1.
"Liebe Capital-FM Hörer. Nun die aktuellen Staumeldungen. Auch wenn es
nur zwei Meldungen sind, werden die Leute, deren Strecke betroffen ist, gleich
genervt den Kopf schütteln. Auf der Strecke Main Road Richtung Sligo befindet
sich ein brennendes Fahrzeug auf der Fahrbahn. Dadurch 12km Stau. Auf der Michigan
Road...."
Rose drückte genervt den Off-Knopf ihres Radios, damit sie das nervige
Gerede nicht mehr ertragen musste. Die Sprecherin hatte Recht, das viele Autofahrer
den Kopf schütteln würden. Auch sie war auf der Main Road Richtung
Heimat: Sligo. Sie öffnete das Fenster, nachdem sie gezwungener Maßen
anhalten musste. "Warum muss ich ausgerechnet jetzt in einen Stau kommen?" Rose
schaute Richtung Himmel und sah viele dunkle Wolken aufziehen. Wie froh war
sie, wieder hier zu sein. "Bestimmt fängt es gleich wieder an zu regnen.
Daran muss ich mich erst wieder gewöhnen!" Ihr Mund verzog sich zu einem
Lächeln. Gerade hatte sie die Worte ausgesprochen, fiel ihr der erste Regentropfen
auf die Nase. "Typisch Irland! In Spanien ist man keinen Regen gewohnt." Rose
war Irin, lebte aber seit sie 20 war in Spanien. Mit 19 bekam sie die Chance
ihres Lebens als Journalistin in einer der wichtigsten Redaktionen Spaniens
zu arbeiten. Damals war es ihr Traum gewesen, endlich aus Irland raus zu kommen
und die Welt zu entdecken. Da kam ihr das Angebot aus Spanien Recht und sie
nahm den Job an, ohne an die Zukunft zu denken: An ihre Familie und an das Heimweh,
das sie irgendwann wieder zurück führen würde. Irgendwann...
Das Irgendwann war heute.
Doch Irland hatte sie schon vor 2 Jahren wieder eingeholt, denn genau vor 2
Jahren verbrachte sie ihren Urlaub hier und traf ihre große Liebe. Auch
er war Journalist, schrieb seine Artikel aber für eine englische Zeitung.
Sein Name war Jason Backers. Jason hatte alles, was sich eine Frau nur wünschen
konnte. Er war gebildet, reich und hatte Sexappeal. Andere Frauen würden
Rose um ihn beneiden. Ja....sie weiß das es viele tun. Da musste sie nur
an ihre Freundinnen aus Spanien denken, die sofort Feuer und Flamme für
ihn waren, als sie ihnen das Foto zeigte. Rosanna, die eigentlich nur auf rassige
Spanier stand, war begeistert von diesem zauberhaften Iren. Rose musste lächeln,
als sie an ihre Freundinnen dachte. Sie vermisste alle von ihnen jetzt schon.
Da sich ihre Laune gebessert hatte, schaltete sie das Radio wieder an. Sie summte
zu dem Gute-Laune-Lied, während sie ihren Motor startete und langsam weiter
fuhr. Weit entfernt konnte sie das Chaos sehen, das den Stau verursachte und
schaute auf die Uhr. Es würde knapp werden.
2.
Mit einer halben Stunde Verspätung fuhr Rose ihren Wagen in die Einfahrt
und hielt vor der tiefblau gestrichenen Garage. Sie atmete tief ein und stieg
aus. Das Haus war schöner, denn je und sofort ins Auge fiel die rote Tür.
Bei näherem Hinsehen konnte man kleine, tiefe Schnitzereien entdecken,
die die Tür mit dem Satz: <The best place on earth> verzierten. Das
tiefbraune Holz, aus dem das Haus bestand, duftete wie ein Stück Wald und
Rose schloss die Augen für eine Weile und merkte, wie ihr Herz einen kleinen
Hüpfer machte. Sie öffnete schnell ihren Kofferraum, holte die Reisetasche
raus und lief Richtung Tür. Auch wenn Rose einen Schlüssel besaß,
wollte sie nicht unhöflich erscheinen und klopfte zweimal kräftig
an die Tür. Sie wartete auf ein Aufspringen oder eine Bewegung im Haus,
doch im Haus blieb es still. Rose kramte in ihrer linken Hosentasche nach dem
Zweitschlüssel und öffnete die Tür. Im Flur war es hell und freundlich
und sie stellte ihre Tasche auf den Boden. Sie schaute sich um und war überrascht.
War Jason nicht zu Hause? Rose ging Richtung Wohnzimmer und öffnete die
Tür. Nichts. "Vielleicht ist er oben im Arbeitszimmer," dachte sie sich
und stieg die Treppe hinauf. Sie blieb mitten im Flur stehen, da sie Stimmengemurmel
aus dem Schlafzimmer hörte. Hatte Jason Besuch? Nicht im Traum hätte
Rose an diese Situation gedacht, als sie die Tür zum Schlafzimmer öffnete.
Ihr Jason vergnügte sich mit einer anderen Frau im Bett. Ihren Mund bekam
Rose nicht mehr zu. Wie lange stand sie da? Sie wusste es nicht. Sie sah Jason,
diese Frau, die sie noch nie gesehen hatte und beide schienen viel Spaß
miteinander zu haben. Rose erwachte wieder aus ihrem Schock und lief schnurstracks
auf das Bett zu und zog Jason die Decke vom Körper. "Kannst du mir sagen,
was das soll?" Die Frau machte sich mit einem lauten Gekreische bemerkbar, während
sie schützend die Decke vor ihren Körper hielt. Jason dreht sich um
und sah sie an: "Rose,...was machst du denn schon hier? Ich glaubte dich erst
morgen zu erwarten." "Da hast du falsch gedacht, Mister Backers." Ihre Stimme
wurde lauter und ihr Körper sprach Bände. "Was macht diese Frau mit
dir im Bett? Jason sag es mir!"
Rose strich sich wütend eine rote Strähne aus dem Gesicht und starrte
Jason mit ihren funkelnden braunen Augen an. Zu ihrer Überraschung schien
Jason sehr gelassen und fing sogar an zu grinsen. "Rose, meine Liebe. Ich hätte
dir morgen alles erklärt, aber die kleine Rose muss ja alles selbst herausfinden.
Selbst Schuld, wenn du nicht bis zum vereinbarten Termin warten kannst, aber...."
Rose unterbrach Jason mit einem schrillen Warnpfiff. "Hör bitte auf um
den heißen Brei zu reden. Jason sag mir was mit dieser Frau ist!" Rose
zeigte mit ihrem Finger auf die immer noch verängstigt aussehende Frau
mit der Decke vor ihrem Körper. "Schön Rose, wenn du willst. Das ist
Jessica Miller. Meine neue Freundin." Rose glaubte nicht richtig gehört
zu haben und Jason erkannte dies an ihrem Gesichtsausdruck. "Ja, Rose. Jessica
und ich sind zusammen. Ich hätte es dir morgen sowieso erzählt."
Rose verbarg ihre Tränen und sah beide an.
Wie konnte Jason sie nur so verletzen? Sie hätte sich eine wundervolle
Zukunft mit ihm vorstellen können. Extra für ihn hatte sie einen wichtigen
Auftrag abgesagt, nur um nach Irland zu kommen. Verteidigen konnte sie sich
im Moment nicht. Ihr Körper war steif, ihr Mund trocken und ihr Kopf leer.
"Dann....dann....werde ich mich mal wieder auf den Heimweg begeben."
Jason nickte und Rose drehte sich um und verließ den Raum. Sie rannte
die Treppe hinunter und schnappte sich die Tasche vom Fußboden. Die Tür
wurde aufgeschmissen und Rose rannte aus dem Haus auf den Vorhof und schloss
die Augen. Sie atmete tief ein. Diesmal fühlte sich ihr Herz schwer und
verletzt an. Tränen liefen über ihre Wangen und sie musste ein Schluchzen
unterdrücken. Schnell öffnete sie Rose die Autotür und startete
den Motor, als ihr Handy klingelte.
3.
Rose wollte das Klingeln am liebsten ignorieren, aber derjenige, der sie anrief,
schien hartnäckig zu sein. Ihren Kopf in die Hände gestützt sah
sie durch die Frontscheibe auf das Haus. Hatte es in diesem Moment an Schönheit
verloren? Rose schüttelte den Kopf. Sie war einfach zu sehr verletzt und
wütend, dass jetzt jeder Gegenstand schrecklich erschien. Das immer noch
andauernde Klingeln ihres Handys riss sie aus ihren Gedanken. "Es muss ja echt
wichtig sein," dachte Rose genervt, als sie die unterdrückte Nummer annahm.
"Ja, Rose McKenzey."
"Rose, meine Liebe. Wie ist das Wetter auf der grünen Insel?" "Ach, sie
sind es!" José Santiago war ihr Chef. Ein sehr talentierter und ehrgeiziger
Mann. Außerdem war er einer dieser Männer, der jede Woche Abwechslung
bei Frauen brauchte. Kurz gesagt: Ein Macho hoch drei. Rose fand ihn trotzdem
sehr nett.
"Wie soll das Wetter sein?", antwortete Rose. " Es ist regnerisch, so wie es
in Irland immer ist." "Ach, Rose wie kannst du nur freiwillig nach Irland gehen,
wenn hier in Spanien die Sonne ununterbrochen scheint?" Rose wusste darauf keine
Antwort. War sie doch nur wegen Jason wieder gekommen oder noch wegen einem
anderen Grund? Rose wechselte das Thema. "Was macht die Arbeit? Läuft noch
alles ohne mich? José musste lachen. " Ach, Rose. Ich muss gestehen,
ohne dich läuft es sogar sehr gut. Das ist auch der Grund warum ich anrufe!"
Rose stockte und atmete tief ein. "Was soll das bedeuten?"
"Tja, Rose schon seit längerer Zeit ist mir aufgefallen, das deine Zeitungsartikel
nicht mehr die richtige Wirkung auf unsere Leser haben. Kurz gesagt. Sie interessieren
sich nicht mehr für dich und deine Themen und blättern über zur
nächsten Seite." Rose schloss ihre Augen und sprach: "Werde konkret und
sag mir, was das für meine Zukunft zu bedeuten hat!" Eine Stille machte
sich auf dem anderen Ende der Leitung bemerkbar. " Rose, ich habe von Katie
einen Artikel veröffentlich und die Leser sind begeistert von ihr." Rose
ballte ihre Finger zu einer Faust und konnte nicht glauben, das ihre Erzfeindin
Katie ihren Posten übernommen hatte. Sie war sprachlos. "Rose? Bist du
noch da?"
Rose öffnete das Fenster ihres Wagens und atmete die frische Brise tief
in ihre Lunge ein. "Heißt das du kündigst mir?" Wieder trat ein Schweigen
ein.
"Ja, Rose. Ich muss dir unseren Vertrag kündigen, auch wenn es mir schwer
fällt. Es tut mir so leid, aber ich kann die Leser nicht umstimmen und
ich mache auch nur meinen Job." Rose war verzweifelt und Tränen liefen
ihr übers Gesicht. Wie sehr hatte sie diesen Job geliebt und jetzt wurde
ihr knallhart gesagt, man würde sich nicht mehr für ihre Artikel interessieren.
Die Artikel, in die sie so viel Arbeit steckte. Alles war vorbei! "Rose ich
kann dir einen anderen Job besorgen, aber so wie ich dich kenne, wirst du meine
Hilfe nicht annehmen wollen!" "Ja, da hast du Recht. Ich schaffe das auch ohne
dich. Machs gut, José und vielleicht bis irgendwann." "Wiedersehen, Rose!"
Das letzte was sie hörte, war das Tuten in der anderen Leitung und auch
sie legte auf.
4.
"Was war das heute eigentlich für ein beschissener Tag?
Erst erwische ich Jason flagranti mit einer anderen Frau, die er mir schon als
seine neue Freundin vorstellt und mich vor ihr auch noch bloß stellt und
dann nichts ahnend wird mir auch noch mein Job gekündigt, weil meine Artikel
uninteressant geworden sind. Schlimmer kann es nicht mehr werden!"
Rose fuhr aus der Einfahrt und bog auf die Silver Street ab.
"Habe ich irgendjemanden etwas angetan, dass ich so bestraft werde? Habe ich
Gott gedemütigt?" Rose hielt an der nächsten Ampel an und schaute
Richtung Himmel. Verneinend schüttelte sie den Kopf. Die Ampel wechselte
wieder auf Grün und Rose trat auf das Gaspedal. Leider hielt ihre Pechsträhne
weiterhin an!
Nach ein paar gefahrenen Metern hörte sie einen lauten Knall aus dem Motor
und der Wagen blieb auf der Stelle stehen. Rose konnte es nicht glauben und
schlug wütend auf das Lenkrad. "Was ist das eigentlich für ein scheiß
Tag?" Sie stieg aus und öffnete die Motorhaube. Stechend riechender Qualm
stieg ihr entgegen. Mit kaputten Autos kannte sie sich überhaupt nicht
aus. Früher war Jason immer derjenige gewesen, der ihr Auto reparierte.
Aber jetzt konnte sie auf ihn auch verzichten. Sie schaute sich um. Niemand
war zu sehen, der ihr hätte helfen können. Rose nahm ihre Tasche und
lief los. Sie rannte die Straße entlang und wurde immer schneller. Der
Himmel füllte sich mit grauen Wolken und keine Sekunden später war
der erste Donner zu hören. Rose aber lief immer weiter. Die ersten Regentropfen
fielen auf sie herab und sie fing an zu weinen. Noch nie hatte sie an einem
Tag so viel geweint. Noch nie wurde ihr so viel Schmerz wie heute zugefügt.
Der Regen war kalt und wurde immer stärker. Er peitschte Rose ins Gesicht.
Doch sie spürte diesen stechenden Schmerz nicht. Ihre langen Haaren hingen
ihr wild und zersaust im Gesicht und ihre Wimperntusche war vom vielen Weinen-und-Regengemisch
verschmiert. Ihre Kleidung klebte nass und kalt an ihrem zitternden Körper.
Rose fühlte sich allein gelassen. Aufeinmal bleib sie stehen und schaute
vor sich.
Sie war an einer riesigen Klippe angekommen und sah nach unten, wo die tosenden
Wellen gegen die Felsen schlugen. Rose drehte sich um und bemerkte, das die
Straße hier endete. Wo war sie? Der Regen wollte nicht aufhören und
Rose trat an die Klippen. Ihr Gedanken kreisten um das eine Wort, das ihr eben
in den Sinn kam: <Selbstmord>! Was hatte das Leben noch für einen
Sinn, wenn man alles verliert, was einem wichtig war und nicht mehr die Kraft
hatte, noch mal neu anzufangen. Vielleicht wollte sie gar keinen Neuanfang wagen.
Warum wurde ihr alles genommen, was sie zum Leben brauchte? Angst, Trauer, Wut
und Verzweiflung sammelten sich in ihr an und sie ging einen Schritt weiter....
einen Schritt Richtung Abgrund. "Einfach noch einen Schritt nach vorne, Rose.
Dann bist du frei. Von allen Problemen befreit. Weg von dieser ungerechten Welt
gefüllt mit Hass und Leid." Der kalte Wind schlug ihr ins Gesicht und sie
breitete ihre Arme aus. Wie immer wenn sie Angst hatte, schloss sie ihre Augen.
Vor ihren Augen sah sie ihre Familie, ihren Hund, ihre Freundinnen, wie sie
Rose fröhlich zuwinkten. Sie sah ihr Haus in Spanien. Wie liebevoll sie
dieses alte Haus herrichtete und wie stolz sie auf sich war. Wollte sie das
alles aufgeben? Langsam richtete sie ihren Körper nach vorne und war kurz
vor dem Sprung in den Tod, als eine Hand sie am Arm packte.
5.
Rose bekam durch diese unerwartete Berührung einen riesen Schreck und verlor
das Gleichgewicht. Sie erwartete jetzt den Abgrund hinunter zu fallen und schloss
ihre Augen. Doch nichts passierte. Die fremde Hand umfasste noch immer ihren
Oberarm und zog sie sanft vom Felsvorsprung weg. Rose öffnete ihre Augen
und sah, dass sie nun zwei Schritte vom Tod entfernt war.
In Sicherheit? Ihre Gedanken sammelten sich und sie war sprachlos, wie sie so
einen Schritt hat wagen können. Noch immer spürte sie die Hand, die
sich aber langsam von ihr löste. "Das war nicht sehr klug von ihnen, ihr
Leben so schnell beenden zu wollen!" Rose zuckte zusammen und drehte sich um.
Vor ihr stand ein etwa 183 cm großer Mann. Er war genauso durchnässt,
wie sie selbst und trug eine Jeans, sowie einen schwarzen Pullover, der seinen
Oberkörper perfekt zur Geltung brachte. "Ich.....ich......kann ihnen nur
danken....", erwiderte Rose stotternd. "Sie haben auch allen Grund das zu tun.
Ohne mich wären sie bestimmt gesprungen und die Welt hätte einen weiteren
Menschen verloren. Wie viele verzweifelte Leute diesen Weg wählen und nicht
an die Folgen dieser Entscheidung denken. Ich selbst stand auch schon an dieser
Stelle. Auch gekränkt und allein. Doch mir hat keiner geholfen!" Der Mann
trat einen Schritt auf Rose zu und erst jetzt sah sie zum ersten Mal sein wundervolles
Gesicht.
Zu erst fielen ihr die strahlend blauen Augen auf, die sie sanft ansahen.
Rose Blick wanderte zu seinem wohlgeformten Mund und sie war begeistert von
diesen vollen Lippen. Seine kurzen schwarzen Haare waren nass, aber er fuhr
sich mit seinen Händen über den Kopf und formte sie nach oben. Er
lächelte sie an. "Ich hasse es, wenn meine Haare so glatt und ungestylt
sind.
Ich bin etwas eitel muss ich zugeben." Wieder grinste er und seine weißen
Zähne kamen zum Vorschein. Auch er sah sich Rose genau an. Ihm fielen die
braunen Augen auf und er war begeistert von ihren langen roten Haaren, von denen
einzelne Strähnen ihr im Gesicht hingen. Auch gefielen ihm die Sommersprossen,
die ihr Gesicht auf wunderschöne Art verzierten.
"Ich dachte, ich kann sie doch nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.
So schnell beendet man sein Leben nicht. Es ist zu wertvoll!"
Rose sah ihn immer noch an. Sie war fasziniert von diesem Mann, obwohl sie ihn
erst seit fünf Minuten kannte. Diese beruhigende Stimme ließ ihr
einen Schauer über den Rücken laufen. Langsam fand sie ihre Stimme
wieder.
"Ich......ich....weiß auch nicht.....wie ich überhaupt so weit gehen
konnte. Ich bin eigentlich eine sehr ängstliche Person, aber ich war so
verzweifelt und verletzt, das ich meine Angst einfach vergessen hatte." Sie
bemerkte, wie der Mann sie mit einer beruhigenden Art anschaute, das sie schon
wieder mitten im Satz aufhörte, weil sie nicht mehr wusste, was sie sagen
sollte. Sie war sprachlos.
"Sie sind nervös, hab ich Recht?" Rose sah ihn an und spürte wie ihr
die Röte ins Gesicht stieg. Der Mann sah das und musste lächeln. Er
machte diese Frau mit seiner Anwesenheit doch echt nervös. "Wie heißen
sie?" "Ich bin Rose,
Rose McKenzey." "Also sind sie Irin, oder? Ihr Nachname verrät das. Ich
habe sie noch nie hier gesehen." "Ich bin Irin,ja," antwortete Rose, "habe meinen
Wohnsitz aber in Spanien. Na ja hatte." Sie schaute traurig zu Boden und er
sah das. "Ich würde sagen ich nehme sie jetzt erst mal mit zu mir nach
Hause. Wir sind schon völlig durchnässt. Nur wenn sie mein Angebot
annehmen, Miss McKenzey!" Er lächelte und reichte ihr seine Hand. Rose
wusste nicht ob sie diesem unbekannten Mann vertrauen konnte, aber er versprühte
so eine angenehme und freundliche Aura, das auch sie ihm ihr Hand gab. Er umschloss
sie sanft. "Gerne, komme ich mit ihnen....äh....Mister....?"
"Nennen sie mich Mark. Mark Feehily."
6.
Rose kannte die Strecke von früher. Wie oft war sie mit ihrem Vater hier
entlang gefahren. Beide wollten zum See, um wie jeden Sonntag, Fische fürs
Abendessen zu fangen. Immer hatte ihr Dad die größeren Fische gefangen.
Doch an diesem einen Sonntag war sie es, die freudestrahlend nach Hause kam
und ihrer Mutter den riesigen Fisch auf den Tisch legte. Ihr Vater war immer
stolz auf sie gewesen. Genauso wie Rose sich nie einen anderen Dad gewünscht
hatte. Doch er hatte sie allein gelassen. Ihr Vater starb bei einem tragischen
Geiseldrama vor neun Jahren. Sie wollte nicht an diese schrecklichen Tage denken
und doch ging ihr das Bild von dem zerstörten Bus und den erschossenen
Menschen nicht mehr aus dem Kopf. Auch ihr Vater war unter den Toten. Ihre Augen
füllten sich mit Tränen, während sie auf den See starrte. Wie
sehr sie ihn doch vermisste! Mark hatte gesehen, wie Rose ihre Tränen unterdrückte,
doch er wollte sie nicht mit Fragen löchern.
Wenn sie etwas erzählen wollte, würde sie das auch ohne fremde Aufforderung
machen. Außerdem was würde das für einen Eindruck machen, wenn
ein fremder Mann sie irgendwelche Sachen fragt, die ihn nichts angehen. Er wandte
seinen Blick von ihr und sah wieder auf die leere Straße. Der Regen hörte
langsam auf und der Mond war hinter den Wolken zu sehen. Sie fuhren an dem See
vorbei und erreichten die Ortseinfahrt von Sligo. "Sagen sie bloß, sie
wohnen hier, Mister Feehily?" Mark sah sie an und versuchte in ihren Augen irgendeinen
Anhaltspunkt für die Trauer von vorhin zu finden. Aber ihre Augen waren
leer und sahen ihn ohne einen Hinweis an. Er lächelte. "Ja, ich wohne in
Sligo, seit meine Mutter mich hier auf die Welt brachte. Ich möchte auch
nirgendwo anders wohnen. Sligo ist der wunderbarste Ort auf dieser Welt." Rose
konnte die Freude in seinem Gesicht sehen, als er anfing von früher zu
erzählen. Er musste eine tolle Kindheit gehabt haben. Wie sie ihn so ansah,
merkte sie nicht, wie Mark langsam ihre Hand suchte und sie auch fand. Er sah
sie mit diesem Blick an, der Rose wieder erröten ließ. "Wie oben
auf den Klippen",dachte Mark sich und lächelte innerlich. Er ließ
ihre Hand los, um den Gang zu verändern und bog in die Straße ein.
"Ich komme auch aus Sligo!"
Mark lachte. "Warum lachen sie mich jetzt aus?", fragte Rose irritiert.
Marks Lächeln verschwand. "Ich lache sie nicht aus, Miss McKenzey. Denken
sie nicht so von mir. Wenn ich lache, lache ich die Menschen an und nicht aus.
Merken sie sich das!" Rose war verdutzt und zugleich bewunderte sie diesen Mann.
Schon von Anfang an war ihr die höfliche Art von ihm aufgefallen. Es gibt
nicht mehr viele Menschen von dieser Sorte. "Es tut mir leid!", murmelte Rose
und sah aus dem Fenster. "Es muss ihnen nicht immer alles leid tun. Merken sie
sich einfach die Sachen, die ich ihnen sage....Rose!"
Das Auto hielt und Rose sah ihn an. Noch kein einziges Mal in den letzten zwei
Stunden hatte er sie Rose genannt, aber sie könnte sich daran gewöhnen.
Mark stieg aus und lief um den Wagen herum, damit er Rose die Tür öffnen
konnte. "Willkommen bei mir zu Hause!" Rose stieg aus und sah sich das Haus
an. Es hatte starke Ähnlichkeit mit dem von Jason, außer das die
Tür weiß und das Haus aus Steinen war. Mark schloss die Tür
auf und führte Rose sofort Richtung Badezimmer. "Hier können sie sich
erst mal heiß duschen. Haben sie noch Anziehsachen zum Wechseln?", fragte
er sie. Rose bejahte die Frage und sie verschwand im Bad. Mark lächelte
und ging die Treppe hinauf, um beiden einen Tee zu kochen.
7.
Rose fühlte sich nach der Dusche wieder richtig gut und öffnete die
Tür. Suchend nach Mark wählte sie einfach die Treppe, die nach oben
führte.
Etwa bei der Hälfte blieb sie stehen. Mark war oben und sang. Rose war
beeindruckt von seiner Stimme. Sie setzte sich auf die Stufe, schloss die Augen
und lauschte seinem Gesang.
Hush now, don’t you cry. There will be a better day. I promise you. We can work
it out but only if you let me know what’s on your mind. Rose, immer noch die
Augen geschlossen, merkte nicht, das sie Mark schon längst entdeckt hatte.
Natürlich sang er weiter, weil er merkte, das es ihr gefiel. Vorsichtig
setzte er sich zwei Stufen über sie und sah sie an, während er das
Ende des Liedes anstimmte. Stille trat ein und Rose öffnete ihre Augen.
Sie spürte, das Mark bei ihr saß und sie beobachtet hatte. "Sie schließen
oft die Augen, hab ich Recht?"
Rose drehte sich zu ihm und nickte. "Ja ich mache das auch Gewohnheit. Wenn
ich Angst habe, wenn ich an etwas denke oder wenn glücklich bin."
"Und was waren sie eben?", fragte Mark sie und sah ihr in die Augen. Rose wurde
heiß und kalt zugleich. Dieser Mann brachte sie um den Verstand.
"Ich war beeindruckt von ihrer Stimme und sie hat sehr beruhigend auf mich gewirkt.
Es war wundervoll!" Mark lächelte. "Sie können wunderbar singen. Sind
sie in einer Band?" Marks Lächeln verschwand plötzlich und er stand
auf. Was sollte er jetzt darauf antworten? Wenn er es ihr sagen würde,
wüsste sie vielleicht alles über seine Vergangenheit! Sie darf nicht
zu viel erfahren!
"Ja, ich war!", antwortete Mark direkt. "Und jetzt?" "Könnten wir vielleicht
das Thema wechseln?", fragte er genervt. Rose bemerkte, das sie ihn an einem
wunden Punkt getroffen hatte. "Möchten sie noch Tee?", fragte er sie.
"Nein, danke", antwortete Rose. "Ich werde jetzt schlafen gehen. Es war ein
anstrengender Tag für mich." Er nickte. "Dann schlafen sie gut und bis
morgen früh." Rose stand auf und ging die Treppe runter. Als sie sich noch
mal umdrehte, sah sie Mark am Fenster stehen. Zu gern wüsste sie, was mit
seiner Band und ihm passiert war. Rose wusste, das sie ihn irgendwann noch mal
darauf ansprechen würde. Irgendwann.....
8.
Rose träumte schlecht. Der erste Traum handelte wieder von ihrem Vater,
wie sie ihn tot in dem Bus gesehen hatte. Überall Blut und verzweifelte
Hilferufe. Der Tod persönlich war an diesem Tag gekommen, um die Menschen
zu holen. Sie hatte Angst und erwachte mit Schweiß auf der Stirn. Nach
weiteren Versuchen einzuschlafen gelang es ihr auch, doch wurde sie wieder von
einem Albtraum eingeholt. Diesmal sah sie sich den Abgrund hinunterfallen. Mark
war nicht da, um ihr zu helfen. Wieder wachte sie auf. Rose sah auf den Wecker,
der rechts neben ihr auf dem Nachttisch stand: 03:44. Es gelang ihr nicht noch
ein drittes Mal wieder ein zuschlafen. Sie stand auf, zog sich einen warmen
Pullover über und öffnete leise ihre Zimmertür. Auf dem Flur
war es still, so wie es Rose erwartet hatte. Vorsichtig schloss sie die Tür
und wollte sich auf den Weg zur Küche begeben, um sich dort ein Glas Wasser
zu holen. Als sie den Flur entlang lief, entdeckte sie ein Bild im Schrank,
das sie heute Mittag noch nicht gesehen hatte. Darauf waren fünf Jungs
abgebildet. Einen erkannte Rose sofort wieder: der Zweite von rechts war Mark.
Neben ihm stand ein kleinerer Mann mit blonden hoch gestylten Haaren.
In der Mitte lachte ihr ein braunhaariger, gutaussehender Mann entgegen. Neben
ihm saß auf einem Stuhl wieder ein blonder junger Mann. Rose fielen sofort
seine funkelnden Augen auf. Der letzte von links war etwas größer
als Mark und schaute ebenfalls freundlich in die Kamera. Rose dachte nach. War
dies die Band, von der Mark nichts erzählen wollte? Aber warum nur? Rose
wusste nicht, warum er so abblockte, wenn sie ihn darauf ansprach.
"Was machst du da, Rose?" Rose zuckte zusammen und sah links, etwa zwei Meter
von ihr entfernt, Mark an der Wand lehnen. Sie wurde nervös.
"Ich.....äh.....ich wollte mir nur ein Glas Wasser holen, weil ich Durst
bekommen hatte!" Sie trat zwei Schritte vom Schrank zurück.
"Ich wusste gar nicht, dass man in einem Schrank wie diesen, Wasser finden kann.
Faszinierend!" Mark kam auf sie zu. Rose aber ging immer einen Schritt zurück,
den er vorwärts machte. "Na dann...ich werde mal wieder in mein Zimmer
zurück gehen. Gute Nacht Mark!" Rose versuchte schnellen Schrittes zur
Tür des Zimmers zu gelangen, doch hatte sie nicht mit Mark gerechnet.
"Rose, sieh mich an!" Rose blieb stehen. "Es tut mir leid Mark," sagte sie.
"Ich wollte mir wirklich nur ein Glas Wasser holen und dann habe ich das Bild
entdeckt und es mir angesehen. Es tut mir....." Mark fasste ihren Arm und drehte
sie zu sich um. Er sah sie an. "Warum tut dir eigentlich immer alles leid, obwohl
du überhaupt nichts gemacht hast?" Rose schluckte. So nah war er ihr noch
nie gewesen. Sie sah seine Augen klarer und heller als jemals zuvor und ihr
schien als sei sein Mund ihrem so nah. "Ich habe gedacht", flüsterte Rose,
"du wärest jetzt sauer, weil ich in deine Privatsphäre eingedrungen
bin. Du redest ja nicht über deine Band, wenn sie das überhaupt ist."
Sie schaute zu Boden. Sekunden vergingen. Mark hob sanft ihr Kinn an, damit
er sie ansehen konnte.
"Rose, du brauchst keine Angst vor mir zu haben. Warum sollte ich dich anschreien,
nur weil du dir ein Bild von mir anschaust? Ich bin dir nicht böse."
Roses Augen füllten sich mit Tränen. Sie kam sich dumm vor. Wie ein
Kleinkind hatte sie sich benommen. Mark verstand nicht, warum sie wieder weinen
musste und wischte ihr eine Träne aus dem Gesicht. "Warum bist du nur so
verletzlich, Rose?" Er strich ihr über die Wange und sah sie an. "Ich weiß
zwar nicht, was dir schreckliches passiert in den letzten Tagen. Aber ich weiß,
das es irgendwann wieder aufwärts geht. Die Regenwolken werden vom Wind
vertrieben und die Sonne wird wieder scheinen. Rose, irgendwann wird sie nur
für dich scheinen. Du wirst glücklich werden, einen wundervollen Job
und einen noch wundervolleren Mann haben. Ich verspreche dir das, Rose!"
Rose sah Mark an. Woher wusste er das mit dem Mann und dem Job? War es Zufall,
das er genau diese Themen ansprach? Wer war dieser zauberhafte Mann, von dem
sie so wenig wusste? Ihr huschte ein kleines Lächeln übers Gesicht.
"Ich danke dir, Mark! Das du mich gerettet hast und für deine warmen Worte,
die mir immer wieder Mut machen. Thank you!" "Ich hatte dir ja gesagt, behalte
meine Worte in Erinnerung. Sie werden dir ein lebenlang helfen!” Er lächelte
und auch sie lächelte.
Wie gern hätte sie ihn jetzt geküsst. Seine warmen weichen Lippen
auf ihren gespürt. Langsam bewegte sie ihren Kopf immer näher zu seinem.
Ihre Lippen waren nur noch Millimeter voneinander entfernt. Roses Herz pochte
wie wild. Rose wollte ihre Augen schließen, doch Mark löste sich
aus ihrer Umarmung.
"Es ist spät, Rose! Geh schlafen. Diesmal wirst du auch besser träumen.
Gute Nacht!" Er drehte sich um und ging in sein Zimmer. Rose war verwirrt. Woher
wusste er schon wieder von ihren schlechten Träumen? Und die größte
Frage: Warum wollte er sie eben nicht küssen? Sie war ratlos und verschwand
in ihrem Zimmer, wo sie in einen ruhigen Schlaf fiel.
9.
"Das Wetter heute in Sligo wird sonnig, mit vereinzelten Schauern. Hauptsache
man bekommt hier mal etwas Sonne. Und nun die aktuellen Staumeldungen....."
Rose drückte verschlafen das Radio aus und schaute auf die Uhr: 10:00
Ob Mark schon wach war? Rose setzte sich auf die Bettkante und schaute aus dem
Fenster. Die Radiomoderatorin hatte nicht gelogen. Sligo durfte wirklich etwas
Sonnen genießen. Nachdem Rose geduscht, ihre Haare zu einem Zopf gebunden
und sich ihre Kleidung angezogen hatte, lief sie die Treppe hinauf in die Küche,
wo sie hoffte Mark zu finden. Er saß mit einer Tasse Tee auf seinem Stuhl
und lächelte sie an. "Guten Morgen, Rose. Haben wir gut geschlafen?"
Rose setzte sich zu ihm an den Tisch und schüttete sich ebenfalls eine
Tasse Tee ein. "Ja, ich habe die restliche Nacht ruhig und gut geschlafen."
"Das freut mich!", antwortete Mark. "Wie geht es dir? Besser als gestern?"
Er schaute sie fragend an. Rose nickte. Darauf hin grinste Mark. Er stand auf
und zog sich einen weiteren Pullover über, obwohl er schon einen an hatte.
Rose fiel auf, das er extrem blass war. "Geht es dir gut, Mark?" Er sah sie
an und schien zu überlegen, was er antworten sollte. Doch dann lächelte
er und sagte: "Ja, Rose. Mir geht es gut, so lange es dir gut geht." Rose war
froh, diesen Mann getroffen zu haben und glaubte, sich in ihn verliebt zu haben.
Aber sie wollte mit ihren Gefühlen nicht voreilig sein. Sie wurde erst
enttäuscht. Ein kleines Lächeln huschte ihr übers Gesicht. Auch
Mark war froh, das es Rose so langsam wieder besser ging, obwohl er wusste,
sie würde ihn noch mal wegen gestern Abend fragen. Rose half ihm beim Tisch
abräumen und beide spülten das Geschirr. Dabei erzählte sie ihm
von früher, auch von ihrem Vater und dem tragischen Unfall. Mark hörte
interessiert zu und Rose war froh, so einen guten Zuhörer gefunden zu haben.
"Was hattest du gedacht jetzt zu tun?", fragte Mark sie, nachdem Rose ihm von
ihrer Kündigung erzählt hatte.
"Ich habe keine Ahnung. Ob ich in Spanien bleibe oder wieder hier her ziehe
bleibt abzuwarten." Mark überlegte und kam zu dem Entschluss, das sie doch
heute zum Arbeitsamt gehen sollte, um sich dort nach einem Job zu erkundigen.
"Kommst du denn nicht mit?", fragte Rose ihn. Mark verneinte. "Ich bleibe hier.
Ich habe noch zahlreiche Arbeiten zu erledigen." Rose nickte. Sie sah ihn an
und war plötzlich geschockt, denn er schien von jeder Minute blasser zu
werden.
"Mark, du siehst blass aus!" "Mir geht es aber gut, Rose. Wirklich!"
Er stand auf und schaute aus dem Fenster. Auch Rose schob den Stuhl an den Tisch
und stellte sich neben ihn. Sie fasste seine Hand. Sie war kalt. Rose strich
sanft und zart über seinen Handrücken. Leider konnte sie an Marks
Blick, der immer noch starr aus dem Fenster gerichtet war, nicht erkennen, ob
es ihm gefiel oder nicht. "Mark, darf ich dich etwas fragen?" "Nur zu, Rose.
Was liegt dir auf dem Herzen?" Rose atmete tief ein und schaute über die
grüne Blumenwiese, die von vielen kleinen Sonnenstrahlen erhellt wurde.
"Warum hast du mich gestern Abend nicht geküsst?" Mark schloss seine Augen
und Rose spürte wie er seine Hand fester in ihre drückte. Es schmerzte
fast, so fest drückte er zu. Rose fuhr fort: "Wir waren uns so nah, Mark.
Ich hatte gehofft unsere Lippen würden sich berühren, doch du bist
vor mir geflohen. Warum?" Sie sah ihn an. Rose sah, wie er sich nervös
auf die Lippen biss und stark am überlegen war. "Hat es etwas mit mir zu
tun?" Mark schüttelte den Kopf und sah sie an. "Rose, du bist eine wundervolle
Frau." Er löste sich von ihrem Händedruck und setzte sich wieder auf
den Stuhl. "Aber warum dann? Hast du eine Freundin, Mark?" Wieder sah er sie
mit einem klaren Blick an, der nichts über seine Emotionen aussagte. "Ich
hatte eine Freundin, ja. Bis ein tragisches Schicksal uns voneinander trennte.
Ich möchte nicht darüber reden, Rose!" Er wandte seinen Blick von
ihr ab. "Ich würde jetzt gerne alleine sein."
Rose nickte. "Dann gehe ich jetzt zum Arbeitsamt." Auch er nickte.
Rose stand auf und nahm ihre Jacke vom Kleiderbügel. Nocheinmal sah sie
ihn an. Was hatte dieser Mann zu verbergen? Sie wusste es nicht. Die Tür
langsam schließend stand sie auf der Haustreppe und ging schnellen Schrittes
die Straße entlang. Nach dem Weg hatte sie Mark in der Anspannung nicht
gefragt. Bestimmt könnte ihre ein Passant den Weg erläutern. Rose
war nach ein paar Metern außer Sichtweite.
10.
Die Straße Richtung Busstadion war überfüllt von Menschen. Viele
wollten ihre letzten Einkäufe vor den kommenden Feiertagen erledigen. Rose
beobachtete die Menschenmasse, die genervt und gereizt in die Geschäfte
stürmten und versuchten allen Regale leer zu kaufen. "Als ob die in den
zwei Tagen verhungern würden", dachte Rose kopfschüttelnd, während
sie an der Bushaltestelle auf ihren Anschlussbus Richtung Stadt wartete. Da
sie noch fünfzehn Minuten Zeit hatte, setzte sie sich auf die Bank und
lies sich die Sonne auf ihr Gesicht scheinen. Natürlich musste sie wieder
an Mark denken. Rose schloss die Augen und hatte sein Gesicht vor ihren Augen.
Der Gedanke an ihn ließ ihr ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Sie
wusste nicht, wie lange sie einfach nur da saß und an ihn dachte. Ihre
Gedanken wurden durch ein lautes Hupen beendet. Der Bus war da! Rose stand etwas
schläfrig von der Bank auf, kaufte sich ein Ticket und setzte sich an einen
Fensterplatz. Sie glaubte, es sei ein Fehler gewesen, Mark wegen der gestrigen
Nacht angesprochen zu haben. Er wirkte verlegen, aber auch überrascht.
Vielleicht wollte er sie von Anfang an nicht küssen und sie hatte die ganze
Situation falsch interpretiert.
Er war einfach nur ein netter Mann, der sie von einer schlimmen Tat abhielt.
Warum sollte er sich gleich in sie verlieben? Je mehr Rose darüber nachdachte,
desto peinlicher wurde ihr die ganze Sache. Wie konnte sie ihn nur so direkt
fragen? "Er denkt jetzt bestimmt, ich sei eine Männerbesessene Tussi, die
nach einem Tag schon mit jedem rumknutschen will!" Nach ihrem Termin beim Arbeitsamt
wolle sie ihm die ganze Situation erklären. Der Bus hielt und Rose stieg
aus. Jetzt müsste sie nur noch jemanden finden, der ihr den Weg zeigen
kann. Nach vielem Umsehen nach links und rechts entdeckte sie einen Mann, der
gerade aus der Post kam. "Der sieht doch ganz freundlich aus", dachte Rose und
ging auf ihn zu. "Entschuldigen sie Mister. Ich hätte eine kurze Frage."
Der Mann sah auf und Rose ins Gesicht. "Ja, bitte", antwortete er mit einer
wunderschön klingenden Stimme. "Ich suche das Arbeitsamt. Ich bin erst
seit gestern hier und kenne mich nicht so gut aus." Der Mann lächelte.
"Tja, seit das Amt von Sligo hier her verlegt wurde, haben viele Probleme es
zu finden. Aber es ist nicht weit von hier." Während er Rose den Weg erklärte,
überlegte sie, wo sie diesen Mann schon mal gesehen hatte. Er kam ihr so
bekannt vor. Vor allem die Augen prägten sich in ihre Sinne ein. "Ich bin
ihnen sehr dankbar. Sie sind ein guter Wegbeschreiber." Rose lachte. Dem Mann
huschte auch ein Lächeln übers Gesicht. "So einer bezaubernden Frau
wie ihnen, erkläre ich doch gerne den Weg." Roses Herz erwärmte sich.
"Vielleicht begegnet man sich noch mal zufällig." Rose nickte. "Wenn es
das Schicksal will, sehen wir uns bestimmt noch einmal wieder, aber jetzt muss
ich los. Ich danke ihnen!" Rose winkte dem Mann zu und wechselte die Straßenseite.
11.
"Leider kann ich ihnen in Sligo keinen Platz als Journalistin anbieten, Miss
McKenzey. Die Plätze sind sehr begehrt müssen sie verstehen."
Der Angestellte blätterte in seinen Unterlagen und schüttelte mit
dem Kopf. "Das einzige Angebot liegt in Cork vor, aber die Zeitschrift, für
die sie schreiben würden, ist nicht besonders angesehen." Er sah Rose an.
Diese überlegte, nahm den Job aber nicht an. Der Mann versicherte Rose,
sich bei ihr zu melden, falls ein neuer Job angeboten wird. Rose nickte und
verließ das Gebäude. Auf der Treppe blieb sie plötzlich stehen.
Vor ihren Augen erschien das Bild von Marks Schrank.
"Der zweite Mann von links......seine Augen.......dieselben wie von dem Mann,
der mir den Weg hierher erklärt hatte," murmelte sie vor sich hin und ging
die Stufen hinab. Er war es! Da war sich Rose sicher. Er trug seine mittellangen
blonden Haare, wie auf dem Bild. Auch das Lächeln war identisch. Am liebsten
würde sie Mark von dem Treffen erzählen, doch dann fiel ihr ein, dass
er nicht gut auf seine Bandmitglieder zu sprechen war. Waren sie so schlimm
zerstritten?
Rose hoffte, den Mann nocheinmal wieder zu treffen. Im Inneren spürte sie,
das es irgendwann ein Wiedersehen geben wird. Mit ihm könnte sie dann vielleicht
über die Band reden, auch wenn es hinter Marks Rücken sein musste.
Er wollte ja nicht über seine Vergangenheit reden. Rose lief die Straße
entlang und bemerkte, dass sich die Straßen langsam leerten.
Es war schon spät und die Sonne ging am Horizont unter. Hatte sie doch
den ganzen Tag hier verbracht. Glücklicherweise bekam sie noch den letzten
Bus nach Sligo. Um kurz vor acht stand sie vor Marks Haustür. Sie hatte
ein komisches Gefühl, wusste aber nicht warum. Gerade wollte Rose an die
Tür klopfen, als ihr Mark zuvor kam und die Tür öffnete. Es war
dunkel und Rose konnte sein Gesicht nicht erkennen. "Du warst lange weg, Rose!",
sagte er mit einer leisen Stimme. "Ich weiß. Es hat etwas länger
gedauert, als ich gedacht hatte." Mark nickte und lief durch den Flur in das
Wohnzimmer. Rose schloss die Haustür und hängte ihre Jacke im Flur
auf. Sie folgte Mark ins Wohnzimmer und musste sich am Türrahmen festhalten.
Sie konnte nicht glauben, was sie da sah. Mark lag schwach auf dem Sofa und
trug zwei Pullover übereinander.
Seine Augen waren blutunterlaufen und seine Lippen zitterten, als ob er am erfrieren
wäre. Er war blass, noch blasser, als heute morgen, wo sie das Haus verlassen
hatte. "Mark....was hast du?" Rose lief besorgt zu ihm und setzte sich aufs
Sofa. Sie fühlte mit ihrer Hand seine Stirn. Es schien, als ob er Fieber
hätte.
"Mark, ich glaube wir sollten einen Arzt rufen. Du bist glüh heiß!"
Mark sah sie an und versuchte zu lächeln. "Ach, das ist nur ein kleiner
Rückfall von der Grippe die ich vor zwei Wochen hatte. Nicht weiter schlimm."
Er nahm ihre Hand und sah sie an. "Wie war dein Tag, Rose?" "Ich habe keinen
Job bekommen. Wie ich es erwartet hatte." Traurig schaute sie zu Boden, als
Mark ihr sanft über die Wange strich. "Warte nur ab. Bald wird man sich
bei dir melden und dann werden sie dir den tollsten Job anbieten, den es gibt."
Geschockt über seinen Kommentar lies sie seine Hand los. Woher wusste er
das jetzt schon wieder? Sie hatte noch gar nicht erwähnt, das der Typ sich
noch mal bei ihr melden wollte! Sie sah ihn an: "Mark, wer bist du? Was bist
du für ein Mann? Du trittst aufeinmal in mein Leben und wir wissen so wenig
voneinander und doch fühle ich mich dir so vertraut. Warum warst du da,
als ich bei den Klippen stand. Es war keine Menschenseele zu sehen, aber aufeinmal
standest du hinter mir. Mark....erzähl mir wer du bist!"
12.
Mark sah sie schwach an und legte seinen Kopf auf das Kissen zurück. Er
schloss seine Augen und atmete gleichmäßig ein und aus. Rose saß
am Rand des Sofas und sah ihn weiterhin an. Sie erwartete eine Antwort, egal
wie schlecht es ihm ging. Er war ihr unheimlich. Er hatte irgendetwas vor ihr
zu verheimlichen und sie wusste nicht was. "Ich möchte jetzt schlafen,
Rose. Ich bin müde!"
Er legte seinen Kopf zur Seite. Rose merkte, das er ihr keine Antwort geben
würde und wollte aufstehen, als sie ein seltsames Symbol auf seiner Haut
entdeckte. Es ähnelte zwei Engelsflügeln die um ein Kreuz schwebten.
Sie hatte diese Gravur auf seinem Arm noch nie gesehen und war ratlos, was es
zu bedeuten hatte. Sie strich sanft über die Zeichnung, um sich zu vergewissern,
ob sie aufgemalt oder eintätowiert war. Sie ging nicht ab. Mark öffnete
schlagartig seine Augen und funkelte sie böse an. "Was machst du da?"
Er schlug ihre Hand weg und stülpte seinen Pullover über die noch
eben freie Stelle. Rose war geschockt. "Ich.....ich.....wollte mir nur die Zeichnung
ansehen. Ich wollte dir nicht zu nahe treten. Es geht mich nichts an, weil es
bestimmt wieder eins von deinen Geheimnissen ist," antwortete Rose nervös.
Sie erwartete einen Wutausbruch von Mark, doch sein böser Gesichtsausdruck
verschwand so plötzlich wie er gekommen war. "Kann ich dich was fragen,
Rose?" Sie nickte. "Hast du heute in der Stadt irgendjemanden getroffen?"
Er sah sie ernst an und wartete auf ihre Antwort. Rose dachte sofort an den
Mann, von dem sie Mark so wie so noch erzählen wollte. "Ja, habe ich",
antwortete Rose, " ich habe jemanden getroffen, Mark." Sie sah ihn an.
"Ich glaube es war jemand von deinem Bild, das ich mir letzte Nacht angesehen
hatte." Mark erhob sich langsam vom Sofa und stand auf. Er ging in sein Arbeitszimmer
und kehrte mit einem Bilderrahmen zurück. Vorsichtig setzte er sich wieder
neben Rose und zeigte ihr das Bild. Rose schluckte. Der blonde Mann auf dem
Foto lächelte und neben ihm konnte sie Mark erkennen, der ebenfalls freundlich
in die Kamera schaute. "Ist es der Mann, den du heute getroffen hast, Rose?"
Rose nickte und Mark schien nervös. " Das ist Kian Egan. Ein sehr guter
Freund von mir und auch ein Mitglied der Band, zu der ich gehörte." Er
nahm Roses Hand und sah sie an. "Du musst mir jetzt gut zu hören. Du musst
dich unbedingt mit Kian treffen. Er wird dir alles erklären, was ich dir
nicht sagen kann. Er ist ein liebenswerter Mensch. Ich weiß, das er auch
dir sympathisch sein wird." Rose verstand nicht. "Warum soll ich mich mit ihm
treffen? Vielleicht will ich das ja gar nicht. Und woher willst du wissen, das
ich ihn nett finde?" Sie stand auf und wollte aus dem Zimmer gehen, als Mark
ihr den Weg versperrte und sie ansah. "Tu es für mich, Rose! Es ist wichtig
für mich. Für meine Zukunft. Auch für dich. Es ist dein Schicksal."
Mit einem flehenden Blick sah er sie an. Rose schaute den Mann, der immer blasser
werden zu schien an und fragte sich, was dieses Spiel, was er mit ihr spielte,
zu bedeuten hatte. Warum um alles in der Welt sollte sie diesen Kian treffen?
"Nein Mark, ich werde mich nicht mit ihm treffen. Was soll ich mit diesem Mann,
der mich überhaupt nicht interessiert. Ich habe den Mann, den ich liebe
schon längst gefunden." Was hatte sie da gerade von sich gegeben? Rose
schluckte verlegen. Marks Augen funkelten. Er trat näher zu ihr und strich
ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Hand wanderte weiter
zu ihrer Wange, die er liebevoll strich. Rose schaute ihn an. Mit seinem Finger
malte er zärtlich die Formen ihrer Lippen nach und Rose fiel es schwer,
sich noch auf den Beinen zu halten. Dieser Mann machte sie wahnsinnig. Sein
Gesicht war ihrem so Nah, genauso wie an dem einen Abend. Rose betete innerlich,
das er nicht schon wieder einen Rückzieher machen würde. Das würde
ihr Herz nicht aushalten. Sie spürte Marks schweren Atem auf ihrer Haut
und ihre Gänsehaut breitete sich weiter auf ihrem Körper aus.
"Rose, ich darf das nicht machen, aber ich kann nichts dagegen tun!" Rose verstand
nicht mehr was er von ihr wollte. Innerlich explodierte sie, als Mark seine
Lippen sanft auf ihre drückte.
Voller Leidenschaft knabberte er an ihrer unteren Lippe und strich ihr dabei
sanft über den Rücken. Rose krallte sich an seinem Pullover fest,
als seine Küsse immer fordernder und leidenschaftlicher wurden. Mit ihrer
Hand fuhr sie ihm zärtlich durchs Haar und Mark wanderte mit seiner rechten
Hand unter ihre Bluse. Roses Körper reagierte auf seine Berührungen
wie eine tickende Zeitbombe, die, wenn er nicht bald aufhörte, explodieren
würde. Sie hatte keine Kontrolle mehr über sich und erwiderte leidenschaftlich
seine Küsse. Aber plötzlich lösten sich Marks Lippen ruckartig
von ihren und er sah sie mit seinen himmelblauen Augen an. "Rose.......", flüsterte
er mit heißer Stimme, " du weißt nicht wie lange ich einer Frau
nicht mehr so nah war." Rose zog seinen Pullover aus und strich ihm sanft über
die Brust. Rose wollte ihn begehren und lieben, doch plötzlich trat er
einen Schritt zurück. "Rose, ich muss dir was wichtiges sagen. Wir können
das nicht.....". Doch Rose hörte ihm nicht zu. Sie küsste seinen warmen
vollen Lippen und wanderte tiefer zu seinem Bauchnabel. Ihre Hände öffneten
langsam den Knopf seiner Hose. "Rose hör mir endlich zu...!"
Aber Rose legte ihren Zeigefinger auf seine Lippen: "Mark, bitte mach diesen
Moment nicht kaputt. Ich brauche dich jetzt!" Doch Rose sah, das Marks Blick
nichts Gutes zu bedeuten hatte und löste sich von ihm. Der leidenschaftliche
Mark war wieder verschwunden und der zurückhaltende und ernste Mark kam
wieder zum Vorschein. "Bitte setz dich Rose und hör mir gut zu", sagte
er, während er seinen Pullover wieder anzog. "Es ist wichtig!"
13.
Rose strich ihre Bluse glatt und setzte sich an den Tisch. Mark füllte
ein Kanne Wasser und setzte sich gegenüber von ihr. Er biss sich nervös
auf die Lippe und sah sie an. Rose konnte die Angst in seinen Augen sehen und
schaute ihn erwartungsvoll an. Mark wich ihrem Blick aus. Rose wusste, das die
letzten fünf Minuten ihn wieder verlegen gemacht hatten und er es bereute
so außer Kontrolle geraten zu sein. Mark stand auf und verschwand in einem
kleinen Nebenzimmer und kam mit ein paar Fotos zurück. Er nahm seinen Stuhl
und rückte neben sie. Rose sah ihn von der Seite an. Doch Mark hatte seinen
Blick starr nach vorne gerichtet und schien seine Worte zu ordnen, mit denen
er gleich beginnen würde. "Rose, ich fange jetzt an dir von meiner Vergangenheit
zu erzählen. Hör mir einfach zu und unterbrich mich bitte nicht."
Seine Hände lagen nervös auf dem Tisch. "Das Bild, welches du auf
meinem Schrank entdeckt hattest, war meine Band Westlife. Wir waren sehr erfolgreich!
Wir haben Millionen von Platten verkauft, spielten unsere Konzerte in ausverkauften
Hallen. Kurz gesagt: Ein Traum ging für uns in Erfüllung. Shane, Kian
und ich lebten für die Musik. Schon in der Schulzeit hatten wir nur diesen
einen Wunsch mit unserer Musik irgendwann Erfolg zu haben. Shane kam eines Tages
an und erzählte uns von seiner Idee eine Popband zu gründen.
Ich habe genau noch dieses Bild vor Augen." Mark schloss sie und fuhr fort.
"Shanes Blick verriet uns, dass es kein Scherz war, sondern purer Ernst.
Kian und ich sahen uns an und mussten anfangen zu lachen. Kian warf ein, das
zurzeit Rockbands total angesagt waren und was passieren würde, wenn drei
Schüler, die ihren Traum zur Realität machen wollen, eine Popband
gründen würden. Doch Shane sah uns an und zuckte mit den Schultern.
-Na und, sagte er. Ich habe es im Gefühl, dass wir genau jetzt diese Band
gründen sollen.-
Kian und ich willigten ein und wir nahmen noch drei weitere Kumpels in unsere
+Versuchsband+ auf." Mark öffnete seine Augen und schüttete sich ein
Glas Wasser ein. "Tja, I.O.U. war eine schöne Zeit, doch wir wollten mehr,
als nur auf Schulkonzerten zu spielen. Kian, Shane und ich suchten zwei weitere
Sänger, nachdem unsere anderen Mitglieder die Band verließen."
Mark fing an zu lächeln. "Und dann stießen Bryan und Nicky zu uns.
Sie waren wie geschaffen für die Band....unsere Band: Westlife! Unseren
ersten Erfolg hatten wir mit der Single ‚If I let you go’. Ich kann dir diese
Atmosphäre nicht beschreiben, als wir erfuhren, das unsere Single von 0
auf 1 in die Charts einstieg. Wir lagen uns in den Armen und waren glücklicher
als je zuvor."
Mark öffnete das Fotoalbum und zeigte Rose die Bilder ihres ersten TV-Auftrittes
und ihres ersten Foto-Shootings. "Wir waren noch so unerfahren", fuhr Mark lachend
fort. "Diese Bilder sind einfach nur grässlich." Rose sah sich ein Bild
genauer an. Auf ihm zu sehen war Mark mit Kian, wie sie sich in den Armen lagen
und auf das Zeichen warteten, dass das Konzert los ging. Mark sah, das Rose
länger an dem Bild hängen blieb. "Kian war immer lockerer drauf als
ich. Ich war so nervös an dem Abend. Ich konnte nichts essen und mir war
schlecht. Doch dann kam Kian auf mich zu, klopfte mir auf die Schulter und sagte
-Mensch, Mark. Sei doch nicht immer so ängstlich und nervös. Du hast
eine Hammerstimme und du wirst die Leute damit umhauen. Sie werden dich lieben.-
Ich war ihm dankbar für jedes warmherzige Wort, das er mir vor den Auftritten
zusprach. Ohne ihn wäre ich bestimmt kurz vor dem Beginn der Show geflohen
und hätte mich irgendwo versteckt." Er lächelte. "Kian ist ein klasse
Typ und man kann sich glücklich schätzen, ihn als Kumpel zu haben."
Rose hörte ihm weiterhin zu und wendete ihr Blick auf das nächste
Bild.
"Ja,ja....", seufzte Mark. "Unsere erste Tour war der Hammer. Ich will nicht
behaupten, die anderen seien schlechter gewesen, aber das erste Mal bleibt einem
immer in Erinnerung. Der erste Kuss, der erste Schultag, auch die erste Tour."
Roses Blick blieb immer öfter an Kian hängen. Irgendwie zog sie der
Mann magisch an, obwohl sie ihn überhaupt nicht kannte und zu Mark gesagt
hatte, sie wolle ihn auch nicht kennen lernen. Doch als sie dann wieder in das
Gesicht von Mark schaute, fiel ihr ein, das sie eigentlich diesen Mann begehrte.
Sie musste schmunzeln. Mark stand auf und öffnete das Fenster, damit frische
Luft in den Raum treten konnte. Rose schaute sich weiterhin die Bilder an und
fand ein Bild, auf dem eine Frau abgebildet war. Sie stand mit dem Rücken
zur Wand und schaute mit einem kleinen Lächeln in die Kamera. Rose fiel
auf, das sie etwa genauso groß war wie sie selbst. Sie trug ihre blonden
glatten Haare offen über die Schulter und ihr Pony fiel ihr knapp über
die Augenbrauen. Ihre Augen waren dezent schwarz geschminkt.
"Mark?", rief Rose ihn. Mark, der immer noch am Fenster stand, drehte sich zu
ihr um und sah sie an. Rose hielt das Foto hoch. "Wer ist diese Frau?"
Mark kam näher und nahm ihr das Foto aus der Hand. Er sah es lange an,
endlos lange, bemerkte Rose. Sie beobachtete, wie er sich an die Tischkante
lehnte und zärtlich über das Foto strich. Rose fühlte sich fehl
am Platz, da Mark in seine alte eigene Welt abgetaucht war. Sie wusste nicht
wie lange er einfach da stand und sich das Foto anschaute. Langsam hob er seinen
Kopf hoch und sah Rose an. Sie konnte sehen, das seine Augen sich mit Tränen
füllten. "Wer ist diese Frau, Mark? Möchtest du es mir erzählen?"
Mark nickte und setzte sich zu ihr.
Er atmete tief ein und fuhr fort.
14.
"Ich weiß es noch ganz genau. Es war wieder einer dieser stressigen Tour-Tage.
Ich war genervt und total schlecht gelaunt, weil ich mich vorher mit unserem
Manager gestritten hatte. Wütend nahm ich meine Jacke und lief raus ins
Freie. Ich fühlte mich unwohl in dieser Stadt und hatte Heimweh. Ich vermisste
Sligo, meine Familie und wollte in diesem Moment einfach alleine sein. Ich setzte
mich auf eine freie Bank und schloss meine Augen. Ich träumte, das ich
mit meinem Hund vor meinen Haus in Sligo spielen würde. Ein kleines Lächeln
huschte mir übers Gesicht und ich dachte mir, dass ich die zwei Wochen
Tour auch noch überstehen würde. Ich öffnete meine Augen und
ging zurück Richtung Konzerthalle. Ich fühlte mich besser, aber nicht
gut genug."
Mark stoppte und sah Rose an. "Ich muss auch noch erwähnen, das ich oft
Heimweh hatte und sehr an meiner Familie hing. Die anderen nannten mich deswegen
auch Müttersöhnchen, aber das war mir egal!" Rose schmunzelte und
nahm einen Schluck von ihrem Wasser. Mark erzählte weiter. "In der Halle
waren die anderen vier schon fleißig am Proben für das heutige Konzert.
Natürlich musste ich mich ihnen anschließen, obwohl ich keine Lust
hatte, immer wieder und immer wieder die selben Tanzschritte zu üben. Ich
konnte noch nie gut tanzen und wollte es auch nicht können." Rose lächelte
und Mark sah das. "Tja, so bin ich halt. Ein tanzunbegabtes Muttersöhnchen!"
Sein Blick fiel wieder auf das Bild. Er stoppte und sah es wieder lange an.
Rose war überzeugt, das diese Frau etwas besonderes gewesen sein musste.
"Ich überstand die Proben und duschte ausgiebig. Noch eine Stunde bis zum
Auftritt. Die Jungs und ich machten noch eine kleine Männerrunde, die mit
Bryans Scherzen echt amüsant wurde. Zu meiner Verwunderung war ich Minuten
vor dem Auftritt nicht nervös. Ich freute mich sogar. Ich merkte, das dieser
Tour Alltag langsam begann in Fleisch und Blut überzugehen. Ich gewöhnte
mich daran und war glücklich. Das Konzert verlief nach Plan bis zum 9.
Lied." Rose war gespannt auf das was folgte und Mark sah das. "Wir sangen Flying
without wings, also nichts besonderes. Shane fing an zu singen und ich folgte
in der zweiten Strophe." Er schloss die Augen und fing an zu singen:
Some find it sharing every morning
Some in their solitary lives
You find it in the works of other
A simple line can make you laugh or cry
Rose war wieder beeindruckt von seiner wunderschönen Stimme. Mark stoppte
und sah starr nach vorne. "Dann entdeckte ich sie. Sie stand rechts in der ersten
Reihe und lächelte. Sie lächelte so wundervoll, das es mir die Sprache
verschlug. Sie lächelte mich an! Ich war gelähmt. Ich konnte mich
nicht mehr bewegen und nicht mehr singen. Meine Stimme war weg. Die Musik stoppte
und die ganzen Kameras und die ganzen Leinwände zeigten mein Gesicht. Man
muss ich bescheuert ausgesehen haben. Kian kam auf mich zu und rüttelte
mich. Er flüsterte: "Mark........Mark....was ist? Geht es dir gut? Hier
sind Millionen von Menschen, falls du es vergessen hast. Sing weiter!" Ich hörte
ihm nur teilweise zu. Immer noch war mein Blick auf sie gerichtet. Ich glaubte
sie bemerkte, das mein plötzlicher Ausfall etwas mit ihr zu tun hatte.
Sie grinste wieder und verschwand im Gedränge. Sie war weg! Ich hatte nur
diesen einen Moment. Da ich bemerkte, das ich so langsam weiter machen musste
und es mir nichts brachte auf die leere Stelle zu starren, die sich aber schnell
durch einen anderen Fan füllte, fing ich an weiter zu singen. Ich hätte
zu gern ihr Gesicht gesehen, als ich wieder anfing zu singen. Sie war Schuld,
das ich vor Millionen von Menschen meine Stimme verlor und nicht mehr klar denken
konnte. Das Konzert verlief ohne weitere Zwischenfälle, obwohl die Jungs
mir oft fragende Blicke zu warfen." Er lächelte. Auch Rose war fasziniert
von dieser Geschichte und schenkte ihm ein Lächeln. "Als das Konzert zu
Ende war, konnte ich mich hinter der Bühne vielen Fragen stellen. Mir war
aber bewusst, das ich diese Frau nie wieder sehen würde und dieser Gedanke
brach mir das Herz. Ich war diesen Abend nicht sehr gesprächig und verließ
mitten in der Party, die extra für uns gemacht wurde, den Raum. An der
frischen Luft fühlte ich mich besser. Ich lief die Straße entlang
und entdeckte ein kleines Café, wo ich mir einen Tee holen wollte. Ich
ging an der Scheibe vorbei und mir stockte der Atem, als ich sah, wer in diesem
Café saß. Die wunderbare Frau aus der ersten Reihe. Auch sie entdeckte
mich und verschluckte sich daraufhin an ihrer Tasse Tee." Mark lächelte.
"Wie süß, dachte ich mir. Ich bin ein sehr schüchterner Typ,
wenn es um Frauen geht. Ich überlegte ob ich reingehen und sie ansprechen
sollte?
Marks Wahrscheinlichkeit: 10% Schnell am Fenster vorbei gehen und zur Party
zurück kehren? Marks Wahrscheinlichkeit: 90% Rose musste grinsen.
Dieser Mann scheint ja echt schüchtern zu sein. "Ich setzte einen Fuß
nach vorne und war am gehen, als ich dachte: -Mark, wenn du jetzt nicht sofort
dort rein gehst und diese Frau ansprichst, wirst du es dein Leben lang bereuen!-
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, atmete noch mal tief ein und öffnete
die Tür zum Café.
15.
"Du kannst dir nicht vorstellen, wie wild mein Herz in diesem Moment schlug.
Meine Hände waren schweißnass und ich fühlte mich leer. Ohne
jeden Gedanken, was ich sagen wollte, wenn ich ihr vor ihr stand. Jeden Schritt,
den ich vorwärts machte, schien mir wie eine Ewigkeit und doch kam ich
an ihrem Tisch an. Sie blätterte ruhig in ihrer Zeitschrift und sah mich
an, nachdem sie den Artikel zu Ende gelesen hatte. Ich war nervös, nervöser,
als vor Beginn eines Konzertes. Mein Mund war trocken und mein Blick ließ
nicht von ihrem Gesicht ab. Wieder lächelte sie mich an und deutete auf
den Stuhl, der gegenüber von ihr stand. Ich setzte mich und wartete." Wieder
einmal schaute Mark verträumt aus dem Fenster, als ob er das Erzählte,
wie ein Film vor seinen Augen ablief. "Sie nahm ihre Tasse und nippte kurz daran,
bevor sie wieder auf den Tisch stellte. "Ein Zufall, das sie das selbe Café
ausgewählt haben, wie ich!" Ich sah sie an und auch sie erwiderte meinen
Blick. Zum ersten Mal erklang ihre Stimme und schon jetzt war ich bereit für
sie alles zu tun. Ich war besessen von dieser Frau obwohl ich sie überhaupt
nicht kannte. Langsam kam meine Stimme zurück und ich antwortete, das es
kein Zufall gewesen sein kann. Sie sah auf und ihre Augen funkelten wie Sterne.
Wieder musste ich schlucken. Sie lächelte.
"Das Konzert war klasse. Leider hatte ich hab dem 9.Lied nicht mehr so eine
gute Sicht wie vorher. Woran das wohl lag, Mark?" Mir war heiß. Sie kannte
meinen Namen. Blödsinn. Klar wusste sie ihn, wenn sie auf ein Westlife
Konzert ging. Mir war es etwas peinlich, das sie ausgerechnet diesen Ausfall
ansprechen musste. "Ich war einfach verzaubert!"
Mark musste lächeln und sah Rose an. "Ich wusste nicht, wie ich diesen
Satz über die Lippen bringen konnte. Ich...Mark Feehily war nie so direkt.
Rose hörte weiterhin zu. Seit er angefangen hatte zu erzählen, hatte
sie noch kein Wort gesprochen. Sie war sprachlos. Mark fuhr fort.
"Ich habe gemerkt, das sie dieses Kompliment dankend annahm. Ich sah es in ihren
Augen. "Gehen wir ein Stück?", fragte sie. Ich nickte und stand auf, während
sie ihren Tee bezahlte. Wartend an der Tür, zog sie ihre Jacke an und wir
gingen an die frische Luft." Mark sah Rose an und sagte: "Sie war groß.
Vielleicht sogar noch ein Stück größer als du." Rose lachte.
"Meistens ist es üblich, das Frauen kleiner sind als ich. 1.77m ist für
eine Frau sehr groß. Aber wenn sie auch so groß war bin ich beruhigt."
Mark lächelte und fuhr fort.
"Wir liefen die Straße entlang und ich fragte sie, woher sie komme. Zu
meinem Erstaunen war sie Deutsche. Sie sprach perfekt Englisch. Wir unterhielten
uns ewig. Es kam mir so vor, als ob ich sie schon Jahre kennen würde. Die
angebliche Fremde, die es bei manchen Menschen gab, die sich neu kennen lernten,
existierte bei uns nicht. So gegen 01:00 Uhr nachts brachte ich sie zu ihrem
Hotel, wo sie das Wochenende übernachtete. Ich stand auf der Treppe und
sie eine Stufe über mir.", erinnerte sich Mark. "Dann wünsche ich
dir noch eine schöne Restnacht." Sie drehte sich um und war am gehen, als
ich hinter ihr her rief: "Ich weiß noch nicht mal deinen Namen!" Lächelnd
warf sie ihren Kopf in meine Richtung und antwortete: "Anne, ich heiße
Anne."
16.
"Am nächsten Morgen wachte ich spät auf. Sofort klopfte es an der
Tür und ich konnte mir schon denken, wer es war. Nicky und Kian standen
im Raum.
"Mensch Mark, wo warst du gestern Abend? Du warst aufeinmal verschwunden und
niemand wusste wo du warst," sagte Kian, während er sich auf den einzigen
Stuhl im Raum setzte. Nicky nickte und beide sahen mich fragend an.
"Müsst ihr alles wissen?", fragte ich genervt und zog mir die Decke über
den Kopf. Kian stand auf und riss sie mir sofort wieder weg. "Ja, müssen
wir. Wir sind deine Kumpels und machen uns Sorgen, wenn du aufeinmal verschwindest
und nicht sagst wohin." Ich sah beide an und wusste, das sie keine Ruhe geben
würden, bevor ich es ihnen nicht gesagt hätte. "Nimmst du Drogen?",
fragte Nicky schockiert und ich musste lachen. "Ihr spinnt doch!" Ich stand
auf und verschwand im Bad, wo ich natürlich nicht lange alleine blieb.
"Also gut," gab ich genervt nach. "Mein Ausfall gestern auf der Bühne hatte
etwas mit einer Frau zu tun, die ich dann zufällig noch mal wieder traf
und wir uns nett unterhielten." Kian und Nicky sahen mich an und fingen an zu
lachen.
"Der Marky hat ne Frau kennen gelernt. Wunder gibt’s sag ich dir Kian!"
Er stupste ihn an. "Darf ich niemanden kennen lernen, oder was?"
"Das haben wir nicht gesagt. Aber du als ewiger Single. Ich find es klasse!"
Ich schaute beiden ins Gesicht und konnte nicht erkennen, ob sie es ernst meinten
oder nicht. Aufjedenfall verließen sie dann endlich mein Zimmer und ich
konnte in Ruhe duschen. Als ich später zum Frühstück erschien,
hatte sich mein Treffen von gestern Abend natürlich schon rum gesprochen.
Ich setzte mich und schaute in grinsende Gesichter. Genervt schmierte ich mir
ein Brötchen und dachte mir, was daran so komisch sei, wenn ich mich für
eine Frau interessierte. In den letzten Jahren kam das nicht so oft vor, aber
ich will ja auch nicht so enden, wie Kian, der jede Woche eine Neue hatte."
Rose sah geschockt auf und Mark lachte. "Nein, Rose. Jetzt ist er nicht mehr
so. Er hat diese Zeit einfach genossen und war stolz von so vielen Frauen begehrt
zu werden. Er hat sich geändert und sucht, wie jeder andere, nach der großen
Liebe. Rose vertraute Mark und dieser erzählte weiter. "Diesen Tag hatten
wir gottseidank frei und ich wollte Anne unbedingt wieder sehen. Ich musste!
Gegen 12:00 Uhr verließ ich unser Hotel und machte mich auf dem Weg zu
ihrem. Ich war gut gelaunt und fühlte mich großartig. An der Rezeption
fiel mir auf, das sie mir gestern nur ihren Vornamen genannt hatte und ich war
am verzweifeln. Der Mann hinter der Rezeption wartete. Ich war gerade am Gehen
als sie er mich zurück rief. Er kam hinter der Theke hervor und stand vor
mir. "Ich glaube ich kenne die Frau zu der sie wollen. Die Beschreibung passt
genau." Hoffnungsvoll sah ich den Mann an und war froh. Er streckte mir seine
Hand entgegen, stellte sich vor und wir beide liefen Richtung Fahrstuhl. "Anne
ist eine gute Freundin von mir. Wir waren sehr eng befreundet, bevor sie weg
gezogen ist. Ihr Zimmer ist in der dritten Etage. Ich glaube sie wird sich über
ihren Besuch sehr freuen."
Der Fahrstuhl hielt und wir liefen den Gang entlang, bevor wir vor der Zimmertür
319 hielten. "Richten sie ihr einen lieben Gruß aus. Ich werde sie nachher
noch mal besuchen." Ich nickte und er verschwand wieder im Aufzug. Ich wandte
mich zur Tür und klopfte zweimal kräftig an.
17.
"Obwohl wir uns gestern schon lange unterhalten hatten, war ich total aufgeregt.
Anne öffnete die Tür und schenkte mir ihr wundervollstes Lächeln.
Sie bat mich herein und ich wusste nicht so Recht, was ich jetzt sagen oder
tun sollte. Freundlich zeigte sie auf das Sofa und wir setzten uns. "Ich habe
gewusst, das du heute vorbei schauen würdest." "Freust du dich?", fragte
ich und sie nickte. Wir redeten stundenlang über alles mögliche. Sie
fragte mich auch, woher ich ihre Zimmernummer hatte. Zögernd erzählte
ich von dem Mann an der Rezeption, den sie anscheinend kennen würde. Anne
musste lächeln.
"Das war Fabian. Wir beide sind früher oft zusammen gewesen. Er ist ein
guter Freund!" Zufällig kamen wir auf das Thema wie unsere Traumpartner
aussehen und sein sollte. Anne errötete leicht und ich war neugierig auf
ihre Antwort. Sie sah mich an und erzählte, das er aufjedenfall schwarze
Haare haben musste und das sie einen Mann mit schönen Mund sehr sexy findet.
Ich lächelte und dachte, das die Beschreibung voll und ganz auf mich zutrifft.
Ganz direkt fragte ich sie, ob ich eine Chance bei ihr haben könnte. Wir
beide fingen an zu lachen. "Von Westlife warst du immer mein Liebling!" Sie
lächelte. Ich fragte, ob die Sympathie für mich immer noch vorhanden
war und sie schaute verlegen zum Fenster hinaus. Anne wusste nicht was sie sagen
sollte. Langsam nahm ich ihre Hand und wir sahen uns beide an. Wenn irgendjemand
in diesem Moment im Raum gewesen wäre, hätte man die prickelnde Anspannung
nicht ignorieren können. Ich rückte näher zu ihr und berührte
sanft ihre Lippen. Etwas zögerlich erwiderte sie meinen Kuss und wenig
später lagen wir in ihrem Bett und niemand konnte unsere Lust aufeinander
bändigen. Es war eine wundervolle Nacht und seit dem Zeitpunkt wussten
wir, das unsere frische Liebe eine Zukunft haben würde. Wir waren glücklich!"
18.
Rose schmierte ein paar Brote, während Mark in alten Erinnerungen schwelgte.
Diese Anne schien echt etwas besonderes gewesen zu sein und beide liebten sich
mehr als alles andere auf der Welt. So wie Rose Mark an dem Tisch sah, mit dem
Foto in der Hand, wusste sie, das dieser Mann nie mehr eine andere Frau so lieben
wird wie Anne. Rose setzte sich und stellte den Teller mit den Broten auf den
Tisch. Mark legte das Foto zur Seite und nahm sich ein Stück Brot, in das
er genüsslich biss. Rose war erfreut, dass es ihm schmeckte. Schweigend
aß jeder sein Brot und Mark füllte die Gläser mit etwas Orangensaft.
Rose war neugierig, wie die Liebe zwischen den beiden weiter ging. Sie nippte
an ihrem Glas und stellte die entscheidende Frage. "Und wo ist Anne jetzt?"
Mark wusste, das die Frage kommen würde und versuchte seine Tränen
zu unterdrücken und mit Fassung weiter zu erzählen.
"Es war an einem Sonntag. Der Tag begann wundervoll und die Sonne schien. Wir
waren zu der Hochzeit von Annes Freundin Sarah eingeladen. Die Zeremonie fing
Punkt 11:00 Uhr an, doch Anne und ich waren um
10:45 Uhr immer noch nicht fertig. Sie suchte nach dem Hochzeitsgeschenk, während
ich krampfhaft versuchte meinen Krawattenknoten richtig hin zu bekommen. Um
kurz nach 11:00 Uhr fuhren wir erst von zu Hause weg und bis zur Kirche dauerte
es mindestens eine halbe Stunde. Um natürlich nicht allzu spät zu
kommen fuhr ich extrem schnell." Traurig starrte er auf sein leeres Glas. "Anne
sagte, ich sollte nicht zu schnell fahren, es wäre nicht schlimm, wenn
wir etwas später kommen würden. Doch ich hörte nicht auf sie
und beschleunigte sogar noch." Wütend schlug er mit der Faust auf den Tisch
und Rose erschrak. "Ich war zu stur auf sie zu hören. Ich war nie zu spät
und immer pünktlich und war wie verbohrt nicht die Zeremonie zu verpassen.
Doch dann bog ich in die Straße ein und übersah den Lastwagen, der
frontal in die Beifahrerseite raste." Rose hielt sich geschockt die Hand vor
den Mund und war sprachlos. "Ich war bewusstlos und wachte erst Minuten später
auf der Trage auf. Ich sah mein kaputtes Auto, die Ärzte, den Krankenwagen,
aber nicht Anne. Wo war meine Anne? Ich stand auf und ging erschöpft zu
einem der Polizisten. Dieser überbrachte mir die Nachricht, die mein Leben
zerstörte:
Anne war tot! Sie war sofort tot, als der Lastwagen in unser Auto raste. Sie
hatte keine Chance!" Mark stoppte und fing fürchterlich an zu weinen. Er
hörte nicht mehr auf und sein Körper wurde geschüttelt von seinen
Weinkrämpfen. Auch Rose liefen Tränen über die Wangen und sie
setzte sich neben Mark und umarmte ihn. Noch nie hatte sie einen Mann so weinen
sehen.
Mit schwacher Stimme fuhr er fort: "Ein Sanitäter kam zu mir und fragte
mich, ob ich gewusst habe, dass Anne im 2.Monat schwanger war? Ich schüttelte
den Kopf. Ich wollte mich noch an irgendetwas festhalten, doch ich spürte
meine Beine nicht mehr und alles wurde schwarz." Mit roten verweinten Augen
sah er Rose an. "Wäre ich nicht zu schnell gefahren und hätte auf
Anne gehört, wäre dieser Unfall nie passiert. Wir wären später
an der Kreuzung gewesen und hätten den Lastwagen verpasst. Wir würden
jetzt glücklich mit unserem Kind irgendwo auf dem Land wohnen." Immer noch
weinend stand er auf und ging Richtung Fenster. Plötzlich griff er nach
einer Vase und warf sie schreiend gegen die Fensterscheibe, die laut zerbrach.
"Ich habe meine Frau und mein Kind getötet. Ich bin ein Mörder!" Weinend
hielt er sich an der Wand fest und rutschte mit dem Rücken an ihr hinunter
und vergrub sein weinendes Gesicht in seinen Händen. Rose war zutiefst
erschüttert und verzweifelt.
Was muss dieser Mann alles durch gemacht haben? Leise stand sie auf und setzte
sich neben ihn auf den Boden. Beide schienen erschöpft und Mark schloss
seine verweinten Augen und legte seinen Kopf auf Roses Schulter. Rose wusste
nicht wie lange sie dort auf dem Teppich saßen und einfach schwiegen.
19.
Rose öffnete ihre Augen und bemerkte, dass sie eingeschlafen war. Es war
schon dunkel und sie sah, dass auch Mark die Augen geschlossen hatte und sanft
schlief. Langsam stand sie auf und räumte das Geschirr vom Tisch. Sie sah
Mark an, der friedlich an der Wand lehnte und schlief. Nocheinmal holte ihn
die ganze Vergangenheit ein und es hatte ihn mitgenommen. Rose tat der Mann
leid und sie setzte sich wieder neben ihn. Sie strich ihm zärtlich über
den Kopf. Seine Haut war warm. Langsam öffnete Mark die Augen und sah sie
verschlafen an. "Hey, Rose. Wie lange habe ich denn geschlafen?" "Nicht lange.
Vielleicht eine halbe Stunde oder so!" Mark erhob sich und schaute sich im Raum
um. Er ging zum Tisch und räumte die Bilder wieder in den Karton. Rose
stand neben ihm und er zeigte ihr ein paar Fotos von Annes Beerdigung. "Ich
habe für sie gesungen. -Moments- . Es war schwer für mich. Ich hatte
das Gefühl, als ob mir alle die Schuld an ihrem Tod gaben, aber ich blieb
stark, obwohl ich wusste, dass sie Recht hatten." Rose schüttelte den Kopf.
"Du hattest keine Schuld, Mark....der Lastwagen.....!" "Ach, hör mir auf
Rose", antwortete er gereizt.
"Wie oft ich diesen Satz gehört habe. Aber niemand kann mir das Gegenteil
beweisen. Ich saß am Steuer, ich trat auf das Gaspedal und nahm dem Lastwagen
die Vorfahrt. Allein ich habe die Schuld! Ich habe noch nicht mal gesagt, wie
sehr ich sie liebe. Ich hatte es diesen Morgen noch nicht getan und jetzt ist
es zu spät!" Wieder füllten sich seine gerade getrockneten Augen mit
Tränen. Er sah Rose an und stellte sich vor sie.
"Rose, du bist eine wundervolle Frau und ich habe mich einer Frau nach Annes
Tod schon lange nicht mehr so nah gefühlt. Aber Anne war meine große
Liebe und ich habe mir geschworen, keine Frau mehr so zu lieben wie ich sie
geliebt habe. Versteh das bitte!" Er sah Roses nasse Augen. "Ich liebe dich
Mark! Ich liebe dich wirklich!" Doch Mark schüttelte seinen Kopf.
"Du liebst mich nicht. Du fühlst dich nur zu mir hingezogen, weil wir die
letzten Tage so oft zusammen waren. Als ich dich geküsst hatte, war ich
für einen Moment gelöst von allen Problemen und ich habe es genossen.
Aber als ich dich dann ansah, schoss mir das Bild von Anne durch den Kopf. Ich
will dich nicht verletzten, Rose, deswegen bin ich ehrlich zu dir." Tränen
liefen Rose über die Wangen und er strich sie sanft weg. Sie merkte, das
dieser Mann unerreichbar war und blieb. Seine Liebe galt immer noch der gleichen
Frau, die schon tot war, aber in seinem Herzen immer noch lebte. Rose war verletzt,
denn noch verstand sie seine Situation und die Entscheidung. Sie nickte und
sah Mark an.
"Ich akzeptiere es, Mark. Auch wenn es mir weh tut. Ich fühle mich dir
sehr nah und irgendwann musst du doch wieder eine Frau lieben. Du willst doch
nicht ein lebenlang alleine bleiben, oder?" "Ich bin nicht allein, Rose. Ich
bin bei Anne schon seit langer Zeit", antwortete er leise. Rose verstand nicht.
Sie wollte jetzt einfach alleine sein. "Ich werde mir ein Hotel suchen. Ich
kann nicht mehr bei dir wohnen, Mark." Er nickte. Rose lief in ihr Zimmer und
packte ihre Sachen. Als sie auf den Flur trat, stand Mark schon wartend auf
sie. "Er ist wundervoll", dachte Rose sich, als sie auf ihn zuging und ihn ansah.
Seine blauen Augen leuchteten und der weiße Pullover ließ sie noch
mehr strahlen. Mark nahm ihre Hand. "Rose...ich bin froh, dich kennen gelernt
zu haben. Du bist eine wundervolle Person. Auch wenn jetzt noch alles aussichtslos
und ungerecht scheint, wird sich dein Leben bald der Sonne zu wenden. Du wirst
lächeln und glücklich sein. Trust me! Ich war nur der Mann, der dich
in die richtige Richtung gelenkt hat. Jetzt musst du alleine klar kommen. Versprich
mir, dass du das Schicksal annimmst, wenn es dir auf deinem Weg begegnet. Nichts
geschieht zufällig. Machs gut Rose McKenzey." Sanft hob er ihr Kinn an
und schenkte ihr einen letzten Kuss. Rose war den Tränen nah. "Du bist
der zauberhafteste Mensch, den ich jemals getroffen habe, Mark. Du bist wundervoll.
Vielleicht bis bald!" Sie drehte sich um und stieg die Treppe hinab, "Einmal
werden wir uns noch sehen, versprochen!" Rose lief die Straße entlang
Richtung Busstation. Als sie sich noch mal umdrehte, war die Tür geschlossen
und Mark verschwunden.
20.
Rose lief traurig die Straße entlang. Wo sollte sie jetzt hin gehen?
Natürlich musste sie sich ein Hotel suchen, obwohl sie Hotels hasste. Gedankenversunken
schlenderte Rose durch die Straßen und dachte über Mark und seine
letzten Worte nach, die er beim Abschied sagte. Sie verstand den Sinn nicht
und überlegte. Als sie ein Hotel erreichte, hatte sie immer noch keine
Erklärung dafür. Rose wartete an der Rezeption, um sich ein Zimmer
zu mieten. Eine kleine Frau kehrte freundlich an die Theke zurück. Rose
checkte ein und ging in den zweiten Stock, wo sie ihr Zimmer aufschloss. Sie
sah sich um und war ganz zufrieden. Für ein paar Tage könnte sie hier
wohnen. Sie fühlte sich nur allein! Außerdem brauchte sie einen Job.
Nach langem Überlegen, entschloss sie sich, morgen beim Arbeitsamt vorbei
zu gehen und den Job als Journalistin anzunehmen, wenn er überhaupt noch
frei war. Rose hatte keine andere Wahl!
21.
Gegen 12:00 Uhr verließ Rose das Hotel und nahm den nächstbesten
Bus zum Arbeitsamt. "Lange nicht mehr hier gewesen", dachte sie genervt und
setzte sich auf einen Stuhl. Nun hieß es warten. Eine Stunde später
wurde sie endlich in das Zimmer gerufen und der Angestellte erkannte sie wieder
und bat ihr freundlich den Stuhl an. "Ich habe mir überlegt ihr Angebot
anzunehmen, auch wenn es eine schlechtere Zeitung ist. Ich brauche das Geld!",
sagte Rose. Der Mann lächelte. "Ich habe eine gute Nachricht für sie.
Daily Mirror sucht eine Journalistin und ich habe ihnen den Platz frei gehalten.
Ich hätte sie im Laufe des Tages noch angerufen." Rose wusste nicht, was
sie sagen sollte. Sie war sprachlos. Sie nickte und der Angestellte legte ihr
die Papiere auf den Tisch. Rose war glücklich, denn nun hatte sie endlich
wieder einen Job.
"Sie können Montag anfangen Miss McKenzey." Mit einem Lächeln verließ
Rose das Gebäude und atmete tief ein. "Danke!", flüsterte sie. "Danke!"
Rose wollte Mark besuchen, um ihm die gute Nachricht zu überbringen, doch
als sie zweimal kräftig an der Tür klopfte, machte er nicht auf.
Sie war traurig, dass er nicht zu Hause war. "Wen wollen sie denn besuchen?"
Erschrocken drehte Rose sich um und sah in das Gesicht von Kian.
"Ich wollte Mark besuchen, um ihm eine freudige Nachricht zu überbringen,
aber er scheint nicht zu Hause zu sein." Lächelnd trat sie Treppe hinunter
und stand vor Kian. "Ich bin Rose McKenzey." Freundlich schüttelte sie
ihm die Hand. Kian war sprachlos. "Ähh...ich...ich bin Kian Egan. Kennen
wir uns?"
"Aber ja. Sie hatten mir mal den Weg zum Arbeitsamt erklärt, wissen sie
noch?" Ein Lächeln huschte über Kians Gesicht und er konnte sich an
sie erinnern. Auch er schüttelte ihr freundlich die Hand. "Freut mich sie
wieder zu sehen. Hat uns das Schicksal wohl doch wieder zusammen geführt!"
Er lächelte. Rose dachte an die Worte von Mark. Sie brannten in ihrem Kopf:
Versprich mir, dass du das Schicksal annimmst, wenn es dir auf deinem Weg begegnet!"
Sie sah Kian, wie er sie anlächelte.
"Waren sie eine Freundin von Mark?" "Ja, das kann man so sagen. Ich bin es aber
immer noch." Kian sah sie an. Er musste ihr wohl vieles erzählen.
"Trinken wir etwas zusammen?" Rose nickte und beide liefen die Straße
hinab.
22.
"Ich nehme einen Cappuccino", antwortete Rose als der Kellner fragte, ob sie
schon bestellt hatten. Kian entschied sich für einen Kaffee und der Kellner
verschwand. "Jetzt treffe ich endlich noch ein Mitglied von Westlife. Wie mich
das freut." Lächelnd sah Rose Kian an, der ihr Lächeln erwiderte.
"Tja...
viele Fans träumen davon, jemals mit einem Westlifer einen Kaffee trinken
zu gehen. Sie leben gefährlich, Miss McKenzey!" Er lachte. "Wissen sie
warum Mark nicht zu Hause war?" Kians Gesicht verfinsterte sich und er schaute
aus dem Fenster. Rose bemerkte schnell, dass sie ein falsches Thema angesprochen
hatte und versuchte die Situation zu retten. "Tja....äh...leben sie auch
in Sligo, Mister Egan?" Er wandte seinen Blick vom Fenster ab und funkelte Rose
an.
Sagte sie heute alles falsch oder was? "Wie lange kannten sie Mark schon?"
Rose antwortete, dass es keine lange Zeit war, sie sich aber gut verstanden
hatten. Rose wusste nicht was diese Fragerei sollte und wurde ärgerlich.
"Das geht sie doch eigentlich gar nichts an. Warum wollen sie das alles so genau
wissen?" Böse schaute sie Kian an, der sich aus diesem Blick, aber nichts
machte. "Sie wissen gar nichts, Miss McKenzey, gar nichts!" Er machte Anstalten
auf zu stehen und zu gehen, aber Rose fasste seine Hand und zog ihn zurück
auf seinen Stuhl. "Was weiß ich nicht?" Sie sah, dass Kian sehr aufgewühlt
aussah. "Sagt ihnen der 11. Dezember irgendetwas?" Rose überlegte und schüttelte
den Kopf. Kian nickte und wusste, das er die Geschichte wiederholen musste.
"Sie weiß es nicht!", dachte er sich, als er in Roses fragendes Gesicht
sah. Er setzte sich und schloss die Augen.
"Hören sie mir zu und unterbrechen sie mich nicht." Irgendwo hatte sie
diesen Satz schon mal gehört und sie bekam Angst. Kian atmete tief ein
und fing an.
23.
"Mark war ein wundervoller Mensch. Wir waren so gut befreundet, dass uns niemand
hätte auseinander bringen können. Ich war stolz mit so einem ehrlichen
Mann befreundet zu sein. Er war für mich da, wenn ich ihn brauchte und
umgekehrt. Doch Mark war eine sehr verletzliche Person und sehr sensibel. Wenn
man ihm manchmal etwas direkter die Meinung sagte, wirkte er sehr schnell eingeschüchtert.
Ich versuchte ihm mehr Selbstbewusstsein einzuflößen. Es war schwer.
Aber als wir Westlife gründeten, war er glücklich. Er war erfreut,
das so viele Menschen unsere Musik hören und lieben. Mark war stolz auf
jeden von uns. Obwohl er sich oft allein fühlte, war er immer ein aufgeschlossener
Mensch. Man konnte ihn auch anders erleben, wenn wir abends manchmal in eine
Disco gingen. Er feierte gerne und lange. Wenn mehrere Frauen um ihn herum standen,
sah er mich immer mit diesem
-Was-soll-ich-machen-Blick an. Mark war einer der Menschen, die nach der großen
Liebe suchten und er fand sie auch." Kian sah aus dem Fenster und träumte.
"Und dann traf er Anne, hab ich Recht?" Kian drehte geschockt seinen Kopf in
Roses Richtung und sah sie an. "Sie wissen von Anne?"
"Ja, Mark hatte mir von ihr erzählt. Sie schienen sehr glücklich gewesen
zu sein." Kian sah Rose immer noch an. "Hat er ihnen auch von dem Unfall erzählt?"
Rose nickte traurig und auch Kian schaute zu Boden. "Sie waren perfekt!", erzählte
Kian. "Ich habe Mark noch nie so glücklich gesehen. Er war wie verwandelt.
Anne hatte ihm immer wieder neue Kraft gegeben. Manchmal kam er einfach zu mir,
sah mich an, lächelte und sagte, wie glücklich er wäre. Jedesmal
nahm ich ihn in meine Arme. Ich freute mich so für ihn, das er nach langer
Suche, endlich seine Traumfrau fand." Er stoppte. "Bis zu diesem verdammten
Unfall....!" Kian schlug mit seiner Faust auf den Tisch. Die anderen Leute im
Café schauten neugierig zu beiden hinüber und Rose sagte es sei
alles in Ordnung. Kian fing an zu weinen. "Er ist immer so vorsichtig gefahren.
Meistens wollte er sowieso, das andere fahren. Warum musste das bloß passieren?"
Weinend hielt er seine Hände vors Gesicht. Rose war überfordert. Sie
kannte diesen Mann kaum. Doch er fasste sich und sah sie an. "Nach dem Unfall
stürzte Mark in ein tiefes schwarzes Loch. Er war ein Wrack. Er aß
nichts mehr, wollte nur noch alleine sein und schloss sich von der Außenwelt
ab. Sogar uns vier ließ er nicht mehr an sich heran. Wir traten nur noch
zu viert auf. Das schlimme war, das die Presse schrieb, er wäre Schuld
gewesen. Das konnte er nicht verkraften. Er wollte nie irgendjemandem weh tun
und erst gar nicht seiner großen Liebe. Eines Abends besuchte ich ihn
und es war schrecklich ihn anzusehen. Ich konnte ihm nicht helfen. Niemand konnte
das und sogar er selbst hatte sich schon aufgegeben. Ich sagte zu ihm er müsse
weiterleben, Anne hätte es so gewollt. Dann schrie er mich an, er wüsste
überhaupt nicht, was sie wollte. Nur er hätte es gewusst und habe
alles kaputt gemacht. Er fing an zu weinen.
Noch nie hatte ich Mark so weinen gesehen, weil er einer der Menschen war, der
gegen Weinen war. Ich nahm ihn in den Arm. Hätte ich gewusst, das ich ihn
das letzte Mal an diesem Abend gesehen hätte, dann.....!"
Rose unterbrach Kian. "Das letzte Mal? Was soll das heißen?" Kian fuhr
fort. "Ich weiß nicht, wie es abgelaufen ist. Ich habe nur diesen einen
Zeitungsartikel vor Augen: Westlife-Star Mark Feehily beging Selbstmord!"
Rose sah ihn entgeistert an. "Sie müssen sich irren. Ich war noch gestern
bei ihm zu Besuch. Er ist nicht tot!" Kian sah sie an und konnte nicht glauben,
was sie da behauptete. Er sprang auf. "Mark ist tot. Ich habe ihn doch selbst
gesehen."
Auch Rose erhob sich. "Ich glaube ihnen nicht. Er wohnt dort hinten in der Calry
Road." Kian schrie sie an und beide wurden wegen ihres schlechten Benehmens
aus dem Café geschmissen. Wütend stand Rose vor Kian und zog ihm
am Ärmel. "Wir gehen jetzt zu ihm. Komm!" Kian hielt Rose für verrückt.
Sie sah ihn an und lief einfach los. "Mark tot. Der will mir doch Lügen
erzählen." Sie rannte immer weiter bis sie vor Marks Haustür stand
und klopfte. Sie klopfte so heftig gegen die Tür, das ihre Hand schmerzte.
"Warum ist er nicht da?" Kian, der ihr gefolgt war, stand hinter ihr und beobachtete
die verzweifelte Frau. Rose schrie: "Mark, wo bist du. Mach auf!" Kian nahm
Rose sanft am Arm, doch sie schlug ihn weg. "Lass mich, du lügst mich an!"
Kian wusste, das er Rose jetzt nicht beruhigen konnte und trat einen Schritt
zurück. Rose hob einen Stein vom Boden auf und schlug die Scheibe ein.
Sie hörte noch Kian irgendetwas schreien, doch Rose stand bereits in der
Wohnung. Sie erschrak. Alles war leer geräumt. Vereinzelt standen noch
ein paar Stühle im Raum. Wie im Trance lief sie zur Küche hinauf,
doch auch diese war leer. Sie konnte es nicht glauben. Plötzlich entdeckte
sie eine Zeitschrift und sah auf das Titelblatt. Westlife-Star Mark Feehily
beging Selbstmord!!!
Gestern nacht gegen 23:00 Uhr entdeckten Fischer einen leblosen Menschenkörper
im Wasser treiben. Da sie dachten, der Mann könnte noch am Leben sein,
zogen sie ihn sofort an Bord. Ihnen wurde schlagartig klar, das dieser Mann
Mark Feehily von Westlife war, der sich höchstwahrscheinlich das Leben
nahm. Vermutlich sprang er von den Klippen und schlug unten auf den Felsen auf.
Sein Körper war übersät von Wunden und Blutergüssen. Auch
befand sich Wasser in seiner Lunge, was darauf hindeutet, das er ertrunken ist.
Grund für diese Tat, war vermutlich der Tod seiner Freundin, die er durch
einen tragischen Autounfall verlor, wo er am Steuer saß. Von Schuldgefühlen
geplagt, war dies wohl der letzte traurige Ausweg, den er sah. Seine vier Bandmitglieder
Shane Filan, Bryan McFadden, Nicky Byrne und Kian Egan zeigten sich entsetzt
und wollen ohne Mark die Band nicht weiter machen. Eine öffentlich Pressekonferenz
findet in 2 Tagen statt.
Rose konnte nicht mehr weiterlesen, da sie mit ihren tränengefüllten
Augen nichts mehr erkennen konnte. War sie verrückt? Der Mann auf dem Foto
war der gleiche, wie der, mit dem sie das Wochenende zusammen war. Ihr Kopf
war leer und sie merkte nicht, wie Kian sich neben sie setzte und sie sanft
über den Kopf strich. "Ich bin nicht verrückt, Kian. Ich weiß,
das ich mit ihm dieses Wochenende verbracht habe.
Ich habe mit ihm gesprochen, ihn angefasst und sogar geküsst. Ich verstehe
das alles nicht!" Kian beruhigte sie und sagte, das sie jetzt fantasiere sei
normal nach dem Schock. Wütend sprang sie auf und wollte Kian anschreien,
ihm die Meinung sagen, doch sie war zu schwach. Alles drehte sich und sie spürte
einen stechenden Schmerz, als sie auf dem Boden aufschlug.
24.
Rose öffnete ihre Augen. Sie sah weiße, kahle Wände und hörte
vereinzelt ein Piepen. Sie war im Krankenhaus. Sie wusste auch warum. Ihr Körper
schmerzte und ihr Kopf brummte. Gerade wollte sie wieder ihre Augen schließen,
als der Arzt hereinkam. Er war froh, das sie wieder wach war. Wie sich heraus
stellte, war Rose in Ohnmacht gefallen, wobei sie unglücklich auf den Kopf
gefallen war. Es sei nur ein leichtes Schädelhirntrauma. Sie müsse
aber noch mindestens eine Woche hier bleiben. Rose nickte schwach und der Arzt
verschwand. Wieder schlief sie ein und träumte von Mark. Tränen liefen
ihr über die Wangen. Sie hoffte bald aus diesem Alptraum aufzuwachen. Doch
als es an der Fensterscheibe klopfte und sie dahinter Kian wahr nahm, wusste
sie das alles pure Realität war. Kian kam herein und setzte sich neben
sie. Schwach sah Rose ihm in die Augen. Plötzlich war sie froh, dass er
da war. "Hey, wie geht es dir?" Rose versuchte zu lächeln. "Den Umständen
entsprechend würde ich sagen. Mein Kopf brummt schrecklich." Kian sah sie
besorgt an. "Du bist ja auch brutal gegen die Tischkante gefallen. Du hast mir
einen Schrecken eingejagt. Ich war total verzweifelt." Rose lächelte innerlich.
Auch Kian bemerkte, das er diese Frau fast gar nicht kannte, sie aber irgendetwas
besonderes hatte, was ihn magisch anzog. Nur war er immer noch am überlegen,
warum sie behauptet hatte, mit Mark das Wochenende verbracht zu haben. "Glaubst
du ich bin verrückt?" Fragend sah Rose Kian an. "Hmmm....ich weiß
nicht, was ich dazu sagen soll. Mark ist seit mehr als sieben Monaten tot und
es ist unwahrscheinlich, dass du dich mit ihm getroffen hast." Rose starrte
an die Decke. "Hatte er vielleicht einen Zwillingsbruder?" Kian schüttelte
den Kopf. "Ich verstehe das nicht, Kian. Das Bild in der Zeitung ist total identisch.
Ich kann das doch nicht geträumt haben." Sie sah ihn an. "Er war bei mir.
Ich schwöre es!" Kian schaute Rose lange an und wusste nicht, was er von
dieser Geschichte halten sollte. Er hatte Mark im Sarg liegen gesehen. Er ist
aufjedenfall tot. Und so was wie Engel oder Seelen, die zurück kehren,
existieren nicht. Das sind alles nur Märchen. Daran glaubte er nicht. Vielleicht
war es einfach eine Verwechslung. "Wann kommst du hier raus, Rose?"
"In etwa 1 ½ Wochen hat der Arzt gesagt. Mein Kreislauf muss sich erst
wieder stabilisieren." Kian sah sie an. "Ich werde dich öfters besuchen
kommen, all right?" Rose nickte und freute sich auf jedes weitere Treffen mit
ihm.
25.
Wochen waren vergangen und Rose war wieder gesund. Sie wohnte in einem kleinen
Haus in Sligo, das sie sich nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus gekauft
hatte. Ihren Wohnsitz in Spanien hatte sie verkauft und ihr Entschluss, für
immer in Irland zu wohnen, stand fest. Der neue Job gefiel ihr auch, obwohl
sie manchmal ihre alten Arbeitskollegen vermisste. Der Alltag war zurück
gekehrt. Sie war wieder glücklich, auch in der Liebe. Sie und Kian hatten
sich nach dem schrecklichen Vorfall immer öfter getroffen und irgendwann
lieben gelernt. Alles war wieder normal, bis zu dem schicksalhaften Mittwoch
im Oktober. Rose musste lange arbeiten, da sie ihren Artikel unbedingt noch
fertig bekommen musste. Als sie auf die Uhr sah, erschrak sie. Es war schon
kurz vor 0:00 Uhr und sie musste schnellstens nach Hause. Draußen regnete
es in Strömen und Rose verschwand schnell in ihrem Auto. Das Wetter war
schrecklich. Der Regen wurde immer stärker und sie konnte vor Nebel fast
gar nichts mehr erkennen. Zu guter letzt verpasste Rose auch noch die Einfahrt
und fuhr weiter. "Mist", dachte sie. "Ich glaube ich blicke hier gar nicht mehr
durch." Verzweifelt suchte sie ihren Reiseführer, als sie plötzlich
stark auf die Bremse treten musste. Vor ihr auf der Straße stand ein Reh.
Rose hatte zu spät reagiert und riss das Lenkrad scharf nach rechts und
landete im Graben. Geschockt stieg sie aus ihrem Auto aus. Mit einer Taschenlampe
in der Hand suchte sie das Reh, doch es war verschwunden. Einerseits war sie
erleichtert, dass das Tier nicht tot war, andererseits lag ihr Auto im Graben
und hier draußen im Dunkeln war keine Menschenseele zu sehen. Rose entschied
sich die Straße bergab zu gehen. Irgendwann müsste sie ein paar Häuser
erreichen, wo sie freundlich nach einem Telefon fragen würde. Warum hatte
sie ausgerechnet heute ihr Handy vergessen? Mit schnellen Schrittes lief sie
die Straße entlang und blieb nach ein paar Minuten schreiend stehen. Unter
ihr war der Abgrund. Hier war sie schon mal. Es sind die Klippen, wo sie sich
vor einem Jahr das Leben nehmen wollte und Mark sie von dieser dummen Tat rettete.
Schnell ging sie fünf Schritte zurück und starrte auf das tosende
Meer. Sie hatte Angst und wollte so schnell wie möglich hier weg. Gerade
hatte sie alles vergessen und wollte nicht wieder an alles schreckliche erinnert
werden. Rose drehte sich um und war bereits am rennen, als sie in der Ferne
ein weißes Licht sah. Sie blieb stehen. Was war das? Es kam näher
und Rose hielt sich ihre Hände vor die Augen, weil es sie extrem blendete.
Plötzlich war wieder alles dunkel. Rose war wie erstarrt. Dieser Ort war
unheimlich und sie wollte schnell weg von hier. Sie drehte sich um fing lauthals
an zu schreien. Vor ihr stand ein Mann und Rose spürte die Angst, die sich
in ihrem Körper ausbreitete.
26.
Rose ging einen Schritt zurück und schrie: "Gehen sie weg, lassen sie mich
in Ruhe. Ich weiß nicht, was ich ihnen getan habe, aber lassen sie mich
am leben." Weinend fiel Rose auf die Knie und hielt sich ihre Hände schützend
vors Gesicht. Es war still. Zu still. Sie stand langsam auf und sah sich um.
Wo war dieser Mann? "Immer noch so ängstlich, Rose?"
Schockiert drehte sich Rose um und sah in das Paar wunderschöner hellblauer
Augen. "Nein....das kann nicht sein...." Sie trat zwei Schritte weg.
"Ich träume.....nein...ich weiß...ich bin tot!" Der Mann lachte und
stand jetzt genau vor ihr. "Du bist hellwach Rose!"
Er stand vor ihr. Sein Gesicht war wunderschön wie immer. Seine Augen strahlten
und seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.
"Das war eben sehr knapp, Rose. Pass besser auf beim Fahren!" Entsetzt schrie
sie ihn an. "Musst du gerade behaupten.....Mark!" Sein Lächeln verschwand
und er funkelte sie böse an. Wütend griff er ihren Arm und zog sie
an sich.
"Sag so was nie wieder!" Er ließ sie los und Rose fiel zu Boden. Sie war
geschockt. Wieder konnten sie sich berühren und er stand lebendig vor ihr.
"Warum bist du hier Mark? Du bist tot!" Mark stand mit dem Rücken zu ihr
und sie konnte sein Gesicht nicht sehen. "Also hat Kian dir alles erzählt?"
"Das kann man laut sagen. Was denkst du? Alle hielten mich für verrückt.
Auch wenn Kian es nie sagte, er wusste, das ich mir diese Geschichte ausgedacht
haben muss. Jeder...ja...jeder dachte ich sei verrückt. Wie konntest du
mir so was antun Mark. Wieso?" "Ich habe dir geholfen, Rose. Wäre ich an
dem einen Abend nicht hier gewesen, wärst du gesprungen, hab ich Recht?"
Er zeigte den Abgrund hinunter und drehte sich zu ihr um. "Steh auf Rose. Sofort!"
Langsam erhob sie sich vom Boden und sah ihn an. "Kian ist wundervoll, nicht
wahr?"
Misstrauisch schaute Rose Mark von der Seite an. Sie muss verrückt sein.
Er war es. Hundertprozentig! Aber wie kann ein toter Mensch neben ihr stehen?"
"Warum sollte ich das nicht, Rose?" Überrascht über seine Frage drehte
sie sich weg. "Ich kann deine Gedanken lesen. Schon seit wir uns das erste Mal
gesehen haben." Rose schüttelte den Kopf. Sie muss träumen. "Du träumst
nicht, Rose!"
Schockiert schrie sie an. "Lass mich in Ruhe, Mark Feehily. Erst erscheinst
du in meinem Leben und ich hatte gedacht, ich würde dich lieben und jetzt
hatte ich dich vergessen und plötzlich stehst du wieder vor mir. Was soll
das?"
"Erstens hast du mich nicht vergessen. Das ganze Jahr nicht. Hat Kian deine
Tränen gesehen? Wie du dich fast jede Nacht in den Schlaf geweint hast?"
Er sah sie fragend an. Rose war überfordert und schaute verlegen zu Boden.
Warum tut er das? "Deine Liebe zu mir, war nur von kurzer Dauer, weil du für
Kian bestimmt warst." Jetzt wurde Rose einiges klar. "Ach, dann warst du also
der Liebesbote der uns zusammen führen sollte? So ein Quatsch Mark. Ich
glaube dir kein Wort mehr. Gar nichts mehr!" Sie war wütend und wusste
nicht, ob sie am Leben war oder tot. Mark war tot. Sie hatte es gelesen. Sie
war an seinem Grab. Mark schaute sie an. "Du weißt gar nichts Rose. Gar
nichts."
Ihre Blicke trafen sich und Rose wusste, das ihre Liebe zu ihm nicht erloschen
war, auch wenn sie Kian liebte. "Gib mir deine Hand. Ich will dir etwas zeigen!"
27.
Mark streckte Rose seine Hand entgegen und sah ihr in die Augen. "Bitte, ich
muss dir so vieles erklären!" Rose war verwirrt, aber auch wütend.
Wie kann er nach einem Jahr einfach wieder auftauchen. Gerade war ihr Leben
wieder so wie früher und jetzt erscheint er und bringt wieder alles durcheinander.
"Ich traue dir nicht, Mark. Du bist tot und kannst nicht neben mir stehen."
Mark zog seine Hand zurück. Er sah sie an. "Ja, ich weiß Rose. Ich
bin tot!
Schon seit langer Zeit!" Rose schaute auf das Meer. "Und warum stehst du dann
neben mir? Warum kann ich dich sehen, dich berühren...einfach alles?"
Mark suchte nach einer passenden Antwort. "Weißt du, dass ich auf diese
Frage keine Antwort habe?" Ihre Blicke trafen sich. Rose wusste nicht, wie sie
jetzt reagieren sollte. Das kann doch alles nicht wahr sein. Die Stille war
unerträglich. Nur das Meer war zu hören, wie die Wellen gegen die
Klippen schlugen. "Warum bist du wieder hier, Mark?" Fragend sah sie ihn an.
"Ich hatte dir doch versprochen, dass wir uns nocheinmal sehen, schon vergessen?"
Rose schüttelte den Kopf. "Nein, aber wie sollte das gehen, wenn du tot
bist. Ich habe dein Grab besucht, Mark." Wieder trafen sich ihre Blicke. "Ich
weiß", flüsterte Mark. "Vertrau mir bitte!" Wieder streckte er seine
Hand in ihre Richtung. Zögernd umschloss Rose sie und Mark lächelte.
28.
Rose fühlte wie sich eine wohltuende Wärme in ihr ausbreitete. Es
tat gut in seiner Nähe zu sein. Sie wusste nicht, wie lange sie dort stand....aber
sie hatte immer Marks Hand umschlossen. Langsam öffnete sie die Augen und
war erstaunt. Der heftige Regen hatte aufgehört und am Himmel sah sie den
leuchtenden Vollmond. Rose sah an sich herunter und bemerkte, dass ihre Kleidung
vollständig getrocknet war. Sie drehte sich in Marks Richtung und schaute
in ein lächelndes Gesicht. Stotternd fragte sie: "Warst du das? Ich meine
das mit dem Regen.....?" "Hush....!" Sanft hielt er ihr seinen Finger vor die
Lippen. Wieder lächelte er. "Vielleicht. Such dir was aus!" Immer noch
seine Hand umschlossen gingen sie ein Stück weiter nach rechts und blieben
stehen. Mark atmete tief ein. "Hier stand ich und war völlig verzweifelt.
Alles hatte sich gegen mich verschworen und ich war allein. Ich wollte nicht
mehr hier auf dieser ungerechten Welt leben....ohne meine Anne. Ich wollte wieder
bei ihr sein." Mark sah Rose an, die ihn entgeistert anschaute. "Ich bin gesprungen,
weil ich keinen anderen Ausweg sah." Mark kniete sich auf den Boden und begann
die Erde langsam aufzugraben. Rose verstand nicht, was das alles sollte. Sie
sah ihm aber trotzdem interessiert zu, obwohl sie nicht wusste, was er suchte.
Doch Mark wurde fündig und stand wieder auf. In seiner Handfläche
lag eine wunderschöne Kette. "Warte, sie ist sehr dreckig."
Er strich mit seiner anderen Hand langsam über den Anhänger und plötzlich
strahlte sie wie neu. Rose war sprachlos. "Wie.....wie...machst du das?" Mark
schüttelte den Kopf. "Das ist unwichtig, Rose!" Er öffnete ihre Hand
und legte die Kette in ihre Handfläche.
Sanft drückte er sie zu. "Bitte behalte sie! Du bist die einzige, die es
verdient, sie zu haben!" Rose war immer noch sprachlos. "Komm. Ich will dir
noch mehr zeigen." Wieder umschloss er lächelnd ihre Hand.
29.
Wieder schloss Rose ihre Augen und spürte diese vertraute Wärme, wenn
Mark in ihrer Nähe war. "Mach deine Augen auf, Rose!" Rose konnte nicht
glauben, wo sie waren. Beide standen in dem Wohnzimmer von Marks Haus. Rose
strahlte. Alles war wie früher. Das Sofa, der Kamin...alles war da. Rose
lief die Treppe hinauf zur Küche. Auch hier hatte sich nichts verändert.
Der alte Holztisch stand mitten im Raum. Auf ihm eine Vase mit Tulpen. Rose
konnte es nicht glauben. "Ich wusste, das du dich an diesem Anblick noch mal
erfreuen würdest." Rose drehte sich mit Tränen in den Augen um und
sah Mark lächelnd an der Wand lehnen. Sein Gesicht war ebenmäßig
schön und seine Augen strahlten heller als sonst. Rose spürte dieses
Verlangen in ihrem Körper. Sie hatte gehofft diesen Mann vergessen zu können.
Doch nichts konnte diese Lust auf ihn stoppen. Innerlich lächelte sie.
"Wie hast du das gemacht, Mark?" Fragend sah sie ihn an. Sein Mund verzog sich
zu einem Lächeln. "Magie!".
Er trat einen Schritt auf sie zu und legte sanft seinen Arm um ihre Hüfte.
"Glaubst du an Magie, Rose?", hauchte er ihr ins Ohr. Rose spürte die Erregung
in ihrem Körper. "Warum macht er das? Er weiß genau, was er mit mir
anstellt, wenn er das weiter macht. Er kann meine Gedanken lesen!", dachte Rose
sich. Ihre Blicke trafen sich und Mark grinste. "Genau, Rose. Ich weiß,
was du denkst. Ich spüre, dass du dich mir voll und ganz hingeben würdest!
Ich sehe das Verlangen in deinen Augen." Mark trat einen Schritt weiter nach
vorne und Rose stieß an den Tisch. "Mark, nein....Hör bitte auf!
Du kannst nicht......!"
Er legte seinen Finger auf ihren Mund. "Was kann ich nicht Rose? Ich sehe, wie
du deine Lust und deinen Drang unterdrückst. Du bist eine schlechte Schauspielerin."
Zärtlich strich er über ihre Unterlippe. Rose schloss ihre Augen.
Sie konnte sich nicht wehren. Dieser Mann machte sie kraftlos und wahnsinnig
zugleich. "Was mache ich nur?", dachte Rose, während Mark sanft ihren Hals
küsste. Rose krallte sich an seinem Hemd fest, weil sie sonst umfallen
würde. "Ich liebe doch Kian!" Mark stoppte und sah sie an. Seine blauen
Augen strahlten. "Wenn du ihn liebst Rose, dann stoße mich weg. Sag ich
soll aufhören. Nur dann liebst du ihn wirklich!" Rose fühlte sich
in die Enge getrieben. Ja, sie liebte Kian wirklich, aber Mark begehrte sie
mehr als alles andere auf dieser Welt. "Was soll ich machen, Mark?" Fragend
schaute sie ihn an. "Kian ist wundervoll, aber.......!" "Hush now...! Ich weiß,
was passiert Rose, wenn ich dich jetzt küsse, ist alles vorbei, weil du
nicht mehr klar denken kannst. Ich glaube dir, dass du Kian liebst, aber du
könntest mir nicht widerstehen. Lass es, wenn Kian dir wichtig ist." Mark
trat einen Schritt weg und lehnte sich an den Kühlschrank. Fordernd sah
er sie an. Rose war überfordert und total verwirrt. Warum macht er das?
"Ich....ich....". Rose versuchte etwas zu sagen, brachte aber nichts heraus.
Mark zog eine Augenbraue hoch und wartete. Mit offenem Mund sah sie ihn an.
Sie wollte ihn, jetzt....Kian würde es nie erfahren. Rose ging auf Mark
zu und schaute ihm direkt in die Augen.
30.
"Mark...", flüsterte sie. "Ich will dich spüren. Nur einmal. Hier
und jetzt.
Vergiss alles andere für einen Moment!" Mark sah sie an. "Glaubst du das
ich das kann?" Fragend sah er sie an. "Ich weiß nicht!" Lange schauten
sie sich an.
"Ich muss dir was sagen, Rose...ich....!" Marks Stimme verstummte, als Rose
ihn küsste. Sie umschloss seinen Nacken und Mark schien überrascht.
Ihre Lippen lösten sich. Rose sah ihn an. Marks Augen funkelten. "Das hättest
du nicht tun sollen. Jetzt kannst du dich nicht mehr drücken." Seine Arme
legten sich um ihre Hüften und er legte sie auf den Tisch. Er beugte sich
über sie. "Sag Kian, dass es mir leid tut!" Rose verstand nicht, aber sie
brauchte nicht zu denken. Mark küsste sie leidenschaftlich und Rose spürte
die unaufhaltsame Lust ihn zu spüren. Sie strich ihm durch sein schwarzes
Haar und streifte ihm sein weißes Hemd vom Oberkörper. Seine Hand
strich über ihren Hals und endete an dem Knopf ihrer Bluse. Er öffnete
jeden Knopf ganz langsam, weil er merkte, das Rose immer ungeduldiger wurde.
Es reizte ihn, sie so nervös zu machen. Wieder küssten sie sich und
Roses Puls raste in die Höhe. Ihre Gefühle spielten verrückt,
als er sanft mit seinem Finger über ihren Körper glitt. Seine Haut
war warm und weich und bald trennte sie nur noch ein Hauch von Stoff voneinander.
Mark stoppte. "Was ist?", flüsterte Rose. Mark schaute auf sein Symbol
auf dem Arm. Rose entdeckte wieder die Gravur mit dem Kreuz und den Engelsflügeln.
"Nichts Rose. Es ist alles wunderbar!" Mark strich ihr den letzten Stoff vom
Körper und lächelte sie an. Er kam mit seinem Kopf ganz nah an ihrem
und flüsterte. "Ich danke dir Rose!"
I’m gonna take this moment and make it last forever
I’m gonna take this night and make it evergreen.
Rose schloss ihre Augen, als sie seinem Gesang horchte. Er war so wundervoll.
"Schau mich an Rose!" Sie öffnete die Augen und sah in sein strahlendes
Gesicht. Auch sie lächelte. Plötzlich zuckte ihr Körper und sie
folgte seinen gleichmäßigen Bewegungen. Wieder spürte sie diese
Wärme in ihrem Körper. Aber diese Wärme war anders. Unbeschreiblich
schön. Sie krallte sich an Marks Rücken fest und keiner von beiden
sah die Sternschnuppe am Himmel, die verglühte, als beide ineinander verschmolzen
und sich näher waren, als jemals zuvor.
31.
Rose öffnete ihre Augen und sah in Marks Gesicht. Er lächelte. Sie
fühlte sich glücklicher als jemals zuvor und lächelte zurück.
Mark rutschte vom Tisch und Rose sah an die Decke. Ihr Dauergrinsen wollte nicht
mehr verschwinden.
"Alles okay, Rose?" Mark schaute sie fragend an, während er sein Hemd zuknöpfte.
"Ja. Mir geht es wundervoll." Mark strich ihr über die Wange und hauchte
ihr einen Kuss auf die Lippen. "Mir auch!" Er ging zum Spiegel und musste über
seine verwuschelten Haare lachen. Auch Rose grinste und zog sich ihre Anziehsachen
an. "Komm Rose!", sagte Mark, als sie fertig war. Wir müssen los." Rose
folgte ihm nach draußen. "Gib mir deine Hand und schließ deine Augen."
Rose gehorchte und als sie ihre Augen öffnete waren sie wieder auf den
Klippen. Mark stand vor ihr. Er war blass. Rose erschrak. "Mark, was ist los?
Geht’s dir nicht gut?" Er lächelte. "Doch Rose. Mir geht es wunderbar.
Das habe ich dir zu verdanken." Er lächelte. Er streifte seinen Ärmel
hoch und Rose sah die Gravur. Sie hatte sich verändert. Zu sehen war ein
Engel mit wunderschönen Engelsflügeln. Rose schaute in Marks Augen,
die sich mit Tränen füllten. "Was ist Mark?" Mark schluckte. "Du hast
mir durch deine Liebe, die du mir letzte Nacht geschenkt hattest, das gegeben,
was mir noch fehlte. Meine Aufgabe hier auf der Erde ist erfüllt, Rose
und das habe ich dir zu verdanken." Er sah sie an. "Kian kann sich glücklich
schätzen so eine wunderbare Frau zu haben." Rose liefen Tränen über
die Wangen. "Ich bin dir so dankbar Rose. Durch dich bin ich endlich wieder
bei ihr." Rose war traurig. Musste er sie jetzt schon wieder verlassen? "Rose.
Ich kann dir meine Gefühle nicht beschreiben. Ich liebe Anne über
alles, aber meine Liebe zu dir ist nicht weniger stark. Hätten wir uns
unter anderen Umständen getroffen. Früher, als ich noch lebte." Er
sah Richtung Himmel. "Rose, ich bereue meine Tat. Mein Leben so leicht weg geworfen
zu haben, war ein Fehler. Man kann neu anfangen, wenn man es will. Doch ich
hatte nicht den Mut dazu. Bitte behalte mich in Erinnerung." Rose weinte auch
und ihm liefen Tränen über die Wangen. Er ließ ihre Hand los
und sang:
On Angel’s wings, an angelical formation
Angel’s wings, like letters in the sky,
Now I know no matter what the question
Love is the answer
It’s written on angel’s wings.
Mark wurde immer blasser und heller. Rose wollte nicht, das er geht.
"Mark bleib hier, bitte!"
Das letzte was sie sah, war Marks Lächeln und ein heller Schein, der sie
so blendete, das sie die Augen schloss.
32.
"Rose...Rose....! Hörst du mich?" Schwach öffnete sie die Augen und
sah in das Gesicht von Kian, der neben ihrem Bett saß. Rose war verwirrt.
"Kian...was ist los? Wo bin ich?" Kian lächelte. "Du hattest einen Autounfall
Rose und lagst im Koma. Die Ärzte hatten dich schon aufgegeben, aber ich
wusste, das du wieder aufwachen würdest." Roses Kopf brummte. "Ich....ich...und....!"
"Pst....der Arzt hat gesagt du sollst dich noch nicht so anstrengen."
Sanft strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht. "Ich muss jetzt noch
zu einem wichtigen Termin, aber ich komme heute Abend noch mal wieder." Er küsste
sie sanft auf den Mund und verließ das Zimmer. Rose schloss die Augen.
Was war hier los? Wenn sie im Koma gelegen hatte, dann....muss sie die ganze
Geschichte geträumt haben. Nein, das konnte nicht sein. Es war alles so
wahr. Er war ihr so nah! Weinend vergrub sie ihren Kopf im Kissen. Alles nur
geträumt? Traurig schlief sie ein.
33.
Nach über einer Woche konnte Rose das Krankenhaus verlassen. Sie war immer
noch sehr verwirrt und das merkte auch Kian. "Geht es dir wirklich so gut, das
du heute schon gehen kannst?" Rose nickte. "Ich warte unten auf dich, okay?"
Er hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und ging Richtung Treppe. Gedankenversunken
räumte sie ihre letzten Sachen in die Tasche. Immer noch hatte sie nicht
viel gesprochen. Ihre Gedanken kreisten um Mark. Sie konnte nicht glauben, wieder
alles nur geträumt zu haben. Sie schüttelte ihre Decke auf und war
gerade dabei das Zimmer zu verlassen, als sie unter dem Bett ein Blitzen sah.
Sie ging zurück und schaute unter das Bett. Mit ihrer rechten Hand griff
sie suchend darunter und erreichte mit ihrer Fingerspitze das Metallobjekt.
Sie umfasste es und stand vom Boden auf. Geschockt hielt sie sich die linke
Hand vor den Mund. Nein! In ihrer Hand lag Marks Kette, die er ihr auf den Klippen
geschenkt hatte. Sie konnte ihre Tränen nicht unterdrücken. Langsam
drehte sie das Kreuz um: You’re in the arms of an angel, may you find some comfort
here.... Marcus Michael Patrick Feehily
Rose hielt sich an dem Bett fest und lächelte. Sie hatte es doch nicht
geträumt. Sie hörte ein Autohupen und schloss die Tür des Zimmers.
Rose schaute auf das Kreuz und sagte: "Mark Feehily. Ich werde dich nie vergessen!!!"
© Isabelle Horn
Written: 03.04 - 27.04.04