Prolog
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Prolog:
Alex konnte es kaum glauben, sie hatte ihre Ausbildung mit Bestnote bestanden. Schon immer träumte sie davon nach Irland zu reisen. Bis jetzt war es nie möglich gewesen. Vor ihrer Ausbildung hatte sie dafür nicht das nötige Kleingeld und während der Ausbildung keine Zeit gehabt. Sie hatte in den Jahren genug gespart gehabt, um sich eine dreiwöchige Reise nach Irland leisten zu können. Als sie fünfzehn war, hatte sie diesen Traum von Irland gehabt. Jetzt endlich war es möglich, ihren Traum zu verwirklichen. Mit fünfzehn war sie Fan von Westlife gewesen, aber das lag schon drei Jahre zurück. Die Band gab es seit einem Jahr nicht mehr, aber ihr Traum blieb. Sie musste darüber lachen, wie todunglücklich sie vor einem Jahr war. Sie hatte die Band wirklich sehr gemocht. Westlife, ja, die irischen Jungs waren mit ein Grund, warum sie dieses Land kennen lernen wollte. Doch nachdem ein Jahr nach der Trennung vergangen war, spielte Westlife für sie keine Rolle mehr. Ihre Interessen lagen mittlerweile woanders. Sie wollte einfach nur das Land Irland kennen lernen. Klar, wenn ihr einer der Jungs über den Weg laufen würden, dann hätte sie bestimmt nichts dagegen gehabt. Dass es die Band nicht mehr gab, hatte bestimmt nichts an der Tatsache geändert, dass sie immer noch gut aussahen. Alex dachte an Mark. Wie würde er jetzt wohl aussehen? Man hatte von ihnen nichts mehr gehört. Die Jungs waren in Vergessenheit geraten. Schnell verwarf sie wieder diesen Gedanken.
Alex stand am Flughafen von Zürich. Es war der 20. Juli 2005. "Melde dich bald. Wir werden dich vermissen. Komm gesund wieder", sagte ihre Mutter zum Abschied. Sie umarmte alle und machte sich dann auf den Weg zu ihrem Flugzeug. Zum Glück flog sie nicht das erste Mal. Sie kannte sich am Flughafen einigermaßen aus. Den ganzen Flug über, der nicht sehr lange dauerte, dachte sie nach. Wie sollte es nach diesem Trip weitergehen? In ihrem Ausbildungsbetrieb konnte sie nicht weiterbeschäftigt werden, sie musste sich eine neue Stelle suchen. Das war aber gar nicht so einfach. Sie war gerade in ihren Gedanken versunken, als sie sich für die Landung anschnallen musste. Sie landete in Dublin. Das erste Mal auf dieser Reise bereute sie es, alleine hierher gekommen zu sein. Alex kam sich ziemlich allein und verlassen vor. Sie entschied sich, ein Taxi zu nehmen und zum Hotel zu fahren. Dort angekommen zog sie sich sofort in ihr Zimmer zurück. Was wollte sie mit dem angebrochenen Tag noch groß machen? Alex war müde, also fiel Party machen schon mal ins Wasser. Grosse Lust dazu hatte sie sowieso nicht unbedingt. Sie entschied sich, die Läden von Dublin noch ein wenig unsicher zu machen, auch wenn sie sich sicher war, dass sie, so müde wie sie war, bald wieder zurückkehren würde. So machte sie sich auf den Weg. Allerdings nahm Alex sich vor, nicht zu weit zu gehen, sie wollte ja schließlich den Weg zum Hotel wiederfinden.
Sie ging eine ziemlich überfüllte Strasse entlang. Während sie ab und zu in eines der Schaufenster starrte, merkte sie nicht, dass ihre Gedanken sich immer mehr in eine Richtung bewegten. Westlife. Wie konnte das bloß sein? Die Gruppe war seit einem Jahr getrennt, sie hatte eigentlich mit ihrem Fandasein abgeschlossen und sich vorgenommen, nicht mehr an sie zu denken. Anscheinend waren sie doch noch nicht aus ihrem Kopf verschwunden. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie in Irland war. "Alex, jetzt sei nicht kindisch", ermahnte sie sich selbst. Alex hastete immer schneller durch die Strassen, ohne das es ihr bewusst war. Sie achtete gar nicht mehr auf den Weg und rempelte ab und zu ein paar Leute an, was sie gar nicht recht bemerkte. Plötzlich stand sie still. Die Strasse war plötzlich seltsam leer. Wo bin ich hier nur? Fragte sie sich. Sie war anscheinend so weit gegangen, dass sie in einem Vorort angekommen war. Alex hatte absolut keine Ahnung, wie sie zum Hotel zurückkommen könnte. Mutterseelenallein stand sie da, in einem fremden Land, und rätselte. Ihre Gedanken an Westlife und ihre frühere Jugend waren verflogen, was jetzt zählte, war zurück zum Hotel zu kommen.
Sie wollte gerade die ganze Strasse zurückgehen, als es anfing zu regnen. *Ausgerechnet jetzt muss es anfangen zu regnen! Hätte das nicht noch eine Stunde warten können* Alex motzte über das Wetter vor sich hin. Nach etwa hundert Metern gab sie auf. Völlig angenervt von dieser Situation blieb sie erst mal stehen. Warum sollte sie sich nass machen, wenn es dort einen Unterstand gibt? Alex erblickte einen Unterstand, wo man einigermaßen trocken blieb. Sie stellte sich darunter und wartete, bis der Regen aufhören würde. Alex fing an zu zittern. Der Regen durchdrang ihre Klamotten. Es war schweinekalt. Plötzlich lief ein Mann ihr vorbei. Sie schaute ihn nur kurz an, dann war er auch schon wieder verschwunden. *Irgendwie hat der verdammte Ähnlichkeiten mit Mark. Aber auch egal, wahrscheinlich spielen mir meine Augen wieder einen Streich. Der wohnt ja vermutlich gar nicht hier in Dublin sondern in Sligo.* Sie vergaß den Typen wieder. Der Regen wollte einfach nicht aufhören. Es regnete und regnete, und sie hatte das Gefühl, schon Stunden hier zu stehen. Auf einmal sah sie den Mann von vorhin. Er kam direkt auf sie zu...
"Sie stehen ja noch immer hier?", fragte der Mann und zog seinen Regenmantel weiter ins Gesicht. Ihm musste wohl kalt sein. "Wie? Ich weiß nicht, was sie meinen." antwortete sie. "Sie standen schon hier, als ich das erste Mal vorbeigekommen bin. Das war vor einer halben Stunde," klärte er sie auf. "Ich will nicht nass werden, darum warte ich hier, bis es aufgehört hat zu regnen." "Sie kommen nicht aus Irland oder?", fragte er sie. "Nein, wieso!?" "Erstens hört man es an ihrem Englisch, und zweitens kann es in Irland noch Stunden dauern, bis es aufhört zu regnen. Unter Umständen warten Sie hier noch sehr lange." "Danke für die Auskunft!", antworte Alex ein bisschen wütend. Was bildete er sich bloß ein? Was konnte sie für ihren Akzent? Sie war keine Irin. Sie wollte gerade losgehen, als ihr einfiel, dass sie gar nicht wusste, wo das Hotel war. Sie war wohl oder übel auf diesen Mann angewiesen, da sonst weit und breit kein Mensch zu sehen war. "Könnten Sie mir sagen, wie ich zu meinem Hotel zurückkomme? Es heißt..... (sorry aber mir fällt gerade kein Name ein!)" "Klar! Ich kenne das Hotel. Haben Sie sich etwa verlaufen?", antwortete er mit einem Grinsen, welches sich unter seiner Jacke abzeichnete, da er das Gesicht in der Jacke vergrub. "Ja, ich hab mich verlaufen, wenn es Ihnen nichts ausmacht!", antwortete sie trotzig. Sein Gesicht wurde sofort wieder ernst. "Schon gut, schon gut, Miss. Nicht so patzig!" Sie warf ihm einen bösen Blick zu. Sie war verwundert darüber, dass er sich trotzdem die Mühe gemacht hatte, ihr den Weg zu erklären, obwohl sie alles andere als nett zu ihm war. Um genau zu sein, sie war sehr unhöflich. Nachdem sie sich voneinander verabschiedet hatten, ging sie in die Richtung, die er ihr erklärt hatte. Alex dachte auf dem Weg zum Hotel über diesen Mann nach. Er hatte blaue Augen und braune Haare. Und er hatte wirklich Ähnlichkeiten mit Mark. Nein, das konnte er nicht sein. Unmöglich! Warum sollte er ihr auch über den Weg laufen?
Als sie endlich das Hotel erreichte, stellte sie fest, dass es schon sehr spät geworden war. *Oh nein! Ich wollte doch noch meine Eltern anrufen!* fiel ihr ein. Sie ging in auf ihr Zimmer und wählte die Nummer. "Hallo Mama, ich bin’s, Alex. Ich wollte nur sagen, dass ich gut angekommen bin." "Hallo Alex, meine Kleine!", freute sich ihre Mutter. Alex hasste es, wenn sie sie "meine Kleine" nannte. Aber so waren Mütter wahrscheinlich. Selbst, wenn man fast volljährig war, war man immer das kleine Kind. Und dass war das, was sie ärgerte. "Wie war dein Flug?", fragte sie. "Nicht schlecht. Ich leide ja nicht unter Flugangst." "Dann ist ja gut." "Mama, ich muss Schluss machen, Abendessen ist angesagt." "Ja, ist gut. Machs gut und pass gut auf dich auf." Alex versprach ihr noch, auf sich Acht zu geben, dann legte sie auf und machte sich auf den Weg in das Hotel-Restaurant. Erst jetzt fiel ihr ein, dass sie seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatte. Ihr Magen knurrte. Alex aß und dachte währenddessen nach. Sie sah immer diesen Mann vor sich? Er hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit Mark. Nein, die Ähnlichkeit war schon verblüffend ähnlich. Alex konnte sich ein Lachen kaum verkneifen. Gott, wie sie ihn damals vergöttert hatte. Und jetzt sollte er dieser Mann sein, der ihr einfach über den Weg gelaufen war?
Nachdem Alexandra ihr Essen ziemlich gedankenverloren beendet hatte, ging sie zurück in ihr Zimmer. Dort ließ sie sich auf ihrem Bett nieder und schaltete den Fernseher ein. Sie zappte ein wenig durch die Kanäle, schaltete den Fernseher aber wieder aus, als sie bemerkte, dass nichts Interessantes lief. *Was soll ich jetzt nur tun? Es ist erst kurz vor neun, und Lust schon ins Bett zu gehen habe ich nicht.* Nach diesen Gedanken entschloss sie sich, noch etwas in irgendeinen Pub trinken zu gehen. *Wir sind in Irland, also muss es hier in der Nähe sicher einen Pub geben.* Sie zog sich noch schnell eine andere Hose und ein anderes Shirt an, dann machte sie sich auch schon auf die Suche nach einem schönen Pub. Es war wirklich nicht schwierig, so einen zu finden, und so saß sie auch schon bald in einer dieser Kneipen.
Sie saß da, nippte an einem Guinness und schloss die Augen. Ganz langsam
tauchten sie auf. Diese meerblauen, klaren Augen. Sie sah sie ganz klar vor
sich. Wie schön und doch geheimnisvoll sie waren. Als Alex mit diesem Mann
gesprochen hatte, hat sie diese Augen genau gesehen. Sie waren so klar, einfach
unbeschreiblich schön. Alex versank immer mehr in ihre Träume, in
denen sie nur diese Augen sah. "Miss?" "Ja?!?" Alex wurde unsanft aus ihren
Gedanken gerissen. Ein junger Mann stand vor ihr und blickte sie mit denselben
Augen an, die ihr schon bei der ersten Begegnung den Verstand geraubt hatten.
"Sind Sie nicht die junge Lady, die mich heute so nett nach dem Weg gefragt
hat?" "Wäre möglich" versuchte sich Alex ein wenig zu entspannen.
*Diese blauen Augen!* Sie versuchte ihren Blick von den Augen zu wenden. "Warum
schauen Sie mich nicht an? Ist etwas nicht in Ordnung?" "Es ist nichts!", antwortete
Alex ein wenig patzig. "Warum reagieren Sie eigentlich immer so gereizt, wenn
ich etwas sage?" "Ich reagiere doch nicht gereizt!!!" Der junge Mann gab es
auf, sie belehren zu wollen. "Darf ich mich zu Ihnen setzen?" "Klar, kein Problem."
Der Mann setze sich neben sie und fragte: "Wie heißen Sie?" Alex traute
sich langsam wieder, ihn anzusehen. Diese blauen Augen blickten sie fragend
an. Dadurch wurde ihre Stimme sofort trocken und sie musste einen Schluck aus
ihrem Glas nehmen."Ich heiße Alexandra, mich nennen aber alle nur Alex."
"Ok, Alex. Ich heiße Sean." Die Bombe war geplatzt. *Also ist er doch
nicht Mark. Ich habe es gewusst. Meine Augen haben mir nur einen Streich gespielt.*
Alex atmete sichtlich erleichtert aus. "Sie machen auf mich so einen erleichterten
Eindruck. Ist etwas?" "Nein, nein, Sie haben sich geirrt." Sean machte einen
erstaunten Eindruck, fragte Alex aber sofort weiter: "Ich hatte schon bei unserem
ersten Aufeinandertreffen den Eindruck, dass Sie nicht aus Irland sind. Sie
sind eine Touristin, nicht wahr?" "Ja, ich bleibe drei Wochen hier. Ich komme
aus der Schweiz." Jetzt wo Alex wusste, dass es nicht Mark war, der ihr gegenüber
saß, entspannte sie sich zunehmend. Aber die Augen dieses Mannes ließen
sie trotzdem nicht los.
**Kapitel 3**
"Eine Schweizerin also." Sean grinste Alex verschmitzt an und seine Augen begannen
zu leuchten. Alex wurde ein wenig rot. Schnell, aber ein wenig verhalten reagierte
sie: "Und woher sind Sie? Wohnen Sie in Dublin?" "Ja, ich wohne in Dublin, komme
aber ursprünglich aus Cork. Kennst du Cork?" Sean ging unbemerkt zum "Du"
über. "Ja, ich habe schon davon gehört. Ich war aber noch nie dort.
Ich bin erst seit heute in Irland. Du bist also ein waschechter Ire?" Sean nickte.
Stille entstand. Schon wieder blieben Alex‘ Blicke in Seans Augen hängen.
Ein leichtes Kribbeln ging durch ihren Körper, als Sean den Blick erwiderte.
Sie lächelten sich an. Alex versuchte irgendwie die Stille zu durchbrechen.
"Was machst du beruflich?" Seans Gesicht verdüsterte sich sofort und das
Leuchten aus seinen Augen verschwand. Im Moment bin ich arbeitslos. Ich war
Student, habe aber das Studium abgebrochen." "Aber wie hälst du dich denn
über Wasser? Ohne Geld kann man in der heutigen Welt leider nicht mehr
leben." "Ich habe von meiner Grossmutter etwas geerbt", antwortete er kurz.
Ihm schien das Thema "Beruf" nicht sehr angenehm zu sein. Alex bemerkte das
und führte es auf den Abbruch des Studiums zurück. Sie bereute es,
die Frage gestellt zu haben. Die vorher noch gute Stimmung hatte sich schlagartig
in eine Bedrückende geändert. Alex hätte sich ohrfeigen können.
"Ich muss jetzt leider gehen, Alex. Hast du morgen schon etwas vor?" "Nein,
noch nicht. Warum fragst du?" "Darf ich dir morgen Dublin von seiner schönsten
Seite zeigen?" Alex hatte nichts dagegen und nickte. Sie verabredeten sich.
Alex und Sean würden sich morgen um zwei Uhr, vor dem Eingang des Hotels
wo Alex wohnte, treffen.
Nachdem Sean sich von ihr verabschiedet hat, verliess auch sie den Pub und machte sich auf den Weg zurück ins Hotel. Während sie ging, machte sie sich Gedanken. *Sean ist mir sehr sympathisch. Ich freue mich schon so sehr auf Morgen!* Im Hotelzimmer angekommen, ging sie auch bald schon ins Bett. Schlafen konnte sie aber nicht. Dieser Mann ging ihr einfach nicht aus dem Kopf... *Es ist zum Verrückt werden! Ich will doch einfach nur schlafen und nicht an Sean denken!* Irgendwie schaffte sie es trotzdem einzuschlafen. Am Morgen erwachte sie sehr früh. Ein Alptraum hatte sie aus dem Schlaf gerissen. Was sie geträumt hatte, wusste sie nicht mehr. Sie hatte nur noch ein komisches Gefühl im Bauch und das Gefühl jemandem misstrauen zu müssen. Sie verliess das Bett, duschte und machte sich fertig. Dann ging sie frühstücken. Sie sass an einen Tisch und starrte das Essen an. Sie hatte überhaupt keinen Hunger. Nachdem sie ein Brötchen heruntergewürgt hatte, verliess sie das Hotelrestaurant wieder. *Was soll ich bloss bis zwei Uhr machen?* Alex wusste sich nicht zu beschäftigen. Irgendwie schaffte sie es doch, die Zeit totzuschlagen. Kurz vor zwei Uhr, ging sie zum Eingang des Hotels. Sean stand bereits da und wartete. Alex‘ Herz fing an zu pochen. Mitten in der Hotellobby blieb sie stehen. Sie atmete einmal tief durch, dann ging sie direkt auf Sean zu. Dieser drehte sich um, als er bemerkte, dass jemand auf ihn zukam. "Hi Alex!" "Hallo Sean." "Bereit für Dublin?" "Klar! Mit einem tollen Fremdenführer immer!" Alex lächelte Sean zufrieden an. Sofort machten sie sich daran, Dublin zu erkunden.
**Kapitel 4**
"Wow, diese Stadt ist wunderschön!" Alex hatte es regelrecht die Sprache
verschlagen. "Dublin ist eine der schönsten Städte die es gibt. Einfach
wundervoll", erwiderte Sean und nahm die Hand von Alex um ihr über eine
kleine Mauer zu helfen. Alex wollte ihm ihre Hand sofort wieder entziehen, da
seine Hand wie Feuer auf ihrer Haut brannte. Doch sie tat es nicht. Ihr Verstand
sträubte sich, diesem Mann auch nur ein bisschen ihrer Gefühle zu
zeigen. Schon diese eine Berührung seiner Hand liess ihr Herz rasen. Sie
bemerkte, dass sie nervöser wurde, ihre Hände begannen zu zittern.
"Alles in Ordnung Alex?" "Ja, alles in Ordnung. Ich bin wahrscheinlich nur etwas
erschöpft." Und das war noch nicht mal gelogen. "Kann ich mir gut vorstellen.
Jetzt sind wir schon drei Stunden unterwegs! Wie wäre es wenn wir hier
vorne in diesem Restaurant etwas essen würden?" Alex willigte ein.
Kaum hatten sie sich hingesetzt, kam auch bereits ein Kellner zu ihnen und brachte
ihnen eine Karte. Sean sagte dem Kellner irgend etwas unverständliches,
vermutlich auf irisch, worauf der Kellner mit den Karten wieder verschwand.
"Was soll das jetzt?", fragte Alex ein wenig erstaunt. "Keine Angst, ich habe
für uns beide etwas bestellt." Alex nickte nur stumm. *Sean scheint dieses
Restaurant zu kennen, also werde ich ihm einmal vertrauen. Mehr als schlecht
schmecken kann es ja nicht.* Während sie auf das Essen warteten, unterhielten
sie sich. Dabei erfuhr sie, dass Sean Musik studiert hatte. "Was machst du überhaupt
beruflich?", er neugierig. "Ich machte bis vor kurzem eine Lehre im kaufmännischen
Bereich. Allerdings möchte ich mich gern weiterbilden. Ich weiss aber noch
nicht wie es nach dieser Reise hier in Irland weitergehen soll. Ich muss mir
eine neue Arbeitsstelle suchen. Aber bis dahin habe ich noch Zeit. Im Moment
will ich einfach das Land hier geniessen. Mit dem Beruf kann ich mich auch nach
diesen drei Wochen beschäftigen." Sean nickte verständnisvoll.
Das Essen wurde serviert. Als Alex den Teller vor sich hatte musste sie lachen.
"Hast du gedacht, du könntest mich mit Irish Stew überraschen?" "Ich
dachte, du hast das noch nie gegessen." "Irrtum, schon tausendmal." "Magst du
es?" "Ja sehr." Die beiden begannen zu essen. Als beide fertig waren, fragte
Sean: "Wie wäre es, wenn wir uns wieder einmal treffen? Du bist ja noch
drei Wochen hier. Ich könnte einen Freund mitbringen. Da könnten wir
zu dritt etwas machen." "Klar! Das wird sicher super", sagte Alex begeistert.
"Ich muss vorher aber noch etwas mit Kian, so heisst er nämlich, klären.
Ist das okay für dich?" Alex bejahte. Trotzdem wurde sie stutzig. Wieso
musste er noch etwas mit seinem Freund klären? Hatte es etwas mit ihr zu
tun? Kian hiess er. Sofort kam ihr wieder Westlife in den Sinn. *Aber es gibt
sicher hunderte von Kians in Irland. Da wird es nicht der Kian sein.* Die beiden
gingen in ein Gespräch vertieft, zurück zum Hotel. Vor dem Hotel sagte
Sean: "Morgen, wieder um die gleiche Zeit?" "Ja, ich freu mich schon." Alex
verabschiedete sich mit einem Kuss auf die Wange von ihm, dann verschwand sie
auch schon. Ihre Gedanken pendelten zwischen Sean und Kian. An diesem Tag war
Alex zu müde um noch gross etwas zu machen. Früh ging sie zu Bett
um am nächsten Morgen relativ früh aufzustehen. Aber aus dem Plan
wurde nichts. Sie erwachte erst um zehn Uhr. *Ich wollte doch früh aufstehen
und nicht erst so spät!* Alex ärgerte sich über sich selbst und
darüber zu faul zu sein, einen Wecker zu stellen.
Den ganzen Morgen bangte sie richtig auf das nächste Treffen mit Sean und
seinem mysteriösen Freund Kian. Darum war es auch kein Wunder, dass sie
5 Minuten zu früh vor dem Eingang des Hotels stand und auf Sean und Kian
wartete. Von weitem konnte sie bereits Sean erkennen. *Das neben ihm wird Kian
sein.* Aus der Entfernung konnte Alex die blonden Haare von Kian erkennen. Kian
war etwas kleiner als Sean. Die beiden kamen bei Alex an. Wie ein Blitz durchfuhr
es Alex. Das konnte doch nicht wahr sein...
**Kapitel 5**
"Hallo Alex!", rief Sean euphorisch, "darf ich vorstellen, mein Freund Kian."
"H-h-h-h-allo", stotterte Alex, "F-f-freut mi-mich sssehr dich kennenzulernen."
Die letzten Worte gingen nur ein wenig besser über ihre Lippen. Kian grinste.
"Du kennst mich, nicht wahr?" Alex wurde rot. "Wenn ich ehrlich bin, ja. Das
heisst... Ich vermute dich zu kennen. Du bist Kian Egan, oder?" "Ja, ich bin
Kian Egan, der Herzensbrecher aller Mädchen der Boygroup Westlife, die
es seit etwa einem Jahr nicht mehr gibt." In Alex‘ Kopf wirbelten plötzlich
so viele Fragen herum, die sich in den Jahren ihres Fan Daseins angesammelt
hatten. *Das ist also Kian Egan von Westlife. Ein Freund von Sean.* Sie wunderte
sich selber über ihre innere Ruhe. Sie dachte immer, sie würde vollkommen
durchdrehen, wenn sie einen der Jungs jemals kennenlernen würde. Und jetzt?
Jetzt stand Kian Egan vor ihr. Ihr Herz schlug zwar etwas schneller als sonst,
aber eigentlich war sie gefasst. Das Bedürfnis sich die Lunge aus dem Leib
zu schreien war nicht mehr da. Diese Zeiten waren vorbei. Kian machte sich mit
seinen Händen vor Alex‘ Gesicht bemerkbar. Anscheinend war sie doch mit
den Gedanken weiter weg als sie dachte. Sie schaute Kian fragend an, während
Kian Alex ziemlich irritiert anstarrte. "Du bist Alex nicht wahr? Sean hat mir
schon einiges erzählt." Sean wurde rot und starrte auf den Boden. "Ich
hoffe nur Gutes!" Erwiderte Alex. "Klar! Eine solch hübsche und charmante
Frau hat doch gar keine schlechten Seiten, oder?" Kian grinste schelmisch und
suchte den Blickkontakt mit Alex. Seans Blick schweifte eifersüchtig zwischen
Alex und Kian hin und her. Auch Alex war nicht wohl in ihrer Haut. Die drei
gingen noch ein wenig durch Dublin, aber schon bald liessen sie sich auf einer
Bank nieder und genossen den Anblick der Stadt. Bald aber gingen sie weiter.
Teilweise laut schwatzend, teilweise ganz in Gedanken jeder für sich. Wobei
es eigentlich Kian und Alex waren die schwatzten. Sean war ziemlich still und
hielt sich im Hintergrund. Im Innern Seans kochte es aber. Gegen Abend wurden
die Beine der drei verständlicherweise immer müder. "Lass uns dorthin
gehen." Kian nahm die Hand von Alex und zog sie in Richtung eines Pubs. Sean
trottete langsam hinter ihnen her. Als die drei im Pub an einem Tisch sassen
und ihre Getränke vor ihnen standen wurde die Stimmung noch besser. Auch
Sean taute ein wenig auf. Alex fing an ihn in die Gespräche einzubeziehen.
Doch Kian lenkte immer wieder ab. An diesem Abend sprach Alex hauptsächlich
mit Kian auch wenn ihr das erst gegen Schluss des Abends bewusst wurde. Er hatte
genau wie Sean, blaue Augen und ein unwiderstehliches Lächeln. *Ich will
diese Alex haben und ich werde sie kriegen.* Das hat sich Kian vorgenommen.
Die blauen Augen funkelten geheimnisvoll.
Die Zeit verging wie im Flug und die Stimmung immer besser. Schliesslich beschlossen
Kian und Sean, Alex zum Hotel zurückzubringen. Etwas torkelnd gingen sie
den kürzesten Weg zurück. "Ich bringe sie hinauf in ihr Zimmer. Geh
schon einmal vor", erklärte Kian und liess Sean vor der Tür stehen.
Widerwillig machte er sich auf den Weg nach Hause. Bereits nach etwa 200 Metern
blieb er aber stehen. Warum wollte Kian unbedingt Alex auf ihr Zimmer bringen?
Im Hotel schloss Alex gerade ihre Zimmertür auf und trat ein. Nachdem auch
Kian drin war, schloss sie die Tür, liess ihre Handtasche auf einen Sessel
fallen und setzte sich auf das Bett. Kian setzte sich neben sie. "Kian ich würde
jetzt gerne schlafen. Ich bin müde." "Du willst doch nicht schlafen? Du
willst dass ich hier bleibe!" "Nein Kian, ich will dass du gehst. Bitte versteh
das." "Nein, das kann ich nicht verstehen. Du bist doch nicht mehr klar im Kopf
Alex. Du willst doch eigentlich dass ich hier bleibe." "Nein!" Kian war mittlerweile
immer näher zu Alex gerutscht und die Nähe zu ihm wurde unangenehm
für sie. Eigentlich hatte sie sich in den ganzen Tag gut mit ihm verstanden
und Kian war ihr auch sofort sympathisch gewesen, aber jetzt überkam Alex
ein ganz schlechtes Gefühl. Er packte ihre Handgelenke und wollte sie festhalten.
Alex bekam Panik. "Lass mich los!", schrie sie. Doch sie wusste, dass Kian sie
nicht loslassen würde. In diesem Moment wurde die Tür aufgestossen
und Sean stand im Raum. "Was macht ihr da?" Sean schaute die beiden entgeistert
an. "Ich habe geklopft, aber hier drin war es so laut, dass es wohl niemand
gehört hat." Kian liess nun endlich von Alex ab und setzte sich neben sie.
Schweigen entstand. Weder Kian noch Alex wusste, wie sie es Sean erklären
sollten. "Was hat Kian mit dir gemacht, Alex?" Alex druckste lange herum bis
sie Sean die ganze Geschichte erzählte. Kian sah Alex dabei böse an.
Als Alex mit ihrer Story geendet hatte schrie Sean sofort Kian an. "Was fällt
dir eigentlich ein? Darüber reden wir später noch Egan!" Sean verabschiedete
sich von Alex und verliess mit Kian im Schlepptau das Hotel. "Egan, du schläfst
heute Nacht bei mir. Ich will noch mit dir über die Sache mit Alex sprechen."
Gemeinsam gingen sie durch die düsteren Strassen Dublins zu Seans Wohnung.
"Was fällt dir eigentlich ein, dich an Alex ranzumachen?? Ich habe dir
ganz klar gesagt wie ich zu ihr stehe." "Ja, das hast du mir gesagt. Du bist
in sie verliebt. Aber wer sagt, dass es auf Gegenseitigkeit beruht? Was ist
wenn sie etwas von mir will und nicht von dir?" "Sie hat geschrien im Hotelzimmer.
Sie will nichts von dir, verstanden Egan?" "Sicher nicht." "Kian du bist
krank. Westlife ist dir zu Kopf gestiegen. Du meinst du könntest jede Frau
haben. Aber Alex lässt sich nicht so leicht um den Finger wickeln. Ich
versteh dich nicht. Wirklich nicht. Wenn du Alex noch einmal zu nahe kommst,
hast du ein Problem mit mir." Sean warf Kian eine Decke und ein Kissen vor die
Füsse, die er während der kleinen Diskussion gesucht hat. "Gute Nacht."
Sagte Sean ging in sein Schlafzimmer und knallte die Tür zu. Kian machte
es sich im Gästezimmer der kleinen Wohnung gemütlich. Schlafen konnten
beide aber nicht.
Auch Alex lag in ihrem Hotelzimmer und tat kein Auge zu. Immer noch musste sie
an Kian denken und an den entsetzen Blick von Sean, als er sie zusammen auf
dem Bett gesehen hatte.
Am nächsten Morgen erwachte Alex durch ein Klopfen an der Zimmertür.
"Wer ist da?" "Ich bin’s, Kian. Bitte mach auf." Alex zögerte. *Was ist
wenn ich die Tür öffne? Was will Kian überhaupt hier?* Sie stand
vor der Tür und war unentschlossen. Sie zog sich ein T-Shirt und eine Hose
an, während sie rätselte was sie machen sollte. "Bitte Alex, mach
auf. Ich muss mit dir reden." Mit zitternden Fingern drehte sie den Schlüssel
um und öffnete die Tür. "Komm rein." Ohne ihn anzuschauen liess sie
ihn eintreten und setzte sich auf einen Stuhl. Erwartungsvoll sah sie Kian an.
"Was willst du bereden?" "Es geht um gestern Abend. Es tut mir leid. Ich glaub
das war der Alkohol der da auch noch im Spiel war. Ich werde so etwas nie wieder
tun." "Das will ich auch hoffen. Ich hatte Angst Kian! Und ich wollte es gar
nicht. Zum Glück kam Sean herein..." *Kian hat sich entschuldigt. So wie
es aussieht hat ihm Sean gestern noch ziemlich den Kopf gewaschen.* "Kian, ich
kann dir nicht vertrauen im Moment. Du fällst in der Nacht über mich
her und ich soll es einfach vergessen? Ohne mich! Ich kann das nicht einfach
vergessen!" "Alex, sag mir wie ich es wieder gut machen kann!" "Lass mich einfach
in Ruhe Kian. Ich will meinen Frieden haben." Alex war wütend. Die ganzen
Gedanken an gestern Nacht kamen auf. Die Angst und den Schmerz den Kian ihr
zugefügt hat, konnte sie nicht einfach vergessen.
**Kapitel 6**
Sie schob Kian zur Tür raus und knallte die Tür zu. Sie wollte mit
solch einem Schwein nichts zu tun haben. *Es müsste ein Wunder geschehen
um ihm verzeihen zu können.* Die Sache gestern Nacht hatte sie zutiefst
verletzt. Es war zwar nichts zwischen ihr und Kian passiert, aber als Kian sie
festhielt und ihr diese Sachen einredete, hatte sie Panik und kam sich so schwach
und klein vor. Wieder kamen alle Gedanken an ihre Dummheit und Schwäche
auf. Aber es kam auch ein anderes Gefühl auf: Dankbarkeit. Sean hat sie
vor schlimmerem bewahrt. Doch nicht nur Dankbarkeit empfand sie für Sean,
auch Zuneigung war da. Aber Liebe... Sie wusste es nicht. Sie war sich absolut
nicht sicher wie sie zu diesem Mann stand. Einerseits machten sie seine Augen
fast wahnsinnig, andererseits wusste sie wirklich überhaupt nicht was sie
von ihm halten sollte. Er erinnerte sie immer an jemand anderen. Immer wenn
sie ihn ansah, sah sie einen anderen Mann, einen Mann den sie zu Teenagerzeiten
so verehrt hatte: MARK FEEHILY. *Könnte es vielleicht sein... Nein, Mark
kann es nicht sein... Oder vielleicht doch? Aber nein, Sean kommt doch aus Cork...*
Alex wälzte ihre Gedanken hin und her, bis sie bemerkte, dass es an der
Tür geklopft hat. "Wer ist da?" Alex hatte keine Lust auf eine weitere
Begegnung mit Kian. Doch es war Sean. "Darf ich reinkommen?" Alex öffnete
ohne zu antworten die Tür und liess Sean in ihr Zimmer kommen. Sofort stachen
sie diese blauen Augen wieder. "Geht’s dir etwas besser?" "Ja, mir geht’s gut,
warum fragst du?" "Weil du nicht so aussiehst. Die Sache mit Kian macht dir
zu schaffen, stimmt’s?" "Hmmm..." Alex gab nur ein paar brummelnde Geräusche
von sich. "Ich möchte nicht darüber reden, ok?", antwortete Alex genervt.
Sean gab sich mit der Antwort zufrieden. Sie hatte sich ihre Ferien in Irland
anders vorgestellt. Sie wollte ein wenig in Irland herumreisen, die Landschaft
bewundern, vielleicht die eine oder andere nette Person kennenlernen und dann
nach Zürich zurückfliegen. Was hat sie bis jetzt gemacht? Sie kannte
Dublin ein wenig, hat einen netten Typen kennengelernt und liess sich von Kian
Egan, Ex-Mitglied ihrer Fave-Band Westlife fast ins Bett zerren. Tolle Ferien.
Jetzt war sie erst 3 Tage hier, heute war der vierte Tag und sie war am Ende.
Sie hatte Angst vor einer weiteren Begegnung mit Kian. *Ich hoffe Sean hat gemerkt
dass ich Kian nicht in meiner Nähe haben will, so dass er ihn nicht mehr
zu unseren Treffen mitnimmt.* "Hallo Alex!!! Wo warst du gerade mit deinen Gedanken?"
Alex schreckte auf. Sie schüttelte nur den Kopf und sagte nichts. "Gehen
wir ein wenig spazieren? Das wird dich auf andere Gedanken bringen." Alex hoffte
dass Sean Recht hatte.
Als sie gerade unterwegs, mitten in einem Gespräch waren, fing es an zu regnen. Alex seufzte. "Wenn ich etwas in Irland nicht leiden kann, dann ist das nicht der viele Regen, sondern dass es immer dann regnet wenn man es am wenigsten erwartet und es am wenigsten will." Sean musste lachen. "Man gewöhnt sich daran wenn man hier wohnt. Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen nach Irland zu reisen?", fragte Sean neugierig. "Irland hat mir schon immer gefallen. Und ich wollte einmal... naja... das Heimatland Westlife’s besuchen." Alex errötete leicht. "Du bist Westlife-Fan?" "Ich war Westlife-Fan. Heute hab ich mit dem nichts mehr am Hut." "Westlife... Hmm..." Sean schaute traurig auf einen kleinen Weiher hinaus, wo sie mittlerweile angekommen waren. "Schlechte Erinnerungen?", fragte Alex besorgt. "Ziemlich schlechte Erinnerungen." Eine Pause entstand. Aber ich möchte nicht darüber reden. Im Moment noch nicht." Alex nickte verständnisvoll und sah Sean an. *Was mussten das für Erinnerungen sein, die so sehr an ihm nagten? Irgend etwas stimmt doch an der ganzen Sache nicht. Was interessiert Sean Westlife?* Beide schwiegen. Beide dachten nach. Alex über die Worte von Sean und Sean hing seiner Vergangenheit nach. Wenn doch alles anders gewesen wäre, damals 1998 als Louis Walsh Westlife entdeckte...
Wieder war die Stimmung am Boden. Wie damals in diesem Café, wo sie sich zum zweiten Mal gesehen hatten. "Lass uns zurückgehen", sagte Sean bedrückt. Schon wieder war Alex indirekt an der schlechten Laune von Sean schuld. *Wieso mache ich immer alles falsch? Und was hat er mit Westlife am Hut? Warum sieht er Mark nur so verdammt ähnlich?* "Welches war eigentlich dein Liebling bei Westlife?" Alex erschrak. Sollte sie ihm die Wahrheit sagen? Sollte sie ihm sagen, dass sie schon immer für Mark geschwärmt hatte? Sie entschied sich für die milde Version. "Ich fand Marks Stimme damals am besten." Sie fasste sich möglichst kurz um sich nicht zu verraten. Sie wollte Sean, einem Mann den sie anziehend fand, nicht gleich auf die Nase binden, dass sie Mark vergöttert hatte. "Mark... Mark Feehily..." Alex schaute Sean fragend an. Was hatte das nur zu bedeuten? "Fandest du ihn hübsch?" Alex wurde rot. Zum Glück starrte Sean gerade in die Ferne und nicht in ihr Gesicht. "Er sah schon nicht schlecht aus." "Findest du mich hübsch?" Diese Frage warf Alex nun völlig aus der Bahn. Sie stotterte vor sich hin. "K-k-kann sch-sch-schon s-s-sein, warum fragst du?" "Ach, das ist mir nur so rausgerutscht. Du bist mir keine Rechenschaft schuldig. Mir ist es egal, ob du früher einmal für Mark geschwärmt hast oder nicht. Es ist dein Leben und ich denke, dass sich das geändert hat, oder? Seitdem sich Westlife getrennt haben muss sich doch bei dir etwas verändert haben." Alex schwieg. Die Sache kam ihr immer seltsamer vor. "Sean, kennst du Mark?" Diese Frage sprudelte einfach so aus ihrem Mund, bereute es aber nicht, die Frage gestellt zu haben. Sie hoffte, dass Seans Antwort ihrer Verwirrung ein Ende setzen könnte. "Jeder in Irland kennt Mark. Jeder in der Welt kennt Mark. Er ist berühmt und wusste das immer zu nutzen. Er bekam immer die hübschesten Frauen, die besten Hotelzimmer, die schönsten Geschenke und die grössten Lobe." "Es geht nicht darum Sean. Hast du irgendwelche Beziehungen zu Mark?" Stille. Sag mir was los ist, Sean! Ich weiss, dass irgend etwas nicht stimmt!" "Ja, ich habe Beziehungen zu ihm. Ich habe ihn gut gekannt, sehr gut. Ich habe sehr lange in Sligo gewohnt, bin dann aber 1998 nach Cork und vor zwei Jahren schliesslich nach Dublin gezogen." Wieder war es still. "Mark ist mein Cousin." Alex stand mit offenem Mund da und wusste nicht was sie sagen wollte. Sie murmelte vor sich hin: "Jetzt weiss ich auch, warum er Mark so ähnlich sieht..." Doch Sean hörte es. "Ich wusste, dass du schon seit wir uns kennen rätselst warum ich Mark so ähnlich sehe. Ich wusste, dass dich das beschäftigt. Ich wusste es ganz genau." Alex konnte einen Moment lang nichts sagen. Sie war überrumpelt von Seans Geständnis. "Aber, aber.." Alex blieben die Worte im Hals stecken. "Warum ich nicht in höchsten Tönen von ihm schwärme und ihn sozusagen verachte? Das ist ganz einfach, will es aber nicht erklären. Die Sache ist vorbei für mich. Ich rede nicht mehr darüber und denke auch nicht mehr darüber nach. Mittlerweile ist es mir sogar egal. Aber ich möchte einfach nicht darüber reden." Alex hörte die ganze Zeit aufmerksam zu.
**Kapitel 7**
"Aber du bist sein Cousin! Du siehst aber aus wie sein Bruder!" "Ja, wir sehen
uns sehr ähnlich. Alles Zufall. Und ich war nicht immer glücklich
damit." Alex sagte dazu nichts. "Bist du jetzt böse auf mich, weil ich
es dir nicht gesagt habe?" "Nein! Auf keinen Fall! Ich wurde nur ein wenig überrumpelt,
das ist alles." Sie standen vor einem Wohnhaus mitten in Dublin. "Wo sind wir
hier?", fragte Alex neugierig. "Hier ist meine Wohnung. Hast du Lust auf einen
Kaffee oder einen Tee bei mir?" Alex nickte begeistert. Sie stiegen die Treppen
in den zweiten Stock hinauf. Dort war Seans Wohnung. Sie war nicht sehr gross,
aber auch nicht zu klein. Er führte sie durch einen etwas engen Gang in
die Küche. "Setz dich doch." Alex folgte der Anweisung und machte es sich
auf einem der zwei Stühle in der etwas engen Küche bequem. "Was willst
du, Tee oder Kaffee?" Alex wollte einen Tee. Schweigend kochte Sean Wasser.
Alex starrte auf einen imaginären Punkt an der Wand. Nach langen Minuten
reichte Sean ihr eine Tasse mit Tee. Schweigend tranken sie. Doch die Stille
wurde jäh durch das Klingeln an der Tür unterbrochen. Sean erhob sich
und ging gemächlich zur Tür. Alex konnte von der Küche aus die
Tür nicht sehen, konnte aber alles hören. "Hallo Sean." Alex erkannte
sofort die Stimme von Kian. Sofort machte sich wieder die Angst breit. *Was
ist wenn er herein kommt?* Alex‘ Herz begann schneller zu schlagen. "Hallo Kian.
Das ist keine gute Idee. Könntest du vielleicht später wiederkommen?
Ich habe im Moment echt keine Zeit." "Was ist denn so wichtig Sean? Hast du
Besuch?" "Nein, du geh nicht in die Küche!" Doch es war zu spät. Kian
stand vor der Tür der Küche und schaute Alex mit grossen Augen an.
Sofort wechselte sein überraschter Blick zu einem überlegenen Grinsen.
"Hallo Alex. Wie geht es dir?" "Lass mich in Ruhe Kian. Hab ich dir nicht gesagt,
du sollst dich von mir fernhalten?" Kian grinste Alex überlegen an. Bei
seinem Anblick erschauderte Alex. "Wie kann man bloss so eingebildet sein?"
"Lass doch diese Spielchen Alex. Du willst doch..." "Nein, ich will dich nicht
Kian Egan! Lass mich endlich in Ruhe! Du hast mir schon genug weh getan!" Alex
war den Tränen nahe. Bis jetzt hatte sich Sean raus gehalten, aber jetzt
war er nicht mehr zu halten. "Kian, du gehst, sofort. Ich will dich im Moment
nicht mehr sehen. Verstanden? Lass gefälligst die Finger von Alex." "Oh,
der grosse Sean hat gesprochen! Der, der sich von Mark den Platz in Westlife
wegschnappen liess! Ich habe solche Angst..." Kian grinste hämisch. "Du
verlässt sofort dieses Haus!" Sean wurde wütend. Er war noch nie gut
auf das Thema Westlife zu sprechen gewesen. Dies wurde Alex wieder einmal klar.
"Wieso soll ich die Finger von Alex lassen? Damit du dich an sie ranschmeissen
kannst? Sicher nicht! Ich weiss ganz genau dass du etwas von ihr willst!" Alex
konnte Sean gerade noch davon abhalten, Kian eine schallende Ohrfeige zu geben.
Daraufhin verliess Kian fluchtartig die Wohnung und liess die Tür knallen.
Nun, als Kian gegangen war, konnte Alex ihre Gefühle nicht mehr unterdrücken:
Sie weinte ihre ganze Angst heraus. Sean kam auf sie zu, zog sie auf das Sofa
im Wohnzimmer und tröstete sie. Alex kam sich so geborgen vor. Zärtlich
strich er Alex über den Rücken. "Wieso macht er sowas? Weiss er nicht,
dass ich ihn nicht sehen will? Er hat mir schon genug Angst gemacht!" "Shh...
Alles ist gut. Er ist weg. Du brauchst keine Angst mehr zu haben." Langsam beruhigte
sich Alex wieder. Sean brachte sie zurück zum Hotel.
"Ich hole dich morgen wieder hier ab, ok? Dann erkunden wir das Umland von Dublin." Alex nickte zustimmend. Alex entschied sich gegen sieben Uhr, noch ein wenig spazieren zu gehen. Sie lief gedankenverloren durch die Strassen. Bei einem ziemlich alten, grossen Haus, setzte sie sich auf die Treppe und schaute einem Mann zu, der gerade über die Strasse ging. Unter einer Baseballmütze schauten blonde Haare hervor, die Augen waren hinter einer modischen Sonnenbrille versteckt obwohl es ziemlich bewölkt war. *Ein Typ mit einer Sonnenbrille bei diesem Wetter... Das erinnert mich irgendwie an Kian...* Kian! Alex erschrak. Dort vorne stand tatsächlich Kian und schaute sich um. Alex versuchte sich so gut wie möglich hinter einer Säule zu verstecken; doch vergeblich. Kian hatte sie bereits entdeckt. Mit schnellen Schritten kam er auf sie zu. Alex schaute sich um. Jede Fluchtmöglichkeit war ausgeschlossen. Sie musste ihm wohl oder übel in die Augen schauen und Fassung bewahren. "Hallo Alex, schön das wir uns wiedersehen." "Verzieh dich Kian. Ich will alleine sein." "Ach, ist die kleine Miss heute ein wenig zickig? Wie vorher in Seans Wohnung?" "Ich bin nicht zickig. Ich will dich nur nicht sehen. Das ist alles." "Alex. Ich kenne dich. Du möchtest am liebsten mit mir alleine sein." "Nein!!!! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich nicht an dir interessiert bin? Du kotzt mich regelrecht an!" "Du kommst jetzt mal mit, Kleine." Kian zog Alex unsanft von der Treppe und schob sie die Strasse entlang. Alex versuchte sich zu wehren, aber vergeblich. Schliesslich stand Kian mit der strampelnden Alex vor seiner Haustür und schloss sie auf. "Kian lass mich los!! Sofort!" Doch Kian tat nichts dergleichen. Er schob sie durch die Tür und schloss diese auch gleich wieder hinter sich ab. "Kian, lass mich los!" Kian antwortete nicht, sondern schob Alex direkt weiter in das Wohnzimmer.
**Kapitel 8**
"Du hälst jetzt gefälligst deinen Mund, verstanden? Ich will nichts
mehr hören!" In Kians Gesicht erkannte man Zorn, Erregung und Eifer. Seine
Augen schienen zu glühen und das Glitzern darin, schien seine Augen sprengen
zu wollen. Alex bekam riesige Angst. So kannte sie Kian nicht. Viele Jahre hatte
sie ihn im Fernsehen gesehen und vor ein paar Tagen sogar kennengelernt. Doch
das war nicht Kian, das war ein Psychopath. ""Kian was willst du? Alex
strampelte und versuchte sich aus dem Griff Kians zu befreien. "Ich will dich",
antwortete er dunkel und stürzte sich nun auf Alex und versuchte sie zu
küssen. Doch sie wehrte sich mit allen, ihr zu Verfügung stehenden
Kräften. Doch diese schienen langsam zu Ende zu gehen. "Kian, ich will
nicht du dreckiges Schwein, lass mich in Ruhe!" Doch Kian war wie in Trance
und wolle die flehenden Rufe Alex‘ nicht wahrhaben. Sie versuchte sich noch
ein paarmal mit Händen und Füssen zu wehren, dann gab sie auf. Sie
liess alles geschehen, da sie wusste, dass sie sowieso keine Chance hatte. Kian
war zu mächtig für sie. Ihr war übel und sie war sehr müde.
Am nächsten Tag erwachte sie in einem Krankenhaus. Als sie sich umsah,
entdeckte sie Sean, der vor ihrem Bett in einem Stuhl sass. Dann spürte
sie Schmerzen. Ihr ganzer Körper war übersät mit blauen Flecken.
Als sie diese sah, wurde ihr klar, was gestern geschehen war: Kian. Noch mehr
Schmerzen und vor allem Tränen kamen in ihr hoch. Durch ihr Schluchzen
bemerkte nun Sean, dass sie wach war. "Wie geht es dir?", fragte Sean mit besorgter
Stimme. "Ich habe Schmerzen", krächzte Alex mühsam. "Wo ist Kian?
Und wer hat mich ins Krankenhaus gebracht?" "Ganz langsam Alex. Überanstrenge
dich nicht zu sehr. Du hattest einen Kreislaufzusammenbruch. Darum bist du im
Krankenhaus. Er war allerdings nicht allzu stark, du warst vor allem sehr müde
und erschöpft, hat der Arzt gesagt. Ich habe dich heute morgen gefunden
als ich zu Kian wollte. Kian sitzt in Untersuchungshaft." "Ich will nach Hause
Sean. Nach Hause zu meiner Familie." "Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen,
aber du musst in Irland bleiben, bis der Prozess von Kian beendet ist. Wir alle
wollen doch, dass er ins Gefängnis kommt, oder?" Alex nickte. Eigentlich
wollte sie nicht länger in Irland bleiben. Sie hatte hier schon genug erlebt
und zwar nicht nur Positives. Jetzt war sie bis Prozessende an Irland gefesselt.
"Wie lange dauert das denn?" "Nicht lange. Weil alle wollen, dass du möglichst
schnell zurückreisen kannst, hat man den Prozess so früh wie nur möglich
angesetzt, das heisst in ca. 3 Wochen." "3 Wochen? Ich soll noch drei Wochen
hier bleiben? Das geht nicht! Das Hotelzimmer habe ich nur noch weitere 2 Wochen
und Geld für länger hier zu bleiben hab ich nicht. Ich habe nicht
die geringste Lust noch länger hier zu bleiben, nachdem was passiert ist.
Ich fahre nach Hause." Alex war trotzig. "Alex, wenn du jetzt gehst... Wird
Kian freigelassen." Seans Stimme wirkte gedrückt. Er sprach gegen seinen
eigenen Freund, seinen wahrscheinlich besten Freund. Doch das, was Kian Alex
angetan hat, war einfach nicht zu entschuldigen. Sean wusste das. Ausserdem
bedeutete ihm Alex viel zu viel, als dass er Kian verzeihen könnte. Seans
Freundschaft zu Kian war gestorben. Sean empfand nur noch Hass. "Du bleibst
diese drei Wochen bei mir. Ich möchte dich nicht alleine lassen." Sean
ergriff die Hand von Alex und gab ihr einen sanften Kuss auf den Handrücken.
Dann sah er sie mit seinen blauen funkelnden Augen liebevoll an. "Danke dass
du für mich da bist Sean", sagte Alex und sah ihn dabei verlegen an. Sie
war wirklich froh, dass sie im Moment so jemanden wie Sean hatte. Sie empfand
riesige Dankbarkeit und Zuneigung. Wie nach Kians erstem "Überfall" stellte
sie sich die Frage, ob sie doch mehr für Sean empfand. Doch sie liess die
Frage, die sie sich selber stellen wollte, wieder unter den Tisch fallen und
fragte: "Wann darf ich das Krankenhaus wieder verlassen? Ich will hier möglichst
schnell wieder raus." "Eine Nacht wirst du schon noch hier verbringen müssen",
sagte Sean mitfühlend. *Er hasst wohl Krankenhäuser genauso wie ich*
Da es mittlerweile schon Abendessenszeit war., verabschiedete sich Sean schon
bald. Er versprach sie morgen Mittag abzuholen und zu sich nach Hause zu bringen.
Am Abend konnte Alex fast nicht einschlafen. *Was ist, wenn Kian hier auftaucht?
Klar, er ist im Gefängnis, aber man hat schon doch schon immer gehört
dass welche aus den Gefängnissen abgehauen sind* Alex war nicht wohl bei
dem Gedanken. Sie hatte unglaubliche Angst vor Kian. Es war schon schlimm genug,
dass sie ihm vermutlich noch vor Gericht begegnen musste. Irgendwann spät
in der Nacht schlief sie dann schliesslich doch ein. Die ganze restliche kurze
Nacht, wurde sie aber von schlimmen Alpträumen geplagt und erwachte schweissgebadet.
Gegen 10 Uhr morgens klopfte es an der Tür. Alex dachte dass es Sean sei, der sie ein wenig verfrüht abholen wollte, doch es war ein Mann mit braunen Haaren, ein paar grauen Strähnchen und einem freundlichen Lächeln. "Sind Sie Alexandra Müller?" Fragte er freundlich. "Ja das bin ich." Alex wollte gerade fragen, was er von ihr wollte, als der Mann sprach: "Ich bin James Forsyth von der Polizei. Ich muss sie zum Vorfall von gestern Abend befragen. Mr. Feehily hat Sie gestern in der Wohnung von Mr. Egan gefunden. Was ist passiert? Sie müssen mir leider die ganze Geschichte erzählen." So wiederholte sich vor ihrem inneren Auge die ganze Geschichte noch einmal bis sie ohnmächtig wurde. Von da an wusste sie nichts mehr. Alex‘ unterdrückte Gefühle kamen wieder hoch und sie versuchte, gefasst zu bleiben. Irgendwie sich nichts anmerken zu lassen wie weh ihr die ganze Sache tat und wie grosse Angst sie vor Kian hatte. Doch sie schaffte es nicht. Sie brach in Tränen aus. "Ich hatte solche Schmerzen... Kian tat mir so weh", schluchzte sie. Forsyth bedankte sich für die Auskünfte nachdem sich Alex etwas beruhigt hatte und verabschiedete sich. Kaum hatte er das Zimmer verlassen, klopfte es und Sean stand vor der Tür. "Hallo Alex." Er kam auf ihr Bett zu. "Hast du geweint?" Es war eher eine Feststellung als eine Frage, denn sie hatte vom Weinen rote, geschwollene Augen bekommen. Alex nickte "Ein Mann von der Polizei war hier und hat mich befragt. Es war alles so schlimm, die ganze Sache mit Kian wie ein zweites Mal erleben zu müssen." Alex schluchzte. Sean nahm Alex tröstend in den Arm und sie weinte sich an seiner Schulter aus.
**Kapitel 9**
-2 Wochen später-
Alex war jetzt seit 2 Wochen hier bei Sean und fühlte sich wohl. Sie hatte
die ganze Sache mit Kian dank Sean verdrängt und dachte nicht mehr daran.
Er baute sie immer wieder auf und brachte sie auf andere Gedanken. In drei Tagen
sollte die Gerichtsverhandlung sein und Alex musste das Ganze noch mal erzählen.
Zum wievielten Male musste sie die ganze Sache nun schon aufwärmen? Ihr
kam es vor, als wüsste schon ganz Irland von der Sache, so vielen, wie
sie es schon erklären musste. Aber das Schlimmste war: Sie musste Kian
begegnen und das machte ihr Angst. Kian war für sie ein Monster, ein Psychopath,
ein Krimineller. Sie hasste ihn für alles was er ihr angetan hat. Die Schmerzen,
die Erniedrigung...
Sean und Alex sassen gerade beim Morgenessen, als Alex wieder diese Gedanken
kamen. Ihre Miene verdüsterte sich schlagartig. "Du denkst schon wieder
an den bevorstehenden Prozess, stimmt’s?" Alex sagte nichts. Sean kannte sie
schon nach diesen zwei Wochen des Zusammenlebens schon viel zu gut. Alex hatte
viel Vertrauen zu ihm gefasst, war aber immer noch misstrauisch. Sie hatte wenig
von Sean erfahren, er allerdings wollte alles von ihr wissen. Er machte fast
ein kleines Geheimnis aus seinem Leben. Doch Alex dachte sich nichts dabei.
Ihr war es bisher auch nicht aufgefallen. Sie stützte sich aber liebend
gerne an Sean, da er der einzige war, dem sie im Moment ein wenig vertrauen
konnte. Alleine hätte sie diese Zeit des Wartens nicht überstanden.
Sean musste ihr helfen Kian und die Vergewaltigung zu vergessen. Alex wich vom
Thema ab. "Wann suchst du dir eigentlich einen neuen Job?" Fragte Alex. Alex
wollte nicht länger auf dem Thema "Kian" herumreiten. "Dasselbe könnte
ich dich auch fragen", antwortete Sean grinsend. "Bei mir ist das etwas anderes.
Ich kann mir nicht in Irland einen Job suchen." Beide lebten im Moment vom Geld
Anderer. Sean vom Geld seiner verstorbenen Grossmutter und Alex vom Geld ihrer
Eltern. Sie musste ihre Eltern informieren dass sie länger in Irland bleiben
musste. Ihre Eltern wollten natürlich Gründe hören und so erzählte
sie ihnen eine "entschärfte" Version. Ihre Eltern waren besorgt und wollten
sofort nach Irland reisen um sie zu unterstützen, doch sie sagte, dass
es nicht nötig sei. Ihre Eltern kamen schliesslich nicht nach Irland, riefen
aber jeden Tag an und erkundigten sich, wie es ihr ginge. Das Geld für
ihr Leben in Irland überwies ihr Vater wie selbstverständlich. "Du
solltest dir aber wirklich einen neuen Job suchen. Ich denke dass das Geld deiner
Erbschaft nicht mehr allzu lange reichen wird", belehrte sie Sean. Sean nickte.
Ihm war klar, dass das Geld nicht ewig reichen würde. "Ich werde es machen,
wenn du wieder in der Schweiz bist. Aber bis dahin will ich die Zeit mit dir
geniessen." Sean lächelte Alex liebevoll an.
Ein Tag vor der Gerichtsverhandlung war Alex aufgeregt wie ein kleines Kind.
*Was ist wenn der Richter Kian glauben wird? Was ist wenn der Prozess länger
dauert? Wieso ist mein ganzes Leben so verrückt?* Sie machte sich viele
Gedanken und wurde immer stiller. Sean bemerkte das und wollte sie auf andere
Gedanken bringen. Darum beschloss er, zusammen mit ihr nach Cork zu fahren.
Cork, jene Stadt in der er gewohnt hat, bevor er nach Dublin kam. Er fühlte
sich magisch mit diesem Ort verbunden und es war für ihn immer ein schönes
Gefühl dorthin zurückzukehren. Für ihn war Cork Heimat. Nicht
Sligo, seine wirkliche Heimatstadt sondern Cork. Das war die Stadt in der so
viele traurige aber auch schöne Momente erlebt hatte. Er freute sich Alex
SEINE Heimat zu zeigen. Bereits früh morgens fuhren sie los. Die Autofahrt
verlief schweigend. Alex dachte an den bevorstehenden Prozess, wie so viele
Male in letzter Zeit und Sean dachte an vergangene Zeiten. Gegen elf Uhr kamen
sie in Cork an. Sie suchten einen Parkplatz und liefen durch die Stadt. Es wirkte
alles ein wenig verschlafen und kalt. Alex war von der Stadt verunsichert. Sie
hatten zwar einige schöne Plätze gesehen, aber Alex konnte sich mit
dieser Stadt nicht anfreunden. Sie schaute vorsichtig herum, als könnte
hinter der nächsten Ecke Kian lauern. Sie wusste, dass es absurd war, Kian
war im Gefängnis in Dublin und nicht in Cork und sonst gab es hier niemanden
der ihr etwas antun wollte... Cork strahlte für sie etwas Negatives aus.
Sie fühlte sich hier nicht wohl und das bemerkte auch Sean der ihre Hand
gefasst hatte. "Dir gefällt es hier nicht." Sagte er enttäuscht und
senkte seinen Kopf und starrte auf den Bürgersteig. Alex wusste nicht,
was sie sagen wollte, wie sie ihm erklären sollte, dass sie etwas an dieser
Stadt bedrückte und nicht mochte. "Doch, es ist toll hier, mir macht nur
der morgige Prozess etwas Sorgen", log sie. Sie wollte Sean nicht vor den Kopf
stossen. Sie wusste, dass Sean diese Stadt mochte. Sean glaubte ihr diese Antwort
oder nahm sie ihr zumindest ab. "Lass uns zum Meer gehen." Sagte Sean bestimmt
und zog Alex an der Hand mit sich. Der Wind wurde rauher, langsam kamen sie
dem Meer näher. Alex begann zu frösteln. Auch wenn es August war,
konnte man in Cork nicht von warmem Wetter sprechen. Als sie bei einem alten
Holzsteg angekommen waren setzten sie sich hin, und blickten beide auf das Meer
hinaus.
**Kapitel 10**
Friedliche gleichmässige Wellen schlugen gegen den kleinen Steg. Trotz
des Windes war das Wasser überhaupt nicht bedrohlich und glasklar. Alex
beobachtete interessiert den Horizont und die Möwen die ruhig ihre Kreise
über dem Wasser zogen. Alex war tief in ihren Gedanken versunken, als Sean
Alex‘ Hand ergriff und sie sanft streichelte. Unsicher schaute sie Sean in die
Augen. Er lächelte und erwiderte ihren Blick. Alex war nicht wohl in ihrer
Haut. Die zärtliche Berührung liess sie nicht kalt. Schmetterlinge
tanzten in ihrem Bauch. Doch auch ein schlechtes Gefühl blieb. Sie war
hier an einem Ort, an dem ihr es nicht ganz Geheuer war, aus welchem Grund auch
immer. Sean berührte mit der anderen Hand ihre Wange und drehte ihren Kopf
so, dass sie ihm in die Augen schauen musste. Wunderschöne blaue Augen,
welche ihr schon vorher den Kopf verdreht hatten strahlten sie an. Sie kamen
sich näher und dann, wie ein zarter Hauch, berührten sich ihre Lippen.
Alex wusste erst nicht, ob sie den Kuss erwidern sollte, doch schliesslich siegten
ihre Gefühle und die beiden versanken in einem langen, zärtlichen
Kuss.
Als der Kuss endete blickte Sean Alex voller Liebe an. Sie kuschelte sich in
seine Arme und die beiden blickten zufrieden und glücklich wieder gegen
den Horizont. Ein paar Minuten lang war Alex glücklich und fühlte
sich wohl in Seans Armen. Doch bald nagten Zweifel und ein schlechtes Gefühl
an ihr. *Was ist bloss los mit mir? Ich sitze hier mit einem Traumtypen an Irlands
Küste und habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache? Das kann doch
nicht wahr sein!* Sie versuchte ihre Gefühle zu verdrängen, wurde
aber dadurch unruhig.
Als beide wenig später nach Dublin zurückfuhren, da es schon sehr
spät und die Reise nicht gerade kurz war, schwiegen sie sich wie bei der
Hinfahrt an. Die beiden verloren kein einziges Wort über den Kuss...
Als Alex nachts in Seans Gästezimmer lag und nicht einschlafen konnte,
gingen ihr einige Gedanken durch den Kopf. Sean, der Kuss, Kians Prozess, Kian
selbst, die schlechten Gefühle in Cork und MARK. Aus einem Grund waren
ihre Gedanken wieder einmal bei ihm. In ihr stauten sich alle Gefühle der
vergangenen Wochen auf und sie hatte das Gefühl alles kaputtschlagen zu
müssen. Plötzlich wollte sie einfach weg von hier: Fort von Irland,
fort von Sean, fort von diesem doofen Prozess und fort von all diesen Gedanken.
Doch sie konnte nicht vor ihren eigenen Gedanken und Erinnerungen davonlaufen.
Sie musste stark sein. Wenigstens für morgen. Sie wollte Kian genauso wehtun,
wie er ihr wehgetan hat. In ihr baute sich eine Wut auf, die unbeschreiblich
für sie war. Ans Einschlafen war nicht zu denken. Noch stundenlang dachte
sie nach, bis die Müdigkeit siegte und sie einschlief.
*Lass ihn in Ruhe... Nein! Du darfst das nicht!!!! Bitte! Du darfst ihm nicht wehtun ich liebe ihn doch...*
Alex erwachte schweissgebadet. Sie hatte einen schrecklichen Traum. Sie stand mitten im Cork, in leeren Strasse. Zwei Personen waren zu sehen. Ein Mann wurde von einem anderen Mann erschossen. Sie wusste nicht, wer diese Männer waren, da der eine ihr den Rücken zudrehte und der andere zu weit entfernt war. Der eine zielte mit einer Waffe geradewegs auf den anderen Mann... Was bedeutet dieser Traum? Hat es was damit zu tun, dass ich Cork gestern nicht mochte? Wieder gingen Alex diese Fragen durch den Kopf. *Ich wüsste zu gerne was zwischen den beiden Männern vorgegangen war. Und warum hab ich geschrien?* Allerdings konnte sie sich nicht mehr an die Worte erinnern, die sie in ihrem Traum von sich gegeben hat. Alex schlief mit schlechten Gedanken wieder ein und erwachte erst am nächsten Morgen, als Sean sie weckte. Sie fühlte sich wie gerädert und so sah sie auch aus. Als sie im Badezimmer in den Spiegel sah, hätte sie sich am liebsten wieder in ihr Bett verkrochen. Riesige Ringe umrandeten ihre Augen. Sie versuchte alles ein wenig zu kaschieren, was ihr auch einigermassen gelang. Bald darauf machten sich Alex und Sean auf den Weg zum Gericht. Die Verhandlung begann. Alex musste draussen warten, bis sie aufgerufen wurde. Zuerst wurde Kian angehört. Er stritt alles ab. "Ich habe sie nicht vergewaltigt, alles war freiwillig." Der Richter schaute Kian ungläubig an. Wie Alex blaue Flecken bekommen konnte und ohnmächtig wurde, konnte sich Kian nicht erklären. Darauf kam sie dran. Nervös setzte sie sich auf den Stuhl und bemühte sich, nicht zu Kian zu sehen. "Mr. Egan behauptet, dass alles auf freiwilliger Basis geschehen ist. Was sagen Sie dazu?" Sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass Kian lügen würde, aber trotzdem erschrak sie irgendwie. "Das stimmt nicht! Ich wollte es sicher nicht. Kian war einfach so... So grausam... Ich konnte mich gar nicht wehren... Ich... Ich hab doch alles versucht um mich zu wehren, aber... Aber..." Alex stiegen die Tränen in die Augen als sie sich daran erinnerte. Ihr Blick schweifte zu Kian, der still an seinem Tisch sass und kein Wort sagte, sie aber böse anschaute. Der Blick sagte alles. Kein Funken Reue kam ihr von Kian entgegen. Stattdessen ein eiskalter Blick der ihr das Blut in den Adern gefrieren liess. Kian musste sich unglaublich zusammenreissen um Alex nicht anzuschreien. Auch Alex‘ Wut wurde immer grösser und bevor etwas Schlimmeres passieren konnte, wurde sie aus dem Zeugenstand entlassen und setzte sich auf einen der hinteren Stühle, wo sie Kian nicht beobachten konnte. Sean wurde noch als Zeuge aufgerufen, da er Alex in Kians Wohnung gefunden hatte.
"Der Ex-Westlifer Kian Egan wurde soeben wegen Vergewaltigung zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Opfer war sehr bestürzt. Für sie war das Urteil viel zu milde." Die Reporterin sagte alles, aufgeregt wie ein kleines Schulmädchen aber mit viel Routine in die Kamera. Alex versuchte sich an dem Gewirr der Leute vor der Tür gemeinsam mit Sean durchzuschlängeln. Die Reporter zogen bald ab und Sean und Alex standen fast einsam auf dem riesigen Platz vor dem Gerichtsgebäude. Sie besprachen gerade den Prozess und das milde Urteil als Alex das zweite Mal während ihres Aufenthaltes (Urlaub konnte man das ja kaum noch nennen) ein Blitz durchfuhr. Dieses Mal aber nicht wegen dem Anblick Kians, der war nämlich weit und breit nicht zu sehen, sondern wegen einem anderen jungen Mann. In einer schlabberigen Jeans und einem etwas engen Shirt kam er die Treppe runter. MARK FEEHILY
**Kapitel 11**
Seans Blick schweifte ebenfalls zu Mark und sofort sagte Sean hastig: "Lass
uns gehen Alex." Doch sie hörte ihn nicht. Ihr Blick war auf Mark fixiert.
Er kam direkt auf Sean und Alex zu und gab schliesslich Alex die Hand. "Ich
bin Mark Feehily, ein Freund von Kian. Es tut mir leid was er dir angetan hat."
Entschuldigend schaute er ihr in die Augen, als ob er daran Schuld wäre.
Alex war so verwirrt, dass sie im Moment nichts sagen konnte. "Hallo Sean. Lange
nicht mehr gesehen." "Ach halt doch die Klappe Marcus." Sean war sichtlich genervt
von Marks Anwesenheit. Mark wand sich wieder Alex zu. Diese starrte ihn immer
noch an. Als Mark und Sean sich gegenüber standen, konnte sie doch einige
Unterschiede zwischen ihnen erkennen. Klar, sie hatten beide blaue Augen, braune
Haare und sie waren etwa gleich gross, aber es gab feine Unterschiede. Marks
Augen strahlten noch mehr als Seans, Marks Haare waren etwas länger, Marks
Gesicht war ein wenig dunkler und runder. Doch die Stimme... Marks Stimme war
weicher und noch freundlicher als jene von Sean. Alex wurde aus ihren Studien
über die beiden Männer gerissen. "Sean, wie wäre es, wenn wir
alle drei zusammen noch etwas trinken gehen würden? Wir könnten uns
bei dieser Gelegenheit etwas unterhalten." "Unterhalten? Fragte Sean verblüfft.
"Pah, darauf kann ich verzichten. Willst du mir wieder demonstrieren dass du
der Bessere von uns beiden bist? So wie du es immer getan hast? Ok, wir können
gern noch ein weiteres Mal versuchen, anständig miteinander zu reden."
Alle drei setzten sich in ein Pub bestellten sich Guinness und warteten. Jetzt
sassen sie hier und niemand wollte anfangen zu sprechen. Mark begann nach langem
Schweigen schliesslich. "Können wir unseren kleinen Streit nicht endlich
beenden? Wir haben uns nichts getan. Wir streiten uns ohne jeglichen Grund."
"Ohne jeglichen Grund? Dass ich nicht lache! Wer hat damals in der Schule, als
wir I.O.U gegründet haben jeden Tag mit dir singen geübt? Wem hast
du deinen Erfolg zu verdanken? Mir! Ich habe das alles gemacht um dir zu helfen!
Und zum Dank hast du dafür gesorgt, dass ich die Band verlassen musste!"
"Aber das ist...", wollte sich Mark wehren. "Du musst gar nichts sagen Mark,
ich weiss, dass du alles abstreitest. Mit dir bin ich fertig. Du hast mein Leben
ruiniert." Sean stand auf und verliess stürmisch das Lokal. Alex sah noch
wie er über die Strasse zum Auto eilte, dann war er verschwunden. Alex
war sprachlos. Mark schüttelte den Kopf. Er wollte die ganze Sache endlich
klären, doch sein Cousin schaltete wie immer auf stur und liess ihn abblitzen.
Mark sass sprachlos am Tisch, die Ellbogen auf dem Tisch vor sich, die Hände
hinter dem hängenden Kopf vergraben. Alex wusste nicht, ob sie jetzt etwas
sagen sollte, entschied sich dann aber dagegen. Es ging einige Zeit bis Mark
sich aufrichtete und Alex freundlich anzulächeln. "Wie hast du Sean kennengelernt?"
"Das erste Mal haben wir uns auf der Strasse gesehen, als ich ihn nach dem Weg
zum Hotel fragte. Danach haben wir uns aber in einem Pub wieder getroffen",
antwortete Alex scheu. Mark wurde interessierter. "Hat er dir etwas von seiner
Vergangenheit erzählt?" "Nicht viel. Er hat mir gesagt wo er früher
gewohnt hat, dass du sein Cousin bist und dass er nicht allzu gut auf die zu
sprechen ist. Ach ja, und dass er das Musikstudium abgebrochen hat." "Ja ja,
das kenne ich. Das ist seine übliche Masche. Hat er auch gesagt, warum
er mich nicht mag?" "Das was ich heute gehört habe war eigentlich das Wichtigste.
Vorher hat er nur gesagt, dass du ihm alles kaputt gemacht hast." "Das stimmt
aber nicht, verdammt noch mal!" Mark schlug wütend auf den Tisch, wovon
sich einige Gäste umdrehten und neugierig zu Mark und Alex schielten. Etwas
leiser sagte Mark: "Ich erkläre dir jetzt alles Alex. Die ganze Wahrheit,
ohne die geringste Lüge. Das wahre Leben des Sean Feehily." Die blauen
Augen Marks schauten sie durchdringend an. Sollte sie Mark glauben schenken?
**Kapitel 12**
Mark räusperte sich kurz rutschte ein letztes Mal nervös auf dem Stuhl
herum und begann dann zu sprechen. "Die ganze Geschichte beginnt schon in der
Schule. Shane, Kian, drei andere Jungs und ich, haben die Band I.O.U gegründet.
Sean war dort am Anfang auch dabei. Er hat eine sehr schöne Stimme und
er hat mir sehr viel beigebracht. In diesem Punkt hat er Recht. Aber er gibt
mir die Schuld am Absturz seines Lebens. Die anderen Bandmitglieder wollten
Sean nicht in der Band und haben ihn kurzerhand rausgeschmissen. Sean glaubt
bis heute, ICH sei dafür verantwortlich." Mark betonte das Wort "ich" übermässig.
"Er meint ich hätte die ganze Sache mit seinem Rausschmiss ins Rollen gebracht,
da ich auf ihn eifersüchtig bin, meint er. Dabei war ich derjenige, der
ihn verteidigt hat. Er behauptet bis heute, Kian stand auf seiner Seite. Wir
wurden nach seinem Rauschmiss ziemlich berühmt bekamen einen Plattenvertrag
usw. Sean wurde bald ziemlich neidisch auf den Erfolg, was ich auch verstehen
kann. Er begann ein Musikstudium und wollte danach Musiklehrer oder sowas werden,
das weiss ich nicht mehr so genau. Doch seine ganze Wut auf Westlife und vor
allem auf mich, machten ihn krank. Er konnte einfach nicht damit umgehen. Schliesslich
musste er das Studium abbrechen, als bei ihm der Besitz von Drogen festgestellt
worden war und er ins Gefängnis musste. Er war vor ein paar Jahren irgendwie
in diese Szene hineingerutscht, vermutlich als er wieder eine seiner Eifersuchts-Anfälle
hatte und Ablenkung brauchte. Im Gefängnis war er nicht allzu lange, da
man nicht allzu viel Stoff bei ihm gefunden hatte, aber trotzdem ist es ein
dunkler Fleck in Seans Lebenslauf. Erst vor etwa einem Jahr hat er sich wieder
einigermassen gefangen. Im Moment lebt er vom Geld seiner verstorbenen Grossmutter
mütterlicherseits. Er hatte es wirklich nicht leicht, die letzten Jahre,
aber er war selber daran Schuld. Das Problem ist aber, dass er mir die Schuld
an allem gibt. Er will es bis heute nicht einsehen und man kann nicht vernünftig
mit ihm reden. Ich habe in der Vergangenheit schon viele Male versucht, ihm
die alles zu erklären und klare Verhältnisse zu schaffen, aber Seans
sturer Kopf wollte natürlich nicht. So habe ich es dann halt aufgegeben
und mich nicht weiter um ihn gekümmert, weil er sowieso immer gleich die
Krallen ausgefahren hat, wenn ich in der Nähe war. So, ich hoffe du glaubst
mir. Das war die ganze Geschichte des Sean Anthony Feehily."
Alex war sprachlos. Sie hatte bis jetzt ruhig zugehört, sich keine Gedanken
über das Erzählte gemacht. Aber jetzt, als Mark die ganzer Geschichte
erzählt hatte, drehte sich alles in ihrem Kopf. *Konnte das Sean sein?
Redet Mark nicht von einer anderen Person? Es war doch unmöglich. Sean
hatte sich liebevoll zwei Wochen lang um mich gekümmert und gestern haben
wir uns sogar geküsst... Sean soll eine schlechte Persönlichkeit sein?*
Alex schaute verwirrt. Sie blickte Mark ein weiteres Mal in die Augen und versuchte
darin zu erkennen, ob er die Wahrheit sagte. Sie konnte nur ein nervöses
Flackern in dessen Augen erkennen. Sie wusste nicht wie sie das einordnen sollte.
Positiv oder negativ? "Du glaubst mir nicht", sagte Mark plötzlich. "Doch,
ich würde dir sehr gerne glauben, aber ich kenne dich erst seit einer Viertelstunde,
Sean aber seit drei Wochen. Es klingt alles so... unwahrscheinlich... unlogisch...
Sean kann nicht so sein!" "Glaub mir, es entspricht der Wahrheit. Du kannst
jeden der ehemaligen Mitglieder von Westlife oder I.O.U befragen, sie werden
dir das Gleiche erzählen." Lange schwiegen sie. Alex war in Gedanken versunken.
Jetzt wusste sie, warum Sean so ein Geheimnis um seine Vergangenheit gemacht
hatte. "Ich glaube dir." Mark musste sie mit seinen strahlenden blauen Augen
nur einmal ansehen und kurz lächeln und Alex war hin und weg. Schon früher
hätte sie alles für diesen Mann getan und jetzt bemerkte sie, dass
es auch nach einem Treffen zwischen ihnen so war. Alex hatte schon nach dieser
kurzen Zeit des Zusammenseins bemerkt, wie viel ihr dieser Mann bedeutete, und
dass sie in Sean immer nur Mark gesehen hatte. Alex war sich auf einmal ziemlich
sicher, dass Mark ihr die Wahrheit gesagt hat. Jetzt wollte sie Sean zu Rede
stellen. Alex stand auf. "Ich gehe jetzt nach Hause, zu Sean. Ich muss mit ihm
reden. Vermutlich das letzte Mal Ich reise morgen wieder ab." "Morgen schon?
Schade." Mark machte ein bedrücktes Gesicht. Alex starrte zu Boden. "Soll
ich dich zu Sean bringen?" "Das wäre sehr nett, danke." Die beiden zahlten,
verliessen das Lokal und gingen gemeinsam auf Marks Auto zu, welches in der
Nähe stand. Mark trat aufs Gaspedal und fuhr so schnell wie möglich
zu Sean. Beide redeten kein Wort, bis Mark nach ein paar Minuten die Stile durchbrach.
"Liebst du Sean?" Alex war von dieser Frage völlig überrumpelt, auch
wenn sie für sich selber schon eine Antwort parat hatte. Sie hat Sean gestern
geküsst, und ihr war klar, dass sie dieser Kuss nicht kalt gelassen hat.
Doch sollte sie Mark davon erzählen? Sollte sie Mark offenbaren, dass Gefühle
für Sean da waren? Sie wollte nichts aufs Spiel setzen. "Nein." Nervös
spielte sie mit ihren Fingern. Mark schien nicht zu bemerken was mit ihr los
war, denn er gab keinen Ton mehr von sich, bis das Auto vor Seans Wohnung zum
Stehen kam. Die beiden verliessen das Auto. Als Alex bereits auf dem Weg zur
Tür war, hielt Mark sie auf. "Soll ich mitkommen?"
Ohne zu zögern flüsterte Alex ein "Ja". Seelische Unterstützung
konnte in solchen Momenten nicht schlecht sein. Plötzlich fühlte sie
sich total verunsichert. Was sollte sie Sean erzählen? Was sollte sie ihm
sagen? *Ich kann nicht zu ihm gehen und sagen: "Es tut mir leid Sean, aber du
bist ein Arschloch weil du mich angelogen hast. Ich will dich nie mehr wiedersehen."
Das klingt albern." Als Mark und Alex vor Seans Tür standen, atmete Alex
noch einmal tief durch. "Weißt du schon, was du Sean sagen willst?" "Hmm...
Noch nicht genau. Aber das wir schon noch kommen. Ich verlasse mich auf meine
Gefühle." Alex lächelte gequält. Mark klingelte an der Tür.
Es dauerte nicht lange und Sean öffnete die Tür. Als er Mark erblickte
war er nicht gerade begeistert. "Was willst du hier?" Statt Mark gab Alex Antwort.
"Ich muss mit dir reden." Gefühlslos blickte Alex Sean an. "Und was will
Mark hier? Er hat hier nichts zu suchen!" "Mark unterstützt mich. Ich möchte
nicht alleine mit dir reden." "Hast du Angst vor mir? Heisst das etwa du glaubst
diesem eingebildeten Trottel neben dir? Ich glaube es nicht!" Sean liess die
beiden in die Wohnung kommen, allerdings nicht ohne Mark mit einem verächtlichen
Blick zu mustern. "Ja, ich glaube Mark. Warum hast du mir nicht erzählt
wie schlecht es dir ging? Wir hätten doch über alles reden können!
Stattdessen sagst du mir nichts und lügst mich an." "Aber... aber... Ich
wollte doch nicht..." "Spar dir deine Reden Sean, du hast es verspielt! Alex
vertraut dir nicht mehr! Du hast sie enttäuscht und ich habe ihr endlich
die Wahrheit gesagt!" "Halt du dich da raus Mark! Du hast nichts zu sagen in
dieser Diskussion! Das ist eine Sache zwischen mir und Alex!" Zornig funkelten
Seans Augen. "Sean, ich wollte nur schnell meine Sachen holen und dann verschwinden."
"Was? Aber... Wieso..." Sean stotterte. Alex‘ Stimme versagte fast, Tränen
standen in ihren Augen als sie leise sagte: "Ich will dich nie mehr wiedersehen
Sean." Alex stürmte in das Gästezimmer, packte ihren Koffer und die
Tasche die sie gestern schon gepackt hatte. Sean und Mark folgten ihr und Sean
begann sofort: "Aber... Was wird aus uns? Willst du alles wegschmeissen? Den
Kuss? Einfach alles?" Mark stutzte. Das es einen Kuss zwischen Sean und Alex
gegeben hatte, wusste er nicht. "Vergiss es Sean. Ich kann nicht mehr. Du bist
ein Verräter, ein Lügner. Ich habe dir vertraut." Sean war kurz davor
zu heulen. "Liebst du mich denn überhaupt nicht?" Alex‘ Blick war eiskalt.
"Ich liebe dich nicht mehr, Sean. Du hast mit deinem Schweigen und deinen Lügen
alles kaputt gemacht."
**Kapitel 13**
Bevor Sean richtig reagieren konnte, hatte Alex den Arm von Mark gepackt und
beide haben die Wohnung von Sean verlassen. Ohne einmal zurückzublicken
stürmten die beiden zu Marks Auto und stiegen ein. Mark startete sofort
den Motor und er fuhr erstmal ein paar Strassen von Seans Wohnung weg, weil
beide Angst hatten, Sean könnte ihnen folgen. Dann hielten sie an. Alex
atmete erleichtert aus. "Und wo willst du jetzt hin?", fragte Mark. "Zu Sean
kannst du jetzt nicht mehr und dein Flieger geht erst morgen, hast du mir gesagt."
"Ich habe keine Ahnung." Erst jetzt viel Alex ein, dass sie so gut wie auf der
Strasse stand. Mark sagte scheu: "Ähm... Ich hätte eine Idee... Natürlich
nur wenn du nichts dagegen hast... Du könntest heute bei mir übernachten,
ich habe sicher noch ein Bett für dich frei." Mark lächelte schüchtern.
Alex nahm das Angebot dankend an. Was hätte sie auch für Möglichkeiten
gehabt? Mark fuhr wieder los und bald waren sie ausserhalb der Stadt unterwegs.
"Wohnst du immer noch in Sligo?" "Ja, in einem Haus welches ich mir vor ein
paar Jahren gekauft habe. Es ist sehr schön, aber für eine Person
alleine viel zu gross." "Hast du denn keine Familie?", fragte Alex stutzig.
"Ich habe weder eine Frau noch Kinder. Ein alter Junggeselle sozusagen mit meinen
25 Jahren." Mark grinste belustigt. "Also, alt bist du sicher noch nicht. Eher
jung und im besten Alter." Alex grinste frech. Die beiden plauderten noch ein
bisschen, bis sie etwas ausserhalb von Sligo vor einem grossen Haus hielten.
"So, hier wären wir. Mein bescheidenes Heim." Sie traten in das grosszügige
Haus und Alex kam nicht mehr aus dem Staunen heraus. Die Einrichtung war nicht
protzig, sah aber auch nicht billig aus. "Wir bringen deine Sachen am besten
ins Gästezimmer. Wann fliegst du morgen eigentlich?" "Erst gegen Abend."
Antwortete Alex. Sie gingen die Treppe hinauf, Mark schleppte einen der Koffer.
"Sag mal, was hast du in diesem Koffer? Der ist ja saumässig schwer! Hast
du irische Steine in deinem Koffer versteckt?" Gespielt gequält schleppte
Mark den Koffer die Treppe hinauf. "Endlich geschafft!" Mark liess den Koffer
schwungvoll auf dem Bett landen. Alex schaute belustigt.
Sie verliessen das Zimmer und liessen sich im riesigen Wohnzimmer nieder. "Dein
Haus ist wirklich schön! Ich bin begeistert. Vollkommen benommen liess
Alex den Blick durch das Zimmer schweifen. "Ich finde es hier auch wunderbar.
Aber das Haus ist viel zu gross für mich alleine. Ich bin sehr viel einsam.
Und dann ist ein solch grosses Haus nicht hilfreich. Ich fühle mich manchmal
so klein und verloren in dem Haus." Alex und Mark rückten näher zusammen.
"Was war zwischen dir und Sean? Und was meinte Sean mit diesem Kuss?" Mark war
sehr interessiert. Alex schaute Mark in die Augen. "Ich... Ich... Zwischen mir
und Sean gab es einen einzigen Kuss... Und er war nicht unbedeutend für
mich... Aber ich habe damals nicht Sean geküsst, ich habe in Gedanken jemand
anderem meine Liebe gezeigt." Sie senkte ihren Kopf und wartete auf eine Reaktion
von Mark. Mark rutschte noch etwas näher zu Alex und fasste ihr Kinn, so
dass sie ihm in die Augen sehen musste. "Ich habe mir vorgestellt, dich zu küssen
Mark. Ich habe mir das so sehr gewünscht." Die letzen Worte waren nur noch
ein Flüstern. "Und ich wollte dich küssen seit ich dich das erste
Mal im Gericht gesehen habe." Bevor Alex noch etwas erwidern konnte, legte Mark
seine Lippen sanft auf ihre und die beiden versanken in einen leidenschaftlichen
Kuss.
**Kapitel 14**
Als sie sich wieder voneinander trennten, sahen sie sich beide glücklich
an. "Du bist nicht mehr einsam Mark." "Ich weiss. Heute Nacht werde ich nicht
einsam sein." Die beiden küssten sich zärtlich. Die beiden waren kaum
zu trennen, bis es an der Tür klingelte. Mark blickte durch den Spion.
"Shit, es ist Sean." Sagte Mark. Alex erschrak. Sie wollte Sean nicht sehen,
denn sie konnte sich vorstellen, wie wütend er war. Sean schrie, so dass
man es sogar im Wohnzimmer hören konnte: "Mark, mach diese verdammte Tür
auf, ich weiss dass du zu Hause bist! Ich muss mit dir reden!" Mark überlegte,
ob er die Tür öffnen sollte oder nicht. Schliesslich entschied er
sich, Sean eine Chance zu geben und ihn zu fragen, was er von ihm wollte.