
„Ich soll auf ein Internat?“ Aimee war entsetzt. „Mum, Dad, wieso?“ „Schätzchen, wir wollen doch nur das Beste für dich. Und dein Vater und ich denken uns, dass wenn du nach London auf das ‚Jeffersen College‘ gehst, dir später mehr Wege offen stehen.“ Ms Brown versuchte ihre Tochter zu beruhigen. Jedoch passte es Aimee ganz und gar nicht, dass man sie aus ihrem geliebten Exmouth, ihrer Heimatstadt, vertreiben wollte. „Sagt doch einfach, dass ihr mich los werden wollt.“ „Das wollen wir ganz sicher nicht. Aber die Schule dort...“ „Aber die Schule, bla bla bla. Denkt hier vielleicht auch jemand an mich? Ich soll von einem kleinen Städtchen in eine Hauptstadt ziehen? Ihr wißt genau wie sehr ich Großstätte hasse.“ „Aber Aimee...“ „Nichts aber. Ich soll meine Freunde verlassen. Und noch dazu muss man auf diesem bekloppten Internat Französisch sprechen können. Hallo? Ich habe noch nie Französischunterricht gehabt.“ „Das wissen wir doch alles. Keine Sorge, wir haben da schon vorgesorgt.“ „Na da bin ich jetzt mal gespannt.“ „Deine beste Freundin Kelly geht ebenfalls auf dieses Internat.“ „Kelly kommt mit?“ Die erste gute Nachricht, dachte sich Aimee. Jedoch löste dies ihr Französischproblem nicht. Kelly hatte schon vor drei Jahren Französisch als Nebenfach gewählt. Sie hatte also keine Schwierigkeiten. „Und was ist mit ‚France‘?“ „Wir haben für dich in London einen Privatlehrer besorgt, der...“ „Privatlehrer? Das wird ja immer besser.“ Aimee war noch nie so mies drauf wie in diesem Moment. „Jetzt hör mal. Ein Privatlehrer ist sehr praktisch. Deine Mum und ich hoffen, dass du dich ihm gegenüber höflich benimmst. Schließlich kostet er uns viel Geld.“ „Geld, Geld, Geld. Könnt ihr auch an etwas anderes denken als an Geld? Wie wäre es, wenn ihr mal an mich denken würdet?“ „Das tun wir doch.“ „Das tut ihr nicht!“ Aimee schrie ihre Eltern an. Wie konnten sie sich nur die Freiheit nehmen über ihr Leben zu bestimmen? In zwei Wochen würde sie achtzehn Jahre alt werden und ihre Eltern behandelten sie immer noch wie eine Zehnjährige. „Jetzt werde mal nicht unverschämt.“ Auch Aimee’s Vater wurde langsam gereizt. „Das war ich noch nie, bin es jetzt nicht und werde es auch nie sein. Die Einzigen die unverschämt sind, seit ihr. Wenn ihr mir noch etwas zu sagen habt, ich bin oben in meinem Zimmer. Auf Wiedersehen!“ Aimee knallte die Tür zum Wohnzimmer hinter sich zu und hastete die Stufen zu ihrem Zimmer hinauf. Dort angelangt ließ sie sich auf ihr Bett fallen und vergrub ihr Gesicht in einem ihrer Kissen. Erst waren nur leise Schluchzer zu vernehmen. Doch nach kurzer Zeit konnte sie ihre Wut und Trauer nicht mehr zurückhalten. Das konnte doch alles nicht wahr sein!
Eine Woche später saß Aimee mit ihrer Freundin Kelly in einem Taxi, das sie nach London bringen sollte. Sie hatte ihre Eltern nicht davon überzeugen können, dass ein Internat das Schlimmste war, was sie ihr antun konnten. „Hey Kleine. Jetzt lass den Kopf mal nicht hängen. Es wird bestimmt ganz lustig dort.“ Kelly hatte beste Laune. „Du hast ja keine Probleme dort. Du warst schon immer eine Einserschülerin.“ „Nun übertreibe mal nicht. Hey, vielleicht finden wir dort ja neue Freunde.“ Sie zwinkerte Aimee zu. Typisch Kelly, hatte mal wieder nur Jungs im Kopf. „Du denkst doch nicht etwa daran dir schon wieder einen neuen Freund zu suchen, oder? Bastian hat schließlich erst vor drei Tagen mit dir Schluss gemacht.“ „Drei Tage ist das schon wieder her? Man... wie die Zeit vergeht.“ Kelly lachte laut auf, Aimee schüttelte nur belustigt den Kopf. „Meine Damen, wir wären da.“ Das Taxi hielt vor einem Schloss ähnlichem Bau. „Von außen sieht es doch schon mal nicht schlecht aus.“ „Ja, aber ich will gar nicht erst wissen wie es innen aussieht.“ „Ach Aimee. Du kannst echt alles negativ sehen.“ Kelly lächelte, packte Aimee am Arm und zog sie in die Eingangshalle der Schule. „Hey, Schuhe ausziehen. Ich habe gerade geputzt!“ Ein Mädchen mit langen, blonden Haaren huschte an ihnen vorbei. Sie war in ihrem Alter und eigentlich sah sie nicht wie eine Putzfrau aus. „So eine blöde Kuh.“ „Sei still, Aimee.“ „Entschuldigen sie die Begrüßung von Sandy. Sie ist manchmal etwas übereifrig. Sie müssen Aimee Brown und Kelly Jonson sein? Ich bin Mary Cample. Die Leiterin dieses Hauses. Schön euch Zwei bei uns begrüßen zu dürfen.“ „Ganz meinerseits.“ Kelly war mal wieder überfreundlich. Aimee hielt sich lieber im Hintergrund, sonst würden ihr noch ein paar unfreundliche Worte über die Lippen rutschen. „Das hier ist ihr Zimmer. Fühlen sie sich wie zu Hause. Ihre erste Unterrichtsstunde ist in eineinhalb Stunden, also um ein Uhr. Sie beginnen mit Französisch. Ich bitte sie mich jetzt zu entschuldigen, ich habe noch viel zu tun. Auf Wiedersehen.“ Ms Cample schloss die Zimmertür. „Lieber auf nimmer Wiedersehen.“ „Jetzt hör mal auf, Aimee. So schlimm ist es auch wieder nicht.“ „Nein, ganz bestimmt nicht.“ Sie verdrehte die Augen. „Sieh dich doch mal um. So sah bei uns zu Hause die Abstellkammer aus.“ „Die kann manchmal auch ganz gemütlich sein.“ Kelly grinste frech und zog die Schultern noch oben. „Du kannst echt alles Negative positiv machen, oder?“ „Yep.“ Beide mussten lachen. Sie unterhielten sich angeregt miteinander, während sie ihre Koffer auspackten. „Wer glaubst du war dieses Mädchen vorhin? Sie hat nicht unbedingt wie eine Putzfrau ausgesehen.“ „Das stimmt. Aber ich kenne leider auch nicht alle Menschen auf diesem Planeten, Aimee.“ „Ich denke, bei diesem Mädchen könnte ich gut darauf verzichten sie zu kennen.“ Kelly schüttelte nur den Kopf. „Hey, wer ist eigentlich dein Privatlehrer? Hast du ihn schon kennengelernt?“ „Nein. Ich weiß nur, dass er Mr Simpson heißt und dass er irgendwann hier anruft um mit mir die Zeiten für die Nachhilfestunden auszumachen. Ich hoffe er tut das bald, denn sonst wird jede Französischstunde zur Qual. Obwohl das wohl auch jede Privatstunde wird.“ „Ach komm. Woher willst du wissen, dass nicht genau dieser Privatlehrer dein neuer Freund wird?“ Mit diesem Satz verließen sie ihr Zimmer und machten sich auf den Weg zu ihrem Klassenzimmer. Aimee wollte nicht glauben, dass Kelly vielleicht sogar recht haben könnte.
Später beim Abendessen unterhielten sich die zwei Mädchen über den vergangenen Tag. „Ich weiß bis jetzt noch nicht was Ms Dietl uns die ganze Stunde über erzählt hat. Kannst du es mir vielleicht sagen, Kelly?“ „Klaro.“ Kelly schluckte hastig einen Teil des Puddings hinunter, den es heute als Nachspeise gab. „Sie hat erklärt, dass wir uns nächste Woche alle auf französisch vorstellen sollen. Sonst nichts. Aber eins muss man der Frau lassen. Die kann für einen Satz dreißig Minuten brauchen. Ähmmm... schmeckt dir das Essen nicht oder warum hörst du auf?“ Kelly machte sich wieder über ihren Pudding her. „Wir sollen uns vorstellen?“ „Hmmm.“ „Auf Französisch? Das ist mein Tod.“ Aimee stützte ihre Ellenbogen auf den Tisch ab und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. „Jetzt komm schon. Du übst das einfach mit deinem Privatlehrer und schon ist das Problem wie weggeblasen.“ Aimee sah Kelly an. Wo sie recht hatte, hatte sie recht. „Danke.“ „Gern geschehen.“ Beide lachten. „Weißt du was ich urkomisch finde?“ „Was?“ „Dass diese Sandy in unsere Klasse geht. Wieso putzt die dann die Schule? Die muss ja echt was verbockt haben.“ „So wie die drauf ist, würde ich ihr sogar zutrauen, dass sie es freiwillig getan hat. Ich weiß jedenfalls, dass ich sie nicht leiden kann. Und ich müsste mich schwer täuschen, wenn es ihr nicht genau so ginge.“ „Du meinst, sie kann dich nicht leiden? Wieso?“ „Schon allein ihr Blick sagt alles.“ „Du weißt ja nicht ob ihr Gesicht nicht ein Unfall war.“ „Wie meinst du das jetzt bitte?“ „Naja. Es kommt immer wieder vor, dass ein Arzt ein Neugeborenes bei der Geburt fallen lässt.“ „Boahhh... das ist echt fies, Kelly.“ „Hmmm... wenn’s stimmt.“ Beide stimmten in lautes Gelächter ein. Jedoch wurden sie nach kurzer Zeit unterbrochen. Ms Cample kam an ihren Tisch. „Ms Brown, ein Mr Simpson möchte sie gerne am Telefon sprechen.“ Zusammen machten sie sich auf den Weg zum Sekretariat. „Hallo, Aimee Brown hier.“ „Ach Ms Brown. Schön sie zu sprechen. Ich muss ihnen leider mitteilen, dass ich wegen einem Todesfall für zwei Monate in die USA fliegen muss und sie daher nicht unterrichten kann.“ „Was?“ Aimee wurde schlecht. „Bitte regen sie sich nicht auf. Ich habe natürlich einen Ersatz gefunden. Der Sohn eines guten Freundes von mir wird ihnen das Wichtigste beibringen bis ich wieder zurück bin. Sie treffen sich morgen um vier Uhr mit ihm. Die Adresse haben sie ja schon von ihren Eltern bekommen, oder?“ „Ja, habe ich.“ „Na dann. Viel Spaß beim Lernen und noch einen schönen Abend. Auf Wiederhören.“ „Auf Wiederhören.“ Aimee übergab den Hörer der Sekretärin. Zurück in ihrem Zimmer ließ sie sich auf ihr Bett fallen. „Und? Was hat er gesagt?“ Kelly setzte sich auf den Bettrand. „Er hat keine Zeit und schickt eine Vertretung. Morgen um vier Uhr geht es los.“ „Siehst du. Funktioniert doch alles perfekt.“ „Hoffe ich jedenfalls. Was ist, wenn er gar nicht richtig Französisch kann?“ „Ach, wer weiß. Vielleicht kann er noch viel mehr als dir nur Französisch beibringen.“ Kelly zwinkerte Aimee zu, stand auf und schaltete das Licht aus. Typisch Kelly...
„Balingroad 14. Man, wo ist dieses beknackte Haus nur.“ Aimee lief nun schon über eine halbe Stunde orientierungslos durch London, auf der Suche nach dem Haus des Privatlehrers. „Balingroad 14. Ich hab es. Na endlich.“ Etwas nervös klingelte Aimee an der Eingangstür des großen Hauses. Es dauerte einige Zeit bis eine etwas ältere Dame die Türe öffnete. „Guten Tag. Kann ich ihnen helfen?“ „Ja, bitte. Ich soll hier von einem jungen Mann Nachhilfe in Französisch bekommen. Können sie mir sagen, ob ich hier richtig bin?“ „Wenn sie Ms Brown sind, dann ja.“ „Ja, das bin ich.“ „Dann treten sie ein.“ Aimee folgte der Frau in ein großes Zimmer am Ende des Ganges. Es erinnerte sie an eine Bibliothek. An den Wänden waren Regale mit den unterschiedlichsten Büchern aufgestellt. In der Mitte des Raumes stand ein großer, alter Tisch. „Setzten sie sich doch bitte. Ich sage dem jungen Mr Feehily gleich bescheid, dass sie hier sind.“ „Danke, sehr freundlich.“ Aimee wusste nicht wieso, aber sie fühlte sich in diesem Haus wohl. Sie wurde wieder etwas nervös, als die Tür des Zimmers geöffnet wurde und ein gutaussehender Mann eintrat. „Hallo, du musst Aimee Brown sein. Ich bin Marcus Feehily. Aber nenn mich bitte Mark. Sonst komme ich mir so alt vor. Übrigens, schön die kennenzulernen.“ Er lächelte ihr lieb zu und Aimee fand diesen Mann auf Anhieb sympathisch. Der Unterricht könnte vielleicht doch noch ganz interessant werden. „Ja, ich bin Aimee. Die Freude ist ganz meinerseits.“ Die Beiden setzten sich an den großen Tisch um mit dem Lernen zu beginnen. „Ok, fangen wir an. Du hast also noch nie Französisch gelernt?“ „Nein, noch nie.“ Aimee war etwas entmutigt. Wie sollte sie diese Sprache in so kurzer Zeit lernen können? „Hey, schau doch bitte nicht so traurig. Du hast überhaupt keinen Grund dazu.“ Aimee seufzte. „Weiß nicht.“ „Möchtest du mit etwas bestimmten anfangen?“ Sie hob den Kopf. „Wenn das möglich ist, ja.“ „Klar, hier ist alles möglich.“ Er lächelte ihr aufmunternd zu. Echt lieb. „Ich muss mich nächste Stunde vorstellen, aber ich kann ja gar nichts.“ „Was müsst ihr denn alles erzählen?“ Aimee überlegte kurz was ihr Kelly gesagt hatte. „Name, Alter, Wohnort und Hobbies.“ „Das ist leicht. Machen wir es so. Ich schreib dir jetzt die Lösung auf und du lernst es auswendig, ok? So bringst du wenigstens schon mal die erste Stunde gut hinter dich.“ Er lächelte. „Gute Idee.“ „Also, sag mir mal deine Lösung auf Englisch wie du sie gerne hättest.“ „Hmmm... Mein Name ist Aimee Brown. Ich bin 17 Jahre alt und komme aus Exmouth. Meine Hobbies sind Reiten und Tennis spielen. Geht das so?“ „Natürlich.“ Er holte einen Stift und ein Blatt Papier aus seiner Tasche hervor. „Ich schreib es dir jetzt mal auf.“ „Sag mir aber bitte auch wie man das ausspricht.“ Sie beugte sich zu ihm hinüber um besser auf das Papier sehen zu können. „Je suis Aimee Brown. J’ai 17 ans et je suis d‘ Exmouth. J’aime monter à cheval et jouer tennis.“ „Das hört sich echt cool an.“ „Die Sprache der Liebe.“ Beide sahen sich tief in die Augen, bis sie zu lachen anfangen mussten. Aimee ging die Sätze mit Mark immer wieder durch. Und sie wurde immer besser.
„Dein Lehrer muss ja echt gut sein. So wie du heute die Französischstunde gemeistert hast. Und wenn ich mich nicht ganz irre, freust du dich schon darauf in einer Stunde wieder zu ihm zu gehen, oder etwa nicht?“ Kelly grinste Aimee frech zu, als sie ihre gelb-schwarzen Schuluniformen auszogen. „Ja, er ist ganz gut.“ „Was soll das jetzt wieder hießen? Erzähl doch mal. Wie sieht er aus? Ist er nett? Wie heißt er eigentlich?“ Kelly war schon immer die Neugier in Person. „Er ist ganz nett und sieht nicht schlecht aus.“ „Das soll alles sein? Das glaubst du ja selbst nicht.“ Ok. Er ist total lieb und sieht umwerfend aus. Gut so?“ „Gibt es solche Lehrer überhaupt?“ „Ja.“ „Und wie heißt dieser umwerfende Typ nun?“ „Mark.“ „Hat er vielleicht auch noch einen Nachnamen? Du bist doch sonst so gesprächig.“ „Marcus Feehily.“ Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer, um sich auf den Weg zu ihm zu machen. Kelly blieb alleine zurück. „Feehily? Woher kenne ich diesen Namen nur?“ Die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel, was für einen Tag im Februar nicht gerade normal war. Wieder stand sie vor der großen Tür. Doch dieses Mal war Aimee nicht nervös, sondern freute sich nur auf die kommenden zwei Stunden zusammen mit Mark. „Hallo. Du bist ja pünktlicher als die Polizei erlaubt.“ Lächelnd öffnete er ihr die Tür. „Ich kann auch hier warten und in fünf Minuten nochmals klingeln.“ Sie stand ihm gegenüber und wartete auf eine Reaktion. „Ihr Engländer habt wirklich einen komischen Sinn für Humor.“ Aimee war froh, dass er zu Lachen anfing und sie herein bat. Sie setzten sich wieder an den großen Tisch, als Mark plötzlich still wurde. „Alles ok?“ Aimee war etwas besorgt. Erst als er sie ansah und lächelte war sie wieder beruhigt. „Du hast das letzte Mal doch gesagt, dass du Tennis spielst. Bist du gut?“ Aimee war überrascht. Mit solch einer Frage hatte sie nicht gerechnet. Sie fing sich jedoch schnell wieder. „Ich würde sagen, ich bin nicht schlecht.“ „Wie lange spielt du denn schon? Hast du schon mal in einem Turnier mitgespielt?“ „Ja, klar hab ich. Ich spiele seit sieben Jahren in einer Mannschaft. Und so spiele ich ungefähr seit elf Jahren. Wieso willst du das wissen? Ist das für Französisch?“ Mark lachte. „Nein, ganz sicher nicht. Es ist so. In zwei Tagen ist hier in London ein Tennisturnier bei dem ich gerne mitspielen würde. Es gibt aber nur Doppelspiele, also fehlt mir noch ein Partner. Wenn du vielleicht Lust hättest?“ „Du willst mich als deine Partnerin? Du weißt ja nicht wie ich spiele. Vielleicht bin ich der Loser der Nation.“ „Haha... das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Also, was ist?“ „Es wäre sicherlich ganz lustig.“ „Und es gibt schöne Preise.“ „Soso...“ Sie lächelte ihm frech zu. „Dir geht es nur um die Gewinne?“ „Nein, natürlich nicht. Es geht um den Spaß.“ „Und das soll ich dir jetzt glauben? Was gibt es denn zu holen?“ „Der Gewinner fliegt zum Beispiel für eine Woche nach Irland.“ „Irland? Cool, da wollte ich schon immer mal hin. Ok, ich mache mit. Aber wenn wir gewinnen nimmst du mich nach Irland mit. Versprochen?“ „Versprochen. Das ist doch Ehrensache.“ Beide fingen laut an zu lachen. Aus dem Lernen wurde heute nichts mehr...
Zwei Tage später standen Aimee und Mark zusammen auf dem Tennisplatz. Sie hatten schon drei Gegner besiegt und waren nun im Finale gelandet. Sie standen den Champions der letzten vier Jahre gegenüber, was Aimee etwas nervös machte. „Die müssen ja höllisch gut sein, wenn die die letzten Jahre immer gewonnen haben.“ „Das sind sie leider auch. Aber hey, wir sind besser.“ Mark stupste sie mit seinen Ellenbogen an, um danach den ersten Aufschlag zu machen. Das Spiel war sehr ausgewogen und nach eineinhalb Stunden war immer noch nicht klar, wer am Ende den Platz als Gewinner verlassen würde. „Ich kann schön langsam nicht mehr, Mark.“ Schnaufend stand Aimee vor ihm. „Da bist du nicht allein.“ Er lächelte und deutete auf sich und ihre Gegner. „Wenn du mich fragen würdest wer mehr konditionelle Probleme hat, dann würde ich sagen die. Also komm, dieses Spiel noch und wir haben gewonnen." Aimee nickte ihm zu. Sie wollte unbedingt gewinnen. Komme was wolle. „Lauf, Aimee. Lauf!“ Ein extrem kurz gespielter Ball flog gerade noch über das Netz. Mark und Aimee brauchten nur noch einen Punkt und den wollten sie so schnell wie möglich ihr Eigen nennen. „Ahhh...“ Aimee hechtete nach vorne um den Ball noch zu bekommen. Sie erwischte ihn jedoch nur noch mit dem Rahmen, was, wie es sich herausstellte, das Beste war, was ihr passieren konnte. Der Ball versprang auf der gegnerischen Seite so dumm, dass diese keine Chance mehr hatten ihn zu erwischen. Aimee jedoch stürzte. „Aimee!“ Mark lief zu ihr und half ihr auf. „Haben wir gewonnen?“ Sie war etwas benommen und von oben bis unten rot vom Tennissand. Mark umarmte sie kräftig. „Ja, ja, das haben wir. Und rot steht dir übrigens hervorragend.“ Er grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Glückwunsch. Ihr seit wirklich ein tolles Paar.“ Der Schiedsrichter übergab den Beiden den Pokal und den Gutschein für die Reise. Als sie auf dem Weg zur Umkleide waren, kam ihnen Kelly entgegen. „Hey!“ Sie viel Aimee um den Hals und flüsterte ihr ins Ohr. „Stell mir sofort deinen umwerfenden Lehrer vor.“ Grinsend ließ sie sie wieder los. „Ähhh... Mark, das ist Kelly, meine beste Freundin. Kelly, das ist Mark mein Tennispartner und Lehrer.“ Kelly ergriff ohne Vorwarnung Mark’s Hand. „Hallo, schön die kennenzulernen.“ Mark war etwas überrascht, fand Kelly aber auf Anhieb nett. „Die Freude ist ganz meinerseits. Du bist also Aimee’s Freundin?“ „Ja, seit über sechs Jahren.“ Kelly drückte Aimee kurz an sich. „Hättest du vielleicht Lust meinen Teil des Preises zu nehmen und nach Irland zu fliegen?“ Aimee musste sich verhört haben. „Aber du..“ „Keine Sorge, ich komme auch mit. Ich wohne in Irland, daher brauche ich die Reise nicht. Und erstens wäre es doch schade den Preis einfach fallen zu lassen und zweitens macht es zu Dritt doch noch mehr Spaß.“ „Du bist ein Ire?“ „Ja, so schlimm?“ „Nein, absolut nicht.“ Aimee grinste bis über beide Ohren hinaus. „Ziehen wir uns lieber um, sonst werden wir noch krank und dann wird nichts aus der Reise.“ Lachend gingen sie weiter in Richtung Umkleide.
„Zwei Wochen Ferien und davon eine in Irland. Echt cool.“ „Ja, ein Traum. Ich bin vor allem froh, dass ich diese Sandy jetzt nicht mehr sehen muss. Wie sich die heute in Mathe aufgeführt hat, als wir erzählten, dass wir nach Irland fliegen. Was geht die das denn an?“ Die beiden Mädchen waren gerade damit beschäftigt ihre Koffer in Richtung Ausgang zu tragen. Sie wollten nichts mehr, als endlich aus diesem Gebäude heraus. Auch Kelly ging die Schule langsam auf den Keks. „Was weiß ich. Aber ich... autsch, warum schlägst du mich?“ „Shhh, sei still, Kelly. Da drüben steht sie.“ „Nein, die steht nicht. Die bewegt sich. Und zwar genau auf uns zu.“ „Na wen haben wir denn da.“ Sandy baute sich vor den Beiden auf. „Ihr fliegt also nach Irland? Verlauft ihr euch da nicht? Schließlich gibt es dort keine Mama und Papa die auf auch aufpassen.“ „Du bist echt...“ „Aimee will sagen, du bist manchmal etwas zu neugierig. Wir müssen jetzt leider weiter, unser Taxi wartet.“ Kelly zog Aimee an Sandy vorbei. „Auch wenn ich noch so viel Zeit hätte, mit euch würde ich mich sicherlich keine Sekunde länger unterhalten als nötig ist.“ „Halt mich fest oder ich poliere ihr die Fresse.“ „Beruhige dich, Aimee. Die legt es doch darauf an.“ „Ich wünsche euch viel Spaß in Irland. Aber bitte verlauft euch nicht, sonst treffen wir uns noch und mein Urlaub ist versaut.“ Sandy drehte sich um und verschwand in einem der zahlreichen Gänge des Hauses. Aimee und Kelly hatten inzwischen das Taxi erreicht und ihre Sachen verstaut. Aimee kochte vor Wut. „Was erlaubt sich dieses Biest eigentlich? Wer glaubt die, dass die ist? Ein Superstar?“ Kelly zuckte mit den Schultern und machte sich über eine Packung Chips her. „Magst du auch welche?“ „Nein, danke. Mir ist der Appetit vergangen. Soll ich dir mal etwas sagen?“ „Hmmm.“ „Wenn Dummheit klein machen würde, dann könnte die unter einem Teppich Fallschirmspringen.“ Kelly prustete los. „Der ist gut. Den muss ich mir merken.“ „Na stimmt doch.“ Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt waren sie endlich am Londoner Flughafen angekommen. Sie suchten ihr Flugzeug, was sich als ziemlich schwierig herausstellte. „Welche Nummer hat denn unser Flug?“ „515.“ „515? Da sind wir doch gerade daran vorbeigelaufen.“ Wieder eine halbe Stunde später saßen sie endlich im Flugzeug nach Irland. „Bin ich froh, dass uns Mark in Dublin abholt. Noch einmal so eine Suche überlebe ich nicht.“ Erschöpft ließ sich Aimee in ihren Sessel fallen. „Hoffen wir mal, dass uns dieser Casanova nicht vergisst.“ Kopfschüttelnd drehte Aimee sich zur Seite und schlief ein. Sie schlief tief und fest und wurde erst durch den Warnhinweis der Stuadesse, sich bitte anzuschnallen, wieder wach. „Was ist denn los?“ Aimee kniff die Augen zusammen. Es war ihr viel zu hell im Raum. „Ach sieh an. Dornröschen ist aus ihrem Schlaf erwacht. Wenigstens was schönes geträumt, wenn du schon so rumstrampelst und mir meine Chips aus der Hand haust? „Was? Nein, ich weiß eigentlich nichts.“ Nach einer unsanften Landung hatten sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Aimee sah sich nach Mark um, statt dessen erschrack sie. „Autsch! Warum reißt du mir jetzt plötzlich meinen Arm aus?“ „Da war gerade ein Mädchen das wie Sandy ausgesehen hat.“ „Hast du jetzt schon Einbildungen? Hey, da ist Mark.“ Winkend lief er auf sie zu. „Hallo, wie geht es euch Beiden?“ „Ganz gut.“ Kelly grinste, wie wenn sie vor einem Traualtar stehen würde. „Und dir?“ „Hmmm?“ Aimee’s Augen waren in der Zwischenzeit wieder auf die Suche nach diesem Mädchen gegangen. Jedoch ohne Erfolg. „Ich wollte wissen wie es dir geht.“ „Frag sie lieber nicht. Sie regt sich gerade etwas über eine Mitschülerin von uns auf, die sie nicht leiden kann.“ „Nicht leiden? Ich hasse dieses Girl.“ Wie sehr sich dieser Hass noch steigern würde, konnte sie bis jetzt noch nicht wissen. Oh ja, wie sehr hasste sie dieses Mädchen.
„Man, Aimee, sag mal. Willst du auswandern oder warum hast du dein ganzes Haus dabei?“ „Sehr witzig, Mark. Ich kann meinen Koffer auch selber tragen, wenn er dir zu schwer ist.“ „Haha...“ Mark war gerade darum bemüht die Sachen von Aimee in den 3. Stock des Hotels, in dem sie die Woche verbringen wollten, zu hieven. Kelly wollte er später helfen, was aber, wie es sich herausstellte, nicht von Nöten war. Als Aimee die Tür zu ihrem Zimmer, Nummer 42, öffnete, lag Kelly bereits gemütlich auf dem Bett herum. „Was...?“ „Wie...?“ „Wo bleibt ihr denn so lange? Ich dachte ihr kommt nie.“ Breit grinsend öffnete sie einen Schokoriegel. „Kannst du mir mal sagen wie du so schnell hier hoch gekommen bist? Du hast uns schließlich nicht überholt.“ Mark nickte nur zustimmend. Er war völlig außer Atem. „Ich bin mit dem Fahrstuhl gefahren. War einfacher.“ Sie zwinkerte den Beiden zu und verschwand im Bad. „Die haben doch einen Aufzug? Aimee, du hast doch gesagt, die haben keinen. Du hast dich doch umgesehen. Oh man.“ „Sorry.“ Schuldbewusst blickte sie zu Boden. „Schon ok. Für nette, junge Damen mache ich das ja gerne. Aber Bryan ist auch schon oft auf die Idee gekommen mich so durch ein Labyrinth an Stufen zu schicken.“ „Wer ist Bryan?“ „Ähmmm... ein Freund von mir. Ihr werdet ihn morgen kennenlernen. Ich packe mein Zeug jetzt auch mal aus. Bis morgen. Schlaf schön.“ Er wollte gerade die Türe schließen, als aus dem Bad ein ‚werd dich vermissen‘ kam. Er steckte den Kopf noch einmal durch den Türspalt der noch offen war. Grinsen konnte dieser Junge echt gut. „Wenn ihr was braucht, ihr wisst ja wo ihr mich findet. Nebenan, Zimmer 43. Bye.“ „Ciao.“ In der Zeit, in der Kelly die unmöglichsten Sachen im Bad machte, erkundete Aimee das Zimmer. In der Mitte des Raumes stand ein Doppelbett. An der Wand zum Bad stand ein Einzelbett. Aimee war sich sicher, nach einer Nacht zusammen mit Kelly im Doppelbett, würde eine von ihnen auf das Einzelbett ausweichen. Kelly wusste auch, dass das leider meistens sie war. „Halloooo...“ Kelly hatte sich ganz nahe an Aimee’s Ohr gelehnt. „Ahhh... willst du mir einen Herzinfarkt einjagen? Gott!“ „Welche Zimmernummer hat Mark? 41 oder 43?“ „43, wieso willst du das wissen?“ „Ach, nur so.“ Sie setzte eine unschuldige Miene auf. Aimee wusste ganz genau was in Kelly vor sich ging. Sie kannte sie jetzt lange genug um zu wissen, dass Mark genau der Typ war auf den sie stand. „Kelly, er ist Lehrer.“ „Nein, ist er nicht.“ „Wieso nicht? Wie meinst du das? Spielst du jetzt auf den Privatlehrer hin?“ „Ist doch nicht so wichtig. Gähhhhhnnnn... Ich geh jetzt ins Bett wenn du nichts dagegen hast. Träum was liebes, Nacht.“ „Gute Nacht.“ Aimee war gerade dabei ihren Schlafanzug anzuziehen, als es klopfte. „Toll. Kelly, kannst du schnell an die Türe gehen? Ich habe nichts an außer meine Unterwäsche.“ „Hmmm...“ war das Einzige was von Kelly zu vernehmen war. „Typisch. Die wenn einmal schläft, könnte neben ihr eine Bombe einschlagen und sie würde es nicht merken.“ Inzwischen hatte es nochmals geklopft. „Ja?“ Sie öffnete die Tür einen Spalt. „Hallo. Du musst Kelly sein?“ „Ähh... nein.“ „Aimee?“ „Ja, kommt schon eher hin.“ Der junge Mann lächelte. Aimee hatte noch nie so ein umwerfendes Lächeln gesehen und erst die Augen... „Ich bin Shane, ein Freund von Mark. Ich soll dir von ihm ausrichten, dass er mit euch und uns morgen gerne in einen Funpark fahren würde. Natürlich nur, wenn ihr Lust habt.“ Aimee sagte zu. „Willst du nicht erst deine Freundin fragen, bevor du so begeistert zusagst?“ „Nicht nötig. Erstens liegt sie im Bett uns ist in ihrer Traumwelt, also nicht ansprechbar. Und zweitens, wenn Mark dabei ist, ist es ihr egal was wir machen.“ „Achso.“ Er lächelte. „Na wenn das so ist. Er holt euch morgen um zehn Uhr in eurem Zimmer ab. Bis morgen. Bye.“ „Bye. Ach warte mal bitte.“ „Ja?“ Shane drehte sich noch einmal um. „Wieso sagt uns das Mark eigentlich nicht selbst?“ „Oh naja. Sagen wir es so. Er ist gerade nicht in der Lage dazu.“ „Was heißt das genau?“ „Haha... willst du das wirklich wissen?“ „Ja.“ „Wirklich?“ „Ja, sag schon.“ „Er ist nackt an einen Stuhl gefesselt und Bryan flößt ihm ein paar Drinks ein.“ Er fing an zu Lachen, als er das verwunderte Gesicht von Aimee sah. „Das ist jetzt ein Witz, oder?“ „Ok, er ist nicht ganz nackt. Er hat noch seine Boxershort an.“ „Du verarscht mich jetzt.“ „No!“ „Ist dieser Bryan so schlimm?“ „Hahaha... hat dir Mark schon was von ihm erzählt?“ „Naja...“ „Er kann ganz lustig sein. Eigentlich ist er immer gut drauf. Aber die Späße gehen meistens auf das Konto von anderen.“ „Oh...“ „Du lernst ihn morgen ja kennen. Dann siehst du, dass er ein ganz lieber, großer Bär ist. Gute Nacht.“ Lächelnd und zwinkernd verschwand er im Zimmer nebenan. Zehn Minuten später lag auch Aimee im Bett. Sie freute sich auf morgen. Sie wollte endlich diesen Bryan kennenlernen und vor allem diesen Shane...
„Es ist fünf Minuten vor zehn Uhr und Mark holt uns gleich ab. Also bitte entscheide dich endlich.“ Kelly stand mit zwei Tops vor dem großen Spiegel im Zimmer. „Welches glaubst du gefällt Mark besser?“ „Ach, Kelly. Ist doch egal. Beeile dich einfach, ja?“ „Tolle Hilfe, danke.“ Es klopfte und Aimee öffnete leise die Tür. Kelly hatte davon nichts mitbekommen. „Hi. Alles klar? Fertig für die Abfahrt?“ „Ich schon. Kelly hat allerdings ein kleines Problem. Aber ich denke, du kannst ihr bei der Lösung helfen.“ Sie packte Mark am Arm und zog ihn ins Zimmer. Aimee flüsterte. „Sag einfach die Farbe des Tops das sie anziehen soll.“ „Was?“ „Mach einfach.“ Mark war etwas verwirrt als er hinter Kelly stand, die nur mit einer Jeans und BH bekleidet war. „Sag! Oder wir stehen morgen noch hier.“ „Ähh... weiß“ Er sprach das letzte Wort laut und deutlich, so dass Kelly es unmöglich überhören konnte. Sie wirbelte herum uns sah Mark etwas entsetzt an. Aber Kelly wäre ja nicht Kelly gewesen, wenn sie nicht sofort eine Antwort parat gehabt hätte. Lässig zog sie sich das weißte Top über und ging an ihm vorbei, Richtung Bad. „Danke. Das hätte ich aber auch selber ausgesucht.“ Nach weiteren fünfzehn Minuten saßen sie endlich im Taxi. Die Fahrt verlief sehr ruhig. Was heißen soll, dass niemand ein Wort sagte. Kelly und Mark war die ganze Angelegenheit doch etwas peinlich und Aimee lachte nur in sich hinein. Schadenfreunde ist doch die schönste Freude. „Da wären wir. Wenn ich bitte dürfte.“ Er hielt den beiden Mädchen die Tür auf. „Danke, nett von dir.“ Sie hakten sich links und rechts bei ihm ein und gingen in den Park. „Mal eine Frage. Müssen wir nicht vielleicht zahlen?“ „No“ war die ganze Antwort von Mark. Aimee kam nicht mehr aus dem Staunen heraus. Die riesigen Fahrgeschäfte, Leuchtketten und herumlaufenden Clowns zogen sie in ihren Bann. Erst Kelly’s Worte holten sie wieder in die Realität zurück. „Wo treffen wir die anderen Jungs?“ „Gleich dort drüben. Ach, da sind sie ja schon.“ Aimee erkannte Shane sofort und augenblicklich zog er sie in seinen Bann. „ Hey Stinker, alles fit im Schritt?“ Ein großer, blonder Mann umarmte Mark heftig und Aimee war sich sicher, dass es sich dabei nur um Bryan handeln konnte. Sie musste lachten bei dem Gedanken, wie schrecklich sie sich Bryan vorgestellt hatte. „Stell uns die Ladys doch mal vor.“ „Schon gut, Bry. Kannst es wohl wieder gar nicht abwarten.“ „Nope!“ Er grinste frech. Nein, so hatte Aimee sich ihn wirklich nicht vorgestellt. Aber sie mochte in von Anfang an. „Na gut. Bryan, das ist Kelly und das hier ist Aimee. Kelly, Aimee darf ich vorstellen, der King, Mr Bryan McFadden.“ „Ähhh... Stellt mich vielleicht auch noch jemand vor? Wenn nicht mache ich es selber.“ Er ging ein paar Schritte auf die Mädchen zu und gab jeder von ihnen die Hand. „Hallo, ich bin Nicky. Schön euch kennenzulernen.“ Nachdem Bryan ausführlichst erklärt hatte, was er alles unternehmen wollte, marschierten sie los. „Wie wäre es mit dem Spiegellabyrinth? Der Letzte der es wieder verlässt muss eine Runde spendieren.“ Bryan hatte noch nicht die letzten Worte ausgesprochen, schon war er in dem seltsam aussehenden Haus verschwunden. Die Anderen folgten ihm. Aimee war so von den vielen Spiegelbildern fasziniert, dass sie gar nicht merkte, dass sie sich verlaufen hatte. „So ein Scheiß. Wie komme ich hier jetzt wieder raus?“ Sie irrte einige Minuten orientierungslos umher, bis sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Erschrocken fuhr sie zusammen. „Hey, ich bin’s doch nur. Keine Angst.“ Sie drehte sich um und sah Shane. „Hast du dich auch verlaufen, Aimee?“ „Ja, voll dumm.“ „Ich finde es nicht so schlimm. Ist ja eigentlich auch Sinn und Zweck dieses Gebäudes.“ Er lächelte ihr lieb zu. „Wie lange glaubst du brauchen wir um den Ausgang zu finden?“ „Ich hoffe nicht zu lange. Ich will Bry nicht schon wieder alles bezahlen müssen.“ Beide lachten und gingen weiter. Jedoch nicht lange, denn Aimee hatte eine schmerzhafte Begegnung mit einem der vielen Spiegeln. „Autsch.“ Sie rieb sich ihre Nase. „Alles ok?“ Shane versuchte nicht zu lachen, was angesichts des schmerzverzehrten Gesichts von Aimee nicht ganz einfach war. „Das ist mir heute auch schon zweimal passiert.“ Aimee sah ihn ungläubig an. Er nickte nur und bot ihr seinen Arm an. „Heng dich ein. Dann laufen wir entweder Beide gegen die Wand und können lachen oder eben keiner.“ Aimee nahm die Geste von Shane dankend an. Allerdings mit anderen Hintergedanken im Kopf. Nach gut zehn Minuten hatten sie endlich den Ausgang gefunden. Aber, sie waren die Letzten. „Ohoh, Sha. Das wird teuer.“ Bryan grinste, als er Aimee zusammen mit Shane sah. „Ich möchte ja gerne mal wissen, was ihr da drinnen so lange getrieben habt?“ Er zwinkerte und Shane gab prompt Contra. „Sorry, Bryan. Aber das ist nicht für Kinderohren wie deine geeignet.“ Bingo. Nun wollte auch die anderen Drei wissen was passiert war. Aimee und Shane hatten reichlich Schwierigkeiten ihnen beizubringen, dass nichts geschehen war. Aber immerhin, sie schafften es. Bryan war nun in seinem Erkundungsdrang nicht mehr zu stoppen. Er wollte unbedingt die Geisterbahn ausprobieren. „Hoffentlich bekommen die Gespenster keine Angst, wenn sie dich sehen, Bryan.“ „Haha... sehr witzig, Nix.“ Schneller als Nicky reagieren hatte können, hatte Bryan ihn in einen der Zweierwagons gezogen. „Komm, der nächste gehört uns.“ Schwups, waren auch Mark und Kelly verschwunden. Aimee wollte sich drücken. Sie erinnerte sich nur zu gut an ihre letzte Geisterbahnfahrt. „Was ist los? Wollen wir es versuchen?“ Shane sah sie auffordernd an. Aimee wollte nein sagen. Doch zusammen mit Shane konnte es ja doch ganz interessant werden. „Warum klammerst du dich so an diesem Hebel fest? Ich will ja nichts sagen, aber wenn du daran ziehst geht der Sicherheitsbügel auf.“ Er lächelte. „Oh sorry.“ Aimee suchte krampfhaft nach etwas an dem sie sich festhalten konnte, als Shane ihr seine Hand entgegen hielt. „Halt dich daran fest. Da passier nichts.“ Aimee hatte gerade ihre Hand in die seinige gelegt, als sich der Wagon in Bewegung setzte. „Oh scheiße.“ Shane lachte. „Wieso schreist du denn jetzt so? Ist das zur Übung?“ Sie gab ihm allerdings keine Antwort mehr, sondern fiel ihm um den Hals. „Ahhh...“ „Hahahahaha...“ Shane konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Er zog Aimee in seine Arme und sie vergrub ihren Kopf an seiner Schulter. „Mama, Hilfe!“ Sie war unendlich froh, als sie die ‚Schreckenshöhle‘ wieder verlassen hatten. Das Bild das sich den Anderen bot, ließ jedoch einige Fragen offen. Denn immerhin lag Aimee in Shane’s Armen. „Shorty, du gehst heute ja ran.“ Bryan half seinem Kumpel beim Aussteigen. Aimee hatte weiche Knie und reichlich Probleme sich auf den Beinen zu halten. „Alles ok? Du bist ziemlich weiß im Gesicht.“ Shane machte sich Sorgen um sie. „Passt schon. Ich... oh man.“ „Komm, halt dich bei mir fest.“ „Mal wieder.“ Sie lachten und gingen Arm in Arm mit den Anderen Richtung Wurstbude. Bryan hatte Hunger bekommen. Aimee hatte jedoch auf etwas ganz anderes Appetit. Wie sollte sie wissen, dass es Shane genau so ging?
Aimee freute sich auf eine heiße Dusche. Ihr war saumäßig kalt, denn mitten in der Achterbahnfahrt mit Bryan hatte es zu regnen begonnen. Obwohl man es wohl mehr als einen halben Weltuntergang bezeichnen hätte können. „Kelly, beeil dich bitte etwas. Ich möchte gerne heute noch duschen und nicht erst morgen.“ Aimee klopfte an die Badtür. Sie war etwas verwundert, dass sie es immer noch klopfen hörte, obwohl sie schon längst wieder damit aufgehört hatte. „Was? Oh bin ich blöd.“ Lachend öffnete sie die Zimmertür und Shane stand vor ihr. „Hallo. Störe ich gerade?“ „Nein.“ Aimee konnte nicht aufhören zu lachen. „Soll ich später nochmal kommen?“ Da sie nicht aufhörte zu lachen drehte er sich um und ging. Er fühlte sich verarscht. Das Lachen aus Aimee’s Gesicht verschwand augenblicklich. „Shane, warte! So war das nicht gemeint, sorry. Warte, ich erkläre es dir.“ Zwei Minuten später war Shane derjenige der lachend am Boden lag. „Tut mir echt leid, Aimee. Aber das ist ... hahaha...“ „Darf ich nun fragen was du eigentlich wolltest?“ „Achso, ja. Ich soll euch sagen, dass wir morgen ins ‚Fun‘ gehen. Das ist ein angesagter Club in dem man viel Spaß haben kann. Kommt ihr mit? Bitte sag nicht nein.“ Er sah sie mit dem liebsten Hundeblick allerzeiten an. Konnte man da noch nein sagen? Nein! „Aber wieso musst du uns das schon wieder sagen. Ist Mark wieder...“ „Hahaha... Nein, ist er nicht. Eigentlich war das mit dem Club meine Idee. Ich muss es jetzt nur noch Mark sagen. Freut mich, dass du mitgehst.“ Er beugte sich zu ihr hinunter und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Bevor Aimee reagieren konnte war er in Mark’s Zimmer verschwunden. „Hast du einen Geist gesehen oder warum stehst du so allein im Flur herum?“ Kelly war aus dem Bad gekommen. „Nein. Shane war gerade da. Er will mit uns allen...“ „...heute Abend ins ‚Fun‘ gehen. Weiß ich schon.“ „Und woher?“ „Von Shane vielleicht?“ „Hä?“ „Oh Aimee. Ich weiß vieles, was du noch nicht weißt.“ „Was zum Beispiel?“ „Das erfährst du schon noch früh genug.“ Sie zwinkerte und schubste Aimee ins Bad. „Beeil dich. Sie holen uns in einer Stunde ab.“ Eine Stunde später saß Aimee leicht nervös auf ihrem Bett. Sie versuchte das Gefühl, das Shane’s Kuss bei ihr ausgelöst hatte, einzuordnen. „Hey, Träumeline. Hier sind ein paar Menschen die jetzt gerne Spaß haben wollen.“ Lächelnd ging Aimee auf Kelly und Co. zu. „Dann lasst uns das mal tun.“ Als sie den Club betraten erklang ‚Mambo Nr. 5‘. „Das Lied ist so besch...eiden.“ Kelly verzog das Gesicht. „Tja, was wäre denn deiner Meinung nach besser?“ Nicky stand ihr fragend gegenüber. „Wie wäre es mit ‚Hey whatever‘?“ In der Gruppe wurde es augenblicklich still. „Wie man es sieht.“ Bryan lachte und zog Kelly auf die Tanzfläche. Mark und Nicky folgten ihnen. „Hast du auch Lust?“ „Weiß nicht so ganz.“ „Ach komm. Das macht bestimmt Spaß. Sieh dir Bry an.“ Bryan tanze eng umschlungen mit Kelly. „Das gefällt Mark aber jetzt sicherlich nicht.“ Aimee hatte die Worte noch nicht ganz ausgesprochen, als Mark Bryan sanft zu Seite schob und dessen Stelle einnahm. „Und?“ „Was?“ „Lust zu tanzen?“ „Das kommt darauf an.“ „Auf was?“ „So wie Mark und Kelly tanzen oder so wie Nicky und Bryan es tun?“ „Kann man das von Nix und Bry wirklich als tanzen bezeichnen?“ Die Antwort war klar und deutlich. Aimee legte die Hände um Shane’s Hals. Und wie sollte es auch anders sein, es erklang ein Schmusesong. Shane wusste nicht was er tun sollte, doch Aimee schmiegte sich eng an ihn und nahm ihm so jede Unsicherheit. Shane sang leise das Lied mit. „When the stars are in her eyes and the sun is in her smile...“ Aimee wunderte sich, wie sehr sich die Radiostimme und Shane’s Stimme ähnelten. Sie wusste ja nicht... Aimee hob den Kopf und sah in diese strahlend braunen Augen. Welche Anziehungskraft nur von Augen ausgehen konnte. Dann passierte es. Shane beugte sich wieder zu ihr hinunter. Doch dieses mal berührten seine weichen, warmen Lippen nicht Aimee’s Wange, sondern ihre Lippen. Um Aimee herum wurde alles still. Sie vergaß Zeit und Raum. Sie wünschte sich, dieser Augenblick würde nie zu Ende gehen. Doch Bryan hatte da wohl andere Vorstellungen. Er hielt Shane die Nase zu, so dass dieser unmöglich weiter atmen konnte. „Was soll der Scheiß?“ Shane schnautze ihn an. Aimee hätte es ihm nur zu gern gleich getan. „Reg dich ab. Wir wollen Spaß haben und nicht euch beim ‚Zunge in den Hals stecken‘ Spiel zusehen.“ „Das müsst ihr auch nicht. Ich denke der Club ist groß genug, da müsst ihr uns nicht ständig beobachten.“ Bryan zuckte nur mit den Schultern. Er merkte, dass Shane zu keinen Späßen aufgelegt war. „Lass uns in Ruhe, Bry.“ Shane legte seinen Arm um Aimee’s Hüfte und ging mit ihr zu dem Tisch an dem Kelly und Mark saßen. „Du siehst leicht genervt aus.“ Mark wollte seinen Kumpel eigentlich nur aufmuntern, doch Shane verstand es anders. „Mark, sei still oder ich...“ „Shane, setz dich wieder hin. Ist doch alles nicht so schlimm.“ Aimee streichelte ihm mit ihrer Hand über seinen Rücken. Das war wohl das Einzige was half. „Ich kastriere Bryan noch irgendwann, wenn er nicht bald mit diesem Scheiß aufhört.“ Er war immer noch schlecht gelaunt, jedoch beruhigte er sich mit der Zeit wieder. Bryan und Nicky hatten sich an die Bar verzogen. „Seit ihr jetzt ein Paar?“ Kelly grinste frech und sah sie fragend an. Aimee und Shane sahen sie verwirrt an. „Warum?“ „Naja, ihr habt euch geküsst.“ „Hä?“ „Ach komm. Soll ich euch jetzt noch demonstrieren was ein Kuss ist?“ Sie lachte, zog Mark’s Gesicht zu sich heran und drückte ihm einen dicken Kuss auf. Als sie ihn wieder los ließ stand er unter leichtem Schock. Das war wohl selbst er nicht gewöhnt. Aimee und Shane konnten nichts anderes mehr tun als sich todzulachen. Shane hielt inne und sah Aimee an. Diese hörte daraufhin ebenfalls schlagartig auf. Er sah sie mit einem durchdringenden Blick an. „Ich denke schon. Du?“ Aimee war sprachlos. Sie wusste nicht wie sie reagieren sollte. Immerhin kannte sie ihn erst seit zwei Tagen. Doch hatte sie in diesen zwei Tagen Gefühle entdeckt, die sie noch nie empfunden hatte. „Ja.“ Plötzlich war die Antwort klar. Sie fühlte sich so stark zu ihm hingezogen. Weshalb sollte sie also nein sagen? Shane gab ihr einen langen, sanften und zugleich leidenschaftlichen Kuss und sah sie danach mit strahlenden Augen an. „Hey Casanova. Hast du dich wieder beruhigt?“ Bryan stand vor ihnen. „Ja, hab ich. Danke der Nachfrage.“ Shane grinste wie ein frisch gebackener Vater. „Du bist ja ekelhaft gut drauf.“ „Seht mal wer hier ist.“ Nicky gesellte sich zu ihnen. „Ich habe gerade jemanden entdeckt bei dem ich mir denke, dass ihr ihn auch kennt. Bryan und Nicky gingen einen Schritt auseinander, so dass ein gutaussehender Mann zwischen ihnen hindurch passte. „Hey, Kian, altes Haus. Wie geht’s?“ Shane und Mark standen auf und drückten ihren Freund fest an sich. „Mir geht’s bestens. Schön euch wiederzusehen.“ „Bist du allein hier?“ Bryan war mal wieder am neugierigsten. „Nein, natürlich nicht. Ich habe meine Freundin schon mitgebracht. Extra für die Bry.“ Kian ging einen Schritt nach hinten und zog ein blondes Mädchen an seine Seite. Aimee stockte der Atem. Das konnte nicht sein. Das sollte die Freundin von dem besten Freund ihres Freundes sein? Sandy sollte Kian’s Freundin sein?
„Wie hast du heute nur so ruhig bleiben können, Aimee?“ Kelly und Aimee
waren wieder zurück in ihrem Hotelzimmer. Es war schon spät und Beide
wollten nichts mehr als schnellst möglichst ins Bett. „Was hätte ich
denn tun sollen? Ihr ins Gesicht springen?“ „Zum Beispiel. So wie sich die heute
Abend aufgeführt hat. Ein blöder Spruch nach dem anderen.“ „Lass sie
doch. Wenn sie es nötig hat. Ich lass mich durch sie nicht auf diese Tussenebene
ziehen.“ „Gut zu wissen.“ Kelly ging ins Bad und Aimee schaltete den Fernseher
an. „Aimee, hast du eigentlich bemerkt wie sich Sandy an Shane rangemacht hat?“
„Klar. Denkst du ich bin blind? Die soll bloß ihre dreckigen Pfoten von
meinem Schatz lassen. Sonst sitzt ihre Nase nicht mehr in der Mitte ihres Gesichtes.
Denn was ich dann mit ihrem Gesicht mache, kann man am Ende nicht mehr als Gesicht
bezeichnen.“ Aus dem Bad war ein zustimmendes Lachen zu vernehmen. Aimee schnipste
alle Programme durch und landete schließlich auf einem Musiksender. Sie
war gerade dabei sich ins Bett zu legen um weiter TV sehen zu können, als
Kelly aus dem Bad gestürzt kam. Mit hastigen Bewegungen schaltete sie den
Fernseher aus. „Hey, was soll das? Ich wollte das sehen? Da wäre gerade
das Lied gekommen, dass sie heute Abend im Club gespielt haben und ich will
das sehen. Also schalt wieder ein!“ „Nö.“ „Wieso nicht? Spinnst du jetzt
völlig? Schalt ein!“ „Mir gefällt dieses Lied nicht.“ „Mir aber. Shane
hat mich bei diesem Song schließlich das erste Mal geküsst.“ Kelly
zuckte nur mit den Schultern und ging wieder ins Bad. „Manchmal verstehe ich
dich echt nicht.“ Kelly schob den Kopf zur Badtür heraus und grinste sie
an. „Wieso kann ich dir eigentlich nicht böse sein?“ Kelly legte sich neben
Aimee ins Bett. „Weil ich deine beste Freundin bin?!“ Während sich die
zwei Mädchen umarmten klopfte es an der Tür. „Ich geh schon.“ Beide
sprangen auf und hasteten zur Tür. Als sie diese jedoch öffneten war
niemand zu sehen. „Welcher Witzbold war das jetzt wieder?“ „Keine Ahnung. Aber
dieser Jemand hat einen Brief hinterlassen.“ Aimee hob einen Umschlag auf. Auf
der Vorderseite stand in Großbuchstaben ‚FÜR MEINEN ALLERLIEBSTEN
SCHATZ, MIT EINEM DICKEN KUSS, SHANE‘. „Ätsch, für mich.“ „Ist das
süß. Komm, mach schon auf.“ Sie ließen sich beide auf’s Bett
fallen und Aimee öffnete vorsichtig den Umschlag. Als sie ein Blatt Papier
herauszog, kamen zusätzlich zwei Konzertkarten zum Vorschein. Aimee las
den Brief laut vor. „Hallo mein Engel. Würde dich gerne für morgen
Abend auf ein Konzert einladen. Kelly soll natürlich auch mitkommen. Mark
hat fest darauf bestanden! Sag Kelly bitte sie soll es wirklich tun oder das
Konzert endet in einem Fiasko... Wenn du dich jetzt fragst warum ich dir die
Karten nicht persönlich übergebe, verstehe ich das. (Keine Sorge,
bin nicht an einen Stuhl gefesselt) Aber es ist so. Es soll ein kleiner Teil
deines Geburtstagsgeschenks sein. Und da es Unglück bringt Geschenke im
Voraus zu verteilen, mache ich es lieber auf diesen Weg. Hoffe es ist ok so
und nicht zu unpersönlich. Freue mich auf morgen, wenn ich dich endlich
wieder sehen kann. Ich liebe dich, dicker Kuss, dein Shane. P.S. Chris (Anderson),
ein Freund von uns, holt euch morgen um acht Uhr ab. Tut mir leid, dass ich
es nicht selbst machen kann, aber du wirst es verstehen...“ „Woher weiß
er eigentlich, dass ich morgen Geburtstag habe?“ „Er hat einen Mund mit dem
er fragen kann. Ohh, ich finde das so süß von ihm.“ Aimee hielt die
Konzertkarten hoch. „Welches Konzert ist es denn, Aimee?“ „Wie meinst du das?“
„Naja, wer ist der Sänger?“ „Achso.“ Aimee sah sich die Karten genauer
an. „Westlife.“ Kelly lachte einmal kurz auf. „Was ist? Kennst du die?“ „Ähhmmm...
weiß nicht. Ich denke schon.“ Kelly drehte sich zur Seite und zog sich
die Decke über de Kopf. „Wer soll das sein?“ „Was soll ich darauf jetzt
sagen? Eine sehr erfolgreiche Band?“ „Sag mir mal ein Lied von ihnen.“ „Du kennst
eines.“ „Welches? Kelly sag schon.“ Aimee zog an Kelly’s Decke. Diese fing daraufhin
leise an zu singen. „When the stars are in her eyes and the sun is in her smile...“
„Die singen das? Cool. Shane hat echt Geschmack wenn er mit mir auf dessen Konzert
geht.“ „Oja, das hat er wohl.“ Kelly kicherte. „Was ist daran denn so lustig?
Darf ich nicht sagen, dass mein Freund einen guten Musikgeschmack hat?“ „Doch,
natürlich.“ „Aber?“ „Oh Aimee. Du weißt so vieles noch nicht.“ „Ach
ja und was?“ „Sag ich nicht. Du wirst es morgen schon sehen.“ Sie streckte Aimee
kurz die Zunge heraus und schaltete das Licht aus. Aimee schüttelte den
Kopf und vergrub ihn danach in ihrem Kissen. Oh ja. Morgen würde sie vieles
herausfinden. Sehr vieles sogar!
Kapitel 12
„Sieh dir die Bühne an. Hammer!“ Aimee, Kelly und Chris waren im Stadion, in dem das Konzert stattfinden sollte, angekommen. „Nicht stehen bleiben, Mädls. Wenn die Fans die Halle stürmen wird’s chaotisch. Und daher möchte ich euch lieber noch davor eure Plätze zeigen.“ Chris führte sie vor die vorderste Absperrung. „Bist du dir schon sicher, dass wir hier richtig sind?“ Aimee begutachtete einen Security, der sich einen Meter rechts von ihr aufbaute. „Klaro. Glaubt ihr, die Jungs quetschen euch zwischen all die hysterischen Fans?“ „Welche Jungs?“ Aimee verstand nur noch Bahnhof. „Eure Liebhaber.“ Chris grinste angesichts des verwirrten Blickes von Aimee. „Wo sind Shane und die Anderen eigentlich?“ „Ähhh... ich soll sie entschuldigen. Sie kommen etwas später.“ Kelly kicherte wieder schadenfroh und Chris verabschiedete sich von ihnen. „Viel Spaß und haltet euch von den Klammergriffen der Fans entfernt. Bye.“ Er verschwand hinter der nächsten Absperrung. „Wie, die kommen später. Was ist wenn...“ Aimee konnte jedoch nicht mehr weiter reden. Die Tore des Stadions wurden geöffnet und tausende Mädchen und Jungs stürmten auf sie zu. „Ohhh scheiße.“ Beide machten einen großen Schritt nach hinten, Richtung Bühne. „Das ist ja der komplette Wahnsinn.“ Aimee war platt wie eine Flunder. „Nicht schlecht der Specht. Ich wusste zwar, dass sie beliebt sind. Aber so? Wau!“ Aimee sah Kelly an. Diese hatte sich wieder der Bühne gewidmet. Aimee wollte wissen was hier eigentlich vor sich ging, jedoch hielt sie schnell wieder inne. Das Licht in dem Hallenstadion ging aus und 20.000 Fans schrien sich die Seele aus dem Hals. „Gott! Wie schreien die erst, wenn die Welt untergehen würde?!“ „Gar nicht, denn die wären alle ziemlich heiser von diesem Konzert.“ Beide lachten und warteten gespannt auf den Beginn der Show. Aimee wünschte sich, dass Shane endlich an ihrer Seite stehen würde. Jedoch wurde ihr schnell bewusst, dass dies wohl unmöglich war. Die ersten Töne erklangen und Aimee bekam eine Gänsehaut. Das war ihr Song. Shane‘ s und ihr Song. Als dann plötzlich Shane vor ihr auf der Bühne erschien war sie wie gelähmt. Er sang ihr Lied. Aimee musste anfangen zu lachen. Ihr wurde schlagartig klar wie dumm sie die letzten Tage gewesen war. Das Lied im Club... Shane’s Stimme ähnelte nicht nur der aus dem Radio, es war seine Stimme. Kelly’s Anspielungen auf Mark und seinen Beruf. Plötzlich war alles klar wie Kloßbrühe. „Warum lachst du?“ „Nichts. Es ist nichts.“ Aimee musste nichts sagen, damit Kelly wusste was los war. „Und? Findest du den Musikgeschmack deines Herren immer noch so gut?“ „Oh ja.“ Nun konnten sie endgültig nicht mehr aufhören zu lachen. „Hey Dublin! Wie geht’s?“ Bryan’s Stimme halte durchs Stadion und 20.000 schrien begeistert zurück. „Hallooooo...“ Shane übernahm das Kommando. „Ich hoffe ihr habt Spaß?“ Es war nicht zu überhören, das sie es hatten. „Freut mich. Ich will euch aber jetzt mal was sagen. Es gibt eine Person unter euch, für die ist heute ein ganz besonderer Tag. Nämlich ihr achtzehnter Geburtstag.“ Aimee wurde bleich. Mit dem hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Plötzlich schrie ein Mädchen hinter ihr auf. „Shane, ich liebe dich. Heirate mich.“ Aimee drehte sich um und sah die vielen Plakate mit den Aufschriften wie ‚Shane, I love you forever‘, ‚Marry me, Shane‘ oder ‚Shane, you are the star of my heart‘. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihr breit. Sie wollte Shane nicht mit all diesen Girls teilen. „Aimee, Schatz.“ Sie wurde aus ihrer Abwesenheit gerissen. Shane war zum vordersten Bühnenrand gekommen und in die Knie gegangen. Sie sah ihn an und wusste nicht was sie fühlte oder gar tun sollte. „Komm her zu mir.“ Mit wackeligen Knien ging sie auf ihn zu. Er half ihr auf die Bühne und flüsterte ihr ins Ohr. „Ich hoffe du bist nicht zu sehr geschockt?“ Er zwinkerte ihr zu und nahm sie fest in die Arme. „Ich will euch noch etwas sagen. Bitte seit nicht böse, aber diesem Mädchen gehört seit gut drei Tagen mein Herz.“ Aimee war baff. Schlagartig wurde ihr jeder Zweifel genommen. Sie fand alle so unheimlich lieb von ihm. Shane hob mit seinem Zeigefinger ihr Kinn und gab ihr einen sanften, mit viel Wärme gefüllten, Kuss. Ungefähr fünfzehn Minuten später stand sie wieder neben Kelly vor der Bühne. Aimee war so glücklich wie nie zuvor in ihrem Leben. Jedoch spürte sie auch die stechenden und wütenden Blicke der vielen Fans in ihrem Rücken. „Ich glaube, die hassen mich jetzt alle.“ „Ach Schwachsinn. Die freuen sich doch für Shane, wenn er glücklich ist. So sind Fans nun eben.“ „Ich weiß nicht so ganz.“ „Sei sicher. Von denen wünscht dir keiner was schlechtes. Höchstens, dass du auf der Stelle tot umfällst.“ Kelly lachte, doch Aimee hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Vielleicht wünschte sich das gerade wirklich jemand...
„Heute geht’s also wieder zurück nach London. Schade, es war so schön hier.“ „Du kommst sicher noch öfters nach Irland. Das verspreche ich dir.“ Shane umarmte seine Freundin und gab ihr einen Kuss. „Hey ihr zwei. Ich störe euch zwar nur ungern. Aber in zehn Minuten geht unser Flug, Aimee.“ „Ich komme ja schon. Wann sehen wir uns wieder?“ Aimee wusste, dass Shane nicht viel Freizeit hatte. „Spätestens Morgen.“ Aimee sah ihn verwundert an. „Wie das?“ „Wir sind ab morgen zwei Tage in London.“ „Echt? Das ist ja...“ „Aimee! Nun mach schon.“ Kelly wurde ungeduldig. Sie hatte sich bereits von Mark verabschiedet und wollte endlich los. „Wir sehen uns morgen. Pass auf dich auf.“ „Mach ich. Aber wann fliegt ihr nach London?“ „In einer Stunde. Nun musst du aber echt gehen oder Kelly fliegt ohne dich.“ Er gab ihr einen lagen, intensiven Kuss und Aimee freute sich schon jetzt auf den morgigen Tag. Eineinhalb Stunden später standen sie wieder in der Aula des Internates. „Wie ich dieses Haus verabscheue.“ Aimee hatte den Satz noch nicht vollendet, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie drehte sich um und Ms Cample stand vor ihr. Und Aimee ahnte schreckliches, denn Sandy war ebenfalls dabei. „Guten Tag die Damen.“ Der Unterton in Ms Camples’s Stimme und das zufriedene Lächeln auf Sandy’s Gesicht gefielen Aimee und Kelly ganz und gar nicht. „Ich hoffe sie hatten einen netten Aufenthalt in Irland und haben sich köstlich amüsiert.“ Sandy hatte ein unheimliches Funkeln in ihren Augen. Aimee und Kelly sagten nichts. „Sandy war so freundlich und hat mir etwas über ihren Ausflug erzählt. Und ich muss sagen, was ich gehört habe gefiel mir gar nicht.“ Ms Cample’s Miene verfinsterte sich. „Ms Brown, wissen sie, dass eine Beziehung zu einem ihrer Lehrer verboten ist?“ Aimee sah Kelly verwirrt an. Nein, das wusste sie nicht. Aber wieso erzählte Ms Cample ihr das alles? Kelly war doch mit Mark zusammen und er war doch überhaupt kein Lehrer. Geschweige denn Kelly’s Lehrer. „Ich...“ Sandy unterbrach Aimee. „Du bist über beide Ohren in Mr Feehily verliebt. Gib es doch zu.“ Aimee glaubte im Wald zu stehen. Was erzählte Sandy da für einen Mist? Sie war sprachlos. „Ich muss ihnen leider mitteilen, dass Liebe mit einem Lehrer in diesem Haus verboten ist und dass ich dies nicht dulden kann. Ich muss sie daher leider bitten diese Schule sofort wieder zu verlassen.“ „Was?“ Auch Kelly verstand nichts mehr. „Ms Jonson, sie müssen uns leider auch verlassen, da sie von allem bescheid gewusst haben, aber nichts gesagt haben.“ „Sie schmeißen uns raus?“ „So kann man es wohl auch bezeichnen.“ Sandy war überglücklich über ihren Erfolg. Sie schob zusammen mit Ms Cample die Mädchen regelrecht aus dem Haus hinaus. „Viel Glück in ihrem weiteren Leben.“ Dies waren die letzten Worte der Direktorin, ehe sie Aimee und Kelly die Tür vor der Nase zuschlug. „Ich glaub, ich bin im falschen Film. Was sollte das denn eben?“ Aimee gab Kelly jedoch keine Antwort. Sie suchte nach ihrem Handy um ihren Eltern alles zu erzählen. „Mum? Hallo hier ist Aimee. Du wirst nicht glauben was eben geschehen ist. Kelly und ich sind von der Schule geschmissen worden.“ Aimee fiel beinahe das Telefon aus der Hand, als ihre Mutter ihr antwortete. „Du bist was? Spinnst du? Weißt du eigentlich wie viel Geld uns diese Schule gekostet hat? Lass dich ja nicht mehr bei uns blicken. Wir wollen keine Tochter, die nicht im Stande ist bestimmte Regeln zu achten und bestimmte Sachen in Ehren zu halten.“ Sie legte auf. Aimee ließ sich auf die Stufen der Treppe nieder, vergrub ihren Kopf in ihren Händen und fing an zu weinen. War plötzlich die ganze Welt gegen sie? „Was ist denn los?“ Kelly war über Aimee’s plötzlichen Gefühlsausbruch geschockt. „Sie schmeißen mich von daheim raus.“ Sie hatte große Probleme zu reden. „Deine Eltern machen was?“ Aimee hatte sich wieder ihrem Handy gewidmet. „Was machst du?“ „Ich rufe Shane an.“ „Was hast du vor?“ „Ich will...“ Sie konnte den Satz nicht mehr beenden, denn Shane hatte bereits abgenommen. „Hallo? Aimee?“ „Shane...“ Sie musste wieder zu weinen anfangen, als sie seine Stimme hörte. „Aimee, oh Gott, was ist denn passiert?“ Er war beunruhigt. „Die haben mich und Kelly aus dem Internat geworfen.“ „Das ist doch nicht so schlimm.“ Er versuchte sie zu beruhigen, doch genau das Gegenteil trat ein. „Aber meine Eltern werfen mich dadurch von zu Hause raus.“ Nun konnte sie endgültig nicht mehr reden. Seit Jahren hatte sie nicht mehr so bitterlich geweint. Kelly nahm das Handy. „Shane? Hallo, hier ist Kelly.“ „Kelly? Gott sei Dank. Sag mir doch bitte was los ist?“ Sie erklärte ihm alles. „Was sind das denn für Eltern? Kelly hör zu. Ihr kommt jetzt einfach zu unserem Hotel. Das ist das Hotel ‚Glamour‘. Setzt euch ins nächste Taxi und kommt her, dann regeln wir das alles. Sag Aimee, sie soll bitte aufhören zu weinen. Wir finden da schon eine Lösung.“ „Mach ich. Dann bis gleich. Bye.“ „Bye.“ Kelly half Aimee auf. Sie suchten sich ein leeres Taxi und machten sich auf den Weg. Das Auto stand noch nicht einmal richtig, als Aimee die Tür aufriss und nach draußen stürmte. Sie hatte Shane bereits entdeckt, beschützt von drei Bodyguarts. „Shane!“ Aimee rannte auf ihn zu. „Schatz.“ Sie fiel ihm um den Hals und konnte augenblicklich die Tränen nicht mehr zurück halten. Shane strich ihr eine Strähne ihres braunen Haares aus der Stirn. „Schon gut. Beruhig dich wieder. Alles wird...“ „Hallo Shane.“ Kelly kam schnaufend auf die Zwei zu. Sie musste nicht nur ihre, sondern auch Aimee’s Sachen tragen. Und schließlich hatte schon Mark starke Probleme mit ihnen... „Hallo Kelly. Alles klar bei dir?“ „Ja, denk schon.“ „Danke, dass du mein Zeug mitgenommen hast.“ Aimee hatte sich inzwischen wieder etwas beruhigt. „Kein Problem Mach ich doch gerne für dich. Ach Shane, in welchem Zimmer ist Mark?“ Sie lächelte ihn lieb an. „Dachte mir schon, dass du das wissen willst. Er hat die Nummer zehn.“ „Danke.“ Schneller als die Polizei erlaubt war sie im Hotel verschwunden. Shane und auch Aimee mussten lachen, angesichts der verwirrten Gesichter der Bodyguarts. „Gut, dass es keine Fans gibt, die so drauf sind.“ Er sah Aimee an und hielt ihre Hand. „Und jetzt erzähl mir mal alles was passiert ist.“ Aimee erzählte ihm die ganze Story noch einmal und er hörte aufmerksam zu. „Sandy... mit der habe ich auch schon so meine Erfahrungen gemacht.“ Aimee sah in verwundert an. „Aber ansonsten ist das alles kein Problem. Ihr schläft einfach bei uns im Hotel. Ist das ok?“ Aimee nickte nur. Sie war froh bei Shane sein zu können. „Gut und hey...“ Er hob mit seiner Hand ihren Kopf. „Glaub mir, alles wird gut.“ Er zog sie fest an sich und Aimee hoffte inständig, dass er Recht haben würde. Sie konnte ja nicht wissen...
„Guten Morgen, Prinzessin.“ Aimee öffnete die Augen und sah tief in die von Shane. Sie lagen eng umschlungen auf seinem Bett. „Morgen.“ Sie küsste ihn vorsichtig auf die Nasenspitze. „An diese Arte und Weise aufzuwachen könnte ich mich echt gewöhnen.“ Sie legte ihren Kopf auf seine Brust und Shane streichelte ihren Kopf. „Aimee?“ „Hmmm?“ „Erinnerst du dich noch daran, dass ich gesagt habe, dass wir für zwei Tage hier in London sind?“ „Ja, tue ich. Wieso?“ „Die zwei Tage sind jetzt um und ich und die Jungs fliegen wieder zurück nach Irland, da wir eine Woche frei haben.“ Aimee richtete sich auf. An diese Sache hatte sie nicht gedacht. Wie dumm von ihr. Sie hätte sich schon längst nach einer anderen Unterkunft umsehen müssen, denn das ‚Glamour‘ war definitiv nichts für ihren Geldbeutel. „Ich bin so blöd.“ Sie schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Wieso solltest du das sein?“ „Ich habe mich nicht nach einem anderen Hotel umgesehen. Weißt du vielleicht eins, dass ich mir auch leisten kann?“ Shane lächelte und nahm ihre Hand. „Ja, ich weiß eins. Allerdings hat die Sache zwei Haken.“ „Zwei? Toll und welche?“ „Das Hotel ist in Irland und du müsstest mich für eine ganze Woche lang vierundzwanzig Stunden rund um die Uhr ertragen.“ Aimee verstand nicht ganz. Doch der Gedanke daran so lange mit Shane zusammen zu sein gefiel ihr. „Und wo genau ist dieses Hotel?“ „In Sligo. Ehrlich gesagt ist es gar kein Hotel.“ „Ohhh... und was dann? Eine Jugendherberge?“ Aimee verzog das Gesicht, was Shane noch mehr zum Lachen brachte. „Nein, natürlich nicht. Genau genommen handelt es sich dabei um mein Haus.“ Aimee sah ihn an. Sie musste sich verhört haben. „Na, was sagst du? Normalerweise ziehe ich nicht gleich nach einer Woche mit meiner Freundin zusammen. Aber besondere Umstände erfordern eben besondere Maßnahmen.“ Aimee antwortete ihm nicht mehr. Glücklich fiel sie ihm um den Hals. „Haha... ich zähle das jetzt einfach mal als ein ‚ja, ich komme mit‘.“ Neun Stunden später waren Shane, Aimee, Mark und Kelly in Sligo angekommen. Sie saßen noch im Taxi, als Kelly Aimee mit dem Ellenbogen einen Stoß verpasste. „Wau, Aimee, sieh dir mal die Traumvilla dort vorne an. Möchte mal wissen wer da wohnt.“ Gesagt, getan. Das Taxi hielt vor dem Haus und Mark bat Kelly darum auszusteigen. „Was wollen wir hier, Mark?“ „Wir wohnen hier für die nächste Woche. Darf ich dir mein getrautes Heim vorstellen?“ Kelly fielen buchstäblich die Augen heraus. „Diese Paradies gehört dir? Wahnsinn!“ Sie verabschiedeten sie von Aimee und Shane und verschwanden im Haus. Aimee war darauf gespannt wie Shane’s Haus wohl aussehen würde. Sie rechnete mit einem Schloss und wurde nicht enttäuscht. „Darf ich dir mein kleines Paradies vorstellen? So würde Kelly es wohl ausdrücken, oder?“ „Klein? Das Ding ist sicherlich alles andere als klein.“ Aimee war platt nachdem Shane ihr alles gezeigt hatte. Sieben Schlafzimmer, drei Bäder, ein Wohnzimmer das so groß war wie das ganze Haus ihrer Eltern, ein Fitnessraum, Tonstudio und ein riesiger Pool. Und das war noch längst nicht alles. „Ich glaube, ich verlaufe mich hier drinnen ständig.“ „Nein, nein. Das Haus ist so gebaut, dass man sich nicht verlaufen kann. Und wenn doch, verlaufen hat manchmal auch seine Vorteile.“ Aimee war klar, dass er auf das Spiegellabyrinth anspielte. „Kannst du mir vielleicht bitte mein Schlafgemach für diese Nacht zeigen? Ich kann dir nämlich versprechen, wenn du das nicht schleunigst machst, schlafe ich hier im stehen ein.“ Es war schon kurz nach Mitternacht und Aimee war körperlich ziemlich am Ende. „Klar, das mache ich doch gerne.“ In einem Schwung hob er sie über seine Schulter und trug sie ins nächste Schlafzimmer. „Hey, nicht so stürmisch mit den jungen Pferden.“ Shane ließ sie vorsichtig auf das Bett nieder und setzte sich neben sie. „Reitest du gerne?“ Aimee war schlagartig wieder hell wach. Verwirrt sah sie ihn an. Shane fing daraufhin an zu lachen. „Tut mir leid. So war das nicht gemeint.“ Auch Aimee musste anfangen zu lachen. „Du musst wissen, ich besitze ein paar Pferde. Und ich wollte dich jetzt eigentlich fragen, ob du Lust darauf hast mit Mark und Kelly zusammen zu reiten?“ „Du meinst jetzt auf einem Pferd?“ „Hahaha... ja, das tue ich. Mark will schon lange, dass ich ihm ein paar Reitstunden gebe. Und wenn du möchtest...“ „Ich kann Reiten. Ich habe selber schon sechs Jahre Reitunterricht gehabt.“ „Ehrlich? Cool.“ Shane umarmte sie heftig. Das gefiel ihm wohl ganz gut. Kurz darauf sahen sich Aimee und Shane tief in die Augen und küssten sich. Noch nie war in einem ihrer Küsse so viel Leidenschaft und Lust gewesen. „Shane?“ „Ja?“ Er sah sie verliebt an. „Ich könnte aber noch in einer anderen Art von Reiten Nachhilfe gebrauchen.“ Sie zwinkerte ihm frech zu und Shane verstand sofort. Diese Chance wollte er sich nicht entgehen lassen. Küssend zog er sie zu sich auf’s Bett nach hinten...
„Sag mal, wieso bist du heute eigentlich so schlecht auf mich zu sprechen?“ Kelly war verwundert über Aimee’s Verhalten. Die beiden Mädchen waren gerade dabei ihre zwei Pferde zu satteln. Shane half Mark. „Weil ich es vielleicht nicht ganz ok fand, dass du plötzlich mitten in der Nacht in unserem Schlafzimmer standest?!“ „Ach komm schon. So schlimm war das auch wieder nicht. Hättet ihr was anderes gemacht, wenn ich nicht gekommen wäre?“ „Oja, da kannst du dir sicher sein.“ Aimee wendete sich wieder ‚Carlton Pador‘, ihrem Pferd für heute, zu. „Hey, Mädls. Alles ok bei euch?“ Shane und Mark kamen zu ihnen. „Ja, passt schon.“ Aimee war stinksauer. Kelly hatte es doch tatsächlich geschafft ihr und Shane die Liebesnacht zu verderben. „Kelly, darf ich dich was fragen?“ „Klar, immer doch, Shane.“ „Wie hast du es bitte gestern geschafft in mein Haus zu kommen? Die Türen waren alle verriegelt und die Alarmanlage eingeschaltet.“ „Die Luke des Kellerfensters war offen.“ „Du bist über den Keller eingestiegen? Kelly, so etwas nennt man Einbruch.“ „Schon gut, Aimee. So schlimm ist es ja nun auch nicht. Aber es ist gut zu wissen, was ich ab jetzt anders mache. Nämlich diese Luke schließen.“ Shane, Mark und Kelly lachten, doch Aimee war absolut nicht dazu in Stimmung. Kelly hatte es in den sechs Jahren die sie sich nun kannten das erste Mal geschafft, dass Aimee richtig sauer auf sie war. „Hallo Jungs, wie geht es euch?“ Aimee gefror das Blut in den Adern. Diese Stimme kannte sie doch nur zu gut. Sie hoffte, dass ihre Ohren ihr einen Streich gespielt hatten. Doch als sie sich umdrehte und Sandy vor ihr stand, wusste sie, dass es nicht der Fall war. Shane begrüßte sie herzlich. „Hallo Sandy. Uns geht es gut und dir?“ „Mir ging es ganz gut bis ich diese zwei laufenden Müllsäcke hier sah.“ Abwertend sah sie die zwei Mädchen an. Shane verstand dies als einen Witz und scherzte zurück. „Hey, Vorsicht. Einer dieser Müllsäcke ist immer noch meine Freundin.“ Er lachte. „Noch ja. Aber wie lange noch? Das ist die Frage.“ Sandy strich mit ihrer Hand über Shane’s Wange. „Nimm die Finger von Shane.“ „Was habe ich da gehört? Wird das kleine Kätzchen etwa aggressiv?“ Aimee konnte sich nur mit viel Kraft zurück halten. Doch als Sandy Shane einen Kuss auf die Wange aufdrückte, platze ihr der Kragen. Sie warf sie regelrecht auf Sandy und zerrte sie zu Boden. „Ahhh...Du Schlampe, geh von mir runter.“ Sandy versuchte sich zu wehren. Sie schlug wild um sich und traf Aimee dabei am Kinn. „Auu... na warte!“ Shane, Mark und Kelly konnten gar nicht so schnell reagieren, wie Aimee Sandy ein blaues Auge verpasst hatte. „Schatz, beruhig dich.“ Shane musste all seine Kraft aufwenden um Aimee von Sandy wegzubekommen. „Du Hurentocher! Das zahle ich dir noch einmal heim. Und zwar schneller als dir lieb ist. Viel Spaß noch und Hals- und Beinbruch beim Reiten.“ Wütend rauschte Sandy davon. Aimee hätte sie am liebsten auf der Stelle erwürgt. „Alles in Ordnung? Tut dein Kinn sehr weh?“ Shane streichelte vorsichtig Aimee’s Gesicht. „Nein, nein. Alles ok. Der tut sicherlich mehr weh als mir.“ „Ich fand die Einlage eben jedenfalls echt cool.“ Alle Blicke richteten sie auf Kelly. „Was schaut ihr mich jetzt alles so an? Stimmt doch.“ Auf diesen Spruch hin mussten alle lachen, selbst Aimee. „Ok, jetzt lasst uns aber mal anfangen. Aimee, vielleicht wäre es besser, wenn du mit Mark heute das Pferd tauschen würdest. ‚Carlton Clover‘ ist heute etwas zu wild drauf. Ich will deshalb nicht unbedingt Mark auf ihn drauf setzen.“ „Kein Problem. ‚Carlton Pador‘ steht fertig gestriegelt und geputzt in seiner Box und wartet nur darauf endlich los legen zu dürfen.“ Schließlich doch noch gut gelaunt machten sie sich auf den Weg zu Reithalle. Nach erneuter Kontrolle des Sattelgurtes und der Bügel ging es los. Mark und Kelly machten schnell große Fortschritte. Sie saßen bei allen Gangarten, mehr oder weniger, sicher im Sattel. Doch dann passierte etwas mit dem keiner gerechnet hatte. Auf der Nachbarswiese wurde ein Rasenmäher gestartet und ‚Carlton Clover‘ erschrack. Wie von Sinnen raste er los und Aimee hatte große Schwierigkeiten sich im Sattel zu halten. Wie wenn das nicht schon genug wäre, streifte er bei seinem ‚Rundlauf‘ das Hinterteil von ‚Carlton Pador‘. Mark hatte keine Chance das Pferd in Zaun zu halten, während Aimee ‚Carlton Clover‘ zum Stehen brachte. „Mark, halt dich fest!“ Shane’s Tip half jedoch nichts mehr, denn der Gurt von ‚Carlton Pador’s‘ Sattel riss. Zusammen mit Mark stürzte er zu Boden. Geschockt liefen Shane, Aimee und Kelly auf ihn zu. Shane rüttelte seinen Kumpel an den Schultern. „Mark, hörst du mich? Alter, mach die Augen auf. Das ist kein Witz!“ Mark jedoch machte keine Witze mehr...
„Doktor, wie geht es ihm?“ „Mr Feehily ist über den Berg. Allerdings haben wir ihn in ein künstliches Koma versetzen müssen.“ Mark war bei dem Sturz vom Pferd unglücklicherweise auf den Kopf gefallen, sodass er das Bewusstsein verloren hatte. Shane, Kelly und Aimee haben ihn daraufhin schnellst möglich ins nächste Krankenhaus gebracht. Nach der Erstuntersuchung stand fest, dass er eine starke Gehirnerschütterung hatte und möglicherweise auch eine Verletzung der Wirbelsäule vorhanden war. „Warum ins Koma?“ Kelly war völlig aufgelöst und, wie die anderen, mit den Nerven am Ende. „Wir wollen sicher gehen, dass seine Halswirbeln nicht verletzt sind. Falls dies nämlich der Fall wäre, dürfte er sich keines Falls bewegen.“ „Und damit er sich nicht bewegt schläfern sie ihn ein?“ Der Arzt lachte, doch Kelly fand es absolut nicht witzig. „Ms Jonson, ihr Freund kommt sicherlich wieder auf die Beine. Aber sie müssen uns vertrauen.“ „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Kann ich ihn sehen?“ „Ja, das können sie. Aber bitte nur eine Person und nicht länger als fünfzehn Minuten.“ „Ok.“ Kelly sah Aimee und Shane an. „Darf ich zu ihm gehen?“ „Natürlich.“ „Klar.“ Kelly verschwand im Zimmer. Shane ließ sich auf einen der Stühle im Gang nieder. „Das ist alles meine Schuld. Ich hätte den Gurt nochmals kontrollieren müssen.“ Aimee setzte sich neben ihn und legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel. „Schwachsinn. Du kannst absolut nichts dafür.“ „Doch!“ Shane schlug mir der Faust auf die Stuhllehne. „Ich wusste doch ganz genau wie...“ „Was? Was wusstest du ganz genau?“ Aimee stellte sich fordernd vor ihm auf. „Was willst du gewusst haben? Shane, du bist nicht Gott. Du hättest dieses Unglück nie verhindern können. Es war nicht deine Schuld!“ Sie setzte sich auf seinen Schoß. Er lehnte seinen Kopf an ihre Schulter. „Was würde ich nur ohne dich tun?“ „Die Frage könnte ich genauso gut dir stellen.“ „Shane! Da bist du ja. Was ist passiert?“ Bryan, Nicky und Kian kamen auf sie zugerannt. Shane erklärte ihnen alles. Er hatte große Probleme dabei die Fassung zu bewahren. „Mach dir bloß keine Vorwürfe. Das hätte jedem passieren können.“ Nicky versuchte seinen Kumpel aufzumuntern. „Danke, Nix. Ihr seit echt die...“ „Guten Tag. Sind sie Mr Filan?“ Zwei Polizisten standen plötzlich vor ihnen. Sie sahen nicht gerade freundlich aus. „Ja, das bin ich. Um was geht es?“ Einer der zwei Männer in Grün holte ein Blatt Papier hervor. „Mr Filan, gegen sie liegt ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes vor.“ „Was?“ Kian und die anderen trauten ihren Ohren nicht. „Wer will hier wen umbringen?“ Bryan verstand gar nichts mehr. Aber da war er nicht allein. „Bei uns ging ein anonymer Anruf ein, dass Mr Filan versucht hat Mr Feehily umzubringen.“ „Wegen einem anonymen Anrufes wollen sie mich einbuchten?“ „Tut mir leid, aber so sind nun mal die Vorschriften. Bis nicht ihre Unschuld an diesem, ich will es mal als Unfall bezeichnen, bewiesen ist, müssen sie in Untersuchungshaft. Wenn ich bitten dürfte.“ Der Polizist holte seine Handschellen hervor. „Die können sie wieder einpacken. Ich gehe auch so mit.“ Shane stand auf. Er zitterte am ganzen Körper. Aimee war sich nicht sicher ob es an dem Unfall lag oder an den Polizisten. Shane drehte sich noch einmal zu Aimee um. „Du weißt, dass ich unschuldig bin. Du bist die Einzige die mir helfen kann. Ich bitte dich...“ „Mach dir keine Sorgen. Ich und die Anderen holen dich da schon wieder raus. Das verspreche ich dir.“ Sie küssten sich zum Abschied. Aimee hoffte, dass der Abschied nicht für lange war. „Mr Filan, wir müssen gehen.“ „Ja, ich komme. Aimee, pass auch Kelly, Mark, Kian, Nicky und vor allem auf Bryan auf. Ich bin bald wieder zurück.“ Zusammen mit den Polizisten verschwand er im Aufzug. „Ich glaube, ich spinne.“ Aimee ließ sich auf einen der Stühle fallen. „Kopf hoch, Kleine. Das Problem lösen wir doch mit links.“ Nicky versuchte sie aufzumuntern. „Hey, Leute. Wieso seht ihr alle so aus als ob ihr auf einer Beerdigung wärt?“ Kelly war zurück. „Ihr dürft ruhig lachen. Mark geht es, den Umständen entsprechend, echt gut.“ Sie war leicht geschockt, als Aimee plötzlich zu weinen begann. „Kann mir jemand mal erklären was los ist?“ Nicky war der Einzige der Kelly zuhörte. Die anderen zwei versuchten Aimee zu trösten. „Die haben Shane gerade verhaftet wegen versuchten Mordes.“ „Das ist jetzt ein schlechter Witz, oder?“ „Nein, leider nicht.“ Aimee hob den Kopf. „Kelly, du weißt doch auch, dass er unschuldig ist.“ „Klar weiß ich das. Shane könnte doch nie einer Fliege etwas zu leide tun. Wer kommt eigentlich auf so eine bescheuerte Idee?“ „Das wissen wir nicht. Es ging ein anonymer Anruf bei der Polizei ein. Aber ich verspreche dir, genau wie ich es bei Shane getan habe, ich finde es noch heute heraus.“ Das hoffte Aimee jedenfalls...
Vier Tage später saß Aimee, wie so oft in den letzten Tagen, auf ihrem Bett in Shane’s Haus. Sie hatte es immer noch nicht geschafft Shane’s Unschuld zu beweisen. Wie denn auch? Es klingelte an der Haustür. Mit verweinten Augen öffnete sie die Tür. „Hallo, wie geht es dir?“ Kelly und Kian standen vor ihr. „Wie soll es mir schon gehen. Habt ihr was neues herausgefunden?“ Sie gingen ins Wohnzimmer. „Nein, hab ich leider nicht. Du, Kian?“ „Nicht wer der Anrufer war. Aber ich weiß, dass Shane morgen entlassen werden muss. So steht es in den Gesetzen. Hab mich etwas informiert. Wir können nicht seine Unschuld beweisen aber sie können auch nicht beweisen, dass er schuldig ist.“ Aimee riss die Augen auf. „Echt? Oh Gott, danke!“ Sie fiel Kian um den Hals. Die erste gute Nachricht seit fast fünf Tagen. „Na dann wären wir ja wieder komplett.“ Aimee verstand Kelly nicht. „Wie meinst du das? Hast du Mark etwa schon wieder vergessen?“ „Nein, wie könnte ich denn den Grund meiner schlaflosen Nächte vergessen?“ Nun war für Aimee der Zug endgültig abgefahren. Kelly wurde plötzlich nachdenklich. „Ich glaube, ich habe was vergessen.“ „Und was?“ „Dir zu sagen, dass Mark wieder in Ordnung ist und heute Abend entlassen wird?!“ „Was? Das ist nicht dein Ernst? Kelly!“ „Kann doch jedem mal passieren.“ „Ich bring dich um!“ Aimee sprang auf und rannte auf Kelly zu. Diese war jedoch schnell genug um zu entkommen. Sie flüchtete aus dem Zimmer. Aimee setzte sich neben Kian. „Ihr seit mir zwei.“ Er lachte. „Wieso? Ich dreh hier fast durch und sie...“ „Schon gut. Ich versteh dich schon. Du musst es mir nicht erklären. Ich hätte wohl genauso reagiert.“ „Aja.“ Aimee sah in ungläubig an. „Echt, das kannst du mir glauben.“ Er lachte erneut und nahm Aimee’s Hand. Ihr war das nicht ganz geheuer. Schon der Gedanke daran, dass er mit Sandy zusammen war... „Aimee, du musst wissen, dass ich mich echt für dich und Shane freue. Er ist einer meiner besten Freunde. Denk bitte immer daran. Egal was du jemals hörst oder was passiert. Bitte versprich mir das.“ Aimee tat es. Sie wusste zwar nicht wieso das so wichtig für ihn war, aber das war ihr diesem Augenblick egal. Sie war in diesem Moment viel zu sehr von Kian fasziniert. Er war plötzlich wie eine andere Person und Aimee musste zugeben, dass sein Äußeres sie auch nicht unbedingt abschreckte. „Wieder beruhigt?“ Kelly stand hinter ihr „Ja. Sag mir aber das nächste Mal eher bescheid, du Nudel.“ „Kann ich machen.“ „Na los Mädls. Holen wir Mark wieder nach Hause.“ Zusammen fuhren sie in Kian’s Auto zum Krankenhaus. „Kelly!“ Mark umarmte seine Freundin kräftig, als sie sein Zimmer betraten. „Na Dicker, wie geht’s?“ „Super. Ok, ich hab einen ziemlichen Brumschädl. Aber der Arzt sagt, dass das normal ist. Wie geht es euch?“ Er sah Aimee an. Diese wendete jedoch ihren Blick ab. „Ist ja auch egal. Ich will endlich raus hier.“ „Das kenne ich.“ „Was?“ „Dieses Gefühl so schnell wie möglich aus einem Haus herauszukommen, oder Aimee?“ „Ja, stimmt.“ Lachend verließen sie das Gebäude. Für Aimee war es seit vier Tagen das erste Mal, dass sie wieder lachte. Am nächsten Tag fuhr sie um sieben Uhr mit Kelly, Mark und Nicky zur Polizeistadion. Sie mussten einige Zeit vor verschlossener Tür warten, da diese erst um halb acht Uhr öffneten. Aimee bestand jedoch darauf so früh wie möglich dort zu sein. Am liebsten hätte sie wohl vor dem Gebäude übernachtet. Kelly war beleidigt. Sie regte sich fürchterlich darüber auf, dass Aimee ihr eine halbe Stunde Schlaf gestohlen hatte. Aimee’s Antwort, ‚wenn du sonst keine Probleme hast‘, brachte sie jedoch zum Schweigen. „Sie wollen sicherlich Mr Filan abholen? Folgen sie mir doch bitte.“ Ein Polizist führte sie zu der Zelle in der Shane die letzten Tage verbracht hatte. Der Mann öffnete die Stahltür und Aimee war geschockt und zugleich belustigt über Shane’s Aussehen. Gepflegt nannte man das wirklich nicht mehr. Ein Dreitagesbart wucherte in seinem Gesicht und die Haare hatten auch mal wieder eine Wäsche nötig. „Na, na, Sha.. So gewinnst du sicherlich keinen Schönheitswettbewerb.“ Nicky drückte seinen Kumpel an sich. „Echt witzig, Nix. Ich wäre dir echt dankbar gewesen, wenn du vielleicht mal daran gedacht hättest, mir Klamotten, Rasierer und das ganze Zeug zu bringen.“ „Ups, vergessen.“ „Ähmmm... dürfte ich jetzt auch mal?“ Aimee tippte Nicky an der Schulter an. Dieser ging daraufhin zu Seite. „Aimee! Oh Gott, wie sehr habe ich dich vermisst!“ Er küsste sie und Aimee musste lachen. Die Bartstopseln kitzelten sie. „Versprich mir eins. Dieser Wildwuchs kommt daheim wieder weg.“ „Natürlich, was denkst du denn?“ Zusammen mit den anderen fuhr er nach Hause. „Hat eigentlich jemand etwas über diesen anonymen Anruf herausgefunden, während ich diesem fünf Sterne Hotel meinen Urlaub genossen habe?“ „Nein, leider nicht.“ Aimee legte ihren Kopf an Shane’s Schulter und hörte gespannt bei dem Gespräch zwischen Nicky, Shane und Kelly zu. Sie wollte nur zu gern wissen wer zu so etwas in der Lage war. Die Anderen hatten jedoch auch keinen blassen Schimmer. Jedenfalls bis jetzt noch nicht...
Aimee öffnete die Augen. Sie lag immer noch auf der Couch im Wohnzimmer, auf der sie letzte Nacht, Arm in Arm mit Shane, eingeschlafen war. Jedoch war Shane nicht mehr da. Sie suchte ihn und fand ihn schließlich am Esszimmertisch sitzend. Er hielt eine Tasse Kaffee in der Hand und sein Baseballcap hatte er tief ins Gesicht gezogen. Aimee ging auf ihn zu um ihm einen gute-morgen-Kuss zu geben. „Guten Morgen. Gut geschlafen?“ Sie beugte sich zu ihm hinab, doch er wich ihr aus. „Was ist los?“ Er antwortete ihr nicht. „Hast du einen Frosch verschluckt oder warum...?“ „Wir müssen reden.“ Er unterbrach sie. Aimee gefiel der Unterton in seiner Stimme nicht. Sie versuchte jedoch sich nichts anmerken zu lassen. Sie setzte sich auf den Stuhl neben ihm. „Dann schieß mal los.“ „Warum hast du das getan?“ Er sah sie nicht an, sondern starrte in die leere Kaffeetasse. „Warum soll ich was getan haben? Sorry, aber ich weiß nicht was du von mir willst?“ Er stand auf, ging zum Fenster hinüber und sah hinaus. „Wieso hast du mich betrogen?“ Aimee fiel beinahe vom Stuhl. Was sagte Shane da eben?“ „Wie... was..? Ich...“ „Ich bekam vor einer Stunde einen Anruf. Die Person am anderen Ende der Leitung hat mir alles erzählt.“ „Was hat sie dir erzählt?“ Aimee verstand nichts mehr. „Du hast mir nie gesagt warum du von dem Internat geworfen worden bist.“ „Natürlich habe ich das.“ „Nein, hast du nicht. Du hast mir nie etwas darüber erzählt, dass...“ Er hielt inne und stellte die Tasse ab. Aimee stand auf. „Was habe ich dir nie erzählt? „“Das du mich mit Mark betrogen hast.“ Bei diesen Worten drehte er sich um. Aimee erschrack, als sie seine Augen sah. Sie waren wie tot. Es war nichts mehr von der Wärme vorhanden, die sie sonst in ihnen fand. „Wer hat angerufen?“ „Gibst du es jetzt endlich zu?“ „Gott, nein! Shane, ich habe dich nie betrogen. Das war sicherlich wieder der Spinner der dich einsperren hatte lassen.“ „Nein, denn die Person am Telefon kannte ich.“ „Wer war es?“ „Das ist doch völlig egal. Wie konntest du mir das nur antun? Ich habe dir vertraut. Ich dachte du bist anders als der Rest der Mädchen die ich kenne.“ Aimee war den Tränen nahe. „Ich habe dich nicht...“ „Das hast du schon einmal gesagt.“ Er drehte sich um um das Zimmer zu verlassen. „Shane“ Wieso sollte ich das tun? Ich liebe dich!“ Shane blieb stehen. Erst nach einiger Zeit drehte er sich um. Er hatte ebenfalls Tränen in den Augen. Langsam ging er auf Aimee zu und blieb einen Meter vor ihr stehen. „Du liebst mich?“ Er sah ihr tief in die Augen, fest davon überzeugt, dass sie lügte. „Ja, ja! Das tue ich. Gott, ich liebe dich so sehr!“ Shane stand wie angewurzelt vor ihr. Nun war er völlig ratlos. „Shane, ich würde so etwas nie tun. Mark ist Kelly’s Freundin und schon deshalb lasse ich die Finger von ihm. Ich würde nie meiner besten Freundin den Freund ausspannen. Und, Gott, ich liebe dich, Shane. Nur dich und nicht Mark oder irgend jemand anders.“ Shane ging auf Aimee zu und umarmte sie. Aimee fing an zu weinen. „Es tut mir leid, es tut mir so leid. Aimee, bitte verzeih mir. Wie konnte ich es nur glauben.“ Er hob ihr Kinn. „Ms Brown, meine Aimee. Mein Schatz, mein Engel, mein Ein und Alles.“ Aimee musste etwas lachen. „Aimee, ich liebe dich. Ich tue es schon so lange und habe mich nie getraut es dir zu sagen. Ich...“ Aimee hielt ihm einen Finger vor den Mund. „Worte sind nicht wichtig, Shane. Ich bitte dich nur darum mir in Zukunft zu vertrauen.“ „Das tue ich. Das habe ich schon immer getan. Nur diese Anruf...“ „Shhhh... Ich verstehe dich.“ „Oh Aimee.“ Sie küssten sich und holten so ihr Vertrauen wieder zurück. Doch würde es für die kommenden Ereignisse ausreichen?
„Sonst hat er ja keine Probleme, oder?“ Kelly regte sich fürchterlich über Shane auf. Die zwei Mädchen saßen in einem Caffee und aßen zwei Eisschokoladen. „Ich hätte genau so reagiert, wenn mir das jemand erzählt hätte.“ „Ja, ja. Wer’s glaubt. Wie hättest du wohl reagiert, wenn dir der Mensch am Apparat erzählt hätte, dass Shane zum Beispiel deine Mutter umgebracht hat?“ „Das hat zwar damit gar nichts zu tun. Aber wenn du es wissen willst. Ich wäre ihm dankbar um den Hals gefallen.“ „Ok, das war wohl ein blödes Beispiel. Sagen wir...“ „Ach vergiss es doch, Kelly. Die Sache ist Schnee von Gestern. Lass uns lieber shoppen gehen.“ Au ja. Das nenne ich doch mal eine gute Idee.“ Sie zahlten und verließen das Caffee. Drei Stunden später machten sie sich vollgepackt auf den Weg nach Hause. „Wieso willst du kein Taxi nehmen? Ich schleppe mich hier noch zu tode.“ „Du schaffst das schon, Kelly. Und ich will einfach mal etwas an der frischen Lust sein. Es sind nur noch dreihundert Meter zu Mark’s Haus. Das wirst du schon überleben.“ „Haben dir die letzen Stunden etwa nicht gereicht?“ „Kelly, die letzten drei Stunden habe ich damit verbracht dir von einem Modegeschäft ins nächste hinterherzurennen.“ „Haha! Sehr ... ach nein. Nicht jetzt.“ Es fing plötzlich an aus allen Eimern zu Regnen. Aimee und Kelly rannten um ihr Leben. Kelly wohl eher um ihr neu erstandenes ‚Modenhaus‘. Da Shane’s Haus etwas weiter weg war als Mark’s musste Aimee noch gut hundertfünfzig Meter länger durch den Regen laufen. Endlich daheim angelangt ließ sie die Einkaufstüten im Flur fallen um sich von den nassen Klamotten zu befreien. „Nimm den hier. Der ist trocken und schön warm.“ Shane stand im Türrahmen zum Wohnzimmer und hielt ihr einen Bademantel entgegen. Aimee nahm ihn danken an. Erschöpft ließ sie sich auf die Couch fallen. Shane setzte sich neben sie und strich ihr eine Strähne ihres nassen Haares aus der Stirn. „Ist dir kalt?“ Er zog sie an sich. „Hmmm...“ Aimee schloss die Augen. Wie sehr liebte sie diese Augenblicke zusammen mit Shane. Wie sehr liebte sie Shane. „Hast du heut schön mein hart verdientes Geld ausgegeben?“ Aimee richtete sich wieder auf und versuchte beleidigt auszusehen. „Gib es auf, Aimee. Schauspielern kannst du nicht.“ Sie streckte ihm die Zunge heraus und stand auf. Shane wollte sie jedoch nicht ohne weiteres gehen lassen. „Nicht so schnell, junge Dame. Ich bin dafür verantwortlich, dass du nicht frierst. Und du hast gerade selbst gesagt, dass du es tust. Also muss ich was dagegen unternehmen.“ Ohne Vorwarnung hob er sie hoch über seine Schulter. „Shane, lass das. Hör auf und lass mich runter.“ „Nope! Erst will ich dafür sorgen, dass dir wieder warm wird.“ „Und wie willst du das bitte anstellen?“ „Vielleicht sperre ich dich in den Heizraum. Oder ich stelle dich unter eine heiße Dusche. Oder noch besser...“ Er öffnete die Tür zu ihrem Schlafzimmer. „Oder ich wärme dich mit meinem Körper.“ Er ließ sie auf dem Bett nieder. „Ich wäre für den Heizraum.“ Lachend zog sie Shane zu sich auf’s Bett und küsste ihn. Shane spielte mit Aimee’s Lippen und ihrer Zunge und steigerte so seine Lust ins unermessliche. Langsam schob er eine Hand unter den Bademantel. „Ihhh... Shane. Du bist ja eiskalt.“ Aimee lachte. „Wart’s ab. Die wird noch schnell genug heiß.“ Aimee sagte nichts. Sie zog Shane noch näher zu sich und ließ ihre Hände auf seinem Rücken auf und ab gleiten. „So wird aber eher mir warm als dir.“ Shane lächelte sie an. „Keine Sorge, Mr Filan. Mir ist sicherlich nicht mehr kalt.“ „Ach nein? Dann brauchst du den jetzt ja auch nicht mehr.“ Er küsste sie wieder und zog ihr dabei vorsichtig den Bademantel aus. Aimee lachte. „Was ist los?“ „Jetzt wäre wieder der perfekte Augenblick für Kelly ins Zimmer zu stürmen.“ „Keine Sorge, ich habe die Türe abgeschlossen. Wir sind vollkommen ungestört.“ „Gut.“ Wieder folgten leidenschaftliche Küsse. Mit einem Zug zog Aimee Shane das T-Shirt aus und warf es achtlos auf den Boden. Langsam machte sie sich daran ihm seinen Gürtel und die Hose zu öffnen. Nachdem auch seine Jeans neben seinem Oberteil lag war nicht mehr zu übersehen, wie sehr sie sich gegenseitig wollten. Shane ließ seine Arme auf Aimee’s Körper auf und ab gleiten. Er liebkoste ihren Bauch mit Küssen und Aimee gab ihm durch leises stöhnen zu verstehen, dass ihr gefiel was er da tat. Vorsichtig öffnete er denn Verschluss ihres BH’s und ließ ihn über ihre Arme gleiten. Er warf ihn zu den anderen Sachen und küsste die Stelle, die eben noch von dem schwarzen Stück Stoff verdeckt war. „Shane?“ „Ja?“ Sie sahen sich tief in die Augen. „Ich lieb dich so sehr.“ „Und ich dich erst. Dafür gibt es keine Worte mehr.“ Shane’s und Aimee’s Augen strahlten um die Wette. „Oh Shane...“ Aimee stöhnte, als Shane ihren Nacken küsste und ihr dabei ihren Slip auszog. Aimee zog sein Gesicht zu sich hoch und küsste ihn voller Leidenschaft. Schließlich zog auch sie ihm seine Boxershort aus. Dann, nach weiteren heißen Küssen auf Körper und Lippen, verschmolzen sie plötzlich miteinander. „Shane...“ Es war nur noch ein leises Hauchen und doch sagte es genau aus was sie fühlte. Sie bewegten sich erst langsam und schließlich immer schneller miteinander, bis Beide ein lautes Stöhnen von sich gaben. Shane legte seinen Kopf auf Aimee’s Brust. Sie mussten Beide erst wieder zu Atem kommen. Shane drehte sich zur Seite und zog Aimee in seine Arme. Es waren keine Worte mehr nötig um zu zeigen wie glücklich sie waren. Und nun war Aimee wirklich nicht mehr kalt...
Der folgende Tag war regnerisch und trist. Aimee’s Laune war nicht gerade die Beste. Sie saß allein, in eine Decke eingehüllt, vor dem Kamin. Sie hatte sich so auf kuschelige Stunden zusammen mit Shane gefreut. Doch wurde dieser vor dreißig Minuten von Kian angerufen, er soll sich auf den Weg zu dem Hotel ‚Balar‘ machen, das sich etwa dreißig Kilometer außerhalb von Sligo befand. Sie wollten mit Louis über die nächsten Termine reden. Vorm Haus tobte ein Sturm der die Atmosphäre im Haus drückte. Aimee saß reglos auf der Couch. Sie hatte Gewitter noch nie leiden können. Es lief ihr eiskalt den Rücken runter, als plötzlich das Licht ausging. „Ach nein. Was soll das denn jetzt? Einen Stromausfall kann ich nun wirklich nicht gebrauchen.“ Sie suchte in den Schubladen nach einer Kerze und wurde nach kurzer Zeit fündig. „Gott sei Dank ist Shane so ein hoffnungsloser Romantiker, der immer für Kerzenlicht sorgen könnte.“ Aimee lächelte und zündete die Kerze an. Mit etwas weichen Knien machte sie sich auf den Weg in den Keller, um den Sicherungskasten zu kontrollieren. „Oh man, jetzt habe ich seine Schwachstelle gefunden. Shane geht wohl auch nicht gerne hier runter. So wie es hier aussieht.“ Aimee musste sich durch ein Chaos an herumliegenden Sachen schlängeln. Alte Möbel, Spielsachen, Ordner, leere Kisten... alles stand mitten im Raum verstreut umher und Aimee hatte große Schwierigkeiten sich nicht flach auf die Nase zu legen. „Wenn der Herr wieder zurück ist, räume ich mal ordentlich hier mit ihm auf. Das ist ja... ahhh...“ Einmal nicht aufgepasst, schon lag sie auf dem kalten Steinboden. Die Kerze flog ihr aus der Hand und erlosch. „Na toll. Ich breche mir hier noch alles.“ Wütend stand sie auf und tastete sich an der Wand nach oben. Im Dunkeln würde sie den Sicherungskasten nie finden. Zurück im Hausflur rieb sie sich ihr Knie. Sie hatte es sich bei dem Sturz aufgeschlagen. „Oh man... das tut weh. Shane, das wird teuer.“ Humpelnd wollte sie zurück ins Wohnzimmer gehen. Dort war es, dank des Kaminfeuers, wenigstens etwas hell. Sie fuhr zusammen, als zwei Hände sie von hinten packten. „Ahhh... Hilfe!“ Plötzlich musste sie jedoch zu Lachen anfangen. „Sehr witzig, Shane. Du kannst mich jetzt wieder loslassen. Heute läuft sicherlich nichts mehr. Erst einmal darfst du mein Knie verarzten. Denn dank deiner...“ „Sei still!“ Aimee schrack zusammen. Das war sicherlich nicht Shane. „Wer... wer... wer sind sie?“ „Sei still und geh endlich.“ Der Mann drückte Aimee etwas hartes in den Rücken. „Gehen wir ins Wohnzimmer.“ Ohne Widerstand machte sie, was er wollte. „Setz dich hin.“ Sie nahm auf einem der Stühle im Zimmer platz, während der Mann damit anfing sie zu fesseln. „Was wollen sie eigentlich von mir? Nehmen sie sich was sie wollen aber lassen sie mich doch bitte in Ruhe.“ Aimee flehte ihn an. Noch nie in ihrem Leben hatte sie so große Angst gehabt. „Sei still. Ich will nichts stehlen.“ „Gott! Was wollen sie dann?“ Es trat Stille ein. Erst nach gut zwei Minuten beugte er sich zu ihr hinunter zu ihrem Ohr. „Ich will dein Leben.“ Aimee wurde schlecht. Ihr Kopf begann zu dröhnen und alles drehte sich. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. „Wa...?“ Sie konnte nicht mehr sprechen. Ihre Kehle war wie zugezogen. „Warum? Ganz einfach, du störst.“ Aimee war fassungslos. Sie konnte nicht glauben, was sie hörte. „Ich störe sie? Bitte, wieso?“ Ihre Angst war plötzlich in Wut umgeschlagen. „Du störst nicht mich, sondern jemand anders. Und jetzt hör auf so blöde Fragen zu stellen.“ Nun hatte wohl der Mann mehr Angst als Aimee. Jedoch nur so lange, bis er ihr die Waffe an die Schläfe hielt. „Bitte, lassen sie mich in...“ „Kian? Was machst du mit Aimee?“
Kian erschrack als Nicky, Mark, Kelly und Bryan plötzlich im Zimmer standen. Nicky ging auf ihn zu. „Sag mal, du hast schon noch alle Tassen im Schrank? Nimm endlich die Waffe runter.“ Doch Kian dachte gar nicht daran. „Nein, ich muss noch zu Ende führen, was mir befohlen worden ist.“ „Du bist also schon so tief gesunken, dass du dir von anderen vorschreiben lässt was du zu tun hast?“ „Sei still, Nicky.“ „Tief ist gar kein Ausdruck. Der Zwerg ist ja kaum größer als mein Mülleimer. Der muss sich beim Pinckeln doch auf einen Barhocker stellen.“ „Noch so ein Spruch – Kieferbruch, Bry.“ Bryan lachte über seinen Witz, was Kian noch aggressiver machte. „Bryan, ich schwöre dir...“ „Kian, was ist denn eigentlich los?“ Kelly ging ein paar Schritte auf ihn zu. „Warum tust du so etwas?“ „Minderwertigkeitskomplexe.“ „Bryan, sei still!“ Kian, Kelly, Mark und Nicky schnauzten ihn gleichzeitig an. „Sorry.“ Schuldbewusst sah er zu Boden. „Kian.“ Kelly wandte sich wieder an ihn. „Wie kannst du Aimee das antun? Weißt du nicht mehr, was du mir vor gut einer Woche gesagt hast?“ Kian ließ die Waffe zu Boden sinken. „Bitte sag nichts, Kelly. Ich...“ „Ich sage nichts. Versprochen ist versprochen. Aber bitte lass endlich Aimee los.“ Kian nickte und band sie los. Aimee wollte zu den anderen gehen, doch ihre Knie gaben nach. Kian fing sie auf. Entsetzt sah sie ihn an. „Aimee, ich... es tut mir so leid. Ich weißt nicht wie ich das tun konnte. Bitte verzeih mir.“ Er hatte Tränen in den Augen und Aimee wusste, sie konnte ihm unmöglich böse sein. „Schon gut. Aber sag mir bitte wer die das angeschafft hat.“ Kian sah sie an und sein Blick war plötzlich angsterfüllt. „Oh Gott.“ „Was ist denn?“ Aimee war besorgt. „Sag schon. Wer wollte das?“ Kian nahm Aimee’s Hand. „Sandy. Es war Sandy. Und Shane...“ Er hielt inne und sah Hilfe suchend um sich. Aimee ahnte schreckliches. „Was ist mit Shane? Kian, sag schon.“ Sie rüttelte ihn an seinen Schultern. „Er... Sandy wollte ihn...“ „Kian, nun sag schon.“ „Shane ist bei Sandy. Sie will...“ Er konnte nicht weiter sprechen. Sein Blick war leer und Aimee wusste was los war. „Wo sind sie?“ „Im Hotel ‚Balar‘. Aimee ich...“ „Wir müssen dort hin, sofort!“ Keiner rührte sich. Alle sahen nur bedrückt zu Boden. „Was ist los? Wir müssen zu Shane. Wir müssen ihm helfen.“ Aimee war außer sich. „Das bringt nichts mehr, Aimee.“ „Wieso? Kian, nun sag endlich was sie vor hat.“ „Sie will ihn töten. Und sie zieht das auch durch.“ Aimee’s Kopf drehte sich. Wie konnten sie alle nur hier rumstehen und nichts tun? Bryan ging auf sie zu und nahm sie in den Arm. „Sie ist sicherlich nicht mehr im Hotel. Wir würden sie nie finden. Aimee, es tut mir leid, aber wir können nichts tun.“ Heiße Tränen liefen über Aimee’s Wangen. Sie konnten doch nicht einfach hier sitzen, Däumchen drehen und abwarten was passiert! Sie riss sich von Bryan los. „Nein, nein! Wir müssen ihm helfen. Wir müssen ihn suchen.“ „Könntet ihr mit dem Gewissen leben nichts unternommen zu haben?“ Kelly ging zu Aimee und nahm ihre Freundin in die Arme. Aimee war völlig am Boden zerstört. „Nein, das könnte ich nicht.“ „Ich auch nicht.“ Schließlich waren sich alle einig. Zehn Minuten später machten sie sich in Nicky’s und Kian’s Auto auf die Suche. Sie hatten wenig Hoffnung Sandy und Shane noch zu finden. Würden sie es dennoch schaffen?
„Ahhh... Nicky! Was soll das?“ Er machte eine Vollbremsung als sie gerade dabei waren den Wald zu durchqueren, der aus Sligo hinaus führte. „Das war Shane’s Auto.“ Er wendete und fuhr gute zweihundert Meter zurück. Kian hinter ihm tat es ihm gleich. Sie stiegen aus und begutachteten das Auto. „Gute Augen, Nix. Wir wären sturr daran vorbeigefahren.“ Bryan klopfte seinen Freund auf die Schultern, währen Aimee in den Wald hinein lief. „Hey, Aimee. Wo willst du hin?“ Die Anderen liefen ihr hinterher. „Shane suchen. Was denn sonst?“ Sie liefen gute zehn Minuten irr durch den Wald, wobei immer wieder einer von ihnen unbequeme Bekanntschaft mit dem Boden machte. „Nicky, erinnere mich daran, dass ich diesen Wald noch morgen abholzen lasse. Verdammt tut das weh.“ Bryan rieb sich sein Knie. „Ich verkaufe das Holz dann wieder und...“ „Shhh... Bry. Sei mal still.“ Kian hatte etwas gehört, eine Stimme.“ „Was ist, Alter?“ „Ich glaube, ich habe Sandy...“ „Shane!“ Aimee rannte los, als ob sie vom Teufel höchstpersönlich verfolgt worden wäre. „Bleib hier!“ Bryan packte sie am Arm und hielt sie mit Gewalt zurück. „Lass mich.“ Sie schlug wild um sich und traf Bryan dabei an seiner empfindlichsten Stelle, der sie daraufhin sofort los ließ. „Irgend jemand hat heute was gegen mich. Wieso bekomme ich...“ „Oh Gott, Shane!“ Aimee’s Stimme halte durch den Wald. Alle rannten zu ihr und sahen, wieso sie so erschrocken war. Das Bild das sich ihnen bot war schrecklich. Sandy hatte Shane an einen Baum gefesselt und stand nun mit einer Pistole vor ihm. Sie redete ständig wildes Zeug. Shane hing leblos in den Seilen. Er rührte sich nicht mehr. „Shane!“ Aimee weinte und Bryan hatte große Schwierigkeiten sie zurück zu halten. Erst jetzt bemerkte Sandy sie. „Was... was macht ihr hier?“ Sie war verwirrt und nicht mehr ganz bei Sinnen. Sie stand starr vor ihnen, die Pistole immer noch auf Shane gerichtet. „Shaaaaaane!“ Aimee schrie verzweifelt um sich, als Shane plötzlich den Kopf hob. „Aimee...“ „Er lebt noch?“ Kian stand verwundert neben Nicky. „Ja, bist du etwa nicht froh darüber?“ Nicky sah in misstrauisch an. „Gott, natürlich!“ Tränen schossen ihm in die Augen. „Er ist mein bester Freund. Natürlich bin ich...“ „Shane! Bryan, lass mich endlich los.“ Aimee wollte zu Shane. Ihm helfen, ihn in ihre Arme schließen, bei ihm sein. „Sei still du Schlampe!“ Sandy fauchte sie an. „Du bist an all dem hier schuld.“ Aimee sah sie verwundert an. „Du, du bist plötzlich aufgetaucht und hast mir Shane weggenommen. Er gehörte mir.“ „Ein Mensch kann niemanden gehören.“ „Doch! Shane war Mein. Vor ein paar Wochen hätte ich es auch fast geschafft. Und dann, und dann kamst du. Du hast ihn mir weggenommen!“ „Sandy.“ Shane versuchte zu sprechen. Doch er hatte große Probleme dabei. „Du bist doch mit Kian zusammen. Du liebst doch ihn.“ „Kian? Niemals! Ich habe ihn nur dafür benutzt um in deiner Nähe sein zu können. Ich war nie an ihm interessiert. Er ist doch in allem die totale Flasche.“ Aimee spürte, wie Kian sich im Stoff ihres Pullovers festkrallte. „Er war nützlich um bei dir sein zu können. Aber ihn lieben? Niemals!“ Kian ging ein paar Schritte vor. „Du bist falsch, Sandy. Du bist einfach nur falsch.“ „Ach sei doch still, du Zwerg.“ „Sandy, hör mir zu.“ Shane versuchte die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. „Kian hat dich geliebt.“ „Nein, das habe ich nicht.“ Kian hob den Kopf. „Wie schnell man doch zur Vernunft kommt. Ich habe sie nie geliebt.“ „Sei still!“ Aimee versuchte sich inzwischen loszureissen. Doche gegen Bryan, Nicky, Mark und Kelly hatte sie keine Chance. „Shane, du hast mich doch geliebt, kurz bevor diese kleine Hure aufgetaucht ist. Gib es zu.“ „Nein, Sandy. Das habe ich nie.“ „Doch, doch, das hast du.“ Sie fuchtelte wild mit der Waffe herum. „Ich habe es in deinen Augen gesehen. Damals, als du mir von dem Funpark erzählt hast.“ „Du kannst Liebe in meinen Augen gesehen haben. Aber dann war es die Liebe für Aimee. Denn in dem Park habe ich sie kennengelernt. Sandy, ich habe noch nie etwas für dich empfunden.“ „Doch.“ Sandy’s Stimme wurde leiser und sie sah zu Boden. „Doch, bitte, doch.“ „Nein, nie.“ Sie hob den Kopf und richtete die Waffe erneut auf Shane. „Wenn das so ist, dann gibt es ja keinen Grund mehr, dass du noch länger hier auf dieser Welt bist. Verabschiede dich.“ „Sandy, nein!“ Kian baute sich vor Shane auf. „Geh weg du kleiner Spinner.“ „Nein. Du musst erst mich erschießen, bevor du Shane erledigen kannst.“ „Kian, geh weg.“ Sandy war wütend und enttäuscht. Nicht mehr in der Lage ihr Verhalten zu kontrollieren. „Nein, ich gehe hier nicht weg.“ „Na gut. Wenn du es nicht anders haben willst. War ganz schön dich kennengelernt zu haben.“ Ein Knall ging durch den Wald und Kian sank langsam zu Boden. Aimee riss sich los. „Kian, NEEIIIIIN!“
Nicky kniete sich vor seinem Freund nieder und legte Kian’s Kopf auf seinen Schoß. „Ki, kannst du mich hören?“ Kian öffnete die Augen. „Hey, Alter. Mach ja keinen Scheiß. Wir brauchen dich noch.“ Aimee und die Anderen knieten, bzw. standen nun ebenfalls bei ihm. Sandy stand immer noch ein paar Meter von ihnen entfernt, mit der Waffe in der Hand. „A-Aimee.“ Kian suchte ihren Blick. „Ja?“ Ihr liefen heiße Tränen über die Wangen. „Du musst mir etwas versprechen.“ Er musste nach jedem Wort Luft holen. „Du wirst mit Shane glücklich. Hörst du? Lass ihn nie wieder los. Er hat dich verdient.“ Er zucke vor Schmerzen. „Aimee, du bist etwas ganz Besonderes.“ Kian drehte seinen Kopf und sah Kelly an. „Ich habe dir etwas anvertraut und du hast mir versprochen, dass...“ „Kian, ich halte es. Versprochen ist versprochen.“ Er nickte leicht. „Jungs, ich...“ Ihm liefen nun ebenfalls Tränen über sein Gesicht. „Ich danke euch für alles. Ihr seit die besten Freunde dich man sich nur wünschen kann. Ich habe, dank euch, die Chance gehabt meinen Traum zu leben.“ Er musste husten. „Kian...“ „Schon gut, Nix. Mein Leben war vielleicht etwas kurz. Aber es war das Schönste das man sich nur vorstellen kann. Dank euch.“ „Rede nicht so einen Scheiß, Kian. Du lässt uns hier nicht allein. Hörst du?“ Kian lächelte gequält und wendete seinen Blick erneut auf Aimee. „Werde, werde glücklich, Aimee. Werde glücklich zusammen mit Shane.“ Kian schloss die Augen – für immer. „Kian, nein, bitte nicht.“ Aimee stand auf, den Blick zu Boden gerichtet. „Hast du nun erreicht was du wolltest?“ Sie wandte ihren Kopf in Richtung Sandy. Diese stand immer noch bewegungslos an der Stelle, an der sie von Anfang an gestanden hatte. Jedoch zitterte sie. „Hast du nun erreicht was du wolltest? Gib mir endlich eine Antwort!“ Aimee schrie sie an. Sie zitterte nun ebenfalls. „Ich wollte...“ „Du wolltest viel zu viel, Sandy.“ „Nein, ich will nur Shane!“ Sie richtet erneut die Waffe auf ihn. „Liebe kann man nicht erzwingen.“ Bei diesen Worten stellte sie sich vor Shane. „Aimee, geh weg.“ „Nein, Shane. Bevor sie an dich herankommt muss sie erst mich besiegen.“ „Geh weg, du...“ „Ich, was? Na los, sag schon.“ „Ich will mit Shane glücklich werden. Und wenn ich dich dazu umbringen muss.“ „Tolle Leistung! Ich dachte, du willst Shane umbringen?“ Aimee merkte, dass Sandy nicht mehr bei Sinnen war. „Dann erledige ich euch eben Beide. Wenn ich Shane nicht für mich haben kann, dann soll er niemanden gehören.“ „Mach ruhig. Bring uns Beide um. Aber bedenke, dass Shane und ich uns dann wieder im Jenseits treffen. Sandy, egal was du tust, du wirst nie glücklich mit ihm.“ „Dann erschieße ich dich und lass ihn am Leben.“ „Dann hast du zwei Menschen umgebracht. Du kommst ins Gefängnis und wirst hinter Gittern alt. Ohne Shane! Obwohl du das eh schon tust. Du hast Kian umgebracht.“ Sie deutete auf den leblosen Körper in Nicky’s Armen. „Das wollte ich doch nicht. Ich... ich...“ Sie stolperte ein paar Schritte rückwärts und rutschte an einen Baum hinunter zu Boden. „Es tut mir leid. Es... ich...“ „Hände hoch und lassen sie die Waffe fallen!“ Fünf Polizisten standen plötzlich bei ihnen. Alle hatten die Pistolen auf Sandy gerichtet. Diese warf ohne Widerstand die Waffe weg. Ein Mann in Grün legte ihr Handschellen an und wollte sie abführen. „Warten sie!“ Aimee ging ein paar Schritte auf sie zu. „Sandy, ich weiß wie du dich fühlst. Ich kenne das Gefühl immer allein zu sein. Aber bitte sage mir, warum hast du mich vom ersten Tag an in der Schule gehasst?“ Sandy drehte ihren Kopf zu Aimee. „Ich weiß es nicht. Es tut mir leid.“ „Ich kann dir nicht verzeihen.“ „Das ist mir klar. Aimee...“ Sandy sah ihr tief in die Augen. „Du hast Kian ein Versprechen gegeben. Bitte breche es nicht.“ Der Polizist ging mit Sandy davon. Und Aimee sah ein letztes Mal die Frau, die beinahe ihr Leben zerstört hätte.
Vier Tage später standen alle am Friedhof von Sligo. Es war Kian’s Beerdigung.
Es waren alle gekommen. Bryan’s Frau, Kerry, stand neben ihm. Ihre zwei Kinder
hatten sie bei Oma und Opa gelassen. Georgina stand neben Nicky. Aimee tat es
fürchterlich weg, dass erst so etwas schreckliches passieren musste, dass
sie alle kennenlernte. „Wir wollen uns nun von Kian Egan verabschieden.“ Der
Priester erhob das Wort. „Er war für alle von uns ein guter Freund. Er
war stets zur Stelle, wenn man ihn brauchte. Kian wurde durch eine schreckliche
Tat aus unserer Mitte gerissen. Doch werden wir ihn niemals vergessen, denn
er besitzt von jedem von uns einen kleinen oder auch größeren Teil
des Herzens.“ Der Sarg wurde vorsichtig in das dunkle Loch in der Erde gelassen.
Aimee konnte nicht glauben, dass darin Kian lag. Sie hatte doch noch vor kurzer
Zeit mit ihm gescherzt und gelacht. Sie fing an zu weinen. Und erst jetzt bemerkte
sie, dass jedem Tränen über das Gesicht liefen. „Asche zu Asche, Staub
zu Staub. Aus Erde bist du erstanden, zur Erde kehrst du zurück.“ Der Priester
warf schwarze Erde auf den Sarg. Und nacheinander warfen alle Anwesenden weiße
Rosen ins Grab. Nur eine Rote stach heraus. Sie war von Aimee. Sie wollte ihm
besonderen Danke erweisen und ihm zeigen, dass er für immer in ihrem Herzen
sein würde. „Wir werden dich vermissen und niemals vergessen, Kian. Amen.“
Der Priester beendete die Zeremonie und Aimee sah selbst in seinen Augen Tränen.
Kian war für jeden Bewohner von Sligo ein sehr guter Freund gewesen, selbst
für den Pfarrer. Aimee verließ mit den anderen den Friedhof. „Alles
klar?“ Kelly hatte ihr eine Hand auf die Schulter gelegt. „Ja, denke schon.“
Kelly blieb stehen. „Was ist?“ Aimee tat es ihr gleich. „Ich soll...“ Sie holte
tief Luft und zog einen Umschlag aus ihrer Hosentasche. Sie hielt ihn Aimee
entgegen. „Der ist von Kian. Er hat gesagt, ich soll ihn dir geben, falls...“
Sie konnte nicht weiter sprechen. Aimee zog ein Blatt Papier heraus und las
alle laut vor. „Liebe Aimee. Ich weiß, dass ich nicht mehr am Leben bin,
wenn du diese Zeilen hier liest. Darum will ich dir auf diesen Weg für
alles danken. Aimee, du bist etwas ganz Besonderes. Du hast ein Herz aus Gold.
Ich bin wahnsinnig stolz darauf dich als meine Freundin bezeichnen zu dürfen.
Ich habe nur noch einen Wunsch. Bitte erfülle ihn mir. Werde glücklich.
Werde zusammen mit Shane glücklich. Versprich es mir! Danke nochmals für
alles. In Liebe, Kian.“ „Er hat es gewusst?“ Kelly sah Aimee verwundert an.
Nun verstand Aimee auch seine Worte von damals, als Shane im Gefängnis
saß. „Ja, er hat es von Anfang an gewusst.“ Sie starrte auf das Blatt
in ihren Händen. „Ja, er hat es nur zu gut gewusst.“ Kelly schüttelte
den Kopf. „Warum hat er dann nicht früher etwas unternommen?“ „Er wollte
niemanden verletzen. Selbst Sandy nicht. Dazu hatte er ein viel zu gutes Herz.“
„Nein, Aimee. Er hatte es nicht, er hat es immer noch.“ Kelly umarmte Aimee
kräftig. „Das Leben ist so unfair. Wieso er? Wieso Kian?“ „Ich weiß
es nicht, Aimee. Aber er hat dafür gesorgt, dass Shane noch am Leben ist.
Ich denke schon allein das zeigt, was für ein unglaublich guter Mensch
er war.“ „Er ist, Kelly. Er ist! Ich glaube fest daran, dass er immer noch bei
uns ist.“ „Ja, da hast du recht.“ Kelly sah Aimee durchdringend an. „Und was
hast du jetzt vor?“ Aimee sah noch einmal auf das von Blumen übersäte
Grab von Kian hinab. „Weißt du, ich habe jemanden einmal ein Versprechen
gegeben. Und ich werde nun alles dafür geben, dass ich dieses Versprechen
niemals breche!“
- ENDE -
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