Kian öffnete wie in Zeitlupe die Augen als das fahle Sonnenlicht, welches durch die getönten Scheiben des Hotelzimmers fiel, sein Gesicht traf. Müde rieb er sich mit Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand über seine geschlossenen Augenlieder während er mit der linken Hand nach dem digitalen Radiowecker auf seinem Nachttisch griff. Blinzelnd versuchte er die darauf projizierten roten Ziffern zu fokussieren, scheiterte jedoch kläglich und schob den Wecker zurück auf seinen Platz auf dem weißen Spitzendeckchen. Gähnend drehte er dem Fenster den Rücken zu und versuchte noch ein wenig Schlaf zu finden. Doch an Schlaf schien für ihn an diesem Tag nicht mehr zu denken. Nur wenige Augenblicke nachdem er sich, mit dem Vorsatz vor dem Mittag die Augen nicht wieder zu öffnen, in die Decke gewickelt hatte wurde er auf die leise Musik aufmerksam die im Nebenzimmer lief. Barry White? Kian setzte sich auf und starrte auf die geschlossene Tür die sein recht kleines Schlafzimmer vom Rest der Hotelsuite abtrennte. Hatte er in der vergangenen Nacht vergessen die Musik auszumachen? Er konnte sich nicht einmal daran erinnern sie angemacht zu haben, geschweige denn daran wie er zurück in das Hotel gekommen war. Ohne seinen Blick von der geschlossenen Tür abzuwenden griff seine linke Hand erneut nach dem Radiowecker. 12:32 leuchtete ihm in großen, roten Ziffern entgegen die ihm bedeuteten dass es von Anto, sobald er Kian zu fassen bekam, eine gehörige Standpauke geben würde. Seufzend schloss er die Augen und lies den Wecker zurück auf seinen Platz fallen als.... Kian atmete auf. Es war Freitag. Frei in jedem erdenklichen Sinn. Dankbar faltete er die Hände und lies sich zurück in die Kissen fallen. Vor dem Abendessen und dem danach anstehenden Abflug in Richtung Heimat würde ihn niemand aus dem Bett bekommen. Entschlossen verschränkte er die Arme hinter seinem Kopf und stöhnte zufrieden. Was gab es schöneres als einen freien Tag in einer Stadt wie Stockholm? Er würde den Tag über ausschlafen, abends gut essen gehen und anschließend vielleicht mit den Jungs einen Drauf machen, so wie vergangene Nacht. Ein stechender Schmerz durchfuhr seinen Kopf als er an den gestrigen Abend dachte und lies ihn zusammen zucken. Bilder, zusammengeschnitten wie in einer Fotomontage, erschienen vor seinem geistigen Auge. Er, Shane, Bryan und Mark hatten das Hotel ziemlich bald nach dem Abendessen verlassen und waren in einen der nobelsten und gefragtesten Club in ganz Stockholm eingekehrt, in den Nicky, der zuvor noch mit Georgina telefoniert hatte, ihnen bald darauf gefolgt war um mit ihnen das letzte Konzert auf ihrer Europatour zu feiern bevor es zurück nach Hause ging. Eigentlich hatten sie sich beschwert, wollten gleich nach dem Konzert wieder nach Hause um bei ihren Familien und Freunden zu sein, doch im nachhinein war man sich einig dass es um einiges mehr Klasse hatte das Ende ihrer erfolgreichsten Tour bis dato in einem noblen Club mit Champagner und Erdbeeren zu feiern als in einem überfüllten Flugzeug mit Dosenbier und Sekt aus Plastikbechern. Während er so darüber nachdachte was er mit Colm, der ihn zuhause sicherlich schon sehnsüchtig erwartete, als erstes anstellen sollte glitt sein Blick durch das Zimmer und blieb an dem mächtigen Deckenventilator hängen der dort oben an der Decke für gewöhnlich seine Runden drehte. Doch statt für kühle Luft zu sorgen, sorgte er bei Kian in diesem Moment nur für Verwirrung. Wieso um alles in der Welt hing sein beiges Hemd, wessen er sich sicher war dass er es in der vergangenen Nacht noch am Körper getragen hatte, über einem der fünf großen Rotorblätter? Scheinbar hatte er doch ein oder zwei Drinks zuviel gehabt. Seufzend griff er neben sich um sich ein weiteres Mal von der fortgeschrittenen Uhrzeit zu überzeugen. 12:39. Kein Zweifel, er hatte bis in den Mittag hinein geschlafen. Grinsend stellte er fest dass er genau das schon lange nicht mehr gemacht und dringend gebraucht hatte. Er wollte den Wecker gerade zurückstellen als ihm seine Boxershort auffiel die kunstvoll dekoriert über der Nachttischlampe hing. Verstört richtete er sich auf seinem Ellenbogen auf und starrte auf seine blau-weiß karierte Satinboxer bevor er die Bettdecke vorsichtig ein Stück anhob um nachzusehen was sich darunter befand. Okay, nackt hatte er schon seit seinem dreizehnten Lebensjahr nicht mehr geschlafen.
Er wollte die Bettdecke ganz von sich schälen um aufzustehen und das Lied, das mittlerweile zum dritten Mal in Folge lief, abzustellen als ihm auffiel dass im Badezimmer, dass mit einer Wand genau an das Schlafzimmer angrenzte, die Dusche lief. Hatte er in seinem Rausch die Dusche angelassen als er letzte Nacht auf das Zimmer kam? Oder hörte er die Geräusche aus der Nachbarsuite so deutlich dass er nur dachte es käme aus seinem Bad? Er teilte sich das Zimmer schon seit langem mit keinem der Jungs mehr, das kam also auch nicht mehr in Frage. Was zur Hölle war in der letzten Nacht passiert an was er sich jetzt nicht mehr erinnern konnte?

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"Kian, bist du soweit?" Bryan klopfte energisch gegen die dunkle Holztür hinter der sich Kians Hotelsuite verbarg und sah ungeduldig auf die Uhr. "Okay du hast noch genau zwei Minuten dann gehen Mark, ich und das Taxi das unten auf uns wartet ohne dich auf die Piste."
"Ist ja gut, ist ja gut." murmelte Kian, der im selben Moment die Tür öffnete, und warf Shane einen bitterbösen Blick zu. "Meine Haare liegen nicht."
"Du siehst gut aus, Ki." versuchte Shane seinen Freund schulterzuckend aufzuheitern, doch der schnaufte nur kurz, schloss die Zimmertür und lief über den mit rotem Teppich belegten Gang zum Fahrstuhl.
"Das kann ja ne witzige Sache werden." freute sich Mark enthusiastisch und blickte Shane böse an bevor er sich Kian anschloss.
"Ist heute Es-macht-Spaß-auf-Shane-rumzuhacken-Tag oder warum lasst ihr all euren Frust an mir aus?" maulte Shane genervt und stieg als erster in den Fahrstuhl.
"Du hast gut reden." entgegneten Kian und Mark fast im Chor und sahen sich milde lächelnd an.
Und das hatte Shane wirklich. Denn im Gegensatz zu ihm wurden Mark und Kian bereits seit Tagen, wenn nicht sogar Wochen, von Sam, ihrer Stylistin, fertig gemacht. Egal wie sehr die beiden sich auch bemüht hatten, Sam hatte immer etwas auszusetzen gehabt. Sei es Marks Speckröllchen, die mit jedem Besuch bei McDonalds größer und damit unter den Bühnenoutfits sichtbarer wurden, seine Haare die er sich ungefragt eigenhändig wieder abrasiert hatte oder Kians abgekaute Fingernägel sowie sein 3-Tage-Ziegenbart den er partout nicht aufgeben wollte. Es hätte ihn 30 statt 3 Tage gedauert ihn wachsen zu lassen, da würde er ihn sich nicht von ihr binnen weniger Minuten wieder stutzen lassen. Okay, die beiden zeigten sich im Gegenzug auch nicht wirklich kooperativ was ihr Styling anging, doch Sam schien vergessen zu haben dass Kian und Mark eigentlich ihre Chefs waren und sie bloß die niedere Angestellte. Als Kian sie das unfreiwilliger Weise einmal hatte spüren lassen, nämlich als er sie vor der versammelten Mannschaft im Speisesaal lächerlich gemacht hatte als sie sich zu ihnen setzen wollte und er ihr erklärt hatte dass die Angestellten einen eigenen Tisch hätten, hatte sie ihm zwar nicht gezeigt wie sehr sie das getroffen hatte, doch von diesem Zeitpunkt an hatte sie ihn spüren lassen welchen Hass sie auf Leute wie ihn, Snobs wie ihn, verspürte.
Dabei war Kian eigentlich gar nicht so. Er mochte Sam. Gut, sie war aufmüpfig, hatte ein unglaublich großes Mundwerk und gab zu allem ihren Senf dazu - gefragt oder ungefragt. Aber sie hatte ihren eigenen Kopf und war unheimlich klug. Und sie war hübsch. Nicht Model hübsch, so wie man es von Kians Begleitungen stets gewohnt war, aber sie hatte etwas in ihrem Wesen dass Kian vom ersten Moment in ihren Bann gezogen hatte. Sam, die eigentlich Samara Hazel O’Brien hieß, hatte schokoladenbraunes, seidiges Haar dass ihr bis knapp über das Steißbein reichte und große funkelnde Rehaugen die ihn selbst während der Show, wenn Sam an den Bühnenrand kam um sich ihr Werk zu betrachten, nicht los ließen denn immer wenn er zur rechten Ecke der Bühne blickte, dort wo Sam jeden einzelnen Abend stand, spürte er dieses warme Gefühl in sich aufsteigen dass er erst wieder los wurde wenn er am Abend einschlief.
Oft hatte Kian nachts wachgelegen und sich gefragt wie er einen Menschen gleichzeitig hassen und lieben konnte. Er hasste Sam. Er hasste sie dafür dass sie immer alles besser wusste, dass sie ihren kleinen Kopf immer durchsetzen musste und dass sie so gut wie nie auf Kians Vorschläge, was sein Aussehen betraf, Rücksicht nahm. Und er liebte Sam. Dafür, dass sie ihm während und nach der Show ab und zu das Wasser oder ein Handtuch reichte, dafür dass sie ihn fast immer zum lachen bringen konnte wenn es ihm nicht gut ging und dafür dass sie stets für einen Spaß zu haben war, egal worum oder über wen es ging.
"Kian."
Er spürte eine Hand auf seiner Schulter und fuhr zusammen. "Was?" fragte er mürrisch und folgte Shane, Bryan und Mark, die bereits aus dem Fahrstuhl heraus in die düstere Tiefgarage des Hotels getreten waren. "Wo ist Nicky?"
"Der wollte noch mit Gina telefonieren bevor er später nachkommt." erklärte Shane und stieg in das Taxi, das extra auf die vier in der Tiefgarage gewartet hatte. Wären sie vor dem Hotel eingestiegen hätte das bei den und dreißig Fans die bereits seit den Morgenstunden vor dem Hotel ausharrten für eine Hysterie gesorgt die sich erst Stunden später wieder gelegt hätte.
Mark und Kian sahen sich an und rollten wissend mit den Augen bevor sie zu Shane und Bryan in das Taxi stiegen. Nicky und Gina hatten während der letzten vier Tage gute fünfzehn Mal telefoniert. Seit Gina, die das letzte Mal in Belgien dabei war bevor sie gemeinsam mit Gillian zurück nach Irland geflogen war, eröffnet hatte dass sie im zweiten Monat schwanger war schien Nicky nicht mehr der selbe. Alle paar Minuten, wenn möglich, checkte er sein Handy auf entgangene Anrufe oder neue Textnachrichten von Gina und rastete jedes Mal fast aus wenn auch nach zwei Stunden noch keine Rückmeldung von seiner schwangeren Frau kam.
Seufzend schloss Kian die Augen und lehnte sich zurück während er draußen die hysterischen Mädchen schreien hörte. Doch er kümmerte sich nicht weiter darum sondern plante in Gedanken bereits was er zuerst trinken würde, entschied sich dann nach einer kurzen Bedenkzeit für ein Glas Champagner. Er rieb sich gedanklich die Hände als er daran dachte wie viele hübsche schwedische Models sich ihm an diesem Abend anbieten würden. Und eines war für ihn von vorne herein klar gewesen. Eine der Schönheiten würde er zur Feier des Tages mit zurück ins Hotel nehmen.
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Seufzend richtete Kian sich erneut auf und blickte an die kahle Wand gegenüber dem Bett an der lediglich eine kleine Kommode stand über der ein Spiegel hing. Scheinbar hatte er sein Vorhaben tatsächlich in die Tat umgesetzt, denn auf der Kommode lag eine kleine, blaue Handtasche die eindeutig nicht ihm gehörte. Erst jetzt bemerkte er den süßlichen Geruch der in der Luft lag. Er wusste nicht ob es Parfum, Räucherstäbchen oder seine Boxershorts, die nicht weit von seinem Gesicht entfernt immer noch über dem Lampenschirm hingen, waren aber der Geruch machte ihm Kopfschmerzen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht massierte er sich seine Schläfen mit Mittel- und Zeigefinger und machte kleine Kreise um die Schmerzen buchstäblich aus seinem Kopf zu vertreiben. Er lauschte den Geräuschen die aus dem Badezimmer nebenan kamen. Die Dusche lief nach wie vor und Kian meinte sogar eine weibliche Stimme hören zu können die leise summte, doch er konnte weder definieren was sie sang noch wer sie war, doch dass sie weiblich war, dass hörte er deutlich an ihrer Tonlage. Er hatte Shane, Mark, Nicky und Bryan oft genug beim singen unter der Dusche belauscht und zwischen dem was er von seinen Bandkumpels gewohnt war und dem, was er aus dem Badezimmer vernahm lagen Welten. Kurzentschlossen schälte er sich doch aus den Bettlaken, zog sich die Boxershorts über und tappte vorsichtig zur Tür. Er lief auf Zehenspitzen, jedoch nicht weil er keinen Lärm verursachen wollte sondern weil er Angst hatte dass die harten Schritte seine Kopfschmerzen wieder aufleben lassen könnten. Er öffnete leise die Tür und spähte hinaus in den Wohnbereich. Niemand da. Kian atmete tief durch bevor er die Tür gänzlich öffnete und hinaus trat. Das Bild, dass sich ihm dort bot hätte er jedoch lieber geträumt. Auf dem Glastisch zwischen der beigefarbenen Couch und dem dazu passenden Sessel lag ein ausgebreitetes Twister-Spiel auf dessen Spielfläche Unmengen Popcorn verteilt war. Zudem zierten drei rötliche Flecken das Plastikfeld, die dort mit großer Sicherheit nicht hingehörten. Die offene, leere Weinflasche die umgekippt auf dem Boden neben der Couch lag schien dafür verantwortlich. Ihm schlug erneut eine Wolke des selben süßlichen Duftes wie im Schlafzimmer entgegen als er an der Couch vorbei zur Küchenzeile ging. Der gläserne Mixeraufsatz, den Kian vor zwei Tagen beim Zimmerservice geordert hatte, lag benutzt in der Spüle, nebendran zwei benutzte Gläser, eines von ihnen hatte bräunliche Lippenstiftränder an zwei Stellen. Neben der Spüle stand eine halbvolle Schüssel Popcorn mit viel zu viel Salz. Kian fuhr sich kopfschüttelnd mit beiden Händen über sein müdes, aschfahles Gesicht während er sich krampfhaft an den vergangenen Abend zu erinnern versuchte. Er nahm sich ein Glas aus dem Schrank, goss sich etwas Leitungswasser ein und schlurfte hinüber zur Couch wo er sich, bedacht darauf weder auf Popcorn noch auf die Rotweinflecken zu treten, nieder ließ und aus dem Panoramafenster blickte.

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"Kian, schön dich zu sehen." quietschte Emily und fiel Kian erfreut um den Hals. "Ich dachte schon du wolltest uns heute Abend sitzen lassen."
"Emily, wie könnte ich denn?" Kian legte ihr einen Arm um die Schulter und zog sie zu sich um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben bevor sie wieder von ihm abließ und Mark in den Arm nahm.
Emily war ihre Choreographin die sie in den letzten Wochen und Monaten trainiert hatte. Ohne sie wären die Jungs wahrscheinlich aufgeschmissen gewesen. Sicher, sie hätten einen anderen Choreographen engagieren können, doch alle fünf waren sich von Anfang einig dass sie keine so verständnisvolle und aufopfernde Choreographin wie Emily es war hätten finden würden. Deshalb und weil sie Antos Cousine war, gehörte sie bereits seit zweieinhalb Jahren zum Team und es sah nicht danach aus als sollte sich das in absehbarer Zeit ändern.
"Hey, ihr seid ja doch gekommen, ich dachte schon ihr wolltet eurer eigenen Party fern bleiben." grinste John und schlug Kian kameradschaftlich auf die Schulter.
"Hey, hast du schon mal erlebt das ich eine Party sausen lasse?" spöttelte Kian und tat John die Begrüßung gleich.
"Ich dachte nur..." lachte John, der im selben Augenblick Bryan und Mark begrüßte.
John war ein Fall für sich. Er war hauptsächlich dafür verantwortlich dass die Jungs etwas zum anziehen hatten. Er und Sam arbeiteten sehr eng zusammen was auch schon mehrfach im Team für das Gerücht gesorgt hatte dass die beiden angeblich mehr als nur freundschaftliche Gefühle füreinander hatten. Doch dieses Gerücht, so lange es schon im Umlauf war, wurde noch von keinem der beiden je dementiert oder bestätigt. John war ein gutaussehender, großgewachsener Amerikaner der erst seit knapp einem Jahr in England lebte. Sein amerikanischer Akzent sei so sexy hatten man Kian mehrfach von weiblicher Seite aus bestätigt. Was genau an dem Genuschel, das John reden nannte, sexy sein sollte war Kian aber dennoch bis heute ein Rätsel geblieben.
"Kian." Er spürte eine Hand auf seiner Schulter die ihn zurück in die Realität holte.
Da war sie. 1,67 Meter groß, funkelnde Augen und ein atemberaubender Hauch von Nichts am Körper. Samara.
"Samara." lächelte er und beugte sich zu ihr um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben. "Schön dass du hier bist, wie geht es dir?" Er liebte ihren Geruch.
"Gut." nickte sie, verzog aber gleichzeitig ihr hübsches, dezent geschminktes Gesicht. "Du stachelst ja immer noch. Wie oft habe ich dir gesagt dass du dich endlich rasieren sollst sonst erledige ich das eines Nachts für dich. Klammheimlich und mit einem unheimlich scharfen Rasiermesser." Er hasste ihre Sturheit.
"Sam, ich werde den Bart nicht abschneiden und wenn du dich verbiegst."
Sie funkelte ihn böse an, schüttelte dann den Kopf und machte auf dem Absatz kehrt um Sekunden später in der Menge zu verschwinden. Er liebte es wenn ihre Augen sauer aufblitzten.
Noch bevor er sich weiter in seine Gedanken reinsteigern konnte wurde er abermals von einer Hand auf seiner Schulter zurück in die Realität geholt.
Anto stand vor ihm und hielt ihm ein volles Glas Champagner vor die Nase. "Hier, nimm das, wir stoßen an."
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Das war so ziemlich alles an was Kian sich vom vergangenen Abend noch erinnern konnte. Er hatte mit seinen Freunden und Kollegen angestoßen. Auf die erfolgreiche Tour, auf die erfolgreiche Band, auf den erfolgreichen Abend. Dann war alles verschwommen. Er erinnerte sich daran dass er sich sowohl mit John als auch mit Anto gestritten hatte, doch worum es dabei ging schien wie aus seinem Gedächtnis gelöscht. Kian wollte ins Badezimmer. Den Gestank von Zigaretten von seinem Körper und aus seinem Mund spülen. Er fühlte sich als hätte er in der vergangenen Nacht all die Zigaretten geraucht, die er in seiner zweimonatigen Abstinenz ausgelassen hatte. Seufzend lies er sich auf die Couch fallen und blickte an die weißgestrichene Zimmerdecke. Noch immer schienen die Bilder und Geschehnisse vom vergangenen Abend nur bruchstückhaft in sein Gedächtnis zurück kommen zu wollen.

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"Sam.” lallte Kian zu später Stunde und lies sich neben ihr auf die bequeme Couch fallen. Der Club, den man zur Hälfte nur für die Crew gemietet hatte, leerte sich bereits merklich und die stickige, rauchige Luft löste sich langsam aber sicher auf.
"Kian." Samara lächelte müde und lehnte ihren Kopf gegen die rote Wand an der die Couch stand. "Was gibt es neues?"
"Nicht viel, und bei dir?" zuckte er mit den Schultern und sah sie neugierig an.
"Nicht viel?" Samara lachte gequält und hob Kians linken Arm hoch um ihn auf die drei Telefonnummern die dort kreuz und quer und mit drei verschiedenen Blautönen geschrieben standen. "Scheinbar hattest du einen mehr als erfolgreichen Abend."
Kian begann zu kichern. "Soll ich dir mal was verraten?" Ohne auf eine Antwort ihrerseits zu warten lehnte er sich ein Stück zu ihr und legte seine Hand an ihr Ohr, so dass nur sie hören würde was er ihr zu sagen hatte. "Die ersten zwei Nummern habe ich mir auf der Toilette selbst draufgeschrieben um die Nummer von der Blondhaarigen zu bekommen mit der ich die ganze Zeit getanzt habe."
"Und so was funktioniert?" entgegnete Samara geschockt und hielt sich ihre Hand an die Brust. "Das es noch Frauen gibt die so naiv sind."
"Hey." Kian schien bestürzt über Samaras Haltung ihm und seinen Methoden gegenüber. "Ich mochte diese Frau zufällig und ich werde sie ganz sicher anrufen."
"Ich hoffe du hast dir gemerkt welche der Nummern ihr gehört." Sie schlug ihm lächelnd auf den Oberschenkel und stand auf um auf die Toilette zu gehen.
Kian jedoch stutzte als er sich die drei sauber notierten Nummern auf seinem Arm betrachtete. Er wusste tatsächlich nicht mehr welche Nummer zu der blondhaarigen Schönheit gehörte die zehn Minuten zuvor den Club verlassen hatte.
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Kian hob müde seinen Arm und entdeckte die drei Telefonnummern die nur noch bruchstückhaft erkennbar waren. Scheinbar hatte jemand daran gerieben, denn die Ziffern waren verwischt und fast unleserlich geworden. Die Dusche lief immer noch und langsam fragte er sich ob überhaupt jemand darunter stand oder ob er sich die singende Stimme nur eingebildet hatte. Müde lehnte er sich nach vorne um die Fernbedienung der Stereoanlage, die vor ihm auf dem Couchtisch lag, an sich zu nehmen. Mit verzerrtem Gesicht drückte er diverse Male auf den roten Knopf bis Barry White schließlich verstummte und Stille eintrat.

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"Da bist du ja wieder.” lächelte Kian leicht betrunken. Er lehnte gegen die rote Wand neben der Tür zur Damentoilette wo er die letzten dreieinhalb Minuten auf Samaras Rückkehr gewartete hatte. "Ich dachte schon du wolltest dich verdrücken."
"Was willst du Kian?" fragte Sam mehr genervt als müde, doch Kian schien ihren spitzen Unterton nicht bemerkt zu haben.
"Hast du vielleicht Lust zu tanzen?"
"Nein." antwortete sie knapp und war im Begriff an ihm vorbei zu gehen als er sie am Arm festhielt und zurück zog.
"Aber ich würde wirklich gerne mit dir tanzen."
"Kian, warum suchst du dir nicht eine von deinen blonden Models die hier noch zu Hauf rumrennen, die sind sicherlich weit mehr daran interessiert mit dir die Nacht zu verbringen als ich es bin."
"Wer sagt denn dass ich mit dir die Nacht verbringen will? Ich will lediglich mit dir tanzen."
Samara sah ihn skeptisch an, zuckte dann allerdings bereitwillig mit den Schultern und lies sich von ihm auf die Tanzfläche ziehen wo er binnen Sekunden seine Arme um ihre Hüfte geschlungen hatte und eng mit ihr zu tanzen begann. Ihr Hüftschwung, den sie Kians Ansicht nach nahezu perfekt beherrschte, brachte Kian zum schwitzen, auch wenn er es innerlich auf die Scheinwerfer zu schieben versuchte die über ihm von der Decke strahlten. Sie drehte sich gekonnt in seiner Umarmung um und lies ihr Becken im Einklang mit seinem im Takt der Musik kreisen. Er spürte wie sich etwas in seiner Hose zu regen begann als sie immer wieder mit ihrem Hintern gegen ihn stieß und ihn über ihre Schulter zwinkernd anlächelte. "Was ist? machst du schon schlapp?" fragte sie keck als er kurz Inne hielt und sie lediglich in ihrem Tun beobachtete. Sie drehte sich erneut um und schlang ihre Arme um seinen Hals um ihn besser unter Kontrolle zu haben, doch als nur Sekunden später Brandys "Another day in paradise" aus den Boxen tönte wünschte sich Samara augenblicklich an einen anderen Ort. Weit weg von Kian. Doch ihm schien es da ganz anders zu gehen, denn ohne auf eine Reaktion ihrerseits zu warten hatte er sie näher zu sich gezogen und seinen Kopf etwas gesenkt, so dass er ihr tiefer in die Augen sehen konnte.
"Ich glaube ich brauche mal eine Pause." meinte Sam lediglich, befreite sich aus seiner Umarmung und ging eiligen Schrittes hinüber zur Bar an der John saß und sich mit dem Barkeeper unterhielt.
"Sam, was..." Kian war verstört. Hatte er etwas falsch gemacht? Er wollte doch nur mit ihr tanzen, mehr nicht. Oder doch? Ihm gefiel ganz und gar nicht was er jetzt sah. Sam hatte sich an die Bar zu John gesetzt der unmittelbar nachdem sie sich auf dem freien Barhocker nieder gelassen hatte, seine Hand auf ihr Knie gelegt hatte und sie aufmerksam und mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht betrachtete. entschlossen sie erneut zum tanzen aufzufordern bahnte er sich seinen Weg durch die tanzenden Menschen und baute sich vor John auf der ihn mehr als freundlich anlächelte als er ihn entdeckte. "Na, schwer am feiern, was?" fragte er grinsend und bot Kian einen Schluck seines Bieres an.
"Eigentlich wollte ich mit Sam reden." raunte Kian ihm zu und wand sich an Sam. "Kann ich dich einen Augenblick sprechen? Allein?"
Sam seufzte, folgte ihm aber dennoch bereitwillig zu den Toilettenräumen vor denen Kian stehen blieb und sich zu ihr umdrehte. "Was ist los? Ich dachte wir hätten Spaß miteinander, ich dachte..."
"Kian." fiel sie ihm energisch ins Wort. "Meine Auffassung von Spaß ist glaube ich nicht ganz identisch mit deiner. Im Gegensatz zu dir stehe ich nicht auf One-Night-Stands und ich habe nicht vor das heute zu ändern."
"Wer? Was? Ich.... Sam, wovon redest du?"
"Davon." keifte sie und hob Kians linken Arm in die Luft.
"Was hat das mit uns zu tun?"
"Ich bitte dich. Ich arbeite schon zu lange für euch um nicht zu wissen wie das bei euch abläuft. Ihr geht in einen Club, sucht euch ein nettes, hübsches, dummes Mädchen aus und nehmt es mit auf euer Hotelzimmer um es dort flachzulegen. Nur um am nächsten Morgen aufzuwachen, das verstörte Mädchen mit einer fadenscheinigen Begründung aus dem Hotel zu jagen und sich am nächsten Tag darüber aufzuregen was in der Presse wieder getratscht wird. Glaube mir Kian, ich kenne das zu genüge und ich werde mit Sicherheit nicht auf so etwas reinfallen."
"Ich glaube du schätzt mich völlig falsch ein, Sam." versuchte Kian sich zu rechtfertigen und seufzte. "Ich will mit dir tanzen und dich nicht mitten auf der Tanzfläche vernaschen."
"Gib es auf, dein Unterarm spricht für sich."
"Ich brauche diese Nummer nicht." Er hielt ihr seinen beschrifteten Arm vor die Nase und feuchtete seinen Daumen an um damit über die blaue Farbe zu fahren. "Siehst du? Ich mache sie unleserlich. Sam bitte, ich mag dich und ich will morgen nicht aufwachen und mir sagen müssen dass ich die vielleicht einzige Chance vertan habe bloß weil ich unbedingt die Telefonnummer eines dummen schwedischen Models haben wollte."
"Das hättest du dir überlegen sollen bevor du die Frau vorhin auf der Tanzfläche fast ausgezogen hast."
"Sam." Energisch hielt er sie an ihrer zierlichen Hand fest und zog sie nah zu sich, so nah dass ihre Lippen nur noch Millimeter voneinander entfernt waren.
~*~*~*~*~

Kian fuhr sich über seine Wange und seufzte. Noch jetzt konnte er Samaras Ohrfeige spüren. Wie sich ihre kurzen, spitzen Fingernägel für den Bruchteil einer Sekunde in sein Gesicht gebohrt hatten. Der Kuss hatte ihr ganz eindeutig nicht gefallen. Er verzog das Gesicht als er sich daran erinnerte wie sie wutentrannt an ihm vorbeigerauscht war, direkt in Johns Arme.

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"Sam, ich muss mit dir reden.” Kian hatte sich eine halbe Stunde lang in die Toilette verzogen um dort über das nachzudenken, was er nun in die Tat umsetzen wollte. Er wollte mit Sam sprechen, ihr erzählen wie es ihm dabei erging wenn sie ihn vor anderen fertig machte, wie er sich fühlte wenn sie ihn ignorierte. Und vor allem wie es ihm ging wenn sie bei ihm war, wenn sie in seiner Nähe war und ihn bloß anlächelte mit ihren funkelnden Augen.
"Ich habe keine Lust zu reden." maulte Sam, die die letzte halbe Stunde wohl dazu genutzt hatte einiges zu trinken.
"Ich muss aber dringend mit dir reden."
"Ich wollte sowieso auf die Toilette." warf John ein und verabschiedete sich mit einem Kuss auf die Wange von Sam. Kian warf er lediglich einen abschätzenden Blick zu bevor er kopfschüttelnd in de Menge verschwand.
"Sam ich wollte dich vorhin nicht überrumpeln." fing er an und lies sich neben ihr auf dem freien Barhocker nieder. "Aber ich mag dich wirklich und ich möchte dich nicht einfach nur ins Bett kriegen, wieso verstehst du das nicht?"
"Das gibt dir noch lange kein Recht mich einfach so zu küssen."
"Wieso bist du so wütend? Es war doch bloß ein Kuss."
"Ich bin wütend weil, weil.... du hättest mich wenigstens fragen können."
"Hättest du ja gesagt?"
"Natürlich nicht."
"Siehst du."
"Ich bin trotzdem wütend."
"Du bist nicht wütend auf mich."
"Oh doch, das bin ich." wusste Sam besser und trank einen Schluck ihres Cosmopolitan.
"Du bist wütend auf dich weil du mich zurückgeküsst hast."
"Ha." Sam lachte bitter. "In deinen Träumen."
Wortlos kam Kian ihr ein Stück näher und legte seine Lippen wieder auf ihre. Er wusste dass er Gefahr lief erneut eine Ohrfeige zu kassieren, doch dieses Risiko musste er in Kauf nehmen wenn er diesem ewigen Hin und her endlich ein Ende bereiten wollte.
"Kian." murmelte sie zwischen seinen Küssen und schob ihn sanft von sich weg. "Ich glaube das ist keine gute Idee."
"Aber ich...."
Sie versuchte erneut ihn von sich wegzudrücken, doch es schien ihr nicht gelingen zu wollen.
"Ich glaube Sam hat deutlich gemacht dass sie nicht an dir interessiert ist, Ki." Es war John der neben ihnen aufgetaucht war und mit vor der Brust verschränkten Armen vor Kian stand.
"Das kann sie glaube ich für sich selbst entscheiden."
"Das hat sie glaube ich auch." beharrte John.
"John, warum suchst du dir nicht eine andere Spielkameradin? Ich würde mich gerne mit Sam unterhalten."
"Scheinbar hat sie dazu aber keine Lust, oder wie deutest du ihren Gesichtsausdruck."
Kian blickte Sam wortlos an und deutete ihr mit seiner Mimik die Behauptung zu widerlegen. Als sie sich jedoch entgegen seiner Erwatungen nicht rührte zog er sie in seinem betrunkenen Stadium erneut an sich und küsste sie für den Bruchteil einer Sekunde bis er eine Hand an seinem Kragen spürte die ihn unsanft aus seinem Barhocker zog.
"Nur weil du reich und berühmt bist musst du nicht denken dass du uns und vor allem Sam wie Bedienstete behandeln kannst die sofort springen wenn du es ihnen sagst. Und auch wenn ich nach dem Abend sicherlich keinen Job mehr bei BMG haben werde, aber das war es wert." Mit diesen Worten lies er von ihm ab, holte aus und schlug Kian mitten ins Gesicht. "Das ist für Sam und alle anderen denen du mit deinen überheblichen Worten und Taten weh getan hast. Komm Sam, lass uns gehen." meinte er schließlich zu Sam und nahm ihre Hand, sein Blick haftete immer noch auf Kian, der sich versuchte wieder aufzurappeln nachdem er von Johns festem Schlag zu Boden geworfen wurde
"Ihr könnt mich beide mal." fauchte sie angewidert und verschwand in der Menge Richtung Ausgang. John sah ihr verstört hinterher, wurde aber Sekunden später von Kian zurück in die Realität geholt als der ihn unsanft am Kragen packte und zu sich zog. Jetzt standen sie sich direkt gegenüber, die Luft zwischen ihnen brannte förmlich.
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Das Wasser im Badezimmer, das in den letzten zwanzig Minuten ununterbrochen gelaufen war, ging aus und Kians Kopf schnellte herum. Ängstlich kniff er die Augen zu und hielt die Luft an als er hörte wie die Badezimmertür, die an das Schlafzimmer grenzte, geöffnet wurde. Er hatte die Tür zum Wohnzimmer aufgelassen, sie würde also gleich in der Tür erscheinen und sich nach ihm erkundigen. Sie.

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"Wenn du ihn jetzt schlägst könnte das unschöne Folgen für dich haben.”
Antos Stimme der Vernunft schüttelte Kian innerlich woraufhin er augenblicklich von John abließ und ihn entschuldigend ansah. "Sorry man, ich..."
"Spar dir deine Entschuldigungen, ich fahr zurück ins Hotel." raunte John ihm zu und machte auf dem Absatz kehrt, doch statt ihm noch etwas hinterherzuschicken lies Kian sich erneut auf den Barhocker zurück sinken und vergrub sein Gesicht in seinen, auf dem Tisch aufgelegten Armen.
"So was wie heute Abend will ich nie...."
"Anto, bitte. Ich habe mich gerade mit Sam zerstritten und mit John geprügelt, ich muss mich nicht auch noch mit dir streiten. Können wir das ganze auf morgen verschieben." murmelte Kian.
"Du solltest aufhören zu trinken." seufzte Anto, schlug ihm bestärkend auf die Schulter und zog wortlos von dannen.
Kian wusste nicht wie lange er mit gesenktem Kopf auf der Tischplatte gelegen hatte, doch plötzlich spürte er eine Hand an seinem Kopf die sanft über sein verwuscheltes Haar fuhr. Wie in Zeitlupe hob er seinen Kopf und blickte in Samaras rehbraune Augen die ihn besorgt anblickten.
"Uh." sagte sie erschrocken und verzog das Gesicht als sie sein angeschwollenes Auge erblickte. "Du solltest da Eis drauf machen." Wortlos drehte sie sich zu dem Barkeeper um und bat ihn um etwas Eis bevor sie sich wieder Kian zuwendete und sanft über die blaue Stelle unter seinem rechten Auge fuhr. "Tut das weh?"
Er schüttelte tapfer den Kopf.
"Tut mir leid dass er dich geschlagen hat, ich weiß nicht was mit ihm los ist."
"Er wollte dich wahrscheinlich nur vor einem betrunkenen Idioten beschützen."
"Du bist kein Idiot." versuchte Sam ihn zu beruhigen und legte ihm vorsichtig das Eis, welches der Barkeeper in ein blaues Handtusch gewickelt hatte, auf die betroffene Stelle. "Ein sturer, ignoranter, egoistischer Dickkopf vielleicht, aber kein Idiot."
"Wie beruhigend." scherzte Kian sarkastisch und seufzte. "Was läuft da zwischen dir und John?"
"Zwischen mir und John?" Sam begann zu lachen. "Da läuft nichts."
"Und das soll ich dir glauben?"
"Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?"
"Ich denke."
Sam sah sich kurz nach allen Seiten nach irgendwelchen Reportern um die sich hier im Gewimmel tummelten um gute, geldbringende Storys aufzufangen. "John ist schwul. Ich bin mehr so etwas wie sein Alibi."
"John ist was?"
"Pssst." Sam sah sich unwohl um bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder Kian schenkte. "Ich sagte das bleibt unter uns, verstanden?"
Kian nickte gehorsam, konnte sich aber insgeheim immer noch nicht mit dem Gedanken anfreunden dass John vom anderen Ufer war. Nicht dass er etwas gegen Schwule hatte, im Gegenteil, ein paar seiner besten Freunde waren schwul. Aber das John, der Mann den er immer als seinen direkten Konkurrenten angesehen hatte gar nicht auf Frauen stand war neu und ungewohnt für ihn. Das bedeutete ja auch dass Sam und er... dass Sam frei war. Oder etwa nicht?
"Heißt dass du und er... ihr seid gar kein Paar?"
"Nie gewesen. Und es ist sehr unwahrscheinlich dass wir es jemals werden."
"Aber wieso..."
"Wieso ich dich immer abgewiesen habe?"
Kian nickte neugierig.
"Weil ich Angst hatte dass ich auch nur wieder eine deiner zahlreichen Errungenschaften wäre. Eine von der du deinen Freunden beim nächsten Stammtisch erzählen kannst. In einem Atemzug mit drei weiteren Eroberungen der vergangenen Woche. Kian, ich mag dich. Ich mag dich vielleicht sogar ein bisschen mehr, aber ich wollte mir sicher sein dass du mich nicht nur fürs Bett willst."
"Was sagt dir jetzt dass es nicht so ist?" fragte Kian verdutzt, doch noch als er die Worte aussprach wusste er dass es ein Fehler war. Zu seiner Verwunderung jedoch reagierte Sam relativ cool auf seine Frage.
"Du hast es nun schon so oft versucht und immer wieder habe ich dich mit Sprüchen auf Distanz gehalten Aber du hast trotzdem nicht aufgegeben und auch wenn ich ziemlich geknickt war als du mit der Blondine im Hotel aufgetaucht bist letzte Woche, so habe ich doch deine Blicke auf mir gespürt. Ich weiß wie Männer sind, ganz besonders wie du bist, und ich weiß du brauchst das dann und wann, aber ich wollte nicht auch eine von denen sein über die du dann am nächsten Tag schlecht redest. Und deshalb habe ich dich zappeln lassen, ich wollte sehen wie viel dir wirklich daran liegt. Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen dass du entweder denken musst dass ich unglaublich gut im Bett bin oder dir liegt wirklich etwas daran mich besser kennen zu lernen als es unser Arbeitsverhältnis zulassen würde."
Kian nickte. Er hatte, rein akustisch, zwar nur die Hälfte davon mitbekommen was Samara gesagt hatte, doch er war sich sicher dass sie ihn verstanden hatte. Dass sie verstanden hatte dass er schon seit Wochen an nichts anderes dachte als daran sie zu küssen, sie zu berühren, ihr nahe zu sein.
"Was heißt das jetzt?" fragte er verwirrt und legte den Eisbeutel auf den Tresen.
Lächelnd beugte sie sich vor und legte ihre Lippen an sein Ohr. "Das heißt dass ich vielleicht das nächste Mal einwillige wenn du mich um ein Date bittest." hauchte sie sanft bevor sie sich wieder aufrichtete und ihn anlächelte.
"Und wenn ich dich nicht mehr fragen will?" Kian wollte sie bis aufs äußerste bringen. Er wusste dass sie ihn genauso wollte wie er sie wollte und dass sie sich in den nächsten Minuten aus dem Club entfernen würden, doch genau wie Samara wollte er sie nun zappeln lassen.
"Ich glaube du willst." nickte Sam und begann mit geschickten Fingern den obersten Knopf seines Hemds zu öffnen.
"Ich will ganz andere Dinge im Moment." raunte er ihr atemlos zu und legte seine schwitzigen Hände auf ihren Hintern um sie näher zu sich zu ziehen.
"Das glaube ich dir." nickte Sam grinsend und näherte sich seinem Kopf bis auf wenige Millimeter bevor sie wieder zurückwich und ihn triumphierend anblitzte.
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"Guten Morgen.” lächelte Sam die lediglich in einem Handtuch bekleidet aus dem Schlafzimmer trat, zu Kian herüber gelaufen kam und ihm einen flüchtigen Kuss auf den Mund hauchte bevor sie in die kleine Küche ging und sich einen Orangensaft aus dem Kühlschrank eingoss. "Ich habe dir ein Handtuch übrig gelassen, ich hoffe das reicht dir."
"Ja." murmelte Kian und trottete ins Badezimmer. Er schloss die Tür hinter sich und lehnte sich seufzend gegen selbige, den Blick zur Decke. Träumte er, oder...? Vorsichtig öffnete er die Tür und spähte ins Wohnzimmer in dem erneut Barry White aus den Boxen drang zu dem Sam, die dabei war etwas aufzuräumen, fröhlich mitträllerte. Kopfschüttelnd schloss er die Tür und setzte sich auf den geschlossenen Klodeckel zu seiner linken. Sie war wirklich da. Hier, in seinem Zimmer. Er konnte es immer noch nicht fassen.

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Die Taxifahrt vom Club zurück ins Hotel dauerte nur gute sieben Minuten, die Fahrt im Aufzug dreiunddreißig lange Sekunden. Kian und Sam, die gemeinsam mit einer Putzfrau und einem in die Jahre gekommenen Geschäftsmann im Aufzug standen, hatten Mühe nicht an Ort und Stelle übereinander herzufallen. Sobald sich die Fahrstuhltüren im vierzehnten Stock geöffnet hatten traten sie heraus und huschten lautlos über den Gang zu Kians Hotelzimmer. Noch bevor Kian die Tür richtig aufgeschlossen hatte spürte er Sams Hand an seinem Hintern die ungeduldig am Stoff seiner Jeans rieb während Kian mit zitternden Händen versuchte die Plastikkarte in den dafür vorgesehenen Schlitz zu stecken. Schließlich stieß er die Tür und auf zog sie atemlos in das dunkle Zimmer. Mit seinen kräftigen Armen warf er sie gegen die Tür, die mit einem lauten Knall in ihr Schloss fiel, und küsste sie innig, seine Hände wanderten dabei immer wieder ihren Körper auf und ab. Wortlos begann Kian mit seinen Händen an dem Reißverschluss ihres beigen Kleides zu ziehen, öffnete ihn schließlich und streifte ihr die hauchdünnen Träger von den Schultern bevor er ihr ihre Tasche abnahm und ohne seinen Blick von ihr zu nehmen auf den Sessel schräg hinter sich warf. Seine Augen wanderten ihren zierlichen Körper auf und ab, und er hätte sie am liebsten auf der Stelle hochgehoben und auf dem Bett stundenlang geliebt, doch er wollte dass es etwas besonderes wird, dass sie sich Zeit ließen für das was vor ihnen lag. Samara war besonders für ihn, sie war eben Samara, und er wollte es auf keinen Fall überstürzen. Sanft hob er die Träger ihres Kleides an und legte sie auf ihre Schultern bevor er ihr einen Kuss auf die Stirn hauchte und sie mit seinen treuen, blauen Augen ansah. "Möchtest du etwas trinken?"
Sam nickte wortlos und folgte ihm in die kleine Kitchenette.
Eine viertel Stunde, zwei Margheritas und eine Packung Popcorn später lagen sie nebeneinander auf dem Boden und lachten unaufhörlich. Aus den Boxen dröhnte Barry White und das Popcorn, dass sie eigentlich zu essen gedacht hatten, lag um sie herum verstreut auf dem Boden. Kians Versuch den rechten Fuß unter Sam hindurch auf einem grünen Feld zu platzieren war so gründlich misslungen dass er nicht nur Sam sondern auf die Rotweinflasche und die Popcornschüssel mit umgerissen hatte.
"Ich glaube wir sollten ins Bett gehen." lachte Kian und richtete sich auf.
"Glaube ich auch." flüsterte ihm Sam, die sich ebenfalls aufgesetzt hatte, tonlos ins Ohr.
Wortlos stand Kian auf, half Sam vom Boden hoch und zog sie hinter sich her ins Schlafzimmer.
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"Worüber denkst du nach?"
Kian zuckte zusammen. Er hatte nicht bemerkt dass Sam die Badezimmertür geöffnet hatte und nun mit einem besorgten Blick in selbigen stand und ihn ansah.
"Nichts." entgegnete er schwach und rieb sich die Augen. Die Tür schlug und Kian sah verwirrt auf, doch statt wie erwartet Sam, lediglich mit einem Lächeln bekleidet, vor ihm stehend vorzufinden war das Badezimmer leer. Hastig löste er sich von dem Klodeckel und eilte Sam hinterher ins Wohnzimmer. "Was ist los?" fragte er verstört als er Sam mit gesenktem Kopf auf der Couch sitzen sah. "Habe ich was falsches gesagt?"
"Ob du was falsches gesagt hast? Ich kann ja froh sein dass du überhaupt etwas zu mir gesagt hast." seufzte Sam und hob den Kopf. "Ist schon okay, spar dir deine Erklärungen, ich kann mir schon denken was in dir vorgeht. Aber keine Angst, du musst dir keine Ausrede einfallen lassen wie du mich wieder loswirst, ich werde einfach gehen. Geh du nur duschen und bis du fertig bist bin ich weg."
Kian überlegte. Für den Bruchteil einer Sekunde erwägte er ernsthaft zurück ins Badezimmer zu gehen und zu hoffen dass sie ihn nie wieder auf die vergangene Nacht ansprechen würde. Er war jemand der seine Freiheit liebte, dem es gefiel am Morgen aufzuwachen und nicht zu wissen mit wem er am Abend einschlafen würde, ob mit einer neuen Bekanntschaft oder alleine. Er war noch nie der Beziehungsmensch gewesen der sich lange auf ein und die selbe Person festlegen konnte, wieso dann also bei ihr. Es wäre die beste und eleganteste Lösung gewesen einfach zurück in das verdammte Badezimmer zu gehen, doch irgendwas in ihm hielt ihn zurück. Sam war nicht irgendjemand. Sam war Sam. Seine Sam. Die Sam die er immer so für ihre Courage und Aufrichtigkeit anderen gegenüber bewundert hatte. Die Sam die ihm schon seit Wochen damit in den Ohren lag sich endlich wieder zu rasieren und zum Friseur zu gehen. Die Sam die immer so rot wurde wenn sie wütend war oder wenn ihr etwas peinliches passierte. Die Sam die ihn manchmal mit ihrem Dickkopf zur Verzweiflung brachte. Die Sam die mit gesenktem Kopf vor ihm saß und ihn bittete sie zu lieben. Seine Sam.
Mit einem Lächeln auf den Lippen ging er die paar Schritte auf sie zu, setzte sich neben sie auf die kalte Couch und zog sie sanft in seine Umarmung. Er wusste dass sich einiges in seinem Leben ändern würde, dass er die längste Zeit der Frauenheld war, dass die Zeitungen die längste Zeit mindestens einmal pro Wochenende eine heiße Story über ihn und eine Eroberung abdrucken konnten und dass er sich nicht mehr alleine die Nacht bis in die frühen Morgenstunden in Clubs um die Ohren schlagen konnte, doch wenn er dafür Samara haben konnte war er mehr als bereit das alles aufzugeben.
~*The End*~