Fortsetzung zu 'Mandy'

Jeden Tag quälte er sich mit diesen Gedanken. Den Gedanken daran, ob er ihren Tod hätte verhindern können? Hätte er sie nicht so drängen sollen ihm alles zu erzählen? Hätte er ihr mehr Zeit geben sollen? Zeit die er kaum hatte, denn er war ständig mit seiner Band unterwegs. Gab hier ein Interview und jettete zum nächsten Auftritt.

Immer wieder gingen ihm diese Gedanken durch den Kopf, aber er fand nicht wirklich Antworten dafür. Jedenfalls noch nicht jetzt."Bryan? Alles klar mit dir?" fragte Nicky. Auf seine Frage vernahm er ein leises stöhnen, dann rieb sich Bryan seinen rechten Knöchel.

"Verfluchter Scheißdreck!" schrie er laut auf. Nun eilten auch die anderen zu ihm.

"Was? So schlimm?" fragte Shane erschrocken, und kniete sich neben ihn.

"Nein! Ich mag es mir den Knöchel zu verstauchen. Was für ein

e blöde Frage Filan! Natürlich ist es schlimm", reagierte Bryan gereizt auf seine Frage. Shane hob entschuldigend die Arme und sah Bryan an.

"Hier, leg das auf den Knöchel. Du musst ihn kühl halten", sagte Mark, und reichte ihm ein nasses kaltes Handtuch. Kian wählte unterdessen die Nummer des Notdienstes, denn Bryan musste unverzüglich ins Krankenhaus. In 2 Wochen startet die erste Tournee der Jungs, und bis dahin musste er wieder auf die Beine kommen. Nicky machte sich auf die Suche nach Anto, damit er ihm den Zwischenfall melden konnte. Insgeheim hoffte er, dass sie dadurch ein paar freie Tage bekommen würden. Er hatte Sehnsucht nach Georgina und seiner Familie.

"Nicky? Ist was passiert? Wieso bist du nicht bei den Proben?" fragte Anto ruhig, aber in seiner Stimme hörte man die Anspannung heraus.

"Bryan hat sich den rechten Knöchel verstaucht. Der Arzt dürfte die nächsten Minuten hier eintreffen."

Kaum hatte Nicky seinen Satz beendet, stürmte Anto in den Saal, wo die Proben stattfanden.

Kurz nach Antos eintreffen, kam auch der Arzt.

Bryan wurde auf eine Trage verfrachtet und ins nächste Krankenhaus transportiert. Anto fuhr hinterher.

Shane, Mark, Nicky und Kian hatten vorerst den restlichen Tag frei. Man konnte gar nicht so schnell gucken, wie die Jungs in ihre Autos stiegen und davon brausten.

Mit einem Lächeln im Gesicht schloss Nicky die Haustür auf und ließ seine Tasche auf den Boden fallen. Dann machte er sich auf die Suche nach Georgina.

"Geo? Ich bin wieder da!" rief er, aber bekam keine Antwort. "Mhm. Vielleicht ist sie ja shoppen", sagte er zu sich selbst, und ging dann ins Bad. Er brauchte jetzt unbedingt eine Dusche.

Kurz nachdem er sich unter die Dusche gestellt hatte, kam Georgina nach Hause. Aber sie war nicht allein.

"Oh, Nix ist schon da. Wusste gar nicht, daß sie heute so früh Schluss machen", sagte sie zu Jenny.

"Wer weiß was da schon wieder los ist", sagte Jenny darauf. Dann gingen beide in die Küche, um die Einkäufe aus zu packen, und Essen zu kochen.

Nur mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen kam Nicky die Treppe herunter.

"Mhm, das riecht aber...oh, hi Jenny", sagte er. Dann ging er zu Georgina, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und schlang seine Arme um ihre Hüften.

"Ich bin jeden Tag aufs neue glücklicher darüber, das wir uns versöhnt haben", flüsterte er ihr ins Ohr.

"Und Jenny? Alles klar bei dir?" fragte er.

Jenny nickte nur, dann holte sie den Auflauf aus dem Ofen. Georgina nahm 3 Teller aus dem Schrank und stellte sie auf den Esstisch in der Küche.

"Du solltest dir was anziehen gehen, Schatz", sagte sie zu Nicky, und warf ihm einen liebevollen Blick zu. Ohne lange zu zögern sprintete Nicky nach oben und verschwand im Schlafzimmer.

"Tut mir leid Jenny, er weiß es noch nicht", entschuldigte sie sich bei ihrer Freundin.

"Ist schon okay. Kian weiß es ja auch noch nicht. Ich hoffe, ich bin stark genug das zu tun."

Sie atmete einmal tief durch, dann brachte sie den Auflauf zum Tisch. In diesem Moment kam Nicky angezogen zurück in die Küche, und sie konnten endlich essen.

"Und er ist wirklich gebrochen? Können sie sich da nicht vielleicht geirrt haben?"

"Ähm Mr. Byrne, ich bin mir da ganz sicher, denn die Röntgenbilder zeigen eindeutig einen Bruch. Oder wollen sie etwa behaupten ich hab keine Ahnung davon", erwiderte der Arzt empört.

"Oh Gott, nein. Natürlich nicht. Es ist nur so. In 4 Wochen startet die erste große Tour der Jungs, und da...na da kann ich so was absolut nicht gebrauchen."

"Was glauben sie denn was ich da jetzt machen soll? Es dauert mindestens 4 bis 6 Wochen bis der Bruch verheilt ist, und dann kommen noch mal ein paar Wochen Schonzeit auf ihren Schützling zu."

"Okay. Formulieren wir das anders. Wann wird er wieder völlig fit sein? Ich meine, wann kann er seinen Fuß wieder vollständig belasten?"

"In 12 Wochen, eher auf keinen Fall", sagte der Arzt, und sah Anto über seine Brille hinweg an.

Anto schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.

"Das hat mir grad noch gefehlt. Danke Doc."

Dann machte er sich auf den Weg zu Bryan ins Zimmer.

"Und was hat er gesagt, Anto?"

"Du kriegst gleich einen Gipsverband. Der Fuß is gebrochen. Das war es dann erst einmal mit der Tour."

Bryan riss seine Augen auf und schüttelte verstört den Kopf.

"Oh nein! Bitte sag, dass das nicht wahr ist?"

Anto zuckte mit den Schultern. Er konnte es nun mal nicht ändern, wenn Bryan einfach zu tollpatschig war.

"Da müssen wir jetzt durch. Ich sag Louis Bescheid. Soll ich noch jemanden anrufen? Vielleicht deine Freundin?"

"Ja, sag Kerry gleich noch Bescheid, das wäre nett von dir", sagte Bryan leise.

Dann verschwand Anto aus dem Zimmer.

Nicky räumte gerade die Spülmaschine ein, als es an der Tür klingelte.

"Ich geh schon!" rief er laut, und machte sich auf den Weg zur tür.

"Hey Ki! Was führt dich hierher?"

"Ist Jenny bei euch?"

"Komm doch erst mal rein. Und ja sie ist hier. Sie dürfte mit Geo im Wohnzimmer sein."

Kian klopfte ihm auf die Schulter und ging ins Wohnzimmer.

Georgina und Jenny amüsierten sich gerade prächtig über einen Trottel in einer dieser Talkshows, als Jenny plötzlich erschrocken zur Tür sah.

"Kian....was....was machst du denn hier?" stotterte sie.

"Ich lass euch mal allein", sagte Georgina leise, und verließ das Zimmer.

"Wir sollten da jetzt nicht reingehen", sagte sie zu Nicky, der gerade ins Zimmer gehen wollte.

"Was denn los?"

"Erzähl ich dir oben", antwortete sie, und zog ihn an einer Hand mit sich die Treppen rauf.

"Erzähl es mir lieber erst viel später, ich hab da jetzt eine andere Idee", sagte Nicky, und leckte sich über seine Lippen. Georgina grinste und rannte die Stufen hoch. Nicky hinterher.

"Aber er wird nicht die Nacht dort bleiben müssen, oder Anto?"

"Nein, nein Kez. Sie legen ihm den Gips an, dann kann er gehen. Soll ich ihn bei dir absetzen?"

"Das wäre lieb, aber ich hätte ihn auch abgeholt. Aber wenn es dir keine Umstände bereitet..."

"Nein, ist schon gut, Kez. Es macht mir nichts aus."

"Danke Anto. Bis dann also. Bye!"

"Bye!"

Dann machte er sich wieder auf den Weg zu Bryan. Er betrat gerade das Zimmer, als die Schwester das letzte bisschen Gips verarbeitet hatte. Und Bryan hatte natürlich nichts besseres zu tun, als mit ihr zu flirten.

"Ähm, ich störe die Zweisamkeit ja ungern Schwester, aber wann wird den unser Casanova hier das Krankenhaus verlassen können? Seine Freundin wartet nämlich schon sehnsüchtig auf ihn."

Bryan strafte Anto eines bösen Blickes, aber dieser grinste nur scheinheilig.

"Sobald der Gips trocken ist. In einer halben Stunde etwa", sagte die Krankenschwester und packte ihren Kram zusammen, um dann fluchtartig das Zimmer zu verlassen.

"Na danke Anto. Ich war grad dabei ihr schöne Augen zu machen, und du musst deinen Senf dazu geben."

"Darf ich dich daran erinnern, dass du bereits eine Freundin hast?"

"Ja und? Was tut das zur Sache?" sagte er schnippisch.

Anto glaubte sich verhört zu haben.

"Jetzt halt mir bloß keine Predigt ja, aber ich weiß nicht ob Kerry die Richtige für mich ist Anto. Mein Gott, ich bin 22, da will ich mir erst einmal die Hörner abstoßen, außerdem...", aber Bryan beendete den Satz nicht. Anto wußte auch so was er meinte.

"Bist du noch nicht über sie hinweg? Meine Güte Bryan."

"Was?!"

"Zwischen euch ist nicht mal was gelaufen, und du trauerst ihr immer noch hinterher?"

"Pass auf was du sagst Anto. Du kanntest sie nicht."

"Aber du oder was?"

Bryan machte eine abfällige Handbewegung, dann wendete er seinen Blick von ihm ab.

"Lass mich doch in Ruhe, Byrne", sagte er leise.

"Ich fahr dich dann zu Kez. Sie hätte dich sonst selbst abgeholt." Mit diesen Worten ging Anto aus dem Zimmer.

Shane fuhr die Auffahrt seines Anwesens hoch, als sein Handy klingelte.

"Ja...Filan hier!"

"Ich bin"s Anto."

"Hey was gibt"s für Neuigkeiten über Bry?"

"Sein Fuß ist gebrochen. Wir müssen die Tour verschieben. Louis ist grad dabei alles zu regeln."

"Gebrochen? Echt? Verdammter Mist!"

"Ja, ich weiß. Ihr habt erst einmal 2 Wochen frei, dann sehen wir weiter."

"Oh super. Bryan könnte sich ruhig öfter mal den Fuß brechen", lachte Shane.

"Nein, das war natürlich nur ein Scherz Anto!"

"Ich meld mich wieder Shane. Machs gut, und bestell deiner Süßen einen lieben Gruß von mir."

"Klar mach ich! Bye!"

"Bye!"

Dann stieß er fröhlich die Autotür auf und rannte förmlich zu seinem Haus.

Gerade als er den Schlüssel ins Schloss steckte, kam Nadine die Auffahrt hoch gelaufen.

"Shane? Was machst du denn hier? Ich dachte ihr seid in Dublin und probt für die Tour?"

"Lass dich knutschen, Süße", sagte Shane, und zog Nadine sanft an sich. Dann gab er ihr einen zärtlichen Kuss.

"Ich hab dich vermisst", presste er zwischen den Lippen hervor, schlang seine Arme fest um sie und zog sie ganz nah an sich ran.

"Ich merk das schon", sagte sie lachend, als sie sich voneinander lösten.

"Shorty scheint"s da ähnlich zu gehen", sagte sie noch, und ließ ihren Blick nach unten schweifen. Schnell sperrte Shane die Tür auf, und zog Nadine mit sich.

Kaum war die Tür krachend ins Schloss gefallen, fiel Shane über Nadine her.

Zur selben Zeit in Los Angeles

Genervt und ziemlich fertig ließ er sich auf den Boden sinken.

"Was? Du machst schon schlapp? Hätte mehr Kondition von einem wie dir erwartet", zog sie ihn auf.

Robert sah sie mit einem fragenden Blick an.

"Wie meinst du das mit `Einem wie mir`", fragte er ein wenig außer Atem.

"Wer war denn hier jahrelang in einer Boyband und hat sich den Arsch auf der Bühne wund getanzt? Du oder ich?"

"Und was hat das bitte damit zu tun?"

"Vergiss es einfach. Ich lass mir was anderes einfallen. Passt eh nicht zu dir dieses rum Gehhopse", sagte sie, während sie sich gedankenverloren auf der Unterlippe rumkaute.

"Wenn du meinst? Mir soll das recht sein. Hab eh kein Bock auf das rum Gehampel. Ich will einfach nur eine geile Show abliefern, mehr nicht. Aber die Amis haben eh keinen richtigen Geschmack."

Als er seinen Kopf ein wenig anhob musste er feststellen, dass er fast mit sich selbst redete, denn seine neue Choreographin schien ins Land der Träume abgeschweift zu sein. Ohne zu zögern zog er sein verschwitztes Shirt aus, und warf es in ihre Richtung. Als das Teil auf ihrem Kopf landete, prustete Robert los vor lachen.

"Ey, ich wußte gar nicht wie sexy du aussehen kannst", feixte er.

"Sieh bloß zu das du Land gewinnst, sonst lass ich mir was ganz grausames für dich einfallen", entgegnete sie ihm, während sie sich mit angewidertem Blick das Shirt vom Kopf zog.

"Oh man Williams, du hast echt ein Ding zu laufen, weißt du das?"

Er grinste nur, dann machte er sich auf den Weg zu den Duschen. Das hatte er jetzt bitternötig.

"Ach noch was hunny, deine neue Haarfarbe gefällt mir richtig gut. Das rot war auf die Dauer ziemlich nervig", sagte er noch zwinkernd zu ihr, dann war er um die Ecke verschwunden.

`Sligo`, lächelnd fuhr Mark an dem Ortsschild vorbei. Endlich war er mal wieder zu Hause. Genau das brauchte er jetzt.

Wie lange war er schon nicht mehr hier gewesen? 3 Monate mindestens. Er vermisste seine Familie, seine Freunde und vor allem vermisste er Madeleine. Mark hatte sich angewöhnt sie bei vollem Namen zu nennen. Er fand den Klang ihres Namens einfach wunderschön. Ein Lächeln machte sich auf seinen Lippen breit, als er an sie dachte.

Ja, er liebte sie von ganzem Herzen. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn er nicht damals doch noch einmal gründlich über alles nachgedacht hätte. Nie hätte er es sich wirklich vorstellen können einen Mann zu lieben. Okay, er mag Nicky sehr, aber dann doch mehr als seinen Kumpel. Kopfschüttelnd fuhr er am Haus seiner Eltern vor. Mark hatte so ein komisches Gefühl, das seine Freundin ebenfalls hier sein würde. Er stieg aus dem Wagen und ging auf das Haus zu, als auch schon ein schwarzer Schatten auf ihn zugerannt kam.

"Snoopy!", rief er laut aus, dann fiel er auch schon zu Boden. Snoopy jaulte auf, sein Schwanz wedelte wie verrückt hin und her und er leckte Mark immer wieder übers Gesicht.

"Boah Snoopy, hör auf! Das...äh...das ist genug jetzt", versuchte Mark seinen Hund von sich zu drängen, aber es wollte ihm nicht wirklich gelingen.

"Snoopy! Aus jetzt!" rief plötzlich eine Männerstimme.

"Danke Dad, du bist mein Retter", sagte Mark, und stand auf. Er klopfte sich den Dreck von seiner Hose und ging auf seinen Vater zu.

"Mensch Junge! Ist das schön!"

Lachend fielen sich die beiden in die Arme.

"Oliver? Was ist denn....Mark!" Auch seine Mutter fiel ihm lachend um den Hals.

"Komm rein, bevor du dir noch was wegholst", sagte sie, fürsorglich wie sie war. Mark war das manchmal etwas peinlich. Aber so waren Mütter nun mal.

"Wie lange kannst du bleiben? Ich hab grad einen Auflauf in den Ofen geschoben? Denkst du, du kannst noch bis zum Essen bleiben, bevor du wieder weg musst?"

"Also ich denke schon. Es sei denn der Auflauf braucht 2 Wochen, um gar zu werden", scherzte er.

"Ist das wahr? 2 Wochen?" ertönte plötzlich eine Stimme aus dem Hintergrund. Mark fuhr augenblicklich herum und dort stand sie. Ohne etwas zu erwidern ging er auf sie zu, den Blick starr auf sie gerichtet.

"Ich hab dich so vermisst", war alles was er sagte, dann zog er sie zärtlich an sich und küsste sie. Die Beiden vergaßen alles um sich. Immer leidenschaftlicher wurde der Kuss.

"Ähm...ich will euch ja nicht stören, aber...", sagte Marie leise.

Mit hochrotem Kopf und gesenkten Blick zerrte Mark Madeleine an der Hand mit auf sein Zimmer. Dort prusteten sie erst einmal vor lachen los, ehe sie wieder in einem leidenschaftlichen Kuss versanken.

Kian sah Jenny lange an, bevor er etwas sagte.

"Jenny...ich muß mit dir reden", sagte er leise.

"Das ist gut Kian, denn ich muß auch unbedingt mit dir reden."

Beide sahen sie sich schweigend an. Sie warteten jeweils darauf, dass der andere begann.

Dann räusperte sich Jenny.

"Ki, ich hab die letzten Tage, eigentlich Wochen, über uns nachgedacht."

Kian schloss für einen Moment seine Augen. Er glaubte zu wissen, was gleich folgen würde.

"Ich kann das so nicht mehr Kian."

"Was meinst du?"

"Du bist ständig unterwegs. Ich seh dich kaum und ich hab ehrlich gesagt die Nase voll davon. Georgina wird ständig von Nicky eingeflogen, aber ich warte jedes Mal auf einen Anruf von Anto oder von dir, der mir sagt, ich kann meine Koffer packen, der nächste Flug gehört mir."

Kian sah sie stumm an.

"Was erwartest du denn von mir?"

"Was ich erwarte? Ich glaub es ja wohl nicht. Kian was ist los mit dir? Ich dachte du liebst mich?"

"Das tu ich ja auch Jenny, aber es ist nur...", er suchte nach den richtigen Worten.

"Es ist nur was?", fragte Jenny nervös.

Kian holte einmal tief Luft, dann sah er Jenny direkt in die Augen.

"Ich glaube es ist besser für uns, wenn wir uns eine Auszeit gönnen."

"Eine Auszeit gönnen? Sag mal spinnst du jetzt völlig? Was meinst du hatten wir denn die letzten 3 Monate? War das nicht schon eine Auszeit?"

Er senkte seinen Blick.

"Dann ist es wohl besser wir trennen uns", sagte er leise. Aber richtig begreifen konnte er selbst noch nicht, was er da gerade gesagt hatte.

Jenny atmete tief ein und aus. Das war jetzt nicht wirklich passiert, oder? Hatte er wirklich gesagt, es wäre besser wenn sie sich trennen würden? Mit Tränen in den Augen sah sie zu Kian, der seinen Kopf noch immer gesenkt hatte.

"Das sieht dir ähnlich Kian. Kaum gibt es ein Problem, ziehst du den Schwanz ein und verschwindest", sagte Jenny mit einem eiskalten Ton.

"Jenny bitte", flehte Kian und sah für einen Moment auf.

"Weißt du was? Verschwinde einfach! Hau ab! Ich will dich nie wieder sehen Kian!" Jenny stand auf, schnappte sich ihre Jacke und lief nach draußen. Die Haustür fiel krachend ins Schloss und Kian liefen Tränen übers Gesicht. Er hatte sie verloren. Warum konnte er ihr denn nicht sagen was er fühlte? Was war denn bloß los mit ihm?

Mit zitternden Händen zog er das kleine schwarze Schächtelchen aus seiner Jackentasche und öffnete es. Ein Ring funkelte ihm entgegen. Langsam stellte er das Schächtelchen auf den Tisch, dann ließ er seinen Tränen freien Lauf.

"Du bist so ein Arschloch Egan!", schallte er sich selbst, bevor er mit einem Satz aufsprang, sich den Ring schnappte und Jenny hinterher rannte.

Zurück in Los Angeles

Lächelnd saßen sie gemeinsam auf dem Boden und sahen den Tänzerinnen zu. Die Choreographie war fantastisch, und Robert grinste verschmitzt. Dann legte er seinen Arm um die Person neben sich, zog sie an sich und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.

"Du bist fantastisch hunny. Einfach fantastisch", flüsterte er.

"Danke Rob", flüsterte sie, und sah ihn an. Ein Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit.

Was wäre nur passiert, wenn sie damals nicht diesen Schritt gewagt hätte? Hätte sie Bryan damals die Wahrheit gesagt, wo wäre sie dann heute?

"Was ist Sam?", fragte Robert.

"Kann ich mal mit dir unter vier Augen reden, Rob?"

"Klar schieß los."

Sie schüttelte den Kopf.

"Nicht hier bitte. Könnten wir wo anders hingehen. Es ist wirklich wichtig", sagte sie leise.

Er nickte kurz, dann gönnte er seiner Crew 1 Stunde Pause.

"Komm, lass uns in meine Garderobe gehen, da kann uns niemand stören."

Sie standen auf und machten sich auf den Weg.

"Also was ist los?", fragte er, als sie sich auf das schwarze Ledersofa fallen ließen.

"Mein Name ist nicht Sam", sagte sie ruhig, und wartete auf seine Reaktion.

Robert sah sie etwas verdutzt an.

"Okay, aber wie heißt du dann? Wer bist du?"

Sie merkte die Tränen die in ihre Augen schossen. Ehe sie auch nur reagieren konnte, liefen sie wie in Sturzbächen über ihre Wangen. Manchmal verfluchte sie sich selbst, so eine Heulsuse zu sein.

"Hey hunny, komm her. Das ist doch kein Weltuntergang", flüsterte er, und nahm sie in seine Arme. Jede Frau hätte sie in diesem Moment beneidet. Sie lag hier in den Armen des momentan angesagtesten Mannes überhaupt und heulte.

"Ich hab dich die ganze Zeit belogen. Dich und deine Crew. Ich wär dir nicht mal sauer, wenn du mich jetzt feuern würdest Rob, wahrscheinlich hätte ich das auch verdient, aber ich wußte nicht mehr weiter." Wieder bahnten sich Tränen einen Weg nach draußen. Beruhigend strich er über ihren Rücken und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

"Du sprichst in Rätseln. Würdest du mir vielleicht erst einmal deinen richtigen Namen nennen? Das wäre doch schon mal ein Anfang. Ich kann schließlich niemanden feuern, der eigentlich nicht existiert", lachte er.

"Manja. Ich heiße Manja."

"Okay Manja. Bevor ich hier irgendwen rausschmeiße der mir unheimlich am Herzen liegt, möchte ich dann doch gern wissen, warum ich das tun sollte?"

Manja atmete tief ein.

"Wie viel Zeit hast du?"

"Hey, ich bin Robbie Williams, ich hab alle Zeit der Welt Schätzchen!"

Beide fingen an zu lachen.

"Und jetzt mach ich uns erst einmal einen Tee, und dann erzählst du mir alles in Ruhe, okay?"

Mittlerweile war es später Nachmittag in Dublin, als Anto am Haus von Bryan hielt. Sofort wurde die Haustür geöffnet, und Kerry kam schnellen Schrittes auf ihn zu. Bryan öffnete die Beifahrertür des Wagens, und ließ sich den Sitz hinab gleiten, bevor er einen festen Grund unter seinen Füßen spürte. Dann kramte er seine Krücken hervor und humpelte drauf los.

Kerry verabschiedete sich von Anto, dann eilte sie Bryan zu Hilfe.

"Wird"s denn gehen?", fragte sie vorsichtig.

Bryan hatte aber längst gesehen, dass sie sich ein Lachen verkneifen musste.

"Du kannst dich ruhig über mich Trottel lustig machen. Du denkst wohl auch ich hab mir nicht nur den Fuß gebrochen, sondern auch noch Tomaten auf den Augen."

Nun konnte sie sich wirklich nicht mehr halten. Sie lachte laut los. Er konnte nicht anders. So sehr er sich auch dagegen wehrte, aber diese Lache war nun mal ansteckend. Bryan prustete ebenfalls laut los. Gemeinsam gingen sie lachend ins Haus, und ließen die Tür krachend ins Schloss fallen.

"Es tut mir leid Babe, aber es sieht einfach nur urkomisch aus, wie du da mit den Krücken versuchst klar zu kommen."

"Ja ja, mach dich nur über meine Gebrechen lustig, aber das wird dir schon noch vergehen. Wie denkst du komm ich bitte die Treppe rauf, ins Schlafzimmer", fragte er sie, und zog dabei eine Augenbraue nach oben. Dann setzte er einen flehenden Dackelblick auf.

"Trag mich", sagte Bryan, und warf seinen Kopf wie eine Diva nach hinten, und klimperte mit seinen Augen. Kerry hörte sofort auf zu lachen. Sie warf ihm einen kurzen Blick zu, dann rannte sie nach oben, um keine 2 Minuten später mit seinem Bettzeug in den Armen im Wohnzimmer zu erscheinen.

"Da musst du dich wohl die nächsten Nächte mit der Couch zufrieden geben", zwinkerte sie ihm entgegen, und ging in die Küche, wo sie angefangen hatte Essen zu machen, bevor Bryan von Anto hier abgeliefert wurde.

"Oh! Das ist nicht fair Kez, und das weißt du auch. Ich kann doch nicht ohne meine tägliche Ration Zärtlichkeiten einschlafen", antwortete er patzig wie ein kleines Kind, und humpelte in die Küche. Dort blieb er dicht hinter Kerry stehen, schmiss die Krücken von sich und legte seine Arme um ihre Hüften. Dann zog er sie an sich, so dass sie ihren Kopf auf seine Brust legte.

"Du bist unmöglich Bry, weißt du das?", kicherte sie, und streichelte zärtlich über seine Hände.

"Ich weiß", sagte er leise, und begann ihren Hals zu küssen. Kerry drehte sich zu ihm um und sah ihm lange in die Augen. Dann näherten sich ihre Lippen und sie versanken in einem leidenschaftlichen nicht enden wollenden Kuss.

Kian irrte noch immer durch Dublins Strassen.

Er verfluchte es immer wieder aufs neue, das er sich hier kaum auskannte. Jenny konnte sonst wo sein, schließlich kannte sie sich mittlerweile bestens hier aus. Und mit Georgina als Shoppingpartnerin hatte sie mit Sicherheit schon die geheimsten Ecken von Dublin zu Gesicht bekommen.

Erschöpft ließ sich Nicky neben Georgina fallen.

"Ab heute liebe ich Bryan noch mehr", sagte er grinsend, und küsste sie zärtlich. Georgina konnte auch nicht grad behaupten, das sie über Bryans kleines Missgeschick böse war. Ganz im Gegenteil.

"Was will Kian eigentlich hier? Wolltest du mir das nicht erzählen?"

"Ach ja, hatte ich schon fast vergessen", grinste sie, und strich sanft über seinen Rücken.

"Er hatte mich auf Handy angerufen und gefragt ob Jenny hier ist. Er müsse sie unbedingt sprechen. Mehr weiß ich auch nicht."

"Oh man. Ich glaub ich weiß was Kian vorhat. Ich war vor 2 Tagen mit ihm kurz shoppen, und er musste unbedingt bei dem Juwelier in der Grafton Street was abholen."

"Meinst du etwa..."

"Ja, ich glaube unseren Kian hat es richtig erwischt Geo. Der macht Jenny mit Sicherheit einen Antrag", flüsterte Nicky, beugte sich zu seiner Georgina und küsste sie zärtlich.

Regen prasselte auf sie hinab, aber sie schien ihn nicht wahr zu nehmen. Jenny saß auf einer Bank im St. Stephens Green und weinte. Noch nie zuvor war sie so enttäuscht und wütend zugleich auf jemanden gewesen, schon gar nicht auf Kian, den sie über alles liebte.

"Wie kannst du nur so kalt sein?", fragte sie sich immer wieder selbst, in der Hoffnung eine Antwort auf die Frage zu finden, aber die bekam sie nicht.

"Ich liebe dich do Kian. Ich liebe dich über alles", schluchzte sie, und zog ihre Beine auf die Bank und an ihren Körper. Sie zitterte am ganzen Körper, aber Jenny wollte nicht von der Stelle weichen.

Ein knackendes Geräusch hinter ihr ließ sie kurz aufschrecken, aber sie traute sich nicht nach hinten zu schauen. Wer weiß wer dort auf sie lauern würde, um ihr etwas an zu tun. Plötzlich vernahm sie ihr eine sehr vertraute Stimme.

"Jenny?"

Kian. Hinter ihr stand Kian, und er schien völlig außer Atem zu sein. Jenny reagierte nicht, sondern zog ihre Beine nur noch fester an ihren Körper. Sie hörte, wie er sich neben sie auf die Bank setzte. Aus den Augenwinkeln sah Jenny das Kian sie ansah, aber sie konnte ihm einfach nicht ins Gesicht schauen, nicht nach den Geschehnissen vor ein paar Stunden im Haus von Nicky und Georgina.

"Jenny", hörte sie Kian wieder sagen.

"Es tut mir so leid, Jenny. Ich bin ein totaler Idiot. Ich....ich...Jenny ich liebe dich so wahnsinnig..."

"Und darum brauchst du auch eine Auszeit Kian, oder wie darf ich das sonst interpretieren", unterbrach sie ihn, und sah ihn endlich an. Seine Augen waren verweint und rot unterlaufen. Sein Shirt klebte an seinem muskulösen Oberkörper und seine Jeans lag eng an seinen Beinen.

`Gott er sieht so wahnsinnig gut aus´, hallte es in ihrem Kopf, aber sie verwarf ihre Gedanken sofort wieder.

"Jenny bitte. Ich hatte mir diesen Tag ganz anders vorgestellt."

"Da bist du nicht der Einzige Kian", fiel sie ihm wieder ins Wort.

"Herrgott noch mal Jenny. Jetzt lass mich doch endlich mal ausreden. Du machst mich ganz wahnsinnig", sagte er plötzlich in einem etwas schärferen Tonfall, und Jenny zuckte etwas zusammen. Noch nie hatte sie ihn so erlebt. Sie biss sich nervös auf ihre Unterlippe und starrte ihn mit großen Augen an.

Kian aber erhob sich und stellte sich vor ihr auf. Dann ließ er sich langsam nach unten sinken und kniete vor ihr. Er nahm ihre Hände in seine und drückte sie zärtlich. Jenny durchfuhr ein wohliger Schauer, als sie ihn dabei beobachtete. Am liebsten hätte sie ihn sofort zu sich gezogen und geküsst. Sie konnte ihm einfach nie lange böse bleiben, aber irgendetwas in ihrem Inneren hinderte sie daran.

Kian blickte auf und sah ihr direkt in die Augen.

"Jenny", begann er leise zu reden," ich bin noch nie so glücklich in meinem Leben gewesen. Sicher ich bin erfolgreich und hab Geld ohne Ende, aber das sind Dinge die mich nicht glücklich machen. Mein wahres Glück fand ich mit einer Person die mir so unsagbar viel bedeutet, und diese Person bist du. Jenny, noch nie hab ich so viel für jemanden empfunden wie für dich. Die letzten Monate waren mit die schönsten in meinem bisherigen Leben, und ich möchte, dass das noch viel mehr Monate, wenn nicht sogar Jahre werden. Ich liebe dich über alles Jenny. Möchtest du die Frau sein, mit der ich alt werden will? Möchtest du mich heiraten?" Und mit diesen Worten zog er die kleine schwarze Schachtel aus seiner Jeans, öffnete sie und hielt sie Jenny entgegen.

Jenny sah ihn schockiert an. Sie wußte im ersten Moment nicht was sie sagen sollte. Kian sah sie mit einem fast ängstlichen Blick an, aber als er ihr leichtes Lächeln vernahm, begann auch er neuen Mut zu schöpfen.

"Ki, ich liebe dich! Du bist der Mann, mit dem ich alt werden möchte. Ja, ich will deine Frau werden", sagte sie unter Tränen, und fiel ihm um den Hals.

"Ich liebe dich", flüsterte sie immer wieder in sein Ohr. Dann sah sie ihm in die Augen und ihre Lippen trafen sich zu einem Kuss. Als sie sich wieder voneinander lösten nahm er den Ring aus der Schachtel, und steckte ihn ihr an den Finger. Dann versanken sie wieder in einen Kuss, während der Regen weiterhin auf sie hinab prasselte.

Robert hatte ihr mittlerweile das vierte Taschentuch gereicht. Er sah sie schockiert an.

"Wie hast du es nur geschafft damit klar zu kommen?", fragte er sie entsetzt.

Manja holte wieder tief Luft, dann erzählte sie weiter.

"Meine Schwester war gerade mal 6 Jahre, als meine Eltern erfuhren, dass sie sich im Krankenhaus durch eine Bluttransfusion an Aids infiziert hatte. Es brach eine Welt für uns zusammen. Meine Mutter fragte sich immer wieder, ob sie in ihrem Leben etwas falsch gemacht hätte. Warum man sie jetzt so strafte. Mein Vater wuchs alles über den Kopf, er hat uns ein knappes Jahr später verlassen. 1 Monat nach dem er uns verlassen hatte, fand man auf dem Dachboden seines Elternhauses seine Leiche. Er hatte sich erhängt. Meine Mutter kam nicht mehr mit ihrem Leben klar. Sie lernte einen Typen kennen, der ihr versprach zu helfen, aber er pumpte sie mit Drogen voll. Vor 2 Jahren starb sie an einer Überdosis. Jetzt lag es an mir, meiner kleinen Schwester bei zu stehen. Ihr auf den letzten Tagen ihres viel zu kurzen Lebens bei zu stehen. In dieser Zeit lernte ich Mandy übers Internet kennen. Wir verstanden uns von Anfang an. Ich fühlte mich mit ihr verbunden. Meine Schwester starb ein halbes Jahr nach dem Tod meiner Mutter. Ich hatte keine wirklichen Perspektiven mehr in meinem Leben gesehen. Gott ich war 18, als das alles passierte. Meine Schwester war 15, und hatte nichts von ihrem Leben gehabt. Ich wollte wenigstens ihr ihren letzten Wunsch erfüllen. Ich musste ihr versprechen, mich wenigstens einmal mit Mandy zu treffen. Also schlug ich ihr das vor. Mandy schien auch sofort von meiner Idee begeistert zu sein. Kurz darauf trafen wir uns das erste Mal. Sie lag im Krankenhaus. Ich hatte ja keine Ahnung, was als nächstes auf mich zu kommen würde. Als ich mich dann mit ihr traf musste ich erfahren, dass sie an Krebs erkrankt war." Manja hielt inne, und wischte sich die Tränen vom Gesicht. Dann erzählte sie weiter.

"Wir verstanden uns noch besser, als zuvor. Mandy war fast 2 Jahre jünger als ich. Ich hatte fast das Gefühl, eine zweite Schwester bekommen zu haben. Leider wurde sie mir ebenfalls genommen. Mandy hatte mir immer wieder von ihrem Cousin erzählt, den sie über alles liebte." Wieder hielt Manja kurz inne. Sollte sie Rob von den Beiden erzählen?

"Was ist los?", fragte er besorgt, und strich ihr sanft über den rechten Arm. Manja schüttelte den Kopf.

"Nichts weiter, ich weiß nur nicht, ob ich dir...", dann sah sie Robert an.

"Ob du mir was?", fragte er neugierig.

Sie atmete tief ein, dann erzählte sie Robert die Geschichte von Mandy und ihrem Cousin Nicky. Das die Beiden mehr verband, als es für Cousin und Cousine normalerweise üblich war. Robert hörte ihr schweigend zu, strich ihr zeitweise beruhigend über ihren Arm, und lächelte sie an.

"Dann lernte ich Nicky eines Tages persönlich kennen, und musste selbst erfahren, warum sich Mandy so sehr in ihn verliebt hatte. Er ist einfach ein Mensch den man lieben muß, Rob. Nicky strahlt so viel Lebensfreude aus, das ist ansteckend. Aber ich lernte auch Bryan kennen. Er weckte in mir ein Gefühl, das ich lange davor verloren geglaubt zu haben. Ich fühlte mich in seiner Nähe geborgen und sehr wohl. Ich hatte mich, wie ich erst vor kurzer Zeit richtig bemerkt hatte, in diesen Mann verliebt. Leider fand ich nie den Mut dazu mit ihm über all das zu reden, aber er spürte immer wieder, das ich etwas vor ihm verbarg. Ich konnte einfach nicht mit ihm darüber reden. Verstehst du? Ich hatte Angst einen weiteren Menschen in meinem Leben zu verlieren. Also hab ich meinen eigenen Tod vorgetäuscht, und eine andere Identität angenommen. Ich hab mich um diesen Job hier beworben, und dir und all den anderen vorgespielt, ich wäre eine der besten Choreographinnen die es gäbe, dabei habe ich nicht mal eine Ausbildung. Wann sollte ich die denn auch machen?"

Mit tränenüberströmten Gesicht sah sie Robert an, aber er senkte seinen Blick. Er sagte nichts, blickte einfach nur auf seine Hände und schwieg.

"Ich werde gleich morgen meine Sachen packen und verschwinden Robert", sagte Manja, und war dabei auf zu stehen, aber sie wurde von ihm am Arm fest gehalten.

"Du wirst den Teufel tun", sagte er leise, dann sah er sie an. Seine Augen wirkten traurig und leer.

"Es tut mir so leid für dich hunny. Du bist wirklich eine der besten Choreographinnen die ich in den letzten Monaten hatte. Du wirst den Teufel tun und jetzt verschwinden. Wir haben nämlich noch eine Menge Arbeit vor uns. Du wirst jetzt erst einmal zurück ins Hotel fahren und dort ein heißes Bad nehmen. Ich will, dass du dich mal wieder richtig ausschläfst, bevor du morgen wieder am Set bist. Haben wir uns da verstanden?"

Manja sah ihn mit großen Augen an.

"Du bist nicht sauer?"

"Klar bin ich sauer? Warum hast du mir das nicht von Anfang an erzählt? Bin ich den wirklich so ein arrogantes Arschloch, wie man mich in der Presse immer wieder darstellt?"

"Nein. Und das ist ja gerade der Punkt gewesen, warum ich es dir nicht erzählt habe. Und außerdem war ich schon immer ein großer Fan deiner Arbeit, besonders als du noch mit den anderen 4 Typen über die Bühne gesprungen bist."

"Echt? Du warst ein Take That Fan? Ich war dein Fave?" Sie nickte.

"Das kann aber gar nicht sein hunny, denn ich hatte dich nie neben mir liegen", sagte er demonstrativ arrogant. Da war es wieder. Das Ego des Robbie Williams. Wer ihn aber jemals jenseits der Bühne kennen gelernt hatte bemerkte schnell, dass das nur alles Fassade war. In Wirklichkeit ist Robert ein etwas schüchterner und sehr liebenswerter Mensch, der selbst unheimlich viel in seinem bisherigen Leben erlebt hatte, und er war gerade mal am Anfang seiner Solokarriere.

"Komm her", sagte er, und zog Manja in seine Arme. Dann drückte er sie fest an sich, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und scheuchte sie aus seiner Garderobe.

Mittlerweile schien der Regen von Dublin nach Sligo gezogen zu sein. Mark und Madeleine lagen eng aneinander gekuschelt im Bett und lauschten dem Regen, der leise an das Fenster klopfte.

"Was ist eigentlich passiert?", fragte sie.

"Bryan hat sich seinen Fuß gebrochen, als er mal wieder in Gedanken versunken war. Möchte bloß mal wissen was mit ihm ist."

"Ich glaube er trauert noch immer Manja hinterher Mark", sagte Madeleine leise, und kuschelte sich näher an ihn ran.

"Meinst du wirklich? Ich dachte seit dem er Kerry kennt denkt er kaum noch an sie."

"Ich weiß es nicht genau, daher kann ich nur Vermutungen anstellen, aber ich glaube er vermisst sie total. Schließlich hat sie ihm sehr viel bedeutet, vergiss das nicht."

Mark sah seiner Freundin tief in die Augen.

"Ich wüsste nicht was ich machen würde, wenn ich dich verlieren würde", flüsterte er. Bevor sie darauf etwas erwidern konnte, verschloss er ihren Mund mit einem zärtlichen Kuss.

"Ich liebe dich Madeleine! Forever and for always!"

"Ich liebe dich auch Mark!â€

Dann küssten sie sich nochmals, bevor sie durch ein leises klopfen an der Zimmertür gestört wurden.

"Einen Moment", rief Mark. Dann sprang er aus dem Bett, zog sich schnell seine Boxers an, schnappte sich sein Shirt und öffnete die Tür.

"Ich soll euch zum essen holen", sagte Colin, und versuchte an Mark vorbei ins Zimmer zu schauen. Bevor er aber auch nur einen Blick erhaschen konnte, knallte ihm Mark die Tür vor der Nase zu und rief laut, dass sie gleich kommen würden.

Maulend lief Colin nach unten.

Shane und Nadine hatten es sich vor dem Kamin bei einer Flasche Rotwein bequem gemacht. Zärtlich strich ihr Shane eine Haarsträhne aus dem Gesicht, und lächelte sie zärtlich an.

"Weißt du eigentlich wie lieb ich dich habe?", fragte er sie, und beugte sich zu Nadine um ihr einen Kuss zu geben. Langsam kamen sich ihre Lippen näher. Als sie sich zu einem Kuss trafen, klingelte plötzlich das Handy von Shane.

"Wie ich dieses blöde Ding hasse", fluchte er, bevor er den Anruf entgegen nahm.

"Wer stört?", fragte er.

Shane richtete sich langsam auf und blickte fragend um sich. Dann zog er sich sein so eben entdecktes Shirt über und sprang auf.

"Du hast was Ki?", brüllte er fast in den Hörer. Nadine wurde neugierig. Sie stellte sich neben ihn und hielt ihr Ohr ans Handy, um wenigstens ein paar Wortfetzen zu verstehen, aber Shane lief im Wohnzimmer auf und ab. Sie gab es schnell auf ihm ständig hinterher zu rennen. Also machte sie es sich auf der Couch bequem.

"Klar Ki! Das muß gefeiert werden! Wann sollen wir bei euch sein?"

Shane nickte, obwohl Kian das nicht sehen konnte.

"Gut. Mensch ich freu mich für euch. Bis dann!" Dann klappte er sein Handy zu, starrte ein paar Sekunden aus dem Fenster und gesellte sich dann zu Nadine auf die Couch.

"Du glaubst das nicht, Süße", sagte er zu ihr, während er ihr am Ohrläppchen knabberte.

"Was ist denn passiert?"

"Kian und Jenny haben sich heute verlobt."

"Bitte was?"

Sie sprang von der Couch auf, und baute sich vor ihm auf. Dann schüttelte sie nachdenklich den Kopf.

"Ich glaub das ja alles nicht. Jenny und Kian....", stammelte sie, schnappte sich ihr Glas und trank es in einem Zug aus. Shane sah sie fragend an.

"Was ist denn so schlimm daran?"

"Nichts...es ist nichts", stammelte sie. Dann ging sie nach oben ins Bad. Shane sah ihr hinterher, fuhr sich mit der Zunge über seine Lippen und folgte ihr mit einem breiten Grinsen.

Erschöpft aber sehr erleichtert ließ sich Manja in ihr Hotelbett fallen. Trotzdem plagten sie noch Zweifel, ob sie auch wirklich das Richtige getan hatte. Hätte sie ihre wahre Identität weiterhin geheim halten sollen? Aber wie hätte sie ihr restliches Leben mit dieser Lüge leben können, wenn sie schon jetzt nicht mehr damit klar kam? Wieder bahnten sich Tränen ihren Weg über Manjas Gesicht. Wie oft hatte sie die letzten Monate geweint. Eigentlich hätte sie schon völlig ausgetrocknet sein müssen.

Sie fuhr erschrocken zusammen, als das Telefon klingelte.

"Franksy hier", meldete sich eine tiefe Männerstimme am anderen Ende der Leitung.

"Sam, ähm ich meine Manja, ich wollte dir nur unsere Planänderung mitteilen. Rob muß morgen zurück nach London. Er will das du mit ihm kommst. Es hat was mit der Tour zu tun. Treffpunkt ist morgen früh um 7 in der Lobby. Sei bitte pünktlich, okay!"

"Ja klar. Ich bin da."

"Jetzt leg dich wieder hin. Bis morgen dann. Nacht!"

"Nacht Franksy", sagte sie leise, bevor sie den Hörer auflegte.

`London! Morgen nach London!´, hallte es in ihrem Kopf. Sie spürte Panik in ihr aufsteigen. Warum ausgerechnet London? Warum nicht? Schließlich hat er dort eine Wohnung und seine Plattenfirma hat dort ihren Sitz. Manja spürte eine plötzliche Übelkeit in ihr aufsteigen. Sie rannte ins Bad und übergab sich auch schon im nächsten Moment.

Hätte sie Rob von London erzählen sollen? Weinend brach sie vor der Toilette zusammen. Manja zitterte am ganzen Körper.

Irgendwann schlief sie erschöpft vor der Toilette ein.

Ein starkes klopfen riss sie aus dem Schlaf. Als sie langsam ihre Augen öffnete sah sie, dass sie auf dem Marmorfußboden des Badezimmers lag. Was war passiert?

"London!", rief sie leise, dann rappelte sie sich auf und ging zur Tür.

Dort stand ein ziemlich wütender Franksy.

"Hast du eine Ahnung wie spät es ist? Wir wollten uns um 7 in der Lobby treffen. Mittlerweile ist es 7:15." Ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen ging er ins Zimmer und griff sich ihren Koffer.

"Der ist ja völlig leer!" rief er außer sich. Schnell schmiss er ein paar Sachen hinein. Er warf Manja ein Shirt und eine Jeans entgegen.

"Hier zieh das an. Wir müssen los!"

Dann rannte er samt ihrem Koffer wieder zur Tür hinaus. Manja zog sich gerade den Reißverschluss zu, als Franksy wieder im Zimmer stand. Er schnappte sich ihre Schuhe, packte sie am Arm und zog sie hinter sich her zu den Aufzügen.

"Jetzt reicht"s mir aber Franksy!", schrie sie plötzlich, und entriss sich seinem festen Griff.

"Ich bin nicht dein Hampelmann den du hier behandeln kannst wie dir gerade im Sinn steht. Du bist wohl noch nie zu spät gekommen? Nein du bist ja Andy Franks. Der Mann der nie irgendwelche Fehler macht. Der perfekteste Mann des Universums. Du kotzt mich an!" fuhr sie ihn wütend an. Dann rannte sie zum Treppenhaus und schmiss die Tür hinter sich zu. Wütend rannte sie die Treppen hinunter, und war noch eher in der Lobby als Franksy.

Noch ehe Jonah und Marv etwas sagen konnten, war sie schon an ihnen vorbei aus dem Hotel gestürmt.

Franksy hievte ihren Koffer aus dem Fahrstuhl und stampfte ebenfalls nichtssagend an den beiden Securitys vorbei.

"Was ist denn jetzt schon wieder?", fragte Marv etwas genervt, und ging ebenfalls nach draußen. Jonah wartete noch auf Rob, der noch nicht erschienen war.

Manja ließ sich in die hinterste Sitzreihe des silbernen VW Vans fallen, schnallte sich an und starrte aus dem Fenster.

"Tut mir leid", hörte sie eine leise Stimme neben sich. Langsam drehte sie ihren Kopf und blickte Andy Franks in die Augen. Und wieder rollten ihr Tränen übers Gesicht. Wütend über sich selbst, wischte sie sich weg.

"Wo ist Rob?", fragte sie leise.

"Ähm...er hat verschlafen", sagte er leise.

"Ich glaub"s ja wohl nicht. Er verpennt, mal wieder, und mir hälst du hier eine Standpauke?"

"Tut mir leid, aber ich bin wohl selbst etwas genervt und gestresst. Ständig werden irgendwelche Termine zwischen geschoben und ich muß mich dann kümmern, dass alles planmäßig über die Bühne geht."

"Das ist dein Job verdammt noch mal", sagte sie bestimmt, und starrte ihn an.

Ohne ein Wort zu sagen stand er auf, und stieg aus dem Van. Dann lief er zurück ins Hotel. Manja machte es sich in dem Sitz bequem und schloss ihre Augen. Hoffentlich hatte das alles bald ein Ende. Sie liebte ihren Job, ohne Zweifel, aber für Robbie Williams zu arbeiten war dann doch etwas zu viel. Rob war noch das geringste Übel. Viel mehr ging es ihr um die restliche Crew. Andy Franks ist Tour Manager und für alle so etwas wie das Mädchen für alles. Manja hatte noch nie einen guten Draht zu ihm gehabt. Wahrscheinlich würde sie jetzt noch mehr in seiner Gunst nach unten sinken, denn Rob hat ihm, so wie es schien, von ihrem gemeinsamen Gespräch erzählt. Andy konnte Menschen die lügen bis auf den Tod nicht ausstehen. Aber Manja war das egal. Sie hatte so eben ihren Entschluss gefasst. So bald sie in London waren, würde sie kündigen. Nach der Tour wollte sie aussteigen. Vielleicht sollte sie wirklich wieder in ihren alten Beruf zurückkehren. Vielleicht sollte sie versuchen in Berlin noch einmal ganz von vorn anzufangen. Ein leichtes Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit. Ja, das war wohl das Beste für alle. Zufrieden lehnte sie sich zurück, als die Tür geöffnet wurde, und ein völlig verpennter Kerl hineingeschoben wurde. Müde lächelnd ließ er sich neben Manja fallen und legte seinen Kopf auf ihre Schulter.

"Morgen Rob", sagte sie leise, und schaute wieder aus dem Fenster. Dann setzte sich das Auto in Bewegung.

Mark und Madeleine kamen gerade die Treppe hinunter, als ihnen Marie freudestrahlend entgegenkam.

"Kian hat grad angerufen."

"Was wollte er denn?", fragte Mark beiläufig, und setzte sich an den Tisch.

"Er hat sich mit Jenny verlobt. Sie wollen deswegen am Wochenende in London eine Party geben. Ich sollte euch das nur ausrichten. Mehr weiß ich auch nicht."

Mark sah erst zu seiner Mutter dann zu seiner Freundin. Er zuckte mit den Schultern.

"Von mir aus", sagte er, schnappte sich eine Scheibe Brot und machte sich über das Irish Stew her.

"Hat er gesagt wo wir uns treffen?", hakte Madeleine nach.

"Er meldet sich später noch mal bei Mark", erwiderte Marie. Dann füllte sie Madeleines Teller mit einer großen Kelle Stew.

Nicky und Georgina saßen grad kuschelnd vorm Fernseher, als Jenny und Kian zurückkamen.

"Um Gottes Willen! Wie seht ihr denn aus?", fragte Georgina erschrocken. Sofort holte sie ein paar Handtücher und gab sie den Beiden.

"Am besten ihr nehmt erst einmal ein heißes Bad. Ihr seid ja völlig durchnässt."

Kian sah sie dankbar an.

"Wir haben euch etwas mit zu teilen", sagte er leise, und schaute Jenny verliebt an.

Nicky hatte sich mittlerweile zu ihnen gesellt.

"Schieß los", forderte er Kian grinsend auf.

"Ich hab Jenny gefragt ob sie mich heiraten möchte."

"Und du Dummerchen hast natürlich ja gesagt", sagte Nicky schnell, wobei er Jenny angrinste. Georgina verpasste ihm einen Stoß in die Seite. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rieb er sich die Seite und sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an.

"Was denn?"

"Halt die Klappe Byrne, du altes Trampel", zischte sie, und strahlte Jenny an.

"Natürlich hab ich ja gesagt! Was denkt ihr denn?"

Kian küsste ihre Schläfe und zog sie zärtlich an sich ran.

"Mensch das ist schön. Ich freu mich so für euch", sagte Georgina, und fiel Jenny und Kian um den Hals.

"Glückwunsch Ki!" Nicky umarmte ihn, und klopfte ihm anerkennend auf die Schultern. Dann umarmte er auch Jenny und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

"Wir wollen am Wochenende in London eine kleine Party deswegen veranstalten. Ich setzte einfach mal voraus, das ihr auch kommt."

"Da kannst du dich drauf verlassen Egan", lachte Nicky.

"Jetzt aber los. Ab ins Bad. Ihr wollt doch am Wochenende nicht krank sein", mischte sich Georgina mit ein.

Jenny und Kian gingen ins Bad und Nicky und Georgina machten es sich wieder vor dem Fernseher bequem.

"Da fällt mir ein. Was machen wir mit Bryan?", fragte Kian, als er sich zu Jenny in die Wanne setzte.

"Da wird er wohl oder übel mal mit Krücken tanzen müssen", kicherte Jenny, und zog Kian zu sich. Dann versanken sie in einem langen leidenschaftlichen Kuss.

Als das Flugzeug im Landeanflug auf den Londoner Flughafen Heathrow war, krallte sich Manja in ihrem Sitz fest. Panik stieg langsam in ihr auf, aber sie versuchte sich so ruhig wie möglich zu verhalten. Tapfer lächelte sie Rob an, der ihr aufmunternd zuzwinkerte.

Endlich hatten sie den Ausgang erreicht, und fuhren in einem schwarzen Van durch das verregnete London.

Vorm Hilton hielten sie an, und sofort stürmten 2 Pagen herbei, um beim ausladen zu helfen. Manja schnappte sich ihren Koffer und rannte Andy hinterher, der gerade auf dem Weg zur Rezeption war.

"Wo darf ich mich ausbreiten", fragte sie ihn leise, und wartete ab.

"Du hast Zimmer 246", antwortete er knapp, und drückte ihr die Karte, den Schlüssel so zu sagen, in die Hand. Dann wandte er sich wieder der völlig überarbeiteten Frau an der Rezeption zu. Manja bemerkte wie die Hände der Frau zitterten, als sich Robbie zu Andy gesellte. Lächelnd lief sie zu den Aufzügen, stieg ein und fuhr nach oben. Gerade als sich die Aufzugstüren schlossen, öffneten sich die des anderen Aufzuges, und es kamen drei junge Männer herausgerannt.

"Ich hasse euch! Wenn ihr mich noch einmal zwingt mit so einem Teil zu fahren, dann steig ich aus der Band aus", hörte man eine quiekende Männerstimme.

"Oh man, ist das nicht..", fragte plötzlich einer der Typen, und blieb stehen.

"Mhm, das ist er", sagte der Dritte im Bunde.

"Ich würde ihn ja gern nach einem Autogramm fragen, aber das sähe doof aus, oder?"

Die anderen beiden Typen hielten sich den Bauch vor lachen.

"Was denn? Als ob ihr das nicht auch tun würdet", entgegnete er empört. In diesem Augenblick schnappte sich Rob seinen Tourmanager und ging zu den Aufzügen.

Als er an den drei Typen vorbei war, blieb er stehen, und ging einen Schritt zurück.

"Nicky?", fragte er einen der Typen.

"Äh...ja...d-d-der bin ich."

"Mensch was für ein Zufall dich hier zu treffen. Ich muß dringend mit dir reden. Seit ihr lange in London?"

Nun sahen auch Mark und Shane genauso verdutzt aus wie Nicky.

"Ähm, um was geht"s denn?" fragte Nicky ihn.

"Das möchte ich jetzt nicht hier erörtern. Können wir uns, sagen wir, in einer halben Stunde an der Bar treffen?"

Er nickte Rob zu, dann sah er ihm hinterher, wie er im Aufzug verschwand.

"Was war das denn? Woher kennt dich denn Robbie Williams", fragte Mark erstaunt, und legte einen Arm um die Schulter von Nicky. Dieser zuckte aber nur mit den Schultern.

"Ich hab keine Ahnung Jungs, aber ich find"s cool", lachte er, und schien gerade 10 Zentimeter gewachsen zu sein.

Genervt ließ Manja ihren Koffer auf das Bett fallen und ging ins Bad. Sie ließ Wasser in die Wanne, dann ging sie zurück ins Zimmer und schaltete den Fernseher an. Sie fand schnell MTV und ließ sich auf das Bett nieder, als sie dort das neueste Video von Westlife sah. Schnell schaltete sie den Fernseher aus, als ihr Bryan entgegen lächelte. Sie strich sich mit beiden Händen über ihr Gesicht und massierte sich ein wenig den Nacken, als es an der Tür klopfte.

Sie öffnete die Tür und schaute einer blonden Frau ins Gesicht.

"Oh, entschuldigung. Ich hab mich wohl in der Zimmertür geirrt. Tut mir leid", sagte sie freundlich, und ging ein paar Türen weiter. Manja schloss ihre Tür wieder.

Dann zog sie sich aus und stieg in die Badewanne. Gott war es schön sich im warmen Wasser zu entspannen. Sie war gerade dabei sich richtig aus zu strecken, als es wieder an ihrer Tür klopfte. Manja ignorierte es, aber es wollte nicht aufhören.

"Verdammte Scheiße", murmelte sie, stieg aus der Wanne und wickelte sich ein Handtuch um ihren Körper.

"Was ist", fragte sie genervt, als sie die Tür öffnete.

"Du glaubst ja nicht wer hier ist", sagte Robert aufgeregt und rannte an ihr vorbei ins Zimmer.

"Komm ruhig rein", sagte sie leise, und warf die Tür mit Schwung zu.

"Los, zieh dir was an, wir treffen uns in zwanzig Minuten mit jemandem an der Bar."

"Hast du einen Knall? Ich werde mich jetzt mit niemandem treffen, außer mit meinem Badewasser. Und jetzt schwirr ab, bevor ich dich raus werfen lasse", sagte sie etwas lauter und energisch.

"Was ist denn mit dir plötzlich los?"

"Ich wollte gerade ein entspannendes Bad nehmen, und dazu kann ich dich am wenigstens gebrauchen."

"Mhm, ich könnte dir den Rücken massieren", sagte Robert mit einem Augenzwinkern.

"Oh", schnaubte Manja wütend, zerrte Robert am Arm und stieß ihn unsanft aus ihrem Zimmer.

"Wir sehen uns dann an der Bar?"

"Vergiss es! Und jetzt lass mich endlich in Ruhe Rob!"

Lächelnd machte er sich auf den Weg zum Zimmer 250.

"Nixter? Ey? Hallo?", rief Bryan, und wedelte mit einer Hand vorm Gesicht seines Kumpels umher.

"Wie? Was?"

"Kommst du mit mir und Kian in die City? Wir wollen etwas für Jenny besorgen."

"Nee du, ich treffe mich gleich mit Robbie. Tut mir echt sorry, aber ich hab keine Zeit."

"Welcher Robbie?"

"Na der Williams. Der will mich unbedingt sprechen. Keine Ahnung was der hat."

"Ja klar, Robbie Williams. Der will dich sprechen. Ich glaub du hast die Nacht nicht genug Schlaf bekommen", feixte Bryan, und humpelte zu Kian.

Nicky sah ihm kopfschüttelnd hinterher, dann verschwand er im Treppenhaus.

Rob betrat die Bar und entdeckte auch sofort Nicky.

Nervös rutschte Nicky auf seinem Stuhl hin und her. Was sollte er nur sagen? Er hatte plötzlich die Möglichkeit mit jemanden zu sprechen, den er noch zu Take That Zeiten bewunderte.

"Hi!"

"H-h-hi", stotterte Nicky, und hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt. Wieso konnte er denn nicht mal einen vernünftigen Gruß rausbekommen?

"Ich will gar nicht lange um den heißen Brei reden", begann Rob zu erzählen, wurde aber sofort von Nicky unterbrochen.

"Man ich bewundere dich schon so lange. Ich kann"s noch gar nicht fassen, das du mich erkannt hast?"

"Gut. Hätten wir das also geklärt. Nun aber zum eigentlichen Grund unseres Treffens."

Nicky wollte grad wieder den Mund aufmachen, aber Robert hob seine rechte Hand.

""tschuldigung", murmelte Nicky.

"Okay. Also der Grund warum ich dich sprechen muss, wohnt 4 Zimmer von mir entfernt. Es geht um eine junge Frau die wir beide kennen Nicky."

Man konnte das Fragezeichen zwar nicht sehen, aber man merkte wie es sich langsam in Nickys Gesicht ausbreitete.

"Am besten du bestellst dir einen Drink Nicky", sagte Rob, und winkte den Kellner zu sich.

"Der junge Mann hätte gern einen doppelten Tullamore und ich nehme eine große Coke", bestellte er bei dem Kellner.

"Schreiben sie sie bitte auf meine Rechnung", sagte Robert zu dem Kellner, der gerade die bestellten Getränke brachte.

Dann wandte er sich wieder Nicky zu.

"Okay, also es geht um eine junge Frau. Genauer gesagt um meine Choreographin." Er nahm einen Schluck von seiner Coke. Nicky starrte ihn fragend an.

"Und was hab ich mit ihr zu tun?"

"Ich denke du kennst sie sehr gut, und sie dich."

"Man komm zum punkt. Ich hab kein Bock auf dieses Spiel", sagte er etwas unruhig und genervt zu ihm.

Rob beugte sich etwas vor, dann sagte er leise einen Namen. Nickys Augen wurden mit einem Mal riesengroß und er trank den Whiskey mit einem Zug aus. Dann bestellte er einen neuen.

Um nicht an der Bar vorbei zu kommen, schlich sich Manja durch die Tiefgarage aus dem Hotel.

Schnell überquerte sie die Straße und wäre fast mit einem Auto zusammen gestoßen, wenn sie nicht noch rechtzeitig von jemandem zurückgezogen worden wäre.

"Danke", murmelte sie und machte sich wieder auf den Weg, ohne ihrem Retter nur einen Blick zu schenken.

Wie sollte sie die nächsten Tage nur in dieser Stadt überstehen? Immer wieder sah sie die Bilder von diesem widerlichen Kerl vor ihrem inneren Auge. Immer wieder spürte sie seinen ekelhaften, nach Alkohol stinkenden; Atem auf ihrem Gesicht. Sie hatte das Gefühl seine Hände wieder auf ihrem Körper zu spüren, wie er ihr unter den Rock fasste und ihr den Slip zerriss und dann mit kräftigen Stößen in sie eindrang. Sie spürte wieder diese Schmerzen, die aufsteigende Übelkeit und das Ziehen.

Mit tränenüberströmtem Gesicht lief sie in die nächste Seitegasse, und ließ sich an einer Mauer langsam nach unten gleiten. Nach all den Jahren hatte sie es noch immer nicht geschafft damit klar zu kommen.

Vor 7 Jahren war sie mit ihrer Schwester nach London gereist. Es war ein Geburtstagsgeschenk für sie von Manja. Als es Steffi an einem Abend nicht so gut ging machte sich Manja auf die Suche nach einer Apotheke. Sie fand auch schnell eine, aber leider war sie geschlossen, also musste sie nach einer anderen Ausschau halten. Es war schon ziemlich spät, es regnete und Manja zitterte am ganzen Körper.

Als sie endlich an eine Apotheke kam die geöffnet war, war sie überglücklich. Schnell kaufte sie das Medikament für ihre Schwester, dann rannte sie zurück zur Pension, als sie plötzlich von zwei älteren Männern aufgehalten wurde. Sie schubsten sie umher, bis sie auf den Boden fiel, und die Medikamentenflasche am Boden in tausend kleine Scherben zersprang. Dann passierte alles wie in Zeitlupe. Immer wieder wurde sie von den beiden Männern vergewaltigt, immer wieder spürte sie den übelriechenden Atem in ihrem Gesicht, immer wieder schluckte sie die aufsteigende Übelkeit hinunter. Sie dachte in diesem Moment nur an ihre Schwester. Als die Typen nach einer guten Stunde endlich von ihr abließen und lachend ihres Weges gingen, lag Manja noch lange gekrümmt am Boden. Lange Zeit konnte sie sich nicht bewegen. Irgendwann rappelte sie sich wieder auf, ging zurück zur Apotheke, kaufte noch einmal das Medikament für ihre Schwester und ging zurück zur Pension. Steffi schlief Gott sei dank schon, so daß Manja sie nicht unnötig beunruhigen musste. Sie wollte nur noch duschen, und sich den Schmutz abwaschen. Nach drei Stunden und mit völlig verschrumpelter Haut ging sie dann endlich zu Bett und versuchte zu schlafen. Ihrer Schwester hatte sie nie von diesem Vorfall erzählt.

Manja strich sich die Tränen aus dem Gesicht und machte sich auf den Weg in die City. Sie brauchte jetzt unbedingt etwas Ablenkung und vor allem brauchte sie Nervennahrung. Sie steuerte das nächstbeste Süßwarengeschäft an und ging hinein.

Nicky konnte es noch immer nicht fassen. Wie konnte das sein? Warum hatte Manja das getan?

"Rob? Das kann ich gar nicht glauben? Ist sie wirklich noch am Leben? Oh mein Gott?" Tränen stiegen ihm in die Augen und er zwinkerte sie schnell weg. Auf keinen fall wollte er jetzt vor Robbie Williams anfangen zu weinen. Was sollte der denn nur von ihm denken? Aber dann war es ihm doch egal, und ein paar Tränen bahnten sich einen Weg nach draußen.

"Ich kann verstehen was das für ein Schock für dich sein muß. Eigentlich wollte ich, das sie mit an die Bar kommt, aber sie hat ihren Dickschädel."

"Oh ja, den hat sie allerdings", lachte Nicky, und trank seinen mittlerweile dritten Whiskey in einem Zug aus.

"Sei mir nicht böse Rob, aber ich muß leider gehen. Kian feiert heute Abend seine Verlobung und ich muß noch ein bissl was vorbereiten. Dabei fällt mir ein....Magst du vielleicht auch auf die Party kommen?"

"Ich weiß nicht recht."

"Du kannst ja Manja mitbringen? Oh man das wäre der absolute Hammer. Das wäre das beste Verlobungsgeschenk, ehrlich."

"Ich red mal mit ihr, aber mach dir keine allzu großen Hoffnungen. Ich tu mein Bestes, okay?"

Nicky lächelte ihn dankbar an, dann umarmte er ihn und stürmte aus der Bar. Sollte er Georgina davon erzählen? Lieber nicht. Aber er musste unbedingt mit jemanden darüber reden. Da fiel ihm auch schon ein passendes Opfer ein.

Bryan und Kian irrten durch die Straßen von London.

"Sind die noch da?", fragte Bryan völlig außer Atem, und hätte seine Krücken am liebsten auf den Boden gepfeffert.

"Nee, ich glaub die haben wir..."

"Aaaahhhhhhhh", ertönten aber auch schon wieder grelle Schreie, und eine Horde Mädchen kam um die Ecke gestürmt.

"Los schnell da rein", rief Kian und schob Bryan regelrecht die Treppen in den Laden rauf. Dann schmiss er schnell die Tür zu, und bat die Verkäuferin sofort das Geschäft zu schließen.

"Ja wie stellen sie sich das denn vor, junger Mann? Ich hab Kundschaft und kann doch nicht einfach..."

Aber da hörte auch sie plötzlich eine schreiende Meute auf ihr Geschäft zu kommen, und drehte den Schlüssel schnell um.

"Danke! Vielen herzlichen Dank", schnaubte Bryan und schnappte nach Luft.

"Ich ruf gleich Anto an, damit uns jemand abholen kann", sagte Kian, und zückte sein Handy. Bryan entdeckte derweil einen Stuhl und ließ sich darauf nieder. Den Fans gefiel das sehr gut, denn Bryan hatte einen fantastischen Blick nach draußen. Er winkte immer mal wieder oder grinste in irgendeine Kamera. Die Mädels flippten jedes Mal völlig aus.

Mit einer Tüte ausgewählter Köstlichkeiten kam Manja aus dem hinteren Teil des Ladens nach vorn zur Kasse und wollte zahlen. Ihr fielen die vielen Mädchen vor dem Laden auf und sie sprach die Verkäuferin darauf an.

"Die beiden Männer dort drüben haben das Chaos hier verursacht", sagte sie leise, und zeigte auf die beiden Typen, die gerade Grimassen schnitten, was die Mädels noch mehr ausflippen ließ. Manja grinste im ersten Augenblick.

"Was bekommen sie", wandte sie sich dann wieder fragend an die Verkäuferin.

"Das macht dann 3 Pfund."

Manja zahlte und wollte den Laden gerade verlassen, als sich der Typ der auf dem Stuhl saß umdrehte.

Beide starrten sie sich an, und Manja ließ den kleinen Beutel mit den Pralinen fallen.

"Oh mein Gott", sagte Bryan leise, und starrte Manja noch immer an. Langsam beugte sie sich nach unten um die Tüte aufzuheben, aber sie verlor das Gleichgewicht, und schwankte bedrohlich nach vorn. Die Verkäuferin konnte ihr gerade noch rechtzeitig zur Hilfe eilen, bevor Manja der Länge nach hinfiel.

"Hey Bry, was denn los?", fragte Kian plötzlich, als auch die Fans immer ruhiger wurden. Kian drehte sich zu Bryan um und folgte seinem Blick.

"Ach du scheiße", murmelte Kian.

"Kannst du auch Geister sehen", stammelte er leise fragend weiter, und stupste Bryan kurz an.

"Kommen sie, ich laß sie schnell raus", unterbrach die Verkäuferin die Stille, und legte Manja freundlich eine Hand auf den Rücken.

"Warten sie", sagte Bryan plötzlich und quälte sich nach oben. Dann humpelte er langsam auf sie zu, und blieb kurz vor ihr stehen.

Manja konnte sehen was er dachte.

"Es tut mir leid, Bryan", sagte sie leise, dann ging sie zur Tür und verschwand. Bryan wollte ihr gerade hinterher, als ihn Kian am Arm fest hielt. Mit Tränen in den Augen blickte er ihr nach.

Nicky hämmerte gegen die Tür, so dass man hätte meinen können sie würde jeden Moment aus den Angeln fallen.

"Was", rief Anto, und riss die Tür ruckartig auf. Nicky zuckte erschrocken zusammen.

"Ich muss unbedingt mit jemandem reden", begann er aufgeregt zu erzählen, und ging an Anto vorbei ins Zimmer.

Hatte er eigentlich nie wenigstens für eine Stunde Ruhe vor den Jungs. Okay, er liebte seinen Job und die Jungs wirklich, aber über ein bisschen Privatsphäre hätte er nichts einzuwenden.

"Was ist denn jetzt schon wieder, Nicky?"

"Du glaubst das nicht. Ich glaub"s ja selbst kaum."

"Was denn?!"

"Anto, ich hab grad mit Robbie Williams persönlich gesprochen."

"Oh na wie toll. Und jetzt raus hier!"

"Nein, nein! Warte der Hammer kommt ja noch", rief Nicky ganz aufgeregt, und rannte im Zimmer auf und ab.

Anto atmete tief ein, verschränkte die Arme unter den Achseln und sah Nicky mit einem etwas gleichgültigen Blick an.

"Wenn Bryan das erfährt, der fällt tot um. Weißt du wer die Choreographin von Robbie ist?"

"Herr Gott noch eins Nicky! Woher zum Teufel soll ich das wissen? Es interessiert mich auch herzlich wenig wer diesem aufgeblasenem Lackaffen endlich mal richtig das Tanzen beibringt!" Anto ließ sich wütend in den Sessel fallen und starrte Nicky an.

"Manja! Anto, sie lebt! Sie war nie tot! Na ja, das würde ja auch schlecht gehen, es sei denn sie ist wiedergeboren worden oder so, aber an so was glaubst du ja eh nicht", quasselte Nicky, und wurde dabei langsam aus dem Zimmer geschoben.

"Bye bye Nicky", sagte Anto, und schmiss die Tür zu. Nicky blieb grinsend vor der Tür stehen.

Mit einem Ruck riss Anto die Tür wieder auf.

"Ich wußte doch, dass dich das interessiert", grinste Nicky, und ging zurück ins Zimmer.

Nadine, Matze und Jenny stöberten durch ein paar Geschäfte, als sie Kian und Bryan entdeckten.

Sie schlenderten zu den beiden Männern hinüber.

"Ich hab dich vermisst", säuselte Jenny und gab Kian einen Kuss. Kian erwiderte ihn allerdings nicht, sondern schob Jenny langsam und sachte von sich.

"Was ist denn los?" fragte sie völlig entsetzt, als sie Bryans rote Augen bemerkte.

Nadine und Matze gesellten sich zu ihnen, und sahen Bryan fragend an.

Dieser ließ sich auf die grüne Bank sinken, die am Straßenrand stand.

Ein erneuter Weinkrampf schüttelte ihn und Kian legte ihm tröstend eine Hand auf die Schulter.

"Ist was mit Kerry?" fragte Nadine erschrocken, und setzte sich neben Bryan. Aber er schüttelte nur den Kopf. Matze reichte ihm ein Taschentuch, was er dankend annahm. Er schnäuzte sich, dann sah er die drei Frauen der Reihe nach an.

Kian nickte kurz mit dem Kopf, als er Bryans fragenden Blick sah.

"Wir haben heute jemanden getroffen von dem wir glaubten, er würde...", Bryan begann erneut zu weinen.

Nadine strich ihm über seinen Rücken.

"Wir haben sie gesehen. Sie ist nicht tot", sagte Kian schnell, bevor sein Kumpel in einen erneuten Weinkrampf fiel, was aber augenblicklich wieder passierte.

"Wen habt ihr gesehen? Ich versteh das nicht ganz", sagte Jenny zu Kian, und legte ihren Kopf auf seine Schulter.

"Manja", sagte Bryan ganz leise. "Wir haben Manja gesehen", wiederholte er noch einmal ganz leise. Dann schnappte er sich seine Krücken und machte sich auf den Weg zum Hotel.

Nadine, Matze und Jenny sahen sich erschrocken an.

"Oh mein Gott, das kann unmöglich sein Kian", stotterte Jenny.

"Wenn ich sie nicht selbst gesehen hätte, dann würde ich Bryan für verrückt erklären, das könnt ihr mir glauben. Aber sie war da. Sie hat sogar was zu ihm gesagt, aber ich konnte das nicht verstehen." Kian atmete tief durch.

"Warum hat sie ihm was vorgespielt? Warum hat sie uns allen etwas vorgespielt? Wie konnte sie das nur tun?" sagte Nadine leise, und stand auf. Sie musste weg hier.

"Wir treffen uns im Hotel", sagte sie leise, dann ging sie ihres Weges.

"Nadine warte!", rief ihr Matze hinterher, und eilte zu ihr. Gemeinsam setzten sie ihren Weg fort.

Jenny konnte es noch immer nicht begreifen. Immer wieder schüttelte sie mit dem Kopf und wischte sich die Tränen weg.

"Und du bist dir wirklich ganz sicher, dass das Manja war? Kian bist du dir da wirklich sicher?"

"Ja, ich bin mir da ganz sicher. Sie hat zwar keine roten Haare mehr, aber sie war es. Ich bin mir ganz sicher."

"Ich kann das nicht glauben", sagte sie leise, und schnäuzte sich die Nase. Kian streichelte ihr sanft über die Wange, gab ihr einen Kuss und nahm ihre Hand in seine.

"Lass uns auch zurück zum Hotel gehen. Wir wollen doch unsere Party nicht verpassen", versuchte er die gedämpfte Stimmung etwas zu heben, aber es gelang ihm nicht wirklich. Jenny stand auf, gab ihm einen Kuss und dann gingen sie schweigend zum Hotel.

Schnell lief sie durch die Tiefgarage, und dann zu dem Treppenaufgang. Sie nahm zwei Stufen gleichzeitig und war schon völlig außer Atem, dabei hatte sie grad mal den Bereich zur Lobby erreicht. Sie atmete einmal tief durch und stürmte weiter die Treppen herauf. Sie hatte grad den ersten Stock hinter sich gelassen, als sie Schritte hörte die von oben zu kommen schienen.

"Scheiße", murmelte sie, denn sie konnte nicht mehr zurück. Sie senkte ihren Blick und lief schnell an der ihr entgegenkommenden Person vorbei.

"Sie können den Aufzügen wohl auch nix abgewinnen, oder", scherzte die Person.

Manja nickte nur kurz, und stürzte an der Person vorbei.

"Vorsicht", rief sie, als sie fast von Manja umgerannt wurde. Manja spürte wie sie am Arm gepackt wurde und sah auf. Tränen stiegen ihr in die Augen.

"Nicky", flüsterte sie leise, und ließ sich an der Wand nach unten gleiten.

Nicky wußte erst nicht wie er reagieren sollte, setzte sich dann aber neben sie auf den Boden.

Manja fing an zu schluchzen. Es schallte wie verrückt im Treppenhaus, als sie sich kaum noch beruhigen konnte.

"Es tut mir so leid Nicky. Es tut mir so leid", schluchzte sie immer wieder, und die Tränen rannen in Sturzbächen ihr Gesicht herunter.

"Hey", sagte er leise, und legte einen Arm um ihre Schultern. Dann zog er sie sanft an sich und hauchte ihr einen Kuss auf ihre Schläfe.

"Komm, lass uns irgendwohin gehen, wo wir ungestört reden können. Am besten in dein Zimmer", sagte Nicky leise, und stand langsam auf. Er zog Manja mit sich nach oben und lächelte ihr aufmunternd zu. Dann gingen sie langsam die Treppen hoch.

Bryan stieß genervt seine Zimmertür auf und ließ sich auf sein Bett fallen.

"Hey Babe, ich hab dich soooooooo vermisst", raunte Kerry, und legte sich neben ihn. Sie küsste zärtlich seine Wange, aber Bryan stieß sie unsanft von sich.

"Was ist denn los?"

"Ach lass mich einfach in Ruhe, okay", sagte er etwas gereizt, und schmiss die Krücken vom Bett.

Kerry sah ihn erschrocken an.

"Bryan? Was ist passiert?"

"Kerry bitte! Lass mich einfach in Ruhe!"

Bryan sah sie mit einem Blick an, der ihr Angst machte. Ihre Unterlippe begann zu zittern und sie spürte die Tränen in ihre Augen schießen. Schnell setzte sie sich auf und starrte auf den ausgeschalteten Fernseher.

"Hab ich was falsch gemacht?"

Keine Antwort.

"Hab ich vielleicht was falsches gesagt?"

Immer noch keine Reaktion von Bryan.

"Hast du einen Grund auf mich sauer zu sein?"

"Kerry, zum letzten Mal! Verschwinde endlich und lass mich in Ruhe!"

Bryan erschrak sich vor sich selbst und seinem schroffen Tonfall.

"Weißt du was? Du kannst mich mal", rief Kerry, schnappte sich ihre Jacke und verließ das Zimmer. Bryan drehte sich auf den Rücken und starrte an die Decke.

"Warum? Warum? Warum?" fragte er sich immer wieder selbst, und Tränen liefen sein Gesicht hinunter und fielen auf das Kissen.

Kerry stürzte fluchend aus dem Hotel und wäre fast mit Kian und Jenny zusammengeprallt, wenn Kian sie nicht gestoppt hätte.

"Was ist denn mit dir los?" fragte er, obwohl er sich die Antwort schon fast selbst hätte geben können.

"Kian, was ist denn mit Bryan plötzlich los? Habt ihr euch mal wieder gezofft?"

Kian sah Kerry lange an, dann räusperte er sich.

"Wir müssen reden Kez", sagte er leise, und legte ihr einen Arm freundschaftlich um die Schultern.

"Ich lass euch allein okay?"

"Nein, nein, bitte geh nicht", bettelte Kian, und sah Jenny mit einem flehenden Blick an.

"Was ist denn los", meldete sich Kerry wieder zu Wort.

"Lasst uns an die Bar gehen. Da redet es sich am besten", sagte Jenny, und eilte voraus. Kian und Kerry folgten ihr.

Nadine schmiss die Tür zu, und Shane schaute sie erschrocken an.

"Alles klar mit dir?"

"Oh Shane, ich kann nicht mehr", jammerte sie, und setzte sich auf seinen Schoß. Er strich ihr zärtlich über den Rücken.

"Ja, shoppen kann sehr anstrengend sein", neckte er sie. Als er aber plötzlich Tränen in ihren Augen entdeckte, änderte sich seine Stimmung augenblicklich.

"Was hast du? Hat dir jemand was getan?"

Nadine sah ihren Freund an, dann sprudelten die Worte nur so aus ihr heraus. Shane konnte nicht glauben was er da hörte. Immer wieder schüttelte er ungläubig den Kopf und strich beruhigend über ihren Rücken.

"Weißt du was", fragte er sie, als sie geendet hatte.

"Ich lass dir jetzt ein heißes Bad ein, und dann entspannst du dich erst einmal richtig. Wenn du willst, leiste ich dir in der Wanne gern Gesellschaft."

"Dann lass aber nicht zu viel Wasser ein, sonst gibt"s eine Überschwemmung, wenn du in die Wanne steigst", neckte sie ihn. Shane schnappte sie sich und warf sie mit einem Schwung auf"s Bett. Dann legte er sich auf sie und begann sie zu küssen. Erst ganz zärtlich dann immer leidenschaftlicher. Sanft fuhr er mit seinen Händen unter ihr Shirt und ließ seine Fingerspitzen über ihren Bauch gleiten.

"Was ist mit meinem Wasser?" fragte Nadine neugierig.

"Das kann warten", sagte Shane und zog ihr mit einem frechen Grinsen das Shirt aus.

Sie sperrte die Tür auf und ging in ihr Zimmer. Nicky folgte ihr unaufgefordert.

"Kann ich dir was zu trinken anbieten?"

"Nee lass man. Ich hab vorhin drei Whiskey getrunken, und bei der Party nachher gibt"s auch noch eine Menge zu trinken."

Schweigend ließen sie sich auf das Sofa fallen.

"Ähm...was ist denn nun passiert? Was hat dich dazu getrieben das zu tun?"

Manja war über die direkte Art von Nicky erstaunt. Er ist in dem letzten Jahr ziemlich selbstbewusst geworden. Jedenfalls kam ihr das so vor.

Müde strich sie sich über"s Gesicht, dann holte sie kurz Luft.

"Das ist eine lange Geschichte Nicky", sagte sie leise, und schaute betrübt zu Boden.

"Fang an. Die Party kann warten."

Manja blickte ihm direkt in die Augen. Gott wie sie diese blaue Augen und dieses Lächeln vermisst hatte. Ganz zu schweigen von dieser Stimme. Sofort musste sie wieder an den Nachmittag denken. Den Nachmittag als ihr Nicky einen zärtlichen Kuss auf ihr Ohr hauchte und sie eine Gänsehaut bekam. Manja musste leicht lächeln. Sie schreckte hoch, als sie leicht an der Hand berührt wurde.

"Alles klar bei dir?" Sie nickte schnell, dann begann sie Nicky alles zu erzählen.

"Und wer ist bitte schön diese Manja", fragte Kerry etwas säuerlich, und trank einen Schluck von ihrem Cocktail.

Kian fing an, Kerry alles von Manja an zu erzählen.

Mark betrat gerade das Hotel, als er Kian, Kerry und Jenny an der Bar entdeckte.

"Ich hoffe ich störe euch nicht, aber ich muß unbedingt mit jemandem reden", sagte er, und nahm neben Kerry Platz.

"Lass mich raten. Du hast Manja gesehen", sagte Kerry etwas schnippisch, und starrte Mark erwartend an.

"Ähm, ja. Woher weißt du das?"

"Wir haben sie alle gesehen. Das heißt Kerry nicht, aber Bryan, und deswegen gab"s einen mächtigen Streit zwischen den Beiden", versuchte Jenny die Situation zu erklären.

"Aha, okay. Ich glaub, ich hab das zwar nicht ganz verstanden, aber das seid ihr ja von mir gewöhnt", scherzte Mark, aber außer ihm schienen die Anderen das weniger lustig zu finden.

Er wollte sich grad ein Guinness bestellen, als sein Handy klingelte. Er blickte auf das Display.

"Hey Süße, was gibt"s?"

Mark nickte mit dem Kopf, obwohl Matze das nicht sehen konnte.

"Ja, ich bin gleich bei dir, okay", sagte er liebevoll. Mark verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zu den Aufzügen.

"Ach Kian! Was ist eigentlich mit eurer Verlobungsfeier?"

"Was soll damit sein? Die findet natürlich statt. Meinst du ich lass sie mir von ihr vermiesen?"

Mark hob entschuldigend die Hände und trottete davon.

Die Party war im vollen Gange, als es an der Zimmertür von Manja klopfte. Müde trabte sie zur Tür und öffnete sie.

"Hey, da ist ja meine liebste Choreographin der Welt", grinste Robert, und trat ohne Aufforderung, an ihr vorbei, ins Zimmer.

"Immer komm doch rein", sagte sie leise, und schloss die Tür wieder.

"Wieso bist du nicht fertig angezogen?"

Erstaunt und fragend zugleich sah sie ihn an.

"Ach nee, sag bloß du hast die Party vergessen."

"Ähm, sei mir nicht böse Rob, aber ich geh nicht auf diese Party."

"Wieso denn nicht?"

Mit einem seufzen setzte sie sich auf ihr Bett.

"Du kannst dir denken wieso. Ich kann da nicht einfach auftauchen und so tun, als ob nichts passiert ist."

"Ja aber Nicky freut sich schon so auf dich."

"Ich weiß, ich hab mich vorhin lange mit ihm unterhalten. Rob bitte zwing mich nicht auf diese Party zu gehen. Das würde alles in einem Desaster enden, das spüre ich."

Mit einem flehenden blick sah sie ihn an. Er sah sie mit einer hochgezogenen Augenbraue an, dann setzte er sich neben sie.

Sie saßen einfach nur so da und schwiegen.

"Wenn du die Party, und vor allem die tollen Frauen, nicht verpassen möchtest, dann solltest du jetzt gehen", sagte sie lächelnd, und stupste Robert seitlich an.

"Ach was. Tollere Frauen als dich gibt"s da eh nicht. Aber ich kann mich ja mal umschauen gehen." Mit einem breiten und fast kindlichem grinsen stand er auf, drückte Manja einen Kuss auf die Wange und lief aus dem Zimmer.

Lächelnd sah sie ihm hinterher. Als die Tür ins Schloss fiel, fror ihr Lächeln zu einer schmalen Linie. Morgen wollte sie ihm sagen, dass sie nicht mehr für ihn arbeiten kann. Hatte sie die richtige Entscheidung getroffen?

Kaum hatte Robert den Festsaal betreten, stürzten sich auch schon zwei leicht bekleidete Frauen auf ihn. Dass ihm das mehr als gefiel, muß hier sicher nicht erwähnt werden. Bevor er sich mit den beiden Frauen aber in eine etwas ruhigere Ecke verziehen konnte, wurde er von jemandem aufgehalten.

"Wo hast du denn Manja gelassen", fragte Nicky.

"Sie wollte nicht mit auf die Party. Es geht ihr nicht so gut. Ich glaube es ist auch besser für alle, wenn sie der Party fernbleibt."

Nicky sah etwas bedrückt aus, gab sich mit dieser Erklärung aber zufrieden. Er war noch nie dafür, dass man jemanden zu etwas zwingt, was er eigentlich nicht möchte.

"Schade...aber dir wünsch ich viel Spaß", sagte er augenzwinkernd, und musterte die beiden Frauen, die sich bei Rob untergehakt hatten. Mit einem breiten grinsen machte sich Rob auf den Weg in eine etwas dunklere Ecke. Nicky sah ihm kopfschüttelnd hinterher, dann ging er zu seiner Freundin.

Bevor er ihr aber einen Kuss geben konnte, wurde er von jemandem aufgehalten.

"Mark? Was ist denn mit dir los?"

"Weißt du wo Madeleine ist?"

"Nein! Was ist denn passiert?"

"Wir hatten vorhin einen riesigen Streit wegen Manja. Seit die hier wieder aufgetaucht ist, ist Madeleine wie ausgewechselt."

"Mhm. Nee du tut mir leid, aber ich hab deine Süße nicht gesehen. Und bevor mir meine Hübsche auch noch davon läuft...du entschuldigst mich?"

"Ja klar. Ich werd sie schon finden", sagte Mark, klopfte seinem Kumpel auf die Schulter und ging.

Gerade als sich das Paar im Fernsehen den lang ersehnten Kuss geben wollte, hämmerte es gegen ihre Zimmertür.

"Nein, nicht jetzt!" fluchte Manja leise, und stellte den Ton auf lautlos. Dann sah sie mit einem sehnsüchtigen Blick auf den Fernseher. Sofort musste sie an Bryan denken. Wie sehr hatte sie ihn die letzten Monate vermisst? Ein leichtes lächeln huschte ihr über die Lippen, als sie an die erste Begegnung mit ihm zurück dachte. Aber nie wird sie sein Gesicht vergessen, als er ihren Abschiedsbrief fand. Nicky hatte es damals kaum geschafft ihn zu beruhigen und ihn davon abzuhalten, sich von der Klippe zu stürzen. Immer wieder rief Bryan laut ihren Namen. Immer und immer wieder schrie er ihn laut auf das Meer hinaus.

Ein weiteres klopfen riss Manja aus ihren Erinnerungen. Schnell wischte sie sich die Tränen weg, dann ging sie langsam zur Tür. Sie atmete noch einmal tief ein. Es sah fast so aus, als ob sie sich auf etwas unangenehmes vorbereiten wollte. Dann öffnete sie langsam und zögernd die Tür.

"Hi Süße! Wir wollten fragen, ob du mit uns durch das wilde Nachtleben von London ziehen möchtest?"

Manja sah erst zu Jonah und dann zu Marv. Wenn man richtig hingehört hat, dann hätte man es plumpsen gehört. Mit leicht zitternden Händen ließ sie die beiden Männer in ihr Zimmer.

"Was ist denn los? Du schaust aus, als ob du einen Geist gesehen hättest", lachte Jonah. Manja winkte kurz ab.

"Nee es ist nichts."

"Und? Kommst du nun mit?" fragte Marv neugierig.

"Ich weiß nicht recht. Es ist lieb von euch das ihr an mich denkt, aber ich denke ich bleibe lieber hier. Ich fühl mich auch nicht so besonders. Ein anderes Mal gern Jungs, aber heute....nein heute wirklich nicht."

"Ach komm schon. Die nächsten Tage hast du alle Hände voll zu tun, da wirst du nicht so schnell in den Genuss kommen, mit uns die Strassen unsicher zu machen", grinste Jonah frech, und legte einen Arm um ihre Hüfte. Sie schüttelte heftig mit dem Kopf, und schob ihn von sich weg.

"Nein Jungs. Geht bitte ohne mich. Ein anderes Mal gern, aber nicht heute." Mit diesen Worten schob sie die Beiden zur Tür raus, und schloss sie danach ganz schnell. Dann machte sie es sich wieder auf ihrem Bett gemütlich.

Er wußte nicht, wo er noch nach ihr suchen sollte. Madeleine schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein, und Mark machte sich langsam aber sicher Sorgen um sie. Wo konnte sie nur stecken? Er beschloss, wieder zur Party zu gehen. Irgendwann würde sie schon wieder auftauchen, und er wollte sich von ihrer Laune nicht den Abend vermiesen lassen. Innerlich verfluchte er Manja. Sie war schließlich der Auslöser für diesen ganzen Schlamassel. Am liebsten wäre er zu ihr gegangen, und hätte ihr mal gehörig die Meinung gesagt, aber er wollte sich nicht auch noch gänzlich die Lust am feiern verderben lassen. Mit einem tapferen lächeln stürzte er sich in die feiernde Meute.

"Diese dämliche Kuh! Wie konnte sie uns das nur antun?" Matze rannte wütend durch den Londoner Hyde Park. Sie war lange nicht mehr so wütend gewesen. Wütend auf Mark, wütend auf sich selbst, aber am meisten war sie auf Manja wütend. Nur wegen ihr hatte sie sich mit Mark gestritten. Es war der bisher heftigste Streit, den die beiden hatten. Sie wollte gar nicht daran zurück denken. Und was sie ihm alles an den Kopf geworfen hatte. Wütend biss sie sich auf ihr Unterlippe.

Wieso konnte er aber nicht auch sie verstehen? Warum ergriff er Partei für sie?

"Wie würdest du dich denn an ihrer Stelle fühlen? Vielleicht hatte sie ja ihre Gründe für ihr damaliges Verhalten?", wiederholte sie seine Fragen in einem beleidigten Tonfall. Als ob das nicht alles schon genug gewesen wäre, fing es auch noch aus heiterem Himmel an zu regnen.

"Danke! Vielen herzlichen Dank", rief sie, den Blick gen Himmel gewandt. Was hatte sie nur verbrochen? Klatschnass und wütend ließ sie sich auf die nächste Bank plumpsen, und dachte über die letzten Stunden nach.

Auf der Party wurde es immer feucht-fröhlicher, und alle amüsierten sich prächtig. Nur eine Person schien nicht wirklich in bester Feierlaune zu sein. Bryan.

Er saß an einem Tisch, sein gebrochenes Bein von sich gestreckt und an einem Bier nippend. Kerry hatte sich den ganzen Abend nicht wirklich um ihn gekümmert. Sie wollte sich nicht von ihm die Laune verderben lassen.

Mit einem leeren Blick sah Bryan zu Kian und Jenny, die sich gerade zärtlich küssten und dabei so glücklich aussahen. Shane und Nadine wirbelten über die Tanzfläche, als ob sie nie etwas anderes getan hätten. Nicky und Georgina schmachteten sich an und in einer dunklen Ecke hatte irgendein Typ gerade das Vergnügen, von zwei Frauen beglückt zu werden. Nur Mark sah etwas unglücklich aus, und als er Madeleine nirgends entdecken konnte, wußte er warum sein Kumpel nicht in bester Laune war. Näheres wollte er aber lieber nicht in Erfahrung bringen, denn er konnte es sich auch so denken – Manja.

Er sah sie in Gedanken vor sich. Wie sie ihm heute in dem kleinen Geschäft gegenüberstand. Er sah wahrscheinlich genauso verstört wie sie aus, als sie sich ansahen. "Es tut mir leid", hallte es in seinem Kopf. Ohne es zu merken, begann Bryan mit sich selbst zu reden.

"Was tut dir denn leid? Tut es dir leid, uns alle so an der Nase herumgeführt zu haben? Oder tut es dir leid, plötzlich hier wie aus dem Nichts aufzutauchen? Vielleicht aber tut es dir leid, mir mein Herz aus der Brust gerissen zu haben. Darauf rumgetrampelt zu sein als ob ich ein Stück Dreck wäre, der es nicht verdient hatte glücklich zu sein. Was tut dir leid?"

Erschrocken zuckte er zusammen. Erschrocken über die Erkenntnis, das er sie noch immer liebte. Sicher er hatte jetzt Kerry, aber sie würde Manja nie ersetzen können. Bryan verstand das alles selbst kaum. Wie konnte man von einem anderen Menschen so sehr in den Bann gezogen werden? Er wußte sich darauf keine Antwort. Jedenfalls noch nicht jetzt.

Am nächsten Morgen.

Es war noch sehr früh, als sie ihm einen Zettel unter der Tür durchschob. Dann machte sie sich auf den Weg in die Lobby. Dort checkte sie aus, und stieg in das Taxi, was vor dem Hotel bereits auf sie wartete.

Wieder einmal lief sie vor allem davon.

Als sie 3 Stunden später am Flughafen in Berlin ankam, fühlte sie sich zwar nicht besser, aber etwas erleichtert. Dennoch stand sie vor einem riesigen Problem. Wohin? Sie hatte keinen Job und sie hatte keine Wohnung. Alles was sie noch besaß zog sie in einem kleinen Koffer hinter sich her. Also musste sie, wohl oder übel, erst einmal in einem Hotel unterkommen.

Manja hat sich für die nächsten vier Wochen in einer kleinen Pension eingenistet. Morgen wollte sie sich auf den Weg nach einem Job machen und sich dann auch gleich eine Wohnung suchen.

2Jahre später

Geschafft, aber überglücklich ließ sich die junge Frau auf ihre Couch fallen. Es hatte endlich geklappt. Sie wurde heute befördert.

Die letzten Monate waren der reinste Horror, aber sie hat schon schlimmeres überstanden. Jetzt war sie stellvertretende Leiterin an einer Tanzschule. Ihrem Traum Choreographin zu werden, kam sie damit immer ein Stück näher.

Lächelnd schaltete Manja den Fernseher ein. Mal schauen, was in der Welt so alles passiert ist. Das übliche. Im Irak und Iran schlugen sie sich die Köpfe ein, während die Amerikaner versuchten den lieben Gott zu spielen. Es war also nicht wirklich was passiert.

Manja wechselte auf einen Musiksender. Dort lief gerade ein Video von Robbie Williams. Sie hatte schon häufig davon gehört, aber es selbst noch nie in voller Länge gesehen. Jeder regte sich darüber auf. Sie machte es sich vor dem Fernseher gemütlich und schaute sich das Video zu "Rock DJ" an.

"Ist das widerlich! Aber irgendwie voll genial!" Manja sprang auf, und tanzte in ihrem Wohnzimmer umher. Als das Video vorbei war, ertönten ruhigere Takte. Zu ruhig für sie, und sie war gerade im Begriff umzuschalten, als der Name der Band und der Songtitel eingeblendet wurden: WESTLIFE – Unbreakable.

Manja schnürte es fast die Luft ab, als sie sich das Video dazu ansah. Wie gebannt starrte sie auf den Fernseher. Als das Video vorbei war, schaltete sie den Fernseher aus. Sie musste ganz schnell an die frische Luft.

Kerry war gerade dabei Essen zu machen, als Bryan die Auffahrt hochgedüst kam. Er sprang fast aus dem Auto und rannte ins Haus.

"Kerry! Kerry! Das glaubst du nicht! Wir haben es wieder geschafft!"

Sie kam ihm freudestrahlend entgegen.

"Ich hab es gerade im Radio gehört. Herzlichen Glückwunsch!"

Kerry warf sich ihm an den Hals, und er wirbelte sie herum. Was war passiert? Das übliche eben. Westlife waren mit "Unbreakable" von Null auf Eins in den englischen und irischen Charts eingestiegen.

Sie gab ihm einen zärtlichen Kuss.

"Wo ist die Kleine?"

"Sie schläft."

Bryan wand sich aus der Umarmung und machte sich auf den Weg zu seiner Tochter.

Kerry hatte ihm, kurz nach dem die Verlobungsfeier von Kian und Jenny in London war gesagt, dass sie schwanger ist. Bryan freute sich wahnsinnig auf das Kind, aber das hieß auch gleichzeitig, dass er Kerry heiraten musste. Er machte ihr also einen Antrag.

Im Januar letzten Jahres heirateten sie. Kerry sah wunderschön und glücklich aus. Auch Bryan schien richtig glücklich zu sein. Molly, ihre Tochter, setzte dem Familienglück dann später noch die Krone auf. Bryan war ein stolzer Vater und das zeigte er auch immer wieder. Er hatte eine wundervolle Frau, eine wunderschöne Tochter und sehr viel Erfolg mit Westlife. Dennoch war er nicht wirklich glücklich. Immer wieder musste er an den Tag zurückdenken. Was wäre passiert, wenn er ihr damals alles gesagt hätte? Was wäre passiert, wenn er Kerry nie geheiratet hätte? Was wäre, wenn er einfach die Band verlassen würde, nur um endlich glücklich zu sein. Um dem ganzen Rummel etwas entfliehen zu können, und sich um sein eigenes Wohlergehen zu kümmern, anstatt ständig auf andere Rücksicht nehmen zu müssen?

Nun stand er hier vor dem kleinen Bettchen seiner Tochter und strich ihr vorsichtig über ihren Kopf. Er liebte seine kleine Maus über alles, aber würde er es sich jemals verzeihen können die falsche Entscheidung getroffen zu haben? Völlig in Gedanken versunken kauerte er sich neben das Bettchen und sah Molly beim schlafen zu.

Das Wochenende war endlich geschafft, und Manja war froh darüber.

Fröhlich pfeifend kam sie im Tanzstudio an. Bridget, ihre Chefin, war schon da, und schaute die Post durch.

"Manja, kommst du mal bitte? Ich muß mal mit dir reden."

"Bin gleich bei dir!"

Mit einer großen Tasse heißen Kaffee ging sie zu ihr herüber und sah sie fragend an.

"Was ist", fragte sie, und nahm einen großen Schluck ihres Lieblingsgetränkes. Ohne Kaffee wäre Manja so gut wie tot.

"Ich hab hier einen Auftrag reinbekommen, aber er ist genau in dem Zeitraum, wo ich bereits die Choreographie für die Engel machen muss."

"Und jetzt soll ich die Engel übernehmen, damit du den anderen Auftrag erledigen kannst? Kein Problem."

"Nein, nein. Die Engel gehören mir. Du wirst den Auftrag hier machen. Ist nichts großes. Du bist praktisch nur die Assistentin."

Manja nickte, und trank einen weiteren Schluck von ihrem Kaffee.

"Die Sache hat nur einen Haken", sagte Bridget.

"Und der wäre?"

"Du müsstest in 3 Tagen nach Dublin fliegen."

"Dublin?" Manja sah Bridget mit großen Augen an.

"Wieso Dublin? Ich dachte wir nehmen nur Aufträge innerhalb Deutschlands an?"

"Und wie wollen wir es dann jemals zu etwas bringen?"

"Ja, wenn dir soviel an dem Erfolg liegt, dann nimm du doch den Auftrag in Dublin. Ich bleibe wirklich gern hier."

"Du schnallst auch gar nichts, oder? Wer ist denn der Choreograph der Engel?"

"Ich dachte du?"

"Ja, auch. Aber wer noch?"

"Okay, schon verstanden. Dich scheint"s ja richtig erwischt zu haben?" feixte Manja, und trank nun den letzten Rest ihres Kaffees.

"Ja, das kann man so sagen", seufzte Bridget und lächelte leicht.

"Okay, okay. Damit du in Ruhe mit deinem Dee kuscheln kannst flieg ich nach Dublin. Bin ja kein Unmensch. Zeig mal her den Schriebs", rief Manja, und riss Bridget das Schreiben förmlich aus den Händen.

"Bla, bla, bla...mhm, mhm...bla, bla, bla", sagte sie gelangweilt, als sie den Brief überflog.

"Und wo ist das Flugticket?"

"Ähm, na ja. Das müsstest du dir selbst kaufen", sagte sie leise, "Aber du bekommst die Kosten bestimmt erstattet", fügte sie noch schnell hinzu, bevor Manja etwas sagen konnte.

"So, und nun mach dich an die Arbeit. Ich meine, geh nach Hause und pack deine Koffer. Du hast in den nächsten Wochen genug Stress."

"Wieso Stress? Ich bin doch eh nur die Assistentin?"

"Du kennst Priscilla nicht, oder?"

Manja schüttelte ihren Kopf, und sah Bridget mit großen Augen an.

"Ist sie denn so schlimm?"

"Eigentlich nicht, aber sie kann es werden. Also ab jetzt."

Manja umarmte Bridget noch schnell, dann schnappte sie sich ihre Tasche und verschwand.

"Na das kann ja heiter werden", murmelte sie auf dem Weg nach draußen.

3 Tage später

Die Sonne lachte, als das Flugzeug in Berlin abhob. Als sie jetzt in London landete regnete es. Da sie eh kaum Zeit hatte, machte sie sich keine weiteren Gedanken über das Wetter. Sie schnappte sich ihren Koffer und rannte zu ihrem Weiterflug nach Dublin.

"Ich hasse diese Art von Stress", fluchte sie, als sie völlig außer Atem in ihrem Sitz Platz nahm.

Neben ihr saß ein junges Mädchen, höchstens 10 Jahre, und grinste Manja an.

"Na super", stöhnte Manja, und machte es sich so bequem wie möglich.

"Fliegst du auch nach Dublin?"

"Nein, nein. Ich spring vorher mit dem Fallschirm ab", antwortete Manja genervt, und vertiefte sich wieder in ihr Buch.

"Ehrlich?" fragte das Mädchen erstaunt.

Manja atmete tief durch, und las weiter.

"Also ich flieg nach Dublin, eine Freundin von mir besuchen. Wir haben uns vor über einem Jahr im Internet kennen gelernt. Vor 3 Monaten war sie bei mir, und jetzt flieg ich sie besuchen. Ich bin total aufgeregt, weißt du."

"Okay! Alles schön und gut, aber es interessiert mich nicht die Bohne wo du hin fliegst, wen du besuchst oder was auch immer. Ich will einfach nur meine Ruhe, alles klar?!"

Manja warf dem Mädchen einen nicht gerade freundlichen Blick zu, dann vergrub sie ihr Gesicht wieder in ihrem Buch.

"Wo kommst du eigentlich her?" wollte das Mädchen wissen. Manja ignorierte diese Frage.

"Also ich komme aus London. Warst du schon mal in London? Ich liebe es!"

Genervt schlug Manja ihr Buch zu.

"Ja, ich war schon mal in London, und ich hasse es. Es ist die grauenvollste Stadt die ich jemals besucht habe, und ich möchte auch nicht wieder so schnell dorthin zurück. Und wenn es dir nichts ausmacht, dann wäre ich dir sehr verbunden, wenn du endlich mal deinen Mund halten würdest. Such dir jemand anderes, den du nerven kannst."

Das Mädchen schien sich nicht wirklich für das zu interessieren, was Manja ihr mitteilte, denn sie holte erneut Luft.

"Wieso hasst du London? Und wo kommst du eigentlich her?"

So, jetzt reicht"s. Mit einem Satz sprang Manja auf und rannte zur Stewardess.

"Miss? Miss? Sie müssen mir unbedingt einen anderen Sitzplatz geben. Ich zahle auch was drauf, wenn"s sein muß, aber bitte geben sie mir einen anderen Sitzplatz", flehte Manja die junge blonde Frau an.

"Sie haben wohl gerade Bekanntschaft mit Becky gemacht?" lächelte sie, und sah Manja freundlich an.

"Becky?"

Die Frau zeigte auf das kleine Mädchen.

"Becky fliegt einmal im Monat mit uns nach Dublin."

"Aber mir hat sie..."

"Ja, sie erzählt immer wieder eine andere Geschichte. Sie tut mir leid."

"Wieso?"

"Becky hat Krebs. In London kann ihr nicht geholfen werden, aber dafür in Dublin."

Manja sah die Stewardess mit großen Augen an. Hatte sie richtig gehört?

"Oh man. Und ich hab sie nur angeschnauzt, weil ich völlig genervt bin. Aber wissen sie was das Komische ist?" Manja musste leise lachen. "Sie hat sich nicht im geringsten von meiner schlechten Laune beeinflussen lassen. Ich an ihrer Stelle hätte schon längst eine passende Antwort erwidert, aber Becky."

Die junge Frau lächelte Manja an.

"Möchten sie immer noch einen anderen Sitzplatz?"

"Nein, natürlich nicht. Ich glaub, ich muß mich bei jemandem entschuldigen", sagte Manja leise, und schlich zurück zu ihrem Platz.

"Da bist du ja wieder", wurde sie freudestrahlend von Becky begrüßt. Unweigerlich musste Manja an ihre erste Begegnung mit Mandy denken, und ein lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit.

Die Maschine landete pünktlich in Dublin. Wie es Manja schon erwartet hatte, regnete es auch hier. Als sie ihren Koffer endlich vom Band nehmen konnte und sich auf den Ausgang zu bewegte, hörte sie, wie jemand ihren Namen rief. Manja drehte sich um.

"Ich wollte dir noch viel Spaß wünschen", lächelte Becky, und fiel Manja um den Hals. Sie drückte ihr einen dicken Kuss auf die Wange, dann ließ sie sie wieder los, und in ihren Augen machte sich plötzlich ein dunkler Schatten breit. All die Lebensfreude die Becky noch vor ein paar Minuten ausgestrahlt hatte, war mit einem Mal verschwunden. Manja drückte sie noch einmal fest an sich und gab ihr einen Kuss.

"Ich hab dich gern", sagte sie leise, dann löste sie sich von ihr und ging ihres Weges. Das Becky ihr weinend hinterher sah, bemerkte sie nicht, als sie in einer Traube von Menschen verschwand.

Etwas genervt ließen sich Mark, Nicky, Shane, Kian und Bryan auf den Boden sinken.

"Wie viele Assistentinnen möchtest du eigentlich noch verscheuchen", fragte Shane.

Priscilla sah ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.

"Das lass mal meine Sorge sein. Kümmere du dich lieber endlich mal darum, dass du die Tanzschritte endlich fast wie im Schlaf kannst."

Also, was erlaubte die sich denn? Shane sah sie mit einem bösen Blick an.

"Du kannst doch nicht jedes Mal völlig ausflippen, wenn deine Assistentin mal mit den Schrittfolgen nicht klar kommt. Nicht mal wir schaffen es deinem Tempo zu folgen", meldete sich nun Nicky zu Wort.

"Wunder kann man ja von euch auch nicht erwarten", erwiderte sie schnippisch. Also das war jetzt wirklich zu viel.

"Weißt du was, meine kleine Schokobohne? Ich wünsche dir mit deiner nächsten Assistentin mal jemanden an den Hals, der dir gehörig den Kopf wäscht", sagte Kian völlig trocken und gelangweilt. Mark und Nicky mussten sich das Lachen verkneifen. Shane konnte sich aber nicht beherrschen. Er prustete laut los und hielt sich an Bryan fest, damit er nicht nach hinten abkippte. Bryan sah seine vier Freunde nur kopfschüttelnd an.

"Wann soll sie denn hier sein", fragte er Priscilla, während sich Mark, Kian, Nicky und Shane langsam wieder beruhigten.

"Sie müsste in den nächsten Minuten hier eintreffen."

In diesem Moment ging die Tür auf, und eine junge Frau betrat den Raum.

Sofort sprang Priscilla auf und ging auf sie zu.

Freundlich streckte sie ihr die Hand entgegen.

"Hi! Ich bin Priscilla! Du musst Manja sein, richtig?" Manja nickte zur Antwort, und schüttelte Priscillas Hand.

"Komm, ich stell dich den Jungs vor."

Langsamen Schrittes und mit weichen Knien folgte sie ihr. Das durfte doch alles nicht wahr sein, oder? Manja schloss für einen kurzen Moment die Augen. Sie würde gleich aus diesem Traum aufwachen, versuchte sie sich einzureden, aber sie wurde enttäuscht.

"So Jungs. Das ist meine neue Assistentin. Ihr Name ist..."

"Manja", sagten Mark, Kian, Nicky und Shane im Chor, nur Bryan starrte sie stumm an.

"Ihr kennt sie?" Alle nickten.

Manja drehte sich auf der Stelle um, und rannte nach draußen. Das musste sich um ein Missverständnis handeln. War sie überhaupt im richtigen Studio? Konnte sich der Taxifahrer nicht doch verfahren haben? Vielleicht hieß diese Frau nur durch Zufall ebenfalls Priscilla? Manja konnte kaum atmen. Sie stieß die Tür auf und stand im Regen. Ihr war das in diesem Moment so etwas von egal.

"Hey."

Manja drehte sich erschrocken um. Dort stand er nun direkt vor ihr. Wie gut er doch aussah. Der Regen prasselte auf ihn nieder und seine blonden Haare fielen ineinander zusammen. Seine blauen Augen fixierten sie und sie versuchte vergeblich seinem Blick auszuweichen. Wie oft hatte sie seit der letzten Begegnung an ihn denken müssen? Viel zu oft.

"Lass uns rein gehen, bevor wir uns was wegholen", sagte Bryan leise, und öffnete die Tür. Manja ging langsam an ihm vorbei. Sie konnte seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren. Sein Aftershave stieg ihr in die Nase, und sie schloss kurz ihre Augen und blieb stehen. Als sie seine Hand auf ihrem Rücken spürte, die sie leicht ins Innere des Studios drängte, lief ihr ein kalter Schauer den Rücken herunter. Sie beschleunigte ihren Schritt. Kurz darauf war sie wieder in dem Probenraum angekommen, wo die anderen bereits auf sie warteten.

Priscilla schnappte sich Manja und ging mit ihr kurz den restlichen Tagesablauf durch. Dieser bestand darin, dass sie sich alles erst einmal ansehen sollte, um die Schritte so schnell wie möglich zu lernen.

"Hast du eigentlich schon eine Unterkunft?"

Manja schüttelte den Kopf.

"Ich hatte noch keine Zeit, um mir eine Bleibe zu suchen."

"Na das haben wir gleich", sagte Priscilla ruhig, und klatschte in die Hände.

"Hat jemand von euch noch ein freies Zimmer?"

"Also bei Bryan ist schon alles belegt, da bin ich mit Kian", sagte Shane.

"Nicky?"

"Ähm...na ja...Mark wohnt bei uns und..."

"Ist schon gut Priscilla. Ich such mir was in einem Hotel. Dürfte ja nicht schwer sein was zu finden", sagte sie kleinlaut, und sah Nicky traurig an.

Nach den Proben trennten sie sich alle, und Manja machte sich auf die Suche nach einem Dach über den Kopf.

Es dauerte gar nicht lange. Da entdeckte sie die Pension, in der sie damals mit Nadine, Matze und Jenny wohnte. Ohne lange zu zögern, und ziemlich fertig, ging sie hinein. Sie bekam auch noch ein Zimmer.

Geschafft und etwas bedrückt schmiss sie den Koffer in die nächste Ecke und ließ sich ein Bad ein.

Immer wieder musste sie an die Worte von Nicky denken. Es tat ihr weh, aber was hatte sie denn erwartet?

Nach dem Bad in der warmen Wanne ging es ihr zwar nicht besser, aber sie hat über einiges nachdenken können. Sie durfte nicht zu viel in diesen Job interpretieren. Es war ein ganz normaler Job, wie jeder andere auch. Wenn sie jemals ein richtiger Profi werden wollte, dann musste sie ihre Gefühle einfach außen vor lassen. Mit diesen Gedanken schlief sie erschöpft ein.

Als sie kurz auf die Uhr schaute, fuhr sie erschrocken hoch.

"Scheiße!" rief sie laut, sprang aus dem Bett und zog sich im Eiltempo an. Sie verschwand schnell im Bad um kurz darauf, wie eine irre, aus dem Zimmer zu stürzen.

Zu ihrem Glück stand natürlich kein Taxi vor der kleinen Pension, also rannte sie die Straße hinunter. Als sie dort ein Taxi erblickte, sprang sie rein und brüllte dem Fahrer die Adresse entgegen, wo er sie hinbringen sollte.

Das Auto setzte sich mit quietschenden reifen in Bewegung und Manja wurde in den Sitz gedrückt.

"Hey Mister! Ich würde gern lebend dort angekommen", schrie sie dem Mann von hinten zu. Dann fiel ihr Blick auf die Uhr im Taxi. Manja brach in schallendes Gelächter aus. Der Mann sah sie irritiert durch den Rückspiegel an, und Manja klärte ihn auf.

"Ich hab vergessen meine Uhr umzustellen", sagte sie unter Tränen, die ihr vor lachen an den Wangen entlang liefen. Nun konnte sich der Mann auch nicht mehr beruhigen. Er hielt am Straßenrand an und schüttete sich aus vor lachen. Manja zahlte und stieg aus. Sie konnte also noch in Ruhe irgendwo etwas essen gehen.

Als sie ruhig am Studio ankam, bog gerade ein roter Ferrari um die Ecke. Ohne abzuwarten wer dort ausstieg, ging sie in eine der großen Hallen. Ab heute würde sie wie ein Profi handeln, und sämtliche Gefühle außen vor lassen.

"Hey! Na du, gut geschlafen", ging sie fragend auf Priscilla zu. Diese nickte kurz, und machte dann mit ihrem Aufwärmtraining weiter.

"Na super", nuschelte Manja, und ging sich umziehen.

Als sie zurückkam, saßen Nicky und Mark bereits auf dem Boden und lachten sich über die Verrenkungen von Priscilla schief. Manja musste auch leicht schmunzeln. Das sah aber auch wirklich komisch aus, wie sie sich dort halb verknotete.

"Okay Jungs. Dann bewegt mal eure müden Körper. Ihr wollt euch doch nicht nachher etwas zerren, wenn wir das letzte aus euch rausholen", sagte Manja laut, und klatschte in die Hände. Priscilla, Mark und Nicky sahen sie erstaunt an. Manja glaubte ein leichtes lächeln bei Priscilla zusehen, aber sie wollte sich lieber nicht darauf verlassen.

"Nun los! Auf was wartet ihr?"

Maulend erhoben sich die beiden Männer und wärmten sich etwas auf. Es war zwar nicht gerade die Art von aufwärmen an die Manja dachte, aber was soll"s. Nicky und Mark kickten sich immer wieder den kleinen Ball zu, als sich Kian, Shane und Bryan dazu gesellten.

Manja ging zu Priscilla. Sie wollte noch einiges mit ihr besprechen.

"Okay, genug jetzt. Wir haben heute eine Menge Arbeit vor uns, also lasst uns anfangen." Priscilla wollte gerade in die Hände klatschen, als Manja einen grellen Pfiff ausstieß. Augenblicklich herrschte Ruhe und es hielten sich alle die Ohren zu. Nicky musste grinsen, als er kurz einen Blick mit Kian tauschte. Sie dachten wohl beide gerade das Gleiche. Bryan starrte Manja an, aber sie widmete sich ganz anderen Sachen.

"Ja...dann wäre das geklärt", stotterte Priscilla, und machte die Musik an. Die Jungs begannen auch sofort mit der Choreographie. Manja unterdessen machte sich mit einem Videotape auf den Weg in einen anderen Raum. Sie sollte sich die einzelnen Choreographien ansehen, damit sie sie so schnell wie möglich beherrschte, und mitarbeiten konnte. Kurz bevor sie den Raum verließ schaute sie sich noch einmal kurz um. Dabei trafen sich die Blicke von ihr und Bryan. Mit zitternden Händen drückte sie die Klinke hinunter und verschwand. Bryan sah noch kurz zu der sich schließenden Tür, bevor er durch Priscilla aus seinen Gedanken gerissen wurde.

"Das gilt auch für dich Bryan, ein bisschen mehr Tempo wenn ich bitten darf. Und 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8!"

Müde schmiss er seine Tasche auf den Boden und ging in die Küche. Kerry hatte ihm, bevor sie heute für ein paar Tage zusammen mit Molly nach London geflogen ist, einen Auflauf zubereitet, den Bryan nur noch in den Herd zu stellen brauchte. Das tat er dann auch gleich, denn er hatte einen Bärenhunger. Shane und Kian wollten über"s Wochenende nach Sligo fahren. Kian und Jenny hatten sich mittlerweile das Ja-Wort gegeben. Shane und Nadine waren noch immer glücklich miteinander, nur zwischen Mark und Madeleine kriselte es in letzter Zeit öfters. Sie hatten sich seit London eigentlich nicht wieder richtig zusammenraufen können, dennoch wussten beide, dass sie ohne den anderen nicht leben konnten. Mark blieb bei Nicky in Dublin. Er hatte keine Lust auf ein weiteres Wochenende voller Vorwürfe und Streitereien. Nicky hatte ihn erst kürzlich gefragt, warum er sich dann nicht von ihr trennte. Eine richtige Antwort konnte ihm Mark daraufhin nicht geben. Er wußte nur, dass er Madeleine noch immer über alles liebte, aber ihr elender Dickkopf würde den beiden irgendwann noch zum Verhängnis werden.

Bryan kam, nur mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen aus der Dusche, als das Telefon klingelte.

"Ja?"

"Oh hi Kerry! Wie geht"s dir und Molly?"

"Aha...Und wie ist London?...Ach wirklich? Wie geht"s den Beiden denn?"

"Die neue? Na ja...es wird schon werden denke ich...Wann kommt ihr zurück?"

"Ich weiß nicht, ob ich euch da vom Flughafen abholen kann. Aber in zwei Wochen kann noch viel passieren. Pass gut auf meine Maus auf...Ja, und auf dich natürlich auch. Mhm, bis bald." Aufgelegt.

"Verfluchter Mist! Der Auflauf!" Er rannte in die Küche und riss die Tür vom Herd auf. Eine Rauchwolke stieg ihm entgegen und Bryan musste husten. Sofort riss er die Topflappen vom Haken, holte den Auflauf aus dem Ofen und riss alle Küchenfenster auf.

"Na super", sagte er entnervt, als er das verkohlte etwas vor sich auf dem Tisch stehen sah. Er schmiss die Topflappen in die Spüle und ging sich anziehen.

"Dann geh ich eben essen", pfiff er fast, als er die Treppen ins Schlafzimmer hoch rannte.

"Haben sie schon gewählt?"

"Ja. Ich hätte gern den Salat des Tages, die Lasagne und dazu passend einen halben Liter lieblichen Rotwein."

Der Kellner notierte sich die Bestellung und ging.

"Darf ich mich vielleicht zu dir setzen?"

Manja blickte erschrocken auf.

"Ähm, ja klar. Tu dir keinen Zwang an", versuchte sich so cool wie möglich zu antworten, aber Bryan bemerkte den zittrigen Unterton in ihrer Stimme.

Er setze sich ihr gegenüber an den Tisch und studierte die Speisekarte, obwohl er sie schon in und auswendig kannte, schließlich war das hier sein Stammrestaurant.

"Oh, Mister McFadden. Schön sie mal wieder hier begrüßen zu dürfen? Wo ist denn ihre Frau?" Den letzten Satz betonte der Kellner extrem stark, und sah dabei Manja an.

"Die musste für ein paar Tage nach London. Sie hat dort beruflich zu tun."

"Und ihre Tochter?" Wieder diese extreme Betonung in Manjas Richtung.

"Die ist bei ihr. Ich wollte nur kurz mit meiner Choreographin was essen, mehr nicht Antonio." Bryan sah ihn mit einem freundlichen lächeln an, aber Antonio merkte, das er zu weit gegangen war.

"Das gleiche wie sonst auch?" Bryan nickte. Der Kellner verschwand.

"Tut mir leid, er ist etwas aufdringlich."

"Ach was. Das ist schon in Ordnung", versuchte Manja die ganze Situation zu überspielen.

Bryan sah sie mit einem Blick an, den sie nicht deuten konnte. Konnte das Mitleid in seinen Augen sein? Sie wußte es nicht.

"Du hast dich also an Ketten legen lassen?"

"Ja, mehr oder weniger."

"Wieso?"

"Na ja", begann Bryan, verstummte aber sofort wieder, als er Antonio mit dem Essen kommen sah.

"Guten Appetit wünsch ich den Herrschaften."

Beide nickten Antonio freundlich zu.

"Wo waren wir? Ach ja. Ja, ich hab mich an Ketten legen lassen."

"Sehr glücklich scheint"s du aber nicht zu sein?" Manja hätte sich für diese Frage ohrfeigen können, aber sie hatte sich ja geschworen alle gleich zu behandeln.

Bryan sah sie stumm an. Manja schaute verlegen auf ihren Salat und stocherte mit der Gabel darin herum.

"Bitte entschuldige. Ich wollte nicht so direkt sein", sagte sie noch leise, bevor sie sich eine Salatblatt in den Mund schob.

"Ähm, du hast da was", sagte Bryan leise, und wischte ihr mit seinem rechten Daumen die Salatsoße vom Kinn. Sie bemerkte wie sich die Haare in ihrem Nacken aufstellten, als er sie berührte. Schnell zog sie ihr Gesicht zurück und schnappte sich ihre Serviette, mit der sie ihre Kinn- und Mundpartie säuberte. Bryan sah ihr dabei zu, die Hand noch immer leicht ausgestreckt.

"Darf ich das was fragen, Manja?" Sie sah ihn fragend an und nickte.

"Warum?"

"Was warum?"

"Ich denke du weißt was ich meine."

Natürlich wußte sie was er meinte, aber hier war einfach nicht der richtige Ort zum reden, oder?

"Was willst du von mir hören?"

"Wie wäre es zur Abwechslung mal mit der Wahrheit?"

"Was erwartest du denn jetzt zu hören?"

"Okay, vielleicht sollte ich mich anders ausdrücken. Du stolzierst vor mehr als zwei Jahren wieder in mein Leben als wäre nichts gewesen. Ich glaubte du bist tot, verdammte Scheiße. Ich wollte..."

"Bryan es tut mir leid, aber ich sah einfach keinen anderen Ausweg mehr."

"Wie oft hatte ich dich gefragt ob alles in Ordnung mit dir ist? Wie oft bist du mir und meinen Fragen ausgewichen? Du hättest mir sagen müssen, wenn ich dich zu was drängte, was du nicht wolltest."

"Du hast mich zu nichts gedrängt Bryan. Es lag einzig und allein an mir. Ich wollte dich einfach nicht mit meinen Problemen belasten, wo du genug mit deiner Band um die Ohren hattest."

Bryan winkte Antonio an den Tisch.

"Packen sie bitte alles ein, wir möchten gehen", sagte er freundlich und reichte ihm seine Kreditkarte.

"Das Essen geht komplett auf meine Rechnung."

"Nein, warten sie", fiel Manja Bryan ins Wort, aber Antonio war bereits verschwunden. Unterdessen kamen zwei andere Kellner und räumten das Essen ab, um es einpacken zu gehen.

"Ich glaube wir sollten uns mal in Ruhe über alles unterhalten", sagte Bryan, als er ihren fragenden Blick sah. Manja nickte leicht und fühlte sich plötzlich mehr als unwohl in ihrer Haut.

Nadine schaute auf, als sich Autolichter dem Anwesen näherten. Schnell sprang sie auf, und rannte zur Tür. Jenny folgte ihr.

"Sha...", aber weiter kam sie nicht, denn ihre Lippen wurden von einem innigen Kuss geschlossen.

"Dachte ich"s mir doch, dass ich dich hier antreffe", säuselte Kian und nahm seine Frau in den Arm, um sie im nächsten Moment an sich zu ziehen und zärtlich zu küssen.

"Hast du noch was wichtiges hier oder können wir gleich zu uns rüber fahren", fragte er, als sie sich voneinander lösten. Jenny aber war schon fast am Auto angelangt.

"Das ist auch eine Antwort", lachte Kian, verabschiedete sich von Nadine und Shane und rannte zum Auto.

"Wo die wohl so schnell hin wollen?" fragte Shane schelmisch grinsend, und schob Nadine ins Haus.

"Und, wie ist die Neue so?" fragte Nadine, als sie sich neben Shane auf die Couch setzte und sich an ihn kuschelte.

"Du wirst es mir nicht glauben. Es ist Manja."

"Bitte?! Sagtest du grad Manja?"

Nadine hatte sich ruckartig aufgesetzt und sich dabei so sehr an seinem Bauch abgestützt, das Shane ein leicht schmerzverzerrtes Gesicht machte.

"Wie ist sie denn an den Job gekommen?" Nadine war noch immer etwas fassungslos.

"Keine Ahnung, ich hab sie nicht danach gefragt. Und um ehrlich zu sein, ich hab auch keine große Lust dazu. Sie soll einfach nur ihren Job machen, mehr nicht." Shane rieb sich noch immer seine schmerzende Stelle am Bauch.

"War ich das?" fragte sie ihn mit einem unschuldigen lächeln.

"Mhm, und das tut echt weh", jammerte Shane mit vorgeschobener Unterlippe.

"Wo denn?"

"Genau da", sagte er, zog sein Shirt etwas nach oben und zeigte auf die Stelle. Nadine beugte sich langsam darüber und küsste zärtlich seinen Bauch. Shane genoss die Streicheleinheiten sichtlich, und legte seinen Kopf nach hinten. Nadine unterdessen schob sein Shirt immer weiter nach oben, bis sie es ihm ganz auszog. Dann ließ sie ihre Fingerspitzen über seine Brust kreisen und küsste jeden Zentimeter davon.

"Wenn jetzt jemand kommt, wir machen einfach nicht auf", sagte er leise und küsste sie voller Leidenschaft, eher er sie auf die Couch presste und sich auf sie legte. Nadine beantwortete seine Frage mit einem leisen lustvollen stöhnen.

Kian bog mit einem Wahnsinnstempo um die Kurven.

"Sag mal willst du uns umbringen?" schrie Jenny jedes Mal auf"s neue, und klammerte sich fest am Griff über der Beifahrertür fest.

"Keine Angst mein Schatz, ich hab alles unter Kontrolle", beruhigte Kian sie, und legte sanft eine Hand auf ihren Oberschenkel.

"Du solltest dich lieber auf den anderen Verkehr konzentrieren." Mit einem Ruck lag seine Hand in seinem Schoß, und Jenny strich sich ihren Rock wieder glatt. Dabei wurde sie von Kian aus den Augenwinkeln beobachtet.

"Du siehst übrigens zum anbeißen aus", neckte er sie, und bog auf ihr gemeinsames Grundstück ab.

Jenny wollte gerade aussteigen.

"Hey, komm mal her", flüsterte Kian und zog sie an sich ran. Dann leckte er sich über seine Lippen, bevor er ihre mit einem Kuss verschloss. Jenny drückte ihren Körper immer enger an seinen, bis sie schließlich auf seinem Schoß saß. Immer leidenschaftlicher und wilder wurden die Küsse.

"Ich hab dich so vermisst", stöhnte Jenny unter den Küssen immer wieder hervor, und ließ ihre Hände unter sein Shirt wandern. Kian schob ihren Rock immer höher und legte seine Hände auf ihren Hintern. Zärtlich massierte er ihn und Jenny presste sich immer mehr an ihn.

Mit sicheren Handgriffen öffnete sie seine Hose und ließ eine Hand in seinen Schritt wandern, wo sich schon eine eindeutige Wölbung bemerkbar machte. Zärtlich massierte sie Kians intimste Stelle, was er mit einem sehnsuchtsvollen stöhnen honorierte. Ihre Lippen fanden sich zu einem Kuss, und Kian riss Jenny den Slip in zwei Hälften. Als sie sich langsam auf seinen Schoß gleiten ließ, stöhnten beide auf.

"Kann ich öfters so eine Begrüßung haben", fragte er völlig außer Atem, als sie glücklich das Haus betraten.

"Ich dachte, das war gerade mal der Anfang", säuselte Jenny. Und ehe Kian etwas erwidern konnte, spürte er ihre heißen Lippen auf seinen.

Bryan und Manja standen vorm Restaurant und keiner der beiden traute sich auch nur etwas zu sagen. Irgendwann ergriff dann aber Bryan das Wort.

"Zu dir oder zu mir?"

"Bitte?"

"Ich dachte wir wollten reden."

"Du dachtest ich sollte reden und du hörst zu."

"Hör zu Manja. Ich bin grad nicht in der Stimmung für deine Scherze. Wohin also?"

"Ich weiß es nicht, aber ich denke es wäre besser, wenn wir uns irgendwo auf neutralem Boden aussprechen würden."

"Soll mir Recht sein, so lang ich noch heute meine Pizza essen kann", sagte er, und sah sich um.

"Lass uns doch in den Park dort gehen", schlug Manja vor, und machte sich auf den Weg. Bryan trottete ihr mehr oder weniger gelangweilt hinterher.

Als sie ein relativ gemütliches Fleckchen ausgemacht hatten, ließen sie sich nieder. Bryan war so schlau, und hatte vorher noch schnell eine Decke aus seinem Auto geholt, auf die sie sich setzten.

"Okay, bevor noch die ganze Nacht verstreicht und ich dich um deinen Schönheitsschlaf bringe...", begann Manja zu erzählen, und Bryan hörte ihr Pizza essend zu.

"Wie bist du an die Stelle der Choreographin von dem Williams gekommen?" wollte Bryan wissen.

"Ach, das war gar nicht so schwer." Bryan sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an.

"Also damals war es wirklich noch voll easy an ihn ran zu kommen, im Gegensatz zu heute. Heute wird er ja abgeschirmt bis zum geht nicht mehr." "Und warum hast du bei ihm aufgehört?"

"Ich konnte nicht länger mit der Lüge leben, also hab ich ihm alles erzählt. Und zwar genau einen Tag, bevor es nach London gehen sollte. Es hat also nichts mit dir zu tun, falls du das denken solltest. Ich konnte zum damaligen Zeitpunkt ja nicht ahnen, was mich in London erwarten würde."

"Da warst du nicht die einzige, glaube mir."

"Ich hab mich noch in der Nacht von Freitag auf Samstag meine fristlose Kündigung geschrieben und sie ihm dann am Samstag, bevor ich abgereist bin, unter der Tür hindurch geschoben. Ich weiß, das ist nicht gerade die feine englische Art, aber ich konnte sie ihm einfach nicht persönlich geben."

"Wieso?"

"Hast du dir diesen Mann mal aus nächster Nähe betrachtet? Ich wäre gestorben, wenn er seinen unschuldigen Hundeblick aufgesetzt hätte um mich zum bleiben zu überreden, und das wollte ich auf alle Fälle vermeiden."

"Aha. So bekommt man euch Frauen also rum? Das muß ich mir merken." Beide fingen lauthals an zu lachen. Man hätte fast meinen können, zwischen ihnen wäre nie etwas gewesen und sie wären immer noch glücklich miteinander.

"Ich hab dich vermisst Manja", sagte er plötzlich, und sah ihr direkt in die Augen.

"Bryan...ich...ich", stotterte sie, und senkte ihren Blick.

"Als du da plötzlich in dem Laden vor mir standest, das war...ich war...es war, als ob mir jemand ein zweites Leben geschenkt hätte. Wenn ich kein gebrochenen Fuß gehabt hätte, dann wäre ich dir ohne zu zögern hinterher gerannt, das kannst du mir glauben."

Manja brauchte ihn nicht ansehen, sie hörte auch so dass er Tränen in den Augen hatte.

"Was ist nach London sonst so bei dir passiert?"

"Ich hab noch mal neu angefangen. Etwas Übung hatte ich ja darin. Nun ja, und durch Zufall bin ich Bridget begegnet, und nun leite ich mit ihr eine Tanzschule."

"Du hast deinen Traum also wahr gemacht?"

Sie nickte.

"Sag mal, diese Bridget kommt nicht zufällig aus Dublin?"

"Doch kommt sie, wieso?"

"Weiß sie von dir und, na du weißt schon..."

"Nein. Es weiß niemand weiter. Warum fragst du?"

"Mir kommt der Name sehr bekannt vor."

"Sie hat wohl mal mit Priscilla zusammen gearbeitet", sagte Manja gelangweilt, und schob sich ein kleines Stück kalte Lasagne in den Mund.

"Ich wußte es doch. Wie geht"s ihr denn?"

"Ach du, ihr geht"s richtig gut. Sie ist bis über beide Ohren verliebt und im Job läuft"s einfach wunderbar. Ich glaub, sie kann sich nicht beklagen."

"Und bei dir? Wie sieht"s bei dir in Sachen Liebe aus?"

"Lass uns lieber schnell das Thema wechseln, bevor du vor lauter Langeweile einschläfst", witzelte Manja, um ihre aufkommende Unsicherheit zu überspielen.

"Was denn? Du bist nicht vergeben?"

"Bryan bitte. Ich möchte wirklich nicht näher auf das Thema eingehen."

Mit einem leisen Seufzer nahm er seine Pizzaschachtel und warf sie im hohen Bogen in den Mülleimer.

"Da musst du wohl aufstehen müssen", neckte ihn Manja, als die Pizzaschachtel vor dem Mülleimer auf dem Boden landete. Mit einem Ruck sprang er auf und schlich zur Schachtel.

Manja packte ihren letzten Rest Lasagne ein, den würde sie morgen zu Mittag essen, und stand auf.

"Du willst schon gehen?"

"Ja, es war ein anstrengender Tag und ich bin ziemlich müde. Ich werd mich dann auf die Socken machen. Wir sehen uns Montag, okay." Mit diesen Worten drehte sie sich um und ging.

"Warte. Lass mich dich wenigstens noch nach Hause bringen."

"Och du, das ist echt nicht nötig", winkte sie ab und setzte ihren Weg fort. Bryan hatte sie mit ein paar größeren Schritten eingeholt, und nun gingen sie gemeinsam durch Dublins Straßen.

Als sie vor der Pension ankamen, musste Bryan schmunzeln.

"Du kannst dich noch erinnern?"

"Wie könnte ich diese Pension je vergessen?"

Er kam einen Schritt näher, streichelte ihr zärtlich über die Wange und sein Gesicht näherte sich unaufhörlich ihrem. Sie konnte seinen warmen Atem schon auf ihrem Gesicht spüren, aber dann wandte sie sich von ihm ab.

"Es ist besser, wenn du jetzt gehst Bryan", versuchte sie so laut wie möglich zu sagen, aber ihre Stimme versagte mit jedem Wort mehr.

Bevor er etwas erwidern konnte, rannte sie in die Pension und dann auf ihr Zimmer. Um genauer zu sein rannte sie in das Zimmer, in dem sie vor mehr als 3 Jahren oft mit ihm gewesen war. Mit zitternden Händen schloss sie die Tür und ließ sich an ihr nach langsam nach unten gleiten.

"Gott Bryan, was machst du nur mit mir?" schluchzte sie immer wieder, bevor sie irgendwann auf dem Boden liegend einschlief.

Das schrille klingeln des Telefons ließ Bridget fast aus dem Bett fallen.

"Ja?" meldete sie sich total verschlafen.

"Bridge, du musst mir einen riesigen Gefallen tun!"

"Wer zum Henker spricht dort bitte?"

Kurze Pause.

"Wer? Ich kenne keinen Bryan", sagte sie, und wollte schon fast wieder auflegen, als es klick machte, und sie einen Freudenschrei ausstieß.

"Bryan? Bryan McFadden aus Dublin? Gott das es dich noch gibt. Was machst du so?"

"Sag bloß das hat sich noch nicht bis zu dir rumgesprochen Bridge?"

"Du hast echt die eine Mieze von den Kittens geheiratet? Alle Achtung? Und bist du glücklich?...Wie du weißt nicht. Warum heiratet man denn dann?...Schwanger?...Ah ja, okay ich weiß Bescheid."

Bridget war mittlerweile in ihrer Küche gelandet und kochte Kaffee.

"Bei euch ist mein Goldstück also gelandet? Das ihr sie mir ja ordentlich behandelt. Mensch wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich den Auftrag angenommen...Und was hat sie noch erzählt? Na warte, wenn die wieder zurückkommt." Am anderen Ende der Leitung war nur ein dreckiges grinsen zu hören. Dann kam Bryan zum eigentlichen Grund des Anrufes.

"Und an welche Art von Gefallen hattest du gedacht?"

Sie lauschte gespannt, dann wurden ihre Augen immer größer.

"Nee du das hab ich nicht gewusst. Aber ich kann mich mal umhören, okay. Ich kann dir aber auch nichts versprechen Bryan. Gib mir mal deine Nummer, damit ich dich bei Gelegenheit zurück rufen kann...Warte ich brauch noch schnell was zu schreiben...Okay, schieß los." Hastig kritzelte sie ein paar Zahlen auf ein Blatt Papier, dann ging der Smalltalk weiter.

Madeleine quälte sich mehr oder weniger aus ihrem Bett, dann tapste sie verschlafen ins Bad.

Sie wollte sich gerade unter die Dusche stellen, als das Telefon klingelte. Sie lief die Treppe nach unten und nahm beim fünften klingeln ab.

Als sie die Stimme hörte, war sie sofort wach.

"Guten Morgen Baby."

Mark streckte alle viere von sich, und presste den Telefonhörer noch mehr an sein Ohr.

"Kannst du vielleicht nach Dublin kommen?"

"Mark, was ist passiert?"

"Nichts, das heißt eigentlich doch, aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Kannst du kommen?"

"Ja, ich mach mich gegen 1 Uhr auf den Weg, ist das okay?"

"Ja klar, lass dir Zeit, ich will nämlich das du heil hier ankommst."

Madeleine lächelte.

"Du hast dich grad wie deine Mum angehört, weißt du das?"

Mark musste grinsen.

"Ich vermiss dich total hunny. Ich liebe dich!"

"Ich liebe dich auch, Mark. Bis später." Aufgelegt.

Mit einem sehnsuchtsvollen lächeln rannte sie die Treppe wieder rauf und sprang unter die Dusche. Schließlich musste sie sich für ihren Schatz noch schön machen.

Nach der Dusche suchte sie sich ein paar Sachen zusammen und schmiss sie in eine Reisetasche. Das neue heiße Nachthemd durfte natürlich nicht fehlen, was sie sich erst vor drei Tagen im Ausverkauf bei Gucci zugelegt hatte. Dann ging sie summend in die Küche, schmierte sich ein Nutellabrot und trank einen heißen Kakao dazu. Als sie auf die Uhr schaute, stopfte sie sich schnell den letzten Rest Brot in den Mund und rannte die Treppe rauf, um ihre Tasche zu holen.

Pünktlich fuhr sie vom Grundstück und machte sich auf den Weg nach Dublin, als plötzlich Kian an ihr vorbei sauste.

"Was bitteschön...wieso?"

Kian hatte Madeleine ebenfalls erkannt und hielt an. Dann stieg er aus und lehnt sich lässig an seinen geliebten Porsche

Matze stürzte fast aus dem Auto, und lief auf Kian zu.

"Guten Morgen Hübsche! Wohin des Weges?"

"Zu Mark nach Dublin. Ich dachte ihr seid auch dort?"

Kian schüttelte den Kopf.

"Wir haben das Wochenende, dank der neuen Assistentin von Priscilla, frei. Du kommst nie drauf, wer das ist!"

"Wer was ist?"

"Na die Neue!"

"Ja? Und, wer ist sie nun?"

"Ich glaub es ist besser, wenn dir Mark das sagt."

"Ach komm Ki, jetzt spann mich nicht so auf die Folter? Wer ist sie? Kenne ich sie?"

"Oh ja, du kennst sie. Es ist Manja."

Matze blieb der Mund etwas offen stehen, aber sie fing sich schnell wieder.

"Wie ist sie denn an den Job gekommen? Ich dachte ihr wolltet sie nie weidersehen?"

"Du frag mich nicht wie sie das geschafft hat, aber ich hab da so ein komisches Gefühl."

"Inwiefern?"

"Das kann ich dir leider nicht sagen, da ich es selbst nicht weiß. Wir werden es aber schon rausfinden. Du kennst doch Louis", lächelte Kian.

"Ich muß dann wieder. Jenny wartet auf die Brötchen. Wir sehen uns!"

Dann brauste Kian davon.

Noch etwas benommen stieg nun auch wieder Matze ins Auto und setzte ihre Fahrt nach Dublin fort.

Mit schmerzendem Rücken und einer mächtig starken Migräne erwachte Manja auf dem Boden ihres Zimmers. Dann kam ihr die letzte Nacht wieder in den Sinn. So schnell es die Schmerzen zuließen stand sie auf und schlich ins Bad. Sie fischte eine Ibuprofen 600 aus ihrer Kosmetiktasche und spülte sie mit viel Wasser ihre Kehle hinunter.

"Oh nein! Aufhören", stöhnte sie, als sie das schrille klingeln des Telefons hörte. So schnell es ging griff sie nach dem Hörer und hielt ihn sich ans Ohr.

"Hmm, morgen", nuschelte sie zurück.

"Frühstücken? Jetzt? Bei dir? Ich glaub das ist keine gute Idee Bryan", sagte sie leise, und hielt sich ihren Kopf, der jeden Moment zu platzen drohte.

"Du mir geht"s nicht so gut...Ich hab mir nix eingefangen...nein Bryan, du brauchst nicht vorbei zu kommen...ja wirklich."

Sie setzte sich auf ihr Bett und ließ sich langsam nach hinten fallen.

"Ich hab grad eine Tablette genommen. In ein paar Stunden geht"s mir wieder besser...ja danke...mhm mach ich...bye."

Kaum hatte sie aufgelegt kroch sie unter die Bettdecke und schlief ein.

Es war kurz nach 4 Uhr, als Madeleine an Nickys Haus vorfuhr. Mark kam sofort aus der Tür gerannt, als er den Wagen hörte. Jetzt hielt er ihr die Tür auf und half ihr beim aussteigen.

"Hey hunny", begrüßte er sie zärtlich und gab ihr einen langen Kuss, den sie nur zu gern erwiderte.

"Gott wie ich dich vermisst habe", flüsterte sie ihm ins Ohr, als sie ihn umarmte.

"Bitte entschuldige das es länger gedauert hat, aber ich hab Kian noch getroffen."

"Er hat dir sicherlich schon die Neuigkeiten erzählt, oder?"

"Ja, aber auch erst, nachdem ich ihn ganz lieb darum gebeten habe. Ich schwöre", grinste sie, und legte einen Arm um sein Hüften. Dann gingen sie ins Haus. Dort wurde Madeleine von Nicky und Georgina begrüßt, die gerade zu einem Spaziergang aufbrechen wollten.

"Möchtet ihr mitkommen?" fragte Georgina.

"Ich glaub die Beiden wären jetzt gern erst einmal allein", kicherte Nicky, und zog seine Freundin hinter sich her. Mark dankte ihm mit einem breiten grinsen, und schloss die Tür, als Nicky und Georgina händchenhaltend den Kiesweg hinunter liefen.

"Madeleine, wo bist du denn schon wieder hin?"

"Such mich doch", kam eine leise Stimme aus dem obersten Stockwerk. Mark ließ sich das natürlich nicht zweimal sagen und nahm gleich zwei Stufen auf einmal, als er die Treppe raufrannte.

Oben angekommen öffnete er langsam die Tür zum Gästezimmer und steckte seinen Kopf durch den kleinen Spalt.

"Was denn? Plötzlich so schüchtern?"

"Schüchtern? Ich? Niemals!"

Mit diesen Worten ging er geradewegs auf sie zu und nahm ihr Gesicht in beide Hände. Langsam und sehr zärtlich bedeckte er es mit vielen kleinen Küssen, bevor er zärtlich an ihrer Unterlippe knabberte. Als Madeleine ihm zärtlich über seine Lippen leckte, gab es bei ihm kein Halten mehr. Gierig und zugleich zärtlich küssten sie sich.

Mark hielt ihre Schultern fest und drückte sie leicht von sich. Dann sah er ihr tief in die Augen.

"Das hätte ich schon viel früher machen sollen", sagte er mit einer so was von tiefen und unheimlich sexy klingenden Stimme, dass Madeleine fast die Luft wegblieb.

"Ich war aber auch nicht gerade leicht. Ständig war ich am rummotzen und benahm mich wie ein kleines bockiges Kind."

"Stimmt", bemerkte Mark trocken, und lächelte sie an.

"Ich meine das ernst Mark. Ich frage mich manchmal wirklich, warum du noch bei mir bist?"

"Das kann ich dir ganz schnell beantworten. Ich liebe dich einfach viel zu sehr, als dir solche Kleinigkeiten nachzutragen. Ich liebe dich so sehr Madeleine, das kannst du dir gar nicht vorstellen."

"Ich liebe dich auch Mark! Du machst mich so wahnsinnig glücklich."

"Okay, dann hätten wir das geklärt", sagte er, dann zog er sie ganz nah an sich. Sie versanken in einem leidenschaftlichen Kuss und ließen sich nach hinten auf das große Bett fallen.

"Warte!" rief Matze plötzlich, und kroch unter Mark hervor. Dann schnappte sie sich ihre Reisetasche und verschwand im Badezimmer.

"Was machst du? Du kannst mich doch nicht einfach...wow...du siehst...wow...", war alles was Mark sagen konnte, als seine Freundin im Türrahmen vom Badezimmer stand und ihn anlächelte. Ihre langen blonden Haare fielen ihr locker auf die Schultern, die von zwei Spagettiträgern bedeckt waren. Das seidene Nachthemd schmiegte sich an ihren Körper und verlieh ihren weiblichen Rundungen ein noch besseres Aussehen. Den Blick weiterhin auf ihn gerichtet, bewegte sie sich langsam auf das Bett zu. Kurz vor Mark blieb sie stehen.

"Madeleine, du siehst wunderschön aus", flüsterte er und setze sich an den Bettrand. Dann umfasste er ihre Hüften und zog sie ganz nah zu sich. Sie streichelte zärtlich seinen Kopf, den er auf ihre Brust gelegt hatte. Ganz langsam ließ er seine Hände unter ihr Kleidchen gleiten und ihren Rücken hinauf wandern. Er spürte wie sie unter seinen Berührungen erzitterte, was ihn nur noch verrückter nach ihr machte.

Als sich ihre Lippen zu einem Kuss fanden ließ sich Mark nach hinten fallen und zog Madeleine mit sich. Sie setzte sich auf seinen Schoß und schob langsam sein Shirt nach oben. Jede frei gelegte Hautpartie bedeckte sie mit unzähligen Küssen und ließ ihre Zungenspitze um seine Brustwarzen kreisen, was ihn leise aufstöhnen ließ.

"Ich wußte warum ich keine Boxer anziehe", grinste er, als sie ihm seine Jeans auszog.

Mit einem ruck lag sie auf dem Rücken und er auf ihr. Zärtlich begann er jeden Zentimeter ihres Körpers zu küssen, bevor er mit sanften Stößen in sie eindrang.

Ein zaghaftes und leises klopfen drang an ihr Ohr, aber sie drehte sich auf die andere Seite. Nun wurde das klopfen etwas stärker und lauter. Genervt schlug sie die Bettdecke weg.

"Ja, ist gut! Ich komm ja schon!"

Sie riss die Tür auf und starrte ihren Gegenüber wütend an.

"Oi, du siehst aber fürchterlich aus", begrüßte Bryan sie, und schlich sich an ihr vorbei.

"Komm ruhig rein. Mach"s dir gemütlich. Kann ich dir vielleicht noch was aus der Minibar bringen?"

"Du hast wohl eine Schüssel Sarkasmus gefrühstückt?"

"Nein, ich hab noch überhaupt nichts gefrühstückt, und daran wirst auch du nichts ändern. Außerdem wäre ich dir sehr verbunden, wenn du deinen Hintern bitte aus meinem Zimmer bewegen würdest."

Bryan sah sie mit einem breiten und frechen grinsen an. Wie lange hatte er sich nach diesen Sprüchen gesehnt? Kerry hatte zwar auch so ihre Sprüche, aber mit Manja konnte sie wahrlich nicht mithalten.

"Bryan, bitte geh. Mir zerreißt"s gleich den Schädel, ich will einfach nur meine Ruhe haben. Was ist bitteschön daran nicht zu verstehen?" Langsam kroch sie wieder ins Bett und zog sich die Decke über ihren Kopf. Kurz darauf war sie wieder ins Land der Träume entschlummert.

Bryan legte sich neben sie und schloss ebenfalls seine Augen. In Gedanken wünschte er sich zurück reisen zu können. Dann würde er so vieles anders machen. Kurz darauf war auch er eingeschlafen.

Mitten in der Nacht wachte Manja schweißgebadet auf. Sie stieß einen leisen Schrei aus, als sich neben ihr im Bett etwas regte.

"Hey, is okay. Ich bin"s nur."

"Bryan? Was tust du hier?"

"Ich bin wohl eingeschlafen", sagte er, und setzte eine Unschuldsmine auf.

Manja musste sich zusammenreißen ihm nicht um den Hals zu fallen. Er sah aber auch verdammt sexy aus mit seinen leicht verstrubbelten Haaren und dem etwas verschlafenen Blick. Schnell blickte sie in eine andere Richtung, aber er hatte ihre Blicke längst bemerkt.

"Wie spät ist es", versuchte er ihre Unsicherheit zu überspielen.

"Warte...es ist kurz nach 2 Uhr. Was? Wie lange hab ich denn geschlafen?"

Mit einem Satz war er aus dem Bett gesprungen und zog die Vorhänge zur Seite. Das grelle Licht was das Zimmer plötzlich durchflutete, brannte Manja fast in den Augen, und sie kniff sie zusammen.

"Na gott sei dank. Ich dachte schon ich hätte den Samstag verpennt."

"Ähm, ich raube dir ja nur ungern deine Illusionen, aber wir haben bereits Sonntag. Du hast tatsächlich den Samstag verpennt, du olle Schlafmütze."

"Ja aber wieso hast du mich denn nicht geweckt?"

"Ich hab"s ja versucht, aber irgendwie wolltest du nicht geweckt werden. Wie hattest du dich doch gleich ausgedrückt? Ich solle doch bitte meinen Hintern aus deinem Zimmer bewegen."

Manja verstand gar nichts mehr. Hatte sie wirklich über 24 Stunden geschlafen? Das konnte sie sich kaum vorstellen, aber es schien wahr zu sein.

"Außerdem sahst du so friedlich aus, da wollte und konnte ich dich einfach nicht wecken."

"Schleimer" grummelte Manja. Sie ärgerte sich so dermaßen über sich selbst. Den ganzen Sonntag hatte sie verpennt, ganz zu schweigen vom Samstag.

"Weißt du was? Lass uns den Tag noch ein wenig genießen. Lass uns spazieren gehen", schlug er vor, und sah sie erwartungsvoll an. Manja wußte nicht so recht, ob sie auf seinen Vorschlag eingehen sollte. Sie hatte so ihre Zweifel.

"Ach komm. Es ist nur ein Spaziergang, nichts weiter. Ich denke, er tut uns beiden gut."

Nach kurzem überlegen willigte sie ein und ging sich kurz im Bad frisch machen.

"Na los, gehen wir", rief sie ihm zu, als sie schon halb aus dem Zimmer verschwunden war. Bryan sprintete ihr hinterher.

1 Woche später

Priscilla war mehr als zufrieden mit ihrer Assistentin, dass sie sie am liebsten zurück nach Berlin geschickt hätte. Sie hatte in ihr eine harte Konkurrentin, und das sie sich mit den Jungs sehr gut verstand, war ihr auch nicht gerade recht, aber ihr waren da mehr oder weniger die Hände gebunden, also musste sie wohl oder übel mit ihr zusammen arbeiten. Dennoch hoffte sie noch immer auf ein Zeichen der Schwäche bei Manja.

"Ich hasse es, gute Miene zum bösen Spiel zu machen", zischte Kian, als er sich in der Pause zu Mark gesellte.

"Was hast du denn?" fragte er ihn, und biss genüsslich in seinen Burger.

"Sieh doch mal hin. Priscilla ist schon völlig angenervt von ihr, und ganz so toll finde ich es auch nicht, das sie plötzlich wieder hier auftaucht."

Mark schluckte einen Bissen herunter und wandte sich seinem Kumpel zu.

"Aber du kannst nicht leugnen, das sie einfach was drauf hat. Und Bryan ist wie ausgewechselt, seit sie hier aufgetaucht ist. Klar sie hat einen Fehler gemacht, aber das macht sie doch nur menschlicher. Als ob du völlig fehlerfrei bist."

"Ach darum geht"s doch nicht, Mark. Sie bringt einfach alles durcheinander."

"Findest du? Ich find sie klasse. Sie ist wenigstens nicht ganz so hart wie Priscilla, was sie mir von Tag zu Tag sympathischer macht." Mark schob sich das letzte Stück seines Burgers in den Mund und schnappte sich seine Zigaretten. Dann stand er auf, und lief nach draußen. Kian sah ihm nachdenklich hinterher. Hatte Mark vielleicht Recht? Kian sah zu Bryan rüber, der sich gerade mit Nicky und Shane lachend am Boden wälzte. Lange hatte er ihn schon nicht mehr so erlebt, das musste er zugeben. Lächelnd sah er seinen drei Freunden beim herumalbern zu, als sich jemand neben ihn setzte.

"Hey, du Träumer", riss ihn eine sanfte Stimme aus seinen Gedanken. Manja.

"Was willst du?" Kian zuckte innerlich zusammen, als ihm der etwas barsche Tonfall in seiner Stimme auffiel. Manja hörte gekonnt darüber hinweg.

"Du solltest dir die Choreographie zu When you"re looking noch einmal zu Herzen nehmen. Da gibt"s noch ein paar kleine Fehler. Am besten du tust dich mit Mark zusammen. Er kann sie fast im Schlaf. Ja, das war"s dann auch schon. In 15 Minuten geht"s weiter." Dann stand sie wieder auf und ging.

"Ähm Manja, warte mal bitte", rief er ihr hinterher, und stand auf.

"Ich wollte dich vorhin nicht so anfahren, tut mir leid."

"Ist schon okay Kian. So kennt man dich eben", schmunzelte sie. Kian sah sie etwas irritiert an, dann zog er etwas beleidigt von dannen.

"Blöde Ziege", murmelte er auf den Weg nach draußen, "so kennt man dich eben, bla, bla, bla. Was bildet die sich eigentlich ein?!" Wütend trat er gegen die Tür, die dann mit einem lauten Knall gegen die Mauer prallte. Mark, Bryan und Shane zuckten erschreckt zusammen.

"Was ist dir denn über die Leber gelaufen?"

"Nicht was, sondern wer", entgegnete er patzig, und zündete sich eine Zigarette an. Mark wußte sofort von wem er sprach.

"Sei froh, dass ich dir Nachhilfe gebe und nicht Priscilla", versuchte er seinen Kumpel aufzumuntern.

"Halt einfach deine blöde Fresse Feehily, okay!"

Bryan und Shane schauten sich fragend an. Dann gingen sie lieber rein, damit sich Mark und Kian in Ruhe unterhalten können, wenn das bei Kians Laune überhaupt möglich war.

Als die Beiden nach 10 Minuten aber noch nicht zurück waren, ging Nicky raus um sie zu holen.

"Jungs, schnell!" brüllte plötzlich Nicky, und Shane und Bryan rannten hinter ihm her. Priscilla ebenfalls, gefolgt von Manja.

"Auseinander!" schrie Priscilla, und drängte sich zwischen die beiden Streithähne. Ehe sie sich versah hatte sie Kians Faust im Gesicht und strauchelte zu Boden.

"Kian, du gottverdammter Idiot!" schrie Manja, und kniete sich neben Priscilla, die regungslos am Boden lag.

"Kann mal jemand ein Glas Wasser holen? Nicky halt die Beine von ihr hoch", gab sie Anweisungen, und wischte mit einem Tuch das Blut aus Priscillas Gesicht. Dann sah sie Kian mit einem wütenden Blick an, der sie ebenfalls weniger freundlich anschaute.

Nach 5 Minuten kam sie langsam wieder zu sich.

"Meine Fresse Kian. Ich glaub du hast deinen Beruf verfehlt", scherzte sie, und hielt sich ihr schmerzende Nase.

"Ich sag"s zwar nur ungern, aber die ist gebrochen."

"Na super! Als ob das Teil nicht schon breit genug wäre. Danke Kian, vielen herzlichen Dank. Autsch!"

Wütend stapfte Kian zurück in das Studio und schmiss die Tür hinter sich zu.

"Der kriegt sich schon wieder ein. Spätestens wenn er mal wieder Jenny rangelassen hat", witzelte Bryan, und bog sich vor lachen. Leider stimmte niemand weiter mit ein, so dass auch er schnell wieder verstummte.

"Komm, ich fahr dich zum Arzt, der soll sich deine Nase mal anschauen", sagte Manja, und half ihr beim aufstehen. Priscilla lächelte ihr dankbar entgegen.

"Tja Jungs. Dank Kian habt ihr den Rest des Tages frei."

Wusch, so schnell konnte man gar nicht gucken, wie die Jungs in ihren Autos saßen und vom Gelände brausten.

"Habt ihr was dagegen, wenn ich euch Gesellschaft leiste?"

Bryan sah fragend von der einen zur anderen.

"Kannst du nicht jemand anderes mit deiner Anwesenheit quälen", näselte Priscilla, und stieg in ihr Auto. Manja zuckte nur mit den Schultern.

"Du hast die Chefin gehört. Schwirr ab, und genieß deinen freien Tag." Dann stieg auch Manja ins Auto und der Wagen setzte sich in Bewegung.

Am nächsten Tag, Priscilla blieb ausnahmsweise mal zu Hause und überließ Manja die Führung, ging es richtig zur Sache.

"Du bist ja noch schlimmer als Pris", stöhnte Mark, und rieb sich seine schmerzende rechte Seite.

"Na los jetzt! Die Tour ist in wenigen Wochen und ihr könnt noch nicht einmal die Hälfte der Schrittfolgen. Eure Fans lachen sich schlapp, wenn sie die fünf nassen Säcke auf der Bühne sehen, die versuchen zu tanzen."

"Also jetzt reicht"s! Wer glaubst du eigentlich wer du bist?" Shane war wütend aufgesprungen und baute sich nun vor ihr auf.

"Mhm, lass mich überlegen Shane. Ich bin eine der besten Choreographinnen, eigentlich die einzige, in diesem Raum, die es auch nur 5 Minuten mit euch aushält. Jede andere hätte schon längst reiß aus genommen. Das willst du doch nicht etwas als tanzen bezeichnen, was du da veranstaltest", sagte sie lächelnd an Shane gewandt, der sie breit grinsend ansah.

"Jetzt komm mal wieder von deinem hohen Ross runter, mein Fräulein", meldete sich Kian nun zu Wort.

"Seit du hier aufgetaucht bist, gibt"s nichts als Ärger! Du stolzierst hier rein und brüstest dich, mal für ein paar Monate mit dem Williams zusammen gearbeitet zu haben. Du meinst wohl du bist was Besseres? Leider muss ich dich da enttäuschen. Wenn es nach uns ginge, dann hättest du nicht mal deinen kleinen Zeh hier in diesen Raum setzen dürfen. Und jetzt halt endlich deine Klappe! Deine Arroganz ist ja nicht zum aushalten."

Das hätte gesessen. Manja sah Kian fassungslos an. Wäre es richtig, wenn sie jetzt raus rennen würde? Am liebsten täte sie sich in den nächsten Flieger nach Berlin setzen, aber dann würde sie nur wieder vor ihren Problemen fliehen, und davon hatte sie allmählich die Schnauze voll. Hilfend blickte sie sich zu den anderen um, aber alle senkten nur ihre Blicke.

"Okay", rang sie um Fassung, "dann würde ich vorschlagen ihr geht die Schrittfolgen noch einmal durch. Da du ja so toll bist, kannst du gern in meine Rolle schlüpfen Kian. Viel Spaß noch Jungs." Dann ging sie mit erhobenem Haupt aus dem Studio. Sobald die Tür ins Schloss gefallen war, liefen ihr die Tränen in Sturzbächen übers Gesicht.

"Meinst du nicht, das hättest du etwas netter formulieren können?" fragte Bryan leise.

"Ja, war ja nicht anders zu erwarten, dass du dich auf ihre Seite stellst. Merkst du denn nicht was hier abgeht Bryan?"

Mark, der sich sonst aus allem raushielt, mischte sich mit ein.

"Kian, ich denke Bryan hat Recht. So schlimm fand ich das gar nicht, im Gegenteil. Sie hat völlig Recht. Hast du uns mal im Spiegel betrachtet? Es sieht einfach grauenhaft aus, was wir da abliefern."

Nicky und Shane nickten Mark zustimmend entgegen.

"Wieso bin eigentlich ich immer das Arschloch hier?"

"Ach red doch keinen Blödsinn Ki. Du bist einfach nur zu sehr auf Priscilla fixiert, mehr nicht. Außerdem kannst du es auf den Tod nicht ausstehen wenn man dir sagt, du könntest das noch viel besser, obwohl du schon alles aus dir rausholst." Nicky klopfte ihm anerkennend auf die Schultern, und zog ihn kurz für eine Umarmung an sich.

"Findest du?"

"Mhm."

"Was haltet ihr davon, wenn wir die Proben heute ins Wasser fallen lassen und was essen gehen? Ich zahle auch!"

Alle sahen ihn erstaunt an.

"Kian, bist du krank? Hast du grad gesagt du zahlst?"

"Diskutier lieber nicht mit mir, sonst überleg ich es mir noch mal", sagte er lachend zu Shane.

"Ich bin schon still!"

"Na los! Worauf wartet ihr noch?"

"Ähm, sollten wir nicht noch jemanden mitnehmen", fragte Bryan etwas kleinlaut, und deutete mit seinem Kopf in Richtung der Tür.

"Ich geh ja schon", seufzte Kian, und ging nach draußen.

Alles was er auf dem Parkplatz vorfand waren die Autos der Jungs. Von Manja war nichts zu sehen. Er ging zurück und teilte dies den anderen mit.

"Na gut, dann gehen wir eben ohne sie", sagte Nicky, und schob Bryan aus der Tür.

Wo genau sie hinfuhr wußte sie nicht, es war ihr auch egal. Sie drückte einfach nur aufs Gas und sauste an den grünen Wiesen vorbei, bis sie an einer Klippe zum Stehen kam. Sie wischte sich die Tränen weg und stieg dann aus.

Langsamen Schrittes ging sie auf den Abgrund zu und setzte sich.

"Hey", sagte sie leise, "ich bin mal wieder hier. Wollte nur mal kurz hallo sagen." Dann ließ sie sich von der Stille treiben. Sie spürte, dass Mandy in diesem Moment bei ihr war. Sie konnte sie ganz leise lachen hören.

Madeleine hatte grad die Pizza aus dem Ofen geholt, als es an der Tür Sturm klingelte.

"Ich komme!"

Nadine und Jenny standen zitternd vor der Tür.

"Nun beweg deinen Hintern, es ist arschkalt hier draußen", brüllte Jenny die geschlossene Tür an, die genau in diesem Moment aufgerissen wurde.

"Wurde aber auch mal Zeit", beschwerte sich Nadine, und rannte an Madeleine vorbei ins Haus. Jenny hinterher.

"Legt ab und setzt euch schon mal ins Wohnzimmer. Ich hol schnell die Pizza."

Nadine holte noch zwei Flaschen Rotwein aus ihrer Tasche.

"Sag bloß du hast dir getraut Shanes Lieblingswein mitzubringen? Ich bin ja so stolz auf dich." Jenny grinste und rannte in die Küche, um einen Korkenzieher zu holen. Nadine holte noch schnell drei Weingläser aus dem Schrank und platzierte sie auf dem Couchtisch.

"Man wie lange haben wir schon keinen Weiberabend mehr gemacht?" rief Madeleine, als sie mit dem Pizzablech ins Wohnzimmer kam.

"Das muß schon mindestens 3 Tage her sein", sagte Nadine lachend, und schenkte den Wein ein.

Als sie es sich so richtig gemütlich machten und "Armageddon" in den DVD Player einlegten, klingelte es an der Tür.

"Wer kann das jetzt sein?"

"Sicher wieder nur irgendwelche Fans die sich einen Scherz erlauben", sagte Jenny gelangweilt, und biss genüsslich in ihre Pizza. Die beiden anderen taten es ihr gleich.

Wieder klingelte es an der Tür.

Madeleine schmiss ihr Stück Pizza zurück auf den Teller und ging zur Tür. Als sie sie öffnete, stockte ihr für einen kurzen Moment der Atem.

"Was machst du denn hier?"

"Kann ich vielleicht reinkommen?"

"Ja klar", sagte sie, und trat einen Schritt zur Seite. Lächelnd ging Manja ins Haus und folgte Madeleine dann ins Wohnzimmer.

"Mädels, wir haben Besuch", sagte sie leise, und Manja trat hinter ihrem Rücken hervor.

Jenny verschluckte sich fast an ihrem Stück Pizza. Nadine blieb vor erstaunen der Mund etwas offen stehen. Es dauerte einen Moment bis sie sich alle wieder fingen, dann setzte sich Manja neben Jenny auf die Couch.

"Auch ein Stück?"

"Ja gerne."

Schweigend aßen sie die Pizza. Keiner getraute sich etwas zu sagen.

Gemeinsam traten sie aus dem Restaurant und verabschiedeten sich voneinander.

"Warte mal Bry!" rief Nicky plötzlich, und lief auf ihn zu.

"Was gibt"s Nixter?"

"Das wollte ich dich eigentlich schon die ganze Zeit fragen, aber irgendwie hat sich nie der richtige..."

"Komm zum Punkt Nicky", sagte Bryan etwas genervt, und öffnete die Tür seines gelben Ferraris.

"Weißt du zufällig wo sie wohnt?"

"Kannst du dich noch an die Pension erinnern?"

"Welche Pension?"

"Ach stimmt, hatte ich ja vergessen, dein Unfall. Ich schreib dir die Adresse auf, warte." Er lehnte sich in seinen Wagen, holte etwas zum schreiben und kritzelte etwas unleserlich die Adresse der Pension auf ein kleines Stück Papier, dann gab er es Nicky.

"Danke! Du hast was gut bei mir", rief er lachend, und rannte zu seinem Wagen, an dem bereits Mark wartete.

"Wir kommen später! Wir wollen noch ein wenig feiern gehen", rief Kian, als er sich neben Shane ins Auto setzte. Bryan nickte ihnen nur zu und zwängte sich in seinen Wagen. Dann brausten sie alle in verschiedene Richtungen davon.

"Was treibt dich hierher?" unterbrach Jenny die angespannte Ruhe, und nippte an ihrem Glas Rotwein.

"Ich...ich...ach scheiße", sagte Manja leise, und schluckte schnell die aufkommenden Tränen herunter.

"Ich wußte nicht wohin. Und ich brauch einfach jemanden zum reden."

"Und da setzt du dich nach über 3 Jahren in dein Auto und kommst mal eben kurz vorbei, oder wie darf ich mir das vorstellen", sagte Nadine etwas schnippisch, und starrte sie an.

"Hey ist gut Nadine. Krieg dich wieder ein." Madeleine warf ihr einen kurzen Blick zu.

"Nein ist schon in Ordnung. Ihr habt allen Grund sauer auf mich zu sein. Ich hab meine besten Freundinnen belogen, ihnen etwas vorgemacht. Ich kann nicht einfach hier auftauchen und erwarten, dass ihr mir um den Hals fallt. Aber ich hoffe dennoch mit euch offen und ehrlich über alles reden zu können."

Jenny und Matze lehnten sich gespannt zurück.

"Na dann fang mal an", sagten sie gleichzeitig, und mussten lachen.

"Was war so schrecklich, dass du so gehandelt hast?" fragte Nadine geradeaus, und blickte Manja direkt in die Augen.

"Hab ich euch jemals von meiner Schwester erzählt?" fragte sie Nadine, Madeleine und Jenny.

"Du hattest eine Schwester?"

Manja nickte, dann erzählte sie den Freundinnen alles.

Er schloss gerade die Haustür auf, als das Telefon klingelte.

"Ja, McFadden."

Kurzes Warten.

"Hey Kerry! Wie geht"s meiner kleinen Maus?...Ach ich vermisse Molly auch total...Nee hier hat sich nicht wirklich was getan. Ach Priscilla hat eine gebrochene Nase, ansonsten gi...Kian hat ihr...ähm...er hat bei einer Drehung zu viel Schwung geholt, na ja und da war ihre Nase irgendwie im Weg. Na ja und jetzt ist sie gebrochen...Du kennst doch Pris...*kicher*...die haut so schnell nichts um...Ja die Neue ist wirklich gut. Pris kommt erstaunlich gut mit ihr klar...Aber sag, wie läuft"s bei dir so?...Wie noch eine Woche dran hängen...Ich will meine Tochter auch mal wieder für mich haben...Natürlich fehlst du mir auch, aber du weißt wie sehr ich Molly liebe und wie sehr ich sie vermisse...Können wir nicht irgendwann später zu deinen...Wieso nicht?...Die Tour ist erst in...Shit die ist ja schon in zweieinhalb Wochen." Bryan rannte aufgeregt in der Küche auf und ab. Er schnappte sich eine Flasche Wasser und rannte damit die Treppen rauf. Das Telefon klemmte er sich zwischen Ohr und Schulter, als er den Flaschenverschluss entfernte.

"Ja, ich bin noch dran. Wann bist du denn genau zurück?...Aber am nächsten Tag startet die Tour Kerry! Was soll das?!...Was hat Kian bitteschön jetzt...Er hat was?!" Bryan hätte das Telefon am liebsten in die nächste Ecke gefeuert.

"Und? Hast du ein Problem damit?...Aber ich kann doch überhaupt nichts dafür!...Pass auf Kerry. Es bringt überhaupt nichts, wenn wir uns hier übers Telefon gegenseitig irgendwelche Vorwürfe machen...Lässt du mich bitte ausre...Kerry! Lass mich doch endlich mal ausreden...Kerry? Hallo?" Aufgelegt. Wütend pfefferte er das Telefon durch die Gegend. Es knallte gegen die Wand und brach in mehrere Einzelteile auseinander.

"Egan, du selbstgefälliges Arschloch!" brüllte er durch das Haus, und rannte die Treppe runter. Er schnappte sich seine Jacke und warf die Haustür hinter sich zu.

"Gott das ist ja grauenhaft. Wie alt warst du, als das passiert ist?", schluchzte Jenny, und legte einen Arm auf Manjas Schulter. Zögernd griff sie nach der Hand und drückte sie leicht.

"Hast du die Kerle angezeigt?" wollte Matze wissen.

Manja schüttelte ihren Kopf.

"Wieso denn nicht?"

"Mein Gott Jenny, ich war da grad mal 14. Ich hatte solche Angst und war einfach nur froh heil aus der ganzen Sache raus zu kommen. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, ob ich mit dem Fall überhaupt in Deutschland vors Gericht hätte ziehen können, und ich hatte weiß Gott größere Probleme." Manja biss sich auf die Unterlippe.

"Ich wollte dich nicht so anfahren, tut mir leid Jenny."

"Ist schon okay. Ich kann dich ja verstehen", beruhigte sie ihre Freundin und lächelte ihr aufmunternd zu.

"Und wie ging"s weiter?" fragte Matze neugierig.

Manja trank einen Schluck Wein, dann erzählte sie weiter.

"Ja, und dann stolperten wir in dein Leben", kicherte Nadine, und goss sich noch etwas Wein ein.

"Und Bryan", setzte Manja seufzend fort, und blickte stumm zu Boden.

"Was lief da eigentlich zwischen euch Beiden?"

"Ach Jenny, es war...ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Es war einfach perfekt."

"Dummerweise hat Kerrrryy ihn sisch jeschnappt", säuselte Nadine leicht angetrunken und grinste.

"Aber jetzt mal Hand aufs Herz Mädels", sagte Matze, "richtig glücklich ist er mit ihr aber nicht, oder habt ihr da einen anderen Eindruck als ich."

Manja sah Matze etwas irritiert an. Hatte sie damals im Restaurant also doch nicht so schlecht gelegen mit ihrer Vermutung.

"Stimmt, unser Bärchen is nämlisch noch immer in unsre Süße hier verknallt", hickste Nadine, und gab Manja ein Bussi auf die Wange.

Hustend stellte Manja das Glas auf dem Couchtisch ab, bevor sie noch etwas verschüttete. Mark wäre sicher nicht so begeistert, wenn er ein paar Rotweinflecken auf seinem hellen Teppich vorfindet.

"Bitte was?"

"Ach komm. Als ob du das nicht schon längst mitbekommen hast, schließlich arbeitet ihr jeden Tag zusammen, und das nun schon fast seit 2 Wochen." Jenny zog eine Augenbraue nach oben und sah Manja durchdringend an.

"Mark meint, Bryan ist völlig ausgewechselt, seitdem du wieder aufgetaucht bist. Er ist wieder fast der alte Bryan, und das muß was heißen", kicherte Matze. Bei ihr schien der Alkohol ebenfalls langsam seine Wirkung zu zeigen. Nadine allerdings bekam von dem Gespräch schon nichts mehr mit, denn die lag schnarchend auf dem Fell vorm Kamin.

Kian war gerade auf dem Weg zu den Toiletten, als ihn jemand wütend an den Schultern packte und rumriss.

"Bry, was ist denn mit dir los?"

"Stell bloß keine blöden Fragen, du Wichser!"

"Bitte?!"

Bryan fackelte nicht lange und zog Kian mit sich nach draußen.

"Was hast du Kerry erzählt? Bist du denn völlig bescheuert?!"

"Mensch Bryan, ich hab da echt nicht drüber nachgedacht. Ich war nur so tierisch sauer auf Manja, da hab ich dann im Affekt gehandelt."

"Super! Klasse! Ganz toll! Kerry hat mir grad voll die Szene am Telefon gemacht. Dank dir fährt sie jetzt noch zu ihrer Mum, und kommt erst einen Tag vor Tourbeginn wieder."

"Tut mir leid Kumpel", sagte er etwas kleinlaut.

"Gott Kian. Wie konntest du mir das nur antun? Ich seh Molly dann über 3 Monate nicht!"

"Und was ist mit Kerry?"

Bryan sah Kian an.

"Was soll mit ihr sein?"

"Liebst du sie überhaupt? Hast du jemals was für sie empfunden?"

"Hiiiieer steckst du also", kam Shane aus dem Pub getorkelt, und hielt sich an Kian fest. Dann erblickte er Bryan.

"Was machstn du hiiierr?"

"Bryan, liebst du Kerry?"

Langsam, ganz langsam schüttelte er seinen Kopf.

"Nein Ki. Nein, ich lieb sie nicht", sagte er mit Tränen in den Augen.

"Oh man", stöhnte Kian, und fasste sich mit beiden Händen seitlich an den Kopf, dann fuhr er sich ganz langsam durch seine blonden Haare.

"Man sie war schwanger. Was hätte ich denn tun sollen?"

"Schon mal was von Kondomen gehört?"

"Wir haben welche benutzt. Meinst du ich bin blöd?"

Kian sah ihn fragend an.

"Ich will gar nichts hören", winkte Bryan ab.

"Warte! Kannst du dich noch an den Geburtstag von Louis erinnern?" fragte Bryan etwas nachdenklich.

"Oh ja, du warst völlig zu. Das du überhaupt noch gerade laufen konntest. Gott sei Dank hattest du Kez dabei", grinste Kian.

"5 Wochen später sagte sie mir, dass sie schwanger ist Kian. Verstehst du was ich damit sagen will?"

"Nein."

"Ich hatte ihr eine Woche vor Louis Geburtstag das erste Mal von Manja erzählt. Ich dachte sie kommt damit klar."

Nun meldete sich Shane zu Wort.

"Du hast Kerry auf Louis Party ständig nur vorgeheult wie sehr du Manja vermissen würdest, und das du sie noch immer lieben würdest. Man warst du besoffen, wenn du dich nicht mal mehr daran erinnern kannst."

"Und um dich nicht zu verlieren, hat sie sich dann...oh man." Kian pfiff leise durch seine Zähne.

"Du scheinst auf solche Frauen zu stehen", grinste Shane, und kratzte sich am Hinterkopf.

"Wie meinst du das?"

"Die hat was die Frau. Die Frau hat echt was", grölten Kian und Shane.

Bryan wußte genau worauf die Beiden abzielten, ihm war aber nicht wirklich nach Lachen zumute. Er hatte jetzt ein ganz anderes Problem an der Backe. Kerry.

10 Tage später

Aufgeregt und auch etwas aufgebracht stand er vor der Tür zu Kerrys Elternhaus. Bryan hatte sich heute mit ihr hier verabredet, denn sie mussten endlich miteinander reden.

Priscilla hat ihm 2 Tage frei gegeben, damit er wenigstens etwas Zeit hatte, um seine Probleme mit Kerry einigermaßen zu bereinigen.

Mit verschwitzten und etwas zittrigen Händen betätigte er den Klingelknopf. Kurz darauf waren Schritte zu hören, und Kerrys Mum öffnete die Tür.

"Hey Bryan! Schön dich zu sehen. Komm doch bitte rein!"

Sie umarmten sich kurz, dann trat Bryan, an Kerrys Mum vorbei, in den Flur.

"Kerry! Er ist da!" rief sie die Stufen rauf, auf denen auch sofort Kerry hinunter gelaufen kam.

"Hey", begrüßte er sie kurz, und nahm sie kurz in den Arm. Sie schmiegte sich an seine Brust und zog ihn fest an sich. Als sie seine plötzliche Verspannung spürte, löste sie sich etwas zögernd von ihm.

"Alles in Ordnung mit dir?"

"Du weißt genau was los ist, also lass diese Spielchen, okay Kerry."

Bryan sah ihr direkt ins Gesicht.

"Lass uns etwas raus gehen."

"Ich will erst Molly sehen, dann können wir gehen."

"Sie schläft, Bryan."

"Das ist mir egal. Ich will sie sehen. Schließlich ist sie auch meine Tochter!"

Den letzten Satz betonte er extrem, und ging die Treppe rauf.

Kerry sah ihm etwas verstört hinterher. Was war nur plötzlich mit ihm los?

Leise und vorsichtig öffnete er die Tür. Dann ging er langsam auf das Bett zu, in dem seine Tochter lag. Tränen des Glücks, aber auch Tränen der Verzweiflung traten in seine Augen. Er wischte sie schnell weg, dann setzte er sich auf den Bettrand. Ganz zärtlich schob er die Bettdecke etwas von ihrem Gesicht, dann streichelte er vorsichtig über ihre Wange.

"Hey Süße, Daddy ist hier. Ich hab dich ja so vermisst." Er beugte sich zu Molly runter und küsste ihre Stirn. Anschließend sah er ihr noch eine Weile beim schlafen zu, ehe er wieder runter zu seiner Frau ging.

"Wir können jetzt von mir aus aufbrechen", sagte er zu ihr, und hatte bereits eine Hand an der Türklinke.

"Bis später!" rief er, dann ging er raus.

Kerry nahm ihre Jacke vom Haken und folgte ihm.

"Bryan, warte doch bitte auf mich", rief sie, während sie ihm hinterher rannte.

Er blieb kurz stehen und warte bis sie zu ihm aufgeschlossen hatte, dann setzte er seinen Weg fort. Als sie nach seiner Hand greifen wollte, tat er so, als müsse er sich am Kopf kratzen. Dann zündete er sich eine Zigarette an.

Nicky parkte seinen Wagen vor der Pension, dann ging er hinein. An der Rezeption erkundigte er sich nach ihrem Zimmer und ging anschließend die Treppen hinauf.

"Endlich mal kein riesen building", flüsterte er kichernd, und nahm gleich zwei Stufen auf einmal. Bei den zehn Stufen war er in Null Komma Nix oben und ging zu ihrem Zimmer.

"Hoffentlich bist du schon wach", sagte er leise, als er an die Tür klopfte. Er wartete einen kurzen Moment, dann klopfte er noch einmal. Als er leise Schritte hörte, trat er einen Schritt zurück.

Ein völlig verschlafenes, verzotteltes etwas auf zwei Beinen öffnete ihm.

"Guten Morgen Schönheit", quiekte er, und grinste sie an.

"Was *gähn* machst du denn *gähn* hier?"

"Wenn du mich reinlässt, dann erzähle ich es dir vielleicht."

Mit diesen Worten machte er einen Schritt auf sie zu, und sie ging ein paar Schritte zur Seite, damit er an ihr vorbei ins Zimmer schlüpfen konnte.

Kaum hatte er es betreten, riss er die Vorhänge und die Balkontür auf.

"Oh Nicky, bitte", stöhnte Manja, und ließ sich wieder ins Bett fallen. Dann war sie dabei sich die Decke über den Kopf zu ziehen, als Nicky sich die Decke am anderen Ende schnappte und kräftig daran zog.

"Aufstehen!"

"Nicky! Gib mir sofort meine Decke zurück!"

Manja sprang auf, und stellte sich im Bett auf. Böse blickte sie auf Nicky herunter, der sie mit einer hochgezogenen Augenbraue von oben bis unten musterte.

Peinlich berührt setzte sie sich wieder.

"Los, geh dich duschen. Ich hab einen Bärenhunger." sagte er, und leckte sich wie selbstverständlich über seine Lippen.

"Bitte?!"

"Ich will nur mit dir frühstücken gehen", lachte er über ihren erschrockenen Gesichtsausdruck.

Manja schnappte sich frische Kleidung, dann verschwand sie im Bad.

Lange liefen sie einfach nur schweigend nebeneinander her, bis Bryan die Stille brach.

"Wie denkst du, soll das jetzt weiter gehen mit uns?"

"Was meinst du Bryan? Wie soll was weitergehen?"

"Du weißt genau was ich meine Kerry, also mach es nicht noch schwerer, als es eh schon ist."

Er blieb stehen und sah sie an. Kerry wich seinem Blick für einen Moment aus, dann atmete sie kurz tief ein.

"Liebst du sie noch immer?" fragte sie ihn leise.

Bryan schloss für einen Moment die Augen. So hatte er sich den Verlauf des Gespräches nicht vorgestellt.

"Kerry, das ist nicht der Punkt..."

"Oh doch, das ist er! Siehst du denn nicht was sie mit dir, mit uns macht?"

"Was macht sie denn deines Erachtens nach?"

"Sie treibt einen Keil zwischen uns..."

"Den Keil hat nicht sie zwischen uns getrieben Kerry, den haben wir allein zwischen uns getrieben. Mach nicht sie für unsere Probleme verantwortlich." Bryan versuchte ruhig zu bleiben, aber in seiner Stimme konnte sie hören, das er sich zusammenreißen musste nicht laut zu werden.

"Du weißt genauso gut wie ich, dass unsere Ehe nicht gerade rosig verläuft", fuhr er fort, "aber dafür ist nicht sie verantwortlich. Wenn du nicht schwanger geworden wärst, dann hätte es diese Ehe mit Sicherheit nie gegeben." Es war raus. Bryan hatte es ausgesprochen, und es ging ihm viel leichter über die Lippen, als er Anfangs gedacht hatte.

"Wie kannst du nur so etwas sagen?" Kerry kämpfte mit ihren Gefühlen und mit ihren Tränen. Hatte sie sich so in ihm getäuscht?

"Jetzt tu bloß nicht so unschuldig. Wir wissen beide, dass es nie zu dieser Ehe gekommen wäre, wenn ich dich nicht geschwängert hätte. Es war alles ein Trick von dir, mich zu halten, nicht mehr und nicht weniger."

"Aber du liebst Molly doch?"

"Natürlich liebe ich Molly. Für nichts in der Welt möchte ich sie hergeben, und das weißt du, aber ich liebe eben nur Molly, Kerry." Sie sah ihn mit großen Augen an. Was hatte er da gerade gesagt? Ohne zu antworten drehte sie sich um und rannte davon. Bryan sah ihr hinterher, und vergrub seine Hände tief in seine Hosentaschen. Hatte er gerade einen Fehler gemacht? Hätte er das Gespräch in eine völlig andere Richtung lenken sollen? Mit gesenktem Haupt und zögernden Schritten ging er zurück zum Haus von Kerrys Familie.

Nervös kaute er an seinem Fingernagel herum. Wie lange sollte denn das noch dauern?

Als er es kaum noch aushielt und die Sprechstundenhilfe mit Fragen löchern wollte, öffnete sich plötzlich die Tür zum Sprechzimmer, und Shane sprang sofort auf.

"Und? Was hat der Arzt gesagt? Geht"s dir gut?"

"Ja, ja. Mir geht"s gut. Es ist alles in Ordnung", sagte Nadine mit einem lächeln auf den Lippen. Dann ließ sie sich von der Sprechstundenhilfe einen neuen Termin geben.

"Du musst noch einmal her? Wieso das denn", fragte er sie aufgeregt, und legte beschützend seinen Arm um ihre Schultern.

"Es ist nur noch mal eine Routineuntersuchung, mehr nicht. Mach dir nicht unnötig Sorgen", sagte sie beruhigend, und küsste ihn. Shane entspannte sich langsam aber sicher wieder.

Als Nadine ihren neuen Termin hatte, verließen sie die Praxis.

"Was fangen wir jetzt mit dem angebrochenen Tag an?" fragte er, als sie sich ins Auto setzten.

"Ich war schon eine Ewigkeit nicht mehr hier in Dublin. Lass uns doch in den Stephen"s Green fahren. Das Wetter ist einfach ideal."

Gesagt, getan. Shane startete den Motor, dann fuhr er langsam vom Parkplatz.

Gesättigt ließen sie sich ins Gras fallen und blieben für einen Moment regungslos liegen.

"Ich war vor zwei Tagen an der Klippe", durchbrach sie die Stille, und sah Nicky von der Seite aus an.

"Ich war schon eine Ewigkeit nicht mehr da. Hatte einfach keine Zeit dazu."

Manja sah ihn lange prüfend an, dann setzte sie sich ruckartig auf.

"Du bist endlich wieder glücklich Nicky, und das ist wichtig. Sie hätte mit Sicherheit nicht gewollt, dass du ihr dein ganzes Leben lang nachtrauerst. Jetzt wird sie nur mehr zu tun haben dort oben, denn sie hat jetzt zwei Engel zu beschützen."

Nicky setzte sich ebenfalls auf.

"Genau. Nämlich dich und mich."

"Nein, nein. Dich und Georgina. Mich hat sie nur gerettet, jetzt bin ich auf mich selbst gestellt. Mehr kann sie nicht für mich tun", sagte Manja leise.

Nicky legte seinen Kopf auf ihre Schulter und schlang einen Arm um sie.

"Du hast mir all die Jahre so gefehlt. Nach Mandy einen weiteren Menschen zu verlieren, der mir so viel bedeutete, das war zu viel für mich. Gott sei Dank hatte ich meine Gina, die mich wieder aufgebaut hat. Wenn sie nicht da gewesen wäre, ich glaube ich würde dann heute nicht hier sitzen."

"Du hattest wenigstens jemanden der dich aufgefangen hat Nicky, vergiss das bitte nicht. Ich dagegen war völlig auf mich allein gestellt."

"Was ist denn mit deinem Freund, diesem Robert, gewesen?" Als Nicky diese Frage stellte, sprach er so etwas von tuntig, dass sich Manja das Lachen verkneifen musste.

"Ach ja, meine Schwester Robert. Mhm, das hat sich ziemlich schnell in Luft aufgelöst. Er hat die Liebe seines Lebens kennen gelernt, und lebt jetzt mit ihm auf Ibiza. Robert war der Einzige, den ich in alles eingeweiht hatte." Manja wurde etwas nachdenklich.

"Du vermisst ihn, oder?"

"Ach weißt du Nicky. Manchmal nimmt das Schicksal einen anderen Lauf, als es eigentlich sollte."

"Was willst du damit sagen?"

Manja fing an zu lachen. "Ich weiß es selbst nicht. Aber es hat sich doch gut angehört, oder?" Dann fingen beide herzhaft an zu lachen, und es dauerte eine Weile, ehe sie sich wieder beruhigten.

"Sag mal, sind das dort nicht Shane und Nadine?"

Manja blickte sich um, dann nickte sie. Nicky sprang auf, und ging gemütlich auf die Beiden zu. Kurz darauf kehrte er, die Zwei im Schlepptau, zu Manja zurück.

Bryan war gerade am Haus angekommen, als die Tür aufgerissen wurde. Kerry stürmte mit Molly im Arm an ihm vorbei. Ehe er sich versah, hatte sie seine kleine Tochter ins Auto verfrachtet, und war dabei sich hinters Steuer zu setzten.

"Kerry! Was hast du vor?"

"Nach was sieht es denn aus?"

Bryan sah sie ungläubig an.

"Ich hole mir ein paar Sachen aus deinem Haus, Bryan. Ich hätte das schon viel früher machen sollen."

"Jetzt schieb nicht mir die Karte des Arschloches zu! Du hattest schließlich auch deinen Spaß!"

Das reichte! Wütend stieg sie wieder aus.

"Meinen Spaß?! Was hätte ich denn machen sollen? Ich wollte dich nicht verlieren!"

"Leider hast du dabei eins vergessen", sagte er leise, "Du kannst einen Menschen nicht zu etwas drängen, was er nicht möchte. Ich hatte dir von Anfang an gesagt was Sache ist, aber du hast nur an dich gedacht, Kerry. Meine Gefühle waren dir egal. Du wusstest dass ich noch nicht über Manja hinweg war. Seit sie hier wieder aufgetaucht ist, durchlaufe ich eine Achterbahn der Gefühle. Du bist mir wichtig Kerry, schließlich bist du die Mutter meiner Tochter, aber ich...ich...Kerry ich liebe dich nicht so, wie ich sie liebe. Es tut mir leid, einfach schrecklich leid, aber ich kann nicht mehr."

"Was heißt das jetzt? Willst du dich jetzt scheiden lassen?"

Er nickte.

"Was wird aus Molly", fragte Kerry leise.

"Sie ist und bleibt meine Tochter. Ich werde immer für sie da sein, und das weißt du hoffentlich. Ich will aber auch nicht, dass wir uns im Streit trennen. Ich mag dich wirklich sehr, und unter anderen Voraussetzungen hätte das auch sehr gut mit uns funktionieren können, aber es ist nun mal nicht mehr zu ändern."

"Ich glaube, es wäre vor allem für Molly wichtig, wenn wir nicht im Streit auseinander gehen", fügte Kerry hinzu.

"Ich werde die Scheidung einreichen, so bald ich von der Tour komme Kerry. Mehr habe ich erst einmal nicht zu sagen." Er nahm sie ein letztes Mal in den Arm, bevor er sich bei seiner Tochter verabschiedete und dann davon fuhr.

"Ich hoffe du wirst mit ihr glücklich", rief sie ihm leise hinterher. Dann fuhr auch sie davon.

11/2 Monat später

Die Tour war im vollen Gange, und wurde schon jetzt ein riesiger Erfolg. Priscilla hatte den Jungs gerade noch letzte Anweisungen gegeben, als das Licht in der Halle ausging, und ein ohrenbetäubender Lärm losbrach. Es war das letzte Konzert in Dublin. Dann ging es weiter nach England, Frankreich, Asien und zum Schluss standen ein paar Konzerte in Deutschland an.

Priscilla ließ sich etwas müde, aber glücklich in ihrer Garderobe auf das braune Ledersofa fallen, als ihr Handy klingelte.

"Hi! Na wie geht"s dir so?"

"Danke, gut!...Die Tour ist klasse, Erfolg auf der ganzen Linie. Sag mal hast du in den nächsten Tagen schon was vor?...Na dann schau mal schnell nach, ich warte so lange." Sie stand auf und holte sich eine Dose Red Bull.

"Na das ist doch super! Dann kannst du ja ein paar Tage locker machen und nach Paris kommen...Wie, warum? Sag bloß das hat sich noch nicht bis in dein Dorf durchgesprochen...Nadine und Shane werden heiraten, wusstest du das noch nicht?...Wie dir sagt keiner was? Armes kleines Ding du..."

Sie musste sich ein lachen verkneifen.

"Wir sind in 4 Tagen in Paris. Lass uns noch mal miteinander telefonieren, um alles weitere zu besprechen, damit dich dann jemand vom Flughafen abholen kann. Ja, bis dann! Bye!" Aufgelegt.

4 Tage später

Nach einer Verspätung von knapp 2 Stunden, landete die Maschine auf dem Pariser Flughafen.

Als sie durch die große Glastür kam, sah sie bereits Priscilla, mit einem großen Schild in der Hand, etwas weiter abseits stehen.

ASSISTENNTIN stand dort in großen Buchstaben geschrieben, dahinter prangte ein kleiner Smiley. Manja fing an zu lachen. Wer sich diesen Schwachsinn wohl ausgedacht hatte?

"Aaaaaaaaahhhh", brüllte Priscilla, als sie Manja entdeckte. Beide rannten aufeinander zu, und fielen sich lachend in die Arme.

"Ist das schön! Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber ich hab dich vermisst."

Hatte Manja sich da gerade verhört? Als sie das Strahlen in Priscillas Augen sah wußte sie, dass es die pure Wahrheit war. Noch einmal umarmten sie sich, bevor sie zur Halle fuhren.

"Die Jungs wissen noch gar nichts von deinem Besuch, das sollte ich dir lieber noch schnell sagen", flüsterte sie, als sie vor der Garderobe standen, wo ein großer Zettel angebracht war. WESTLIFE stand dort in großen schwarzen Buchstaben drauf.

Sie wußte nicht warum, aber Manja zitterte plötzlich wie Espenlaub. Leider bleib ihr keine Zeit um sich zu beruhigen, denn Priscilla klopfte grad wie eine Irre an die Tür.

"Come in!" hörten sie Nicky brüllen. Dann drückte Priscilla die Klinke nach unten, und die Tür öffnete sich.

"Überraschung!" schrie sie, und sprang auf und nieder. Nicky, Mark, Shane, Kian und Bryan drehten sich erschrocken um. Als Nicky Manja erblickte stürzte er auf sie zu, und drückte sie fest an sich.

"Was machst du denn hier? Man ist das schön!" überschlug er sich fast.

Manja hatte aber nur Augen für eine einzige Person in diesem Raum – Kerry.

Als sie auch von den anderen begrüßt wurde, ließ ihre Anspannung ein wenig nach. Bis auf Bryan, wurde sie bis jetzt von jedem herzlich willkommen geheißen. Nadine, Jenny und Madeleine waren ebenfalls da, und Manja konnte sehen, dass sich bei Nadine ein kleiner Bauch unter ihrem Shirt abzeichnete. Shane strich unbemerkt immer wieder kurz darüber. Da war sich Manja sicher. Die beiden erwarten ein Baby. Glücklich und verliebt wie am ersten Tag sahen sie sich an, dann küssten sie sich. Shane würde bestimmt ein toller Vater sein.

Manja ließ ihren Blick weiter durch den Raum schweifen, als ihr Blick auf einen jungen Mann fiel, der seine Arme um Kerry schlang und ihr einen Kuss gab. Schnell sah sie weg, als sich die Blicke von ihr und Kerry kreuzten. `Wie kann sie Bryan nur so demütigen?´ ging es in ihrem Kopf umher. Bryan allerdings machte überhaupt nicht den Anschein, als ob ihm das etwas ausmachte. `Was zum Teufel geht denn hier bitte ab?´ machten sich weitere Gedanken in ihrem Kopf breit.

Sie hatte auch keine Zeit sich weiter darüber Gedanken zu machen, denn jemand kniete sich vor sie hin. Es war Bryan.

"Hi! Schön dich zu sehen, Manja", sagte er zärtlich, strich über ihre Wange und nahm sie in seine Arme. Manja war froh das sie saß, denn sie wäre wahrscheinlich unter diesen Berührungen zusammengesackt. Ihre Beine waren selbst im sitzen wie Brei, und drohten nachzugeben, wenn sie jetzt hätte aufstehen müssen.

Lange hielt er sie fest, und sie konnte sein Aftershave riechen, das ihr fast die Sinne zu rauben schien. Ihr wurde ein weiteres Mal bewusst, dass sie noch immer in diesen Mann verliebt war.

Langsam lösten sie sich voneinander, und er gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Gott wie sie solche Küsse liebte.

"Wie lange kannst du bleiben?"

"Bridget hat mir 2 Wochen Urlaub gegeben", sagte sie lächelnd. "Sie ist nämlich auf den Weg in ihre Flitterwochen", fügte sie noch schnell hinzu, bevor Bryan auf die Idee kam falsche Schlüsse daraus zu ziehen.

"Sie hat geheiratet? Wieso weiß ich davon nichts?"

Manja sah ihn ernst an.

"Ich scheine hier auch einiges verpasst zu haben", sagte sie, und sah, an Bryan vorbei, zu Kerry.

"Das ist vorbei. Wir lassen uns nach der Tour scheiden, aber darüber sollten wir uns nicht hier unterhalten. Lass uns nach dem Konzert noch etwas unternehmen."

"Wir könnten zum Beispiel in einem Park Pizza und Lasagne essen gehen", kicherte sie, und strahlte ihn an.

"Das wäre doch ein Anfang. Ich muss mich weiter auf die Show vorbereiten. Bis später!" Bryan nahm ihre Hände und drückte sie leicht, dann stand er auf und ging zu Mark und Kian, um mit ihnen noch einmal ein paar Tanzschritte durch zu gehen.

"Na wenn hier mal nicht gerade die Funken nur so sprühten" lachte Nicky, als er sich neben Manja auf den Stuhl setzte.

"Ach du redest mal wieder nur Blödsinn", stichelte Manja.

"Sag mir lieber, wie es bei dir und Georgina läuft."

"Wir wollen heiraten, ist das nicht super!"

"Ehrlich?! Man ich freu mich für euch. Ist sie etwa auch schwanger?"

"So wie Nadine? Nein ist sie nicht. Aber glaub ja nicht, dass Shane seine Süße nur deswegen heiratet. Die Beiden lieben sich wirklich, und es ist die einzig richtige Entscheidung die sie getroffen haben. Schau nur wie glücklich sie sind."

"Wir klingen grad wie ein altes Ehepaar das irgendwo im Park auf einer Bank sitzt und über das Leben philosophiert", bemerkte Manja trocken, und fing an zu lachen. Nicky stimmte ihr grinsend zu.

"Ich muß dann mal wieder. Wir sehen uns Süße", zwinkerte er ihr zu, dann gesellte er sich zu Mark, Kian und Bryan.

Schweißgebadet und glücklich kamen die Jungs von der Bühne in die Garderobe.

"Das war einsame spitze heute Abend. Das Publikum war der Wahnsinn! Wie die abgegangen sind! Wow, das war irre!" riefen sie völlig durcheinander.

Dann rissen sie sich ihre verschwitzten Klamotten vom Leib und verschwanden in den Duschen.

Die Mädels amüsierten sich unterdessen bestens bei einer Runde Räuberrommé.

"Du hast geschummelt", schrie Jenny plötzlich Manja an.

"Ist doch gar nicht wahr, das war Nadine. Die hat die Karte unter den Tisch fallen lassen."

"Och, du spinnst ja wohl."

"Hey, nun kriegt euch mal wieder ein, ist doch eh nur ein Spiel", sagte Madeleine ruhig, und zog unbemerkt eine Karte aus ihrem Ärmel.

Mark, der sich das gerade aus einer sicheren Entfernung angesehen hatte, kam plötzlich angerannt.

"Ich hab den Übeltäter", schrie er, und riss Madeleine die Karte aus der Hand.

"Maark! Du bist gemein! Gib mir sofort meine Karte wieder! Ich bin hier grad am gewinnen!"

"Nun nicht mehr Herzchen", sagte er in einem verfüherischem Ton und küsste sie zärtlich. Daraufhin schmiss sie ihre Karten auf den Tisch, und schlang die Arme um seinen Hals.

"Ich würd dich gern mit unter die Dusche nehmen, aber das machen wir lieber, wenn wir nachher allein sind", flüsterte er ihr ins Ohr und knabberte zärtlich an ihrem Ohrläppchen.

"Müssen wir denn auf die anderen warten? Können wir nicht schon allein ins Hotel fahren?" fragte sie ihn, und stieß einen leisen Seufzer aus, den nur er hören konnte.

"Paul! Wir fahren schon mal ins Hotel, okay!" rief er, schnappte sich seine Sachen und Madeleine, dann rannten sie regelrecht aus der Garderobe.

"Viel Spaß!" brüllten Jenny, Nadine und Manja lachend hinter den Beiden her, bevor sie die Karten aufräumten.

Vor der Halle entbrannte gerade eine heftige Diskussion darüber, in welchem Club man denn das gelungene Konzert ordentlich begießen wolle.

Bryan kam gerade als letzter aus der Halle und stellte sich zu den anderen. Nicky legte gleich seinen Arm freundschaftlich um seine Schultern.

"Und? Hast du nicht eine Idee wo wir feiern gehen können?"

Bryan zuckte mit den Schultern.

"Macht was ihr wollt, aber ich hab schon eine Verabredung", grinste er schelmisch. Dann schnappte er nach der Hand von Manja und zog sie mit sich.

"Können wir..."

"Nein!" brüllte Bryan, noch ehe Nicky die Frage zu Ende gestellt hatte.

Am Wagen von ihm angekommen, hielt er ihr die Tür auf.

"Hoffe nur, dass sie auch mal ohne ihren Partykönig feiern können", sagte er, als Manja gerade in den Wagen steigen wollte.

"Meine Güte! Wo kommt denn plötzlich dieser Gestank her?" fragte sie gespielt angewidert, und rümpfte die Nase.

"Ich darf doch wohl bitten. Keine anzüglichen Bemerkungen junge Dame", neckte er sie. Dann warf er die Tür lachend zu und lief um den Wagen herum.

Als er endlich seinen Platz hinterm Steuer eingenommen hatte, startete er den Motor, und sie brausten vom Gelände.

"Und was machen wir?"

Bryan grinste, als er nach einer Weile vor einer Pizzeria hielt.

"Bin gleich zurück", meinet er, und sprang aus dem Auto. Manja schüttelte lächelnd den Kopf.

"Verrückter Kerl", flüsterte sie.

Die Decke war zwar nicht besonders groß, aber sie erfüllte dennoch ihren Zweck.

Bryan setzte sich neben Manja und reichte ihr ein Stück Pizza.

"Weißt du eigentlich, dass du ein ziemlich verrückter Kerl bist, Bryan McFadden?"

"Ich und verrückt? Niemals! Wer fliegt denn bitteschön nach Paris, nur um mitten in der Nacht Pizza auf einem Rasen zu essen?"

"Hey, das war nicht meine Idee mit der Pizza. Und außerdem hat mich Priscilla hierher eingeladen. Meinst du etwa ich wäre, einfach mal so vorbei gekommen um euch zu sehen?" verteidigte sie sich, und hätte sich für den letzten Satz mal wieder selbst ohrfeigen können.

Bryan reagierte nicht darauf, sondern widmete sich weiter der Pizza. Manja war der Appetit vergangen.

"Sag bloß du machst schon schlapp?"

Sie nickte ihm zu, und wischte sich mit der Serviette den Mund ab.

"Ich hab keinen Hunger mehr", sagte sie kleinlaut.

Bryan legte das gerade angefangene Stück Pizza zurück in die Schachtel und sah sie an.

"Was ist los?"

"Was soll denn los sein?"

"Das ist deine Lieblingspizza. Und du willst mir sagen, das du nach einem kleinen Stück schon satt bist?"

Sie sah ihn an. Er hielt ihrem Blick stand.

"Ich hab eben keinen Hunger mehr Bryan. Ende der Diskussion."

Sie hörte ihn einen leisen Seufzer ausstoßen, dann ließ er sich nach hinten fallen.

Nicky und Co. Fanden mit Mühe und Not einen freien Tisch, den sie sofort in Beschlag nehmen.

"Meine Güte, was ist denn heute hier los?"

"Keine Ahnung, aber um gleich mal vom Thema abzukommen. Was läuft da eigentlich zwischen Bryan und Manja?" fragte Shane gerade heraus, und gab Nadine einen zärtlichen Kuss auf die Wange.

Nicky zuckte mit den Schultern.

"Was soll denn da laufen? Sie verstehen sich nun mal sehr gut."

"Ach komm Nico. Hast du nicht mitbekommen wie ausgewechselt Bryan ist, seit sie wieder in sein Leben getreten ist?"

"Klar hab ich das mitbekommen. Ich denke wir alle haben das mitbekommen. Und ich freue mich auch für ihn."

"Das klingt gefährlich nach einem aber, Byrne", mischte Kian sich ein.

"Ich hoffe nur für sie, dass er ihr nicht weh tut."

Shane und Kian sahen sich fragend an. Ist ihnen etwa was entgangen?

"Wie meinst du das?" fragte Shane.

"So wie ich es gesagt habe", antwortete Nicky, nahm einen großen Schluck von seinem Guinness und schaute in die andere Richtung. Shane und Kian sahen sich kopfschüttelnd an, und widmeten sich wieder ganz ihren Freundinnen.

"Kann ich dich mal was fragen Bryan?"

"Klar doch. Schieß los!"

Manja drehte sich etwas, um Bryan anzusehen, der jetzt mit geschlossenen Augen da lag.

"Gott wie er mir gefehlt hat", schoß es plötzlich durch ihren Kopf, und Tränen bahnten sich ihren Weg nach draußen. Sie versuchte vergebens sie zurück zu halten. Es war zwecklos.

Nach einer Weile des Schweigens öffnete er ein Auge und sah sie fragend an. Dann richtete er sich ruckartig auf.

"Alles klar mit dir", fragte er leise, und legte einen Arm um ihre Schultern. Manja nickte kurz, und wischte sich die Tränen energisch weg.

"Wie ich mich dafür verfluche", versuchte sie die Situation etwas zu kaschieren, und erzwang sich ein Lächeln.

Bryan gab ihr einen Kuss auf ihre rechte Schläfe und sie legte ihren Kopf auf seine Schulter.

"Ich hab dich vermisst Manja. Ich hab dich schrecklich vermisst."

Langsam hob sie ihren Kopf und sah Bryan an.

"Du hast mir auch gefehlt", sagte sie und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Als sie zurückwich, hielt Bryan sie am Nacken fest.

"Noch einmal lass ich dich nicht einfach so gehen", flüsterte er, und näherte sich ihrem Gesicht.

Manja konnte seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht spüren. Immer näher kamen seine Lippen. Manja schloss die Augen, als sie einen sanften Druck auf ihren Lippen spürte. Keiner getraute sich zu bewegen. Sie pressten einfach nur ihre Lippen aufeinander und verharrten in ihren Bewegungen.

"Jetzt oder nie" dachte sich Bryan, und öffnete langsam seinen Mund und fuhr mit seiner Zungenspitze sanft über ihre Lippen.

Manja wich kurz zurück, wurde aber sofort von Bryan zurückgezogen. Langsam öffnete sie ihren Mund und ließ ihn gewähren. Ihre Zungen spielten zaghaft und zärtlich miteinander, bis sie zu einem innigen Kuss miteinander verschmolzten.

Glücklich lächelnd betraten sie die Hotel-Lobby, in der sich auch gerade Nicky und Shane aufhielten.

"Und? Wie ich sehe, war euer Abend schön", begrüßte Shane die beiden, und sah sie durchdringend an.

Bryan lächelte nur, und gab Manja einen Kuss auf die Wange.

"Kann man so sagen."

Lachend gingen die Beiden zu den Aufzügen, und stiegen in einen sich gerade öffnenden ein.

"Ich hab dir doch gesagt, das da was zwischen den beiden läuft."

"Ich hab es ja auch nicht abgestritten. Krieg dich wieder ein, Filan."

"Sag bloß du bist eifersüchtig Nicky!"

"Ach Quatsch!"

"Oh man, du bist ja so was von eifersüchtig und angepisst", kicherte Shane, und stupste Nicky mit dem Ellenbogen in die Seite.

"Dn do chlab!" fauchte er ihn an. Dann machte sich Nicky auf den Weg zum Treppenhaus. Shane sah ihm belustigt hinterher.

Manja und Bryan verabschiedeten sich in der vierten Etage voneinander.

"Schlaf gut und träum was schönes", flüsterte Bryan. Dann gab er ihr einen langen Kuss.

Manja wartete noch bis sich die Türen vom Aufzug schlossen, dann ging sie zum Zimmer 425. Priscilla hatte ihr noch den zweiten Schlüssel gegeben, so dass sie ohne Probleme ins Zimmer konnte.

Langsam öffnete sie die Tür und tippelte leise ins Zimmer, als sie merkwürdige Geräusche hörte. Na ja eigentlich waren es keine merkwürdigen Geräusche. Sie hatte völlig vergessen, dass Priscillas Freund heute angekommen war.

Manja schlich sich wieder leise aus dem Zimmer.

"Super Priscilla. Hättest ja wenigstens ein Schild raushängen können." Stöhnte sie leise, und ließ sich auf den Boden sinken.

"Man ey, und ich darf heute hier pennen" fügte sie genervt hinzu.

Doch dann kam ihr ein Gedanke. Sie könnte doch bei Bryan schlafen. Er hätte sicher nichts dagegen.

"Nein, vergiss es Manja. Du kannst doch nicht gleich bei ihm pennen. Wie sieht denn das...."

"Alles klar bei dir?"

"Häh?"

"Geht"s dir nicht gut?" fragte ein etwa 11 jähriger Junge.

"Doch doch, danke der Nachfrage. Mir geht"s super."

"Und was machst du dann auf dem Boden?"

"Ich...ich hab grad noch was gesucht...ah ja, da ist er ja", sagte Manja, und hielt den Schlüssel in die Höhe.

"Was machst du eigentlich noch so spät hier draußen?"

"Ich kann nicht schlafen. Meine Schwester nervt mich total."

Manja verkniff sich jegliche Bemerkung dazu.

"Wieso müssen die Weiber eigentlich immer so ausflippen, nur weil irgendwelche blöden Kerle von irgend so einer blöden Band hier im Hotel sind?"

"Hier sind berühmte Leute im Hotel?" fragte Manja gespielt aufgeregt.

"Sag bloß, das weißt du noch nicht?"

Sie schüttelte ihren Kopf.

"Stefanie, also meine Schwester, ist totaler Fan von so einer Boyband. Sie war heute mit meiner Mutter bei ihrem Konzert. Okay ich freue mich ja für sie. Sie hat es eh so schwer im Leben. Aber muß sie mich dann bitte vom schlafen abhalten?"

"Wie meintest du das? Sie hat es eh so schwer im Leben?"

"Ach das ist eine lange Geschichte."

"Weißt du, ich hab Zeit", sagte Manja, und streckte ihre Beine der Länge nach von sich. Dann schlug sie sie übereinander und verschränkte ihre Arme vor der Brust.

Der Junge tat es ihr gleich.

"Ich heiße übrigens Manja."

Sie streckte ihm ihre Hand entgegen, die er freundlich lächelnd ergriff und schüttelte.

"Nett dich kennen zu lernen Manja. Ich heiße Kevin."

"Also einen Kevin hab ich noch nie kennen gelernt. Freut mich deine Bekanntschaft zu machen."

Beide mussten leise kichern. Dann unterhielten sie sich noch eine halbe Ewigkeit.

"Ich denke, du kannst langsam wieder in dein Bett kriechen. Stefanie dürfte jetzt schlafen."

Kevin gähnte herzhaft und rieb sich seine kleinen Augen.

"ich glaube du hast Recht. Gute Nacht Manja." Er stand auf und ging. Plötzlich drehte er sich noch einmal um und kam zurück gelaufen. Er fiel ihr um den Hals.

"Danke für alles", sagte er und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Dann machte er sich auf den Weg in sein Zimmer.

Manja sah ihm mit traurigem Blick nach. Sie wußte ganz genau welche Last auf ihm lag. Hatte sie doch damals genau dasselbe bei ihrer Schwester durchgemacht.

Schnell stand sie auf und rannte zum Treppenhaus.

Bryan warf genervt die Bettdecke zurück und lief zur Tür, an der es unaufhörlich klopfte. Er riss sie auf und wollte gerade einen Brüller loslassen, als er sie sah.

"Hey, was ist denn los?" fragte er sanft, und zog sie ins Zimmer. Er hielt sie fest in seinen Armen und spürte wie sie zitterte.

"Meine Güte. Was ist denn passiert? Hat dir jemand was getan?"

Manja schüttelte nur den Kopf und löste sich aus seiner Umarmung. Erst jetzt bemerkt sie, dass er nur eine Boxershorts trug. Wie lange hatte sie ihn so nicht mehr gesehen? Er sah einfach zum anbeißen aus. Aber Manja hatte jetzt wirklich andere Probleme, um sich solchen schmutzigen Phantasien hinzugeben, die sie gerade noch so gut es ging verdrängen konnte.

Bryan hatte ihren Blick natürlich längst bemerkt, wollte aber auch nicht weiter darauf eingehen.

Er küsste ihre Stirn und strich ihr sanft über den Rücken.

"Ich hab grad einen kleinen Jungen kennen gelernt Bryan. Er...er...gott er tut mir so leid."

Manja brach in Tränen aus. Bryan war mit dieser Situation gerade etwas überfordert, denn er wich erschrocken von ihr.

Er legte einen Arm um ihre Schultern und zog sie zum Bett. Dort setzten sie sich und Manja ließ ihren Tränen freien Lauf. Bryan strich ihr die ganze Zeit sanft über den Rücken und schwieg.

Sie wußte, dass sie mit ihm reden musste. Jetzt oder nie. Also fasste sie all ihren Mut zusammen und begann.

Bryan starrte auf den Boden, unfähig etwas zu sagen. Langsam hob er seinen Kopf und blickte Manja an.

"Ich hätte dir schon damals alles erzählen sollen, ich weiß. Aber was sollte ich denn machen? Ich wollte dich nicht auch noch verlieren Bryan."

"Jetzt versteh ich auch endlich was Nicky damals meinte als er sagte, dass wenigstens ich dich glücklich machen solle. Aber ich verstehe nicht, warum du mit ihm darüber geredet hast, aber nicht mit mir."

"Ich hab nicht mit ihm geredet Bryan. Das war Mandy. Sie wußte alles, und hat es ihm, so wie es aussieht, erzählt." Manja wischte sich die Tränen weg.

Bryan nahm sie in seine Arme und hielt sie fest.

So saßen sie noch eine ganze Weile da, bis sie sich müde ins Bett fallen ließen und kurz darauf Arm in Arm einschliefen.

"Guten Morgen" sagte er leise, und küsste ihre Nasenspitze.

"Mhm" entgegnete Manja ihm, und drehte sich auf die andere Seite. Bryan grinste und rutschte näher an sie heran.

Langsam streichelte er ihr übers Haar und gab ihr einen Kuss in den Nacken. Dann legte er seinen Arm um sie und kuschelte sich an sie. Manja strich ihm zärtlich über seinen Arm und lächelte.

"Ich hab Hunger" flüsterte er ihr ins Ohr.

"War ja auch nicht anders zu erwarten", konterte sie zurück.

Sie wollte gerade aufstehen, as sie zurück gehalten wurde.

"Wo willst du hin?"

"Ich dachte du hast Hunger? Also lass uns frühstücken gehen."

Bryan schüttelte den Kopf.

"Ich hab zwar Hunger, aber mehr auf dich", grinste er und zog sie zurück ins Bett. Ehe sie etwa erwidern konnte spürte sie seine Lippen auf ihren.

"Sei mir nicht böse Bryan, aber ich denke wir sollten uns dringend die Zähne putzen. Außerdem hab ich wirklich richtigen Hunger."

Mit diesem Satz krabbelte sie aus dem Bett und ging ins Bad. Bryan schlenderte hinter ihr her.

Manja beugte sich gerade über das Waschbecken, als sie Bryan hinter sich bemerkte. Sie richtete sich auf, und sah ihn durch den Spiegel an.

Seine Haare waren etwas zerzaust, seine Bartstoppeln wirkten an ihm sexy und sein Blick war mehr als eindeutig. Manja konnte ihren Blick kaum von ihm abwenden, so sehr fühlte sie sich von Bryan angezogen.

Bryan trat näher an sie heran, den Blick weiterhin auf den Spiegel gerichtet. Dicht hinter ihr blieb er stehen, und legte seine Hände um ihre Hüften. Manja stockte für einen Moment der Atem, und sie spürte wie ihr heiß und kalt zugleich wurde.

Bryan beugte seinen Kopf langsam nach unten, den Blick weiterhin in den Spiegel gerichtet und küsste ihren Hals.

Sie schloss für einen Moment die Augen und genoss seine Berührung. Als sie die Augen wieder öffnete sah sie Bryan, wie er seine Augen schloss und spürte im nächsten Moment seine Zungenspitze, die langsam an ihrem Ohrläppchen entlang fuhr. Ihr Atem wurde etwas schneller und sie unterdrückte sich ein seufzen.

Seine Hände ruhten weiterhin auf ihrer Hüfte, aber seine Zunge ging weiterhin auf Wanderschaft. Jeden Zentimenter ihres Halses erforschte Bryan und bedeckte ihn mit unzähligen Küssen.

Manja legte einen Arm um seinen Hals und kraulte seinen Nacken. Bryan hielt inne und sah in den Spiegel. Beide schauten sie sich an. Ohne den Blick von ihr zu lassen, ließ Bryan seine Hände langsam an ihren Hüften nach vorn gleiten. Sie schloss ihre Augen und genoss seine zärtlichen Berührungen. Langsam schob er seine Hände in ihre Jeans und ließ sie weiter nach unten gleiten. Manja stöhnte leise auf, und drehte ihren Kopf seinem Gesicht entgegen. Sie versanken in einem leidenschaftlichen Kuss, während Bryan sie mit der Hand verwöhnte.

Kevin stopfte sich gerade den Rest seines Brötchens in den Mund, als er Manja erblickte. Freudestrahlend winkte er ihr entgegen. Manja löste sich aus Bryans Umarmung.

"Du entschuldigst mich kurz?"

"Klar geh nur." Er gab ihr einen Kuss, dann ging er an den Tisch, wo bereits die anderen saßen und tuschelten.

"Ja ja, zerreißt euch nur die Mäuler", zog Bryan die Sippe auf, und ließ sich auf einen Stuhl fallen.

"Es musste ja früher oder später endlich mit euch beiden klappen", sagte Nadine und lächelte.

Manja war kaum am Tisch von Kevins Familie angekommen, als ihr Kevin auch schon um den Hals fiel.

"Mama, das ist manja. Die Frau von der ich dir erzählt habe."

"Hallo. Ich bin Regina." Sagte sie freundlich, und streckte Manja ihre Hand entgegen.

"Hi. Ich bin Manja, aber das wird ihnen Kevin ja bestimmt schon erzählt haben."

"Wollen sie sich setzen?"

Manja blickte kurz zum Tisch ihrer Freunde.

"Wenn es ihnen nichts ausmacht, gern."

Kevin zog einen Stuhl zurück, so dass sie sich setzen konnte.

"So jung und schon so ein Kavalier. Du wirst später mal die Herzen der Mädchen brechen", neckte Manja ihn, und setzte sich.

"Wo ist eigentlich deine Schwester?"

"Stefanie ist mit Papa am Büffel."

Beide Frauen fingen herzhaft an zu lachen.

"Das ist kein Büffel Schatz, das ist das Büffet", sagte Regina zu ihrem Sohn, und wuschelte durch seine kurzen dunklen Haare.

Kevin wurde etwas verlegen und schaute bedrückt zu Boden.

"Hey ist nicht schlimm. Ich konnte früher nicht Kirche sagen. Hab dann immer Kirsche gesagt", flüsterte Manja ihm ins Ohr. Nun musste Kevin lachen.

Kurz darauf kamen ein Mann und ein Mädchen an den tisch. Manja schlussfolgerte, das es sich bei den beiden um den Vater von Kevin und seine Schwester Stefanie handeln musste.

Kevin rutschte unruhig auf seinem stuhl umher.

"Stefanie? Das hier ist Manja."

"Oh hallo! Kevin hat richtig von ihnen geschwärmt, als er letzte Nacht zurück ins Zimmer kam. Ich konnte gar nicht richtig schlafen, da er nur am erzählen war."

"Du bist ja auch ständig am quasseln, wenn es um diese Typen geht."

"Ruhe jetzt!" wurden die Beiden durch den Mann unterbrochen.

"Hallo! Ich bin Richard."

Manja schüttelte seine Hand.

"Wie geht es dir Stefanie?"

"Oh danke, heute geht es mir...oh mein Gott!!!"

Manja war etwas irritiert, aber als sie dem Blick von Stefanie folgte, war ihr klar was passiert war. Stefanie hatte ihre Band entdeckt.

"Mama", flüsterte sie, und zitterte.

"Beruhige dich Steffi. Du weißt, du sollst dich nicht aufregen."

"Mama, aber da drüben sitzt Nicky. Der geilste Mann im Universum. Oh man, ist der hübsch."

Manja musste sich ein lächeln verkneifen, als sei Kevins Gesicht sah.

"Verstehst du jetzt was ich gestern meinte?" fragte er sie, und verdrehte die Augen.

Stefanie konnte ihren Blick nicht mehr von dem Tisch abwenden. Manja fand das alles sehr amüsant, und nippte an ihrem Kaffee.

"Sag mal Stefanie. Hast du nicht Lust mit mir heute eine Runde am Pool abzuhängen? Da können wir mal so ein richtiges Frauengespräch führen."

"Mama darf ich? Bitte!"

"Ich pass auf sie auf. Das verspreche ich ihnen, Regina."

Regina tauschte einen Blick mit ihrem Mann, dann nickte sie. Stefanie fiel ihrer Mutter stürmisch um den Hals, dann wiederholte sie das ganze bei Manja.

Sie verabschiedeten sich voneinander und verabredeten sich für 14 Uhr am Pool.

Manja blickte den Vieren lächelnd hinterher, dann ging sie wieder zu ihren Freunden.

Bryan begrüßte sie mit einem langen Kuss.

"Oh man ist das ekelhaft. Habt ihr kein Zimmer?"

"Halt die Klappe Egan", nuschelte Bryan, und küsste Manja ein weiteres Mal.

"Jetzt ist aber gut hier", sagte Manja, und löste sich von ihm.

"Jungs, ihr müsst mir einen Gefallen tun."

"Was gibt es denn?" fragte Shane neugierig.

Manja fing an, von Stefanie zu erzählen.

"Klar machen wir das. Ist ja wohl klar", sagte Nicky begeistert. Die anderen stimmten ihm da zu.

"Ich danke euch!"

"Das kostet aber", flüsterte Bryan in ihr Ohr und küsste sie anschließend auf die Wange.

"Ich denke mit diesen Kosten kann ich gerade noch so leben", sagte sie und legte ihre Hand auf seinen linken Oberschenkel. Bryan musste breit grinsen.

"Wir sehen uns dann um 2 am Pool!", rief er, schnappte sich Manja und rannte aus dem Speisesaal.

"Wie die Karnickel" sagte Mark trocken, und sah den beiden hinterher. Dann schaute er Madeleine an.

"Also, bis um 2, ne" sagte sie, und wurde schon von Mark aus dem Saal geschoben.

"Noch jemand hier, der seine Triebe befriedigen muß?" fragte Kian mit hochgezogener Augenbraue.

Shane sah Nadine an, dann sah er an ihr herunter.

"Nur noch 5 Monate Süßer", scherzte Nadine und strich sanft über seine Wange.

"Oh man, du tust mir leid Filan" sagte Nicky.

"Ich tu mir manchmal selber leid."

Nadine nahm Shanes Hand und zog ihn mit sich.

"Aber nicht heute", zwinkerte Shane Nicky zu, und rannte Nadine hinterher.

Manja war pünktlich am Pool. Eigentlich war sie eine halbe Stunde zu früh, und Bryan war auch nicht gerade begeistert davon, dass sie ihn schon so zeitig verlassen hatte. Aber Manja hatte hier einen Job zu machen. Jedenfalls betitelte sie diese Aktion hier als Job.

Sie hatte es sich gerade auf der Liege bequem gemacht, als Stefanie ankam.

Manja tat dieses Mädchen leid. Stefanie erinnerte sie stark an ihre eigene Schwester. Auch Stefanie war an Aids erkrankt, auch durch eine Bluttransfusion im Krankenhaus. Manja schluckte ihren Ärger und ihre Wut schnell herunter.

"Hey! Gut schaust du aus!"

"Ach Unsinn", winkte sie ab, und versuchte ihren dünnen Körper mit einem übergroßen Handtuch zu verdecken. Dann setzte sie sich auf die Liege neben Manja und starrte in den Pool.

"Woran denkst du gerade?" riss Manja sie aus den Gedanken.

"Das hört sich vielleicht dumm an, aber ich musste grad an Nicky denken."

"Den vom Frühstück heute?"

Stefanie nickte.

"Kennst du Westlife?"

"Hab ich schon mal gehört."

"Na ja er ist da ein Mitglied. Ich finde die Gruppe super, besonders eben Nicky."

Manja lächelte.

"Ich will dich aber nicht mit meiner dummen Schwärmerei nerven."

"Ach Unsinn. Erzähl mir ruhig mehr von ihnen. Was singen die denn? Vielleicht hab ich ja mal ein Lied von ihnen gehört."

"Also...kennst du Uptown girl?"

"Ja, das singt doch Billy Joel."

"Wer?!"

"Sag bloß du kennst Billy Joel nicht?"

"Muss man den denn kennen?"

"Also wer Uptown girl kennt..."

"Nein, nein. Westlife singen das nach. Im Video dazu spielt diese dumme Claudia Schiffer mit."

"Ach das sind Westlife?"

"Mhm."

Stefanie wurde wieder ruhiger.

"Sag mal hast du eigentlich einen Freund?"

Schnell schüttelte sie den Kopf.

"Wer würde mich denn so nehmen wollen? Also ich würde auch vor mir weglaufen. Außerdem ist es eh bald...bald vorbei."

Schnell wandte Manja ihren Kopf ab. Ihre Schwester hatte auch so geredet, als es immer weiter Berg ab mit ihr ging.

"Ich würde dir gern jemanden vorstellen, Stefanie. Natürlich nur wenn du möchtest."

Stefanie war etwas verunsichert. Sollte sie es wagen? Sollte sie auf das Angebot eingehen?

"Okay", sagte sie zögerlich.

"Warte mal kurz hier. Ich bin gleich zurück."

Manja ging zurück in die Lobby. Tränen liefen ihr übers Gesicht und kühlten ihre warme Haut. Noch ehe sie Bryan so sehen konnte, wischte sie sich die Tränen ab und setzte sich ihre Sonnenbrille auf.

"Hey Jungs. Kann es losgehen?"

Alle nickten, dann trotteten sie Manja hinterher.

"Wartet kurz hier, okay?"

Wieder ein einstimmiges nicken.

Manja ging wieder zu Stefanie.

"Kannst du mir mal helfen bitte Stefanie? Ich hab meinen Ring vorhin dort vorn verloren und kann ihn nicht mehr finden."

"Ja klar, kein Problem." Sie stand auf und lief Manja hinterher.

"Ich kann ihn nicht finden! Wie sah er denn aus?"

Stefanie drehte sich um, und stieß einen kurzen Schrei aus. Dann schlug sie eine Hand vor ihren Mund und starrte in zwei blaue Augen.

"Stefanie? Darf ich dir meine Freunde vorstellen? Nicky, Bryan, Mark, Shane und Kian. Aber du kennst sie ja. Hätte ich mir ja sparen können, sie alle persö...", weiter kam sie nicht, denn Bryan versiegelte ihre Lippen mit einem Kuss.

Stefanie konnte noch immer nichts sagen.

"Hi, schön dich kennen zu lernen. Manja hat uns heute von dir erzählt, und wir wollten dich unbedingt kennen lernen", sagte Nicky, und legte sanft eine Hand auf ihre Schulter.

Nun konnte sich Stefanie nicht mehr zusammen reißen. Tränen liefen ihr Gesicht hinunter und man sah ihr an, dass sie sich dafür schämte.

"Hey, ist doch okay", beruhigte Nicky sie, und nahm sie in seine Arme. Stefanie schmiegte sich fest an ihn und umarmte ihn. Manja hatte ebenfalls mit ihren Tränen zu kämpfen.

Sie konnte sich noch gut an ihr erstes Treffen mit Robbie erinnern. Am liebsten wäre sie ihm auch um den Hals gefallen, als er leibhaftig vor ihr stand. Aber als seine Choreographin musste sie sich eben zusammen reißen. Dafür konnte sie ihn später noch oft genug umarmen.

Nachdem jeder der Jungs Stefanie begrüßt ahtte, machten sie sich auf den Weg zum Pool, und die Party konnte steigen.

Stefanie genoss es sichtlich, endlich mal nicht an ihre Krankheit zu denken, und ihr Leben zu leben, was eh viel zu kurz werden würde.

Am Abend verabschiedeten sie sich alle voneinander.

"Manja?"

"Ja?"

"Ich danke dir von ganzen Herzen. Das war der schönste Tag in meinem Leben."

Gerührt umarmte sie Stefanie und drückte sie fest an sich.

"Ich hab dich lieb, Kleines" sagte sie leise zu ihr, und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

"Ich dich auch. Und viel Glück mit Bryan. Ihr seid ein tolles Paar. Und pass mir bloß auf meinen Nicky auf. Und sag georgina, wenn sie ihn nicht glücklich macht, dann bekommt sie mit mir Ärger."

"Ich werde es ihr ausrichten. Und jetzt schlaf schön."

"Gute Nacht Jungs", rief Stefanie und wollte gerade in ihr Zimmer gehen, als Nicky noch mal zu ihr ging.

"Gute Nacht Stefanie", sagte er, und umarmte sie ein letztes Mal.

Glücklich ließ sich Manja ins Bett fallen. Bryan legte sich neben sie, und streichelte ihre Arme.

"Du bist was ganz besonderes. Weißt du das eigentlich?"

Sie sah ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.

"Ach quatsch. Da ist doch nichts dabei, wenn man einem Mädchen einen Wunsch erfüllt."

"Und wie fühlst du dich jetzt?"

"Mir geht es gut Bryan. Ich bin glücklich, weil Stefanie glücklich ist."

Bryan stützte seinen Kopf auf seine Hand und sah sie an.

"Ich liebe dich!"

Manja wollte gerade etwas antworten, als es an der Tür hämmerte.

"Manja?! Manja?! Bist du da drinnen?"

Sie sprang vom Bett und rannte zur Tür.

"Kevin? Was ist los?!"

"Schnell komm mit! Du musst...es geht...meine Eltern...Steffi."

"Jetzt beruhige dich erst einmal."

Bryan kam ebenfalls an die Tür.

"Was ist?"

"Meine Eltern sind nicht da, und Steffi geht es immer schlechter. Du musst mir helfen", jammerte und schluchzte Kevin.

"Ruf an der Rezeption an und sag das wir einen Notarzt brauchen Bryan!" Dann rannte sie mit Kevin zu seiner Schwester.

Bryan sprang quer über das Bett und riss dabei fast das Telefon von dem kleinen Nachtschränkchen.

Kaum hatte er den Hörer abgenommen, meldete sich auch schon eine Stimme am anderen Ende der Leitung.

"Sparen sie sich ihren langweiligen Text. Ich brauche sofort einen Notarzt in der vierten Etage!" schrie er in den Hörer und knallte ihn anschließend wieder auf. Dann rannte er aus dem Zimmer.

"Nicky! Mark! Shane! Kian! Antanzen! Sofort! Notfall!" schrie er über den Gang.

Mit einem Mal wurden 4 Türen aufgerissen und 4 verschlafene Gestalten taumelten auf den Flur.

"Es ist was mit der Kleinen vom Pool. Stefanie!"

Nun waren die vier wach und rannten Bryan hinterher.

Manja stürzte ins Zimmer und rannte zum Bett von Stefanie.

"Weißt du wo deinen Eltern sind Kevin?"

"Nein."

Manja tastete nach dem Puls von ihr. Er war sehr schwach fühlbar.

"Stefanie, hörst du mich?! Wenn du mich hörst, dann drück meine Hand, okay?!"

Manja wartete ab. Es passierte nichts.

"Stefanie?"

Kein Puls.

Manja begann mit der Herz-Lungen-Massage.

Kevin stand wie angewurzelt da, als er fast von 5 Männern umgerannt wurde.

Shane kam Manja gleich zur Hilfe und übernahm die Herzmassage, während Manja immer wieder versuchte Luft in ihre Lungen zu blasen.

"Schafft doch mal das Kind hier raus", rief Shane, als er in das verstörte und ängstliche Gesicht des Kleinen schaute.

Bryan schnappte ihn sich, hob ihn hoch und setzte ihn auf seine Schultern.

"Wir gehen den Arzt holen der deiner Schwester hilft, okay?"

"Ist gut", schluchzte Kevin, und krallte sich in Bryans Haaren fest.

Nicky, Kian und Mark standen einfach nur da. Sie konnten einfach nicht glauben, was da gerade passierte.

Nach ungefähr 5 Minuten kamen der Notarzt und zwei Sanitäter, die die HLM übernahmen.

"Was ist denn passiert?"

"Ich weiß es nicht. Ihr Bruder stand plötzlich vor meiner Tür und meinte ihr ginge es nicht gut. Als ich dann hier ankam war sie schon fast bewusstlos. Dann habe ich mit der HLM begonnen."

"Hat sie irgendwelche Medikamente genommen?"

"Ich denke schon. Sie hat HIV."

Der Arzt sah Manja an.

Erst jetzt bemerkte Manja, was sie getan hatte. Sie hatte Stefanie ohne jeglichen Mundschutz beatmet.

Bevor sich Manja bewusst wurde welcher Gefahr sie sich gerade ausgesetzt hatte, kamen Regina und Richard ins Zimmer.

"Oh mein Gott! Nein! Steffi! Nein! Nein! Nein!" Regina brach weinend zusammen, als man ein weißes Laken über den leblosen und dünnen Körper legte.

Nicky, Mark, Kian und Shane ließen ihren Tränen freien Lauf. Manja starrte ins Leere, und wurde von Weinkrämpfen geschüttelt.

"Wo ist Kevin?" fragte plötzlich Richard.

"Er ist bei unserem Kumpel im Zimmer", sagte Mark leise, und senkte wieder seinen Blick.

"Es tut mir leid, was mit Stefanie passiert ist", sagte Manja leise, und getraute sich nicht den beiden ins Gesicht zu schauen.

"Ich hab alles versucht, aber...aber...aber...ich...ich..."

"Machen sie sich bitte keine Vorwürfe Manja. Sie haben getan was sie konnten, und wir sind ihnen dafür sehr dankbar", sagte Richard und umarmte sie kurz.

"Ich geh Kevin holen", sagte sie leise, und verließ das Zimmer.

Shane, Nicky, mark und kian sprachen den Eltern von Stefanie noch ihr Beileid aus, dann verließen auch sie das Zimmer.

"Kevin deine Eltern warten unten auf dich", sagte Manja, als sie die Zimmertür hinter sich schloss.

"Ich bring ihn runter. Bin gleich zurück." Bryan wollte ihr ienen Kuss geben, aber Manja wich zurück.

"Bis gleich", sagte sie und ging ins Bad. Sie sperrte hinter sich ab und ließ sich auf den kalten Marmorfußboden sinken.

Einem Weinkrampf folgte der nächste, und ließ sie nicht zur Ruhe kommen.

Manja zog sich langsam aus und stellte sich unter die Dusche. Immer wieder sah sie ihren leblosen Körper vor ihr liegen. Immer wieder sah sie sich selbst, wie sie die Mund zu Mund Beatmung durchführte. Dann sah sie den Blick von dem Arzt, als sie ihm sagte das Stefanie HIV hatte. Wieder strömten Tränen über ihr Gesicht und vermischten sich mit dem Wasser, was über ihr aus der Dusche prasselte. Dann sah sie bryan vor sich. Bryan wie er sie glücklich anlächelte. Bryan wie er sie durch den Spiegel ansah. Bryan wie er sie küsste und sie liebkoste. Bryan wie er ihr sagte "Ich liebe dich". Dann sah sie Kevin, wie er verstört vor der Tür stand.

"Manja? Alles okay mit dir da drinnen?"

Manja zuckte zusammen. Sie hatte das Klopfen gar nicht gehört.

"Hey hunny, mach doch bitte auf", flehte er sie an, aber Manja konnte ihm jetzt nicht in die Augen sehen. Sie wollte einfach nur allein sein.

Nach dem sie fast 1 Stunde im Bad zugebracht hatte, öffnete sie langsam und leise die Tür. Sie wollte Bryan nicht wecken, der bestimmt schon schlafend im Bett lag.

"Geht es dir gut hunny?"

"Wieso schläfst du noch nicht?" fragte sie ihn irritiert.

Bryan kam auf sie zu und wollte sie umarmen, aber sie wich ihm aus. Seufzend ließ er seinen Kopf sinken, und legte sich neben sie ins Bett.

Gerade als er sich an sie kuscheln wollte, stieß sie ihn weg.

"Lass mich bitte in Ruhe Bryan."

Am nächsten Morgen fand er sich allein im Bett wieder. Neben ihm lag lediglich ein Zettel mit einer Nachricht.

Guten Morgen Bryan!

Sei mir nicht böse, aber ich musste hier unbedingt weg. Ich möchte nicht, dass du mir hinterher reist. Lass mich einfach in Ruhe. Das ist das Beste für beide von uns, glaube mir.

Du wirst das jetzt nicht verstehen, was ich sehr gut nachvollziehen kann, aber vertrau mir einfach. Ich habe großen Mist gebaut und muß nun dafür die Konsequenzen tragen – ALLEIN.

Du wirst immer in meinem Herzen sein Bryan. Du bist etwas ganz besonderes für mich.

Ich werde dich immer lieben!

Du bedeutest die Welt für mich, aber wir haben keine gemeinsame Zukunft.

Tú mo ghrá geal

Le grá go deo

Manja

Bryan wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

"Nein!" rief er, und sprang aus dem Bett.

"Ich habe dich einmal verloren Manja. Ein zweites Mal steh ich das nicht durch! Du kannst dich nicht einfach immer aus dem Staub machen, wenn dir alles über den Kopf zu wachsen scheint", schrie er im Zimmer umher. Er zog sich in Windeseile an, packte seine Reisetasche und machte sich auf den Weg zur Rezeption.

Dort erkundigte er sich, wann Manja gegangen sei.

Sie war erst 1 Stunde weg, also war sie vielleicht noch am Flughafen. Bryan hinterließ Nicky eine Nachricht und rannte aus dem Hotel. Die Fans ließ er links liegen und sprang ins nächste Taxi.

Manja war grad dabei einzuchecken, als sie ihren Namen hörte.

Sie schloss die Augen für einen kurzen Moment, dann drehte sie sich um.

"Mensch, wir haben uns ja schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gesehen."

"Rob? Was machst du denn hier?"

"Wir hatten gestern ein Konzert hier. Sag bloß das weißt du nicht."

Sie schüttelte etwas verstört den Kopf.

"N..n...nein das wußte ich nicht."

"Ist alles klar mit dir? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen."

Genau in diesem Moment tauchte Bryan hinter Robbie auf.

"Manja, was soll das bedeuten?"

Bryan wedelte mit dem Brief in der Luft umher und sah sie fragend an.

"Ich lass euch dann mal allein", sagte Robbie, und checkte ein.

Manja ging langsam auf Bryan zu.

"Ich hab dir doch geschrieben, dass du mir nicht folgen sollst. Was bitteschön verstehst du daran nicht?"

"Wenn du meinst ich lass dich ein zweites Mal gehen, dann hast du dich geirrt. Mensch wach auf Manja! Du kannst nicht jedes Mal wegrennen, wenn dir irgend etwas über den Kopf wächst. Ich dachte, du vertraust mir und kannst mit mir über alles reden. Ich dachte du...du liebst mich?"

"Bryan, ich liebe dich so wahnsinnig. Das kannst du dir nicht vorstellen. Ich habe noch nie einen Menschen so sehr geliebt wie dich. Du bedeutest die Welt für mich, und ich würde dir am liebsten bis ans Ende der Welt folgen, aber es ist etwas Schreckliches passiert. Es reicht wenn ich mich der Gefahr ausgesetzt habe. Ich möchte dich nicht mit hineinziehen."

"Was ist denn passiert, verdammt noch mal?!" Bryan hatte seine Stimme kaum noch unter Kontrolle.

"Rede doch endlich mal Klartext und nicht in Rätseln."

Die umstehenden Passagiere schauten neugierig, und Manja wurde das langsam peinlich.

"Checken sie nun ein?"

"Nein tut sie nicht!" sagte Bryan schroff und zog Manja mit samt Gepäck zu sich.

"Wir fahren jetzt zurück ins Hotel, und dann reden wir in Ruhe über alles", sagte Bryan leise, und strich ihr mit dem Daumen über die Wange.

Manja beugte sich nur widerwillig seinem Willen.

Als sie wieder im Hotelzimmer waren, saßen sie sich schweigend im Bett gegenüber.

"Also? Was ist los?"

"Du verstehst es wirklich Gespräche zu beginnen Bryan."

"Wenigstens renne ich nicht vor ihnen weg."

Autsch! Das hatte gesessen. Manja sah ihn verbittert an.

"Ich habe gestern etwas unüberlegtes getan Bryan", begann sie schließlich zu erzählen.

"Als ich Stefanie so da liegen sah, da hab ich nicht weiter darüber nachgedacht, sondern einfach gehandelt. Ich hab sie ohne jeglichen Schutz beatmet."

"Und? Du hast erste Hilfe geleistet. Was ist daran so schlimm?"

Bryan verstand nicht, was Manja ihm damit sagen wollte.

"Bryan, sie hatte Aids!"

Noch immer sah er sie fragend an. Plötzlich veränderte sich sein Gesichtsausdruck.

"Und du hast jetzt Angst, dass du dich eventuell angesteckt haben könntest."

Manja nickte nur und wischte sich eine Träne weg.

"Und warum glaubst du bitte, dass du nicht mit mir über so etwas reden kannst?"

Kurzes Schweigen.

"Pass auf. Ich werde morgen mit dir nach Berlin kommen."

"Aber..."

"Lass mich ausreden bitte. Ich werde mit nach Berlin kommen. Dort wirst du einen Test machen lassen. Ich werde so lange bei dir bleiben, bis das Ergebnis da ist, okay? Ich lass dich jetzt nicht allein, Babe. Ich liebe dich nämlich."

"Ich liebe dich Bryan!"

Sie umarmten sich und hielten sich einfach nur fest. Sie wollten kein Risiko eingehen.

Manja war eingeschlafen.

Leise ging Bryan aus dem Zimmer und dann zu Nicky. Er musste jemandem Bescheid geben, dass er die nächste Zeit in Berlin sein wird. Den wahren Grund dafür gab er nicht bekannt.

Dann buchte er einen Flug und ging zurück zu Manja.

Als sie in Berlin ankamen fuhren sie sofort in Manjas kleine Wohnung.

"Schön hast du es hier."

"Na ja. Ist vielleicht ein bisschen klein, aber für mich reicht"s."

"Ich find"s gemütlich hier."

Bryan gab ihr einen Kuss auf die Wange, obwohl er sie gern mal wieder richtig geküsst hätte. Manja war da aber mehr als vorsichtig und wich jedes Mal zurück, wenn er mit seinen Lippen ihren Lippen auch nur zu nahe kam. Bryan fand das zwar ein wenig affig, aber was sollte er machen.

Manja schnappte sich sofort das Telefon und rief bei ihrem Hausarzt an, um sich für morgen einen Termin geben zu lassen.

Bryan inspizierte unterdessen ihre Wohnung. Er blieb bei einem Bild von Mandy und Nicky hängen.

"Morgen 7:45 Uhr? Ja sehr schön. Kein Problem! Das passt mir ausgezeichnet. Tschüß!"

Manja legte auf und beobachtete Bryan, wie er ihre Bilderwand betrachtete.

"Bist du das dort mit deiner Schwester?"

"Ja. Die kleine ist Steffi und das bin ich", sagte sie und zeigte auf das Bild. Dabei streifte sie Bryans Kinn ganz sanft. Es durchfuhr sie wie ein Blitz. Wie gern hätte sie ihn jetzt geküsst. Wie gern hätte sie jetzt seine Nähe gespürt. Sie wußte, dass Aids nur durch Austausch von Körperflüssigkeiten übertragbar ist, aber sie wollte kein Risiko eingehen. Bryan schien ihre Gedanken gelesen zu haben, denn er nickte nur.

"Mach dir keine Sorgen, okay?"

Sie nickte schwach, dann machte sie sich ans auspacken der Taschen. Bryan beobachtete sie einen Moment dabei. Immer wenn sich Manja bückte um etwas aus der Tasche zu holen, kribbelte es bei Bryan.

"Oh nein, nicht jetzt! Kannst du dich nicht ein anderes Mal melden" dachte er sich, als sich etwas in seiner Hose zu regen begann.

"Ähm, wo ist denn das Bad?"

"Gleich hier links."

Bryan rannte fast hinein und schloss hinter sich ab. Als er an sich hinunter schaute, sah er eine ziemlich große Beule an seiner Hose.

"Verdammt!" fluchte er leise. Was sollte er jetzt tun?

Er öffnete seine Hose, streifte sie hinab und begann sich selbst zu befriedigen. Bryan biss in ein Handtuch, als er den Höhepunkt erreichte. Glücklich und erleichtert kam er wieder aus dem Bad und half Manja weiter beim auspacken.

11 Tage später

Manja saß wie auf Kohlen im Sprechzimmer. Bryan hielt ihre Hand, und streichelte immer wieder ihren Handrücken.

Nervös sah sich Manja im Zimmer um, und ihr Blick traf sich mit dem von Bryan. Er lehnte sich zu ihr herüber und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

"Ssshhh. Ist gleich geschafft hunny", flüsterte er in ihr Ohr und küsste sie hinter das Ohrläppchen.

"Bryan lass das" seufzte sie, und hielt seine Hand fest umschlossen. In diesem Moment kam der Arzt ins Zimmer, und Manja war mehr als glücklich darüber. Bryan konnte sich nur schwer ein lächeln verkneifen. Er wußte nur zu gut, wie sich Manja fühlen musste.

"Hallo Manja. Wie geht es dir denn?" begrüßte sie der Arzt. Manja ging seit sie denken kann zu ihm, und somit kannte er sie so gut wie sein eigenes Kind.

"Es würde mir endlich besser gehen, wenn ich diese verfluchten Ergebnisse wüsste, Doktor Hartmann", sagte sie aufgeregt, und wippte mit dem rechten Bein.

"Ja also, die Ergebnisse sind da."

"Aber?"

"Nichts aber! Du bist kerngesund. Der Verdacht hat sich nicht bestätigt."

"Sind sie sich da absolut sicher?"

"Aber ja doch, wenn ich es dir sage!"

Manja sprang auf, lief um den Tisch und fiel ihm lachend und weinend zugleich um den Hals.

Bryan sprang auch gleich auf, und rannte ebenfalls zum Doktor. Er verstand zwar nicht was sie da besprochen hatten, aber es schien gut ausgegangen zu sein, wenn sie ihn umarmte. Er schmiss sich dem Arzt an den Hals, gab ihm einen fetten Knutscher und schubste ihn etwas unsanft zur Seite. Dann riss er Manja an sich und küsste sie voller Leidenschaft.

"Ich liebe dich! Und jetzt lass uns bloß schnell nach Hause fahren. Ciao Doktore!"

Bryan schob Manja aus dem Sprechzimmer und ließ einen völlig verdutzten Arzt zurück. Er warf den Schwestern an der Rezeption eine Kusshand nach der anderen zu und grinste breit.

"Er verträgt die Spritze wohl nicht so gut, die ihm Doktor Hartmann gerade...", aber da fiel auch schon die Tür ins Schloss.

"Byrne."

"Nico hier ist Bryan!"

"Hey Großer. Wie geht"s meiner Süßen?"

"Der geht es gut. Der geht es richtig gut. Weswegen ich anrufe. Ich weiß nicht, ob ich den Flieger morgen schaffe. Auf mich wartet heuet noch...na wie soll ich das jetzt agen...mhm ich hab noch ein bisschen was abzuarbeiten hier. Ich melde mich, so bald ich wieder dazu in der Lage bin. Ciao!"

"Bryan?!" Aufgelegt.

Manja schüttelte nur mit dem Kopf. Dazu fiel ihr nun wirklich nichts mehr ein.

"Hey, warte mal bitte!"

Sie schloss die Wohnungstür auf, und drehte sich zu Bryan um.

Er grinste, beugte sich zu ihr herunter und küsste sie zärtlich. Mit einer Hand stieß er dir Tür auf, schob Manja hinein und kickte sie mit dem Fuß wieder zu.

Immer leidenschaftlicher und wilder wurden ihre Küsse.

Er zog sie fest an sich und presste sie gegen die Wand. Seine Hände wanderten unter ihr Shirt und ehe sie was sagen konnte, fiel es zu Boden. Bryan leckte und knabberte genüsslich an ihren Ohrläppchen herum, was Manja fast in den Wahnsinn trieb. Immer wieder stieß sie einen Seufzer aus, wenn er eine weitere empfindliche Stelle fand, die er dann ausgiebig liebkoste.

Seine Hände wanderten an ihrem Rücken entlang zu ihrem Hintern. Zärtlich aber dennoch fordernd massierte er ihn und kniff hinein. Langsam wanderten seine Fingerspitzen an ihren Hüften entlang zu ihrem Bauch. Er öffnete den Knopf an ihrer Jeans und zog den Reißverschluss langsam nach unten. Bryan bahnte sich küssender Weise seinen Weg zu ihrem Bauch vor. Manja vergrub ihre Hände in seinen Haaren, als er ihr die Hose langsam auszog und sie immer wieder küsste. Immer wieder bedeckte er ihre Scham mit Küssen, bevor er ihr den Slip runter riss. Manja stöhnte auf. Davon angetrieben, ließ er seien Hand zwischen ihre Schenkel gleiten und massierte sie zärtlich.

Manja zog ihn sanft an den Haaren nach oben und versiegelte seine Lippen mit einem Kuss. Ihre Zungen fanden sich immer wieder und spielten miteinander. Bryan legte ihre Beine um seine Hüften und trug sie ins Schlafzimmer. Dort ließen sie sich auf das Bett fallen und Manja setzte sich auf ihn.

Langsam entledigte sie ihn seiner Hose und anschließend seiner Boxers. Bryan zitterte vor Verlangen, aber Manja wollte ihn noch etwas quälen. Genüsslich leckte sie über ihre Lippen und begann seinen Flaum zwischen Bauchnabel und Schambereich zu küssen. Langsam ließ sie ihre Zunge auf Wanderschaft gehen und als sie an seinem Penis ankam, bedeckte sie ihn mit vielen Küssen, bevor sie Bryan verwöhnte.

Bevor alles zu schnell vorbei war, entzog er sich ihrer Liebkosungen und rollte sich auf sie.

Noch ehe sie realisieren konnte was passierte, spürte sie ihn in ihr. Bryan blieb eine Weile regungslos auf ihr liegen. Dann begann er sich langsam in ihr zu bewegen.

Sie fanden bald darauf einen gemeinsamen Rhythmus und Bryan stieß kräftiger und schneller zu. Manja stöhnte mit jedem Stoß lauter und legte ihre Beine um seine Hüften, um ihn noch intensiver spüren zu können.

Sein Atem wurde schwerer und schneller und auch Manja kam zum Höhepunkt. Ausgepowert, aber glücklich, verharrten sie noch eine ganze Weile in dieser Position.

Er hielt sie fest und legte sich auf den Rücken. Manja hockte nun auf ihm. Ohne lange zu warten, begann sie sich auf ihm zu bewegen.

Bryan stöhnte bei jeder ihrer Bewegungen, was Manja nur noch mehr anstachelte. Er umfasste ihre Hüften und glitt dann zu ihrem Po, den er massierte und knete. Manja verstärkte ihre Bewegungen, was Bryan schon bald zum Höhepunkt brachte. Er verwöhnte Manja anschließend mit Hand und Zunge, was sie ebenfalls erneut zum Höhepunkt brachte.

4 Monate später

Nadine war hochschwanger, als sie mit Shane vor das Traualtar schritt. Es war eine wunderschöne Zeremonie und Nadine sah in ihrem weißen Kleid einfach umwerfend aus.

"Geht es dir nicht gut? Du siehst schon den ganzen tag so blass aus?"

"Geht schon wieder Bryan. Ist gleich vorbei", sagte Manja, aber im nächsten Moment rannte sie zur Toilette. Bryan hinterher.

Er hörte, wie sie sich übergab. Das war jetzt schon das dritte Mal heute. Zögernd öffnete er die Tür zum Bad und ging hinein.

Manja hing wie ein Häufchen Elend zwischen Kloschüssel und Boden da.

"Mir ist so übel Bryan. Die Torte war bestim...", weiter kam sie nicht, denn sie übergab sich ein weiters Mal. Bryan verzog etwas angewidert das Gesicht, aber er hielt dennoch ihre Hand.

"Lass uns heim fahren", sagte er, und strich ihr übers Haar.

"Aber was ist mit Nadine und Shane?"

"Mach dir mal um die Beiden keine Sorgen. Denen geht es gut, aber dir nicht. Ich sag nur schnell Bescheid, und dann fahren wir heim okay."

Manja nickte nur, und versuchte zu lächeln.

"Ich liebe dich, Bryan."

"Ich dich auch, Manja."

Dann machte er sich auf die Suche nach Shane oder Nadine.

2 Wochen später

"Und sie sind sich sicher?"

"Ja aber sicher doch. Sie sind schwanger."

"Oh man", war alles was Manja dazu sagen konnte. Wie sollte sie das Bryan erzählen? Okay, sie wußte er liebt Kinder, aber war er schon dazu bereit mit ihr Kinder zu haben? Wollte er überhaupt Kinder mit ihr? Sie hatten nie darüber gesprochen. Immer wenn Manja ihn mit Molly spielen sah blutete ihr das Herz, denn sie dachte jedes Mal schon an die Abschiedsszene. Mollys große blaue Kulleraugen füllten sich mit Tränen und ihr kleiner süßer Mund bog sich nach unten. Dann fing sie herzerweichend an zu weinen, was Bryan auch immer wieder Tränen in die Augen trieb.

An Abenden wie diesen war er dann sehr in sich gekehrt, und ließ kaum jemanden an sich heran. Für Manja waren es mit die schlimmsten Momente. Sie liebte Bryan und sie liebte Molly, aber ihr war das jedes Mal zu viel. Sie schnappte sich dann meistens ein Buch und verzog sich in eine ruhige Ecke des riesigen Hauses.

Es dauerte meistens so 3 Tage, bis sich Bryan wieder einigermaßen gefangen hatte. Ganz schlimm ist es, wenn er unterwegs ist, und Molly überhaupt nicht sehen kann. Manja hat es das letzte Mal vorgezogen daheim zu bleiben, als ihn zu begleiten. Sie wußte zwar, dass ihn das nur noch mehr runterziehen würde, aber sie konnte nicht mehr.

Nun war sie schwanger.

"Wie wird er wohl reagieren?", dachte sie sich, und pulte an ihrer Unterlippe rum.

"Alles in Ordnung mit ihnen?"

"Oh ja natürlich. Ich hab wohl geträumt", entschuldigte sie sich bei der Ärztin, und stand auf.

Sie verabschiedete sich freundlich bei den beiden Arzthelferinnen und verließ die Praxis.

Bryan war noch im Studio. Sie sangen Songs fürs neue Album ein. Es sollte "Turn Around" heißen, und die musikalische und persönliche Weiterentwicklung von Westlife zeigen.

Manja holte gerade den Auflauf aus dem Ofen, als sie seinen wagen in der Auffahrt hörte.

"You are my very first thought in the morning", kam er singend in die Küche und gab Manja einen Kuss.

"Das riecht aber lecker hier. Was gibt es denn?"

"Kartoffelauflauf. Autsch! Verdammter Scheißdreck!"

"Alles klar? Zeig mal her." Er nahm ihre Hand und schaute sie fragend an.

"Wo tut"s weh?"

"Der da ist es", sagte Manja mit einem Schmollmund und zeigte auf ihren rechten Mittelfinger. Bryan grinste pustete und ehe Manja was sagen konnte, saugte er an ihm.

"Sag mal geht"s noch McFadden?"

"Ich hab aber Hunger", quängelte er wie ein Kleinkind, und verschränkte die Arme vor der Brust.

"Jetzt weiß ich woher Molly das hat."

"Wann können wir essen?" fragte er belanglos, und goss sich ein Bier ein. "Kannst schon mal gehen. Ich komm gleich nach", sagte sie, und zeigte mit einer Hand in Richtung Esszimmer.

"Soll ich gleich noch was mitnehmen?"

Manja schüttelte nur den Kopf. Langsam aber sicher reichte es ihr. Jedes Mal wenn sie diesen Namen auch nur in den Mund nahm, verschlechterte sich seine Laune schlagartig.

Genervt knallte sie jeweils eine Portion Auflauf auf einen großen teller und machte sich auf den Weg zum Esszimmer. Dabei rutschte sie aus, und ließ einen Teller fallen, der auf dem Küchenboden geräuschvoll zerschellte. Manja ließ sich neben den Teller sinken und begann zu weinen. Bryan stürzte zu ihr und untersuchte gleich, ob sie sich irgendwo verletzt hatte.

"Mensch was ist denn heute nur los mit dir?"

Er strich ihr zärtlich über die Wange und nahm ihr Gesicht in seine Hände.

"Ich bin schwanger Bryan. Schwanger", flüsterte sie, dann ließ sie ihren Kopf sinken.

"Du bist...ich werde...du bist schwanger?"

Er fuhr sich durch die Haare und riss Manja an sich.

"Oh man. Etwas Schöneres hättest du mir gar nicht sagen können", sagte er mit Tränenerstickter Stimme, und küsste Manja.

Sie war überglücklich, dass Bryan sich auf das Kind freute.

Schnell sprang er auf, half Manja nach oben und schob sie ins Wohnzimmer. "Du bleibst jetzt hier sitzen und ich kümmere mich um das Essen."

"Bryan. Ich bin nur schwanger und nicht sterbenskrank."

"Keine Widerrede hunny. Du lässt deinen süßen Arsch dort wo er sich gerade befindet, und ich kümmere mich um alles."

"Ich hoffe die Küche gleicht nachher keinem Schlachtfeld, Bryan."

"Für den Anfang hast ja du gesorgt, also bitte nicht so frech werden", sagte er, und küsste sie bevor er in die Küche rannte.

Manja war gerade bei Georgina zu Besuch, als Nicky früher als gehofft heim kam.

"Mist. Und ich hab Bryan noch nix zu essen gemacht."

"Na dann laden wir uns gleich mal hier zum essen ein", hörten sie jemanden aus dem Flur rufen.

Kurz darauf steckte Bryan seinen Kopf ins Wohnzimmer der Byrnes und begrüßte Gina mit einem Kuss auf die Wange.

"Und wie geht es der werdenden Mutter?"

"Du bist schwanger?" kreischte Georgina plötzlich, und fiel ihr um den Hals.

"Hey langsam ja. Ich war noch nicht fertig."

Mit diesem Satz schob er Georgina etwas zur Seite und lehnte sich zu Manja herunter um sie zu küssen. Er wollte gar nicht mehr aufhören und der Kuss wurde immer leidenschaftlicher.

"Hallo? Hier ist kein Puff!" mischte sich jetzt Nicky ein, und tippte Bryan auf den Rücken. Langsam lösten sich die Lippen der Beiden.

"Ich glaube wir essen doch zu Hause", sagte Bryan, noch immer den Blick auf Manja gerichtet. Diese nickte zustimmend, und in Null komma nix waren die Beiden verschwunden.

Januar 2004

Es war Sonntag und Bryan hatte seit langem endlich mal wieder ein paar Tage frei. Sie konnten also ausschlafen und hatten die nächsten 4 Tage nur für sich. Bryan kuschelte sich an Manja und strich ihr über den überdimensional großen Bauch.

Plötzlich stöhnte Manja auf. Bryan guckte etwas irritiert, dachte sich aber nix dabei.

"Bry? Hunny?"

"Mhm?"

"Es geht los."

"Mhm, okay."

"Was?!"

Mit einem Sprung stand er neben dem Bett.

Er schnappte sich die, schon seit Tagen fertig gepackte, Reisetasche. Half Manja aus dem Bett und in den Bademantel. Dann half er ihr vorsichtig die Treppe hinunter und rief nebenher seine Eltern und Nicky an.

Dann verfrachtete er Manja in den großen Familienwagen, wie er den schwarzen BMW getauft hatte, und schmiss sich hinter das Lenkrad. Mit quietschenden Reifen fuhr er vom Grundstück und zum Dublin Hospital.

19 Stunden später waren die Beiden stolze Eltern eines Jungen.

Bryan rannte aus dem Kreissaal und zu seinen Kumpels.

"Es ist ein kleiner McFadden. Er ist genauso schön wie seine Mum", sagte er ganz aufgeregt, und wischte sich eine Träne von der Wange. Dann wurde er herzlich von seinen Freunden umarmt.

"Nicky? Manja möchte gern mit dir reden."

Beide gingen sie zurück zur frisch gebackenen Mutter.

"Hey Süße! Ich gratuliere dir!"

Nicky umarmte Manja sanft und küsste ihre Stirn.

"Danke Nicky. Ich will auch gar nicht lange um den heißen Brei reden. Bryan und ich, wir haben uns schon oft darüber unterhalten, und sind uns mehr als sicher. Jetzt liegt es nur noch an dir."

"Was denn?"

"Möchtest du der Patenonkel vom kleinen Kevin werden?"

Das war zuviel für Nicky. Er brach sofort in Tränen aus und fiel erst Manja und dann Bryan um den Hals.

"Das heißt bei ihm ja", sagte er zu Manja und küsste sie zärtlich.

"Ich liebe dich! Und auch ich möchte dir eine Frage stellen."

Manja sah Bryan zärtlich an.

"Möchtest du meine Frau werden, Manja? Möchtest du mich heiraten?"

"Ja!"

Nun fing Nicky gleich noch mehr an zu heulen, und die drei lagen sich schluchzend in den Armen.

2 Monate später

"Bryan McFadden hat heute seinen Ausstieg bei Westlife bekannt gegeben. Er möchte jetzt ganz für seine Frau und seinen Sohn da sein", verkündete eine Nachrichtensprecherin in den News.

Bryan und Manja saßen auf der Couch und verfolgten den Bericht.

"Ach da fällt mir ein. Ich hab da was für dich."

Bryan stand auf, und kam kurz darauf mit seiner Gitarre zurück.

Er setzte sich auf den weißen Lederhocker und begann zu singen:

I could see my future
When I'm looking in your eyes
And I can sense security
Just by you being in my life

Little voice inside my head
Says you're an angel in disguise
Without you I feel hopeless
Without you I'm deprived

I wish I could describe it
All the love I feel inside
Maybe I can find the words
That would make you realize

My life seems near perfect
When I got you in my arms
That's when I feel wholesome
That's when I am with you

If my world stopped turning in the morning
And if God should take this all away
If it all should stop without a warning
I would still stand tall
'Cause behind it all
You're the one who's made a winner out of me

I lie alone to touch you
And it comes as a surprise
That we spend so long apart
Even more that I survived

If I could speak frankly
There's one thing I can say
That I'm falling for you, baby
Falling further every day

And if my world stopped turning in the morning
And if God should take this all away
If it all should stop without a warning
I would still stand tall
'Cause behind it all
You made me your winner

If my world stopped turning in the morning
And if God should take this all away
If it all should stop without a warning
I would still stand tall
'Cause behind it all
You're the one who's made a winner out of me

Dann beugte er sich nach vorn und küsste erst seinen Sohn und anschließend seine Frau.

"Ich liebe dich, Manja!"

"Ich liebe dich auch, Bryan!"

Ende