Info: In dieser Story lebt Shane seit der Scheidung in Dublin.

Als es an der Tür klingelte, verzierte Catharina gerade Declans Geburtstagstorte. Sie selbst war schon gestylt, den Kindern hatte sie auch schon beim anziehen geholfen, aber der Rest der Familie, sprich ihre Gasteltern waren noch im Bad zu Gange. Sie spritze noch schnell die 7 auf den Kuchen und eilte zur Tür.
"Bsss." Catharina sah den jungen Mann auf der Treppe verwundert an. "Hübsches T-Shirt!" - "Ach so ja, danke." lächelte sie als er auf ihr neongrünes Top deutete auf dem eine weiße Biene und die Aufschrift Bsss abgebildet waren. Sie gab ihm die Hand. "Ich bin Catharina." - "Ich weiß, das Au pair aus Deutschland. Hi, ich bin Shane, Declans Patenonkel." - "Na dann komm rein, du bist der Erste. Eileen und Robert sind noch nicht so weit. Dec sitzt schon im Garten."
"Cat, wer war das denn?" Hannah, die wie immer neugierig war, kam aus dem Garten in den Flur gerannt. "Hi Shane!" - "Hi meine Süße!" Shane wirbelte die Kleine herum und nahm sie auf den Arm. "Hast du mir denn auch was mitgebracht?" - "Natürlich bekommst du auch etwas." Während die beiden in den Garten gingen, holte Catharina die Torte aus der Küche. Für ihre 5 Jahre war Hannah schon ganz schön ausgekocht, dachte Cat. Aber wer kann so einem niedlichen kleinen blonden Mädchen schon etwas abschlagen?
Catharina hatte soeben die Teller vom Abendessen in die Spülmaschine geräumt, da kamen die beiden kleine Gangster zu ihr und beschwerten sich dass sie sich langweilten. Auf ihre vielen Spiele hatten sie alle keine Lust und in der Glotze lief auch nichts anständiges, so Declan. "Was haltet ihr denn von dem MTV-Spiel? Jeder muss abwechselnd zu dem Song der gerade läuft tanzen, mitsingen oder irgendetwas anderes vormachen." - "Geile Idee, Cat. Ich freu mich schon wenn du mit deinem Arsch rumwackelst wie Shakira." grinste Declan und stürmte ins Wohnzimmer um schon mal den Fernseher einzuschalten. "Ja Dec, aber vielleicht musst du mit deinem Arsch ja auch rumwackeln wie Christina Aguilera."
Nach einer Weile kam Shane zu ihnen, der sich eigentlich nur verabschieden wollte, aber von Cats Performance, die gerade bei The Hives mitsang und Headbangen veranstaltete, gefesselt war. "Hey, für umsonst gibt hier aber nichts. Wenn du zusehen willst, musst du auch mitmachen!" - "Nein, ich tanze nicht. Ich meine nicht privat." Catharina zwinkerte Hannah zu, die nun ihr trauriges Bettelgesicht aufsetzte. "Bitte, Shane!" Die Nummer hatte sie wirklich gut drauf, also gab Shane sich geschlagen. Doch das nächste Lied war Dip It Low. "Nee, also es hat mir keiner gesagt, dass ich hier zu Hip Hop abzappeln muss." - "Ach komm schon, das macht riesigen Spaß. Ich tanz auch mit." bot Cat ihm an. Hannah bemerkte als einzige das Klingeln des Telefons im Flur und nahm den Hörer ab. "Hallo!...Ja, die is da, aber sie tanzt gerade mit meinem Onkel, er ist geschieden und sieht sehr gut aus, weißt du." "Hannah, was machst du denn schon wieder?" Declan nahm ihr den Hörer aus der Hand. "Oh, hi Stefan! Warte ich hol Cat." "Cat, dein lieber Freund ist am Telefon!" Doch als Catharina ans Telefon kam, hatte Stefan schon aufgelegt und als sie zurückrief nahm niemand ab. "Ja, ich geh dann mal lieber." - "Warte, ich bring dich noch zur Tür." - "Das mit deinem Freund tut mir leid." - "Du kannst ja nichts dafür, wenn überhaupt ist es Hans schuld, aber sie ist ja noch klein. Hehe, sie meint wohl wir würden gut zusammenpassen." - "Ja, anscheinend... Hey, wenn du Hip Hop magst dann solltest du dir mal den neuen Club in Temple Bar anschauen, der is erst vor 2 Wochen fertig geworden. Warst du da schon mal?" - "Nein, aber du kannst mir ja mal zeigen wo der is, dann können wir noch n bissl an deinem Tanzstil arbeiten, wenn du Lust hast." - "Ja klar. Also ich meld mich dann nächste Woche mal, deine Nummer hab ich ja."


"Hi Han, Schatz! Wieso bist du denn noch auf?" - "Bin ich doch gar nicht. Ich konnte nur nicht schlafen und da hab ich mich runtergeschlichen, um zu sehen wer an der Tür ist." "Hannah, du sollst doch schlafen!" Eileen kam an die Tür. "Oh, hi Shane! Ich wusste gar nicht, dass du uns besuchen willst oder ich hab’s vergessen. Rob is aber nicht da." - "Nein, hast du nicht, ich wollte Cat abholen." - "Ach ja stimmt, hat sie mir ja gestern erzählt. Mann, ich krieg gar nichts mehr mit. Nur Streß im Job und dieses Kind hier macht mich noch wahnsinnig! Ich sag Cat bescheid. Komm doch rein, sie ist sicher noch im Bad... Ach nein, da ist sie ja schon." Catharina kam die Treppe runter. "Hi Shane, tut mir leid, ich brauche nur eine Sekunde." - "Lass dir Zeit, auf so eine schöne Frau warte ich gerne." - "Danke!" lächelte sie verlegen und zog sich ihre Stiefel an. Die beiden verließen das Haus und Eileen trug ihre kleine Tochter nach oben. "So Hannah, ich bring dich jetzt ins Bett und wehe du kommst noch mal raus! Womit hab ich das verdient? Dein Bruder war immer so artig."
"Hat sich das mit deinem Freund wieder eingerenkt?" - "Nein, bis jetzt noch nicht. Er ignoriert meine Anrufe und meldet sich auch nicht. Stefan und ich sind eben nicht Krisenerprobt, wir hatten nie Streit, daher weiß ich auch nicht, wie lange es dauert bis er sich wieder beruhigt. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wir sind jetzt ungefähr ein Jahr zusammen, das wird er doch nicht einfach wegschmeißen?" - "Tja, ich war mit meiner Ex-Frau 5 Jahre lang zusammen und sie hat es auch einfach weggeworfen... Oh, Mist! Das hätte ich nicht sagen sollen, jetzt hab ich dir den Abend verdorben." - "Um mir den Abend zu verderben gehört mehr dazu. Dass deine Ehe gescheitert ist tut mir leid." - "Gescheitert, wie ich dieses Wort liebe. Meine Eltern benutzen es ständig wenn wir über Gillian reden. Aber so ist es ja, gescheitert trifft unsere Beziehung echt am besten." - "Du vermisst sie sehr, stimmts?" - "Ja, ich hänge noch an ihr. Aber so ist es jetzt wirklich besser, trotz der Einsamkeit. Wir haben uns am Ende nur noch gestritten, also sind wir zur Eheberatung gegangen und dann ist meine liebe Frau mit dem Eheberater durchgebrannt. Nach 2 Monaten ist sie dann wieder aufgetaucht, hat gesagt es täte ihr leid und dass sie mich zurückhaben wolle. Doch ich konnte ihr einfach nicht verzeihen, dafür ist zu viel passiert. Also hab ich dann die Scheidung eingereicht." - "Das war bestimmt richtig teuer. Ganz schön fies, dass immer der bezahlen muss, der am besten vorgesorgt hat und meistens immer derjenige von der Scheidung profitiert, der sich mies benommen hat." - "Aber das ist es nicht. Das Haus, mein Lieblingsauto, das viele Geld, das sind doch alles nur Gegenstände. Das einzige was ich wirklich wiederhaben will ist mein Herz." Es heißt zwar immer reden hilft, aber Catharina hatte nicht das Gefühl, dass Shane der Erinnerungstrip gut getan hatte. Es tat ihr irgendwie richtig weh, dass er jetzt so traurig war. "Hey, komm mal her!" Sie nahm ihn ganz fest in den Arm. "Scheiße, jetzt flenn ich auch noch rum." - "Keine Angst, ich sag’s nicht weiter. Lass ruhig alles raus, dann geht’s dir besser. Weinen hilft wirklich, da werden irgendwelche Stoffe ausgeschwemmt und Aggressionen abgebaut . So genau weiß ich das auch nicht, aber jedenfalls ist das wissenschaftlich erwiesen." Catharina reichte ihm ein Taschentuch, als er sich wieder beruhigt hatte und Shane wischte seine Tränen ab. "Und geht’s dir schon besser?" - "Ein bisschen. Wie peinlich." lachte er. "Nein, ich fand das unglaublich mutig. Viele Männer haben Angst ihre Gefühle zu zeigen, aber durch den ganzen aufgestauten Kummer bessert sich die Situation erst recht nicht." - "Ich bin wieder ok, also wenn du willst können wir jetzt abtanzen gehen. Gillian hat mir schon genug angetan, da brauch ich mir von ihr nicht noch den Abend verderben lassen."
"Danke für den schönen Abend, Cat. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr." - "Ja, es war echt lustig. Also wenn du Lust hast können ja jetzt öfter ausgehen." - "Ja das wäre sehr schön. Nächste Woche bin ich mit der Band in Australien unterwegs, aber übernächste Woche ruf ich dich an." - "Gut, also bis denn." - "Schlaf gut." Kaum hatte Catharina die Haustür hinter sich geschlossen überkam sie ein eigenartiges Gefühl. Sie riss die Tür auf, Shane drehte sich auf der Hälfte der Treppe um. "Hast du was vergessen?" - "Ja, das." Cat gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Gute Nacht!" Sie lächelte ihn noch flüchtig an, dann war sie auch schon wieder verschwunden.

Am nächsten Morgen war Hannah die erste die auf war und demzufolge auch die erste am klingelnden Telefon. "Cat, steh auf!" - "Han, lass mich schlafen, ich hab heute frei und bin erst vor ein paar Stunden ins Bett." - "Aber dein Freund ist am Telefon!" In sekundenschnelle war Catharina unten im Flur. "Ist ja schön zu hören, wie du dich amüsierst." - "Stefan, wovon redest du?" - "Das weißt du ganz genau, kaum haben wir uns mal einen Monat nicht gesehen, wirfst du dich dem nächsten an den Hals." - "Stefan, was soll das? Du müsstest mich besser kennen. Außerdem weiß ich auch nicht was du so treibst." - "Ich bin ja auch nicht derjenige der fremd geht! Catharina, ich bin sehr enttäuscht von dir!" - "Stefan, ich..." Doch der hatte schon aufgelegt. "Tja, das war’s dann wohl." sagte Cat zu sich selbst. "Scheiße!" ein riesiger Kloß bildete sich in ihrem Hals und ihr war echt zum heulen zumute, aber es ging einfach nicht. Catharina kroch ins Bett zurück und fiel in einen langen traumlosen Schlaf.

Der Rest der Woche gestaltete sich nicht viel heiterer. Catharina war ziemlich still und wirkte unglaublich erschöpft, in ihrer Freizeit schlief sie meist.
Freitag Abend:
"Hey Dornröschen!" Robert saß an Cats Bett und versuchte sie zu wecken, als sie nicht reagierte, pustete er ihr ins Ohr. "Ihh, Rob das ist eklig. Lass das!" - "Nur wenn du was für mich tust. Kannst du heute Abend kurzfristig auf die beiden kleinen Ganoven aufpassen? Eileen und ich wollen ausgehen. Du hast dafür am Montag Abend frei, ok?" - "Na gut, hab eh nix vor." - "Super, in einer Stunde musst du aufstehen. Ich komm dann noch mal." - "Was, schon? Aber ich hab mich doch gerade erst hingelegt." - "Cat, es ist 20.30! Du hast übrigens Post aus Übersee." Robert wedelte mit einer Ansichtskarte vor ihrer Nase herum. "Rob, bitte gib sie endlich her, ich hab jetzt keine Lust auf deine Spielchen." Robert zog eine Schnute. "Ich verstehs ja, dir geht’s nich so gut. Ich werd jetzt auch nicht so n Mist sagen, wie das es vorbei geht, denn ich weiß, wie weh es tut. Aber uns bedrückt es alle, dich so traurig zu sehen. Gut, ich lass dich jetzt allein." Als Rob gegangen war, sah sich Catharina die Postkarte aus Brisbane genauer an. "Hi Cat! Sonnige Grüße aus dem Surferparadies. Hoffe bei euch ist auch einigermaßen gutes Wetter. Komme am Samstag zurück. Grüß Rob, Eileen und die beiden Kiddies bitte von mir! Bis bald, Shay."
Catharina freute sich, dass Shane an sie gedacht hatte und es ging ihr gleich etwas besser, also beschloss sie aufzustehen. Der Hunger tat sein übriges.
"Hi Shay, ich hoffe ich hab dich nicht geweckt. Bei euch müsste es doch jetzt 6.00 morgens sein, richtig?" - "Genau. Nein, du hast mich nicht geweckt, ich packe gerade." - "Ich hab deine Nummer von Rob, soll dich übrigens von ihm grüßen. Die Karte ist heute angekommen. Danke, hab mich sehr gefreut. Du hast am Montag Abend nicht zufällig schon was vor?" - "Nein, ich würde gern mit dir ausgehen. Was hältst du davon wenn ich dich zum Mexikaner einlade?" - "Klingt gut, ich liebe Tex-Mex-Küche." - "Ich freu mich." - "Ich mich auch."

Montag Abend im Restaurant:
"Letzte Woche hat übrigens Stefan endlich angerufen... und hat mit mir Schluss gemacht. Es war an dem Morgen nachdem wir tanzen waren. Han muss ihm wohl erzählt haben, dass ich mit dir aus war und ziemlich spät wiederkam." - "Das tut mir leid. Ich..." - "Nein Shane! Nein, er hat einfach kein Vertrauen zu mir und das ist weder deine Schuld noch Hannahs." - "Willst du um ihn kämpfen?" - "Wie denn? Ich kann da gar nix machen, an seiner Einstellung wird sich nichts ändern." - "Und wie geht’s dir jetzt?" - "Na ja, inzwischen hab ich’s akzeptiert. Also er hat nicht direkt gesagt, dass es aus ist, aber er hatte ziemlich schlechte Laune und ich konnte mich nicht mal verteidigen, er hat mir gar nicht zugehört. Danach hat er sich auch nicht noch mal gemeldet. In den ersten Tagen hab ich immer überlegt, ob ich ihn anrufen soll." - "Ja, das kenn ich. Hast du’s getan?" - "Nein und mittlerweile seh ich das auch nicht mehr ein. Es hätte sowieso nicht gehalten. Aber das traurigste daran ist eigentlich, dass mir die schöne Zeit, die wir zusammen hatten jetzt so vergeudet vorkommt." - "Ja, das ist wirklich dass schlimmste. Das kommt von der Enttäuschung, die du spürst." - "Sorry, ich belaste dich hier mit meinen Problemen, dabei geht’s dir in der Hinsicht selber nicht viel besser." - "Nein, es hilft mir wirklich mich mit jemandem auszutauschen, der das gleiche durchmacht." - "Ja, dann bin ich jetzt wohl auch eine Gescheiterte." - "Was auch total nervt sind die ganzen Leute, die dir dann sagen Junge, du findest sicher bald was neues, du bist noch nicht so alt wie ich und du siehst doch hüsch aus bla bla." Shane sprach mit einem Zittern in der Stimme und äffte somit anscheinend seine Oma nach. Catharina musste so lachen, dass sie sich fast an ihrer eigenen Spucke verschluckte. Sie fand ihn unglaublich tapfer und es erleichterte sie, dass er schon Witze darüber machen konnte. "Ja genau, als wenn der Mensch den man gerade verloren hat, austauschbar wäre, wie eine Zahnbürste." - "Manchmal glaube ich sogar, diese Leute waren nie richtig verliebt waren, deswegen kennen sie den Schmerz auch nicht."

An einem Nachmittag im Dezember:
"Hey Alter! Wer war denn diese heiße Maus?" - "Mark, hast du mich erschreckt. Was machst du denn in Dublin?" - "Ich war mit Nicky Klamotten kaufen." Jetzt sah Shane auch dass Mark unzählige große Einkaufstüten mit sich rumtrug, wahrscheinlich waren die beiden seit heute Vormittag unterwegs. "Fällt es dir bei den vielen Sachen nicht schwer dich zu entscheiden was du anziehst? Du hast ja n größeres Klamottenarsenal als die meisten Mädchen." - "Ach... Is doch egal. Mann, was fragst du mich so n Scheiß? Sehe ich aus, als hätte ich darüber schon mal nachgedacht?! Sag mir lieber wer die Rothaarige in dem Jeansmantel war." - "Das war Catharina." - "Mhh Catharina! Und was macht sie so? Jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen!" - "Sie arbeitet als Au pair bei Rob und Eileen und wir gehen jetzt seit ein paar Monaten miteinander aus, zufrieden?" - "Shane, schläfst du mit ihr?" - "Mark!" - "Also nicht! Na dann kannst du sie mir ja ma vorstellen, die wär genau die richtige für mich." grinste Mark und ließ seine Zunge über die Zähne gleiten. "Nein! Das werd ich ganz bestimmt nicht tun!" - "Und warum nicht?" - "Na weil..." - "Weil?" - "Weil ich in sie verliebt bin." - "Weiß sie das auch?" Shane sah betreten zu Boden. "Also nicht! Shane, du bist jetzt seit einem Jahr geschieden. Du musst bald mal was unternehmen, sonst schrumpelt da unten alles ein. Is echt wahr." - "Mark, lass das!" - "Wieso sagst du es ihr denn nicht einfach?" - "So leicht ist das aber nicht." - "Doch Shay, das ist es. Es ist leicht. Was hast du denn zu verlieren?!"
Tief in seinem Herzen wusste Shane, dass Mark recht hatte. Cat mochte ihn und doch hatte er Angst zurückgewiesen zu werden und es nicht zu verkraften. Aber er musste bald was unternehmen, so konnte es nicht weitergehen. Sie hatten sich gerade mal vor einer Stunde voneinander verabschiedet und trotzdem hatte er schon wieder Sehnsucht nach ihr. Als Shane und Mark den Pub verließen, beschloss Shane einfach noch mal bei Catharina vorbeizugehen. Zum Glück hatte er nur ein Bier getrunken.
"Oh, hi Shay!” - "Ich hoffe ich stör dich nicht. Ich hab mich gefragt, ob du vielleicht Lust hast ins Kino zu gehen, falls du nicht schon genug von mir hast." - "Jetzt?" - "Oh, sorry! Hast wahrscheinlich schon was anderes vor?" - "Nein, ich wollte eigentlich mal meine ganzen Mails beantworten, aber irgendwie hab ich da absolut keinen Bock drauf. Also komm rein und mach’s dir im Wohnzimmer bequem. Ich bin in 10 Minuten fertig."
"Was wollen wir uns eigentlich ansehen, Shay?" - "Alles was du willst." - "Ich weiß gar nich was grad so läuft." - "Da geht’s dir wie mir. Entscheiden wir wenn wir dort sind, ok?"
Vorm Kino:
"Hey, wie wär’s denn mit dem Gruselthriller hier, Cat?" - "Nein, den hab ich schon mit meiner Freundin Kristina gesehen, der is richtig schlecht." - "Tja die meisten Filme haben schon angefangen oder starten erst in 2 Stunden." - "Mhh und der Rest klingt auch nich so doll." - "Wart mal, hier steht was von Mittwochskino Der besondere Film." - "Ja, da kann man nen Streifen sehen der schon n bisschen älter is." - "A Walk To Remember nach einem Roman von Nicholas Sparks." - "Hey, das Buch hab ich vor n paar Jahren mal gelesen. Das ist superschön. Hab gar nicht mitgekriegt, dass es verfilmt wurde." - "Also wollen wir den gucken? Der fängt schon in 15 Minuten an."
"Sorry, aber das ist einfach so traurig. Als ich den Roman gelesen hab, musste ich auch ganz viel weinen." - "Hey, das ist doch nicht schlimm, außerdem sind wir die einzigen im Saal." lächelte Shane. Catharinas Tränen lösten in ihm den Beschützereffekt aus und Shane konnte sich nicht mehr länger gegen seine Gefühle wehren. Er strich ihr sanft eine Träne von der Wange und gab ihr einen zärtlichen Kuss, den sie erwiderte. Catharina lehnte sich an Shanes Schulter. "Können wir noch den Abspann ansehen? Ich find das Lied so schön." - "Klar, wenn wir danach noch im Park spazieren gehen."
"War wirklich n schöner Film, nich der übliche Teenie-Movie-Müll." - "Ja, das kommt daher, dass ihm das Buch eines Schnulzenautors zu Grunde liegt." lächelte Cat. "Was aber gar nicht weiter schlimm ist, denn hier geht’s nicht, wie sonst, darum dass sich der obercoole Typ in das Hässliche Entlein verliebt, als es sich in einen schönen Schwan verwandelt. Sondern Landon entwickelt ja schon vorher Gefühle für Jamie und er will sie auch gar nicht verändern, obwohl er bei dem Theaterstück gesehen hat, dass sie auch anders ausschauen kann. Ich find das so süß wie die zwei dann zusammen zur Schule gehen und sie trägt immer noch diese altbackenen Blümchenkleider." - "Ja, aber der Film hat auch noch eine andere Botschaft. Dass man die Zeit nutzen soll, die einem bleibt, sonst verpasst man womöglich eine wunderbare Erfahrung. Was ich damit sagen will ist, Catharina, ich bin wahnsinnig verliebt in dich." Cat schloss Shane in die Arme und flüsterte ihm ins Ohr "Und ich bin wahnsinnig verliebt in dich."
"Also dann schlaf gut, meine Süße!" Shay gab Catharina einen Kuss und wollte gerade ihre Hand loslassen, als diese ihn zurückhielt. "Shane, willst du vielleicht noch mit reinkommen? Rob und Eileen sind bis zum Wochenende verreist und die Kinder übernachten heute bei Freunden." lächelte Cat ihn schüchtern an. Nachdem sie die Tür geschlossen hatte, gab Cat Shane einen fordernden Zungenkuss. Er zog sie eng an sich und sie konnte spüren wie heftig sein Herz schlug. Catharina öffnete den Reißverschluss seiner Jacke und streifte sie Shane von den Schultern. Er knöpfte ihren Mantel auf und als Shay ihr diesen ausgezogen hatte, nahm Cat seine Hand und führte ihn in ihr Zimmer. Shane setzte sich auf Cats Bett und zog sie auf seinen Schoß. Als Catharina begann an seinem Hals zu knabbern, war es ganz um ihn geschehen. Er fing an ihren Rücken zu streicheln und als Cat sich an seiner Hose zu schaffen machte, tat sein Herz einen Luftsprung. "Oh Catharina, das habe ich mir schon so lange gewünscht!" stöhnte Shane ihr sanft ins Ohr...

Am nächsten Morgen wachte Cat davon auf, dass Shay zärtlich ihre Brust streichelte und ihren Hals küsste. "Mhh, so möchte ich ab jetzt immer geweckt werden." Sie wollte sich gerade zu ihm umdrehen, als ihr Blick auf die Digitalanzeige des Radioweckers fiel. "Mist, schon 11.30! Ich muss in einer halben Stunde die Kinder abholen." Sie gab Shane einen liebevollen Kuss bevor sie ins Bad eilte.
Nachdem Catharina das Haus verlassen hatte, stand Shay auf und ging ebenfalls duschen. Er entschloss sich sie mit einem Strauß roter Rosen zu überraschen. Als er auf die Straße trat schien ihm die Sonne ins Gesicht. Es war ein unglaublich schöner Morgen und Shane hatte so viele Schmetterlinge im Bauch, dass er auf einmal anfing mit singen. "How lucky can one guy be? I kissed her and she kissed me. Like the fella once said, ain’t that a kick in the head? The room was completely black, I hugged her and she hugged back. Like the sailor said, quote, ain’t that a hole in the boat? My head keeps spinnin’, I go to sleep and keep grinnin’ If this is just the beginnin’, my life is gonna be bee-yoo-tee-ful. Oh Cat, how I’m in love with you.” und ein kleines Tänzchen dazu aufführte. Es war ihm egal, ob ihn jemand sah, so gut war er drauf.
Als Catharina den Wagen vorm Haus parkte, traute sie ihren Augen nicht, Stefan saß auf der Treppe. "Dec, Han, geht bitte rein, ich muss allein mit ihm reden. Also, was willst du?" - "Baby, ich hab dich ja so vermisst. Bitte komm zurück nach Hause, ich kann doch nicht ohne dich leben." Stefan riss sie an sich und küsste sie stürmisch. Er hielt Cat so fest, dass sie sich nur schwer aus seinen Armen lösen konnte. Sie stieß ihn von sich. "Sag mal spinnst du?! Du machst mit mir Schluss und Monate später tauchst du einfach hier auf und ich soll mich drüber freuen, oder was? Du hast sie doch nicht mehr alle!" - "Ah, ich verstehe, du vögelst einen anderen. Der Typ mit dem du aus warst?" - "Wenn du’s genau wissen willst ja. Ich liebe ihn und ich hatte gestern die wundervollste Nacht meines Lebens." - "Du Schlampe! Und dabei habe ich die weite Reise extra wegen dir gemacht. Ich bin ein für alle mal fertig mit dir, Catharina!" - "Schön, da sind wir uns ja einig!"
Shane wollte gerade seinen Kummer im Pub ersäufen, als sich Mark zu ihm setzte. "Sag mal Alter, verfolgst du mich? Du warst ja schon wieder einkaufen." - "Ja, ich hab gestern das perfekte Weihnachtsgeschenk für Nicky gesehen, aber in seiner Gegenwart konnte ich das ja nich kaufen, also bin ich heute noch mal hergefahren und hab gleich meine ganzen Weihnachsteinkäufe erledigt. Und was geht mit Catharina?" - "Wieso, was soll mit ihr laufen?" - "Na die Rosen. Willst du es ihr heute sagen?" Shane blickte traurig aus dem Fenster. "Shay, die ganzen sexuellen Anspannungen, die du aufgebaut hast, musst du auch mal rauslassen. So kann das doch nicht weitergehen. Du..." legte er die alte Platte wieder auf. Shane, der keine Lust auf den ganzen Vortrag hatte sprach deswegen etwas zu laut, als er versuchte seinen Freund zu unterbrechen. "Mark! Mark!! Ich hab gestern mit ihr geschlafen!" Mist, dachte Shane, als alle anderen Gespräche im Pub verstummten und sich die restlichen Gäste zu ihnen umdrehten. Ihm war das ganze schon peinlich genug, aber Mark verschlimmerte es noch, als ihn umarmte und "Das ist ja klasse." kreischte. "Whiskey für alle!" - "Danke Alter, jetzt hat es auch wirklich jeder mitgekriegt. Die ganzen Leute denken nun ich wär so n Loser, der sonst nie ne Frau abkriegt und der Barmann ruf sicher gleich bei der Sun an." - "Jetzt mach dir mal nich ins Hemd, sind doch wunderbare Neuigkeiten." - "Nein, eben nicht." - "Wieso, bist du etwa..." - "Nein, Mark! Es war wunderschön, aber es hat ihr anscheinend nicht das gleiche bedeutet wie mir. Ich hab vorhin gesehen, wie sie mit einem anderen rumgeknutscht hat." - "Und? Ich hoffe du hast den Typen ordentlich vermöbelt." - "Nein, ich konnte mir das nicht länger ansehen, also bin ich hier hergekommen. Außerdem was hätte es denn gebracht? Liebe kann man nun mal nicht erzwingen. Ich geh jetzt und verkrieche mich in meinem Bett. Die Blumen schenk ich dir." Traurig trottete Shane davon. Mark beschloss, ihn erst mal ein zwei Tage in Ruhe zu lassen. Wahrscheinlich würde er seine Aufheiterungsversuche erst mal sowieso ablehnen.

Am Montag darauf:
Betrübt lag Catharina auf der Couch und zappte sich durchs Musikfernsehen, um sich die Zeit zu vertreiben bis Kristina kam. Selbst der geile Robbie Williams schaffte es nicht sie aufheitern, ihre Gedanken kreisten nur um Shane. Sie konnte sich nicht mal darüber freuen, dass in 2 Wochen Weihnachten war. Cat dekorierte mit Declan das Haus, sie backte mit Hannah Weihnachtsplätzen, aber sie war nur ein Geist. Beim nächsten Lied verlor sie komplett ihre Beherrschung, es waren Westlife mit Obvious. Der nächtliche Strand, die ganzen romantischen Glühbirnen und mittendrin Shay. Er sah so süß aus und erst sein hübsches Lächeln. Catharinas Tränen flossen immer heftiger, doch sie brachte es nicht übers Herz umzuschalten. Würde er für sie jemals wieder so lächeln? "Ach mein kleiner Schatz, wieso willst du denn nichts mehr von mir wissen? Dabei lieb ich dich doch so sehr." schluchzte Cat. Als Hannah ins Wohnzimmer kam, wischte sie sich schnell die Augen trocken. "Cat, deine Freundin Kristina ist jetzt da."
"Mensch Süße! Du siehst aber schlecht aus. Was ist denn los? Du klangst ja schon am Telefon voll fertig." Kristina nahm Cat erst mal in den Arm. "Es geht um Shane. Wir waren am Mittwoch im Kino und da hat er mich geküsst und mir seine Liebe gestanden. Ich hab an dem Abend mit ihm geschlafen. Es war der liebevollste Sex, den ich je hatte und ich war so glücklich am Donnerstag mit ihm aufzuwachen. Ich hab gedacht er liebt mich, ich dachte er wäre was besonderes. Aber er hat sich seitdem nicht mehr gemeldet und ich kann ihn auch nicht erreichen. Der einzige Grund, der mir einfällt, ist dass er mich nur ins Bett zerren wollte. Aber wir sind jetzt schon seit ungefähr einem halben Jahr befreundet. Warum tut er mir so weh? Kristina, ich versteh das nicht." - "Wieso fragst du denn nicht Robert, ob er mal mit ihm redet? Ich denke er ist ein Freund von ihm." - "Ja, aber Robert und Eileen waren bis Samstag verreist und Rob musste gestern schon wieder weg, auf Dienstreise nach Kanada. Da wollte ich ihn damit nicht belasten und am Telefon will ich das mit ihm auch nicht bereden, er hat da drüben sicher genug zu tun. Na und Eileen hat zur Zeit auch total viel Streß auf Arbeit, is ja normal so kurz vor Weihnachten." - "Ach Schneckchen! Ich wünschte ich könnte jetzt irgendwas sagen, das dich aufheitert. Aber ich weiß nur dämliche Floskeln und die braucht ja nun wirklich kein Mensch." - "Danke, es hilft schon, jemanden zu haben, bei dem man sich ausheulen kann."

Einen Tag später:
"Hi Han!" - "Hallo Shay, willst du zu Cat?" - "Nein, aber ist dein Dad zu Hause?" - "Der is verreist. Wieso, hast du sie denn gar nicht mehr lieb? Ich weiß, das darf man nicht, aber ich habe gestern gelauscht, als sie mit ihrer schwedischen Freundin erzählt hat. Cat hat deinetwegen sogar geweint." - "Doch, ich hab sie sogar sehr lieb. Aber ich hab am Donnerstag gesehen, wie sie einen anderen geküsst hat." - "Das war ihr Ex-Freund und sie wollte es gar nicht, aber er hat sie nicht losgelassen." - "Ich Idiot! Is sie da?" - "Nein, sie is mit Dec shoppen gegangen, weil der nicht weiß, was er seiner Freundin zu Weihnachten schenken soll." - "Na gut, dann geh ich jetzt mal schnell und kauf ihr einen schönen Strauß Blumen." - "Das wirst du nicht mehr schaffen. Da hinten kommen sie schon."
Catharina zitterte am ganzen Körper als sie die Autotür zuschlug. Declan schubste Hannah ins Haus "Komm, wir lassen die beiden allein." und schloss die Tür. Hannah rannte sofort ans Wohnzimmerfenster und kippte es an, um nichts zu verpassen.
Unsicher ging Shane auf sie zu und da er nicht richtig wusste wie er sich jetzt am besten entschuldigte, fing er einfach an zu singen. "I didn’t mean to let you down. You have to believe it. I don’t know what went through my mind, but now I can see that I waited too long to tell you how much it matters just to be right here with you. But I couldn’t think of anything better. I should have told you so. Baby open your heart! Won’t you give me a second chance? And I’ll be here forever. Open your heart! Let me show you how much I care and I will make you understand, if you open your heart to love me once again.” Cat brach in Tränen aus und fiel Shay um den Hals, entschieden ihn nie wieder loszulassen. "Es tut mir ja so leid, Catharina. Bitte verzeih mir, ich war so dumm." Er strich zärtlich über ihr Haar um sie zu beruhigen. "Ich hab dich am Donnerstag mit diesem Kerl gesehen und war so geschockt. Jetzt weiß ich was wirklich passiert ist, Hannah hat es mir erzählt. Ich hätte mit dir reden sollen, doch ich hatte solche Angst schon wieder verletzt zu werden." - "Aber ich würde dir doch niemals weh tun." - "Ich weiß nicht was ich mir gedacht habe. Wahrscheinlich hab ich gar nicht gedacht. Ich hatte einfach nur Angst, du würdest mich nicht lieben." Catharina gab Shane einen zärtlichen Kuss und sah ihn entschlossen an. "Aber ich werde dich lieben! Bis zu dem Tag, an dem ich zu Asche verbrenne, werde ich dich lieben."

Ende