Kapitel: 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 -11 - 12
Info: Please notice that this story includes explicit sexual content and therefore you should not read this if you are under 18 or easily offended!!

Kapitel 1

„Ich kann gar nicht mehr dagegen tun?“

„Nein Mum.“

„Du bist fest entschlossen?“

„Ja. Dad immer noch.“

„Und du glaubst wirklich du schaffst das alles?“

„Mum, ich weiß nicht ob ich das alles schaffe. Aber ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich es nicht wenigstens versuchen würde. Und ganz so ahnungslos bin ich ja auch nicht. Schließlich bin ich doch auch auf einer Farm aufgewachsen.““

Ich sah ihr eindringlich in die Augen. Mein Entschluss stand fest. Unumstößlich.

„Nun seht es doch ein. Ich muss es wenigstens versuchen. Ihr habt die Bilder doch auch gesehen. Ich kann die Tiere doch nicht einfach auf die Schlachtbank schicken. Das haben sie nicht verdient.“

Meine Eltern sahen sich zweifelnd an. Mein Vater hob die Schultern und warf meiner Mutter einen resignierenden Blick zu. Meine Mutter nickte nur und zog mich im nächsten Moment in die Arme. Fest hielt sie mich an sich gedrückt.

Dann wieder packte sie mich bei den Schultern und sah mir direkt in die Augen.

„Versprich mir das du sofort zurück kommst, wenn es keine Möglichkeit gibt den Betrieb aufrecht zu erhalten.“

Ich nickte. „Versprochen.“

Das war vor zwei Tagen gewesen. Es war der letzte Versuch meiner Eltern mich von meinem Vorhaben abzuhalten.

Aber schließlich hatten sie doch einsehen müssen, dass es für mich kein Zurück mehr gab. Meine Entscheidung stand fest.

Nun saß ich hier im Flugzeug von Dublin nach Sligo und war mir plötzlich gar nicht mehr so sicher.

Eigentlich hatte ich keine Ahnung was auf mich zukam.

Aber irgendwie, dachte ich nun, gab es für mich keinen anderen Weg als mich auf dieses „Abenteuer“ einzulassen.

Ich war mittlerweile sechsundzwanzig. Hatte bereits ein Studium in Betriebswirtschaft hinter mir und mich dann noch einmal anderes entschieden und Tiermedizin studiert. Seit Monaten versuchte ich in irgendeiner Praxis meinen Beruf ausüben zu können. Bisher ohne jeglichen Erfolg. Um wenigstens meine kleine Wohnung halten zu können, und meinen Lebensunterhalt verdienen zu können, arbeitete ich als Tierpflegerin in einem Zoo ganz bei uns in der Nähe. Aber diese Arbeit füllte mich nicht aus und außerdem war es nicht das, wofür ich jahrelang studiert hatte.

Aber es lief eben nicht immer alles so, wie ich es wollte.

Mein größter Traum wäre es gewesen, eine eigene Praxis zu eröffnen. Dafür jedoch fehlte mir das Geld. Meine Eltern hätten mich zwar bei diesem Vorhaben unterstützt, aber dafür reichte auch bei Ihnen das Geld nicht aus.

Und dann passierte plötzlich etwas, was mein Leben total veränderte.

Mein Blick fiel auf meinen Rucksatz den ich als Handgepäck mit in den Flieger genommen hatte.

Ich riss den Reißverschluss auf und hielt wenig später, zum X-ten mal diesen Brief in der Hand.

„Meine liebe Mieke,“ las ich.

„Ich weiß, wir haben lange nichts voneinander gehört. Aber denke nicht, dass ich nicht oft an dich und deine Eltern gedacht habe.

Ihr seit schließlich meine einzigen Verwandten und ich fühle mich mit euch verbunden, auch wenn wir uns so selten sehen.

Wie du weißt bin ich sehr krank. Ich weiß, dass meine Tage gezählt sind. Aber ich bin deshalb nicht traurig. In meinem Alter muss man schon mal öfter über das „Unvermeidliche“ nachdenken. Ich hätte genügend Zeit dafür. Und habe keine Angst, unserem Herrn gegenüber zu treten.

Was mir mehr Angst macht, ich der Gedanke an meine kleine Farm und vor allem die Tiere die dazugehören.

Ich weiß, dass du das Herz auf dem richtigen Fleck hast, und dass du Tiere genau so liebst, wie ich sie liebe.

Es ist nicht viel, was ich dir hinterlassen möchte. Aber ich hänge sehr daran und würde dich gerne als neue Herrin auf dem Hof sehen. Ich weiß, was ich dir aufbürde. Es wird ein hartes Stück arbeit sein, die Farm wieder gewinnbringend in Schuss zu bringen. Ich hatte die letzten zwei Jahre nicht mehr den Mut und die Kraft dazu, dafür zu sorgen, das alles so zu bewirtschaften wie ich es sonst immer getan habe.

Aber glaube mir, es ist ein schönes Leben das ich geführt habe bis ich mich dem Krebs geschlagen geben musste.“

Mittlerweile liefen mir die Tränen über die Wangen und ich kramte in meinem Rucksack nach Papiertaschentüchern. Verstohlen putze ich mir die Nase und wischte mir die Tränen ab.

Immer wieder, wenn ich diese Zeilen las überfiel mich eine unendliche Traurigkeit. Ich hätte meinen Onkel gerne noch einmal wieder gesehen, bevor er starb. Aber am Ende war es so schnell gegangen, das ich dazu keine Möglichkeit mehr hatte.

„ Wenn du alles richtig machst,“ las ich weiter, „ wirst du viel Geld verdienen können und ein schönes Zuhause haben. Ich würde mir wünschen, das du es wenigstens versuchst. Alleine schon deshalb, weil ich weiß das die Tiere bei dir in guten Händen sein würden.

Aber ich könnte auch verstehen, wenn du ein Leben in der Stadt vorziehen würdest. Es wird nicht einfach sein, alles wieder herzurichten. Und es wird harte Arbeit sein.“

„Es gibt ein älteres Ehepaar auf dem Hof, das schon seit etwa 20 Jahren dort lebt. Ich würde mir wünschen, dass sie auch weiterhin dort leben dürfen. Außerdem arbeiten sie auf dem Hof mit und haben mir immer tatkräftig zur Seite gestanden.

Vor etwa einem Jahren musste ich einen zusätzlichen Arbeiter einstellen, weil es mir immer schwerer fiel die ganze Arbeit alleine zu machen.

Du wirst ein Auge auf ihn haben müssen. Sein Name ist John Wilby. Er kann zwar arbeiten wie ein Stier, aber sein Temperament geht manchmal mit ihm durch und er kann ziemlich jähzornig werden. Wenn du nicht mit ihm zurecht kommst, suche dir jemand anderen.

Auf der Farm gibt es etwa 480 Schafe und dreizehn Pferde. Einige Hengste sind zur Zucht geeignet, weshalb viele in der Umgebung ihre Stuten bei mir auf der Farm decken lassen. Das ist zusätzlich zu der Schafzucht ein regelmäßiges Einkommen. Andere Pferde sind nur dazu geeignet Schafe zusammen zu treiben. Mein Hund „Jasper“ hat mir übrigens in dieser Hinsicht immer gute Dienste geleistet. Er ist erst drei Jahre alt und ich hoffe, er wird auch den Rest seines Lebens auf meiner Farm verbringen.

Was alles genau zur Farm gehört, der Tierbestand, Grundstücke und Weideland usw. weißt du ja schon aus meinem Testament. Aber das sind nur Fakten.

Von allem anderen wirst du dir selbst ein Bild machen müssen. Ich hoffe, du kannst dich dort genau so wohl fühlen, wie ich es mein Leben lang getan habe.“

„Aber, und ich meine was ich sage, ich will dich nicht zu etwas zwingen. Ich möchte nur, das du dir in aller Ruhe alles ansiehst. Falls du dich nicht mit dem Gedanken anfreunden kannst dein Leben auf dieser Farm zu verbringen, oder du vielleicht jemanden findest, der in deinen Augen (und natürlich in meinen Augen) besser geeignet ist dort zu leben und glücklicher damit wäre, wäre ich mit dieser Entscheidung einverstanden.

Mach dir keine Gedanken und hab kein schlechtes Gewissen, diese Entscheidung zu treffen. Ich möchte dich, wie gesagt, zu nichts zwingen. Du bist jung und hattest bisher sicher andere Pläne für deine Zukunft.“

„Wenn du diesen Brief liest, bin ich sicherlich schon nicht mehr auf dieser Welt. Da wo ich jetzt bin, geht es mir besser. Ich schau dir über die Schulter, und bin immer bei dir, Kleines. Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und das du glücklich wirst.“

„Dein Onkel Henry.“

„Würden sie sich bitte anschnallen, Miss.“ Die Stewardes holte mich aus meinen Gedanken.

„Geht es ihnen nicht gut?“ Sie sah mir mitfühlend in’s Gesicht.

Mir liefen immer noch die Tränen über die Wangen. Aber ich versuchte ein Lächeln und wischte mir schnell über die Augen.

„Doch, doch, es geht mir geht. Machen sie sich keine Gedanken,“ sagte ich schnell.

Sie nickte verständnisvoll und ging dann weiter den Gang hinunter.

Ich stopfte den Brief zurück in meinen Rucksatz, setzte ihn zwischen meine Beine und legte mir dann den Gurt um.

Mein Blick fiel auf die Landschaft unter mir.

Sligo war nun zu erkennen. Wir waren bereits im Anflug.

Ich liebte den Blick auf diese kleine Stadt von hier oben. Lough Gill war nun zu sehen und die Maschine flog weiter in einem großen Bogen auf den Flugplatz zu. Das Meer kam in’s Blickfeld und der schöne Strand von Strandhill. Als nächstes war in der Ferne der Benbulben zu erkennen. Ein seltsamer Berg der wie hingemalt da lag. Und dort drüben, die Maschine folg immer noch im großen Bogen über die Stadt hinweg, da drüben südlich von Sligo lag die Farm.

Mir schlug das Herz bis zum Hals, als ich so von oben auf alles herunter sah.

Und plötzlich war ich mir ganz sicher.

Ich würde mein Bestes geben aus der Farm für mich ein Zuhause zu machen. Ich wollte diesem alten Ehepaar ihr Zuhause nicht wegnehmen. Ich wollte das die Tiere die seit Jahren auf dieser Farm lebten auch weiterhin dort lebten.

„Ich werde alles dafür tun,“ sagte ich leise vor mich hin. Und ein unbeschreibliches Glücksgefühl machte sich plötzlich in mir breit. Weil ich mir jetzt 100%zig sicher war, das Richtige zu tun.

Eine halbe Stunde später bestieg ich meinen Wagen, den ich bereits in Dublin gekauft hatte und der nun hier in Sligo auf mich wartete. Die zwei Koffer und der Rucksack waren schnell verstaut gewesen, nun fuhr ich langsam in Richtung Stadt.

Es war ein gutes Jahr her, dass ich hier war. Damals war Onkel Henry bereits erkrankt und wir besuchten ihn für einige Tage. Schon damals ging es ihm sehr schlecht und das war auch wohl der Grund, warum die Farm so herunter gekommen aussah. Nun war ich gespannt, ob sich etwas verändert hatte.

Auf dem Weg zur Farm musste ich durch die ganze Stadt, bis an’s südlich Ende.

Ich ließ mir Zeit, um mich einwenig umzusehen. Es war Dienstag und etwa gegen 11.00 Uhr am Morgen. Betriebsame Hektik lag über der Stadt.

Mütter mit ihren Kindern beim Einkaufen. An der Tankstelle standen Autos die gewaschen werden wollten. Die Floristin sortierte ihre Blumen draußen vor dem Geschäft, Schulbusse kamen mir entgegen und ein Krankenwagen schoss mit Blaulicht an mir vorbei. Zwei ältere Herren saßen auf einer Bank am Straßenrand in der Sonne und unterhielten sich aufgeregt miteinander. Ein kleiner Jungs zerrte an einer Hundeleine, und versuchte das kleine Etwas daran dazu zu bringen aufzustehen und hinter ihm her zu trotten. An der nächsten Hausecke saß ein Bettler und spielte auf einer Gitarre. Sein Kopf war hochrot und er verdrehte die Augen. Ein Flasche Bier stand neben ihm an der Hauswand.

Nachdem ich die Stadt durchquert hatte musste ich plötzlich anhalten, weil eine Schafsherde die Straße überquerte. Es waren nur wenige Schafe. So etwa dreißig. Ein Hund hielt die Herde zusammen und der Farmer der als letztes über die Straße ging, hob entschuldigend die Schultern und grinste mich an.

Das alles war Sligo.

Aber es hätte auch jede andere, kleinere Stadt in Irland sein können.

Nur für mich war Sligo im Moment etwas besonders. Ich hatte noch nie dieses Gefühl, das ich jetzt hatte. Es war eben etwas ganz anderes, ob man alle paar Jahre zu Besuch kam, oder ob man vor hatte vielleicht den Rest seines Lebens hier zu verbringen.

Kapitel 2

Fünf Minuten später hatte ich die Farm erreicht.

Ich bog mit dem Wagen um eine Scheune, die bereits dazu gehörte. Vor mir lag ein etwa 50 Meter langer Weg bis zu dem Wohnhaus mit den dazugehörigen Ställen.

Am Weg entlang befand sich bereits eine Koppel mit Pferden.

Ich traute meinen Augen kaum, als ich die Hälfte der Strecke hinter mich gebracht hatte.

Mitten auf dem Weg stand ein Pferde. Und in der Koppel direkt am Zaun lagen zwei Männer auf dem Boden und kämpften miteinander. Sie suhlten sich im Dreck wie die Ringkämpfer.

Ich sprang aus dem Wagen und war mit wenigen Schritten am Zaun.

Einer der Männer holte gerade mit der Reitpeitsche aus und schlug dem anderen damit kräftig durchs Gesicht.

Ich schrie auf vor Schreck weil sofort das Blut aus der Wunde lief.

„Was tun sie denn da?“ schrie ich los. „Sofort aufhören.“

Wie erstarrt knieten die Beiden voreinander und sahen mich nun grimmig mit zusammengekniffenen Augen an.

„Was geht sie denn das an?“ brüllte plötzlich der eine los.

„Eine ganze Menge,“ brüllte ich. „Auf meinem Hof wird sich nicht geprügelt.“

Die beiden guckten ganz verdattert und einige Sekunden vergingen, in denen wir uns

gegenseitig musterten.

„Dann sind sie die neue Herrin? Miss McFinn?“ fragte der Eine plötzlich.

„Ja. Genau so ist es. Ich bin Maike McFinn. Die Nichte von Henry McFinn. Und ich hätte gerne gewusst, was das alles hier zu bedeuten hat?“

In diesem Moment hörte ich ein langgezogenes Röcheln.

Erstaunt sah ich über die beiden Männer hinweg, und entdeckte dann etwas, was mir augenblicklich die Luft wegbleiben ließ.

Etwa in 10 Metern Entfernung, man konnte es kaum erkennen, in einer Kuhle aus Schlamm und Dreck, lag langausgestreckt und völlig regungslos ein Pferd.

Ich stieg unter einer der Latten des Zaunes durch und bewegte mich langsam auf das Pferd zu.

„Sie sollten sich das nicht ansehen,“ hörte ich nun den anderen Mann sagen.

Aber ich ließ mich nicht beirren.

Es sah elend aus. Völlig verdreckt und abgemagert lag es da. Über seinem Bauch hatte es überall Striemen und es röchelte leise vor sich hin.

Ich ließ mich auf die Knie fallen und strich ihm beruhigend über den dünnen Hals.

Ausdruck los sahen mich seine Augen an.

Die beiden Männer waren mir gefolgt und sahen auf mich herab.

Tränen stiegen in mir auf. Das arme Tier tat mir so leid. Wer hatte ihm das nur angetan.

Immer wieder strich ich dem Pferd über den Hals. Aber dann stand ich auf.

„Was ist hier passiert?“ wollte ich leise wissen.

„Er hat die Pferde fast verhungern lassen und als sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnten, hat er auf sie eingeschlagen wenn sie nicht wollten, wie er wollte.

Der jüngere der Männer, der aufgebracht gesprochen hatte, sah den anderen wütend an.

„Na so war das ja nun auch wohl nicht,“ sagte der andere. Aber es war ihm anzusehen, das es die Wahrheit war.

Ich stellte mich direkt vor ihn. Verächtlich sah ich ihm direkt in die Augen.

„Sie sind John Wilby und haben für meinen Onkel gearbeitet?“ fragte ich gefährlich ruhig.

„Ja, Miss. Ich hab die ganze Arbeit hier machen müssen, nachdem ihr Onkel so schlimm krank wurde.“

„Ha!!!!“ Hörte ich den anderen Mann verächtlich sagen, sah dem mir Gegenüber aber weiter direkt in die Augen.

„Verlassen sie das Grundstück und lassen sie sich hier nie wieder sehen,“ brachte ich ruhig aber bestimmend heraus.

Dem Mann klappte die Kinnlade herunter.

„Aber...... aber....sie können mich doch nicht einfach rausschmeißen. Wer soll denn die ganze Arbeit hier machen? Und ich kriege außerdem noch meinen Lohn.“

Das war einfach zu viel.

Ich holte aus und verpasste ihm eine Ohrfeige.

Geschockt sah er mich an.

„Wer so mit Tieren umgeht hat keinen Lohn verdient. Im Gegenteil. Sie können froh sein, wenn ich sie nicht anzeige. Und jetzt machen sie das sie hier wegkommen.“

Immer noch stand er da und sah mich geschockt an.

Aber dann veränderte sich plötzlich sein Gesichtsausdruck.

„Das wird ihnen noch leid tun,“ hörte ich ihn leise hervorbringen.

Im nächsten Moment kriegt er von der Seite her einen Schubs.

„Du hast gehört, was sie gesagt hat. Mach das du hier wegkommst, du Schwein,“ brüllte ihn der andere Mann an.

Endlich drehte er sich um und stampfte vom Hof.

In mich kam nun Bewegung.

Mit wenigen Schritten war ich bei meinem Wagen. Im Kofferraum fand ich, wonach ich suchte.

Seit Monaten trug ich diese Tasche mit mir herum. Genau von dem Tag an, an dem ich meine letzte Prüfung bestanden hatte. Es war ein Ärztekoffer.

Schnell war ich wieder bei dem Pferd und ließ mich wieder zu ihm herunter auf die Knie.

„Ich werde ganz vorsichtig sein,“ flüsterte ich dem Tier zu. „Aber es wird bestimmt trotzdem weh tun,“ fügte ich hinzu und begann nun vorsichtig die Wunden zu reinigen.

„Kann ich ihnen helfen?“ hörte ich dann plötzlich jemanden sagen.

Ich hatte den anderen Mann vollkommen vergessen und sah nun verwirrt zu ihm auf.

Einen Moment sahen wir uns in die Augen, dann nickte ich langsam.

„Könnten sie bitte einen Eimer Wasser holen?“

Er antwortete mir erst gar nicht sondern rannte gleich los.

Fünf Minuten später war er wieder da.

Ich beschäftigte mich immer noch mit den Wunden. Und immer wieder strich ich zwischendurch beruhigend über den Hals des Pferdes. Unaufhörlich sprach ich leise mit dem Tier. Aber ich konnte auch nicht verhindert, dass mir immer wieder die Tränen über die Wangen liefen.

„Kann ich sonst irgendwas tun?“ fragte mich der Mann nun wieder und kniete sich direkt neben mich.

Ich sah ihn traurig an und nickte.

„In der Tasche müsste noch eine leere Flasche sein. Könnte sie sie mit Wasser füllen und dann eines dieser kleinen Tücher in der Tasche in die Öffnung stecken. Wenn sie die Flasche dann mit der Öffnung nach unten halten und das Tuch in’s Maul des Pferdes, fängt es vielleicht an zu trinken.

Wenig später war die Flasche bereits leer.

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das Pferd überhaupt trinken würde und strahlte den Mann deshalb glücklich an.

Ich sprang auf die Füße. Er tat das gleiche. Wieder sahen wir uns an.

„Hat es auf der anderen Seite auch so schlimme Wunden?“ wollte ich wissen.

„Ich fürchte ja,“ sagte er. Ich nickte.

„Wir müssen versuchen es auf die Beine zu bringen, sonst hat es keine Chance.

Es kann nicht den ganzen Tag und vielleicht auch noch die Nacht hier in dem Schlamm liegen. Das wird es nicht überleben.“

„Wir nehmen das Halfter von meinem Pferd,“ sagte der Mann und setzte sich gleich darauf in Bewegung.

Es war ein hartes Stück Arbeit, das Tier hoch zubringen. Aber eine viertel Stunde später hatten wir es geschafft.

Auf wackeligen Beinen stehend sah es uns traurig an.

Ich legte vorsichtig meine Arme um seinen Hals. Und streichelte es immer wieder.

„Es wird alles gut,“ flüstere ich ihm in’s Ohr.

Eine halbe Stunde später hatte ich auch die anderen Wundern gereinigt und teilweise verbunden.

Langsam zog ich das Pferd am Halfter hinter mir her zu den Stallungen hinüber.

Der Mann ging neben mir und sein Pferd trottete langsam hinter uns her.

Im Tor zum Pferdestall blieb ich dann noch einmal geschockt stehen.

So etwas hatte ich noch nie gesehen.

Der ganze Stall war verdreckt. Es war seit Ewigkeiten nicht mehr gefegt worden, geschweige denn ausgemistet worden und es stank widerlich.

Die Pferde standen zwanzig Zentimeter hoch in ihrem eigenen Dreck. Ein Tier magerer als das andere.

Es bot sich ein elendes Bild.

Und wieder stiegen mir die Tränen in die Augen.

Aber tapfer ging ich weiter. Bis zu einer Pferdebox die noch einigermaßen sauber aussah.

Ich band das Pferd dort an einen Pfosten und sah mich um. Schnell hatte ich gefunden was ich suchte.

Ich griff mir eine Forke und schob einen Schubkarren in die Box. Schnell begann ich den Mist in den Karren zu laden, schob ihn dann aus dem Stall und leerte den Karren ein paar Meter vom Stall entfernt wieder aus.

Als ich wieder in der Box war, wartete bereits der Mann mit einer Forke in der Hand auf mich.

Dankbar lächelte ich ihn an.

Zwanzig Minuten später war die Box gereinigt und frisches Stroh eingestreut.

Ein Eimer Hafer war auch schnell gefunden. Und langsam begann das Pferd zu fressen.

Wir zwei sahen ihm schweigend dabei zu.

Aber irgendwann löste ich mich von dem Balken an dem ich die ganze Zeit gelehnt hatte und ging langsam nach draußen. Gedankenverloren setzte ich mich auf einen Holzpflock.

„Sie hatten nicht damit gerechnet alles so vorzufinden?“

Ich sah auf und wieder stand der Mann vor mir.

Langsam schüttelte ich mit dem Kopf

„Was ist denn nur passiert?“ fragte ich verzweifelt. „Ich wusste das mein Onkel nicht mehr die Kraft hatte sich um die Farm zu kümmern und bei meinem letzten Besuch hier von einem Jahr, war alles schon ziemlich vernachlässigt. Aber ich dachte er hätte den richtigen Mann eingestellt der sich um alles kümmert.“

„Das hat ihr Onkel sicher auch gedacht. Aber die letzten Monate war er wohl nicht mehr fähig nach dem Rechten zu sehen.“

Ich nickte.

„Was haben sie denn nun vor?“ wollte er schließlich wissen.

Ich überlegte einen Moment. Dabei ließ ich meine Blick über den Hof wandern und musste dann erst einmal tief Luft holen.

„Ich weiß es nicht,“ sagte ich dann wahrheitsgemäß. „Ich hatte mir alles nicht so schlimm vorgestellt. Ich weiß nicht ob ich das schaffe.“

„Also werden sie alles verkaufen und die Tiere auf die Schlachtbank schicken.“

Ruckartig sah ich ihn an. Sekunden lang.

„Niemals,“ sagte ich mit fester Stimme. „Ich hab mir geschworen für die Tiere alles zu tun, damit es ihnen gut geht. Und so lange werde ich mindestens durchhalten. Bis es ihnen wieder gut geht.“

Mein Entschluss stand plötzlich fest.

„Und ich werde hier alles wieder in Ordnung bringen. Und wenn es dann kein zurück mehr gibt, werde ich einen Besitzer finden dem es genau so wichtig ist wie mir, dass es den Tieren gut geht.“

Immer noch sahen wir uns an.

Bewunderung lag in seinem Blick und er lächelte mich plötzlich an.

„Wer sind sie überhaupt?“ fiel mir auf einmal ein.

Nun lachte er über’s ganze Gesicht und reichte mir dann die Hand.

„Ich bin Shane Filan. Unsere Farm liegt etwa zwei Meilen von hier entfernt.

Ich stand auf und schüttelte ihm die Hand, dabei fing ich wieder an zu lächeln.

„Angenehm, Maike McFinn.“

„Mhhh. Hab ich schon mitgekriegt.“

„Und was treibt sie hierher?“ wollte ich dann wissen.

„Was treibt dich hierher!“ sagte er und grinste.

„Na gut.“ Ich grinste ebenfalls.

„Was treibt dich hierher Shane Filan?“

„Ehrlich?“

Ich nickte.

„Um ehrlich zu sein, hab ich schon eine ganze Weile ein Auge auf diese Farm. Heute als ich mit ansehen musste, wie dieser Irre auf das Pferd eingeschlagen hat, ist mir der Kragen geplatzt.“

Ich nickte.

„Das kann ich gut verstehen. Ich hätte ihm am liebsten in seine empfindlichste Stelle getreten. Viel hätte nicht mehr gefehlt.“

Er schmunzelte und nickte dann wieder.

„Du weißt, was du dir da vorgenommen hast?“

Ich schüttelte heftig den Kopf.

„Ich glaube,“ sagte ich „ich sollte auch nicht so viel darüber nachdenken, sondern einfach mit der Arbeit anfangen.“

Energisch stand ich auf.

„Ich werde jetzt erst mal meinen Wagen und meine Sachen holen. Dann werde ich sehen wer sich hier noch alles auf der Farm aufhält und mich mal ein bisschen genauer umsehen. Und Morgen werde ich mich an die Arbeit machen.“

Ich dreht mich ihm wieder zu.

„Kannst du mir vielleicht sagen, wie ich an ein oder zwei zuverlässige Arbeiter komme?“

Er überlegte einen Moment.

„Ich werde dir jemanden besorgen. Spätestens übermorgen müsste ich jemanden gefunden haben. Unsere Leute auf der Farm sind alle sehr zuverlässig. Es wird da sicher jemanden geben der vielleicht einen kennt der noch Arbeit sucht.“

Wieder sahen wir uns an.

„Danke,“ sagte ich einfach, weil mir im Moment nichts anderes einfiel.

„Schon OK,“ meinte er. „Und wenn du sonst irgendwie Hilfe brauchst! Meinen Namen kennst du ja jetzt. Und unsere Farm liegt, wie gesagt etwa zwei Meilen südlich von hier, OK?“

„OK. Und nochmals danke.“

„Hey Charlton,“ rief er plötzlich und sein Pferd das etwa dreißig Meter von uns entfernt an ein paar mageren Grasbüscheln zupfte, hob interessiert seinen Kopf.

„Komm Junge,“ rief Shane „lass uns sehen das wir nach Hause kommen.“

Gemächlich kam das Pferd auf uns zugetrabt.

Shane legte ihm in aller Ruhe das Halfter wieder um und klopfte ihm freundschaftlich den Hals.

„Das ist ein schönes Pferd,“ sagte ich.

„Ja. Das ist es. Wir zwei sind dicke Freunde. Wir lieben uns heiß und innig. Wahrscheinlich, weil wir den gleichen Sturkopf haben.“

Jetzt lachte er mich frech an. Und ich musste genau so lachen.

Mit einer schnellen Bewegung schwang er sich plötzlich in den Sattel. Dabei rutschte er fast wieder auf der anderen Seite herunter, weil seine Hose völlig durchnässt und verdreckt war und er so schlecht Halt im Sattel fand.

Wieder grinste er mich an.

„Ich glaub, bei mir ist eine Dusche und frische Wäsche fällig,“ sagte er.

„Ja. Sieht so aus,“ lachte ich. „Man kann kaum erkennen ob du Männlein oder Weiblein bist.“

„So schlimm?“

Ich nickte.

„Na dann werde ich mich jetzt mal auf den Weg machen.“

„Viel Glück Maike,“ sagte er. „Du wirst es brauchen.“

„Danke Shane. Und danke dass du mir vorhin geholfen hast.“

„Keine Ursache. Bis dann Maike.“

„Bye Shane.“

Kapitel 3

Den Rest des Tages verbrachte ich damit mir alles anzusehen. Das ältere Ehepaar lernte ich auch kennen. Mr und Mrs. Miller würden mich die nächste Zeit mit Sicherheit mehr als verwöhnen. Sie erinnerten mich sehr an meine Großeltern. Und so verhielten sie sich auch.

Die halbe Nacht verbrachte ich damit, die Papiere durchzuwälzen und mir einen Überblick darüber zu verschaffen, wie gut oder schlecht die Farm da stand.

Große Erwartungen hatte ich nicht gehabt. Aber gegen 1.00 Uhr schlug ich enttäuscht den Ordner den ich mir gerade angesehen hatte zu.

Es war kaum Geld da. Ich würde zunächst nur das nötigste Kaufen können. Futter für die Tiere und Heu und Stroh für die Ställe. Verzweifelt stellte ich fest, dass ich mir nicht einmal Schafscherer nehmen konnte. Dabei war das unbedingt notwenig. Der Sommer kam und wie ich gesehen hatte, waren die Schafe noch nicht geschoren.

Aber das war noch längst nicht alles.

Die ganze Nach fand ich kaum Schlaf und zerbrach mir den Kopf, wie es weiter gehen sollte.

Gegen 6.00 Uhr am Morgen schälte ich mich aus dem Bett, nahm eine schnelle Dusche und machte mich auf in den Pferdestall.

Den Mist weg zuschaffen wird wahrscheinlich die nächsten drei Tage dauern, schoss es mir durch den Kopf, als ich in der offenen Stalltür stand.

Aber dann drehte ich mich erschrocken um.

Drei Wagen fuhren plötzlich auf den Hof.

Ungläubig sah ich zu, wie sieben Männer ausstiegen und mehr oder weniger grinsend auf mich zukamen.

„Wir haben den Auftrag, hier die nächsten vier Tage die Ställe, die Pferde und die Schafe zu versorgen Miss,“ sagte ein Schrank von einem Mann der im nächsten Moment direkt vor mir stand.

„Aber wer?.... und wieso?.... „stotterte ich.

„Mr. Filan hat uns beauftragt Miss. Wir fangen dann gleich an.“

„Aber ich kann sie doch gar nicht bezahlen?“ brachte ich heraus.

„Machen sie sich darum keine Sorgen Miss. Wir werden von Mr. Filan bezahlt.“

Er ließ mir gar keine Chance mehr noch irgend etwas darauf zu sagen. In wenigen Minuten hatte sich die Männer auf dem ganzen Hof verteilt und jeder schien genau zu wissen was er zu tun hatte.

Mir schlug das Herz bis zum Hals, so glücklich war ich in diesem Moment.

Aber mir war natürlich auch bewusst, dass ich mich so abhängig machte von Shane. Was mir sehr widerstrebte. Aber ich wusste natürlich auch, dass ich ohne diese Männer kaum eine Chance hatte hier auf der Farm überhaupt etwas zu bewegen.

Alleine hätte ich sicher noch in den nächsten Tagen das Handtuch geworfen.

Ich werde es dir bis auf den letzten Cent zurück zahlen und wenn es Jahre dauert, nahm ich mir nun fest vor.

Ich konnte gar nicht glauben, was in den nächsten Tagen alles auf der Farm gemacht wurde.

Sogar die Schafe wurden von den Männern zusammen getrieben und geschoren, so dass ich nur noch dafür sorgen musste die Wolle für einen guten Preis zu verkaufen. Danach wurden die Tiere auf Wiesen getrieben auf denen das frische Gras nur so wucherte. Und auch die Pferde bekamen endlich wieder frisches Gras zu fressen. Dieser Wilby hatte sich einfach nur nicht die Mühe gemacht, das Vieh von einer Weide in die nächste zu treiben. Die armen Tiere hätten gar nicht hungern müssen, wenn er nicht so faul gewesen wäre.

Die Ställe waren am Ende gründlich gesäubert und mit frischem Stroh ausgelegt. Die 13 Pferde sahen wieder aus, wie Pferde aussehen mussten. Alle wurden gründlich mit Wasser gereinigt und abgerieben, bekamen eine saubere Box und frischen Hafer.

Sogar die Weidezäune besserten die Männer aus und sorgten dafür das in den Ställen Bretter und Stämme erneuert wurden die wohl schon seit Ewigkeiten verrottet waren.

Während dieser Zeit hatte ich die Ruhe mir die Buchhaltung genauer anzusehen und die ersten Entscheidungen zu treffen, damit der Betrieb in Zukunft wieder Gewinn einbringen würde.

Großmutter Enni und Großvater Ben, wie ich die beiden liebevoll nannte, sorgten in dieser Zeit dafür, dass die Männer immer genug zu Essen und zu Trinken bekamen.

Einen neuen Freund hatte ich auch schnell gefunden.

Seit dem ich auf der Farm war wich Jasper, der Hund von dem Onkel Henry gesprochen hatte, kaum von meiner Seite. Er schien zu wissen, dass ich ein bisschen Unterstützung und seelischen Beistand von ihm gebrauchen konnte.

Als die Männer sich nach dem vierten Arbeitstag verabschiedeten hatte ich wieder Tränen in den Augen.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll,“ schniefte ich worauf die Männer alle verlegen auf die Seite sahen und vor sich hin schmunzelten.

„Sie brauchen nichts zu sagen Miss,“ sagte einer der Männer. „Wir haben es gerne getan und außerdem ist die Bezahlung gut,“ grinste er mich nun frech an.

Worauf die anderen nun anfingen zu lachen.

Ich musste nun auch grinsen.

„Trotzdem danke. Ich hätte nicht die geringste Chance gehabt das alles fertig zu bringen, was sie in diesen vier Tagen geleistet haben. Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar. Richten sie das bitte auch Mr. Filan aus, ja?“

„Wird gemacht Miss. Und machen sie es gut. Ich wünsche ihnen alles Gute,“ sagte dieser Schrank von Mann, mit dem ich bereits am ersten Tag gesprochen hatte.

Dann drehte er sich einfach um, genau wie die anderen, und zwei Minuten später brausten sie, wie sie vor vier Tagen gekommen waren die Auffahrt wieder hinauf.

Mir rollten immer noch die Tränen über die Wangen. Ich hockte mich auf die kleine Bank die an der Pferdekoppel stand und sah mich um.

Heute sah es hier ganz anders aus, als noch vor fünf Tagen als ich hier ankam.

Am Abend dieses ersten Tages war ich so verzweifelt gewesen. Hoffnungslosigkeit hatte sich in mir breit gemacht. Es sah alles so vernachlässig und verkommen aus.

Sogar den Pferden sah man nun an, dass sie glücklicher waren. Sie waren zwar immer noch mager und hielten sich nur mit Mühe auf den Beinen, aber eine deutliche Besserung hatte sich eingestellt.

Der ganze Hof sah irgendwie aufgeräumter und gepflegter aus.

Und ich hatte das Gefühl, dass sich sogar das Blöcken der Schafe auf der Weide glücklicher anhörte.

Vielleicht habe ich ja doch eine Chance, dachte ich in diesem Moment und kraulte gedankenverloren Jasper den Hals.

Voller Tatendrang sprang ich am nächsten Morgen aus meinem Bett. Nach einer schnellen Dusche und einem ausgedehnten Frühstück mit Enni und Ben wollte ich mich gerade daran machen die Pferde zu füttern.

Als ich über den Hof ging kam plötzlich ein Wagen die Auffahrt herauf gefahren.

Gespannt wartete ich, wer sich da die Mühe machte schon so früh am Morgen auf die Farm zu kommen.

„Guten Morgen, Miss.“ Zwei kräftiger Männer, so etwa um die dreißig sprangen schwungvoll aus dem Wagen.

„Ich bin Marc Lockley. Und das hier ist mein Cousine James Porter. Man hat uns gesagt, wir könnten uns hier vorstellen. Sie suchen noch Arbeiter für die Farm?“

Die Zwei waren wirklich Gold wert. Nachdem ich ihnen die Farm gezeigt hatte, war nicht mehr nötig ihnen zu sagen welche Arbeiten sie zu machen hatten und über ihren Lohn wurden wir uns auch schnell einig. Sie hatte Verständnis dafür, dass ich ihnen am Anfang nicht so viel zahlen konnte. Aber ich versprach ihnen eine Lohnerhöhung, so bald es mir möglich war mehr zu zahlen.

Die nächsten Tage konnte ich mich davon überzeugen, mit welchem Fleiß und mit welcher Energie diese Männer ihre Arbeit machten. Sie schienen für das Farmleben geboren zu sein und anscheinend hatten sie außerdem ihren Spaß an dieser Arbeit.

Besonders dieser Mark wurde mir mit jedem Tag sympathischer. Immer wieder munterte er mich auf, wenn sich mal wieder ein Problem einstellte, bei dem ich das Gefühl hatte es nicht in den Griff zu bekommen. Und irgendwie schien er für alles immer eine Lösung zu finden.

Dadurch das wir viel zusammen arbeiteten lerne ich ihn auch als Menschen kennen. Ich mochte ihn und fühlte mich wohl in seiner Nähe.

Kapitel 4

Es war Mittwoch Nachmittag. Gut drei Wochen waren seit meiner Ankunft vergangen.

Heute wollte ich das erste Mal Milly wieder auf die Weide lassen.

Ihre Wunden waren gut verheilt und sie hatte einige Kilo an Gewicht wieder zugelegt.

Draußen im Hof band ich sie am Zaun fest und begann sie noch einmal richtig abzureiben und mir die Wunden noch einmal anzusehen.

Ein letztes Mal rieb ich die verletzten Stellen mit einer heilenden Salbe ein, als ich hinter mir plötzlich einen Wagen auf den Hof fahren sah.

Augenblicklich machte mein Herz einen Hüpfer als Shane aus dem Wagen sprang und mit einem strahlenden Lächeln auf mich zu kam.

Der sieht ja umwerfend aus, schoss es mir durch den Kopf und ich konnte nicht verhindert, dass ich begann ihn genau zu mustern.

„Hey Maike,“ sagte er, als er direkt vor mir stand.

Ich starrte in seine haselnuss grünen Augen und musste erst einmal schlucken.

„Hallo Shane,“ brachte ich nur heraus.

„Was ist,“ wollte er wissen und grinste „hab ich immer noch Dreck im Gesicht oder warum siehst du mich so an?“

„Nein, nein. Natürlich nicht,“ stotterte ich. „Aber ich hätte dich fast nicht wieder erkannt. So verschmutz wie ich dich das letzte mal gesehen habe sahst du irgendwie ganz anders aus.

„Aber du verlangst jetzt nicht von mir, das ich mich wieder im Dreck wälze. Ich hatte gehofft, ich gefalle dir sauber besser als so verdreckt wie vor drei Wochen.“

Immer noch grinste er. Ich fing an zu lachen und musste dann verlegen wegsehen.

„Natürlich gefällst du mir so besser.“

„Na. Da bin ich beruhigt,“ hörte ich ihn sagen und im nächsten Moment schwang er sich auf den Bretterzaun, an dem ich Milly festgebunden hatte.

„Ist das das Pferd, das wir vor drei Wochen aus dem Dreck gezogen haben?“

wollte er wissen und sah sich Milly genau an.

Ich nickte. „Ist das nicht toll? Die Wunden sind fast ganz verheilt und ein bisschen an Gewicht hat sie auch schon wieder zugelegt.“ Ich striegelte ihr weiter den Rücken

„Donnerwetter. Das kannst du aber laut sagen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie es schafft. Sie sah wirklich schlimm aus. Ich könnte dieses Schwein heute noch wieder zusammen schlagen, wenn ich daran denke.“

„Ich weiß wie du dich fühlst,“ sagte ich. „Ich kann solche Leute nicht verstehen. Und ich kann auch nicht verstehen warum mein Onkel sich überhaupt mit ihm abgegeben hat.“

„Ich glaube, dein Onkel hat gar nicht gewusst was hier auf der Farm so läuft. Er konnte sich die letzten Monate ja nicht mehr darum kümmern. Und dieser Wilby hat es ihm sicher nicht auf die Nase gebunden. Sonst wäre er seinen Job schon viel früher los gewesen.“

„Ja. Wahrscheinlich hast du recht. Es tut mir nur leid, dass die Tiere so lange leiden mussten.“

„Wie es aussieht, ist es damit ja jetzt wohl vorbei. Milly geht es ja wieder gut. Und den anderen Tieren doch sicher auch oder?“

„Ja. Stimmt. Es hat sich viel getan in den letzten Wochen.“

Ich sah ihn nachdenklich an.

„Aber eigentlich habe die Tiere es dir zu verdanken, dass es ihnen wieder so gut geht. Wenn du nicht gewesen wärst, hätte es hier sicher immer noch schlimm ausgesehen. Ich weiß gar nicht, wie ich mich bei dir bedanken soll. Ohne deine Leute hätte ich das alles nie geschafft. Und du hast das sicher auch gewusst, oder?“

„Ich konnte es mir denken. Das war alles ein bisschen viel für eine Person. Und es musste schnell was passieren. Ohne Hilfe hätte das niemand schaffen können.“

„Ich werde dir einen Schuldschein unterschreiben. Du bekommst jeden Cent von mir zurück.“

„Das brauchst du nicht. Sieh es einfach als zinsloses, unbefristetes Darlehn. Du kannst es mir zurück zahlen, wenn du wieder etwas flüssiger bist. Es eilt nicht.“

„Aber kannst du dir das denn so ohne weiteres leisten? Die Männer haben schließlich vier Tage lang ununterbrochen geschuftet. Da ist doch einiges an Lohn zusammen gekommen,“ wollte ich wissen.

Shane grinste.

„Mach dir darüber keine Gedanken.“

„Aber das tue ich. Ich kenne nicht viele Leute die mal eben so 5, 6.000 Euro auf den Tisch blättern können. Und die wirst du sicher an Lohn bezahlt haben.“

„Ich habe das Geld im Moment einfach nicht gebraucht.“

„Aber deshalb gibt man es doch nicht einfach aus der Hand, ohne Sicherheiten. Einfach so?“ Ich sah ihn fragend an.

Er sprang vom Zaun und strich Milly nun über den Hals.

Dann sah er mich einen Moment lang nachdenklich an.

„Du weißt nicht wer ich bin, oder?“ wollte er dann plötzlich wissen.

Ich legte die Stirn in Falten.

„Wie? Ich weiß nicht wer du bist? Du bist Shane Filan und lebst auf der Farm etwa 2 Meilen von hier?“

„Ja. Stimmt. Aber sonst weißt du nichts über mich?“

„Nein. Keine Ahnung. Wie sollte ich? Ich bin doch erst vor ein paar Wochen hier angekommen. Was sollte ich denn sonst von dir wissen?“

„Hey Filan,“ hörten wir plötzlich Marc der an uns vorbei ging, „was machst du denn hier? Schon wieder Wochenende? Musst dich erholen von dem ganzen Stress was?“

Er lachte hämisch.

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Lockley,“ rief Shane zurück und sah Marc grimmig hinterher.

„Was macht der denn hier?“ Wollte Shane dann wissen.

„Er arbeitet für mich. Ich dachte du hättest dafür gesorgt, dass er sich bei mir vorstellt.“

„Ich hatte jemandem gebeten zwei fähige Männer zu suchen. Aber ich wusste nicht das er einer davon sein würde.“

„Was ist mit ihm? Du magst ihn anscheinend nicht.“

„Ich ihn nicht, und er mich nicht. Aber das ist nicht so wichtig. Lass dir nicht auf der Nase herum tanzen. Ich trau ihm nicht. Behalte ihm im Auge.“

„Also, ich hatte bisher keine Probleme mit ihm. Ich bin wirklich froh das er für mich arbeitet.“

Wieder sah er mich nachdenklich an, sagte aber nichts mehr dazu.

Dann fiel mir plötzlich etwas ein.

„Was für einen Stress meinte Marc denn vorhin, von dem du dich erholen musst?“

wollte ich wissen.

„Du weiß also wirklich nicht wer ich bin?“

Wieder runzelte ich die Stirn und sah ihn fragend an.

„Also gut. Dann werde ich dich aufklären. Ich bin kein Farmer, wie du vielleicht denkst. Meine Eltern haben eine Pferdezucht. Etwa 70 Pferde. Natürlich helfe ich auf der Farm mit, wenn ich zu Hause bin. Aber eigentlich verdiene ich mein Geld mit etwas ganz anderem.“ Er machte eine Pause.

„Und das wäre?“

„Kennst du die Band Westlife?“

„Hab schon mal was von denen gehört. Aber kennen würde ich nicht sagen.“

Aber dann ging mir plötzlich ein Licht auf. Und ich kriegte große Augen und die Kinnlade fiel mir herunter. Mir war das Gesicht doch gleich irgendwie bekannt vorgekommen. Aber ich hatte nicht weiter darüber nachgedacht.

„Du bist in dieser Band,“ stellte ich dann fest.

Wieder grinste er mich an

„Ja. Genau. Seit sieben Jahren. Und wir sind erfolgreicher denn je.“

„Darum kam mir dein Gesicht irgendwie bekannt vor.“

Immer noch grinste er.

„Deshalb ist dir das Geld auch nicht so wichtig. Du hast genug davon,“ fügte ich dann gleich noch hinzu.

„Naja. Wichtig ist es mir schon. Aber ich kann es mir leisten, dir ein bisschen unter die Arme zu greifen, ohne das ich gleich am Hungertod nage.“

„Verstehe,“ sagte ich traurig „wie großzügig von dir. Aber vielleicht hättest du mich vorher fragen sollen, ob ich überhaupt damit einverstanden bin, dass du mir unter die Arme greifst. Du hättest mir ja nicht gleich so offensichtlich zeigen müssen, wie klein und machtlos ich gegen das Ganze hier auf der Farm bin.“

Jetzt sah er mich ganz entsetzt an.

„So war das doch gar nicht gemeint Maike. Ich dachte einfach nur das schnell etwas passieren müsste und das einer alleine das bestimmt nicht schafft. Darum habe ich dir die Leute besorgt.“

Ich nahm Milly am Halfter und zog sie mit mir Richtung Weide.

„Entschuldige mich bitte,“ sagte ich noch während ich mich schon von ihm entfernte

„Milly soll auf die Weide und ich hab’ heute noch eine Menge Arbeit vor mir. Und um dein Geld mach dir keine Sorgen. Ich sorge dafür, dass du es so schnell wie möglich zurück bekommst,“ brachte stolz heraus.

Shane sah mir hinterher und schüttelte mit dem Kopf.

Sein Besuch hier verlief plötzlich ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte.

Ganz schön stolzes Weib, dachte er nun, während er ihr immer noch hinterher sah.

Aber das machte sie nur noch interessanter.

Vom ersten Augenblick an hatte sie ihn fasziniert. Als sie sich zu dem Pferd herunter kniete und sich die Wunden ansah. Sie hatte Tränen in den Augen. Es tat ihr weh das Pferd so zu sehen. Sie liebte Tiere genau wie er. Auch er hatte den Anblick fast nicht ertragen können.

Und er hatte bewundert, wie sie mit diesem Wilby umgegangen war. Und mit welcher Energie sie diesen Stall für das Pferd ausgemistet hatte. Der Schweiß war ihr in Strömen den Körper herunter gelaufen. Aber es war ihr wichtig das das Pferd einen trockenen und warmen Platz hatte um sich zu erholen.

Diese Frau würde sich immer durchsetzten, das wusste er. Sie würde immer für das kämpfe was ihr wichtig war.

In diesem Moment kam ich schon wieder über den Hof gegangen. Milly war auf der Weide und ließ sich das frische Gras schmecken

Was für einen Gang sie hat, dachte er. Stolz und kraftvoll und trotzdem irgendwie anmutig. Ihre dunklen Haare glänzten in der Sonne. Ihr Gesicht das noch vor ein paar Wochen blass und hell aussah war nun gebräunt von der Sonne. Sie hatte die Ärmel ihrer Bluse hochgeschoben und ihre schlanken aber kräftigen Arme waren genau so gebräunt.

Wunderschön, schoss ihm durch den Kopf und er hätte sie in diesem Moment gerne in die Arme gezogen.

„Du bist noch da?“ wollte sie nun wissen und biss sich unsicher auf die Lippen.

„Ja. Ich bin noch da.“ Eigentlich hätte er noch etwas anfügen wollen, aber sie fiel ihm in’s Wort.

„Tut mir leid, was ich eben gesagt habe. Das war unfair von mir. Denk nicht, dass ich dir nicht dankbar bin. Ich hätte ohne dich wirklich keine Chance gehabt hier irgend etwas zu bewegen. Ohne die Männer wäre es gar nicht gegangen,“ sagte ich kleinlaut.

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Du hast ja Recht. Ich hätte dich vorher fragen sollen und nicht einfach über deinen Kopf hinweg bestimmen sollen. Ich werde mich bessern, OK?“ Entschuldigend grinste er mich schon wieder an und hielt mir seine Hand hin.

„Freunde?“

Ich lächelte und schüttelte seine Hand.

„Freunde!“

„Aber das Geld werde ich dir trotzdem so schnell wie möglich zurück zahlen, ja? Wie wäre es mit Ratenzahlung? Wärst du damit einverstanden?“

Es war ihm immer noch nicht recht, dass sie darauf bestand ihm das Geld zurück zu zahlen. Er brauchte es nicht. Es war eine Kleinigkeit für ihn. Aber er wusste auch das es ihr wichtig war.

„Ratenzahlung ist hervorragend,“ sagte er darum.

„Hättest du Lust auf einen Kaffee?“

„Kaffee wäre gut,“ sagte er.

Wenig später saßen wir in der Küche und ließen uns das starke Gebräu das Großmutter Enni für uns gekocht hatte schmecken.

„Sag mal,“ fing Shane an „ich hab mich gefragt, wieso du dich so gut mit der Behandlung der Wunden auskanntest. Du bist wie ein Profi an die Sache ran gegangen?“ fragend sah er mich über seine Tasse hinweg an.

„Das liegt daran, das ich Profi bin,“ grinste ich. „Von Beruf bin ich nämlich Tierärztin.“

„Aha. Ich hab’ mir schon so was gedacht. Und warum arbeitest du jetzt hier auf der Farm und nicht in deinem Beruf?“ wollte er weiter wissen.

„Das ist eine lange Geschichte.“

„Ich hätte Zeit,“ sagte er einfach.

„Also gut, wenn du es unbedingt hören willst.“

Also erzählte ich ihm die ganze Geschichte. Sogar den Brief den mir Onkel Henry geschrieben hatte las Shane.

„Das ist ziemlich traurig,“ war das erste was Shane sagte als er zu Ende gelesen hatte.

„Ja. Stimmt. Aber am traurigsten ist eigentlich, dass ich meinen Onkel so wenig gekannt habe. Er war sicher ein guter Mensch.“

„Ja. Das war er. Naja. Die letzten Jahre hatte ich zu ihm kaum noch Kontakt. Aber früher als Kinder habe ich ihn öfter getroffen. Er hat hier hinten im Wald einen großen Teich in dem wir Nachbarskinder auch baden durften. Er hat öfter nach dem rechten gesehen und uns manchmal Äpfel oder irgendwelches anderes Obst geschenkt. Er war wirklich immer sehr nett zu uns Kindern.“

„Es gibt hier einen Teich?“ fragte ich erstaunt. „Wo ist denn das?“

„So etwa eine Meile von hier, in dem Waldstück hinter der Farm. Hast du den noch nicht gesehen?“

„Nein. Ich war bisher noch nicht da. Und ich wusste auch nicht das es dort einen Teich gibt. Ich wusste zwar, dass der Wald mit zur Farm gehört. Aber mehr nicht.“

„Ich kann ihn dir ja mal bei Gelegenheit zeigen, wenn du willst.“

„Das wäre nett, ja.“ Ich stand nun auf. „Aber nicht mehr heute. Tut mir wirklich leid Shane, aber ich muss mich jetzt mal wieder an die Arbeit machen. Ich muss noch einiges vorbereiten, weil ich die Schafe morgen impfen will. Ich hab’ jetzt leider keine Zeit mehr.“

„Schon OK. Ich weiß ja, dass hier noch einiges zu tun ist. Brauchst du noch Hilfe, oder kommst du alleine zurecht? Ich könnte dir beim Impfen helfen, wenn du willst.“

„Nein lass nur, Marc hilft mir morgen. Außerdem müssen ja nicht alle Tiere an einem Tag geimpft werden. Wenn wir es nicht schaffen sollten, machen wir übermorgen weiter.“

„Na gut. Wie du meinst. Aber wenn was sein sollte, oder du sonst wie Hilfe brauchen solltest, melde dich bei mir OK?“

Er schob mir eine Karte mit seiner Telfonnummer über den Tisch.

„Das werde ich machen Shane.“

„Ganz bestimmt?“ wollte er wissen und sah mich besorgt an.

„Ja. Ganz bestimmt.“

„Ach und da fällt mir noch etwas ein. Wir haben am Sonntag in zwei Wochen ein Grillfest auf der Farm, für alle Bekannten und Nachbarn. Ich wollte dich dazu einladen. Du hättest dann die Gelegenheit deine anderen Nachbarn kennen zu lernen.“ Er grinste. „Man weiß ja nie wofür es gut ist. Und du würdest Westlife live singen hören. Wir geben nämlich dabei eine kleine Vorstellung und singen ein paar unserer neuesten Hits. Hättest du Lust drauf?“

„Ja. Natürlich. Das wäre mal eine willkommene Abwechselung. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie es hinter den Grenzen der Farm aussieht. Ich hab’ das Gefühl es gibt nur noch dieses Grundstück und die paar Leute die hier leben und arbeiten.“ Ich strahlte ihn an.

„Gut. Dann ist das abgemacht. Gegen 11.00 Uhr am Sonntag in zwei Wochen also. Findest du hin?“ Eigentlich kannst du’s gar nicht verfehlen. Es liegt direkt an der Straße wenn du hier vom Hof in südlicher Richtung fährt.“

„Ich werde es bestimmt finden, Shane.“

Er war auch aufgestanden. Über den Tisch hinweg reichte er mir nochmals die Hand.

„Gut bis dann Maike,“ er schüttelte meine Hand und sah mir dabei Sekunden lang in die Augen.

Das Blut schoss mir in den Kopf und mein Puls begann plötzlich zu rasen. Ich sah auf seinen Mund der nun leicht geöffnet war und mich anlächelte.

„Bis dann Shane,“ sagte ich leise und immer noch sahen wir uns in die Augen.

Erst jetzt ließ er meine Hand wieder los.

„Mach’s gut.“

„Ja. Du auch,“ sagte ich und sah ihn nun ganz verwirrt an.

Im nächsten Moment war er verschwunden.

Ich sah ihm durch’s Fenster nach wie er zu seinem Wagen ging. Mit langen Schritten ging er über den Hof..

Einen niedlichen Hintern hat der Mann, dachte ich, und breite Schultern. Aber weiter kam ich nicht.

„Fescher Kerl,“ hörte ich plötzlich Großmutter Enni sagen und ich drehte mich ruckartig nach ihr um, weil ich sie gar nicht bemerkt hatte.

Vielsagend lächelte sie mich nun an.

„Der wäre was für dich Kindchen,“ meinte sie „der hat alles was eine Frau glücklich machen kann,“ verschwörerisch zwinkerte sie mir dann zu.

Ich musste lachen.

„Und was wäre das?“ wollte ich von ihr wissen.

„Geld, Ruhm, vielleicht Macht, einen gut gebauten Körper und vor allem,“ sie war während sie sprach auf mich zu gegangen und stand nun direkt vor mir. Mit dem Finger tippte sie mir auf die Nase. „Und vor allem Verstand und das Herz am richtigen Fleck,“ lächelte sie nun.

Ich drehte mich wieder um und sah gerade noch, wie sich Shanes Wagen in Bewegung setzte und er vom Hof fuhr.

„Ja,“ sagte ich gedankenverloren „das habe ich auch schon gemerkt.“

In dieser Nacht fand ich nur wenig Schlaf.

Ich dachte an Shane und daran, was er gesagt hatte.

Er war in dieser Band. Und nun war mir der Name „Westlife“ auch ein Begriff. Ich hatte schon von den Jungs gehört. Ich wusste das sie berühmt waren. Dann war Shane sicher auch viel unterwegs. Er verdiente eine Menge Geld und war ständig von Fans umgeben. Sicher hatte er auch eine Freundin oder vielleicht sogar mehrere.

Der Gedanke daran machte mich traurig. Ich wollte nicht, das er jemanden hatte. Jemanden der ihn liebte. Oder? Nein, darum ging es mir nicht. Ich wollte nicht, dass es da jemanden gab den ER liebte. Ich wollte nicht, das er jemanden hatte dem sein Herz gehörte. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass er eine Frau im Arm hielt. Ich konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass er eine Frau küsste oder sich Nachts im Bett nackt an sie drängte.

Ich wollte diejenige sein, die er küsste. Ich wollte das er mich im Arm hielt und sich an mich drängte.

Ich schloss die Augen und stellte mir vor, wie es wäre wenn er jetzt bei mir liegen würde. Wir beide nackt. Seine Hände die mich streichelten, sein warmer Körper an den ich mich schmiegte. Meine Hände die sanft über seine Haut streichelten. Sein Mund der mich zärtlich und leidenschaftlich küsste.

Ich riss die Augen auf und starrte in die Dunkelheit.

Ich hab mich verliebt, wurde mir plötzlich klar.

Keine Ahnung wann es passiert war. Oder eigentlich doch.

Eigentlich war es gleich am ersten Tag passiert. Als er mir half Milly auf die Beine zu bringen. Wieder hatte ich seine starken Arme vor mir, die kräftig an dem Seil zogen. Und dann sah ich auch wieder seinen knackigen Hintern vor mir, als er die Karre anhob um den Mist aus dem Pferdestall zu schieben. Damals hatte sich mein Puls merklich beschleunigt.

Und dann heute, als er mir beim Kaffee trinken gegenüber saß und später als er über den Hof zu seinem Wagen ging und ich ihm durch’s Fenster hinterher sah. Solche Gefühle hatte ich noch nie.

Natürlich hatte ich mich auch früher schon verliebt. Aber das war anders gewesen. Damals war es ein Kribbeln im Bauch gewesen und eine unheimliche Vorfreude, wenn ich auf den Jungen wartete, der mich abholen wollte.

Es hatte Spaß gemacht mit ihnen zu „spielen“, sich küssen zu lassen und sie zu reizen und anzumachen. Es hatte Spaß gemacht mich mit ihnen in den Pubs und Diskotheken von Dublin herum zu treiben oder mit ihnen am Strand im Wasser herum zu toben.

Aber das alles war kein Vergleich zu den Gefühlen, die ich für Shane hatte.

Mit ihm musste ich nicht durch die Pubs ziehen. Ich hatte nicht das Bedürfnis mit ihm irgendwelche Sachen auszuprobieren oder mich irgendwie auszutoben.

Ich war glücklich gewesen mit ihm heute am Tisch zu sitzen und einen Kaffee zu trinken. Ich hätte ewig dort sitzen können. Ich liebte einfach seine Nähe. Alleine das machte mich glücklich. Er musste nur bei mir sein. Das alleine reichte mir aus um glücklich zu sein.

Mit einem gequälten Gesichtsausdruck legte ich mich in meinem Bett auf die Seite und schloss dann wieder die Augen.

Schlag dir diesen Mann aus dem Kopf, Maike, redete ich mit mir selbst. Der wird nie dir gehören. Der hat sicher eine ganze Reihe Frauen die er haben kann. Auf so eine wie dich hat der sicher nicht sein Leben lang gewartet, dachte ich resigniert.

Kapitel 5

„Du meinst wirklich, das ist das Richtige Großmutter Enni.“

„Ja Maike. Das ist genau das Richtige. Du siehst toll aus. Die Männer werden dir alle hinterher schauen.“

„Aber das will ich doch gar nicht.“

„Nein, du willst nur, das dir einer hinterher schaut.“ Sie zwinkerte mir zu.

Ich verdrehte die Augen.

„Ich will nur nicht irgendwie unpassend aussehen. Aber eben auch nicht wie ein Mauerblümchen.“ Ich zog eine Schnute.

Enni packte mich plötzlich bei den Schultern und sah mir dann direkt in die Augen.

„Du bist hübsch so wie du bist. Und das Kleid ist genau das Richtige für diesen Anlass. Mach dir nicht so viele Gedanken Kindchen. Das wird ein wunderschöner Tag für dich werden. Genieße es einfach ja?“

Ich zog die Luft einmal tief ein und atmete dann lautstark wieder aus.

„Ich bin nur so aufgeregt. Ich kenne doch niemanden.“

„Du kennst doch Shane Filan. Er wird sich schon um dich kümmern. Er weiß doch wie du dich fühlen musst. Außerdem wissen auch alle anderen das du neu hier bist. Sie werden sich alle ganz lieb um dich kümmern, glaub es mir. Du wirst schon deinen Spaß haben.“

„Also gut,“ ich legte meine Arme um sie und drückte sie an mich, „dann mache ich mich jetzt auf den Weg.“

„Ben wird dich mit dem Wagen hinfahren. Dann brauchst du das Stück nicht zu Fuß gehen.“

„Danke Enni. Wenn ich euch nicht hätte.“

„Ja ja. Papalapapp. Jetzt mach das du weg kommst. Und viel Spaß.“

Zwanzig Minuten später stieg ich bei der Filan Farm aus dem Wagen. Meine Augen waren auf dem Weg hierher immer größer geworden.

Nie vorher hatte ich so ein großes Anwesen gesehen. Das Tor zur Auffahrt war riesig und der Weg von dort bis zu den Gebäude war an beiden Seiten mit Bäumen gesäumt dessen Kronen sich über uns schlossen und man so das Gefühl hatte durch einen Tunnel zu fahren. Die Gebäude waren alle in tadellosem Zustand und auch alles andere war sehr gepflegt. Auf der Pferdekoppel an der wir vorbei fuhren liefen etwa dreißig prächtige, gesunde Pferde von einer edlen Rasse.

Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Als ich nun mit großen Augen und bewunderndem Blick über den Hof hinüber zur Wiese ging auf der anscheinend dieses Grillfest statt fand, wurde ich von vielen lieben Menschen freundlich gegrüßt.

Durch die vielen Leute hindurch sah ich Shane auf mich zu kommen. Er strahlte mich mit diesem unwiderstehlichen Lächeln an, das mein Herz schon wieder schneller schlagen ließ, und reichte mir beide Hände als er bei mir angekommen war.

„Maike, schön das du gekommen bist. Du siehst ja toll aus. Ich erkenne dich ja gar nicht mehr.“

„Danke,“ sagte ich unsicher „ich wusste nicht, was ich anziehen sollte. Du hast mir nicht gesagt, ob es hier eher locker oder doch eher in festlicher Atmosphäre zugeht,“ flüsterte ich ihm zu.

„Ich kann dir versichern, dass du genau das richtige gefunden hast,“ flüsterte er mir genau so leise zu. Dabei grinste er mich schon wieder an, so das ich nun auch lachen musste.

„Komm,“ sagte er „ich stell dir meine Eltern und Geschwister und die anderen Nachbarn vor. Und Kian, Mark und Nicky und ihre Partner wollen dich auch unbedingt kennen lernen. Sie sind gespannt, wer du bist. Ich hab Ihnen erzählt was du die letzten Wochen auf dem Hof geleistet hast. Sie sind alle sehr gespannt auf dich.“

Die nächsten 1 ½ Stunden führte mich Shane zwischen den Leuten herum. Stellte mich allen vor, besorgte mir ständig neue Getränke und organisierte später für mich das erste große Steak das vom Grill auf den Teller kam.

Ich war wirklich froh, dass er sich so um mich kümmerte. Meine Aufregung war verflogen und nach einer Weile begann ich das Fest richtig zu genießen.

„Ich muss dich jetzt mal für eine Zeit alleine lassen. Ich hoffe, du schaffst das?“ sagte er nach dem Essen. Der Schalk stand ihm in’s Gesicht geschrieben und wieder mal grinste er über’s ganze Gesicht.

„Ja. Daddy,“ antworte ich ihm darum auch, mit kindlicher Stimm. „Ich bin ganz artig und werde hier auf dich warten bis du wieder zurück bist.“

Die jungen Leute in deren Mitte wir uns niedergelassen hatten lachten genau wie Shane und ich.

„OK. Dann bis nachher,“ sagte Shane noch mal in die Runde und lachte immer noch.

Zunächst kümmerte sich niemand darum, das Shane verschwand. Wir unterhielten uns weiter wie bisher.

Shane war unterdessen auf dem Weg zu der provisorischen Bühne die für die Westlifer aufgebaut war.

Noch einmal drehte er sich nach ihr um.

Sie sieht toll aus. Und das dachte er heute nicht zum ersten Mal. Schon als sie unsicher über den Hof gegangen war und er sie entdeckt hatte, war das sein erster Gedanke gewesen.

Sie hatte die Haare zurück gebunden und nur ein paar Strähnen umrahmten ihr Gesicht. Das luftige Sommerkleid mit den kurzen Ärmeln und dem V-Ausschnitt gab gerade so viel Haut frei das seine Fantasie angekurbelt wurde. Der Rock des Kleides reichte bis etwa 10 Zentimeter über ihrem Knie und ließ ihre schlanken Beine noch länger erscheinen, als sie so wie so schon waren.

Er hatte sich bei ihrem Anblick vor ein paar Stunden Mühe geben müssen, sie nicht unentwegt anzustarren.

Und auch jetzt, als er sich nach ihr umsah ging es ihm wieder so. Am liebsten wäre er zurück gegangen, hätte sie in die Arme genommen und sie fest an sich gezogen.

Entschlossen drehte er sich schließlich um und ging weiter.

Kian stand plötzlich vor ihm. Er hatte die kleine Bühne schon fast erreicht.

Fragend sah Shane ihn an.

Breitbeinig mit vor der Brust verschränken Armen stand er da und sah Shane an.

„Was ist?“ wollte der schließlich wissen.

„Junge,“ fing Kian an „dich hat’s voll erwischt.“

„Was meinst du?“ Shane machte eine leichte Bewegung mit seinem Arm, schubste Kian etwas zur Seite und ging an ihm vorbei.

„Die Kleine vom Nachbarhof, meine ich.“

Shane reagierte nicht, was für Kian wie eine Bestätigung war.

„Ahhh. Da hab’ ich ja wohl direkt in’s Schwarze getroffen.“

Wieder bekam er keine Antwort.

„Shane???“ fragte er noch mal vorsichtig und ohne Spott in der Stimme.

Erst jetzt blieb Shane stehen und drehte sich zu ihm um.

Kian ging auf ihn zu und blieb dicht vor ihm stehen. Fragend sah er ihm in die Augen.

„Ich liebe sie, Kian.“

Kian nickte verstehend.

„Und wo ist das Problem?“ wollte er dann wissen.

„Ich weiß nicht, ob sie für mich auch irgendwelche Gefühle hat.“

„Dann solltest du das vielleicht mal raus finden.“

„Und wie, wenn ich fragen darf?“

„Sag’s ihr.“

„Du hast gut reden. Und was wenn’s nicht so ist?“

„Dann weißt du wenigstens Bescheid, oder?

„Ja, stimmt. Ich weiß nur nicht, ob ich damit klar komme.“

„Das wirst du dann wohl müssen. Oder seh’ ich das falsch? Aber das ist dann immer noch besser als diese Ungewissheit.“

Shane nickte, machte dabei allerdings auch einen ziemlich traurigen Gesichtsausdruck.

„Komm Kumpel,“ sagte Kian, legte seinen Arm um Shanes Schulter und zog ihn mit sich, „lass uns die Bühne zum kochen bringen.

Erschrocken hielt ich mir die Ohren zu, als die Mädchen im nächsten Moment laut zu Kreischen anfingen und wie auf Kommando aufsprangen.

Ich hatte keine Ahnung was nun passiert war.

„Jetzt geht das wieder los,“ hörte ich einen der Männer sagen.

Und dann erklang auch schon die Musik.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Die nächsten 45 Minuten hörten wir Westlife.

Ich stand fast direkt an dieser kleinen Bühne und konnte meine Begeisterung nun auch nicht mehr zurück halten.

Zuerst sangen sie zwei, drei langsamer Songs und dann fegten sie zu Uptempo-Songs über die Bühne. Ich klatsche und schrie bereits genau wie die anderen Mädchen, ließ mich einfach von ihnen mitreißen. Und war so glücklich wie schon lange nicht mehr.

Immer wieder sah Shane zu mir herüber, zwinkerte mir zu oder lachte mich einfach nur an.

Bei einem besonders gefühlvollen Lied, tat er plötzlich so als ob er nur für mich singen würde. Er kniete auf der Bühne vor mir und sah mir unentwegt in die Augen.

Ich wusste vor Verlegenheit nicht wo ich hinschauen sollte und wurde knallrot im Gesicht.

Am Ende des Liedes bekam ich dafür einen extra langen Applaus und alle lachten. Also was sollte ich tun. Ich lachte einfach mit.

Der Tag wurde genau so schön, wie es mir Großmutter Enni prophezeit hatte.

Ich war ausgelassen und fröhlich wie schon lange nicht mehr.

Herrlich sich mal einen Tag lang keine Sorgen um kranke, ausgehungerte Pferde und Schafe machen zu müssen. Mal nicht darüber nachdenken zu müssen, wie ich eine Sache finanzierte die unbedingt notwenig war. Mal nicht denken zu müssen ob das Futter noch bis nächste Woche reichte oder ob ich schon vorher das Geld für die nächste Fuhre zusammen kriegen musste.

Ich war glücklich an diesem Tag und traurig, als sich so etwa gegen 17.00 Uhr einer nach dem anderen verabschiedete.

„Ich werde mich dann jetzt auch mal langsam auf den Weg machen,“ sagte ich schließlich auch zu Mae und Peter Filan, Shanes Eltern, bei denen ich im Moment stand.

„Sollen wir sie nach Hause bringen,“ fragte Peter mich.

„Nein danke, das ist nicht nötig. Ich hab’s ja nicht so weit und ich würde gerne zu Fuß gehen. Es ist noch so schönes Wetter, es wird Spaß machen noch ein bisschen spazieren zu gehen.“

„Gut, wenn sie es so wollen,“ sagte er

„Sie kommen uns doch sicher irgendwann wieder besuchen,“ meinte Mae „vielleicht irgendwann zum Nachmittagstee oder mal Abends zum essen. Ich würde sie gerne wieder einladen. Ein bisschen Abwechselung würde ihnen zwischendurch sicher gut tun.“

„Sehr gerne,“ sagte ich. „Oder sie besuchen mich mal auf einen Tee ja.“

Sie nickte und reichte mir dann die Hand.

Schließlich machte ich mich auf den Weg. Ich hätte mich auch gerne noch von Shane verabschiedet. Aber er war im Moment nirgends zu finden.

Weit kam ich allerdings nicht.

Ich hatte die Baumreihe der Auffahrt gerade erreicht.

„Maike, du willst schon gehen? Kann ich dich begleiten?“

Ich drehte mich um. Shane sprang gerade über den Zaun der Pferdekoppel.

„Aber kannst du denn einfach so verschwinden? Es sind doch noch so viele Leute da.“

„Kein Problem. Die kommen auch ohne mich aus.“

Er stand nun direkt vor mir.

„Wenn du möchtest,“ sagte ich darum einfach.

„Ja möchte ich,“ kam es gleich zurück.

Eine Weile gingen wir einfach schweigend nebeneinander her.

„Hat es dir heute gefallen,“ wollte er plötzlich wissen.

„Ohhh ja. Es war wirklich schön. Es hat Spaß gemacht. Und ich hab’ so viele liebe Leute kennen gelernt. Vor allem auch deine Eltern und deine Geschwister und deine Bandkollegen mit ihren Frauen auch. Ich hab mich wirklich wohl gefühlt.“

„Das hab ich gewusst,“ sagte er nur.

Wieder gingen wir schweigend weiter.

„Geht es MEINER Stute wieder gut?“ fragte er wenig später.

„Du meinst Milly? Ja. Der geht es wieder gut. Sie ist kerngesund und es dauert nicht mehr lange, dann sind ihre Rippenknochen nicht mehr zu sehen. Sie frist wie ein Scheunendrescher.“

„Das ist gut,“ meinte Shane lachend.

Irgendwie lag eine unheimlich Spannung zwischen uns. Eine vernünftige Unterhaltung kam einfach nicht zustande.

Seltsam, dachte ich, wir hatten doch bisher nie Schwierigkeiten gehabt uns zu unterhalten.

„Ihr Jungs seit übrigens super, falls du auf meine Meinung wert legst,“ fing ich wenig später wieder an.

„Ja? Es hat dir also gefallen?“

„Und ob. Ich weiß gar nicht, warum ich bisher so selten von euch was gehört habe. Ich glaube ich muss mir mal eine eurer CD’s besorgen. Ich bin gar nicht auf dem Laufenden.“

„Ich werde sie dir besorgen. Das fehlte gerade noch, dass du dafür Geld ausgibst, wenn ich die Dinger dutzendweise bei mir zu Hause liegen habe.“

„OK. Das ist mir auch recht. Ich spar wo es geht. Das weißt du ja,“ lachte ich.

„Ja. Ich weiß. Das ist etwas, was du wirklich kannst, wie mir scheint.“

„Wieso? Woher weißt du denn das?“

„Na hör mal. Du bist immer noch auf der Farm. Und anscheinend läuft doch alles und außerdem ist gestern die erste Rate auf meinem Konto gelandet,“ grinste er.

„Ja. Stimmt. Ich hatte ein bisschen Geld übrig und dachte es wäre ganz gut, wenn ich langsam mit der Rückzahlung anfange. Bevor ich es mir anders überlege und das Geld wieder in irgendeine andere Sache stecke.“

„Ich hatte dir doch gesagt, du könntest dir damit Zeit lassen Maike. Und ich hab’ es auch so gemeint,“ sagte Shane und blieb plötzlich stehen.

Ich blieb ebenfalls stehen und sah ihn an.

„Ich weiß Shane. Aber es ist mir wichtig, dass du dein Geld so schnell wie möglich wieder zurück bekommst. Kannst du das nicht verstehen?“

Einen Moment sah er mich an, dann nickte er plötzlich.

„Doch natürlich. Ich versteh das schon.“ Er machte eine Pause. „So bist du eben.“

„Ja genau. So bin ich eben.“

Jetzt lächelten wir beide.

Immer noch sahen wir uns an. Mein Puls raste plötzlich und das Blut stieg mir in den Kopf.

Shane machte plötzlich ein paar Schritte auf mich zu. Ganz dicht stand er auf einmal vor mir. Ich fühlte seinen Atem im Gesicht und sah ihn nun mit großen Augen an.

Vorsichtig nahm er meine Hand in Seine und zog mich noch näher zu sicher heran, so dass sich unsere Körper schon berührten.

Sanft fühlte ich im nächsten Moment seine Lippen auf meinem Mund.

Es war nur ein Hauch von einem Kuss.

„Maike ich liebe dich,“ hörte ich ihn sagen.

„Ich liebe dich, seit dem ich dich das erste Mal sah. Seit dem du vor diesem zugrunde gerichteten Pferd gekniet hast. Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich du mich machst, wenn du nur in meiner Nähe bist. Ich brauche dich nur anzusehen und es gibt nichts, was ich mir mehr wünsche als dich in meine Arme zu ziehen und dich einfach nur zu halten. Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf, seit dem ich dich das erste mal sah.“

Sanft strich er mir mit den Fingern über die Wange und sah mir wieder in die Augen.

„Ich liebe dich.“

Wieder küsste er mich sanft und sah mich dann abwartend an.

Ich kann gar nicht beschreiben was in diesem Moment in mir vorging. Das Glückgefühl das sich plötzlich in mir ausbreitete war kaum mehr auszuhalten. Heftig fühlte ich mein Herz bis zum Hals hinauf schlagen und ich hätte laut losschreien können.

Immer noch sah Shane mich an.

Ich entzog ihm meine Hand, legte meine Arme um seinen Nacken und sah ihn glücklich an.

„Ich liebe dich auch Shane. Und du kannst dir nicht vorstellen wie sehr.“

Erleichtert atmete er auf und strahlte mich dann an. Fest zog er mich in seine Arme und ich kuschelte mich an ihn und hielt ihn genau so fest.

Eine Ewigkeit standen wir so da und genossen es, dem anderen so nahe zu sein.

Irgendwann fühlte ich seine Lippen, die zärtlich meinen Hals küssten. Viele kleine, sanfte Küsse hauchte er auf die Haut. Ich legte den Kopf auf die Seite um ihm mehr Platz für sein Tun zu machen. Ich schloss die Augen und genoss jeden einzelnen Kuss.

Irgendwann hörte er damit auf und wieder sahen wir uns in die Augen.

„Wie oft habe ich mir gewünscht, das tun zu können. Ich hab mir vorgestellt wie deine Haut sich anfühlt wenn ich dich küssen. Ich hab’ mich in den letzten Wochen ständig nach dir gesehnt.“

„Ich mich auch nach dir Shane. Ich musste immer an dich denken. Aber ich hatte schon alle Hoffnung aufgegeben, nachdem du mir erzählt hast, das du in einer Band singst und ständig auf Reisen bist.“

„Wieso das?“ fragte er erstaunt.

„Ach Shane. Du kannst doch jedes Mädchen haben, das du willst. Ich dachte, du hättest bestimmt längst jemanden gefunden. Und warum solltest du ausgerechnet mich wollen? Ich bin nichts besonders. Es gibt so viele schöne Mädchen. Und dir laufen sie ständig über den Weg.“

Shane legte mir den Zeigefinger auf den Mund und brachte mich zum Schweigen.

„Kein Wort mehr. Das ist Unsinn Maike. Du redest totalen Unsinn. Das sind Fans. Und keine Mädchen. Es stimmt, ich könnte vielleicht viele Mädchen haben, wenn ich wollte. Aber unter den vielen Mädchen die mir bis jetzt begegnet sind, gab es nie eine die mich wirklich interessiert hat.“

Er hob seine Hand zog das Kämmchen aus meinen Haaren und ließ dann sanft seine Finger hindurch fahren. Liebevoll sahen mich seine Augen an.

„Keine ist so schön wie du. Keine ist so intelligent wie du. Mit keiner kann ich lachen wie mit dir, mit keiner kann ich reden wie mit dir. Keine ist wie du. Keine von ihnen hab ich je gewollt. Dich will ich. Weil ich dich liebe.“

Ich lächelte.

„Ich liebe dich auch. Und es hat bisher noch niemanden gegeben, den ich wollte. Ich hab’ noch nie solche Gefühle gehabt, wie ich sie jetzt habe. Ich war noch nie so glücklich, wie ich es jetzt bin. Und darum bin ich mir so sicher. Ich liebe dich Shane.

Wieder sahen wir uns in die Augen. Sekunden lang. Und wieder sah ich auf seinen Mund, wie ich es schon einmal getan hatte. Und wieder wünschte ich mir nichts mehr, als das er mich küsste. Nur das wollte ich im Moment.

„Küss mich Shane, sagte ich leise. „Ich will endlich wissen, wie es sich anfühlt. Ich hab’ es mir schon so oft vorgestellt. Und ich will jetzt nicht mehr warten.“

„Nichts könnte mich davon abhalten,“ sagte er genau so leise wie ich.

Seine Hände legte er dabei um mein Gesicht und er zog mich wieder ganz nahe zu sich heran.

Und dann fühlte ich nur noch seine Lippen, wie sie mich zunächst sanft und dann immer leidenschaftlicher küssten. Gierig forderte seine Zunge Einlass und wie von selbst öffneten sich meine Lippen und unsere Zungen spielte dann lockend und fordernd miteinander.

Shane hatte mittlerweile seine Hände auf meine Hüften gelegt und zog mich wieder fest an sich. Meine Arme hatten sich um seinen Nacken geschoben und ich drängte mich an ihn. Meine Finger schoben sich in sein dichtes Haar und ich konnte nicht genug davon kriegen sie immer wieder hindurch fahren zu lassen.

Wir atmeten beide schnell und in tiefen Zügen. Irgendwann schoben sich meine Hände nach vorne, legten sich auf seine starke Brust und streichelten ihn unaufhörlich. Er hatte mich nun ganz in seine Arme gezogen und seine Hände streichelten fest immer wieder über meinen Rücken.

Minuten lang standen wir so da und streichelten und küssten uns.

Bis plötzlich lautes Autogehupe uns auseinander fahren lies.

Kian, Nicky, Mark und die anderen kamen angebraust und fuhren dann zügig an uns vorbei.

„Herzlichen Glückwunsch, Shane,“ rief Kian. „Da brauche ich mir ja um dich keine Sorgen mehr zu machen, oder?“

Und schon waren sie an uns vorbei. Mit lautem Gehupte waren sie ebenso schnell wieder verschwunden wie sie gekommen waren.

Shane schmunzelte.

Ich sah ihn ziemlich verständnislos an.

„Was hat er denn damit gemeint?“ wollte ich wissen.

Shane zog mich an der Hand wieder zu sich heran.

„Ich hab’ ihm heute Nachmittag gestanden, dass ich dich liebe. Nur leider wusste ich da noch nicht, ob du auch irgendwas für mich empfindest. Deshalb hat er sich wohl ein bisschen Sorgen um mich gemacht.“

Ich schmunzelte nun auch.

„Du hast ein paar sehr gute Freunde, nicht?“

„Ja. Da hast du recht. Auf die Jungs ist immer verlass. Wir sind wirklich gute Freunde.“

Wieder zog er mich in seine Arme.

„Aber ich will jetzt nicht über meine Freunde reden. Lieber halte ich dich noch eine Weile im Arm und küsse dich. Du schmeckst nach mehr. Weißt du das?“

„Du schmeckst auch nach mehr Shane.“

Und dann standen wir wieder Minuten lang da und küssten uns.

Hand in Hand schlenderten wir schließlich wieder zurück zu meiner Farm.

„Wann sehe ich dich denn wieder,“ wollte ich zehn Minuten später wissen.

Wir standen vor dem Haus und hielten uns im Arm.

„Ich muss Morgen früh schon wieder los.“ Er zog einer Schnute und sah mich traurig an. „Leider bin ich dann erst wieder in zwei Wochen zurück. Wir sind für ein paar Konzerte erst in Stockholm und dann irgendwo in Holland.“

Ich sah ihn ebenso traurig an.

„Du wirst mir fehlen,“ sagte ich dann.

„Du mir auch Süße. Aber ich kann’s leider nicht ändern.

„Ich versteh schon. Ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen.“

„Es kommen auch wieder andere Zeiten. In etwa sechs Wochen geht’s für neue Aufnahmen wieder in’s Studio. Dann bin ich wieder öfter zu Hause.“

Ich nickte und fuhr ihm gleichzeitig gedankenverloren durch die dunklen Haare. Dann ließ ich meine Finger seinen Hals hinunter bis in den Ausschnitt seines Hemdes gleiten. Zärtlich streichelte ich die gebräunte Haut.

Shane legte eine Hand unter mein Kinn und hob meinen Kopf so das ich ihm in die Augen sah. Zärtlich sahen mich seine Augen an.

„Ich liebe dich. Und ich denke ständig an dich. Und ich rufe dich an. Jeden Tag, OK?“

Wieder nickte ich.

„Ich liebe dich auch Shane. Und ich denke auch ständig an dich.“ Ich zog eine Schnute. „Ich will nicht das du gehst.“

Er fing an zu lächeln.

„Es wird ein schönes Gefühl sein, zu wissen das du auf mich wartest.“

„Ja. Ich warte auf dich. Ich freu mich schon auf das Wiedersehen.“

„Ich auch,“ flüsterte er und wieder fühlte ich zärtlich seine Lippen auf meinem Mund.

„Bye Maike.“

„Bye Shane.“

Noch einmal strich er mir zärtlich über die Wange, drehte sich dann um und machte sich auf den Rückweg.

Ich sah ihm hinterher. An der nächsten Biegung drehte er sich noch einmal um und warf mir kurz einen Handkuss zu. Im nächsten Moment war er verschwunden.

Ich brachte es einfach nicht fertig mit dem Lächeln aufzuhören als ich wenig später die Küche betrat.

Mit einem breiten Grinsen sah mir Enni entgegen.

Ich lief auf sie zu, drückte sie an mich und gab ihr dann einen dicken Schmatzer auf die Wange.

„Ich das Leben nicht herrlich Enni,“ war das einzige was ich sagte, strahlte sie dabei glücklich an und war im nächsten Moment in meinem Zimmer verwunden.

Eine halbe Stunde später stand ich bereits wieder im Pferdestall und fütterte die Pferde. Die Arbeit ging mir heute Abend leicht von der Hand. Ich war so glücklich, ich hätte Bäume ausreißen können.

Hätte ich gewusst, was schon am nächsten Tag auf mich zukommen würde, hätte das sicher ganz anders ausgesehen.

Kapitel 6

Als ich am Morgen nachdem ich die Pferde gefüttert hatte und dann ausgiebig mit Enni und Ben gefrühstückt hatte um den Schafsstall herum ging um bei den Schafen auf der Weide nach dem Rechten zu sehen, blieb ich wie angewurzelt stehen.

Schon auf diese Entfernung war deutlich zu erkennen, das etwa fünf Schafe bewegungslos im Gras lagen.

Ich rannte los und war in wenigen Sekunden bei den Tieren angekommen.

Entsetzt sah ich auf die leblosen Tiere herunter. Es bot sich mir ein grausiger Anblick.

Allen Schafen war der Hals aufgeschlitzt worden und sie waren elendig verblutet.

Ich konnte gar nicht glauben was ich sah.

Wie konnte jemand nur so grausam sein. Und vor allem warum tat jemand so etwas.

„Marc, James, wo seit ihr“ begann ich zu schreien. So lange bis die beiden endlich um die Ecke geschossen kamen.

Kopfschüttelnd standen sie neben mir und waren genau so entsetzt.

„Wir müssen die Polizei rufen,“ sagte ich, „einen der so was tut kann man doch nicht frei herum laufen lassen. Der ist doch irre. Der tötet vielleicht noch mehr Tiere.“

„Ich übernehme das,“ meinte James sofort und rannte gleich wieder los.

„Und ich werde die anderen Nachbarn anrufen, ob sie auch irgendwelche toten Tiere gefunden haben,“ sagte Marc und macht sich sofort auf den Weg in’s Haus.

Ich ließ mich auf die Knie fallen. Ich begriff einfach nicht, wie man so krank sein konnte wehrlosen Tieren so etwas anzutun.

Eine Stunde später war die Polizei da. Es wurde alles genau protokolliert. Und dann fuhren sie los um in der Gegend nach Zeugen zu suchen, oder sich zu erkundigen, ob irgendjemand etwas gehört hatte. Die Nachbarn wurden ebenfalls befragt. Aber auf den Nachbarhöfen konnte sich auch niemand vorstellen, wer so grausam sein konnte. Und wie sich herausstellte, hatten andere Farmer keine toten Tiere zu beklagen.

Am Ende des Tagen waren wir alle genau so ratlos wie noch am frühen Morgen, als ich die toten Schafe fand.

Shane war entsetzt als ich ihm am Abend als er mich anrief erzählte was passiert war. Aber helfen konnte er natürlich nicht. So stand ich alleine mit meinem Kummer da. Enni und Ben versuchten mich zu trösten und abzulenken. Aber irgendwie bekam ich dieses elende Bild nicht aus dem Kopf.

Die nächsten Nächte schlief ich schlecht und wälzte mich im Bett herum.

Aber es nütze ja doch nichts. Die Polizei tat alles was möglich war, den Täter zu finden und es blieb mir nichts anderes übrig als abzuwarten und alles ansonsten seinen gewohnten Gang gehen zu lassen.

Aber ich sollte mich noch wundern.

Drei Tage später lagen wieder tote Schafe in der Weide.

Dieses mal waren es acht.

Und zwei Tage später noch mal 10 Schafe.

Ich war schon ganz verzweifelt und am Ende meiner Kräfte.

Die Polizei kam mit ihren Ermittlungen nicht weiter und ich hatte langsam Angst morgens aus dem Haus zu gehen.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag legten sich Marc und James nachts auf die Lauer. Irgendwann, dachten wir, würde dieser Irre sicher wiederkommen. Und darauf wollten wir vorbereitet sein.

Aber die nächsten drei Nächte ließ er sich nicht mehr blicken.

Das Ganze zerrte fürchterlich an unseren Nerven und wir wurden immer gereizter. Die Männer bekamen nachts kaum noch Schlaf und darunter litt natürlich auch langsam die Arbeit.

In der vierten Nacht „endlich“ schlug der Schafsmörder wieder zu.

Lautlos war er in die Weide geschlichen und hatte bereits wieder zwei Schafe erstochen, als James ihn entdeckte. Es war kurz vor Sonnenaufgang. Das erste Licht erhellte bereits etwas die Weide.

Auch Marc entdeckte fast gleichzeitig mit James den Mann der sich da über die Schafe hermachte.

Aber leiden entdeckte der Mann Marc, als er sich ihm vorsichtig näherte. Leider war er noch zu weit entfernt, um ihn sich zu greifen, weil der Mann als er sich entdeckt wusste sofort die Flucht ergriff. Er überquerte die Weide und verschwand dann auf nimmer Wiedersehen im angrenzenden Wald. Sich da zu verstecken und später wenn die Luft rein war zu verschwinden war ein leichtes.

„Irgendwie kam er mir bekannt vor,“ meinte Marc als er mich, und durch den Krach den er gemacht hatte auch Enni und Ben, aus dem Bett geholt hatte.

„Wie meinst du das?“ wollte ich wissen.

„Ich weiß auch nicht. Die ganze Haltung von dem Kerl, und seine Art wie er gelaufen ist. Ich hab sein Gesicht zwar nicht sehen könne, aber ich glaube ich kenne diesen Typen.“

„Ich hatte auch das Gefühl ihn irgend wie zu kennen,“ meinte auch James. „Aber ich komme einfach nicht drauf, wo ich ihn schon mal gesehen haben könnte.“

„Wenn das so ist, dann ist er vielleicht hier aus der Gegend. Vielleicht habt ihr ihn schon einmal in Sligo gesehen. Vielleicht in einem Pub oder sonst wo in der Stadt,“

gab Großvater Ben zu bedenken.

„Könnte möglich sein,“ sagte Marc und James nickte zustimmend.

„Wir werden uns die nächsten Tage einfach mal nach Feierabend in Sligo umsehen. Und wir werden uns natürlich in den Morgenstunden wieder auf die Lauer legen. Ich bin mir sicher, dass er noch einmal wieder zuschlägt. Der Mann muss krank sein. Der weiß doch gar nicht richtig, was er tut.“

Einvernehmlich nickten wir alle.

„Und ich werde mich ebenfalls irgendwo hinhocken. Vielleicht erkenne ich ihn ja, wenn ich ihn sehe. Oder vielleicht ist unsere Chance dann größer das wir ihn erwischen.“

Damit waren die Männer natürlich nicht einverstanden. Es wäre viel zu gefährlich meinten sie.

Aber ich ließ mich nicht davon abhalten.

In eine Decke gehüllt hockte ich mich also ebenfalls in der nächsten Nacht gegen Morgengrauen hinter einen Busch und wartete.

Ich fror erbärmlich. Denn trotzdem es tagsüber ziemlich warm war, kühlte es in den Nächten doch merklich ab.

Außerdem fühlte ich mich in der letzten Zeit nicht besonders. Ich hatte abgenommen und fast ständig Kopfschmerzen. Die ganze Sache machte mich völlig fertig und zerrte an meinen Nerven.

Und dann machte ich einen Fehler der mir fast zum Verhängnis wurde.

Ich war so fertig, dass ich eine viertel Stunde später nachdem ich mich hingehockt hatte einschlief.

Und dann passierte plötzlich alles ganz schnell.

Wieder entdeckten Marc und James den Mann, als er sich über die Schafe hermachen wollte.

Als ich taumelnd auf die Beine kam, sah ich im gleichen Moment auch schon den Mann auf mich zu rennen. Er sah mich genau so entsetzt an wie ich ihn.

„Wilby,“ brachte ich heraus, als ich ihn erkannte.

„Ja. Wilby!“ stieß er verächtlich heraus, und im nächsten Moment stieß er mit dem Messer zu.

Ich sackte zu Boden.

Aber Wilby hatte sich schon wieder in Bewegung gesetzt und war dann sofort in den Büschen verschwunden.

„Maike, was ist mit dir?“ hörte ich noch Marc sagen und er half mir auf die Beine.

Aber ich sackte sofort wieder in mich zusammen und wurde dann ohnmächtig.

Alles weitere erfuhr ich drei Stunden später, als ich im Krankenhaus wieder wach wurde.

Als ich die Auge öffnete sah ich als erstes meine Eltern.

„Mum, Dad? Was macht ihr denn hier?“

Die beiden hatten sich von ihren Stühlen erhoben und sahen nun besorgt auf mich herunter.

„Kind,“ fing meine Mum an, „was machst du nur für Sachen. Du hättest tot sein können.“

„Ach Mum. Ist doch nur halb so schlimm.“ Mehr fiel mir dazu nicht ein.

Die Tür ging plötzlich auf und der Arzt kam in’s Zimmer.

„Guten Tag Miss McFinn. Wie geht es ihnen?“ wollte er wissen.

„Ich glaube ganz gut,“ sagte ich und setzte mich nun aufrecht im Bett hin. Dann zog ich allerdings eine Grimmasse, weil ich plötzlich diesen stechenden Schmerz in meiner Brust fühlte.

„Tja. Sie werden sich die nächsten zwei Wochen wohl ein bisschen ruhig verhalten müssen. Arbeiten werden sie so sicher nicht können. Aber ich kann sie beruhigen. Es ist nur eine Fleischwunde. Allerdings hätten nur ein paar wenige Zentimeter gefehlt und das Messer hätte das Herz getroffen. Sie haben also wie man so schön sagt „Glück im Unglück“ gehabt.“

Ich schluckte und atmete erst mal tief ein bei dem Gedanken. Aber ich fing mich auch genau so schnell wieder.

„Und wann kann ich hier raus?“ wollte ich wissen.

„Kind, nun sei doch nicht so ungeduldig,“ mischte sich mein Vater in die Unterhaltung. „Nun erhole dich doch erst einmal. Du kommst schon früh genug wieder auf die Farm.“

„Aber ich werde da gebraucht,“ brachte ich heraus. „Die Tiere müssen schließlich versorgt werden und es ist auch sonst noch eine Menge zu tun.“

Der Arzt schüttelte mit dem Kopf.

„Also, ich würde sie gerne noch bis Morgen hier behalten. Und wenn sie mir versprechen, sich dann für die nächsten fünf Tage auszuruhen und die Arbeit auf der Farm Arbeit sein lassen, kann ich sie entlassen. Aber nur unter diesen Bedingungen. Ich muss mich darauf verlassen können. Keine körperliche Arbeit die nächsten fünf Tage.“

Er sah mich fragend an.

Ich sah von einem zum anderen. Es widerstrebte mir total, so lange nichts tun zu können. Aber was blieb mir anderes übrig.

„Also gut. Versprochen. Fünf Tage lang keine körperliche Arbeit.“

Der Arzt war gerade gegangen, da ging nochmals die Tür auf. Diesmal war es ein Beamter der Polizei.

Erleichtert atmete ich auf, als er wieder gegangen war.

Man hatte Wilby völlig betrunken gegen Mittag in einem Pub in der Stadt aufgegriffen und festgenommen. Und er hatte bereitwillig die Tat gestanden.

Der Beamte erkläre, Wilby wäre voll Hass auf mich gewesen, weil ich ihn einfach vom Hof gejagt hatte. Es hatte sich schnell herum gesprochen, dass er die Farm vernachlässigt hatte und die Menschen waren in der Hinsicht sehr nachtragend. Tiere verhungern zu lassen und sie zu schlagen war bei niemandem hoch angesehen und darum hatte er keine Arbeit wieder gefunden. Aus Frust hatte er sich fast täglich besoffen, so lange das Geld noch reichte. Das alles hatte seinen Hass auf mich noch mehr geschürt und irgendwann hatte er sich in den Kopf gesetzt sich an mich zu rächen. Als ich dann auch noch vor ihm auftauchte heute Morgen hatte er nur noch rot gesehen und einfach zugestochen.

„Willst du nicht wieder mit nach Hause kommen,“ fragte meine Mum nun besorgt.

Ich sah sie an und schüttelte mit dem Kopf.

„Mum. Das kann ich doch nicht. Das bin ich Onkel Henry schuldig. Und endlich bringt die Farm auch wieder Gewinn ein.“ Ich nahm ihre Hand. „Und ich bin glücklich hier Mum. Es ist ein schönes Leben hier in Sligo. Die Arbeit macht mir Spaß und ich hab so viele nette Leute kennen gelernt. Alle helfen mir wo sie können und Enni und Ben sind immer für mich da, wenn ich Sorgen habe und sie brauche. Ich möchte hier nicht weg Mum. Versteh das bitte.“

Ich sah von ihr zu meinem Dad.

Der schmunzelt plötzlich und tätschelte mir dann die Hand.

„Und, kann es vielleicht auch an den jungen Mann liegen den du hier kennen gelernt hast?“ Er zwinkerte mir zu, worauf ich lächeln musste.

„Wer hat euch denn davon erzählt?“ wollte ich wissen.

„Na Enni,“ meinte Mum. “Sie wartet übrigens zusammen mit Ben und diesem Marc auf dem Flur.“

Ich freute mich das sie da waren.

„Holt sie doch bitte rein, ja?“

Enni sah ganz entsetzt aus, als sie den dicken Verband sah der oberhalb meiner Brust groß und breit prangte.

Aber ich versicherte ihr, das alles nur halb so schlimm war.

Marc hatten mir einen riesigen Blumenstrauß besorgt und überreicht ihn mir stolz.

„Der ist ja wunderschön,“ ich strahlte ihn an. „Aber das hättest du doch nicht tun müssen.

„Och,“ er kratze sich verlegen am Hinterkopf „diese Krankenzimmer sind doch immer so kahl und weiß gehalten. Ich dachte so ein Blumenstrauß lässt so ein Zimmer doch gleich viel freundlicher wirken.

Etwa eine Stunde blieben sie noch und wir unterhielten uns noch mal ausführlich über den Morgen und was noch so alles in den letzten Wochen passiert war.

Am Ende waren dann auch endlich meine Eltern überzeugt, dass es mir auf der Farm gut ging und das ich unter den Leuten die um mich herum waren gut aufgehoben war.

Enni und Ben würden sich schon um mich kümmern, versprachen sie. Und da es mir einigermaßen gut ging und ich ja morgen schon wieder nach Hause konnte, fuhren sie kurze Zeit später wieder zurück nach Dublin.

An diesem Abend telefonierte ich lange mit Shane.

Er war entsetzt und ganz geschockt darüber was alles passiert war. Am liebsten hätte er sich sofort auf den Weg nach Sligo gemacht. Aber sie hatten noch heute und morgen jeweils einen Auftritt in Amsterdam, und ich konnte ihn so weit beruhigen, dass er sich nicht sofort in den nächsten Flieger setzte und zu mir kam.

„Es geht dir wirklich gut?“ fragte er mich nun noch einmal.

„Ja. Shane. Wirklich. Du hast mich das jetzt schon das dritte mal gefragt. Es geht mir wirklich gut.“

„Ich würde nur so gerne jetzt bei dir sein. Wenn ich gewusst hätte, was du für Sachen machst, hätte ich dich gar nicht erst alleine gelassen.“

„Ach Shane. Du kannst doch wegen so was die Band nicht einfach im Stich lassen. Das geht doch nicht. Und es ist wirklich auch nur halb so schlimm.“

„Du klingst aber irgendwie ganz seltsam?“ meinte er.

„Das kommt nur davon, dass ich hundemüde bin. Ich werde mich gleich richtig ausschlafen und dann geht es mir sicher noch besser.“

Ein Weile war es still in der Leitung.

„Also gut, dann mache ich jetzt Schluss,“ hörte ich ihn dann sagen. „Schlaf gut Kleines. Und erhol dich. Ich komm, so bald die Konzerte zu ende sind OK?“

„Ja. Shane mach das. Ich freu mich auf dich.“

„Ich mich auch auf dich.“

„Ich liebe dich Shane.“

„Ich liebe dich aus Maike. Bis dann.“

„Bis dann Shane.“

„Bye.“

„Bye Shane.“

Einen Moment lag ich in meinem Bett und starrte an die Decke. Einige Bilder schossen mir wieder durch den Kopf. Besonders Wilbys Gesicht setzte sich in meinem Gedächtnis fest. Er hatte zum Fürchten ausgesehen, als er mir gegenüber stand und mich so hasserfüllt angesehen hatte.

Und plötzlich stiegen Tränen in mir auf. Ich konnte sie einfach nicht zurück halten. Die ganze Angst, die Sorge um die Tiere in den letzten Wochen und das ganze Durcheinander der letzten Tage, die Nächte in denen ich keinen Schlaf fand. Das alles brach plötzlich über mich zusammen. Ich heulte und heulte. Es dauerte eine Ewigkeit bis keinen Tränen mehr kamen.

Aber irgendwie fühlte ich mich danach auch besser. Tief atmete ich ein paar mal ein und wieder aus. Das alles war jetzt vorbei. Jetzt konnte ich wieder nach vorne schauen.

Kapitel 7

Am nächsten Abend saß ich zusammen mit Enni vor dem Haus auf der kleinen Bank auf der wir oft zusammen saßen.

Zuerst hatten wir uns noch unterhalten, aber irgendwann ließ Enni den Kopf gegen die Wand sinken und schloss die Augen. Leise fing sie ein paar Minuten später an zu schnarchen. Ich schmunzele.

Sie war mir sehr an’s Herz gewachsen in den letzen Monaten. Mittlerweile war sie für mich wie eine richtige Großmutter, die ich ja schon seit etwas fünfzehn Jahren nicht mehr hatte.

Ich liebte sie. Und ich liebte Ben. Ich liebte alles hier auf dem Hof.

Ich beugte mich vor und begann Jasper den Hals zu kraulen. „Und dich liebe ich auch,“ sagte ich leise und musste grinsen.

„Und wen noch?“ hörte ich Enni plötzlich leise sagen.

Ruckartig drehte ich ihr den Kopf zu und musste dann schmunzeln.

„Ich dachte du wärst eingeschlafen?“

„Ich schlafe nicht immer gleich, nur weil ich die Augen geschlossen habe.“

„Aber du hast geschnarcht,“ sagte ich und lachte nun über’s ganze Gesicht.

Worauf sie nun auch lachte.

„Du hast meine Frage nicht beantwortet,“ bohrte sie aber dann weiter.

Ich antwortete ihr zunächst nicht, sah nur verträumt vor mich hin.

„Du liebst Shane Filan, ja? Wenn mich meine Augen nicht ganz getäuscht haben, habt ihr euch an diesem Abend als er dich von dem Grillfest nach Hause gebracht hat, geküsst.“

Ich musste noch mehr lachen.

„Dir bleibt auch gar nichts verborgen, oder?“

„Also hab’ ich recht.“

Ich holte tief Luft.

„Ja. Du hast recht. Ich liebe ihn. Ich denke ständig an ihn. Und ich vermisse ihn. Besonders die letzten Tage, seit dem das alles hier passiert ist.“

„Und was ist mit ihm?“ wollte sie wissen. „Liebt er dich auch.“

Ich strahlte sie an.

„Ja. Er liebt mich auch. Das hat er wenigstens gesagt.“

Sie nahm meine Hand und tätschelte sie mit der anderen.

„Das ist gut. Du brauchst jemanden der dich liebt. Jemanden der für dich da. Jemanden der dich glücklich macht. Du hast es verdient Kindchen.“

„Ich bin glücklich. Ich hab nur ein bisschen Angst davor.“

„Weshalb? Gibt es einen Grund dafür?“ wollte sie wissen und sah mich nun ganz besorgt an.

„Eigentlich nicht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich die Richtige für ihn bin. Ich weiß nicht, ob ich ihm genug bin. Er ist doch ständig unterwegs. Und überall warten schöne Frauen auf ihn. Er kann jede haben, wenn er will. Ich hab’ einfach Angst, dass er mich irgendwann nicht mehr will.“

„Maike, mach dir nicht so viele Gedanken. Ich kenne die Familie Filan schon eine ganze Weile. Und das sind gute Leute. Die Kinder sind gute Kinder. Und Shane Filan war schon immer ein guter Junge.“

Jetzt musste ich schmunzeln.

„Enni, er ist schon lange kein guter Junge mehr. Er ist siebenundzwanzig und ein erwachsener Mann.“

„Das weiß ich doch. Aber vertrau mir. Er ist ein guter Mann. Er wird dich nicht enttäuschen.“

„Das hoffe ich. Und eigentlich glaube ich auch daran.“

Minuten lang saßen wir weiter zusammen. Aber wir redeten nicht. Wir saßen einfach nur da und genossen die letzten Sonnenstahlen der langsam untergehenden Sonne.

Irgendwann sah ich plötzlich Shanes Wagen die Auffahrt herauf kommen.

„Das gibt’s doch nicht,“ sagte ich erstaunt. „Ich dachte der ist Morgen erst aus Holland zurück. Er hatte doch heute Abend noch einen Auftritt.“

Mit offenem Mund sah ich Enni an.

Aber die schmunzelte nur und zwinkerte mir dann vielsagend zu. Noch einmal tätschelte sie meine Hand, stand dann auf und ging ohne noch irgend etwas dazu zu sagen in’s Haus.

Ich stand auf und ging Shane erwartungsvoll entgegen.

„Shane, was machst du denn....“ weiter kam ich nicht.

Seine Hände legten sich um mein Gesicht und sofort küsste er mich zärtlich. Ich erwiderte seinen Kuss ebenso zärtlich.

„Ich hab’s nicht mehr ausgehalten. Ich musste dich einfach sehen. Ich hab’ mir solche Sorgen um dich gemacht. Geht es dir wirklich gut.“

„Shane. Ich hatte dir doch gesagt, dass es nicht so schlimm ist. Es geht mir wirklich gut. Das siehst du doch auch.“

Er legte seine Hände auf meine Hüften und hielt mich ein Stückchen von sich.

Wieder sah er mich besorgt an.

„Blass siehst du aus. Und abgenommen hast du auch.“ Sein Blick fiel auf den Verband der unter meinem Top zu sehen war. „Das ist aber ein großer Verband.“

„Es sieht wirklich schlimmer aus als es ist.“ Ich legte meine Hand an seine Wange und strich zärtlich darüber. „Es geht mir gut, wirklich.“ Ich küsste ihn zärtlich.

Sekunden lang sah er mich an und endlich schien er überzeugt zu sein.

Mit den Fingern strich er mir eine Haarsträhne aus der Stirn.

„Ich hab dich vermisst,“ sagte er leise.

„Ich hab dich auch vermisst,“ sagte ich genau so leise.

Ich schob meine Hand in seinen Nacken und zog ihn wieder zu mir heran.

Ausgiebig küssten wir uns. Zärtlich, sanft und dann immer leidenschaftlicher.

Wir atmeten beide heftig und meine Knie wurden plötzlich ganz weich. Shane hielt mich fest im Arm und seine Hand streichelte immer wieder sanft meinen Rücken hinauf und herunter.

Tief sah er mir danach in die Augen.

„Ich liebe dich, Süße.“

Ich lächelte.

„Ich liebe dich auch Shane.“

„Gehen wir ein Stück spazieren?“ fragte er dann plötzlich. „Oder bist du zu schwach dafür.“

Ich verdrehte die Augen.

„Nein Shane. Ich bin nicht zu schwach dafür. Es geht mir wirklich gut.“

„Dich kann man aber leicht ärgern,“ kam es zurück und der Schalk in seinen Augen war nicht zu übersehen.

Gleichzeitig fingen wir an zu lachen.

Die nächste halbe Stunde gingen wir spazieren.

Shane wollte genau wissen was passiert war. Ich musste ihm alles genau erzählen.

„Ich hätte diesen Wilby erschlagen sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte,“ brachte er aufgebracht heraus als ich geendet hatte, „er hätte dich fast umgebracht.“

Ich blieb stehen und sah ihn nachdenklich an.

„Dann wärst du jetzt wahrscheinlich hinter Schloss und Riegel und wir hätten uns nie kennen gelernt. So ist es mir schon lieber.“

„Ja. Da ist was Wahres dran. Da hast du recht. So ist es mir auch lieber.“

Er zog mich wieder an sich und küsste mich zärtlich.

„Sag mal,“ fing er dann wieder an „du kannst doch so nicht auf der Farm arbeiten, oder?“

Ich schüttelte traurig mit dem Kopf.

„Hättest du nicht Lust mich und die Jungs ein paar Tage zu begleiten. Wir haben am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Auftritte in Killarney. Wir könnten mal ein bisschen mehr Zeit miteinander verbringen und du könntest dir die Konzerte ansehen.“

„Du willst mich mitnehmen?“

„Ja. Natürlich. Dann könntest du dir mal ein Bild davon machen, wie ich die Lebe.“

„Das würde ich gerne einmal sehen. Aber geht das denn einfach so?“

„Ja. Natürlich. Warum denn nicht. Du wirst allerdings während der Konzerte und etwa zwei Stunden davor auf mich verzichten müssen. Hälst du das aus?“ schmunzelte er.

„Ich werd’s schon irgendwie schaffen, ich geb’ mir Mühe?“ Lachte ich.

„Sag mal,“ fiel mir jetzt plötzlich wieder ein, „ du hattest doch heute Abend noch einen Auftritt in Holland. Ist der ausgefallen? Oder warum konntest du dich frei machen?“

Shane grinste wieder mal

„Ich hab’ mich verdrückt. Nicky hat mich heute Mittag in Amsterdam zum Flughafen gefahren und ich bin dann mit dem Flieger nach Dublin und dann in einer kleinen Maschine weiter nach Sligo. Die Jungs müssen heute mal ohne mich auftreten. Das klappt schon. Ist ja nur ausnahmsweise.“ Wieder grinste er. „Louis Walsch, unsere Manager, wird allerdings getobt haben als er das erfahren hat. Ich hab’ vorsichtshalber mein Mobile-phone abgestellt, damit er mich nicht erreichen kann.

Damit werde ich mich lieber erst morgen beschäftigen.“ Immer noch grinste er.

Ich runzelte die Stirn.

„Ich möchte nicht, dass du wegen mir Scherereien mit deinem Manager hast,“ sagte ich, „ich will dir nicht alles kaputt machen Shane.“

„Du machst mir nichts kaputt Maike. Und Louis wird es verstehen. Er ist wie ein Vater für uns Jungs. Er versteht es wenn ich es ihm erzähle.“

„Und was wirst du ihm erzählen?“

Er nahm meine Hand und küsste zärtlich die Innenfläche.

„Das es meinem Mädchen nicht gut ging und ich mich darum kümmern musste. Das ich ein Mädchen in Sligo liebe und mir nichts wichtiger ist als sie.“

Ich schmiegte mich an ihn und sah ihm in die Augen.

„Ist das so?“

„Ja. So ist das. Ich liebe dich und nichts ist mir so wichtig wie du.“

Gegen Mittag am Dienstag trafen wir in Killarney ein. Ich fuhr mit Shane, Kian und seiner Freundin Jodi im Wagen mit. Im zweiten Wagen waren Mark und sein Freund Kevin. Nicky wurde mit seiner Frau Gina direkt von Dublin herüber geflogen.

Im Hotel trafen wir uns dann gegen 5 Uhr am Nachmittag in der Lobby und fuhren dann alle zusammen zur Konzerthalle.

So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Es war der pure Wahnsinn.

Ich saß mit Kevin, Jodi und Gina etwas seitlich von der Bühne in einer Loge. Von hier aus konnten wir die Jungs auf der Bühne am besten sehen.

Die Fans flippten förmlich aus, als die Männer auf die Bühne kamen. Ich hielt mir erschrocken im ersten Moment die Ohren zu. Und dieser Ohren betäubende Lärm hielt sich das ganze Konzert hindurch. Aber es war toll. Ich ließ mich begeistert mitreißen. Das war ganz etwas anderes als die kleine Vorstellung die die Männer auf dem Grillfest der Filans gegeben hatten. Kein Vergleich.

Und ich liebte es.

Ich liebte Shane, wie er da über die Bühne fegte und seine Stimme aus jeder Ecke der Halle scholl. Ich liebte es wie er mit den Hüften wackelte als sie „Don’t cha“ sangen und wie er mir in die Augen sah, als sie „Flying without wings“ sangen. Ich liebte es wie er sein Mikro hielt und wie er immer wieder den Fans zuwinkte. Ich liebte alles an ihm. Und die anderen Jung liebte ich auch.

Die Stimmen passen einfach super zusammen. Die Tanzeinlagen waren genau aufeinander abgestimmt und es hatte bestimmt eine Menge Schweiß und Anstrengung gekostet bis alles so gut klappte.

Und die Männer hatten ihren Spaß. Das war ihnen deutlich anzumerken. Immer wieder machten sie ihre Scherze miteinander und alberten herum. Natürlich so, dass trotzdem alles perfekt lief. Es gab keine Patzer beim Tanzen. Und es waren keine schiefen Töne zu hören.

Nach dem Konzert war ich total aufgewühlt. Das war das schönste Erlebnis seit langem.

„Na. Wie hat es dir gefallen?“ war dann auch das erste was Shane mich fragte als er etwa eine halbe Stunde nach Ende des Konzertes, frisch geduscht und umgezogen, zu uns Frauen in den Vorraum der Garderobe kam.

„Ihr wart toll. Wirklich. Ich bin ganz begeistert. Und immer noch total aufgedreht. Und so viele Leute waren da.“

„8000 in etwa,“ meinte Shane.

„Soooo viele?“ Mir klappte die Kinnlade herunter.

„Ja. So viele.“

Ich dachte einen Moment nach.

„Jetzt wird mir erst bewusst, wie berühmt du sein musst, wenn so viele Leute von überall herkommen, nur um euch zu hören.

Shane nickte einfach nur.

„Kannst du damit leben?“ wollte er wissen.

Ich sah ihn wieder nachdenklich an.

Aber dann nickte ich langsam.

„Das werde ich wohl müssen, oder?“

Jetzt nickte Shane.

„Wenn wir zusammen sein wollen, ja.“

Ich legte meine Arme um ihn und zog ihn an mich.

„Also ich will,“ sagte ich leise.

„Und ich erst recht,“ kam sofort die Antwort.

Später gingen wir noch mit den Anderen zusammen in ein gemütliches Restaurant. Immer um uns ein zwei Männer der Security, die auf die Jungs aufpassten.

Für mich war das ja ganz etwas Neues, aber alle anderen schien es nicht zu interessieren, das sie da waren.

Irgendwann nahm ich die Zwei dann auch gar nicht mehr wahr. Aber es war nicht nur das, an das ich mich gewöhnen musste. Ein paar mal an diesem Abend wurden wir gestört, weil immer wieder Fans an unseren Tisch kamen und Autogramme wollten.

Aber irgendwann hatte wohl jeder bekommen was er wollte und die letzten zwei Stunden bis etwa 12.00 Uhr blieben wir dann ungestört.

„Hattest du einen schönen Abend?“ fragte mich Shane als wir später zusammen über den Hotelflur zu meinem Zimmer gingen.

„Ja, hatte ich,“ sagte ich. „Einen wunderschönen Abend. Und einen wunderschönen Tag.“

„Und,“ wollte er weiter wissen „bist du jetzt überrascht, wie alles läuft? Oder gar nicht?“

„Naja. Ein bisschen vielleicht. Ich hatte natürlich schon meine Vorstellungen. Und in etwa war es auch so wie ich es mir vorgestellt habe. Aber eure Fans haben mich beeindruckt. Ich hätte nicht gedacht, dass ihr so berühmt seit. Und vor allem nicht, dass sie so fanatisch sind. Ich trau mich gar nicht, dich alleine durch die Stadt laufen zu lassen. Ich hab die Befürchtung die Frauen reißen dir die Kleidung vom Leib, wenn du irgendwo auftauchst.“

„Dafür ist doch die Security da Maike. Die ist immer irgendwie um uns, wenn wir in einer Stadt unterwegs sind. Auf dem Land in Sligo sind die Fans etwas vernünftiger. Da brauchst du dir um mich keine Sorgen zu machen. Das ist übrigens der Grund dafür, dass ich so gerne zu Hause in Sligo bin. Da kennen mich alle und keiner schert sich um mich. Außerdem ist das ganze Grundstück eingezäunt und überall sind Überwachungskameras. Keiner kommt auf’s Gelände ohne das er gesehen wird.“

Wir waren jetzt bei meiner Zimmertür angekommen und ich steckte den Schlüssel in’s Schloss. Dann stand ich in der offenen Tür, warf meine Handtasche auf den nächsten Sessel und drehte mich wieder zu Shane um.

„Gute Nacht, Maike.“ Shane zog mich an sich. „Und träum’ was Schönes. Am besten von mir. Ich werde bestimmt auch von dir träumen. So wie ich es oft tue.“

„Was träumst du denn von dir?“

Er küsste mich kurz. „Das kann ich dir nicht erzählen. Ich will dich nicht in Verlegen-heit bringen.“

„Ich will es aber wissen?“

Einen Moment dachte er nach.

„Ich träume davon, wie wir uns lieben. Wie wir uns aneinander drängen und uns küssen. Ich träume davon, wie du nackt neben mir liegst und meine Hände dich streicheln.“

Ich schmunzelte und sah ihn dann wieder ernst an.

„Willst du mehr hören?“

„Nein,“ antwortete ich „ich weiß schon, wie es weiter geht. Und ich weiß es, weil ich die gleichen Träume habe.“

Jetzt küsste ich ihn.

„Und ich will nicht mehr davon träumen,“ sagte ich dann.

„Du willst nicht mehr davon träumen?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich will auch nicht mehr davon träumen,“ sagte Shane. „Ich will wissen, wie es ist, wenn du nackt neben mir liegst. Ich will wissen wie du dich anfühlst, wie sich deine Haut anfühlt, wenn ich dich streichle.“

Wieder nickte ich.

Ich zog ihn weiter in’s Zimmer und kickte im nächsten Moment die Tür mit dem Fuß zu.

Dann kuschelte ich mich wieder in seine Arme und drängte mich an ihn.

„Bist du dir sicher?“ wollte Shane wissen.

„Ich bin mir sicher. Ich hätte nur noch eins gerne gewusst.“

„Und was ist das?“

„Hast du Kondome dabei?“

Shane grinste und nickte dann gleichzeitig.

Aber ich sah ihm in die Augen und strich ihm dann sanft mit den Fingern über die Lippen.

„Dann schlaf mit mir Shane. Ich kann es nicht mehr abwarten. Ich will endlich wissen, wie es sich anfühlt.“

Shane nickte nur, sagte aber darauf gar nichts sondern legte einfach seine Arme um mich und küsste mich leidenschaftlich.

(für jugendl unter 18 nicht geeignet)

Wenig später saßen wir uns auf dem Bett gegenüber und zogen uns gegenseitig aus. Und unaufhörlich streichelten und küssten wir uns.

Shane schob mir in diesem Moment die Träger meines Kleides von den Schultern nachdem er kurz vorher den Reißverschluss herunter gezogen hatte.

Ich hatte ihm bereits sein Hemd geöffnet und es ihm aus der Hose gezogen. Zärtlich streichelten meine Finger über seine Brust, während er sanft jede Stelle Haut meiner Schulter küsste, die das Kleid frei gab als er es mir herunter zog.

Sanft küsste er dann meinen Hals und ich legte meinen Kopf auf die Seite, um ihm mehr Platz zu machen.

Und genau so sanft fühlte ich seine Finger die nun meine Schulter hinunter strichen und seine Hand die sich zärtlich auf meine Brust legte. Er löste sich plötzlich von mir. Sehnsuchtsvoll wanderten seine Augen an mir herunter.

Während er mich ansah, ließ ich meinen Daumen immer wieder über seine harte Brustwarze streichen und sah ihm dann wieder in die Augen.

Sein Blick sprach Bände in diesem Moment. Er wollte mich. Nie hatte ich einen solchen Blick bei einem Mann gesehen. Aber mir war sofort klar, was er bedeutet.

„Du bist wunderschön?“ sagte er plötzlich

Ich lächelte.

Dann stand ich auf und schob mir aufreizend langsam das Kleid von den Hüften. Nur in einem knappen Slip stand ich jetzt vor ihm.

Ich drängte mich zwischen seine Beine, legte meine Arme um seinen Nacken und sah ihm wieder in die Augen. Shane sah zu mir auf und legte langsam seine Hände um meine Hüften. Er zog mich zu sich heran, so das meine Brustspitzen bereits seine leicht behaarte, muskulöse Brust berührten.

„Ich gehöre dir, Shane, wenn du mich willst.“

„Du weißt das ich dich will Maike. Du bist alles was ich will.“

Ja. Ich wusste es. Ich sah es ja in seinen Augen. Aber er musste es auch in meinen Augen sehen.

Ich schlag meine Arme um seinen Nacken und unsere nackten Oberkörper schmiegten sich aneinander. Leidenschaftlich und fordern küssten wir uns und Shane zog mich zu sich auf den Schoß. Zärtlich streichelten seine Hände meinen Rücken hinter und legten sich dann fest auf meinen Po und er zog mich noch fester an sich.

Mit einer schnellen Bewegung hatte ich ihm das Hemd von den Schultern gezogen und warf es dann achtlos auf den Boden.

Sekunden später drängten wir uns auf dem Bett aneinander.

Irgendwann hatte ich ihm endlich seine Hose und die Boxershorts und er mir den Slip ausgezogen.

Splitternackt schmiegten wir uns aneinander und langsam heizten sich unsere Körper immer mehr auf.

Mein Puls raste, das Blut stieg mir in den Kopf und mein Herz schlug heftig und so laut, dass ich glaubte es schlagen zu hören.

Das Ziehen zwischen meinen Beinen wurde von Minute zu Minute stärker und ich konnte nicht genug davon kriegen seine Hände auf meiner Haut zu fühlen.

Ich hielt die Augen geschlossen und genoss jeden einzelnen Kuss den ich heiß und gierig auf meinem Körper fühlte, während sich nun meine Finger um seine pulsierende, harte Erregung legten und ich begann ihn sanft zu massieren.

Shane stöhnte in diesem Moment und ein langgezogenes „Ohhhhh“ kam über seine Lippen.

„Gott Maike, du machst mich fertig. Ich liebe dich soo,“ hörte ich ihn wie aus weiter Ferne, weil das Gefühl das im Moment als sein Mund meine Brust verwöhnte durch meinen Körper fuhr, mich total überrollte.

Dann fühlte ich plötzlich seine Hand zwischen meinen Beinen und er begann sofort mit dort sanft zu streichen. Immer wieder glitten seine Finger durch die feuchte Stelle und augenblicklich begann ich zu keuchen.

Ich zog meine Hand zurück und im nächsten Moment klammerte ich mich an Shane, weil ich das Gefühl hatte jeden Augenblick zu explodieren.

Er sah ihr in’s Gesicht, als sie sich plötzlich nicht mehr rührte. Schmerzhaft fühlte er ihre Finger in seiner Haut.

Sie hatte die Augen geschlossen und ihr Atem ging nur noch stoßweise.

Sie wusste es noch nicht, aber er sah es. Jeden Moment würde sie so weit sein.

Aber er wollte das sie es noch länger genießen konnte. Er wollte, das diese Nacht etwas ganz besonders war und ihr für immer in Erinnerung bleiben würde.

Für sie war es das erste Mal, das wusste er. Und es sollten so schön für sie sein, dass sie immer wieder daran denken würde.

Er verlangsamte das Tempo und streichelte sie nur noch ganz sanft. Dann ließ er seine Finger über ihre Schenkel streichen. Immer wieder ganz sanft und zärtlich.

Dann ließ er sie an ihrem Oberkörper hinauf streichen und streichelte ihre Brust. Die ganze Zeit über sah er ihr in’s Gesicht.

Bis sie schließlich die Augen öffnete und ihn wieder direkt an sah.

Mein Puls hatte sich wieder etwas beruhig und mein Atem ging wieder einigermaßen gleichmäßig und ruhig.

Ich sah Shane direkt in die Augen, als ich meine öffnete.

Zärtlich ließ ich meine Finger in seine Haare fahren und sah ihn liebevoll an.

„Ich liebe dich,“ sagte ich leise.

„Ich liebe dich,“ kam es gleich zurück.

Und wieder küssten wir uns, fingen wieder an uns zu streicheln und aneinander zu drängen.

„Shane, bitte“ flehte ich ihn später an, ich halt das nicht mehr aus. Ich will dich endlich fühlen.“

Shane lag zwischen meinen Beinen und Minuten lang hatte sein Mund meine Brüste, Hals und Schultern verwöhnt, waren seine Hände fest und gierig über meinen Körper gestrichen. Immer wieder fühlte ich seine Erregung, die mich zärtlich und lockend zwischen den Beinen streichelte.

Nun krallten sich meine Finger fest in seine Po und ich drückte ihn an mich.

Und endlich fühlte ich ihn in mir. Langsam ließ er sich auf mich herunter und drang fest in mich. Für einen Moment hielt ich ganz still, weil plötzlich dieser Schmerz durch meinen Körper fuhr. Aber es waren nur einige wenige Sekunden, dann war es schon wieder vorbei.

Ich zog ihn noch fester an mich, so das er mich vollkommen ausfüllte.

Shane begann zu keuchen und legte plötzlich seinen Kopf auf meine Brust.

Ein paar Mal atmete er tief ein und wieder aus.

Fast hätte er die Kontrolle verloren. Und das war genau das, was ihm jetzt nicht passieren sollte. Er wollte sie glücklich machen. Sie sollte wissen, was für ein schönes Gefühl es war zum Höhepunkt zu kommen. Und er wollte wissen, wie es war mir ihr zusammen den Höhepunkt zu erreichen.

Zärtlich küsste sie seine Schulter als er nun begann sich zu bewegen. Sofort atmete sie schneller und sog tief die Luft durch die Nase ein.

Immer noch lagen ihre Hände auf seinem Po und sie begann sich seinem Rhythmus anzupassen und zog ihn immer wieder auf sich herunter.

Gleichzeitig hob sie ihm sein Becken entgegen.

Er begann zu stöhnen.

Ganz langsam, versuchte er sich zuzureden. Sie ist noch nicht so weit. Gib ihr Zeit, dachte er und konzentrierte sich nur noch darauf sie mit seinen Bewegungen langsam dem Höhepunkt zuzuführen.

Ich stöhnte bei jeder Bewegung die Shane über mir machte. Immer schneller drang er in mich. Tief und mit festen Stoß.

„Ja Shane, mach weiter. Bitte hör nicht auf,“ keuchte ich. Und noch einmal erhörte er den Rhythmus. Ich begann spitze kleine Schreie auszustoßen und biss mir schließlich auf die Lippen, weil ich fürchtete das ich im ganzen Haus zu hören war. Aber lange hielt ich das nicht mehr aus.

„Shane ich komme,“ brachte ich heraus als ich fühlte das sich mein Körper noch mehr spannte, und eine heiße Welle meinen Körper vom Unterleib her hinauf fuhr. Ich hielt die Luft an und begann dann zu keuchen. Ich klammerte mich an Shane und hielt ihm mein Becken fest entgegen, als die Anspannung plötzlich nachließ und es nass zwischen meinen Beinen wurde. Im gleichen Moment hielt Shane in seiner Bewegung inne. Auch er hatte die Luft angehalten und er zitterte am ganzen Körper, als er sich im gleichen Augenblick in mir ergoss und sich dann sofort entspannte.

Kraftlos lag er auf mir. Stütze sich mit den Ellenbogen in der Matratze ab damit er nicht mit dem ganzen Gewicht auf mir lag.

Ich hielt ihn fest in den Armen und beide warteten wir, dass sich unser Atem und unsere Herzen wieder beruhigten.

Glücklich lächelte ich ihn an als er wenig später plötzlich den Kopf hob und mir wieder in die Augen sah.

„Glücklich?“ wollte er wissen und strich mir die feuchten Haare aus der Stirn.

„Ja. Sehr glücklich.“ Ich ließ meine Finger über seine Wange streiche. „Ich wusste nicht, dass es so schön ist. Ich hab’ solche Gefühle noch nie gehabt. Und es ist einfach.... einfach.... wowwww.“

Shane lachte.

„Dann war es für dich genau so schön wie für mich. Ich wusste auch nicht dass es so schön sein kann. Und ich hab’ auch noch nie solche Gefühle gehabt.“

„Aber du hast doch vorher schon mal mit jemandem geschlafen. Das dachte ich wenigstens.“

„Ja. Das stimmt auch. Aber ich habe diese Frauen nicht geliebt. Und deshalb war es auch noch nie so, wie es jetzt war. Ich wusste nicht, das es so sein kann, Maike.“

Zärtlich küsste er mich wieder.

„Und ich will nie wieder darauf verzichten. Wenn es das ist, was du auch willst.“

„Ich will auch nie wieder darauf verzichten,“ ich musste lächeln, „nie im Leben.“

Shane rollte sich von mir, legte sich neben mich und zog mich mit einem Arm an sich. Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und kuschelte mich an ihn.

Einen Moment schwiegen wir beide.

„Ich liebe dich,“ flüsterte ich leise, weil mir nun die Augen zufielen und die Müdigkeit mich überkam.

„Ich liebe dich auch Maike. Und ich weiß, dass es für immer ist.“

Seine letzten Worte hörte ich schon gar nicht mehr, weil ich bereits eingeschlafen war.

Die nächsten Tage unternahmen wir viel zusammen. Die Wunde in meiner Brust war gut verheilt. Nur ein kleines Pflaster war noch zu sehen. Schmerzen hatte ich so gut wie keine mehr und darum konnte ich diese Tage auch so sehr genießen.

Wir gingen Schwimmen, wir gingen Golfen oder lagen einfach nur zusammen mit den anderen faul am Strand von Killarney.

Ich war vorher noch nie dort gewesen. Und die ganze Landschaft beeindruckte mich mächtig. Einen Nachmittag fuhren Shane und ich alleine den Ring of Kerry entlang. Ganz ohne Security, nur wir zwei alleine. Eine Stunde lang genossen wir unsere Zweisamkeit, saßen auf einem Felsen und sahen auf den Atlantik hinaus. Abends waren dann die Auftritte die die Jungs hatten und später gingen wir irgendwo eine Kleinigkeit essen.

Nun lernte ich auch die anderen besser kenne. Shane hatte wirklich gute Freund und auch deren Partner mochte ich sehr. Mit Gina und Jodi freundete ich mich schnell an. Und Marks Freund Kevin war auch super nett.

Ein bisschen tat es mir schon leid, als diese drei Tage vorüber waren und Shane mich gegen Mittag des vierten Tages wieder auf die Farm zurück brachte. Aber ich freute mich natürlich auch wieder zu Hause zu sein. Ich hatte Enni und Ben vermisst und Jasper hatte mir auch gefehlt.

Der war dann auch der erste der mir freudig entgegen lief, als ich aus dem Wagen stieg.

Schnell war er bei mir, sprang mit den Vorderpfoten an mir hoch und ließ sich schwanzwedelnd den Hals kraulen.

Später saßen wir dann mit Enni und Ben in der Küche und tranken Kaffee.

Irgendwelche besonderen Vorkommnisse hatte es in den Tagen in denen ich mit Shane unterwegs war nicht gegeben.

Endlich mal keine schlechten Nachrichten.

Kapitel 8

„Ist irgendwas Marc?“ wollte ich wissen, als Marc und ich uns ein paar Tage später am späten Nachmittag eine kleine Pause gönnten, nachdem wir fast den ganzen Pferdestall ausgemistet hatten.

„Irgendwas scheint dich zu bedrücken. Ich hab’ das Gefühl, dass du irgendwelche Probleme mit dir rumschleppst.“

„Nein. Es ist nichts,“ bekam ich als Antwort.

„Aber irgendwie bist du die letzten Tage ganz anders als sonst.“

„Das kommt dir nur so vor.“

Er schien nicht drüber reden zu wollen. Einen Versuch wollte ich noch starten, ließ es aber dann bleiben, weil sich Marc nun schon wieder verbissen daran machte die letzten zwei Pferdeboxen auszumisten.

Aber trotzdem. Irgendwie hatte sich etwas verändert. Marc sprach nur das nötigste mit mir. Und auch wenn er Feierabend hatte und wir bisher immer noch alle zusammen in der Küche einen Kaffee oder Tee tranken, bevor er und James sich auf den Weg nach Hause machten, redete er kaum noch mit uns.

Mit James hatte ich auch schon darüber gesprochen. Aber der wollte mir anscheinend dazu nichts sagen. Angeblich hätte er keine Ahnung, wie er sagte. Aber ich hatte das Gefühl er würde mir nicht die Wahrheit sagen.

Was sollte ich tun. Ich konnte es nicht ändern.

Shane sah ich in dieser Zeit nicht sehr oft. Einmal kam er für einen kurzen Zwischenstopp vorbei, als er von Sligo mit den Jungs nach Cork fuhr. Und einen Sonntag verbrachten wir zwei zusammen am Strand von Strandhill.

Zweimal war ich sogar bei seiner Mutter zum Tee eingeladen. Und einmal ging ich mit seiner Schwester Mairead und ein paar Freunden die ich auf dem Grillfest der Filans kennen gelernt hatte zusammen in’s Kino und hinterher in eine Disko.

Es war eine schöne Zeit. Und ein schönes Leben.

Aber ich vermisste Shane. Ich fand wir sahen uns viel zu wenig und ich sehnte mich ständig nach ihm. Wusste ich, das er kam war ich schon Stunden vorher mit meinen Gedanken ständig bei ihm und es fiel mir dann schwer mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Ich hätte gerne jede Stunde mit ihm verbracht. Und es machte mich traurig, dass ich mich einfach damit abfinden musste, auch in Zukunft so wenig Zeit mit ihm verbringen zu können.

Aber endlich hatten er wieder mal ein Wochenende frei. Am Montag sollte es für neue Aufnahmen in’s Studio gehen und Louis hatten den Jungs deshalb drei Tage frei gegeben.

Am Freitag Abend holte er mich gegen 7.30 Uhr ab. Wir hatten vor uns mit Kian und Jodi und mit Mark und Kevin im „Popcorn“ zu treffen, eine hier in Sligo bei der Jugend hoch angesehene Disco.

Es wurde ein fröhlicher und ausgelassener Abend. Besonders Shane schien es sehr zu genießen. Er freute sich, dass es in den nächsten Wochen nur wenige Auftritte gab und die Jungs es deshalb ein bisschen ruhiger hatten als sonst. Er würde viel mehr Freizeit haben und auch zwischendurch immer öfter mal von Dublin, wo die Aufnahmen stattfanden, nach Sligo kommen können.

Den anderen ging es natürlich genau so.

Shane und ich hatten die letzten zwanzig Minuten ausgelassen getanzt und saßen nun erschöpft auf unseren Plätzen. Gierig trank ich von dem Cocktail, den er mir gerade besorgt hatte. Dabei entdeckte ich plötzlich Marc und James an der Theke.

Ausgelassen winkte ich ihnen zu. James grinste, aber Marc drehte sich einfach um.

„Was ist denn mit dem?“ wollte Shane wissen, der das mit angesehen hatte.

„Ich weiß auch nicht,“ meinte ich „der ist die letzten Wochen irgendwie komisch. Keine Ahnung was der hat. Er rückt einfach nicht damit raus. Hab ihn schon ein paar mal drauf angesprochen. Und James auch. Der weiß auch nicht was los ist. Aber ich hab das Gefühl der sagt nur nicht, was er weiß.

„Macht er seine Arbeit denn wenigstens vernünftig?“

„Naja. Er hat schon mal mehr Einsatz gezeigt. Aber eigentlich kann ich mich nicht beschwerden.“

„Und seit wann benimmt er sich so merkwürdig?“

„Keine Ahnung, muss mal nachdenken.“ Ich brauchte einen Moment. „Eigentlich, seit dem ich aus dem Krankenhaus bin, oder seit dem ich von der Tour mit dir zurück bin. Ja, genau. Danach war er irgendwie ganz anderes.“

Shane nickte und in seinem Kopf schien es zu arbeiten.

„Ach Shane, ist doch auch egal. Lass uns nicht mehr über ihn reden. Wenn er nicht damit heraus rückt was ihm fehlt, kann ich ihm auch nicht helfen. Dann muss er eben sehen, dass er alleine damit zurecht kommt.“

Ich stellte meine Glas zurück auf den Tisch, nahm Shanes Arm und legte ihn um mich. Dann sah ich ihm direkt in die Augen.

„Küss mich lieber,“ sagte ich leise. „Ist schon eine Ewigkeit her, dass du das gemacht hast.“ Shane fing an zu grinsen.

„Das war vor etwa einer halben Stunde Maike, bevor wir auf die Tanzfläche sind.“ Er legte auch noch den anderen Arm um mich und zog mich leicht an sich. Immer noch grinste er.

„Ja, sag ich doch. Ist schon `ne Ewigkeit her.“ Ich zog eine Schnute. Shane lachte.

„Na gut. Du hast ja recht. Ich finde auch, dass es schon viel zu lange her ist,“ liebevoll sahen mich nun seine Augen an und im nächsten Moment zog er mich fest in seine Arme und küsste mich zärtlich

Verstohlen sah Marc uns dabei zu und in ihm brodelte es vor Eifersucht.

Warum hatte er sich nur so viel Mühe gegeben sie zu beeindruckten, dachte er nun voller Hass. Aber eigentlich wusste er das nur zu genau.

Er wollte sie. Und er wollte diesen Hof. Aber wieder lief alles anders, als er es sich gedacht hatte. Schon einmal war es ihm fast genau so gegangen wie jetzt. Er hatte den Hof schon fast als sein Eigen gesehen. Die Frau damals zu heiraten wäre der letzte Schritt gewesen. Aber dann hatte er sich in einem unbedachten Moment verraten und seine Absichten waren an’s Licht gekommen.

Als Shane Filan vor ein paar Monaten plötzlich auf dem Hof auftauchte, hatte er schon befürchtet er würde ihm alles kaputt machen, weil er natürlich von dieser Sache wusste. Aber nichts war passiert.

Naja, dachte Marc nun hämisch, dieser Filan war ja auch soooo ein guter Kerl.

So ein Idiot, dachte Marc verächtlich und grinste vor sich hin.

Aber Shane hasste diesen Lockley . Und er hatte in den letzten Monaten immer ein Auge auf ihn gehabt. Das Lockley sich jetzt aber plötzlich anders verhielt, gab ihm zu denken und er beobachtete ihn den ganzen Abend über argwöhnisch. Irgendwas führte der im Schilde dachte er misstrauisch. Und sein Verstand und sein Gefühl sagten ihm, das er damit genau richtig lag.

Lockley trank einen Whiskey nach dem anderen. James, der immer noch bei ihm saß, schloss sich ihm an. Aber Marcs Stimmung förderte das überhaupt nicht. Im Gegenteil. Immer wieder musste er mit ansehen, wie Shane und ich uns küssten, miteinander herum alberten oder einfach nur da saßen und uns im Arm hielten. Die Stimmung in unserer kleinen Gruppe wurde immer ausgelassener und wir merkten gar nicht, dass es schon weit nach Mitternacht war.

„Meine Güte,“ sagte ich schließlich „jetzt wird’s aber Zeit das ich nach Hause komme. Ich muss schon um 6.00 Uhr wieder aufstehen. Es ist wirklich spät geworden.“

„OK,“ kam es sofort von Kian „ich würde sagen wir brechen dann alle mal auf. Ich kann euch nach Hause bringen, wenn ihr wollt.“

„Können wir nicht zu Fuß gehen Shane? Es ist doch noch so schönes Wetter draußen. Ich brauche unbedingt noch ein bisschen frische Luft.“

„Vor mir aus gerne. Ist ja nur `ne halbe Stunde von hier. Ich geh’ gerne zu Fuß“

„Gut, dann bringe ich Mark und Kevin nach Hause und Jodi Süße,“ er zog Jodi in seine Arme und lächele sie vielsagend an „du schläfst doch bei mir oder nicht?“

Jodi kicherte. Als ob es etwas außergewöhnliches war, dass sie bei ihm schlief.

„Ja, mein Schatz,“ meinte sie dann auch „aber nur wenn du mir nicht wieder die Decke wegziehst.“

„Du wirst gar keine Decke brauchen,“ grinste Kian „dir wird heute Nacht warm genug sein, dafür werde ich schon sorgen.“

Wie das gemeint war, war nicht zu überhören. Leidenschaftlich küssten die Beiden sich im nächsten Moment.

Wir anderen grinsten uns an.

Ein paar Minuten später machten Shane und ich uns auf den Weg. Arm in Arm schlenderten wir den Weg entlang. Aber immer wieder blieben wir stehen und küssten uns zwischendurch.

Das wir dabei beobachtet wurden, wussten wir natürlich nicht.

Wieder standen wir da und küssten uns.

Plötzlich hörte ich etwas im Gebüsch rascheln und sah mich daher erschrocken um.

Im nächsten Moment kriegte ich einen Schlag an den Kopf und sackte in mich zusammen.

Eine wilde Rauferei begann. Shane bekam als nächstes eine Faust in den Magen. Ein gezielter Hieb folgte und traf ihn am Kinn. Stöhnend sackte er auf die Knie.

„Wie ist das Filan? Tolles Gefühl, oder? Du kannst dir doch sicher denken wofür das ist oder?“

Noch einmal holte der Mann aus und wollte zuschlagen. Aber Shane der immer noch am Boden kniete zog an seinen Beinen und der Mann ging zu Boden. Shane war gleich über ihm.

„Lockley, du Schwein. Ich wusste das du irgendwann dein wahres Gesicht zeigen würdest. Hab’ ich dir alles versaut, oder was ist los?“

Shane schlug ihm mit der Faust in’s Gesicht.

Aber Lockley schien völlig unbeeindruckt. Kein Wunder er war auch um einiges größer und kräftiger als Shane.

Mit einer schnellen Bewegung hatte er Shane von sich gestoßen und saß nun auf ihm.

„So, das ist die richtige Ausgangsposition. Jetzt bist du in der Klemme Filan.“ Und gleichzeitig holte er wieder aus und schlug Shane in’s Gesicht. Immer wieder mit beiden Fäusten.

Unser Glück war, das Kian seine Jacke im Pub hatte liegen lassen und sie auf halbem Weg nach Hause wieder umdrehten um sie zu holen.

Erschrocken fuhr Marc Lockley herum als er nun plötzlich Scheinwerfer auf sich gerichtete sah.

Noch einmal schlug er Shane in’s Gesicht sprang dann auf und war im nächsten Moment in der Dunkelheit verschwunden.

Ich bekam von allem nichts mit.

Erst jetzt kam ich wieder zu mir und das nächste was ich hörte war Shanes Stöhnen.

Sofort war ich hellwach.

Auf allen Vieren krabbelte ich zu ihm.

Ich beugte mich über ihn und war ganz entsetzt.

„Gott Shane, was ist denn nur passierte?“

„Lockley, dieses Schwein,“ brachte er heraus und gleich verzerrte sich sein Gesicht, weil sogar das Reden ihm Scherzen verursachte.

„Ruf einen Krankenwagen, Kian,“ hörte ich nun Mark rufen und dann hockten auch gleich die anderen um uns herum.

„Shane, kannst du aufstehen?“ wollte Kevin wissen.

„Ja, natürlich, gebt mir nur einen Moment OK.“

Ich begann mit einem Taschentusch sein Gesicht von dem Blut zu säubern. Dabei liefen mir die Tränen über’s Gesicht und ich schniefte immer wieder zwischendurch.

Shane sah mich besorgt an.

„Geht es dir gut?“ wollte er wissen.

„Ja. Es geht mir gut. Mein Kopf dröhnt nun ein bisschen. Aber sonst fehlt mir nichts.“

Zusammen halfen wir ihm auf die Beine.

Aber dann sackte Shane sofort wieder in sich zusammen und im nächsten Moment war er bewusstlos.

Fünfzehn Minuten später waren wir bereits mit dem Krankenwagen im Krankenhaus.

Shanes Eltern die wir angerufen hatten waren fünf Minuten später auch da.

Aber, Gott sei dank, war alles nicht so schlimm wie es aussah.

Shane hatte ein paar Prellungen und blaue Flecke. Am schlimmsten hatte es sein Gesicht erwischt. Es war ganz geschwollen und überall hatte er Platzwunden. Dieser Irre hatte wie wild auf ihn eingeschlagen. Es würde Tage dauern, bis die Schwellung zurück ging und Wochen, bis die Wunden verheilt sein würden.

Er sah wirklich schlimm aus. Aber irgendwie hatte er noch Glück im Unglück. Es war nichts gebrochen, was ganz erstaunlich war, bei der Wucht mit der Lockley auf ihn eingeschlagen hatte.

„Bitte Maike, lass dich nach Hause fahren. Du kannst hier doch nichts für mich tun. Und du siehst müde aus.“

„Aber ich will bei dir bleiben. Ich kann so wie so nicht schlafen. Außerdem müsste ich in einer Stunde wieder aufstehen. Da kann ich doch genau so gut so lange hier bleiben.“

Shane gab sich geschlagen. Seit einer haben Stunde versuchte er mich dazu zu bewegen nach Hause zu fahren.

Ich nahm seine Hand in meine und streichelte sanft darüber.

„Shane, wo kriege ich denn jetzt neue Arbeiter her?“ ich sah ihn mit gerunzelter Stirn an.

„Dad wird dir welche besorgen. Aber für die ersten Tage helfen dir ein paar Männer von unserer Farm. So lange bis du jemand neues hast.“

Ich nickte.

„Shane?“

„Mhhhh.“

„Erzählst du mir, was zwischen Marc und dir war?“

Nachdenklich sah er mir in die Augen und nickte dann.

„Klar Süße. Aber zwischen mir und ihm war eigentlich gar nichts. Es geht um was anderes. Und darum hab’ ich mir um dich Sorgen gemacht. Aber ich erzähle es dir ein anderes mal OK. Ich bin jetzt einfach zu müde dafür. Sein nicht böse ja?“

„Natürlich nicht,“ er hatte die Augen geschlossen und zog mich nun zu sich herunter, so dass ich neben ihm auf dem Bett in seinem Arm lag.

„Werde erst mal wieder gesund. Dann kannst du es mir immer noch erzählen.“

Ich sah ihm in’s Gesicht. Er rührte sich nicht mehr. Sein Atem ging in gleichmäßigen Zügen. Er war bereits eingeschlafen.

Ich sah mir sein Gesicht genauer an. Er sah so schlimm aus und augenblicklich stiegen mir Tränen in die Augen. Ich strich ihm sanft über die Stirn. Die einzige Stelle an der keine Wunde zu sehen war. Hätte ich nicht gewusst, dass er es ist hätte ich ihn nicht erkannt. So entstellt sah er aus.

Vorsichtig küsste ich ihn auf den Mund. Aber dann stand ich auf und machte mich auf den nach Hause weg.

Mark Lockley wurde noch in dieser Nacht festgenommen.

Seelenruhig war er sich nach Hause gegangen und hatte sich in sein Bett gelegt. So als ob nichts wäre. Ich konnte es kaum glauben.

Als ich gegen 7.00 Uhr die Pferde fütterte stand plötzlich James Potter im Stall.

Erschrocken sah ich ihn an. Ich hätte nicht gedacht, das er hier noch wieder auftauchen würde.

„James, was tust du denn hier,“ war das einzige was mir im Moment einfiel.

„Eigentlich hatte ich vor, meine Arbeit hier weiter zu machen,“ fing er an. „Ich hoffe, sie werfen mich nicht raus, weil dieser Idiot sie letzte Nacht überfallen hat. Ich hatte nichts damit zutun Miss. Das müssen sie mir glauben. Ich hab’ nicht gewusst, was er vorhatte, sonst hätte ich ihn mit Sicherheit zurück gehalten.“

Ich sah ihn nachdenklich an.

„Ich hatte die letzten Wochen eigentlich das Gefühl du wüsstest Bescheid. Du hast doch auch gemerkt, dass er sich irgendwie verändert hatte, oder nicht?“

„Ja. Natürlich hab’ ich das mitgekriegt. Aber ich konnte doch nicht ahnen, dass es so ausartet. Marc hatte sich in sie verliebt und er hat wohl gedacht, er hätte irgendwelche Chancen. Das hat sich dann ganz schnell geändert, als Mr. Filan aufgetaucht ist. Er muss sich da in was reingesteigert haben. Aber ich schwöre, ich hab’ davon nichts gewusst.“

Immer noch sah ich ihn mit gerunzelter Stirn an. Sollte ich ihm vertrauen.

Eigentlich hatte ich keinen Grund es nicht zu tun. Er hatte immer gut für mich gearbeitet und ich mochte James eigentlich auch.

Immer noch sah ich ihn nachdenklich an.

„Bitte Miss, nehmen sie mir nicht die Arbeit weg. Ich brauche das Geld. Ich versprechen, ich werde sie nicht enttäuschen.“

„Also gut,“ sagte ich, „lassen wir alles so wie es ist. Wir sind ja auch immer gut miteinander ausgekommen und du arbeitest wirklich gut.“

Er strahlte mich an.

„Danke Miss. Ich mache mich dann sofort wieder an die Arbeit.“ Und weg war er.

Ich schmunzelte. Irgendwie war ich mir sicher, dass ich es nicht bereuen würde ihn weiter zu beschäftigen.

Kapitel 9

Shane blieb drei Tage im Krankenhaus. Dann konnte er nach Hause.

Ich besuchte ihn jeden Tag.

Auch heute an seinem ersten Tag zu Hause.

Als ich nach dem Abendbrot auf den Hof geritten kam. Saß er draußen auf der Bank.

Sofort stand er auf und kam mir entgegen.

Er tätschelte dem Pferd den Hals.

„Na Milly, du siehst ja toll aus.“ Er sah mich an. „Die hat sich ja super gemacht. Ist ja ein richtiges Rassepferd.“

Ich nickte, strahlte ihn an und sprang vom Pferd.

Vorsichtig hauchte ich ihm einen Kuss auf den Mund.

„Es tut mir leid dir das sagen zu müssen, aber du siehst gar nicht so toll aus.“ Ich schmunzelte.

„Danke für die Blumen,“ kam es von Shane und er schmunzelte ebenfalls.

„Hey, du kannst ja schon wieder lächeln. Keine Schmerzen dabei?“ wollte ich wissen.

Er schüttelte mit dem Kopf.

„Ich darf nur nicht über’s ganze Gesicht lachen oder `ne Grimasse ziehen. Dann ist es auszuhalten.“

Ich sah ihn mitleidig an.

„Na, im Moment hast du ja wohl auch nicht so viel über das du dich freuen kannst, dass du ständig lachen müsstest oder?“ Die Gefahr besteht also nicht.“

Er zog mich mit einem Arm an sich.

„Du bist doch hier. Was meinst du, wie sehr ich mich darüber freue.“

Er sah mir tief in die Augen. Sekunden lang. Sanft fühlte ich dann seinen Mund auf meinen Lippen. Vorsichtig erwiderte ich seinen Kuss. Immer noch war seine Unterlippe leicht angeschwollen. Und ich wollte ihm nicht weh tun.

Trotzdem kuschelte ich mich in seine Arme die er fest um mich legte. Zärtlich fuhr ich mit den Fingern durch seine Haar.

Eine Weile standen wir einfach so da und hielten uns in den Armen.

Viele kleine Küsse hauchte ich dann auf seinen Nacken. Und flüsterte ihm dann in’s Ohr: „Ich liebe dich Shane.“

„Ich liebe dich auch Maike.“

Wenig später saßen wir wieder auf der Bank. Ich hatte mich lang ausgestreckt und lag mit dem Kopf auf Shanes Schoß. Unaufhörlich spielte unsere Finger miteinander und immer wieder streichelten sich unsere Hände gegenseitig.

„Shane, erzählst du mir jetzt das von Marc Lockley?“ fing ich wieder davon an.

Shane grinste.

„Du platzt fast vor Neugierde, kann das sein?“

„Ja, sicher. Aber es ist nicht nur das. Ich kann einfach nicht verstehen, wie ich mich so von ihm hab blenden lassen können. Ich hatte gedacht, ich hätte mehr Menschen-kenntnis. Es ärgert mich einfach.“

„Das hat mit Menschenkenntnis nichts zu tun, Maike. Er hat dich von vornherein getäuscht. Und er hat Erfahrung darin. Deshalb hast du’s auch nicht merken können.“

„Er hat Erfahrung darin?“

„Ja. Deshalb war ich ja von Anfang an so misstrauisch.“ Er machte eine Pause.

„Shane, erzähl schon, lass dir nicht alles aus der Nase ziehen.“

Er grinste schon wieder.

„Sei doch nicht so ungeduldig. Ich erzähl’s dir ja.“

Vor etwa fünf Jahren gab es hier schon einmal eine junge Frau, die alleine einen Hof bewirtschaftete. Sie war allerdings nicht wie du Single sondern Witwe. Ihr Mann ist bei einem Brand auf dem eigenen Hof um’s Leben gekommen. Damals tauchte Marc Lockley plötzlich auf und er suchte Arbeit. Ja und dann hat er sich bei ihr eingenistet, wie man so schön sagt. Monatelang hat er geackert wie ein Pferd und hat ihr später mehr oder weniger auffällig den Hof gemacht.

Am Anfang war sie natürlich noch mit ihrer Trauer beschäftigt aber irgendwann hat es dann auch wohl bei ihr gefunkt.

Aber Marc war sich seiner Sache schon zu sicher und bei einem Streit, bei dem er wohl schon den großen Besitzer des Hofes raushängen ließ hat sie dann begriffen, das es ihm nicht um sie sondern nur um die Farm ging. Als sie ihn rauswerfen wollte, ist er dann ausgerastet und hat versucht sich mit Gewalt durchzusetzen. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet das sie sich zur Wehr setzten würde. Irgendwie hat sie es geschafft ihn KO zu schlagen, ich glaub’ es war `ne Pfanne oder so was.

Bis er wieder zu sich kam, hatte sie ihre vier Brüder bereits verständigt und die haben ihn dann auf nimmer Wiedersehen vom Hof gejagt.“

Shane lachte nun, hielt sich aber im gleichen Moment die Hand gegen die Wange, weil das wohl nicht gut für die Wunden in seinem Gesicht war.

Ich grinste auch.

„Das findest du gut was?“ wollte ich wissen.

„Ja. Ist auch irgendwie lustig. Ich wäre gerne dabei gewesen, als sie ihm die Pfanne übergezogen hat,“ schmunzelte er.

„Und woher weißt du das alles?“

Jetzt sah er auf einmal ganz ernst aus.

„Ich weiß das, weil diese Frau meine Schwester Yvonne ist und weil ich einer der Brüder war, der ihn vom Hof gejagt hat.“

Jetzt klappte mir die Kinnlade herunter.

„Deine Schwester Yvonne. Die ist schon Witwe. Ach die Arme, das war bestimmt ne schlimme Zeit für sie damals.“

„Ja, stimmt. Und sie hat Jahre gebraucht damit fertig zu werden. Erst seit dem Sie Garry kennt, ist sie wieder einigermaßen glücklich.“

„Und warum hast du mir das alles nicht schon früher erzählt? Ich hätte ihn dann sicher gleich wieder entlassen.“

„Das ärgert mich heute allerdings auch. Ich weiß selbst nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Aber ich hab wirklich angenommen, er würde sich schnell verraten und du würdest es dann schon merken. Außerdem hab ich gedacht, er würde sich schon zurück halten, weil er ja genau wissen musste, dass ich ein Auge auf ihn habe.

Außerdem war sein Cousine James ja auch bei dir auf dem Hof. Und das ist ein guter Mann. Ich wusste, der würde schon irgendwie auf dich aufpassen. Eben auch weil der natürlich auch von der früheren Sache wusste.“

Er streichelte mir sanft über die Wange.

„Tut mir leid, dass ich das alles falsch eingeschätzt habe. Ich hab’ dich damit in Gefahr gebracht. Das war dumm von mir.“

„Es ist ja noch mal gut gegangen. Außerdem hast ja wohl alleine du den größten Schaden dadurch gehabt.“

Wieder grinste er.

„Ja, da hast du recht. Wir geben ein hübsches Paar ab. Die Schöne und das Biest.“

Ich setzte mich hin. Stützte mich mit einem Arm neben seinem Schoß ab, so dass ich direkt vor ihm hockte, mit den Beinen aber immer noch auf der Bank lag.

„Du hättest ihn geschlagen, bis er sich nicht mehr gerührte hätte, wenn er nicht so viel stärker gewesen wäre als du.“

Ich sah ihn ernst an.

Er schaute ebenso ernst und nickte dann langsam.

„Ich hasse ihn dafür, wie er meine Schwester behandelt hat. So was macht man nicht mit Menschen. Ihre Gefühle mit Füssen treten. Sie hat sehr darunter gelitten. Und mit dir hatte er das gleiche vor.

Ein paar Sekunden sah ich ihm direkt in die Augen.

„Großmutter Enni hat recht,“ sagte ich dann.

Shane stutze.

„Großmutter Enni? Wieso? Womit hat sie recht?“

Ich schmunzelte.

„Sie findet das du ein guter Junge bist?“

„Häääää?

„Ja. Das hat sie gesagt. Sie meinte ich bräuchte jemanden der mich glücklich macht und du wärst schon früher ein guter Junge gewesen und hättest Verstand und das Herz am richtigen Fleck. Und ich hab darauf geantwortet, du wärst schon lange kein guter Junge mehr. Du wärst siebenundzwanzig und ein erwachsener Mann. Und da hat sie gesagt, ich solle ihr vertrauen du wärst ein guter Mann und du würdest mich nicht enttäuschen.“

Shane musste lächeln.

Sanft ließ er erst seine Finger durch meine Haare und dann über meine Wange streichen. Zärtlich streichelte er dann die Haut in meinem Ausschnitt.

„Eine weise Frau,“ meinte er nun.

„Ja, das glaube ich auch.“

Ich hielt seine Hand fest, die gerade versuchte in meinem Ausschnitt zu verschwinden. Shane schmunzelte, was ich mir dann auch nicht verkneifen konnte.

„James ist übrigens immer noch auf der Farm und arbeitet für mich.“

Shane zog eine Augenbraue hoch.

„Er hat mich fast angefleht, ihn nicht zu entlassen. Er sagte er hätte nicht gewusst, was Marc plante.“

„Irgendwie glaube ich ihm das,“ sagte Shane.

„Ich auch. Und er hat immer gute Arbeit geleistet. Und er war wirklich glücklich, als ich ihm sagte er könne bleiben.“

Shane nickte. Allerdings sah er mir dabei in den Ausschnitt. Sogar ziemlich auffällig.

Er entzog mir seine Hand, schob sie unter meine Bluse und streichelte sanft die Beuge zwischen Hals und Schulter. Eine Gänsehaut machte sich auf meinem Körper breit. Zärtlich sahen mich seine Augen dann wieder an.

Ich lächelte. Sein Blick sprach Bände.

Ich beugte mich zu ihm vor und küsste wieder seinen Nacken, dabei ließ ich meine Hand unter seinem Shirt verschwinden und streichelten dann sofort zärtlich seine Brust. Immer wieder strich mein Daumen über die harte Brustwarze.

Shane legte den Kopf etwas zur Seite und ich ließ meinen Mund höher wandern und beschäftige mich Sekunden lang mit der Stelle hinter seinem Ohr.

„Du machst mich wahnsinnig,“ hörte ich ihn plötzlich leise.

Seine Hand rutschte in diesem Moment meine Schulter hinunter, schob sich wenig später in meinen BH und legte sich dann auf meine Brust. Ein paar Mal atmete ich tief ein und wieder aus, weil das so ein aufregendes Gefühl war.

„Du machst mich auch wahnsinnig,“ sagte ich genau so leise.

„Jeder kann uns hier sehen,“ sagte er dann nachdem gerade seine Zunge eine feuchte Spur von meinem Ohr meinen Hals hinunter gezogen hatte.

„Dann hör doch auf,“ sagte ich und ließ meine Zunge vorsichtig in seinen Mund gleiten als er nun plötzlich wieder zu mir auf sah. Sanft spielte sie mit seiner Zunge.

„Ich kann nicht,“ nuschelte er.

„Ich auch nicht,“ nuschelte ich.

Aber schließlich lösten wir uns doch voneinander. Artig setzte ich mich aufrecht neben ihn und ließ mich von ihm in den Arm ziehen.

Eine Weile redeten wir überhaupt nicht.

„Bleibst du heute Nacht hier,“ fragte er plötzlich.

„Aber ich hab’s doch gar nicht weit bis nach Hause,“ sagte ich mit Unschuldsmine.

„Soll ich dich auf Knien bitten?“

Ich nickte heftig und grinste über’s ganze Gesicht.

Shane lachte.

Aber der Blick mit dem er mich dann ansah, ließ schon wieder eine Gänsehaut über meinen Rücken fahren.

Ich kuschelte mich erneut in seinen Arm.

„Ich würde gerne bleiben,“ sagte ich einfach.

Den Rest des Abends verbrachten wir damit, mit Peter, Mae und Mairead Karten zu spielen. Wir saßen im Garten unter einem Pavillon und tranken dabei gemütlich ein paar Gläser Wein.

Aber irgendwann stand Peter plötzlich auf. „Ich geh’ jetzt in’s Bett. Mae kommst du auch?“

Sie war bereits aufgestanden und nun stand auch Mairead auf.

„Ich bin dann auch weg.“ Sie grinste „Und der Letzte räumt auf, ja? Shane, das bist dann ja wohl du.“ Und weg war sie.

„Das hat sich im Gegensatz zu früher nicht im geringsten geändert,“ meinte Mae lächelnd, „jeder drückt sich hier vor der Arbeit.“

Und dann waren auch die Beiden verschwunden.

Ich sprang auf und stellte die Gläser auf’s Tablett. Shane räumte die Karten zusammen und als wir alles zusammen hatten brachte er das Tablett in die Küche.

Sofort zog er mich in die Arme, nachdem ich die leere Weinflasche auf der Spüle abgestellt hatte.

„Endlich hab’ ich dich für mich alleine. Ich kann es gar nicht mehr abwarten dich endlich ganz im Arm zu halten.“ Sehnsüchtig sah er mir in die Augen.

„Und was dann?“ wollte ich wissen.

„Dann werde ich dich überall streicheln und küssen.“

„Und dann?“

„Werde ich mich an dich drängen, ganz nah.“

„Und dann?“

„Dann lass ich dich nie mehr los. Versprochen.“

„Das ist gut,“ flüsterte ich. „Das ist genau das, was ich auch will.“

(für jugendl. unter 18 nicht geeignet)

Eine viertel Stunde später kuschelte ich mich splitternackt in seinem Bett an ihn. Shane zog die Decke über uns. Fest zog er mich an sich.

„Mhhhh du riechst so gut,“ sagte er und zog tief die Luft durch die Nase ein.

Mein Kopf lag auf seiner Brust. Zärtlich stich ich mit den Fingern über seine Brustwarze die bereits hart und spitz hervortrat. Ich konnte nicht anders. Sanft ließ ich meine Zunge um die Brustwarze streichen und sog dann zärtlich daran.

Shane atmete wieder tief ein.

„Gott Maike, du willst mich wohl schon gleich am Anfang fertig machen.“

„Ich kann doch nichts dafür. Du schmeckst so gut. Ich könnte dich überall küssen.

Er legte seine Hand unter mein Kinn und hob meinen Kopf, so dass ich ihm in die Augen sehen musste.

„Ich hab’ ja auch gar nichts dagegen.“

Und schon fühlte ich seine Lippen auf meinem Mund. Zärtlich küsste er mich und dann immer leidenschaftlicher. Ich schloss die Augen und vergaß alles um mich herum. Seine Hand streichelte in diesem Moment meinen Rücken hinunter und legte sich dann auf meinen Po. Fordernd zog er mich zu sich heran, so dass ich seine Männlichkeit hart an meinem Schoß fühlte.

Meine Hand wanderte seinen Hals hinauf und strich dann über seine Wange.

„Ohhhhh au,“ brachte Shane auf einmal heraus.

„Ohhh tut mir leid. So ein Mist.“ Shanes Gesicht war schmerzverzehrt.

„Tut mir leid Shane. Ich hatte ganz vergessen, dass du diese Wunden im Gesicht hast.“ Ich küsste ihn vorsichtig auf die Nase.

Ein paar Mal holte er tief Luft, aber dann entspannten sich seine Gesichtszüge wieder.

„Schon vorbei.“ Ich sah ihn immer noch mitleidig an. „Nur halb so schlimm.“ Jetzt strich er mir über die Wange und lächelte dann.

„Ich find’s schön, dass du’s vergessen hast. Dann hattest du wohl gerade was anderes in deinem Kopf.

Jetzt lächelte ich.

„Wenn du mich küsst und streichelst, hab ich nur noch dich im Kopf Shane. Und ich will dann auch an nichts anderes denken. Ich kann gar nicht genug davon bekommen.“

„Dann lass uns da weiter machen, wo wir gerade aufgehört haben. Ich kann von dir nämlich auch nicht genug bekommen. Im Gegenteil. Ich will immer mehr von dir.

Ich liebe dich so Maike.“

„Ich liebe dich auch Shane. Und jetzt will ich nicht mehr reden. Ich will das du mich streichelst und küsst und dich an mich drängst. Und dann sollst du mich nie wieder los lassen. So, wie du es mir vorhin versprochen hast.“

„Ja, das hatte ich versprochen. Und ich halte meine Versprechen.“

Die nächsten Wochen verbrachten Shane und ich viel Zeit miteinander. Mittlerweile war es Oktober und auch auf dem Hof gab es nicht ganz so viel Arbeit wie sonst.

Shane hatte ebenfalls ein paar Wochen frei. Das neue Album war in Arbeit und erst im Januar ging es wieder los mit Tanzproben und Proben für die Liveauftritte der nächsten Tour.

Heute war Sonntag.

Shane und ich hatten uns zwei Pferde gesattelt und waren am späten Nachmittag losgeritten.

Kapitel 10

Das erste mal nach dieser langen Zeit die ich nun schon hier in Sligo lebte, hatten wir die Gelegenheit uns den See anzusehen, der im Wald hinter meinem Hof lag.

Wir brauchten etwa zwanzig Minuten bis wir da waren. Teilweise ging es durch unwegsames Gelände und wir mussten absitzen und zogen die Pferde hinter uns her.

„Ist ja alles überwuchert hier,“ meinte Shane und schob wieder ein paar Sträucher auseinander. „Muss Ewigkeiten her sein, dass jemand hier war.“

„Vielleicht sollten wir lieber umkehren. Die Pferde macht das nervös. Milly bleibt schon immer wieder stehen, weil sie sich nicht weiter traut.“

„Es sind nur noch etwa zwanzig Meter, dann müssten wir da sein,“

Langsam bewegten wir uns weiter vorwärts.

„Da ist es,“ hörte ich Shane dann auch schon vor mir sagen.

„OOOhhhhhh ist das schön hier,“ war das erst was mir einfiel.

„Sag ich doch.“

„Der ist ja riesig.“

„Stimmt, und ziemlich wild bewachsen. Hier war wirklich schon lange niemand mehr.“

Wir ließen die Pferde trinken und setzten uns dann an’s Ufer.

Ich hielt die Hand in’s Wasser.

„Das ist noch richtig schön warm,“

Shane fing plötzlich an zu lächeln und sah mir dann Sekunden lang in die Augen.

„Was ist?“ wollte ich schließlich wissen.

„Wie wär’s, hättest du Lust?“

„Lust? Auf was?“

„Na Lust zu baden.“

„Was jetzt? Hier?“

„Warum nicht? Wie du schon sagtest, das Wasser ist noch richtig schön warm.“

„Aber wir haben Ende Oktober. Da geht doch keiner mehr baden.“

„Ich hätte aber trotzdem Lust drauf,“ meinte Shane.

Ich schmunzelte und schüttelte dann mit dem Kopf.

„Ich hab’ doch gar keine Badeanzug dabei.“

„Na und. Ich hab’ auch keine Badehose.“

Ich sah ihn skeptisch an.

„Meinst du wirklich?“

Shane nicht heftig mit dem Kopf und grinste dann wieder.

„Also gut,“ sagte ich stand dann sofort auf und begann mich auszuziehen.

„Brrrrr. Das ist aber doch ganz schön kalt,“ musste ich dann wenig später feststellen.

„Ach,“ sagte Shane „das ist nur am Anfang.“

„Lass uns um die Wette schwimmen. Dann wird mir warm. Wer als erstes da drüben bei dem Baumstamm ist, hat gewonnen. Auf die Plätze fertig los.“ Ich setzte mich sofort in Bewegung.

„Hey, das ist unfair. Du bist früher losgeschwommen.“

„Ach du Armer. Maul doch,“ rief ich ihm zu und lachte.

Mit langen Zügen schwamm ich ihm voran. Und war natürlich auch als erstes am Ziel.

„Gewinner,“ rief ich ihm freudestrahlend entgegen.

„Du bist disqualifiziert. Das war ein Fehlstart.“

„Na und. Ich hab’ die Regeln geändert. Auf meinem Grund und Boden kann ich schließlich tun und lassen was ich will.“

„Ziege,“ kriegte ich als Antwort und im nächsten Moment hatte Shane mich erreicht und hielt sich nun an mir fest.

Einen Arm legte er um meine Hüften und den anderen um meinen Hals. So klammerte er sich an mich. Und war mir dadurch sofort sehr nahe. Sekunden lang sahen wir uns in die Augen.

„Was gibt’s denn als ersten Preis?“ wollte ich wissen.

„Auf deinem Grund und Boden wirst du das doch wohl selbst entscheiden können, oder?“

„Stimmt. Mal überlegen?“ Ich tat als ob ich nachdachte.

„Ich weiß was.“

„Und was wäre das dann?“

„Ich will dich. Du bist der erste Preis.“

Shane fing an zu grinsen.

„Und wenn ich nicht will?“

„Dann werde ich mir jemand anderen suchen.“

„Na gut, wenn du meinst.“

Er lies mich plötzlich los und begann in langen Zügen wieder zurück zu schwimmen. Ich sah ihm verdutzt hinterher, musste aber dann gleich schmunzeln.

Kurz nach ihm kam ich wenig später ebenfalls wieder am anderen Ufer an.

Shane lag auf dem Bauch, halb im Gras und halb im Wasser.

Ich klammerte mich an seine Schultern und lag dann halb auf ihm. Zärtlich begann ich seine Schultern zu küssen und ließ eine Hand an ihm herunter streichen. Genau so zärtlich streichelte ich seinen Po.

„Wenn ich dich nicht haben kann, will ich überhaupt keinen Preis,“ flüsterte ich ihm in’s Ohr.

Dann schob ich mich an ihm vorbei und legte mich etwa einen Meter von ihm entfernt in’s Gras. Aufreizend sah ich ihm in die Augen.

Ungeniert musterte er mich von oben bis unter. War nicht zu übersehen, was gerade in seinem Kopf vorging.

Ich hatte mich auf den Ellenbogen abgestützt und warf nun den Kopf in den Nachen. Mit geschlossenen Augen ließ ich mir die Sonne auf den Körper scheinen.

Eine Zeit lang wurde es still zwischen uns.

Eigentlich hatte ich erwartet Shane würde es nicht lange aushalten nur da zu liegen. Als ich ihn schließlich wieder ansah, lag er aber immer noch genau wie vorher im Wasser und sah mich an.

Ich setzte einen bettelnden Blick auf.

„Shane, was ist? Willst du ewig da im Wasser liegen und mich anstarren. Ich hatte gehofft, das wäre dir zu langweilig,“ maulte ich.

„Ich könnte hier Stunden lang liegen und dich ansehen. Das wird mir nie zu langweilig. Du bist wunderschön,“ sagte er. Und er sagte es so überzeugend und ernst, dass ich doch tatsächlich rot wurde.

Er hielt mir plötzlich seine Hand hin.

„Kommst du wieder in’s Wasser. Ich will dir was zeigen.“

Ich nahm seine Hand und ließ mich wieder in’s Wasser ziehen. Nebeneinander schwammen wir zusammen am Ufer entlang.

Etwa zwanzig Meter weiter gab es eine kleine „Bucht“. Das Wasser war hier ganz flach und durch die Sonne darum viel wärmer.

Dort zog mich Shane in die Arme und drückte mich in den warmen Sand. Nur wenig Wasser umspülte meinen Körper. Sofort war er über mir und küsste mich.

„Ich gebe mich geschlagen. Du hast gewonnen,“ sagte er dann und seine dunklen Augen sahen mich zärtlich an. Sanft strich er mit den Fingern über meine Wange.

(für jugendl. unter 18 nicht geeinet)

Ich strich ihm eine nasse Haarsträhne aus der Stirn, die permanent Wassertropfen über sein Gesicht schickte. Dann begann ich die Tropfen wegzuküssen. Sanft ließ ich dann meine Zunge über seine leicht geöffneten Lippen streichen und ließ sie dann langsam in seinen Mund gleiten.

Und dann liebten wir uns. Küssten uns leidenschaftlich und fordernd und drängten uns aneinander. Wir ließen uns viel Zeit, weiteten jeden Moment in’s Unendliche aus.

Und immer wieder sahen wir uns in die Augen.

Aber irgendwann wurden wir immer hektischer und unsere Bewegungen immer stürmischer.

Shane lag über mir. Seine Hände hatte er unter meinen Kopf gelegt um ihn über Wasser zu halten.

Sein Kopf war direkt über mir und wir sahen uns unentwegt in die Augen, während er immer wieder in mich drang.

Aber irgendwann hatten wir keine Kontrolle mehr über unsere Körper. Meine Finger krallten sich in seine Schultern und ich hob den Kopf und presste meine Stirn gegen seine, als wir im nächsten Moment zusammen den Höhepunkt erreichten. Beide stöhnten wir und dann war von uns nur noch unser unregelmäßiges Atmen und Keuchen zu hören.

Shane ließ sich sofort neben mich in’s Wasser fallen. Ein kleines Stückchen Holzstamm das direkt neben ihm am Ufer lag legte er sich unter den Kopf.

Ich drehte mich zu ihm und legte mich mit dem Kopf auf seine Brust.

Fast bewegungslos lagen wir eine ganze Weile da. Langsam beruhigte sich sein Herzschlag wieder, den ich unter seiner Brust hörte.

Irgendwann zog er mich ganz auf sich, streichelte mir dann immer wieder zärtlich über den Rücken. Mein Kopf lag immer noch auf seiner Brust. Und ich lag ganz still. Es war einfach nur schön, hier so zu liegen. So dicht beieinander. Nur wir zwei. Ganz alleine.

„Hier sollten wir öfter herkommen,“ hörte ich ihn plötzlich wieder.

„Ja. Stimmt. Schön ist das hier.“

„Und so ruhig.“

„Mhhhh.“

„Und wir sind hier ganz alleine.“

Wieder wurde es ruhig zwischen uns.

„Das war toll,“ fing er dann wieder an.

Ich hob den Kopf und sah ihm in’s Gesicht.

„Es ist immer toll. Es ist immer schön,“ antwortete ich ihm. Und wir lächelten beide.

„Ja, da hast du recht,“ meinte er und zog mich noch einmal fest an sich.

„Was hälst du davon, wenn wir die Pferde noch ein bisschen den Strand entlang laufen lassen? Viel Bewegung haben sie heute noch nicht gehabt,“ fragte er mich eine viertel Stunde später.

„Gute Idee. Wird bestimmt Spaß machen.“

Kapitel 11

Ausgelassen ließen wir die Pferde eine halbe Stunde später durch’s Wasser traben. Es schien als hätten sie nur darauf gewartet. Sie waren kaum zu bremsen. Aber Shane und mir machte es auch Spaß. Es dämmerte nun bereits fast und es waren kaum Leute am Strand von Strandhill. So brauchten wir auf niemanden Rücksicht nehmen und genossen es genau so wie die Pferde.

Aber irgendwann hatten wir genug. Die Pferde machten wir an den Pfeilern eines Stegs fest und setzten uns dann selbst auf einen kleinen Felsen.

Rot lag die Sonne über dem Horizont. Eine Weile saßen wir nur da, Arm in Arm und sahen zu, wie die Sonne sich immer mehr neigte.

„Ich hab’ gehofft, dass es heute einen so schönen Sonnenuntergang geben würde,“ sagte Shane plötzlich.

Ich sah ihn von der Seite her an.

„Weil der ganze Tag schon so schön war, oder?“

„Ja. Auch deshalb. Aber das hat noch einen anderen Grund.“

„Und welchen?“

„Weil so alles zusammen passt. Das schöne Wetter heute, der ganze Tag, die Stunden am See und der schöne Sonnenuntergang.“

Er küsste mich auf die Nasespitze.

„Und ich habe eine schöne Frau im Arm.“ Nun lächelte er mich liebevoll an.

„Und eigentlich ist es immer so,“ redete er weiter. „Immer wenn du bei mir bist, passt irgendwie alles zusammen. Die letzten sieben Monate waren die glücklichsten in meinem Leben Maike. Auch wenn es da ein paar Sachen gab, die weniger erfreulich waren. Ich genieße jede Minute die ich mit dir zusammen bin. Ich kann es manchmal gar nicht mehr abwarten dich wieder zu sehen und dich in die Arme zu nehmen. Du machst mich so glücklich. Ich glaube das kannst du dir gar nicht vorstellen.“

Er löste sich plötzlich von mir und sprang auf. Ich sah ihn verdutzt an.

Im nächsten Moment nahm er meine Hände in Seine und kniete sich dann vor mich.

„Ich hab’s dir schon oft gesagt Maike. Ich liebe dich. Und ich möchte mit dir zusammen sein. Und zwar mein Leben lang. Ich wünsche mir nichts mehr, als das du meine Frau wirst. Und darum wollte ich dich fragen, ob du mich heiraten willst?“

Mir klappte die Kinnlade herunter und meine Augen waren die letzten Sekunden immer größer geworden.

Eine Weile rührte ich mich nicht und sah ihn einfach nur an. Mein Herz raste und ich musste plötzlich tief Luft holen, weil ich ganz vergessen hatte zu atmen.

Shane sah mich immer noch fragend an.

Und dann konnte ich einfach nichts mehr tun als über’s ganze Gesicht zu strahlen. Ich nahm seine Kopf zwischen meine Hände und küsste ihn zärtlich.

„Ja ich will, Shane. Ich will auch unbedingt mir dir zusammen sein. Für immer. Mein ganzes Leben lang.“

Erst jetzt schien er sich seiner Sache sicher zu sein. Denn plötzlich sah er irgendwie erleichtert aus.

An den Hände zog er mich zu sich hoch, nachdem er aufgestanden war und hielt mich dann fest im Arm. Und dann küssten wir uns wieder.

Einen Moment später schob er mich sanft ein Stückchen von sich. Aus seiner Hosentasche holte er eine Schachtel und steckte mir dann einen Ring an den Finger. Und ich steckte ihm den anderen an den Finger.

„Die sind schön,“ sagte ich dann bewundernd.

„Ja. Finde ich auch. Ich bin eigentlich nur von schönen Sachen umgeben.“ Shane schmunzelte.

„Ja. Ich auch,“ sagte ich und kuschelte mich wieder an ihn.

„Shane?“““

„Mhhhh, was ist?“

„Wie soll es denn jetzt mit uns weiter gehen?“

Wir ritten langsam nebeneinander her und hatten meine Farm schon fast wieder erreicht.

„Gute Frage. Darüber habe ich mir eigentlich noch nicht so viele Gedanken gemacht. Ich wusste ja nicht, wie du auf meinen Heiratsantrag reagieren würdest. Du hättest ja auch nein sagen können.“

Ich lächelte Shane an.

„Nein, hätte ich nicht. Ich hab mir gewünscht, das du mich irgendwann mal fragst.“

Shane lächelte nun auch.

Eine Weile dachte er nach.

„Du willst sicher weiter die Farm bewirtschaften wie bisher, oder?“

„Ja. Natürlich. Es läuft doch alles gerade so gut. Und ich liebe die Arbeit. Ich kann mir gar nicht vorstellen etwas anderes zu tun.“

„Also willst du auch weiter dort leben?“

Ich nickte. „Geht das nicht, wenn wir heiraten?“

„Doch, warum sollte das nicht gehen. Aber nur, wenn ich auch dort leben kann. Oder soll ich weiter bei meinen Eltern wohnen?“

Ich lachte und er dann auch.

„Nein natürlich nicht, dann können wir das Heiraten ja gleich ganz bleiben lassen. Dann ändert sich ja nicht.“

„Eben,“ meinte Shane, „aber ich würde auch sonst noch gerne etwas ändern.“

„Und was wäre das?“

„Ich würde uns gerne dort ein Haus bauen. Ein richtig großes. Mit viel Platz für Kinder. Das Haus deines Onkels ist ja schon ziemlich alt und es müssten bestimmt einige Sachen neu gemacht werden. Außerdem ist es nicht besonders groß. Ich würde gerne ein Haus bauen, das unseren Vorstellungen entspricht. Wie wäre das?

Enni und Ben würden sich bestimmt freuen, wenn du ihnen das Haus deines Onkels überschreibst. Dann hätten sie endlich ein eigenes Haus für sich. Und wüssten, das sie bis zum Ende ihres Lebens dort bleiben könnten.“

Ich dachte einen Moment nach. Dann nickte ich.

„Das ist einige gute Idee. Es wird schön sein, alles zu planen und mit anzusehen wie alles fertig wird.“

Dann stutzte ich.

„Sag mal,“ redete ich dann weiter, „du willst viel Platz für Kinder? Wie viele Kinder willst du denn?“

„Ich dachte so an drei oder vier. Es können aber ruhig auch ein oder zwei mehr sein.“ Jetzt grinste er wieder. „Es müssen schon ein paar mehr sein. Eine kleine Fußballmannschaft wäre nicht schlecht. Ich spiele gerne Fußball.“ Immer noch grinste er. „Bist du damit einverstanden.“

„Ich weiß nicht. An den Gedanken muss ich mich erst gewöhnen. Bisher hab ich über Kinder noch nie nachgedacht. Aber ich werde es mir überlegen. Spätestens, wenn das Erste da ist. Wenn ich dann die Nase voll habe, wirst du dich mit einem begnügen müssen.“

„OK. Aber ich glaube bestimmt, dass es uns gefallen wird Kinder zu haben.“

Ich nickte und strahlte ihn dann genau so an wie er mich.

Kapitel 12

Das ist nun bereits vier Jahre her.

Unser Haus, oder viel mehr unsere Traumvilla, ist fertig und wir leben seit etwa einem Jahr darin.

Enni und Ben leben in Onkel Henrys Haus und ich bewirtschafte immer noch (mittlerweile mit sechs Arbeitern) die Farm. Wir haben uns mächtig vergrößert und es läuft alles fantastisch.

Shane ist immer noch mit der Band unterwegs und ich begleite ihn so oft ich kann.

Aber heute feiern wir zusammen seinen einunddreißigsten Geburtstag. Es ist das erste Mal seit vier Jahren, dass er an diesem Tag zu Hause ist.

Heute Abend würden wir mit all unseren Freunden und unser Familie in der Scheune eine große Fete steigen lassen.

Aber im Moment kuschelte ich mich an Shane. Es war sechs Uhr in der Früh und meine „innere Uhr“ hatte mich wie immer um diese Zeit geweckt.

Shane brummelte noch im Halbschlaf vor sich hin.

Aber ich hatte nicht die Absicht ihn schlafen zu lassen.

Langsam fing ich an viele kleine Küsse in sein Gesicht zu hauchen. Dabei streichelte ich zärtlich seine Brust.

Irgendwann reagierte er plötzlich.

Seine Hand schob sich in meinen Nacken und er begann mich leidenschaftlich zu küssen.

„Herzlichen Glückwunsch,“ war das erste was ich sagte als wir uns dann in die Augen sahen.

„Danke Süße. Nett, das du mich extra deshalb geweckt hast.“ Er zog einen Schmollmund. „Ich dachte du würdest mich an meinem Geburtstag länger schlafen lassen.“

„Hab ich das gesagt? Hatte ich vergessen.“ Grinste ich.

„Kleine Hexe,“ kam es gleich zurück und wieder küsste er mich und zog mich an sich. Ich schmiegte mich an ihn und ließ meine Hand sanft über seine Brust, dann über seinen Bauch, bis zum Ansatz seiner Boxers gleiten.

Shane fing, noch während er mich küsste, an zu grinsen.

„Was hast du vor Maike?“ nuschelte er.

„Ich weiß nicht,“ nuschelte ich auch. „Wonach fühlt es sich denn an.“

„Sag du’s mir,“ kam es zurück.

Ich ließ meine Hand noch weiter hinunter gleiten und strich nun sanft über sein bereits hartes Glied. Shane stöhnte leise genussvoll.

„Ich will dich Shane,“ flüsterte ich. „Schlaf mit mir.“

Wieder küsste er mich, legte sich dann auf den Rücken zurück und zog mich auf sich.

„Der Tag könnte gar nicht schöner anfangen,“ sagte er, und ich vergaß alles um mich herum.

Etwa eine Stunde später kuschelte ich mich wieder an ihn. Beide waren wir damit beschäftigt wieder zu Atem zu kommen. Minuten lang langen wir ganz still, bis unsere Herzen wieder gleichmäßig schlugen und unsere Körper sich wieder abgekühlt hatten.

Ich hob den Kopf und sah Shane in’s Gesicht.

„Du???? Ich hab’ eine Überraschung für dich.“

„Ein Geschenk?“ wollte er wissen. „Ich dachte ich hätte mein Geburtstagsgeschenk schon bekommen,“ lächelte er.

„Naja. Irgendwie ist es ja auch gar kein Geburtstagsgeschenk. Aber ich wollte unbedingt, dass du es heute auf deinem Geburtstag erfährst. Ich weiß es schon seit gestern.“

Shane sah mich mit gerunzelter Stirn an.

„Was meinst du? Was weißt du schon seit gestern?“

Ich legte mich auf den Rücken zurück und schloss die Augen.

„Ach. Eigentlich ist es auch viel schöner, wenn ich es dir erst heute Abend sage, wenn alle da sind und wir zusammen feiern. Das ist dann noch mal das Tüpfelchen auf dem i.“ Ich grinste.

Shane drehte sich zu mir und war dann direkt über mir. Ich öffnete die Augen.

„Maike, rück raus damit, sag’s mir jetzt. Ich will nicht bis heute Abend warten.“

„Sei doch nicht so neugierig. Du bist ja wie ein kleines Kind.“ Schon wieder musste ich grinsen.

„Maike komm schon, sag’s mir.“

„Süß, wenn du bettelst. Das kannst du wirklich gut.“ Ich streichelte zärtlich über seine Wange.

Einen Moment wartete ich noch. Shane sah mich immer noch fragend an.

Ich hob meinen Kopf „Du wirst Vater,“ flüsterte ich ihm in’s Ohr, sah ihn dann wieder an und wartete wie er wohl reagieren würde.

Seine Augen wurden plötzlich immer größer und sein Mund klappte ihm herunter.

Ich musste schon wieder grinsen.

Aber ich setzte dem Ganzen noch die Krone auf.

Wieder hob ich den Kopf. „Ach ja,“ flüsterte ich dann wieder „und ich bekomme Zwillinge.“

Seine Augen wurden noch größer, er holte einmal tief Luft und hielt dann die Luft an.

„Du bekommst Zwillinge,“ brachte er dann heraus.

Ich nickte und strahlte ihn gleichzeitig an.

„Woooowww, das ist.... das ist.....das ist... wooooww,“ stotterte er.

Ich lachte laut.

Auf dieses Gesicht hatte ich mich schon seit gestern früh gefreut.

Und dann war er plötzlich ganz aufgeregt und wollte alles genau wissen. Jede Einzelheit. In welchem Monat ich bin, ob ich schon was merken könne, ob ich schon ein Ultraschallbild gesehen hätte und dann wollte er natürlich wissen, ob man sehen könne ob es Jungen oder Mädchen werden. Oder vielleicht beides.

Er brauchte eine Weile, bis er es richtig begriff. Aber irgendwann war es wohl richtig in seinem Köpfchen angekommen.

„Ich bin doch ein Glückspils,“ sagte er etwa eine halbe Stunde später, als er sich wieder etwas beruhigt hatte.

„Ich habe alles, was man sich wünschen kann. Und das wichtigste, ich habe dich. Und demnächst habe ich auch noch Kinder.“ Er zog mich fest an sich.

„Das Leben könnte gar nicht schöner sein. Ich bin der glücklichste Mann auf der Welt. Und das verdanke ich alleine dir. Ich liebe dich Maike.“

„Und ich liebe dich Shane. Mindestens genau so sehr, wie du mich. Und ich freue mich auf die Kinder. Dann sind wir eine richtige kleine Familie. Ich freue mich darauf sie aufwachsen zu sehen. Und du bist bestimmt ein super Daddy.“

Ich streichelte ihm sanft über den Bauch.

„Und du eine super Mumi.“ Er strich mir über die Wange.

Dann plötzlich drückte er mir einen dicken Kuss auf den Mund.

„Ist das Leben nicht herrlich!!!!!!!!!!!!!“

---ENDE---