Endlich war ich wieder in Irland. Wie ich es vermisst hatte, merkte ich erst,
als ich in meinem Auto auf dem Weg nach Sligo saß. Die letzten zwei Jahre
hatte ich ausschließlich im Ausland verbracht. Ein halbes Jahr in England,
ein weiteres halbes in Italien und das zweite Jahr in Deutschland. Als Reiseleiterin
und Reiseführerin kommt man eben viel in der Welt herum. Doch ich hatte
mich entschieden meinen Urlaub in meiner Heimat zu verbringen. Die Saftgrünen
Wiesen flogen nur so an mir vorbei und aus dem Radio ertönte gute Laune
machende Sommermusik. Fröhlich pfiff ich mit und freute mich auf meine
Familie und meine beste Freundin, bei der ich wieder einziehen würde.
" Und jetzt für alle verliebten da draußen ein Lied von Westlife",
sagte der Radiosprecher.
" We started as friends, but something happened...", ich drehte den Radio aus.
Das musste ich mir wirklich nicht antun, dieses Gejaule. Außerdem war
ich schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr verliebt gewesen. Trotzdem und
auch ohne Musik war meine Stimmung immer noch sehr gut. Ich wollte gerade mein
Handy aus meiner Tasche, die auf dem Beifahrersitz lag, holen, als ich plötzlich
unsanft nach vorne gestoßen wurde. Mein Airbag ging auf und ich landete
in diesem bescheuerten Kissen, dass mir nicht nur den ganzen Platz wegnahm,
sondern mir auch noch die Sicht versperrte. Ich kämpfte mich frei und stieg
aus dem Auto. Was ich da sah ließ mir kurz den Atem stocken. Mein geliebtes
Auto klebte an einem anderen.
" Warum muss ich immer auf solche Idiotinnen treffen! Nicht mal auf der richtigen
Seite können sie fahren! Wo haben sie eigentlich ihren Führerschein
gemacht?", brüllte mir eine männliche Stimme entgegen.
" Passen sie doch gefälligst selbst auf", konterte ich. Ich ließ
mich doch nicht Idiotin nennen. Ein junger Mann kam mit rotangelaufenem Gesicht
auf mich zu.
" Sie wissen schon, dass sie da gerade meinen neuen BMW Sportwagen zu Schrott
gefahren haben", sagte er laut und zeigte wütend auf sein Auto.
" Ja und! BMW oder Opel! Ist mir doch egal!", meinte ich und begutachtete den
Schaden, der lächerlich war.
" Ob ihre Schrottkiste kaputt ist, ist mir auch egal. Die gehört sowieso
verschrottet", schrie der Mann mich an. Langsam wurde es mir zu bunt.
" Ach ja! Nur weil ich keinen BMW, Ferrari oder sonst irgendeinen Luxusschlitten
fahre, ist das noch lange keine Schrottkiste. Außerdem ist an ihren Auto
nur ein kleiner Kratzer zu sehen", sagte ich.
" Kleiner Kratzer! Pah! Wissen sie eigentlich wie teuer eine Neulackierung ist?";
fragte er mich empört.
" Das ist ja nicht mein Problem", meinte ich und wollte wieder in mein Auto
zurück steigen.
" Moment mal! Ich kann auch die Polizei rufen. Schließlich haben sie den
Unfall verursacht!"
" Ich? Das waren doch sie, die auf der falschen Seite gefahren sind", schrie
ich.
" Von wegen! Oder seit wann fährt man in Irland auf der rechten Seite?",
fragte er mich fast grinsend. Und jetzt endlich erkannte ich meinen Fehler.
Nach einem Jahr Deutschland hatte ich doch tatsächlich den irischen Linksverkehr
vergessen.
" Gut! Dann bezahl ich ihnen die Rechnung", sagte ich ein wenig geknickt. Schließlich
hatte er Recht und das wollte ich beim besten Willen nicht einsehen. Er drückte
mir eine Visitenkarte in die Hand.
" Rufen sie mich morgen an. Dann können sie mir ihre Adresse geben und
ich schicke ihnen die Rechnung. Ich muss weiter", sagte er stieg in seine Luxuskarre
und zischte weg. Erst jetzt entdeckte ich, dass es mein Auto da schon mehr erwischt
hatte. Ich setzte mich trotzdem hinein und fuhr mit schlechter Laune weiter.
Da halfen nicht einmal die super Songs im Radio. Doch als dann wieder ein Lied
von Westlife im Radio kam, hätte ich beinahe den nächsten Unfall gebaut,
allerdings auf der richtigen Seite.
Als ich dann endlich in Sligo ankam, konnte ich die Geschehnisse leicht verdrängen,
doch das zerbeulte Auto weckte die Erinnerungen gleich wieder auf.
" Emma! Endlich! Ich hab schon gedacht du kommst gar nicht mehr", begrüßte
mich meine Freundin Ann, als ich bei ihr ankam.
" Du wirst nicht glauben, was mir passiert ist", meinte ich und ließ mich
aufs Sofa fallen.
" Lass mich überlegen", sagte sie grinsend. " Du hast einen Typ kennengelernt,
seine Handynummer in der Tasche und morgen ein Date."
" Falsch. Ich habe einen Typ kennengelernt, seine Handynummer in der Tasche
und morgen eine Rechnung für sein kaputtes Auto im Briefkasten", erklärte
ich meiner Freundin. Erstaunt schaute sie mich an.
" Was ist denn passiert?"; fragte sie. Ich erzählte ihr alles und sie konnte
sich vor lachen kaum mehr halten, als ich die Sache mit der falschen Seite erwähnte.
" Das ist nicht lustig", sagte ich empört, musste aber doch ein bisschen
grinsen.
" Sah er wenigstens gut aus?", fragte Ann. Ich versuchte mich zu erinnern.
" Keine Ahnung. Ich habe mich so aufgeregt, da hab ich darauf gar nicht mehr
geachtet", sagte ich.
" Na egal. Du wirst ihn bestimmt wieder sehen."
" Das glaub ich nicht. Ich bekomme seine Rechnung zugeschickt, überweise
das Geld und damit hat sich die Sache erledigt. Hoffe ich"
" Glaube mir, du wirst ihn schneller wiedersehen, als du denkst. So groß
ist Irland nicht", meinte Ann. Ich hatte keine Ahnung, was sie mir damit sagen
wollte.
Am nächsten morgen rief ich sofort bei ihm an. Oder wollte anrufen, aber
ich fand erst die Visitenkarte nicht.
" Ann! Kannst du mir mal helfen! Ich finde die Visitenkarte von diesem Typen
nicht", rief ich nach meiner Freundin. So nett wie sie ist, kam sie sofort angerannt
und half mir mit vollgeschäumten Haaren beim suchen. Sie war gerade beim
Haare waschen gewesen. Wir durchsuchten meinen Koffer von oben bis unten und
stellten das Auto auf den Kopf, bis mir einfiel, dass ich sie in die Jackentasche
gesteckt hatte.
" Das hätte uns auch gleich einfallen können", meinte Ann und verschwand
mit ihren vollgeseiften Haaren wieder im Badezimmer. Ich wählte die Nummer
die auf der Karte stand und wartete ewig.
" Byrne, bei Filan", sagte eine männliche Stimme zu mir.
" Ähm. Hallo! Hier ist Emma Ryan. Könnte ich bitte äh...", ich
musste schnell auf die Visitenkarte schauen. " Äh, Shane Filan sprechen?",
fragte ich.
" Der ist gerade nicht zu sprechen", wurde mir gesagt.
" Können sie ihm dann vielleicht meine Adresse geben?", fragte ich.
" Wieso denn das?"
" Ich bin in seine Auto gerast und er muss mir die Rechnung schicken", erklärte
ich schnell.
" Ach sie sind die Kamikazefahrerin. Ups... ähm Shane hat den Unfall erwähnt."
" Ja genau, die bin ich", ich wollte das Wort nicht wiederholen. Dann diktierte
ich ihm meine Adresse, oder besser gesagt die von Ann und legte dann auf. Dieser
Mann am Ende der Leitung hatte eine verdammt sexy Stimme gehabt, wie ich feststellen
musste.
" Und? Alles erledigt?", fragte Ann, die aus dem Bad kam.
" Klar. Ich hab zwar nur, wie ich vermute mit einem Kumpel von ihm gesprochen,
aber die Adresse bekommt er jetzt", sagte ich.
" Themawechsel. Ich muss heute Nachmittag arbeiten. Du kommst schon alleine
zurecht?"
" Natürlich. Vielleicht gehe ich ein bisschen shoppen und dann meine Familie
besuchen", sagte ich. Ann arbeitete im Sligo General Hospital als Krankenschwester
und das ziemlich oft..
" Dann ist ja gut", sagte sie. " Ich hatte mir gedacht, dass wir ja zum Mittagessen
eine Pizza bestellen könnten. Wie in alten Zeiten."
Früher hatten Ann und ich uns immer wenn wir uns trafen bei unserem Stammitaliener
Pizza bestellt. Das war schon fast Tradition das einmal in der Woche zu tun.
" Das ist eine super Idee", stimmte ich erfreut zu. Ann nahm das Telefon und
wählte.
" Luca? Hier ist Ann. Eine Pizza Vierjahreszeiten und eine Calzone", bestellte
sie bei Luca, dem erst dreißigjährigen Besitzer der Pizzeria.
" Ist Emma etwa da?", fragte Luca erstaunt. Ann hatte den Lautsprecher angemacht.
" Ja! Du erinnerst dich doch nicht etwa noch an ihre Lieblingspizza?", fragte
Ann.
" Natürlich. Wie geht es ihr?", fragte Luca.
" Gut. Sie hat natürlich gleich an ihrem Tag einen Unfall gebaut", musste
Ann meine Geschichte sofort zum besten geben.
" Oh die Arme. Wisst ihr was? Ich bring die Pizza vorbei", sagte Luca und legte
auf.
Wenig später klingelte es und Luca stand mit zwei Pizzaschachteln vor der
Türe.
" Emma!", rief er, drückte Ann die Schachteln in die Hand und drückte
mich ganz fest. " Das du dich auch mal wieder blicken lässt", meinte er.
Auch ihm musste ich von meinem Unfall erzählen, da er sich echte Sorgen
um mich gemacht hatte. War ja echt rührend. Er hatte leider nicht viel
Zeit, da er wieder an die Arbeit musste, aber wir versprachen ihm, bald mal
vorbei zu kommen.
Nachdem wir unsere Pizzas genossen hatten - sie schmeckten immer noch wie früher-
machte sich Ann auf den Weg zur Arbeit und ich begleitete sie noch ein Stück.
Die Innenstadt war ziemlich in der Nähe und so schlenderte ich bald durch
Sligos Einkaufsstraße. Es war noch alles so, wie ich es in Erinnerung
hatte. Und auch mein damaliges Lieblingsgeschäft gab es noch: Eine kleine
Boutique, in der man immer etwas zum anziehen fand. So auch heute. Mir war sofort
ein wunderschönes gelbes Sommerkleid ins Auge gefallen und glücklicherweise
passte es wie angegossen. Zufrieden verließ ich das Geschäft. Rums!
Ich hatte zwei Sekunden auf den Boden geschaut und klebte nun an einem männlichen
Körper.
" Verdammt! Was ist denn eigentlich los?", hörte ich denjenigen sagen,
mit dem ich zusammen gestoßen war. Ich schaute hoch und konnte meinen
Augen kaum trauen.
" Nein! Nicht sie schon wieder", hörte ich ihn sagen und erkannte in meinem
Opfer Shane Filan.
" Es tut mir furchtbar Leid", stammelte ich verlegen. Dass ich auch immer an
ihn geraten musste.
" Vielleicht sollten sie zur Abwechslung mal aufpassen", schlug er mir vor.
" Ich werde es versuchen", meinte ich und schaute ihm in die Augen, die ein
wunderschönes braun hatten.
" Ich muss jetzt weiter", sagte er.
" Ähm, darf ich sie zur Entschädigung vielleicht mal zu einem Cafe
einladen?", fragte ich, obwohl ich das gar nicht sagen wollte.
" Lieber nicht, ohne ihnen jetzt Nahe treten zu wollen", sagte Shane und verschwand.
Da stand ich nun ganz verwirrt. Zum einen wegen Shanes Lächeln, zum anderen,
weil ich mich darüber aufregte, dass ich immer mit ihm zusammenrasseln
musste, wo doch Sligo auch noch so viele andere männliche Bewohner hatte.
Ich erzählte meine Begegnung natürlich am Abend Ann, die sich ein
Grinsen nicht verkneifen konnte.
" Hab ich doch gesagt, dass du ihn wiedersiehst", meinte sie. " Hast du ihn
dieses mal wenigstens angeschaut?"
" Ja und er sieht einfach fantastisch aus", fing ich zu schwärmen an und
versuchte jedes Fleckchen seines Gesichtes in meine Erinnerung zu rufen.
" Seine Augen waren ein Traum, braun wie... wie... ach ich kann es nicht beschreiben.
" Der hat es dir aber angetan", meinte Ann schmunzelnd.
" Ach egal", rief ich mich auf den Boden der Tatsachen zurück. " Er hält
mich doch sowieso für eine trottelige Kuh, die immer mit ihm zusammenstößt.
Der verachtet mich doch nur"
" Na, na! Jetzt mal aber den Teufel nicht an die Wand", sagte Ann.
In dieser Nacht träumte ich schlecht. Ständig stieß ich im Traum
irgendwo dagegen und nicht nur einmal war es Shane. Am morgen hatte ich einige
blaue Flecken und musste feststellen, dass ich mich mit den Händen am Holzbett
angestoßen haben musste. Mir war es wirklich ein Rätsel wie ich das
geschafft hatte. Müde stand ich auf und ging frühstücken. Ann
war schon bei der Arbeit und ich hatte für den Tag einen Besuch bei meiner
Familie geplant. Die freute sich riesig über meinen Besuch und ich blieb
bis zum Abendessen, da Ann ja sowieso arbeitete. Es war wirklich schön
meine Eltern und meine beiden kleinen Brüder, die allerdings auch schon
ziemlich groß waren, wiederzusehen. Wir hatten uns so viel zu erzählen.
Sie wollten mich gar nicht mehr gehen lassen und so versprach ich natürlich
bald wieder zu kommen.
Ann wartete schon mit dem Abendessen.
" Wie war dein Tag?", fragte sie mich.
" Wirklich schön", sagte ich und biss herzhaft in mein Brot.
" Keine Zusammenstöße?", fragte sie grinsend.
" Nee!", meinte ich. " Ist auch gut so."
" Ich hab gedacht du willst Shane wiedersehen", meinte Ann.
" Das habe ich nie gesagt. Und es wird besser sein, wenn ich ihn nicht mehr
sehe", sagte ich und das Thema Shane war für mich abgehakt. Ich bezahlte
am darauffolgenden Tag seine Rechnung, die nicht ganz billig war und es war
für mich erledigt.
Nach meinem Urlaub nahm ich eine Stelle als Reiseleiterin in Irland an. Ich
wollte das Land, Ann und meine Familie nicht noch einmal verlassen. Vielleicht
später mal, aber jetzt wollte ich in Irland bleiben. Touristen gab es auch
hier genügend und ich hatte mich schnell wieder eingearbeitet. Ich zeigte
den Touristen jede kleinste Ecke Sligos. Doch am meisten Freude bereitete es
mir ihnen die Cliffs of Moher zu zeigen. Dem wunderschönsten Platz auf
der Erde, den man sich vorstellen konnte. Dort oben zu stehen und in die Ferne
zu blicken, den Wind um sich herum zu spüren, das ist einfach ein wunderschönes
Gefühl. Und jedes Mal erfreue ich mich wieder an dem Staunen der Touristen,
wie sie zum Meer hinunter blicken und den Atem anhalten. Wie die Jugendlichen
ihre Arme ausstrecken und das Gefühl haben zu fliegen - oder vielleicht
wünschen sie sich auch nur einen Leonardo Di Caprio an ihre Seite. Immer
wenn ich dort stehe muss daran denken, wie es war, als ich zum ersten Mal, als
kleines fünfjähriges Mädchen auf den Cliffs of Moher stand. Wie
ich ängstlich hinunter blickte und mich an meiner Mutter festklammerte
und dennoch den Ausblick genossen hatte. Das war jetzt schön fünfzehn
Jahre her und inzwischen kam ich immer wieder sehr gerne hier her.
Der Job zog mich ganz in meinen Bann und so vergaß ich Shane ziemlich
schnell. Ich hatte anderes zu tun.
Wie fast jeden Tag ging ich geschafft von der Arbeit nach Hause. Heute war
es besonders schlimm gewesen, da ich eine Kindergartengruppe aus Galway zu führen
hatte. Die konnten keine Minute still sein, brabbelten immer dazwischen und
stellten nervende Fragen. Normalerweise liebte ich Kinder über alles, aber
die hatten mich wirklich geschafft. Ich war danach noch schnell zur Post gelaufen
um einen Brief einzuwerfen und machten mich nun auf den Heimweg. Ich kickte
eine paar Kieselsteinchen vor mir her. Zwischendurch kickte ich auch mal einen
größeren Stein und eine manchen Frau hätte sich jetzt gedacht:
‚ Passt die nicht mal auf ihre Schuhe auf?’
Vor mir lag nun ein richtig schöner großer Stein. Ich holte richtig
aus ( ungefähr so, wie David Beckham bei einem Freistoß) und kickte
den Ball, ähh... Stein.
" Autsch", hörte ich da eine Stimme fluchen. Ich schaute auf. Hatte ich
etwa jemanden mit meinem Stein getroffen? Als ich sah, wer vor mir stand, wäre
ich am liebsten davon gelaufen.
" Sie! Wer auch sonst", sagte Shane und rieb sich sein Schienbein, dass ich
getroffen hatte.
" Es tut mir wirklich Leid. Ich hab sie gar nicht gesehen und, ach verdammt,
ich wollte das wirklich nicht", meinte ich.
" Ist schon gut. Tut nur verdammt weh."
" Wollen sie vielleicht mit zu mir kommen? Meine Freundin ist Krankenschwester.
Die kann sich das mal anschauen", schlug ich verzweifelt vor, denn er tat mir
wirklich Leid.
" So ernst wird es schon nicht sein", meinte er mit einem süßen Lächeln
auf den Lippen.
" Bitte darf ich sie trotzdem einladen. Ich möchte mich gerne entschuldigen",
sagte ich.
" Na gut. Aber heute geht nicht mehr. Was halten sie von morgen?"
" Morgen ist gut. Um drei in dem kleinen Cafe in der Innenstadt?"
" Ich werde da sein", sagte er und schenkte mir noch ein Lächeln.
Fröhlich hüpfte ich von einem Fuß auf den anderen nach Hause.
" Ich bin wieder da!", rief ich, als ich die Wohnung betrat. Ann kam aus der
Küche.
" Was ist denn mit dir los? Du strahlst ja übers ganze Gesicht", meinte
sie verwundert.
" Rate doch mal!", sagte ich.
" Och nö! Woher soll ich denn das wissen!", meinte sie.
" Los! Rate schon", forderte ich sie auf und fand es lustig zu sehen, wie sie
vor Neugier schier platzte.
" Du hast im Lotto gewonnen", riet sie.
" Seit wann spiele ich denn Lotto?"
" Hätte ja sein können. Dann hast du eben eine Gehaltserhöhung
bekommen."
" Das wäre ja zu schön um wahr zu sein. Ist also auch falsch. Jetzt
streng dich doch mal ein bisschen mehr an."
" Mensch Emma! Jetzt mach es doch nicht so spannend und sags mir einfach", sagte
sie.
" Ich habe ein Date mit Shane", verkündete ich strahlend.
" Mit Shane? Ein Date?"
" Na ja, eher ein Entschuldigungsdate", meinte ich.
" Emma, was hast du dieses mal angerichtet?", fragte Ann, die schon schlimmes
ahnte. Ich erzählte ihr von meinem Missgeschick. " Du bist wirklich unverbesserlich",
meinte sie lachend.
Am nächsten morgen war ich ganz früh wach. Ich ging schnell unter
die Dusche und machte dann Frühstück für Ann und mich.
" Ann! Frühstück", schrie ich an ihre Tür klopfend. Ann öffnete
mir mit ganz kleinen Augen.
" Sag mal bist du verrückt geworden? Weißt du eigentlich wie spät
es ist?", fragte sie mich böse schauend und deutete auf die große
Uhr im Flur. Ich musste feststellen, dass es gerade mal halb sechs war.
" Sorry!", nuschelte ich vor mich hin und ließ Ann allein. So verdrückte
ich mein Frühstück eben alleine. Allerdings brachte ich kaum einen
Bissen herunter. Ich war so verdammt nervös. Ich räumte schnell meinen
Teller in die Spülmaschine und stellte mich dann in meinem Zimmer vor den
Kleiderschrank. Ich zog verschiedene Sachen heraus und legte sie auf mein Bett.
Was sollte ich am Nachmittag nur anziehen? Zu schick dürfte es auch nicht
wirken, sollte aber trotzdem gut aussehen. Jeans war mir irgendwie zu schlicht.
Und auch meine edlen Blusen schienen mir unpassend zu sein. Abendkleid konnte
ich sowieso vergessen. Dass war zum Kaffeetrinken eindeutig falsch. Da fiel
mir das neue Sommerkleid ein, dass ich erst gestern gekauft hatte. Ich suchte
kurz die Tüte, die ich einfach in die nächste Ecke geworfen hatte.
Ja, das Kleid schien die beste Lösung zu sein. Nur hatte ich keine passenden
Schuhe. Es war doch einfach zum verzweifeln! Turnschuhe passten absolut nicht,
Stiefel auch nicht und in Flip Flops konnte ich schlecht in ein Cafe gehen.
Und da ich keinen Schuhtick hatte, war da auch nicht viel Auswahl. Musste ich
eben Ann um Rat fragen. Vielleicht konnte sie mir ja Schuhe leihen. Doch Ann
lag immer noch im Bett und schlief. So machte ich mich eben alleine an ihrem
Schuhschrank, der glücklicherweise im Flur stand zu schaffen. Die Auswahl
war groß, denn Ann hatte mindestens vierzig Paar Schuhe, was ich nicht
verstehen konnte. Wie konnte man sein hart verdientes Geld für Schuhe aus
dem Fenster werfen? Aber egal, war nicht mein Problem und ich wurde ja fündig.
Ich entschied mich für ein paar gelbe Sandalen mit vier Zentimeter hohem
Pfennigabsatz. Ich probierte sie sogleich an und kam gewaltig ins straucheln.
Ich war solche Schuhe nicht gewohnt und musste erst mal üben. Ich hoffte
einfach darauf, es bis zum Nachmittag zu schaffen. Ich versuchte also so elegant
wie möglich durch das Haus zu stolzieren.
" Was machst du denn da?", fragte mich eine lachende Ann.
" Ich übe", meinte ich nur.
" Na die Übung hast du nötig", meinte sie immer noch kichernd. Mein
Anblick musste schon zu komisch sein.
Bis zum Nachmittag hatte ich es dann zum Glück geschafft, mich mit Anns
Schuhen bewegen zu können. Ich ging also ins Cafe und setzte mich an einen
kleinen Tisch, der gemütlich in einer Ecke stand und wartete. Es war schon
zehn nach drei. Hoffentlich würde Shane mich nicht versetzten. Langsam
wurde ich dann doch aufgeregt, obwohl ich mir geschworen hatte, das nicht zu
werden. Von meinen Handflächen tropften kleine Schweißtröpfen
und ich wischte sie an meinem Kleid ab. Dann endlich kam Shane.
" Tut mir Leid, dass ich zu spät bin. Ich musste noch was erledigen", meinte
er und setzte sich.
" Ist doch kein Problem", log ich. In Wirklichkeit konnte ich Leute die zu spät
kamen nicht ausstehen, doch bei Shane machte ich da mal eine Ausnahme. Wer so
süß lächeln konnte, konnte gern zu spät kommen. Wir bestellten
uns beide einen Cappuccino und rührten dann verlegen in unseren Tassen.
Ich überlegte was ich ihn denn fragen könnte. Mich interessierte einfach
alles, doch nichts wollte mir so wirklich von der Zunge gleiten.
" Was machst du denn beruflich?", fragte ich ihn dann. Verdutzt schaute er mich
an. Hatte ich etwas falsches gesagt?
" Ähm, ich bin Sänger?!", stellte er seine Antwort leicht in Frage.
" Cool. Was singst du denn so?", fragte ich weiter und Shane schaute mich noch
verdatterter an als zuvor.
" Was machst du denn beruflich", wich er meiner Frage aus.
" Ich bin Reiseleiterin und -Führerin", sagte ich etwas aus dem Konzept
gekommen.
" Das ist bestimmt interessant", meinte er.
" Ja. Man kommt viel herum und lernt die verschiedensten Leute kennen", erzählte
ich. Ich berichtete ihm noch eine Weile von meinem Beruf, dann bezahlte ich,
ich hatte ihn ja eingeladen und wir gingen aus dem Cafe.
" Wollen wir noch ein bisschen spazieren gehen?"; fragte er mich.
" Gern" , stimmte ich zu. Wir schlenderten ein bisschen in Sligo durch die Straßen
und langsam taten meine Füße weh. Ich blieb stehen.
" Was ist los?", fragte Shane mich.
" Ach nichts", meinte ich und lief weiter.
" Jetzt warte doch", sagte Shane und hielt mich am Arm fest. Seine Berührung
machte mir eine Gänsehaut. Ich sah ihm in die Augen. Sie waren einfach
wunderschön. Langsam näherte ich mich ihm und küsste ihn sanft.
" Bitte nicht", sagte er und schob mich von sich.
" Sorry", meinte ich verlegen.
" Schon okay. Hör zu, ich möchte im Moment keine feste Beziehung haben",
erklärte er mir. " Ich mag dich wirklich sehr gerne, aber mehr ist da nicht."
" Ja, geht mir genauso. Ich weiß auch nicht, was mich da gerade geritten
hat", sagte ich schnell. Es ging mir nicht genauso. Das merkte ich als ich am
Abend in meinem Bett lag. Ich hatte mich in ihn verleibt. So viel stand fest.
In mir kribbelte alles und ich musste die ganze Zeit an ihn denken. Aber ich
musste es wohl oder übel akzeptieren, dass er mich nicht wollte.
Den nächsten Tag wollte ich im Bett verbringen, doch da machte mir Ann
einen Strich durch die Rechnung.
" Du stehst jetzt sofort auf! Du kannst dich doch nicht den ganzen Tag im Bett
verschanzen." Doch konnte ich. Sie wusste ja gar nicht was passiert war und
wie es mir ging.
" Dann sag es mir doch!", forderte sie mich auf als ich ihr das sagte. Ich sagte
ihr mit knappen Worten, was gestern passiert war.
" Das hätte ich dir gleich sagen können, dass er keine feste Beziehung
haben will", meinte sie.
" Und wieso hast du nicht?", fragte ich leicht eingeschnappt.
" Ich dachte du weißt das selbst", meinte sie.
" Und woher hätte ich das wissen sollen?", fragte ich. Ann guckte mich
verwundert an.
" Weißt du eigentlich wer er ist?", fragte sie mich dann. Jetzt war ich
diejenige die verwundert schaute.
" Ja, Shane Filan, ein netter gutaussehender Mann, in dessen Auto ich gefahren
bin. Wer soll er sonst sein?"
" Er ist Mitglied bei Westlife. Sag jetzt nicht, du wusstest das nicht." Das
hatte ich wirklich nicht gewusst. Das konnte doch wohl nicht sein? " Er hatte
in letzter Zeit kein Glück mit Frauen gehabt. Das ging doch durch alle
Medien." Jetzt war ich wirklich baff!
" Das muss ich jetzt erst mal verdauen", meinte ich.
" Gut. Ich lass dich dann mal wieder allein. Aber bleib nicht so lange im Bett!"
Warum hatte Shane mir nicht gesagt, dass er bei Westlife sang? Ich musste es
einfach wissen. Ich schnappte mir mein Handy und tippte seine Nummer ein. Gleich
nach dem zweiten Piepton wurde abgenommen.
" Wer dran?", fragte Shanes Stimme unfreundlich.
" Emma", meldete ich mich.
" Oh! Hi Emma. Sorry, ich wollte nicht so unfreundlich abheben. Aber ich hatte
gerade einen kleinen Streit mit meinen Bandkollegen", entschuldigte er sich.
" Schon vergessen", sagte ich. " Shane, wieso hast du mir nicht davon erzählt,
dass du bei Westlife singst?"
" Ich dachte du weißt es. Jeder kennt mich. Jeder hier in Irland weiß
wer ich bin. Und als du mich nach meinem Beruf gefragt hast, dachte ich du willst
mich veräppeln. Ich wollte nicht glauben, dass es jemanden in Irland gibt,
der mich nicht kennt."
" Ich kannte dich wirklich nicht. Klar kannte ich Westlife, aber doch nicht
die Mitglieder."
" Tja, jetzt weißt du es", sagte Shane mit einem komischen, mir nicht
zu deutenden Unterton in der Stimme.
" Und es macht mir nichts", sagte ich, denn er war einfach nur Shane für
mich. Der Mann, dessen Auto ich gerammt hatte und in den ich mich verliebt habe.
" Wie es macht dir nichts?", fragte er erstaunt.
" Na mich stört es nicht. Du bist deswegen kein anderer Mensch für
mich", erklärte ich ihm.
" Das hast du lieb gesagt. Ich muss jetzt aber leider aufhören. Wir haben
ein Fotoshooting", sagte Shane.
" Ist okay", sagte ich. " Shane?"
" Ja?"
" Wann sehen wir uns wieder?"
" Ich weiß es nicht."
" Mmh. Schade."
" Wir telefonieren, ja?"
" Ist gut." In der Leitung machte es klick. Ich starrte das Handy an und hatte
immer noch Shanes Stimme im Ohr. Und ein leichter Schauder lief mir über
den Rücken. Ich raffte mich trotzdem auf und ging ins Badezimmer. Ich ließ
mir die Badewanne einlaufen und gab mein Lieblingsschaumbad dazu. Ich zog mich
aus und legte mich in das warme Wasser. Es war ein sehr angenehmes Gefühl
und ich musste wieder an Shane denken. Ich hoffte so sehr, dass er mich irgendwann
auch lieben würde.
" Emma! Lebst du noch? Oder bist du schon abgesoffen?", rief Ann und klopfte
gegen die Tür.
" Natürlich leb ich noch. Wieso?"
" Na, du liegst schon seit einer Stunde in der Wanne. Hast du schon Schwimmhäute?"
Ich kontrollierte meine Hände. Außer verschrumpelter Haut war nichts
zu sehen. Eine Stunde? Ich musste die Zeit völlig vergessen haben. Jetzt
erst bemerkte ich, dass das Wasser eiskalt war.
" Ich geh jetzt raus. Sag mal, musst du nicht arbeiten?", fragte ich Ann.
" Ne. Ich hab heute Nachtdienst."
" Ach so." Ich stieg aus der Wanne und rubbelte mich mit einem Handtuch trocken.
Dann wickelte ich es mir um und ging aus dem Bad.
" Ich muss gleich mal schnell los einkaufen. Wir haben nichts mehr im Kühlschrank.
Das Zeug verschwindet so schnell, da kommt man mit einkaufen gar nicht mehr
nach", meinte Ann, schnappte sich ihre Einkaufstasche und ging. Ich fläzte
mich vor den Fernseher und zappte durch die Kanäle, als es plötzlich
klingelte. Ich stand auf und ging zur Türe. Ich hatte immer noch nur mein
Handtuch umgebunden, doch umziehen konnte ich mich jetzt nicht mehr. Ich seufzte
und machte dann die Türe auf. Draußen stand Shane und guckte verlegen,
als er sah, was ich anhatte, beziehungsweise nicht anhatte.
" Hi Emma!"; sagte er verlegen und ließ seine Augen nicht von meinem Körper
schweifen, was in mir ein Kribbeln von den Zehen bis in die Haarspitzen auslöste.
" Hi Shane", sagte ich. " Willst du vielleicht herein kommen?"
" Wenn ich nicht ungelegen komme?"
" Nein, nein. Ich war vorher nur in der Badewanne und hatte dann keine Lust
mich umzuziehen", erklärte ich und ließ ihn herein. " Schon fertig
mit dem Fotoshooting?"
" Ja. Ging ziemlich schnell", sagte er und setzte sich aufs Sofa.
" Möchtest du was trinken?"
" Ja, ein Wasser bitte", sagte er und ich ging in die Küche. Als ich wiederkam,
schaute er mich wieder an.
" Du bist wunderschön", sagte er sehr leise, aber ich konnte es verstehen.
Meine Gefühle spielten verrückt. Am liebsten hätte ich jetzt
mein Handtuch abgelegt, doch ich wollte ihn nicht überrumpeln. Er stand
auf und kam auf mich zu. Er nahm mir das Wasserglas ab und stellte es auf den
Wohnzimmertisch. Dann kam er wieder zu mir und schaute mir tief in die Augen.
Mir wurde es heiß und kalt zugleich, als er mir sanft mit den Fingern
über die Wange, über den Hals und über die Schulter streichelte.
Er legte seine Hand in meinen Nacken und zog mich an sich. Er küsste mich
vorsichtig. Dann schaute er mir wieder in die Augen. Langsam küsste ich
ihn und wir versanken in einem wundervollen, zärtlichen Kuss. Seine rechte
Hand bewegte sich auf den Verschluss meines Handtuches zu. Er nahm die beiden
ineinander gesteckten Enden und nahm sie auseinander. Mein Handtuch fiel zu
Boden. Wir legten uns aufs Sofa und küssten uns zärtlich.
" Eigentlich sollte ich das nicht tun", flüsterte er. Ich verschloss seine
Lippen mit einem Kuss, damit er nicht weiterreden konnte...
Ich war wie verzaubert. Ich hatte das Gefühl durch den Raum zu schweben.
Mein Herz klopfte immer noch wild und ich fühlte mich so gut, wie schon
lange nicht mehr. Shane hatte danach nicht mehr lange bleiben können, was
ich sehr bedauert hatte. Ich liebte ihn so sehr und wollte nur noch mit ihm
zusammen sein.
" Ich bin wieder da", rief Ann, die vom einkaufen zurückgekehrt war. "
Emma? Woher kommt dein Dauergrinsen?", fragte sie als sie mich sah. " Das hat
doch was zu bedeuten."
" Shane war da", sagte ich.
" Und? Seid ihr zusammen?"
" Ich weiß nicht. Ich glaube schon."
" Du glaubst? Was habt ihr denn gemacht, dass du es nicht sicher weißt?"
Mein Grinsen wurde breiter. " Nein! Das habt ihr nicht gemacht", sagte Ann.
" Doch!", sagte ich glücklich.
" Wow!" Ann musste sich erst mal setzen.
Am Abend rief ich Shane an. Ich musste einfach seine Stimme hören.
" Hi Shane. Ich bin es"; sagte ich als abgenommen wurde.
" Hi Emma. Ich wollte dich gerade anrufen. Wir müssen dringen miteinander
reden", sagte er.
" Okay. Um was geht es?"
" Das geht nicht so einfach am Telefon. Treffen wir uns in zehn Minuten an der
Sligo Bay?"; fragte er mich.
" Ja. Bis dann." " Ann! Ich bin noch kurz weg", sagte ich zu meiner Freundin
und verließ das Haus. Bis zur Sligo Bay waren es zu Fuß auch zehn
Minuten und mein Auto hatte ich in die Werkstadt gegeben. Ich rannte beinahe.
Shane wartete schon, doch sein Gesichtausdruck gefiel mir gar nicht.
" Hör zu Emma", sagte er ernst. " Das, was heute geschehen ist, war ein
Fehler. Es war ein großer Fehler und ich weiß, dass ich das Passierte
nicht mehr rückgängig machen kann. Ich wollte dir keine Hoffnungen
machen, denn es würde nichts nützen. Ich bin nicht reif für eine
Beziehung. Ich hatte in letzter Zeit so viel Pech mit Frauen. Entweder sie wollten
nicht mich sondern den Popstar oder sie kamen nicht damit zurecht, dass ich
ständig unterwegs bin. Es hat mich sehr verwundbar gemacht." Eine Träne
kullerte mir über die Wange.
" War es nicht wunderschön heute Nachmittag? Bedeute ich dir denn gar nichts?",
fragte ich ihn mit zitternder Stimme.
" Doch es war schön. Und du bedeutest mir sehr viel. Aber es geht einfach
nicht. Es hat wirklich keinen Sinn. Es wäre besser für uns beide es
zu lassen, glaube mir. Wir machen uns damit nicht glücklich!"
" Hör zu, ich werde erst gehen und keine Hoffnungen mehr auf eine Beziehung
bauen, wenn du mir direkt ins Gesicht sagst, dass du mich nicht liebst", sagte
ich und meine Tränen ließen sich nicht mehr zurück halten. "
Sag das du mich nicht liebst!", schrie ich schon fast. Shane schaute mich traurig
an.
" Ich... ach... ich liebe dich nicht", sagte er dann und blickte zum Boden.
Ich drehte um und rannte weg.
Ann kümmerte sich liebevoll um mich. Ich war ein nervliches Wrack. Ich
konnte meine Tränen nicht zurückhalten und musste nur noch an Shane
denken. Den nächsten Tag verbrachte ich im Bett. Ann brachte mir Kekse
und machte mir mein Lieblingsessen: Spaghetti. Doch alles nützte nichts.
Die Anrufe von Shane blockte ich ab. Ich wollte nicht mit ihm reden, ihn nicht
sehen.
Auch die nächsten vier Tage verbrachte ich in meinem Bett und der Tempoverschleiß
war enorm. Ich wollte gerade anfangen ein Buch zu lesen, als es an der Türe
klingelte. Ich ignorierte es, denn Ann war ja da und konnte aufmachen.
" Emma!? Für dich", meinte sie, als sie den Kopf zur Türe hereinstreckte.
" Wenn es Shane ist, sag dass ich ihn nicht sehen will", sagte ich sofort.
" Es ist nicht Shane", meinte sie nur und ließ den Gast herein. Ein attraktiver,
junger Mann spazierte in mein Zimmer.
" Hi! Ich bin Kian, Bandkollege und Kumpel von Shane", sagte er.
" Hat Shane dich geschickt?"; fragte ich prompt.
" Nein. Er weiß nicht, dass ich bei dir bin", sagte Kian. " Ich weiß
das Shane dich sehr verletzt hat", fing er an.
" Ich habe keine Lust darüber zu reden", sagte ich schnell.
" Das habe ich mir schon fast gedacht. Aber höre mir nur einen Augenblick
zu. Bitte." Er setzte sich ans Ende von meinem Bett. " Shane ist todunglücklich.
Er liebt dich mehr, als du dir vorstellen kannst. Er ist total fertig, aber
er hatte einfach Angst wieder verletzt zu werden. Aber er liebt sich sehr. Das
kannst du mir glauben", sagte Kian.
" Wirklich?", fragte ich unsicher.
" Ja, wirklich."
" Aber was soll ich jetzt tun?"
" Gebe ihm ein bisschen Zeit."
" Wie lange?"
" Solange bis er sich wieder in der Lage fühlt eine Beziehung zu haben."
" Und wie lange wird das dauern?"
" Das weiß ich nicht. Vielleicht nur Tage oder Wochen. Vielleicht aber
sogar Monate. Aber er wird dich dann immer noch lieben. Glaube mir."
" Und wenn ich solange nicht warten will?"
" Wenn du ihn auch liebst, wirst du ewig auf ihn warten können", meinte
Kian.
" Okay. Ich werde ihm Zeit geben", sagte ich.
Ich gab ihm die Zeit wirklich. Meine Liebe zu ihm war so stark. Ich musste
es einfach darauf ankommen lassen.
Ich wartete genau vier Wochen, einen Tag, zwölf Stunden, einundfünfzig
Minuten und acht Sekunden. Ich zählte wirklich alles. Nach dieser Zeitspanne
rief Shane mich endlich an und fragte, ob wir uns treffen könnten. Mein
Herz machte einen Hüpfer. Schnell zog ich mit meine Turnschuhe an und rannte
aus dem Haus. Ich rannte durch die Straßen und der leichte Wind der mir
um die Ohren wehte tat richtig gut. Ich war glücklich! Jetzt endlich würden
sich meine Wünsche und Träume entgültig erfüllen und ich
würde den Mann meiner Träume für immer für mich haben! In
einer Rekordzeit war ich bei Shane zu Hause. Ich klingelte Sturm, denn ich konnte
es einfach nicht mehr abwarten. Shane öffnete mir die Türe und ich
fiel ihm um den Hals.
" Hi Emma", flüsterte er. Ich schaute ihn an und ich konnte mich nicht
mehr halten. Ich musste ihn jetzt küssen und ich tat es auch. Es tat so
gut seine Lippen auf meinen zu spüren. Ein warmes Gefühl durchströmte
mich.
" Emma, es tut mir so Leid, dass ich dich so lange habe warten lassen", sagte
Shane und strich mir eine Haarsträne aus dem Gesicht.
" Ist schon okay", meinte ich, denn jetzt erschien mir die Zeit wie ein Nichts.
Und die Zeit des Wartens hatte sich gelohnt.
Wir verbrachten einen wunderschönen Nachmittag.
Der nächste Tag wurde zu einem absoluten Highlight, denn Shane wollte
mich zu einer Promotion Reise nach Deutschland mitnehmen.
Am Flughafen lernte ich dann auch die anderen beiden Mitglieder von Westlife
kennen, die ich noch nicht kannte. Nicky, der hübsche blonde mit der sexy
Stimme, mit dem ich ja schon telefoniert hatte, Mark, den sympathischen dunkelhaarigen
und dann war da ja auch noch Kian, den ich ja schon kannte, ein weiterer blondie
mit einem richtig frechen und trotzdem süßen grinsen. Das alles musste
ich Shane ja nicht unbedingt sagen! Die drei behandelten mich sofort, als würden
wir uns schon seit einer Ewigkeit kennen.
" Machen wir das Flughafengebäude unsicher?"; fragte Kian, nachdem wir
unser Gepäck abgegeben hatte. Wir flogen zwar mit dem Privatjet von Westlife,
aber das Gepäck musste trotzdem abgegeben werden.
" Guck dich doch mal um! Die ganzen Geschäfte haben alle schon zugemacht
und die Besitzer haben sich hinter ihren Tresen verschanzt, weil sie dich gesehen
haben"; meinte Nicky ironisch zu Kian.
" Haha!", sagte der ein wenig eingeschnappt. Doch zwei Sekunden später
strahlte er wieder, also kann es ja nicht so schlimm für ihn gewesen sein.
Wenig später wurden wir dann zum Flieger gefahren und als ich ihn betrat
blieb mir glatt die Luft weg. Verdammt gemütlich wirkende Sitze strahlten
mir entgegen, Playstation, DVD- Player und Fernsehapparate waren auch vorhanden.
" Machs dir einfach gemütlich"; meinte Shane, der mein Staunen beobachtet
hat. Während dem Flug schlug ich meinen Schatz zwei mal bei einem Autorennen
an der Playstation. Kian musste ich mich geschlagen geben. Der war einfach zu
gut.
" Der übt auch die ganze Zeit. Will immer gewinnen", neckte Nicky ihn mal
wieder. Langsam tat er mir schon ein wenig Leid, aber er hätte ja auch
nicht immer gewinnen müssen.
Als wir dann den deutschen Boden betreten hatte und gerade das Flughafengebäude in Köln verlassen wollten, wurden wir von ein paar kreischenden Fans gestoppt. Schnell machte ich mich aus dem Staub, denn von mir wollten sie ja nichts wissen. Man möchte mich ja jetzt vielleicht Feigling nennen, aber das war echt Angsteinflößend wir die da einen bedrängten. Aber mein Schatz und die anderen waren trotzdem wieder lebend herausgekommen.
Inzwischen waren Shane und ich schon zwei Monate zusammen und ich war am überlegen,
ob ich zu ihm ziehen sollte. Wir wohnten zwar nicht weit auseinander, aber es
war was ganz anderes auch zusammen zu leben. Allerdings stieß ich da bei
Ann auf großen Protest.
" Du kannst mich doch nicht einfach alleine lassen", meinte sie.
" Und warum nicht? Als ich die wie Jahre im Ausland war, bist du auch ohne mich
zurecht gekommen."
" Schon, aber trotzdem"; sagte sie. Am Ende gab ich doch nach.
Am Abend gingen wir Pizza essen. Luca war ganz aus dem Häuschen, als wir
die Pizzeria betraten.
" Meine Lieblingsgäste! Endlich lasst ihr euch mal wieder blicken", meinte
er und drückte uns beiden ein Küsschen auf die Wange. Also was das
Temperament anging, waren die Italiener wirklich unschlagbar. Unsere Pizzas
waren natürlich in Windeseile fertig ( wer weiß, was Luca immer mit
seinen Angestellten macht) und er vernachlässigte natürlich seine
Arbeit und unterhielt sich mit uns über Gott und die Welt. Ich wollte gerade
in meine Pizza beißen, als mein Handy zu klingeln anfing.
" Ja?", fragte ich, denn er hatte keine Nummer auf dem Display angezeigt.
" Hey süße, ich bin’s", sagte Shane. " Ich hab eine kleine Überraschung
für dich. Ich hol dich in fünf Minuten bei dir zu Hause ab", sagte
er und legte auf. Was sollte das denn jetzt?
" Ich muss weg. Sorry", sagte ich schnell und ließ Luca, Ann und meine
Pizza sitzen. Das Shane auch immer solche Aktionen starten musste und dann immer
wenn ich gerade eigentlich keine Zeit hatte. Aber für ihn nahm ich sie
mit natürlich. Ich düste also, mal wieder zu Fuß, nach Hause,
wo Shane schon wartete.
" Wo kommst du denn her?", fragte er erstaunt.
" Ich war mit Ann beim Pizza essen", erklärte ich.
" Oh, dann hab ich dich wohl gestört."
" Du störst mich nie", sagte ich und gab ihm einen Kuss.
" Jetzt aber los, die Überraschung wartet nicht", meinte Shane und hielt
mir die Autotüre auf.
Wir waren gerade fünf Sekunden unterwegs, als Shane meinte, er müsse
mir jetzt die Augen verbinden. Und ehe ich mich versah, hatte ich einen dicken
Schal vor meinen Augen und konnte nichts mehr sehen. Wir fuhren eine ganze Weile,
aber vielleicht kam es mir auch nur so vor, denn wir redeten nichts miteinander
und der Schal nervte. Endlich waren wir dann an unserem Ziel und Shane half
mir aus dem Auto. Unter meinen Füßen spürte ich Gras. Wir waren
also auf einer Wiese. Aber was machten wir hier? Ich wollte es endlich wissen.
Wir liefen ein Stück und Shane führte mich. Dann blieben wir stehen
und er nahm mir den Schal ab. Vor mir prangte ein großer Heißluftballon
in voller Größe!
" Und gefällt dir die Überraschung", fragte Shane und lächelte
mich lieb an.
" Und wie! Das ist einfach großartig", freute ich mich. Wir stiegen in
den großen Korb und Chris, unser Mitflieger und Ballonführer. Oder
wie man das auch immer nannte, brachte den Ballon zum schweben. Langsam hoben
wir ab und wir stiegen immer höher. Shane hatte meinen Arm um meine Taille
gelegt und ich lehnte mich an ihn. Unter uns konnte man nun die Lichter von
Sligo sehen. Es wurden immer mehr und es sah einfach wunderschön aus.
" Wow! Womit hab ich das nur verdient", sagte ich leise.
" Dadurch, dass du die wunderschönste und liebste Frau auf der ganzen Welt
bist", sagte Shane und ich bekam eine Gänsehaut. Ein leichter Wind wehte
und meine Haare flatterten im Wind.
" Schau mal, da unten ist eure Wohnung", sagte Shane und zeigte auf ein Haus.
" Bist du sicher?"; fragte ich zweifelnd, denn es hätte jedes x- beliebige
Haus sein können.
" Nein. Überhaupt nicht", sagte Shane lachend. Ich musste auch lachen.
" Du bist heute Abend mal wieder wunderschön", sagte Shane. Shane schaute
mir mit seinen schönen Augen tief in meine. Plötzlich kniete er sich
auf den Boden des Korbes und nahm meine Hände. Mein Herz klopfte auf einmal
doppelte so schnell.
" Emma, du bist die schönste und liebste Frau, die ich mir an meiner Seite
nur wünschen kann. Mit dir kann ich lachen und mit dir kann ich weinen.
Du tröstest mich wenn ich traurig bin und bringst mich zum lachen. Mit
dir kann ich über alles reden, du bist einfach für mich da, wenn ich
dich brauch. Du hast gewartet, als ich Zeit brauchte und das beweist mir das
du mich liebst. Du bist für mich das Glück auf Erden und ich möchte
mein ganzes Leben nur mit dir verbringen, denn ich lieben dich, mehr als alles
andere in der Welt. Du bist mein Stern, der immer für mich leuchtet. Emma,
möchtest du meine Frau werden?" Ich war sprachlos! Eine Träne kullerte
über meine Wange. Ich war einfach zu gerührt.
" Ja!", sagte ich und ich hätte am liebsten geschrieen. Ich fühlte
mich so glücklich. Shane zog aus seiner Jackentasche ein kleines Schächtelchen.
Mir kullerten immer mehr Tränen aus den Augen. Er öffnete das Schächtelchen
und steckte mir einen wunderschönen Ring an. Er stand auf und wir küssten
uns.