Ich hatte mir meinen Traum von einem Jahr als Au Pair in Irland erfüllt. Seit neun Monaten war ich schon in einer irischen Familie, Mount hießen sie. Es gefiel mir dort gut. Sie hatten zwei Kinder, den 5- jährigen Roy und die 13- jährige Milla. Die lebten außerhalb von Belleek, na an der Grenze zu Sligo. Sie besaßen ein eigenes kleines Häuschen mit einem Garten. Ich hatte mich anfangs schnell eingelebt bei den Mounts und so war schon seit einiger Zeit alles ´nur` noch Routine. Auch mit der- manchmal so schwierigen- 13-jährigen Milla kam ich gut zu recht. Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis.

Mein Tag fing schon früh an. Ich stand mit beiden Kindern auf. Brachte Roy in den Kindergarten und manchmal fuhr ich Milla zur Schule nach Sligo. Es war äußerst praktisch einen Führerschein zu haben. So konnte man doch noch mal schnell zum Supermarkt, der ja nicht wirklich um die Ecke lag. Und die Mounts hatten nichts dagegen, dass ich mit ihrem Auto unterwegs war. Auch nicht an meinen freien Tagen. Die hatte ich nämlich, zweimal pro Woche. Für gewöhnlich am Dienstag und Sonntag, aber ich verließ die Familie nur selten, wir machten oft Dinge zusammen, auch an meinen freien Tagen.

So wie heute. Es war ein Samstag an dem ich diese Woche frei hatte. Die Mounts waren aus dem Haus. Sie sind mit Roy zur Oma gefahren. Nur Milla hatte keine Lust und so entschlossen sich die Mounts, ohne sie zu fahren. Ich überlegte eine Weile, was ich mit Milla anstellen konnte. Dann ging ich hoch und klopfte an ihre Tür. Ich wartete auf eine Reaktion. „Ja?“ rief es und ich öffnete. Milla lag auf dem Bett und schrieb gerade etwas in ein Buch. Ich glaube es war so etwas wie ein Freundschaftsbuch mit Carol. Ihrer Mitschülerin.

„Du, hast du vielleicht Lust mit zum Strand zu fahren. Nach dem Mittag?“ Sie schaute mich an ohne eine Miene zu verziehen. „Was? Keine Lust?“ hakte ich vorsichtig nach. „Ist mir viel zu kalt!“ brummte sie und kritzelte nun am Buchrahmen herum. „Aha“ meinte ich nachdenklich. Hatte ich doch vor 5 Minuten am Thermometer eine Gradzahl von 28 abgelesen. Naja wenn sie nicht mag. „Okay dann fahr ich aber ohne dich. Bis nach dem Mittag bin ich da, du kannst dich also noch in Ruhe umentscheiden!“ Sie gab keinen Ton von sich. Also schloss ich die Tür wieder. „Heute sind wir aber wieder der typische Teenie“ murmelte ich vor mich hin und ging in mein Zimmer, um die Sachen für den Strand zu packen.

Ich hatte Brokolie- Auflauf gemacht und wollte Milla gerade einen Zettel schreiben, dass der Rest im Ofen steht und sie ihn sich warm machen kann, da sie ja nicht zum Essen kam. Ich suchte nach einem Stift, als ich Schritte auf den Treppen hörte. Es war Milla. Und sie kam- zu meiner Überraschung- im Bikini. Ich musste schmunzeln. Auch sie musste schmunzeln, es schien ihr wohl peinlich. „Meinst du ich kann so gehen!“ fragte sie nach einer Weile. „Ich weiß nicht, du kannst auch einen Pulli und eine Thermohose anziehen!“ Ich lachte. „Natürlich, warum nicht? Der Bikini steht dir ausgezeichnet!“ Sie lächelte. „Was gab’s denn zum Essen?“ „Brokolie- Auflauf. Ist noch welcher im Ofen. Ist auch noch so gut wie warm!“ Und sie schaute unentschlossen drein. „Ja ess halt jetzt! Wir haben doch noch Zeit!“ „Na gut, aber ich beeil mich okay?“

Sie hatte aufgegessen und stand nun im Bad- vorm Spiegel. Ich wollte dran vorbei laufen und in meinem Zimmer noch etwas holen, als sie mich fragte: „Sehe ich auch nicht zu fett aus?“ Ich stockte kurz. An Milla war nun wirklich kein Gramm Fett zuviel. Sie hatte eine schlanke, sportliche Figur und lange Beine. Das ich sie beneiden könnte. Ich ging zu ihr rein. „Denkst du, dass du fett bist, wenn du in den Spiegel schaust?“ fragte ich und sie dachte nach. „Ja manchmal“ rückte sie mit der Antwort heraus. „Weißt du, wenn man sich ab und zu dick oder fett fühlt, dann ist das normal. Ich glaube jeder kann sich dann und wann nicht so richtig ersehen. Ich auch. Aber soll ich dir mal was sagen? Du bist bildhübsch und das solltest du auch wissen!“ Sie strahlte mich an, etwas verlegen vielleicht aber sie schien mich zu verstehen.

Zehn Minuten später waren wir aus dem Haus und erreichten bald den Strand. Er war wie immer fast leer, die meisten Leute gehen an eine andere Stelle, aber der Strand hier gefiel mir am meisten. Vielleicht gerade weil hier so wenig Leute waren. Ich überließ es Milla wo wir uns hinlegten. „Ich weiß nicht“ stand sie etwas unbeholfen herum. Dann schaute sie zu einer Gruppe Jugendlicher. Hätte ihr Alter sein können. „Was ist los? Kennst du die?“ fragte ich, nachdem ich ihre Reaktion gedeutet hatte. Sie fühlte sich unwohl. „Ja, die gehen auf meine Schule. Eine Klasse über mir.“ Und wieder sah sie unsicher hinüber. „Und magst du die oder eher nicht?“ fragte ich und sie musste verlegen lachen. „Okay du magst sie. Aber trotzdem sollen wir uns etwas weiter weg legen?“ fragte ich und dachte an meine eigene Jugend.

„Ich mag einen davon“ brummte sie während sie mit durchgedrückten Knien immer noch am selben Fleck stand und auf den Boden schaute. Also ist sie verliebt. Aber so direkt wollte ich sie lieber nicht fragen. Ich schaute zu der Gruppe von Jugendlichen. Es war gerade einer aufgestanden und lief zu uns rüber. Als er bei uns angekommen war streifte er Milla mit seinem Ellbogen und meinte. „Du Milla, es wird bald dunkel also wenn du heute noch ins Wasser willst, dann solltest du dich etwas beeilen. Aber auch nur etwas!“ „Noch so klein und schon so frech“ munterte ich Milla auf, der es nun noch peinlicher schien. Er hingegen lachte, ignorierte meinen Spruch und mich sowieso. Er klatschte sich nun mindestens eine Minute mit einem Kumpel ab, der gerade gekommen war. „Na vielleicht will ja Milla mit ihrer hübschen Begleitung Wurzeln schlagen, wäre ja gut für uns. Das hätten wir tolle Aussichten“ scherzte der eine. „Ja voraus gesetzt Milla geht hinter die Hübsche!“ kicherte nun der andere. „Ignorier es einfach“ meinte ich zu Milla und zog sie nun endlich weg. „Das sind Jungs, in dem Alter spinnen sie alle.“ Ich versuchte sie aufzubauen. Naja und recht hatte ich ja wohl auch.

„Ist es hier okay?“ fragte ich und deutete auf die Stelle vor mir. Sie schaute zu der Jugendgruppe, dann bejahte sie. Und so machten wir uns dort breit. Nach einer Weile des Schweigens sagte Milla: „Die sind alle ziemlich doof, bis auf den einen.“ Und sie klärte mich auf, was Namen und Charakter anging. „Also der, der mich angerempelt hat ist Barry. Der ist bescheuert. Und der, der dann kam ist Michael. Der ist genauso. Aber der blonde neben Barry...“ sie machte eine kurze Pause. „Du meinst der, der gerade herschaut? Mit der blauen Hose?“ Sie nickte und redete erst weiter, als er sich weggedreht hatte. „der heißt Tony. Und den mag ich. Er hat sich sogar neulich mit mir unterhalten. In Bio, als er hinter mir saß. Naja bis seine Kumpels kamen!“ Wir wechselten noch ein paar Worte und legten uns dann, um etwas zu schlummern.

Wir wurden geweckt, als uns ein paar kalte Spritzer Wasser auf den Rücken tropften und ohne uns zu erheben, sahen wir zu ihm. Barry. Hinter ihm kam Michael. Was sollte das bloß werden? „Was macht ihr denn so, ihr hübschen?“ fragte er und drehte sich nach seinem Freund um. Milla setzte gerade zu Antwort an. Doch dann hörte man sie nur noch leise aufschreien. Barry hatte ihr seine Limonade drüber geschüttet. Natürlich ganz unabsichtlich- er wurde halt nur absichtlich von seinem Kumpel gestoßen. Und nun lachten die zwei. Barry verstummte. „Oh Milla, ich wusste gar nicht, dass dich mein Anblick so zum schwitzen bringt.“ Beide lachten wieder und rannten zurück zu ihrer Clique, wo sie triumphierend empfangen wurden. „Wie witzig“ meinte ich und kümmerte mich um Milla.

Danach stand ich auf. „Na dann wollen wir uns mal bei Barry für die Limo bedanken oder?“ meinte ich und zwinkerte ich ihr zu. Sie schaute mich nur verdutzt an und lief mir nach. Ich bestellte am Eiswagen eine Eiswaffel in Muschelform mit einer Kugel Zitrone. „Wie du willst dem jetzt das Eis schenken?“ „Natürlich wir müssen uns doch für die schöne Abkühlung revanchieren, oder meinst du nicht?“ Ich lachte schelmisch und lief auf die Clique zu. Hinter mir hörte ich Milla, die gerade die gleiche Bestellung aufgab. Sie hatte mich im Nu eingeholt. Und dann standen wir auch schon vor ihm. „Oh der Herr erhebt sich extra für uns“ meinte ich, gespielt überraschend. „Ja bei so nettem Besuch!“ mimte er den Coolen. „Och ein Eis hättet ihr euch aber nicht extra kaufen brauchen. Ihr könnt auch gerne mal an mir lecken!“ grinste er und drehte sich kurz zu seinen Kumpels um, die nun grölten. „An dir lecken“ ich tat, als würde ich überlegen. „Das ist natürlich eine gute Idee. Nun haben wir aber dummer weise das Eis gekauft. Du meinst also, dass wir das schleunigst loswerden sollten?“ ging ich spielend auf seine blöde Anmache ein. „Klar“ rief die Clique. „Das wollen wir sehen!“ Und Barry stand erwartungsvoll vor uns. „Na dann lass uns das Eis mal loswerden!“ sagte ich zu Milla und sie schien zu verstehen. Wie auf Kommando nahm sie ihr Eiswaffel und drückte sie ihm ins Gesicht und ich? Ich zog seine Hose etwas hervor, ließ sie hineinfallen und drückte von Außen leicht dagegen. „Tja, und nun weißt du hoffentlich, wie kalt uns deine dummen Sprüche lassen!“ Damit war unsere Mission beendet und wir machten uns wieder auf den Weg zu unserem Strandplatz. Von dort aus beobachteten wir Barry wie er das Eis aus seiner Hose holte und aus seinem Gesicht wischte. Und wir machten uns ziemlich lustig über den Anblick.

Keine zwei Minuten später kam er auf uns zu. „Das wird ich meinem großen Bruder sagen und dann kannst du was erleben!“ meinte er wütend und zeigte mit dem Finger auf mich. Ich gab mich sehr beeindruckt. Als hinter ihm ein junger Mann auf tauchte. „Das glaub ich kaum! Höchstens eine Entschuldigung von dir?“ meinte er und sofort zischte Barry genervt ab. „Tut mir leid, für die Unannehmlichkeiten dir mein Bruder ihnen vielleicht bereitet hat!“ sagte er und setzte ein fast ratloses Gesicht auf. „Ist schon ok, schließlich waren wir alle mal jung und nun sind wir quitt mit ihm!“ Ich lächelte ihn an. Er zurück. „Hey da ist Carol!“ sagte Milla und schon war sie weg. „Meinst du ich kann dich zu einem Kaffee einladen? Auf Barrys Rechnung?“ Er schaute mich schmachtend an. „So!? Kannst du schon, aber dann bitte auf deine oder geteilte Rechnung“ meinte ich und musterte ihn. „Das ist auch okay“ nickte er und reichte mir die Hand. Ich stand jedoch ohne seine Hilfe auf. „Das schaffe ich gerade noch so, soviel Kraft hat mich dein Bruder wahrlich noch nicht gekostet!“ „Naja ich will dich nur für die Zukunft schonen!“ Ich schaute ihn fragend an. Eigentlich störte es mich, so eine plumpe Anmache, aber bei ihm? Er sah einfach zu umwerfend aus und war zu nett, als dass ich ihn hätte abservieren wollen. „Ich heiß übrigens Mark!“ sagte er während wir hinüber zum Strandcafe trotteten. Milla kam mit Carol im Schlepptau auf uns zu. Ich sagte ihr nur kurz Bescheid, dass ich mit Mark etwas trinken gehen würde und alles war geklärt.

„Deine Schwester?“ fragte er. „Kann man so nennen.“ Er schaute mich neugierig an. „Nein, ich bin bei ihnen als Au Pair. Sie ist so zu sagen meine Gastschwester!“ Ich lächelte ihn an und er zwinkerte mir zu. „Bist du schon lange in Irland? Wo wohnt ihr überhaupt?“ „In Belleek, aber ziemlich nah an Sligo. Ich bin schon seit 9 Monaten hier.“ „Und wie lange noch?“ „3 Monate. Die Zeit rennt echt!“ meinte ich etwas nachdenklich. Wir waren im Cafe angekommen und gaben unsere Bestellung auf. Ich redete mit Mark über vieles. Familie, über mein Jahr hier in Irland und über andere Dinge. „So ich beende mal unser kleines, spontanes Date“ meinte ich nach einer Stunde und stand auf. „Okay“ meinte er etwas traurig. „Aber ich bezahle.“ Ich nickte zustimmend. „Hast du heute noch was vor?“ Ich überlegte und schüttelte dann den Kopf. „Eigentlich nicht!“ „Wir wäre es wenn wir ins Kino gehen würden? Ich würde dich gegen 7 abholen!?“ „Ist das schon wieder ein Date?“ fragte ich neckisch und überlegte. „Ja aber ein längeres und geplant. Nicht spontan!“ grinste er mich bittend an. „Okay wenn du weiter nichts zu tun hast, als mit mir Geld rauszuhauen.“ Meinte ich und zuckte mit den Schultern. Und so ließ ich ihn einfach sitzen.

„Hey“ stürmte er mir nach. Wirklich toll, wie er sprintete und der Sand nur so in die Höhe flog. Ich wartete auf ihn. „Hast du gedacht ich fall darauf rein?“ „Auf was?“ meinte ich gespielt. „Naja Verabredung zustimmen und mir nicht die Adresse sagen!“ „Bist wirklich clever. Manch einer hätte das vielleicht nicht einmal gemerkt!“ grinste ich und sagte ihm die Adresse. Damit gab er sich zufrieden. Musste er, denn ich drehte mich eiskalt um und ging zu Milla. „Bis später“ rief ich ihm zu ohne mich jedoch umzudrehen.

Er war pünktlich auf die Minute. Worauf ich nicht eingestellt war. Ich hatte gerade noch in aller Eile den Spüler ausgeräumt, damit alles ordentlich aussah, wenn die Mounts heute Abend wieder kommen würden. Er hatte geklingelt und ich ließ ihn rein. „Du ich muss mich noch schnell umziehen.“ Meinte ich und war nach oben verschwunden. Als ich herunter kam, ich hatte mir eine lange Jeans und ein Shirt angezogen, telefonierte Mark gerade. Er beendete jedoch sofort das Gespräch als er mich sah. Etwas energisch aber er schien in dem Falle halt kompromisslos gewesen zu sein. Ich blickte ihn fragend an. „Ach nur die Arbeit!“ „Jetzt noch um die Zeit?“ fragte ich und blickte ihn mit großen Augen an. „Ja ich hab selten mal wirklich frei!“ „Ah, was machst du eigentlich. Hast du mir noch gar nicht verraten!“ Ich musterte mich ohne einen Ton zu sagen. „Ach ich... ich... ich singe ab und zu in einigen Clubs.“ Er schnappte eilig seinen Autoschlüssel, den er auf der Kommode abgelegt hatten und lief zur Tür. „Können wir?“ „Warte...!“ forderte ich ihn auf und rief „Milla ich geh jetzt!“ Er zeigte sich beeindruckt. „Wasn? Hättest mir so eine laute Stimme wohl gar nicht zugetraut?“ „Ist mein Gesichtsausdruck so offensichtlich?“ „Ja“ schmunzelte ich und stieg in sein Auto. „Genau so vorhin als du mir verklickern wolltest, dass du hier und da singst. Ich will mich zwar nicht aufdrängen aber ich glaub da steckt mehr dahinter. Und ich finde, dass jeder Job anspruchs- und wertvoll ist. Deshalb muss man ihn auch nicht verschweigen. Auch nicht wenn du bei der Müllabfuhr wärst!“ „Okay bin ich halt bei der Müllabfuhr!“ lachte er und fuhr los. Ich stieß ihn leicht an den Oberarm! „Du machst dich lustig über mich!“ mimte ich beleidigt und er grinste. „Nein, ich weiß einfach nicht, ob ich dir das jetzt schon sagen sollte!“ Er gab sich nachdenklich. „Wieso bist du ein Verbrecher, der gerade zum erneuten Mal kidnappt?“ fragte ich und lachte. Er musste auch lachen. „Schön wär’s!“ meinte er. „Denkst du?“ fragte ich herausfordernd. Er zuckte mit den Schultern. „Bis jetzt kann ich nicht meckern!“

Am Kino angekommen entschieden wir uns für eine Komödie. Denn das liebten wir beide. Ich könnte niemals einen Horrorfilm anschauen im Kino, ich würde den ganzen Saal zusammen brüllen. Er nahm meine Hand und zog mich hinter sich her. Ich weiß nicht warum er so schnell lief. Der Film sollte in 10 Minuten anfangen. Wahrscheinlich wollte er es nur ausnutzen um meine Hand zu nehmen. Im Saal überließ er mir die Wahl der Sitzplätze. „Oh ganz hinten“ murmelte er und schaute mich grinsend an. „Bild dir bloß nichts ein!“ fauchte ich lachend. „Ach nicht? Schade! Wieso nicht?“ fragte er nach. „Weil ich hier sitze und dein Sitzplatz ist da vorn links. Du wolltest doch mir die Wahl der Sitzplätze überlassen!“ Ich grinste ihn an und er musterte mich. Als würde er überlegen ob ich das jetzt ernst meinte oder nicht. „Ach Quatsch, komm setz dich!“ Ich zog ihm zu seinem Platz- links neben mir. „Oh erste Berührungen- und da kommt nicht zufällig mehr?“ „Nein aber wenn du mich berührst kannst du gerne noch mehr Körperkontakt haben. Der wird dir dann bloß keinen Spaß mehr machen!“ meinte ich und lehnte mich zurück. Die Werbung ging jetzt los. „Weiß man´s?“ konterte er mit einem ziemlich frechen Blick auf meine Aussage. „Oh Gott, ich muss hier weg!“ sagte ich und flehte Richtung Himmel. „Psst, es geht gleich los!“ fügte ich hinzu und starrte nun auf die Kinoleinwand.

Der Film war wunderbar. Wir hatten ausgiebig gelacht. Auch wenn ich nach 9 Monaten noch immer nicht jedes Wort verstand. So verstand ich doch meistens den Sinn. Außerdem hatte Mark mir einige Male etwas wiederholt oder zusätzlich erklärt, wenn ich nicht verstand oder nicht mitkam. Ich mochte ihn richtig gern. Und ehrlich- ich hatte schon dran gedacht, dass das vielleicht etwas werden könnte. Am Anfang bin ich meist etwas skeptisch, aber bei Mark sah ich keinen Grund es weiterhin zu sein. Als er mich nach Hause fuhr herrschte ab und zu Stille. Ich wusste nicht was ich groß reden sollte, außerdem war ich auch recht müde. Doch ich glaube nicht, dass es einen von uns gestört hatte. Mark konzentrierte sich auf die Straße oder hing ebenfalls in Gedanken.

Als er vor dem haus der Mounts hielt, schaute er zu mir. Und ich schaute ihn an. Eine ganze Weile. „Schöner Abend!“ sagte ich um die Stille zu vertreiben. „Hmm.“ Nickte er zufrieden und sah mir in die Augen. „Ich mag dich auf jeden fall wieder sehen.“ Meinte er und ich musste lachen. „Was?“ „Danke gleichfalls!“ sagte ich, um ihm eine Antwort zu geben. Er lächelte mich an. Dann löste er den Gurt und stieg aus. Er öffnete die Beifahrertür und ließ mich aussteigen. „Oh feiner Gentleman“ neckte ich ihn und lachte leise. „Tja für die beste Dame nur das Beste“ witzelte er im gehobenem Ton. Vor der Tür kramte ich nach dem Schlüssel und nach meinem Notizblock. Er verdrehte die Augen. „Müsst ihr Frauen das immer bei euch haben?“ Ich sah ihn verständnislos an. „Bitte!? Ich wollte gerade ein Stück Papier aus meinen wertvollen Terminplaner herausreißen, für so einen Kerl wie dich, und meine Nummer drauf schreiben aber das dein Interesse wahrscheinlich verloren ist und es ja sowieso sinnlos ist einen Planer mit sich herum zu schleppen....“ Ich ließ den Satz offen und er fing gleich an zu dementieren. „Nein, ihr Frauen seid doch spitze. Ohne diesen Planer... bitte gib mir deine Nummer!“ flehte er und ich schrieb sie ihm auf. „Hättest sie eh bekommen!“ lächelte ich ihn an. „Ich glaub ich muss mich jetzt geehrt fühlen.“ „Ja das musste du, ich geb die nicht jedem!“ Er schaute mir in die Augen. „Gute Nacht“ sagte ich und er lächelte. Dann kam er einen Schritt auf mich zu, stand somit ganz dicht vor mir und gab mir einen Kuss. Aber nicht wie erwartet auf die Wange. Nein auf den Mund. Ich wollte ihn eigentlich dafür beschimpfen aber dieser Kuss machte mich so durcheinander, dass ich es vergaß und seinen Kuss erwiderte. In mir kribbelte es überall und ich war völlig machtlos gegen ihn. Dennoch löste ich mich und sagte: „Ich muss jetzt schlafen!“ Er wünschte mir eine Gute Nacht und gab mir noch einen Kuss. Dann ging ich ins Haus, hinaus zu meinem Zimmer und sah ihn mit Warnblicke davon fahren.

Völlig beflügelt genoss ich die nächste Zeit. Ich verbrachte regelmäßig Zeit mit Mark. Er hatte mir 5 Tage nach unserem Kino- Date und unserem Zusammenkommen erzählt, dass er Sänger von Beruf ist. Er wollte mir nicht von Anfang an sagen, dass er bei einer der berühmtesten irischen Popbands singt, weil er schon so oft verarscht wurde. Das nahm ich ihm nicht über. Ich nahm es einfach so hin und er war unendlich glücklich, dass ich es so aufnahm und keinen großen Hehl daraus machte.

Er nahm mich dafür öfters mal ins Tonstudio mit oder zu den Treffen mit den Bandkollegen und ihren Freundinnen. Ich verstand mich mit allen prima. Auch mit seiner Familie, die ich einige Zeit später kennen lernen durfte. Meine Zeit mit Mark war einfach fantastisch, so dass mir meine Entscheidung in Irland zu bleiben leicht fiel ohne dass Mark mich davon überzeugen musste. Doch er wusste noch nichts davon. Die letzten Tage meines Au Pair- Aufenthaltes hatten wir herankommen lassen ohne uns allzu große Sorgen um das danach zu machen. Ich hatte jedoch alles schon geplant. In einer Woche sollte der Container mit ein paar Möbeln von zu Hause hier her kommen. Hier? Ja zu dem Haus, dass Marks Mom gekauft hatte. Natürlich nur im Voraus. Damit Mark nichts davon mitbekam. Denn alleine hätte ich es mir nicht leisten können. Mark sollte nur nichts erfahren, weil es auch sein Haus werden sollte.

Am letzten Tag sah Mark ziemlich traurig aus, weil er dachte, dass ich morgen abreisen werde. Ich hatte ihm das stets vorgelogen. „Lass uns noch einen Ausflug machen!“ schlug ich vor und wir stiegen in sein Auto. Ich fuhr. „Wo geht’s denn hin?“ „Überraschung. An einen schönen Ort. Romantisch. Dort war ich mal mit den Mounts!“ log ich ihm vor. Und er gab sich zufrieden. Während der Fahrt herrschte Stille. Mark schien nachdenklich. „Wieso bleibst du nicht einfach in Irland? Bei mir?“ „Mark, du weißt dass ich das nicht kann! Aber ich werde dich so oft wie möglich besuchen!“ Er blickte geknickt aus dem Fenster. In den letzten Tagen hatte er oft diese Frage gestellt und immer die gleiche Antwort bekommen.

In Malin angekommen, der Ort liegt ungefähr am nördlichsten Punkt von Irland, bog ich in einen schmalen Weg ein, man konnte das Häuschen schon sehen. Allerdings hielt ich etwas davon entfernt. Warum? Weil hinterm Haus alles zugeparkt war und das sollte er ja nicht mitbekommen. Ich nahm ihn bei der Hand und zerrte ihn Richtung Haus. „Was machen wir hier?“ „Komm ich zeig es dir. Ich liebe diese Gegend. Sie ist einfach wunderschön!“

Mark schaute immer noch etwas verwundert. „Wenn du meinst!“ Und nun schleifte ich ihn auch die Treppen hinauf zur Haustür. „Was machen wir hier? Wer wohnt hier?“ fragte er neugierig und auch etwas genervt, weil er ja nicht wirklich wusste, was das Ganze sollte.

Bis ich auf das Klingelschild tippte.

„Nein?“ sah er mich unglaublich und zugleich hoffnungsvoll an. Daraufhin nahm ich ihn in die Arme und bejahte. „Du bist verrückt. Wir wohnen hier?“ Er küsste mich und ich drängte ihn ins haus zu gehen. Zuerst kamen wir in einen kleinen Vorsaal, dann in die Küche und von da aus ging es ins Wohnzimmer. „Wem sind die ganzen Autos?“ fragte er noch etwas verdutzt während nun alle zusammen „Überraschung“ riefen! Und er staunte nicht schlecht. Mein Plan war aufgegangen. Alle waren sie da. Seine Familie, meine Gastfamilie, seine Bandkollegen und Manager und und und! Wir stießen alle mit Sekt an und während mir Mark immer wieder sagte, wie verrückt und hinterhältig ich sei, fühlte ich mich überglücklich. Alle unterhielten sich angeregt als Mark plötzlich auf den Wohnzimmertisch stieg. „Hey, ich- das Opfer- möchte mich bei euch- doch hinterlistigen Freunden- bedanken. Es war wirklich eine großartige Überraschung, doch bevor ihr uns in trauter Zweisamkeit allein lasst...“ er stieg vom Tisch herunter und kam auf mich zu. Oh nein! Dachte ich nur. Doch so war es. Er kniete sich tatsächlich vor mich. „Mein Schatz, ich weiß, dass wir noch gar nicht soo lange zusammen sind und du mir das wahrscheinlich noch ewig vorhalten wirst... aber ich möchte dich fragen, ob du meine Frau werden willst!“ Ich war überwältigt und brachte gerade noch so ein „Ja“ heraus. Ich sprang ihm in die Arme und wir verharrten so einige Zeit. Mir liefen ein paar Tränen die Wange hinunter bevor ich mich wieder aufrappelte und wir die Glückwünsche entgegen nahmen. Eine halbe Stunde später hatten wir unsere Gäste erfolgreich vertrieben und konnten uns vollkommen uns widmen. Da die Wohnung schon etwas eingerichtet war, entschlossen wir die Nacht hier zu verbringen. Und die wurde wirklich wunderschön.

Dass ich nach 3 Monaten Beziehung einem Heiratsantrag zustimmte hätte ich vorher nie im Leben gedacht. Und doch war es so. Im nächsten Sommer heirateten wir in Cork und verbrachten unsere Flitterwochen in der Karibik. Drei Wochen hatten wir uns gegönnt und brachten etwas Schönes mit zurück nach Irland. Einen positiven Schwangerschaftstest und ganz viel Vorfreude auf die kommende Zeit.

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