Ich stand nun schon seit drei Stunden am Flughafen in Sligo und wartete auf die Maschine aus Dublin, mit der meine Freundin zu mir kommen wollte. Ich ging immer wieder auf und ab und sah alle paar Sekunden auf die Uhr.
„Davon geht die Zeit auch nicht schneller rum.“ ein junger Mann grinste mich an.
„Ich weiß, aber die Maschine braucht doch eigentlich nur 40 Minuten von Dublin.“ ich sah wieder auf meine Uhr.
„Ja, aber der Flug hat anscheinend Verspätung.“ er lachte weil ich wieder anfing auf und ab zu laufen.
„Anscheinend.“ grinste ich.
„Ich bin Michael.“ er reichte mir seine Hand.
„Ich bin Jennifer.“ ich reichte ihm ebenfalls meine Hand.
„Wollen wir was trinken?“ er deutete zum Automaten.
„Gern, vielleicht geht dann die Zeit schneller rum.“ ich ging auf den Automaten zu.
„Also wir haben Fanta, Coke, Sprite und Coke light.“ er sah mich fragend an.
„Coke light.“ grinste ich.
„War ja klar.“ er drückte auf den Knopf und gab mich breit lächelnd meine Coke light.
„Warum?“ ich sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Weil ihr Frauen ja immer auf eure Figur achtet.“ lachte er.
„Wir Frauen?...“ ich schubste ihn „...Stimmt gar nicht, aber ich trinke nun mal am liebsten light.“ ich setzte mich in den Wartebereich.
„Wollen wir nicht lieber draußen warten?“ er deutete auf die Plattform.
„Ja sicher, man sollte es ausnutzen wenn hier mal die Sonne scheint.“ grinste ich.
„Hey so schlimm ist es ja nun auch nicht.“ er hob abwehrend die Hände.
„Na, ja ich bin anderes gewohnt.“ ich ging raus und stellte mich an die Brüstung.
„Ach, ja? Woher kommst du denn?“ er lehnte sich mit dem Rücken an das Geländer und sah mich gespannt an.
„Eigentlich aus Deutschland, aber die letzen zwei Jahre habe ich in Spanien gewohnt.“ ich schirmte meine Augen gegen die Sonne ab und sah zum Horizont.
„Interessant. Wie lange bist du denn schon hier?“ er brachte seine leere Flasche weg.
„Seit einem halben Jahr. Und du?“ ich ging zu ihm und setzte mich neben ihn auf die Fensterbank.
„Ich wohne seit meiner Geburt hier in Sligo.“ er grinste.
„Oh, ein waschechter Ire.“ lächelte ich.
„Ja.“ grinste er wieder. „Führung gefällig?“
„Jetzt?“ lachte ich.
„Nein, nein aber vielleicht hast du ja mal einen Tag frei und hast dann Lust dir die Gegend anzusehen...“ er fuhr sich durch die Haare „...Wo arbeitest du eigentlich?“
„Im General.“ ich sah wieder zum Himmel.
„Interessant! Übrigens...“ er zeigte zum Himmel „...Davon geht es auch nicht schneller.“ lachte er wieder.
„Hey, erst darf ich nicht auf meine Uhr sehen und jetzt darf ich nicht zum Himmel schauen?“ ich zog einen Schmollmund.
„Hey!“ er sah mich bittend an „Verzeihst du mir?“
„Ja.“ lachte ich.
Plötzlich klingelte mein Handy.
„Jennifer Ohlsen.“ meldete ich mich fröhlich. Meine Freundin Maria rief mich aus Dublin an um mir zu sagen das sämtliche Füge gestrichen wurde und sie es an diesem Wochenende nicht mehr schaffen würde mich zu besuchen.
„Super.“ sagte ich zu Michael als ich aufgelegt hatte.
„Was ist denn passiert?“ er sah interessiert an.
„Das war meine Freundin Maria, auf die ich hier seit nunmehr vier Stunden warte, um mir zu sagen das alle Flüge von Dublin gestrichen sind und sie morgen die erste Maschine nach Barcelona nimmt, weil es sich nicht mehr lohnt zu mir zu fliegen...“ ich sah enttäuscht zu Boden.
„Tut mir leid.“ er nahm mich in den Arm.
„Geht schon.“ ich sah ihn an und sah dann wieder auf meine Uhr.
„Was hältst du von Pizza?“ ich sah ihn lange an.
„Gern, wo wollen wir hin?“ er stand auf und hielt mir seine Hand hin.
„Zu mir? Ich habe eine leckere Pizza im Backofen, sie muß nur noch etwas aufgewärmt werden.“ ich versuchte zu grinsen.
„Klar, wie könnte ich so eine Einladung ablehnen.“ er nahm meine Hand und wir gingen nach draußen.
„Wow, ist das dein Auto?“ ich bestaunte seinen Sportwagen.
„Hmm ja.“ meinte er verlegen.
„Gut, dann sollte ich wohl vor fahren, du hängst mich sonst ab.“ ich deutete auf meinen VW Golf.
Er lachte erleichtert „Sicher, Ladies first.“
Ich stieg in meinen Wagen und fuhr zu meinem kleinen Haus am Rande von Sligo. Erst wollte ich mir nur eine Wohnung mieten, aber ich mußte fest stellen, das die Miete für eine Wohnung teurer war wie für ein kleines Haus. Also entschied ich mich natürlich für ein Haus. Ich parkte in meiner Auffahrt und Michael fuhr gleich hinter mir aufs Grundstück.
„Ich hoffe ich war nicht allzu langsam.“ ich sah ihn entschuldigend an.
„Quatsch! Hier wohnst du also.“ er sah zum Haus.
„Ja, komm rein.“ ich schloß auf und er folgte mir in den Flur. „Führung gefällig?“ grinste ich.
„Gerne.“ er hängte seine Jacke auf.
„Gut, also wir sind hier im Flur...“ ich ging weiter gerade aus „Hier haben wir das Wohnzimmer, hier meine Küche und eine kleine Terrasse...“ ich ging die kleine Treppe nach oben „...Und hier haben wir mein Schlafzimmer, mein Bad und mein Arbeitszimmer.“ ich schloß die Tür sofort wieder.
„Was ist denn da drin?“ grinste er.
„Ist nur etwas chaotisch.“ ich hielt die Türklinke fest.
„So schlimm kann es ja nicht sein.“ lachte er und drückte die Klinke hinunter. Dann standen wir in meinem Arbeitszimmer, auf dem Boden lagen überall Blätter verstreut und auf dem Tisch türmten sich Berge mit Büchern und Zetteln. In der Ecke stand meine Kamerastativ und meine Kamera lag auf dem Boden, auf dem Regal an der Wand lagen stapelweise Fotos und Filme. Alles in allem das totale Chaos.
„Hübsch hier.“ lächelte er und hob ein Blatt auf „Was ist das?“ er reichte mir ein Blatt.
„Das sind Gedichte und Geschichten.“ erklärte ich und sah zu Boden.
„Ist das deutsch?“ er sah sich das Blatt genau an.
„Ja, ich kann meine Gefühle am Besten in Deutsch ausdrücken.“ ich nahm einige Blätter vom Boden und legte sie zu den anderen auf den Tisch. „ich bin gerade dabei sie alle in meinen Computer einzugeben.“ ich deutete auf meinen Laptop und sah wieder zu Boden.
„Hey, das ist toll, warum wirst du rot?“ er nahm meine Hand.
„Momentan frage ich mich eher, warum ich das Gefühl habe dich schon ewig zu kennen.“ ich sah ihm in seine blauen Augen.
„Weiß ich nicht, aber mir geht es genauso.“ er zog mich zu sich und ich atmete seinen After Shave Geruch ein.
„Los komm, wir gehen wieder runter und ich schmeiße den Ofen an.“ ich zog ihn aus dem Zimmer.
„Klingt gut, ich verhungere.“ er rieb sich den Bauch und wir gingen lachend in die Küche.
Wir aßen die Pizza und tranken ein Glas Rotwein dazu. Ich wollte Michael gerade das zweite Glas einschenken, als ich inne hielt.
„Willst du noch fahren?“ ich sah auf sein Glas.
„Hmm weiß nicht.“ er grinste mich an.
„Ich könnte dir anbieten auf der Couch zu schlafen.“ lächelte ich süffisant.
„Das Angebot nehme ich gerne an.“ lachte er und hielt mir sein Glas hin.
„Gut..“ lächelte ich und schenkte ihm nach „Sag mal wen wolltest du eigentlich abholen?“ ich zog meine Augenbraue hoch.
„Niemanden, ich habe nur einen Freund zum Flughafen gebracht und habe dann die Aussicht und die Gesellschaft genossen.“ grinste er.
„Ach so ist das!“ ich knuffte ihn in den Unterarm.
„Aua! Willst du mich jetzt bestrafen?“ er streckte mir die Zunge raus.
„Ich überlege mir noch was!“ ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück.
Nachdem wir aufgegessen hatten gingen wir ins Wohnzimmer und machten es uns Gemütlich.
„Wie wäre es mit einem Film?“ ich stand auf und ging an meinen DVD Schrank.
„Sehr gut, ein gutes Essen, ein toller Wein und ein guter Film. Das sind ja gleich alle ersten drei Dates auf einmal.“ lachte er.
„Tja, ich war schon immer von der schnellen Sorte.“ lachte ich „Also ich habe hier so ziemlich jeden guten Film der letzten fünf Jahre. Worauf hast du Lust?“ ich deutete auf meine gut 150 DVD`s.
„Was lustiges?“ er kam zu mir.
„Hmm, da hätten wir Hitch, Clueless, Der verrückte Professor 1 und 2, Natürlich blond 1 und 2 und ...“ weiter kam ich nicht.
„Den da!“ Michael zeigte blind auf einen Film.
„Gut, dann schauen wir heute Abend...“ ich zog den Film heraus „...Final Destination. Nicht gerade lustig..“ ich sah ihn an.
„Aber gut.“ er setzte sich wieder und ich legte den Film ein.
„Stört es dich wenn ich Untertitel anmache?“ ich grinste ihn an.
„Natürlich nicht.“ er machte es sich auf der Couch bequem.
Ich setzte mich neben ihn, er zog mich in seine Arme und ich kuschelte mich an ihn. Wir sahen den Film und gegen Ende merkte ich wie mir langsam aber sicher die Augen zufielen.
Am nächsten Morgen wurde ich durch die Sonne die ins Wohnzimmer schien geweckt. Ich reckte mich und merkte das Michael neben mir bzw. halb auf mir lag. Ich lächelte und küßte ihn auf die Wange.
„Guten Morgen.“ meinte ich leise.
„War das alles?“ er öffnete ein Auge und grinste.
„Guten Morgen Michael.“ sagte ich und sah ihn gespannt an.
„Das meinte ich nicht.“ er zog mich hoch und küßte mich.
Ich ließ mich fallen und genoß seine Küsse. Er wurde immer fordernder und ich ließ es geschehen. Ich wollte ihn in diesem Moment mehr wie alles andere. Wir schliefen miteinander und ich grinste ihn an.
„Was?“ er lächelte mich an und küßte meine Stirn.
„Das war jetzt wohl unser viertes Date.“ lachte ich.
„Ja, denke ich auch!“ er zog mich in seine Arme.
„Wie wäre es jetzt mit Kaffee?“ er setzte sich auf und sah mich gespannt an.
„Tut mir leid, habe ich nicht. Ich trinke keinen Kaffe. Tee?“ ich sah ihn entschuldigend an.
„Gerne.“ lachte er und küßte meine Nasenspitze.
Ich stand auf und ging in die Küche, ein paar Minuten später kam ich mit dem Tee zurück und sah das Michael wieder eingeschlafen war. Ich beobachtete ihn eine Weile, dann ging ich nach oben und holte meine Kamera. Ich machte ein paar Aufnahmen von ihm, als er wach wurde.
„Hey was machst du da?“ fuhr er mich an.
Ich erschrak und trat einen Schritt zurück.
„Was hast du mit den Fotos vor?“ er kam auf mich zu.
„Nichts, ich fand nur das dein Gesicht in dem Licht so weich und konturenreich aussah und wollte ein Bild machen.“ ich hatte vor Schreck Tränen in den Augen.
„Tut mir leid, es tut mir so leid.“ Michael nahm mich in den Arm.
„Warum?“ ich trat einen Schritt zurück.
„Oh Jen, es tut mir wirklich leid, ich mag es einfach nicht wenn man mich ohne Vorwarnung fotografiert. Verzeih mir!“ er nahm mein Gesicht in seine Hände.
„Michael.“ ich schlang meine Arme um ihn.
„Es tut mir leid!“ er küßte mich.
„O.k.!“ ich sah ihm in die Augen und ich sah das er selbst von sich geschockt war.
„Dein Tee ist fertig.“ ich sah zum Tisch auf dem die beiden Becher dampften.
„Super.“ er nahm eine Tasse und setzte sich.
Ich setzte mich zu ihm und sah ihn lange an.
„Jen, es tut mir wirklich leid, ich wollte dich nicht so anfahren.“ er nahm meine Hand.
„O.k.“ sagte ich leise und drückte seine Hand.
„Hast du heute Zeit für eine Führung?“ er grinste mich an.
„Warum eigentlich nicht.“ ich trank meinen Tee aus. „Ich ziehe mich schnell um.“ ich ging nach oben und zog mir eine dunkle Jeans, ein rosanes Poloshirt und eine dunkelblaue Sweatjacke an. Dann ging ich wieder runter, Michael saß immer noch am Tisch und sah nach draußen.
„Hey, schau mal du hast Besuch!“ er deutete auf den Rasen auf dem es sich ein Hase gemütlich gemacht hatte.
„Das ist Bennie Bunny. Er besucht mich öfter.“ grinste ich.
„Oh, muß ich mir Sorgen machen?“ er stand auf und nahm mich in den Arm.
„Hmmm....“ ich lächelte ihn an „...Er ist zwar auch sehr süß, aber ziemlich schüchtern."
„Also eine schwere Ausgangslage.“ er küßte mich.
„Ja so könnte man es nennen.“ lächelte ich.
„Wie sieht es denn bei mir aus?“ er strich mir eine Strähne aus dem Gesicht.
„Ganz gut.“ ich schlang meine Arme um ihn.
„Ganz gut?“ er zog eine Augenbraue hoch.
„Ich habe so etwas noch nie erlebt. Ich fühle mich bei dir so sicher.“ ich küßte ihn und hielt ihn fest.
„Ich bin dabei mich Hals über Kopf in dich zu verlieben.“ er sah zu Boden.
„Ich auch!“ ich nahm seine Hand „Los komm, ich möchte dein Irland sehen!“ ich ging in den Flur und zog meine Turnschuhe an.
Michael folgte mir und wir gingen nach draußen.
„Willst du fahren?“ ich sah zu seinem Auto.
„Wollen wir nicht lieber dein Auto nehmen, wir werden viel im Gelände unterwegs sein.“ er sah auf mein Auto.
„O.K. Willst du fahren?“ ich reichte ihm den Schlüssel.
„Nein, das mußt du ja auch lernen.“ lachte er und stieg auf der Beifahrerseite ein.
„Wie du meinst.“ grinste ich und stieg ebenfalls ein.
Wir sahen uns die Gegend an und Michael erzählte alles so voller Euphorie und Erinnerungen das ich ihn immer wieder lächelnd von der Seite ansah.
Nach über sechs Stunden fuhren wir wieder zu mir und ich machte uns einen Tee zum aufwärmen. Es war Mitte März und noch recht kühl draußen.
„Wie hat es dir gefallen?“ Michael setzte sich.
„Es war sehr schön, ich fange an mich für Irland zu begeistern.“ lächelte ich und setzte mich auf seinen Schoß.
„Du kannst mir ja irgendwann einmal deine Heimat zeigen.“ er schlang seine Arme um mich.
„Gerne, dann fliegen wir nach Hamburg und dann nach Barcelona.“ lachte ich.
„Sag mir wann und ich werde da sein.“ er stupste mir auf die Nase.
„Gut, ich erinnere dich daran!“ lachte ich.
Wir stiegen aus und gingen ins Haus.
„Ich springe schnell unter die Dusche.“ ich lief hoch und duschte ausgiebig.
Als ich wieder runter kam ging Michael ebenfalls hoch und duschte. Blaß kam er wieder runter.
„Was ist denn los?“ ich sah ihn fragend an.
„Ich habe das hier gefunden.“ er hielt meine Pillenpackung hoch und ich schlug die Hand vor den Mund. Ich hatte sie gestern total vergessen.
„Shit!“ ich setzte mich auf die Couch.
„Hey komm her!“ Michael setzt sich zu mir und nahm mich in den Arm „Wird schon gut gegangen sein!“ beruhigte er eher sich als mich.
„Hoffentlich!“ ich schmiegte mich an ihn.
Die nächsten Wochen sahen wir uns fast täglich, wir vergaßen das etwas hätte passiert sein können, denn ich bekam meine Regel. Wir gingen selten aus und trafen uns nur bei mir. Wenn wir ausgingen dann fuhren wir meistens nach Ballina oder Donegal. Ich war glücklich und Michael zeigte mir immer wieder aufs Neue wie sehr er mich liebte. Ich lernte Rowen seinen besten Freund kennen, er und seine Freundin Jessica begleiteten uns oft und wir saßen abends zusammen bei mir oder Rowen.
Ende Mai ging ich abends mit meiner Freundin Cath durch die Sligoer Innenstadt, sie wollte mir ein Pub zeigen und wir wollten uns amüsieren. Vor dem Pub angekommen mußten wir fest stellen das dort eine geschlossene Gesellschaft feierte. Wir gingen die Straße weiter hinunter auf der Suche nach einem neuen Pub, als uns Rowen mit Jessica entgegen kam.
„Hey Row, wolltest du nicht heute mit Mike weg?“ ich sah ihn fragend an.
„Eigentlich schon...“ meinte er nervös „...aber mir ist etwas dazwischen gekommen.“ er sah zu Jess.
„Ja wir sind zu einer Party eingeladen worden, aber Mike hatte keine Lust.“ sie zuckte mit den Schultern.
„Ach so.“ ich sah sie lange an, es kam mir komisch vor aber ich ließ mir nichts anmerken.
„Wir müssen leider weiter Jen, ich hoffe du bist nicht böse.“ Rowen sah mich lange an, ich hatte das Gefühl er wolle mir was sagen aber er wandte sich dann wieder Jess zu.
„Nein, kein Problem. Wir wollen was trinken gehen.“ ich deutete auf Cath und sie winkte den beiden zu.
„Viel Spaß!“ meinte Jess und die beiden gingen.
Cath und ich fanden ein gemütliches kleines Pub auf der anderen Seite des Garavouge, des Flusses der Sligo in zwei Hälften teilte. Cath kannte den Barkeeper und stellte ihn mir vor. Er hieß Hian und wir amüsierten uns köstlich, gegen elf Uhr kündigte er die letzte Runde an und wir bestellten eilig noch zwei Bullmers.
„Was macht ihr zwei Hübschen gleich noch?“ er reichte uns unsere Gläser.
„Keine Ahnung, vielleicht ins Toffs oder ins Envys.“ Cath zuckte mit den Schultern.
„Ich gehe gleich noch ins McHughes. Wollt ihr nicht mit?“ er grinste Cath vielsagend an.
„Da ist heute geschlossene Gesellschaft.“ erklärte ihm Cath.
„Ich weiß, ein Freund arbeitet da und er läßt uns rein.“ er zwinkerte mir zu.
„Was ist denn da los?“ wollte ich wissen.
„Einer unserer höchsteigenen Boygroupmitglieder hat morgen Geburtstag und feiert groß rein.“ er lächelte als er mein verständnisloses Gesicht sah „Mark Feehily von Westlife.“ erklärte er weiter.
„Westlife?“ ich sah ihn fragend an.
„Sag mal wo warst du denn die letzten Jahre?“ er lachte.
„Wenn du es genau wissen willst...“ ich beugte mich über den Tresen „...In Spanien.“ grinste ich.
„Gut das erklärt es..“ er lächelte mich an „...Westlife ist eine berühmte Boyband und drei der Mitglieder kommen aus Sligo.“
„Gut ich denke das reicht an Info`s. Da werden ja auch normale Leute sein, oder?“ ich grinste.
„Zu Not mußt du dich den ganzen Abend mit mir und Cath abgeben.“ er wischte den Tresen.
„Das würde ich wohl überleben.“ ich stand auf und half ihm die Stühle hoch zu stellen. „Aber ich kann nicht allzu lange, mein Freund hat morgen auch Geburtstag und er kommt am Nachmittag vorbei.“ erklärte ich ihm.
„Wir werden sehen.“ er ging nach hinten und zog sich um.
Wir gingen zum Hintereingang des McHughes und der Freund von Hian ließ uns ohne Fragen rein.
Drinnen war es voll und es war eine gute Stimmung. Plötzlich entdeckte ich Rowen mitten in der Menge, ich ging zu ihm und tippte ihn auf die Schulter. Er drehte sich um und sah mich erschrocken an.
„WWWWas machst du denn hier?“ stotterte er.
„Ein Freund hat uns mitgebracht.“ grinste ich.
Dann war Mitternacht und alle sangen dem Geburtstagskind eine Ständchen.
Alle forderten eine kleine Rede von ihm. “Los Mark! Sag was!“ riefen einige und lachten. Der angesprochene ging zu einem Tisch und stellte sich darauf. Ich traue meinen Augen nicht, dort auf dem Tisch stand Michael...
„Ich danke euch allen das ihr gekommen seid! Ich bin kein Freund großer Reden also sage ich euch nur eins: Viel Spaß!“ er kletterte vom Tisch.
Ich drehte mich zu Rowen um.
„Es tut mir leid Jen.“ er sah mich traurig an.
„Du hast es gewußt und hast in den letzten sechs Wochen nicht einmal die Zeit gehabt mir das...“ ich zeigte zu Michael bzw. Mark „...zu erklären?“ Tränen stiegen in meine Augen.
Mark kam zu Rowen und klopfte ihm auf die Schulter.
„Hey...“ dann entdeckte er mich „Jen.“ er sah mich geschockt an.
Ich ging zu ihm und schlug ihm mit der flachen Hand ins Gesicht.
„Ich kann es dir erklären...“ setzte er an.
„Ich verzichte.“ Tränen liefen mir übers Gesicht. „Es war alles gelogen.“ ich ging Richtung Tür als mich ein Mann fest hielt.
„Entschuldigen sie mal, was denken sie wer sie sind?“ er sah mich verständnislos an.
„Das weiß ich nicht!“ ich machte mich los und lief raus. Rowen folgte mir.
„Jen warte!“ er packte mich am Arm.
„Warum sollte ich das tun?“ ich sah ihn enttäuscht an.
„Er wollte dir nicht weh tun, er hatte Angst.“ er nahm meine Hand „Er liebt dich, wirklich!“
„Er hat mich von Anfang an belogen...“ ich sah ihm in die Augen „...Woher soll ich wissen was nicht gelogen war?“ ich drehte mich um und winkte mir ein Taxi heran.
Am nächsten Morgen rief ich im Krankenhaus an und meldete mich für die nächsten zwei Wochen krank, dann buchte ich mir ein Flug nach Barcelona und rief Maria an um mich bei ihr anzumelden. Sie verstand das ich Hilfe brauchte und sagte mir sofort zu. Mittags fuhr ich zum Flughafen und flog nach Dublin um meine Anschlußmaschine nach Barcelona zu bekommen.
In den nächsten zwei Wochen weinte ich mich bei Maria aus und sie versuchte mich so gut wie möglich abzulenken. Zu allem Überfluß blieb meine Regel aus und ich erbrach mich öfter, aber ich wollte es nicht wahr haben und schob einen Arzttermin vor mir her. Nach zwei Wochen mußte ich dann wieder zurück, da ich meinen Job nicht verlieren wollte.
Ich kam um Mitternacht in Sligo am Flughafen an und unter dem Scheibenwischer meines Autos waren Zettel und Briefe befestigt. Außer einem Strafzettel ausschließlich Nachrichten von Mark. Ich zerknüllte sie und warf sie in den nächsten Mülleimer. Zu Hause in meinem Briefkasten lagen haufenweise Briefe. Rechnungen, Briefe von meiner Familie und bestimmt 10 Briefe von Michael bzw. Mark. ich machte mir gar nicht die Mühe sie zu lesen sondern verbrannte sie gleich. Danach fühlte ich mich besser und ging schlafen. Es war eine sehr kurze Nacht da ich am nächsten Morgen Frühdienst hatte. Ich fuhr zu Klinik und Cath kam gleich auf mich zu.
„Mensch Jen, ich habe mir Sorgen gemacht! Wo warst du?“ sie nahm mich in den Arm.
„Ich brauchte eine Auszeit.“ ich drückte sie.
„Du siehst ziemlich mitgenommen aus.“ sie betrachtete mich genau.
„Ich bin heute Nacht erst angekommen und habe wenig geschlafen.“ ich ging mich umziehen und sie folgte mir.
„Mark war hier und hat mir..“ begann sie und legte ihre Hand auf meine Schulter.
„Ich möchte diesen Namen nie wieder hören.“ fuhr ich sie an.
„Aber du solltest mit ihm reden.“ sie nahm meine Hand.
„Cath, ich möchte diesen Namen nie wieder hören und ich möchte ihn nie wieder sehen. Hast du mich verstanden?“ ich trat einen Schritt zurück.
„Gut.“ sagte sie nicht sehr überzeugt.
Meine Schicht verlief relativ ruhig und um vierzehn Uhr machte ich mich fertig um nach Hause zu fahren. Ich verließ die Klinik und blieb in der Tür stehen. Mark stand auf dem Parkplatz und sah mich an.
„Jen...“ setzte er an.
ich ging an ihm vorbei und stieg in mein Auto. Ich startete den Motor und sah ihn an. „Geh mir aus dem Weg.“ dann fuhr ich los und ich sah im Rückspiegel das er mir folgte.
Ich parkte vor meinem Haus, stieg aus und ging schnell zu Tür.
„Jen bleib bitte stehen!“ Mark stieg ebenfalls aus.
„Es gibt keinen Grund dafür.“ ich sah ihn kalt an.
„Ich liebe dich!“ sagte er resigniert und blieb kurz vor mir stehen.
„Tut mir leid aber du hast mich belogen und ich kann dir das nicht glauben.“ ich schloß die Tür auf und schloß sie gleich hinter mir.
„Es ist die Wahrheit!“ rief er mir nach.
Ich stand im Flur und ließ mich an der Tür hinunter gleiten und begann zu weinen. Ich liebte ihn auch, mehr als ich mir eingestehen wollte aber ich konnte ihm nicht verzeihen.
„JEN BITTE!“ er stand immer noch vor der Tür und klopfte unablässig an. ich stand auf und ging ins Wohnzimmer. Ich drehte meine Anlage voll auf und setzte mich auf die Couch. Irgendwann nach fast zwei Stunden gab er auf und ich ging zu Bett. Ich lag noch lange wach und weinte.
Drei Wochen später wartete ein junger Mann den ich nicht kannte bei meinem Auto.
„Kann ich ihnen helfen?“ ich sah ihn gespannt an.
„Ich hoffe doch. Bist du Jennifer?“ er sah mich genau an.
„Ja. Worum geht es?“ ich schloß meinen Wagen auf.
„Hast du einen Moment Zeit? Würdest du mit mir einen Kaffe trinken gehen?“ er lehnte sich gegen die Wagentür.
„Darf ich erst einmal erfahren wer du bist?“ ich sah ihn verständnislos an.
„Ich heiße Nicky und ich möchte mit dir reden.“ stellte er sich vor.
„Worüber?“ ich stutzte.
„Mark.“ sagte er ohne Umschweife.
„Keinen Bedarf, mir geht es nicht gut.“ ich schob ihn leicht zur Seite.
„Bitte, er weiß nicht das ich hier bin und ich möchte dich nur um ein paar Minuten deiner Zeit bitten.“ er hielt mir seine Hand hin.
Ich rang mit mir, schließlich gab ich nach.
„Gut, ein paar Minuten.“ ich schloß meinen Wagen wieder ab und wir gingen ein Stück zu einem kleinen Café.
Wir setzten uns etwas abseits und ich sah ihn gespannt an.
„Gut Nicky, dann rede.“ ich hing meine Jacke über meine Stuhllehne.
„Was möchtest du trinken?“ er winkte den Kellner heran.
Ich sah in die Karte „Einen heiße Schokolade.“
Er bestellte und sah mich dann lange an „Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll.“ gab er zu.
„Warum willst du mich sprechen.“ ich lehnte mich zurück.
„Warum bist du so abweisend?“ er lehnte sich zu mir.
„Warum? Weil mein Ex Freund mich von vorne bis hinten belogen hat. Er hat mich enttäuscht und verletzt.“ ich kämpfte mit meinen Tränen.
„Jen. Ich weiß ich kann nichts sagen was es gut machen würde, aber ich versuche es dir zu erklären...“ er nahm meine Hand und der Kellner stellte unsere Getränke auf den Tisch.
Ich konnte nur nicken.
„Also die Sache ist die. Ich bin in der gleichen Band wie Mark und wir kennen uns seit sieben Jahren. Wir stehen seitdem es Band gibt unter ständiger Beobachtung. Bei mir und meiner Frau ist es so das wir beide schon vor unserer Beziehung im Rampenlicht standen und es quasi schon immer so kennen. Mark tut sich manches Mal sehr schwer mit dem Ruhm und den Folgen. Er hatte einfach Angst das, das alles kaputt machen könnte.“ er streichelte unablässig meine Hand.
„Er hat alles kaputt gemacht.“ eine Träne lief mir übers Gesicht.
„Mark ist am Boden zerstört, er liebt dich wirklich. Ich habe ihn noch nie so gesehen.“ er hob meinen Kopf an „Sag mir nur eins: Liebst du ihn?“ er sah mir in die Augen.
„Ja.“ sagte ich leise.
„Gut, tust du mir ein Gefallen?“ er lächelte mich an.
„Was?“ ich wischte meine Tränen beiseite und versuchte ebenfalls zu lächeln.
„Komm mit zu ihm.“ er hielt mir seine Hand hin.
Ich ergriff sie und erhob mich langsam. Nicky zahlte und wir gingen zu seinem Auto und er hielt mir die Tür auf.
Wir fuhren schweigend eine Straße die etwas nach außerhalb führte. Es begann zu regnen und ich konnte das Haus auf das wir zufuhren nur schemenhaft erkennen. Nicky hielt und wir stiegen aus, ich konnte mein erstaunen über das riesige Haus nicht verbergen.
„Hey!“ Nicky legte seinen Arm um meine Schultern.
Ich atmete tief durch, dann sah ich ihn hilflos an „Ich muß dir noch etwas ganz wichtiges sagen.“
„Was ist denn los?“ er nahm meine Hand.
„Ich bin mir nicht sicher, aber....“ ich merkte wie eine Übelkeitswelle in mir aufstieg, ich lief zurück zum Auto und übergab mich.
Nicky lief mir hinterher.
„Mein Gott, was ist denn los?“ er hielt mir ein Taschentuch hin.
Da mir das leider schon öfter passiert war holte ich mein Mundspray aus der Tasche und sprühte ein paar Mal.
„Besser?“ fragte Nicky besorgt nach.
„Also was ich sagen wollte...“ ich atmete tief ein „...Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube ich bin schwanger.“
„Was? Oh, mein Gott! Da war Markie ja ganz schön schnell.“ Nicky grinste mich an.
„Ich weiß nicht was ich machen soll.“ ich sah zu Boden.
„Hey, erzähle es ihm erst einmal und dann könnt ihr beide überlegen was ihr machen sollt. Das ist seine Entscheidung genauso wie deine, ihr wart ja beide daran beteiligt“ er versuchte zu grinsen. Wir gingen wieder zur Tür, der Regen war angenehm warm und ich schloß meine Augen.
Nachdem nach mehrmaligem Klingeln niemand öffnete holte Nicky einen Schlüssel aus der Tasche.
„Ich weiß das er zu Hause ist, ich habe vorhin mit Rowen telefoniert. Er wollte eigentlich bei ihm sein.“ er schloß auf und wir gingen hinein. „MARK? ROWEN?“ rief er ins Haus. Rowen kam uns mit einem Handtuch um die Schultern entgegen.
„Nicky!“ er nahm ihn in den Arm, dann entdeckte er mich. „JEN!“ er stürmte auf mich zu und umarmte mich stürmisch „Es tut so gut dich zu sehen.“ er hatte Tränen in den Augen.
„Ich freu mich auch dich zu sehen!“ ich küßte ihn auf die Wange.
„Wo ist er?“ Nicky sah Rowen fragend an.
„Er sitzt seit drei Stunden auf der Terrasse und läßt sich nicht dazu bewegen rein zu kommen.“ Rowen deutete nach draußen, wo ich im strömenden Regen nur schwer jemanden ausmachen konnte.
Nicky nickte mir zu und ich öffnete die Terrassentür.
„Rowen geh rein...“ Mark drehte sich nicht einmal um „...Es regnet!“
„Danke, das merke ich.“ sagte ich und trat hinaus.
Mark drehte sich um und sah mich mit großen Augen an. „Jen.“ flüsterte er.
„Ja ich denke das ist mein Name.“ ich konnte die Ironie in meiner Stimme nicht unterdrücken.
„Jen.“ er stand auf und kam auf mich zu.
„Mark.“ ich sah ihm in die Augen und konnte mich nur schwer zusammen reißen in nicht sofort in den Arm zu nehmen.
„Es tut mir so leid.“ er nahm meine Hand.
„Ich weiß...“ meinte ich mit belegter Stimme.
„Darf ich dich in den Arm nehmen?“ sagte er leise und eine Träne vermischte sich mit dem Regen.
Ich breitete meine Arme aus und begann zu weinen „Du brauchst nicht zu fragen.“
Er nahm mich in den Arm und ich schmiegte mich an ihn. Wir standen lange einfach so da und er küßte mich unablässig.
„Ich liebe dich!“ flüsterte er.
„Ich dich auch!“ ich nahm sein Gesicht in meine Hände.
„Hey ihr zwei! Hier drin ist es trocken!“ Nicky stand in der Tür.
Mark und ich grinsten uns an und folgten ihm ins Innere des Hauses. Rowen reichte uns Handtücher und wir setzten uns ins Wohnzimmer.
Wir waren beide durchgeweicht bis auf die Knochen.
„Mark, ich muß dir was ganz wichtiges sagen..“ ich nahm seine Hand und atmete tief ein.
„Was ist denn los?“ er sah mich lange an und zog dann eine Augenbraue hoch. „Bist du sicher?“ er streichelte meine Hand.
„Nein, ich war noch nicht beim Arzt.“ gab ich zu.
„Wir gehen Montag gleich hin, dann werden wir sehen. Wenn es wirklich so ist dann schaffen wir das.“ er zog mich zu sich und küßte mich zärtlich.
Wir klärten Rowen auf und er wußte nicht ob er sich freuen oder uns bemitleiden sollte.
Gegen Abend fuhr Nicky zurück nach Dublin und Mark fuhr mich zu mir. Wir setzten uns ins Wohnzimmer und ich erzählte ihm von Barcelona. Wir lagen beide auf der Couch als mir plötzlich schlecht wurde, ich schaffte es gerade aufzustehen und ins Bad zu laufen. Ich erbrach mich heftig und ließ mich dann auf den Boden gleiten. Mark war mir hinterher gelaufen und sah mich auf den Boden sitzen mit Tränen in den Augen.
„Süße!“ er setzte sich zu mir und nahm mich in den Arm „Ist es besser?“ er sah mich besorgt an.
„Hmmm.“ meinte ich nicht sehr überzeugt und versuchte aufzustehen.
Mark half mir und ich wusch mein Gesicht und meine Hände, nachdem ich mir den Mund ausgespült hatte, führte mich Mark ins Schlafzimmer.
„Ruh dich aus!“ er deckte mich zu.
Den Sonntag verbrachte ich im Bett und Mark blieb an meiner Seite. Gegen Abend fühlte ich mich soweit fit, das wir spazieren gingen.
„Meinst du, du fühlst dich gut um heute Abend noch kurz weg zu fahren?“ er sah mich an und streichelte meine Hand.
„Wohin denn?“ fragte ich neugierig.
„Überraschung.“ grinste er vielsagend.
„O.K.“ ich beugte mich zu ihm und küßte ihn.
Wir gingen wieder zu mir und fuhren dann los, schon nach 25 Minuten waren wir am Ziel, ein nettes Haus am Rande der Stadt.
„Wer wohnt denn hier?“ ich steig aus und sah zu Mark.
„Meine Familie.“ er nahm meine Hand und wir gingen zur Tür. Er klingelte und kurze Zeit später öffnete seine Mum die Tür.
Wir verbrachten einen sehr netten Abend und seine Familie mochte mich.
Am Montag Morgen hatte ich fast zwei Stunden mit Übelkeit zu kämpfen ehe wir zum Arzt fahren konnten. Für die erste Untersuchung mußte ich alleine zum Arzt rein, und er untersuchte mich gründlich.
„Nehmen sie bitte noch etwas im Wartezimmer Platz, ich rufe sie gleich wieder herein Miss Ohlsen.“ er deutete zur Tür und ich ging wieder zu Mark ins Wartezimmer.
„Und?“ er sah mich gespannt an.
„Wir müssen noch etwas warten.“ ich setzte mich neben ihn und beugte mich nach vorn.
„Alles O.K.?“ Mark nahm besorgt meine Hand.
„Bauchschmerzen.“ sagte ich und versuchte ihn anzulächeln.
„Miss Ohlsen?“ der Doktor rief mich wieder hinein und ich faßte nach Marks Hand.
Wir betraten das Zimmer und der Doc deutete auf eine Liege auf die ich mich legte.
„Ich möchte zur Sicherheit noch einen Ultraschall machen.“ er tat etwas Gel auf meinen Bauch und fuhr dann mit dem Schallkopf auf und ab. Mark ließ meine Hand nicht los und wir sahen beide den Arzt an, dieser hielt das Bild an und sah zu uns beiden.
„Herzlichen Glückwunsch, ich war mir nicht ganz sicher aber jetzt, sehen sie hier...“ er deutete auf den Bildschirm „...ist ihr Baby.“
Mir wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht und ich schloß meine Augen.
„Ich lasse sie wohl mal einen Moment allein.“ der Doc stand auf und reichte mir ein Tuch. Ich wischte mir das Gel ab. Mark zog mich in seine Arme.
„Was jetzt?“ ich sah ihn unter Tränen an.
„Wir werden Eltern, würde ich sagen.“ er wischte meine Tränen beiseite.
„Aber..“ setzte ich an.
„Nichts aber..“ er beugte sich herunter und küßte meinen Bauch „...ich liebe dich und wir schaffen das!“ sagte er sicher und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich liebe euch!“ er legte seine Hand auf meinen Bauch.
Der Arzt kam wieder und wir setzten uns ihm gegenüber an den Tisch.
„Wir haben anhand der Größe des Embryos den ungefähren Zeugungstermin errechnet. Es müßte in der Woche vom 14.-22.03. gewesen sein....“
„Am 16.03.“ sagten Mark und ich gleichzeitig.
„Gut, dann ist der Geburtstermin am 13.01. plus/minus drei Tage.“ er reichte mir meinen Mutterschaftspaß. Haben sie noch Fragen?“ er sah uns an.
„Wie kann ich meine Übelkeit in den Griff bekommen?“ ich sah ich flehentlich an.
„Versuchen sie es mit Eisen, ich verschreibe ihnen ein Präparat. Ansonsten kann ich ihnen einen guten Tipp meiner Frau mit auf den Weg geben. Salzkraker.“ er grinste.
„Danke!“ ich nahm mein Rezept und schüttelte seine Hand.
„Vielen Dank Doctor.“ Mark stand ebenfalls auf und reichte ihm die Hand.
Wir gingen hinaus und Mark rief Rowen und Nicky an und erzählte ihnen voller Freude von der guten Nachricht. dann rief er noch Shane und Kian an und lud sie zum Abendessen zu sich ein, mit dem Vorwand mich vorzustellen.
Dann rief ich meine Eltern in Hamburg an und erzählte ihnen von dem Baby. Sie freuten sich riesig und versprachen mich bzw. uns bald zu besuchen um Mark kennen zu lernen. Wir fuhren kurz in der Klinik vorbei und ich sprach kurz mit meinem Chef. Er gratulierte mir und stellte mich erst einmal für eine Woche frei.
Am Abend hatte Mark bei einem Catering Service Essen bestellt und Kian traf mit seiner Freundin als erstes ein.
„Hallo Mark!“ begrüßte Kian seinen Freund.
„Hallo Ki! Hey Jo, darf ich euch vorstellen, das ist Jen.“ er deutete zu mir.
„Hallo!“ lachte ich und wir setzten uns ins Wohnzimmer. Wir unterhielten uns gut und Mark zog sich schnell um.
Dann kamen Shane und seine Frau und brachten den kleinen Sean, ihren Sohn mit. Nach gut einer Stunde wurde das Essen geliefert und wir begaben uns ins Wohnzimmer, nachdem wir alle gegessen hatten klopfte Mark an sein Glas, was Sean zum glucksen brachte.
„Also, ich habe euch nicht nur hierher gebeten um euch Jen vorzustellen sondern es gibt noch etwas anderes was ich euch sagen wollte.“ er sah zu mir und nahm meine Hand. „Jen und ich werden nächstes Jahr im Januar..“
„Heiraten?“ rief Kian dazwischen.
„Kian! Nein!...“ lachte Mark „...Wir werden Eltern.“ vervollständigte er seinen Satz.
„Oh, mein Gott! Du läßt auch nichts anbrennen!“ Shane nahm Mark in den Arm.
„Es war nicht ganz so geplant.“ gab Mark zu „aber wir freuen uns sehr!“ er küßte mich.
„Herzlichen Glückwunsch!“ alle nahmen mich in den Arm.
„Und wie geht es dir?“ Gill sah mich genau an „Du siehst blaß aus und hast kaum etwas gegessen.“ stellte sie fest.
„Ich habe sehr mit der Übelkeit zu kämpfen.“ gab ich zu.
„Das kenne ich, ich habe immer Salzkracker in jeder Tasche gehabt, das hat etwas gelindert. Aber nach dem vierten Monat ging es bergauf.“ sie nahm meine Hand.
„Das hoffe ich. Das halte ich nicht mehr lange aus.“ ich sah sie entkräftet an.
„Das wird schon. Wie weit bist du denn?“ sie sah mich an und wir setzten uns.
„In der 9. Woche.“ sagte ich matt.
„Hey Süße! Kommt ihr mit? Wir wollen etwas raus.“ Mark kam zu mir und küßte mich.
„Nein danke, Gill gibt mir gerade Tipps wie ich die nächste Zeit überlebe.“ lachte ich.
„Wenn das so ist dann will ich euch nicht stören.“ grinste er.
Gill und Shane gingen erst gegen Mitternacht und Mark und ich fielen wie erschlagen ins Bett. Am nächsten Morgen versuchte ich es mit einigen von Gill`s Tipps und mein Körper brauchte nur eine Stunde um sich zu fangen.
Mark begleitete mich zu allen Ultraschalluntersuchungen und versuchte jedesmal etwas auf dem Monitor zu erkennen. Der Doc versuchte es ihm immer zu erklären, aber im nachhinein gab Mark immer zu nichts erkannt zu haben.
Im siebenten Monat hatte ich schon einen ordentlichen Bauch und nun quälte mich zwar keine Übelkeit mehr, dafür brachte mich mein Rücken fast um. Auf der einen Seite konnte ich es gar nicht erwarten bis das Baby zur Welt kommt, auf der anderen Seite wollte ich nicht bei der Geburt dabei sein.
Weihnachten und Sylvester feierten wir bei Marks Eltern und ich zog schon Anfang August zu ihm in sein Haus.
An Neujahr wurde ich von Bauchschmerzen geweckt, ich rüttelte an Mark seiner Schulter.
„Hmmm.“ meinte er verschlafen.
„Ich glaube es geht los.“ ich versuchte die Panik in meiner Stimme zu unterdrücken.
Mark sprang sofort auf und lief wie aufgeschreckt durchs Haus. Ich zog mich an und versuchte die nachfolgenden Wehen zu veratmen. Es gelang mir relativ gut, Mark tauchte wieder bei mir auf und führte mich zum Wagen. Er fuhr vorsichtig ins Krankenhaus, während meine Wehen nun im Abstand von 10 Minuten kamen.
Eine halbe Stunde später lag ich im Kreissaal und Mark saß neben mir.
Ich krümmte mich vor Schmerzen und wimmerte, das alles kostete mich so viel Kraft, das ich nicht dachte ich würde die Geburt überleben. Die Stunden vergingen und es tat sich nicht wirklich etwas.
Mark streichelte unablässig meine Hand und litt mit mir.
„So Jen bei der nächsten Wehe kräftig nach unten drücken.“ wies mich Chantal, meine Hebamme an.
„Ich kann nicht!“ weinte ich.
„Doch Süße du kannst es.“ Mark stand auf und setzte sich, so wie wir es im Vorbereitungskurs gelernt hatten, hinter mich.
Bei der nächsten Wehe preßte ich so stark ich konnte und spürte einen heftigen Schmerz.
„Gut so Jen, ich kann das Köpfchen schon sehen.“ feuerte mich Chantal an.
Bei der nächsten Wehe kam der Kopf dann ganz heraus.
„So nun kommen noch die Schultern, dann hast du es geschafft! Komm Jen!“ Chantal sah mich aufmunternd an.
Ich preßte noch einmal fest und schrie dann vor Schmerzen auf.
„Weiter pressen!“ rief Chantal um mich zu übertönen.
Ich sammelte meine letzten Kräfte und preßte nochmals heftig, dann merkte ich wie unser Baby hinaus glitt und seinen ersten Schrei von sich gab.
Sofort wickelte Chantal es ein und legte es mir auf den Bauch.
„Ein Junge. Herzlichen Glückwunsch!“ sagte sie gerührt.
„Ich liebe dich!“ Mark küßte meinen Nacken und meine Schulter und ich merkte das er weinte.
„Hallo Baby! Ich bin deine Mummy und das ist dein Daddy!“ sagte ich zu dem neuen Erdenbürger.
„Hallo mein Engel!“ Mark strich ihm über das Köpfchen und strich vorsichtig über sein Händchen.
„Mark, willst du die Nabelschnur durchtrennen?“ Chantal sah zu ihm und er stand auf und ging ums Bett herum. Er schnitt die Nabelschnur durch und beobachtete dann ganz genau wie Chantal unseren Kleinen wusch, vermaß und alle notwendigen Untersuchungen machte.
„Gut, dann kann dein Daddy dich jetzt zu deiner Mummy bringen.“ sie gab ihm Mark auf den Arm und er kam zu mir und legte mir den Kleinen auf den Bauch.
„Hey!“ sagte ich müde.
„So, da hätten wir dann alles. Der kleine Mann ist um 00:26 Uhr am 02.01.2006 geboren, er ist 48 cm groß und wiegt 2600g. Das einzige was jetzt noch fehlt ist ein Name für den kleinen Zwerg.“ sie sah uns erwartend an.
„Noah Christien Marcus.“ sagte ich leise.
„Na dann Hallo Noah.“ sagte sie liebevoll und trug den Namen in die Geburtsurkunde ein.
Ich schlief dann erst einmal ein paar Stunden, als ich aufwachte saß Mark an meinem Bett und betrachtete unseren kleinen Sohn.
„Hallo ihr zwei.“ flüsterte ich leise und Mark sah mich an.
„Meine Süße!“ er küßte mich „Es tut mir so leid!“ er nahm meine Hand und küßte diese.
„Was tut dir leid?“ ich sah ihn verständnislos an.
„Das ich dir solche Schmerzen bereitet habe.“ gab er zu.
„Hey! Wann wollen wir ein Geschwisterchen für Noah?“ lächelte ich.
„Du bist unglaublich.“ grinste er.
Dann klopfte es und Shane, Gill, Sean, Kian, Jodie, Nicky und Gina kamen herein.
„Hallo! Wo ist es?“ Nicky sah sich um und entdeckte dann das Bettchen.
„Herzlichen Glückwunsch! Wie geht es dir?“ Shane küßte meine Wange und alle anderen gratulierten mir ebenfalls. Mark holte Noah aus seinem Bettchen und alle begutachteten ihn.
„Was ist denn nun?“ Kian sah mich gespannt an.
„Ein Junge.“ sagte Mark stolz.
„Oh, ein Verschnitt von unserem Mark. Viel Spaß Jen!“ Kian verdrehte die Augen.
„Hey!“ Jodie boxte ihm in die Rippen.
„Darf ich mal?“ fragte Nicky und sah zu Mark.
„Klar, aber sei vorsichtig.“ ermahnte ihn Mark und gab ihm Noah.
„Wie heißt denn der kleine Feehily?“ wollte nun Gill wissen.
„Noah Christien Marcus Feehily.“ sagte Mark stolz und gab den anderen die Geburtsurkunde.
„Hallo Noah!“ Nicky streichelte vorsichtig seine Hand.
„Wo du ihn gerade so schön im Arm hast, wir wollten dich fragen ob du Pate für Noah sein möchtest.“ ich sah ihn an und er lächelte mich glücklich an.
„Sicher, es wäre mir eine Ehre!“ er wiegte den kleinen „Dann zeigt dir Onkel Nicky wie man richtig Fußball spielt.“
„Und Onkel Shane zeigt dir wie man reitet.“ Shane nahm Nicky Noah ab.
„Und Onkel Kian zeigt dir wie man surft.“ Kian sah den Zwerg liebevoll an.
„Hey, hey nun ist mal gut!“ lachte Mark.
„Wir lassen ja noch fischen und andere interessante Sachen für deinen Daddy übrig.“ lachte Nicky und legte mir Noah in den Arm.
„Außerdem liebt dich keiner so sehr wie dein Daddy!“ lächelte ich.
„Eigentlich wollten wir ihn ja Michael nennen, aber Noah hat uns dann besser gefallen.“ gab ich zu.
Alle verstanden die Anspielung und fingen an zu lachen. Kian gab Mark ein kleines Päckchen, dieser kniete vor dem Bett nieder und alle hielten den Atem an.
„Jen, du und Noah ihr seid das wertvollste in meinem Leben. Ich möchte euch nie verlieren. Deswegen frage ich Marcus Michael Patrick Feehily dich Jennifer Marie Ohlsen ob du mich heiratest und mich zum glücklichsten Mann der Welt macht und mit mir und Noah eine Familie gründest.“ er sah mich mit Tränen in den Augen an.
„Ja.“ hauchte ich und Noah gluckste.
Die anderen klatschten und Mark küßte mich zärtlich.
Am 09. Mai heirateten wir in einer kleine Kirche in der Nähe von Sligo und Noah wurde getauft. Nicky und Rowen waren seine Paten und Shane, Gina, Kian und Jess waren unsere Trauzeugen.
Die Nachricht über die Hochzeit schlug ein wie eine Bombe, als die Presse dann auch noch heraus fand das wir schon einen fast fünf Monate alten Sohn haben war die Überraschung perfekt. Die Hello! bekam die Fotorechte für die Hochzeit und die Taufe und am nächsten Tag konnte alle Welt unsere kleine Familie bestaunen.
Noah blieb nicht unser einziges Kind, zwei Jahre später folgte ihm Ashley Marie, drei Jahre später Tyler James, fünf Jahre später Joshua Calvin und schließlich zwölf Jahre nach Noah kamen unsere Nesthäckchen im Doppelpack David Sebastien und Samuel Dylan, die sich bis aufs Haar glichen und heute noch gleichen.
Mittlerweile sind Mark und ich 60 Jahre verheiratet und unsere fünf Söhne und zwei Töchter haben uns mit 16 Enkelkindern beschenkt und wir sind schon sechsfache Urgroßeltern.
Jeden Morgen wenn ich aufwache bin ich dankbar für meine Familie und meinen Mann.
Es lohnt sich für seine Liebe zu kämpfen und manches mal Umwege in Kauf zu nehmen.