Sandy stand hinter den Tresen und wischte ein paar Gläser trocken. Obwohl es nicht so schien, war sie mit ihren Gedanken ganz woanders, nämlich bei Kian Egan von Westlife. Die irische Boyband war vorgestern im Hotel abgestiegen, da sie ein paar Shows in Dublin gaben. Natürlich hatten sie sich schon am gleichen Abend in der Bar Lounge blicken lassen um etwas zu trinken und seitdem kreisten ihre Gedanken nur noch um den blonden Schönling. Schon zum hundersten Mal fragte sie sich, warum sie in Sachen Jungs so schüchtern war und nahm sich vor ihn anzusprechen, aber im Grunde wusste sie, dass sie es sich doch nicht trauen würde. Sie seufzte auf und widmete sich wieder ihrer Arbeit, die im Moment aus Gläserputzen bestand, denn zur Zeit saß keiner der Gäste in der Bar.

Nach einiger Zeit wurde sie von einem lauten Gekreische aufgeschreckt. Sie blickte auf und starrte durch die verspiegelte Gläserfront nach draußen, wo eine ziemliche Aufregung herrschte. Die Mädels, die schon seit ihrem Dienstbeginn heute Mittag und bestimmt noch früher vor dem Hotel standen, um vermutlich einen Blick auf Westlife zu erhaschen, drängten sich zu einem Pulk zusammen. Sandy vermutete, dass die Jungs so eben vorgefahren waren und ihr Herz begann schneller zu schlagen. "Reiß dich zusammen", redete sie sich selbst gut zu und reckte sich um einen besseren Blick in die Eingangshalle zu erhaschen, wo die Boys sowieso durch mussten. "Zwei Wasser, bitte." Ein junger Mann schob sich vor ihr Blickfeld und gab die Bestellung für sich und seine Freundin auf. "Wie? Ja natürlich." Mechanisch griff sie nach zwei Gläsern und der Flasche und begann einzuschenken. Dabei haftete ihr Blick immer noch in der Eingangshalle und sie merkte gar nicht, wie das Glas überlief und seinen Inhalt über der Theke ergoss. Erst als ein paar Spritzer auf ihr Knie tropfte wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. "Mist", murmelte sie und griff nach dem Geschirrtuch. Während sie die letzten Spuren der Lache wegwischte traten Westlife in die Eingangshalle und machten sich auf den Weg zu den Aufzügen. Das Letzte was sie von ihnen sah, als sie wieder aufblickte war der Hinterkopf von Kian, hinter dem sich gerade die Aufzugstüren schlossen.

***

Am nächsten Tag hatte Sandy wieder mal Spätdienst. Eigentlich mochte sie diese Schicht nicht so gerne, denn sie musste immer bleiben, bis auch der letzte Gast gegangen war und an manchen Tagen konnte das bis tief in die Nacht sein. Aber seit ein paar Tagen schon fieberte sie diesem Abend regelrecht entgegen, denn von einer Kollegin hatte sie erfahren, dass die Westlifer besonders Abends gern und lange in der Bar saßen. Extra für den Tag hatte sie sogar ihren schwarzen Rock als Arbeitskleidung rausgelegt, den sie eigentlich nur selten anzog, aber was tat man nicht alles um endlich den neuen Schwarm zu erobern?

Schon knapp eine Stunde nach Dienstbeginn kamen die Jungs auch tatsächlich in die Bar Lounge. Das heißt, Kian und Mark kamen, aber Sandys Herz klopfte schon wieder wie verrückt. Mark wand sich zu ihr, bestellte etwas zu trinken und ging dann Richtung Toiletten, während Kian sich schon an einem Tisch niederließ. Mit zitternden Händen stellte sie die bestellten Guiness aufs Tablett und ging zu ihm hinüber. Sie war so in den Anblick den Kian bot versunken, dass sie nicht darauf achtete, dass er in der Raucherzone saß, die durch eine Stufe von der Nichtraucherzone abgeteilt war. Es kam wie es kommen musste. Sandy stolperte die Stufe herauf, verlor das Gleichgewicht und knallte voll auf den Boden. Die Gläser ergossen ihren Inhalt über ihre Kleidung und den Teppichboden und rollten dann in verschiedene Richtungen davon. "Scheiße", fluchte sie und blickte beschämt auf. Zum Glück war die Bar noch ziemlich leer, so dass nur wenige ihre peinlich Aktion mitbekommen hatten, aber was war mit Kian? Vorsichtig blickte sie auf, aber der Westlifer saß an seinem Tisch und tippte auf seinem Handy herum. Mit der anderen Hand spielte er mit einem Trinkhalm. Er war völlig in Gedanken versunken und schien nichts mitbekommen zu haben. Sandy atmete auf, aber zu früh, denn Shane kam gerade in die Bar und hielt nach seinem Kumpel Ausschau. Als er Sandy auf dem Boden liegen sah, eilte er hinzu, um ihr behilflich zu sein. "Danke", stammelte sie und lief wieder knallrot an, bevor sie schnell das Weite suchte. Shane blickte ihr hinterher, ließ sich dann neben Kian am Tisch nieder und beobachtete ihn einen Moment. Er schien immer noch in anderen Welten zu schweben. "Erde an Kian. Dir ist gerade eine Frau vor die Füße gefallen." Bei dem Wort "Frau" sah sein Freund auf und blickte sich suchend um. Mit hochgezogenen Augenbrauen wand er sich zu Shane. "Witzig. Ich sehe nix." "Tja, zu spät. Ich war als Retter zur Hilfe, aber wenn du eh nur hier rumsitzt und vor dich hinträumst... Kein Wunder, dass du Wichtiges verpasst." Kopfschüttelnd wand er sich ab und winkte nach der Kellnerin, die gerade die Leute neben ihnen bediente, um etwas zu trinken zu bestellen.

***

Währenddessen war Sandy in den Waschraum der Angestellten geflüchtet und versuchte die größten Spuren das Malheurs zu beseitigen. "Was machst du denn hier?" Cathleen, ihre Freundin trat aus einer der Toilettenkabinen und musterte sie erstaunt. Ihr Blick blieb an ihrer Wange hängen, die von einer Schramme geziert worden. "Nix, alles okay." Sie wollte ihr nicht unbedingt auf die Nase binden, dass sie mal wieder voll ins Fettnäpfchen getreten war, denn ihre Freundin fand das immer wieder besonders lustig. "Sicher?" Sie kam auf sie zu und drehte Sandys Wange ins Licht um sie sich genauer zu besehen. "Ja doch." Langsam wurde sie echt wütend. Warum konnte sich Cat nicht mal um ihren Kram kümmern und sie in Ruhe lassen? "Also du kannst mir erzählen was du willst, aber entweder hast du dich gestern auf der Party mit dem Türsteher angelegt oder du bist auf die Schnauze gefallen oder so." Grinsend musterte ihre Freundin, die den Kopf schüttelte. "Was du so immer weißt." "Also doch." "Hey, ich hab doch überhaupt nichts gesagt." "Aber du bist rot geworden." Sandy schlug die Hände über ihre Wangen und musterte sich im Spiegel. Sie sah doch aus wie immer. "Ha, ich wusste es doch." Cat hob siegesbewusst die Hand in die Höhe und redete unbeirrt weiter. "Also, welchem geilen Typen sind wir den über den Weg gelaufen, dass es dich so umgehauen hat?" Sandy winkte genervt ab. "Lass uns nachher drüber reden, okay?!" Sie hatte jetzt wirklich keine Lust mit Cat ihren peinlichen Vorfall durchzukauen und sich dann auch noch das Gelächter anzuhören. Außerdem musste sie langsam mal wieder zurück in die Bar um dort Kelly zu Hilfe zu kommen.

Schnell schlüpfte sie in ihre Hose, die zum Glück noch in ihrem Spind gehangen hatte und machte sich auf den Weg zurück. Cat folgte ihr und laberte unaufhörlich von den Zimmern, die sie sauber machen musste. "Kann sie auch mal ihre Klappe halten", dachte Sandy und eilte in die Bar, die mittlerweile gut gefüllt war, denn so eben war eine Gruppe französischer Geschäftsleute angekommen. Sie verschwand wieder hinter den Tresen und Cat setzte sich an die Theke. "Wer war es denn nun, der dich so zum stolpern gebracht hat?" Sie blickte neugierig umher und musterte potenzielle Kandidaten. "Nicht so auffällig", zischte Sandy und begann die ersten Getränke einzuschenken. "Komm schon, dann kann ich den Typ wenigstens mal sehen." Ihre Freundin schien nicht locker zu lassen und fast wollte sie ihr schon erzählen, dass Kian der Grund war, aber sie kam gar nicht dazu, denn eine ungeduldige Stimme drang zu ihr hinüber. "Jetzt nicht", schrie Cat, aber Sandy hatte sich schon umgedreht und ihr freundlichstes Lächeln aufgesetzt. "Ich hätte gern ein Guiness für meinen Kumpel, der ist nicht so gut drauf." Nicky grinste und griff in die Schale mit Erdnüssen, die auf der Theke herum stand. "Bitte." Sandy stellte das Bier ab. Dabei schwappte ein kleines bisschen über die Theke. "Herr Gott noch mal." Sie nahm das Glas wieder zurück und schenkte noch etwas ein. "Ist heut nicht dein Tag, was?!" Cat tauchte grinsend neben Nicky auf und schenkte diesem ein Lächeln. "Doch ist es." Zornig knallte Sandy das Glas auf den Tisch, diesmal darauf bedacht das nichts daneben ging. Heute schien wirklich nicht ihr Tag zu sein und dann machte sich auch noch ihre Freundin darüber lustig. So was konnte sie leiden wie Bauchschmerzen. Während Cat noch ein paar Sprüche von wegen "Tollpatsch" abließ folgte Sandy Nicky mit Blicken. Im Gegensatz zu ihrer Freundin hatte sie sofort erkannt dass es sich um ein Mitglied von Westlife handelte und wo einer von ihnen war konnten die anderen ja nicht weit sein. Sie starrte weiter in seine Richtung und sah auch schon Kians blonde Haare herausblitzen. Sie musste lächeln, als ihr Blick auf sein Gesicht fiel. Er sah so unheimlich gut aus. Natürlich hatte Cat es gesehen. Wenn es um Jungs ging bekam sie alles mit. Sie starrte in dieselbe Richtung wie Sandy. "Und wer ist es nun?" "Keiner." Sandy versuchte ihrer Frage auszuweichen und wand sich wieder den Getränken zu. "Wer? Wer? Wer?" Cat beugte sich über die Theke zu ihr hinüber und zerrte an ihrem Arm. "Man, du nervst." Augen rollend blickte sie ihre Freundin an, drehte sich dann aber doch zu ihr und flüsterte es ihr ins Ohr." Cathleen reckte sich um einen Blick auf Kian zu erhaschen, der von Nicky, der vor ihm saß, verdeckt wurde. "Nicht so auffällig", zischte Sandy und stupste sie am Arm, denn das Ehepaar, dass an der Theke saß starrte schon zu ihnen hinüber.

***

Bis zum Abend blieb Cathleen noch bei Sandy in der Bar, um mehr über Kian herauszufinden. Mittlerweile hatte sich die Bar schon ziemlich geleert und die Jungs von Westlife waren so ziemlich die Einzigsten, die noch da waren. Cat schaute immer wieder in ihre Richtung, aber Nicky hatte seinen Kopf immer noch vor Kian. Da, er beugte sich zu Shane hinüber und Kat hatte ungehinderte Sicht. Neugierig starrte sie hinüber und bekam erst mal einen Schock. Den Typ, den Sandy meinte, hatte sie doch schon mal irgendwo gesehen. In ihrem Hirn fing es an zu rattern und plötzlich kam ihr die Erleuchtung. Natürlich. Gestern in der Disko, als sie schon etwas angetrunken war, war sie ihm auf die Füße getreten und danach flugs das Weite gesucht, weil ihr plötzlich so schlecht geworden war. Schade eigentlich, denn Kian war genau der Typ Mann, für den sie sich sonst auch interessierte. "Sandy. Hey Sandy." Sie schaute zu ihre Freundin herüber, die sich gerade an der Eismaschine zu schaffen machte. Sie wollte ihr doch von ihrer "Entdeckung" erzählen. Ohne hinzuschauen ließ sie sich wieder auf ihren Barhocker sinken und verfehlte den Sitz. Mit einem Poltern landete sie auf dem Boden. "Cat?" Sandy schaute über den Thekenrand zu ihr herunter und fing an zu kichern. Normalerweise war sie der Tollpatsch, aber auch Cathleen schien es zu erwischen. "Man, würdest du mir lieber helfen anstatt zu lachen wäre allen geholfen." Sie rieb sich den Ellenbogen und sah plötzlich ein Paar Schuhe vor sich. Seit wann hatte Sandy so große Füße? Sie blickte auf und sah Nicky neben sich stehen. "Kann ich helfen?" Der Westlifer konnte sich kein Grinsen verkneifen, als er ihr auf die Beine half. "Danke", stammelte sie und warf ihrer Freundin einen triumphierenden Blick zu. Während Sandy hinter der Theke stand und sich verzweifelt bemühte ein Lachen zu verkneifen, wurde sie von einem gutaussehenden Mann gerettet. So konnte das Leben öfters sein. "Alles in Ordnung?" Nicky musterte sie mit einem fragenden Blick. "Klar." Sie schenkte ihm ein Lächeln und rieb sich den schmerzenden Hintern. "Man, kann man nicht mal Airbags für den Arsch erfinden?" "Dann hätte ich auch gerne ein Paar", lachte Sandy. Nicky schaute zwar erst etwas verdutzt von einem zum anderen, fing dann aber doch an grinsen. "Wie wär’s? Ihr holt euch was zu trinken und setzt euch dann bei uns an den Tisch." Erstaunt musterten die beiden Mädels ihn. Sandy wollte grad was sagen, als Cat ihr schon dazwischen fuhr. "Klar gerne." Sie hakte sich bei Nicky unter und ließ sich zum Tisch führen, während Sandy mit klopfenden Herzen hinterher tapste. "Das sind Cat und Sandy", meinte Nicky schließlich, als sie sich bei den anderen Westlifern niederließen. "Hi." Die drei blickten auf und über Shanes Gesicht breitete sich ein Grinsen aus, als er Sandy entdeckte. "Ähm... Hallo." Sie hoffte, dass Shane nichts über ihre peinlich Situation von heute Nachmittag erzählen würde, aber sie hatte Pech. "Das ist übrigens das Mädel, dass dir vor die Füße gefallen ist", sagte er da schon zu Kian, der interessiert aufblickte und sie angrinste. Sandy merkte wie sich die Röte auf ihrem Gesicht ausbreitete und spielte an der Kellnerschürze herum. "Setzt euch doch." Nicky nahm neben Mark Platz und Cat, die an dem Stuhl gezogen hatte, der neben Kian stand glitt zur Seite und zog den nächsten unterm Tisch hervor. "Mach dich an ihn ran, aber pass auf die Gläser auf", flüsterte sie Sandy zu und griff automatisch nach dem Guinessglas, dass vor ihrer Freundin stand und durch den Zug am Tischtuch schon ins Schwanken geraten war.

Der Abend wurde noch ziemlich lustig, wenigstens für Cat, die mit jedem der Jungs zu flirten schien und viel Spaß hatte. Nur für Sandy war es nicht ganz so toll, denn sie saß neben Kian und die beiden schwiegen sich an. Genervt wippte Sandy mit den Füßen und kaute auf der Unterlippe. Warum fiel ihr bloß nichts vernünftiges ein? Sie schlug die Beine übereinander und stieß gegen irgendetwas Weiches. Was es war bemerkte sie sogleich, denn Kian verzog schmerzvoll das Gesicht. "Sorry", murmelte sie. "Schon okay." Kian lächelte beruhigend und wieder verfielen sie in Schweigen. "Was machst du eigentlich so?" Sandy wollte endlich ein Gespräch anfangen, aber gleichzeitig ärgerte sie sich schon wieder, weil sie so blöd angefangen hatte. "Zur Zeit bin ich in Dublin, wegen der Band und so." Kian grinste. "Okay, blöde Frage, aber bei dem Gequatsche." Sie deutete neben sich. "Das ist normal bei denen." Kian erzählte noch ein wenig mehr über seine Bandkumpels. "Oh, unsre beiden schweigenden Lämmer reden ja." Nicky schaute zu ihnen hinüber. "Stell dir das mal vor. Aber wenigsten tratschen wir nicht über jeden Scheiß wie du, Byrne." "Bäh." Sein Kumpel streckte ihm die Zunge raus. "Nehmt doch am besten den Tisch daneben." Er deutete gespielt beleidigt an den leeren Nebentisch. "Hallo?!" Eine laute Stimme drang von der Theke hinüber und Sandy fuhr herum um dann aufzuspringen. Gäste durfte man nicht warten lassen. Sie eilte zur Theke um die Bestellung aufzunehmen. Während sie das Geld kassierte tauchte Kian auch an der Theke auf. "Magst du noch was trinken?" Sandy sah ihn fragend an. Schon wieder klopfte ihr Herz. Endlich war sie mal mit ihm alleine, dass hatte sie sich schon länger gewünscht. "Zwei Guiness. Eins für dich, eins für mich." Er lächelte sie an und ließ sich auf einem der Hocker nieder. Nach kurzem Zögern kam sie schließlich zu ihm hinüber und setzte sich neben ihn. Zuerst redeten sie ein wenig über Westlife, denn Sandy war erst vor kurzem aus Spanien herübergekommen und kannte nur ein paar Lieder von ihnen, dann über Sandys Leben. Schließlich wurde auch der Abend für sie noch richtig schön und als die anderen drei schon etwas angeeitert und übermüdet vor ihnen standen um zurück aufs Zimmer zu gehen bedauerte sie es um so mehr.

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In den nächsten Tagen musste sie nachmittags Dienst schieben, sodass sie die Jungs nicht mehr so oft sehen konnte, denn sie verließen das Hotel meistens gegen Mittag um auf Promotion zu gehen und kamen erst spät Abends zurück.

Eines Nachmittags, Sandy wischte gerade über ein paar Tische, wurde sie von jemandem angetippt. Sie blickte auf und sah in Kians strahlende Gesicht. "Ähm... hast du heute Abend schon was vor?" Sie schüttelte den Kopf. "Okay, heute Abend, 20 Uhr?" "Ja okay." Kian grinste und steckte ihr einen Zettel zu. "Ciao." Sie winkten sich kurz zu, dann eilte er Nicky, Mark und Shane hinterher, die schon aus dem Hotel traten. Sandy starrte ihm hinterher. Er hatte sie etwas überrumpelt, aber die Tatsache, dass sie ein Date mit Kian hatte war einfach der Hammer. Sorgsam faltete sie den Zettel auseinander. 364 stand da und ein kurzes "Freu mich, Kian." Was hatte das zu bedeuten?

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Am Abend war Sandy so aufgeregt wie noch nie zuvor. Zitternd betrat sie den Aufzug und fuhr in den dritten Stock. Schon bald hatte sie das Zimmer gefunden und klopfte zögerlich. Kian öffnete ihr mit einem Lächeln auf den Lippen die Tür und ließ sie eintreten. Das ganze Zimmer war abgedunkelt und nur durch Kerzenlicht erhellt. Es sah einfach traumhaft romantisch aus. Kian führte sie in die Mitte des Raumes und ging dann hinüber zur Stereoanlage. Keine Sekunde später hörte Sandy die ersten Klänge von "Bed Of Roses" ihrem Lieblingslied von Bon Jovi. Lächelnd kam er auf sie zu. "Woher wusstest du das?", flüsterte sie. "Von Cathleen." Sanft umfasste er ihre Hüfte und drängte sie hinüber ins Schlafzimmer, dass ebenfalls von Kerzen beleuchtet war. Durch das Zimmer zog ein leichter Rosenduft und als sie genauer hinsah erkannte sie, dass überall Rosenblätter verteilt waren. Strahlend sah sie sich um. Kian hatte alles so wunderschön für sie hergerichtet. Das hatte noch nie jemand für sie getan. Überwältigt ließ sie sich auf dem Bett nieder und fuhr mit den Fingern durch die Blüten. Kian setzte sich lächelnd neben sie und holte unter dem Bett seine Gitarre hervor um "Bed Of Roses" zu spielen. Leise summte sie die Melodie mit und umarmte ihn lächelnd von hinten. Kian lächelte und spielte das Lied zu Ende, bevor er sich zu ihr umdrehte um ihr einen sanften Kuss zu geben...

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Am nächsten Morgen sahen sie sich beim Frühstück wieder. Sandy hatte das Zimmer schon verlassen, als Kian noch schlief, denn sie musste heute für ihre Kollegin im Frühstückssaal aushelfen. Als sie am Büffet stand um dort noch etwas Käse nachzulegen, spürte sie, wie Kian sie umarmte. Langsam drehte sie sich um. "Morgen meine Süße." "Morgen." Er wollte ihr einen Kuss geben, aber sie wich ihm aus. "Nicht hier", flüsterte sie, deutete auf ihren Chef und wand sich aus der Umarmung. "Ich hab heute frei", sagte Kian während er sich Müsli in eine Schale tat. "Wollen wir an Strand gehen?" "Ja, warum nicht?! Ich kann aber erst heute Mittag", setzte sie bedauernd hinzu. "Egal. Ich hol dich hier ab, okay?!" Sandy nickte bloß und blickte ihm lange hinterher. Einerseits freute sie sich zwar auf den Tag, aber sie war sich seit gestern Abend nicht mehr sicher, was sie für Kian empfand. Sicher, der Kuss war wunderschön gewesen, aber eine Beziehung wollte sie im Moment dann doch nicht.

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Bis zum Abend gingen sie am Strand entlang, alberten herum und unterhielten sich prächtig. "Weißt du was ich machen will?" Kian umfasste ihr Hüften. "Ich will ein Mondscheinpicknick mit der schönsten Frau auf dieser Welt machen." "Du Schwätzer." Sie knuffte ihn liebevoll in die Seite, ließ sich dann aber doch von ihm vom Strand weg und in einen Park ziehen. Kian ließ sich schließlich auf dem mit Blumen gesprenkelten Rasen nieder und zog sie zu sich herunter. Gemeinsam beobachteten sie den Sonnengang. "So schön wie du", flüsterte Kian und küsste ihren Nacken. Sandy musste lächeln und drehte sich um, um ihm einen Kuss zu geben. Küssend sanken sie schließlich auf die Wiese...

Als sie wieder aufblickten stand der Mond bereits am Himmel. Alles war ruhig, nur die Schaukeln vom nahegelegenen Spielplatz quietschten etwas in dem leisen Luftzug. Plötzlich sprang Kian auf. "Wo willst du hin?" rief Sandy, aber Kian schwang sich schon auf eine Schaukel. "Mit dir im siebten Himmel schweben", antwortete er und hielt ihr seine offenen Arme entgegen. Lachend kam sie auf ihn zu und wollte sich auf seinen Schoß setzten, aber genau in diesem Moment zog Kian nach hinten weg und sie rutschte auf den Boden. "Du Tollpatsch", lachte er, hielt ihr dann aber doch seine Hand hin um ihr aufzuhelfen. Sandy ergriff sie und zog so fest daran, dass auch Kian auf dem Boden und über ihr landete. "Selber Tollpatsch", sagte sie und gab ihm einen Kuss. "Na warte." Kian grinste sie an und wanderte mit seinen Fingern an der Knopfleiste ihrer Bluse hinunter um sie aufzumachen. Langsam rutschte er an ihr hinunter und küsste ihren Bauchnabel. "Hey mein Süßer, wir sind hier auf einen Spielplatz, was sollen die Kinder denken?" Kian blickte auf und starrte in die Dämmerung. "Ich sehe nix." Wieder wand er sich ihrem Bauch zu. "Aber ich sehe eine Sternschnuppe", wurde er abermals von ihr unterbrochen. Kian drehte sich schnell auf den Rücken und blickte in den Nachthimmel herauf.

"Was hast du dir gewünscht", flüsterte er schließlich. "Sag ich nicht, sonst geht’s nicht in Erfüllung." "Weißt du was ich mir jetzt wünsche?" Kian sah sie verliebt an und sie schüttelte den Kopf. "Das wir da weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben." Er grinste sie verführerisch an, aber Sandy wand sich ab. "Kian, sei mir nicht böse, aber ich brauch Zeit, okay?!" Sie sah in bittend an und Kian schwieg einen Moment betreten, aber dann reagierte er total verständnisvoll. Sandy war eine so wunderbare Frau und er wollte ihr die Zeit geben, die sie brauchte um sich über ihre Gefühle klar zu werden.

***

Sandy öffnete die Tür zu ihrem Hotelzimmer und ließ sich erst mal aufs Bett fallen. Eine Wochen Portugal. Diese Zeit brauchte sie unbedingt, um sich über ihre Gefühle klar zu werden. Sie setzte sich wieder auf und griff seufzend nach dem Koffer. Erst mal wollte sie ihre Klamotten auspacken. Als der Koffer schließlich leer war, legte sie ihn unters Bett und griff nach ihrem Rucksack um den Stadtplan rauszuholen, denn sie wollte so schnell wir möglich an den Pool um ein wenig zu entspannen. Plötzlich fiel ihr ein Umschlag in die Hand. Verdutzt musterte sie ihn und drehte ihn dann um. "Erst am Morgen des 4. Julis öffnen" stand darauf. "Komisch", murmelte sie. Wie kam der Umschlag in ihren Rucksack? Hatte Cathleen ich etwa hineingeschmuggelt, schließlich war sie die letzte gewesen, die Sandy vor ihrem Abflug gesehen hatte. Immer noch verwundert legte sie den Umschlag auf die Kommode. Vielleicht war er ja auch gar nicht von Cat. Diese Idee kam ihr plötzlich in den Sinn und sie wusste nicht warum. Am liebsten wollte sie den Umschlag jetzt schon aufreißen, aber sie entschied sich doch eines besseren.

Stundenlang bummelte sie noch durch die Straßen von Lissabon. Unter anderem kam sie auch an dem Fußballstadion vorbei. "Man, warum kann ich da nicht hin?" dachte sie laut nach. Als sie sich entschieden hatte, ihren Sommerurlaub in Portugals Hauptstadt zu verbringen, hatte sie natürlich noch versucht Karten für ein Fußballspiel der EM zu bekommen, aber alle waren ausverkauft. Einzig über den Schwarzmarkt hätte sie noch Chancen gehabt, aber da waren die Preise so in die Höhe gestiegen, dass sie es sich einfach nicht leisten konnte. Naja, dann musste sie sich die Spiele wohl oder übel auf der großen Leinwand des Fünf-Sterne-Hotel anschauen... Plötzlich piepte ihr Handy und sie wurde aus ihren Fußballträumen gerissen. Sie kramte es aus ihrer Tasche und las die SMS von Kian durch. Er schrieb das er sie jetzt schon vermisste. Sandy musste lächeln und ließ das Handy zurück in die Tasche gleiten. Dabei fiel ihr Blick auf den Umschlag, den sie nun schon den ganzen Tag mit sich herumschleppte und wieder wurde sie von der Neugierde gepackt. Sie fummelte etwas an dem Verschluss herum, besann es sich wieder anders, steckte den Umschlag wieder zurück und holte ihn dann doch wieder heraus. "Ach egal", murmelte sie und öffnete ihn langsam. Eine Karte lag darin, die sie natürlich grad rausholte und umdrehte. Ihr Atem stockte für einen Moment. Es war eine Eintrittskarte für das EM-Endspiel. "Das kann nicht sein", flüsterte sie und sah von dem Stadion, vor dem sie stand zurück auf die Karte. Schließlich fiel ihr auch noch ein Zettel entgegen, der mit in dem Umschlag gelegen hatte. "Amüsier dich, du Fußballfan! In Liebe, Kian" stand darauf. Sandy musste sich plötzlich setzten. Kian war so süß. Sie wollte gerade ihr Handy rauskramen und sich bei ihm bedanken, als ihr einfiel, dass sie den Umschlag ja noch gar nicht hätte aufmachen sollen. Also steckte sie, mit einem letzten Blick auf die Karte alles wieder in die Tasche zurück und starrte weiter das Stadion an.

***

Sandy streckte sich auf ihrer Liege aus. Schon seit drei Tagen war sie nun in Portugal, um sich über ihr weiteres Liebesleben klar zu werden. Irgendwie vermisste sie Kian, obwohl sie sich ständig SMS schickten und miteinander telefonierten, aber auf der anderen Seite fürchtete sie sich auch wieder nach Irland zurück zu kehren, denn dann musste sie Kian ihre Entscheidung mitteilen, zu der sie sich noch immer nicht durchgerungen hatte. "Naja, heute Abend werd ich mir erst mal das Endspiel der EM anschauen", meinte sie zu sich selbst. Darauf freute sie sich schon, seit sie, ein paar Tage zu früh, in den Umschlag geschaut hatte, den Cat ihr zugesteckt hatte. Ihr größtes Problem bestand also im Moment darin, dass passende Outfit für das Spiel zu finden, denn ganz so parteiisch wollte sie dann doch nicht sein. Schließlich entschied sie sich für ihren rot-gelben mit Blumen bestickten Minirock und einer weißen Bluse, die auch ein bisschen Blau hatte. Sandy hatte in ihrem Koffer wirklich alle Farben der Nationalmannschaften die am Turnier teilnahmen, darum war es nicht allzu schwer ein passendes Kleindungsstück zu finden. Endlich fertig gestylt konnte sie nun ins Stadion in Lissabon gehen, das im portugiesischen soviel wie "Stadion des Lichts" hieß.

Während der zweiten Halbzeit schickte Kian ihr eine SMS. Er wollte wissen, wie es stand und schrieb wieder mal, wie sehr er sie vermisste. Sandy musste lächeln. Aber die Frage hätte Kian sich sparen können. Sandy wusste, dass er das Spiel ebenfalls verfolgen würde und dass bestimmt nur ein Vorwand war, ihr wieder zu mailen. Naja, die Fußballregel, dass man während des Spiels nicht stören durfte, musste Kian wohl noch erlernen, aber trotzdem freute Sandy sich mit einem Male wieder darauf, bald wieder in Irland zu sein.

***

Sandy sah sich in dem geschäftigen Treiben um, dass vor dem Flughafen hielt. Sie suchte Kian, denn er hatte ihr versprochen sie abzuholen, aber er war nirgends zu sehen. "Hallo Süße." Cathleen stand plötzlich vor ihr und grinste sie an. "Hi, was machst du denn hier?" Sandy war überrascht ihre beste Freundin hier zu sehen. "Ich soll Kian entschuldigen, er hat leider keine Zeit, deswegen hol ich dich ab." "Oh." Sandy war enttäuscht. Natürlich freute sie sich Cat wiederzusehen, aber sie hatte sich so auf Kian gefreut. "Naja, dann komm erst mal mit." Gemeinsam schritten sie durch die Dunkelheit zu Cats Wagen und fuhren durch die Nacht. Plötzlich hielt sie auf dem Bürgersteig. "Was ist los?" "Aussteigen", forderte Cat. "Aber warum?" Sandy schnallte sich widerwillig ab. Sie wollte nach Hause und da auf einen Anruf von Kian warten, aber Cat zerrte schon an ihrem Arm und führte sie in einen Park hinein. Plötzlich blieb sie stehen und holte ein Tuch aus der Tasche, dass sie Sandy umband. "Cat, was soll das?" Ihre Freundin versuchte das Band von den Augen zu schieben, aber es war zu fest zu gebunden. Vorsichtig führte sie Sandy weiter durch den Park, sorgsam darauf bedacht nicht über irgendwelche Baumwurzeln zu stolpern. Schließlich kamen sie zu einer Stelle, wo viele Kerzen aufgestellt waren. Sie drückte Sandy auf die Wiese und stahl sich dann davon. "Cat? Cathleen?" Sandy begann unruhig zu werden, weil alles so still war, aber schon hörte sie wieder Schritte. Sie entspannte sich wieder. "Man Cat, was soll das jetzt? Willst du mich verführen oder was?" Sie kicherte und spürte plötzlich, wie sich jemand zu ihr hinunter beugte und sie küsste. Sie erwiderte den Kuss. So konnte nur einer küssen. Sie merkte, wie die Hände zu dem Knoten wanderten und ihn sanft lösten. Das Tuch fiel zu Boden und sie blickte in ein paar strahlende blaue Augen. "Hallo mein Schatz", flüsterte Kian. Sandy sagte nichts. Mit einem Blick hatte sie die romantische Situation -Kerzen und so weiter- erfasst und fiel ihm um den Hals. Stürmisch küssten sie sich. "Ich hab dich vermisst, Süßer." "Ich dich auch. Ich hab auch noch was für dich", sagte Kian. Sandy blickte ihn neugierig an und er fummelte in seine Hosentasche herum. Langsam zog er eine kleine Schachtel heraus und überreichte sie Sandy. "Was ist das?" fragte sie neugierig. "Mach auf", raunte er ihr bloß zu und vorsichtig öffnete sie das kleine Geschenk. Innen drin lag ein breiter Silberring, den sie sich sofort über den Finger schob. "Danke", sagte sie und umarmte Kian mit einem Kuss, aber er meinte nur knapp, sie sollte sich die Gravur anschauen, also nahm sie den Ring wieder ab. "For my fallen angel" stand da. "Ach Kian, wie süß." Sie gab ihm wieder einen Kuss. "Ich hab dich so vermisst", seufzte Kian und zog sie wieder auf die Wiese zurück.

***

2 Wochen später:

Sandy betrat den lärmerfüllten Kindergarten und ging hinüber zu der Gruppe, in der ihre Nichte untergebracht war. Kaum hatte sie den Raum erreicht, stürmte ihr Mary-Jane auch schon fröhlich entgegen. An der Hand hielt sie Molly McFadden, die Tochter des Ex-Westlifers Bryan. "Tante Sandy, Molly geht heute Abend aufs Konzert von Westlife. Darf ich bitte, bitte auch mit?" Sandy sah sie zweifelnd an. Sie wusste nicht so recht, ob so ein Konzert schon was für Fünfjährige war. "Och bitte, bitte", bettelten Mary-Jane und Molly gleichzeitig. "Erst muss ich deine Mama anrufen", sagte Sandy bestimmt. Die Eltern der Kleinen befanden sich zur Zeit in Spanien und sie hatte sich bereiterklärt für die vier Tage auf ihre Nichte aufzupassen. "Aber dann darf ich hin?" fragte Mary hoffnungsvoll und blickte ihre Tante mit Hundeaugen an. "Mal sehen", meinte Sandy knapp. Im Grunde hatte sie eigentlich nichts dagegen, denn das Konzert in Sligo wäre eine gute Möglichkeit Kian wiederzusehen und zu überraschen, denn er rechnete garantiert nicht damit sie auf dem Konzert zu sehen. "Bitte", flehte Mary nochmals, bevor sie Molly hinterher stürzte, die soeben ihren Vater gesichtet hatte. "Papa, darf Mary heute Abend mit aufs Konzert?" Sie baute sich vor Bryan auf und schaute bittend zu ihm empor. "Hallo erst mal", meinte er lächelnd und blickte dann Sandy entgegen, die von Mary zu ihm gezogen wurde. Sie fingen an über das Konzert zu beraten, während Mary-Jane und Molly um sie herum alberten. "Also gut", schloss Sandy schließlich und lächelte die beiden an. "Yeah", riefen sie wie aus einem Mund und Mary sprang zu ihrer Tante um ihr einen dicken Kuss zu geben, bevor sie schnell wie der Wind zu Tür eilte um schnell nach Hause zu kommen.

***

Am Abend fuhren sie zusammen mit Bryan, Kerry und Molly nach Sligo. Mary war schon total aufgeregt und sprang hektisch aus dem Wagen, sobald dieser zum Stehen gekommen war. Durch den Backstageeingang gelangten sie als erstes in die Halle und nahmen in der vorderen Reihe Platz. Nach einiger Zeit stürmten auch die Fans, die draußen gewartete hatten ins Innere und nach zwei weiteren Stunden gingen endlich die Lichter aus und Westlife erschienen auf der Bühne. Als Kian seine Freundin in der ersten Reihe sitzen sah, breitete sich auf seinem Gesicht ein glückliches Lächeln aus und er hatte den ganzen Abend nur noch Augen für sie.

Nach dem Konzert leerte sich die Halle nur zögerlich. Bryan, Kerry, Molly, Sandy und Mary saßen noch auf ihren Plätzen, bis alle Fans draußen waren und die Westlifer zu ihnen kamen. "Hallo mein Schatz." Kian sprang von der Bühne herunter und landete vor Sandys Füßen. Er gab ihr einen langen Kuss, bevor er sich den Autogrammwünschen ihrer Nichte beugte, die die anderen Jungs schon seit einer Weile erfüllten und Mary-Jane damit vollends aus dem Häuschen brachte. "Was wollen wir gleich noch machen?" Shane schraubte den Stift, mit dem er Marys Poster signiert hatte, wieder zu und schaute fragend in die Runde. "Blöde Frage, oder?!" Nicky und Mark grinsten ihn an. "Okay, okay." Shane musste ebenfalls grinsen. "Dann auf", meinte er nur kurz und die Jungs machten sich zusammen mit Bryan, Molly, Kerry, Sandy und Mary auf den Weg in den nächsten beste Pub.

***

Gemeinsam betraten sie das Innere. Nicky und Shane hielten sogleich Ausschau nach Georgina und Gillian, mit denen sie sich hier treffen wollten. "Da sind sie doch." Kerry deutete hinüber in eine Nische, aus der die beiden Frauen hervorwinkten. Schnell liefen sie auf sie zu und Geo und Gill wurden erst mal niedergeknutscht. Nachdem sie die erste Guinessrunde bestellt hatten, wurden Molly und Mary-Jane müde, so dass Bryan, Kerry und Sandy beschlossen zurück nach Dublin zu fahren. Kian begleitete die fünf nach draußen. Während Kerry die Kinder angurtete, küsste er Sandy immer wieder. "Kommt Leute reißt euch los, wir wollen fahren." Bryan grinste die beiden an, bevor er seinen Kumpel noch mal kräftig umarmte. "Bis dann." Er schlug ihm kumpelhaft auf die Schultern und nahm am Fahrersitz Platz. "Ciao." Kian gab Kerry einen Kuss auf die Wange, bevor er Sandy noch mal lange küsste. "Ich ruf dich morgen an, okay?!" Seine Freundin nickte und setzte sich dann nach hinten um ihm noch mal zu zuwinken.

***

Am nächsten Morgen war sie früh auf um für Mary-Jane und sich frische Brötchen zu holen. Auf dem Weg kam sie am Zeitungsladen vorbei. Sie warf einen flüchtigen Blick über die Auslagen, als ihr Blick plötzlich an einer Zeitung hängen blieb. "A new love?!" Der Artikel machte sie aufmerksam und sie schaute genauer hin um eine Sekunde später zu erstarren. Die Hälfte der ersten Seite war mit Bildern von ihr und Kian gefüllt, wie sie sich gestern Abend zum Abschluss geküsst hatten. Schnell überflog sie den Artikel und wurde nun richtig wütend, denn sie wurde quasi beschuldigt der Trennungsgrund von Kian und Jodie zu sein. Kopfschüttelnd stand sie vor dem Laden. Die Brötchen hatte sie mittlerweile vergessen. Sie stopfte die Zeitung wieder zurück ins Fach und rannte zurück nach Hause.

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"Guten Morgen mein Schatz", gähnte Kian. Sandy hatte ihn gerade aus dem Schlaf gerissen, aber wenn sie es war, konnte er so was grad noch mal verzeihen. "Was soll der Scheiß?" "Was soll was? Ich weiß nicht wovon du redest." "Na von unserem wunderschönen Artikel in der Zeitung." "Oh nee." Kian stöhnte auf. "Was steht drin?" fragte er schließlich und Sandy erzählte es ihm. "Na wenn’s mehr nicht ist." Es klang ziemlich desinteressiert und er gähnte nochmals. "Wie wenn’s mehr nicht ist?" Seine Freundin war auf 180 und ließ ihn das durchs Telefon spüren. "Na daran musst du dich halt gewöhnen. Ich weiß es ist scheiße, aber Jodie kam am Ende ziemlich gut mit all dem klar." "Achja..." Sofort bereute Kian diesen Satz. "Hör zu Süße, dass hat sich jetzt vielleicht bisschen blöd angehört, aber wenn man sich dran gewöhnt hat, geht das schon. Schau dir Geo und Gill an. Ihnen erging es auch nicht anders." "Sie waren ja auch nicht Schuld an irgendwelchen Trennungen." "Komm schon, in paar Tagen haben sie das alles vergessen und dann ist das nächste Gerücht von irgendwelchen anderen Promis dran." Sandy schüttelte stumm den Kopf. Daran, dass Kian im Rampenlicht stand und quasi jeder Schritt von ihm unter die Lupe genommen wurde, hatte sie in ihrer Euphorie gar nicht bedacht, deswegen war diese Erkenntnis ziemlich hart. "Hör zu Kian. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Jodie war daran gewöhnt, aber Jodie ist anders als ich. Lass es uns einfach dabei belassen, okay?!" "Was soll das heißen?" Kian war plötzlich hellwach. "Ich kann nicht mit dir zusammen sein, zumindest nicht jetzt." Sie schniefte. Was tat sie hier bloß? "Aber..." Kian wollte gerade was sagen, aber Sandy knallte den Hörer auf. Sie wollte jetzt nichts mehr hören, sondern einfach mit ihrem Schmerz alleine sein.

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Eine Woche später saß Sandy alleine in der Kirche. Sie hatte Kian seit ihrem letzten Anruf nicht mehr gesehen oder gehört. Irgendwie dachte sie, dass Richtige getan zu haben, aber auf der anderen Seite wurde sie von Zweifeln geplagt. Sie vermisste Kian und machte sich Gedanken, ob er nicht doch der Richtige für sie war, auch wenn er so berühmt war. "Lieber Gott, gib mir doch ein Zeichen", flüsterte sie den Tränen nah, dann bekreuzigte sie sich schnell und ging nach draußen. Als sie die erste Treppenstufe hinuntergestiegen war, schlug ihr Herz Purzelbäume, denn Kian war auf dem Kirchenvorhof zu sehen. Sie rief ihm nach und winkte wie eine Verrückte, als er sich endlich umdrehte. Schnell lief sie auf ihm zu. Die letzte Stufe sprang sie herunter, so glücklich war sie ihn zu sehen, aber sie kam falsch auf und verknackste sich den Fuß. Sie fiel auf den Boden, aber als sie aufsah kam Kian ihr schon entgegen und half ihr auf. "Du musst ja nicht vor mir auf den Boden knien." Er grinste sie an. "Ach Mensch Kian." Lächelnd blickte sie ihn an und plötzlich überkam es sie. Sie warf ihre Arme um seinen Hals und gab ihm einen langen Kuss. Als sie sich endlich von einander lösten sah Kian sie überrascht an. "Es tut mir so leid. Ich war einfach total blöd, aber der Artikel hat mich so aufgeregt und dann war ich auch noch enttäuscht, weil du das alles so locker gesehen hast. Ich weiß doch gar nicht, wie ich damit umgehen soll und so. Es tut mir leid, dass ich so gedankenlos war. Verzeih mir bitte!?" Kian lächelte sie an. Ausgerechnet jetzt eine Liebeserklärung zu hören hatte er nicht erwartet, aber natürlich freute es ihn, denn er liebte sie genauso, wie sie ihn. Von den, vom Sturz zerschundenen Knien, bis hoch zu ihren wunderschönen Augen ließ er seine Blicke gleiten, bevor seine Lippen sich mit einem Lächeln den ihren näherten.

Nachdem sie sich noch mindesten fünf Minuten geküsst hatten, machten sie sich Händchenhaltend auf den Weg zurück zum Ausgang des Kirchenparks. Sie schlenderten das letzte Stück des Kieswegs entlang, als Kian Sandy plötzlich auf die Stufe am Gatter das zur Straße führte aufmerksam machte. "Ich weiß, ich bin ja nicht blind." Extra vorsichtig stieg sie darüber, übersah dabei aber das Schlagloch, kurz dahinter. Wieder taumelte sie und fiel auf den Boden. Kian lachte laut auf. "Ach mein süßer fallen angel."