Kian lag in seinem einsamen Hotelzimmer. Vor fünf Minuten hatte er mit seiner Freundin Jodie telefoniert. Er seufzte. Irgendwie spürte er schon lange nicht mehr dieses Bauchkribbeln, wenn er an seine derzeitige Freundin dachte. Im Grunde genommen war es noch nie so gewesen, aber er hatte sich das einfach nicht eingestehen wollen. Dafür war er einfach zu stur gewesen. In der Presse wurden sie sowieso als DAS Traumpaar betitelt und wenn es nach einigen Zeitungen ging wären sie schon mindestens drei Mal verheiratet und hätten ebenso viele Kinder. Kian seufzte nochmals, schaltete dann den Fernseher an um die Musikclips von MTV nebenher laufen zu lassen und griff nach dem Stapel Fanpost, der immer noch ungeöffnet neben seinem Bett lag. Nach einer halben Stunde, er hatte bereits ein Dutzend Fanbriefe beantwortet, ging er hinüber zur Minibar um sich was zu trinken zu holen. Während er sich ein Glas Wasser einschenkte, schaute er sich den letzten Videoclip von den Backstreet Boys an. "Von denen hört man ja auch nichts mehr." Er wand sich wieder seinen Briefen zu, als im Fernseher ein Interview von Bon Jovi gezeigt wurde. Da er die Musik von ihnen mochte schaltete er die Lautstärke etwas höher und stutzte plötzlich, denn im Hintergrund lief "Bed of Roses". Das Lied hatte er schon ewig nicht mehr gehört, aber immer wenn es doch irgendwo kam mußte er an Celine denken. Auch jetzt erging es ich wieder so. Celine... Wie sehr hatte er sie geliebt. Er hatte sich erhofft mit ihr irgendwann einmal eine Familie gründen zu können, aber dann hatte sein Seitensprung mit ihrer besten Freundin alles zerstört. Er bereute diesen One-Night-Stand immer noch, aber an dem Abend war er so betrunken gewesen, dass er nichts mehr mitbekommen hatte. Erst am nächsten Morgen war er aufgewacht und hatte Caro neben sich im Bett liegen gesehen. Celine hatte von der Geschichte durch die Presse erfahren und ihm sofort den Laufpass gegeben. Zu der Zeit hatte er wirklich alles versucht um sie wieder zurück zu gewinnen, aber als er vier Wochen später, nach einer Promotiontour und zahlreichen Auftritten wieder nach Sligo gekommen war, war sie aus ihrer kleinen Wohnung ausgezogen. Keiner ihrer Freunde wusste angeblich wo sie sich aufhielt und nach einiger Zeit hatte er es schließlich aufgegeben nach ihr zu suchen, zumal er Jodie kennen gelernt hatte, mit der er sich wirklich gut verstand. Nach und nach wurde aus dieser Freundschaft mehr...

*~*

Ich ließ mich total erschöpft auf die Couch fallen. Gerade eben war ich aus New York zurück gekommen. Die letzten fünf Tage waren zwar wunderschön aber auch ziemlich anstrengend gewesen. Ich hatte das Glück bei der DVD-Aufzeichnung von "This Left Feels Right" von meiner Lieblingsband Bon Jovi dabei zusein. Die Band live zu erleben war immer ein Erlebnis gewesen, aber die letzten Tage hatten meiner Erwartungen nochmals übertroffen. In der Zeit hatte ich in einem schicken Hotel in New York City gewohnt, da ich auch noch arbeiten musste. Ich war also zwischen Atlantic City/New Jersey und meinem Modeljob hin und her gependelt, was zeitweise ziemlich stressig war. Doch dies nahm ich in Kauf. Aber jetzt war ich wieder in meinem Apartment, dass ich mit Caro bewohnte. Caro war immer noch meine beste Freundin. Kian hatte mich zwar mit ihr betrogen, aber wir waren schon so lange befreundet, so dass ich diese Freundschaft nicht einfach wegwerfen wollte. Gemeinsam hatten wir uns schließlich eine Wohnung mitten in London genommen, denn in Irland, wo mich alles an Kian erinnerte wollte ich wirklich nicht bleiben. Hier hatte ich nicht nur einen besseren Modeljob als in Dublin, ich war auch auf vielen Catwalks in Paris und Mailand unterwegs, was mich von meinem Exfreund ablenkte. Obwohl unsere Beziehung schon seit fast sechs Monaten beendet war, erinnerte mich noch so vieles an Kian. Auch bei der Bon Jovi Show in den USA hatte ich wieder an ihn denken müssen. Bei "Born to be my baby" war mir unser erster Kuss und die schöne gemeinsame Zeit während des Konzerts in Dublin in den Sinn gekommen. Eigentlich immer wenn ich einen Song von Bon Jovi hörte, den sie auf dem Konzert in Dublin gespielt hatten fiel mir Kian ein. Ich hatte wirklich geglaubt, dass er meine große Liebe sei, aber ich hatte mich getäuscht, wie zuvor bei Michael.

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Ich hörte wie sich ein Schlüssel im Schloss umdrehte und sprang auf. Es war Caro, die zur Tür hereingeschneit kam. "Hey, da bist du ja wieder." Freudestrahlend fiel sie mir um den Hals. "Und wie war’s?" Sie warf ihre Shoppingtüten in die Ecke und drückte mich zurück auf die Couch. "Es war einfach der Hammer", schwärmte ich ihr vor und erzählte von Bon Jovi und dem Modelauftrag. Caro war begeistert, aber plötzlich änderte sich ihr Gesichtsausdruck und sie sah etwas besorgt aus. "Ich muss dir auch noch was erzählen," druckste sie herum. "Rat mal wen ich letzten Donnerstag in Harrods gesehen hab?!" "Keine Ahnung." Ich zuckte mit den Schultern und ging hinüber in die Küche um uns Cola, Chips und Schokolade zu holen. "Kian." "Kian?!" Entsetzt starrte ich sie an. Sie wusste genau, dass ich nichts mehr von ihm hören wollte, also warum erzählte sie mir das alles. "Er hat mich nicht bemerkt, aber dafür hab ich dann noch Mark getroffen. In der Unterwäschenabteilung für Frauen." Sie grinste mich an, aber mir war es im Moment so ziemlich egal, in welcher Kaufhausabteilung sich Mark aufgehalten hatte. "Naja... er war zwar nicht grad begeistert mich zu sehen, aber ich hab mich ein bisschen mit ihm unterhalten und du wirst nicht glauben, was ich heraus gefunden habe." Noch bevor ich irgend etwas sagen konnte platzte sie schon mit der Neuigkeit heraus. "Kian hat eine Zweitwohnung in London." "Waaas?!" Das durfte nicht wahr sein. Ich verließ Sligo, damit ich ihn nicht mehr sehen musste und dann zog er ausgerechnet nach London. Warum konnte er mich nicht einfach in Ruhe lassen? "Ich hab Mark aber gesagt, dass er Kian nichts sagen soll", lenkte Caro ein, die meinen verzweifelten Gesichtsausdruck bemerkt hatte. "Hoffentlich hält er sich daran." Missmutig biss ich ein großes Stück Schokolade ab und starrte hinaus in den trüben Herbsthimmel. Auf der einen Seite wollte ich ihn gerne wiedersehen, auf der anderen fürchtete ich mich davor noch mehr an die Zeit mit ihm erinnert zu werden. Allerdings gab es da noch etwas, dass er noch nicht wusste, was ich ihm aber früher oder später sagen wollte...

*~*

Drei Tage später und mit guten Zureden von Caro hatte ich mich schließlich dazu durchgerungen ihn aufzusuchen. Ich wusste nicht genau wo er wohnte, aber in den Zeitungen wurde schon seit einiger Zeit angekündigt, dass Westlife an diesem Abend einen Auftritt bei "Top of the Pops" hatten und ich war sicher, dass ich ihn da treffen könnte um mit ihm zu reden.

Als ich vor der Halle ankam stand schon eine riesige Menge Fans davor. Ich versuchte zu dem Backstageausgang zu gelangen, der allerdings auch schon völlig zugestellt war. Wenn ich bloß wüsste in welchem Hotel die Jungs abgestiegen waren. Nervös blickte ich immer wieder in die Masse von Fans. Wenn mich jemand erkennen würde, würde es wahrscheinlich einen Aufstand geben, also zog ich schnell die Kapuze über mein Kopf und ging dann auf eine Gruppe von Mädels zu. "Hi, wisst ihr vielleicht in welchem Hotel Westlife absteigen?" "Nö, keine Ahnung." Enttäuscht wand ich mich ab und versuchte mein Glück bei zwei anderen Girls, die aufgeregt miteinander tuschelten. Ihnen stellte ich die selbe Frage wie vorhin und oh Wunder... sie wussten es tatsächlich. Erfreut bedankte ich mich und eilte davon um mir ein Taxi zu nehmen.

Vor dem noblen Hotel standen natürlich, wie erwartet, ein Haufen von Mädchen rum. Ich quetschte mich zwischen ihnen hindurch und gelangte schließlich in die Eingangshalle in der zahlreiche Securitymänner herumstanden, die mich erst nicht durchlassen wollten. Ich versuchte sie verzweifelt davon zu überzeugen, dass ich unbedingt mit Kian Egan sprechen musste, aber sie kannten keine Gnade. Enttäuscht wand ich mich ab, aber da kam schon meine Rettung. Gerade in diesem Moment trat nämlich Wolfgang Joop, der Modedesigner, für den ich auch schon ein paar mal gemodelt hatte aus dem verspiegelten Fahrstuhl. Hektisch winkte ich ihm zu und tatsächlich kam er herüber und führte mich zur Bar. "Danke," stammelte ich bloß und schaute mich in dem edlen Raum um, doch nirgends konnte ich ein Zeichen von Kian erkennen. Ich bestellte mir einen Cocktail und unterhielt mich noch eine Weile mit Wolfgang, bis dieser von seiner Tochter Jette abgeholt wurde und ich wieder alleine darum saß.

Um kurz vor 23 Uhr gab ich schließlich auf und wand mich zum Kellner um die Rechnung zu bestellen, als Kian und Shane auftauchten. Eilig versteckte ich mich hinter einer der hohen Getränkekarten und versuchte angestrengt zu lauschen. Nach zwei Guiness verließen sie wieder den Raum. Vorsichtig folgte ich ihnen zu den Fahrstühlen, wartete bis sie ihr Stockwerk erreicht hatten und fuhr dann in die gleiche Etage. Suchend blickte ich mich um. Sie gingen den langen Gang hinunter und bogen gerade um eine Ecke. Schnell eilte ich ihnen hinterher und sah gerade noch, wie sie in einem Zimmer verschwanden.

Lautlos huschte ich auf die Tür zu und presste mein Ohr daran. Gerade fing Shane an zu reden. "Warum sagst du es ihr nicht einfach?" "Das sagst du so leicht. Ich kann doch nicht hingehen und sagen "Sorry, tut mir leid, aber ich kann dich nicht heiraten. Du bist nicht die Frau meines Lebens." Was soll sie denn dann denken?" "Aber wenn du sie heiraten solltest bist du doch auch nicht besser dran." "Ich weiß. Arrr... ich könnte mir immer noch in den Arsch beißen, weil ich Celine betrogen hab." Ich horchte auf. "Bißchen spät die Einsicht, oder?!" "Ja..." Kians Stimme hörte sich zerknirscht an, als er fortfuhr: "Ich hab sie so geliebt, eigentlich liebe ich sie immer noch."

Überwältigt zuckte ich etwas zurück. Kian liebte mich immer noch?! Meine Gefühle wurden völlig durcheinander gewirbelt und ich musste mich hinsetzten um nicht vor lauter Verwirrung umzufallen. Ich ließ meinen Kopf gegen die Wand sinken, aber plötzlich hörte ich Schritte und sprang eilig von der Tür weg. An der Tür, die nur fünf Zimmer von diesem entfernt war stand ein Hotelangestellter mit einem Essenswagen und blickt mich fragend an. Ich zuckte nur mit den Schultern und machte mich auf den Rückweg.

Mein Herz klopfte wie verrückt, als ich in die kalte Nachtluft heraus trat. Kian war also immer noch in mich verliebt, genauso wie ich in ihn. Zitternd ließ ich mich auf eine Bank sinken.

*~*

Nach ein paar Minuten ging die Tür auf und ein Schwall warmer Luft trat aus dem Inneren heraus. Ich blickte, immer noch ganz verwirrt auf. Es war Kian. Ich wollte ihn gerade ansprechen, als ein Taxi vorgefahren kam, er einstieg und davon fuhr. "Mist", entfuhr es mir, aber irgendwie schien ich Glück zu haben, denn ein weiteres Taxi tauchte auf. Schnell stieg ich ein und befahl dem Fahrer dem Auto mit Kain zu folgen. Nach fast fünf Minuten hielten wir in einem edlen Stadtteil, der nur drei Blocks von meiner Wohnung entfernt lag. Ich bezahlte dem Fahrer und folgte Kian, der gerade ein schickes Haus betrat. Eilig schlüpfte ich durch den Spalt der Tür. Wenn ich langsamer gewesen wäre, wäre ich bestimmt nicht mehr durchgekommen, aber ab und zu konnte man ja mal Glück haben. Kian war bereits in dem Fahrstuhl verschwunden, dessen Türen sich gerade schlossen. Ich blieb davor stehen und schaute auf die Anzeige. Vierter Stock. Ich wand mich zu den Treppen, die direkt neben dem Lift lagen und stieg schnaufend bis ins vierte Stockwerk hinauf.

Als ich die letzte Stufe erklommen hatte klopfte mein Herz wie verrückt. Ich wusste nicht ob es wegen der Anstrengung oder der Aufregung war. Suchend blickte ich mich um. Links und rechts von mir waren zwei edle Holztüren, aber nur eins davon wies ein Namensschild auf. "Walker" stand dort. Also wohnte Kian wohl in der anderen Wohnung. Ich atmete einmal tief ein und aus und drückte dann zaghaft den Klingelknopf. In der selben Sekunde schalt ich mich selbst. Was wenn er nicht alleine war? Oder seine Freundin Jodie bei ihm war? Wie konnte ich nur klingeln? Gerade wollte ich mich wieder abwenden um zu gehen, als die Tür aufging und Kian nur in Jeans und Unterhemd bekleidet, auf der Schwelle erschien. Ich starrte ihn einen Moment lang erschrocken an, dann drehte ich mich wortlos wieder um und rannte die Treppe hinunter. "Celine, warte!" Die Stimme von Kian hallte durch das Treppenhaus. Aufgelöst lief ich auf die Straße. Was war das den jetzt schon wieder? Meine innere Stimme, die sich nach Kian sehnte schimpfte auf die, die die Flucht ergriffen hatte. Warum war ich schon wieder weggelaufen? Hatte ich vielleicht gedacht, dass Jodie bei ihm war, weil er so wenig an hatte? Kopfschüttelnd blickte ich zurück und sah Kian, der, eine Jacke übergeworfen, aus dem Haus stürzte. Er blickte suchend die Straße hinauf und hinunter und rief mir dann hinterher. Nun beschleunigte ich erst recht meine Schritte und versuchte seine Rufe zu überhören. Zitternd kam ich schließlich in Caros und meine Wohnung an.

Schnell eilte ich die zwei Stockwerke hinauf und klingelte Sturm an unsere Wohnungstür. Caro öffnete mir erstaunt. "Was ist los?" "Lass mich rein." Ich drängte mich zwischen ihr durch und warf dann die Tür hinter mir zu. "Was ist denn?" Caro blickte in mein verheultes Gesicht, aber ich lief nur in mein Zimmer, schmiss mich auf mein Bett und zog die Decke über meinen Kopf. Dann fing ich bitterlich an zu weinen. Caro setzte sich zu mir an die Bettkante, strich mir beruhigen über den Rücken und fragte mich vorsichtig aus. Schniefend erzählte ich ihr nun, dass ich wieder mal vor Kian weggelaufen war. Sie hörte mir schweigend zu und reichte mir ein Taschentuch.

Keine fünf Minuten später klingelte es zum zweiten Mal an diesem Abend Sturm an unsere Tür und Caro sprang sofort auf um zu öffnen. Vor ihr stand Kian, der sie erschrocken anstarrte. "Wo ist Celine? Ich will mit ihr reden." "Halloo, erst rennt sie von dir weg und dann willst du mit ihr reden?! Was denkst du dir eigentlich?" "Aber...." Caro ließ ihn gar nicht erst ausreden. "Wegen dir liegt sie jetzt im Bett und heult. Sie..." "Caro. Lass gut sein." Ich hatte mich mittlerweile wieder etwas gefasst, warf ihr einen beruhigenden Blick und schlurfte zur Tür. Caro wand sich immer noch unsicher ab und ging langsam zu ihrem Zimmer. Vorher warf sie Kian noch mal einen wütenden Blick zu.

*~*

"Celine..." Kian starrte mich an, als könnte er immer noch nicht glauben, dass ich es wirklich war. In seinen Augen lag Verwunderung, Schmerz und Hoffnung zugleich. Ich bat ihn wortlos herein und führte ihn ins Wohnzimmer. Beinahe schüchtern ließ er sich auf dem Sofa nieder. Ich wollte anfangen zu sprechen, aber meine Stimme versagte. Nochmals holte ich tief Luft, bevor ich endlich, immer noch stockend, zu sprechen anfing. "Es tut mir leid, dass ich eben einfach weggelaufen bin, aber ich dachte du wärst nicht alleine und zweitens hatte ich plötzlich keinen Mut mehr dir alles zu erzählen." "Ich war alleine." Kian sah mich beruhigend an und ich atmete auf. Zum Glück hatte dann nur er meine peinliche Szene von vorhin mitbekommen. "Also, was wolltest du mir sagen?" Natürlich kam er wie immer direkt auf dne Punkt. "Ich war heute im Hotel und hab mitbekommen was du mit Shane beredet hast." "Deswegen bist du gekommen?" Er blickte mich hoffnungsvoll an." "Nicht nur deswegen. Es gibt da noch was, was du wissen solltest." Tränen traten mir in die Augen, als ich an das dachte, was ich ihm gleich gestehen musste. Auch jetzt, wo das Ganze schon fast vier Monate her war fiel es mir immer noch schwer darüber zu reden. Schniefend wischte ich mir über die Augen. "Weißt du, ich bin damals nur nach London, weil ich es nicht ertragen konnte in dem selben Ort wie du zu leben. Wir hätten uns bestimmt noch mal gesehen und das konnte ich einfach nicht. Nicht nach der Sache mit Caro. Ich war so enttäuscht von dir, als ich das erfahren habe." Wieder stieg die Wut in mir hoch, aber ich versuchte sie zu unterdrücken und zupfte statt dessen mein Taschentuch in tausend Fetzten, die sich um meine Füße herum auf dem Teppichboden verteilten. Kian starrte schweigend auf die weißen Fluseln. "Es tut mir leid", wiederholte er zerknirscht und in seinen Augen sah ich, dass er es wirklich ehrlich meinte. "Auf jeden Fall hab ich gedacht, dass es hier besser wird, und eine Zeit lang ging es auch gut, aber dann..." Wieder musste ich stocken. Wenn ich jetzt weiterredete würde er bestimmt sauer werden oder so was. Vielleicht würde er auch enttäuscht sein. Ich blickt ihn an, um vielleicht schon jetzt, wo noch nichts gesagt war eine Regung in seinem Gesicht zu erkennen, die seine Reaktion voraussagen konnte, aber er starrte mich ausdruckslos an. Ich holte tief Luft. "Ich hatte es erst nicht bemerkt, aber Caro hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich war schwanger." Endlich war es draußen. Ich atmete auf und gleichzeitig schossen mir wieder Tränen in die Augen. Es tat immer noch so weh darüber zu reden. "Du warst schwanger?!" Kian sah mich überrascht an. "Warum hast du mir das nicht erzählt?" "Ich wollte das Kind alleine großziehen, damit ich nicht noch mal von dir enttäuscht werde." Trotzig schaute ich ihn an. Jetzt wurde ich schon wieder wütend auf ihn, obwohl es eigentlich gar keinen Grund gab. "Warum..." Kian konnte auf einmal auch nicht weitersprechen, aber in seinen Augen konnte ich seinen fragenden Blick lesen. "Ich hatte eine Fehlgeburt im dritten Monate," flüsterte ich schließlich und schluchzte heftig auf. Zitternd wischte ich über meine Augen. Meine Wimperntusche war bestimmt schon völlig verschmiert, aber es war mir so egal. "Weißt du, ich hab gedacht du wärst die Liebe meines Lebens..." Wieder musste ich mich schnäuzen. "Ich wollte irgendwann mit dir eine Familie gründen, aber..." Weinend wand ich mich wieder ab und Kian kam auf mich zu. Unbeholfen stand er neben mir und schlang ein Arm um meine Taille. "Es hat sich angefühlt, als wärst du auch gestorben, zumindest ein teil von dir." Immer mehr Tränen liefen über mein Gesicht, als ich ihm von der wohl schlimmsten Zeit nach unserer Trennung erzählte. "Ich wollte es dir eigentlich erzählen, aber immer wenn ich deine Nummer gewählt hab und das Freizeichen hörte legte ich wieder auf. Ich hatte solche Angst vor deiner Reaktion." Kians Hände legten sich vorsichtig auf meine Schultern. "Ich glaub, wenn ich nicht zufällig das Gespräch zwischen dir und Shane mitbekommen hätte, hätte ich es dir immer noch nicht erzählt." Ich wischte mir wieder über die Augen. "Deswegen hab ich auch das Gefühl, dass wir immer noch zusammen gehören." Kian stand immer noch stumm und geschockt neben mir. Ich trat einen Schritt zur Seite und seine Hände fielen von meiner Schulter. "Ich hatte solche Sehnsucht nach dir!" Ermattet ließ er sich wieder auf das Sofa sinken und erzählte mir, wie es ihm während der ganzen Zeit ergangen war. Ich stand neben dem Fenster und starrte in den Nachthimmel, der sehr zu meiner Verwunderung nicht wolkenverhangend war. Ich konnte die wunderschönen Sterne bewundern und sah eine Sternschnuppe. "Ich liebe dich, Celine!" schloss Kian schließlich. Langsam drehte ich mich um. Ein hoffnungsvolles Lächeln legte sich über mein verheultes Gesicht und ich zog meine Nase hoch. Er kam auf mich zu und zum ersten Mal seit unsrer Trennung lagen wir uns wieder in den Armen. Ich fühlte mich so geborgen wie nie und wusste, dass wir einfach füreinander bestimmt waren. Zum letzten Mal an diesem Abend weinte ich meine Tränen, die dieses mal auch Glückstränen erhielten heraus, während mir Kian sanft über den Rücken streichelte.

Die restliche Nacht unterhielten wir uns über unsere Leben, dass wir nach der Trennung geführt hatten und wie wir uns unsere Zukunft vorstellten, denn eins war klar. Wir wollten auf jeden Fall zusammenleben, egal was die Presse über unser Leben schreiben würde oder welche Gerüchte über mich in den Zeitungen stehen würde. Unser gemeinsames Leben sollte nicht zu Grunde gehen. Unsere Liebe würde das durchstehen.

*~*

Gegen früh morgens war ich so erschöpft, dass ich, gegen Kians Schulter gelehnt einschlief, während er mir sanft durch die Haare strich.

Caro weckte uns um kurz vor 11 Uhr, da ich noch ein Fotoshooting hatte. Wir frühstückten gemeinsam und irgendwie fühlte es sich für mich so an, als wäre es schon immer so gewesen. Gegenseitig fütterten wir uns und Caro, die unsere Turtelei satt hatte verschwand in ihrem Zimmer.
Mit Kian verstand ich mich noch besser als zuvor, nachdem wir uns die Nacht zuvor alles von der Seele geredet hatten. Man konnte sagen, dass ich einfach nur megaglücklich war und mich auf die nächste Zeit freute. Womit ich gar nicht so schlecht lag, denn es wurden wirklich acht wunderschöne Monate, bevor ein Ereignis unser bisheriges Leben veränderte.

*~*


"Kian, ich muss dir was zeigen..." Vorsichtig ließ ich mich auf seinem Schoß nieder. "Was gibt’s?" Er umfasste meine Hüften und küsste mich liebevoll. Leicht versuchte ich aus dem Kuss herauszukommen. "Kian, wenn du mich so weiter küsst, was ich sehr zwar liebe, zeige ich dir aber nicht was ich für dich habe." Kians Grinsen wurde zu einem traurigen Lachen. "Du bist aber so unwiderstehlich, dass man dich einfach küssen muss...außerdem hat dich dein Held vermisst..." "Ach ja hatte er das?" " Ja so sehr das er sich um seinen Schatz Sorgen macht, ob sie nicht beim Shoppen in einem Geschäft am Wühltisch spurlos verschwindet." Ich streichelte Kian ein wenig an der Wange bis er mich wieder anlächelte. "Dann zeigen sie bitte Madame was sie für mich haben." Lächelnd zog ich ein Ultraschallbild aus meiner Hosentasche und reichte es ihm. Er blickte mich erstaunt an, dann fing er an zu strahlen. "Meine Prinzessin...", flüsterte er immer wieder, während er mir behutsam über den Bauch streichelte. "Ich weiß gar nicht was ich sagen soll." Er starrte mich immer noch an. "Ich freu mich so wahnsinnig." Wieder gab er mir einen Kuss. "Ich hab’s heute erfahren." "Mh..." Er streichelte mich immer noch und zog mich schließlich zu sich auf die Couch, wo wir in einem innigen Kuss versanken, bis wir von einem Klingeln gestört wurden.

Kian löste sich langsam aus unserem innigen Kuss und wollte öffnen, aber ich umklammerte ihn mit meinem Beinen, so dass er mich wohl oder übel zur Tür schleppen musste. "Langsam wirst du schwerer Süße." "Boah das ist ne Frechheit von dir." Ich knuffte ihn in die Wange und er schrie ein leichtes "Autsch". "Bist du doch selbst dran schuld." "An was?" Irgendwie kam er bei meinen schnellen Gedankensprüchen nicht immer hinterher. "Wenn du mich nicht geschwängert hättest wär ich auch leichter." Kian grinste nur als er das hörte und wand sich dann doch zur Tür, denn mittlerweile hatte es schon zum zweiten Mal geläutet. "Jaja," brummte er riss ungeduldig die Tür auf.

Shane und Gillian standen davor. "Na das ist mir einen Methode, die Tür auf zu machen." Shane grinste uns an, während ich langsam an Kian hinunter auf den Boden glitt. "Hallo erst mal," begrüßte uns Gillian und drückte Kian und mir ein Kuss auf die Wange. Shane umarmte seinen Bandkumpel kurz. "Dich hat man ja auch schon lang nicht mehr gesehen", meinte er an mich gewandt und schloss mich in die Arme. "Ja, ich hatte bisschen Stress wegen der Arbeit und so, aber wenn du mich weiter so drückst dann zerdrückt du mein, ähm... ich meine mich." "Oh sorry." Grinsend gab er mir ein Bussi und sie folgten und ins Wohnzimmer. Während Shane und Gillian Platz nahmen verschwanden Kian und ich kurz in der Küche um etwas zum Trinken und Naschen zu holen. "Celine, du altes Plappermaul. Beinah wäre dir was rausgerutscht, was du eigentlich noch nicht sagen solltest." "Ich weiß, tut mir Leid, aber ich bin so froh dich und unser Baby zu haben, das ich mich nicht kontrollieren kann." "Ist schon gut Süße." Kian umarmte mich von hinten und strich mir über meinen Bauch. "Ich liebe Dich Celine."

Freudestrahlend gingen wir wieder ins Wohnzimmer wo Shane und Gillian es sich bereits gemütlich gemacht hatten. Nachdem ich die Gläser hingestellt hatte, setzte ich auf Kians Schoß. Ich gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange und wollte die Ruhe unterbrechen die auf einmal eingekehrt, doch Gillian übernahm das Wort. "Kommst du eigentlich auch mal wieder mit auf ein Konzert? Geo hat nämlich auch schon nach dir gefragt." "Ja klar. Ich kann euch doch nicht mit den Männern allein lassen." Ich grinste sie an. "Och... mittlerweile haben wir sie klein." Shane grinste seine Frau an. "Nicht war Kian?!" "Aber echt!" Auch er musste lachen. "Okay," Shane griff nach den Bierflaschen, die auf dem Tisch standen und reichte uns und Gil jeweils eine. "Auf das wir wieder die Herrschaft über unsere Frauen gewinnen." Sie stießen unter Gils und meinem empörten Gekicher an und leerten auf einem Zug fast die Hälfte der Flasche. Gil sah ihnen kopfschüttelnd zu und nahm dann ebenfalls einen Schluck, aber ich stellte das Bier unbeachtet wieder auf den Tisch. Jetzt wo ich schwanger war wollte ich wirklich alles tun, damit es dem Kind gut ging. Gil schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und grinste dann leicht. Ich bemerkte ihren Blick und legte warnend den Zeigefinger auf meinen Mund. "Wollt ihr noch was trinken?" "Klar." Shane war zwar in seiner Unterhaltung mit Kian vertieft, aber das hatte er natürlich mitbekommen. Schweigend stand ich auf und ging hinüber zur Küche. Wie erwartet folgte mir Gillian. "Sag mal kann es sein, dass es Neuigkeiten gibt?" Grinsend schaute sie zu mir herüber. "Och, wie kommst du darauf?!" Ich beobachtete sie amüsiert. "Also doch?!" Ich nickt bloß. "Oh man, ich freu mich so für dich! Komm her." Sie kam hinüber und umarmte mich fest. "Darf ich mal?" Sie hockte sich hin um an meinem Bauch zu horchen, wo sie natürlich nichts hörte, denn das Baby war ja noch klein. "Aber sag Shane bitte noch nichts davon, okay?!" "Klar. Ich bin ja mal gespannt, wann der mal damit anfängt." "Ich dachte ihr habt schon mal darüber gesprochen." "Ja, aber er meinte wir sollten noch ein bisschen warten." "Auf was sollt ihr warten?" Kian kam zu uns in die Küche um nach dem Bier zu schauen. "Mit Kindern," antwortete Gil. "Oh, du weißt es?!" "Ja, ich hab’s ihr gesagt, aber sie wusste es auch schon vorher. Sei nicht böse, okay?!" "Nee, schon okay, aber..." "...aber ich erzähl Shane nichts. Ich weiß," lachte Gil. "Na dann ist ja alles gut." Grinsend schnappte er sich die letzten zwei Flaschen Bier, die noch im Kühlschrank lagen und ging dann wieder hinüber zu seinem Bandkumpel um weiter über die bevorstehende Asientour zu reden.

Erst am späten Abend machten sich die beiden schließlich auf den Nachhauseweg. Shane war immer noch ahnungslos, was die sache mit dem Baby anging und Gillian war zum Schweigen verpflichtet worden, auf das ich mich auch hundertpro verlassen konnte.

*~*

Ich modelte noch fast vier Monate. Die Designer wussten allerdings von meiner Schwangerschaft, so dass sie versuchten mir Modele zu geben, die mein doch schon ziemlich sichtbares Bäuchlein zu verbergen, denn die Presse hatte zum Glück noch nichts davon erfahren. Es hatte eh ziemlich lange gedauert, bis sie wussten, dass Kian wieder mir zusammen war. Erst als sie Jodie knutschend mit einem anderen Typen gesehen hatten war es herausgekommen Ich hatte keine Probleme damit. Die ganze Zeit von Paparazzis belästigt werden war sowieso nicht das Tollste. Und solange die Presse noch nicht wusste, dass ich schwanger war würden sie mir auch nicht irgendwo auflauern.

Die nächste Zeit verbrachte ich also in unserer Wohnung. Erst vor kurzem war ich wieder zurück nach Sligo und zu Kian gezogen. Er hatte ein schönes Haus auf dem Land gekauft, in dem wir nun bis zu unserem Lebensende leben wollten. Verheiratet waren wir zwar noch nicht, aber sobald unser erstes Kind da wäre, wollten wir das nachholen. Meine Schwangerschaft verlief im Großen und Ganzen ziemlich unproblematisch. Als mir das Baby zum ersten Mal einen Tritt versetzte war ich zwar etwas erschrocken, aber mittlerweile hatte ich mich an das täglich Ritual gewöhnt, mit dem es mich jeden Morgen fast immer zu selben Zeit weckte.

*~*

Drei Monate später fuhr ich mit Kian nach Dublin, da er einen Termin mit der Band hatte, den ich prima mit meinem Frauenarztbesuch und einer Shoppingtour zusammenlegen konnte. Ich war schon im siebten Monat und dementsprechend sah mein Bauch aus. Man konnte ihn einfach nicht mehr übersehen und in meine alten Klamotten passte er auch nicht mehr rein, deswegen musste ich unbedingt ein paar neue Kleider haben, zumal in einer Woche die Geburtstagsfeier von meiner Mutter stattfinden sollte, auf der ich nicht in einem Hauszelt herumlaufen wollte. Während ich durch die Straßen von Dublin zog und hin und wieder stehen blieb um mir eine Schaufensterauslage zu betrachten bekam ich ein paar Tritte von unserem Sohn. Heute hatte ich erfahren, dass es ein Junge werden würde und war einfach glücklich darüber. Kian wusste noch nichts davon, aber ich wollte es ihm heute Abend persönlich sagen. Lächelnd blieb ich vor einem Laden mit Babyklamotten stehen. Der hellblaue Strampler sah aber auch zu süß aus. Eigentlich könnten wir ja schon mal langsam damit anfangen für unseren kleinen Sohn einzukaufen. Ich schaute wieder auf und entschloss mich gerade dafür hineinzugehen, als ich Caro auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdeckte. Was machte sie den hier? Ich hatte sie schon ewig nicht mehr gesehen, weil sie beruflich so viel zu tun hatte und außerdem immer noch in London lebte. "Caro, Caro" Hektisch winkte ich ihr zu, denn sie betrachtete die Geschäftsauslagen und schien anscheinend nichts mitzubekommen. Ah, sie hatte mein doch ziemlich lautes Organ nicht überhört und wand den Kopf um nach mir zu sehen, aber ich war bereits auf die Straße gelaufen um sie zu begrüßen. Plötzlich quietschten Reifen und ich zuckte zusammen. Gerade noch konnte ich Caro’s entsetzten Blick und ein Auto erkennen, dass auf mich zu schoss. Ich merkte wie ich auf die Kühlerhaube flog, dann wurde alles schwarz um mich herum...

Kian saß zusammengesunken im Krankenhaus. Mark kam zu ihm und legte ihm tröstend die Hände auf die Schultern, aber im Moment konnte ihn wirklich nichts trösten. Ihr Baby musste durch einen Kaiserschnitt geholt werden und war trotz allem munter, aber Celine... Wieder schossen ihm Tränen in die Augen. Er wusste noch nicht wie es um sie stand, aber die Ärzte operierten schon seit fast drei Stunden. "Wie geht es Celine?" Shane kam in den Raum gestürzt. Kian schüttelte nur den Kopf und so wand er sich mit einem fragenden Blick an seine Bandkumpels. Aber auch die blickten nur mit einem traurigen Blick umher. Schweigend setzte er sich neben sie.

Caro die den Unfall miterlebt hatte und unter großen Schock stand wurde nun, im Beisein von einem Arzt zu ihnen geführt. "Kian." Sie ging vorsichtig auf ihn zu, aber er sah sie nur traurig an. "Warum hast du den Unfall nicht aufgehalten?" Er sah sie verzweifelt an. "Es tut mir leid, aber der Autofahrer, er war plötzlich da und ist über die rote Ampel gefahren." Sie fing an zu weinen. "Wird sie durchkommen?" "Ich weiß es nicht." Kian versuchte stark zu klingen, aber er zitterte. "Celine wird kämpfen! Sie wird es schaffen!" Caro nahm ihn in den Arm, er ließ seinen Kopf auf ihre Schultern singen und begann hemmungslos zu weinen.

*~*

"Mr. Egan?!" Kian sprang auf und blickte in das gütige, aber besorgte Gesicht des Arztes. Er musste schlucken. "Wird sie... wird sie durchkommen?" Er stockte und blickte den Mediziner gequält an. "Wir wissen es nicht. Sie liegt im Koma. Wir geben ihr eine Chance von 50%." Kian schluchzte auf und wand sich mit Tränen in den Augen ab. Hinter ihm standen bereits die anderen Westlifeboys, die versuchten ihn zu beruhigen. "Wenn sie wollen können sie aber ihr Kind sehen. Es liegt zwar noch im Brutkasten, aber es ist gesund." Er lächelte ihn aufmunternd an. "Danke", stammelte Kian. "Kann ich auch zu Celine." "Aber nur kurz." Er nickte schweigend und folgte dem Arzt in die Intensivstation.

Er bekam einen grünen Mantel, den er anziehen musste. Celine lag wie ein Engel im Bett. Doch sie war an Hunderte von Schläuchen und Maschinen angeschlossen und sah kraftlos aus. Kian ging langsam auf sie zu und ergriff ihre Hand. Wieder rannten ihm Tränen über die Wange. "Bitte Celine komm zurück... Ich brauch dich doch." Er drückte ihre Hand, in der Hoffnung dass sie es spüren konnte. An der Fensterscheibe erschien das Gesicht einer Krankenschwester, die ihn wieder herauswinkte. "Ich liebe dich", flüsterte er nochmals, bevor er sich schweren Herzens von dem Bett erhob. Noch kurz gab Kian Celine einen Luftkuss, bevor er der Schwester, die ihm Mut machen wollte, auf die Babystation folgte.

"Bitte sehr, hier auf dieser Station liegt ihr Sohn." Kian ging ganz langsam zum Brutkasten. Ihm traten wieder Tränen in die Augen, als er das kleine Wesen ansah, dass ebenfalls an zahlreiche Schläuche angeschlossen war. "Du kommst ja total nach mir mein Kleiner...und siehst genau so süß aus wie deine Mama." Kian hätte sein Kind am liebsten auf den Arm genommen, doch das ging natürlich nicht. "Mein süßer Engel...." Ergriffen und tränenblind schaute er immer noch auf seinen kleinen Sohn, der bereits seine kleinen Fingerchen öffnete und wieder schloss. Er blickte auf und wischte sich mit den Ärmeln über die Augen. "Deine Mama hätte wohl gewollt das du John Francis heißt..." flüsterte er schließlich, bevor er die Station verließ.

*~*

Niedergeschlagen stapfte Kian ins Wartezimmer wo die anderen immer noch auf ihn warteten. Mark war der Erste, der ihm in den Arm nahm und die anderen folgten ihm zugleich. Caro, die sich irgendwie fehl am Platz vorkam unterbrach die Umarmung, indem sie fragte wie es denn nun Celine und dem Baby ginge. Bevor Kian ihr antworten konnte, betraten Gillian und Georgina das Wartezimmer. "Oh Gott Kian, du siehst ja schlimm aus. Wie geht's Celine und dem Baby?" fragte Gillian. "Celine geben sie eine Chance von 50 % und der Kleine ist zwar ein Frühchen, doch ihm geht es bestens." "Hey, sie wird das schon schaffen! Sie ist doch eine starke Frau!" Nicky umarmte ihn nochmals um ihm Mut zu machen. Nach und nach verließen sie dann die Klinik und nur noch Kian und Caro blieben übrigm denn Caro sollte von einer Freundin abgeholt werden. Nach einer Stunde, die die beiden aber schweigend verbracht hatten kam sie auch endlich. Erleichtert sprang Caro auf. "Tschüss Kian." "Tschüss." Kian blickte kurz auf. "Celine wird es schaffen, da bin ich mir ganz sicher!" Kian nickte nur stumm mit dem Kopf. Er hoffte es auch, aber trotzdem blieben die Zweifel.


Wochenlang lag Celine im Koma. Kian wachte an ihrem Bett wann immer er konnte. Die Tournee hatten Westlife ihm zulieben so gelegt, dass er zwischen den einzelnen Auftritten immer wieder seine Freundin und John-Francis besuchen konnte. Ihr gemeinsamer Sohn lebte mittlerweile bei Kians Schwester .... Er hatte ihn mit Absicht dort hingegeben, denn durch die Tour mit Westlife und die Sache mit Celine hatte er nicht viel Zeit für ihn, aber wann immer er in Irland war beschäftigte er sich wenigstens kurze Zeit mit John, bevor er in die Klinik fuhr um Celine über sein Leben bei Westlife und ihren Sohn zu erzählen. Zwar rührte sich Celine nicht und der Anblick, den sie bot war wirklich erschreckend, aber Kian hoffte, dass sie ihm trotzdem zu hören würde, wenn er ihr die neusten und lustigsten Storys erzählte und ihr Lieblingslied von Bon Jovi spielte. Für ihn war es schwer. Immer wenn er an ihrem Bett saß musste er den tapferen Helden spielen, den er in Wirklichkeit gar nicht war. Schon mehrmals hatte er sich sogar überlegt bei Westlife auszusteigen um mehr zeit für Celine zu haben, aber dann hatten ihn die Aufmunterungen von Nicky, Shane und Mark wieder zur Besinnung gebracht.

Auch heute war er mal wieder auf den Weg in die Klinik. Diesmal hatte er sogar John-Francis dabei, denn er wollte diesmal versuchen, ob sie auf die Nähe von ihrem Sohn reagieren würde. Die Ärzte hatten Celine schon lange aufgegeben und ihm schon mehrmals den rat gegeben die lebenserhaltenden Maschinen abzustellen, aber Kian hatte sich strikt geweigert. Er wollte nicht, dass er über das Leben von seiner großen Liebe bestimmen konnte, außerdem hoffte er in seinem tiefsten Inneren immer noch auf ein Wunder. Das dieses Wunder auch bald geschehen sollte, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen...

"Schau mal wen wir da haben." Kian trug John-Francis auf dem einen Arm und stieß mit dem anderen die Tür zu Celines Zimmer auf. Immer noch lag sie blass und in weiße Decken gehüllt in ihrem Bett. Zig Schläuche waren an ihr befestigt, die an alle möglichen Maschinen angeschlossen waren und ein regelmäßiges, aber nervtötendes Piepsen hallte durch den Raum. Kian seufzte und schloss mit einem Fußtritt die Tür. John blickte sich mit seinen großen blauen Augen im Raum um. Er war zu klein um zu begreifen wo er war und wer die schmale Frau auf dem Bett war. "Das ist deine Mama." Kian ging zu Celine hinüber und küsste sie auf die Stirn. "Hallo mein Schatz. Ich hab John-Francis dabei, damit du ihn mal kennen lernst und ich nicht immer nur von ihm erzählen muss. Er ist jetzt schon fast zwei Monate alt." Er zog den Hocker unter ihrem Nachttisch hervor, stellte seine Blumen in die Vase und nahm dann vorsichtig Johns Hand um sie in Celines zu legen. Aber der Kleine zuckte erschrocken zurück und begann zu quengeln. "Sch... Ist doch alles in Ordnung." Diesmal zog er Celines Hand, zu sich und ließ sie sanft über Johns Ärmchen wandern. Dabei beobachtete er ihr Gesicht. Er hatte das Gefühl, dass sich ein leichtes Lächeln über ihr starres gesicht schob, aber im selben Moment war es auch wieder vorbei. Kian seufzte. Es wäre ja auch zu schön gewesen. John weinte immer noch leise vor sich hin, so dass er aufstand um ihn ein wenig herum zu tragen. Sein Blick fiel auf den Cdplayer. Natürlich, wenn er nicht schlafen konnte legte seine Schwester immer eine Cd von Westlife ein um ihn zu beruhigen. Kain betete im Stillen, dass dies jetzt auch klappen würde, denn er spürte, dass er sich mit der Situation bald überfordert fühlen würde. Er wühlte in der Tasche herum, die er immer mit ins Krankenhaus nahm. Wo war nur diese Cd? Die einzige, die er fand war eine von Bon Jovi. "Naja, vielleicht stehst du ja auch darauf." Er küsste John sanft auf die Haare und drückte dann auf Play. Keine zwei Sekunden später wurde das Piepsen des Überwachungsgerät von der Melodie von "Bed of Roses" begleitet. Kian ließ sich wieder neben Celine nieder und begann ihr von seiner letzten Woche zu erzählen. John lauschte währenddessen mit verzücktem Gesichtsausdruck der Stimmer von Jon Bon Jovi. Er lag noch immer in Kians Armen, hatte aber aufgehört zu weinen und brabbelte vor sich hin. Kian musste lächeln. In seinem kleinen Gesicht konnte man ab und zu den selben Ausdruck erkennen, wie es früher bei Celine gewesen war. Er vermisste es so sehr. Schnell wischte er sich mit den Händen über die Augen. Er wollte jetzt nicht weinen. Wenn Celine wirklich alles mitbekam, wollte er nicht, dass sie irgendwie beunruhigt wurde. Er ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen. Die milde Frühlingssonne warf kleine Flecken auf den grauen Fußboden und die Gardinen wehten im schwachen Wind. Eigentlich sah das alles gar nicht nach Krankenhaus aus, aber im Zimmer hörte man nun mal dieses ständige Piepsen und sah die riesigen Apparate. Kians Blick fiel auf den Monitor. Die grüne Linie, die die Herztöne aufzeichnete verlief so regelmäßig wie eh und je. Aber nein. Etwas war anderes, dass Kian das Herz stocken ließ. Die Abstände waren nicht mehr so regelmäßig, wie sie die ganzen Wochen über gewesen waren. Sie wurden kürzer. Gespannt starrte er auf den Monitor. Vielleicht war er auch einfach nur durcheinander, so dass er schon irgendwelche Geister sah. Sein Blick wanderte von der grünen bergigen Linie hinunter zu Celines Gesicht. Hatte sie nicht gerade mit den Wimpern gezuckt? Sein Herz klopfte wie wild. Sollte jetzt etwa sein größter Wunsch war werden? Seine Finger tasten blind nach dem Alarmknopf, denn er wollte seine Augen auf keinen Fall von ihr abwenden. Keine halbe Minute später stürzten zwei Krankenschwestern gefolgt von einem Arzt in den Raum. Sie sahen ebenso überrascht auf den Monitor, dann wandten sie ihre Blicke zu der schwachen und gebrechlich wirkende Frau. Tatsächlich! Ihre Augenlider zitterten und öffneten sich einen schmalen Spalt breit. Kian sprang von seinem Hocker auf, so dass dieser polternd zu Boden fiel und John schon wieder anfing zu weinen. "Celine," flüsterte er. "Celine, hörst du mich?" Ihre Augenlider hoben sich wieder ein bisschen und ein leichtes Lächeln fiel über ihr Gesicht. "Celine." Ergriffen packte Kian ihre Hand und Tränen liefen über seine Wangen. "Celine." Er starrte auf ihre Finger, die sich öffneten, und langsam um seine legten. "Oh Celine." Diesmal fing er wirklich an zu weinen. Schluchzend ergriff er ihre Hand und ließ sich auf den Fußboden sinken. Auch die Ärzte, die bis jetzt schweigend zu gesehen hatten, strahlten übers ganze Gesicht. "Mr Egan, mir scheint ihre Freundin wird wieder zurückkommen." Kian lächelte. "Ich wusste es," murmelte er noch leise, dann nahm er John und drückte ihn glücklich an sich, während der Druck in seine Hand immer stärker wurde...

Noch knapp eine halbe Stunde saß er nun neben mir, bis ich endlich die Kraft fand etwas zu sagen. Er blickte auf und sah in mein Gesicht, denn ich flüsterte seinen Namen.Immer noch war er sprachlos, aber ich lächelte bloß und wollte wieder die Augen schließen, aber Kian hielt mich auf. "Celine, schau mal." Er hob ein kleines Baby hoch, dass mich mit großen blauen Augen, Kians Augen, anblickte. "Oh." Ein Lächeln machte sich auf meinem Gesicht breit. "Es ist also doch war?!" "Natürlich, es ist unser Sohn." Ich nickte stolz. Ich war noch zu benommen um etwas Vernünftiges sagen zu können.

In den nächsten Tagen verbesserte sich meine Situation stetig. Mittlerweile konnte ich sogar wieder ohne große Mühe sprechen, obwohl ich noch immer ziemlich müde war. Kian wachte immer noch an meinem Bett. Westlife hatten ihre Konzerte verschoben, so dass er Tag und Nacht bei mir bleiben konnte, was ihn jetzt mit Glück ausfüllte. "Celine ich bin so glücklich," sagte er wohl zum tausendsten Mal an diesem Tag. "Ich weiß." Ich lächelte ihn an. "Ich bin auch glücklich. Die Engel waren es." "Was, was waren die Engel?" Kian starrte mich verständnislos an. "Ich hab ein Engel gesehen. Er hat mir von deinem Leben erzählt und von John und von unserer Zukunft. Ich hab gespürt, dass ich wieder zu dir musste, aber ich konnte nicht, weil ich keine Kraft hatte, aber dann ist noch ein Engel gekommen und dann haben sie mich zurück gebracht." Mit zitternder Stimme schloss ich meine Erzählung. Kians Hände legten sich über meine und er drückte sie ganz fest. Er hatte zwar nur Bruchstücke verstanden, aber ich hoffte, dass er wusste von wem ich sprach. Immer wieder hatte ich ihn während, der Zeit, wo ich im Koma lag gesehen, aber immer wenn ich ihm was sagen wollte, wollte meine Stimme mir nicht gehorchen, bis auf einmal diese Engel kamen, die mir Kraft gaben wieder zurück auf die Erde und ins Leben zu kehren...

Zwei Wochen später konnte ich endlich die Klinik verlassen. Als ich zu Hause ankam brach ich erst mal in Tränen aus. Es war so schön wieder daheim zu sein und meine Eltern und Freunde zu sehen. Natürlich hatten sie mich alle im Krankenhaus besucht, aber zu Hause in den eigenen vier Wänden kam es mir so vor, als würde ich sie zum ersten Mal wieder sehen. Ich war so glücklich mit Kian und John-Francis. Natürlich musste sich der Kleine erst mal an mich gewöhnen, denn er hatte so lange bei Kians Schwester gelebt, aber ich war mir sicher, dass wir auch dieses "Hindernis" noch aus dem Weg räumen konnten und zusammen alt werden konnten, wie es mir die Engel gezeigt hatten...