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Kapitel 1

Regen prasselte gegen das Abteilfenster des Zuges indem Sarah saß. Der Wettergott war wohl genauso schlecht gelaunt wie sie. Sarah war auf dem Weg in die Innenstadt von Dublin, um im dortigen Standesamt ihren Hochzeitstermin abzusagen. Jim Owen, ihr Verlobter, hatte sie doch tatsächlich eine Woche vor ihrer Hochzeit verlassen, ohne ihr den Grund dafür zu sagen. Jemand rüttelte an ihrer Schulter. „Könnte ich bitte ihren Fahrschein sehen?“ „Oh, sorry. Natürlich.“ Sie durchwühlte ihre Handtasche. „Ganz ruhig, Mrs. Sie haben genügend Zeit, nur keine Hektik.“ „Bleiben sie bei ‚Ms.’. Aus dem ‚Mrs.’ wird wohl in nächster Zeit nichts.“ Der Kontrolleur sah sie verwundert an. „Ah, hier ist es.“ Sie hielt ihm das Ticket unter die Nase und versuchte zu lächeln, was sich als nicht besonders einfach herausstellte. „Dankeschön. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag.“ „Den werde ich haben.“ Gefrustet sah sie aus dem Fenster. Warum musste nur jeder so gut gelaunt sein? Ein paar Minuten später stieg sie aus dem Zug aus. „Ach nein, das darf doch nicht wahr sein.“ Sarah bemerkte, dass sie ihren Regenschirm zu Hause vergessen hatte. Ihr blieb also nichts anderes übrig als ohne Schutz durch den strömenden Regen zu laufen. Schließlich kam sie außer Atem im Standesamt an. „Entschuldigen sie? Könnten sie mir vielleicht sagen in welchem Zimmer Mr. Dawson gerade ist?“ „Sie wollen heiraten?“ Die Angestellte lächelte ihr zu. „Nein, eher das Gegenteil.“ „Ähh... aja. Mr. Dawson ist im zweiten Stock in Zimmer 270.“ „Danke.“ „Keine Ursache.“ Immer noch pudelnass stieg sie die Treppen hinauf. „Da ist schon jemand drinnen.“ Sarah wurde von einem jungen Mann angesprochen, als sie das besagte Zimmer betreten wollte. Anscheinend wollte er auch zum Standesbeamten. „Tut mir wirklich leid, ich wollte mich nicht vordrängen.“ „Kein Problem. Kann jedem einmal passieren.“ Sie setzte sich neben ihn und rieb sich ihre Hände. Ihr wurde langsam kalt. „Es hat wohl immer noch nicht zu Regnen aufgehört?“ Der Mann sah sie neugierig an. „Nein und ich Idiot lasse meinen Regenschirm daheim.“ „Sie sind doch kein Idiot. So sehen sie jedenfalls nicht aus.“ Er lächelt sie lieb an und Sarah merkte wie sie rot wurde. „Der nächste, bitte.“ Mr. Dawson stand in der Tür und bat den jungen Mann herein. Sarah lachte. Sie konnte nicht anders als diesen Herren interessant zu finden. „Ms. Gibson, kommen sie doch rein. Was kann ich für sie tun?“ Gute fünfzehn Minuten später saß Sarah im Büro des Standesbeamten. „Haben sie noch Frage zur Hochzeit?“ Sarah sah zu Boden. „Ja, wie kann ich den Hochzeitstermin wieder absagen?“ „Bitte? Sie wollen nicht mehr heiraten?“ „Nein, mein toller Hecht an Verlobter hat mich sitzen lassen.“ Sie hob endlich ihren Kopf. „Das ist natürlich traurig. Ich...“ „Kein Mitleid, bitte. Vielleicht ist es ja das Beste was mir passieren hatte können. Wer weiß.“ „Ja, da haben sie recht. Wer weiß. Aber das ist kein Problem. Ich streiche sie einfach aus meinem Terminkalender und damit ist die ganze Sache aufgehoben.“ „So einfach geht das?“ Der Standesbeamte lachte. „Ja, das ist etwas leichter als den Antrag zu stellen.“ Sarah nickte nur. „Gut, wenn sie noch etwas brauchen... Sie wissen ja wo sie mich finden können.“ „Danke für Alles.“ „Nichts zu danken. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag.“ Sie verließ den Raum, wieder mit den Worten ‚den werde ich haben’. Traurig ließ sie die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Wie sollte dieser Tag denn noch schön werden? „Ms. Gibson?“ Sarah drehte sich um. Vor ihr stand wieder der junge Mann von vorhin. „Ja? Kann ich ihnen noch bei irgendwas helfen?“ „Nein, können sie nicht. Aber ich vielleicht. Darf ich sie auf eine Tasse Kaffee einladen? Ich meine, damit sie sich wieder etwas aufwärmen.“ Sarah sah ihn verwundert an. „Tut mir leid. War eine blöde Frage. Sie stellen hier gerade ihren Hochzeitsantrag und ich frage sie, ob sie mit mir Kaffeetrinken wollen. Tut mir echt leid.“ Er hatte sich umgedreht und wollte gehen. „Warten sie!“ Sarah griff nach seinem Arm. „Ich gehe zwar nicht mit zum Kaffeetrinken, aber mit einer Tasse Tee wäre ich dabei.“ „Natürlich.“ Der Mann lächelte und Sarah hakte sich bei ihm ein. Der Tag könnte ja doch noch ganz schön werden. „Ich bin übrigens Sarah und sie wenn ich fr...“ „Oh, tut mir leid.“ Der Mann stellte sich ihr gegenüber auf und schüttelte ihre Hand. „Mein Name ist Shane und es freut mich sehr sie kennen zulernen.“ Ganz meinerseits, dachte sich Sarah.

Kapitel 2

Es hatte endlich zu regnen aufgehört und so konnten sich Shane und Sarah problemlos nach einem Cafe umsehen. „Wärst du mit dem ‚Bonjour’ einverstanden, Sarah? Ich finde dieses Cafe sehr gemütlich und ich finde die haben den besten Kuchen weit und breit.“ „Klar, wieso nicht.“ Lächelnd betraten sie das besagte Cafe und Shane suchte einen Platz am Ende des Hauses. „Wieso willst du so weit nach hinten? Vorne könnte man die Leute auf der Straße beobachten. Ich finde das ganz lustig.“ Sarah wollte sich an’s Fenster setzen, doch Shane zog sie nach hinten. „Wenn du nicht morgen in allen Zeitungen stehen willst, sollten wir das lieber nicht machen.“ Shane rückte der verwirrten Sarah einen Stuhl zurecht, ehe er sich ihr gegenüber hinsetzte. „Darf ich fragen wie du das meinst?“ Shane zögerte einen Moment bevor er sie ansah und zu sprechen begann. „Ich bin Sänger bei Westlife. Vielleicht kennst du die Band ja. Aber das Problem ist, dass man immer und überall von Paparazzileuten verfolgt wird. Und die würden sich riesig darüber freuen ein Foto von mir mit einer unbekannten Lady abdrucken zu können. Vor allem kurz vor meiner Hochzeit.“ Sarah war baff. Sie saß hier also seelenruhig mit einem Typen von Westlife beim Kaffeetrinken und plauderte mit ihm über dessen Hochzeit. „Jetzt bist du sprachlos, was?“ Shane lachte über Sarah’s verwirrt dreinblickendes Gesicht. Oja, jetzt war sie wirklich sprachlos. „Ok, jetzt habe ich dir etwas über mich erzählt, jetzt musst du auch etwas über dich erzählen.“ Shane sah sie auffordernd an. „Was willst du denn wissen? Mein Name ist Sarah, aber das weißt du ja schon. Ich bin 22 Jahre alt und wohne in ... Hey, wieso lachst du?“ Shane hielt sich beide Hände vor den Mund um nicht lauthals loszulachen. „Tut mir leid, aber ich meinte eigentlich nicht, dass du mir deinen ganzen Lebenslauf erzählst. Erzähl doch lieber etwas über deine Hochzeit.“ „Welche Hochzeit?“ Sarah sah betrübt in ihre Teetasse, die ihr vor kurzem eine Bedienung gebracht hatte. „Naja, deine Hochzeit. Oder warst du etwa nicht im Standesamt um einen Termin zu vereinbaren?“ Sarah’s Augen füllten sich mit Tränen. „Sarah? Alles ok?“ Er nahm ihre Hand und sah sie erwartungsvoll an. „Sorry.“ Sie entzog ihm die Hand und rieb sich ihre Augen um die Tränen zu unterdrücken. „Ich habe meine Hochzeitstermin abgesagt. Mein Verlobter hat mich vor ein paar Tagen verlassen.“ Sie nahm einen kräftigen Schluck aus ihrer Tasse. Shane schien etwas geschockt, denn er antwortete nicht sofort. „Das wusste ich nicht. Es tut mir leid, ich wollte nicht...“ „Lass nur. Ist wohl besser so. Lieber verlässt er mich vor der Hochzeit, bevor er verschwindet wenn wir verheiratet sind.“ Sie starrte immer noch in ihre Tasse. Sie konnte Shane einfach nicht in die Augen sehen. Aber wieso? „Ok, dann erzählst du mir wohl doch besser deinen Lebenslauf. Wo wohnst du denn?“ Er lächelte ihr aufmunternd zu. „Dublin und du? Ich müsste mich schwer irren, aber ich habe dich noch nie hier gesehen. Außer natürlich mit deiner Band.“ Shane lachte. „Ja, da hast du wirklich recht. Ich lebe in Sligo. Einer lieben, kleinen Stadt im Westen Irlands.“ „Klein? Du nennst Sligo klein? Also komm...“ Beide lachten. Was folgte waren zwei Stunden sinnloses erzählen der eigenen Lebensgeschichten und immer wieder kehrendes Gelächter. „Shane, ich muss jetzt leider gehen. Meine Freundin Lisa wartet daheim auf mich. Und ich will ihr keinen Grund geben sich wieder über mich aufzuregen.“ „Natürlich.“ Shane zahlte noch schnell ehe sie das Cafe verließen. Sie Sonne schien nun vom wolkenlosen Himmel und Sarah fand, dass der Tag doch noch ganz schön war. „Na dann. Es hat mich wirklich gefreut, dass du mit mir hier her gekommen bist.“ „Ganz meinerseits. So, jetzt muss ich aber echt gehen.“ „Ja, mach’s gut.“ Shane umarmte sich kräftig und Sarah ließ es nur zu gern zu. „Ich wünsche dir eine schöne Hochzeit und...“ Shane hielt ihr einen Finger vor den Mund. „Lass das mal. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und bitte lass den Kopf nicht hängen.“ Sarah nickte. Zu mehr war sie nicht mehr im Stande. „Bye.“ „Bye.“ Mit einem Lächeln drehte er sich um und verschwand in der nächsten Seitengasse...

Kapitel 3

„Hallo, hörst du mir überhaupt zu? Erde an Sarah?“ Lisa saß zusammen mit ihrer Freundin auf der Couch ihres Apartments in Dublin. Sie wohnten nun seit gut zwei Jahren zusammen und heute war wieder einer dieser Tage an denen Sarah auf Durchzug schalten musste, denn Lisa erzählte ihr gerade jedes kleinste Detail der Ereignisse des Tages. „Hey, sag mal. Wieso rede ich überhaupt mit dir, wenn ich genauso gut mit der Wand reden könnte? Die hört nämlich auch nicht besser zu als du.“ Lisa stieß Sarah mit ihrem Ellenbogen an und holte sie wieder in die Gegenwart zurück. „So, bist du jetzt auch mal wieder unter den Lebenden?“ Lisa sah sie wütend an. „Tut... tut mir leid. Hast du was gesagt?“ „Das darf doch nicht war sein. Ich rede mir seit über einer Stunde die Seele aus dem Hals und du rührst nicht mal den kleinen Finger um mir zuzuhören. Das ist so typisch für dich.“ Wütend stand sie auf. Tja, wo sie recht hatte, hatte sie recht. „Erzählst du mir vielleicht wenigstens was der Grund für deine geistige Abwesenheit war?“ Sarah sah sie lächelnd an und deute Lisa sich wieder hinzusetzen. Sie folgte ihrer Auforderung. „Also, ich höre.“ Lisa verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte beleidigt auszusehen. Sarah wusste jedoch, dass sie nur darauf brannte endlich zu erfahren was los war. Dafür kannte sie sie jetzt lange genug. „Kennst du Shane von der Band Westlife?“ Lisa riss die Augen auf. „Klaro, wer kennt diesen Schnuckel nicht. Obwohl ich ja diesen Mark interessanter finde.“ Lisa kicherte in sich hinein. „Aber wieso fragst du das?“ „Ich war heute mit ihm beim Kaffee trinken.“ „Was?!“ Lisa rutschte seitlich von der Couch und landete unsanft auf dem Boden. “Bitte wiederhole das nochmal. Ich habe mich gerade verhört.” “Nein, hast du nicht. Oh Lisa, er ist so...“ „...umwerfend, oder?“ Sarah nickte heftig und schilderte Lisa, alles was geschehen war, ganz genau. Diese äußerte sich als bessere Zuhörerin als Sarah es war. Wohl auch deswegen, weil das Thema um Meilen interessanter war als die Tagesereignisse von Lisa. „Er heiratet also. So ein Schwachsinn. Der Junge ist doch viel zu schade um ihn nur einer einzigen Frau zu überlassen. Aber wenn er meint.“ Lisa zuckte unbeeindruckt mit den Schultern und Sarah starrte wieder ins leere. „Wieso bist du eigentlich so geknickt? Ich würde wetten, dass es da draußen tausende von Mädchen und wohl auch Jungs gibt, die heute nur zu gern mit dir getauscht hätten. Außer...“ Lisa sah sie fragend an. „Du hast dich doch nicht etwas...“ „Doch genau. Ich hab mich über beide Ohren in ihn verknallt.“ „Oh Sch...eibenkleister. Und was hast du jetzt vor?“ Sarah zog die Schultern nach oben. „Hast du seine Adresse? Seine Telefonnummer, irgendwas?“ Sarah sah sie an. „Lisa, er heiratet in einem Monat und außerdem hat er mich nur so zu einem Kaffee eingeladen.“ „Nur so? Sarah, lass dir eines sagen. Auch wenn der Junge noch so viel Kohle hat... Männer laden Frauen nie ‚einfach so’ auf einen Kaffee ein. Da steckt immer mehr dahinter.“ „Tja, dann habe ich hier wohl eine Ausnahme gefunden.“ „Nein, das kann ich nicht glauben. Jungs sind doch alle gleich.“ Lisa stand auf und zog Sarah in ihre Arme. „Joker, du erdrückst mich.“ Lachend versuchte Sarah frei zu kommen. Sie schaffte es nur indem sie Lisa an den Knien kitzelte – ihre größte Schwachstelle. „H-hör auf. D-das ki-kitzelt.“ Lachend wälzten sich die beiden Mädchen am Boden. „Hey, weißt du was?“ Lisa hatte sich endlich befreien können. „Was hast du jetzt wieder für eine göttliche Eingebung, Li?“ „Ahh, nenn mich nicht ‚Li’. Du weißt, dass ich das nicht leiden kann.“ Sie zog die Unterlippe nach vorne und schmollte. „Ok, was ist dir eingefallen?“ „Lass uns heute Abend weggehen und mal wieder so richtig abfeiern.“ „Und wo, bitte?“ „Wie wäre es mit dem ‚Center’?“ „Die haben aber geschmolzene Preise.“ „Und? Einmal geht das schon. Damit du so richtig abschalten kannst.“ „Na gut, dass ist wohl gar keine so schlechte Idee. Lass uns das so machen.“ „Gut, ich freu mich drauf.“ „Ich auch.“ Oh ja, sie freuten sich darauf. Noch...

Kapitel 4

„45 Euro Eintritt. Wenn ich gewusst hätte, dass die SO teuer sind, hätte ich davor noch mein ganzes Geld von der Bank abgehoben.“ Lisa lachte nur über Sarah’s Bemerkung und zog sie weiter in Richtung Bar. Die Stimmung im ‚Center’ war mehr als ausgelassen. Was wohl auch daran lag, dass viele der Besucher schon die ganze Cocktailkarte durchgetestet hatten. „Hey Süße, Tänzchen gefällig?“ Ein wankender, nach Knoblauch stinkender Typ versuchte sich an Lisa heran zumachen. „Das ist doch mal eine gute Idee. Sarah komm, lass uns tanzen.“ Ehe Sarah sich versah stand sie mit Lisa auf der Tanzfläche. Ihr ‚Verehrer’ machte sich in der Zwischenzeit fluchend vom Acker. „Li, ich mag nicht tanzen. Mir tut alles weh und ich...“ „Jetzt sei mal keine Spielverderberin. Entspann dich, mach dich locker und sieh dir die schnuckeligen Jungs da drüben an. Der große braunhaarige ist ja echt zum Anbeißen.“ Sarah sah über ihre Schulter und entdeckte drei wirklich gut aussehende junge Männer, ungefähr in ihrem Alter. „Möchte mal wissen, ob der heute Nacht schon was vor hat.“ „Li!“ „Schon gut. Beruhig dich wieder. War doch nur ein Scherz. Obwohl ich zugeben muss, dass ich diesen Herren nicht von meiner Bettkante stoßen würde.“ Sarah schüttelte nur den Kopf. Wenn Lisa mal ein männliches ‚Opfer’ entdeckt hatte, jagte sie dieses solange, bis sie es verschlingen konnte. Allerdings musste Lisa nie sehr lange jagen. Sie sah umwerfend aus und hatte eine Figur für die andere Frauen morden würden. Geschweige denn von ihrem Charme, Lächeln und Selbstbewusstsein. Allerdings hatte sie von letzterem manchmal etwas zu viel... „Komm, versuchen wir mal die Jungs besser kennen zulernen.“ Lisa setzte ihr süßestes Lächeln auf und zog die verwirrte Sarah in Richtung der männlichen ‚Center’-Besucher. „Lisa, lass das. Das ist verrückt. Die halten uns doch nur für eingebildete...“ Weiter kam sie nicht. Lisa hatte inzwischen die Jungs erreicht und ihr ‚Opfer’ angesprochen. „Hallo, wie geht’s? Ich wollte euch mal fragen ob ihr schon an der Bar wart und ihr mir und meiner Freundin, die normalerweise nicht so geschockt aussieht, ein paar Drinks empfehlen könnt.“ Lisa erntete dafür einen freundschaftlichen Ellenbogenstoß von Sarah und kurzes Gelächter von den Jungs. „Sorry, aber wir sind selbst gerade erst gekommen.“ „Oh... siehst du Lisa, wir können also wieder gehen.“ Oder auch nicht...“ „Wieso denn? Wir können doch auch gemeinsam die Cocktails testen und sie uns dann gegenseitig weiter empfehlen.“ Sarah wäre dem blonden Mann, der ihr gegenüber stand, nur zu gerne ins Gesicht gesprungen, aber seine strahlend blauen Augen hielten sie davon ab. Immer noch zweifelnd ob sie hier wirklich das Richtige tat, machte sie sich mit den anderen auf den Weg zur Bar. Sie hatten bereits damit begonnen die ersten Drinks zu testen, als Sarah einfiel, dass sie noch nicht einmal die Namen der großen Gönner kannten. „Mal eine ganz blöde Frage bevor ihr uns hier jetzt abfüllt und völlig willenlos macht. Wie heißt ihr eigentlich?“ Die Jungs sahen sich verwundert an. „Das wisst ihr gar nicht?“ „Nein, woher denn?“ Wieder lachten sie herzhaft auf. „Was ist daran so lustig?“ „Nichts, tut mir leid. Aber normalerweise müssen wir uns nicht mehr vorstellen.“ Nun war der Zug für Sarah endgültig abgefahren. Aber sie schien nicht die Einzige zu sein. Lisa sah immer wieder verwirrt von den Jungs zu Sarah und zu den Jungs und zu Sarah... „Also gut. Ich bin Kian, das hier ist Nicky und bei dem jungen Mann handelt es sich um Mark.“ Kian grinste, als Lisa sich mit der flachen Hand gegen die Stirn schlug. Sarah verstand immer noch nicht. „Was?“ „Sarah, wir sind sooo blöd.“ Lisa fing an zu lachen. „Ach ja? Sind wir das?“ Sarah war nicht mehr zu lachen zu mute. Sie fühlte sich verarscht. „Kleine, das hier ist ein großer Teil von Westlife. Hörst du? Westlife.“ Lisa konnte nicht mehr aufhören zu lachen. In Sarah’s Hirn begann es langsam zu arbeiten. Wenn das hier drei Leute von Westlife waren... könnte nicht dann der Rest von ihnen auch hier sein?

Kapitel 5

Sarah stand auf der Damentoilette vor einem Spiegel, die Hände unter laufendes, kaltes Wasser haltend. Sie wusste nicht was sie anderes hätte tun sollen, als die Flucht ins WC zu ergreifen, als Kian auf Lisa’s Frage mit ‚ja’ geantwortet hatte, ob Shane und Bryan auch noch kommen würden. Nun stand sie hier, kurz davor ihren Flirt von heute Vormittag wieder zu sehen und sie hatte keinen blassen Schimmer was sie tun sollte. Nach gut fünfzehn Minuten hatte sich ihr Herzschlag wieder etwas normalisiert und sie beschloss sich wieder der, jetzt doch schon ganz lustigen, Truppe anzuschließen. Leider war sie nicht die Einzige die diese Entscheidung in der letzten halben Stunde getroffen hatte. Bryan und Shane waren nun ebenfalls anwesend und jeder von ihnen hatte eine hübsche, blonde Frau im Arm. Sarah musste zugeben, dass sie eifersüchtig war. Sie blieb einige Meter von der Gruppe entfernt stehen und beobachtete genau was sich da vor ihren Augen abspielte. Sie wusste nicht wieso, aber es kam ihr so vor, als ob sich Shane nicht ganz wohl fühlte in seiner Haut. Sarah beschloss dies zu ändern. Langsam ging sie auf Lisa zu, die mittlerweile Arm in Arm mit Mark da stand. Dieses Mädchen verlor wirklich nie zu viel Zeit und war wohl schneller als die Polizei erlaubte. „Hey Sarah, ich dachte schon du bist ins Klo gefallen.“ Alle Köpfe drehten sich in Sarah’s Richtung – auch Shane’s. Ihr Magen machte einen Salto rückwärts und sie wäre am allerliebsten sofort wieder zurück in die Toilette gerannt. Einfach nur weg von hier, weg von Shane. Doch dies war nun nicht mehr möglich. Kian hatte sie am Armgelenk gepackt und sie an seine Seite gezogen. „Ki, fass mal dieses zarte Geschöpf nicht so grob an. Es handelt sich hier nicht um eine Gummipuppe wie du es sonst gewöhnt bist.“ „Wahnsinnig witzig, Bry.“ Schallendes Gelächter ging durch die Gruppe als sich Shane’s und Sarah’s Blick kurz trafen. Es war nur etwa eine Sekunde, doch es reichte aus um Sarah völlig aus der Fassung zu bringen. Und auch an Shane ging es nicht ohne weiteres vorbei. Er ließ seine Verlobte los, ging auf Nicky zu und flüsterte diesem etwas ins Ohr. Sarah war sich nicht sicher ob es wirklich etwas mit ihrem Augenkontakt zu tun hatte. Doch als Nicky stumm nickte und Jenny, Shane’s Verlobte, zum Tanzen aufforderte, war sie sich sicher. Shane blieb noch eine Weile unberührt stehen bevor er sich sicher war, dass Nicky und Jenny weit genug entfernt waren. Er drehte sich langsam um und ging auf Sarah zu die mittlerweile etwas abseits von den anderen stand. Nun hatte sie mächtige Probleme sich auf ihren Beinen zu halten. „Hi, wie geht es dir? Was für ein Zufall, dass wir uns so schnell wieder sehen.“ Sarah hätte sich darüber gefreut wieder mit ihm reden zu können, doch der negative Unterton in Shane’s Stimme hielt sie davon ab. Er klang wütend. Doch wieso? Hatte sie irgendwas falsch gemacht? Wenn ja, was?“ Sie versuchte das unwohle Gefühl zu verdrängen. „Mir geht es gut und dir?“ „Auch. Warum bist du hier?“ Nein, fröhlich war dieser Junge wirklich nicht. „Ich wollte mit meiner Freundin weggehen und...“ „Und da läuft ihr dann ganz zufälligerweise ein paar Mitgliedern von Westlife über den Weg.“ Ok, er war wirklich wütend und Sarah nun auch. „Ja, komisch, gell? Aber wie heißt es so schön... man trifft sich immer zweimal im Leben.“ „Tja, scheint so.“ Er sah sich nervös um, als wollte er sich vergewissern, dass niemand zuhörte. Erst als er sah, dass Nicky und Co. nun alle auf der Tanzfläche abfeierten, drehte er sich wieder um. Jedoch sah er Sarah nicht an. „Es tut mir leid. Ich habe mich gerade benommen wie der letzte Idiot.“ „Das kannst du laut sagen. Aber warum eigentlich?“ Sarah war immer noch auf 180. „Das... das kann ich dir nicht sagen. Sei bitte nicht böse.“ Sarah sah, dass ihm das was er gerade tat, schwer fiel. So konnte sie ihm niemals böse sein. „Ok, vergessen wir das einfach mal. Aber führ dich bitte nie wieder so auf. Komm, lass uns zu den anderen gehen und tanzen, ok?“ „Ja, gut.“ In den nächsten zwei Stunden erwies sich Shane doch noch als netter Mensch. Oder besser, wieder einmal? „Lisa, Sarah... Darf ich euch etwas fragen?“ Mark stand etwas nervös zwischen seinen Kumpels, als sie das ‚Center’ schließlich verlassen hatten. „Klar, solange du mich nicht fragst ob ich dich heiraten will.“ Wieder lachten alle auf – nur Sarah und Shane sahen sich bedrückt an. Doch den anderen fiel es nicht auf. „Ich feiere nächste Woche meinen Geburtstag und nun wollte ich euch fragen ob ihr vielleicht zu meiner Party kommen möchtet.“ Sarah kam nicht einmal dazu über Mark’s Worte nachzudenken, da hatte Lisa schon zugesagt. Wie sollte es auch anders sein... „Gut, dann sehen wir uns alle nächsten Freitag wieder. Ich freue mich darauf.“ Lisa stimmte ihm energisch zu. Und Sarah?

Kapitel 6

Dicke Regentropfen fielen auf Lisa’s Auto als sie auf dem Weg nach Sligo, zu Mark’s Geburtstagsfeier, waren. Sie hatte es doch tatsächlich geschafft Sarah dazu zu bringen mitzukommen. Wieder einmal... Doch schon die Fahrt von Dublin nach Sligo erwies sich als nicht ganz einfach. „Was für ein Sauwetter. Man sieht ja kaum die Straße.“ „Das liegt vielleicht daran Li, dass du das Gaspedal wie ein Rennfahrer durchgedrückt hältst. Ich wäre dir echt dankbar, wenn du den Umständen entsprechend etwas langsamer fahren würdest. Ich weiß zwar, dass du so schnell wie möglich zu deinem Marki-Spatzi kommen willst, aber wenn du so weiter fährst landen wir beide eher in einem Krankenhaus als bei Mark. Und wenn du so weiterrast fährst du noch an seinem Haus vorbei. Wir haben nämlich gerade das Ortsschild hinter uns gelassen und...“ „Sarah, könntest du bitte eine kurze Pause einlegen? Ich versuche mich auf den Weg zu konzentrieren.“ „Wie bitte kannst du dich bei über 180 Sachen...“ „Ach, hier ist es ja.“ Geschickt parkte Lisa den Wagen in der Hofeinfahrt eines riesigen Anwesens. Sarah hätte wohl selbst bei diesem riesigen Platz Probleme gehabt das Auto richtig zu parken. Sie war nicht gerade die beste Autofahrerin. Erst vor zwei Wochen nahm man ihr den Führerschein ab, da sie auf einer Landstraße zwei Schilder auf einmal aus dem Weg gerammt hatte. Leider stand noch genau ein Blitzgerät daneben, dass bewies, dass sie viel zu schnell gefahren war. Damals war sie auf dem Weg ins Standesamt um mit Herrn Dawson noch etwas für die Hochzeit zu besprechen. Jedoch kam sie an dem Tag erst gar nicht dort an – der Polizei sei Dank. Es wäre ja sowieso sinnlos gewesen. „Ok, auf drei laufen wir los.“ „Du bist gut, Li. Wieso nehmen wir nicht einfach die Regenschirme die auf der Rückbank liegen und...“ Weiter kam Sarah nicht. Lisa hatte bereits die Autotür zugeknallt und war zum Haus gehechtet. „Dieses Mädchen treibt mich noch in den Wahnsinn.“ Sarah verdrehte dich Augen, schnappte sich einen der Regenschirme und hüpfte in Richtung Mark’s Haus. Sie wollte nicht mit jeder der riesigen Matschpfützen im Hof Bekanntschaft schließen. „Sarah, komm schon!“ „Ja,ja... Immer langsam.“ Genervt schüttelte sie den Regenschirm aus und faltete ihn zusammen, als sie endlich die Haustür erreicht hatte. „Hier sind wir, Kleine.“ Sarah hätte wohl auch ohne Lisa’s Zuruf den Weg in den Partyraum gefunden. Sie hätte nur ihren Ohren oder ihrer Nase folgen müssen. Der CD-Player war wohl doch etwas zu laut aufgedreht und auch der Geruch von Chips und Guinness weiste ihr den Weg. Nicht gerade die tollste Mischung, dachte sich Sarah. Sie kam nicht weit, als sie schließlich das Zimmer der feiernden Gesellschaft betrat. „Hallo du liebe meines Lebens. Ich habe dich soooo vermisst.“ Sarah musste lachen, als sie von einem stockbesoffenen Bryan McFadden umarmt und in die Luft gehoben wurde. „Hallo Stinker! Wie geht’s dir so?“ Vielleicht war er ja noch in der Lage eine ganz einfach Frage zu beantworten, dachte sich Sarah. „Guuut und dil?“ Ok, sein Wortschatz war schon mal besser. „Auch, danke. Bry, weißt du vielleicht wo das Geburtstagskind ist?“ Bei dem Wort ‚Kind’ fing Bryan frech an zu grinsen – typisch. „Unser Baby steht dort drüben und versucht gerade deine Freundin zu vernaschen.“ Ein normaler Satz? War er doch nicht so betrunken oder was war los? Doch sein wankender Gang ließ keinen Zweifel mehr an seinem Zustand. „Hey Sarah. Schön, dass du da bist.“ „Oh hallo Mark. Alles Gute zum Geburtstag. Wie geht’s dir so? Schon was schönes geschenkt bekommen?“ „Ohhh jaaa... Das kannst du laut sagen.“ Grinsend sah er zu Lisa. „Verrätst du mir auch was?“ Eigentlich konnte sich Sarah nur zu genau denken was Lisa Mark geschenkt hatte. Aber es wäre doch ganz interessant gewesen das vom ihm selbst gehört zu haben. „Also, ich höre.“ „Ach, nur einen Gutschein.“ Sarah zog die Augenbrauen hoch. „Nur einen Gutschein. Aja und für was?“ „Das bleibt ein Geheimnis zwischen meinem Schatz und mir. Tut mir leid.“ Was folgte war ein leidenschaftlicher Kuss der Beiden. Nein, das musste Sarah sich wirklich nicht ansehen. Sie beschloss herauszufinden wer noch unter den Partygästen war. Sarah’s Magen begann sich jedoch zu drehen als ein weiterer, leicht schwankender Gast auf sie zukam und anlächelte – Shane.

Kapitel 7

„Hallo Sarah, schön dich zu sehen. Wie geht es dir? Willst du was trinken? Das Zeug hier schmeckt echt gut. Frag mich aber nicht was es ist. Ich hab den Namen vergessen.“ Grinsend reichte Shane Sarah sein Glas. Diese winkte jedoch energisch ab. „Nein danke, Shane. Vielleicht später, wenn du herausgefunden hast was das für ein Teufelsgemisch ist.“ „Ich kann Mark nochmal fragen, wenn du wissen willst was es ist. Warte hier. Ich bin gleich wieder zurück.“ Shane wollte sich auf in Richtung Mark machen, doch Sarah hielt ihn zurück. Wieso wusste sie selbst nicht. Hatte nicht sie sich den ganzen Tag erhofft, dass Shane nicht auf diese Party kommen konnte? Sie ihn nicht sehen konnte? Sarah hatte in den letzten Tagen versucht sich klarzumachen, dass Shane in wenigen Wochen heiraten würde. Dass er eine glückliche Familie gründen würde. Und trotzdem konnte sie sich diesem Mann nicht entziehen. Aber sie durfte es nicht. Nein, das durfte sie einfach nicht. Shane war einer anderen versprochen – nicht ihr. „Soll ich Mark jetzt fragen oder nicht? Denn wenn du noch länger die Blutzirkulation in meinem Arm unterbrichst wird er irgendwann blau anlaufen und abfallen.“ Abrupt ließ Sarah seinen Arm los. Verschämt sah sie zu Boden. „Tut mir leid. Ich...“ „Gott Sarah...“ Shane fing laut an zu lachen und legte eine Hand auf ihre Schulter. „Das war ein Witz, Kleine. Nur ein Witz. Ich halte schon etwas aus. Hey, wieso siehst du mich jetzt so böse an?“ „Kleine? Wie bitte kommst du auf klein? Im Gegensatz zu dir habe ich für eine Frau eine angemessene Größe. Du bist derjenige der noch ein paar Zentimeter vertragen könnte.“ Beleidigt drehte sie sich um und verschränkte die Arme vor der Brust. Wieso in aller Welt hatte sie ihn gerade beleidigt? Eine der vielen Merkmale die sie an Shane so mochte war seine Größe. Jetzt hasste er sie sicherlich. Oder hatte sie genau das bezwecken wollen? Unbewusst? Wenn sie es hätte, hätte es seine Wirkung um 180 Grad verfehlt. Shane ging auf sie zu und umarmte sie von hinten. „Ich liebe es, wenn Girls sich so künstlich aufregen. Komm, lass uns tanzen.“ Auch wenn Sarah nicht wollte, so hätte sie sich nicht gegen Shane wehren können. Zielstrebig zog er sie zu den anderen tanzenden Partygästen. „Na los, zeig mal was du kannst.“ Grinsend fordernd stand er vor ihr. „Wieso sollte ich Mr. Filan? Das letzte wozu ich jetzt Lust habe ist zu tanzen.“ „Shane, glaub ihr kein Wort. Dieses Mädchen ist verrückt nach tanzen. Wenn sie könnte würde sie es sogar zu ihrem Beruf machen. Ich muss zugeben, sie wäre auch wirklich talentiert dazu. Also wenn du mich fra...“ „Danke Lisa, das ist genug. Shane weiß bescheid. Du kannst dich also wieder in die starken Arme deines Lovers begeben. Der wartet eh schon auf dich.“ „’Der’ hat zufälligerweise auch einen Namen, Kleine. Und nun sei mal nicht so miesepetrig drauf. Ich bin mir sicher Shane wäre dir auch sehr dankbar dafür.“ Shane nickte leicht. „Ich hätte jedenfalls nichts dagegen.“ Sarah wäre Lisa am liebsten an die Kehle gesprungen, doch hier waren zu viele Leute die später Zeuge hätte spielen können. Sie beschloss es später zu Hause zu tun. Doch auch hier machte ihr jemand einen Strich durch die Rechnung – Mark. Er hatte sich zu ihnen gestellt und war bester Laune. „Na, alles klar?“ Als er keine Antwort bekam redete er einfach weiter. „Ich finde es echt klasse von dir Sarah, dass es dir nichts ausmacht heute Nacht hier zu schlafen.“ „Was?“ Sarah musste sich verhört haben. Das war das Letzte was sie wollte. „Hat Lisa es dir noch gar nicht gesagt?“ Mit einem eiskalten Blick fixierte Sarah Lisa. „Was gesagt?“ „Das ihr heute hier schläft. Ich finde, Lisa hat zu viel getrunken um noch sicher Auto fahren zu können. Und so viel ich weiß hast du seit zwei Wochen...“ „...keinen Führerschein mehr. Danke, dass du mich daran erinnerst, Mark. Das hätte ich doch glatt vergessen.“ Grinsend sah Mark zu Shane. „Ich finde, das gleiche gilt auch für dich.“ „Hä, wieso? Ich habe meinen Führerschein noch.“ „Das schon. Aber du hast auch zu viel Alk im Blut. Du kannst nicht mehr fahren, Sha.“ „Das sind nur vier Kilometer bis zu meinem Haus. Die...“ „Keine Widerrede. Du schläfst heute hier. Jenny ist eh in Dublin, also nicht hier. Das wirst du schon überleben.“ „Na gut, wenn du meinst.“ Sarah war sich sicher, dass Mark, Lisa und Shane die Nacht überleben würden. Aber sie? Immerhin ging es hier um eine ganz Nacht mit Shane zusammen in dem gleichen Haus. Bei dem Gedanken wurde ihr schlecht...

Kapitel 8

Wie von einem Hund gebissen rannte Sarah los. Sie musste raus hier und das so schnell wie möglich. Sie ignorierte die Aufschreie der Gäste, die sie unsanft zur Seite schubste. Die konnten ihr doch alle gestohlen bleiben. Es regnete noch immer in strömen, als sie sich an eine Linde in Mark’s Garten lehnte. Ihr war es egal ob sie nass wurde oder sogar krank. Hauptsache sie musste nicht länger im gleichen Haus sein wie Shane – und schweigen. Schweigen über ihre Gefühle, über die starke Zuneigung zu ihm. Was war die Welt nur unfair. Sie rutschte an dem Baum langsam nach unten und beobachtet die Leute die aus Mark’s Haus kamen. Die Party musste wohl zu Ende sein. Immerhin war es schon kurz nach vier Uhr. Schließlich wurde es still um sie herum. Die Musik hatte aufgehört zu spielen und der letzte Gast hatte sich vor wenigen Minuten auf den Heimweg gemacht – Bryan. Sarah hatte sich so still wie nur irgendwie möglich verhalten, als nacheinander Nicky, Kian und zum Schluss Bryan aus dem Haus kamen. Das letzte worauf sie Lust hatte war eine Fragerunde mit den Dreien warum sie hier im Regen saß. Ihr kamen die ersten Tränen. Wie sehr hatte sie sich immer erhofft jemanden wie Shane kennen zulernen. Und nun wo die Situation eingetroffen war wünschte sie sich das Gegenteil. Er war vergeben. Und an dieser Tatsache führte kein Weg vorbei. Sarah dachte darüber nach ob sie Shane einfach alles sagen sollte. Ihm die Wahrheit an den Kopf werfen sollte. Hatte nicht Lisa zu ihr gesagt Jungs laden Mädchen NIE ‚einfach so’ ein? Lisa war mehr als begabt im Umgang mit Jungs. Es dauerte nie länger als fünfzehn Minuten bis sie einen um den kleinen Finger gewickelt hatte. Sarah musste unmerklich lächeln, als sie an einen Jungen dachte, an dem sich Lisa die Zähne ausgebissen hatte. Dies war in der achten Klasse und Sarah konnte sich nur zu gut daran erinnern. Schließlich hatte sie sich damals in ‚VF’, seinen besten Kumpel, verknallt. Ihr erster richtiger Schwarm. Sie benutzten immer irgendwelche Spitznamen für die Jungs, damit ja niemand mitbekam über wen sie redeten. ‚VF’ war nur damals leider genauso wenig an Sarah interessiert wie ‚BS’ an Lisa. Jedenfalls damals... Zweieinhalb Jahre nachdem sie die Schule verlassen hatte trafen sie und ‚VF’ wieder aufeinander – beim Zug fahren. Plötzlich verstand sie sich blendend mit Jim und es dauerte nicht lange bis sie zusammen kamen. Dreieinhalb Jahre waren sie ein glückliches Paar, dass von all ihren Freunden beneidet wurde. Bis zu dem Tag an dem Jim plötzlich die Beziehung beendete und verschwand. Dies war nun gute zwei Monate her und sie hatte in dieser Zeit nichts mehr von ihm gehört. Sarah fiel damals in ein tiefes Loch. Sie dachte, sie müsste nun ihr ganzes Leben allein sein, denn wer verliebt sich schon noch in eine 22-Jährige? In diesem Alter sind alle netten Jungs bereits vergeben. Doch dann kam Shane. Ein neuer Lichtblick, bis sie von Jenny erfuhr. Gott, was war die Welt nur unfair. Sarah zog ihre Knie fester an ihren Oberkörper. Sie war vollkommen durchnässt und dadurch wurde ihr langsam kalt. Was würde sie dafür geben daheim in ihrem warmen Bett liegen zu können. Aber da hatten wohl mehrere Leute andere Pläne. „Shit, ist das kalt.“ Sie zitterte am ganzen Körper. Doch lieber würde sie erfrieren als nochmals in dieses Haus zu gehen – zu Shane. Doch wieso spielte sie sich so auf? War sie nicht in der Lage ihre Gefühle für zwölf Stunden unter Kontrolle zu halten? Sie hatte es doch schon so oft in ihrem Leben geschafft. Wieso wollte es hier also einfach nicht funktionieren? Sie erschrack als plötzlich eine schwarze Gestalt mit Regenschirm vor ihr stand. „Ist alles mit dir in Ordnung, Sarah? Ich habe dich schon überall gesucht.“

Kapitel 9

„Danke Shane, es geht mir blendend.“ Sarah wollte aufstehen und sich ein anderes Versteck suchen, doch ihr Körper war anderer Meinung. Ihre Knie gaben nach und sie fiel zu Boden. „Oh Gott, Sarah!“ Shane schmiss seinen Regenschirm beiseite und kniete sich zu ihr hinunter. „Komm, ich helfe dir hoch.“ „Nicht nötig. Das schaff ich auch allein. Aber danke für das Angebot.“ Als sie sich endlich aufgerichtet hatte musste sie sich am Baum festhalten um nicht wieder umzufallen. Sie zitterte am ganzen Körper. Ihre Beine waren halb taub und ihre Knie fühlten sie an wie Wackelpudding. Sie wusste, dass letzte wozu sie im Stande war, war zu laufen. „Lass dir doch bitte helfen. Ich will dich ja nur ins Haus tragen. Dort ist es wenigstens warm.“ Shane legte eine Hand auf ihre Schulter. „Gott Sarah, du bist ja eiskalt.“ „Das wäre mir gar nicht aufgefallen.“ Sie versuchte zum Haus zu gehen. Jedoch landete sie erneut unsanft im Rasen. „Du kannst mich schlagen, anschreien oder für ewig hassen, aber ich trage dich jetzt ins Haus. Ob du willst oder nicht.“ Ehe Sarah sich versah hatte Shane sie auf seinen Rücken gehoben. Sie wollte sich wehren, doch ihr Körper kämpfte gegen sie. Sie konnte nichts machen. Sie konnte nichts machen, außer Shane’s Wärme zu genießen. „Gleich liegst du in einem warmen Bett, mit einer heißen Tasse Tee und schöner...“ Mehr nahm Sarah von Shane’s Worten nicht mehr wahr, sie war auf seinen Rücken eingeschlafen. Behutsam trug er sie nach oben zu den Schlafzimmern. Als Sarah die Augen öffnete war es bereits hell draußen. Sie wollte sich strecken, doch irgendetwas lag ihr im Weg. Jedoch kümmerte sie sich nicht weiter darum. Sie zog sich ihren Pullover zurecht und wollte weiterschlafen. Doch... „Was zum...“ Erst jetzt bemerkte sie, dass sie fremde Klamotten anhatte. Diese waren ihr viel zu groß, aber äußerst bequem – ein roter Pullover und... und Boxershorts? Sarah saß augenblicklich aufrecht im Bett. Wie in Gottes Namen kam sie an Boxershorts? Soweit sie sich erinnern konnte gehörte solch eine Art von Unterwäsche nicht zu ihren Kleidungsstücken. Eiligst zog sie sie aus. Wenigstens verbarg sich darunter noch ihre eigene Unterwäsche. „Ähm, wenn ich kurz stören dürfte?“ „Ahhh...“ „Hey, ganz ruhig. Ich bin’s doch nur.“ Neben ihr richtete sich ein ziemlich verschlafender Shane auf. Er rieb sich seine Augen und Sarah zog so schnell wie möglich die Boxershorts wieder an. „Shane! Was machst du in meinem Bett und was sollen die Klamotten? Ich glaub, ich hänge. Was fällt dir eigentlich ein mir so ohne weiteres...“ „Dürfte ich die junge Dame kurz unterbrechen? Dankeschön. Falls du dich noch an heute Nacht erinnern kannst, weißt du ja was los ist.“ Sarah schüttelte leicht den Kopf. Was sollte sie wissen? Was war vorgefallen? Doch nicht etwa... „Ich konnte die Lady ja schlecht am Boden schlafen lassen, also habe ich dich in mein, Betonung liegt auf mein, Bett gelegt. Und da es nicht sehr angenehm ist neben einem Menschen zu schlafen der mit einem Meerschweinchen vergleichbar ist, dass gerade aus der Waschmaschine kommt, habe ich mir erlaubt dir trockene Sachen anzuziehen. Ich wollte nicht, dass du krank wirst. Und sei unbesorgt, ich habe dir nichts weggeschaut.“ „Wirklich?“ Er lachte als Sarah demonstrativ in den Pullover sah und Ihr Dekoltee überprüfte. „Du hast recht. Da ist noch alles da.“ Beide lachten auf. „Ich gehe duschen falls du nichts dagegen hast, Kleine. Aber bitte hau nicht gleich wieder ab, ok?“ Lächelnd stand Shane auf. „Ich gebe mein bestes, wenn du mich nicht mehr ‚Kleine’ nennst.“ „Abgemacht.“ Er wollte sich gerade auf den Weg machen, als Sarah aufstand. „Danke für alles, Kleiner.“ Shane drehte sich um und ging auf Sarah zu. „Nichts zu danken. Ich würde es jederzeit wieder tun.“ Er beugte sich zu ihr hinab und gab ihr einen Kuss auf die Wange, ehe er den Raum verließ und zum Duschen ging. Sarah stand wie angewurzelt da. Shane hatte sie geküsst. Gut, es war nur ein kleiner, unschuldiger Kuss auf die Wange. Aber es gefiel ihr und sie wollte mehr davon – sofort...

Kapitel 10

Vorsichtig schlich sie Shane hinterher, der schließlich hinter einer Tür verschwand. Sarah drückte ihr Ohr gegen die Tür. Alles was sie hörte war Wasser plätschern. Er duschte. Also, also musste er sich ausgezogen haben. Sarah überlegte gerade ob sie es wagen sollte zu überprüfen ob Shane abgeschlossen hatte, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Erschrocken fuhr sie zusammen. „Oh entschuldige, Se. Ich wollte dich nicht erschrecken. Aber erklär mir doch bitte warum du so an der Badtür klebst?“ Als sie sich umgedreht hatte, sah sie ein Nicholas Byrne frech grinsend an. „Oh Nicky, du bist’s nur.“ Erleichtert atmete sie auf. Sie war froh, dass es nicht Bryan war. Denn der hätte nicht mehr locker gelassen, bis sie ihm jedes kleinste Detail berichtet hätte. Und da Bryan die Gabe hatte jede noch so kleinste Lüge zu durchschauen, wäre es wohl ziemlich peinlich geworden. „Sagst du mir jetzt was das für eine Sportart ist?“ „Ich wollte nur hören ob jemand im Bad ist. Nicht, dass jemand vergessen hatte zuzusperren und ich hinein stürme.“ „Aja und ich bin übrigens der Kaiser von China. Das glaubst du ja selbst nicht, Se.“ Waren Nicky und Bryan irgendwie verwandt? „Wie kommst du eigentlich darauf mich ständig ‚Se’ zu nennen?“ „Weiß nicht. Ist mir spontan eingefallen und jetzt gefällt es mir. Aber du weichst gerade vom Thema ab.“ Ach wirklich? Das hatte Sarah ja ÜBERHAUPT NICHT beabsichtigt. „Was soll ich dazu noch sagen? Ich habe dir berichtet was los war.“ Nicky zog eine Augenbraue hoch. „So?“ „Ja!“ Nicky schüttelte leicht den Kopf. Ach, warum mussten manche Menschen auch nur solche Sturrköpfe sein. „Na gut. Ich habe merkwürdige Geräusche gehört und dachte eigentlich zuerst, dass sie aus dem Bad kamen. Ich denke du verstehst was ich mit ‚merkwürdige Geräusche’ meine, oder?“ Gekonnt zwinkerte sie ihm zu. „Ja, ich denke, ich weiß was du meinst. Und ich denke auch, dass solche Geräusche eher aus dem Zimmer dort drüben kommen.“ Er zeigte auf Mark’s Schlafzimmer, wo diese Nacht natürlich auch Lisa übernachtet hatte. „Ja, da hast du wohl vollkommen recht, Nix. Aber jeder darf sich mal täuschen, nicht?“ „Ja, schon.“ Sarah machte innerlich drei Kreuzzeichen. Er hatte angebissen. „Und warum sind sie eigentlich hier, Mr?“ „Ach, ich habe nur meine Jacke hier vergessen.“ Demonstrativ hielt er ihr das besagte Stück entgegen. Allerdings sagte sein Gesichtsausdruck etwas anderes aus. Und das gefiel ihr nicht – ganz und gar nicht. „Irgendwie glaube ich dir das jetzt nicht so ganz.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust um glaubwürdiger auszusehen. „Na gut. Das mit der Jacke stimmt zwar, aber ich muss zusätzlich noch mit Shane reden. Und wenn mich nicht alles täuscht ist er unter der Dusche.“ „Ja, sieht wohl ganz so aus. Mark und Lisa können es schlecht sein, die sind ja anderweitig beschäftigt. Und sonst befindet sich niemand mehr im Haus, oder?“ „Hmm, da hast du recht.“ „Na gut. Dann lass ich dich jetzt hier mal alleine auf Mr. Filan warten. Ich suche mir was zu Essen, oder mein Magen geht noch in meinen Knien mit mir spazieren. Irgendwo in diesem riesen Haus muss es ja was zu Futtern geben und das werde ich jetzt ausgraben. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag, Nicky. Grüß die anderen lieb von mir wenn du sie siehst und bleib anständig. Bis bald.“ Lächelnd drehte sie sich um und setzte sich in Bewegung. „Sarah!“ Sie drehte sich nochmals um. „Was empfindest du für Shane?“ Augenblicklich erlosch das Lächeln auf ihrem Gesicht. Was wusste er?

Kapitel 11

„Ich... ich versteh dich nicht. Was meinst du damit, Nicky?“ „Ich glaube, du weißt ganz genau was ich meine. Gott Sarah. Ich bin doch nicht blind. Ich sehe wie du Shane ansiehst, wie du mit ihm redest oder wie du dich in seiner Nähe verhältst und ich sehe auch wie Shane das alles tut. Sarah, ich verstehe, dass du ihn interessant findest. Er ist wahnsinnig freundlich, humorvoll und soweit ich das als männliches Wesen beurteilen kann, sieht er ziemlich gut aus. Aber du darfst nicht vergessen, dass er verlobt ist und in zwei Wochen heiratet. Sarah, ich kenne Shane jetzt lange genug um zu wissen was er über dich denkt. Er findet dich wahrscheinlich nicht weniger attraktiv als du ihn. Aber er würde es trotzdem niemals zulassen noch irgendetwas oder irgend jemanden zwischen sich und Jenny kommen zu lassen. Sarah, sieh ihn bitte nur noch als guten Freund und erhoff dir nicht mehr. Du brichst dir am Schluss nur selbst dein Herz – und Shane’s. Ich weiß wie das ist. Ich...“ „Sei still, Nicky. Du weißt doch gar nichts.“ Sarah liefen die ersten Tränen über ihre Wangen. „Du hast von nichts eine Ahnung. Du bist glücklich mit Georgina verheiratet und hast keinen blassen Schimmer davon was es heißt allein zu sein. Wenn es immer nur heißt, du gegen den Rest der Welt. Du weißt nicht wie meine Vergangenheit aussieht.“ „Das muss ich nicht wissen, Sarah. Ich muss nur wissen was im Hier und Jetzt geschieht. Und das gefällt mir nicht. Ich kann nicht zusehen wie du Shane verletzt.“ „Shane verletze? Du denkst immer nur an Shane, Nicky. Denk doch auch mal an mich! Ich muss mit ansehen wie Jenny Shane in ihren Armen hält. Wie sie ihn berührt und ihm nahe ist. Und nicht...“ Sarah stoppte. Die Badtür war aufgegangen und Shane stand, nur mit Handtuch bekleidet, vor ihr. Gott, was hatte sie nur in ihrem letzten Leben verbrochen um immer wieder in solche Situationen zu geraten? „Was ist denn mit euch Beiden los? Ihr seht ja aus als ob jemand gestorben wäre.“ Er lächelte die Beiden an. Jedoch nur solange bis er Sarah’s verweintes Gesicht sah. „Um Himmelswillen, was ist denn passiert?“ Wieder lief Sarah davon. Davon vor Shane, vor ihren Gefühlen, vor der Wahrheit. „Sarah! Bleib doch stehen!“ Sie ignorierte Shane’s Zurufe und lief einfach weiter. Schließlich fand sie in dem Haus eigenem Fitnessraum ein neues Versteck. Sie lief geradewegs auf einen Boxsack zu der von der Decke hing und schlug mit vollster Kraft darauf ein. „Au, shit!“ Sie rieb sich ihre Finger. Jetzt wusste sich wofür Boxhandschuhe da waren. „Es geht doch wirklich alles schief.“ Ihre Hand lief langsam blau an. „Na toll. Wie soll ich das jetzt wieder Lisa erklären?“ „Hier, nimm den Eisbeute. Kühlen hilft immer.“ Ruckartig drehte sie sich um. Shane war gerade dabei aus dem kleinen Kühlschrank im Raum einen Kühlbeutel zu holen. „Wie lange bist du schon hier?“ Sarah war froh, dass er wieder normale Kleidung an hatte. Sonst hätte sie für nichts garantieren können. „Ich habe noch gut gesehen wie du den Boxsack hinter dir bearbeitet hast.“ Schnaufend ging er auf sie zu. Er musste ebenfalls gerannt sein. Aber wie kam er an die neue Kleidung? „Du bist ja ziemlich flott im anziehen.“ „Oh! Ja.“ Er lachte. „Das lernt man in diesem Beruf. Wenn mal wieder Fans das Hotel stürmen sollte man darin ziemlich schnell sein. Verdammt schnell sogar. Hier.“ Er reichte ihr den Eisbeutel und setzte sich auf einen Stuhl. „Danke.“ Dann... Stille. Beide sahen zu Boden und wussten nicht worüber sie reden sollten. Eine wirklich blöde Situation. Aber war Sarah die nicht schon gewohnt? Gerade als Shane sich endlich traute sie zu fragen was vorhin mit Nicky vorgefallen war ging die Tür auf und Mark und Lisa sahen sie verwundert an. Rettung in letzter Sekunde! „Hey, altes Haus. Trainierst du jetzt schon freiwillig?“ Mark lachte. „Nein, tu ich nicht. Ich...“ „Gut, dann könnt ihr zwei ja ins Esszimmer kommen. Der Tisch ist reich gedeckt und ich verhungere wenn ich nicht bald was zwischen die Zähne bekomme.“ „Oh ja. Das ist wirklich eine gute Idee.“ „Ich weiß, Sha.“ „Kommst du Sarah?“ „Ja, gerne.“ Gerne? Am liebsten wäre sie auf der Stelle gestorben. Doch jetzt musste sie zum Frühstücken – wieder mit Shane.

Kapitel 12

Mark hatte nicht zu viel versprochen. Der ganze Esszimmertisch war voll mit leckerem Essen. Sarah lief das Wasser im Mund zusammen. „Setzt euch doch und haut rein. Ich denke, es ist für jeden genug hier.“ Mark lachte. Diesen Satz hätte er sich sparen können. Lisa, Shane, Sarah und auch Nicky hatten ihre Teller bereits bis zum Erbrechen aufgeladen. Eine Stunde wurde geschlemmt was das Zeug hielt und am Ende war alles beseitigt. Nichts von den Toasts, Eiern, Schinken, Würstchen, Säften, ... war mehr übrig. „Boah, ich glaube, ich platze gleich.“ Sarah rieb sich ihren Bauch. „Die Sauerei machst du aber selbst weg.“ „Danke für die Warnung, Mark.“ Alle lachten. Und selbst Sarah konnte das erste Mal lachen. Sie befürchtete, dass Nicky wieder dumme Fragen stellen würde. Doch auch er hatte wohl bemerkt, dass hier der falsche Moment dafür war. Vor allem bei Shane’s Anwesenheit. Das erste Mal, dass es Vorteile gab, dass Shane da war. Mark riss sie aus ihren Gedanken. „Hast du dich jetzt eigentlich schon um einen Anzug für die Hochzeit gekümmert? Louis hat uns schließlich nicht umsonst freigegeben.“ Shane kniff die Augen zusammen und schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Das deute ich jetzt mal als ein ‚nein’, Sha?“ „Ja, du hast recht. Das hab ich vollkommen vergessen. Wau, das hätte ganz schön ins Auge gehen können. Ich gehe am besten jetzt gleich zum Einkaufen. Kommt jemand mit? Sarah, du vielleicht?“ Sarah, die gerade einen Schluck Orangensaft trinken wollte, wäre beinahe daran erstickt. Und auch Nicky schien plötzlich kein reges Interesse mehr an seinem letzten Stück Würstchen zu haben. „Ich? Ähh... wäre da nicht männliche Unterstützung besser?“ Shane schüttelte energisch den Kopf. „Mark nehme ich sicherlich nicht mit. Da sehe ich danach nur aus wie ein Gnom.“ „Danke.“ „Bitte Mark.“ Er klopfte seinem Kumpel auf die Schulter. „Und wenn ich mit Nicky, unserem Modeexperten, einkaufen gehe, komme ich vor Weihnachten nicht mehr aus dem Geschäft heraus.“ Nicky drehte seine Augen nach oben. Er gab sich geschlagen. „Lisa kann ich auch nicht fragen, die ist mit Mark schon genügend beschäftigt.“ „Stimmt voll und ganz.“ Zur Verdeutlichung küsste sie Mark schnell auf die Wange. „Also bleibst nur noch du übrig, Sarah. Wenn du natürlich nicht willst musst du auch nicht.“ Na toll. Wenn sie jetzt nicht tief in der Tinte saß, dann wusste sie nicht mehr wann dies noch der Fall sein sollte. „Und?“ „Na schön, ich komme mit. Aber beschwere dich nachher ja nicht bei mir, dass dir deine Beine weh tun. Ich werde dich ohne Erbarmen von einem Geschäft in das nächste schleppen. Wenn es sein muss, wandere ich ganz Sligo einmal ab mit dir damit du ja gut aussiehst.“ In ihrem Eifer war sie, ohne es zu bemerken, aufgestanden. Alle sahen sie verwundert an, nur Shane lächelte. „Gut zu wissen. Nur werde ich dich leider enttäuschen müssen, Sarah. In ganz Sligo gibt es nur ein einziges Geschäft, dass Anzüge für Hochzeiten verkauft. Und das ist bestens mit dem Auto erreichbar.“ „Ohh... na dann.“ Sie setzte sich wieder hin. „Nein, nein.“ Shane stand auf. „Du kannst ruhig gleich wieder aufstehen. Ich würde nämlich sagen, wir fahren sofort. Das Geschäft dort ist nämlich groß genug um ein paar Stunden dort zu verbringen. Und ich will pünktlich zum Abendessen wieder zurück sein.“ Hatte Sarah sich gerade verhört? Ein paar Stunden? Gott, was war nur in sie gefahren, dass sie zugesagt hatte? „Auf geht’s zum Shoppen.“ Shane war nun endgültig nicht mehr zu bremsen. Er schnappte sich seine Jacke und den Autoschlüssel und ging nach draußen. „Sarah, kommst du?“ „Ja, sofort. Ich hole nur noch schnell meinen Pullover.“ Als sie endlich alles beisammen hatte wollte sie nach draußen gehen. Doch... „Se, denk bitte daran was ich dir gesagt habe.“ „Keine Sorge, Nix. Ich verspreche dir die Finger von ihm zu lassen und ein ganz anständiges Mädchen zu sein.“ „Danke.“ Sie lächelte und winkte Nicky, Mark und Lisa noch einmal um Abschied zu, ehe sie in Shane’s Auto stieg. „Fertig?“ „Ja, ich denke es kann losgehen.“ Shane startete den Motor und bog in die Hauptstraße ein. „Stört es dich wenn ich das Radio einschalte?“ „Nein, natürlich nicht.“ Aus den Boxen dröhnte augenblicklich Mario Winans „I don’t wanna know“. Shane sang leise mit und Sarah lief es eiskalt den Rücken herunter. Was hatte der Junge nur für eine himmlische Stimme. Ihr war plötzlich mulmig zumute. Hoffentlich konnte sie das Versprechen, das sie Nicky gab, auch halten...

Kapitel 13

„Hey Kleine. Wie gefällt dir der Anzug? Uhh... sorry. So darf ich dich ja nicht mehr nennen.“ „Schon gut. Mach was du eh nicht lassen kannst. Aber der Anzug ist tabu. Gott Shane, wie kommst du nur darauf einen blauen Anzug mit weißen Streifen am Rücken zu nehmen?“ „Was?“ Shane wandte und drehte sich in alle Richtungen um auf seinen Rücken sehen zu können. Sarah und Shane waren nun seit ungefähr fünfundvierzig Minuten in dem Laden und hatten ihn schon halbwegs verwüstet. Den größten Teil trug Shane dazu bei. Er hatte es noch kein einziges Mal geschafft einen Anzug ohne bunte Streifen, Punkte oder Comicfiguren auszugraben. Und das, wo der Laden so groß war. Doch das größte Problem war, dass Shane sich nie merken konnte aus welchem Schrank er seine neue ‚Eroberung’ herausgefischt hatte. Der Verkäufer hatte ihm nach einiger Zeit geraten die Anzüge einfach über einen Stuhl zu hängen. Er würde sie später aufräumen. Nur war langsam nichts mehr von dem Stuhl zu sehen und die Anzüge verteilten sich am Boden. Sarah lachte. „Wenn wir so weiter machen sind wir Ostern noch hier. Vorausgesetzt der Besitzer dieses Ladens schmeißt uns nicht vorher hochkant raus.“ „Das kann leicht der Fall sein.“ Shane betrachtete die Gegend um sich herum. ‚Chaos’ war das falsche Wort dafür. ‚Weltuntergang’ kam schon eher hin. „Der bringt uns um wenn er das sieht, Sha. Wir sollten vielleicht mal schnell etwas Ordnung schaffen.“ Shane zog die Unterlippe nach vorne und sah sie mit einem herzzerreißenden Hundeblick an. Oh wie süß! „Was soll der Blick bitte heißen? Aufräumen ist nicht deine Stärke?“ Shane nickte. „Ich kann putzen, kochen und viele andere Sachen. Aber im Umgang mit einem Kleiderbügel bin ich der reinste Vollidiot. Bevor ich das lerne, werde ich zum Mörder.“ Sarah lachte. „Na das wollen wir mal nicht hoffen. Ok, hör zu. Ich beseitige dieses Unwetter hier so gut wie möglich und du suchst dir einen schicken, schwarzen Anzug in dem Gang dort drüben. Die andere Seite des Geschäftes ist ab sofort für dich gesperrt. Verstanden?“ „Ei, ei, Käpt’n Sarah.“ Grinsend drehte er sich auf seinen Absatz um und marschierte davon. Als er hinter einem großen Schrank verschwunden war, holte Sarah einmal tief Luft. Bis jetzt hatte sie sich gut gehalten. Auch wenn ihr manchmal der Gedanke gekommen war Shane einfach in die nächste Umkleide zu zerren und dort über ihn herzufallen. Ob er sich wohl gewehrt hätte? Sarah kicherte leise, als ihre Fantasie wieder einmal mit ihr durchgegangen war. „Komm, so schlecht sieht dieser doch gar nicht aus.“ „Was?“ Sarah riss den Kopf hoch. Shane war inzwischen wieder zurück gekommen. „So schlimm ist doch dieser Anzug nicht. Jedenfalls nicht so schlimm, dass du ihn auslachen musst.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich gegen einen Holzpfosten, der im Raum stand. Gott, wie unheimlich gut sah er nur aus. Sarah sprach sich selbst Mut zu, ‚ganz lessig bleiben, Gibson’. „Du... ähh ich meine der Anzug sieht echt gut aus. Mal ohne peinliches Muster. Echt gut.“ Sie musste schlucken. „Findest du?“ Er richtete sich wieder auf und stieß dabei den etwa zwei Meter großen Holzpfosten um. Dieser schlug direkt auf den Stuhl auf, auf dem Sarah noch kurze Zeit davor, mit größter Sorgfalt, die Anzüge gestapelt hatte. Nun war von dem Stuhl nicht mehr viel übrig. „Was ist denn hier los?“ Der Verkäufer war aus seinem stillen Kämmerchen gekommen und musterte sein Geschäft – das reine Chaos. Er war sprachlos. Sarah versuchte sich zu entschuldigen, doch ihre lachende Stimme half nicht gerade dazu bei den Verkäufer zu besänftigen. „Was machen sie mit meinen Sachen? Sind sie verrückt?“ Sarah und Shane sahen sich an und mussten es sich bei verkneifen lauthals loszulachen. „Ähhh... Mr Tencey?“ Shane biss sich auf die Unterlippe um nicht völlig die Fassung zu verlieren. „Ich würde gerne diesen Anzug hier nehmen.“ Nun konnte Sarah sich endgültig nicht mehr halten. Sie fing aus vollstem Herzen an zu lachen. Gott, wie gut das doch tat.

Kapitel 14

Als die Beiden nach einiger Zeit endlich wieder im Auto, Richtung Mark’s Haus saßen, konnte Sarah immer noch nicht aufhören zu lachen. „Sh... Shane. Hahaha... Der... der war haarscharf davor zu... zu explodieren. Hahaha...“ Sarah tat langsam der Bauch weh vom vielen Lachen. „Naja, nachdem was wir mit seinem Geschäft angestellt haben, kann man es ihm irgendwie nicht verübeln. Aber immerhin, ich habe endlich einen Anzug der...“ „...der Jenny auch sicher gefallen wird. Außer sie steht auf Tom & Jerry und will sie unbedingt bei eurer Hochzeit dabei haben.“ Wieder lachte sie auf – das Eis war gebrochen. Sie bemerkte nicht wie Shane in den Seitenspiegel sah – mit traurigem Gesicht. „Ok, hier wären wir. Sei mir bitte nicht böse, wenn ich dich jetzt einfach hier rauswerfe, aber ich muss schnellstens heim und jemanden anrufen.“ „Keine Sorge, Sha. Ich werde es überleben.“ Sie klopfte ihm auf die Schulter und stieg aus. „Das mir nicht schlechtes zu Ohren kommt, Kleine, ja?!“ „Hey, was soll schon passieren? Ich bin Single. Also ist alles erlaubt.“ Sie zwinkerte ihm frech zu. „Na wenn du meinst. Wir sehen uns sicherlich bald wieder. Pass auf dich auf. Machs gut, bye.“ „Bye, Shane und bleib anständig.“ Sie schlug die Autotür zu uns sah Shane zu wie er winkend in die nächste Seitenstraße einbog. „Was für ein Tag.“ Sarah strahlte über das ganze Gesicht. „Einfach perfekt. Einfach ungl... wäähhh...“ Wie bestellt fing es von einer Sekunde auf die andere an in strömen zu regnen. Typisch Irland. Sarah lief zum Haus und klingelte wie eine Verrückte. „Na los. Nun macht schon auf.“ Auch nach längerer Zeit blieb ihr Flehen vergeblich. Da entdeckte sie einen kleinen, gelben Zettel auf dem Boden. Sie hob ihn auf und las ihn durch. „Hallo Kleine. Ich bin mit Mark schnell zum Shoppen gefahren (15:30 Uhr). Sind in spätestens drei Stunden zurück. Ich hoffe, du kommst nicht eher heim als wir. Wenn doch, geh zu Frau...“ Mehr konnte Sarah nicht mehr entziffern. Der Regen hatte die Schrift unleserlich gemacht. „Einfach großartig. Jetzt ist es 16:10 Uhr. Was soll ich jetzt machen?“ Sarah lief einmal um das gesamte Haus herum, in der Hoffnung, dass irgendwo ein Fenster offen stehen würde. Doch Mark hatte alles bestens verriegelt. Und da sie es nicht riskieren wollte mit der Polizei Bekanntschaft zu schließen, unterließ sie den Versuch ein Fenster zu öffnen. Es wäre sicherlich die Alarmanlage angegangen. Nun stand sie da – allein und zitternd vor Kälte. Der erste Gedanke den sie hatte, war zu Shane zu gehen. Doch diesen verwarf sie schnell wieder. Immerhin hatte er gesagt, dass er vier Kilometer weit weg wohne. Und auch wenn es näher gewesen wäre... sie wusste ja nicht einmal wo er wohnte. Frustriert ging sie auf die Hauptstraße zurück. Vielleicht würde sie ja einfach jemand überfahren... Gerade als sie den ersten Fuß auf die Fahrbahn gesetzt hatte, wurde sie von einer alten Dame, mit knallbunten Regenschirm, angesprochen. „Guten Tag. Kann ich ihnen vielleicht irgendwie helfen?“ Sarah winkte ab. „Nein, danke. Das können sie nicht.“ Die alte Frau ging weiter, als Sarah plötzlich eine Idee kam. „Entschuldigen sie?!“ „Ja?“ Die Frau lächelte sie an. „Sie wissen nicht zufälligerweise wo Shane Filan wohnt?“ „Sie meinen den berühmten Sänger?“ „Ja, genau. Können sie mir helfen?“ „Ich denke schon. Aber wollen sie die Strecke wirklich zu Fuß laufen?“ „Ja, bitte.“ „Wenn sie meinen.“ Die Dame erklärte ihr fast fünf Minuten den Weg und Sarah fragte sich, ob sie wirklich jemals dort hin finden würde. Doch sie hatte keine andere Wahl. Sie musste es versuchen. Sarah bedankte sich bei der alten Frau und rannte los. Schon nach kurzer Zeit begannen ihre Beine zu schmerzen. War sie heute nicht schon genug auf ihren Beinen unterwegs gewesen? Doch sie musste weiterlaufen. Immer weiterlaufen zu Shane’s Haus – zu Shane. Wenn sie doch jetzt schon gewusst hätte was sie dort erwartete. Sie wäre sofort umgedreht...

Kapitel 15

Shane war gerade dabei einen seiner Lieblingsfilme anzusehen und eine heiße Tasse Tee zu vernichten, als es klingelte. „Das darf doch nicht wahr sein. Hat man denn hier nie seine Ruhe?“ Verärgert stand er auf, ging zur Tür und öffnete diese. Erschrocken riss er die Augen auf, als er Sarah auf dem Treppenabsatz liegen sah. „Du liebe Güte!“ Shane hob ihren Kopf, als er sich zu ihr hinunter gebeugt hatte. „Kleine, kannst du mich hören?“ Er strich ihr vorsichtig eine nasse Strähne ihres Haares aus dem Gesicht, als sie die Augen öffnete. „Sha.“ Sie lächelte schwach. Zu mehr hatte sie keine Kraft mehr. „Ich... ich hab dich gefunden.“ „Ja Kleine. Das hast du. Komm ich trag dich ins Haus.“ Ohne Gegenwehr ließ sich Sarah von ihm ins Warme tragen. Sie hätte eh keine Kraft mehr gehabt sich zu wehren. Im Wohnzimmer wickelte Shane sie in eine kuschelige, warme Decke ein und brachte ihr eine Tasse Tee, ehe er kurz verschwand und Sarah sich erholen konnte. „Ich bin gleich wieder da. Lauf nicht weg, ja?“ Spaßvogel. Sie war den Weg hierher doch nicht zum Spaß gelaufen – durch den strömenden Regen. Doch wieso war sie eigentlich hier? Hätte sie die zwei Stunden Abwesenheit von Mark und Lisa nicht auch in einem Caffee verbringen können? Nein, sie war zu Shane gelaufen. Doch wieso? Verdammt, wieso? Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Shane ihr die Decke entzog. „Nun lass schon los, Sarah. Du bekommst sie ja gleich wieder. Ich weiß wie schön kuschelig weich sie ist. Ist ja schließlich auch meine Lieblingsdecke. Aber bitte zieh den hier erstmal an.“ Shane hielt ihr einen weißen Bademantel mit schwarzen, chinesischen Schriftzeichen entgegen. Sarah nahm ihn in ihre Hände. „Ich halte die Decke vor dich, obwohl ich das alles schon mal gesehen hab.“ Er zwinkerte ihr frech zu und lachte auf, als Sarah ihm die Zunge heraus streckte. „Halten sie das Ding mal schön hoch. Wer weiß, ob sich bei meinem Körper in letzter Zeit nicht noch was verändert hat.“ Er hob die Decke und Sarah zog ihr klitsch-nasses T-Shirt aus. „Ich hoffe das jetzt ehrlich gesagt nicht. Denn es hätte sich nur zum Negativen verwandeln können.“ Sarah wurde augenblicklich rot. Nur gut, dass die Decke zwischen ihnen war. „Fertig?“ Shane ließ die Decke nach unten sinken und sah in die geschockten Augen von Sarah. „Shane, nimm endlich dieses verdammte Ding wieder hoch.“ Mit hochrotem Kopf presste sie sich ihr T-Shirt gegen die Brust. So stark, dass das Wasser daraus zu Boden tropfte. Lächelnd hob Shane die Decke erneut. „Wieso braucht ihr Mädchen auch immer so lange beim Anziehen? Ich verlange doch nur, dass du einen einfachen Bademantel anziehst. Du sollst dich doch nicht für ein Date stylen.“ Er lachte, währen Sarah mit ihrer Jeans kämpfte. Warum mussten nasse Sachen auch nur so am Körper kleben? „Bist du jetzt end...“ „Wage es ja nicht dieses Stück Stoff nochmals Richtung Boden sinken zu lassen, ehe ich es dir erlaube.“ „Ooookkkkeee.“ Dummkopf, dachte sich Sarah. Lieber Dummkopf... Nach weiteren Minuten hatte sie es endlich geschafft aus den nassen Klamotten zu schlüpfen und Shane’s Bademantel, der zu Sarah’s Erstaunen perfekt passe, anzuziehen. „Na gut, Mr. Filan. Jetzt bin ich fertig.“ „Ehrlich?“ „Ja, ehrlich.“ „Ganz sicher?“ „Gott, Sha, ja!“ Sarah lachte, als Shane vorsichtig mit einem Auge über den Deckenrand linste. „Hey, wau. Der passt dir ja wie angegossen.“ „Stimmt.“ Zur Demonstration drehte sie sich einmal um sich selbst. „Gut und jetzt gib mir die Decke wieder.“ Lachend versuchte sie Shane das Kuschelding zu entziehen, doch er wehrte sich mit allen Mitteln dagegen. „Hey, du hast gesagt, wenn ich dieses Ding hier anziehe, bekomme ich dieses Ding auch wieder.“ Sie deutete zuerst auf das weiße Stück Stoff auf ihren Körper und dann auf die Decke, die sie Beide wie verbissen fest hielten. „Schon gut, schon gut. Nimm sie, bevor du sie noch in der Mitte auseinander reißt.“ Er gab sie ihr und Sarah ließ sich augenblicklich auf’s Sofa fallen – eingewickelt in die Decke. Sie war ja überhaupt nicht besitzergreifend... Sie wurde neugierig, als sie die chinesischen Schriftzeichen begutachtete. „Sha? Was heißt das hier eigentlich?“ Sie deutete auf ein paar Zeichen auf ihrem Ärmel. „Das heißt ‚wer diesen Bademantel trägt, wird für immer dem Besitzer verfallen sein’.“ „Was?!“ Shane lachte, dank Sarah’s perplexen Gesichtausdruckes. „War doch nur ein Scherz. Das heißt nichts weiteres als ‚Shane Steven Filan’.“ „Achso, das beruhigt mich.“ Shane lächelte, als sich Sarah noch tiefer in die Decke kuschelte. „Jetzt bin ich aber mal dran mit Fragen stellen.“ „Wenn du meinst, dann schieß los.“ „Wieso bist du eigentlich hier?“ Sarah sah auf – direkt in die strahlend braunen Augen von Shane. Verdammt, wieso war sie eigentlich hier?

Kapitel 16

Sarah griff nach ihrer Tasse Tee am Tisch und nahm einen kräftigen Schluck daraus. Jetzt lass dir was gute einfallen, dachte sie sich. „Bitte sag die Wahrheit, Kleine.“ Warum wusste dieser Junge auch immer was sie dachte. „Wieso sollte ich dich anlügen?“ Gespielt fragend sah sie ihn an. Shane zuckte nur mit den Schultern. „Weiß nicht.“ Sarah sah die Traurigkeit in seinen Augen, doch sie wollte ihn nicht darauf ansprechen. Sicherlich war es etwas privates, was sie nichts anging. „Ok, wenn du wissen willst warum ich hier bin, dann hör zu. Es fing damit an, dass Mark und Lisa nicht zu Hause waren als du mich bei ihnen abgesetzt hattest.“ Sarah erzählte ihm jedes kleinste Detail der vergangenen Stunde. Sie passte höllisch darauf auf, dass sie nichts vergaß. Wieso, wusste sie mal wieder selbst nicht. „Und dann hab ich mich eben auf den Weg hier her gemacht und naja, hier bin ich. Den Rest weißt du ja selbst.“ Shane nickte. Er war wohl vollkommen geplättet von dem was er hier hörte. „Krass! Du bist die vier Kilometer also wirklich zu Fuß gelaufen? Bei diesem Wetter?“ „Ja.“ „Wau!“ „Naja, ich wusste nicht wohin ich sonst gehen sollte. Ich kenne mich in Sligo schließlich überhaupt nicht aus.“ Shane lächelte. „Du brauchst doch nicht nach Entschuldigungen zu graben. Ich freue mich, dass du hier bist. Fühl dich wie zu Hause. Ach, ich vergaß. Das tust du ja bereits.“ Er lachte, als Sarah leicht rot wurde. „Sorry. Ich platz hier einfach so rein, störe deine kostbare Freizeit und nimm dir dann auch noch deine Decke weg. Hier, nimm sie wieder.“ Sie versuchte die Decke von ihrem Körper zu bringen, doch da Shane auf der Seite drauf saß, wollte ihr dies nicht gelingen. „Bleib ruhig, Kleine. Ich brauch dieses Dingt nicht unbedingt.“ „Danke.“ Shane lachte erneut über Sarah’s verschämte Stimme. „Gott, Mädchen. Du musst dich doch nicht für alles schämen oder entschuldigen. Lach doch bitte wieder einmal. Damals im Cafe hast du auch so oft gelacht und das fand ich so schön. Bitte lach wieder.“ Er sah sie mit dem liebsten Hundeblick aller Zeiten an. Wen das nicht zum Lachen brachte, dem war nicht mehr zu helfen. „Siehst du, ist doch gar nicht so schwer.“ „Danke, Sha, Du bist ein Schatz.“ „Wirklich?“ Er sah sie durchdringend an und Sarah hätte ihm dafür an die Kehle gehen können. Was bitte antwortete man auf eine solche Frage? Eine peinliche Stille trat ein. Doch dieses Mal war Sarah an der Reihe diese zu beenden. „Ähmm... bist du eigentlich schon sehr nervös wegen der Hochzeit? Immerhin ist sie in zwei Tagen.“ „Hmm... was?“ Shane war völlig in andere Sachen vertieft. Sarah lachte. „Ertappt, so gut hörst du mir also zu.“ „Ich... ich... ähmm.“ „Schon gut, Kleiner. Wir haben ausgemacht das Entschuldigungszeug zu streichen. Ich wollte nur wissen ob du nervös bist wegen der Hochzeit?“ „Ja, das bin ich wohl.“ Traurig sah er auf seine Hände, die er nervös aneinander rieb. Sollte man bei so einer Frage nicht lächeln? „Alles in Ordnung? Du siehst nicht sehr naja, glücklich aus.“ „Das kommt wohl davon, dass ich es auch nicht bin.“ Bum! Das war ein Schlag mitten ins Gesicht. Über seine Hochzeit freut man sich doch, außer... „Ähh... ich... hä? Sorry, aber das verstehe ich jetzt nicht ganz. Du bist nicht happy?“ „Nein, Sarah. Hör zu, ich erzähl dir alles, aber es muss unbedingt unter uns bleiben. Das würde viel zu vielen Menschen das Herz brechen.“ Sarah nickte. Was war das hier? Eine Offenbarung? „Ich liebe Jenny nicht.“ „Was? Aber wieso, ich meine... hä...?“ Jetzt war es endgültig aus. Sie verstand nur noch Bahnhof. „Warte, ich erzähl es dir schon. Meine Eltern und die Eltern von Jenny kennen sich schon seit Jahrzehnten. Für sie war es immer der Traum, dass Jenny und ich einmal heiraten. Es war vor allem der Traum meiner Eltern. Der einzige Weg raus aus dieser Beziehung wäre gewesen, wenn Jenny gegen mich gewesen wäre. Aber seit es mit Westlife so gut läuft weicht sie nicht mehr von meiner Seite.“ „Shane, das ist doch nicht dein Ernst? Wir leben doch nicht mehr im 17. Jahrhundert. Jeder kann frei entscheiden wen er liebt oder nicht und mit wem er alt werden will. Und so wie ich das sehe, ist Jenny nur scharf auf dein Geld.“ „Da hast du leider vollkommen recht.“ „Aber wieso machst du das dann alles? Es geht hier um dein Leben.“ „Und um den Traum meiner Eltern. Ich könnte ihnen das nicht antun. Sie würden mir das niemals verzeihen.“ „Du bist ihr Sohn. Sie müssen doch glücklich sein, wenn du glücklich bist.“ Tränen stiegen in Shane’s Augen. Er versuchte sie zu verbergen. „Hey, alles ok?“ Sarah legte eine Hand auf seine Schulter. Dieses Mal war er es der am ganzen Körper zitterte. „Sarah, ich kann doch meine Eltern und Jenny nicht so enttäuschen. Ich kann ihnen nicht das Herz brechen. Ich liebe meine Eltern so sehr. Gott, Sarah.“ Sarah nahm ihn fest in die Arme. Jegliche Berührungsangst war wie verflogen. Sie ließen sich nach hinten an die Lehne fallen. Sarah strich ihm beruhigen durch sein Haar. Wie unglaublich schön es doch war – genau wie der Rest dieses Jungens, der jetzt zitternd in ihren Armen lag. „Shhh... beruhig dich. Alles wird gut, das kannst du mir glauben. So ein Mensch wie du hat nur das Beste verdient.“ Sie strich ihm erneut durch’s Haar, doch Shane bemerkte es nicht mehr – er war eingeschlafen. „Glaub mir, Shane. Ich lasse nicht zu, dass du unglücklich bist. Niemals! Und wenn ich dafür durch die Hölle gehen muss. Dafür liebe ich dich viel zu sehr.“ Hätte er dies doch alles gehört, seine Probleme hätten sich in Luft aufgelöst. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und fiel nach kurzer Zeit ebenfalls in einen tiefen Schlaf.

Kapitel 17

Langsam öffnete Sarah die Augen. Sie lächelte, als sie bemerkte, dass sie immer noch in Shane’s Armen lag, der tief und fest schlief. Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange und befreite sich aus seiner Umarmung. „Nicky, du kannst stolz auf mich sein. Ich hätte ihn gerade auch auf den Mund küssen können. Aber ich habe es nicht getan. Man shit, bin ich blöd.“ Mit sich selbst sprechend suchte sie die Küche. Ihr Magen hatte ihr schon mehrfach deutlich gemacht, dass es Zeit war etwas essbares zu suchen. Und da Shane ja eh gesagt hatte ‚fühl dich wie zu Hause’... Nach einigen Minuten hatte sie die Küche endlich gefunden. Wieso musste dieses Haus auch so groß sein? „Ok, was haben wir hier denn alles?“ Sie öffnete den Kühlschrank und er war... „Was?“ Er war leer. Leerer als leer. Nicht einmal Milch stand darin. „Na gut, dann gibt es heute wohl kein Drei-Gänge-Menü zum Frühstück.“ Sie suchte alle Schränke im Raum ab und fand am Ende doch noch etwas brauchbares – ein paar Teebeutel und Keksbrot. „Hoffentlich schmeck ihm das auch.“ „Oh, da bin ich mir ganz sicher.“ Sie erschrack, als Shane plötzlich hinter ihr stand und seine Hände links und rechts von ihr auf die Ablage stützte. Sarah drehte sich nicht um. Sie wusste, wenn er da so mit seinen verwuschelten Haar vor ihr stand, würde sie jeglichen Anstand verlieren. „Es tut mir leid, dass ich nicht mehr Essen im Haus habe. Aber wir waren jetzt lange Zeit weg und ich...“ „Wollten wir das ‚Sorry-Dings-Bums-Zeug’ nicht lassen?“ Während sie mit ihm sprach goss sie heißes Wasser, dass sie zuvor aufgesetzt hatte, in zwei Tassen. Sie versuchte krampfhaft etwas zu finden was sie tun konnte, nur damit sie sich nicht umdrehen musste. Doch Shane machte es ihr nicht unbedingt leichter, als er seine Hände auf ihre Hüfte legte. „Vielen Dank für das Gespräch gestern, Kleine.“ Sarah lief es eiskalt den Rücken herunter. Er hatte seinen Kopf ganz nah an ihr Ohr genommen. Sie fühlte seinen Atem auf ihrem Hals und das machte sie verrückt. Ruckartig drehte sie sich um. Was für eine schlechte Entscheidung. Shane sah noch besser aus, als dass sie es erwartet hatte. Einfach zum Anbeißen. „Keine Ursache, Shane. Ich habe dir gerne zugehört und ich bin jeder Zeit da wenn du mich brauchst. Musst mich nur rufen.“ „So?“ Fragend sah er sie an. „Klar, meinst du ich steh meinem Freund in schweren Zeiten nicht zur Seite?“ „Deinem Freund?“ Er sah sie frech an. „Ach, Sha. Du weißt genau wie ich das meine. Ich...“ Weiter kam sie nicht. Shane hatte eine Hand unter ihr Kinn gelegt und ihren Kopf gehoben. Und was dann passierte raubte Sarah jeglichen Verstand. Er küsste sie. Er küsste sie mit einer Leidenschaft die Sarah noch nie erlebt hatte. Vorsichtig erforschte Shane’s Zunge das neue Gebiet und seine hand schob sich langsam unter ihren Bademantel. Gott, nein. Sarah schrie innerlich um Hilfe. Doch wieso? Sie hatte doch immer von diesem Moment geträumt. Sie gab sie Shane’s Berührungen hin. Er hob sie auf die Küchenanrichte und öffnete langsam ihren Bademantel. Sarah tat es ihm gleich und öffnete seinen Gürtel und dann langsam sein Hemd. Knopf für Knopf genoss sie es, wie Shane’s Küsse intensiver wurden. Sie schob ihm das Hemd über die Schultern und ließ es achtlos zu Boden fallen. Während Shane sie am Hals küsste streifte er ihr den lästigen Bademantel vom Körper. Was hier geschah war falsch, dass wusste Sarah. Doch sie war, genauso wie Shane, nicht mehr in der Lage das ganze zu stoppen. Er hatte sich bereits von seiner Jeans befreit und war daran Sarah’s BH zu öffnen, als Sarah doch versuchte das Ganze aufzuhalten. „Shane, wir dürfen das nicht. Du...“ Durch einen weitern leidenschaftlichen Kuss hielt Shane sie vom Reden ab. Er wollte wohl nicht wirklich wissen was sie zu sagen hatte. Vorsichtig zog er ihr schließlich ihren Slip aus. Seine Boxershorts verschwand in der Spüle. „Oh Shane.“ Sarah vergrub ihren Kopf an seiner Schulter, als er sie noch näher zu sich heran zog. Gleich würde sie ihn lieben können, ihn ganz für sich haben. Nur dieses eine Mal, dachte sich Sarah, nur dieses eine Mal. Plötzlich klingelte es an der Haustür. „Shit!“ Shane ließ sie abrupt los und schnappte sich seinen Bademantel. „Nimm das ganze Zeug und geh bitte nach oben ins Schlafzimmer.“ Sarah nickte, schnappte sich alle Klamotten, auch Shane’s Boxershorts und verschwand nach oben. Shane vergewisserte sich, dass sie außer Sichtweite war, ehe er die Haustür öffnete. Ein ziemlich mitgenommener Nicky sah ihn an. „Hey, Nix. Wie geht’s? Was führt dich zu mir?“ Wortlos ging er an Shane vorbei in dessen Haus. „Alles in Ordnung, Nicky?“ „Wo ist sie, Shane?“ „Was?“ „Tu nicht so unschuldig. Du weißt genau was ich meine. Wo ist Sarah?“

Kapitel 18

Nicky stürmte geradezu die Treppen in Shane’s Haus nach oben. Er wollte Sarah finden, so schnell wie möglich. „Verdammt, Nix, bleib endlich stehen. Was soll der ganze Scheiß eigentlich?“ Doch Nicky hörte nicht auf ihn. „Jetzt warte. Halt!“ Shane packte seinen Freund fest am Arm, kurz bevor dieser Shane’s Schlafzimmer betreten konnte. „Sie ist da drinnen, stimmt’s?“ Sarah saß auf Shane’s Bett und war starr vor Schreck. Sie kannte die Stimme vor ihrem Zimmer gut genug um zu wissen, dass es Nicky war. Sarah sah sich im Zimmer um. Sie suchte nach einem Ausgang. Doch die Tür, vor der sich Shane und Nicky stritten, war neben einem Fenster der einzige Weg heraus aus diesem Raum. Sie sah sich nochmals um und entdeckte einen großen, alten Schrank in der Ecke. Ihre einzige Hoffnung. Vorsichtig kletterte sie hinein. „Nur keine falsche Bewegung machen.“ Sie hielt regelrecht den Atem an, als Nicky schließlich ins Zimmer gestürmt kam – Shane hinterher. Dieser war etwas baff, als er Sarah nicht entdeckte. „Hab ich dir nicht gesagt, dass sie nicht hier ist?“ „Shane, ich bin nicht blöd. Meine Großmutter hat erzählt, dass sie von Sarah nach dem Weg zu dir gefragt wurde.“ Sarah verpasste sich gedanklich einen Kinnhaken. Es gab so viele Menschen auf dieser Welt und sie musste natürlich die Oma von Nicky treffen. Unglaublich! „Vielleicht hat sie sich es ja unterwegs anders überlegt und ist umgedreht.“ „So? Und wo war sie dann die ganze Nacht?“ „Ich bin doch keiner Hellseher, Nix.“ „Nein, sie ist hier, sonst wärst du jetzt nicht so ruhig.“ „Was soll das jetzt wieder heißen?“ „Du brauchst mich nicht verscheißern, Sha.“ „Was willst du eigentlich von ihr?“ „Jim Owen hat bei Lisa angerufen. Kennst du diesen Mann, Shane?“ Er nickte langsam. Sarah’s Herz begann wild zu pochen. Was wollte Jim von ihr? „Das war Sarah’s Verlobter, Sha. Und er ist es noch immer.“ „Ich weiß. Aber wieso ruft er Lisa an und nicht Sarah?“ „Weil sie ihr Handy ausgeschalten hat. Gott, Shane, er will sie zurück!“ Sarah stockte der Atem. Das konnte doch nur ein Witz sein. Ein sehr, sehr schlechter Witz. Sie flehte innerlich darum. „Er will sich heute mit ihr treffen und über alles reden.“ „Weiß sie das?“ „Shane, hast du sie nicht mehr alle? Du kennst die Antwort besser als jeder andere.“ Shane sah zu Boden. „Na gut. Da du ja eh nicht mit der Sprache raus rückst... Wenn du sie ganz zufälligerweise in der nächsten Zeit siehst, sag ihr bitte, dass Jim sie heute um 14:00 Uhr im ‚Jungle’ treffen will.“ „Ja, mach ich.“ Schweigend verließen sie das Zimmer. Sarah sah auf die Uhr. So viel sie erkennen konnte war es 13:25 Uhr. Sie hatte also nicht mehr viel Zeit. Leise kletterte sie aus dem Schrank. Sie wusste, dass sie es zu Fuß niemals pünktlich schaffen würde. Doch für ein Taxi hatte sie kein Geld. Da fiel ihr Shane’s Hose ins Auge und der Geldbeutel der daneben lag. „Ich zahle dir hundertprozentig alles zurück, Shane. Versprochen!“ Sie nahm sich etwas Kleingeld und ging hinüber zum Fenster. „Oh Gibson. Jetzt musst du sehr tapfer sein. Hey, es sind ja nur ungefähr drei Meter.“ Vorsichtig kletterte sich aus dem Fenster und sprang in die Tiefe. „SCHEIßE!“ Sie war froh, dass der Boden vom vielen Regen aufgeweicht war und ihren Flug gut abfederte. Eiligst rannte sie zur Hauptstraße und stoppte ein Taxi. „Zum ‚Jungle’ bitte.“ „Wie die Lady wünscht.“ Der Fahrer gab Gas und Sarah begann nachzudenken. Was, wenn Nicky nicht gelogen hatte und Jim sie wirklich zurück haben wollte? Wollte sie es denn auch noch? Sarah wusste, dass sie immer noch etwas für ihn empfand. Aber war es mehr als Freundschaft? Und was war nun mit Shane? Würde er Jenny immer noch heiraten? Oder gab es noch irgendeine Chance für sie und Shane? Fragen über Fragen. Und sie hatte auf keine Einzige eine Antwort. „Hier wären wir. Einen schönen Tag noch.“ Sarah bezahlte und stieg aus. Wie sie diesen Satz doch hasste ‚noch einen schönen Tag’. Gut, damals wurde der Tag noch ganz schön – mit Shane’s Hilfe. Doch Shane war nun nicht hier und er würde sicherlich auch nicht hier auftauchen. Wenn doch, hätte Sarah riesen Schwierigkeiten bekommen. Sie sah auf die Uhr. 13:55 Uhr. So wie sie Jim kannte war er längst da. Sie überlegte ob sie nicht einfach umdrehen, sich ins nächste Taxi setzen und wieder zurück zu Shane fahren sollte. Zurück zu ihrem Herzen. Doch sie wollte nicht noch einmal vor ihren Gefühlen, ihrer Angst und der Wahrheit davon laufen. Das hatte sie in den letzten zwei Monaten viel zu oft getan. Sie beschloss sich der Realität zu stellen. Komme was wolle, sie würde auf ihr Herz hören. Sie würde nicht in die Zukunft sehen dürfen und sie würde die Vergangenheit teilweise vergessen müssen. Die Vergangenheit zusammen mit Shane, ihrem kleinen Dummkopf. Mit weichen Knien und zittrigen Fingern drückte sie die Türklinke vom ‚Jungle’ nach unten und betrat den Raum.

Kapitel 19

Rauch stieg ihr ins Gesicht. Sie kniff die Augen zusammen um trotzdem etwas erkennen zu können. Ein toller Ort für ein doch so wichtiges Gespräch, dachte sich Sarah und schüttelte angewidert den Kopf. Sie sah sich in dem Pub um und entdeckte Jim schließlich an einem Tisch in der hintersten Ecke. Er sah gut aus – wie immer. Sein schwarzes Haar hatte er etwas kürzer geschnitten und auch so machte er einen munteren Eindruck. Sie sah jedoch, dass seine Augen jenes Strahlen verloren hatten, welches sie einst so sehr geliebt hatte, als sie langsam auf ihn zuging. Sarah atmete noch einmal tief durch und sprach sich Mut zu. „Und ja nicht an Shane denken, Gibson. Uhh... ich tue es aber gerade.“ Sie verdrehte die Augen und schimpfte mit sich selbst. „Na gut, dann mal los.“ Nervös ging sie zu Jim’s Tisch und ließ sich auf dem Stuhl gegenüber von ihm nieder. „Hallo Jim.“ „H-hi.“ Er war wohl überrascht über ihr plötzliches Auftauchen. Jedenfalls fehlten ihm die Worte. Sarah sprach ruhig weiter. Sie war schließlich nicht hier her gekommen um eine Runde das ‚Schweigespiel’ zu spielen. „Wie geht’ dir so? Lange nicht gesehen.“ Sarah kochte vor Wut. Was bildete sich dieser Typ eigentlich ein? Er saß ihr hier stumm gegenüber und musterte sie von oben bis unten. „Du siehst gut aus.“ „Danke, Jim. Ich habe mein Bestes dafür getan.“ Wieder Stille... Gott, wieso war sie eigentlich hier? Sie könnte jetzt genauso gut bei Shane sein und richtigen Spaß haben. Da war er wieder. Der Gedanke an Shane. Sarah schimpfte wieder mit sich selbst. „Erzählst du mir jetzt vielleicht endlich auch einmal wieso du mich so urplötzlich wieder sehen willst, wo du doch vor drei Monaten nicht schnell genug verschwinden konntest?“ „Sarah, ich...“ Er hielt wieder inne. „Ich bin ganz Ohr.“ „Ich, ohh Sarah.“ Er ergriff ihre Hand, die auf dem Tisch lag. Ruckartig zog Sarah sie zurück. „Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit, Jim. Entweder zu erzählst mir endlich wieso ich eigentlich hier bin, oder ich verschwinde auf der Stelle. Ich habe deine Spielchen endgültig satt und ich hätte gerade weit aus bessere Sachen zu tun.“ Sie war stocksauer auf ihn. „Sarah, es tut mir alles so unendlich leid. Bitte verzeih mir nochmals. Ich liebe dich doch so sehr.“ „Ja, das habe ich bemerkt. Du liebst mich so sehr, dass du kurz vor unserer Hochzeit einfach verschwindest und mir nicht einmal den Grund dafür sagst.“ „Schatz, ich...“ „Nenn mich nicht Schatz. Du hast keinen Grund mehr dazu.“ „Ich wollte dir das alles nicht antun. Aber kurz vor unserer Hochzeit bekam ich einfach zu große Angst. Ich hatte Angst wie sich in Zukunft alles verändern würde.“ „Jim, eine Hochzeit verändert nichts.“ Ja, dachte sich Sarah, eine Hochzeit verändert nichts. Jedenfalls solange nicht, wie man selbst zu den Brautleuten gehörte. Wieder tadelte sie sich für die Gedanken an Shane und an die Zukunft. „Ich weiß das jetzt auch, Sarah.“ „Jetzt ist es nur etwas zu spät dafür, Jim. Du hättest dir vor drei Monaten den Kopf darüber zerbrechen sollen.“ „Sarah, es tut mir doch so schrecklich leid. Bitte vergib mir nochmals.“ „Nein, Jim, nein. Dafür hast du mich zu sehr verletzt.“ „Du hast einen anderen, oder? Das ist der Grund? Sag mir seinen Namen und ich kill dieses Arsch.“ Er schlug mit beiden Fäusten hart auf den Tisch auf. Sarah erschrack und einige der Gäste wandten die Köpfe nach ihnen um. „Was gibt es denn zu glotzen? Und du, sag schon, wer ist es?“ „Es gibt niemanden, Jim. Und wenn doch, hätte ich genauso entschieden.“ „Du lügst doch!“ Mit einem kräftigen Schlag zur Seite schmiss er sein Glas Guinness vom Tisch. Langsam bekam Sarah Angst. Sie wusste wie aggressiv Jim werden konnte, wenn ihm etwas nicht passte. Und das tat ihm das hier gerade sicherlich nicht. „Beruhig dich wieder. Du musst meine Entscheidung verstehen. Genauso wie ich damals deine Entscheidung verstehen musste, als du beschlossen hattest zu gehen.“ „Aber ich habe eingesehen, dass das der größte Fehler in meinem Leben war. Ich will nicht, dass du den selben Fehler machst. Sarah, ich liebe dich.“ „Aber ich dich nicht mehr, Jim. Und wenn sich dies alles als großer Fehler heraus stellt, so weiß ich wenigsten, dass ich heute auf mein Herz gehört habe und schon deshalb richtig gehandelt habe.“ „Du willst dieses Risiko eingehen?“ „Ja, Jim. Es ist aus zwischen uns. Endgültig.“ „Nein!“ Er sprang auf und packte Sarah am Arm. „Au, Jim, das tut weh!“ „Nein, Sarah. Ich lasse nicht zu, dass du den selben Fehler begehst wie ich. Ich will, dass du glücklich bist.“ Sarah sah im tief in die Augen. „Wenn du wirklich willst, dass ich glücklich bin, dann verschwinde endlich aus meinem Leben. Für immer!“ Jim’s Augen strahlten und er begann hysterisch zu lachen. „Nein, meine kleine, süße Maus. Auch wenn du das gerne hättest. Ich werde dich niemals verlassen. Denn...“ Er beugte seinen Kopf über ihr Ohr und flüsterte nur mehr. „Ich liebe dich, Sarah. Und ich werde dich immer lieben.“ „Lass mich endlich los du Widerling. Nein ahhhh...“ Er zog Sarah näher an sich heran und wollte sie gerade küssen, als er mit großer Wucht nach hinten gerissen wurde. Jim drehte sich hektisch um und sah in zwei von Wut funkelnde, blaue Augen. „Lass Sarah in Ruhe oder du bekommst es mit mir zu tun.“ Sarah kamen die Tränen. „Gott, Bryan, dich schickt der Himmel.“ „Aber nicht mehr lange!“ Jim schlug ihm mit vollster Kraft ins Gesicht, was Bryan nach hinten warf. Sarah konnte gerade noch erkennen wie sich eine zweite blonde Gestalt auf Jim stürzte – Kian. Dann wurde ihr schwarz vor Augen und der Boden unter ihren Füßen gab nach.

Kapitel 20

Sarah versuchte die Augen zu öffnen, doch das helle Licht blendete sie. Ihr Kopf dröhnte und ihre rechte Schulter schmerzte. Verdammt, was war geschehen? „Der Typ hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Bry, jetzt halt endlich still.“ Die Stimme kannte sie doch? Kian. Sie öffnete die Augen und sah Kian, der gerade versuchte Bryan einen Eisbeutel auf’s Auge zu drücken. Doch dieser wehrte sich heftigst. Schließlich gab Kian auf und drehte sich zu Sarah um. „Hey, unsere Prinzessin ist aufgewacht. Wie geht es dir?“ Schlagartig sah Sarah vier Köpfe neben sich auftauchen. Kian, Mark, Lisa und Bryan, der ein fettes blau-grünes Auge besaß. „Was war denn los?“ Langsam richtete sie sich auf. Sie hatte Angst, dass bei einer schnelleren Geschwindigkeit ihr Kopf explodieren würde. „Und Bryan, was ist mit dir los? War das Jim?“ „Na Gott sei Dank. Du erinnerst dich noch daran.“ Kian legte ihr eine Hand auf die Stirn. „Wir dachten schon du hättest einen Gedächtnisverlust. Was auch kein Wunder gewesen wäre, so wie du vorhin mit dem Kopf an den Tisch geknallt bist.“ Aha, daher kamen also diese wahnsinnigen Kopfschmerzen. Gut zu wissen. „Wo ist Jim?“ Diese Frage lag ihr, seit sie die Augen geöffnet hatte, auf der Zunge. Genau wie die Frage wo Shane war. Doch konnte sie diese überhaupt stellen? Oder würden dann alle ihr kleines Geheimnis wissen? „Wir haben keine Ahnung.“ Erschöpft ließ sich Bryan auf’s Sofa fallen, mit dem Eisbeutel am Auge. „Er ist abgehauen, als wir uns kurz auf dich konzentriert haben. Wir dachten schon dein Kopf sei ab, bei dem Knall den du verursacht hattest.“ Betrübt sah Sarah zu Boden. „Ähhmm... Jungs? Könntet ihr mich und meine beste Freundin mal für ein paar Minuten alleine lassen? Ich glaube, es gibt einiges zu berichten, dass euch nichts angeht.“ „Jaja, das ist mal wieder typisch Frau. Kaum wird es interessant wird die Männerwelt davon ausgeschlossen.“ „Tja, Bry, da würde ich mir mal ernsthaft Gedanken darüber machen. Und nun verschwindet schon. Alle drei, hophop!“ Kopfschüttelnd stand Bryan auf. Die anderen Zwei taten es ihm gleich. „Ich werde euch Frauen wohl nie verstehen.“ „Da bist du nicht der Einzige.“ Lachend klopfte Kian seinem Kumpel auf die Schulter und zusammen verließen sie Mark’s Wohnzimmer. Als die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war sprudelten die Fragen regelrecht aus Lisa heraus. „Nun erzähl aber mal. Was wollte Jim? Was ist mit Shane und wo warst du eigentlich die letzte Nacht? Ich habe mir riesige Sorgen um dich gemacht. Und warum hat Bry ein blaues Auge? Ach warte, das hat er mir ja schon selbst erzählt. Sarah, was ist los zur Zeit?“ „Ach Li. Ich habe doch selber keine Ahnung.“ „Gut, dann fangen wir anders an. Was wollte Jim?“ „Er wollte mich zurück haben.“ „Was? Was bildet sich der Typ eigentlich ein wer er ist?“ Sarah zuckte nur mit den Schultern und schilderte Lisa die letzten Stunden. „Der hat doch wirklich den Arsch offen. Sorry, dass ich das jetzt so sage, aber so wie sich das alles anhört ist... Hey, alles ok?“ Besorgt legte Lisa ihren Arm um Sarah’s Schulter, die leicht zitterte. “Es ist wegen Shane, stimmt’s?” Sarah nickte nur. “Du warst die letzte Nacht bei ihm, oder?” „Ja.“ „Und?“ „Li, er... ach, ich darf es dir nicht sagen.“ „Nanana, deiner besten Freundin kannst du doch alles anvertrauen. Ich schwöre, ich schweige wie ein Grab.“ Sie kniff ihre Freundin leicht in die Seite. „Jetzt sag schon. Du erstickst sonst noch an diesem Geheimnis. Das sehe ich dir an.“ Wo sie recht hatte, hatte sie recht. Sarah drehte sich in Lisa’s Richtung. „Du wirst es nicht glauben, aber Shane liebt Jenny nicht. Er heiratet sie nur um einen Jahre alten Traum seiner Eltern nicht zu zerstören. Und dabei ist Jenny nur scharf auf Shane’s Geld. Li, mach den Mund wieder zu.“ „Das... ich... ne, oder?“ Lisa war vollkommen geplättet. „Doch, er hat mir letzte Nacht alles erzählt. Und am Morgen darauf...“ Sarah verdeckte ihr Gesicht und kämpfte gegen die aufsteigenden Tränen an. „Ihr habt miteinander geschlafen?“ Sarah schüttelte den Kopf. „Nein, also eigentlich doch. Ach, ich weiß doch selbst nicht wie man des bezeichnet.“ „Beschreib es mir. Vielleicht kenn ich mich da aus. In einigen Sachen bin ich nämlich ein richtiger Profi.“ Lisa stupste ihre Freundin an und zwinkerte ihr zu. „Ach, Li. So war das doch nicht gemeint.“ „Wie dann?“ „Wir haben uns gegenseitig ausgezogen und dann kurz vor dem entscheidenden Augenblick hat es geklingelt und Nicky stand vor der Tür.“ „Hat er euch gesehen?“ „Nein. Aber er weiß es trotzdem. Nicky ist nicht auf den Kopf gefallen.“ „Jetzt weiß ich auch warum er unbedingt darauf bestanden hat mit Shane heute nach Dublin zu fahren, um die letzten Kleinigkeiten zu erledigen. Er will ihm alles ausreden.“ „Was?“ „Wenn ich das doch nur früher gewusst hätte. Sarah?“ Lisa sah sie durchdringend an. „Wir müssen uns schleunigst etwas überlegen wie wir die Hochzeit morgen stoppen können. Wenn ich doch nur wüsste wie?“ Ja, wie... Das war genau die Frage, die Sarah seit über einem Monat beschäftigte. Wie? Wie kann man einen Menschen nur so sehr lieben? Einen Menschen, den man fast nicht kannte und bei dem man wusste, dass er nie zu einem gehören wird. Niemals! Sarah begann zu weinen...

Kapitel 21

Sarah saß wieder unter der Linde in Mark’s Garten. Ihre Augen brannten vom vielen weinen. Es war wie damals bei Mark’s Geburtstagsfeier, doch gab es zwei Unterschiede. Die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel und Shane war nicht hier. Es war ja schließlich auch sein Hochzeitstag. Der perfekte Tag um den Bund der Ehe zu schließen. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten und es schien, als hätte jeder gute Laune. Das hätte wohl auch gestimmt, wäre da nicht Sarah gewesen. Vorsichtig strich sie mit ihrem Daumen über eine Unterschrift von Shane. Es war die Signatur auf der Einladung zu seiner Hochzeit. Sarah las sie nochmals durch und blieb letztendlich bei einer Uhrzeit hängen: 11:00 Uhr. Es war die Uhrzeit zu der die Trauung stattfinden sollte. Oder besser gesagt wird. Sarah hatte entschlossen sich aus Shane’s Angelegenheiten heraus zu halten. Und dazu gehörte nun mal auch die Hochzeit. Sie hoffte, dass er im entscheidenden Moment einfach auf sein Herz hören würde. Ja, darin war sie gut – hoffen... Sie war noch nie ein Mensch gewesen der um seine Träume gekämpft hatte. Sie hatte immer nur gehofft, dass alles irgendwie gut werden würde. Und das wurde es meistens auch. Doch hier? Sarah hatte Angst. Was, wenn Shane nicht stark genug war um die Wahrheit zu sagen? Ja, davor hatte Sarah Angst. Sie hatte wohl ihr ganzes Leben noch nie so viel Angst empfunden. Darum blieb sie hier. Sie wollte nicht mit ansehen wie Shane ‚ja’ zu Sarah sagte. ‚Ja’ zu seinem Unglück. „Sag mal. Ich glaube, ich sehe wohl nicht ganz recht? Sarah, was zum Teufel machst du hier? Shane’s Hochzeit beginnt in dreißig Minuten. Wir fahren in fünf Minuten los und du sitzt hier in Jeans und schlabber T-Shirt unter einem Baum. Willst du etwa so in die Kirche gehen?“ „Lisa, ich komme nicht mit.“ „Bitte? Wiederhole das nochmals. Ich höre heute wohl etwas schlecht.“ Demonstrativ zupfte sie an ihrem Ohr. „Wie lange sitzt du eigentlich schon hier?“ „Seit ungefähr zwei Uhr.“ „Was? Oh man, ich glaube, ich sollte wirklich einen Ohrenarzt aufsuchen. Hast du gerade zwei Uhr gesagt? Das wären ja fast neun Stunden.“ Sarah zuckte unbeeindruckt mit den Schultern. „Ich habe über vieles nachgedacht, Lisa. Vor allem über Shane. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass er alt genug ist um zu wissen was am Besten für ihn ist. Da ich mir aber nicht ganz sicher bin ob er wirklich auf sein Herz hört, habe ich beschlossen nicht zur Hochzeit zu gehen. Ich könnte nicht mit ansehen wie er dieses eine Kleine Wort sagt – ja.“ Lisa nickte und seufzte. „Und das, wo mir so eine tolle und doch simple Idee gekommen ist das ganze zu beenden.“ „Ach ja?“ Sarah wurde neugierig. Nachfragen war ja mal erlaubt. „Und wie?“ „Du hättest nur etwas sagen müssten, wenn der Priester die Anwesenden fragt, ob jemand gegen diese Hochzeit ist. Es ist nicht gestattet die Trauung fort zusetzten, wenn ein Einwand kommt. Hab mich da etwas informiert.“ Sie lächelte Sarah zu. „Die Idee wäre nicht schlecht. Aber ich will nicht daran schuld sein, wenn die Hochzeit platzt. Ach ja, warum bist du eigentlich nicht längst dort? Es hat doch geheißen die Gäste sollen sich um 10:00 Uhr einfinden.“ „Ich liebe es die letzte Geige zu spielen, wie du weißt. Wenn es möglich wäre, würde ich sogar nach der Braut erst kommen. Aber das wäre dann langweilig.“ „Und Mark?“ „Der ist schon längst dort. Er ist doch Trauzeuge. Es ist so süß wie ernst er diesen Job nimmt. Hey, schau nicht so traurig, ja?“ „Sorry, aber das ist nicht mehr möglich heute. Sei froh, dass ich nicht heule.“ „Jetzt reiß dich mal zusammen, Sarah Gibson.“ Erstaunt über Lisa’s plötzliche Ernsthaftigkeit sah Sarah auf. „Du sagst die ganze Zeit wie sehr du Shane liebst, ihn an deiner Seite haben möchtest. Und du weißt wie er zu Jenny steht. Warum machst du dann nichts?“ „Das ist nicht so leicht, Li.“ „Das weiß ich selbst. Aber war nicht gerade dein Lieblingsmotto vor einigen Jahren immer ‚never give up on your dreams’?“ „Ja, aber das sagt sich so leicht.“ „Das stimmt. Es ist unmöglich, dass du hier bekommst was zu willst, wenn du nicht kämpfst.“ Lisa kniete sich erneut zu Sarah nieder. „Kleine, du musst kämpfen. Es wird nicht leicht, aber wenn du es wirklich willst, dann schaffst du es auch. Oder willst du Shane plötzlich nicht mehr?“ „Doch natürlich.“ „Dann kämpfe. Gott, Sarah, bitte. Ich weiß was dir dieser Junge bedeutet und ich kann nicht länger mitansehen wie du leidest. Verdammt du liebst ihn, Sarah. Kämpfe endlich um ihn. Kämpfe ein einziges Mal in deinem verdammten Leben! Worauf wartest du noch?“ „Du hast recht.“ Langsam stand Sarah auf. „Du hast recht, ich liebe ihn. Und ich werde um ihn kämpfen. Lass uns fahren, sofort!“ Lisa rannte ins Haus um die Autoschlüssel zu holen. „Ich kämpfe um dich Shane. Und wenn es das Letzte ist was ich tue. Ich habe versprochen, ich sorge dafür, dass du glücklich wirst, denn... denn ich liebe dich.“ Sie stieg zu Lisa ins Auto und sie fuhren los in Richtung Kirche. „Bitte lass es noch nicht zu spät sein, bitte!“

Kapitel 22

„Bist du dir auch ganz sicher, dass das der richtige Weg zu Kirche ist, Li? Ich habe irgendwie kein gutes Gefühl in der Magengegend.“ „Überleg mal von was das wohl kommen könnte. Wenn dir nämlich wieder einfallen würde, dass wir gerade auf dem Weg zu Shane’s Hochzeit sind um diese aufzuhalten, würde dir vielleicht einiges klar werden. Scheiß Ampel, werd endlich grün. Ah jetzt.“ Lisa gab Gas. Wenn die Polizei jetzt irgendwo gelauert hätte, wären sie sicherlich zu weit ohne Führerschein gewesen. Doch dieses Mal war es Sarah egal ob ihre Freundin viel zu schnell fuhr. Sie hätte ihretwegen ruhig noch etwas besser auf die Tube drücken können. Sarah sah betrübt aus dem Fenster. 10:40 Uhr. Ob sie das noch schaffen konnten? Sie hoffte, dass sich ein Tollpatsch wie Bryan etwas einfallen lassen würde um die Trauung hinaus zu zögern. Aber wahrscheinlich war er gerade heute mal keine Schussel. Sarah atmete tief durch als Lisa den Wagen vor einer Kirche parkte. „Und jetzt schnapp dir endlich deine große Liebe. Na los.“ Sie schubste Sarah fast aus dem Wagen. „Wünsch mir Glück!“ Sarah lief los. Sie wusste zwar überhaupt nicht was sie eigentlich machen sollte, doch sie hoffte wieder einmal, dass ihr im richtigen Moment einfach die richtigen Worte einfallen würden. Krafvoll stieß sie die Türen der Kirche auf. Die Köpfe der Gäste in den hinteren Reihen wandten sich um. „Halt! Du darfst sie nicht heiraten!“ Langsam ging sie auf den Altar und das Brautpaar zu. „Du darfst sie nicht heiraten. Nicht, nur um den Traum deiner Eltern zu verwirklichen. Shane, ich liebe dich.“ Nun drehte sich auch endlich das Brautpaar zu Sarah um und ihr stockte der Atem. „Ich...ähh.. oh shit!“ Ein völlig fremder Mann sah sie neugierig an. Eins wusste Sarah, das hier war sicherlich nicht Shane. Verdammt, sie war auf der falschen Hochzeit! Der Pfarrer räusperte sich. „Wenn ich richtig liege sucht die junge Dame Mr. Filan?“ Sarah nickte. Nun war sie völlig schachmatt gesetzt. „Die Hochzeit von Mr. Filan wurde verlegt. Sie findet jetzt in der Ruine von Sligo Abbey statt.“ „Und die Uhrzeit?“ „Die bleibt gleich.“ Ohne ein weiteres Wort stürmte Sarah nach draußen. Das durfte doch alles nicht wahr sein. „Sarah, was...?“ „Steig ein, schnell!“ Lisa, die gerade auf dem Auto steigen wollte, war verwundert, als Sarah regelrecht in den Wagen sprang. „Wir müssen zur Ruine von Sligo Abbey. Die haben die Hochzeit dort hin verlegt. Schau nicht so dumm, sondern gib Gas!“ Sarah war mit ihren Nerven am Ende. Wieso musste gerade ihr das passieren? 10:50 Uhr. Die Zeit war ihr größter Gegner, das war klar. „Wieso fährst du nicht schneller?“ „Weil ich mich hier in Sligo vielleicht genauso wenig auskenne wie du. Ich muss die Straßenschilder lesen. Verdammt, müssen wir hier jetzt links oder rechts?“ „Links!“ „Woher we...?“ „Mach einfach!“ Lisa tat wie ihr geheißen. Sie bog nach links in die große Hauptstraße ein. Sarah wusste selbst nicht wieso sie sich so sicher war bei der Richtung. Sie hatte doch genauso wenig Ahnung von dem Weg wie Lisa. Doch irgendetwas sagte ihr, dass es so richtig war. Sarah kam es wie eine Ewigkeit vor, als sie schließlich um 11:05 Uhr an dem besagten Ort ankamen. „Wir sind viel zu spät. Lass mich raus!“ „Sarah, spinnst du?“ Sarah sprang aus dem noch fahrenden Wagen. Unglaublich, dass sie dies ohne einen Sturz schaffte. Wozu liebe alles befähigte. Lisa stoppte den Wagen und rannte ihrer Freundin hinterher. „Halt, halt, nicht so schnell die Ladys.“ Sarah und Lisa wurden von zwei Männern aufgehalten – Securitys. Unglaublich, Shane hatte sich doch tatsächlich Securitys zugelegt. Sie sollten wohl die gut hundert Fans vor dem großen Tor, dass auf’s Traugelände führte, fernhalten. „Wir gehören zu den Gästen.“ „Ach ja? Wie oft denkt ihr habe ich diesen Spruch heute schon gehört?“ „Aber es stimmt.“ „Ohne Einladung kommt keiner an uns vorbei. Und irgendetwas sagt mir, dass ihr lügt.“ Er musterte Sarah von oben bis unten. Toll, ihre Kleidung trug wohl nicht gerade dazu bei, dass sie glaubhafter erschienen. Hätte sie doch nur auf Lisa gehört – wie so oft in ihrem Leben. Sarah sah auf die Uhr. 11:15 Uhr. Traurig ließ sie den Kopf hängen. Es hatte doch eh keinen Sinn mehr, doch Lisa gab nicht auf. „Hören sie Mr.. Shane wird ziemlich sauer werden, wenn sie zwei seiner besten Freundinnen nicht durch lassen.“ „Das Risiko gehe ich ein.“ „Was müssen wir tun um ihnen beweisen zu können, dass wir nicht lügen?“ „Uns die Einladung zeigen?“ „Aber die haben wir zu Hause vergessen. Warum glaubt uns denn niemand?“ Da entdeckte Lisa Bryan. „Bry! Hey, Bry!“ Bryan drehte sich um. Er begann zu lächeln, als er die beiden Mädchen sah. „Hey Lisa, wo wart ihr denn so lange?“ Die beiden Securitys sahen sich nervös an und ließen Sarah und Lisa schließlich doch noch durch. Sarah packte Bryan’s Hände. „Sind wir zu spät?“ Wie sehr konnte man sich nur vor so einem kleinen Wörtchen wie ‚ja’ fürchten? „Sorry, Mädls, aber das Beste habt ihr wohl verpasst.“ „Nein, oh Gott.“ Sarah ging langsam von Bryan weg. „Oh Gott, nein. Nein, bitte nicht. Neeeeiiiiinnn!“ Sarah rannte los. Sie wusste nicht wohin. Sie musste nur wieder einmal weg von hier- weg von Shane.

Kapitel 23

„Sag mal, was ist denn in die gefahren? So schlimm ist das alles nun auch wieder nicht.“ Bryan grinste von einem Ohr zum Anderen. „Doch, leider doch, Bry. Für Sarah ist gerade die Welt zusammen gebrochen. Sie liebt Shane, Bryan. Sie wollte die Hochzeit verhindern und Sha endlich ihre Liebe gestehen.“ „Tja, da ist sie wohl etwas zu spät dran. Jedenfalls was das Sprengen der Hochzeit betrifft.“ Bryan strahlte langsam über das ganze Gesicht. Lisa wurde wütend. „Mehr fällt dir dazu nicht ein? Sag mal spinnst du? Sarah hat gerade die Liebe ihres Lebens verloren und du grinst dir hier einen ab. Von Manieren hast du wohl noch nie etwas gehört, was?“ Jetzt strahlte Bryan wirklich über das ganze Gesicht. Lisa wurde es endgültig zu bunt. „Ich wusste wirklich nicht was für ein unsensibles Arschloch zu bist, Bry. Leider, denn sonst hätte ich mich niemals, hörst du, NIEMALS, mit dir abgegeben.“ Sie drehte sich um und wollte auf die Suche nach Sarah gehen, als Bryan sie am Arm festhielt. „Lass mich los, du...“ „Stop, jetzt warte doch mal.“ Das Grinsen auf seinem Gesicht war verschwunden und nun sah er Lisa ernsthaft an. Jedenfalls so gut wie das bei Bryan möglich war. „So? Und worauf soll ich warten? Hast du etwa noch so ein paar egoistische Sprüche drauf?“ „Ja, die hätte ich sicherlich.“ Er fing wieder an zu grinsen – typisch. Konnte dieser Typ eigentlich auch mal ernst sein? „Du bist so ein e...“ „Engel? Ja, der Ausdrück würde passen. Jetzt warte doch mal.“ „Dann aber schnell. Ich habe eine Freundin dich mich jetzt wirklich dringend brauchen würde.“ Bryan winkte ab. „Lisa, als ich vorhin gesagt habe, dass ihr nichts verpasst habt, meinte ich damit die Trauung.“ „Wie meinst du das?“ Lisa wurde hellhörig. Gab es vielleicht doch noch eine Chance... „Als Shane das berüchtigte, kleine Wort sagen sollte schwieg er plötzlich. Der Pfarrer hat die Frage wiederholt und erst da begann Shane zu sprechen. Aber Li, er hat nicht ‚ja’ gesagt. Er hat, um es genau zu nehmen, diese Worte verwendet. ‚Jenny, es tut mir leid, aber ich kann dich nicht heiraten. Ich liebe eine andere Frau. Ich liebe sie aus tiefsten Herzen. Mum, Dad, verzeiht mir, aber ich kann euch euren Traum nicht erfüllen’. Dann ist er aus der Kirche gestürmt.“ Lisa klappte der Mund auf. „Er... er hat sie nicht geheiratet?“ Bryan schüttelte energisch den Kopf. „Und du kannst gar nicht glauben wie glücklich mich das macht, Lisa. Ach, ich liebe solche tragischen Hochzeiten.“ Er grinste frech. Konnte dieser Junge eigentlich auch etwas anderes tun, außer blöd vor sich dahin grinsen? Lisa war es in diesem Moment egal. Sie fiel Bryan um den Hals und erwürgte ihn dabei fast. Es verging einige Zeit, ehe sie ihn wieder los ließ. „Und wo ist Shane jetzt?“ „Sorry, Li, aber ich habe keinen blassen Schimmer. Ich wollte ihn eigentlich gerade suchen um ihm zu seiner Entscheidung zu gratulieren. Aber dann kamt ja ihr.“ „Hä? Wieso gratulieren?“ „Denkst du wirklich ich konnte diese Jenny leiden? Keiner von uns Jungs konnte und kann sie leiden. Außer Nicky.“ „Ja, das habe ich auch bemerkt. Aber warum?“ „Nix war vor einigen Jahren mit Jenny zusammen. Er musste damals mit ihr Schluss machen – wegen Westlife. Er hat aber immer gehofft, dass sie jemanden findet, der es gut mit ihr meint. Und Shane war wohl in seinen Augen eine solche Person.“ „Wau, das hätte ich echt nicht gedacht. Das macht mich jetzt ehrlich gesagt etwas sprachlos.“ „Du kannst gar nicht glauben wie froh wir alle waren, als er Sarah kennen gelernt hatte. Mit Ausnahme von Nicky natürlich. Als wir bemerkt hatten, dass er sich Hals über Kopf in sie verknallt hatte, hatten wir gehofft, dass er Jenny fallen lassen würde. Tja, er hat es auch getan. Zwar wortwörtlich in letzter Sekunde, aber auf Shane und sein riesen Herz ist halt doch noch verlass.“ Und wieder grinste er. „Wann und wie habt ihr bemerkt, dass er sich in meine Freundin verliebt hat?“ „Das war nicht besonders schwer zu erkennen. Er hat den ganzen Tag nur noch von Sarah und dem Besuch im Cafe geschwärmt.“ „Er hat sich am ersten Tag in sie verknallt?“ „Yep! Und Sarah?“ „Auch.“ „Oh, da hätte aber so manch blöde Situation verhindert werden können.“ „Na das kannst du laut sagen, Bry.“ „Ich finde es wird nun höchste Eisenbahn den Beiden von ihrem Glück zu erzählen, hm?“ „Oh ja.“ „Gut, ich suche Shane und du Sarah. Wenn du sie gefunden hast kommst du mit ihr genau hier her, ok? Ich mache das selbe dann mit Shane.“ „Geht klar. Bis gleich.“ „Jo.“ Bryan lief davon. Der Junge rannte freiwillig? Wau, er musste Jenny wohl wirklich ‚lieb gewonnen’ haben, wenn er freiwillig lief. Sarah hatte das Laufen inzwischen aufgegeben. Ihre Beine wollten sie nicht länger tragen. Kraftlos ließ sie sich auf eine kleine Bank inmitten von hunderten blühenden, roten Rosen nieder. Und dann kamen die Tränen...

Kapitel 24

Liebe... Was war das eigentlich? Gibt es so etwas wie die einzig große Liebe wirklich? Ja, Sarah glaubte daran. Sie glaubte an die eine wahre Liebe. An den einen Menschen, den man über alles liebte, für den man alles machen würde, mit dem man alt werden wollte. Sie hatte diesen einen Menschen gefunden und vor ein paar Minuten verloren – Shane. Sarah hatte nie daran geglaubt, dass sie jemals wieder einen Mann finden würde den sie so sehr liebte und vertraute wie Jim. Eigentlich war dies selbst mit Shane nicht der Fall, denn Shane liebte und vertraute sie noch tausendfach mehr. Doch so wie es aussah tat Shane das nicht. Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und begann wieder zu weinen. Zu weinen wegen Shane, wegen der verlorenen großen Liebe und wegen ihrem sinnlosen Leben. Nun hatte sie endgültig alles verloren weswegen es sich lohnte zu leben. Sie betrachtete die roten Rosen direkt vor ihr. Rosen – das Zeichen für Liebe. Für ewige Liebe... Sie erschrack, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. „Lisa, lass mich bitte allein.“ Sie drehte sich nicht um. Sie wollte nicht die Enttäuschung in Lisa’s Augen sehen. „Tut mir leid dich enttäuschen zu müssen, aber mein Name ist nicht Lisa.“ Sarah wirbelte herum und traute ihren Augen nicht. Vor ihr stand doch tatsächlich Shane. „Darf ich mich setzen?“ Sarah nickte. Einige Zeit starrten Beide nur auf die blühenden Rosen, bis Sarah ihre Neugier nicht mehr zurück halten konnte. „Wieso bist du nicht auf der Hochzeitsfeier?“ Sarah sah zu Boden. Sie konnte ihm nun endgültig nicht mehr in die Augen sehen. „Hmm... hier passt wohl der Satz einer sehr guten Freundin. Was für eine Hochzeit?“ Sarah sah auf. Sie war sauer und enttäuscht zu gleich. Sah er nicht wie schlecht es ihr gerade ging? Musste er jetzt auch noch blöde Witze machen? „Ich würde mal die Hochzeit von Shane Filan und Jenny Fox, jetzt Jenny Filan, nehmen. Sie sollten sich eigentlich daran erinnern. Sie waren schließlich gerade Zeuge dieser Trauung.“ „Nein, war ich nicht.“ Jetzt war es endgültig zu viel für Sarah’s Nerven. Sie sprang auf und schrie Shane an. „Wie kannst du nur solche Sachen sagen, Shane? Ich weiß, dass du Jenny nicht liebst, aber hör endlich auf so einen Scheiß zu erzählen. Wenn du sie so wenig leiden kannst, dass du eure Hochzeit jetzt schon verleumdest, hättest du sie nicht heiraten dürfen. Es tut mir leid, Sha. Aber ich kann... ich kann unter solchen Umständen nicht länger deine Freundin sein. Vergiss mich einfach, so wie ich dich hoffentlich irgendwann vergessen werde. Und nun... Lebewohl!“ Sarah ging los, doch Shane hielt sie fest. „Du hast vollkommen recht, Kleine. Ich liebe Jenny nicht. Ich kann sie auch niemals lieben, denn ich liebe nur dich. Und ich habe sie nicht geheiratet. Ich habe deinen Rat angenommen und auf mein Herz gehört. Und mein Herz schreit nach dir – Tag und Nacht. Es sehnst sich nach deiner Stimme, deiner Nähe, deiner Zuneigung. Sarah, ich liebe dich so sehr.“ Langsam drehte sie sich um. Sie musste sich doch gerade verhört haben? „Du... du hast sie nicht geheiratet?“ „Nein, in Gottes Namen, nein. Ich hätte mir niemals verzeihen können wenn ich dich gehen lassen hätte. Ich verbringe mein Leben lieber allein mit der Gewissheit, dass du mich nicht liebst, als mit Jenny oder irgend jemand anders ohne dir jemals die Wahrheit gesagt zu haben.“ „Shane, ich...“ Verschämt sah sie zu Boden. Er fühlte also genauso wie sie. Nur war er nicht zu feige zu seinen Gefühlen zu stehen. Er versuchte um ihre Liebe zu kämpfen. So, wie es Lisa immer von ihr gewollt hatte. Wie dumm war sie nur immer gewesen. Sie hatte immer gehofft, ihr ganzes langes Leben gehofft, dass andere dafür sorgten, dass ihre Träume in Erfüllung gingen. Und hier war es nicht viel anders. Hier kämpfte Shane für sie. Nur mit einem Unterschied... Er kämpfte für sie beide. Ohne darüber nachzudenken fiel sie Shane um den Hals und hielt ihn ganz fest. So fest, als wollte sie ihn nie wieder gehen lassen. Ja genau, das wollte sie - ihn nie wieder gehen lassen. „Ähhh Sarah, ich verstehe nicht ganz.“ Langsam löste sie sich von ihm, ehe sie in seine strahlend, braunen Augen sah. „Shane, ich... ich liebe dich.“ „Wirklich?“ Sarah nickte, doch Shane wusste die Antwort auch so. Er konnte es nur zu gut in ihren Augen sehen. Glücklich zog Shane sie an sich und küsste sie. Es war ein Kuss der niemals enden wollte...

„Jetzt sieh dir das an, Li. Ich denke, wir können unseren Plan über Bord werfen. Unsere zwei Turteltäubchen haben sich bereits gefunden. Und ich hätte solch einen Spaß dabei gehabt die Zwei zu verkuppeln.“ „Tja, Bry. Hier war und ist unsere Hilfe ganz deutlich überflüssig. Die Zwei haben sich, genau wie Mark und ich, gesucht und gefunden – für die Ewigkeit!

- ENDE -

Da dies wohl meine letzte Fanfiction ist in der Bryan noch zu den „großen Nebendarstellern“ gehörte, möchte ich noch einen kleine Satz los werden:
Bryan, du hast mal gesagt:
„We always stay in your heart, you always stay in our heart.“
Und so wird es auch immer sein...
...you always stay in my heart!

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Dankeschön, eure Claudia ?
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