Piep, piep, piep... Unsanft wurde ich von meinem Wecker aus dem Schlaf gerissen.
Welcher Idiot hatte den denn gestellt? Schließlich waren seit gestern
Ferien. Ich schaute auf die Uhr und stöhnte auf. 5 Uhr zeigte er mir an.
Ich ließ mich zurück in mein Kissen fallen. Verdammt. Jetzt fiel
es mir wieder ein und ich war schlagartig wach. Heute war der ersten Ferientag
und ich würde mit ein paar Freundinnen aus meiner Klasse in den Europa
Park fahren. Wir hatten das schon lange geplant und die Fahrt bei einem Busunternehmen,
das jährlich in den Freizeitpark fuhr gebucht. Zuerst wollte ich gar nicht
mitfahren, denn ich war die Einzige, die um Achterbahnen einen großen
Bogen machte. Aber dann hatte ich mich doch entschlossen mitzugehen. Würde
ich eben allein die etwas harmloseren Attraktionen fahren, hatte ich mir gedacht.
So stand ich jetzt eben in aller Herrgottfrühe auf und schlich ins Bad
und danach frühstücken. Der Rest meiner Familie schlief natürlich
noch und so richtete ich meine Sachen für den Ausflug her und ging dann
zur Bushaltestelle. Meine Eltern wussten ja Bescheid und so hatte ich nur einen
Zettel auf den Küchentisch gelegt und darauf geschrieben, dass ich anrufen
würde. Der Bus kam auch bald und meine Freundinnen winkten mir zu als sie
mich sahen. Die sahen alle richtig fit aus, im Gegensatz zu mir. Der Busfahrer
öffnete die Tür und ich stieg ein.
" Hi!", rief es mir von allen Seiten zu.
" Hallo", begrüßte auch ich meine Freundinnen und ließ mich
neben Eva in den Sitz fallen. Mehr bekam ich nicht mit, denn ich war sofort
wieder eingeschlafen, obwohl ich weder im Bus, noch im Auto so richtig schlafen
konnte. Ich wachte erst wieder auf, als wir uns schon an der Autobahn Ausfahrt
in Richtung Rust, wo der Europa Park war, befanden.
" Auch wieder unter den Wachen?", fragte mich Eva. Ich nickte nur und rieb meine
Augen.
" Sag mal Juliane, wie konntest du denn bei dem Radau hier im Bus schlafen?",
fragte Tina von vorne, die mitbekommen hatte, dass ich wach war.
" Das ist mir auch ein Rätsel", meinte ich, denn im Bus war alles andere
als eine passenden Lautstärke zum schlafen. Ich holte aus meinem Rucksack
meinen Discman heraus und legte das fünfte Album von Westlife ein.
" Oh Mandy...", sang ich leise mit und wurde wieder ein bisschen traurig, dass
ich die Jungs dieses Jahr nicht auf einem Konzert erleben durfte, da sie nicht
in nach Süddeutschland kamen und meine Eltern nicht erlaubt hatten, woanders
hinzufahren.
Endlich waren wir dann am Ziel unserer Fahrt und die Eingagstore des Europa
Parks ragten uns entgegen. Seit drei Jahren war ich schon nicht mehr hier gewesen.
Früher war ich mit meiner Familie fast jedes Jahr im Park gewesen. Wir
übernachteten immer in einem der Erlebnishotels, damit wir mehr vom Freizeitpark
hatten, der so groß war, das man die Attraktionen an einem Tag nicht schaffen
konnte.
Wir stürmten aus dem Bus heraus und gleich in den Park. Eintrittskarten
hatten wir schon, da wir ja diesen Ausflug von der Busfahrt bis zur Eintrittskarte
gebucht hatten.
" Fahren wir gleich Silver Star?", fragte Tina und meinte damit die größte
Achterbahn des Parks und machte sich schon auf den Weg dorthin.
" Jetzt warte doch mal!", rief Corinna. " Besprechen wir doch erst mal ob wir
Gruppen machen und was wir alles fahren wollen!", schlug diese vor. Ich hielt
mich raus, da ich sowieso andere Interessen hatte, als die anderen. Tina kam
wieder zurück und jeder redete nun durcheinander, was er machen wollte.
Da wir zu zehnt waren teilten wir uns in Gruppen auf. Die eine Gruppe, in der
auch Tina war, ging zur Silver Star. Die zweite Gruppe wollte zuerst mit der
Euro Mir fahren, auch eine Achterbahn und in der dritten Gruppe, waren außer
mir noch Eva und Corinna, wir wollten erst mal ein wenig durch den Park laufen
und hatten keinen genauen Plan was wir zuerst machen wollten. Corinna war auch
nicht gerade ein Freund von Achterbahnen, aber sie wollte später noch ein
oder zwei ausprobieren. Eva war mir zu Liebe mitgegangen, obwohl sie schon gerne
Euro Mir gefahren wäre.
" Du hättest echt nicht mit mir mitgehen müssen", sagte ich zu ihr,
denn hatte ein schlechtes Gewissen, da sie extra wegen mir verzichtet hatte.
" Ist schon okay", meinte sie nur, doch ich kannte sie gut genug um zu wissen,
dass es nicht okay war. Wie entschieden uns als erstes mit dem Wildwasser Rafting
zu fahren, da es schon ziemlich heiß war und wir eine Abkühlung dringend
nötig hatten. Wir stellten uns also an die Schlange und wedelten mit der
Hand vor unseren Gesichtern herum, da es fast unerträglich heiß war,
obwohl wir erst elf Uhr hatten. Endlich kamen wir an die Reihe und setzten mit
drei anderen Mädels, die wir aber nicht kannten, in eines dieser roten
Boote und ab ging die Fahrt. Wir kamen danach halb nass aus dem Boot, aber das
war uns bei der Hitze total egal. Wir liefen weiter und begegneten der " Euro
Mir Gruppe". Eva schloss sich ihnen dann an, nachdem sie mich ungefähr
hundert mal gefragt hatte, ob das okay war und ich hundert mal gesagt hatte,
dass sie ruhig gehen könne. Da waren es also nur noch zwei. Corinna und
ich. Doch auch irgendwann wollte sie endlich auch mal eine Achterbahn ausprobieren
und machte sich auf die Suche, nach einer der anderen Gruppen und so war ich
alleine. Ich schlenderte eine wenig im Park herum und setzte mich dann in ein
Cafe, da mein Magen langsam zum Knurren anfing. Ich holte mir an der Theke Pommes,
Salat und zum Nachtisch ein Stück Kuchen und setzte mich an einen kleinen
Tisch. Ich aß eine Pommes nach dem anderen und beobachtete die Leute,
die am Cafe vorbei liefen.
" Kann ich mich zu dir setzten?", fragte mich plötzlich eine männlich
Stimme neben mir. Ich schauten nicht auf und nickte nur.
" Bist ja nicht sehr gesprächig, oder?", wurde ich gefragt. Wurde der jetzt
auch noch unverschämt? Ich blickte auf. Gegenüber von mir, saß
ein Junger Mann mit Sonnenbrille und Capi , was bei dem Wetter ja sehr verständlich
war.
" Normalerweise nicht!", sagte ich und grinste ihn an. An irgendjemanden erinnerte
er mich, mir fiel aber nicht ein, an wen.
" Bist du alleine hier?", fragte er mich.
" Bist ja ganz schön neugierig", sagte ich. " Ich bin mit Freundinnen hier",
antwortetet ich trotzdem auf seine Frage. Er schaute sich suchend um. Ich musste
lachen. Sah schon zu komisch aus.
" Und wo sind die?", fragte er weiter.
" Alle Achterbahn fahren!", erklärte ich ihm. " Und du?" Nun interessierte
mich schon, was er hier machte.
" Ich bin eigentlich mit meinen Kumpels hier, aber die hab ich im Getümmel
irgendwie verloren." Ich war nun mit meinem Essen fertig und wollte wieder gehen.
" Ich geh dann mal wieder", sagte ich zu ihm.
" Kann ich mitkommen?", fragte er und grinste schon wieder total süß.
Und wieder erinnerte er mich an jemanden, doch mir wollte immer noch nicht einfallen
an wen.
" Von mir aus!", sagte ich nur. " Wo gehen wir hin?"
" Hast du Lust mit mir die Wildwasserbahn zu fahren?" Ich verzog das Gesicht.
Einmal war ich da mitgefahren und hatte mir geschworen es nie wieder zu tun.
" Ach komm schon. Bitte!", bat er mich.
" Na gut!", sagte ich widerwillig. Als wir dann in der Schlange standen, bereute
ich meine Entscheidung schon wieder.
" Wie heißt du eigentlich?", fragte ich ihn, da mir einfiel, dass ich
seinen Namen noch gar nicht wusste.
" Äh... Nicky", sagte er mir. Ich dachte ich höre nicht richtig. Nicky
hieß schließlich auch einer von Westlife. Ich schaute ihn fragend
an und plötzlich ging mir ein winzig kleines Lichtchen auf, an wen er mich
die ganze Zeit schon erinnerte. Ich starrte ihn an und wollte ihn schon fragen,
ob er vielleicht mal seine Sonnenbrille abnehmen könnte, als er es von
selbst tat. Und da stand doch tatsächlich Nicky von Westlife vor mir und
grinste mich an. Ich musste mich irgendwo festhalten. Ich konnte es nicht fassen.
Er grinste immer noch und zog seine Sonnenbrille wieder auf.
" Und wie heißt du?", fragte er ganz gelassen.
" Juliane", antwortete ich ihm und konnte es immer noch nicht fassen. Ich wusste
auch nicht, was ich nun zu ihm sagen sollte. Ich hatte das Gefühl, als
würde dann nur Mist dabei herauskommen. Dann waren wir auch schon an der
Reihe. Mit einem kleinen Mädchen und ihrem Papa wurden wir in eines dieser
Kanus gesetzt und los ging es. Zu meinem Entsetzten saß ich ganz vorne.
Nicky saß hinter mir. Unser Boot wurde in die Höhe gezogen. Am liebsten
wäre ich rausgesprungen. Das hinter mir Nicky von Westlife saß, war
in meinen Hinterkopf geraten. Das einzige woran ich dachte, war, wie ich aus
diesem verdammten Boot heraus kommen würde.
Ich hatte die Fahrt doch tatsächlich überlebt und im Nachhinein war
es gar nicht mehr so schlimm.
" Darf ich dich mal was fragen?", fragte ich Nicky.
" Alles was du willst!"
" Was machst du hier?" Erstaunt schaute er mich an.
" Ich bin mit den anderen Jungs hier und wir wollten ein wenig von dem ganzen
Alltagsstress abschalten und dachten uns, wir könnten ja in einen Freizeit
Park gehen." Und plötzlich sah ich ihn nicht mehr als Nicky von Westlife,
sondern als einen ganz normalen Menschen, der sich hier vergnügen wollte.
" Also, was fahren wir als nächstes?", fragte ich ihn.
" Wie wäre es mit Poseidon im Griechischen Bereich? Bin ich heute morgen
schon gefahren und es war echt spitze!" Ich schluckte einmal und stimmte ihm
dann zu, obwohl es für mich eine riesige Überwindung war, mir einer
Achterbahn zu fahren. Wir standen mal wieder in der Schlange, doch diese Mal
überlegte ich mir nicht, wie ich fliehen könnte. Ich musste auch einmal
über meinem Schatten springen.
Die Wartezeit kam mir total kurz vor. Vielleicht lag es auch daran, dass Nicky
ununterbrochen redeten. Wir kletterten ins Boot und es setzte sich in Bewegung.
Langsam bekam ich wieder weiche Knie und Nervenflattern.
" Was ist denn los? Du bist ja ganz weiß im Gesicht?", fragte Nicky besorgt.
Verdammt. Sah man mir das so deutlich an, dass ich mich nicht so ganz wohl fühlte?
" Ist nichts", sagte ich nur. Nicky legte seinen Arm um mich und es war, als
würde sich die ganze Angst von mir lösen.
Als wir aus dem Boot steigen, fühlte ich mich, als müsste ich gleich
noch einmal fahren.
Wir gingen weiter zur nächsten Achterbahn, dem Matterhornblitz.
" Du wirst ja noch zu einem richtigen Achterbahnfan", meinte Nicky.
" Das glaube ich auch. Hätte ich ja nie gedacht. Wenn du kein Problem damit
hast, dann bist du schuld daran!"
" Die Schuld nehme ich gern auf mich!", sagte Nicky lachend und nahm meine Hand.
" Äh... Nicky?", sagte ich und zeigte auf unsere Hände. Er grinste
wieder mit diesem süßen grinsen, das er hatte.
" Was ist denn? Darf ich meine neue, gute Freundin nicht an der Hand halten?",
fragte er mich.
" Doch. Schon", meinte ich zögernd.
" He, mach dir keine Sorgen. Gina hätte damit kein Problem!", sprach er
meine Sorgen an.
Auch diese Achterbahn hatte ich gut und mit Freude überstanden. Ich konnte
gar nicht mehr genug davon bekommen. Nickys Handy klingelte.
" Ja, ist okay!", sagte er. " Ja bis gleich!" Er legte auf.
" Das war Kian. Wir treffen die anderen in fünf Minuten bei der Schweizerbobbahn",
erklärte er mir.
Die Schweizerbobbahn war ganz in der Nähe und wir brauchten nicht lange
bis wir dort waren. Da standen auch schon die andere Jungs. Kian, Shane und
Mark.
" Hey Nicky, wen hast du denn da dabei", fragte Shane uns schaute von Nicky
zu mir.
" Darf ich vorstellen, Jungs. Das ist Juliane. Hab sie vorher in einem Cafe
kennengelernt und jetzt habe ich sie zum Achterbahnfan gemacht", erzählte
Nicky den anderen. " Juliane, das sind Mark..."
" Nicky, das weiß ich doch", unterbrach ich ihn. Alle vier grinsten, ich
ebenfalls. Und wieder einmal reihten wir uns in die ewige Warteschlange ein.
Ich durfte dann die Schweizerbobbahn mit Kian fahren, der Nicky solange darum
gebeten hatte bis er ja gesagt hatte. Ich wurde hier wohl nicht mehr gefragt!!
Als auch diese Fahrt zuende war hörte und wir heraußen waren, hörte
ich neben mir etwas Knurren.
" Oh Sorry. Das war wohl mein Magen!", entschuldigte sich Shane.
" Können wir irgendwo was essen gehen?", fragte Mark. Alle waren einverstanden
und es stellte sich heraus, dass Mark, Shane und Kian, den ganzen Tag noch nichts
gegessen hatten.
" Wir sind vier mal mit der Silver Star gefahren und dann noch mit der Euro
Sat dreimal. Da sind wir einfach nicht zum Essen gekommen!", erklärte Kian.
Wir kauften am Pizzastand im Italienischen Bereich fast den ganzen Vorrat und
die Verkäuferin guckte uns ziemlich verwundert an. Wir setzten uns ins
Gras und aßen genüsslich die Pizzas. Ich muss zugeben, dass ich,
obwohl ich zu Mittag gegessen hatte, trotzdem einen riesigen Hunger hatte. Die
Pizzas waren schnell alle und Kian holte noch einmal Nachschub. Ich konnte nicht
mehr und wunderte mich, wie viel, die in sich hineinstopfen konnte.
" Was machen wir denn jetzt?", fragte Shane in die Runde. Ich schaute auf meine
Uhr und stellte fest, dass es schon vier Uhr war. Um sechs Uhr fuhren wir schon
wieder zurück.
" Ich muss jetzt mal kurz meine Eltern anrufen", sagte ich uns holte mein Handy
raus. In der Zwischenzeit, hatten die anderen beschlossen jetzt mal ihre kindliche
Seite heraushängen zu lassen, denn sie wollte unbedingt ins Wickyland.
" Das ist jetzt aber nicht euer Ernst, oder?", fragte ich fast schon wieder
entsetzt, musste aber trotzdem lachen.
" Doch!", sagte Mark bestimmt und kopfschüttelnd lief ich ihnen hinterher.
Im Wickyland flippten sie dann völlig aus. Dort gab es nämlich kleine
Boote, die sich im Kreis drehten.
" Da fahren wir mit!", bestimmte Shane und sie stürmten zu den Booten,
dass die kleinen Kinder, die auch mitfahren wollten Angst bekamen. Ich fuhr
nicht mit. Ich stellte mich außen hin und zückte meinen Foto. So
etwas musste man einfach festhalten, wie die vier erwachsenen Männer sich
aufführten wie Kinder. Fand ich ja zu süß, wenn ich ehrlich
war. Danach musste sie natürlich noch die großen Rutschbahnen ausprobieren.
Nicky nahm meine Hand und zog mich mit. Wir kletterten die Leitern hoch und
Nicky und ich rutschten gemeinsam hinunter.
" Kommt, wir kapern das Wikingerschiff!", forderte Kian uns auf und lief auf
das große Schiff zu, auf das man gehen konnte und mit Spritzpistolen auf
andere schießen konnte. Wir kaperten dann wirklich das Schiff, denn als
wir angerannt kamen, bekamen die Kinder, die dort oben gespielt haben, es vermutlich
mit der Angst zu tun, denn sie flüchteten alle.
" Was ist den mit denen los?", fragte Kian erstaunt.
" Sie sind es wahrscheinlich nicht gewohnt, dass vier erwachsenen Männer
auf das Schiff zu stürmen!", sagte ich zu ihm und er schaute mich verdutzt
an. Shane und Mark spritzen inzwischen schon die Menschen nass, die vor dem
Schiff standen. Wieder musste ich Fotos machen.
Danach schien es ihnen aber zu reichen, denn wir machten uns auf den Weg zur
Euro Mir.
" Wie lange bleibt ihr hier in Deutschland?", fragte ich die Jungs, als wir
zum hundertsten Mal in einer diesen endlosen Warteschlangen standen.
" Morgen Abend fliegen wir zurück nach Irland. Wir übernachten heute
hier in einem der Hotels im Park und testen morgen noch ein paar Attraktionen",
erzählte Nicky.
" Wann musst du denn wieder nach Hause?", fragte mich Kian.
Ich schaute auf die Uhr.
" Es bleiben mir noch knapp anderthalb Stunden. Dann fährt unser Bus",
sagte ich und mir wurde klar, dass ich nicht mehr viel Zeit mit den Jungs verbringen
konnte.
" Das ist aber schade", meinte Shane und wir rutschten in der Schlange circa
einen halben Zentimeter weiter vor.
" Und wenn du einfach über Nacht bleibst?", fragte Nicky. " Wir haben zwei
Suiten gebucht und da es hier nur Familienzimmer gibt, ist noch genug Platz
für dich." Die anderen drei nickten zustimmend.
" Ist das euer Ernst?", fragte ich, denn ich konnte es noch nicht so recht glauben,
dass sie mir wirklich anboten, bei ihnen zu übernachten.
" Ist es. Also, bleibst du?", hakte Nicky nach und lächelte ganz lieb.
" Ja", sagte ich und freute mich wie ein Schneekönig. " Da gibt es nur
in Problem!" Mir war eingefallen, dass ich weder Zahnbürste noch einen
Schlafanzug dabei hatte.
" Das ist doch kein Problem. Nach einer Zahnbürste fragen wir einfach an
der Hotelrezeption und zum schlafen kannst du ein T- Shirt von mir haben", meinte
Nicky. War ja echt lieb von ihm. Und endlich durften wir auch mit der Euro Mir
fahren.
" Hey Eva!", begrüßte ich meine Freundin, die ich auf ihrem Handy
angerufen hatte. " Hör zu, ich fahre nicht mit euch nach Hause. Ihr braucht
auch nicht auf mich zu warten", erklärte ich ihr.
" Wieso nicht? Wie kommst du denn dann heim?"
" Ich bleib hier im Hotel über Nacht. Hab jemanden kennengelernt. Muss
jetzt aber Schluss machen, mein Akku ist fast leer", beendete ich das Telefonat.
Das mit dem Akku stimmte zwar nicht, aber ich hatte keine Lust gehabt ihr genaueres
zu erklären.
" Und, was machen wir jetzt noch?", fragte ich in die Runde.
" Gehen wir doch ins Hotel und kühlen uns im Swimming- Pool ab", schlug
Nicky vor, was ich eine gute Idee fand, da es jetzt mindestens 35 Grad im Schatten
hatte und meine Klamotten an mir klebten. Die anderen waren aber von der Idee
nicht so begeistert.
" Fahren wir lieber noch einmal Silver Star", meinte Mark. Das wollten auch
Kian und Shane und so ging ich mit Nicky zusammen ins Hotel. Jetzt gab es natürlich
noch ein Problem. Ich hatte natürlich keinen Bikini dabei. Wer konnte auch
damit rechnen, dass er Westlife im Europa Park traf und die einen dann ins Hotel
einladen würden? So ging Nicky zur Rezeption fragte, ob sie nicht Zahnbürsten
und Bademoden verkaufen würden. Taten sie natürlich nicht, aber da
sie Nicky erkannten, ließen sie von einem Drogeriemarkt im Ort viele Zahnbürsten
zum aussuchen bringen und natürlich auch Bikinis. Allerdings nicht vom
Drogeriemarkt. Wo sie die hernahmen, wusste ich nicht. Ich hatte da also zwanzig
verschiedene Zahnbürsten vor mir liegen und sollte mich nun entscheiden,
welche ich haben wollte. Ich nahm dann eine stink normale blaue, denn ich legte
nicht so einen großen Wert auf das Aussehen von Zahnbürsten. Bei
den Bikinis fiel es mir allerdings richtig schwer. Nicky und ich hatten sie
mit aufs Zimmer genommen, das übrigens im Burg Hotel lag, einem Hotel,
dass aussah wie eine Burg, nicht nur von außen, sondern auch von innen.
Ich zog einen Bikini nach dem anderen an und führte sie dann Nicky vor.
Am Ende kaufte Nicky mir zwei Stück, denn ich, beziehungsweise wir konnten
uns einfach nicht entscheiden. Und endlich konnten wir in die Fluten springen.
" Ah! Das hab ich jetzt gebraucht", meinte ich, als ich das kühle Wasser
um mich herum hatte. Nicky und ich schwammen um die Wette, wobei ich mich ihm
eindeutig geschlagen geben musste. Er war fast doppelt so schnell wie ich. Um
uns herum planschten Kinder und spritzten sich gegenseitig nass.
" Die sind ja echt goldig", sagte Nicky zu mir.
" Stimmt", konnte ich ihm nur zustimmen. Wir gingen aus dem Wasser heraus und
setzten uns auf zwei freie Liegen. Nicky nahm ein Handtuch und legte es mir
um die Schultern. Ich rubbelte mich trocken. Dann legte ich mich hin und sah
den Kids beim spielen zu.
" Danke noch mal, dass ich hier bleiben darf", sagte ich zu Nicky.
" Das ist doch kein Problem. Weißt du, man trifft nicht jeden Tag so Leute
wie dich. Sobald jemand merkt, wer ich bin, rasten sie alle völlig aus,
aber bei dir habe ich das Gefühle, dass du mich nicht als den Popstar Nicky
siehst, sondern als den Mensch Nicky." Das hatte er echt süß gesagt.
" Da hast du Recht. Am Anfang hatte ich noch gedacht ’ Wie soll ich mich denn
jetzt verhalten’ , aber dann war mir das eigentlich egal, dass du berühmt
bist. Klar, ich bin ein großer Fan von euch. Aber daran wird sich nichts
ändern, nur weil ich euch jetzt kenne", sagte ich. Dann sprang Nicky plötzlich
auf, hob mich hoch und schmiss mich doch tatsächlich ins Wasser. Ich tauchte
prustend wieder auf und strich meine Haare aus meinem Gesicht.
" Du... du... du", rief ich empört, denn mir fiel nichts besseres ein.
Nicky sprang auch ins Wasser und ich versuchte ihn, zur Rache unterzutauchen.
Das gelang mir allerdings nicht. Wir tollten noch ein wenig im Wasser herum
und wieder hatte ich das Gefühl, als wäre Nicky kein erwachsener Mann.
Später gesellten sich dann Shane, Mark und Kian zu uns.
Zum Abendessen musste ich wieder meine verschwitzten Kleider anziehen, was
ich nicht so toll fand. Aber Nicky meinte, dass wir meine Klamotten über
Nacht bestimmt waschen lassen können und ich sie morgen dann wieder frisch
anziehen könnte. War ja verdammt lieb, wie er sich um mich kümmerte.
Wir saßen an einem langen Tisch und starrten alle in die Speisekarten.
Schon nach wenigen Sekunden legten die Jungs ihre Karten weg. Hatte wohl ziemlich
schnell was gefunden. Ich allerdings konnte mich beim besten Willen nicht entscheiden,
was nicht gerade untypisch war. Ich brauchte normalerweise immer am längsten,
bis ich mich für ein Gericht entscheiden konnte. Als dann die Bedienung
kam und uns nach dem Essen fragte, zählte ich mal schnell aus, was ich
essen sollte und landete bei Schnitzel mit Pommes.
" Also ich nehme, einmal Schnitzel mit Pommes", meinte Mark.
" Für mich bitte auch", sagte Kian.
" Ich nehme ebenfalls Schnitzle mit Pommes", meinte Shane und ich schlug schnell
noch mal die Speiskarte auf, um mich für etwas anderes zu entscheiden.
Die Bedienung guckte sowieso schon so komisch.
" Ich hätte bitte auch Schnitzel mir Pommes", sagte Nicky und die Bedienung
schaute noch dümmer aus der Wäsche.
" Für mich bitte die große Salatplatte!", bestellte ich, da ich normalerweise
mir einem großen Salat gut satt wurde. Die Bedienung schaute mich irgendwie
dankbar an. War aber auch zu komisch, wenn vier erwachsenen Männer alles
Schnitzel mit Pommes bestellten. Das Essen brauchte ewig und trotz der vielen
Pizzas, die wir am Nachmittag gegessen hatten, hörte man schon wieder unsere
Mägen knurren. Freizeit Parks machten eben hungrig!
Das Essen war echt lecker und danach gingen wir noch an die Bar. Die vier Westlifer
guckten ganz schön komisch, als sie auf der Getränkekarte nirgends
ein Guinness finden konnten. Aber wir hielten es dort nicht lange aus, denn
wir waren ale ziemlich müde. Ich ging mit Nicky auf ein Zimmer und die
restlichen Jungs teilten sich die zweite Suite.
Wenig später kuschelte ich mich in dem Stockbett in meine Decken. Nicky
legte sich ins Doppelbett. Ich musste ja nicht unbedingt auch noch im selben
Bett wie er schlafen.
" Schlaf schön, Juliane", sagte er.
" Du auch." Ich schlief ziemlich schnell ein.
Am nächsten morgen wurden wir unsanft geweckt.
" Aufstehen ihr zwei!", rief Shane und mitten in unserem Zimmer. Woher hatten
die denn den Schlüssel genommen?
" Wie spät isses denn?", nuschelte Nicky verschlafen.
" Gleich halb acht! Und das heißt", Shane machte eine kleine Kunstpause,
" gleich gibt es Frühstück!" Das sang er beinahe schon. Ich war so
müde und zog mir meine Bettdecke über den Kopf.
" He du Schlafmütze!", sagte Kian und zog mir die Bettdecke weg. Na danke
auch.
Wenig später waren wir alle fit fürs Frühstück und schnell
war der Tisch belagert mit Müsli, ewig vielen Broten, Marmelade, Nutella,
Joghurt und Orangensaft. Da wusste man gar nicht, womit man anfangen sollte.
Ich entschloss mich dann für den leckeren Joghurt. Plötzlich fing
Mark an, seine Cornflakes über den Tisch zu mir hinüber zu schnipsen.
" Was soll denn das?", fragte ich ihn, doch er schnipste ein weiteres zu mir.
Ich griff mir dieses und ließ es zu ihm zurück fliegen. Irgendwie
fanden wir alle unseren Spaß daran und bald flogen von allen Seiten des
Tisches die Cornflakes. Die anderen Leute um uns herum schauten schon komisch...
Nachdem wir unsere Müslischlacht... äh unser Frühstück
beendet hatten, zogen wir auch gleich wieder in den Park los. Und hatten Nicky
und ich gerade noch blinzeln können, waren die anderen drei schon verschwunden.
Wir schauten in alle Richtungen, doch sie waren nirgendwo zu entdecken.
" Und was machen wir jetzt?", fragte ich Nicky.
" Gehen wir doch ein paar Souvenirs kaufen", schlug er vor. Das fand ich eine
super Idee und wir fanden uns sogleich in einem dieser Andenkensläden wieder.
Doch wir fanden nicht wirklich was.
" Ich hab Gina versprochen, ihr etwas mitzubringen", meinte Nicky schon kurz
vor der Verzweiflung, als wir nach dem dritten Laden immer noch nichts gefunden
hatte. Da fiel mir der kleine Schmuckladen im Park ein. Erst muss man durch
eine Höhle laufen, durch die auch die Wildwasserbahn geht und dann kommt
man irgendwann dahin. Nicky fand die Idee super und wir machten uns auf den
Weg dorthin.
Dort wurden wir auch endlich fündig und wir konnten uns wieder den Attraktionen
widmen.
Ich wollte unbedingt noch die Eislaufshow anschauen. Die war immer einen Besuch
wert. So auch heute. Und dann trafen wir auch die anderen Jungs wieder, die
gemütlich in der Sonne saßen und an einem Eis herum lutschten.
" Ich muss nachher unbedingt noch mit den Oldtimern fahren", meinte Shane begeistert
und alle stimmten zu, auch wenn das keine allzu spannende Attraktion war. Man
musste halt ein bisschen die Autos auf einer Strecke herumlenken.
Als ich dann aber mit Nicky in einem der Oldtimer saß, änderte ich
meine Meinung über die Spannung ganz schnell wieder. Nicky fuhr so einen
Mist zusammen. Na wenn der auf der Straße auch so fuhr...
Zum Abschluss an diesem Tag, fuhren wir noch einmal Poseidon. Dann mussten
wir leider den Park verlassen, denn Shane, Nicky, Kian und Mark mussten ja heute
noch nach Irland zurück fliegen. Wir stiegen also in einen Minibus, denn
sie fuhren mich davor noch nach Hause. Zum Glück fuhr aber nicht Nicky,
sondern ihr Tourbusfahrer, dessen Namen ich mir irgendwie nicht merken konnte.
Und dann hieß es Abschied nehmen. Ich umarmte Kian, dann Shane und dann
Mark. Zum Schluss kam dann Nicky dran.
" Wir müssen uns ganz bald wieder sehen", meinte er und drückte mich
fest an sich.
" Auf jeden Fall. Ich werde dich vermissen", sagte ich.
" Du kannst uns ja mal in Irland besuchen. Wenn du magst." Natürlich mochte
ich. Das war doch gar keine Frage. Ich gab ihm ein Bussi und er stieg wieder
in den Minibus ein. Ich winkte ihnen noch hinterher und freute mich schon auf
ein Wiedersehen.