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Draußen war es dunkel.Der Regen klopfte gegen die kalten Fensterscheiben des Hotels. Ein junger Mann, Anfang zwanzig etwa mochte er sein, stand vor dem Fenster und blickte nach draußen. Erkennen konnte er nicht viel, nur Dunkelheit kam ihm entgegen. Gestresst rieb er sich die Stirn, die letzten Tage waren ziemlich anstrengend und nervenaufreibend gewesen. Seine Gedanken fingen an, langsam abzustreifen und wieder war ihm die komplette Erinnerung an das Vergangene im Sinn, er konnte es einfach nicht vergessen.........
5 Monate zuvor ...
"Lassen sie mich gefälligst in Ruhe!" schrie er laut. Niemand hörte ihn. "Hauen sie ab, haben sie keine Ohren, oder warum hören sie nicht? Es wird ihnen noch leid tun, wenn sie jetzt nicht verschwinden!" Seine eisblauen Augen blitzen gefährlich. Doch sein Gegenüber wich nicht zurück. Weiss Gott warum, es rückte sogar noch ein Stück näher. "Wollen sie mir Angst machen? Hören sie, ich will doch bloß eine gute Geschichte für meine Zeitung, wir sind eine hochangesehene Boulevardzeitschrift, mit vielen Millionen Lesern, doch wir sind pleite. Pleite, weil ein dummer kleiner Angestellter alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann. Dafür wird er schon noch büßen, aber ich werde hier nicht weggehen, ehe ich eine gute Story in der Tasche hab, ist ihnen das klar?" "Natürlich ist mir das klar, aber ihnen scheint nicht bewusst zu sein, in welcher Gefahr sie sich hier befinden!" "Welche Gefahr denn? Vielleicht wird sich gleich das Rotkelchen dort drüben auf mich stürzen, mein Gott hab ich eine Angst." Doch langsam schien er ein bisschen eingeschüchtert, denn der Mann mit den stahlblauen Augen sah ihn unentwegt an. "Ich rede hier nicht von dummen Vögeln, mit vögeln hab ich mehr als die Hälfte meines bedeutungslosen Lebens verbracht, hier geht es um etwas anderes, mein Lieber. Sie befinden sich in Gesellschaft eines psychisch-verwirrten Mannes, der dazu neigt, Unüberlegtes zu tun. Das hab ich sogar schwarz-auf-weiss. Das Ganze wär ja noch nicht allzu schlimm, aber wie der Zufall es wollte, ist eben dieser Mann in Besitz einer äußerst gefährlichen Schusswaffe. Sie sollten vorsichtig sein." In seinen Augen brodelte es, sie blitzten gefährlich, sie glichen einem Gewitter, das kurz davor stand, auszubrechen. Der andere Mann bekam es mit der Angst zu tun. "Da-das meinen sie doch jetzt nicht ernst oder?" "Noch nie in meinem Leben meinte ich etwas so ernst, wie das was ich gerade gesagt habe" Panisch sah sich der Mann um. Gerade noch hatte er sich vorgenommen nicht zu gehen, bevor er etwas in der Hand hatte. Doch nun war es nicht er, der etwas in der Hand hatte, sondern sein Gegenüber. Nämlich ihn. "Ich bitte sie, tun sie nichts Unüberlegtes, ich wollte sowieso gerade gehen, bitte, ich werde sie nie wieder belästigen...." "Oh nein, mein Lieber, dafür ist es zu spät, ich habe ihnen zuviel anvertrauen müssen, ich kann sie doch mit diesem überaus kostbaren Wissen nicht einfach rausspazieren lassen, das verstehen sie doch, oder? Kommen sie, stellen sie sich da hin, es wird auch gar nicht weh tun und ich werde dafür sorgen, dass sie ein anständiges Begräbniss bekommen... haben sie Familie? Ja? Nun gut, dass ist ihr Problem, nun kommen sie schon, desto schneller ist es vorbei...." Der blauäugige Mann zog ihn ein bisschen nach links. "Sonst gibts unschöne Blutflecken, das muss ja nicht sein, oder?" zwinkerte er. Doch im selben Moment verzog sich sein Gesicht wieder zu einer undurchschaubaren Fratze. "Noch irgendwelche letzten Worte?" Er wartete kaum zwei Sekunden, bevor er sagte: "Nun, anscheinend nicht. Sagen sie auf Wiedersehen!" Ein höhnisches Lachen drang aus seiner Kehle, schwoll zu einer hohen Lautstärke an, sodass man das Gefühl hatte, das Gehör würde Platzen. Gerade als das Lachen seinen höchsten Punkt erreicht hatte, dröhnte ein Schuss durch die Nacht. Danach kehrte eine befreiende Stille ein, der Wind wehte sanft durch die Bäume in der menschenleeren Gegend, die Sterne hoch über dem Geschehen funkelten hell und nur ein einsamer Wolf heulte durch die Nacht. Nichts deutete auf das hin, was hier, in einem kleinen 500-Seelen Dörfchen im Nord-Westen Irlands geschehen war.
"So Leute, macht euch fertig, zieht euch was über vor allendingen, unsere neuen Mitgleider werden gleich eintreffen!" rief Anto quer durch den Hotelflur. "Shane?" "Ja!" "Du sollst zu Dave kommen, deine Jacke war doch zu weit oder?" "Okay." Anto hakte einen Punkt auf der Liste, die auf seinem Klemmbrett hing ab. "Bryan?" "Yep?" Bryan sprang ihn an wie ein wildgewordenes Känguru. "Bryan hör auf mit dem Quatsch, blamier uns nicht schon am ersten Tag vor den Neuen, okay? Unten in der Lobby sind Kerry und die Kids grad eingetroffen." "Juhuuu!" Sofort rannte er in Richtung Aufzug. "Bäh, der ist ja widerlich gut drauf heute" Anto schüttelte den Kopf und hakte auch den nächsten Punkt ab. "Mark?" "Was ?" "Priscilla sucht dich schon seit Stunden, du brauchst angeblich noch ne Nachhilfestunde in dem neuen Tanzschritt." "Noch eine?" stöhnte er. "Dann streng dich halt mal ein bisschen mehr an!" "Aber Anto, du weisst ja gar nicht...." "Schluss, ich wills auch gar nicht wissen und jetzt ab mit dir! Je eher du da bist, um so eher kannst du auch wieder auf dein Zimmer!" Vor sich hin grummelnd verschwand Mark aus Antos Sichtfeld. " Nicky?" Nicky steckte seinen Kopf aus seinem Zimmer. "Was ist denn? Gina ist hier, ich möchte bitte nicht gestört werden!" "Sorry, aber sie wird dich noch eine Viertelstunde in Ruhe lassen müssen.... du solltest schon seit zehn Minuten bei Ben sein, deine Haare müssen mal wieder ab, mein Guter, da kann man ja nicht mehr hinsehen!" Nicky fuhr sich durch seine langen Haare, die im Moment ungestylt runterhingen. "Mir gefällt das aber so...!" "Was dir gefällt, interessiert keinen, jetzt geh schon, Ben hat nicht ewig Zeit!" "Jaja, immer diese Sklaverei...!" murmelte Nicky. "Hast du was gesagt?" horchte Anto auf und hob drohend seinen Arm. "Nichts nichts, ich geh ja schon." wich Nicky ihm aus, allerdings mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen. "Ab mit dir!" sagte Anto und Nicky verschwand wirklich im Treppenhaus. "Was geht dieser Typ immernoch die Treppen, langsam müsste er Aufzüge doch mal gewöhnt sein..." Anto schütelte den Kopf. "Anto?" Er drehte sich um und sah Georgina. "Nicky kommt in zehn Minuten wieder, wenn alles glatt geht, schau am besten so lange fern, aber treib dich auf keinen Fall auf dem Flur herum, hast du das verstanden?" Sie nickte und schloss die Zimmertür wieder hinter sich. Jetzt stand nur noch ein Punkt auf seiner Liste. "Kian? KIAN! Mensch, wo treibt der sich denn schon wieder rum? Das ist ja nicht zu fassen." brauste Anto auf. "Kian! Antreten! SOFORT!!" "Was ist denn Anto, ich stand gerade unter der Dusche!! Du hast doch gesagt, wir sollen uns fertig machen!" Anto lief rot an. "Stimmt" dachte er, "Das hab ich gesagt, aber hab ich denn gedacht, dass sich da jemand dran hält?" Er schüttelte den Kopf . "Zieh dich bitte möglichst schnell an, die neuen Mitgleider treffen gleich ein, ich möchte, dass du dabei bist, ich denke du weisst ja warum, oder?" sagte er scharf. Kian verdrehte die Augen. Natürlich wusste er das. Er hatte seine Tänzerin gefeuert, weil sie sich an ihn rangemacht hatte, sowieso war sie mehr als unverschähmt und indiskret gewesen, andauernd hatte sie sich in Sachen eingemischt die sie nichts angingen. Das war etwas, was Kian gar nicht gebrauchen konnte. "In fünf Minuten bist du unten, ist das klar? Mir ist egal, ob deine Haare richtig liegen oder nicht." Damit machte Anto auf dem Absatz kehrt und eilte davon.
Kian rannte schnell die Treppen runter. Er hatte keine Zeit mehr auf den Aufzug zu warten, der ihm direkt vor der Nase weggefahren war. Die fünf Minuten die Anto ihm gegeben hatte, waren schon lange um, denn er hatte sich doch nicht getraut, mit ungestylten Haaren runter zugehen. Als er schliesslich ganz ausser Atem in der Lobby ankam, warf Anto ihm nur einen äußerst unangehmen Blick zu, weil er gerade in ein Gespräch mit einem älteren Herr und einer hübschen, jungen Fau verwickelt war. "Hoffentlich ist das die Tänzerin!" dachte Kian und sah sich um. Die Lobby war voller Leute, er sah viele bekannte Gesichter der Crew, aber auch viele neue Gesichter, die sich ebenso neugierig umsahen, wie Kian selbst. Eine Frau zog ihn besonders in ihren Bann. Sie war relativ klein, hatte leuchtend weinrote Haare, die streng mit einem Zopfgummi nach hinten gebunden waren und fast bis zum Steißbein geschmeidig glatt herunter hingen. Sie trug eine weite Baggy-Hose, ein paar pinke Sneakers und ein super enges Top." Wow, die sieht ja schon nach Problemen aus..." dachte Kian. Doch sie hatte etwas Faszienerendes an sich, ja, sie war fast schon anmutig schön, trotz ihres seltsamen Kleidungsstils, der überall auffiel, wirkte sie schutzbedürftig und zerbrechlich. "Kian?" Anto rief nach ihm. Mit dem Blick weiterhin auf die mysteriöse Neue gerichtet, lief er zu Anto rüber, der nun alleine stand. "Sei froh, dass hier so viele Leute sind, sonst könntest du was erleben, Freundchen! Hatte ich nicht gesagt 5 Minuten?" Er warf einen Blick auf Kians Haare und Kian war fast so, als hätte ein Lächeln Antos angespannte Lippen umspielt. "Egan! Das war ja mal wieder klar! Aber nun gut, so verschreckst du wenigstens nicht direkt deine neuen Tänzerin, komm mit, ich stell sie dir vor. Und wag es dich nicht, sie auch wieder rauszuwerfen! Sonst tanzt du allein, ist das klar?" herrschte er ihn scharf an. Anto lief genau in die Richtung des seltsamen Frau. "Nein, bitte nicht, kann sie nicht vielleicht die Aushilfe für Ben und Dave sein?" dachte er. "Aber bitte nicht meine Tänzerin!" Für einen Moment wünschte er sich Susanna zurück, seine alte Tänzerin, die er rausgeworfen hatte, aber nur einen kitzkleinen Moment und als er an sie dachte, verfinsterten sich seine Gesichtszüge. Erst als er sie vollständig aus seinen Gedanken verbannt hatte, hellte sich seine Miene wieder auf. Dass das seltsame Mädchen ihn die ganze Zeit angesehen hatte, war Kian völlig entgangen. "Hallo Melanie! Schön, dass sie doch noch zu uns gefunden haben, wir hatten schon Angst, sie würden im letzten Moment abspringen!" "Aber nein, ich kann sie doch nicht hängen lassen, Mr. Byrne!" "Das hör ich doch gern, so eine Einstellung findet man ja nicht mehr allzu häufig, was?" scherzte Anto. Wo hatte er denn jetzt plötzlich die gute Laune her? "Nein, da haben sie vollkommen recht. Mit wem werde ich denn nun tanzen?" "Mit diesem Sturkopf hier. Es tut mir leid, dass wir ihnen am Anfang direkt den schwierigsten Fall zumuten müssen, aber Mr. Egan hielt es für nötig, ihre Vorgängerin einfach zu feuern! Keine Angst, dass hab ich ihm jetzt abgewöhnt!" Schon wieder ein Witz. So kannte Kian Anto gar nicht. Wollte er etwa Eindruck bei Melanie schinden? Kian schüttelte belustigt den Kopf. "Hast du was daran auszusetzten Kian?" "Was , oh, entschuldigt bitte, ich war gerade nicht ganz da!" Er schenkte den Beiden sein strahlendes Lächeln. "Das hab ich mir schon gedacht. Ich sagte gerade, dass du Melanie rumführen wirst, dass ist dir doch recht, nicht wahr? Das hab ich mir schon gedacht, am besten zeigst du ihr zuerst die Tanzräume, die Gruppenräume, ihr Zimmer, dass ist übrigens Nummer 426, hier hast du den Schüssel, dann ausserdem den Essraum, die Stylingräume und die Fitnessräume, ausserdem könntest du ihr vielleicht noch ein paar Leute vorstellen, ich muss nämlich jetzt auch schon weiter..." Anto hob eine Hand zum Gruss und verschwand im Gewusel. "So, wollen wir dann los ...?" "Kian, Kian Egan ist mein Name." "Freut mich. Ich bin Melanie Griffin, wenn man die vielen Zweitnamen weglässt, aber es wär mir lieber, du würdest mich Mel nennen, dann wär alles wie immer. " "Okay, Mel, dann bin ich für Ki oder wie Shane sagen würde Blondie. " scherzte Kian. "Lass uns oben anfangen." Sie fuhren mit dem Lift in die oberste Etage. "Hier sind die Fitnessräume, hier oben wirst du nie einen von der Band finden, sie betreiben grundsätzlich lieber Matratzensport, du kannst hier die Geräte benutzen wann immer du willst, hier störst du keinen. Ausserdem gibt es hier ein Schwimmbecken und eine Sauna. Hm, was kann ich dir bloß noch erzählen, ach warte, das dahinten ist Priscilla, unsere Tanzlehrerin, leg dich bloß nicht mit ihr an, sie hat einen noch dickeren Kopf als Bry und ich zusammen. Das neben ihr ist die Co-Tanzlehrerin, aber eigentlich macht sie die ganze Arbeit, also das vortanzen, damit wir wissen, wie es auszusehen hat, Priscilla meckert meistens bloß rum. Sie heisst Fiona, oder einfach Fi, sie kann ihren Namen nicht ausstehen, also sag lieber gleich Fi, sonst rastet sie aus." Kian zog sie wieder zum Aufzug und sie fuhren in die nächsttiefere Etage. "Hier sind alle Zimmer. Viel zu zeigen gibt es hier nicht. Höchstens Bryans Zimmer, dass ist immer einen Besuch wert..." Kian schüttelte lachend den Kopf. Innerlich hatte er gar keine Lust diese Melanie oder Mel oder wie auch immer hier rumzuführen, sollte sie doch bleiben wo der Pfeffer wächst. Sie hatte während der ganzen Zeit noch kein Wort gesagt. "Okay, zu Anto musst du gehen wenn du ein Problem hast, er hat Zimmernummer 400, aber ich empfehle dir, immer erst mit demjenigen zu reden, mit dem du wirklich Probleme hast, weil es in der Crew gar nicht gern gesehen wird, wenn einer andauernd zu Anto rennt, in der Beziehung sind wir alle noch Kinder geblieben, besonders Mark wird da schnell sehr hitzköpfig, Ansonsten wohnen hier noch Shane, Nicky, Bryan und Mark. Shane, Nicky und Bryan haben im Moment ihre Familien hier, das heisst bei Shane seine Gillian, Nicky hat Georgina da, die ist im Moment schwanger, es wird ein Mädchen, aber sag keinem, dass du es von mir weisst, klar? Bryan hat Kerry und Molly und Lilly da, Molly ist jetzt knapp 3 Jahe und Lilly 16 Monate falls es dich interessieren sollte, aber Kerry erzählt dir bestimmt liebend gern noch mehr über die beiden. Mit Molly kannst du alles mögliche anstellen,die kommt ganz nach ihren Daddy, Lilly ist da im Moment eher noch die Stille, wie Kerry, aber vertu dich da nicht, Kerry kann auch ganz schön ausflippen, nicht nur im positiven Sinn. Ausserdem anwesend ist meine Wenigkeit, die anderen Tänzerinnen, Ceciellia aus Italien, aber sie spricht English, keine Sorge, dann noch Helen aus Deutschland, Helen ist ürgrigens lesbisch, nicht dass ich was dagegen hätte, ich wollte dich nur vorwarnen, Naomi und Ella . Die beiden sind Engländerinnen, wie du auch. Die vier wirst du morgen früh direkt kennenlernen, wenn die erste Tanzstunde für dich anfällt. Du wirst eine Menge Einzelstunden brauchen, bis du die Tänze beherrscht, weil wir schon ein ganzes Stück vorangekommen sind. Dort drüben steht Lisa Cribley, sie ist für Catering zu ständig, Essen gibt es hier immer um 8Uhr , um 13Uhr und um 20 Uhr. Wer nicht pünktlich ist, bekommt offiziell eigentlich nichts mehr, allerdings nimmt Lisa das nicht so genau, genau so wenig wie die anderen zwei, die ihr helfen. Die heissen Addy und Belinda. Addy ist ein Gott im Kochen, Belinda ist noch in ihren Anfängen, aber das wird schon noch. Rechts in den Zimmern 411 - 419 sind die Musiker untergebracht, das heisst Angelo, Freddie, Ien, Michael, Steve, Norman, Marcus und Anthony. Mit denen wirst du nicht so viel zu tun haben. Wir, also Shane und Co bewohnen die Zimmer 420 - 425. An deiner Stelle würde ich bei allen Zimmer anklopfen, bevor ich reingehe, weil es immer mal vorkommen kann, dass die Boys sich sportlich betätigen...." "Ach und was ist mit dir?" hakte Mel nach. "Du kannst ja reden!" sagte Kian erstaunt. "Ja und ich hätte gerne eine Antwort!" sagte Mel frech. "Hm, das kommt schon mal vor, aber nicht oft, ich hab schliesslich keine feste Freundin, es ist sehr anstrengend immer Leute zu finden, die nur ein bisschen Spaß wollen, verstehst du? Alle träumen immer gleich von der großen Liebe auf den ersten Blick.... dafür hab ich im Moment keine Zeit." Schnell wechselte er das Thema. Es war ihm unangenehm mit dieser fast noch fremden Frau über sein Privatleben zu reden, dass er nornalerweise von all dem hier getrennt hielt. Okay, es kam wirklich manchmal vor, dass er sich ein Mädchen mit aufs Zimmer nahm, doch er war nicht der Bastard, der ihnen erst die große Liebe vorheuchelte, um sie ins Bett zu kriegen, und danach fallen zu lassen, wie eine heisse Kartoffel. Nein, so war er ganz bestimmt nicht und das wollte er Mel auch klar machen. "Äh, wo war ich, ach ja, dein Zimmer liegt neben denen der anderen Tänzerinnen, mit der einen Wand an mein Zimmer, mit der anderen an Ceciellias. Gewöhn dich schon mal an den Gedanken, dass sie mitten in der Nacht ziemlich laute Telefonate mit ihrer Familie führt, dass heisst auf italienisch, meisten ist das ganze noch bis zu Antos Zimmer zu hören, weil ihre Familie, allen voran ihre Mutter nicht glücklich mit ihrem Job ist, ganz zu Schweigen davon, dass Ceciellia mit Helen befreundet ist, du weisst schon, die Lesbe, ihre Mutter ist anscheinend sehr konservativ. Eben typisch italienisch." Kian sah Mel an. Sie sah die Menschen, die im Flur herumwuselten mit großen Interesse an. "Oh, der Typ da in dem rosa Hemd un der lilafarbenen Samthose ist übrigens Dave. Unser Stylist. " fügte er nach einer kleinen Pause hinzu. Melanie lachte. "Seid ihr sicher? So schlecht sehen eure Klamotten doch gar nicht aus!?" grinste sie. "Dave hat einen sehr seltsamen Geschmack, aber nur was seine eigenen Klamotten angeht, bei uns kann er sich beherrschen. Ausserdem ist da ja noch Ben..." Er deutete auf den Mann neben Dave. " Er ist eigentlich Visagist und Hairstylist, aber er und Dave sind sehr eng befreundet und er hat bei Dave immer das letze Worte, was die Klamottenauswahl angeht. Louis, unser Manager hätte ihn doch schon längst gefeuert, wenn er uns sowas andrehen würde. Du musst wissen, Dave ist ..." "Schwul?" "Ähm, ja, dass wollte ich sagen." Habt ihr hier eigentlich auch nornale Leute? Eine Lesbe, einen Schwulen, eine durchgeknallte Italienerin, einen Hairstylisten, der sich um die Klamotten kümmert, eine Aushilfsköchin, eine Co-Tanzlehrerin, die die ganze Arbeit macht.... hört sich alles ziemlich strange an!!!" Mel verzog das Gesicht. "Da hast du recht, aber es ist toll so."
Am Morgen um sieben Uhr erwachte Melanie und machte sich direkt fertig. Sie wollte nicht an ihrem ersten Tag zu spät kommen, ausserdem musste sie noch ein wichtiges Gespräch führen. Sie duschte rasch und verbrachte nicht viel Zeit damit, sich zu schminken oder sonstige Verschönerungen vorzunehmen, da sie aus Erfahrung wusste, dass es sowieso wieder verlaufen würde und dass die meisten Tanzlehrerinnen Schminke nicht ausstehen konnten. Sie band sich die nassen Haare zu einem strengen Zopf zusammen und schnappte sich ihr Telefon. Nachdem sie die Nummer eingetippt hatte, lauschte sie dem regelmäßigen Tuten. Sie wusste, dass es eigentlich noch zu früh für diesen Anruf war, aber sie musste einfach noch ein letztes Mal mit ihm sprechen, bevor sie sich dem Ganzen stellte. "Norah, was ist denn, du weisst doch, dass ich es nicht leiden kann, vor dem Frühstück gestört zu werden." sagte eine Stimme am anderen Ende "Ja Sean, ich weiss, aber ich bin so furchtbar aufgeregt! Was wenn ich mich verrate, was wenn einer was über mich herausfindet, was wenn....?" "Jetzt beruhig dich doch mal No, alles wird halb so schlimm, okay?" seufzte Sean und Mel konnte regelrecht hören, wie er mit den Augen rollte. "Du hast gut reden, was meinst du, was die mit mir machen, wenn die rausfinden, dass ich von der Polizei bin? Ich hab es hier mit einem Haufen potenzieller Mörder zu tun, wie soll ich denn da ruhig bleiben? Ich hab zwar meine Dienstwaffe dabei und noch so andere nützliche kleine Dinge, aber die kann ich ja schlecht immer mit mir rumschleppen..." "No, jetzt hör zu, du bist eine voll ausgebildete Polizistin, Kriminalpolizistin um genau zu sein, du bist mit Schusswaffen geübt, kannst Karate, siehst gut aus, bist schlagfertig und ausserdem bist du eine ausgezeichnete Tänzerin. Warum solltest du auffliegen Norah?" "Verdammt hör auf mich Norah zu nennen Sean! Ich heisse jetzt Melanie! Ich werd mich noch selbst verraten, wenn du so weiter machst...!" Sie streckte ihre Hand aus und sah ihr beim Zittern zu. " Also gut, MELANIE, nochmal von vorn... du wirst dich nicht verraten! Okay?" sagte er ganz langsam. "Ich werde mich nicht verraten, ich werde mich nicht verraten, ich werde.... " Sie atmete tief durch. " Okay. Ich schaff das." "Genau das hab ich von dir erwartet! Braves Mädchen.... So, du weisst was du zu tun hast?" Melanie nickte, bevor sie realisierte, dass Sean sie nicht sehen konnte. "Äähm, ja natürlich weiss ich das. Ich muss in der Gruppe nach einem Mörder Ausschau halten, das Ganze natürlich möglichst unauffällig , dir jeden zweiten Tag Bericht erstatten und versuchen, mich möglichst nicht emotional an die Leute hier zu binden, weil ich den Kontakt sowieso abbrechen müsste, wenn alles auffliegt..." zählte Melanie auf. " Na also, warum hast du Angst? Du kennst die goldene Regel und du bist für diese Aufgabe so gut geeignet, wie kein anderer.... und jetzt gehst du gefälligst raus und stellst dich der Herausforderung. Ich dachte, du magst einen gewissen Teil an Nervenkitzel!" stichelte Sean. "Ja, schon, aber weisst du eigentlich was hier auf dem Spiel steht...?!?" "Natürlich weiss ich dass Mel, du wussest es aber auch und jetzt lass mich endlich weiter schlafen!" Ohne ein weiteres Wort legte er auf und Melanie legte ihr Telefon zurück auf den Nachttisch. Sie zog die Schublade auf und kramte eine Kladde hervor, die dort drin verborgen war. Dort bewahrte sie ihre Papiere auf. Sie zog sie raus und wühlte zwischen ihnen herum. Schliesslich fand sie das was sie suchte: Das Foto eines kleinen Mädchens. "Mummy kommt bald wieder, meine kleine Maddie... "
Drei Minuten später, nachdem sie die Papiere wieder versteckt hatte, stieg sie die Treppen herunter und versuchte verzweifelt, sich zu erinnern, wo der Tanzraum war. "Suchst du was?" fragte eine Stimme hinter ihr. Erschrocken drehte Mel sich um und sah in das Gesicht eines jungen Mannes, der wie sie glaubte, Shane hiess. "Ja." sagte sie schüchtern." Ja, ich wollte in den Tanzraum, aber...." "Ach, du bist bestimmt die neue Tänzerin, oder? Ich bin Shane." Er hielt ihr die Hand hin. "Ja, das hat Kian ..." "Du hast Kian schon kennengelernt? Naja, immerhin ist er es ja auch "schuld", dass du hier bist.... Komm, hier geht es lang....!" Er zeigte nach rechts auf eine Tür. "Oh, oh danke...!" stotterte Melanie. "Hey, keine Angst, du packst das schon und wenn du Schwierigkeiten hast, dann helf ich dir gerne..." zwinkerte er. " Wie war noch gleich dein Name?" "Melanie Griffin." Shane nickte leicht und hielt ihr die Tür auf, bevor er selbst den Raum betrat. Sofort richteten sich 9 Paar Augen auf sie und betrachteten sie neugierig. Was dachten sie wohl von der junge Frau mit den knallroten Haaren, den stechend grünen Augen, dem flachen Busen, dem orangen Top, der schwarzen Baggyhose und den pinken Turnschuhen? Wenige Sekunden hörte man kein Wort, doch für Mel war es wie Stunden der Ungewissheit. Dann, um Punkt acht Uhr betrat Priscilla den Raum. "Ah, Melanie, schön sie zu sehen, haben sich die anderen schon vorgestellt?" Alle schüttelten die Köpfe."Gut, dann übernehm ich das jetzt mal. Das ist Kians neue Tänzerin Melanie, die von nun an für Susanna einspringen wird, da sie leider gehen musste, wie ihr ja alle wisst. Melanie, dass sind Shane, Bryan, Nicky und Mark, Kian kennst du ja bereits. Deine Kolleginnen heissen Helen, Ella, Naomi und Cecillia. Das dort drüben ist Fiona, und ich bin Priscilla. Ich erwarte von euch, dass ihr Melanie gut aufnehmt und jetzt alle auf die Plätze! Hopp hopp, ich hab nicht ewig Zeit! Melanie, du versuchst erstmal einbisschen reinzukommen! Macht euch bereit, Aufstellung zu When you're looking like that, 1, 2, 3 UND LOS!" Alle fingen an, sich im Takt der Musik zu bewegen, man sah auch gewisse Ähnlichkeit in den Schritten, aber synchron war das Ganze ganz und gar nicht. "Stop, sofort aufhören! Dass ist ja furchtbar! Leute, das haben wir gestern alles ausführlich geübt! Ihr geht hier heute nicht eher raus, als ihr diese Tanzschritte in euren kleinen Rattenhirnen habt, ist das KLAR?" brüllte Priscilla so laut, dass alle zusammenzuckten. Von da an rissen sich alle zusammen und auch Melanie versuchte die Schritte mitzubekommen. Da sie eine leidenschaftliche Hobbytänzerin war, kam sie ganz gut mit, denn die Schritte waren alles andere als schwer. Diese beiden Schwerpunkte hatten dazu beigetragen, dass sie diese Mission überhaupt angenommen hatte. "Okay" sagte Priscilla scharf und sah auf ihre Uhr. " Es ist jetzt halb elf, Leute. Wir probieren das ganze jetzt noch mal am Stück und ich warne euch, wer das jetzt noch nicht kann....." Sie zog ihre Augenbraue hoch und alle wussten, was das bedeutete. Mehere harte Einzelstunden, für die Priscilla bekannt war. "1, 2, 3, UND!" Alle konzentrierten sich auf die Schritte und Priscilla brüllte Befehlfe in den Raum. "Rechtsdrehung, Bryan mehr Spannung bitte! Ich sagte rechts herum! Ach Gott nochmal, nehmt euch doch mal ein Beispiel an Melanie, sie kann es im Gegensatz zu euch schon!" schrie sie. "Melanie." sagte sie schon sanfter." Würdest du es uns einmal vortanzen? Du bist ein Naturtalent!" "Nein, lieber nicht, ich weiss ja gar nicht, ob die Schritte richtig sind..." "Sie waren perfekt, Liebes. Bitte sei so gut.." Mel gab sich geschlagen und trat in die Mitte des Raumes. Fiona drückte auf die Taste und die Musik begann. Melanie fing mit dem ersten Schlag der Musik an und dachte gar nicht groß darüber nach, dass sie gerade einen Tanz tanzte, dessen Schritte sie eigentlich noch gar nicht kannte und die sie doch beherrschte. Das Tanzen lag ihr einfach im Blut. Alle Augen ruhten auf ihr, doch Melanie liess sich nicht beirren, indem sie sie ansah, sondern sie sah wie durch sie hindurch und lächelte entspannt vor sich hin. Dadurch bemerkte sie auch nicht Shanes beeindruckte Blicke, die er ihr immer wieder zu warf, oder die neidischen von Ella und Naomi. Sie war in ihrer eigenen Welt, sie liebte das Tanzen. Als sie mit der Musik endete, klatschten alle ausser Helen und Cecillia laut und Melanie lief rot an. Sie ging zu den Bänken an der Seite, auf denen jede Menge Handtücher und Wasserflaschen lagen und trank einen großen Schluck aus ihrer. "Vielleicht sollten wir dich lieber als Tanzlehrerin engagieren Mel.... dafür bist du fast schon zu gut..." lächelte Fiona. "Jetzt hör schon auf, so gut war das gar nicht..." sagte sie leise. Es war ihr peinlich, so in den Himmel gelobt zu werden. "So Leute, ein letztes Mal für heute..... und wagt es euch nicht, das bis Morgen alles wieder zu vergessen...!" Die Musik begann wieder und diesmal klappte das Ganze schon viel besser. "Okay" sagte Priscilla scharf. "Ich hoffe ihr habt mich verstanden... wir sehen uns dann Morgen um viertel vor vier!" Der letzte Satz ging aber schon fast in einem Schwall Gerede unter, der sofort ertönte, als alle das Ende dieser Quälerei kommen sahen. Fast sofort stürmten alle zu ihren Sachen und verliessen fluchtartig den Raum. "Melanie? Komm mal bitte!" "Was will die den jetzt schon wieder?" stöhnte Mel leise. Shane hörte es und grinste breit. "Geh schon, Pris wartet nicht gerne." Also ging sie zu ihrer Lehrerin. "Ja?" "Ich denke, du brauchst trotz deinem überaus große Talent ein wenig Nachhilfe, weil wir nicht wegen dir alles Wiederholen können. Such dir bitte jemanden aus, mit dem du alle Choreografien noch mal durchgehst. Am besten wär natürlich Kian, doch ich denke, er wird in dieser Hinsicht nicht sehr kooperativ sein. Zur Not wird dir auch Fiona helfen und wenns gar nicht anders geht, komm zu mir, okay?" "Okay. Kann ich dann gehen?" "Ja, wir sehen uns morgen um viertel vor vier!" Mel nickte, schnappte sich Handtuch und die Flasche und ging zur Tür hinüber. "Hey!" sagte eine Stimme." Shane! Was machst du denn noch hier? Ich dachte ihr wärt alle schon weg-" "Tja, ich dachte mir halt, du brauchst jemanden, der dir den Weg zeigt..." lachte Shane. "Oh ja, das ist lieb von dir .... ähm, eine Frage, hättest du vielleicht Lust, mir ein bisschen von den anderen Choreografien zu zeigen? Priscilla meinte, ich sollte einen von euch fragen...." "Klar, es dürfte kein Problem sein, dir etwas beizubringen... ähm, wollen wir uns dann morgen so gegen halb drei im Tanzsaal treffen? Der ist frei glaub ich." "Klar! Ähm, nochwas, hast du schon was gegessen? Mein Magen knurrt ziemlich....!" Shane lachte wieder. "Ich hab schon gegessen, aber ich begleite dich gerne etwas, wenn du mir ein bisschen von dir erzählst...!"
Am nächsten Morgen stand Melanie ziemlich spät auf. Gestern war sie erst verdammt spät ins Bett gekommen, weil sie sich noch um Zehn mit Shane und seiner Freundin Gillian an der Bar getroffen hatte. Die beiden verstanden sich ziemlich gut und Melanie erhoffte sich, die ein oder andere Sache durch sein belangloses Geplänkel in Erfahrung zu bringen. Bis jetzt hatten sie zwar nur über die Band im Allgemeinen und die Tanzstunden geredet, aber wer weiss, was man später alles für die Aufklärung des Falles gebrauchen könnte. Jedenfalls war sie bestimmt erst um zwei Uhr im Bett gewesen und hatte für sich beschlossen, erstmal kräftig auszuschlafen. Jetzt war es bestimmt schon halb zwölf am Mittag, doch Mel hätte noch Stunden weiter schlafen können. "Ich sollte mal duschen gehen." zwang sie sich. Sie holte sich bequeme Trainingsklamotten heraus und stieg unter den angenehm warmen Wasserstrahl. Nachdem sie sich literweise erfrischendes Wasser ins Gesicht geschüttet hatte, war sie einigermaßen wach und trockenete sich langsam ab. Nach einer übertriebenen Beautystunde, die unter anderem eine belebende Gesichtmaske, Bodypeeling und Haarkuren beinhaltete, zog sie sich eine ihrer wenigen Leggings an, dazu ein enges Top und liess hinter sich die Tür zu fallen. Heute fand sie den Weg zum Trainingsraum auch ohne fremde Hilfe, doch vorher machte sie noch einen kleinen Abstecher zum Mittagessen. Sie sah Shane und Nicky an einem nicht weit von ihr entfernten Tisch sitzen und sie zu sich winken, doch sie hatte nicht vor sich lange hier im Speisesaal aufzuhalten. Sie schnappte sich nach einen kurzen Gruß in ihre Richtung nur ein paar Äpfel und verschwand wieder. Kurz darauf stand sie im Tanzsaal und zog ihre Balletschuhe an. Dann ging sie vor den Spiegel und wärmte sich auf. Sie hatte wirklich nichts gegen modernere Tanzarten, doch sie liebte das klassische Ballet über alles. Melanie machte ein paar leichte Übungen in der ersten und zweiten Position, bevor sie zum Cdplayer ging und eine ihrer Tschaikowsky Cds einlegte. Sie tanzte leidenschaftlich und merkte gar nicht wie Shane den Raum betrat. Sie übte vierte effacé, à droite, glissade, dann arabesque und erst als die Cd nach einer Stunde vorbei war, sah sie im Spiegel, dass Shane hinter ihr stand. Erschrocken drehte sie sich um. "Was machst du denn hier?" " Wir waren verabredet, schon vergessen?" fragte Shane belustigt über ihre plötzliche Schüchternheit. "Oh stimmt, shit, ist es schon so spät? Warte einen Augenblick hier, ich geh mir eben was anderes anziehen...." Sie verliess schnell den Raum, sprintete zu ihren Zimmer und zog sich schnell eine weite Baggyhose und ein neues Top an, da das andere total verschwitzt war. "Mist, mist, mist...!" fluchte sie aufgebracht. " Warum muss ich auch unbedingt im Tanzraum tanzen?" Aber im selben Moment wurde ihr bewusst, was für einen Schwachsinn sie dachte. "Wo hätte ich denn sonst tanzen sollen? Ausserdem, was macht das schon, dass Shane mich gesehen hat, ich weiss doch das ich gut bin...!" Sie hastete wieder zum Tanzsaal und versuchte sich im Rennen, einen Zopf zu machen. Dabei riss ihr allerdings das Haargummi. "Ah, verfluchter Mist, heute geht aber auch alles schief...!" sagte sie, strich ihre langen, roten Haare an Stelle des Zopfes glatt und zog die Tür auf. "Da bist du ja endlich!" rief Shane vom anderen Ende des Raumes. "Was machst du denn da hinten?" fragte Mel verwundert. "Ich such nach der CD, wo das richtige Lied drauf ist." "Kannst du mir die Tanzschritte nicht erstmal ohne Musik zeigen? Da kann ich mir das besser behalten..." warf Mel ein. "Okay, hast recht, es bringt ja auch nichts, wenn ich immer wieder die Cd auf Anfang stellen muss..." grinste er und sie stellten sich nebeneinander auf. "Also, das ist jetzt die Choreo zu World of our own, okay? Die Anfangsposition gehts so ungefähr..." sagte er und stellte sich anders hin. "Du stehst also in einer leichten Grätsche und hast die beiden Hände zu Fäusten geballt auf der Hüfte liegen, der Kopf ist nach unten gebeugt. Dann machst du so..." Und er versuchte ihr die ganzen Schrittfolgen möglichst genau zu erklären, was darin endete, dass Melanie in schallendes Gelächter ausbrach und Shane schmollte. "Ist schon gut Shane, ich lach nicht mehr. Wirklich." Shane schmollte weiter, sodass Mel zu ihm hinging und bittend in seine Augen sah. "Bitte nicht mehr böse sein... war doch nur Spaß!" flehte sie, schmunzelt über Shanes Gesichtsausdruck. "Na warte, du lachst doch sowieso wieder, wenn ich das nächste Mal einen Fehler mache!" Er stürzte sich auf sie, umklammerte ihren Bauch und stemmte sie hoch. "Ahhh, lass mich runter Shane, Hilfe, ich bin nicht schwindelfrei!" Er liess sie zwar wieder auf den Boden runter, aber seine Umklammerung löste er nicht. Als Mel anfing ihn zu kitzeln, stiess er unkontrollierte Lacher aus und die beiden ringten miteinander im Raum rum. Durch ihr Gelächter wurde Kian angelockt, der gerade aus dem Speisesaal kam und auf dem Weg in sein Zimmer war. "Was ist den da drin los?" fragte er sich missmutig. Seine Laune war auf dem Tiefpunkt angelangt, seitdem er heute Morgen um sieben aus dem Bett geklingelt worde war. Zwar war es ein erfreulicher Anruf von seinem kleinen Bruder Colm gewesen, aber trotzdem war er jetzt noch viel zu müde, um gut gelaunt zu sein.Ohne anzuklopfen öffnete er die Tür und sah zu seinem Erstaunen Melanie und Shane, die in einen kleine Kampf verwickelt zu sein schienen. Jedoch waren die beiden erstarrt, als er reinkam und sahen ihn nun fragend an. "Was ist denn mit euch los?" fraget er verwundert. "Äh, wir üben Tanzschritte...." erklärte Shane die Situation und liess Mel los. "Und du bist sicher, dass die richtig sind? Das sah grad irgendwie anders aus." grinste Kian. "Naja, wir hatten einen klitzekleinen Streit." "Könnte man so sagen" mischte sich nun auch Mel ein. Sie sah gut aus heute. Vielleicht noch ein bisschen besser als gestern. Sie trug ihre flammend roten Haare heute offen, sodass sie ihr locker auf den Rücken fielen. Ihr Top war heute weder orange, noch hatte es sonst eine leuchtende Farbe, es war einfach weiss, die Hose war schwarz und hatte ziemlich viele flatternde Streifen herunter hängen. Zwar trug sie immernoch diese quietschepinken Sneakers, doch wegen den weniger bunten Restklamotten, fiel das nicht weiter auf. Gestern hatte sie irgendwie etwas mysteriöses an sich gehabt, mit den streng zurückgebundenen Haaren und den dunkel geschminkten Augen. Heute trug sie kein oder kaum Make-up und wirkte viel fröhlicher, mit einem entspannten Lachen auf den Lippen. "Ich geh dann mal wieder..." Kian drehte sich um und wollte den Raum auf schnellstmöglichem Weg wieder verlassen, als ihm auffiel, dass Mel ihn die ganze Zeit dabei beobachtet hatte, wie er sie beobachtete. "Nein- Kian bleib noch ein bisschen, dann können wir ja auch gleich den Partnetteil üben... oder willst du damit noch warten Mel?" "Nein, ist schon okay ich komm noch mit!" grinste sie und ihre weißen Zähne blitzten hervor.
"Puh" Melanie wischte sich die Schweißperlen aus dem Gesicht. "War das anstrengend!" seufzte sie. Cecillia, die neben ihr lief, konnte nur nicken. Die beiden mussten einen ganzen Teil zusammen tanzen und waren so ins Gespräch gekommen. "Du, ich geh jetzt mal duschen, wartest du am Aufzug auf mich? Dann können wir zusammen essen gehen... vielleicht kommt Helen auch mit, okay?" "Ja, ist gut, ich geh auch erstmal duschen, ich bin total fertig..." Mel ging in ihr Zimmer und duschte sich ausgiebig den Schweiß ab. Heute war sie wirklich an ihre Grenzen gegangen: Erst die Stunde Ballett, dann mehr als zweieinhalb Stunden Einzeltraining mit Shane und Kian und dann nochmal zwei Stunden Gruppentraining bei Priscilla, was sowieso bedeutete, alles zu geben, was in einem steckte. Doch Mel hatte in Priscillas Gesicht gesehen, dass sie zufrieden mit ihr war, obwohl ihre Reserven schon fast aufgebraucht waren. Sie zog sich schnell frische Klamotten an, einen schönen dunkelgrün-weißen Blumenrock und ein lindgrünes Top und suchte rasch ein Paar Sandalen. Da sie aber auf die Schnelle keins fand, dass zu ihrem Outfit passte, entschied sie sich, einfach barfuß zu gehen. "Gut, dass ich mir gestern noch die Fussnägel lackiert hab!" grinste sie, band sich die nassen Haare streng zurück und ging Richtung Aufzug, wo sie schon Helen und Cecillia stehen sah. "Hey, leidest du unter Schuhmangel?" fragte Helen zweifelnd, aber sie grinste doch ein bisschen. "Yep, ich hab nicht besonders viele Sandalen, schon gar keine zu diesem Outfit und ich wollte nicht die pinken Sneakers dazu anziehen..." grinste Mel. "Dann lasst uns mal runter fahren!" sagte Cecillia mit ihrem italienischen Akzent, weil sowieso grad der Aufzug kam. Unten im Speisesaal war es ziemlich voll, denn alle waren hungrig, nach der anstrengenden Tanzstunde oder nach anderen Tätigkeiten, die sie heute verrichtet hatten. Helen, Cecillia und Mel suchten sich einen Tisch etwas abseits vom großen Getümmel und schnappten sich auf dem aufgebauten kalten Buffett ein paar Sachen, bevor sie sich dort niederliessen. "Kapiert ihr den Schritt zu Uptown girl nach der Drehung im Partnerteil?" fragte Cecillia "Mein Gott, musst du eigentlich immer über das Tanzen reden? Falls dus noch nicht gemerkt hast, wir haben FEIERABEND!" " Wer geht feiern?" unterbrach sie eine Stimme. "Ach, hi Nicky, keiner geht feiern, obwohl, mal schauen, hat irgendwer Lust heute Abend ein bisschen auf die Pauke zu hauen?" fragte Helen. "Ich bin dabei!" kam es von Mel "Ich auch!" rief Nicky, nur Cecillia zögerte. "Ich wollte eigentlich noch ein bisschen üben...." sagte sie leise. "CEC! Hier besteht nicht alles aus tanzen, tanzen, tanzen, OKAY?" "Ja, ist gut, ich komm mit." schmollte sie. "Gott, ich krieg zu viel-" sagte Helen, schnappte sich ihren Teller und verschwand. An ihrer Stelle setzte sich nun Nicky neben Melanie. "Und wo gehen wir hin?" "Hm, hier im Hotel is' nicht, wir dürfen hier nur bis zwölf Party machen.... also irgendwo ausserhalb.... vielleicht ins Propaganda?" "Gute Idee!" warf Melanie ein. "Da spielen die verdammt geile Mucke!!!" Nicky sah sie verwundert an. " Was denn zum Beispiel? Ich hab das nur genannt, weil ich noch nie da war...." "Kennst du glaub ich nicht..." "Hey, was soll das denn heissen?" "Jetzt reg dich nicht auf!" sagte Mel beschwichtigend. "Ein Kumpel von mir ist da DJ und er spielt hauptsächlich eigene Songs, deswegen..." "Achso, ich dachte schon. Okay, dann so um zehn hier in der Halle....Wie kommen wir denn da überhaupt hin?" sagte Nicky ratlos. "Laufen?" fragte Mel und verliess den Tisch.
Mel betrachete sich in dem großen Badezimmerspiegel und war mehr als zufrieden mit dem, was ihr entgegen blickte: Eine junge, selbstbewusste Frau, in einer weiten Caprihose und einem Netztop, das kein Stück von ihrem Bauch zeigte, die Haare streng weggesteckt, wie immer. Sie wusste, dass sie zwar mit den meisten Frauen in dem Club, denn sie ansteuern würden, nicht mithalten konnte, schon alleine wegen ihrer Mini-Oberweite und den pinken Turnschuhen die ihre Füße zierten. Aber es war ihr egal, sie fühlte sich in fingerbreiten Miniröcken und halsbrecherischen High-heels unwohl und damit basta. Entschlossen griff sie nach ihrer Tasche und ging Richtung Lobby. Die anderen waren tatsächlich schon fertig und sie hatte recht gehabt: Alle anwesenden Frauen ausser ihr hatten sich in High-heels gezwängt und taten, als wären es Gesundheitslatschen. Sie sah sich um und bemerkte, dass Cecillia wohl noch ein paar andere Leute eingeladen hatte. Naomi, Ella, Fiona, Kian und Mark, sowie einige von den Bandmitgliedern hatten sich noch angeschlosssen. "Wo sind Bry und Sha?" fragte Nicky. "Die wollten lieber bei Kerry und Gil bleiben...." Mark verdrehte die Augen. "Die sollten sich mal ein Bespiel an dir nehmen, Nick" grinste Kian. "Hast ne schwangere Freundin oben im Hotelzimmer sitzen und gehst Party machen, das nenn ich anständig." lachte er. "Jetzt lach noch, ich hab sowieso schon ein schlechtes Gewissen" Nicky versuchte, ernst zu bleiben, aber er musste doch grinsen. "Ach, guck mal einer an, wer da kommt... unsere liebe Mel. Auch mal endlich fertig? Soviel hast du doch gar nicht gemacht!" "Sonst noch was? Ich lass mir von dir nicht den Abend verderben!" giftete Mel zurück. "Hey, hey, jetzt kriegt euch mal wieder ein, okay? Wir machen uns einen gemütlichen Abend mit viel Alkohol und danach seit ihr beste Freunde." versuchte Kian zu schlichten. "Das glaub ich kaum." sagte Nicky und musterte Mel von oben bis unten. Er musste zugeben, dass es ihm gefiel, wie sie auftrat. So selbstbewusst konnte nicht jeder sein, wenn er im Gegensatz zu allen anderen keinen Minirock und dafür leuchtend pinke Turnschuhe trug. "Lasst und mal losgehen, damit die beiden Hitzköpfe hier ich abregen können...." "Wie? Sollen wir jetzt wirklich laufen? Das sind mehr als 3 Kilometer bis zum Club!" rief Ella ungläubig und starrte entsetzt auf ihre Füße. "Was meinst du, warum ich Turnschuhe trage?" fragte Mel und lächelte zuckersüß in ihre Richtung.
Die Musik war laut und die Bässe wummerten. Die Luft im Club war stickig, voller Rauch und Alkohol, aber auch der Schweiß der tanzenden Körper tat sein Übriges. Melanie tanzte auf der Tanzfläche mit einem blutjungen Südländer, der sich nichts aus Miniröcken zu machen schien. Melanie flirtete die ganze Zeit heftigst mit ihm und bemerkte nicht die eifersüchtigen Blicke, die ihr vom Tisch aus, an dem die anderen saßen, zugeworfen wurden. Zum einen von Naomi, weil sie keine Tanzpartner gefunden hatte und nicht verstand, was der süße Typ an Mel fand. Zum anderen aber von Kian, der es kaum ertragen konnte, dass seine Tänzerin nun nicht mit ihm, sondern mit einem vielleicht gerade 18-jährigen Italiener tanzte. Besonders weil das, was die beiden da taten, schon lange kein richtiges Tanzen mehr war. Er stierte nur in ihre Richtung und Mark, der neben ihm saß, folgte seinem Blick. "Hey, jetzt komm mal wieder runter Ki! Sie kann tanzen mit wem sie will, sie ist nicht an dich gebunden, wenn sie 'privat' unterwegs ist, klar?" "Das, das ist doch kein tanzen mehr!" platze Kian heraus. "Na warte." Er stand auf und ging zielstrebig auf Mel zu. "Kian, lass den Scheiss!" brüllte Mark so laut er konnte, doch in der lauten Discomusik ging es unter wie ein leises Flüstern. "Shit, Kian bau keinen Mist, noch ne neue Tänzerin kannst du dir nicht leisten!" dachte Mark sich und setzte sich wieder hin. Kian hatte derweilen Melanies Tanzpartner mehr als höflich aufgefordert, das Feld zu räumen und tanzte nun selbst mit ihr. "Kian, was soll das werden? Spielst du jetzt meinen Aufpasser, weil der Typ ein bisschen gefummelt hat, oder was? Ich kann gut auf mich allein aufpassen..." In dem Moment fing ein langsames Lied an. "Oh nein, Jo, ich kill dich...!" Sie blickte in Richtung DJ-Pult und ein Mann mit blauen Stacheln auf dem Kopf winkte ihr lachend zu. Sie versuchte wild, ihm klarzumachen, dass Schmusemusik jetzt das Letzte war, was sie brauchen konnte. Doch anscheinend verstand der Typ das genau andersherum, denn er legte gleich noch eine langsame Platte auf und griff nach dem Mikro. "Das Lied ist extra für meine beste Freundin und ihre nette Begleitung heute Abend!" rief er laut hinein und alle begannen zu grölen. Mel versank fast im Boden und machte sich in Kians Armen ganz klein. Dieser grinste. "Warum versteckst du dich? Du hast doch so nette Begleitung...." sagte er lachend. Melanie hätte ihn erwürgen können und ihr erster Gedanke war, sofort die Tanzfläche zu verlassen. Aber sie wollte Jo, dem DJ , nicht das Gefühl geben, er hätte etwas falsch gemacht. Schliesslich war es ja gut gemeint gewesen. "Kian, manchmal wiederst du mich regelrecht an." sagte sie deshalb nur und tanzte gefühllos weiter. "Und was ist, wenn grad nicht manchmal ist?" fragte Kian und man hörte unheimliches Interesse in seiner Stimme mitschwingen. "Dann könnte ich dich beinahe nett finden." warf Mel ihm an den Kopf und war froh, dass das Lied zu ende war. Es war viel zu schön gewesen, Kian in den Armen zu halten und den Kopf auf seine Brust zu legen.....
Am nächsten Morgen hatten fast alle einen ziemlichen Kater. Beim Frühstück war kaum ein Gespräch zu hören und im ganzen Hotel war es erstaunlich ruhig. Kian erinnerte sich nur noch wage daran, wie er sich gestern aufgespielt hatte, aber es tat ihm leid. Schon den ganzen Morgen, immerhin war er schon knappe anderthalb Stunden wach, suchte er nach Mel, um sich zu entschuldigen. Aber er konnte sie nirgendwo finden. "Hast du Melanie gesehen?" fraget er jeden, der ihm über den Weg lief, doch keiner konnte ihm helfen. "Warum suchst du die denn? Die ist eben in die Folterkammer gegangen!!" sagte Nicky und ging Hand in Hand mit seiner Gina zum Frühstücksbuffett. Verwundert fuhr Kian mit dem Aufzug in die oberste Etage zum Fitnessstudio. Er und die Jungs hatten es mal 'Folterkammer' getauft, als Anto sie regelmäßig dazu gezwungen hatte, es auch zu nutzen. Er verliess den Aufzug und hörte Melanie reden. "Melanie?" rief er laut, doch er bekam keine Anwort. Sie lief nur weinge Meter von ihm entfernt auf dem Laufband, warum hörte sie ihn nicht und vorallen, mit wem redete sie? "Mensch Sean, das weiss ich doch selber, ich hab dir doch gesagt... ja, das mein ich doch! Ach Gott, du bist so schwer von Begriff manchmal! Ja genau, Nicky... hm... " Kian trat vor sie und sie erschrak fürchterlich, als sie ihn sah. Entsetzt drückte sie ihr Geapräch auf dem Handy weg. "Was machst du denn hier oben?" fragte sie ihn, drückte auf den Knopf und stoppte das Laufband damit. "Ich wollte eigentlich... nur ein bisschen trainieren!" Er hob den Arm mit dem Handtuch, dass er zur Tarnung mit genommen hatte und biss sich auf die Lippe. Im Entschuldigen war er noch nie gut gewesen, besonders bei Leuten, die er mochte. Mel griff nach ihrer Wasserflasche, nahm einen großen Schluck und musterte ihn. "Kian, das kauf ich dir nicht ab. Du hast mir vor zwei Tagen noch erzählt, dass ihr nie hier oben trainiert, sondern lieber Matratzensport betreibt!" lächelte Mel siegessicher. "Tja, dann hab ich meine Meinung eben jetzt geändert!" sagte Kian und stieg auf das Laufband neben ihr. Er drückte es an und begann, entspannt zu laufen. Sein Kopf zeigte starr in Richtung Wand und so traute Melanie sich, ihn ein bisschen beim Laufen zu beoabachten. An seinen Armen sah man einige Muskeln hervortreten und sein Hintern war in einer ausserst scharfen, engen Hose verpackt. "Ist irgendwas?" hörte Mel Kian fragen. "Nein, alles okay." sagte sie und schaltete ihr Laufband ebenfalls ein. Nach einer halben Stunde Laufen, die ohne jegliche Konversation vergangen war, stoppte Kian sein Laufband wieder. "Was ist- schon schlapp?" "Nein, eigentlich wollte ich nur das Gerät wechseln. Ich halte mehr von abwechslungsreichem Sport!" sagte Kian ruhig und drehte ihr den Rücken zu, um zu den Hanteln rüber zugehen. Melanie sah ihm argwöhnisch nach, lief aber weiter. Kian nahm sich erst zwei kleine Hanteln, setzte sich auf die Bank und legte los. Mit der Zeit wechselte er immer wieder zu größeren und Mel sah ihn die Zähne zusammen beissen. "Du darfst nicht direkt am Anfang so schwere nehmen." sagte sie und ging zu ihm rüber. Sie stellte sich hinter ihn und drückte ihr Bein gegen seinen Rücken. "Du verdirbst dir noch den Rücken, wenn du so krumm sitzt" sagte sie sanft. "Na und, was interessiert dich das, ist das dein Rücken?" "Nein, aber ich muss mit dir tanzen, falls du es vergessen haben solltest!" Ihre Stimme war ganz ruhig, was Kian sehr verwunderte. Er hatte erwartet, dass sie von seiner Anwesenheit genervt wäre, nachdem sie so abrubt ihr Telefonat abgebrochen hatte. "Kian warum bist du wirklich hier?" Er lies seufzend die Hanteln runter und Mel setzte sich neben ihn auf die Bank. Seine Augen suchten ihren Blickkontakt, gingen aber nach drei Sekunden schon wieder zum Boden. "Das hab ich dir doch schon gesagt! Ich will trainieren!" "Und warum siehst du mir dann jetzt nicht in die Augen, Kian?" Er gab ihr keine Antwort und Melanie stand enttäuscht auf. "Wir sollten gehen. Die Tanzstunde fängt in drei Minuten an." sagte sie und verliess den Raum so schnell es ging durch den Treppenabgang.
"Und links und rechts und DREHUNG, rechts herum Bryan, wie oft den noch, 1, 2, 3, 4, die Tänzerinnen alleine, mehr Spannung Ladies, Ella Kopf hoch, nicht auf die Füße schauen! Gehen, gehen, SPRUNG, Naomi Rücken gerade, 3, 4, 5 und alle zusammen, der Walzerschritt, und bitte den sterbenden Schwan Ladies, und laufen, laufen, 5, 6, 7, 8, Walzerschritt nochmal bitte, und - Schluss!" Beim letzten Ton der Musik fielen alle Tänzerinnen wie Tod auf den Boden und klammerten ihre Hände an die Beine der Jungs und diese sahen zur Decke und streckten ihre Hände empor. "Priscilla, wenn ich was sagen darf" meldete sich Fiona. "Der Schluss ist bescheuert, die Tänzerrinnen sind okay, aber lass dir für die Boys was anderes einfallen! Sie sind doch keine Priester oder sowas...." Prsicilla sah sich die Szene eingehend an. "Bitte beeilt euch, dass ist ein bisschen anstrengend!" meckerte Kian. "Und angenehm riechen tuts hier unten auch nicht!" stimmte Ella ein, Bryans Tänzerin. Da brachen alle lachend zusammen und auch Priscilla, die eigentlich sauer war, weil sie nun nicht mehr über das Ende nachdenkend konnte, musste schmunzeln. Nach ein paar Minuten hatten sich alle beruhigt und dachten ebenfalls über einen besseren Schluss nach. "Vielleicht können sie sah auch zu Boden fallen...." dachte Helen laut nach. "Nein, das geht nicht, dann können sie nicht schnell genug die Bühne zum Kostümwechsel verlassen!" schüttelte Priscilla den Kopf. "Und wenn sie einfach starr stehen bleiben? Etwa so wie beim Anfang zu World of our own vielleicht...." meinte Melanie. "Mensch, das ist es, stellt euch mal wieder hin, die Mädels bitte auf den Boden fallen lassen und ihr stellt euch mal so hin wie bei World of our own am Anfang, wie Melanie gesagt hat. Genau, Kopf runter, Fäuste an die Hüfte.... das sieht gut aus, hoffentlich fällt der Klau keinem auf...." lachte Priscilla. "Fi, bringst du mir mal eben schnell meinen Notizblock? Hm, am besten sähe es aus, wenn ihr dabei eure Tänzeri anschaut... macht das mal!" Melanie stöhnte. Sie hatte für heute schon genug von Kian, jetzt musste er sie auch noch die ganze Zeit anstarren. Sie öffnete die Augen und blickte direkt in Kians eisblaue Augen. Ein Lächeln umspielte sein Gesicht." "Grins nicht so blöd" zischte sie leise und sah wieder weg. "Hey, wir sollen uns doch ansehen!" flüsterte Kian belustigt. "Nein, du sollst mich anschauen, kapiert?" stöhnte Melanie genervt.
Am Abend saß Melanie in ihrem Zimmer und schrieb sich einige Sachen auf, die für die Ermittlung hilfreich sein könnten. Ihr war aufgefallen, dass Mark ständig nervös zu sein schein, nur woran das lag, konnte sie noch nicht sagen. Mit Mark hatte sie noch nicht viel zu tun gehabt und so konnte sie nur mutmassen. Nicky hingegen schien manchmal sehr misstrauisch, ihr gegenüber und auch gegenüber anderen Dingen, die ihm nicht vertraut waren.Vielleicht honnte man das als Beschützerinstinkt wegen Georgina und dem Baby deuten,aber vielleicht steckte auch etwas anderes dahinter. Die anderen verhielten sich grösstenteils normal, soweit sie das beurteilen konnte, schliesslich kannte sie alle erst seit zwei Tagen. Bryan machte seine Witzchen, turtelte überall und nirgends mit seiner Kerry rum, spielte mit den Kids und bemühte sich, ihr das Eingewöhnen nicht allzu schwer zu machen. Eben der gute alte Bryan, wie ihn jeder immer beschrieben hatte. Shane war nicht so einfach zu durchschauen, aber auch er verhielt sich nett und freundlich. Kian, ja, das war der schwierigste Fall von allen. Manchmal schien er aufrichtig besorgt um sie, dann behandelte er sie wieder wie den letzten Dreck, ein anderes mal spielte er sich auf, als wäre sie sein Eigentum und manchmal kam es ihr vor, als würde er sie sogar mögen. Aus ihm wurde sie einfach nicht schlau. Aber vielleicht war es einfach noch zu früh, um alle schon wirklich einschätzen zu können....
Um halb sieben stand Melanie auf um wieder hoch in den Fitnessraum zu gehen. Sie trieb gerne Sport, vorallem zwar tanzen, aber sie boxte und lief auch gerne. Sie zog sich eine ihrer geliebten Baggy-hosen an und ein Top, nahm noch eine Jacke und ein Handtuch mit und verliess ihr Zimmer. Sie nahm den Aufzug hoch und legte ihre Sachen in eine Ecke. Erst machte sie ein paar Aufwärmübungen und dann ging sie zu dem Sandsack, mit dem sie gestern schon geliebäugelt, sich dann aber doch für das Laufband entschieden hatte. Sie dachte an ihren Stress wegen der Choreografien, als sie auf den Sandsack einboxte, an Kian, der sie so unmöglich behandelte, aber auch an ihre kleine Tochter, die sie so sehr vermisste, dass sie beschloss, nachher mal bei ihr anzurufen. Nach zwanzig Minuten liess sie sich erschöpft auf den Boden fallen und nahm die Hände über den Kopf, sodass ihr T- Shirt ziemlich weit hochrutschte. "Wenn mich jemand so sehen könnte-" dachte Mel grinsend." Ich lieg hier halb nackt, dass sind die doch von mir gar nicht gewöhnt!" Sie strich sich über ihren Bauch und blieb an ihrer großen Narbe hängen. Sie war das Überbleibsel der Geburt von Madeleine, die per Kaiserschnitt zur Welt kam. Sie mochte diese Narben nicht und ausserdem wollte sie nicht jedem hier auf die Nase binden, dass sie eine Tochter hatte, die schon fast fünf war, das war auch der Grund warum sie nie bauchfreie Tops trug. Madeleine war zur Welt gekommen, als Melanie erst 17 war und der Vater hatte sich einen scheiss Dreck darum gekümmert, wie es ihr und der Kleinen ging. Für ihn war sie nichts weiter als eine Schlampe, die ihm das Kind nur anhängen wollte, weil er sie verlassen hatte. Sie lag bestimmt zehn Minuten mit geschlossenen Augen da und wünschte alles wäre anders gekommen, bis sich ihre Atmung und ihr Pulsschlag wieder normalisiert hatte. Sie atmete noch einmal tief ein und stand dann langsam auf, damit ihr nicht schwindelig wurde. Erst als sie oben war, öffnete sie ihre Augen und sah Kian vor sich stehen. Vor Schreck ging Mel einen Schritt zurück und rutschte auf ihrem Handtuch aus, sodass sie unsanft zu Boden fiel und Kian anfing zu lachen. "Haha, sehr witzig Kian. Musst du mich so erschrecken?" "Entschuldigung, komm ich helf dir!" Er griff ihren Arm und zog sie vorsichtig hoch. "Hast du dir weh getan?"" Nein, geht schon." Sie setzten sich wieder auf die Hantelbank. "Du boxt?" "Ja, schon länger. Ist ne gute Sache, um sich mal abzureagieren..." "Hast du Stress oder was musst du abreagieren? Hat es was mit der Narbe an deinem Bauch zu tun?" Entsetzt sah Melanie ihn an. "Wie lange bist du schon hier?" fragte sie. "Seit knapp 5 Minuten." "Und wieso hast du mich beobachtet?" fragte sie aufgebracht. "Du hast meine Frage noch nicht beantwortet!" wich Kian aus. "Weich mir nicht aus!" fauchte Mel. "Du hast kein Recht mich zu beoachten!" "Wer weicht den hier aus? Ich hab meine Frage zuerst gestellt!" gab Kian zurück. Mel gab sich geschlagen. "Ja und nein." "Wie jetzt?" "Ja, es hat was mit der Narbe zu tun und nein, es hat nichts damit zu tun, ist das so schwer zu verstehen?!" "Nein, aber ich würde es gerne ein bisschen genauer wissen!" "Neugierig bist du gar nicht, was?" Mel musste grinsen, obwohl ihr seine Fragen unangenehm waren. "Nein, aber du auch nicht!" "Wie meinst du das?" "Na gestern, als ich hochkam, da wolltest du wissen, warum ich hier bin!" "Achso, stimmt. Deal: Du sagst mir, warum du hier warst, bzw. bist und ich sag dir, warum es nichts mit der Narbe zu tun hat!" "Stopp, was ist wenn ich lieber wissen will, warum es was mit der Narbe zu tun hat?" "Dann hast du Pech gehabt!" sagte sie unbeeindruckt und ging zum Laufband. "Sei doch nicht immer so schnell beleidigt, das ist normalerweise meine Aufgabe!" sagte Kian und trat wieder auf das Band neben sie. "Mensch, lass mich doch mal in Ruhe!" "Hier kann jeder trainieren, der es will!" "Gut, und du hast es geschafft, dass ich nicht mehr will!" Sie packte sich ihren Kram und verliess aufgebracht den Raum. Sie stampfte wütend in ihr Zimmer und ging direkt in die Dusche. Sie war unheimlich sauer auf Kian und klatschte sich das Shampoo nur so auf die Haare. Was mischte er sich in ihre Angelegenheiten ein? Er hatte ihr doch mal erzählt, dass er diese Susanna wegen ihrer Schnüffelei und ihrer Indiskretion rausgeschmissen hat. "Wenn ich ihn doch bloß feuern könnte!" seufzte Melanie und drehte das Wasser ab. Sie zog sich ihren Bademantel über und wickelte ihre Haare in ein Handtuch. Dann sie pflanzte sich gemütlich in einen der Sessel und schnappte sich das Telefon. Es war zwar noch eins mit Schnur, aber sie war lang genug, dass sie bis zum Sessel reichte. Sie wählte die Telefonnummer ihrer Freundin, bei der Maddie während der Ermittlung blieb. Melanie hatte nicht mal eine Sekunde lang darüber nachgedacht, Madeleine zu ihrer Mutter zu geben. Ihre Mutter hatte ihr schon vor Maddies Geburt klar gemacht, dass sie nichts mit ihr zu tun haben wollte. Melanie stammte aus einer wohlhabenden Familie und die konnte es gar nicht gebrauchen, dass ihre Tochter ein Kind von einem asozialen Typen bekam, der sie noch dazu sitzen gelassen hatte. "Nicola Edwards hier?" "Hi Nic, wie gehts?" "Nora, hey, mir gehts gut und dir?" "Ganz gut, hör mal, gibts du mir Maddie mal? Ich vermisse sie so doll!" "Klar, warte einen Augenblick, okay?" Melanie hörte wie sie die Hand vor den Hörer hielt und nach Maddie rief. Kurz darauf ertönte leises Getrappel auf ihrem Parkettboden. "Was ist denn?" hörte sie Maddies Stimme. "Deine Mummy will dich sprechen Maddie!" "Mummy?" quiekte Maddie in den Hörer. "Hallo mein Schatz! Wie geht es dir? Bist du auch schön brav und machst Tante Nicola keine Schwierigkeiten?" "Ich bin ganz lieb, so wie du gesagt hast Mummy! Wann kommst du wieder?" fragte die Kleine. "Oh Süße, dass dauert noch! Mummy hat ganz viel mit ihrem Job zu tun! Aber wenn ich wiederkomme, das feiern wir ganz groß, okay?" "Ich will aber, dass du jetzt wiederkommst!" sagte Maddie und eine Träne kullerte über ihre Wange. "Maddielein, wein doch nicht, die Nico ist doch bei dir, die hast du doch lieb und Mummy bringt dir auch was ganz schönes mit, ja? Ein großes Kuscheltier aus jedem Land, in dem ich war, wenn wir mit der Show herumreisen, fest versprochen!" "Und wenn ich lieber einen Nagellack haben will? Ganz bunten?" Melanie verdrehte die Augen. "Maddie, gibst du mir mal eben kurz Nico? Gleich kannst du wieder mit mir reden." "Okay. Nico? Mummy will dich sprechen!" "Ja?" hörte sie Nicola am anderen Ende scheinheilig fragen und sie merkte, dass sie ganz genau wusste, was jetzt kam. "Nico, was hab ich dir gesagt?" "Ich weiss, ich soll der Kleinen nicht die Nägel lackieren.... aber es sieht doch so süß aus!!!" "Nicola!" "Bitte sein nicht sauer, ich machs heute Abend wieder ab, wirklich und ich verstecke alle Fläschen gut und beschäftige sie ab jetzt anders... mit Bauklötzen, Sandkasten, Schaukel und anderen Dingen die ich nicht besitze, weil ich kein Kind hab!" Melanie grinste und auch Nicola bemerkte dies. "Hey, du lachst ja wieder!" Melanie zog sich das Handtuch vom Kopf und ordnete ihre fast trockenen Haare ein bisschen, bevor sie antwortete."Mensch Nico, ich mein das ganz ernst, ich wil nicht, dass du Maddie das jetzt schon angewöhnst! Ich mein, in 6 Jahren werd ich das eh nicht mehr verhindern können, aber solang sie noch so klein ist, muss das doch wirklich nicht sein! Sie interessiert sich doch eh nicht dafür, wie sie aussieht, sondern nur für die bunten Farben, von denen du ja wirklich mehr als genug hast!" "Was kann ich den dafür, dass ich Kosmetikerin bin? Ich hab halt einen Tick für so was..." schmollte sie. "Hey komm, jetzt spiel hier nicht die beleidigte Leberwurst, gib mir Maddie lieber noch mal!" "Warum darf ich denn keinen Nagellack? Das ist doch so schön bunt!"fragte Maddie, sofort als sie den Hörer wieder in der Hand hatte. "Maddie, dass ist nicht gut für dich, verstehst du? Wenn du groß bist, kannst du jederzeit zu Nico gehen und dir schöne bunte Farben aussuchen!" "Wann bin ich denn groß? Wenn du wiederkommst? Dann kannst du mir doch welche mitbringen!" "Maddie, das dauert noch viiiiiiel länger!" lachte Melanie. "Ooooh. Dann bring doch die Kuscheltiere mit!" "Ist gut, mein Schatz, sei bitte brav ja? Mummy muss jetzt los zum Tanztraining!" "Ist das anstrengend?" "Ja, das ist ganz anstrengend, desewegen kann die Mummy auch nicht so oft anrufen, verstehst du das Maddie? Mummy ist dann ganz müde und muss schlafen, deswegen kann sie auch erst in ein paar Tagen wieder anrufen!" "So anstrengend? Okay, ich bin ganz lieb und mach Tante Nico keine Probleme!" "Und keinen Nagellack, hörst du Maddie? Sonst wird Mummy ganz doll böse, hast du das verstanden?" "Jaa ...." "Wirklich?" "JA!" "Okay, dann glaub ich dir jetzt mal. Mummy muss jetzt Schluss machen, ich hab dich lieb mein Schatz, vergiss das nicht ja? Ich komm bald wieder!" "Hab dich auch lieb Mummy! Willst du noch mal Nico haben?" "Aber nur ganz kurz, ich muss jetzt sofort los! Machs gut mein kleiner Liebling!" "Tschüss!" "Beeil dich Maddie!" "Hi No, musst..." fing Nicola an, doch Melanie hörte ihr nicht zu, weil sie ein Geräusch in der Tür gehört hatte. "Mel? Kommst du....?" Es war Kian. Hatte er das Gespräch mitgehört? "Wie lange bist du schon hier?" sagte sie und drückte Nicola einfach weg. "Fängst du schon wieder damit an?" "Ja! Und ich werde auch immer wieder tun, wenn du mich belauscht oder beobachtest!" "Jetzt komm mal runter! Als wenn ich etwas damit anfangen kann, dass du mit einem Kind namens Maddie telefoniert hast! Ausserdem warum sollte mich das überhaupt kümmern? Anscheinend legst du ja gar keinen Wert darauf, dass... moment mal, hast du nicht was von Mummy gesagt?" Melanie drehte sich um und sah aus dem Fenster. "Also... dass... entweder... oder...." "Mensch, komm zum Punkt und stottert hier nicht so rum!" sagte Melanie genervt und sah ihm wieder in seine Augen. "Die Narbe... ist Maddie.... bist du.... " "Maddie ist meine Tochter." Kian schluckte. "Hast du ein Problem damit? Du hattest die Situation eben schon äußerst gut erfasst! Ich lege keinen Wert auf deine Anwesenheit!" Ungefragt setzte Kian sich auf die Tischkante. "Wie alt ist sie?" ""Vier Jahre und 10 Monate, falls du es genau wissen willst." "Aber dann war das doch ganz schön früh oder?" "Ich war 17, was dagegen?" sagte Melanie immer noch wütend. "Nein, ich hätte nur nie gedacht, dass du schon Mutter bist....!" gab Kian zurück und sah sie immer noch ungläubig an. "Erzählst du mir von ihr?" "Warum sollte ich?" "Weil du sonst keinen hast, mit dem du über sie reden kannst, nehm ich an?" Mel sah ihn an und wusste, dass er recht hatte. Irgend jemandem musste sie irgendwann von ihrer Kleinen erzählen, sonst würde sie platzen, aber andererseits gewährte sie Kian damit einen tiefen Blick in die Seele von Norah Ferrell, einer Frau, die im Moment nicht existieren durfte. Doch sie liess sich ebenfalls auf dem Tisch nieder und begann zu erzählen, allerdings nur von Maddie und nicht von der ganzen Vorgeschichte mit dem Vater und ihrer Mutter. "Ich erfuhr von Maddie, da war ich gerade 17 geworden. Natürlich war das nicht gerade der schönste Tag meines Lebens, aber ich hab mich halt für sie entschieden und es hat sich herausgestellt, dass das die beste Entscheidung war, die ich je getroffen hab..." "Das glaub ich dir gerne, Kinder sind etwas großartiges." sagte Kian. Melanie sah ihn erstaunt an. "Sag bloß, du hast auch eins!" "Nein, aber Bryan hat ja seine zwei Mädels und Georgina ist auch schwanger... ich wär glaub ich noch nicht bereit für eigene Kinder, ausserdem bräuchte ich dazu erstmal eine Freundin!" lachte Kian. "Ja, ja das stimmt." "Was ist mit dem Vater?" Melanie schwieg beharrlich und Kian verstand, dass sie nicht darüber reden wollte. "Hast du ein Foto von Maddie? Wie heisst sie eigentlich richtig?" "Madeleine, warte ich hab eins dabei." Sie suchte in ihrer Kladde nach dem Bild und reichte es Kian. Das Bild zeigte Maddie vor ein paar Wochen auf dem Spielplatz zuhause in Chelsea. Sie saß auf einer Schaukel und ihre hellbraunen Haare, die zu zwei Zöpfchen geflochten worden waren, flogen wild umher. Ihre Wangen glüten vom Schaukeln und sie lachte mit ihrem Kinderlachen in die Kamera. "Sie ist wirklich niedlich!" sagte Kian und Melanie lächelte. "Ja. Das ist sie." "Wo ist sie denn jetzt?" "Bei einer guten Freundin von mir, da weiss ich, dass sie gut aufgehoben ist. Warum bist du eben eigentlich gekommen?" fragte Melanie und überlegte. "Oh Mist, verdammter, wir müssten schon seit einer Viertelstunde beim Training sein!" "Oh nein, das hab ich total vergessen! Ich bin noch nicht mal umgezogen!" Melanie rannte zum Schrank und riss eine Hose und ein Oberteil raus. "Drehst du dich bitte mal um?" forderte sie Kian auf und zog sich die Sachen schnell an. "Lass uns schnell gehen, vielleicht können wir uns damit rausreden, dass wir uns verlaufen haben!" scherzte Melanie, band sich die Haare zurück und liess die Tür ins Schloss fallen. "Aber Kian? Bitte erzähl niemandem von Maddie, okay?" Kian sah sie verwundert an, doch schliesslich nickte er.
Als Melanie am nächsten Morgen um halb sieben hoch ins Fitnessstudio ging, sah sie schon als sie aus dem Aufzug stieg Kian auf dem Laufband laufen. "Hey Ki, was machst du denn schon wieder hier oben? Hast du noch nicht genug?" fragte Melanie verärgert, weil sie eigentlich mit Sean telefonieren wollte. Kian stoppte das Laufband. "Dassselbe könnte ich dich fragen!" antwortete er gelassen und wischte sich den Schweiß weg. "Tust du aber nicht, wie ich dich kenne." " Ach, seit wann kennst du mich? Ich glaube ich bin hier derjenige, der dich kennt!" lächelte Kian. Melanie hätte ihn erwürgen können. "Du meinst, nur weil du über meine Tochter bescheid weisst, kennst du mich? Dass ich nicht lache!" "Zumindest hab ich was in der Hand und du nicht!" "Kian, wenn du es dich wagst, jemandem von Maddie zu erzählen....dann garantiere ich für nichts!" drohte Melanie und sie meinte jedes Wort so wie sie es sagte. Kian fing an zu lachen. "Komm, hören wir auf zu streiten, es ist noch zu früh und der Tag soll schön werden... also muss man sich ihn ja nicht schon direkt verderben, oder?" Damit lief er weiter. Melanie hingegen lief wieder rüber zum Sandsack. Immernoch wütend über Kian wickelte sie sich den Verband um die Finger. Richtige Boxhandschuhe brauchte sie für diesen Sack nicht. Die benötigte man nur für Menschen und so wütend war sie nun auch wieder nicht. Frustriert wie ihr so ein verhängnisvoller Fehler unterlaufen konnte, boxte sie heftigst auf den Sandsack ein und bemerkte nicht, wie Kian hinter sie trat. Erst als er ihre Hüfte berührte, erschrak sie und boxte ihm reflexartig in den Bauch. "Uuupsi" sagte sie, als sie sah, wie er sich vor Schmerzen krümmte. "Willst du mich umbringen?" keuchte er. "Warum erschreckst du mich auch immer so? Ich habs dir gesagt, leg dich nicht mit mir an!" "Was hast du denn sonst noch so drauf? Ich meine.... falls du grad mal keine Boxhandschuhe bei hast?" fragte er und hielt sich immer noch den Bauch. "Ich kann Karate.... ziemlich gut sogar. Ausserdem bin ich sehr ausdauernd, dass heisst, bevor mich jemand kriegt, bin ich schon über alle Berge, weil mein Gegner mit Sicherheit zwischendurch schlapp macht. Und ich bin eine Frau..." Sie kniete sich runter zu Kian und sah ihm tief in die blauen Augen. "..falls du verstehst, was ich meine!" lächelte sie abfällig und liess den verwirrten Kian auf dem Boden zurück.
Kian ging kurz nach Melanies Abgang runter zum Frühstück. "Hey Kian, altes Haus, wo warst du? Ich muss mal mit dir reden!" sagte Bryan. "Was ist denn?" "Hör mal Kumpel, tust du mir einen Gefallen? Kerry und ich wollen heute Abend essen gehen, du weisst doch, dass wir heute Jahrestag haben, aber wir finden einfach keinen Babysitter!" "Und das soll ich jetzt übernehmen, oder was?" fragte Kian missgelaunt. "Genau!" antwortete Bryan enthusuastisch. "Bitte Ki, sonst müssen wir zu hause bleiben, weil Molly und Lilly keine Betreuung haben, obwohl du Zeit hättest!" "Woher weisst du, dass ich Zeit hab?" "Mark hat es mir erzählt. Er meinte, du wüsstest eh noch nicht, was du heute Abend machen sollst!" Kian blickte hinter Bryan, wo Mark mit Shane und Gillian an einem der Tische saß und ihn unschuldig wie ein Lämmchen ansah. "Na warte, dass kriegst du zurück" dachte Kian sich und sagte Bryan zu, der sich wie ein Schneekönig freute.
"Kian, würdest du dich bitte auf den Tanz konzentrieren?" fauchte Melanie. "Du bist mir schon zum vierten Mal auf den Fuss getreten!" "Du wirst dran sterben!" fauchte er etwas lauter als beabsichtigt zurück und fing sich deswegen einen bösen Blick von Priscilla ein. "Ist ja schon gut." murmelte er und Melanie grinste zufrieden. Wie gut, dass Priscilla auf ihrer Seite stand. Kian war gereizt, jedoch nicht wegen der Sache heute Morgen oder wegen Marks unverschämten Verhalten, er war genervt von sich selbst, weil er dieser Frau unterlegen war. Sie war nicht nur wunderschön, sie war klug, begabt in vielerlei Hinsicht und ihr Duft gehörte verboten. Sie roch so unwarscheinlich gut nach einer Mischung aus Schweiss und ihrem Parfüm, dass Kian sich unmöglich auf die Tanzschritte konzentrieren konnte. "So Leute, Schluss für heute. Ach Kian...." sagte Priscilla. "Vielleicht solltest du dir mal ein paar extra Tanzstunden von deiner Tänzerin geben lassen, die kann das Ganze nämlich schon besser als du!" grinste sie und ging zu Fiona rüber. Melanie, die die ganze Zeit neben ihm gestanden hatte, sah ihn an. "Wie wärs mit heute nachmittag?" bot sie laut lachend an. "Nein, Danke." sagte Kian betont langsam und verliess den Raum. "Mel?" Melanie drehte sich um und sah, wie Helen auf sie zu kam. "Hast du heute Abend schon was vor? Ich wollte noch weggehen..." "Nee du, tut mir leid, Kerry hat mich dazu verdonnert auf Molly und Lilly aufzupassen, sonst können die beiden ihren Jahrestag nicht feiern..."
Am Abend um acht Uhr machte Melanie sich auf zu Bryans und Kerrys Zimmer. Sie hatte keine Lust gehabt, sich noch irgendwie groß herzurichten, also trug sie nur eine ziemlich schlabberige Hose, ein weites Kuschelhemd und ein paar Latschen. "Die Kids wird das schon nicht stören..." dachte sie sich, schnappte sich noch ein Buch und ging zu Zimmer Nr. 424 und steckte den Zimmerschlüssel rein, den Kerry ihr gegeben hatte. Von drinnen hörte sie, wie Molly kicherte. Erstaunt, dass Bryan und Kerry anscheinend noch da waren, lief sie zu den Stimmen. "Was machst du denn hier?" "Dasselbe wollte ich dich grad fragen!" Kian und Melanie standen sich etwas ratlos gegenüber. "Ich soll auf Molly und Lilly aufpassen!"erklärte Melanie ihre Anwesenheit. "Das war bestimmt Bryans Idee!" stöhnte Kian. "Haben die beiden heute überhaupt Jahrestag? Oh Gott, ich fall jedes Mal wieder auf diesen Chaoten rein. Mir hat er dasselbe erzählt!" "Wie jetzt? Du sollst auch auf die Kids aufpassen?" "Ja!" "Na toll, ich hätte also doch mit Helen abfeiern können! Und stattdessen hockte ich hier mit zwei Kids und einem Idioten! Toller Abend... " Wütend stampfte sie mit dem Fuss auf den Boden. 'Wie seh ich überhaupt aus? Oh Gott, ich steh hier in meinen ältesten Klamotten vor Kian!' dachte sie verzweifelt. "Na ja, wenn du schon mal hier bist, hast du Lust, dir den hier mit mir reinzuziehen?" Kian hielt eine Videokassette hoch. "Was ist denn das?" "Ich hab keine Ahnung, das Schild ist ab, ich nehme an, der ist Molly unter die Hände gefallen..." "Na gut, ich hab eh nichts Besseres zu tun, die anderen sind schon lange weg....Aber erst müssen Molly und Lilly schlafen, hinterher ist das so ein Horrorschocker und Molly brüllt die ganze Nacht wie am Spieß.... nee, da kann ich gut drauf verzichten!" "Gute Idee, das wäre echt ein bisschen idiotisch." Melanie schnappte sich Molly und setzte sie in ihr Bettchen. "Meinst du, wir müssen ihr noch was vorlesen?" fragte Kian. "Du kennst dich doch mit sowas aus!" Melanie verdrehte die Augen und beugte sich zu der Kleinen runter. "Molly, möchtest du, dass wir dir eine Geschichte erzählen?" Die Augen der Kleinen leuchteten. "Okay, dann komm auf meinen Schoß." Sie wurde wieder aus dem Bettchen gehoben und Kian kam mit Lilly im Arm an. "Hm. "Mel überlegte. "Es war eimal vor langer Zeit ein kleines Mädchen namens Shally. Shally war ein fröhliches Kind, dass gerne zur Schule ging und gerne sang. Aber sobald sie anfing zu singen, schrien alle, sie solle doch aufhören. Eines Abends als Shally in ihrem Bettchen lag, kam eine Fee durchs Fenster herein. Shally war ganz ängstlich. War es eine böse Fee? Aber die Fee war herzensgut und war gekommen, um Shally drei Wünsche zu erfüllen, weil sie so ein braves Kind war. Shally wünschte sich eine Engelsstimme, eine Menge Eiskrem und ein großes Kuscheltier. Die Fee war zufrieden mit Shallys Wünschen und erfüllte sie. Doch die Fee gab Shally noch etwas mit auf den Weg: "Bedenke, so sehr man sich etwas wünscht, so sehr will man es manchmal auch wieder loswerden!" Shally verstand diese Warnung nicht. Am Anfang war Shally überglücklich mit ihrer Wahl, doch schon bald nervte es sie, dass sie immer und überall vorsingen sollte. Auch von der Eiskrem hatte sie bald genug und das Kuscheltier lag ihr nur im Weg herum, wenn sie für die Schule lernte. Und Shally wurde traurig. Bald schon kam abends die Fee wieder herein geflogen und setzte sich zu der weinenden Shally ans Bettchen. "Hast du genug von deinen Wünschen?" fragte sie Shally und diese nickte unter Tränen. "Dann werde ich dich von ihnen befreien. Erinnerst du dich an meine Warnung?" Shally nickte wieder. "Sei vorsichtig mit deinen Wünschen Shally, du kannst sie nicht immer rückgängig machen!" Die Fee tippte mit ihren Zauberstab auf Shallys Stirn und verschwand. Am anderen Morgen fühlte Shally sich besser. Fröhlich sprang Shally umher und sang ein Lied. "Shally!" erklang es von ihrer Mutter. "Hör auf zu singen, das ist ja nicht zu ertragen!" Und die Moral von der Geschicht: Manchmal ist es besser, sich etwas zu wünschen, als dieses Etwas zu besitzen!" Melanie kraulte Molly ein letztes Mal den Nacken und legte sie Schlafen. Kian legte Lilly zu ihrer Schwester ins Bettchen und die beiden setzten sich auf das Sofa. Er schob das Video rein. "Woher kennst du diese Geschichte?" fragte Kian. "Die hat mir meine Oma früher immer erzählt..." sagte Mel leise, weil der Vorspann des Filmes begann. "Na, dann bin ich jetzt aber mal gespannt, was Bryan hier für Filme rum liegen hat!" Der Film fing an und auf dem Bildschirm erschienen lauter nackte Leute. "Oh Gott, mach das bitte aus Kian!"schrie Melanie und sprang entsetzt auf. Er lachte nur, drückte auf stopp und holte die Kassette wieder raus. "Kannste mal sehen, was Bryan für ein kleines Schweinchen ist!!" grinste er und Melanie setzte sich wieder. "Und was machen wir jetzt?" "Ich schlage vor, wir probieren es mit dem nächsten Film!" Er zog die nächste Kassette aus dem Stapel raus und schob sie rein. "Auf ein Neues!" sagte Mel und sah skeptisch zum Fernseher. Doch diesmal fing der Film normal an. "Na bitte, geht doch, ich wusste, dass Bryan uns hier nicht mit solchen Filmen alleine lassen würde... !" Er machte es sich gemütlich und gemeinsam grübelten sie, was das für ein Film sein könnte. "Ist ja eigentlich auch egal, klar ist jedenfalls, dass das nicht unbedingt meine Art von Film ist!" bemerkte Mel bei einer wilden Knutschszene. "Ach ja? Was wär dir den lieber?" "Was spannendes!! Liebesszenen sind in Filmen immer so abgestumpft irgendwie, als ginge es nur um das Eine: ins Bett, rein, raus und tschüss. Das kanns doch nicht sein, also bitte. Dann kann ich mir auch gleich den anderen Film anschauen!" sagte Mel bestimmt. "Da hast du recht, gut gemacht sind die wirklich nie." Schweigend sahen sie den Film eine Weile weiter. "Wie lang geht das denn noch?" fragte Melanie gähnend. "Keine Ahnung, bist du müde?" Sie nickte. "Dann leg dich doch hin!" "Nein, jetzt muss ich auch wissen, wie der Film ausgeht!" meinte Mel leise und schaute angestrengt zum Bildschirm. Es fiel ihr schwer sich noch gerade zu halten und sie rutschte immer wieder weg. Schliesslich zog Kian sie langsam auf seinem Schoß und sie wehrte sich nicht. Noch bevor der Film zu ende war, schlief sie tief und fest. Kian streichelte ihr sanft durch die roten Haare und schaltete den Fernseher aus. Ihm war der Film im Prinzip genauso egal wie ihr. Er hob sie vorsichtig hoch und legte sie auf das große Bett. Sie gab ein paar murmelnde Geräusche von sich und drehte sich um. Vorsichtig legte Kian sich neben sie und sah sie an. Ihre grünen Augen verbargen sich hinter ihren verschlossenen Lidern und ihre weißen Zähne wurden von ihren sinnlichen Lippen verdeckt. "Sie ist so wunderschön..."dachte er und strich ihr das Haar hinter die Ohren. Bald fielen auch ihm die Augen zu.
"Bryan? Was macht Kian in unserem Bett? Melanie sollte doch auf Molly und Lilly aufpassen!" "Melanie? Die ist hier, aber ich hatte doch Kian beauftragt!" "Uuupsi, dann hatten wir wohl heute Abend zwei Babysitter, die ein bisschen müde waren!" kicherte Kerry. Sie war nicht mehr so ganz nüchtern und musste sich auf die Stuhllehne stützen, um nicht umzufallen. "Schatzi, ich bin müde, ich denke Kian wird nichts dagegen haben, wenn wir uns sein Bett leihen, oder?" "Nein, ich denke nicht, lass uns gehen, ich muss dringend ins Bett!" Kerry stolperte über etwas, das auf dem Boden lag, aber sie konnte es nicht erkennen, es verschwamm vor ihren Augen. "Hihi, alles ist so unscharf!" kicherte sie. "Shhh, du weckst hier noch alle auf!" raunte Bryan ihr zu. "Komm, ich helf dir!" Ein einziges Mal hatte Bryan wohl weniger getrunken als seine Kerry und sie stützte sich voller Vertrauen auf ihn.
Am anderen Morgen erwachte Melanie völlig orientierungslos und erschrak, als sie Kian neben sich liegen sah. Er war auch wach und hatte bemerkt, wie sie zusammengezuckt war. "Bitte nicht schlagen!" sagte er und kniff die Augen zusammen. Als er sie wieder öffnete, saß Melanie aufrecht im Bett und sah sich um. "Wir sind bei Bryan, richtig?" "Ja. " "Und wo ist Bryan dann?" "Oh, naja, entweder bei mir oder bei dir!" sagte Kian und kratzte sich am Kopf. "Ist ja auch egal. Guten Morgen erstmal!"sagte sie dann und lächelte Kian an. Er sah total zerzaust aus, seine Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab und er hatte ein paar Knitterfalten vom Kissen im Gesicht. "Guten Morgen, gut geschlafen?" "Ja, ganz gut, und du?" "Auch, aber viel zu wenig...." gähnte Kian. "Wie lang ging der Film denn noch?" "Keine Ahnung ich hab ihn ausgemacht, als du eingeschlafen bist, war sowieso langweilig." Melanie zog die Augenbraue hoch. "Na gut, ich wollte dich nicht stören, du hast so schön geschlafen...!" Sie lachte. "Hab ich das? Hört sich an, als ob ich ein Kind wär! '..so schön geschlafen....' " Sie sah an sich runter und zog peinlich berührt den Pullover richtig, der irgendwie auf halb zwölf hing. "Ich geh mal gucken, ob mein Bett frei ist ..." sagte Melanie. Sie sah noch mal kurz nach den beiden Kleinen, aber als sie noch schliefen, ging sie zur Tür. "Wir sehen uns ja sicher gleich im Fitnessraum, oder?" grinste sie herausfordernd und liess die Tür zu fallen.
"Hey, da bist du ja! Ich dachte schon, du kommst nicht mehr!" empfing Melanie Kian. "Ich hab Bryan nicht aus meinem Bett bekommen...:" stöhnte er und liess sich auf die Hantelbank fallen, auf der Melanie saß. "Warum trainierst du eigentlich so viel?" fragte er und sah sie von der Seite an. "Keine Ahnung, warum auch nicht? Ich will schliesslich meine Figur behalten!" grinste sie. "Naja, ein paar Kilos weniger würden auch nicht schaden!" scherzte Kian und klopfte gegen ihren Bauch. "Alles Maddies Schuld!" schmollte Mel und schubste Kian von der Bank, legte sich hin und versuchte, eine der Hanteln hochzustemmen. Kian sah zweifelnd zu, doch nach ein paar Sekunden zitterten ihre Arme so stark, dass er ihr die Hantel wieder abnahm. "Die fällt dir ja gleich auf den Kopf!" grinste er und Melanie richtete sich auf. "Willst du mich jetzt hier als Schlappschwanz bezeichnen, oder was?" Sie sprang auf und ballte ihre Hände zu Fäusten. "Komm her, wenn du dich traust!" rief sie. Kian tat es ihr gleich und die beiden rannten lachend und boxend durch das Studio. "Hey hey hey, immer schön cool bleiben, okay?" warnte Kian, als ihre Schläge tiefer rutschten. "Wie soll ich mich denn sonst wehren?" kicherte Mel und boxte noch einmal. "Hör auf!" lachte Kian trotz Schmerzen und boxte zurück. "Nur wenn du aufhörst!" "Du zuerst!" "Ich denk gar nicht dran!" Kian seufzte und liess sich auf den Boden fallen. "Okay, Friede!" sagte er und lachte innerlich. Hinter seinem Rücken hielt er die Finger gekreuzt. Melanie liess sich neben ihn fallen und lehnte sich an ihn. Sie entspannten ein paar Minuten, bevor Kian es wagte, ruckartig aufzustehen, sodass sie rücklinks hinfiel und er sich wieder auf sie stürzen konnte. "KIAN! Ich dachte, es ist Waffenstillstand!" "Kannst du mal sehen, wie du denkst!" kicherte Kian. Er saß auf ihr und gab ihr kleine Boxer in die Magengegend. "Findest du das gerecht, was du da machst? Ich kann mich ja praktisch gar nicht wehren!" protestierte Mel lautstark. "Och, natürlich könntest du, aber so schlau bist du ja nicht...." Da ging Melanie in die Offensive. Sie griff zwischen seine Beine und kniff feste zu. "AAAAAAH, oh mein Gott Mel, musste das sein, ooooh..." Er rollte sich seitlich weg und hielt sich seine Weichteile. Mel kletterte nun auf ihn. "Wie war das mit dem denken? Vielleicht hättest du mal denken sollen!" Kian sah sie mit immernoch schmerzverzehrtem Gesicht an. "Entschuldigung, ich wollte dir nicht so weh tun! Gehts?" fragte sie sanft. Er nickte völlig abwesend und spielte mit ihrem Hosenbein. Sein Herz klopfte wie wild, sowas hatte er noch nie erlebt. Ihr Duft strömte in seine Nase und vereinfachte ihm die Lage nicht gerade. Er wollte sie küssen, ihre sinnlichen Lippen berühren, mit Küssen bedecken. Doch wie würde sie reagieren? Er würde es wohl nie wissen... "Kian, was ist los?" Er hörte Melanies Stimme wie von weit weg und sah ihr in die Augen. Jetzt oder nie, dachte er sich und nahm ihr Gesicht in seine Hände. Er zog sie zu sich runter und führte ihre Lippen langsam zu seinen. Als sie sich berührten, spürte er wie Melanie erschrocken zuckte und sah ihr in ihre grünen Augen. Er küsste sie zärtlich und streichelte dabei über ihre Wangen. Seine Zunge öffnete vorsichtig ihre Lippen und suchte sich einen Weg zu seiner. Er hörte Melanie seufzen und spürte ihre Zunge mit seiner spielen. Ihre Hände lagen auf seiner Brust und fuhren langsam höher zu seinem Gesicht, fühlten seine Bartstoppeln, seine Haare. Sie löste sich auf dem Kuss und sah Kian an. "Was bedeutet das Kian? Das fühlt sich so gut an." "Das bedeutet, dass wir uns mögen Mel, sehr sogar..." Sie zog ihn wieder zu sich heran und küsste ihn noch einmal. "Aber das geht nicht." "Wieso nicht? Was ist denn dabei?" 'Oh Gott, wenn du wüsstest.... Sean bringt mich um ' dachte sie. "Es geht einfach nicht." Sie sah ihm traurig in die Augen und stand dann auf. "Mel, was ist los? Das kannst du doch jetzt nicht bringen... MELANIE!" Doch sie drehte sich nicht mehr um.
Am Abend stellte Kian Bryan zur Rede. "Hör mal, als ob es dich gestört hätte! Ich seh doch, dass du auf die Kleine stehst!" Kian lief rot an. "Erzähl mal n bisschen, was ist schon gelaufen?" "Bryan, was interessiert dich das?" "Es interessiert mich einfach! Habt ihr euch schon geküsst?" Kian schwieg berharrlich. "Also ja. Und wie wars?" "Bryan, ich versteh sie nicht! Erst haben wir uns geküsst und dann meinte sie, es ginge nicht!" Kian liess traurig den Kopf hängen. "Hey, sie wird es dir schon erzählen Kumpel. Sie wird schon einen Grund haben, bestimmt!" "Du hast ja Recht, aber warum küsst sie mich denn dann erst?" "Wie wärs wenn du sie mal fragen würdest? Mit mir hat sie leider noch nicht darüber geredet!" grinste Bryan. Kian blickte ihn nur wütend an und stampfte davon. "Mannomann, den hats ja richtig erwischt!" Bryan schüttelte den Kopf und ging in sein Zimmer. Er wollte es sich noch mit Kerry vor dem Fernseher gemütlich machen. Molly und Lilly schliefen schon längst und so hatten sie erstmal ihre Ruhe...
"Hast du was neues, Mel?" "Sean, ich komm hier nicht weiter!! Irgendwie sind alle so .... normal! Aber der Mörder muss doch unter ihnen sein, ich versteh das nicht... mir fällt nichts, wirklich rein gar nichts auf!" "Dann musst du weitersuchen, wir brauchen neue Infos! Denk doch mal scharf nach, gibt es nicht etwas, was dich ein kleines bisschen stutzig macht?" "Hm." Sie dachte angestrengt nach. "Naja.... wenn ich recht überlege... Shane verschwindet öfters mal um die Abendszeit für ein paar Stunden ohne sich abzumelden, aber was soll er da schon großartig machen, er wird wohl ein wenig feiern oder so... Das bringt uns doch nicht weiter!" "Jedes Bisschen nützt uns was Mel, du weisst doch, wie gut solche Verbrechen manchmal geplant sind, da müssen wir auch das kleinste Fitzelchen beachten, damit wir was rauskriegen..... ich schlage vor, du klemmst dich jetzt mal abwechselnd hinter einzelne Personen, fang am Besten mal mit diesem Shane an, wer weiss, was er wirklich macht.... und lass dich nicht ablenken, du bist immernoch hauptsächlich Polzistin, die Tanzerei dient nur zur Tarnung!! Ich weiss doch wie gerne du das machst, Mel, aber verlier dabei nicht deine Aufgabe aus den Augen!!" Sie seufzte. Er hatte ja so Recht. Sie liess sich viel zu sehr gehen. Aber wann bekam man schon mal die Gelegenheit, jeden Morgen umsonst in einem super ausgerüstetet Fitnessstudio ganz für sich alleine zu trainieren, wenn man mal von Kian absah? Eben. Gar nicht. "Danke Sean, das war mal wieder nötig! Ich bin ja schliesslich nicht zum Vergnügen hier..." "Gut, dann entlasse ich dich erstmal wieder, wenn das soweit klar ist, aber bitte halt dich dran..! Ich weiss nicht, wie lange diese Gott verdammte Tour geht, aber du musst nicht nur perfekt tanzen, sondern auch möglichst vorher was Wichtiges rausbekommen, weil während den Showtagen viel zu viel los ist." "Ist klar. Kann ich jetzt endlich zum Mittagessen? Ich krieg sonst nichts mehr!" "Jaja." lachte Sean. "Machs gut und ruf in zwei Tagen mit guten oder wie mans nimmt, schlechten Nachrichten wieder an, okay?" "Ja, tschüss!" Mit knurrendem Magen legte Mel auf und stieg schnell in ihre Klamotten. Sie rannte eilig in den Speisesaal, denn es war schon fast zehn nach eins, das Essen wurde normalerweise um eins ausgegeben, wenn sie Glück hatte, war Lisa gut gelaunt und sie bekam noch was. "Hey Lisa, kann ich noch was haben? Bitte, ich sterbe vor Hunger!" "Warum musst du auch immer zu spät kommen?!" brummte Lisa. Mel setzte ihre Leidensmiene auf. "Ich hab mit meiner Mutter telefoniert..." Sie wusste, dass diese Nummer bei Lisa immer zog. Sie hatte ein butterweiches Herz und es war fast schon eine Schande, das so gnadenlos auszunutzen. "Hier hast du noch was, aber gewöhn dir bitte ab, immer so spät zu kommen!" ermahnte Lisa sie noch ein letztes Mal, bevor Mel sich artig bedankte und neben Helen Platz nahm. "Hey Mel, du siehst geschafft aus!" "Bin ich auch, ich hab ziemlich Stress im Moment..." "Familie? Du Arme. Kannst dich mit Cecillia zusammentun, die hat schon seit Ewigkeiten Zoff mit ihren Alten.... das wird sich mit höchster Warscheinlichkeit auch nicht mehr ändern... das Dumme an der Sache ist ja bloß, dass ich der hauptsächliche Grund für den Knatsch bin..." seufzte sie herzerweichend. "Erzähl mal, wie meinst du das?" "Ach, ist schon okay, ich will dich jetzt nicht noch zusätzlich mit meinem Stress zulabern..." "Hey, wozu hat man den Freunde?" Helen lächelte dankbar. "Hast du Lust heute zu mir zu kommen? Wir können uns ein Video reinziehen, dass ich mir von Bry geliehen hab! Dann kann ich dir alles erzählen, wenn es dir wirklich nichts ausmacht!" "Klar, gerne, du weisst nicht zufällig was das für ein Film ist, oder?" fragte Mel vorsichtshalber, obwohl sie sich sicher war, dass Bryan wohl kaum seine Sexfilmchen verlieh. "Nee, tut mir leid, das konnte Bryan mir auch nicht sagen, er hat das Video von einem der Trucker, ich glaub der heisst Ien, aber der hat es von einen Freund und der .. naja, jedenfalls wusste er den Namen nicht." "Okay, wann soll ich denn kommen?" "Neun?" "Alles klar, ich bin pünktlich! Ciao!" Mel stand auf, weil sie mit ihren Essen fertig war und mal wieder bei Nicola anrufen wollte. Maddie fehlte ihr wirklich sehr. "Hast es eilig, was? Ich seh schon, ich lass dich besser mal in Ruhe, wir sehen uns ja heute Abend..." Helen ging vondannen und Mel stieg die Treppen hoch. Auf halbem Weg überholte Nicky sie. "Wie kannst du bloß so schnell diese tausend Treppen hochgehen?" fragte sie ausser Atem. "Alles eine Frage der Übung!" grinste Nicky und hastete weiter. "Blödmann." murmelte Mel leise. "Wieso geh ich eigentlich die Treppen hoch? Ich hätte den Aufzug nehmen sollen...." Sie kam in ihren Stockwerk an und ging direkt in ihr Zimmer. Sie tippte Nicolas Nummer und hörte es lange tuten. Dann knackte es in der Leitung und Nicolas Stimme erklang. "Hallo lieber Anrufer. Tut mir leid, dass sie umsonst anrufen, aber ich bin im Moment leider unterwegs. Versuchen sie es doch später nochmal oder hinterlassen sie mir eine liebe Nachricht nach dem Piepton. No, falls du es bist, Maddie geht es gut, keine Sorge. PIEEEEP" Melanie schmunzelte. Nicola hatte immer schon eine Leidenschaft für Anrufbeantwortersprüche gehabt, dieser war ja noch ganz harmlos, im Gegensatz zu diversen Sachen, die Nicola als 'witzig' betrachtete, andere Leute aber als derbe Beleidigung. Wer sie allerdings kannte, wusste, dass es nie böse gemeint war. "Hi Nic, genau das wollte ich doch eigentlich von ihr selbst hören, wo treibst du dich schon wieder rum? Ich meld mich Morgen noch mal. Ciao." Sie legte doch enttäuscht auf und verschwand schnell in der Dusche. Für den Videoabend mit Helen putzte sie sich nicht besonders raus, aber sauber und gepflegt wollte sie schon aussehen. Sie suchte nach einer bequemen Hose und einem Shirt. Trotz der sommerlichen Temperaturen die draussen herrschten, war es innerhalb des Hotels immer angenehm kühl, manchmal übertrieben sie es hier aber auch mit der Belüftung, sodass es fast schon eisige Luft war, die aus den Lüftern kam. Um kurz vor Neun klopfte Mel mit einer Tüte Chips in der Hand an Helens Tür und diese öffnete wenig später. "Hallihallo, ich hab uns was zum knabbern mitgebracht!" "Aber ich bin..." "Nix da, keine Diäten, sowas ist nicht gut für die Seele, glaub mir! Ich habs schon tausend mal versucht und war am Schluss immer nur frustriert." "Du hast ja Recht, ich könnte ausserdem sowieso nicht wiederstehen!" kicherte Helen und schmiss sich auf ihr Bett. Sie hatte den Fernseher so drapiert, dass man ihn von dort aus gut sehen konnte. "Dann wollen wir mal schauen, was Bryan mir da gegeben hat, oder?" "Yep, deshalb bin ich hier." Helen schnappte sich die Fernbedienung und drückte auf Play. Sofort begann erstmal der stundenlange Vorspann. "Oh Gott, immer diese doofe Werbung, spul mal vor." "Okay" Sie spulte, bis der Film anfing und kuschelte sich in ihre Decken. Melanie lag neben ihr und machte es sich ebenfalls bequem darin. "Kennst du den Film?" "Nicht wirklich, aber er ist ganz okay, glaub ich. Immerhin spielt Keanu Reeves mit." "Hm" "Was war jetzt eigentlich mit Cecillia los? Warum gibt es da Stress?" hinterfragte Mel nochmal. Auf den Film hatte sie eigentlich gar keine Lust. Helen richtete sich ein wenig auf. "Naja, Cecillias Eltern sind halt ein bisschen spießig und deswegen ist sie schon vor Ewigkeiten mal ausgerissen und ist irgendwie per Anhalter oder was weiss ich hier in England gelandet. Das ist aber schon lange her. Erst vor knapp zwei Jahren hat sie sich wieder bei ihren Eltern gemeldet. Die hat es gar nicht interessiert, dass sie erst 17 war, als sie abgehauen ist. Naja, jedenfalls haben sie sich wieder einigermaßen vertragen und telefonieren einmal im Monat oder so miteinander. Sie hat ihnen auch von ihren Job hier und von uns allen erzählt und erstmal hat sich ihre Mutter tierisch aufgeregt, dass sie Tänzerin ist. Cec sollte mal den Familienbetrieb in Italien übernehmen, musst du wissen. Ausserdem findet ihre Mutter es nicht gut, dass wir befreundet sind, weil... naja" Sie unterbrach sich und redete hastig nach einer kurzen Denkpause weiter. "Weil ich auf Frauen stehe und warscheinlich denkt die Mutter, ich würde ihre Tochter irgendwie belästigen oder sowas..." Helen liefen die Tränen die Wangen runter. "Hey, hey nicht weinen. Das sind doch alles blöde Vorurteile!" Zögernd nahm Melanie Helen in ihre Arme und streichelte über ihren Kopf. Helen klammerte sich an sie, wie ein kleines Kind und weinte sich aus. "Danke" schluchzte sie nach einer Weile. "Wofür denn. Ist doch selbstverständlich, dass ich für dich da bin, wenn es dir schlecht geht! Manche Leute sind mit ihrer Denkweise in solchen Sachen halt immernoch etwas zurück..." "Wenn es wenigstens nur das wäre..." seufzte Helen und trocknete ihre Tränen. " Was denn noch?" fragte Melanie unverhohlen. "Ich glaub, ich ... ich hab mich verliebt." "Oh nein." "Oh doch und genau da liegt das Problem. " Wieso? Ist sie nicht lesbisch?" fragte Mel. "Melanie, es ist keine Frau!" Fassungslos sah Melanie ihre Freundin an. "Aber..." "Eben, ich hab das Gefühl, ich bin gar nicht lesbisch, sondern eher bi!" "Eieiei, das ist ja kompliziert." "Was soll ich denn jetzt machen? Alle wissen doch von meiner Sexualität und wenn ich jetzt plötzlich sage, 'Hey Leute, hört mal alle her, ich bin gar nicht lesbisch, nee, ich bin bi, ' mensch, das kauft mir doch keiner ab, schon gar nicht der, der es am meisten soll....." Helen sah niedergeschlagen aus. "Du meinst, es ist einer von unsere Truppe?" Sie nickte. "Sagst du mir wer?" Helen sah Melanie müde an. "Bitte. Sonst rate ich, dann verrätst du dich eh." "Es ist Kian. Wie kann man so blaue Augen haben? Du hast so ein Glück, dass du mit ihm tanzen darfst...!" Melanie hörte Helen geschockt zu. 'Oh nein,' dachte sie 'Jetzt bekomme ich auch noch Konkurenz von meiner Freundin, die eigentlich lesbisch ist...' "Bist du dir da wirklich sicher Hel? Ich meine, es ist doch irgendwie ziemlich verwirrend, dass du jetzt erst bemerkst, dass du auf Männer stehst...!" "Es ist ja nicht so, dass ich Frauen jetzt nicht mehr mag, nein, Frauen ziehen mich immer noch wie magisch an, aber Kian... hast du ihn schon mal mit nacktem Oberkörper gesehen?" 'Schon ungefähr tausend Mal' dachte Mel. Er zog tatsächlich manchmal beim trainieren sein Hemd aus. "Am Anfang dachte ich, vielleicht ist das nur Neugier, weil du noch nie was mit nem Mann hattest, aber mittlerweile, nein, ich bin mir ganz sicher, solche Schmetterlinge hatte ich noch nicht mal bei Sheryl..." "Deine Freundin?" "Ex-Freundin. Wir haben uns vor vier Monaten getrennt, weil sie sich in so ne alte Tussi von 45 Jahren verknallt hat... kannst du dir das vorstellen? Ganze 25 Jahre älter.. " Helen schüttelte sich und Mel grinste. Hel hatte wohl vergessen, dass Mel sich sowas nicht mal mit einer gleichaltrigen Frau vorstellen konnte. "Und was willst du jetzt tun?" "Ich weiss es nicht. Vielleicht verdrängen, vielleicht ihn einfach weiter heimlich anschwärmen.... als wenn er sich für eine Frau interessieren würde, die er seit er sie kennt, für lesbisch hält.... nie im Leben, nein, da wird nichts drauss." Melanie seufzte leise. Vielleicht war ja alles doch gar nicht so schlimm, wie sie gedacht hatte. Wenn Helen sowieso nicht vor hatte, um Kian zu kämpfen, dann brauchte sie ihn auch nicht zu verteidigen.... Moment mal, wieso eigentlich verteidigen? Sie nannte ihn bis jetzt noch nicht mal ihren Freund und hatte auch eigentlich nicht vor, dies einmal zu tun. Ihre Gedanken hatten ihr mal wieder einen Streich gespielt. Sie spürte Helens Finger, der ihren Arm rauf und runter fuhr. Es war ihr unangenehm, aber es war ihr auch peinlich, Helen zu sagen, dass sie aufhören sollte. Gerade setzte sie an, doch etwas zu sagen, da hörte sie, wie ganz in der Nähe ein Schuss fiel.
"Der Mörder!" schoss es ihr durch den Kopf und sie richtete sich reflexartig auf. "Was war das?" fragte sie aufgeregt und ihr Herz klopfte wild. "Mel, das war im Film!" lachte Helen. Erleichert atmete Melanie aus. "Puh, ich dachte schon, es wär echt was passiert!" kicherte sie. Sie hatte wirklich sofort an ihren Mörder gedacht, doch nun schien der Gedanke mehr als lächerlich. Wer würde schon so doof sein, hier, im Hotel, wo alle dabei waren, jemanden zu erschiessen? "Man, du bist ja ganz schön leicht zu erschrecken!" neckte Helen und stiess sie in die Rippen. "Du Hel, sei mir nicht böse, aber ich muss unbedingt ins Bett, ich schlaf hier gleich im sitzen ein, sorry, wir sehen uns dann morgen, okay? Wann ist nochmal Probe?" "Um halb fünf. Ist okay und sorry, den Film haben wir jetzt gar nicht richtig gesehen!" "Ist nicht so schlimm, wenn es dir jetzt besser geht, ist das alle mal wichtiger, als irgendein dummer Film. Ciao!" Helen schloss hinter ihr die Tür und Mel lief rüber zu ihren Raum. Sie legte die knapp 5 Meter innerhalb von kürzester Zeit zurück und schloss direkt ab. Das tat sie Nachts immer, falls einmal ein Einbrecher oder, noch viel schlimmer ein Schnüffler oder gar der Mörder sie des nachts heim suchen wollte. Müde liess sie sich in ihr Bett fallen, ohne sich vorher umzuziehen oder ins Bad zugehen. Das Gespräch mit Hel hatte stark an ihren Kräften gezerrt, denn sie hatte sich eingestehen müsse, dass sie viel zu viel für Kian empfand, als gut war. Das war schon lange keine Freundschaft mehr. Auf ihrer Seite war das Liebe und sie war sich sicher, dass Kian genauso empfand. Aber gut war das ganz und gar nicht. Was, wenn er herausfand, dass sie von der Polizei war? Wie würde er reagieren? Bevor sie sich noch mehr Gedanken machen konnte, hörte sie ein leises Klopfen an der Wand, an der ihr Bett stand. Wieder und wieder. Schliesslich klopfte sie einfach mal zurück und prompt hörte sie Kians Stimme. "Mel, bist du das?" "Wer soll sich denn sonst um diese Uhrzeit in meinem Zimmer rumtreiben?" antwortete sie leise. "Wie geht es dir?" "Wie solls mir denn gehen? Ich hab grad mit Helen einen Film von Bryan geguckt..." Sie hörte ein leises Lachen. "Es war ein ganz normaler Film!" kicherte sie nun auch. Es wunderte sie, wie dünn die Wände hier zu sein schienen. "Warum bist du heute Morgen abgehauen?" fragte Kian. Melanie wurde ernst und antwortete nicht. "Mel?" Er wartete ein paar Sekunden. "Es tut mir leid, wenn ich dich überrumpelt hab." "Hast du nicht." Ratlose Stille. "Aber warum -" "Gute Nacht, Kian" Melanie knipste ihr Licht aus und kroch tief unter die Bettdecke. Kian schluckte seine Frage runter. "Gute Nacht."
"Mel?" Sie hörte Kians Stimme hinter sich und drehte sich kurz um. "Was gibts?" Er stand nun direkt neben ihr und sah ihr beim Fahrrad fahren zu. "Das weisst du ganz genau." sagte er ernst und sie hörte auf zu strampeln. "Kian, hör mal, es tut mir leid, wenn ich dir irgendwelche Hoffnungen gemacht hab, du hast mich halt vollkommen überrascht und wer entzieht sich schon solchen Küssen....!" Ein Lächeln umspielte seine Lippen. "Aber es ist falsch Kian. Ich bin eine dumme kleine Tänzerin, die du wohlbemerkt erst seit anderthalb Wochen kennst und der du nicht eine Träne hinterher weinen würdest, wenn sie plötzlich nicht mehr da wär' " Er sah sie fassungslos an. "Sag mal spinnst du? Selbst wenn ich dich erst knapp zwei Wochen kenn! Mel, ich liebe dich, ich weiss nicht, ob dir bewusst ist, dass du mir mit deinem Gerede wehtust!" Er wollte schon abhauen, doch Mel stieg in Windeseile vom Rad und hielt in an seiner Schulter fest. "Kian, jetzt hau nicht ab, bitte. Damit wird es nicht besser." "Und das sagst du mir:" sagte er und Tränen standen ihm in den Augen. "Ja, das sage ich dir, weil ich diese Eigenschaft an mir ziemlich hasse. Ich renne immer weg, wenn ich Probleme hab. Du solltest das nicht auch tun." Sie streichelte über Kians Wange, über die nun ein paar Tränen liefen. "Hey." flüsterte sie und nahm ihn in ihre Arme. Seine Arme klammerten sich fest um sie und er weinte sich an ihrer Schulter aus. Auch Mel kämpfte mit den Tränen. "Kian, es tut mir leid, es tut mir so leid, ich bin so dumm, ich .... ich liebe dich doch auch!" schluchzte sie leise und Kian sah erstaunt auf. Mel sackte in sich zusammen und saß nun weinend auf dem Boden. Kian ging in die Knie und sah sie liebevoll an. "Was soll denn dann das ganze Theater...." Statt einer Antwort küsste Melanie Kian und er setzte sich zu ihr auf den Boden, um sie besser umarmen zu können. "Oh Mel, ich bin so froh..." Zärtlich sah sie in an. "Und ich erst!" Ihre Lippen liebkosten seine und sie verschmolzen zu einer Einheit. "Kian, ich... ich krieg keine Luft mehr!" keuchte Mel und Kian lachte. "Tja, bei solchen Küssen ist das ja auch kein Wunder..." "Hey, mach dich nicht über mich lustig, mein Freund!" rief sie belustigt und gab Kian einen Klaps auf die Wange. "Kommt nie wieder vor. Hinterher fange ich mir da noch so einen Kniff in meinen Unterleib ein..." Melanie kicherte. "Selbst Schuld." Kian küsste sie wieder. "Du riechst total gut..." bemerkte er. "Wonach denn?" fragte Mel neugierig. "Nach ein wenig Schweiß, nach deinem Parfüm oder nach deinem Haarshampoo oder sowas in der Richtung und ein bisschen süß...." "Was für ein Kompliment!" grinste Mel, stand auf und zog Kian mit sich. "Jetzt müssen wir aber mal ein bisschen weiter machen hier, sonst setzen wir noch Fett an!" "So weit kommts noch..."
Direkt nach dem Tanztraining schlich Shane sich mal wieder aus dem Hotel. Mel folgte ihm unauffällig. Er lief mit raschen Schritten durch die Straßen eines kleinen Vororts Dublins, eine Kappe tief ins Gesicht gezogen und die Jacke bis zum Hals hochgezogen. Er lief geduckt und sah die ganze Zeit zum Boden. Sein Weg führte ihn an mehreren In-clubs vorbei und jedes Mal hatte Mel gedacht, er würde hineingehen. "Wo will der bloß hin?" fragte sie sich und ihre Frage wurde wenig später beanwtortet. Er lief zielstrebig auf eine Bank zu. "Was will er denn auf der Bank?" Sie kratzte sich ratlos am Kopf. Sie war total neugierig, entschloss sich aber dafür, vor der Bank zu warten. Er würde schon nicht ewig da drin bleiben und sie konnte ihn durch die Fensterscheiben gut beobachten. Er lief zu einem Schalter und quatschte eine der Mitarbeiterinnen an. Sie unterhielten sich eine ganze Weile und dann ging sie in einen angrenzenden Raum. Shane blieb vor dem Schalter stehen. Als sie wiederkam, hatte sie etwas in der Hand, aber die Glasscheiben spiegelten so, dass Melanie nicht erkennen konnte, was es war. Shane nahm es ihr ab und wendete sich zum Gehen. In diesem Moment rempelte sie jemand von hinten an, sodass sie mit dem Kopf gegen das Glas knallte. "Oh, das tut mir leid, haben sie sich wehgetan? Ich bin so ein Trampel!" Ein mittelgroßer Mann mit blonden Haaren, in einer Designerjeans und einem langen Stoffmantel stand ihr mit seine, Aktenkoffer gegenüber. "Nein, ist schon okay, oh, mein Kopf!" Er musterte sie auffällig, seine Augen blieben lange an ihren roten Haaren und den pinken Schuhen hängen. "Also tut ihnen doch etwas weh, wollen sie, dass ich sie ins Krankenhaus bringe?" "Nein, machen sie sich keine Umstände, ich sehe doch, dass sie in Eile sind. Ich wohne direkt hier in der Nähe und hab einen Arzt in meiner Umgebung, den ich aufsuchen kann!" "Sind sie sicher, dass ich sie alleine lassen kann?" "Ja, keine Sorge." "Falls doch etwas ist - hier haben sie meine Visitenkarte. Und scheuen sie sich nicht, anzurufen, okay?" Er lächelte matt verschwand wieder in der Menge. Melanie sah in die Bank hinein. Shane war weg und auch auf der Straße war er nirgends zu sehen. "So ein Mist, nur wegen diesem dummen ..." Sie sah auf die Karte, die sie in der Hand hielt. "Rechtsanwalt Dr. Dr. Joshua Gleesan, Fachmann für Versicherungen aller Art. Telefonnummer...... wegen diesem Idioten." Sie steckte die Karte in ihre Hosentasche, mit dem Vorhaben, sie an Nicola weiterzugeben. Der Kerl hatte zwar ein bisschen arrogant und eitel, aber insgesamt doch ganz schnuckelig ausgesehen und Nicola war bekanntlicherweise immer auf der Jagd nach Frischfleisch. Frustriert, dass diese Verfolgungsjagd in die Hose gegangen war, lief sie langsam wieder nach Hause. Sie machte einen kleinen Spaziergang durch die frische Luft des kleinen Vororts von Dublin drauss, der trotzallem Vortortdaseins ziemlich überfüllt war. Es gab unheimlich viele Straßencafès und Restaurants, aber auch ein paar Klamottenläden, die Melanie gleich unter die Lupe nahm. Mit zwei vollen Taschen kam sie knapp zwei Stunden später wieder im Hotel an und liess vor Erstaunen fast ihre Tüten fallen. Shane saß mit Kian und Bryan an der Bar und trank ein paar Gläschen Bier oder sowas in der Richtung. Verwundert winkte sie Kian unauffällig zu und verschwand ratlos in ihrem Zimmer. Sie griff sofort nach ihrem Telefon. "Sean, ich hab ne heisse Spur, glaub ich! Allerdings ist es ein bisschen verzwickt.... Shane ist heute wieder nach dem tanztraining verschwunden. Ich bin ihm ein bisschen gefolgt und hab beobachtet, wie er zur Bank gegangen ist. Allerdings konnte ich nicht wirklich sehen, was er da drin gemacht hat, aber die Frau am Schalter hat ihm irgendwas gegeben. Dann hat mich so ein Idiot von hinten angerempelt und ich hab Shane aus den Augen verloren. Dann bin ich einfach noch ein bisschen in der Gegend rumgebummelt und gerade vor zehn Minuten komm ich zurück, rate mal wer da an der Bar sitzt." "Hm, ich schätze mal Shane." "Genau! Da frag ich mich, wie ist der so schnell wieder hierher gekommen? Oder was hat er in der Bank gemacht und vorallem danach?" "Das ist deine Aufgabe, das herauszufinden! Du klemmst dich morgen wieder hinter ihn, sofern er morgen wieder abhaut und dann lässt du dich nicht abhängen...! Aber wenigstens schon mal ein Anfang!" "Ja, aber echt. Ich hab schon gedacht, wir wären hier völlig auf dem falschen Dampfer...." "Naja, dann ist ja alles seoweit gesagt, oder? Ich krieg nämlich noch Besuch, musst du wissen...!" "Oh, hör mal einer an, männlich oder etwa weiblich?" "Beides. Meine beiden Kumpels und ihre Freundinnen kommen, aber eine der Freundinnen bringt noch ne Freundin mit... drückst du mir die Daumen?" "Klar, viel Glück Seanilein. Ciao!" "Tschüss" Gerade als Melanie auflegte, klopfte es an der Türe. "Ja?" Kian steckte seinen Kopf durch die Türe. "Kann ich reinkommen?" "Klar doch." "Du warst so plötzlich verschwunden eben ....." "Sorry, aber ich musste so plötzlich weg, ich hatte nicht mal mehr Zeit, dir bescheid zu sagen!" "Wohin musstest du denn?" "Ähm, mir ist eingefallen, dass meine, meine beste Freundin nächste Woche Geburtstag hat und ich noch kein Geschenk hatte...." stotterte Mel "Aber da hätte ich doch mitkommen können...!" Kian sah Mel verständnisslos an. "Äh, ja, aber das ist mir auch irgendwie er zu spät eingefallen!" "Naja, jetzt ist eh egal. Was hast du denn schönes gefunden?" Hektisch sah Mel sich um. Natürlich hatte sie jetzt gar kein Geschenk, weil das ja alles nur erstunken und erlogen war. "Ähm, wo hab ichs denn hingelegt, habs eben schon aus der Tüte geholt, damits nicht kaputt geht...." Ihr fielen allerhand Dinge ins Auge, die überhaupt nicht als Geburtstagsgeschenk durchgehen würden, bevor sie einen der hoteleigenen Briefbeschwerer sah. Sie hoffte inständig, dass er nicht zur Grundausstattung gehörte, oder das bei Kian wenigstens ein anderer stand und reichte ihm das Teil. "Meine Freundin steht auf so alten Plunder, was besseres hätte ich gar nicht finden können." Sie versuchte möglichst glaubhaft zu klingen, weil hier gerade ziemlich viel auf dem Spiel stand. "Hm, interessant. Naja, wenn mans mag." Er drehte und beschaute es von allen Seiten, bevor er es ihr wiedergab. "Sag ihr alles Gute von mir, okay?" " Bist du sicher? Nicht das sie in Ohnmacht fällt!" kicherte Mel erleichtert und alle Anspannung fiel von ihr ab. Das war grad wirklich knapp gewesen. Sie mochte gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn Kian es rausgefunden hätte.....
"So Leute, wir machen das jetzt noch mal ganz von vorne. Wenn das einigermaßen gut aussieht, könnt ihr gehen, sonst bleibt ihr hier und übt weiter bis zum schwarz werden, habt ihr mich verstanden?" Alle nickten matt und stellten sich in Position. Die Musik begann und jeder versuchte sich auf seine Schritte zu konzentrieren. Keiner hatte Lust, jetzt noch mehrere Stunden hier zu bleiben, weil so ziemlich alle noch etwas vorhatten. Besonders Shane wirkte schon ungeduldig. Melanie beobachtete ihn schon die ganze Zeit von der Seite. Sie war sich mehr als sicher, dass er gleich wieder losgehen würde. Sie musste nur schnell genug sein und sich nicht von Kian aufhalten lassen. Endlich war Priscilla einigermaßen zufrieden und Shane lief zielstrebig zur Tür raus. "Melanie?" "Was denn, ich hab jetzt keine Zeit!" "Oh, ich wollte dich nur fragen, ob du Lust hast, dir wieder ein Video mit mir reinzuziehen, diesmal allerdings ohne nerviges Gespräch...." "Tut mir leid Hel, ich hab überhaupt keine Zeit, vielleicht morgen!" Damit rannte sie aus dem Trainingsraum, warf Kian nur noch ne schnelle Kusshand zu, damit er nicht wieder sagen konnte, dass sie sich nicht verabschiedet hatte. "Mist, mist, mist, Shane ist schon meilenweit voraus, wenn ich Pech hab, ist er schon längst wieder aus der Bank raus, wenn ich ankomme... wenn er überhaupt zur Bank geht!" Sie hastete durch die Straßen. Das sie noch ihr komplettes Tanzouftit trug, störte sie im Moment herzlich wenig, nur die Passanten guckten etwas komisch. Aber da sie das immer taten, war es eh egal. Endlich sah Mel Shane in der Menschenmenge. Es sah aus, als ging er tatsächlich wieder zur Bank. Und richtig, wenige Sekunden später erschien die Reklametafel der Bank an der Wand und Shane lief zum Gebäude. "Diesmal" nahm Melanie sich vor." Diesmal lass ich mich nicht abhängen!" Sie stand unbeweglich wieder hinter der Glasscheibe und sah hinein. Heute stand die Sonne ganz anders, sodass sie freie Sicht auf Shane hatte, der wieder am selben Schalter stand und mit derselben Frau sprach. 'Fällt ihr eigentlich nicht auf, das er jeden Tag herkommt oder ist sie etwa eine Komplizin?' grübelte Mel. Da ging die rätselhafte Frau wieder in einen anderen Raum und diesmal konnte Melanie erkennen, was sie bei ihrer Rückkehr bei sich trug und an Shane weitergab: Es war Geld! Eine ganze Menge sogar. Shane bedankte sich anscheinend und verliess eilig die Bank. Er sah sich rechts und links um, bevor er direkt auf sie zukam. 'Oh Gott, jetzt flieg ich auf' dachte sie und drückte sich panisch gegen die Scheibe. Doch Shane ging an ihr vorbei, ohne Notiz von ihr zu nehmen. Er schien vollkommen in einer anderen Welt zu sein. Mel schlich ihm unauffällig hinterher. Nach einer kurzen Strecke auf der Hauptstraße, bog er in eine kleine Seitengasse ein. Ein paar mal links, ein paar mal rechts bog er noch ab, bevor sie in einer Sackgasse standen. Am Ende dieser Sackgasse sah man ein riesiges Leuchtreklameschild, das das Wort "Casino" trug. "Casino? Wie seltsam! Seit wann gehen Mörder ins Casino, ich meine natürlich potenzielle Mörder...." murmelte sie. Shane betrat derweilen den Laden und ging rasch auf einen großen, südländischen Mann zu, der aussah, wie man sich typische Mafiosi vorstellt. Was wollte Shane von ihm? Wozu brauchte er das Geld? Melanie fing an zu kombinieren, als Shane dem Mafioso das Geld gab: 'Bestimmt hat der Typ Shane beim Mord beobachtet und nun erpresst er Shane damit. Da können wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen!' jubilierte Mel innerlich und verließ eilends die Sackgasse, denn Shane kam schon wieder aus dem Laden heraus. Sie versuchte angestrengt, sich zu erinnern, wann Shane wo abgebogen war, doch es schien fast unmöglich, also ging sie einfach ihrem guten Orientierungssinn nach und fand sich tatsächlich schon bald aud der Hauptstraße wieder. Von da an kannte sie den Weg wieder und war in Null komma Nichts wieder im Hotel und auf ihrem Zimmer. Sie stellte sich unter die Dusche und grübelte über Shane. Es passte doch irgendwie alles zusammen.... Sie stieg aus der Dusche und entschloss sich, zu Kian rüber zu gehen."Hey Süßer!" rief sie, lief auf ihn zu und legte ihre Arme um seinen Nacken. "Hi. Hab schon auf dich gewartet! Wo bist du eigentlich jetzt schon wieder hingegangen?" "Du bist ganz schön neugierig, Egan!" "Mein gutes Recht!" schmollte er. "Wer weiss, vielleicht hast du ja noch einen Macker irgendwo hier in der Stadt, den du immer heimlich triffst...." "Keine Sorge, ich hab mir nur gestern bei Shoppen was zurück legen lassen und musste es heute abholen, sonst wärs wieder rausgehangen worden..." "Wie könnt ihr Frauen nur immer so viel einkaufen gehen?" stöhnte Kian. "Das, mein Lieber, bleibt unser Geheimniss!" lächelte sie und küsste ihn. "Wie spät ist es eigentlich?" "Schon fast elf Uhr... " antwortete Kian und gähnte. "Ich muss jetzt ins Bett, sonst komme ich morgen nie im Leben aus den Federn, so wie Pris uns heute mal wieder hin und hergescheucht hat.... " "Ich verstehe was du meinst.... ich bin auch saumüde.... " Kian gähnte noch mal demonstrativ. " Willst du hier bleiben? Dann hab ich was zum Kuscheln!" sagte Kian schlaftrunken und begann, sich auszuziehen. Melanie zog sich bis auf ihre Unterwäsche aus und kroch unter seine Bettdecke. Kian schlüpfte zu ihr und rutschte ganz nah an sie ran. Er legte seinen Arm um ihren Bauch und den Kopf auf ihre Brust. Sie spürte seinen warmen Atem auf ihrer Haut und ihr wurde mehr und mehr bewusst, dass ihr Spiel ein Spiel mit dem Feuer war...
Am Morgen darauf wachte Melanie auf und das Erste was sie sah, war Kian, der wie ein Baby zusammegerollt neben ihr lag. Sie lächelte mild und strich mit ihrer Hand sanft über sein Gesicht. Er gab daraufhin ein leises Geräusch von sich und begann, sich zu strecken. "Guten Morgen, mein Schatz." sagte sie leise. "Morgen" gähnte er und rieb sich den Schlaf aus den Augen. "Wie spät ist es ?" fragte er, bevor er ihr einen kleinen Kuss gab. "Knapp halb neun. "Und da weckst du mich schon? Ich hätte mindestens noch ne Stunde schlafen können...." seufzte er sehnuchtsvoll. "Es hindert dich niemand daran, wieder einzuschlafen. "gab Mel zurück. "Doch." Er sah sie an. "Dein enttäuschter Gesichtsausdruck!" Er gab ihr noch ein Küsschen, dann stieg er aus dem Bett. "Ich muss leider los, mein Schatz, ich muss noch was erledigen."Ist okay, ich muss sowieso noch duschen, weil wir gleich noch irgendeinen Termin haben." "Tschüss" "Ciao Süße." Sie tauschten noch einen Kuss aus, bevor Mel sich noch anziehend den Raum verliess. Kian ging erstmal duschen. Mel ging gar nicht in ihr Zimmer, sondern erstmal frühstücken. Sie ging mit ihrem vollbeladenen Tablett zu Bryan, Kerry den Kids und Mark an den Tisch. Bryan und Mark redeten lautstark über irgendeinen Termin, den sie heute noch zu absolvieren hatten und Kerry war dabei Molly und Lilly zu füttern. "Soll ich dir helfen?" fragte Mel. "Das wär superlieb, ich kann so schlecht Lilly halten und Molly gleichzeitig füttern... " Mel nahm Kerry ihre jüngste Tochter ab und setzte sich hin. Sie hielt Lilly ihren kleinen Finger hin und die Kleine griff nach ihm, steckte ihn sogar in ihren Mund. Melanie lächelte. Lilly erinnerte sie so sehr an Maddie. Ihre Haare hatten die gleiche Farbe und ihr Lachen kam dem gleich, das Maddie in ihrem Alter auch gelacht hatte. "Warum grinst du so?" fragte Kerry belustigt. "Ach nichts, sie ist nur so süß!" sagte Mel mit gutem Gewissen. Wenigstens war das nur halb gelogen. Kerry widmete sich wieder Molly, die auf ihrem Schoss saß und vergeblich versuchte, den Löffel in ihren Mund zu bekommen. Sie half ihr dabei und zusammen klappte das schon besser. Nur einmal ging der Löffel vollkommen daneben, weil Molly gehört hatte, wie ihr Daddy ihren Namen erwähnte. "Pooh, du kleines Schweinchen, pass auf, wo du dein Essen hintust! Das gehört in den Mund!" herrschte Kerry sie an und Molly klimperte entschuldigend mit den ihren Augen. Für ein Kind hatte sie erstaunlich lange Wimpern. Kerry seufzte und statt noch etwas zu erwiedern wischte sie ihrer Tochter mit einer Serviette die Sauerei vom Kleidchen. "So, geh mal zu Tante Mel, ich muss jetzt Lilly füttern, Pooh, okay?" Molly nickte heftig und krabbelte von Kerrys Schoß auf Mels. Kerry hob derweilen Lilly hoch und fütterte sie ebenfalls. Molly wollte aber im Gegensatz zu ihrer kleinen Schwester nicht einfach auf Mels Schoß sitzen bleiben, sonder ein bisschen spielen. "Ich will spielen!" rief sie freudig und stellte sich auf Mels Knie. "Molly, lass das, dass " "Das ist schon okay Kez, sie ist doch noch klein, wiegt ja praktisch nichts!" Sie stellte Molly auf den Boden und stand ebenfalls auf. Mit Molly an den Händen fing sie an zu tanzen. Molly versuchte quietschend mitzukommen und fiel immer wieder lachend auf ihren Hintern. Nicht nur Molly machte es Spaß, auch Mel genoss es, ein kleines Kind um sich herum zu haben. Wenn man 5 Jahre lang praktisch jeden Tag ein Solches um sich herum hatte, fehlte einem irgendwann etwas, wenn es plötzlich nicht mehr da war. "Hey Mel, ich hab dich schon überall gesucht!" Sie sah erstaunt auf, als plötzlich Kian vor ihr stand. "Was gibt es denn?" Sie lächelte ihn an. "Kannst du mir vielleicht nachher mal bei der Choreografie helfen? Ich krieg das einfach nicht hin, und ich dachte, weil ich die ja sowieso mit dir..." Er kratzte sich am Kopf und tat verlegen, damit keiner der Anwesenden mitbekam, dass er gar keine Tansschritte üben wollte. "Klar, wann denn?" "Am besten noch vor der Tanzstunde, sonst werd ich wieder von Priscilla angeschrien, ausserdem hast du doch bestimmt heute Abend schon was vor!" "Stimmt, ich hab Helen versprochen, mit ihr ein paar Videos zu gucken, gut das du mich daran erinnerst!" Kians Blick wurde auf einmal ganz glasig. "Das Video!" raunte er mit heiserer Stimme und rannte wie vom Blitz getroffen weg. Melanie, Kerry, Bryan und Mark saßen wie versteinert an ihrem Tisch. Bryan räusperte sich nach einiger Zeit, in der sogar er sprachlos gewesen war. "So hab ich Kian noch nie erlebt! Und das will was heissen, Leute, ich kenn ihn schliesslich schon seit mindestens 5 Jahren!" Melanie verliess unter einem Vorwand den Tisch und ging rasch zu Kians Zimmer. Sie klopfte, doch sie bekam keine Antwort. Also entschloss sie sich, einfach hineinzugehen. Drinnen sah sie Kian, der hektisch in seinen Sachen herumkramte. "Kian?" Er drehte sich nicht zu ihr um. "Kian! Was ist mir dir los?" Sie ging auf ihn zu und legte ihre Hand auf seinen Arm. Erschrocken drehte er sich um. "Äh, was... " Seine Augen blitzten ihr stahlblau entgegen. Lachend winkte Melanie mit ihrer Hand vor seinem todernsten Gesicht. "Kian, was ist passiert, du bist voll seltsam drauf!" "Ah, mir ist nur was Wichtiges eingefallen!!" "Und was, wenn ich fragen darf?" Melanie umarmte ihn. "Darfst du nicht." Kian entzog sich ihrer Umarmung und sagte:" Geh jetzt bitte." Er sah starr aus dem Fenster. Melanies Lachen erstarb. "Aber..." "Nichts aber, geh!" Sie verzog ihr Gesicht. "Wenn du das möchtest." Sie ging hastig zur Tür und war schon fast draussen, als Kians Hand nach ihrer griff. "Hey, was machst du denn hier? Wolltest du schon wieder gehen?" Verwirrt sah Mel den lächelnden Kian an. "Sag mal hast du sie noch alle? Wenn das ne Entschuldigung sein soll, solltest du das noch mal üben!" Vor Wut schäumend konnte Mel sich gerade noch zurückhalten, ihm eine zu scheuern, bevor sie den Raum verliess und in ihr Zimmer stürmte.
Sie liess sich auf das Bett fallen und weinte. "Was ist nur in ihn gefahren?" fragte sie sich verbittert. Sie putze sich die Nase und setzte sich mit einem Trostkissen vor dem Bauch hin. Da klopfte es an ihrer Tür. "Mel?" "Wer ist da?" "Hier ist Hel" Sie ging zur Tür und schloss auf. "Hey." Sie liess Hel rein. "Was ist los, Mel? Ich hab dich weinen gehört. Hast du Heimweh?" Sie schüttelte den Kopf. Sie wollte ehrlich zu Hel sein, aber wie sollte sie ihr erklären, dass sie Liebeskummer wegen Kian hatte? Sie würde nie wieder ein Wort mit ihr reden. "Was ist dann los? Du kannst mir ruhig vertrauen, ich sag auch nichts weiter" Sie setzte sich zu Mel aufs Bett und nahm sie in den Arm. "Oh Hel, ich kann es dir nicht sagen." "Hat es was mit mir zu tun?" fragte sie. Mel blickte zu Boden. "Ich bin dir nicht böse, vielleicht können wir das Problem ja aus der Welt schaffen!" "Du wärst stinkesauer." "Wär ich nicht, ich kann sehr gut Kritik vertragen, du kannst dir ja gar nicht vorstellen, wie dass damals bei meinem Outing war!" "Es geht nicht." Helen musterte sie eingehend. "Okay. Ich kann dich ja nicht zwingen. Aber wenn du es dir anders überlegst, ich bin in meinem Zimmer, ja?" "Alles klar." Melanie drückte Hel nochmal an sich. "Dann schlaf mal gut." "Tschüss" Die Tür ging hinter Hel zu und die mühsam unterdrückten Tränen kamen hoch. Still weinte sie sie in ihr Kissen, als es ein weiteres Mal an der Tür klopfte. Diesmal öffnete die Tür sich von alleine und Kian trat ein. Schnell wischte Mel sich die Tränen weg. "Mel, es tut mir leid." "Ach, das ist aber schön. " Er setzte sich auf den Bettrand. "Hör mal..." Er kratzte sich am Kopf. "Ich kann mich echt nicht mehr daran erinnern, was ich eben zu dir gesagt habe, aber es war wohl nicht so toll, hab ich recht?" "Kann man wohl sagen." Er nahm ihre Hand in seine und streichelte sie. " Bitte verzeih mir. Ich hatte wohl einen totalen lack-out. Ich liebe dich." Mel sah in seine Augen. Sie hatten eine ganz andere Farbe als eben, wo er sie rausgeschmissen hatte. Sie versuchte sich zu erinnern, wie sie ausgesehen hatten, doch sie konnte es nicht mehr. Sie rutschte an ihn ran und nahm ihn in ihre Arme. "Ich dich auch." Sie schloss die Augen. Sein Duft strömte in ihre Nase. Er roch nach seinem Parfüm, dass sie irgendwo in seinem Zimmer rumstehen gesehen hatte, gestern Abend. Es war "Hugo Boss for Men". Plötzlich durchfuhr es Melanie wie ein Blitz. Hatte er nicht vorhin im Speisesaal irgendwas von einem Video gesagt? Was war das für ein Video? Was hatte es mit Kians seltsamen Verhalten zutun? Und vorallem - wo war es? Kian wusste es anscheined auch nicht. Aber erstmal musste sie ihre Ermittlung bei Shane zu Ende bringen. Wenn sie ihre Zeit verschwendete, um ein mysteriöses Video zu suchen, würde sie vielleicht eine wichtige Entwicklung im Casino verpassen, aber sie musste sich ein besseres Alibi für Kian verschaffen, damit er die Lunte nicht bald roch........
Zwei Tage später kam Melanie enttäuscht zurück ins Hotel. Sie war Shane wieder ins Casino gefolgt und hatte heute herausgefunden, was er dort trieb. Es war nicht mal halb so spektakular, wie es auf den ersten Blick wirkte: Keine Erpressung, nicht mal ein Drogenhandel oder sonst was Tolles. Nein, Shane war augenscheinlich bloß ein paar Mal dort gewesen, weil er sich seine Zeit vertreiben wollte und hatte wohl mehr Geld verspielt, als er bei sich trug. Viel mehr. Deswegen musste er das Geld; um es zurück zahlen zu können; warscheinlich in Raten von seinem Konto abheben, da die Bank sonst die Polizei gerufen hätte. Sie seuftze und legte sich erschöpft aufs Bett. Wie immer klopfte es nach ein paar Minuten des Rumdösens und Kian schlüpfte in den Raum. "Du bist ja schon wieder abgehauen!!" "Ich dachte du bist das langsam gewöhnt!" kicherte sie, um ihre Unsicherheit zu überspielen. "Sag mir, wo du warst, bitte. Ich werd das Gefühl nicht los, dass du mir irgendwas Wichtiges verschweigst!" "Kian, ich verschweige dir nichts. Du musst mir bloß vertrauen! Ich brauch manchmal ein bisschen Zeit für mich allein und im Moment ist diese Zeit eben nach dem Tanzen." "Shane hat mir erzählt, dass du in der Stadt warst, ich glaube kaum, dass du da alleine bist!" fauchte er wütend. "Hab ich gesagt, dass ich ganz allein sein will? Ich meinte, ich will niemanden um mich rum haben, den ich kenne, mit dem ich reden muss, oder den ich liebe!" funkelte sie zurück und Kian sackte in sich zusammen. "Es tut mir leid. Ich kann einem ganz schön auf den Geist gehen, mit meiner Eifersucht." sagte er geknickt. " Nein." flüsterte Mel liebevoll und hauchte ein Küsschen auf seine Wange. "Das zeigt doch bloß, dass du mich liebst und dass du dir Sorgen und Gedanken um mich machst!" Er küsste stürmisch und sie flog rückwärts aufs Bett. Als er da so auf ihr lag und sie küsste, fühlte sie die Tränen in sich aufsteigen. Diese Liebe hatte doch keinen Sinn! Jeden Tag hatten sie mindestens einen Streit wegen Mels Verschwinden und was würde erst nach den Ermittlungen sein? Doch im Moment war es mit Kian viel zu schön, als dass sie jetzt nein sagen könnte....
Am Morgen stieg Mel verschlafen aus dem Bett und weckte Kian. Es war noch früh, genau die richtige Zeit für ein bisschen Training. Die Vorhänge waren nicht ganz zugezogen und Mel sah den Sonnenaufgang am Horizont." Kian, hun?" Sie küsste seine Wange. "Hm, was ist denn?" nuschelte er undeutlich. Er redete zwar mit ihr, aber das war für ihn kein Grund sich auch nur einen Millimeter zu bewegen oder die Augen aufzuschlagen. "Aufstehen! Die Vöglein zwitschern schon und die Sonne geht auf! Zeit fürs Fitnessstudio! Oder bist du zu schlapp?" forderte sie ihn heraus. Kian stöhnte, bevor er sich langsam drehte und sie anblinzelte. "Wie spät haben wirs denn?" gähnte er. "Schon fast halb sieben. Du weisst doch, dass wir um 9 tanzen haben und wenn wir nicht jetzt gehen, brauchen wir gar nicht erst anfangen! Ich wollte mir heute eigentlich mal ne erfrischende Sauna gönnen!" kicherte sie. "Sauna? Na da komm ich doch glatt mit!" scherzte Kian und schälte sich mit gequältem Gesichtsausdruck aus dem warmen Bett. "Uhm, aber erst müssen wir trainieren!" hielt Mel ihn in seinem Eifer auf. "Das ist dann auch okay!" grinste Kian und fing an, seine Klamotten wieder aufzusammeln. Er hatte eine äusserst schlampige Art, sich auszuziehen. Er lief dabei im ganzen Zimmer umher und liess hier und da mal etwas fallen. Mel blieb nachdenklich stehen und fragte sich, wann er dabei auch das letzte Kleidungsstück fallen lassen würde.
"Komm schon, gibs mir du Schlappschwanz!" rief Mel und blieb in Abwehrposition stehen. Sie und Kian lieferten sich gerade einen erbitterten Boxkampf. "Mel, das ist doch unfair, du bist in viel besserer Verfassung als ich! Ist ja kein Wunder, dass ich dich nie kriege!" Er setzte sich frustriert auf die Bank. Sie lief auf ihn zu und Kian hob die Arme in die Luft. "Geben sie sich geschlagen, Mr. Egan? Das ist aber nicht sehr männlich!" "Danke für den Hinweis, Mrs. Polizistin!" gab Kian zurück und Mels Lächeln verschwand für ein paar Sekunden. Doch zum Glück war es Kian nicht aufgefallen, weil er sich im selben Augenblick schon zu ihr runter beugte und sie küsste. "Sie können mich jetzt abführen!" Mel brummelte was und küsste ihn nur weiter. "Heisst das...." Er schob sie ein wenig von sich weg."Heisst das, sie wiedersetzten sich ihrem Auftrag, den gesuchten Serienkiller in Gewahrsam zu nehmen?" Auf seinem Gesicht breitete sich ein breites Grinsen aus. Mel studierte ihn eingehend. "Ja" sagte sie ganz einfach und ihre Lippen senkten sich wieder auf seine. Ein paar Minuten gab Kian sich ihr noch stillschweigend hin, bevor er sie ganz plötzlich auf seine Arme nahm und in Richtung Sauna trug. "So madame, jetzt werde ich sie mal verhören. Was haben sie zu ihrer Verteidung zu sagen?" Er stiess die Tür auf. "Kian, bitte hör auf damit." "Wollen sie sich jetzt auch noch die Beamtenbeleidigung aufladen?" "Ich sagte, hör auf mit dem Scheiss Kian!" rief sie wütend und strampelte sich aus ihrer Umklammerung. "Was ist den los Mel, das was doch nur Spaß!" "Ich bin jetzt nicht zu Späßen aufgelegt!" Sie ging frustriert in die Umkleidekabine und zog sich aus. Zum Schluss wickelte sie sich ihr Handtuch fest um den Körper und klammerte sich daran fest. Sie wollte nicht, dass Kian ihr jetzt zunahe kam. Ihr ging dieses ewige Spiel mit dem Feuer auf die Nerven, besonders wenn Kian praktisch mit ihrer Identität spielte, ohne sich dessen bewusst zu sein. Er machte sowas öfter. Zwar war er noch nie so nahe gewesen wie eben, doch schon ein paar Mal hatte Mel fast die Nerven verloren. Sie holte nochmal tief Luft und lief in die eigentliche Saune. Kian saß schon dort und goß Wasser auf die glühenden Steine. Als sie den kleinen Holzraum betrat, kam ihr ein Hitzeschwall entgegen. "Puh!" rief sie überrascht. "Hast aber schon gut vorgeheizt!" "Wieso vorgeheizt? Du hast knapp zehn Minuten in der Umkleide verbracht! Ich dachte, du kommst jetzt im Abendkleid oder sonst was daraus! Was machen Frauen immer so lange? Es kann doch nicht so schwierig sein, sich auszuziehen und ein Handtuch umzuwickeln! Oder hast du etwa noch was anderes gemacht?" Kian lachte spitzbübisch. "Denk nicht so einen Schweinskram, Ki!" Sie setzte sich zu ihm und er fing direkt an sie zu küssen. Nach einer Weile bildeten sich die ersten Schweissperlen auf ihren Körpern, die sie sanft wegküssten. "Hmmmm, man riecht dein Parfüm so gut Ki!" "Gefällt es dir?" "Ja, es riecht toll!" "Lass mich doch mal deins riechen!" Er beugte seinen Kopf runter und küsste Melanies Dekoltée. "Wie riechst du denn?" Er fuhr unbeirrt fort, sein Mund verwöhnte sie weiter und er fuhr nach einer Weile mit den Lippen ihren Arm hoch und blickte ihr dabei in die Augen. Sie waren kristallblau und Melanie meinte, sein Verlangen in ihnen zu sehen. "Kian, ich-" begann Mel, aber Kian legte seinen Finger auf ihren Mund und küsste ihre Lippen darauf hin. Seine Hände fuhren über ihren Bauch, der noch von dem Handtuch verhüllt war und immer tiefer. Sie schob ihn vorsichtig von sich weg. "Kian, bitte lass mir noch Zeit. Ich bin nicht so weit." sagte sie und sah zum Boden. Er unterbrach seine Küsse und hob ihren Kopf mit dem Finger. "Hey, das macht nichts. " Er schloss ihre Hand in seine. "Ich hab seit Maddies Geburt keinen Mann mehr gehabt." sagte Mel leise. Kian sah sie erstaunt an. "Müssen die Männer blöd sein!" grinste er dann und umarmte sie fest. Er wollte sie zu nichts drängen, hielt sie einfach nur fest.
"Kian! Ich schlag die Tür ein, wenn du nicht in zehn Sekunden hier stehst! Wir müssen gleich zu einem wichtigen Termin! 1, 2, 3 ...." "Kian, jetzt geh schon!" flüsterte Mel aufgeregt und raffte schnell ihre Sachen zusammen, die auf dem Boden lagen. Sie war nicht gerade scharf darauf, hier von Anto erwischt zu werden. "4, 5, 6, Kian, jetzt komm schon!" Sie schob ihn zur Tür und versteckte sich dann schnell im Bad. Hastig zog sie ihre Sachen über, damit sie im Zweifelsfall nicht halb nackt vor Anto stehen würde. Kian hatte derweilen die Tür geöffnet. "Mensch Anto, weisst du, wie spät es ist?" "Ja, es ist viertel vor sieben. Aber aus sicheren Quellen weiss ich, dass du gestern noch früher aufgestanden bist, also stell dich nicht so an! In zwanzig Minuten bist du unten, sonst kannst du was erleben!" Er drehte sich um und ging den Gang hinunter. Alle anderen waren anscheinend schon geweckt. Seufzend schlurfte Kian ins Bad und umarmte Melanie von hinten, die gerade dabei war, sich das Gesicht zu waschen. Erschrocken spritzte sie ihn mit dem Wasser voll. "Hey, erschreck mich doch nicht so! Du bist ja ganz nass!" "Ja, dank dir!" grinste er und sie küsste ihn auf die Nasenspitze. "So junger Mann..." "Wie alt bist du eigentlich?" unterbrach Kian sie. "Man fragt eine Frau nicht nach ihrem Alter." "Du bist ja nicht irgendeine Frau!" "Sondern?" "Die Frau, die ich liebe!" "Oh, du bist do süß Ki" Sie umarmte ihn und er fuhr mit der Hand über ihren Rücken. "22" "Was?" "Ich bin 22!" "Ach so." Er küsste sie nochmal, bevor er sie losliess und aus dem Raum ging. Er zog sich schnell eine Jeans und ein lässiges Hemd über und ging wieder ins Bad. "Bin schon fertig!" "Hat ja auch lange genug gedauert!" Kian griff nach einem Kamm, der zwischen einer Menge anderem Kram lag und kämmte sich hastig. "Ich muss los, Süße,schliesst du bitte ab, wenn du fertig bist?" Er drückte Mel seinen Schlüssel in die Hand und lächelte ihr noch mal zu, dann war er verschwunden und kaum zwei Sekunden später hörte sie die Tür zuschlagen. Mel starrte auf ihre Hand. Sie hatte den Schlüssel! Das hiess freier Zugang auf Kians Zimmer und so konnte sie sich ungestört in seiner Abwesenheit nach dem Video umsehen! Grinsend verliess Mel erstmal den Raum, schloss ab und lief in ihr Zimmer. "Jetzt muss ich erstmal Sean anrufen...!" dachte sie, doch ihre Gedanken wurden von einem Klopfen unterbrochen. "Mel? Das Tanztraining wurde vorgelegt, kommst du?" Cecillia rief sie. "Ja, Moment noch!" rief sie zurück und stieg schnell in ihre Tanzklamotten. "Immer diese Änderungen..." murmelte sie genervt. "Na endlich, ich dachte schon du bist wieder eingeschlafen oder so!" "Ich war noch nicht angezogen... hatte mich ja eigentlich auf einen freien Vormittag eingestellt!" "Ja, ich versteh was du meinst. Manchmal gehsts hier echt drunter und drüber mit den Terminplanungen... ich versteh sowieso nicht, was wir üben wollen, wenn die Jungs gar nicht da sind!" "Naja, schon mal ein bisschen weitermachen oder an der Austrahlung feilen kann ja nie schaden!" lenkte Mel ein. "Ja, du hast recht." Sie drückte die Tür auf und die beiden standen im dunklen Tanzsaal. "Was ist denn jetzt los?" fragte Cecillia verwirrt. "Tja" seufzte Mel. "Da hat dich wohl jemand reingelegt Cec." "Und was machen wir jetzt?" Cecillia sah ihre Freundin fragend an. "Also ich geh jetzt wieder auf mein Zimmer." Sie stand auf und ging direkt zur Tür. "Wir sehen uns ja dann nachher noch mal!" Damit lief sie den Flur entlang zu ihrem Zimmer. "Jetzt kann ich doch noch Sean anrufen.... nein, vorher muss ich noch mal mit Maddie und Nicola reden!" Sie schnappte sich ihr Handy und wählte die Nummer. "Nicola Edwards!" "Hi Nico" "Ah Norah, wie gehts dir?" "Hm, ganz gut. Kann ich Maddie haben?" "Erst wenn du mir erzählst, was mit dir los ist." "Was soll schon mit mir los sein, ich bin ein bisschen müde. Bitte gib sie mir." "Norah, ich hör doch, dass es dir nicht gut geht! Du kannst doch deine beste Freundin nicht so einfach täuschen!" Sie seufzte. "Nico, bitte, ich will nicht am Telefon darüber reden." "Sollen wir kommen?" "NEIN! Bitte, es ist nicht so schlimm, ich kann mich wohl bloß doch nicht so gut verstellen wie ich dachte." Nicola war eine Weile still. "Okay, ich geb dir Maddie." Sie rief nach der Kleinen und sie kam mit tapsigen Schritten angerannt. "Hi Mummy" "Hi kleine Maus. Wie gehts dir?" "Super! Nicola kann super kochen und hab schon eine Freundin gefunden in der Nachbarschaft." "Oh, wie schön. " "Mummy, wann kommst du endlich wieder? Ich vermisse dich." "Schatz, Süße, das dauert noch eine ganze Weile. Das haben wir doch letzes Mal schon beredet." "Aber da war es doch auch noch so lange und das ist schon über zwei Wochen her." "Maddie, einige Monate wirst du noch warten müssen!" "Aber wieso denn? Wieso bist du nicht hier, wie Isas Mummy? Die spielt immer mit uns Puppen, wenn wir bei Isa sind!" " Hat Isa einen Daddy?" "Ja" "Na siehst du. Dann muss Isas Mummy ja auch nicht arbeiten gehen, so wie ich. Wenn ich nicht arbeiten würde, hätten wir bald nichts mehr zu essen!" "Keine Schokolade?" fragte Maddie leise. "Nein, auch keine Schokolade." "Komm trotzdem schnell wieder, okay?" "Ich beeil mich." Melanie lächelte, als sie sich vorstellte, wie Maddie auf einem Bein, den Telefonhörer mit ihren beiden kleinen Händen umklammert, in Nicolas Flur stand und auf ihrer Lippe kaute. Das machte sie immer, wenn sie telefonierte. Genau wie sie selbst auch. "Nico sagt, wir müssen jetzt los." "Wohin denn?" "Nico, wohin müssen wir denn?" Im Hintergrund hörte Mel ein unverständliches Gemurmel. "Zu Kacey." "Warum denn?" "Warum denn Nico?" Mel hörte Nicolas Schritte auf ihrem Parkett. "Das müsstest du eigentlich selber wissen." Mel überlegte einen Moment. "Shit, sie hat ja heute Geburtstag! Oh man." "Ja, das kannst du wohl laut sagen. Soll ich ihr schöne Grüße ausrichten?" "Ja, bitte mach das, oh, ich wär so gern dabei, die Parties bei Kacey sind immer so toll! Nico, ich vermiss euch so!" "Wir dich doch auch No, aber es ist dein Beruf, du hast es dir selber ausgesucht und es hat dich wohl keiner gezwungen, oder?" Sie schwieg. "Komm schon, Kopf hoch, so lange ist das auch nicht mehr hin, bis wir uns wiedersehen." "Nein, aber trotzdem." schluchzte sie. "Weisst du, wie schwer es ist, hier zu sein? Sich den ganzen Tag zu verstellen? Nicht Norah Ferrell sondern Melanie Griffin zu sein?" "Oh Norah, bitte, es ist schon schwer genug für uns hier ohne dich, immerhin hab ich jetzt die ganze Zeit deine Kleine am Bein hängen, das ist auch total ungewohnt für mich!" "Ja, du hast ja recht. Ich glaub, ihr müsst jetzt los, oder? Grüß bitte alle von mir und pass auf Madeleine auf, okay?" "Ist gut, mach ich. Wir hören uns bald mal wieder, ja?" "Ja, tschüss." "Ciao." Sie legte auf und ein paar Tränen liefen ihr die Wange runter. Sie blieb noch auf dem Bett sitzen, bis diese wieder getrocknet waren. Als sie aufstand und sich umsah, fiel ihr Blick auf Kians Zimmerschlüssel. "Wenn nicht jetzt, wann denn dann?" fragte sie sich leise, wischte sich die Tränen weg und lief zu Kians Zimmer. Sie sah sich mit klopfendem Herzen um, doch der Flur gab keinen Grund zur Beunruhigung. Er lag ausgestorben wie eh und je da und trotzdem schloss Mel mit zitternden Händen auf. Sie schlüpfte durch die Tür und schloss sie hastig wieder. Erstmal blieb sie stocksteif an der Tür stehen, bis sich ihr Herz beruhigt hatte. Dann lief sie zielstrebig zu Kians Schrank und wühlte dort ein bisschen drin rum. Nirgendwo fand sie ein Video. Weiter. Unterm Bett fand sie bloß ein paar Cds, einen Discman und ein paar Socken. Wo konnte dieses Video denn noch sein? Vielleicht in dem Schränkchen an seinem Bett?! Sie zog die Schubladen raus und durchsuchte sie. Autogrammkarten, Fotos, Cds, Geld, Visitenkarten, Adressbücher, lose Zettel mit wirrem Gekrakel drauf, ein Taschenbuch, dass noch ziemlich neu aussah, ein altes Handy und ein paar Cremes lagen in der ersten Schublade, in der zweiten fand Mel eine Menge Papierkram und eine Packung Kondome. "Na toll." dachte sie. "Es sind doch eh alle Männer gleich." Frustriert suchte sie weiter. Auf dem Seitbord stand eine große Schüssel mit Obst, quer darüber lag eine blaue Jeans, daneben ein T-Shirt, ein Stapel Zeitungen und ein Haufen Schmuck. Es waren mehrere Goldketten, ein paar große, protzige Silberketten, Armbänder, Uhren aller Art, zierliche, breite, digitale, alte, moderne, teure, billige, ausserdem noch eine Menge Ringe. Die meisten waren klein und besaßen höchstens ein Ministeinchen, doch einer war nicht nur groß, sondern auch so schwer, dass er gut und gerne aus echtem Gold sein konnte. Auf der breiten Vordeseite war so eine Art Wappen eingeprägt, eine Lilie mit feinen, blaß-blauen und dunkelroten Steinen darin. Er sah sehr alt und teuer aus. "Bestimmt ein Erbstück." dachte Mel. Plötzlich hörte sie ein lautes Knarren hinter sich und wirbelte ängstlich herum. "Was machst du denn hier?" fragte Kian sie erstaunt. "Ich ... ich such mein Handy! Ich hab es heute Morgen hier vergessen, glaub ich." "Und weisst du nicht mehr, wo du es hingelegt hast?" Er kam zu ihr und umarmte sie zärtlich. "Dann würde ich ja nicht suchen, oder?" "Nein, warscheinlich nicht." "Wie war der Termin?" "Wie soll der schon gewesen sein, super toll natürlich, ich liebe es, von wildfremden Leuten über mein Leben ausgequetscht zu werden!""Hey, die Frage war ernst gemeint!" "Die Antwort auch!" Mel drehte sich in seiner Umarmung und legte ihre Arme um seinen Hals. "Hey." Sie stupste mit ihrer Nase gegen seine und er sah sie eingehend an. "Hast du geweint?" Mel drehte ihren Kopf weg. "Mel, was ist los?" "Ich hab mit Maddie telefoniert." Er drückte sie fest. "Du vermisst sie sehr, nicht wahr?" Mel nickte nur, damit sie nicht schon wieder weinen musste. "Oh Mel, nicht weinen, du siehst sie doch bestimmt schon bald wieder, du bist doch stark, du schaffst das schon!" versuchte Kian Melanie zu trösten. Er bermerkte gerade zum ersten Mal, wie viele Seiten Mel hatte. Beim ersten Aufeinandertreffen dachte er, sie wäre ein Freak, sie sah irgendwie so mysteriös aus, so dünn und doch mit ihrer weiten Klamotten so...schräg, ausgeflippt. Erst hielt er sie für zickig, dann merkte er, dass sie eine ganz schöne Power hatte und nicht auf den Mund gefallen war, bevor es sogar so weit kam, dass er sich in sie verliebte. Und heute entdeckte er eine weitere Seite, die verletzliche, die weiche, die, die eine Schulter zum anlehnen brauchte.
"Süße?" Mel schaute zu Kian hoch. "Wir müssen gleich los zum tanzen." "Ist okay. Ich geh mich eben frisch machen. Geh du schon mal vor, sonst wird das zu auffällig!" grinste Mel. Kian nickte. "Gut. Bis gleich." Er gab ihr noch einen flüchtigen Kuss, bevor sie sein Zimmer verliess und in ihres huschte. Sie zog sich ein anderes Top an und wusch sich das Gesicht gründlich. Danach lief sie den mittlerweile gut bekannten Weg zum Tanzsaal und stiess mit Elan die Tür auf. Diesmal war der Saal hell erleuchtet, es lief Musik und Priscilla brüllte schon ihre Befehle umher. "Hi." sagte sie leise und ging auf ihren Platz, neben Kian. Er lächelte sie liebevoll an und Mel fühlte ein wohliges Kribbeln in ihrem Bauch. "Ich bin ihm restlos verfallen" dachte sie und schallt sich im nächsten Moment zur Achtsamkeit. Sie durfte sich keine Fehler leisten. "Und 1, 2, 3 und los! Rechts, links, fallen, Ausfallschritt, drehen, drehen...... und weiter machen bitte, sehr schön, das sieht gut aus..... Mark, würdest du bitte aufhören, in Naomis Ausschnitt zu gucken, ja? Danke. Drehung, Plié, jetzt die Arme dazu... Nein, stopp, aus! STOPP!" "Kian, du bist viel zu verkrampft, du musst mit viel mehr Leidenschaft tanzen! So ...." Priscilla machte es vor. "Du musst mit deiner Partnerin harmonieren, ihr müsst synchron sein!" Kian murmelte etwas unverständliches und lief rot an. Als Priscilla sich zufreiden wieder den anderen zu wendete, streichelte Mel unauffällig seinen Arm. "Hey." flüsterte sie. "Wir harmonieren doch, oder?" Kian lächelte sie an und konnte sich nur schwer beherrschen, sie nicht zu küssen. Stattdessen hielt er ihre Hand auf seinem Arm fest und fuhr mit seinem Finger darüber.
"Hey Mark." Mel setzte sich gemütlich neben ihn und linste auf seinen aufgefalteten Briefbogen. "Was gibts Neues von da draussen?" Sie biss herzhaft in ihr Brötchen. "Das geht dich gar nichts an!" schnaubte er und rutschte ein Stück weg. "Sorry. Ich wollte dir nicht zu Nahe treten." sagte Mel nun auch verärgert und räumte das Feld.
"Süßer, ich geh mal eben duschen, okay?" "Ist gut, ich warte hier auf dich!" grinste Kian schelmisch und schickte ihr noch ein Luftküsschen zu. Sie duschte sich schnell, denn sie wollte so schnell wie möglich in ihr Bett und mit Kian kuscheln. Sie rubbelte sich nur flüchtig trocken und eilte zurück ins Schlafzimmer. Dort starrte ihr ein wütender Kian entgegen, der ihr Handy in der Hand hielt. "Wer ist Sean?!" fragte er leise, aber bestimmt. "Sean? Hat er angerufen?" "JA! Wer ist er verdammt!" "Mein ..bester Freund...." "LÜG MICH DOCH NICHT AN! WEISST DU WIE ER SICH GEMELDET HAT? 'Hi Süße, wollte mal hören, ob's dir gut geht, hab schon so lange nichts mehr von dir gehört. Langsam mach ich mir Sorgen um dich!' " "Kian, bitte... hör auf so zu brüllen...." "ICH BRÜLL DOCH GAR NICHT!" "Bitte, bitte lass es mich doch erklären...." Mel massierte sich ihre Schläfen und sank langsam auf das Bett. Kian stand ihr genau gegenüber. 'Das wächst mir alles über den Kopf hier....' dachte Mel verzweifelt. "Sean, ist wirklich ein Freund von mir, ehrlich." Mel blickte Kian geradewegs in die Augen. "Ich kenn ihn seit einer halben Ewigkeit, hab mal für ihr gearbeitet und ich war auch mal ne Zeit lang mit ihm zusammen, ja." Mittlerweile lief sie wild gestikulierend im Zimmer herum. "Was ist so schlimm daran, das er mich 'Süße' nennt? Glaubst du, der Name ist nur für dich reserviert, oder was? Ich hab nun mal auch Vergangenheit, Kian! Die kann ich nicht einfach abstellen, auch wenn ich jetzt dich liebe." Kaum drei Zentimeter war sein Gesicht entfernt. Sie nahm es in ihre Hände und küsste ihn. "Bitte glaub mir..." wisperte sie. " Das zwischen Sean und mir ist lange vorbei, das war noch vor Maddies Geburt, bevor ich ihren Vater überhaupt kannte..." Kians Arme schlungen sich um sie. "Was meinte er mit ' Hast du was Neues gefunden?' "Ach das." wehrte Mel ab. "Das ist so'n alter Witz zwischen uns. Er wollte wissen, ob ich einen neuen Kerl hab." log Mel. "Dann hätte ich ja mit JA antworten können." scherzte Kian. "Tut mir leid. Manchmal bin ich mit meiner Eifersucht unerträglich." "Ist schon okay, es war einfach ne dumme Situation." Sie liessen sich erschöpft wie erleichtert auf das Bett fallen und kuschelten sich eng aneinander. Eine Weile dösten sie vor sich hin, aber plötzlich schnaubte Kian laut. "Was ist los?" "Mir ist nur grad aufgefallen, dass wir so gut wie gar nichts voneinander wissen!" Mel richtete sich ein wenig auf, sodass sie ihren Kopf auf seine Brust legen und ihm in die Augen sehen konnte. "Was willst du wissen?" "Deinen Geburtstag, wo du wohnst, wie deine Freunde heissen, welche Jobs du bis jetzt hattest...!" "Halt halt, alles nach einander. Also, mein Geburtstag ist am 20.03 und Maddies am 2.10. Ich wohne im Moment in Dunster, das ist am Bristol Channel, ganz nah am Wasser, aufgewachsen bin ich aber in Beckingston, das liegt in der Nähe vom Stonehenge. Was wolltest du noch wissen?" "Deine Freunde!" "Kacey, Liza, Nicola, Matthew, Paul, Sean, Veronica, Heather, Calvin, Brad, Tom, Barney, Lennard und Catherine. Kacey hatte gestern Geburststag, Liza und Matthew sind zusammen, Paul ist mit Veronica verheiratet, Calvin und Brad sind Amerikaner, Tom ist schwul, Heather ist Model, Lennard und Catherine haben Zwillinge bekommen...." "Hey, hey, so genau wollte ich es gar nicht wissen!" stotterte Kian." Das kann ich mir eh nie im Leben merken....!" "Okay, nächste Frage." "Irgendwelche Jobs?" "Mein erster Job war Zeitung austragen, dann war ich Kellnerin in einem Café, aber da bin ich wegen Unfreundlichkeit rausgeflogen. Dann hab ich mir mit babysitten Geld verdient, dann wurde ich Pizzalieferantin. das war alles neben meinem Journalistikstudium. Dann hab ich mir einen Job bei der Sun gesucht, aber irgendwie gemerkt, dass das nichts für mich ist. Dann war ich ne ganze Zeit wegen Maddie arbeitslos und dann...." Sie holte tief Luft. Eigentlich würde jetzt der Job bei der Polizei kommen. "Dann bin ich hauptberuflich Tänzerin geworden." "Wow, ganz schöne Abwechslung, was?" "Ja, das kann man wohl sagen. Und mein letzter Job hat mir mit Abstand am besten gefallen." "Wie siehts aus mit Freunden? Ich meine richtige Freunde, männlicher Art." "Hm. Mein erstes Mal hatte ich mit 14. Viel zu früh, wenn ich heute darüber nachdenke. Er hiess Timothy und war der perfekte Schwiegersohn, denn meine Mutter sich immer wünschte. Deswegen durfte er auch immer bei mir sein. Meine Eltern meinten, er würde nie etwas tun. Es war ein totaler Reinfall. Ich hab ihm danach ziemlich schnell den Laufpass gegeben. Meine Mutter war wahnsinnig sauer.... Naja, dann kam Sean. Da war ich grade 15 einhalb oder so. Er war neu und ich mochte ihn auf Anhieb. So hats sich halt ergeben... zum Glück sind wir danach Freunde geblieben! Und dann.... " Sie brach ab. "Dann kam Maddies Vater."vermutete Kian. Sie nickte. "Er war so lieb..... Simon hiess er, auf der ganzen Schule beliebt, gut aussehend, sportlich, gut in der Schule, ein Traumtyp. Ich weiss gar nicht mehr, wie wir zusammengekommen sind, warscheinlich hab ichs verdrängt, weil ich so enttäuscht war. Wir waren.... zwei Monate zusammen gewesen, als er Schluss machte, weil er ne Neue hatte. Schöner, schlanker, blonder, besser. Erst nach drei Monaten bemerkte ich, dass ich schwanger war und als ich es ihm sagte, interessierte es ihn einen Scheissdreck. Er dachte, ich wäre immer noch nicht über ihn weg, dabei hielt ich mittlerweile von ihm so viel, wie von seinen Freundinnen. Er hatte zwischendurch schon wieder vier Neue. Abgesehen von diesem Problem mit Simon, rasteten meine Eltern auch noch vollkommen aus. Ich bin damals einfach abgehauen, als ich im 5. Monat war. Zu einer Freundin. Meine Eltern unternahmen keinen Versuch, mich zurück zu holen. Tja, und schliesslich haben sie mich ein einziges Mal im Krankenhaus besucht, um nicht vor der Nachbarschaft als Rabeneltern da zustehen. Das ist jetzt 5 Jahre her. Sie haben Maddie seitdem nicht mehr gesehen, nur zu ihrem Geburtstag teure Geschenke geschickt. Soviel zu meinen Ex-Freunden. Ich hoffe, du reihst dich nicht allzu schnell in diese Reihe ein...."
Um halb neun Uhr morgens fuhr die ganze Tanzcrew in die Halle. Es waren noch zwei Wochen bis Tourbeginn und alles ging drunter und drüber. Die Bühne war noch nicht richtig fertig, die Lichter gingen noch nicht, die Kostüme waren noch nicht fertig, die Choreografie war nicht beendet. "Ein einziges Chaos!" rief Anto gestresst. "Melanie, Liebes, tu mir denn Gefallen und steh hier nicht im Weg rum, du störst hier alle. Geh zu Kian und üb nochmal oder tu sonst was, hauptsache du hälst niemanden auf!" Er ging vondannen und Mel ging zu Kian. "Kian, wir sollen ein wenig üben, hat Anto gesagt." "Hat er gesagt, was wir üben sollen?" Er legte seine Arme um ihre Hüften. "Hm, nein." Kian senkte seine Lippen zu ihren und küsste sie zärtlich. Sie waren in einem der sieben Backstageräume und jeden Moment konnte jemand reinkommen. "Ki." wisperte Mel. "Was ist, wenn jemand kommt?" "Dann bringen wir ihn um und ätzten die Leiche in Salzsäure weg." scherzte Kian, ohne aufzuhören, sie zu küssen. Im Prinzip war es sowieso völlig egal, ob sie jemand sah, oder nicht. Nur Mel fühlte sich besser, wenn keiner davon wusste.
"Okay, alle Mann auf die Plattform da, da fangen wir an. Alle Jungs bitte mal Rücken an Rücken hinsetzten. Nein, doch nicht immer zwei, ALLE! So im Kreis halt. Ja, genau." "Und was machen wir?" fragte Ella. "Warte noch einen Augenblick. Köpfe runter, Arme schlaff hängen lassen, Knie angezogen, klar?" Priscilla sah alle eingehend an. "Gut, dann zu den Damen. Ihr rennt von allen Seiten auf eure Partner zu und zieht sie ruckartig hoch. Aber nicht so schwerfällig rennen, sondern schon fast - ja, anmutig schweben, aber eben schnell. Wenn das Ding also mit den Jungs hochgefahren kommt, wartet ihr bis sie oben sind, noch ein bisschen, bis zu einem bestimmten Ton in der Anfangsmusik, den sag ich euch noch und dann schwebt ihr los, schnappt euch euren Partner und nehmt ihn mit zu eurer Startposition. Versuchen wirs mal. Tun wir mal so, als ob dieses Schrottteil hier schon gehen würde..." Sie trat gegen die Plattform. "Und ich zähle bis 40. Dann rennt ihr los. 1, 2, 3, 4, 5.... 40!" Die Tänzerinnen rannten los und sofort stoppte Pris das ganze Spektakel. "So geht das nicht, so geht das nicht. Ihr sollt nicht stampfen, sondern schweben....! Und ihr sollt auf den Boden gucken, Mark! Also noch mal von vorne... 1, 2, 3, 40!" Sie übersprang ein paar Zahlen und diesmal guckte sie zufrieden, als die Mädchen losliefen. "Schon besser." warf sie dazwischen. Inzwischen zogen sie die Jungs hoch und gingen auf ihre Positionen. "Das war sehr gut. Ein bisschen mehr Spannung in die Körper bitte und ihr musst ganz ruckartig losren- losschweben mein ich. Und eure Schritte dürft ihr nicht hören, wie auf einem weichen Boden, lautlos schweben, aber mit Körperspannung! Nochmal, dann mit Musik und dann habt ihr erstmal Pause." Aus dem 'noch einmal und dann mit Musik' wurden 'noch ein paar Mal und dann mit Musik' und die Probe zog sich immer länger hin. Als sie am Ende wirklich entlassen wurden, war Priscilla zufrieden und alle anderen einfach nur hundemüde und hungrig. Mel schlenderte mit Cecillia, Helen und Naomi zu den Backstageräumen und blickte Kian sehnsüchtig hinterher. Er unterhielt sich angeregt mit Shane, sah sie aber trotzdem an. Sie lächelte, als er ihr einen von Shane unbemerkten Luftkuss zuwarf und drehte sich zufrieden wieder um. Sie schnappten sich jeder eine große Flasche Wasser und warfen sich auf eines der vielen Sofas. "Ich bin vollkommen erledigt, dabei war das doch gar nicht so schwierig..." seufzte Helen." Das Neue vielleicht nicht, aber wir haben ja auch noch zehn Mal alles Alte wiederholt!" warf Naomi ein. Helen nickte bloß und schloss erschöpft die Augen. Ein paar Sekunden später war sie eingeschlafen. "Die ist echt fertig mit der Welt. Hat sie immernoch solche Probleme?" fragte Melanie. "Sie redet kaum darüber." sagte Cecillia und streichelte Helen über die Wange. Sie seufzte und drehte sich ein wenig weg. "Lass uns wo anders hingehen, damit sie ein bisschen schlafen kann." schlug Mel vor.
"Hey Mädels, wollt ihr auch kommen heute Abend? Wir wollen uns ein paar Videos reinziehen... wenn ihr Lust habt, kommt einfach um acht zu mir, okay?" lud Bryan sie ein. "Ist gut!" Cecillia war sofort Feuer und Flamme. Melanie dagegen warf Kian erstmal einen verstohlenen Blick zu, der soviel heissen sollte, wie: 'Gehst du hin?' Er nickte ihr zu und nun stimmte auch sie zu.
Mel und Kian trafen sich vor Bryans Türe. "Hey Mel" Er küsste sie schnell und streichelte ihr durchs Haar. "Alles klar?" "Yep. Let's go!" Er drückte nochmal ihre Hand, bevor er ohne zu klopfen einfach ins Zimmer ging. "Ah, da seid ihr ja endlich, ich dachte schon, ihr kommt nicht mehr!" empfing Bryan sie. Alle saßen gemütlich um den Fernseher rum und vor ihnen standen eine Menge Leckerreien. Mel liess sich nieder und griff danach. "Was gucken wir überhaupt?" "Ihr habt die Qual der Wahl. Ich hab bei keiner dieser Kassetten eine Ahnung, was es für ein Film ist." Melanie lachte leise und auch Kian konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Nimm den dritten von rechts" schlug Mark vor. "Auf deine Verantwortung." scherzte Bryan und zog den Film aus dem Regal. Kian sah ihm vollkommen gebannt dabei zu, die Stirn in tiefe Falten gelegt und der Mund verkniffen. "Ki, ist was?" flüsterte Mel und tippte ihn an. Er beachtete sie gar nicht, starrte nur weiter mit glasigen Augen auf die Kassetten. Seufzend drehte Mel sich zum Bildschirm. Der Film hatte schon lange angefangen, als Kian näher an sie ran rutschte und unauffällig ihre Hand griff. Sie drückte sie, sah jedoch weiter zum Fernseher. Der Film war wohl ein ganz guter Fang gewesen, etwas Spannendes mit ein bisschen Lovestory drin, aber keiner wusste den Namen. Vier Stunden und zwei Filme später, verabschiedeten sich langsam alle. "Bryan." gähnte Melanie. "Ich muss auch ins Bett, ich schlaf gleich im Stehen ein..." "Soll ich dich stützen?" scherzte er und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Dann schlaf mal gut!" "Mach ich bestimmt." Melanie verliess sich die Augen reibend das Zimmer und schlüpfte in Kians. Doch der liess noch auf sich warten. "Bryan, kann ich mir noch ein paar Videos ausleihen? Ich kann abends nie schlafen, aber ich will euch jetzt auch nicht mehr stören...!" "Klar, nimm dir ruhig welche raus, ich kann eh nicht alle gleichzeitig gucken, von daher ist's mir vollkommen egal." "Danke!" Kian ging zum Schrank und zog wahllos drei Videos heraus. "Bis Morgen dann" rief er Bryan und Kerry zu, die im Badezimmer waren. Leise ging er denn Gang zu seinem Zimmer entlang. "Hier bist du" sagte er zu Mel, die sich in sein Bett gekuschelt hatte, als er hereinkam. "Hm..." gab Mel leise von sich. Sie war hundemüde. Kian ging sich noch kurz waschen, das legte er sich ganz nah an Melanie ran und umarmte sie fest. Sie lächelte leicht und kuschelte sich an seine Brust. Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und schlief zufrieden ein.
"Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday meine Süße....... happy birthday to you!" Melanie erwachte ein paar Tage später von Kians leisem Gesang. "Guten Morgen." sagte sie noch schläfrig. "Guten Morgen, alles Gute zum Geburtstag!" Kian beugte sich über sie und küsste sie auf die Nasenspitze. "Hmmmm, danke. Ich hab gar keine Lust aufzustehen!" "Och komm, man wird nur einmal 23!" "Musst du grad sagen, du bist doch schon seit drei Jahren 23!" kicherte Mel und Kian setzte sich auf ihren Bauch. "Das hast du nicht umsonst gesagt!" grinste er und senkte seine Lippen auf ihre. Melanie schloss die Augen und genoss diesen Moment. Sie hatte in der Nacht von Maddie geträumt und ziemlich schlecht geschlafen deswegen. "Ich hab ein Geschenk für dich." sagte Kian plötzlich, bevor er sie noch einmal zärtlich küsste. Er rutschte von ihr runter und zog ein Päckchen aus einer Tüte, die auf dem Boden lag. Er setzte sich, aber diesmal neben sie und hielt es ihr hin. "Mach es auf!" ermutigte Kian sie, als sie zögerte. Sie öffnete die schmale Schachtel und zwei kleine Dinge fielen heraus. "Vorsicht" warnte Kian. Mel hob sie vorsichtig auf. Es waren eine Kette und ein Ring. Die Kette war silbern und sehr filigran mit einzelnen, in Blumenform geschliefenen, blauen Steinchen versehen, der Ring trug ebenfalls einenen solchen."Oh mein Gott." stiess sie hervor. "Gefallen sie dir?" "Oh Kian, sie sind wunderschön!" Sie fiel ihm um den Hals. "Danke. Danke danke danke." schluchzte Mel. " Ich liebe dich so sehr Kian!" Sie ruschte auf seinen Schoß und drückte ihn runter in die Kissen. Ihre Lippen sanken auf seine und liebkosten sie sanft. Kian schlang seine Arme um sie und zog sie näher zu sich ran. Seine Zunge suchte sich Einlass in ihren Mund und bald fand er ihre und spielte gierig mit ihr. Seine Hände fuhren über ihren Rücken und setzten ihre Reise nach vorne fort. Er liebkoste ihre Brüste und fuhr ihr langsam unters T- Shirt. Seine kalten Hände brannten auf Melanies Haut wie Feuer und sie stöhnte laut. Auch ihre Hände gingen auf Wanderschaft und öffneten Kians Hose. Dabei sah sie ihm fest in seine Augen, die sie fragend ansahen. Langsam zog sie das Teil runter und warf es auf den Boden. Dann fuhr sie Kian mit fahrigen Händen durch die Haare und küsste ihn stürmisch. Die Träger ihres Nachthemdes rutschten runter und Kian zog noch ein wenig mehr daran, sodass es ihr nun nur noch um die Hüften hing. Sie trug nichts darunter und Kian streichelte sanft ihre weichen Brüste. Er küsste sie zärtlich, umfuhr sie Brustwarzen mit seiner warmen Zunge. Melanie war sich dessen bewusst, was gleich passieren würde und selbst wenn sie gewollt hätte, hätte sie sich nicht mehr stoppen können. Seit mehr als 5 Jahren hatte sie keinen Freund, geschweigeden Sex gehabt und sie wusste, dass Kian der Richtige war, um sie jetzt und hier zu nehmen. Als ihre Hand zu seiner Boxershorts fuhr, spürte sie seine Erregung deutlich. Sie zog ihm das lästige Ding auch runter und zog sich auch ihr Hemd vom heissen Körper. Kian zog sie ein Stück zu sich hoch und sie setzte sich auf ihn. Er drang vorsichtig ihn sie ein und küsste sie gleichzeitig leidenschaftlich. Ihre Bewegungen auf ihm raubten ihm fast den Verstand und der Rhythmus wurde immer wilder und schneller. Ihr Atem ging schnell und er stöhnte erregt. Seine Hände waren überall auf ihrem Körper. Ihr Bauch kribbelte heftig und sie spürte, dass sie kurz vor dem Höhepunkt war. Ihre Hände hielten sich gegenseitig fest und Kian atmete laut aus. Er schien ebenfalls soweit zu sein und fast zeitgleich stiessen sie einen lauten Schrei aus und liessen sich danach erschöpft sinken. Kian küsste ihre Stirn, bevor sie von ihm runter stieg. Ihre Hände ruhten immernoch ineinander und Mel blickte Kian glücklich an. Er stand auf und zog sich lächelnd die Hose wieder an. "Lass uns mal runter gehen, ich hab ziemlichen Hunger!" "Gute Idee, ich auch.!""Dann zieh dich mal lieber an, oder willst du so gehen?" Kian grinste. "Ich hätte nichts dagegen!" Er zog seinen Hosenstall zu. "Und was soll ich deiner Meinung den anderen sagen, wenn ich dann unten bin?" "Das es dir zu heiss war!" "Da würde ich ja noch nicht mal lügen!" kicherte Mel. Kian zog sein Shirt über den Kopf. Mel stand seufzend auf und ging zu ihrem Schrank. "Wie wärs mit dem hier, Ki?" Mel zeigte ihm ein leichtes, in grün gehaltenes Sommerkleid. "Das ist süß! Passt zu deinen Haaren." stellte kian fachmännisch fest. "Oder lieber dieses hier?" Sie hielt ein asiatisch angehauchtes, rotes Kleid hoch. "Nee, eher das andere." "Und was ist mit dem Rock und dem Top?" "Hm. Die Farbe von dem Top gefällt mir nicht so gut.""Okay, also das Kleid." Sie warf den anderen Kram wieder in den Schrank und stieg in ihre Unterwäsche, dann streifte sie sich das Kleid über. "Kannst du mal den Reissverschluss zu machen?" "Klar." Kian zog den Zipper hoch und küsste danach ihren Nacken. Im Spiegel vor ihnen sahen sie sich in die Aagen. "Du bist wunderschön." flüsterte er. "Nicht so schön wie du." flüsterte sie zurück und drehte sich, sodass sie ihm ins echte Gesicht, nicht nur in sein Spiegelbild, schauen konnte. "Gibst du mir mal die Kette und den Ring?" Kian ging zum Bett und durchsuchte es nach dem Schmuck. "Hier!" Er stellte sich wieder hinter sie und legte ihr die Kette um. Sie schmiegte sich kalt auf ihre warme Haut und glitzterte im Licht, das durch das Fenster in das Zimmer fiel. Mel steckte sich den Ring an und band sich die Haare zurück. "Lass sie auf." Mel blickte ihn an." Was soll ich auflassen?" "Deine Haare. Sie fallen so schön in dein Gesicht, wenn sie offen sind!" Er zog sie an sich. "Okay, wenn du willst!" "Lass uns gehen, sonst ist gleich alles leer gefressen!" "Melanie lachte und küsste ihn noch mal schnell. Dann verliessen sie Mels Zimmer und schlenderten zum Aufzug. Als sie unten im Speisesaal waren, liessen sie ihre Hände los, aber nicht bevor sie sich noch einmal geküsst hatten. Shane stand mit Gillian, Nicky und Georgina ebenfalls im Speisesaal und sie unterhielten sich angeregt. Nickys Hand ruhte auf Ginas Bauch und streichelte ihn zärtlich. Sie würde ihm in weniger als 4 Monaten ein Mädchen schenken. Die beiden gingen zu der Gruppe, doch bevor sie sie erreichten, hörte Mel eine piepsige Stimme hinter sich. "Mummy?" Erschrocken wirbelte Mel herum und ihre Haare flogen durch die Luft. "Maddie!" stiess sie hervor und rannte zu dem kleinen Mädchen in dem rotgetupftem Kleidchen, mit den hellbraunen, zu Zöpfchen geflochtenen Haaren. "Oh mein Schatz, meine kleine Maddie, was machst du denn hier? Ich hab dich so vermisst! Lass dich ansehen, du bist gewachsen!!" Maddie grinste stolz. "2 Zentimeter!" "Toll! Hast wohl immer dein Gemüse gegessen, oder?" Die Kleine nickte heftig. "Hey No." hörte Mel eine Stimme über sich, sodass sie hoch sah. "Nicola! Du bist so verrückt!" Sie fiel ihrer Freundin in die Arme. "Hallo erstmal Norah! Ich konnte dich doch an deinem Geburtstag nicht alleine lassen, noch dazu wenn deine Süße nicht bei dir ist! Wie gehts dir überhaupt?" "Oh, mir gehts blendend!" "Das sieht man! Wollen wir uns nicht irgendwo hinsetzen und ein bisschen quatschen?" fragte Nicola. "Ja, klar, lass uns mal zu den anderen gehen, die musst du unbedingt kennen lernen!" Sie nahm Maddie auf den Arm und zog Nicola hinter sich her. "Leute, ich hab Besuch bekommen, der euch gerne kennenlernen will!" unterbrach sie das laufende Gespräch. "Nicola, das sind Shane, Gillian, Nicky, Georgina und Kian. Das ist Nicola und das hier ist Madeleine." "Hi Nicola." Kian gab Nicola die Hand. "Hi" sagte Nico schüchtern zu Kian und in die Runde. "So Nic, wir gehen jetzt mal in ne ruhige Ecke und quatschen ne Runde!" Mel zwinkerte Kian zu und winkte kurz, dann zog sie Nicola weiter zu einem leeren Tisch. "Wie lange bleibt ihr hier?"fragte Mel neugierig. "Der Rückflug nach Cardiff geht leider schon übermorgen um 12 Uhr." "Es ist trotzdem so schön, dass ihr gekommen seid! Ich freu mich wirklich. Und Maddie ist auch glücklich ihre Mummy zu sehen, oder?" Die Kleine nickte müde. Sie kuschelte sich immer tiefer ind die Arme ihrer Mutter und schloss die Augen. "Der Flug hat sie ein wohl geschafft, was?" "Oh Norah, ich hab ja noch was für dich!" Mel sah auf. "Nic, könntest du mich vielleicht Melanie nennen? Ich weiss, das ist ungewohnt für dich, aber es ist zu gefährlich sonst." Nicola sah sie an. "Klar. Melanie." Dann zog sie ein Päckchen aus ihrer Handtasche. "Hier. Alles Gute zum Geburtstag Süße." Lächelnd nahm Mel das Packet und öffnete es. In einer Menge Tüll und buntem Stoff verborgen, lag ein paar rosane Ballettschuhe und eine CD. "Oh Nicola, das ist so lieb. Genau diese Schuhe wollte ich schon Ewigkeiten haben! Die haben doch ein Vermögen gekostet!" "Die sind von uns allen zusammen. Ich hoffe, die CD war auch richtig!" Es war ein wunderbares Stück von Tschaikowsky."Die CD ist super. Vielen vielen Dank! Sagst du den anderen schöne Grüsse von mir, wenn ihr zurück fliegt? Wie war eigentlich Kaceys Party?" "Oh es war toll." kicherte Nicola. "Liza und Matthew sind voll ausgeflippt, die haben total wild auf dem Tisch getanzt und alle waren besoffen. Nur Lennard und Catherine nicht. Sie ist schon wieder schwanger!" Nicola vedrehte die Augen. "Ich hätte ja mit zwei Anderthalbjährigen erstmal genug!" Ihr Blick fiel auf Melanies Hals. "Wo hast du diese wunderschöne Kette her?" fragte sie argwöhnisch. "Ähm.... " Sie wurde rot. "Sie ist von Kian." Nicola sah sie ungläubig an. "Was? Warum schenkt er dir so teuren Schmuck?" Mel blickte zu Kian herüber, der sie die ganze Zeit beobachtet hatte. Sie lächelte ihn an und blickte dann wieder zu Nicola. "Wir sind zusammen." sagte sie und schaute zum Boden. "Is nicht wahr! Du bist mit Kian Egan..." "Willst du es vielleicht noch lauter rausschreien? Du bist die Erste, die es weiss!" "Seit wann seid ihr zusammen? Wieso hast du mir nichts davon erzählt? Ich bin doch deine beste Freundin!" "Ich weiss, aber ich hatte einfach nicht die zeit, dich anzurufen! Hier hat man vor acht Uhr kaum Zeit für sich selbst, höchstens zwischendurch, seit die Proben in der Halle angefangen haben. Ausserdem wollte ich dir nix erzählen, was am nächsten Tag schon wieder anders aussehen konnte!" "Konnte?!" "Ähm, ja. Konnte." "Das heisst soviel, wie das ist jetzt schon etwas ernsteres?" "Könnte man so sagen." "Also habt ihr schon...?" Melanie kicherte wie ein kleines Schulmädchen. "Oh Nic, es war so toll! Er ... er hat mich überhaupt nicht gedrängt, als ich bei seinem ersten Versuch abgeblockt hab, er hat mich einfach nur festgehalten. Und als ich es dann zugelassen hab.... naja, viel mehr hab ich eigentlich angefangen, aber egal. Er war so einfühlsam und zärtlich.... und er kann sooo gut küssen, dass es einen umhaut!" "Das hört sich nach einem tollen Mann an." seufzte Nicola. "Ich will auch so einen!" schmollte sie, musste aber im nächsten Augenblick schon wieder kichern. "Schau mal, ein passender Ring gehört noch zu seinem Geburtstagsgeschenk!" "Zum Geburtstag? Du willst mir doch jetzt nicht erzählen, dass ihr erst heute morgen.....?" "Hören wir auf mit dem Thema, ich will nicht, dass Maddie was aufschnappt!" "Gut, dann zeig das gute Stück mal her!" Melanie hielt Nicola ihre Hand hin un beschaute sich den Ring. "Wow, der ist genauso toll wie die Kette. Wenn du wiedre zuhause bist, musst du ihn mir unbedingt mal ausleihen!" "Nur über meine Leiche!" Erst als sie es ausgesprochen hatte, merkte Melanie, wie makaber der Spruch gerade gewesen war. "Entschuldige bitte, das war bestimmt nicht so gemeint." "Das will ich gehofft haben." Nicola hatte einen ganz schönen Schrecken bekommen. "Wir müssen Maddie irgendwie ins Bett bringen, die Kleine schläft ja schon tief und fest." sagte Nicola. "Ich bring sie eben hoch, wartest du hier? In welches Hotel habt ihr eigentlich eingecheckt?" "Hier." "Naja, egal, ich leg sie in mein Bett, okay?" "Klar, ich hab nichts anderes erwartet! Ausserdem bin ich ganz froh, dass ich sie mal für ein paar Stunden los bin!" lachte Nicola und Mel stand auf. "Warte hier, bin gleich wieder da." Sie lief zum Aufzug und steig wenige Sekunden später ein, als die Tür sich mit einem leisen "Pling" öffnete. Sie schaukelte Maddie ein wenig hin und her und summte ein Lied, dass Maddie gerne mochte.
Sleep my love, and peace
attend thee
All through the night;
Guardian angels God will lend thee,
All through the night,
Soft the drowsy hours are creeping,
Hill and vale in slumber steeping,
I my loving vigil keeping,
All through the night.
Love, to thee my thoughts
are turning
All through the night
All for thee my heart is yearning,
All through the night.
Though sad fate our lives may sever
Parting will not last forever,
There's a hope that leaves me never,
All through the night.
Star of faith, the dark
adorning,
all through the night
leads us fearless t'wards the morning
all through the night.
Though our hearts be wrapt in sorrow
from the hope of dawn we borrow
promise of a glad tomorrow
all through the night.
Sie legte Maddie liebebvoll in ihr großes Bett und deckte sie zu. Sie setzte sich an die Bettkante und streichelte ihre kleine Hand. "Sie ist wahnsinnig süß!" hörte sie Kians Stimme hinter sich. Sie lächelte ihn an. "Ich weiss. Ich kann gar nicht glauben, dass sie von Simon ist. Du bist bestimmt ein viel besserer Vater!" Sie kuschelte sich an ihn und küsste ihn sanft. "Lass uns wieder runter gehen, bitte. Ich hab immer noch nichts gegessen!"
"Du kannst dich einfach auf die Bank setzten und uns zuschauen, wenn du Lust hast." "Hm, hört sich gut an!" Nicola lief hinter ihrer Freundin her, die unterwegs zur Tanzstunde war. "Mit wem tanzt du überhaupt?" "Mit Kian" lachte Mel. "Okay, dann bin ich ja erst recht gespannt!" scherzte Nicola und betrat hinter Melanie den großen, hell erleuchteten Raum. "Wow. Hat sowas jedes Hotel?" Mel schüttelte nur den Kopf und zeigte auf die Bänke, die an den Wänden standen. "Aber du musst dich klein machen, wir kommen einmal ganz nah an dich ran." flüsterte sie und ging dann zu Kian rüber. Sie nahmen Anfangspositionen ein, den Teil mit dem Hinrennen probten sie nur auf der Bühne, hier ging das nicht. "Okay Leute, heute lernt ihr das letzte Stück der Choreografie, strengt euch an, je eher seid ihr fertig. Was willst du hier?" fragte Priscilla Nicola irritiert. "Ich .... wollte nur zuschauen."stotterte sie. "Das kann ja jeder..." "Pris, Nicola ist eine Freundin von mir" "Und warum ist sie hier?" "Weil sie mir zum Geburtstag gratulieren wollte." "Oh, das ist ja was anderes, alles gute Melanie, herzlichen Glückwunsch und tut mir leid Mädchen, dass ich dich so angeschnauzt hab!" sagte sie und lächelte Nicola an, die schüchtern zurück lächelte. Dann stellte Priscilla die Musik an und alle fingen von vorne an. Erst kam I lay my love on you, da setzten die Tänzerinnen erst mal aus und die Jungs tanzten eine leichte Schrittfolge alleine, das ganze Lied lang. Danach kamen Uptown girl, When you're looking like that, World of our own und Bop bop baby, in denen die Tänzerinnen eine große Rolle spielten. Dann gab es einen Kostümwechsel, der jetzt natürlich nicht berücksichtigt wurde und es folgten Unbreakable, Swear it again, Flying without wings und Queen of my heart. Bei Flying without wings mussten die Mädels fast schon Ballet tanzen und beim Refrain den sterbenden Schwan spielen. Später kam eine neue Section, die "Boygroupcoversection", wie Bryan sie liebevoll getauft hatte. Aber er hatte ja recht, sie sangen alle großen Hits von den großen Boyroups. Zuerst "I want it that way" von den Backstreet boys, dann "Tearin' up my heart" von Nsync, "Back for good" von Take that, Boyzones "No matter what" und zum Schluss "Baby come back" von Caught in the act. Dazu trugen sie schwarze Anzüge und kunterbunte Krawatten und die Tänzerinnen mussten in kurzen Kleidchen um sie herum tanzen. Es war ein farbenfrohes Spielchen auf der Bühne während dieser Section. Nach dem nächsten Kostümwechsel sangen die Boys ihre neuesten Songs, wie Written in the stars oder Love takes two, aber auch ein paar unveröffentlichte Songs, zum Beispiel die B- sides auf ihren Singles, Never knew I was losing you und You don't kow und ein ganz neues Lied, das sogar die Tänzerinnen noch nicht kannten. Die Choreografie dazu lernten sie heute, nach der Überprüfung des Gelernten. Dann folgten What makes a man, My love und If I let you go als Zugaben. Sie übten das Ganze einmal durch, nur den neuen Song konnten sie ja noch nicht. "Jetzt gibt es erstmal zwanzig Minuten Pause und dann lernt ihr das Neue!" rief Priscilla und klatschte laut in ihre Hände. Melanie ging zu Nicola rüber. "Wow, du bist total gut, Mel!" "Danke. Aber es ist auch total anstregend!" Sie griff erschöpft nach ihrer Wasserflasche. "Kommst du mal kurz mit hoch? Ich will nach Maddie sehen." forderte Mel sie auf. "Okay." Gerade raffte Nic sich auf, da stürmten Shane und Bryan auf die beiden zu. "Hey Mel, alles Gute zum Geburtstag! Wieso haste denn nix gesagt?" Helen kam ebenfalls rübergeschlendert. "Ja genau, jetzt haben wir gar kein Geschenk!" griff sie die Sache auf. Sie umarmte Mel und drückte sie. "Wie alt bist du denn geworden?" fragte sie. "23" antwortete Mel. "Ui, so ne alte Tussi bist du schon? Hätte dich für jünger gehalten, so knackig wie du noch bist!" kicherte Helen. Melanie prustete ihr Wasser auf den Boden. "Knackig? Ich? Wo? Hinter den Ohren, vielleicht!" "Nein, ich mein das ernst." Helen lachte nur noch mehr. Die beiden langen sich lachend in den Armen und konnten sich nicht mehr beruhigen. "Ich würde sie auch für jünger halten. So 8 vielleicht" scherzte Bryan und handelte sich einen Ellbogenstoß von ihr ein. Shane setzte sich neben Nicola. "Wie war nochmal dein Name? Nicola, oder? Woher kennst du Mel?" "Mel? Ach, ähm, wir kennen uns schon vom Kindergarten her. Unsere Eltern waren auch schon ewig befreundet, von daher hat sich das einfach ergeben." sagte sie, traute sich jedoch nicht, Shane anzuschauen. "Und wer war das kleine Mädchen bei dir heute morgen? Ist sie deine Tochter?" "Maddie? Um Gottes Willen, nein! Nein, sie ist Melanies Tochter. Ich pass nur auf sie auf, und das reicht mir bei weitem. Erstmal." sagte sie und blinzelte nun doch mal zu ihm rüber. Er blickte sie erstaut an. "Melanie ist schon Mutter? Das hätte ich ihr nun wirklich nicht zugetraut!" "Aber mir oder was?" fragte Nicola verärgert. "Sorry, ich kenn dich doch grad mal zehn Minuten!" sagte Shane beschwichtigend. "Und was ist mit dem Vater?" "Das würde ich Mel lieber selber fragen, an deiner Stelle. Sie reagiert ziemlich empfindlich darauf, wenn man hinter ihrem Rücken ihre Geheimnisse ausplaudert, weisst du?" Sie stand auf und verabschiedete sich. "Mel, kommst du?" "Ja, klar!"
"Sie schläft noch friedlich!" stellte Melanie zufrieden fest. Nicola hakte sich bei ihr ein. "Bei mir ist sie nie so lieb!" seufzte sie laut und fing sich einen lauten Lacher von Mel ein. "Woran das wohl liegt?" stichelte sie. "Bei deinen gräslichen Schlafliedern würde ich auch danach von Albträumen geplagt werden!" Nicola schmollte. "Mach du es mal besser! Du bist sowas schliesslich seit gut fünf Jahren gewohnt! Ich hatte Maddie noch nie so lange bei mir!" "Jaja, ich sag ja schon gar nichts mehr! Ich bin dir ja auch sehr dankbar!" grinste Mel. Nic öffnete den Mund, um etwas zu erwiedern, aber sie wurde von dem leise quietschenden Geräusch der Tür unterbrochen. Kian war ins Zimmer gekommen. "Äh Nic, könntest du....?" "Ich geh ja schon, ich geh ja schon!" grinste sie und schlüpfte aus dem Zimmer. "Hast du es ihr erzählt?" "Sie hat die Kette gesehen, hätte ich sie anlügen sollen?" "Nein, natürlich nicht." Er setzte sich zu ihr aufs Bett und nahm ihre Hand. "Sie hat Shane erzählt, dass sie deine Tochter ist!" Melanie stöhnte. "Naja, jetzt ist es zu spät, um es zu verhindern. Solange sie den Rest für sich behält, soll's mir egal sein." "Welchen Rest?" "Den mit Simon und meinen Eltern" Kian legte sein Kinn auf ihre Schulter und kuschelte sich an sie. Melanie genoss das Herzklopfen, dass sie durchfuhr und das Kribbeln in ihrem Bauch, das sie immer spürte, wenn sie bei Kian war. Aber plötzlich schrak sie auf. "Müssen wir nicht schon lange wieder beim Training sein?" "Ähm, nein, aber in genau zwanzig Sekunden!" Kian sprang auf und zog Melanie mit sich, die sich erschrocken noch mal nach Maddie umsah, die immer noch schlief. Sie hasteten die Treppen runter und öffneten ausser Atem die Tür zum Tanzsaal. " Wenn wir dann soweit wären..." sagte Priscilla streng und Kian und Melanie sahen schuldbewusst zu Boden. "Hoffentlich fällt niemandem auf, dass wir andauernd zusammen sind!" schoss es Melanie durch den Kopf, aber sie schob den Gedanken beiseite, um sich auf die Tanzschritte zu konzentrieren.
Nicola lief am Morgen mit Maddie an der Hand den Flur entlang und suchte nach Melanie. Sie war weder in ihrem Zimmer, noch unten in der Lobby gewesen, also musste sie irgendwo hier oben sein. "Was ist eigentlich ganz oben?" fragte Nicola sich und stieg die Treppe hoch. Sie hörte leises Stimmengemurmel von dort kommen. Sie liess den Treppenabsatz hinter sich und stand nun im Fitnessstudio. Ganz deutlich erkannte sie nun Melanies Stimme. Sie schlich sich leise an die Stelle heran, an der sie sie vermutete. Hinter einer Wand sah sie dann Mel und sie war nicht allein. Sie saß auf einer Bank, besser gesagt, sie saß auf Kian und der lag auf der Bank. Sie küssten sich zärtlich und Kians Hand lag auf Mels Hintern. "Mum-" "Schh, Maddie, komm wir gehen wieder, Mummy will jetzt ihre Ruhe haben!" flüsterte Nicola. Maddie quängelte noch ein bisschen, liess sich aber brav wieder runter in die Lobby bringen. "Dann machen wir beide jetzt eben einen schönen Stadtbummel, okay?" sagte Nicola zu der Kleinen und zog ihr das Strickjäckchen zu. "Hey Nicola, wo wollt ihr hin?" Sie drehte sich um. "Ach du bists Shane. Ich wollte mit Maddie ein bisschen bummeln gehen." "Ohne Mel? Naja, darf ich mitkommen? Dann kann ich meine Besorgungen machen und kann euch ein bisschen rumführen!" "Von mir aus gerne!" "Gut, wartet ihr hier? Ich geh eben meine sieben Sachen zusammen suchen!"
"Mel, ich muss um halb Zwei mit Mark und Bryan was erledigen, ist das okay für dich?" "Ja klar. Ich kann dich ja nicht immer beschlagnahmen. Was wollt ihr denn machen?""Marks Bruder hat doch bald Geburtstag und er wollte noch ein paar Geschenke holen und Bryan wollte auch noch irgendwas, ich habs vergessen, aber ich hab schon zugesagt. Lust hab ich allerdings keine...." "Versprochen ist versprochen!" "Dann mach ich mich jetzt besser mal fertig, ich muss unbedingt vorher duschen, die nehmen mich ja nicht mit, wenn ich so verschwitzt ankomme!" lachte Kian und zog mit spitzen Fingern an seinem nassen Shirt. "Also ich finds irgendwie sexy." gestand Mel lächelnd. "Tja, schade das Mark und Bryan keine Frauen sind!" Kian schüttelte amüsiert den Kopf und ging die Treppe runter. Melanie dachte nach. "Wenn Kian und Bryan den ganzen Mittag nicht da sind, kann ich mich mal nach den seltsamen Videos umsehen....!" kam ihr der Gedanke. Sie schlenderte gemütlich in ihr Zimmer und ging erstmal duschen. "Seltsam, dass heute keine Proben sind." dachte sie noch, bevor sie unter den heissen Strahl stieg. Das warme Wasser lief ihr entspannend den Rücken runter und sie genoss die Gänsehaut, die es hinterliess umso mehr. Nach einer viertel Stunde verliess sie die Dusche und trocknete sich ab. Dann lief sie schnell zu Kians Zimmer. Glücklicherweise war die Tür unverschlossen, da Kian dem Anschein nach ziemlich überstürzt das Zimmer verlassen hatte. Sie sah sich genau um. Kian war letztens, als sie bei Bryan gewesen waren, mit ein paar Videos in der Hand zurückgekommen. Die musste sie finden. Sie durchwühlte wieder alle Schubladen, Schränke und Komoden. Im Schränkchen am Bett fand sie genau dasselbe wie letztes Mal. Auch in den Schränken sah es nicht viel anders aus. Aber die Komode war diesmal aufgeräumt, die Obstschüssel war frisch aufgefüllt und die Klamotten lagen gefaltet daneben, anstatt quer drüber. Deswegen stach ihr auch der Rucksack sofort ins Auge, als sie in diese Richtung sah. Sie öffnete ihn und sah dort die Videos. Eilig nahm sie sie raus und öffnete die Hülle. Sie waren alle nicht beschriftet und so schob Mel wahllos eine der drei Kassetten in den Videorekorder. Zuerst kam eine Menge Werbung und Vorspann. Der Film war augenscheinlich aufgenommen worden. Doch bevor überhaupt ein Film anfing, hörte plötzlich die Werbung auf und das Band war zuende. "Hm, das war wohl nichts." dachte Mel und schob einen anderen rein. Diesmal fing sofort ein Film an, einer, den Mel kannte. "Nur mit dir" hiess er und Mel hatte ihn schon fünf Mal gesehen. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass das der Film war, den Kian suchte oder brauchte, oder was auch immer. Die dritte Kassette war leer.
"Müsst ihr wirklich schon wieder gehen?" Mel stand mit Nicola und Maddie vor dem Hoteleingang und kuschelte mit ihrer Tochter. "Maddie muss wieder in den Kindergarten und ich muss auch wieder zur Arbeit, Norah! Ich würde auch lieber hierbleiben, es ist wahnsinnig spannend was so Superstars alles über sich ergehen lassen müssen und es sind auch alle so wahnsinnig nett! Du hast es echt gut, Süße." "Nein, hab ich gar nicht. Stell dir vor, ich muss einen von diesen wahnsinnig netten Kerlen einbuchten, fändest du das toll? Noch dazu muss ich Kian gehen lassen, wenn ich meine Arbeit getan hab, weil er mit mir garantiert nichts mehr zu tun haben will...!" sagte sie betrübt und drückte Maddie noch fester an sich. Nicola umarmte die beiden auch noch. "No, du schaffst das schon, du bist stark und Kian ist ehrlich gesagt der Einzige der Truppe, den ich nicht mag! Das soll jetzt nicht heissen, dass er dir nicht gut tut und das du ihm einen Laufpass geben sollst, dass ist nur meine Meinung." Die Freundinnen sahen sich in die Augen und lächelten. "Du mochtest doch noch nie einen von meinen Freunden!" grinste Mel und schniefte. "Bis bald, meine Süße! Pass gut auf Maddie auf und mach keinen Mist okay?" "Nein, ganz bestimmt nicht. Und sei du nicht so traurig, klar?" "Klar." "Tschüss" "Tschau." Nicola nahm ihr Maddie ab und lief zu dem wartenden Taxi. Als sie drin saßen, winkten die beiden nochmal, bis das Taxi um die Ecke gebogen war.
"Hi Sean, hier ist Mel." "Mel, dich gibts auch noch? Darf ich dich daran erinnern, dass wir eine Abmachung hatten?" "Ja, ich weiss, aber als wir die gemacht hatten, wusste ich noch nicht, wie stressig das hier alles ist! Tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet hab." Sean seufzte. "Schon gut. Wer war eigentlich der Typ, der letztes Mal abgenommen hat, als ich angerufen hab?" "Ach, das war Kian, ich konnte grad nicht drangehen. Was rufst du auch an!" fuhr Mel ihn an. "Wenn du dich nicht meldest!" fauchte er zurück. Melanie rieb sich ihre Schläfen. Schon seit Stunden quälten sie diese ekligen Kopfschmerzen. "Lass uns nicht streiten, Sean. Mir tuts leid, dir tuts leid, basta. Ich hab was Neues, jenachdem wie man das sehen will." "Erzähl." "Mark bekommt ständig so geheimnissvolle Briefe, die er niemandem zeigt und reagiert ziemlich empfindlich, wenn man ihn auf sie anspricht. Ausserdem sucht Kian verzweifelt nach irgendeinem mysteriösen Video, von dem keiner irgendwas weiss." "Das ist immerhin mehr als gar nichts." sagte Sean und Mel meinte fast zu hören, wie sein Gehirn auf Hochtouren lief. Er war ein unheimlich guter und schneller Denker. "Am besten du klemmst dich hinter beides, du hast nur noch zwei Tage bis Tourbeginn. Da fällt mir ein, kriegst du das hin mit dem Tanzen?" "Jaja, alles klar." "Okay, dann konzentrier dich jetzt bitte voll auf die Briefe und das Video. Du musst versuchen, in einem günstigen Moment nach ihnen zu suchen und sie zu lesen, bzw. anzugucken. Ich denke aber, die Spur mit den Briefen ist heisser..... ein Video gibt keinen Sinn. Oder schleppt dieser Kian überall Videokameras mit sich rum?" "Nee, ich glaub Shane hat als Einziger eine." "Na also. Sonst irgendwelche verdächtigen Sachen?" hakte er noch mal nach. "Nicht dass ich wüsste. Das Einzige Verdächtige ist, dass Nicola hier war! Hast du das eingefädelt?" Mel grinste, als sie hörte, wie Sean den Atem anhielt. "Ähm.... wenn ich jetzt ja sage, bist du dann sauer?" "Nein! Wie könnte ich! Ich hab mich total gefreut, dass sie hier war, mit Madddie!!! Ich hab die Kleine ja so vermisst!" "Kann ich verstehen. Ich hab auch mal einen Tag auf sie aufgepasst, als Nic mal wohin musste. Sie ist wirklich ein kleiner Wirbelwind. Meine chinesische Vase musste ich leider im Mülleimer versenken." "Oh Sean, das tut mir leid, ich hol dir natürlich eine Neue...!" "Nein nein, schon okay, sie war eh hässlich." "Sean, hör auf mich zu veralbern. Ich weiss, wie du an ihr gehangen hast." "Tja, aber nicht wegen der Vase, sondern wegen den Erinnerungen!" seufzte er. Mel biss auf ihrem Finger herum. "Sei ihr nicht böse. Sie ist doch noch so klein, sie... sie versteht doch noch nichts von sowas. Sie hat es auch nicht böse gemeint.." "Mel, lass gut sein. Ist schon okay. Es war ein widerlicher Staubfänger, Erinnerungen hin oder her." "Es tut mir trotzdem leid." "Jaja. Ich muss Schluss machen. Halt die Ohren steif, Süße, klar?" "Klar, und du ruftst bitte nicht mehr an, das bringt mich nur in Erklärungsnot!" "Is ja okay. Dann bis übermorgen." "Ja, dann erzähl ich dir vom ersten Konzert! Ciao."
Um acht Uhr morgens war Abfahrt zur Halle. "Oh Gott, ich bin so aufgeregt!" rief Helen und lief auf Mel zu, die gerade aus dem Hotel kam. "Mel, Mel, was mach ich, wenn ich alles vergesse? Ich vergesse bestimmt alles, ich vergesse immer alles!" "Reg dich ab Hel, du vergisst nichts, wir vergessen alle nichts, ausserdem ist jetzt erstmal Generalprobe! Da darfst du noch alles falsch machen, auch wenn Anto und Priscilla da einen Anfall kriegen!" lachte Mel bei der Vorstellung eines herumschreienden Antos und einer tobenden Priscilla. "Die ganze Arbeit umsonst, 3 Monate, einfach umsonst! Und noch heute ist Uraufführung, das gibt ein Disaster!" Dabei würde Pris mit den Händen in der Luft herumfuchteln, als wollte sie jemanden erstechen. Noch dazu war Louis Walsh, der Manager gestern eingetroffen. Er wollte bei den Proben heute ebenfalls dabei sein. Jedermans Nerven waren bis aufs Äusserste gespannt und alle liefen mit einer Miene wie sieben Tage Regenwetter herum. Nur Bryan nicht. Bryan lachte einem immer entgegen, als wenn die ganze Welt nur aus Sonnenschein und guter Laune bestehen würde. Wie er das machte, wusste keiner. Mel vermutete, er nahm irgendwelche Schlafmittel oder sowas in der Richtung, damit er schlafen konnte wie ein Stein. Ihr selbst fiel das Schlafen immer schwerer, obwohl Pris wirklich alles forderte, was in ihr steckte. Vielleicht war es die Gewissheit, dass ihre Zeit mit Kian begrenzt war, oder auch ihre Verantwortung gegenüber des Gesetztes, dass sie einem dieser superlieben Menschen um sie herum, sein Leben verbauen musste, ihn vielleicht für mehr als zwanzig Jahre ins Gefängnis bringen. Sie hoffte inständig, dass es weder Bryan noch Nicky treffen würde. Die beiden hatten schon Familie, die sie brauchte. Sie wollte aber auch nicht Shane oder Kian und Mark festnehmen müssen. Sie konnte sich bei keinem der Fünf vorstellen, dass sie den Reporter Stan Harris so brutal mit einem Kopfschuss umgebracht haben sollte, ihm mit einem Messer die Worte "I cry" in die Haut geritzt hatte. Es wollte einfach nicht in ihren Kopf rein. Sie wollte nicht mehr länger wissen, wer von den Fünfen der Familie dieses Mannes das Leben ruiniert hatte, wer zwei kleinen Kinder den Vater geraubt hatte und wer eine Frau dermaßen in die Verzweifelung getrieben hatte, dass sie drei Selbstmordversuchte hinter sich hatte und ein Pflegefall geworden war. Sie wollte einfach nur mit den fünf sympathischen jungen Männern zusammen sein, sie sie noch in ihnen sah und nicht darüber nachdenken, wie egoistisch sie handelte. " Mel, hörst du mir überhaupt zu? Ich sagte... ach, lass gut sein, ist eh nicht so wichtig gewesen. Lass uns aussteigen, wir sind da." holte Hel sie in die Realität zurück. Mel schüttelte den Kopf, als wollte sie ihre Gedanken dadurch verscheuchen und hastete hinter Helen aus dem Bus. "Beeilung Leute, wir müssen gleich anfangen, bitte die Tänzerinnen und Lifer direkt in die Maske!" rief Anto laut und sah keinen Augenblick von seinem Block auf. Er schrieb hastig einige Sachen auf seinen Block und lief unachtsam auf den Eingang zu. Fast wäre er gegen die geschlossene Tür gerannt, wenn Bryan ihn nicht gestoppt hätte. "Anto! Die Tür ist zu, Vorsicht!" Verwirrt sah er auf und drehte sich zu Bryan um. "Was hast du gesagt?" fragte er und kratzte sich am Kopf. "Ach nichts, das hat sich gerade erledigt" grinste Bryan und hielt ihm die Tür auf. Nach den beiden liefen Helen und Melanie durch die Tür und mit eiligen Schritten zur Maske. "Mädels, nicht trödeln, hier, nehmt eure Kostüme und zieht euch irgendwo um, Beeilung wir haben nicht ewig Zeit, in 5 Minuten seid ihr wieder hier und ihr werdet geschminkt, verstanden?" Ben hastete sofort weiter zu den anderen, als er ihnen die Klamotten in die Hand gedrückt hatte. "Na prima." seufzte Mel. "Und sowas um halb neun. Ich fass es nicht. Jetzt ist doch erst die Generalprobe und alle machen so einen Aufstand!" Mel griff sich an den Kopf. "So ist das nunmal." sagte eine Stimme hinter ihr und ihr Gesicht hellte sich auf. "Hey Kian, wie läufts so?" "Ach ja, wie solls laufen, genauso hektisch wie bei euch! Nur das Ben sich nicht traut, uns so herumzukommandieren wie euch!" lachte er und Mel, sowie Helen glaubten dahinzuschmelzen. "KIAN! Komm sofort hier her!" schrie Anto herüber. "Sorry Ladies, ihr habt ihn gehört, bis später!" Er trottete langsam zu Anto herüber, der vor lauter Aufregung einen knallroten Kopf hatte. " Herrje. Lass uns mal die Klamotten anziehen gehen, die 5 Minuten sind in genau zwanzig Sekunden um." kicherte Helen und warf Kian noch einen sehnsüchtigen Blick zu, der Mel nicht verborgen blieb. Helen seufzte. "Wie kann man so süß sein?" fragte sie und Melanie fühlte sich plötzlich schlecht. Helen hätte Kian vielleicht viel glücklicher machen können als sie. Die beiden hätten vielleicht Zukunft, im Gegensatz zu ihr und Kian. Noch dazu würde ihr gerade bewusst, dass sie nicht nur Kians Leben und das der anderen Jungs zerstören würde, wenn sie einen der Jungs einbuchten würde, sondern auch Helens, Naomis, Cecillias, Ellas und das der ganzen Crew. Sie würden alle ihren Job verlieren, während sie, Melanie oder in dem Fall Norah mit schlechtem Gewissen zurück nach Dunster fuhr und ihren Polizeijob weiterführte. "Mel, was ist heute mit dir los, du hast mir schon wieder nicht zugehört, hab ich recht?" "Was? Oh, tut mir leid Hel, ich hab heute Nacht wahnsinnig schlecht geschlafen und könnte jetzt schlafen wie ein Stein, aber das geht ja leider nicht. Kannst du bitte aufpassen, dass ich während den Pausen nicht einschlafe?" fragte Mel und hakte sich bei Helen unter. "Klar, willst du nicht Anto heute Abend mal nach einem leichten Schlafmittel fragen? Wenn du morgen wieder so müde bist, schläfst du noch auf der Bühne ein." "Nein nein, das geht schon, ich krieg das auch anders hin."sagte sie. ' Und wenn ich in Kians Armen liegen kann, schlaf ich sowieso wie im Schlaraffenland ' dachte sie noch. Kian war in den letzten drei Tagen immer so furchtbar lange unterwegs gewesen, dass er nie rübergekommen war nachts. Die beiden Mädels an den Umkleidekabinen an und zogen sich ihr Kostüm, knallbunte Nadelstreifenazüge, an. "Helen und Melanie, seid ihr etwa immernoch nicht fertig?" Dave steckte seinen Kopf in den Vorraum der Kabinen. "Doch doch, wir kommen in drei Sekunden!" Mel knöpfte eilig ihr Oberteil zu und warf sich im Gehen die Jacke über. "Dave, weisst du eigentlich, wie warm einem beim Tanzen auf dieser verdammten Bühne wird? Da kann ich nicht die ganze Zeit in einem Anzug rumlaufen!" stöhnte Helen, die noch mit dem Ärmel kämpfte. "Ja, ich weiss, hab ich die Kostüme entworfen? Ähm ja , ich meinte, ob ich die Ideen dazu hatte? Nein, also was kann ich dann dafür? Jetzt kommt endlich." Er half Helen in die Jacke rein und zog sie dann mit sich. Mel lief ihnen hinterher. "Da seid ihr ja endlich!" rief Ben erleichtert. "Wir warten schon eine Ewigkeit auf euch zwei, alle anderen sitzen schon brav auf ihren Stühlen und lassen sich hübsch machen. Bitte platznehmen, die Damen." Ben drückte Mel in den Sitz und nahm sofort seine Pinsel, Quasten und Applikatoren zur Hand und begann eilig, ihr eine ganze Menge Make-up zu verpassen. Als er mit einem prüfenden Blick sein Kunstwerk begutachtete, lächelte er und widmete sich danach ihren Haaren, die noch fielen, wie es ihnen passte. Ben gab erstmal ne Menge Stylingschaum hinein und fönte das Ganze dann nochmal. "Du hast wunderbare Haare."sagte er grinsend. "Damit könnte man so schöne Sachen anstellen." "Bitte, tu dir keinen Zwang an. Ich hab eh keine Ahnung, wie deine kunstvollen Frisuren die ganze Show überstehen sollen." lachte Mel und Ben zog eine Schnute. "Sei nicht so gemein. Ich geb mir halt gern Mühe." "Und da hat auch keiner was gegen, stimmts Mel?" unterbrach Helen das Gespräch. "Nein." stimmte Mel zu und lächelte Ben im Spiegel an. Dieser fing darauf sofort wieder an, ihr gnadenlos an den Haaren zu ziehen. Melanie verzog nicht mal eine Miene, damit er nicht schon wieder beleidigt war. Sie kannte die Truppe mit ihren Macken mittlerweile ganz gut und wusste, dass er ziemlich schnell beleidigt war. Nach drei Monaten Zusammenleben auf engstem Raum liess es sich nicht vermeiden, dass jeder sowas mitbekam. "So, fertig." sagte Ben und legte seine Utensilien weg. Mel drehte ihren Kopf und begutachtete ihre Frisur von allen Seiten. "Sieht toll aus." sagte sie. Ihre weinroten Haare waren zu einem französischen Zopf geflochten worden, der ihr bis zwischen die Schulterblätter reichte. "So, jetzt du Helen. Wir haben noch zwanzig Minuten bis Louis kommt und anfangen will!" Mel wartete geduldig auf Helen und nach einer Viertelstunde liefen die zwei zur Bühne. "Alle da?" rief Anto. "Okay. Dann bitte auf die Plätze, meine Damen und Herren! In 5 Minuten kommt Louis und wir wollen sofort anfangen, okay?" Mel schlenderte unauffällig zu Kian rüber, der etwas abseits von den anderen auf einem Sessal saß und in der Luft rumguckte. Er trug eine ausgeblichene, enge Jeans und ein weißes Tshirt mit bunten Palietten, Fäden und Glitzer, darüber eine Jackettjacke. "Hi Süßer, du siehst heiss aus!" flüsterte Mel ihm ins Ohr und grinste frech. "Und du erst. Das Oberteil was du da trägst verdient den Namen ja fast gar nicht mehr. Das ist ja eher ein BH. Und die Hose macht dir einen noch entzückenderen Hintern, als du ihn eh schon hast!" grinste er zurück. Ihre Gesichter waren sich nah. "Kian, nicht. Die anderen sind alle da." "Okay, dann lass uns woanders hingehen. Im Moment sind eh noch die Vorgruppen dran, die brauchen noch mindestens ne Stunde bis wir dran sind..." schlug er vor. Mel fing an zu lächeln. "Ich geh mal eben auf die Toillette, okay?" sagte sie dann laut und verschwand mit einem schelmischen Grinsen. Kian wartete noch ein paar Minuten, bis er hektisch aufsprang. "Shit, ich hab versprochen meine Mutter heute morgen anzurufen! Hat mal jemand ein Handy?" Er sah sich um und Anto hielt ihm eins hin. "Du bist in zehn Minuten wieder hier und wenns geht, bringts du auch Melanie wieder mit, klar?" Er nickte und freute sich innerlich tierisch, dass anscheinend niemand Verdacht schöpfte. Er lief den Gang entlang und suchte Mel. Aus der Maske kam ein leichter Lichtschein und Kian ging dort hinein. "Na endlich. Ich dachte schon, du lässt mir hier allein" sagte Mel und zog ihn an sich ran. "Wir haben genau zehn Minuten." sagte Kian und drückte seine Lippen auf ihre. "Na das sollte doch reichen, oder?" grinste Mel und fing an, ihm seine Hose auszuziehen.
"Wo bleiben die denn? Ich hatte ausdrücklich gesagt, ZEHN MINUTEN! Jetzt ist schon fast ne Viertelstunde um!" "Soll ich mal gucken, wo sie stecken?" bot sich Helen an. "Ja bitte, 5 Minuten, klar?" Helen nickte nur und machte sich auf die Suche. Sie sah im zweiten Aufenthaltsraum nach, in der Kantine, in den Umkleiden, auf den Toiletten, dann kam sie zur Maske. Von dort hörte sie seltsame Geräusche, ein lautes Stöhnen und Wispern. "Mel, bist du da drin?" fragte sie laut und öffnete die Tür. "Was zum-" Mel öffnete erschrocken ihre Augen und sah Helen im Türrahmen stehen. Sie drückte Kian von sich weg und zog ihre Hose hoch. "Hel, warte, Hel bitte, bitte warte!" Sie sprang von dem Tisch, auf dem sie gesessen hatte und knöpfte ihre Hose zu. "Sorry Kian, ich muss zu Helen -" "Mel, was soll das? Ich - MEL!" Sie rannte hinter Helen aus dem Raum und Kian stand in der Maske, die Hose auf dem Boden und starrte fassungslos zur Tür.
Mel lief mit schnellen Schritten wieder zum Aufenthaltsraum, strich sich ihre Jacke glatt und zupfte die Haare zurecht. Als sie eintrat, kam Anto auf sie zu. "Mensch, wo wart ihr denn?" "Wer wir?" stellte Melanie sich dumm. "Kian und du!" "Ich hab keine Ahnung, wo Kian steckt!" sagte Mel und ging von ihm weg, bevor sie sich verriet. Sie lief zu der Stelle wo Helen saß und auf einen Punkt am Boden starrte. "Helen, es tut mir leid, ich hätte es dir erzählen sollen." fing sie an, doch Helen sah nicht einmal auf. "Entschuldige." Sie stand traurig auf und setzte sich ein Stückchen weiter weg hin. In dem Moment betrat Kian den Raum und wurde sofort von Anto angepflaumt. "Was soll das Kian, ich hab gesagt zehn Minuten, du warst fast zwanzig weg! Hast du jetzt wenigstens das mit deiner Mutter geklärt?" Anto war wirklich sauer. "Ja, danke." "Gut, wir fangen jetzt an. Auf die Plätze bitte." sagte er dann zu allen. Kian ging zu den anderen, zubelte noch mal an seiner Jacke herum und lief mit ihnen unter die Bühne, auf die Plattform. Die Mädels liefen währenddessen auf die Startpositionen neben der Bühne.
Anderthalbstunden später kamen alle schweißgebadet und erschöpft wieder in den Aufenthaltsraum und liessen sich in irgendwelche Sessel fallen. Melanie ging aber erstmal zu Anto. "Anto? Wir haben jetzt erst knapp 14 Uhr. Bleiben wir jetzt die ganze Zeit bis zum Konzert noch hier oder fahren wir nochmal zum Hotel?" fragte sie. "Wenn ihr wollt, könnt ihr noch mal zurück. Ist irgendwas wichtiges?" "Nein nein, ich hab nur keine Lust jetzt hier noch 6 Stunden rumzuhängen, wenn da im Hotel ne schöne kalte Dusche auf mich wartet!" lächelte sie. "Klar, geht mir genauso, aber ich muss hierbleiben. Aber ich hab ja auch nicht getanzt. Du warst sehr gut. Nur das vorher darf nicht nochmal passieren, heute Abend, ist das klar?" Er zog eine Augenbraue hoch und klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter. "Geh schon mal zum Ausgang. Ich frag mal rum, wer noch zum Hotel will." Sie nickte und ging aber vorher noch zur Umkleide und zog das letzte Kostüm aus. Es war superenger Catsuit aus schwarzem Stoff. Sie hing es ordentlich auf ihre Kostümstange und lief erst dann zum Ausgang, an dem schon einige Leute standen und auf den Bus warteten. Unter anderem auch Kian. Sie lief zu ihm. "Hey Ki." Er drehte sich um, sagte "Hi" und sah wieder weg. "Kian, jetzt sei nicht sauer, das war grad ne echt blöde Situation für mich!" "Meinst du für mich nicht?" fauchte er. "Ich werde so gerne dabei erwischt, wie ich grad meine Freundin vögele!" stiess er zwischen geschlossenen Zähnen hervor. "Kian, das ist was ganz anderes. Hel-" "Ach ja? Ich seh da keinen Unterschied!" "Mensch, lass mich doch mal ausreden!" "Ich hab jetzt aber keine Lust dir zuzuhören!" Kian funkelte sie an und stieg in den Bus, der gerade vorgefahren war. Mels Laune sank auf den Tiefpunkt. Erst hatte sie so schlecht geschlafen, dann der Streit mit Hel und jetzt war auch noch Kian sauer. "So eine Scheisse" seufzte sie und stieg ebenfalls ein.
Es klopfte, als sie gerade aus der Dusche kam. Sie wickelte sich das Handtuch noch fester um den Körper und öffnete. Sie wusste, dass dort entweder Kian oder Helen stehen würden, aber nicht, wie sie reagieren sollte. Vor ihr stand Kian. "Darf ich reinkommen?" "Klar." Er trat ein und setzte sich auf einen freien Stuhl. "Hast du mir irgendwas zu sagen?" fragte er und sah auf den Boden. "Kian, ich-" "Ich meine, ich versteh einfach nicht, wieso du sofort hinter ihr hergerannt bist, nur weil sie uns gesehen hat. Ausserdem hängst du andauernd mit ihr rum und ich hab dich doch noch vor ihr gewarnt, du wusstets doch dass sie-" "Kian, ich hab nichts mit ihr, falls du das glauben solltest! Es ist nur so-" Kian umarmte sie feste und fing an zu weinen. "Ich liebe dich doch so sehr Mel, ich will dich nicht teilen." "Musst du ja auch gar nicht. Weisst du, es war so: Irgendwann letztens hat Helen mir mal erzählt, dass sie unglücklich verliebt ist. Aber in einen Mann, verstehst du? Sie war sich nicht mehr sicher über ihre Gefühle. Sie hat einfach mal so richtig ihr Herz bei mir ausgeschüttet. Dabei hat sie mir auch gesagt, wer der Kerl ist." Mel stoppte. "Und?" fragte Kian und blickte sie gespannt an. " Sie hat sich in dich verliebt, Ki" flüsterte Mel und sah ihm in die Augen. "Was?" "Deswegen wollte ich es ja geheimhalten, deswegen wollte ich niemandem was sagen, nur deswegen, nicht weil ich mich deiner schäme, sondern damit ich ihr nicht wehtue. An dem Abend wo sie es mir gesagt hat, waren wir schon zusammen und ich hab mich nicht getraut, es ihr zusagen." Kians Miene blieb unbeweglich, seine Tränen hingen noch auf seinen Wangen. Nach ein paar Minuten glaubte Mel ein leichtes Zucken zu sehen, dass sich zu einem breiten Grinsen und schliesslich zu schallendem Gelächter entwickelte. Kian hielt sich den Bauch vor Lachen und Mel konnte auch nicht mehr ernst bleiben. "Warum lachst du denn so, Kian?" kicherte sie. "Ich fass es nicht! Entschuldige, dass ich das jetzt so direkt sage, aber eine Lesbe ist in mich verknallt? Das ist ziemlich verrückt!" "Bitte mach dich nicht über sie lustig Kian, es geht ihr echt mies, weil ihr genau das selber so zu schaffen macht!" "Was soll ich denn deiner Meinung nach sagen? Wow, ich find es toll, dass ich eine lesbische Verehrerin habe? Du reichst mir doch vollkommen!" Melanie musste lächeln und umarmte Kian so fest sie konnte. "Hey hey hey, mach mal halblang! Ich krieg keine Luft mehr!" Sie liess ihn glücklich los. "Dann wär ja jetzt alles geklärt, seh ich das richtig?" Mel nickte. "Dann lass uns doch einfach da weitermachen, wo wir aufgehört haben...!"
Der Speisesaal war fast leer, als Mel ihn betrat. Nur Helen und Cecillia saßen in einer ruhigen Ecke und schwatzten ein bisschen. Sie lief zu den beiden rüber. "Cecillia, kannst du uns mal einen Augenblick alleine lassen?" bat Melanie sie freundlich. Ohne ein Wort zu sagen, löffelte Cecillia in ihrem Joghurt weiter, stand auf und sah von Mel zu Helen und von Helen wieder zu Mel, bevor sie ging. "Danke." murmelte Melanie und setzte sich auf ihren Platz. Helen saß ihr mit gebeugtem Kopf gegenüber und aß schweigend ihr Müsli. "Hel, es tut mir leid. Wirklich. Ich - ich wusste einfach nicht, was ich tun sollte, verstehst du? Du bist total am Ende, weil du unglücklich verliebt bist und erwartest von mir, dass ich dir zuhöre und eventuell eine Lösung parat habe. Da kann ich doch nicht noch mehr auf dir rumtrampeln und locker flockig sagen: "Ach Hel, es lohnt sich nicht, sich darüber Gedanken zu machen, Kian ist mit mir zusammen, von dem lässt du besser die Finger!" Das hätte dich doch nur noch mehr runtergezogen. Ich wollte es dir die ganze Zeit erzählen, wirklich, ich wollte nur auf den richtigen Moment warten." "Ja, leider hat der richtige Moment dich zuerst gefunden! Weisst du eigentlich, was es für ein Scheissgefühl ist, wenn du deine Freundin dabei erwischst, wie sie deinen Schwarm vögelt?" zischte sie, raffte ihre Sachen auf und verschwand. Auf halben Weg blieb sie nochmal stehen. "Ich hab jedenfalls gedacht, dass du meine Freundin bist!" Mit Tränen in den Augen stieg sie in den Aufzug, aus dem Nicky ausstieg. "Huch, was ist denn mit der los? Mel, weisst du das? Die sah total fertig aus. Mel?" Sie hatte ihren Kopf auf den Tisch gelegt und ihren Tränen freien Lauf gelassen. "Habt ihr euch gestritten?" fragte Nicky sanft und legte fürsorglich seinen Arm um ihre Schulter. Melanie schniefte, hob den Kopf und wischte sich die Tränen weg. "Ich hab Scheisse gebaut." murmelte sie niedergeschlagen. "Kann ich dir irgendwie helfen?" Sie schüttelte den Kopf. "Das ist alles ein bisschen kompliziert. Aber danke für das Angebot." "Keine Ursache. Wenn du Stress hast, kannst du immer zu mir kommen, okay? Ich vertrag im Moment ne Menge, Gina ist in letzter Zeit ziemlich kratzbürstig. Du weisst schon, die Hormone und so." sagte er augenzwinkernd und liess sie alleine. Seufzend sah Mel auf die Uhr und beschloss, noch ein bisschen ins Fitnessstudio zu gehen.
"Das müssen wir feiern, Leute! Holt den Schampus raus und lasst die Korken knallen!" schrie Bryan, als er von der Bühne kam. "Jungs, ihr wart grossartig! Kein Patzter, kein schräger Ton, keine dummen Witze, keine Zwischenfälle, ich bin wirklich beeindruckt! Ihr wart auch sensationell Mädels, erste Sahne." Er drückte alle feste und reichte dann die Champagnergläser weiter, die mittlerweile eingeschenkt waren. "Auf diesen tollen Tourstart und auf dass es so weiter geht!" rief Anto fröhlich und umarmte Ella, die neben ihm stand, noch ein weiteres Mal. Helen und Melanie waren die einzigen die sich nicht wirklich freuen konnten. "Hey Hel, was'n los, du legst hier 'ne grandiose Show hin und stehst da, als hättest du grad ne Ladung kaltes Wasser ins Gesicht gekriegt! Du auch Mel! Ist irgendwas?" fragte Shane. "Nein, alles okay." sagten Melanie und Helen im Chor und sahen sich erschrocken an. "Na wenn ihr euch da so sicher seit, will ich euch nicht länger stören. Feiert noch schön!" Mel gab sich einen Ruck und nahm ein Glas in die Hand. Sie kippte den Inhalt mit einem Schluck runter und ging zu den anderen rüber. Nach einer Stunde, es war mittlerweile war es Viertel nach Zwölf, scheuchte Anto alle auf, um die Party im Hotel weiterzufeiern. Sie fuhren also die kurze Strecke bis dorthin mit dem Bus und gingen nicht einmal hoch, sondern direkt in die Bar, um es richtig krachen zu lassen. Mel tanzte ausgelassen mit Kian und den anderen und trank eine ganze Menge. Sie wollte ihre schlechte Laune wegtrinken, damit sie den anderen nicht die Party versaute, wollte Spaß haben und ihre miese Situation vergessen. Deswegen kippte sie einen Drink nach dem anderen. Sie tanzte wild, warf Kian sehnsüchtige Blicke zu, die auch den anderen teilweise nicht verborgen blieben. Um halb zwei, alle anderen waren noch halbwegs nüchtern, weil sie nicht gleich am ersten Morgen der Tour die volle Dröhnung Kopfschmerzen haben wollten, lag Melanie halb unterm Tisch. Sie wollte sich grade noch einen Drink holen gehen, da konnte Kian nicht mehr zusehen. "Mel, ich glaub du hast genug." sagte er und hielt ihr Handgelenk fest. "Nein." Sie knickte weg und saß Sekunden später verdutzt auf dem Boden. "Huh, das waaar jetz aba nisch geplant." nuschelte sie und versuchte, wieder aufzustehen, was ihr nicht gelang. "Hilfst du mir ma hoch, mein Schatz?" grinste sie und hauchte ihm einen Kuss entgegen. Angewidert verzog Kian das Gesicht und zog sie hoch. "Komm Mel, ich bring dich mal hoch, bevor du noch mehr Blödsinn redest." versuchte er die Situation zu retten. "Das is lieb, mein Schatz. Ich glaub, isch hab jetzt eh ..." Sie rülpste laut und kicherte. "Upsi. Hab dich lieb, Ki" kicherte sie weiter. "Jaja. Wie du meinst." "Has du miiich etwa nich lieb? Warum hasn du dann mit mir..." "Mel, halt einfach die Klappe, du weisst ja gar nicht mehr, was du da redest!" Er drückte den Knopf des Aufzuges schnell und wischte sich den Schweiss von der Stirn."Ich komm nicht mehr runter Jungs. Viel Spaß noch." Er hob kurz die Hand und nickte ihnen noch zu, ehe er mit Mel im Aufzug verschwand. "Du kannst von Glück reden, wenn keiner dein Genuschel verstanden hat!!" fuhr er sie an, als die Türen sich schlossen und sie kurz darauf den Flur entlang gingen. Er zog seinen Zimmerschlüssel aus der Hosentasche und schloss auf. Mel stützte sich schon die ganze Zeit auf ihn und schlief schon fast. "Gleich kannst du pennen, Süße. Nur noch ein paar Meter." Er setzte sie sanft aufs Bett und Mel liess sich nach hinten fallen. Sie war sofort weg. "Was machst du für Sachen." sagte Kian sanft und strich ihr zärtlich über den Kopf. Er schlug die Bettdecke zurück und deckte sie damit zu. Sie kuschelte sich hinein und gab ein paar unverständliche Worte von sich. Kian schenkte ihnen keine Beachtung. Er vergewisserte sich nochmal, dass sie schlief, zog sich aus und knipste das Licht aus.
"Glaubt ihr, da läuft was zwischen Mel und Kian?" fragte Mark. "Ich weiss nicht. Sie hat grad ganz schön komisches Zeug geredet!" antwortete Shane. "Aber sie war doch total zu! Ich hab bestimmt auch schon mal jemandem meine Liebe beteuert, als ich betrunken war." gab Nicky zu Bedenken. "Naja, ich glaub es eigentlich nicht." dachte Bran laut. "Sie hat schliesslich ne kleine Tochter, ne Zuckersüße noch dazu. Warum sollte sie sich dann auf Kian einlassen? Es sei denn, der Vater wäre ihr abhanden gekommen." "Das werden wir wohl erst wirklich herausfinden, wenn die beiden zu uns kommen und es uns sagen!" schloss Nicky das Thema ab und stand auf. "Ich muss hoch. Georgina schläft bestimmt schon lange und ich hab ihr noch nicht mal von dem tollen Tourstart erzählt!" zwinkerte Nicky und verschwand im Treppenhaus. "Dieser Idiot rennt doch tatsächlich um zwei Uhr morgens die Treppen hoch, ich fass es nicht. Naja, mal schauen ob ich ihn noch abfangen kann!" lachte Shane und rannte, um den Aufzug noch zu bekommen.
"Oh Gott, mein Kopf" stöhnte Melanie am nächsten Morgen. "Hast du Kopfschmerzen?" "Nein, gar nicht." sagte Mel ironisch. "Ich hab dir gleich gesagt, dass du nicht so viel trinken sollst. Du hast dich gestern fast um Kopf und Kragen geredet." sagte Kian und rieb sich den Schlaf aus den Augen. "Was meinst du?" Mel schlug langsam die Bettdecke weg und drehte sich auf den Bauch, damit sie Kian ansehen konnte. "Guten morgen erstmal." Sie gab ihm einen Kuss." "Uh, du riechst nach Alkohol!." Er schob sie weg. "Ich meinte damit, dass du mir da unten andauernd gesagt hast, wie lieb du mich hast und noch dazu beinahe, dass wir miteinander geschlafen haben!" Mel richtete sich erschrocken auf und hielt sich danach den schmerzenden Kopf. "Hab ich das wirklich getan? Ich erinnere mich nicht mehr! Oh Gott, ich muss wahnsinnig gewesen sein." "Nein, nur betrunken, deswegen hat dir warscheinlich auch keiner geglaubt." "Dann ist ja gut, ich geh jetzt erstmal duschen." "Tu dir keinen Zwang an." Kian blieb entspannt im Bett liegen und genoss die frische Brise, die vom offenen Fenster hereinwehte. Er hatte Melanies Bild vor Augen, sah sie nochmal an ihrem Geburtstag, als sie Maddie erblickt hatte. Ihre ihm zu Liebe offen getragenen Haare wehten von der leichten Brise, die durch die geöffnete Tür hereinkam, ihr Gesicht leuchtete heller als der hellste Stern, ihr Lächeln war süßer als Zucker und ihre Augen blitzen vor Freude. Kian lächelte, obwohl ihm bewusst war, dass er alles gebrauchen konnte, aber keine Frau an seiner Seite. Niemanden, der sich für ihn interessierte, der seine Vergangenheit aufwühlte, wieder zum Gesprächsthema machte, keinen, der ihn zu Dingen verleitete, die nicht zu seinem Vorhaben passten, oder mit ihm Dinge anstellte, die ihn verrückt machten....
"Mel, du musst dich langsam beeilen, du hast schon wieder nichts Neues herausgefunden! Deine Zeit wird knapp! Du bist jetzt schon fast 5 Monate dabei, dass heisst, die Tour läuft seit anderthalb Monaten, du hast nur noch 2 einhalb Monate, wenn du weiterhin so langsam arbeitest, können wir einpacken. Auf Promotiontouren und ähnlichem können wir nie so unauffällig jemanden einschleusen!" "Ja, du hast ja Recht, aber was soll ich denn machen, Sean? Wir fliegen oder fahren jede Woche an einen anderen Ort, jedes Mal ändert sich hier alles wieder, neue Zimmer, neue Ordnung, neue Hinweise! Und die Arbeit wird davon auch nicht weniger, verstehst du? Wenn ich nicht zuverlässig tanze, komme wir genauso wenig weiter, weil ich dann rausfliege!" "So ein Unsinn, die können dich nicht mitten in der Tour feuern!" "Aber ich will nicht unzuverlässig sein, kapier das doch! Das führt nur zu unangenehmen Fragen, die kann ich gar nicht gebrauchen!" "Ja, stimmt schon, aber du musst dich zusammen reissen Mel! Du bist in einer Gruppe potenzieller MÖRDER, ist dir dass bewusst? Jeder der Jungs kann ihn getötet haben, alle fünf wären dazu in der Lage..!" Er wollte noch weitersprechen, aber Mel schnitt ihm das Wort ab. "Was weisst du schon von diesen Meschen, Sean? Ob sie dazu fähig wären oder nicht, dass kann ich ja nicht mal beurteilen, also halt du dich aus dieser Sache gefälligst raus!" fauchte sie, legte wutentbrannt auf und schaltete ihr Handy aus. Sie wusste, dass er ihn einer Sache Recht hatte, ihre Zeit wurde langsam knapp. Aber er hatte kein Recht, so über all diese liebenswerten und netten Personen zu reden, weil EINER von ihnen sich vielleicht etwas hatte zu Schulden kommen lassen. Okay, vielleicht war das so etwas milde ausgedrückt, Mord war schliesslich kein Kavaliersdelikt, aber trotzdem. Ausserdem tat sie schon alles Menschenmögliche! Sie hatte mittlerweile fast alle von Bryans Videos durchgesucht, aber nichts war ihr in irgendeiner Weise seltsam vorgekommen. Das Meiste waren Komödien oder Zeichentrickserien, oder normale Kinofilme. Nur einmal war ein selbstgedrehtes Video von Bryan und den Kids dabei gewesen und Mel hatte Tränen gelacht. Die Kids hatten ihn ganz schön im Griff. Wenn Molly was wollte, bekam sie es auch. Und in Sachen Marks Briefe war sie auch kein Stück weiter gekommen. Er erhielt sie nach wie vor, liess keinen an sie ran und schrieb schneller als der schnellste Blitz zurück. Wohin sie gingen, was drin stand, keiner wusste es. Mel hatte sich heimlich durchgefragt, mit der Begründung, Mark wäre einmal in Tränen ausgebrochen, was zwar stimmte und ihr auch ein bischen zu schaffen machte, aber es war nicht das Interessante daran. Viel mehr interessierte es sie, wer ihm schrieb. Ein geheimer Kumpel, ein Komplize, ein Mafioso? Jeder konnte es sein. Aber Mark liess ihr keine Möglichkeit, etwas zu erfahren. Bis er eines Tages von Anto gerufen wurde und so überstürzt aufbrach, dass er seinen Zimmerschlüssel verlor. "Mark, du hast..."Mel unterbrach sich selber. Einerseits, weil er sie sowieso nicht hören konnte, andererseits, weil es ein dickes Eigentor gewesen wäre, so eine Gelegenheit zu verschenken. Wie in Trance hob sie den Schlüssel auf und betrachtete ihn. Es war nicht nur der Schlüssel zu seinem Zimmer, nein es war der Schlüssel zu seinem Geheimnis und vielleicht sogar zum Tod des jungen Reporters. Vielleicht.
"Sie müssen doch hier irgendwo sein!" sagte sie zu sich selbst und wühlte weiter in Marks Sachen herum. Die Briefe mussten in seinem Zimmer sein, wo sonst? Sie waren nicht in seiner Komode, nicht im Nachtschränkchen, nicht im Schrank, nicht auf, unter oder neben dem Schrank und unterm Bett fand sie auch nichts ausser Staub und ein paar Zeitschriften. Verzweifelt setzte sie sich auf das große, weiche Bett und liess den Blick schweifen. Er blieb an einem braunen Etwas hängen, das auf dem Couchtischchen lag. Sie lief mit neuer Hoffnung hin und löste das Band um die Mappe. Sie öffnete sie und sah einen beachtlichen Stapel Briefe darin liegen. Auf keinem stand ein Absender, immer nur feinsäuberlich die Adresse des Hotels, in dem sie zu der Zeit gewohnt hatten. Mel besah sich die Umschläge mit klopfendem Herzen. Der Poststempel kam immer aus einer Stadt namens Collooney, sie meinte sich zu erinnern, dass das in der Nähe von Sligo lag. Mit vor Aufregung zitternde Händen, öffnete sie den ersten Umschlag. " Lieber Mark, wie geht es dir so weit weg?" Mel sah nochmal auf die Adresse. Es war der Tag vor ihrer Abreise aus Dublin gewesen. "Ich vermisse dich so sehr, dass mein Herz schmerzt. Deine Nähe, deine Wärme, all das, was ich nun schon seit mehr als zwei Monaten missen muss. Es ist unglaublich, wie sehr ich dir verfallen bin, wie sehr ich mich nach dir verzehre und mich zu dir wünsche. Es vergeht keine Sekunde...." Mels Gesichtsausdruck wurde mit jeder Sekunde fragender. Das hörte sich nach allem an, aber bestimmt nicht nach einem Brief von einem Komplizen. "... in der ich nicht an dich denken muss, in der ich dein Bild nicht vor mir sehe, nicht deinen Geruch in der Nase habe oder deine Stimme im Ohr. Du bist immer bei mir, so fern und doch so nah. Nicht mehr als zwei Stunden trennen uns voneinander und doch darf ich dich nicht sehen. Du wolltest es so. Ich verstehe es nicht, aber ich akzeptiere deine Entscheidung. Es wird besser so sein, wenn du der Meinung bist, dies sei richtig. Trotzdem wünschte ich, du wärst bei mir, würdest meine Lippen küssen, deine Hände durch meine Haare gleiten lassen, in meine Augen schauen, deine Hand in meiner, dein Atem im Gleichklang mit meinem." Mel fasste sich an den Kopf und liess den Brief sinken. Das dürfte doch nicht war sein! Sie las weiter. "Meine Gedanken sind immer bei dir, keine Sekunde deines Lebens möchte ich verpassen. Ich würde es mir nicht verzeihen. Meld dich bald Mark, ich warte auf jedes noch so kleine Zeichen. In ewiger Liebe, deine Jade." Der Name war in wunderschön verschlungenen Buchstaben auf das Papier gesetzt. Melanie hatte dieser Brief gerührt, doch sie war fürchterlich enttäuscht. Wieder eine Spur im Sand verlaufen, jetzt blieb ihr nur noch das Video. Sie hob die anderen Briefe auf und besah sich die Daten der Poststempel. Sie suchte nach dem Brief, wegen dem Mark geweint hatte. Das war noch nicht lange her. Hier, 5.05 , ein paar Tage nach Kians Geburtstag, den sie ausgiebig gefeiert hatten. Sie wollte ihn gerade öffnen, als ihr Blick auf ein Foto, dass zwischen den anderen Briefen lag, fiel. Es zeigte eine lachende junge Frau mit braunen Locken und grünen Augen. Sie saß auf einer Schaukel und ihr leichtes Sommerkleid flatterte im Wind. Das war sicherlich Jade. Sie war ihr sofort sympathisch. Sie nahm den Brief wieder zur Hand und stutzte, als sie die Adresse des Hotels las. Es war nicht die kleine, enge Schrift von Jade, sondern eine große, breite und unordentliche Schrift. Sie klappte den Brief auf und las beunruhigt die Zeilen. "Sehr geehrter Mr. Feehily. Ich wünsche, dass sie sich in Zukunft von meiner Tochter fernhalten. Sie haben ihr bisher nur Unglück gebracht. Ihre lobenswerten Bemühungen und Fortschritte liessen nach, sie wurde rebellisch und frech, hatte nur noch ihre Freizeit mit ihnen im Kopf, vergass daneben ihre Pflichten als Medizinstudentin und Mitglied von Green Peace völlig. Wenn ich merke, dass sie sich nicht an dieses Verbot halten, sehe ich mich gezwungen, sie anzuzeigen. Meine Tochter Jade ist gerade zarte 20 geworden und noch nicht fähig, eigene Entscheidungen zu treffen, von daher fühle ich mich verantwortlich, für ihr Wohl zu sorgen. Da ich in ihnen leider kein Wohl sehen kann, bitte ich sie, diese Entscheidung zu akzeptieren und keine weiteren Versuche zu unternehmen, Jade zu kontaktieren. Mit freundlichen Grüssen, Dr. Dr. med. Harry Mc Cormack." Melanie war ebenfalls den Tränen nah. Jade tat ihr unendlich leid, dass sie so einen Vater hatte. Sie war zwanzig, verdammt noch mal, nicht mehr 15! Ausserdem hatte sie unheimliches Mitgefühl mit Mark und erst jetzt fiel ihr auf, dass tatsächlich seitdem keine Briefe mehr gekommen waren. Zwar hatte sie Mark noch ein paar Mal tief über einen Briefbogen gebeugt gesehen, doch für ihn war nie mehr Post dabei gewesen, wenn Anto die tägliche Post ausgeteilt hatte. Sie legte die Briefe sorgfältig wieder zusammen und verschloss die Mappe wieder mit dem Band, dass ursprünglich darum gewesen war. Dann hörte sie plötzlich ein lautes Krachen hinter sich. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals, als sie sich in der Erwartung, Mark hinter sich stehen zu sehen umdrehte und ins Leere blickte. Nur das Fenster, das bis vor kurzem noch offen gestanden hatte, war nun geschlossen und hatte die Gardine zwischen sich geklemmt. Mel griff sich den Schlüssel, hastete aus der Tür, schloss ab und legte den Schlüssel vor die Tür. Dann rannte sie so schnell sie konnte zu ihrem Zimmer und schloss sich heulend ein. Es tat ihr so weh, das sie die anderen hinter ihrem Rücken ausspionieren und ihnen weh tun musste. Sie schaffte es nicht einmal mehr, sich auf das Bett zu legen, sondern saß mit engangezogenen Beinen an der Tür und weinte sich die Augen aus. Irgendwann musste sie wohl eingeschlafen sein, denn als sie durch ein heftiges Klopfen an der Tür aufgeweckt wurde, war es bereits dunkel. Sie stand auf und öffnete mit zittrigen Händen die Tür. Ihr Magen drehte sich um, als sie sah, wer vor ihr stand. "Hi Hel." flüsterte sie und wartete gespannt, was passieren würde. Helen sah sie mitleidig an. "Was ist los?" fragte sie leise. "Schon okay, hat sich erledigt." sagte Mel und versuchte, zu lächeln. Sie schaffte es nicht. "Willst du nicht reinkommen? Ich denke, wir sollten uns vielleicht nicht auf dem Flur aussprechen." sagte sie stattdessen. "Erst musst du mir sagen, warum du geweint hast." Helen blickte sie stur an. Mel wusste, dass sie keine Chance hatte, wenn sie sich je wieder mit ihr vertragen wollte. "Ich hab manchmal einfach fürchterliche Heimwehattacken, wegen Maddie und so." Mel schaute zu Boden, weil sie Helen bei einer solchen Lüge nicht in die Augen schauen konnte. Aber die verstand das anscheinend anders." Hey, du brauchst dich nicht dafür zu schämen, Heimweh ist nichts Schlimmes." Sie legte tröstend die Hand auf Melanies Knie, zog sie aber im nächsten Moment schon wieder weg, als ob sie eine ansteckende Krankheit hätte. Da erinnerte Mel sich wieder, warum Helen wirklich gekommen war. "Ich weiss nicht, wie ich es dir erklären soll, Hel. Es tut mir furchtbar leid, dass ich dir nichts davon gesagt habe. Es - es hatte zwei Gründe. Zum einen wollte ich dir nicht wehtun, vielleicht war es genau der falsche Weg, dich vor Schmerzen zu bewahren, ich hätte mir ja denken können, dass es nicht lange gut geht. Und zum anderen, weil Kian nicht wollte, dass ich es jemandem sage."
Helen schaute sie mit wässrigen Augen an. "Ist schon okay Mel. Ich muss da jetzt durch. Es ist nicht das erste Mal, dass ich nicht das kriege, was ich will." Sie grinste und nahm Mel in ihre Arme. "Es ist doch dumm, sich um einen Kerl zu streiten, oder? Erzähl mir lieber, wie er so ist...!"
Melanie und Kian saßen gelangweilt vor dem Fernseher und zappten sich durch das Programm. Es liefen hauptsächlich Talkshows und ein paar dumme Comedysendungen, die keinen vom Hocker rissen. Schliesslich nahm Mel Kian die Fernbedienung aus der Hand und machte die Kiste aus. "Wie lange wolltest du dir noch diesen Schwachsinn ansehen?" fragte sie genervt. "Solange, bis du mir die Entscheidung abnimmst, ob ich das Ding ausmachen oder anlassen soll." antwortete Kian frech und Mel musste lachen. "Kian Egan, sie sind manchmal echt unverbesserlich!" sagte sie und küsste ihn auf die Wange. "Wie, war das schon alles?" fragte Kian gespielt enttäuscht und klimperte mit den Wimpern. "Du hast es nicht anders gewollt!" sagte Mel und setzte sich mit verführerischem Blick auf seinen Schoss. "Ist das jetzt ne Kampfansa-" Kian kam nicht weiter, weil Mel ihn nun richtig küsste, dass ihm fast der Atem wegblieb. Seine Hand fuhr unter ihr T-Shirt und ihre in seine Hose. Ihr Verlangen nacheinander wuchs von Sekunde zu Sekunde. Schnell lag seine Hose auf dem Boden und sie trug nichts mehr ausser ihrem Höschen. Kian war gerade versucht, ihr auch dieses noch runterzuziehen, als es - wie konnte es anders sein- an der Tür klopfte. "Ki, mach auf, wir müssen kurzfristig zu einem Termin!" Kian stöhnte laut. "Warum das denn schon wieder?" fragte er genervt. "Woher soll ich das denn wissen?" Mel erkannte nun Brys Stimme. "Mir passt das auch überhaupt nicht in den Kram. Kerry ist mit Gina und Gil in der Stadt und Molly und Lilly sind alleine, ich kann unmöglich weg! Weisst du jemanden, der auf die beiden aufpassen kann? Jetzt mach doch mal endlich auf, ich komm mir dumm vor, auf dem Flur glotzen alle, bääääh" Mel konnte sich vorstellen, wie Bryan gerade eine Grimasse schnitt, um neugierige Gäste zu vertreiben. "Jaja, ich komm ja schon." rief Kian und zog sich wieder an. "Tut mir leid Süße, das müssen wir wohl auf heute Abend verschieben!" Er küsste sie sanft und lächelte. "Mach nichts, du kannst ja nichts dafür." Sie zog sich ebenfalls rasch an. Kian war schon an der Tür, als Mel noch ihre Haare ordnete. "Hey" sagte Bryan. "Da bist du ja- und Mel ist bei dir?" Er sah Kian verwirrt an. "Wir mussten noch was klären, wegen gestern, du weisst schon." Bryan blickte grinsend von Kian zu Mel, und wieder zurück. "Ja nee, is klar." lachte er und wandte sich nun an Mel. "Kannst du vielleicht auf Pooh und Sue aufpassen? Ich weiss nicht, zu wem ich sie sonst geben könnte, ausserdem hast du ja Übung!" bettelte Bryan. Melanie konnte und wollte bei dem verzweifelten Gesichtausdruck nicht nein sagen."Okay, ich machs ja schon, du kannst aufhören so zu gucken!" lachte sie. "Danke, du bist meine Rettung, Kez würde mich killen, wenn ich die Zwei alleine lassen würde..." Er umarmte sie kurz und ging dann den Flur entlang. "Ki, kommst du?" "Ja, Moment. " Er senkte seine Stimme. "Wir sehen uns heute Abend okay? Ich denke, um halb fünf sind wir wieder da. Also musst du dich bloss 3 Stunden mit den zwei Biestern rumschlagen!" lachte Kian und gab ihr ein Bussi auf die Wange. "Ciao, bis gleich" Mel nickte und sah zu, wie die beiden in den Aufzug stiegen. Als sie darin verschwunden waren und die Türen sich mit einem leisen "Pling" schlossen, wandte sie sich ab und ging zu Bryans Zimmer. Sie wollte die beiden Kleinen nicht lange alleine lassen.
"...und die beiden heirateten und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie sich noch heute." Molly klatschte in ihre kleinen Händen und grinste. "Noch eine, noch eine!" "Nein Molly, keine Geschichte mehr, du hattest schon zwei, versuch jetzt zu schlafen, ja??? Deine Schwester braucht jetzt Ruhe." Sie zog der Kleinen die Decke bis zum Hals hoch und strich sie glatt. "Ich will aber keinen Mittagsschlaf machen!" quängelte Molly. "Wenn du jetzt brav ein Stündchen oder zwei schläfst, geht der Papa nachher mit dir auf den Spielplatz, okay?" Molly nickte eifrig. "Spielplatz, Spielplatz" murmelte sie vor sich hin und schloss die kleinen Äuglein. Mel streichelte über ihre Wange und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann ging sie noch mal zu Lillys Bettchen und vergewisserte sich, dass sie ebenfalls schlief, bevor sie das Schlafzimmer, in dem alle Betten untergebracht waren, verliess. Sie liess sich aufs Bett fallen und schaltete den Fernseher an. Aber es liefen immer noch überall Talkshows, die Mel nicht ausstehen konnte. Sie sah sich um, und suchte nach etwas, mit dem sie sich beschäftigen könnte und ihr Blick fiel auf die Videos. Sie hatte noch nicht alle durch. Sie stand auf und schaute auf die Hüllen der Videos. Auf die, die sie gesehen hatte, hatte sie mit Eding einen kleinen Punkt gemacht. Sie fand vier Stück, die noch keinen hatten. Die zog sie raus und legte sie auf den Tisch. Dann ging sie zur Minibar rüber und holte sich eine kalte Flasche Wasser heraus, bevor sie das Video in den Rekorder schob. Es war diesmal ein aufgenommener Trickfilm, warscheinlich für Molly und Lilly. Sie holte ihn wieder raus und probierte den nächsten. Da klopfte es an der Tür und Ella trat ein. "Kian ist unten am Telefon und will dich sprechen." Mel tat überrascht und beauftragte Ella, so lange bei den Kids zu bleiben. Sie hastete nach unten und ging ans Telefon, zu dem Ben sie schickte. Er war wohl dran gegangen. "Ja?" "Hi Mel, du musst mir nen Gefallen tun. Geh bitte hoch in mein Zimmer, da liegt so ein Brief. Der muss unbedingt heute noch raus! Kannst du den für mich abschicken??? Ich hab das voll vergessen!" "Klar, kein Problem, ist der fertig oder muss noch irgendwas drauf?" "Ja, du musst noch ne Briefmarke draufkleben, ich hab noch welche in der rechten Schublade der Komode, okay?" "Ja, mach ich." "Danke, du bist ein Schatz. Ich liebe dich." Mel sah sich verstohlen um. Ausser ihr und der Frau an der Rezeption war niemand zu sehen. "Ich dich auch." flüsterte sie zurück und legte auf. Schnell ging sie wieder hoch, sagte Ella Bescheid, dass sie noch ein paar Minuten da bleiben musst und ging in Kians Zimmer. Es war mal wieder nicht abgeschlossen, aber sie wäre auch so reingekommen, weil Kian ihr den Zweitschlüssel gegeben hatte. Sie sah sich um und entdeckte den Brief auf dem Tischchen vor dem Fernseher liegen. Das sie ihn eben nicht gesehen hatte, war ihr ein Rätsel. Sie schnappte sich in und ging zu der Schublade. Diese war wie immer verschlossen, das war sie auch bei Mels Durchsuchungsaktionen beide Male gewesen, aber heute steckte der Schlüssel. Sie drehte ihn um und zog die Schublade auf. Was sie sah, verschlug ihr den Atem. Ausser den besagten Briefmarken fand sie eine Pistole. "Wozu braucht Kian den eine Waffe?" fragte sie sich und zuckte mit den Schulter, sich selber die Antwort gebend. Sie riss sich zwei Briefmarken ab und klebte sie auf den Umschlag. Dabei las sie den Empfänger. "Debborah Harris" stand da in Kians undeutlicher Schrift. Der Name kam ihr bekannt vor, doch ihr fiel kein Zusammenhang ein. Sie schnappte sich ihre Jacke, die noch rumlag, zog sie über und machte sich auf zum Briefkasten.
"Da bist du ja endlich wieder! Ich dachte schon, ich müsste hier versauern!" "Tut mir leid, aber draussen giesst es in Strömen, da musste ich mich kurz unterstellen!!" "Jaja, ich versteh schon, aber jetzt kann ich ja wieder gehen, oder?? Ich hab nämlich eigentlich noch was vor!" "Klar, jetzt kann ich ja wieder aufpassen. Danke nochmal." "Keine Ursache, wieso wollte Kian eigentlich unbedingt dich?" "Woher soll ich das wissen? Ich kann auch nicht hellsehen!" lachte sie und kreuzte die Finger hinter ihrem Rücken, dass Ella nicht weiter nachfragte. "Ist gut, wir sehen uns ja dann heute bei der Abfahrt sicher." "Ja, bestimmt. Ciao." Ella schloss die Tür hinter sich und Mel setzte sich wieder hin. Das Video lief, nur der Bildschirm war nicht eingeschaltet. Sie machte ihn an und lief mit dem Rücken zu ihm gekehrt zum Sofa. Sie hörte plötzlich ein grässliches, höhnisches Lachen, dass immer lauer anschwoll und einen Schuss. Das Lachen verstummte und Mel löste sich aus der Starre, in der sie sich befunden hatte und drehte sich erschrocken zum Bildschirm um. Es war eine dunkle, schmutzige Lagerhalle zu sehen, sonst nichts. Sie setzte sich langsam hin und nahm die Fernbedienung. Sie spulte ein Stück zurück bis zum Anfang des Bandes. Eine dunkle Gestalt lief durchs Bild und verschwand irgendwo hin, wo man sie nicht sehen konnte. Sie sang ein bekanntes Lied, doch die Stimme klang seltsam verzerrt, ob es wegen der Videoaufnahme war oder wegen einem anderen Grund. Ein paar Minuten, in denen die Person mehrere Lieder sang, verstrichen. Sie erkannte die Lagerhalle. Es war die, in der Stan Harris, der tote Reporter, aufgefunden worden war, mit einer 5 mm Kugel im Kopf. Kaltblütig erschossen, liegengelassen und verblutet. Er hatte keine Chance, selbst wenn er früher gefunden worden wäre, der Schuss hatte einige lebenswichtige Nervenstränge getroffen. Melanie erinnerte sich daran, wie sie ihn im Leichenschauhaus gesehen hatte. Der Kopf völlig zerstört, die Haut aschfahl und auf dem linken Arm war mit einem scharfen Messer "I cry" eingeritzt worden. Ihr wurde schlecht, wenn sie nur daran dachte. Für sie war das der unangenehmste Teil ihres Jobs, weil sie nicht mal Blut sehen konnte, ohne dass ihr übel wurde. Plötzlich hörte man eine Tür quietschen und jemanden eintreten. "Hallo." sagte eine leise Stimme und das Singen verstummte. "Lassen sie mich gefälligst in Ruhe!" schrie derjenige laut, der eben noch gesungen hatte. "Hauen sie ab, haben sie keine Ohren, oder warum hören sie nicht? Es wird ihnen noch leid tun, wenn sie jetzt nicht verschwinden!" Eine lange Pause entstand, bevor sich der neu dazugekommene zu Wort meldete. "Wollen sie mir Angst machen? Hören sie, ich will doch bloß eine gute Geschichte für meine Zeitung, wir sind eine hochangesehene Boulevardzeitschrift, mit vielen Millionen Lesern, doch wir sind pleite. Pleite, weil ein dummer kleiner Angestellter alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann. Dafür wird er schon noch büßen, aber ich werde hier nicht weggehen, ehe ich eine gute Story in der Tasche hab, ist ihnen das klar?" "Natürlich ist mir das klar, aber ihnen scheint nicht bewusst zu sein, in welcher Gefahr sie sich hier befinden!" "Welche Gefahr denn? Vielleicht wird sich gleich das Rotkelchen dort drüben auf mich stürzen, mein Gott hab ich eine Angst." Der Reporter, es musste Stan Harris sein, schien mit jedem Wort mehr eingeschüchtert. Mel wünschte sich, die beiden würden zu sehen sein. "Ich rede hier nicht von dummen Vögeln, mit vögeln hab ich mehr als die Hälfte meines bedeutungslosen Lebens verbracht, hier geht es um etwas anderes, mein Lieber. Sie befinden sich in Gesellschaft eines psychisch-verwirrten Mannes, der dazu neigt, Unüberlegtes zu tun. Das hab ich sogar schwarz-auf-weiss. Das Ganze wär ja noch nicht allzu schlimm, aber wie der Zufall es wollte, ist eben dieser Mann in Besitz einer äußerst gefährlichen Schusswaffe. Sie sollten vorsichtig sein." Seine Stimme klang gefährlich. Stan Harris sagte mit weinerlicher Stimme: "Da-das meinen sie doch jetzt nicht ernst oder?" "Noch nie in meinem Leben meinte ich etwas so ernst, wie das was ich gerade gesagt habe" Die Stimme klang boshaft, aber immernoch war sie sehr verzerrt. "Ich bitte sie, tun sie nichts Unüberlegtes, ich wollte sowieso gerade gehen, bitte, ich werde sie nie wieder belästigen...." versuchte Stan sein Gegenüber zu beschwichtigen. "Oh nein, mein Lieber, dafür ist es zu spät, ich habe ihnen zuviel anvertrauen müssen, ich kann sie doch mit diesem überaus kostbaren Wissen nicht einfach rausspazieren lassen, das verstehen sie doch, oder? Kommen sie, stellen sie sich da hin, es wird auch gar nicht weh tun und ich werde dafür sorgen, dass sie ein anständiges Begräbniss bekommen... haben sie Familie? Ja? Nun gut, dass ist ihr Problem, nun kommen sie schon, desto schneller ist es vorbei...." Irgendetwas geschah dort und Stan schien zu weinen. "Sonst gibts unschöne Blutflecken, das muss ja nicht sein, oder?" lachte der Mörder. "Noch irgendwelche letzten Worte?" Er wartete kaum zwei Sekunden, bevor er sagte: "Nun, anscheinend nicht. Sagen sie auf Wiedersehen!" Ein höhnisches Lachen drang aus seiner Kehle, schwoll zu einer hohen Lautstärke an, sodass man das Gefühl hatte, das Gehör würde Platzen. Gerade als das Lachen seinen höchsten Punkt erreicht hatte, dröhnte ein Schuss durch die Lagerhalle. Ein paar Minute war Stille, dann fing die Person wieder an zu singen. Sie lief plötzlich durchs Bild, trug die Pistole, ein scharfes, blutiges Messer und einen dicken, goldenen Ring. Seine Kleidung war ebenfalls blutverschmiert. Er sang immer wieder diese Zeilen, bis er auf einmal den Kopf Richtung Kamera drehte und immer näher kam. Ganz langsam, Schritt für Schritt näherte er sich, bis er so nah war, dass nur noch sein eisblaues Auge auf dem Bildschirm zu sehen war.
Melanie weinte heftig und zitterte. Es war Kian, der ihr da entgegen starrte. "Nein." flüsterte sie. "Nein, das kann doch nicht sein." Sie vergrub den Kopf in ihren Armen und schluchzte und weinte. "Oh Gott, nein, das darf nicht sein." Sie schüttelte den Kopf in ihren Armen. Sie fühlte Kians Hände auf ihrem Körper, seinen Atem auf ihrer Haut, seine Lippen auf ihren, seine Stimme in ihrem Ohr. Sie erschauderte. "Wie konntest du nur?" flüsterte sie verzweifelt und blickte wieder auf den Bildschirm. Durch den Tränenschleier, der auf ihren Augen lag, sah sie wie Kian an der Kamera herumhantierte. Dann ertönte nochmal dieses grauenvolle, grausame Lachen und er fing wieder an zu singen. Diesmal erkannte Mel das Lied. "I cry silently, I cry inside of me, I cry hopelessly, 'cause I know I'll never breathe your love again, I cry, 'cause you're not here with me, 'cause I'm lonely as can be, I cry hopelessly, 'cause I know I'll never breathe your love again ..." Dann brach das Video ab. Mel hoffte, dass sie träumte. "Gleich wach ich auf und liege in meinem weichen Bett, Kian liegt neben mir..." Bei dem Gedanken an Kian lief ihr ein Schauer den Rücken hinab. "Ich hab nur geträumt" versuchte sie sich einzureden. Doch dann hörte sie, wie Lilly anfing zu weinen und wusste, dass dies kein Traum war. Sie lief zu der Kleine rüber und nahm sie hoch. Sie schaukelte sie hin und her, nicht nur um Lilly zu beruhigen, sondern auch sich selber. Sie war in ihren Inneren total aufgewühlt. Sie liebte Kian von ganzen Herzen, doch jetzt mischte sich ein neues Gefühl dazu. Angst. Sie hatte fürchterliche Angst, dass er ihr etwas antuen würde. Ihr wurde bewusst, dass sie in der Schublade in Kians Zimmer nicht irgendeine Pistole, sonder mit größter Warscheinlichkeit die Tatwaffe gefunden hatte und der Brief den sie eingeworfen hatte, war an Stan Harris Frau gewesen. Deborrah Harris, die Frau, die sich schon drei Mal das Leben nehmen wollte, weil ihr Mann auf brutalste Art und Weise erschossen worden war. Mel legte Lilly wieder in ihr Bettchen. Die Kleine schlief friedlich. Sie hatte ja keine Ahnung von dem, was hier vorfiel. Genau wie alle anderen. Keiner wusste, dass sie Polizistin war, die für den Mordfall Stan Harris zugeteilt. Wer sollte auch darauf kommen? Stan Harris war Ire, in Irland ermordet worden, in Sligo genauer gesagt. Kaum einer wusste, dass er zur Hälfte Engländer war und dort haupsächlich lebte, mit seiner Familie. Wer würde also auf die Idee kommen, dass sie etwas damit zu tun hatte? Genau. Niemand. Sie strich Lillys Haare aus ihrem Gesicht und küsste sie auf die Stirn. Dann sah sie noch nach Molly und räumte die ganzen Video wieder weg, ausser dem mit Kian. Dann verliess sie den Raum und ging rüber zu Kians. Sie zog die Schublade auf, nahm die Waffe raus und schloss sie wieder ab. Sie liess ihren Blick schweifen. Der Raum lag da wie immer. Unordentlich und stickig. Mel öffnete ein Fenster und hing sich raus. Immernoch rollten die Tränen ihre Wangen hinab, unaufhörlich. Draussen war es warm. Es war jetzt Ende Mai, fast Juni und dafür schon eine grosse Hitze. Seit Wochen hatte es nicht mehr geregnet und Mel wunderte sich, dass es auch jetzt nicht regnete. Wieso brach die Welt nicht zusammen? Wieso drehte sie sich weiter, wieso änderte sich nicht alles? Ihre eigenen Welt war in tausend Stücke zersplittert, ihr Herz gebrochen. Wieso nahm alles seinen gewohnten Lauf? Sie wischte ihre Tränen weg und drehte sich wieder um. Ihr Blick fiel auf die Komode. Dort lag immernoch der Schmuckhaufen, mit diesem grossen, schweren Ring. Mel schüttelte den Kopf. Es war der Ring, den Kian in dem Video in der Hand gehalten hatte. Sie nahm in ebenfalls mit und ging in ihr Zimmer. Auf dem Flur begegnete ihr zum Glück keiner. Sie hätte nicht gewusst, wie sie erklären könnte, warum sie mit einem Video, einer Pistole und einem Ring völlig verheult durch die Gegend lief. In ihrem Zimmer warf sie sich auf ihr Bett und kuschelte sich in die Kissen. Sie fühlte sich verraten, einsam und verlassen. Sie wusste nicht, wie lange sie so da gelegen hatte, bis sie auf dem Flur Geräusche hörte. Es schien, als seien die Jungs von dem Termin wiedergekommen. Mel fing wieder an zu zittern. Was wenn Kian jetzt rein kam? Sie hockte stocksteif auf ihrem Bett und umklammerte ihr Kissen. Sie wagte nicht, die Augen zu öffnen. Erst als es sich auf dem Flur wieder beruhigt hatte, lockerte sie ihre Hand von dem Kissen. Ihre getrockneten Tränen klebten auf ihren Wangen, doch sie wurden von neuen wieder weggewaschen. Mit zittrigen Beinen stand sie auf und ging ins Bad. Sie schüttete sich eine Menge kaltes Wasser ins Gesicht und sah sich im Spiegel an. Ihr blickte eine blasse Frau mit rot geweinten, verstörten Augen entgegen. Entsetzt löschte sie das Licht im Bad und verliess es schnell. Sie faste all ihren Mut zusammen und ging auf den Flur hinaus und lief auf Kians Zimmer zu. Zögernd lag ihr Fingerknochen mehrmals fast auf der Tür, bevor sie sich endlich traute wirklich zu klopfen. Ihre Knie fühlte sich an wie Pudding und ihre Hände zitterten. Die Tür ging auf und Kian sah ihr lächelnd entgegen. Als er sie aber sah, verschwand es und ein besorgter Gesichtsausdruck schmückte ihn. "Komm rein." sagte er schnell und faste ihren Arm, den Mel ihn gleich wieder entzog. "Mel, was-" Er sprach nicht zu ende, sondern sah sie besorgt an. Mel setzte sich auf die Kante des Sofas. "Wieso Kian. Wieso?" "Ich- ich versteh nicht..." stammelte Kian und suchte ihren Blickkontakt. "Wieso hast du ihn umgebracht?" Es war nicht mehr als ein Flüstern, doch Kian verstand es. Seine Augen weiteten sich vor Schreck. "Woher weisst du das?" rief er. Mel antwortete nicht. Er hastete auf sie zu und nahm ihren Arm feste in seine Hand. "Ich hab dich was gefragt!" zischte er wütend. Mel sah in seine Augen. Sie hatten die gleiche Farbe, den selben Ausdruck wie an dem Tag, an dem sie von dem Video erfahren hatte, wie als er sie aus seinem Zimmer geworfen hatte, wie in dem Video. "Kian, bitte... du tust mir weh!" Sie schloss die Augen um die Tränen zurück zu halten, die sich in ihren Augen sammelten. "Ich mach gleich noch ganz andere Sachen mit dir, wenn du nicht redest!" drohte er und blitzte sie mit seinen eisblauen Augen an. Er holte ein Klappmesser aus seiner Hosentasche hervor und hielt es an ihren Hals. "Ich- ich.." stotterte Mel. Sie hatte unbändige Angst. "Wenn du es jemandem sagst, bist du tot, ist das klar? Nur ein Wort zu irgendwem, ich erfahr davon. Früher oder später. Und dann bist du dran!" Melanie zitterte und ihr Herz klopfte schnell. "Bitte Kian, tu mir nichts, ich sag ja niemandem was, bitte, ich dachte du liebst mich!" Kian liess von ihr ab und schüttelte den Kopf. "Mel, dass tue ich auch." Sie sah ihn ungläubig an und rannte so schnell sie konnte aus dem Raum.
Nun stand er also dort, am Fenster und starrte hinaus. Es hatte nun doch angefangen zu regnen und es wurde kalt draussen. Er hatte gewusst, dass es eines Tages passieren würde. Irgendjemand musste hinter sein Geheimnis kommen, es war nur eine Frage der Zeit. Er fragte sich, wie sie es erfahren hatte, doch im Prinzip war es auch egal. Sie wusste es und sie würde es nicht vergessen. Auch nicht seinetwegen. Er seufzte und sah auf seine Uhr. Es war mehr als eine Stunde vergangen, seit Melanie rausgerannt war. Er wusste nicht, wie er ihr nachher auf der Bühne gegenüber treten sollte, ohne dass jemand bemerkte, dass etwas vorgefallen war. Sonst neckten sie sich immer bei ihren Tänzen, sicherlich würde sie ihn heute nicht einmal ansehen. Es war dunkel für die Uhrzeit, aber vielleicht lag es an den dunklen Wolken, die über Sheffield lagen. Er sah aus dem Fenster auf den Park, der zum Hotel gehörte und merkte, dass dort auf der Bank Melanie saß. Sie war nicht weit weg und Kian konnte sie durch sein geöffnetes Fenster weinen hören. Was hatte er mit ihr gemacht? Er konnte sich nicht erinnern. Es war immer so. Er wurde von diesen psychischen Anfällen heimgesucht und konnte sich hinterher nie daran erinnern. Es tat ihm im Herz weh, dass er sie verletzt hatte, ob nun seelisch oder körperlich. Er schloss das Fenster und verliess sein Zimmer, um zu ihr zu gehen. Er wollte sich entschuldigen, auch wenn er wusste, dass es nichts nützte. Langsam und leise näherte er sich Melanie und setzte sich vorsichtig neben sie. Sie zuckte zusammen und wollte sofort aufstehen. "Nein, Mel, bitte warte. Bitte lass mich erklären!" "Was willst du erklären, Kian? Du hast einen Menschen umgebracht, einen zweifachen Familienvater! Seine..." Kian schüttelte den Kopf. "Nicht diese Sache. Bitte Mel, setzt dich wieder. Ich werde dir nichts tun." Zögernd setze Melanie sich mit einigem Abstand zu ihm hin und sah ihn ernst an. Über ihren sonst so leuchtend grünen Augen, lag ein dunkler Schatten und ihre langen Wimpern waren verklebt von ihren Tränen. Kian konnte sie nicht ansehen, wenn er wusste, dass er ihr wehgetan hatte, aber nicht wie. "Das bin nicht ich Mel. Ich war das nicht grad da oben in meinem Zimmer. Es ist ... es ist wie ein ... anderer Mensch in mir, verstehst du? Das bin nicht ich!! Ich würde dir nie wehtun, bitte glaub mir, ich kann mich nicht einmal daran erinnern, was dort oben gerade vorgefallen ist." Er zeigte mit ausgestrecktem Arm auf sein Zimmer. "Es hat mich eine sehr lange Zeit gekostet, bis ich herausgefunden hab, das ich diesen Mann umgebracht habe, Mel und es war lange keine leichte Sache für mich. Ich erinnere mich nur an Bruchstücke, jeweils vor und nach meinem Anfall. Es ist eine Krankheit, verstehst du? Ich kann mich dagegen nicht wehren, es passiert einfach." Mel konnte es nicht glauben. Gerade noch hatte Kian sie bedroht, mit einem scharfen Messer. Und jetzt? Jetzt war er nicht mehr als ein kleines Häufchen Elend, das mit sich und der Welt nicht klar kam. "Kian, ich ... ich-" "Mel, bitte sag keinem was davon. Bitte, du weisst doch, was auf dem Spiel steht, oder? Ich müsste für mehrere lange Jahre in so ein schmutziges Gefängnis, ich müsste die Jungs im Stich lassen, dich verlassen, all das nur für etwas, an das ich mich nicht mal mehr erinnern kann!" Er tat Mel unsagbar leid. Sie rutschte ein Stück näher an ihn heran und nahm seine Hand. "Ich werde nichts sagen, Kian. Ich verspreche es dir. Aber du musst mir auch etwas versprechen. Wenn du wieder so einen Anfall hast, dann schliess dich in deinem Zimmer ein, mach alles was du willst dort, aber verlass es nie, hast du das verstanden? Du bist eine Gefahr für uns Kian, auch wenn du dich nicht daran erinnerst, es ändert nichts. Soll ich dir erzählen, was du getan hast? Mit Stan Harris, wie mit mir eben dort oben?" Ihre Stimme begann zu zittern und Tränen stiegen wieder in ihr auf. "Du hast ihn kaltblütig erschossen Kian, Kopfschuss, und dann hast du ihm mit einem Messer in die Haut geritzt und ihn einfach liegen gelassen. Und eben-" Sie stockte und wischte ihre Tränen weg. "Und eben hast du mir warscheinlich dasselbe Messer an die Kehle gehalten und mir gedroht. Ich dachte, mit mir ist es aus, du warst so - anders." Sie schluchzte und ihre Schultern zuckten heftig. Kian wusste nicht, wie er sich verhalten sollte, aber er nahm all seinen Mut zusammen und nahm sie in seine Arme. Sie schmiegte sich eng an ihn, sie war dankbar für seine Nähe, auch wenn sie eben noch Todesangst in ihr ausgelöst hatte. Eben war es auch noch ein anderer Kian, sagte sie sich im Stillen und versuchte sich einzureden, dass für sie nun keine Gefahr mehr bestand. Aber ihr Versprechen Kian gegenüber lag ihr schwer im Magen. Sie konnte das unmöglich für sich behalten, es ging nicht. Es war ihr Job, für die stete Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen, und nicht nur wenn es ihr in den Kram passte. Kian war ein Schwerverbrecher, wenn auch mit verminderter Verantwortung auf Grund einer schweren psychischen Krankheit. Aber er war es. Darum ging kein Weg herum und Mel wusste, dass es früher oder später zum grossen Knall kommen musste.
Kian sah auf seine Uhr. Sie zeigte ihm halb sieben an. "Mel, wir sollten lieber wieder rein gehen. Wir wollten doch um viertel vor sieben losfahren, oder?" Mel löste sich aus seiner Umarmung und wischte sich ihre Tränen weg. Als sie ihn ansah, bemerkte sie, dass auch seine Augen nicht trocken geblieben waren. Sanft strich sie ihm mit dem Handrücken über die Wange. "Wi müssen jetzt stark sein, Ki." Er lächelte matt. "Ja, dass müssen wir. Ich liebe dich, Melanie Griffin." Er gab ihr einen Kuss auf die Wange und streichelte über ihr Haar. Mels Lächeln verschwand, als er sie beim Namen nannte. Bei dem Namen, der seiner Meinung nach, ihr gehörte. Er wusste nicht, welche Schmerzen er ihr mit diesen 5 kleinen Worten bereitete. " Ich weiss Ki, ich liebe dich auch." flüsterte sie zurück und stand auf. Ohne ein Wort zu sagen, ging sie quer über den Rasen zurück zum Hotel und verschwand in dessen Innerem. Er starrte ihr lange hinterher, bevor er sich einen Ruck gab und ihr folgte. Er ging noch in sein Zimmer um sich das Gesicht zu waschen, bevor er zu den anderen in die Lobby trat. Von Mel war noch nichts zu sehen. "Hey Ki, ist was passiert, du siehst überhaupt nicht gut aus!" fragte Georgina fürsorglich und nahm seine Hand. Sie lächelte ihm aufmunternd zu. "Ach Gina, ich will dich nicht mit meinen Problemen belasten, ist schon okay. Aber lieb, dass du gefragt hast." Er streichelte ihr über den dicken Babybauch und lächelte. "Bald ist es so weit, was? Dann gibts hier noch ein schreiendes Kind mehr." Gina nickte wie zur Bestätigung. "Es wird Zeit, dass du auch jemanden findest Kian. Eine Frau an deiner Seite würde dir sicher gut tun." Kian wusste, dass Georgina es nur gut meinte. "Warum verabredest du dich eigentlich nie? Es gibt so viele hübsche Mädels, die dich umschwärmen..." "Bitte hör auf damit Gina. Du weisst genau, was ich von solchen Leuten halte! Und jetzt entschuldige mich bitte!" Er war wütend. In ihm brodelte und kochte es. Aber er war nicht wütend auf Georgina. Nein. Er war wütend auf sich selber, dass es wieder einmal zu feige war, endlich zu Melanie zu stehen und zu sagen : "Ja, ich liebe sie." Es war schwer sich zu beherrschen. Am liebsten hätte er den Stuhl der vor ihm stand genommen und gegen die Wand geschleudert, oder mit der Faust so feste auf den Tisch gehauen, dass er zusammen brechen würde. Aber er tat nichts dergleichen. Stattdessen stand er mitten ihm Raum, die Hände zu Fäusten geballt, den Mund zusammengekniffen und die Augen geschlossen. Er hatte Angst. Angst, dass er wieder hochkam. Er, sein zweites Ich. Angst davor, dass es noch jemand heraus fand. Sie alle waren erschüttert gewesen, als Stan Harris, der Herausgeber der "Irish Star" tot in einer Lagerhalle am äußersten Rand von Sligo aufgefunden worden war. In der Lagerhalle, in der sie des Öfteren gewesen waren, als sie noch kleine Kinder gewesen waren und zu einfältig, um sich der von der Einsamkeit des Gebietes ausgehenden Gefahr bewusst zu werden. Shane, Mark und er verbanden mit der Lagerhalle eine schöne Zeit in ihrer Kindheit, deswegen warteten sie gespannt darauf, wer ihnen diese zunichte gemacht hatte. Sie wollten sehen, wie dieser Bastard festgenommen und am Besten nie wieder entlassen werden würde. Kian erschauderte bei dem Gedanken und hoffte, ja, betete, dass sie es nie heraus finden würden. Sein ganzes, noch bevorstehendes Leben in einem dunklen, schmutzigen Gefängis vor sich hin zu fristen, nein, das wollte er sich nicht mal vorstellen. "Kian, was stehst du da rum wie bestellt und nicht abgeholt, mensch Junge, komm endlich!" herrschte Anto ihn an und zog ihn ungeduldig an einem Arm aus dem Hotel. Kian schüttelte den Kopf, um seine Ängste zu verscheuchen. Er konnte sie nicht gebrauchen, nicht jetzt, nicht morgen, nie.
Melanie stand unter der Dusche und liess heisses Wasser über ihren ausgelaugten Körper laufen. Nicht nur das anstrengende Konzert am Abend hatte sie vollkommen geschafft. Auch ihr Versprechen Kian gegenüber. Seit mehr als zwei Wochen nun hielt sie den Mund, schwieg um einen kranken Mann vor dem Gefängnis zu bewahren. Seitdem hatte Kian keinen Anfall mehr gehabt, aber Mel lebte jeden Tag in der Angst, dass er sie plötzlich wieder angreifen würde. Sie liebte Kian nach wie vor, aber nur diesen einen, lieben Kian. Vor dem kranken, gewaltätigen Kian fürchtete sie sich mehr als alles andere. Sie stellte das Wasser ab und umhüllte sich mit einem grossen Handtuch. Ihr war plötzlich kalt, dabei waren es draussen über zwanzig Grad. Vielleicht war es ein Signal, dass sie sich zu viel zumutete, vielleicht hätte sie da schon erkennen müssen, dass es so nicht weitergehen konnte....
"Mel, kommst du heute Nacht noch zu mir? Bitte" Er klimperte mit den Wimpern. "Mal schauen. Eigentlich wollte ich ja Maddie noch anrufen, aber das wird wohl eh zu spät sein...." "Das glaub ich allerdings auch. Ich glaub kaum, dass deine Tochter nach zwölf Uhr noch wach ist!" "Oh, da kennst du sie aber schlecht! Ausserdem hält Nicola nicht viel von festen Zu-bett-geh-Zeiten, also..." "Halt halt halt, so genau wollte ich das gar nicht wissen!" stoppte er ihren Redefluss. "Sorry, du kennst mich doch. Ich bin das Plappermaul vom Dienst." kicherte Mel und schob sich die Gabel in den Mund. Sie waren gerade beim sogenannten "Mittagsbrot", einer Mischung aus Mittagessen und Abendbrot. Für ein Mittagessen war es zu spät und für ein Abendessen zu früh, aber keiner von ihnen konnte mit dem Essen bis nach dem Konzert warten, also war diese Zwischenmahlzeit eingeführt worden. "Beeilung Leute, noch zehn Minuten, dann ist Abfahrt!" Anto rannte mal wieder rum wie ein aufgescheuchtes Huhn, um alle seine Leute rechtzeitug zusammen zu trommeln. "Na dann mal los!" sagte Melanie, schluckte den letzten Bissen runter und brachte ihr Tablett weg.
Am Abend nach dem Konzert lag Mel in Kians Armen, den Kopf auf seiner Brust und hörte sein regelmäßig klopfendes Herz. Seine Hand lag in ihrer, sein Atem ging flach und er schlief friedlich. Melanie dagegen lag sein geraumer Zeit wach. Sie konnte einfach nicht einschlafen, zu viele Gedanken schwirrten in ihrem Kopf herum. Plötzlich bewegte Kian sich ruckartig. "Was glauben sie eigentlich, wer sie sind..." sagte er leise und packte Mels Hand so feste, dass es weh tat. "Kian!" flüsterte sie mit klopfendem Herzen. Sie hatte schreckliche Angst, wiedereinmal. "Hauen sie gefälligst ab! Nein, was... was erlauben sie sich, dass ist... " Kian wälzte sich heftig hin und her und schob sie dadurch weg, ohne den Griff um ihre Hand zu lockern. "Kian, bitte ... bitte wach auf!" Ihr kamen die Tränen und liefen unaufhörlich die Wangen runter und sie versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien. "Nein, dass kann ich nicht zulassen, sie wissen zu viel..." Nun schnappte auch seine andere Hand nach ihr und erwischte ihren Hals. Sie glaubte zu erstickten, als Kian immer fester zu drückte und dabei lachte, als wäre er verrückt. Gerade als sie dachte "Jetz ist es aus mit mir, er bringt mich um...", liess Kian sie los, drehte sich zur Seite und schlummerte weiter wie ein Baby. Sie kroch aus dem Bett und rieb sich den schmerzenden Hals. Im Badezimmerspiegel konnte sie den roten Abdruck sehen und an ihrer Hand fand sie eine Kratzspur seiner Fingernägel. "Kian, ich ertrag dass nicht länger, es tut mir leid" flüsterte sie entschuldigend und verliess eilig und heftig weinend das Zimmer. Nur mit ihrem Nachthemd bekleidet rannte sie über den Flur zu ihren Zimmer, immernoch kullerten die Tränen weiter. Sie warf sich auf ihr Bett, wickelte sich in ihre Decke ein und wählte schluchzend Seans Nummer. Jetzt gab es kein Zurück mehr, sie konnte es nicht weiterhin für sich behalten, zwar hatte sie jetzt eine gewisse Mitschuld, aber sie würde nicht dafür bestraft werden können. Immerhin hatte er sie mehrfach bedroht. "Komm schon Sean, geh ran, bevor ich es mir noch mal anders überlege!" murmelte sie und knabberte an ihren Fingernägeln. Das tat sie manchmal wenn sie sehr nervös war. "Ja?" meldete sich eine schläfrige Stimme am anderen Ende. "Sean, hier ist Mel, ich..." "Mel, du bists, was gibts denn so dringendes? Ich dachte schon, du hättest mich vergessen..." "Nein, ich... ich hab dich nicht... was ich sagen will... Sean..." Sie schluchzte heftig und wischte sich mit der freien Hand die Tränen weg. "Ich weiss wers war." sagte sie mit zittriger Stimme. Sofort konnte sie hektische Geräusche am anderen Ende ausmachen. "Wer? Mel, wer? Sags mir, ich weiss, dass es schwer ist, wer wars?" Mel holte tief Luft und versuchte, die aufkommenden Tränen zurück zu halten. "Es war Kian. Kian John Francis Egan." Ihre Stimme zitterte. "Oh Mel, du bist einfach spitze! Ich hätte ja nicht mehr damit gerechnet, dass du es noch rausbekommst!!" "Nein." dachte Mel bei sich. "Ich dachte auch nicht, dass ich es dir je sagen würde." "Hör zu" sagte Sean aufgeregt. "Ich bin um halb elf mit ein paar Leuten bei euch, okay? Sorg dafür, dass Kian irgendwo im Hotel ist, am besten in seinem Zimmer. Wie ist die Nummer?" "425" sagte Mel tonlos. "Gut, dann bis später." Sean legte auf, bevor Mel etwas erwiedern konnte. Sie legte das Telefon auf die Gabel zurück und zog den Stecker raus. Sie wollte von keinen gestört werden, wollte einfach nur weinen und am liebsten nie wieder aufhören. Sie fühlte sich erleichtert, dass diese Last des Wissens nicht mehr nur alleine auf ihr lastete, aber andererseits fühlte sie auch, dass sie mit diesem einfachen Telefonat, dass keine drei Minuten gedauert hatte, alle möglichen Dinge geändert hatte. Sie hatte sich selbst von dem schlechten Gewissen befreit, der Familie von Stan Harris ermöglicht, zu erfahren, wer ihren geliebten Sohn, Ehemann und Vater umgebracht hatte, Kian das Leben verbaut, Westlife auseinander gerissen und was für sie am schlimmsten war, sich selber den Mann der Träume unerreichbar gemacht. Sie liebte Kian immernoch mit ganzen Herzen, sie hoffte jeden Tag, dass es sich änderte, aber es tat sich nichts. Sie bekam weiche Knie wenn sie ihn sah, spürte bei jedem Kuss diese tausend berühmten Schmetterlinge und bei jedem Blick in seine Augen, schwebte sie wie auf Wolken. Aber das Gefühl der Angst war stärker als die Liebe zu ihm. Unruhig und mit donnernden Kopfschmerzen schlief sie ein, träumte davon, mit dem unschuldigen Kian in ein fernes Land zu reisen, in dem sie nie einer finden würde......
Am Morgen erwachte Mel früh und immernoch quälten sie diese unerträglichen Kopfschmerzen. Sie stellte sich unter die Dusche und versuchte, die Tränen der Nacht abzuwischen, nur mit geringem Erfolg, denn sie konnte auch jetzt neue Tränen nicht zurückhalten. Dann zog sie sich eine warme Jacke und eine lange Hose an, denn ihr war ganz zittrig zumute. Sie nahm noch schnell eine Aspirin, bevor sie zum Frühstück ging. Sie mussten frühstücken, dass war eine Anordnung von "ganz oben", man hatte anscheinend Angst, dass sie während der Tour zusammenklappten. Deswegen war es Mel ganz recht, dass sie so früh aufgewacht war, weil Kian immer relativ lang schlief, wenn er konnte. So musste sie ihm wenigstens nicht begegnen. Sie würgte hastig ein halbes Brötchen herunter und verschwand, nachdem sie sich bei Lisa abgemeldet hatte, dass sie was gegessen hatte, wieder in ihrem Hotelzimmer. Die Vor- und Nachmittage waren frei während der Tour, also konnte sie sich gut und gerne in ihrem Zimmer einschliessen und den ganzen Tag nicht rauskommen, ohne dass es jemand merkte. Und genau dass wollte sie jetzt tun. Doch dass war ihr anscheinend nicht vergönnt. "Hey Mel." hörte sie eine vertraute Stimme hinter sich und sofort spannten sich alle ihre Muskeln und ihr Herz fing an zu rasen. "Wieso bist du denn schon so früh auf?" fragte Mel und versuchte, dass Zittern in ihrer Stimme so gut es ging zu kaschieren. "Ich weiss nicht, ich konnte einfach nicht mehr schlafen, es war so kalt ohne dich!" Kian wollte ihr einen Kuss geben, doch Melanie blockte ab. "Was ist?" fragte Kian argwöhnisch. "Nicht.. nicht hier." stotterte Mel und daraufhin zog Kian sie in sein Zimmer. Kaum darin angekommen, drehte er den Schlüssel herum und fing an sie zu küssen. Mel kam nicht drum herum, es zu geniessen, denn Kian konnte wirklich phantastisch küssen. Doch als er weiter gehen wollte, stoppte Mel ihn. "Kian, ich .. ich hab Kopfschmerzen." Melanie entzog sich seiner Umarmung und liess sich auf sein Sofa fallen. Sie schaltete den Fernseher ein und sah sich die Sendung an die grad lief. Ihr fiel gar nicht auf, dass es eine der Talkshows war, die sie so hasste, weil sie mit ihren Gedanken ganz wo anders war. "Mel, was ist los?" fragte Kian und nahm ihr Gesicht in seine Hände. "Es ist nichts, Kian, wirklich nicht, mir gehts nur nicht so gut, hab schlecht geschlafen." "Das kannst du vielleicht Shane erzählen, aber bestimmt nicht mir. Mel, bitte sag mir was los ist." Sie nahm ihn in die Arme und sah verstohlen auf die Uhr, die hinter ihm hing. Sie zeigte erst neun Uhr. Sean wollte um halb elf kommen. "Halt mich einfach nur fest, okay?" flüsterte Mel und zwinkerte die Tränen weg, die in ihr aufstiegen. Kian stellte keine Fragen mehr und streichelte ihr nur zärtlich über den Rücken. Mel wusste nicht, wie lange sie so da gesessen hatten und einfach nur kuschelten. Aber dann klopfte es plötzlich laut an der Tür. Mel schreckte auf. Sie wusste, dass es nur Sean sein konnte. Sie sah in Kians Gesicht. Er blickte ahnungslos zur Tür. "Wer kann das denn sein? Ich erwarte niemanden!" sagte er und stand auf, weil es noch einmal geklopft hatte. "Kian, warte noch einen Augenblick." Mel stand ebenfalls auf und zog ihn in ihre Arme. "Kian, ich liebe dich." Kian lachte. "Mel, was soll das, da draussen steh bestimmt niemand, der mich umbringen will! Das weiss ich doch." Er gab ihr enen Kuss, schob sie dann ein Stück von sich weg und ging zur Tür. "Mein Gott, er guckt so vollkommen ahnungslos!" dachte Mel und hielt sich die Hand vor den Mund. Die Tränen liefen wieder wie Sturzbäche ihre Wangen runter. Noch nie in ihrem Leben hatte sie so sehr geweint wie in den letzten Tagen. "Ja?" Kian hatte nun endlich die Tür geöffnet und blickte den jungen, blonden Mann, der davor stand mit neugierigem Blick an. "Sind sie Kian Egan?" fragte er und sah in den Raum hinein. Er erblickte Mel und nickte ihr kaum merklich zu. "Ja, der bin ich. Ist irgendwas passiert? Mit meiner Familie?" Mel schluchzte laut und hielt sich die Augen zu. Sie konnte das nicht mit ansehen. "Mr. Egan, ich muss ihnen leider mitteilen, dass sie wegen Verdacht auf Mord vorläufig festgenommen sind." Der blonde Mann hielt seine Polizeimarke hoch und blickte Kian traurig an. Kians Mund hatte sich erschrocken geöffnet und seine Hand lag auf seinem Herzen. Mel sah wie seine Augen in Windeseile hin und her huschten und an ihr haften blieben. "Nein. Nein, das glaub ich jetzt nicht. Nein, Mel, ich... du... du hast versprochen..." Er sah sie vollkommen hilflos an und merkte kaum, wie einer der anderen Männer ihm Handschellen anlegte. "Melanie, du hast versprochen es keinem zu sagen, Mel du hast es versprochen! Wie kannst du mir das antuen, wie konntest du nur, ich dachte du liebst mich!" rief er verzweifelt und weinte heftigst. Mel wollte zu ihm hinrennen, ihn in ihre Arme nehmen, ihn trösten, ihn küssen, ihm nah sein, alles tun, damit er sich besser fühlte, aber der blonde Mann hielt sie fest. "Sean, lass mich los, ich muss zu ihm, ich muss ihn trösten, ich muss..." Sie versuchte sich aus seinem Griff freizustrampeln und brach dann kraftlos und weinend auf dem Boden zusammen. "Ganz ruhig Norah, ganz ruhig, alles wird gut!" Kian sah dem Schauspiel geschockt zu. "Norah? Wieso Norah? Mel, du... du heisst doch Melanie... ich versteh nicht... was passiert hier?" In dem Moment begriff Kian. "Du Schlampe, du .. du hast mich verraten, du hast mich verpfiffen du miese Schlampe, du heisst gar nicht Melanie und Tänzerin bist du auch nicht, stimmts? Du bist Polizistin und du hast nur mit mir gespielt! Mel, ich dachte du liebst mich..." Der Polizist, der ihm die Handschellen angelegt hatte, zog ihn mit kräftigen Händen aus dem Raum. "Warum?" brüllte er hilflos und Mel hörte ihn laut schluchzen. "Nein, Kian!! Ich liebe dich wirklich, bitte, bitte glaub mir..." Sie sah Sean verzweifelt an, der sich über sie gebeugt hatte und sie mit einem strengen Blick musterte. Mel schob ihn weg und schloss die Augen. "Ich liebe dich Kian..." flüsterte sie leise und wusste doch, dass sie ihn für immer verloren hatte.