
Für Irene, die meine Fan Fics immer als erste lesen darf!
Mimi kam erschöpft von der Schule heim. Sie nahm ihren Schulranzen und
warf ihn in die nächstbeste Ecke. Sie hatte keine Lust mehr auf Schule.
Sie war jetzt in der elften Klasse und der Stress, den sie jetzt schon hatte,
hing ihr zum Hals raus. Dabei wusste sie genau, dass die Kollegstufe noch schlimmer
werden würde. Aber Mimi hatte nur einen Traum. Sie wollte Tänzerin
werden. Auf den großen Bühnen dieser Welt tanzen und mit den größten
Künstlern von Kontinent zu Kontinent reisen. Die ganzen Schulaufgaben und
das Lernen hatte sie satt. Und zu allem Übel hatte sie heute auch noch
Stress mit ihrer besten Freundin gehabt. In letzter Zeit stritten sie sich über
jede Kleinigkeit. Es war einfach nicht mehr auszuhalten.
Mimis Mutter hatte ihr etwas zum Essen vorbereitet. Wie immer wenn sie arbeiten
musste. Mimis Eltern arbeiteten meistens bis spät in den Abend hinein und
Mimi konnte nicht verstehen warum. Geld hatten sie auch so genug. Mimi hatte
auch keine Geschwister, was sie sehr oft traurig machte. Sie hatte sich immer
einen großen Bruder gewünscht, den man auf Partys mitnehmen konnte
und der einen beschützte. Sie hätte auch einen kleinen Bruder genommen
und natürlich auch eine Schwester. Aber so oft sie auch ihre Eltern deswegen
schon angefleht hatte, sie wollten ihr den Wunsch nicht erfüllen. Mit Elf
Jahren hatte Mimi angefangen zu tanzen. Erst hatte sie sich ihre eigenen Choreografien
entwickelt, bis sie dann mit 13 Jahren in einen Tanzverein eintrat, indem sie
jetzt immer noch war und die Originalchoreografien der Stars lernte. Was sie
ihren Eltern nicht gesagt hatte, war, dass sie sich bei verschiedenen Agenturen
und Managements um einen Platz als Tänzerin bei Konzerten beworben hatte.
Sie musste nur noch auf eine Antwort warten.
Mimi holte den Nudelauflauf aus dem Ofen und aß, bis sie satt war. Nudelauflauf
konnte sie verdrücken wie nichts. Dann ging sie in ihr Zimmer, legte eine
CD in ihren CD- Player und machte es sich auf ihrem kuscheligen Bett mit den
vielen Kissen gemütlich. Zur Zeit war ihre absolute Lieblingsband Westlife.
Sie hatten vor kurzem ihr zweites Album " Coast to Coast" herausgebracht und
seitdem lief bei Mimi nichts anderes mehr. Außer vielleicht noch dem ersten
Westlife Album. Ihre Freundinnen konnte sie nicht verstehen, wie sie diese Musik
anhören konnte, doch Mimi hatte noch nie auf die Meinung anderer gehört.
Sie sang leise bei " My love" mit und hoffte endlich eine Antwort auf ihre Bewerbungen
zu bekommen. Sie hatte sich auch als Tänzerin bei Westlife beworben, denn
sie hatte gehört, dass die Jungs bald auf Tour gehen würden. Sie hatte
allerdings wenig Hoffnung, dass dies klappen würde.
Langsam wurde Mimi müde. Ihre Augenlider fielen ihr beinahe zu. Sie hatte
die letzten Nächte kaum geschlafen und dann die Anstrengung in der Schule...
" Mimi! Hier ist ein Brief für dich angekommen!", rief ihre Mutter. Wer
konnte nur geschrieben haben. Lena, ihre Brieffreundin aus Berlin hatte ihr
schon lange nicht mehr geschrieben.
" Von wem ist der denn?", fragte sie ihre Mutter.
" Keine Ahnung. Schau doch mal nach!", schlug ihre Mutter vor. Das ließ
Mimi sich natürlich nicht zweimal sagen. Sie nahm ihrer Mutter den Brief
aus der Hand und riss ihn auf. Es war ein Brief von dem Management von Westlife
und... sie hielt vor Aufregung den Atem an. Sie sollte zu einem Vortanzen kommen.
Nächste Woche, nach Berlin. Dann würde sich entscheiden, ob sie als
Tänzerin genommen werden würde. Sie konnte es kaum glauben. Sie schwenkte
den Brief in der Luft herum, hüpfte in der Wohnung auf und ab und strahlte
wie ein Honigkuchenpferd.
" Was ist denn mit dir passiert?", fragte ihre Mutter. Mimi hielt ihr denn Brief
hin und ihr Strahlen verwandelte sich langsam zu einem Dauergrinsen. Ihre Mutter
freute sich sehr für sie, obwohl Mimi ihr nichts von ihren Plänen
erzählt hatte.
" Heute Abend machen wir eine Party. Was hältst du davon?", schlug ihre
Mutter vor.
" Noch bin ich nicht genommen. Machen wir die Party lieber wenn ich sicher weiß,
dass ich genommen wurde." Auch wenn Mimi sich fast sicher war, dass sie sich
bald ihren großen Traum erfüllen konnte, wollte sie doch realistisch
bleiben.
Der Tag des Vortanzens rückte immer näher und Mimi wurde von Stunde
zu Stunde immer zappliger. Da ihre Eltern arbeiten mussten, sollte sie mit dem
Zug nach Berlin fahren.
Und endlich war es soweit. Ihre Mutter hatte ihr eine Befreiung für die
Schule geschrieben und nun saß Mimi im Zug nach Berlin. Im Kopf tanzte
sie noch einmal ihre Choreografie durch. Alles musste perfekt klappen. Sie durfte
sich auf keinen Fall einen Fehler erlauben.
Die Zugfahrt nach Berlin war lang, doch ungefähr nach der halben Strecke
bekam sie Gesellschaft. Zu ihr ins Abteil setzte sich ein Mädchen, das
ungefähr in ihrem Alter war.
" Ich bin Amy!", sagte das Mädchen und ließ sich auf ihren Sitz plumpsen.
" Mimi! Wo fährst du denn hin?"
" Nach Berlin. Zu einem Vortanzen", erzählte Amy.
" Echt? Ich auch." Mimi war erstaunt. Sie hätte nicht gedacht, dass noch
andere zu dem Vortanzen kommen würden. Sie hoffte nur, dass nicht nur ein
Platz als Tänzerin zu vergeben war.
" Willst du auch Tänzerin bei Westlife werden?", fragte Amy.
" Tänzerin im allgemeinen. Aber für Westlife wäre schon nicht
schlecht", musste Mimi zugeben. Sie versuchte Amys Alter zu schätzten,
was nicht einfach war. Amy hatte langes blondes Haar und war geschminkt, als
wäre sie in einen Farbtopf gefallen. Mimi mochte das gar nicht.
" Wie alt bist du denn?", fragte sie Amy dann doch.
" 13!" Mimi klappte die Kinnlade hinunter. Das hätte sie wirklich nicht
gedacht. Aber würden die überhaupt ein 13 jähriges Mädchen
als Tänzerin nehmen? Sie konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen.
Aber Amy war sich siegessicher. Die ganze Zeit redete sie, als ob sie schon
genau wüsste, dass sie es schaffen würde.
Anfangs hatte sich Mimi noch gefreut jemanden zu haben, mit dem sie reden konnte.
Doch als sie endlich in Berlin ankamen, war sie froh. Amy hatte jede Sekunde
mehr genervt. Die fühlte sich wirklich wie eine Diva und das ging Mimi
reichlich auf den Senkel. Doch so schnell hatte sie Amy nicht los. Jetzt mussten
sie auch noch gemeinsam in einem Taxi ins Hotel fahren, in dem ein Zimmer für
Mimi und so wie es aussah auch eins für Amy gebucht war. Mimi war schon
fast daran gewesen sich ein anderes Taxi zu nehmen, aber da so viele Menschen
auf eines wartetet, biss sie eben in den sauren Apfel.
" Soll ich dir nachher zeigen wie man sich richtig schminkt?", fragte Amy unverschämt
frech, als sie im Taxi saßen. ‚ Soll die das doch erst mal selber lernen’,
dachte Mimi. Sie hatte keine Lust sich in einen Farbtopf tunken zu lassen. Sie
blieb lieber bei ein wenig Wimperntusche und Lidschatten. Wenig konnte manchmal
viel mehr sein, fand sie.
" Soll ich jetzt?", hakte Amy nach, da Mimi nicht geantwortete hatte. Mimi konnte
im Rückspiegel sehen, wie der Taxifahrer, der noch ziemlich jung war seine
Augen verdrehte.
" Nein sollst du nicht", antwortete Mimi pampig. Der Taxifahrer grinste breit.
Zu Mimis Glück ging die Fahrt dann auch bald zu Ende.
Im Hotel wurden sie in der Lobby von einer nett wirkenden Dame begrüßt.
" Hallo! Ihr seid sicher...", sie warf einen Blick auf ihr Klemmbrett in ihrer
Hand. " Mimi und Amy, nicht wahr. Eure Zimmer sind im zweiten Stock, hier sind
eure Schlüssel. In einer halben Stunde kommt ihr bitte wieder hierher.
Dann gehen wir gemeinsam mit den anderen Teilnehmerinnen in das Fitnessstudio
hier im Haus. Da könnt ihr euch dann auf euer Vortanzen vorbereiten." Sie
redete wie am Laufenden Band und musste kaum Luft holen. Mimi hatte schon Angst
sie würde ersticken. Sie nahmen ihre Schlüssel und gingen auf ihre
Zimmer. Mimi war froh, dass das von Amy weit weg von ihrem lag. Dann viel ihr
wieder ein, was die Labertante gesagt hatte. Sie würden gemeinsam mit den
anderen Teilnehmern... Wie viele gab es denn?
Es waren ziemlich viele, wie Mimi bald feststellen musste. Mindestens hundert.
Wenn nicht noch mehr. Mimi hatte ihre normalen Kleider angelassen. Und sich
auch sonst nicht besonders aufgetakelt, wie andere es gemacht hatten. Sie wollte
so bleiben wie sie war und sich auf keinen Fall verstellen.
" Huhu! Mimi!", rief es ihr plötzlich entgegen. Da war Amy. Schnell duckte
sich Mimi. Der wollte sie jetzt auf keinen fall begegnen. Doch zu spät.
Amy hatte sie entdeckt und schleppte ihr Schminkköfferchen mit sich herum.
" Ich wollte dir doch noch ein paar Schminktipps geben", meinte diese. Doch
dazu war jetzt keine Zeit mehr. Die Labertante hatte sich ein Mikrofon geschnappt
und hielt eine Ansprache. Dass jetzt alle Nummern bekommen würden und wir
das bestimmt schon aus den Casting im Fernsehen kannten und so weiter. Mimi
schaltete irgendwann ab, weil sie die Stimme einfach nicht mehr ertragen konnte.
Sie bekam dann eine Nummer, die sie sich auf ihr T- Shirt klebte und wartete
nun. Allerdings auf der Toilette. Sie wollte unbedingt eine weitere Begegnung
mit Amy vermeiden.
Endlich wurde Mimi aufgerufen. Aufgeregt und mit zittrigen Knien betrat sie
einen Raum, in dem eine Jury saß, aus der sie aber niemanden kannte. Fast
hätte sie erwartet, dass Westlife selbst die Siegerin auswählen sollten.
Aber nur fast.
" Ich heiße Mimi, bin 17 Jahre alt und tanze seit ich Elf bin für
mein Leben gern. Ich hab eine eigene Choreografie entwickelt, die ich gerne
vorführen würde", stellte sie sich vor. Die Jury schaute sie nett
an und ihre Aufgeregtheit verflog schnell. Die Musik fing an und sie war in
ihrem Element. Alles was sie gelernt hatte setzte sie um und sie fühlte
sich einfach nur wohl und wollte gar nicht mehr aufhören.
Als die Musik endete klatschte die Jury begeistert. Und Mimi strahlte. Sie wusste,
dass sie alles und ihr Bestes gegeben hatte und war sehr zufrieden mit sich.
Die Jury bedankte sich und sie verließ den Raum. Jetzt hieß es wieder
warten. Die Entscheidung würde heute noch verkündet werden, das wusste
Mimi. Sie ging auf ihr Zimmer und stellte sich erst einmal unter die Dusche.
Nach dem Abendessen waren ale Kandidaten wieder im Fitnessraum versammelt.
Und wieder einmal fing die Labertante an zu reden.
" Die Jury hat ich Urteil nun gefällt. Sie fanden euch alle sehr gut, doch
sie können nur eine nehmen!" Ein Raunen und viele Ohs gingen durch die
Menge. Mimis Hände waren klatschnass. Sie hoffte so sehr es geschafft zu
haben.
" Ich übergebe nun der Jury das Wort!" Ein Herr der Jury nahm das Mikrofon.
" Wie schon gesagt, ihr wart alles sehr gut. Doch da nur fünf Tänzerinnen
gebraucht werden und die anderen in Großbritannien und Irland gesucht
werden, können wir nur einer von euch eine gute Nachricht überbringen.
Die Gewinnerin und hiermit Tänzerin bei der " Where Dreams come True" Tour
von Westlife ist..." er machte ein Pause. Alle hielten den Atem an. " Die Nummer
2034, Mimi!", rief er. Mimi glaubt nicht recht zu hören. Sie starrte auf
ihr Nummernschild. Da stand 2034. Tatsächlich. Wie benommen stand sie auf
und ging zu der Jury. Die schüttelte ihr die Hand. Mimi konnte es nicht
fassen. Sie war genommen worden. Ihr Traum wurde endlich erfüllt. Sie fing
an zu weinen- aus Freude. Sie wäre am liebsten im ganzen Raum herum gesprungen
und hätte alle Umstehenden umarmt.
Langsam leerte sich der Raum. Mimi war immer noch fassungslos.
" Also Mimi!", sagte der Herr von der Jury, der sie auch als Siegerin bekannt
gegeben hatte. " Du fliegst übermorgen nach London, wo du dann Westlife
und die anderen Tänzerinnen treffen wirst. Ihr werdet alle im Conrad Hotel
in London wohnen und täglich Tanztraining haben." Mimi war sprachlos. Übermorgen
sollte schon ihr Flieger gehen.
Im Zimmer rief sie ihre Mutter an und erzählte was geschehen war. Ihre Mutter freute sich so sehr für sie und versprach, sich gleich am nächsten morgen ins Auto zu setzen und nach Berlin zu kommen. Mimi zählte auf, was sie alles mitbringen musste. Da sie in nächster Zeit wohl nicht mehr nach Hause kommen würde, sondern in London leben würde, mussten ihre Sachen ja irgendwie hierher kommen.
Ihre Eltern kamen dann tatsächlich schon um zehn Uhr in der früh. Die anderen Kandidatinnen waren zu Glück alle schon abgereist, denn Mimi konnte ihre Blicke nicht mehr ertragen. Alle waren wütend auf sie gewesen, weil sie gewonnen hatte. Ihre Eltern brachten zwei Koffer, mit allem was Mimi brauchte.
Und dann ging es endlich los! Am Flughafen hatte sie sich lange von ihren Eltern
verabschiedet. Sie würde sie sehr vermissen. Aber als sie dann im Flugzeug
saß, freute sie sich so sehr auf London. Sie war noch nie dort gewesen
und hatte sich immer gewünscht mal hinzufliegen. Jetzt würde sie nicht
nur nach London kommen, sondern da auch Tänzerin ihrer Lieblingsband sein.
So viele Träume erfüllten sich auf einmal. Neben ihr im Flugzeug saß
eine ältere Dame. Mimi stellte sich schlafend um ein Gespräch mit
ihr zu vermeiden.
" Sie brauchen sich nicht schlafend stellen", meinte die Dame plötzlich.
Mimi schreckte auf und starrte sie an.
" Mir kann man nichts vorspielen. Meine Enkelinnen versuchen das auch immer
wieder", sagte sie und lächelte Mimi an. " Was machen sie denn in London?"
Mimi hasste es, wenn fremde Leute sich angeblich für ihr Privatleben interessierten
und sie hatte keine Lust der Dame nur eine Kleinigkeit zu erzählen.
" Was machen sie denn in London?", fragte Mimi zurück. Die Frau schaute
sie verdutzt an.
" Ich gehe meine Tochter besuchen, die seit mehreren Jahren in London lebt.
Ich habe sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen." Und langsam taute Mimi
auf. Vielleicht war sie doch keine so nervige fragenstellende Alte Dame, die
alles wissen wollte, damit sie ihre Jugend noch einmal aufleben lassen konnte.
" Du wirst Tänzerin bei Westlife?", fragte sie Mimi, nachdem diese ihr
von dem Casting erzählt hatte.
" Kennen sie die etwa?", fragte Mimi erstaunt.
" Natürlich. Meine Enkelin hört nichts anderes. Und ständig schwärmt
sie mir von der Gruppe vor." Mimi war wirklich baff. Ihre Großeltern interessierten
sich nicht für die Musik, die sie hörte. Sie sah sie einmal im Jahr
und dann auch nur beim Essen, denn was sollte sie denn mit denen reden?
Als das Flugzeug in London landete und Mimi sich kurz darauf von der Dame verabschieden
musste, wurde sie wieder ein bisschen traurig. Aber als sie ein großes
Schild vor dem Flughafengebäude sah auf dem Mimi stand, war auch diese
Trauer wie weggeblasen. Sie lief in die Richtung des Schildes und ihr stockte
fast der Atem, als sie sah, wer es in der Hand hielt. Da stand Nicky von Westlife
und blickte sich suchend um.
" Äh... Hi. Ich bin Mimi", sagte sie etwas zögerlich und schaute Nicky
an. Er sah noch viel besser aus als im Fernsehen.
" Hi!" Er schüttelte ihr die Hand. " Ich konnte es mir nicht entgehen lassen
unsere fünfte Tänzerin abholen, nachdem ich feststellen musste, dass
die anderen vier nichts besonderes sind!", meinte er und grinste Mimi an.
" Aha! Bist du dann von mir mehr begeistert?", fragte Mimi, die gerade wieder
ihren Mut gefunden hatte. Nicky grinste.
" Und ob!" Er nahm ihr die Koffer ab und führte sie zu einem Auto.
" Wir fahren jetzt ins Conrad Hotel. Da kannst du dann deine Sachen in dein
Zimmer räumen. Danach treffen wir uns dann zu irgendeiner Besprechung",
erklärte Nicky. Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt schaute sich
Mimi alles ganz genau an. Am liebsten hätte sie ihren Foto ausgepackt und
alles fotografiert. Von den Wohnhäusern bis zu den roten Doppeldeckerbusen.
Es war alles viel größer, als dort wo sie her kam. So viel Verkehr
und jeder Ecke Geschäfte und alles zwei Sekunden brauste eine S- Bahn an
ihrem Wagen vorbei. Nicky beobachtete Mimi schmunzelnd. War es ihm nicht genauso
ergangen als er das erste Mal hier war?
" So da wären wir", sagte er als sie vor einem Hotel hielten, das absolute
nicht nach einem Nobelhotel aussah. Ein großer Betonblock schaute Mimi
entgegen. Sie hatte gedacht in einem schönen Hotel außerhalb der
Stadt zu wohnen, doch das war das absolute Gegenteil. Ihre Meinung änderte
sich schlagartig, als sie die Lobby betraten. Nicky hatte sich mal wieder ihre
Koffer geschnappt - ganz wie ein Gentleman.
Kurz darauf stand Mimi in ihrem Hotelzimmer uns konnte wiederum nur staunen,
wie ein erster Eindruck täuschen konnte. Es war wunderschön eingerichtet
und sie fühlte sich sofort wohl. Sie stellte schnell ihre Koffer ab und
ging dann gleich wieder in die Lobby. Dort standen dann die Westlifer und vier
andere Mädels, die auf sie einen ziemlich arroganten Eindruck machten.
Selbstbewusst und strahlend ging sie auf das Grüppchen zu.
" Du musst Mimi sein!", sagte Shane und ging auf Mimi zu und schüttelte
ihr die Hand. Im Nu begrüßten auch Kian, Bryan und Mark sie. Die
anderen Tänzerinnen beobachteten alles Naserümpfend. Denen werde ich
schon zeigen wo der Hammer hängt, dachte Mimi bei sich.
Sie gingen in einen großen Raum, der sich als ihr Übungsraum herausstellte.
Die Wände waren verspiegelt und sie wurden von Priscilla der Choreografin
begrüßt. "Wir fangen heute gleich mit den ersten Achtern zu Dreams
come true, dem ersten Song an", kam sie gleich zum Punkt. Die Lifer stöhnten
auf.
" Muss das unbedingt sein?", beklagte sich Kian. Mimi hatte schon in diversen
Zeitungen gelesen, dass die Jungs richtige Tanzmuffel waren. Doch als sie erst
einmal angefangen hatten, wurde sie innerhalb von kurzer Zeit schon wieder vom
Gegenteil überzeugt. Die vier Lifer hatten richtig ihre Freude daran, genauso
wie Mimi. Die anderen Tänzerinnen, Emma, Jessica, Amanda und Lena tuschelten
bei jeder Gelegenheit miteinander und blickten verachtend zu Mimi. Doch Mimi
störte das nicht.
Nach dem Training steckte ihr Nicky einen kleinen Zettel zu und grinste verschwörerisch.
Mimi ging in ihr Zimmer und faltete den Zettel auseinander.
Treffe dich in einer halben Stunde an der Bar. Stand darauf. Mimi ging schnell
unter die Dusche und machte sich dann für Nicky extra hübsch. Dann
suchte sie die Bar auf, was gar nicht so einfach war, denn sie kannte sich im
Hotel ja noch nicht aus. Sie musste sich durchfragen und sie kam sich richtig
bescheuert dabei vor. Doch schließlich fand sie die Bar dann doch. Nicky
wartete schon.
" Schön das du gekommen bist", begrüßte er sie. Mimi schenkte
ihm ein liebes Lächeln. Sie setzten sich an die Bar und bestellten sich
beide einen Cocktail.
" Ich hoffe dich stören die anderen Tänzerinnen nicht zu sehr. Sie
sind wirklich bescheuert!" Den zweiten Teil des Satzes flüsterte Nicky
in Mimis Ohr, was sie erschaudern ließ. Er hatte so eine süße
und sexy Stimme.
" Ich übersehe die einfach", meinte Mimi.
" Versuch ich auch. Das Problem ist nur, dass ich höchstwahrscheinlich
mit einer von denen auf der Tour tanzen muss, worauf ich überhaupt keine
Lust habe. Ich hab mir schon überlegt, nicht andere zu suchen, aber das
können wir wirklich nicht machen. Leider", beklagte sich Nicky.
" Wieso könne nicht wir miteinander auf der Tour tanzen?", fragte Mimi
und erstarrte. Hatte sie das wirklich gesagt. Das wollte sie eigentlich gar
nicht. Nickys Augen leuchteten noch mehr, als sie das sowieso schon taten.
" Das ist die Idee! Du bist echt die Beste", sagte Nicky und ehe sich Mim versah,
hatte ihr Nicky schon ein Küsschen auf die Wange gedrückt. Mimi lief
rot an.
" Hey, da hab ich ja jemanden in Verlegenheit gebracht", sprach Nicky das auch
noch an. Sehr zum Missfallen von Mimi. Denn ihr Gesicht tönte sich dunkelrot.
" Ähm… Lass uns das Thema wechseln", schlug Mimi immer noch verlegen vor.
Sie redeten noch eine ganze Weile über dies und jenes, bis irgendwann die
anderen vier Lifer ankamen.
" Wir ziehen noch ein bisschen durch die Clubs. Kommt ihr mit?", fragte Bryan.
" Hast du Lust?", wandte sich Nicky an Mimi.
" Klar!" Und schon zogen die sechs los.
" Das ist unser Lieblingsclub", erklärte Mark, als sie auf einen Club
zuliefen.
" Ja, da sind ziemlich viele Promis und weniger Fans. Da kann man dann in Ruhe
abtanzen ohne Autogramme geben zu müssen!", sagte Kian.
" Gebt ihr nicht gerne Autogramme?", fragte Mimi.
" Natürlich. Es ist schließlich eine Ehre für uns. Außerdem
wären wir ohne unsere Fans nicht da, wo wir jetzt sind. Aber Abends möchten
wir auch mal ein bisschen für uns Party machen!", sagte Shane.
Der Club sah ganz anders aus, als Mimi es von denen in Deutschland gewohnt war.
Nicky zog sie sofort auf die Tanzfläche.
Doch auch dieser Tag musste irgendwann enden. Oder genauer gesagt schon am nächsten, denn es war schon drei Uhr morgens als Mimi in ihr Bett im Hotelzimmer fiel. Sie schlief auch gleich ein. Mitsamt den Klamotten. Es war ein anstrengender und ereignisreicher Tag für sie gewesen.
Auch der nächste wurde nicht anders. Bereits um acht Uhr stand Nicky neben
ihrem Bett und schüttelte sie kräftig.
" Aufstehen du Schlafmütze!", weckte er sie. Mimi stand widerwillig auf
und schaute erst einmal in den Spiegel, was sie lieber nicht hätte tun
sollen. Was sie da sah, war nämlich nicht gerade ein schöner Anblick.
Was sie als ihr eigenes Spiegelbild erkannte starrte sie mit verquollenen Augen
und zerzausten Haaren an.
" Och du meine Güte. Wie sehe ich denn aus?", stöhnte sie auf.
" Einfach schön. Wie immer!", sagte Nicky und schaute sie zärtlich
an. Hatte sie sich gerade verhört? War das eine Einbildung? Hallo!! Wo
war sie denn gelandet? Nicky fand sie bei diesem furchterregenden Anblick doch
nicht hübsch, oder? Ohne nachzufragen stürmte sie ins Badezimmer und
ließ Wasser in die Badewanne.
" Was machst du denn, Mimi?", fragte Nicky draußen vor der Türe.
" Ich nehme ein Bad!", erklärte sie.
" Oh! Darf ich mit baden?", fragte Nicky und so langsam fragte sich Mimi, ob
sie hier im falschen Film war.
" Du willst was?", fragte Mimi nach.
" Mitbaden!"
" Kommt überhaupt nicht in die Tüte", lehnte Mimi ab, zog sich ihre
Kleider aus und legte sich in die Badewanne. Das tat vielleicht gut.
Als sie zwanzig Minuten später aus der Wanne stieg und sich ein Handtuch
umwickelte, fühlte sie sich wie ein neuer Mensch. Sie machte die Türe
auf und...
" Huch. Nicky was machst du denn noch hier?", fragte sie erstaunt, denn Nicky
saß vor der Türe und schaute sie jetzt an. Seine Augen wanderten
ihren Körper entlang. Da fiel Mimi ein, dass sie ja nur ein Handtuch umgebunden
hatte.
" Ich habe nur auf dich gewartet", entschuldigte er sich, ließ seine Augen
aber nicht von ihr gleiten. Mimi lief zu ihrem Koffer, den sie noch nicht ausgepackt
hatte und suchte ein T- Shirt und eine Hose heraus. Sie musste höllisch
auf ihr Handtuch aufpassen, das die ganze Zeit herunterzurutschen drohte. Sie
ging ins Bad zurück, da sie sich auf keinen Fall vor Nicky anziehen wollte.
" Wir haben inzwischen 8. 45 Uhr. Die anderen werden schon warten!", meinte
Nicky.
" Dann lass uns schleunigst gehen!" Doch Nicky machte keine Anstalten zu kommen.
" Jetzt kommen wir eh schon zu spät. Dann können wir auch noch ein
bisschen hier bleiben!", meinte er und zwinkerte ihr zu. Mimi spürte ein
seltsames Kribbeln in ihrer Magengegend.
" Los, jetzt komm!", sagte sie schnell und verließ das Zimmer. Nicky folgte
ihr.
" Da seid ihr ja endlich!", meinte Bryan, als die beiden endlich im Trainingsraum
erschienen.
" Wo wart ihr denn so lange?", fragte Kian.
" Ähm... Ja... Dann fangen wir am besten mal an!", wich Nicky geschickt
der Frage aus. Die anderen Lifer waren sich bedeutende Blicke zu. JELA, wie
Mimi bei sich die anderen drei Tänzerinnen nannte, guckten so böse,
dass Mimi es langsam doch mulmig wurde.
Haute lernten sie die Choreografie zu " Somebody needs you". Die Fünf Jungs
von Westlife hatten die meisten Tänze schon einstudiert und jetzt mussten
nur noch die Partnerteile gelernt werden.
Nach einer Weile flippte Priscilla, die eigentlich viel Geduld hatte aus. Die
Lifer mussten ständig kichern, wahrscheinlich wussten sie selbst nicht
warum und das nutzten JELA natürlich zum tuscheln. Mimi stand immer dabei
und tat nichts und hatte nun ein bisschen Verständnis mit Priscilla.
" Jungs, jetzt haltet euch mal ein bisschen am Riemen", ermahnte sie die Fünf.
Doch es half nichts.
" Das Training ist abgesagt. Wie tanzen morgen die doppelte Zeit", beschloss
Lorena. Den Lifern schien das egal zu sein, denn sie hatten einen so eben einen
freien Tag begonnen.
Mimi ging auf ihr Zimmer und überlegte, was sie nun mit dem angebrochenen
Tag anfangen sollte. Sie kannte sich in London überhaupt nicht aus, hätte
sich aber gerne sie Stadt angeschaut.
" Hallo meine Süße", platzte Nicky in Mimis Zimmer.
" Hab ich herein gesagt?", fragte Mimi.
" Hab ich angeklopft?", fragte Nicky frech zurück. Beide fingen an zu lachen.
"Soll ich dir ein bisschen die Stadt zeigen?", fragte Nicky, als die beiden
sich wieder beruhigt hatten.
" Kannst du Gedanken lesen? Ich wollte mir heute eigentlich die Stadt anschauen",
meinte Mimi und war von Nickys Vorschlag natürlich begeistert. Nicky blieb
ihr eine Antwort schuldig, denn er hatte schon ihre Hand genommen und zog sie
aus dem Zimmer.
Im Hinterhof des Hotels stand eines von Nickys Autos. Er hielt ihr die Türe
auf und Mimi stieg hinein. Dann stieg auch Nicky ein und sie fuhren los.
" Herzlich Willkommen bei ihrer Privatführung durch die Hauptstadt Englands",
redete Nicky, als wäre er ein Stadtführer. " Wir fahren zuerst zum
Weltberühmten Buckingham Palast, nicht zu verwechseln mit dem Beckingham
Palast." Mimi musste grinsen. Sie wusste, dass Nicky ein großer Fußballfan
war. " Dort werden wir schauen, ob die Queen den Palast verlassen darf oder
die Fans von Prinz William den Palast belagern, weil er einen Staublumpen aus
dem Fenster ausgeschüttelt hat!", fuhr Nicky fort.
" Aber der muss doch gar nicht selbst Staubwischen. Der hat doch für alles
seine Diener", sagte Mimi.
" Psst. Sie stören meine Führung", beschwerte sich Nicky. Mimi war
sogleich still, denn sie wollte weiter Nickys Worten lauschen. Nicky erzählte
noch weitere erfundene Geschichten über die Royals, dann kamen sie am Palast
an. Sie stiegen aus dem Auto und Mimi schaute sich um.
" Komm. Wir erschrecken einen von diesen Zinnsoldaten", meinte Nicky und stapfte
schon auf einer der königlichen Wachen zu und zog Mimi hinter sich her.
Sie konnte machen was sie wollten. Er rührte sich einfach nicht. Die beiden
gaben es auf.
" Unser nächstes Ziel ist die Tower Bridge", machte Nicky wichtigtuerisch
weiter und mit dem Auto fuhren sie zu der benannten Brücke.
" Wie sie bestimmt wissen, befinden sich in der Tower Bridge die berühmten
Kronjuwelen...
Nicky und Mimi schauten sich danach noch den Big Ben an und dann beschlossen
sie etwas essen zu gehen.
" Ich zeig die ein ziemlich nobles Restaurant, okay?", schlug Nicky vor.
" Ne. Wenn ich schon Touristin bin, müssen wir auch bei McDonalds essen",
sagte Mimi. Dagegen hatte Nicky auch nichts einzuwenden. Das einzige Problem
war, dass es bei McDonalds so überfüllt war, dass Nicky zu Sonnenbrillen
und Mütze greifen musste. Da sie sowieso keine Platz gefunden hätten,
entschlossen sie sich dafür in den Hyde Park zu gehen und ihr Essen dort
zu verspeisen. Es war zwar nicht besonders warm, aber das störte keinen
von beiden.
" Können wir noch zu Madame Toussauds gehen?", fragte Mimi, denn sie wollte
unbedingt das Wachsfigurenkabinett sehen, von dem ihr so viele schon vorgeschwärmt
hatten. Nicky hatte nicht dagegen einzuwenden.
" Guten Tag Herr Beckham!", sagte Mimi, als sie vor der Wachsfigur von David
Beckham stand.
" Hast du gewusst, dass ich beinahe Profifußballer geworden wäre?",
fragte Nicky.
" Nein hab ich nicht. Wäre aber schade gewesen, denn dann hätten wir
uns ja gar nicht kennengelernt", sagte Mimi. Nicky erzählte ihr noch ein
bisschen aus der Zeit bei Leeds United, während sie auch noch mit den Beatles,
mit Kylie und vielen anderen dargestellten Figuren Fotos machten.
Als sie zurück ins Hotel kamen, waren sie wirklich müde. In der letzten
Nacht hatten sie ja auch kaum Schlaf gehabt.
" Der Tag war wunderschön", sagte Mimi, als sie vor ihrer Zimmertüre
ankamen.
" Find ich auch", stimmte Nicky zu. Er gab ihr schnell einen Kuss auf die Wange
und ging dann in die Richtung seines Zimmers. Mimi hielt ihre Hand auf die Stelle
des Kusses. Sie spürte ihn immer noch.
Sie putzte Zähne, zog sich ihren Schlafanzug an und rief dann noch ihre
Eltern an, bei denen sie sich noch nicht gemeldet hatte. Sie hatten Verständnis
für sie, das ja alles auch neu für sie war. Mimi kuschelte sich in
ihr Bett, als es klopfte.
" Ja", murmelte Mimi. Nicky steckte den Kopf zur Türe herein und Mimi saß
auf.
" Was machst du denn hier?", fragte sie. Nicky zuckte nur mit den Schultern.
Sie schauten sich lange nur an.
" Ich glaube ich gehe jetzt wieder", meinte Nicky verlegen und drehte sich um
und ging zur Tür.
" Warte! Geh nicht", hielt Mimi ihn auf. Nicky drehte sich zu ihr. Mimi hob
die Decke hoch und Nicky kam zu ihr und legte sich neben sie. Bald schliefen
sie ein.
" Wo sind sie denn jetzt schon wieder?", fragte Mark, als Nicky und Mimi wieder
auf sich warten ließen.
" Ich geh mal nachschauen", meinte Shane und verließ den Trainingsraum.
Er klopfte an Mimis Türe, doch nichts rührte sich. Er klopfte wieder.
Immer noch keine Reaktion. Das gleiche versuchte er bei Nickys Zimmer, doch
auch dort machte ihm niemand auf. Er ging zu den anderen zurück.
" Keiner von beiden macht auf", meinte er. Kian bekam beinahe die Krise.
" Können die nicht mal pünktlich sein?", fragte er. Er ging an die
Rezeption und forderte einen Schlüssel für die Zimmer der beiden.
Würden sie nicht freiwillig kommen, musste man eben nachhelfen. Er öffnete
Mimis Zimmertüre und der Anblick der sich ihm dann bot ließ ihn erstaunen.
Er räusperte sich.
" Mhmh", dann noch mal etwas lauter. Die beiden Schlafmützen schreckten
auf.
" Ki? Was machst du denn hier?", fragte Nicky seinen Bandkollegen.
" Das sollte man eher mal euch fragen", sagte dieser. Nicky stand auf und ging
in sein Zimmer um sich zu richten.
" Mimi? Was läuft zwischen dir und Nicky?", fragte Kian.
" Nichts", sagte Mimi.
" Ja klar. Das kannst du deiner Urgroßmutter erzählen", sagte Kian.
" Echt. Wir waren gestern in London, waren dann müde und sind dann irgendwie
so müde gewesen, dass wir nebeneinander eingeschlafen sind."
" Ja, ja." Kian schien es nicht zu glauben.
Das Tanztraining verlief diese Mal richtig gut. Sie schafften die ganze Choreografie
zu " Somebody needs you" und " When you’ re looking like that". Alle waren zufrieden
und es war erst vier Uhr Nachmittags. Mimi und Nicky durfte auch zusammen tanzen,
obwohl das die anderen Lifer gar nicht so toll fanden. Keiner wollte so wirklich
die JELA Girls als Partnerinnen haben. Doch da mussten sie durch.
" Hast du Lust noch ein bisschen shoppen zu gehen?", fragte Nicky Mimi.
" Und ob. Ich liebe Shopping."
Nicky führte sie zu den Dolce und Gabbana- und Gucciboutiquen. Bei den
Blicken auf die Preisschilder haute es Mimi beinahe wieder rückwärts
aus der Türe. Das könnte sie nie verzahlen.
" Ich kaufe die ein Oberteil, okay", schlug Nicky vor. Mimi wollte das eigentlich
nicht, doch Nicky ließ sich nicht davon abbringen. Am Ende kamen sie dann
mit vielen Einkaufstüten und Nicky mit einem leereren Geldbeitel wieder
im Hotel an. Aus dem T- Shirt wurden dann nämlich noch zwei Jeans und ein
Kleid. Und Nicky ließ es sich natürlich nicht entgehen seinen Kleiderschrank
noch mehr zu strapazieren und hatte auch fleißig eingekauft.
Mimi hatte am Abend keinen Nerv mehr mit den Jungs wegzugehen und machte sich
es vor dem Fernseher gemütlich. Draußen regnete es wie verrückt
und die Regentropfen prasselten laut an ihr Fenster. Sie schnappte sich ein
paar Getränke aus der Minibar und ließ sich vom Zimmerservice ein
paar belegte Brötchen bringen. Damit kuschelte sie sich in ihre Decke und
schaute einen Film an. Der Regen machte so einen Lärm, dass sie das Klopfen
an ihrer Zimmertüre überhörte. Ihr Telefon klingelte. Es war
Nicky, der wissen wollte, warum sie die Türe nicht aufgemacht hatte.
" Sorry. Ich hab dich nicht klopfen gehört", entschuldigte sie sich und
kurz darauf stand Nicky wieder vor der Tür.
" Bist du nicht mit den anderen weggegangen?", fragte Mimi als sie ihn herein
ließ.
" Hatte keine Lust. Aber bei mir war es dann so langweilig, da hab ich gedacht
wir könnten ja uns gemeinsam vor die Glotze hauen", erklärte Nicky.
Zu zweit kuschelten sie sich nun unter die Decke und aßen die Brote. Im
Fernsehen kam jetzt der Film " Notting Hill" mit Julia Roberts und Hugh Grant.
" Ich liebe diesen Film", meinte Mimi. " Ich hab ihn schon mindestens fünf
mal gesehen. Aber ich schau ihn mir immer wieder gerne an." Nicky legte seinen
Arm um Mimis Schultern.
" Und ich liebe dich", flüsterte er ganz leise. Mimi lief ein eiskalter
Schauer über den Rücken.
" Was hast du da gerade gesagt?", flüsterte sie fassungslos. Ihr Herz pochte
so laut, dass sie Angst hatte, dass man es noch Meilenweit hören könnte.
" Ich liebe dich Mimi", wiederholte Nicky und schaute ihr tief in die Augen.
Langsam näherte er sich ihr. Er legte seine Hand in ihren Nacken und sie
küssten sich zärtlich. Dann lösten sie sich voneinander um gleich
wieder in eine leidenschaftlichen Kuss zu versinken...
" Heute mal ausnahmsweise pünktlich", scherzte Bryan, als Nicky und Mimi
zum Training kamen. Beide strahlten bis über beiden Ohren und sie hatten
eine wunderschöne Nacht gehabt. Nicky war so lieb und zärtlich gewesen.
Und Mimi hatte alles so sehr genossen. Noch nie hatte sie so etwas schönes
erlebt. Bryan schaute die beiden an und auch Shane, Kian und Mark bemerkten,
dass irgend was anders war als sonst. JELA wurde keine Beachtung geschenkt.
Das Tanztraining klappte hervorragend. Alle waren voll bei der Sache, denn sie
wussten, dass es nur noch vier Wochen bis zum Tourauftakt waren und sie noch
nicht einmal auf der Bühne geprobt hatten. Sie kamen schnell vorwärts
und so hatten Nicky und Mimi den Nachmittag für sich.
" Was sollen wir denn machen, mein Schatz?", fragte Nicky.
" Fahren wir bitte ins Harrods?", fragte Mimi, denn sie wollte unbedingt in
das große Einkaufscenter.
" Wenn ich dich heute Abend dann zum Essen einladen darf." Als Bestätigung
gab Mimi Nicky einen Kuss.
" Ich geh dann mal kurz in mein Zimmer und richte meine Sachen her", sagte Mimi
und ging.
" Mimi warte mal." Kian kam hinter ihr hergerannt.
" Was gibt’s?", fragte Mimi. Kian sah sie durchdringend an.
" Ich glaube du weißt um was es geht."
" Nein." Mimi wusste nicht, was er so wichtiges von ihr wollte.
" Ach komm. Jetzt stell sich nicht so dumm an", rastete Kian aus. " Was läuft
zwischen dir und Nicky?"
" Wir sind ein Paar", sagte Mimi deutlich.
" Liebst du ihn?", fragte Kian. Was sollte das denn jetzt. Natürlich liebte
sie ihn. Sie hatten eine wunderschöne Nacht gehabt und sie hatte sich sehr
glücklich gefühlt. Doch liebte sie Nicky wirklich? In ihr sagte etwas
laut und deutlich nein. Doch sie wollte dagegen ankämpfen. Schaffte es
aber nicht.
" Ich glaube nicht", sagte sie leise und senkte ihren Kopf auf den Boden. Kian
packte sie am Arm und schleppte sie in sein Zimmer.
" Wieso machst du das alles? Damit du all deinen Freundinnen sagen kannst, du
hast mit Nicky geschlafen? Damit sie dich beneiden. Oder willst du Nicky weh
tun", schimpfte Kian mit ihr.
" Moment, Moment", sagte Mimi. " Wer sagt denn, dass wir miteinander geschlafen
haben? Und außerdem mag ich Nicky wirklich gern."
" Ja das kann ja sein. Aber du tust ihm damit nur weh. Rede Klartext mit ihm.
Er ist einer meiner Besten Kumpels und ich möchte nicht, dass er wegen
die zu leiden hat." Mimi rannte schnell aus dem Zimmer. Tränen rannen ihr
übers Gesicht. Kian hatte wahrscheinlich recht. Vielleicht sollte sie die
Sache mit Nicky beenden, bevor es zu spät war. In ihrem Zimmer warf sie
sich auf ihr Bett und ließ ihren Tränen freien Lauf. Nicky kam um
sie abzuholen.
" He, Mimi. Was ist denn los?", fragte er besorgt und setzte sich neben sie.
Mimi wusste, dass dies jetzt der richtige Augenblick war um ihm alles zu gestehen.
Sie atmete tief durch.
" Nicky... ichliebdichnicht", sagte sie ganz schnell. Sie wollte, dass alles
so schnell wie möglich vorbei war. Nicky schaute sie an. Er hatte sie genau
verstanden und es brach ihm das Herz sie so reden zu hören.
" Das meinst du nicht ernst?", fragte er entsetzt.
" Doch", schluchzte Mimi.
" Ist das dein letztes Wort?", fragte er mit bebender Stimme. Mimi nickte nur.
Sie konnte ihm nicht in die Augen schauen. Sie wollte Nicky nicht verletzten.
Nicky ging aus dem Zimmer. Jetzt musste Mimi noch mehr weinen. Sie verstand
die Welt nicht mehr. Sie war sich plötzlich nicht mehr sicher, ob sie das
Richtige getan hatte. Hatte sie wirklich keine so starken Gefühle für
Nicky empfunden. Sie weinte und weinte immer mehr. Sie konnte einfach nicht
mehr. Ihr Herz tat ihr so weh und sie fühlte sich so unglücklich und
traurig wie noch nie. Sie merkte auch nicht, dass ein besorgter Shane, der ihr
herzzerreißendes Geweine bis auf den Flur gehört hatte herein kam.
" Was ist denn mit dir los?", fragte er und streichelte Mimi sanft über
den Rücken. Sie sah auf und hörte kurz auf zu weinen. Dann find sie
wieder an und warf sich in Shanes Arme.
" Jetzt erzähl mir doch, was los ist", fragte Shane und Mimi erzählte
ihm alles, so gut es ging.
Zur gleichen Zeit ging es Nicky auch nicht besser. Er hatte wirklich geglaubt die Richtige gefunden zu haben. Sie war ihm von Anfang an sympathisch gewesen und er hatte sie wirklich geliebt. Er liebte sie immer noch und würde vermutlich nie aufhören sie zu lieben. Er ging in seinem Zimmer auf und ab. Er brauchte jetzt jemanden zum reden. Er ging zu Bryan.
Am nächsten Tag viel das Tanztraining aus. Mimi hatte sich immer noch nicht erholt, genauso wenig wie Nicky. Beide lagen auf ihren Betten und fragten sich, wie es nun weitergehen sollte. Mimi traute sich nicht zu Nicky zu gehen. Und Nicky verwünschte Mimi auf einen anderen Planeten, obwohl es ein anderes Hotel auch schon getan hätte. Mimi war jetzt bestimmt mit dem anderen Jungs unterwegs, während er hier unglücklich in seinem Zimmer saß. Doch er wollte auf keinen Fall raus. Er wollte Mimi nicht sehen. Es hätte nur noch mehr wehgetan.
Eine ganze Woche verging und der Tourauftakt rückte immer näher.
Bryan, Shane, Mark und Kian machten sich langsam Sorgen um die Show. Sie mussten
noch so viel üben, aber das war in den letzten Tagen unmöglich gewesen.
Weder Nicky, noch Mimi wollte aus dem Zimmer kommen. Beide aßen kaum mehr
etwas und mussten von den anderen schon gezwungen werden. JELA kam das natürlich
ganz recht, denn so konnte sie täglich andere Londoner Jungs aufreißen
und die Stadt unsicher machen.
" Verdammt. Was machen wir denn mit den beiden?", fragte Mark seine Bandkollegen.
" Ich hab keine Ahnung. Denen ist nicht mehr zu helfen", sagte Shane.
" Gehen wir das ganze mal systematisch vor", schlug Bryan vor. Die anderen schauten
sich an und fingen an zu lachen.
" Du und systematisch, Bryan. Das passt zusammen wie Schnitzel und Frühstück",
meinte Kian grinsend.
" Vielen Dank auch Jungs" sagte Bryan. " Ich dachte auch eher, dass ihr das
übernehmen würdet."
" Bryan hat recht. Wir müssen jetzt echt überlegen", sagte Shane ernst.
" Okay. Nicky liebt Mimi. Mimi... liebt Mimi Nicky?", fragte Mark. Alle zuckten
mit den Schultern.
" Sie hat mit ihm Schluss gemacht, weil sie ihn angeblich nicht geliebt hat.
Aber zu mir hat sie gesagt, dass sie ihn vielleicht doch liebt", erzählte
Shane, was er wusste.
" Na was jetzt?", fragte Bryan, der wohl nicht ganz mitkam.
Während die fünf Jungs heftig über die beiden diskutierten,
schaltete Mimi ihren Fernseher ein. Sie zappte durch die Kanäle und blieb
bei einem Musiksender hängen.
" So und jetzt für alle verliebten Menschen da draußen Westlife mit
I lay my love on you", sagte die Moderatorin dort. Mimis Finger bewegten sich
in Richtung Ausschaltknopf, doch etwas hielt sie auf.
"Just a smile and the rain is gone..." , fing Shane zu singen an. Als Nicky
zum ersten Mal ins Bild kam lief ihr ein Schauder über den Rücken
und es kribbelte mächtig in ihr. Sie setzte sich ganz nahe an den Fernseher
ran.
" Ach Nicky", seufzte sie. " Wenn ich doch alles wieder gut machen könnte."
Sie war sich jetzt ihren Gefühlen sicher. Sie liebte ihn wirklich. Doch
sie traute sich nicht zu ihm zu gehen und ihm das zu sagen. Sie hatte Angst
er würde sie nie wieder sehen wollen.
" Cause I lay my love on you." Erklangen die letzte Worte des Liedes. Mimi
stand entschlossen auf. Jetzt oder nie, dachte sie sich, Sie musste jetzt einfach
mit Nicky reden. Sie wollte nicht weiter unglücklich sein. Sie klopfte
an Nickys Türe. Er machte auf und starrte sie an.
" Was willst du hier?", fragte er pampig.
" Ich muss dringend mit dir reden", sagte Mimi. " Bitte lass mich reinkommen."
Nicky überlegte kurz.
" Gut komm rein", sagte er dann eine Spur freundlicher.
" Nicky hör zu. Das was ich neulich gesagt habe... Ach es tut mir so leid.
Ich wünschte ich hätte es nie gesagt. Das wirst du mir jetzt vielleicht
nicht glauben, aber ich liebe dich. Ich liebe dich über alles. Ich war
so dumm neulich. Ich hatte mich von Kian beirren lassen und war mir nicht mehr
sicher. Doch als ich es die dann gesagt hatte, war ich nicht glücklich.
Ich wusste das es falsch war. Ich hatte in der letzten Woche die schlimmste
Woche meines Lebens. Du bist der Mann, den ich von ganzem Herzen liebe. Du hast
mich verdammt glücklich gemacht, auch wenn ich es dir nicht gesagt habe
und stattdessen so dumm war. Ich weiß, du kannst mir das jetzt nicht glauben.
Aber ich hab es dir wenigstens gesagt." Mimi drehte sich um rannte aus der Türe
hinaus. Wieder liefen ihr die Tränen aus den Augen. Sie liebte ihn so sehr.
Da war sie sich ganz sicher.
" Mimi warte", rief es hinter dir. Sie drehte sich um. Nicky stand da und lächelte
sie an.
" Ich glaube dir", sagte er leise doch Mimi verstand jedes Wort. Sie konnte
kaum glauben was er gesagt hatte. Sie rannte auf ihn zu und ihr Herz machte
riesige Sprünge. Nicky rannte ebenfalls auf sie zu und sie fielen sich
in die Arme.
" Mimi. Ich liebe dich so sehr", sagte er und küsste sie mit viel Leidenschaft.
Er hatte sich so danach gesehnt ihr Lippen wieder zu spüren. Er nahm sie
auf den Arm und hörte nicht auf sie zu küssen. Er trug sie in sein
Zimmer und legte sie auf sein Bett. Er legte sich zu ihr und ihre Küssen
wurden immer leidenschaftlicher und verspielter. Nicky legte sich auf Mimi und
streichelte sie sanft über den ganzen Körper...
Nicky und Mimi lagen dicht nebeneinander und sahen sich an.
" Das war wunder schön", sagte Mimi zu Nicky.
" Ja, das war es".
" Es tut mir...", wollte Mimi sagen, aber Nicky hielt sie mit einem Kuss davon
ab.
" Ich liebe dich Nicky", sagte sie und es kam von tief innen in ihrem Herzen.
" Ich dich auch, Mimi." Und sie schliefen gemeinsam ein.
" Ahhh! Ich glaub ich krieg die Krise!", rief Bryan. Die vier Lifer wollten
am nächsten morgen nach ihrem Bandkollegen sehen und ihn zum Tanztraining
überreden. Jetzt standen die vier in Nickys Zimmer ( Sie hatte an der Rezeption
den Ersatzschlüssel geholt) und starrten nun auf den Anblick, der sich
ihnen bot.
" Wollen die uns eigentlich verarschen, oder was?", fragte Shane. Nicky und
Mimi waren aufgewacht.
" Was macht ihr denn hier!", rief Nicky entsetzte, als er die Jungs sah.
" Wir wollten mal nach dir sehen. Aber interessanter wäre, was hier heute
Nacht alles passiert ist", sagte Bryan und schaute von Nicky zu Mimi und wieder
zurück.
" Erklären wir euch später", sagte Nicky. " Und jetzt raus hier",
verscheuchte er die vier.
" Guten morgen meine Süße", sagte er zu Mimi und gab ihr eine Kuss.
" Ich hätte jetzt unheimlich Lust auf ein Bad!", meinte Mimi. Nicky grinste
sie an und dann gingen sie ins Badezimmer...
" Die beiden treiben mich echt noch in den Wahnsinn", meinte Shane, als sie
aus dem Zimmer geschmissen worden waren. " Erst heulen sie uns tagelang was
vor und dann finden wir sie gemeinsam im Bett auf", beschwerte er sich.
" Jetzt freu dich doch mal für die beiden. Sie haben sich eben wieder versöhnt",
meinte Mark.
" Ja, das ist ja schön für die beiden. Hoffentlich können wir
dann wenigstens heute wieder Proben", sagte Shane.
" Glaub ich kaum. Wir haben in einer Stunde ein Interview mit Top of the Pops,
danach für irgendeinen Fernsehsender und noch ein paar Fotoshootings",
zählte Kian die Termin des Tages auf.
" Och ne. Das hatte ich ja ganz vergessen!", stöhnte Shane auf.
" Nicky!" Shane klopfte laut gegen Nickys Zimmertüre. Keine Reaktion.
" Der entwickelt sich echt zum unpünktlichsten Mensch", fluchte er und
hämmerte noch mal gegen die Türe. " Nicky! Wir haben ein Interview.
Mach dich mal!" So langsam wurde es ihm echt zu bunt. Die Türe öffnete
sich und Nicky streckte den Kopf heraus.
" Wir haben ein Interview?", fragte er erstaunt. Shane nickte nur. " Bin in
einer Minute fertig." Er brauchte tatsächlich nicht lange.
Mimi überlegte, was mit dem Tag anzufangen war. Nicky hatte keine Zeit,
da Westlife ein Interview und Fotoshooting nach dem anderen hatte. Sie hätte
den Tag so gerne mit Nicky verbracht. Da sie aber keine Lust hatte im Zimmer
zu sitzen, schnappte sie sich ihre Tasche mit Geldbeutel und Handy und wollte
sich ein wenig in London umschauen.
Mimi fand sehr schnell eine Einkaufspassage mit Geschäften ihrer Preisklasse
wie New Yorker, Pimkie und H&M. Sie wusste, dass Nicky ihr jedes noch so
teueres Kleidungsstück kaufen würde, doch das wollte sie nicht. Es
machte ihr viel mehr Spaß ihr eigenes und selbstverdientes Geld auszugeben.
Sie hatte in den letzten Ferien ziemlich viel Geld bei einem Feriejob verdient
und leistete sich bei Pimkie nun ein schickes Partyoberteil, das sie bestimmt
noch gut gebrauchen könnte. Sie verließ gerade das Geschäft,
als sie Jessica, Emma, Lena und Amanda, besser bekannt unter dem Namen JELA
sah. Nichts wie weg, dachte sich Mimi, denn sie wollte um keinen Preis den dreien
begegnen.
" Hey! Mimi!", rief es da schon hinter ihr. Zögernd drehte sich Mimi um
und warf ein gezwungenes Lächeln auf. Was wollte die denn von ihr? Sonst
wechselten sie doch auch kaum Worte mit Mimi!
" Heute ganz alleine?", fragte Lena sie und grinste ziemlich doof. In diesem
Moment klingelte Mimis Handy.
" Ihr entschuldigt mich", sagte sie zu den dreien.
" Hallo meine Süße!", zwitscherte ihr Nicky ins Ohr. Bei seiner Stimme
wurde ihr ganz heiß. " Ich konnte mich gerade loseisen und wollte eigentlich
zu dir. Da musste ich feststellen, dass du gar nicht da bist."
" Tut mir Leid."
" Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen. Wie lange bist du weg?", fragte
er.
" Keine Ahnung."
" Okay. Wo bist du gerade?", fragte Nicky.
" In der Innenstadt. War gerade bei Pimkie", erklärte Mimi.
" Gut. Ich bin in fünf Minuten da und hol dich ab." Mimi wollte gerade
fragen, wieso, aber Nicky hatte schon aufgelegt. JELA waren verschwunden, worüber
Mimi ganz und gar nicht traurig war.
Und tatsächlich hielt Nicky kurz darauf mit seinem Auto neben Mimi.
" Steig ein", forderte er sie auf. Sie setzte sich ins Auto. " Ich hab dich
so vermisst", sagte Nicky und küsste sie. " Also, ich hab eine halbe Stunde
Zeit. Wir fahren jetzt in die Dolce und Gabbane Boutique und kaufen dir ein
Kleid. Wir gehen heute Abend nämlich essen", erklärte Nicky.
In der Boutique wurden sie sofort von mehreren Bedienungen belagert und alle
brachten Mimi ein anderes Kleid. Sie konnte schon nicht mehr klar denken.
" Möchten sie vielleicht dieses", fragte der eine.
" Aber das hat doch eine wunderschönen Farbe", wurde ihr von der anderen
Seite gesagt.
" Diese Kleid würde ihnen hervorragend stehen", sagte eine weitere Bedienung.
" Nicky", sagte Mimi leise. " Darf man hier denn auch die Kleider anprobieren?"
Nicky grinste. Dann sagte freundlich zu den Verkäufern, dass Mimi sich
gerne selber umschauen möchte. Mimi war Nicky sehr dankbar. Schnell wurde
sie fündig. Sie hatte sich sofort in ein schwarzes, langes, rückenfreies
Kleid verguckt. Allerdings wollte sie nicht auf den Preiszettel schauen. Nicky
zahlte und sie gingen wieder.
Am Abend führte Nicky Mimi in ein für Mimis Verhältnisse extrem feines Restaurant aus. Von allen Seiten wurden sie beobachtet, doch Mimi merkte das kaum. Sie war so glücklich mit Nicky. Von einem Ober wurden sie zu einem kleinen Tische geführt. Kerzen brennten darauf und es war richtig romantisch.
" Oh mein Gott! Ich bin ja so aufgeregt." Mimi zitterte am ganzen Körper.
In weniger als einer halben Stunde war es soweit. Die Where Dreams come true
Tour von Westlife sollte beginnen. Sie hatten solange und so viel geübt.
Mimi konnte jeden Schritt im Schlaf, dennoch war sie furchtbar aufgeregt. Die
Halle war ausverkauft und gerade spielte die Vorband. Mimi wuselte von einer
in die nächste Ecke. Sie konnte weder still sitzen, noch stehen.
" Jetzt beruhig dich doch. Wird schon schief gehen", versuchte Nicky sie zu
beruhigen.
" Natürlich wird es schief gehen. Ich werde mich vertanzen, mich vor dem
Publikum lächerlich machen oder sogar die Bühne hinunter fallen",
mutmaßte Mimi. Nicky schüttelte den Kopf.
" An so was darfst du gar nicht denken." Er nahm seine Freundin in den Arm und
versuchte sie mit einem Kuss abzulenken.
" Ah!", fuhr Mimi auf und rannte weg.
" Was hat sie denn?", fragte Mark, der die ganze Szene beobachtete hatte.
" Sie hat Lampenfieber und muss wahrscheinlich mal wieder aufs Klo. So wie in
den letzten Zwanzig Minuten schon mindesten Zehn mal", sagte Nicky.
" Los jetzt! Ihr müsst raus", rief hinter Mimi jemand. Mit zitternden Knien und Herzklopfen betrat sie die Bühne. Am liebsten hätte sie wieder Reißaus genommen. Es waren so viele und sie wusste, dass irgendwo ihre Eltern waren. Die Westlifefans johlten, kreischten und rasteten beinahe aus. Die Show begann. Mimi fühlte sich alleine. Nicky war nicht bei ihr, denn Westlife würde erst in ein paar Minuten die Bühne betreten. Jetzt war sie ganz auf sich gestellt. Keiner sagte ihr mehr, was sie falsch machte, jetzt zählte nur noch ihr Verstand und ihr Können. Sie brachte den ersten Auftritt gut hinter sich und verschwand wieder hinter der Bühne...
Alles hatte bis jetzt gut geklappt. Ihr Lampenfieber war von selbst verschwunden
und sie fühlte sich wohl auf der Bühne. Doch jetzt kam nur noch ein
Auftritt.
" Los Jungs! Wir müssen auf die Bühne!", rief Kian. Jetzt kam nur
noch die Zugabe. Shane ging als erstes raus um seinen ersten Teil von " I lay
my love on you" zu singen. Mimi war bereit. Sie hielt Nickys Hand und war bis
jetzt sehr zufrieden mit sich. Dann gingen sie raus und Mimi fühlte sich
während sie die Choreografie tanzte einfach nur glücklich. Ihr Traum
hatte sich erfüllt und sie stand jetzt auf einer Bühne mit Westlife
und 10000 Fans schauten zu. Außerdem hatte sie mit Nicky den nettesten
und liebsten Menschen überhaupt als Freund.
" Du warst so super!", rief Nicky. Die Show war vorbei und Nicky rannte auf
Mimi zu und nahm sie in den Arm. " Ich bin so stolz auf dich", flüsterte
er. Mimi strahlte über das ganze Gesicht. Von ihr aus hätte dir Show
noch länger dauern können. Viel länger. Nicky legte seine Hände
um Mimis Taille und schaute sie an. Er streichelte ihr über die Wange und
dann küsste er sie so zärtlich und dennoch leidenschaftlich, dass
Mimi eine Gänsehaut bekam.
" Ich liebe dich so sehr!", sagte er.
" Ich liebe dich auch, über alles!", sagte Mimi.
" Ich liebe dich. Für immer!" Und sie küssten sich wieder.
" Mimi! Ich bin da!" Mimi schreckte aus dem Schlaf hoch. Sie rieb sich die
Augen und schaute auf ihren Wecker. Es war schon Acht Uhr abends. Sie muss ziemlich
lange geschlafen haben. Mimi erinnerte sich wieder an ihren Traum und musste
lächeln. Ihr Mutter kam ins Zimmer.
" Hast du den Brief gar nicht gesehen, der für dich gekommen ist?", fragte
sie und streckte ihr einen weißen Umschlag entgegen. Mimi schaute nach
dem Absender. Es war eine Antwort auf eine ihrer Bewerbungen. Mimi riss schnell
den Umschlag auf. Ihr Herz klopfte stark. In diesem Moment fiel ihr ein Lied
von Westlife ein. Kam das im Traum nicht auch vor? Leise summte sie vor sich
hin:
Don’ t you know that Dreams come true, they do!