meine das mit dem Regen.....?" "Hush....!" Sanft hielt er ihr seinen Finger vor die Lippen. Wieder lächelte er. "Vielleicht. Such dir was aus!" Immer noch seine Hand umschlossen gingen sie ein Stück weiter nach rechts und blieben stehen. Mark atmete tief ein. "Hier stand ich und war völlig verzweifelt. Alles hatte sich gegen mich verschworen und ich war allein. Ich wollte nicht mehr hier auf dieser ungerechten Welt leben....ohne meine Anne. Ich wollte wieder bei ihr sein." Mark sah Rose an, die ihn entgeistert anschaute. "Ich bin gesprungen, weil ich keinen anderen Ausweg sah." Mark kniete sich auf den Boden und begann die Erde langsam aufzugraben. Rose verstand nicht, was das alles sollte. Sie sah ihm aber trotzdem interessiert zu, obwohl sie nicht wusste, was er suchte. Doch Mark wurde fündig und stand wieder auf. In seiner Handfläche lag eine wunderschöne Kette. "Warte, sie ist sehr dreckig."
Er strich mit seiner anderen Hand langsam über den Anhänger und plötzlich strahlte sie wie neu. Rose war sprachlos. "Wie.....wie...machst du das?" Mark schüttelte den Kopf. "Das ist unwichtig, Rose!" Er öffnete ihre Hand und legte die Kette in ihre Handfläche.
Sanft drückte er sie zu. "Bitte behalte sie! Du bist die einzige, die es verdient, sie zu haben!" Rose war immer noch sprachlos. "Komm. Ich will dir noch mehr zeigen." Wieder umschloss er lächelnd ihre Hand.

29.
Wieder schloss Rose ihre Augen und spürte diese vertraute Wärme, wenn Mark in ihrer Nähe war. "Mach deine Augen auf, Rose!" Rose konnte nicht glauben, wo sie waren. Beide standen in dem Wohnzimmer von Marks Haus. Rose strahlte. Alles war wie früher. Das Sofa, der Kamin...alles war da. Rose lief die Treppe hinauf zur Küche. Auch hier hatte sich nichts verändert. Der alte Holztisch stand mitten im Raum. Auf ihm eine Vase mit Tulpen. Rose konnte es nicht glauben. "Ich wusste, das du dich an diesem Anblick noch mal erfreuen würdest." Rose drehte sich mit Tränen in den Augen um und sah Mark lächelnd an der Wand lehnen. Sein Gesicht war ebenmäßig schön und seine Augen strahlten heller als sonst. Rose spürte dieses Verlangen in ihrem Körper. Sie hatte gehofft diesen Mann vergessen zu können. Doch nichts konnte diese Lust auf ihn stoppen. Innerlich lächelte sie. "Wie hast du das gemacht, Mark?" Fragend sah sie ihn an. Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln. "Magie!".
Er trat einen Schritt auf sie zu und legte sanft seinen Arm um ihre Hüfte. "Glaubst du an Magie, Rose?", hauchte er ihr ins Ohr. Rose spürte die Erregung in ihrem Körper. "Warum macht er das? Er weiß genau, was er mit mir anstellt, wenn er das weiter macht. Er kann meine Gedanken lesen!", dachte Rose sich. Ihre Blicke trafen sich und Mark grinste. "Genau, Rose. Ich weiß, was du denkst. Ich spüre, dass du dich mir voll und ganz hingeben würdest! Ich sehe das Verlangen in deinen Augen." Mark trat einen Schritt weiter nach vorne und Rose stieß an den Tisch. "Mark, nein....Hör bitte auf! Du kannst nicht......!"
Er legte seinen Finger auf ihren Mund. "Was kann ich nicht Rose? Ich sehe, wie du deine Lust und deinen Drang unterdrückst. Du bist eine schlechte Schauspielerin." Zärtlich strich er über ihre Unterlippe. Rose schloss ihre Augen. Sie konnte sich nicht wehren. Dieser Mann machte sie kraftlos und wahnsinnig zugleich. "Was mache ich nur?", dachte Rose, während Mark sanft ihren Hals küsste. Rose krallte sich an seinem Hemd fest, weil sie sonst umfallen würde. "Ich liebe doch Kian!" Mark stoppte und sah sie an. Seine blauen Augen strahlten. "Wenn du ihn liebst Rose, dann stoße mich weg. Sag ich soll aufhören. Nur dann liebst du ihn wirklich!" Rose fühlte sich in die Enge getrieben. Ja, sie liebte Kian wirklich, aber Mark begehrte sie mehr als alles andere auf dieser Welt. "Was soll ich machen, Mark?" Fragend schaute sie ihn an. "Kian ist wundervoll, aber.......!" "Hush now...! Ich weiß, was passiert Rose, wenn ich dich jetzt küsse, ist alles vorbei, weil du nicht mehr klar denken kannst. Ich glaube dir, dass du Kian liebst, aber du könntest mir nicht widerstehen. Lass es, wenn Kian dir wichtig ist." Mark trat einen Schritt weg und lehnte sich an den Kühlschrank. Fordernd sah er sie an. Rose war überfordert und total verwirrt. Warum macht er das?
"Ich....ich....". Rose versuchte etwas zu sagen, brachte aber nichts heraus. Mark zog eine Augenbraue hoch und wartete. Mit offenem Mund sah sie ihn an. Sie wollte ihn, jetzt....Kian würde es nie erfahren. Rose ging auf Mark zu und schaute ihm direkt in die Augen.

30.
"Mark...", flüsterte sie. "Ich will dich spüren. Nur einmal. Hier und jetzt.
Vergiss alles andere für einen Moment!" Mark sah sie an. "Glaubst du das ich das kann?" Fragend sah er sie an. "Ich weiß nicht!" Lange schauten sie sich an.
"Ich muss dir was sagen, Rose...ich....!" Marks Stimme verstummte, als Rose ihn küsste. Sie umschloss seinen Nacken und Mark schien überrascht. Ihre Lippen lösten sich. Rose sah ihn an. Marks Augen funkelten. "Das hättest du nicht tun sollen. Jetzt kannst du dich nicht mehr drücken." Seine Arme legten sich um ihre Hüften und er legte sie auf den Tisch. Er beugte sich über sie. "Sag Kian, dass es mir leid tut!" Rose verstand nicht, aber sie brauchte nicht zu denken. Mark küsste sie leidenschaftlich und Rose spürte die unaufhaltsame Lust ihn zu spüren. Sie strich ihm durch sein schwarzes Haar und streifte ihm sein weißes Hemd vom Oberkörper. Seine Hand strich über ihren Hals und endete an dem Knopf ihrer Bluse. Er öffnete jeden Knopf ganz langsam, weil er merkte, das Rose immer ungeduldiger wurde. Es reizte ihn, sie so nervös zu machen. Wieder küssten sie sich und Roses Puls raste in die Höhe. Ihre Gefühle spielten verrückt, als er sanft mit seinem Finger über ihren Körper glitt. Seine Haut war warm und weich und bald trennte sie nur noch ein Hauch von Stoff voneinander. Mark stoppte. "Was ist?", flüsterte Rose. Mark schaute auf sein Symbol auf dem Arm. Rose entdeckte wieder die Gravur mit dem Kreuz und den Engelsflügeln. "Nichts Rose. Es ist alles wunderbar!" Mark strich ihr den letzten Stoff vom Körper und lächelte sie an. Er kam mit seinem Kopf ganz nah an ihrem und flüsterte. "Ich danke dir Rose!"
I’m gonna take this moment and make it last forever
I’m gonna take this night and make it evergreen.
Rose schloss ihre Augen, als sie seinem Gesang horchte. Er war so wundervoll. "Schau mich an Rose!" Sie öffnete die Augen und sah in sein strahlendes Gesicht. Auch sie lächelte. Plötzlich zuckte ihr Körper und sie folgte seinen gleichmäßigen Bewegungen. Wieder spürte sie diese Wärme in ihrem Körper. Aber diese Wärme war anders. Unbeschreiblich schön. Sie krallte sich an Marks Rücken fest und keiner von beiden sah die Sternschnuppe am Himmel, die verglühte, als beide ineinander verschmolzen und sich näher waren, als jemals zuvor.

31.
Rose öffnete ihre Augen und sah in Marks Gesicht. Er lächelte. Sie fühlte sich glücklicher als jemals zuvor und lächelte zurück. Mark rutschte vom Tisch und Rose sah an die Decke. Ihr Dauergrinsen wollte nicht mehr verschwinden.
"Alles okay, Rose?" Mark schaute sie fragend an, während er sein Hemd zuknöpfte. "Ja. Mir geht es wundervoll." Mark strich ihr über die Wange und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen. "Mir auch!" Er ging zum Spiegel und musste über seine verwuschelten Haare lachen. Auch Rose grinste und zog sich ihre Anziehsachen an. "Komm Rose!", sagte Mark, als sie fertig war. Wir müssen los." Rose folgte ihm nach draußen. "Gib mir deine Hand und schließ deine Augen." Rose gehorchte und als sie ihre Augen öffnete waren sie wieder auf den Klippen. Mark stand vor ihr. Er war blass. Rose erschrak. "Mark, was ist los? Geht’s dir nicht gut?" Er lächelte. "Doch Rose. Mir geht es wunderbar. Das habe ich dir zu verdanken." Er lächelte. Er streifte seinen Ärmel hoch und Rose sah die Gravur. Sie hatte sich verändert. Zu sehen war ein Engel mit wunderschönen Engelsflügeln. Rose schaute in Marks Augen, die sich mit Tränen füllten. "Was ist Mark?" Mark schluckte. "Du hast mir durch deine Liebe, die du mir letzte Nacht geschenkt hattest, das gegeben, was mir noch fehlte. Meine Aufgabe hier auf der Erde ist erfüllt, Rose und das habe ich dir zu verdanken." Er sah sie an. "Kian kann sich glücklich schätzen so eine wunderbare Frau zu haben." Rose liefen Tränen über die Wangen. "Ich bin dir so dankbar Rose. Durch dich bin ich endlich wieder bei ihr." Rose war traurig. Musste er sie jetzt schon wieder verlassen? "Rose. Ich kann dir meine Gefühle nicht beschreiben. Ich liebe Anne über alles, aber meine Liebe zu dir ist nicht weniger stark. Hätten wir uns unter anderen Umständen getroffen. Früher, als ich noch lebte." Er sah Richtung Himmel. "Rose, ich bereue meine Tat. Mein Leben so leicht weg geworfen zu haben, war ein Fehler. Man kann neu anfangen, wenn man es will. Doch ich hatte nicht den Mut dazu. Bitte behalte mich in Erinnerung." Rose weinte auch und ihm liefen Tränen über die Wangen. Er ließ ihre Hand los und sang:
On Angel’s wings, an angelical formation
Angel’s wings, like letters in the sky,
Now I know no matter what the question
Love is the answer
It’s written on angel’s wings.
Mark wurde immer blasser und heller. Rose wollte nicht, das er geht.
"Mark bleib hier, bitte!"
Das letzte was sie sah, war Marks Lächeln und ein heller Schein, der sie so blendete, das sie die Augen schloss.

32.
"Rose...Rose....! Hörst du mich?" Schwach öffnete sie die Augen und sah in das Gesicht von Kian, der neben ihrem Bett saß. Rose war verwirrt. "Kian...was ist los? Wo bin ich?" Kian lächelte. "Du hattest einen Autounfall Rose und lagst im Koma. Die Ärzte hatten dich schon aufgegeben, aber ich wusste, das du wieder aufwachen würdest." Roses Kopf brummte. "Ich....ich...und....!" "Pst....der Arzt hat gesagt du sollst dich noch nicht so anstrengen."
Sanft strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht. "Ich muss jetzt noch zu einem wichtigen Termin, aber ich komme heute Abend noch mal wieder." Er küsste sie sanft auf den Mund und verließ das Zimmer. Rose schloss die Augen. Was war hier los? Wenn sie im Koma gelegen hatte, dann....muss sie die ganze Geschichte geträumt haben. Nein, das konnte nicht sein. Es war alles so wahr. Er war ihr so nah! Weinend vergrub sie ihren Kopf im Kissen. Alles nur geträumt? Traurig schlief sie ein.

33.
Nach über einer Woche konnte Rose das Krankenhaus verlassen. Sie war immer noch sehr verwirrt und das merkte auch Kian. "Geht es dir wirklich so gut, das du heute schon gehen kannst?" Rose nickte. "Ich warte unten auf dich, okay?" Er hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und ging Richtung Treppe. Gedankenversunken räumte sie ihre letzten Sachen in die Tasche. Immer noch hatte sie nicht viel gesprochen. Ihre Gedanken kreisten um Mark. Sie konnte nicht glauben, wieder alles nur geträumt zu haben. Sie schüttelte ihre Decke auf und war gerade dabei das Zimmer zu verlassen, als sie unter dem Bett ein Blitzen sah. Sie ging zurück und schaute unter das Bett. Mit ihrer rechten Hand griff sie suchend darunter und erreichte mit ihrer Fingerspitze das Metallobjekt. Sie umfasste es und stand vom Boden auf. Geschockt hielt sie sich die linke Hand vor den Mund. Nein! In ihrer Hand lag Marks Kette, die er ihr auf den Klippen geschenkt hatte. Sie konnte ihre Tränen nicht unterdrücken. Langsam drehte sie das Kreuz um: You’re in the arms of an angel, may you find some comfort here.... Marcus Michael Patrick Feehily
Rose hielt sich an dem Bett fest und lächelte. Sie hatte es doch nicht geträumt. Sie hörte ein Autohupen und schloss die Tür des Zimmers. Rose schaute auf das Kreuz und sagte: "Mark Feehily. Ich werde dich nie vergessen!!!"


© Isabelle Horn
Written: 03.04 - 27.04.04