Diesen Fic widme ich drei meiner besten Freundinnen, Ellen (remember, Nicky, nicht Madi!!), Vicky (knuddel knuddel!!) und Doro (er schaut dich nur an weil er dich mag!!). Danke, dass ihr immer da seid und mir zuhört, wenn ich mal Probleme hab, ich hab euch echt supermegadoll lieb!!! Und, Doro, danke, dass du mich in Latein immer abschreiben lässt, ohne dich wäre ich aufgeschmissen! (War doch is ea id... eius eius eius oder??)
An alle anderen: Viel Spaß beim Lesen!
"Ich geh mal kurz auf’s Klo!", meinte Nicky und ging aus dem Raum, wo gerade ein Meet&Greet mit zwei Fans war. Die eine war total hibbelig und stellte ihnen eine Frage nach der anderen, während die andere nur stumm daneben saß und ab und zu mal den Kopf hob, wenn SIE mal was gefragt wurde. Belustigt schüttelte Nicky den Kopf, während er sein Geschäft verrichtete. Er wusste nicht, dass das schweigsame Mädchen ihm gefolgt war und vor der Wand der Frauentoiletten saß, die genau nebenan waren. Sie hatte die Hände auf ihre Knie gestützt und weinte bitterlich, aber sie machte dabei keinen Mucks. Man sah nur die Tränen. Fröhlich pfeifend ging Nicky wieder zurück zum Raum zurück und unterzog sich den Fragen des hibbeligen Mädchens, als er bemerkte, dass das andere Mädchen fehlte. "Wo ist denn die andere?", fragte er Shane leise. Der zuckte die Schultern. "Eben hat ihr Handy geklingelt, da ist sie rausgegangen und bis jetzt nicht wiedergekommen." "Achso." Als sie aber nach einer halben Stunde immer noch nicht da war, machte sich Nicky so langsam Sorgen. "Ich geh mal gucken wo sie ist!", flüsterte er leise zu Shane, der mit dem Kopf nickte. Nicky verließ den Raum und sah sich suchend, um nicht mal ihren Namen kannte er. Unter anderem ging er auch durch den Gang mit den Toiletten, wo er sie dann sitzen sah. Ihre Schultern zuckten gleichmäßig auf und ab. Verstört betrachtete er sie eine Weile, ehe er sich lautlos vor sie hockte. Warum war sie auf einmal so traurig? Eben hatte sie zwar auch nicht so glücklich ausgesehen, aber so traurig? "Hey was ist denn mit dir los?", fragte er leise und versuchte ihr Gesicht aus ihren Armen zu befreien, was ihm auch halbwegs gelang. Zwei blaue Augen starrten ihn an. "Ich bin…mir ist nicht so gut.", flüsterte sie. "Soll ich dir ein Glas Wasser besorgen?" "Nein danke." "Was hast du denn dann? Hast du dir irgendwie weh getan oder was ist passiert?" "Ich hab mir nichts getan. Ich bin nur traurig." "Oh…und warum wenn ich fragen darf? Ich meine du musst es mir nicht erzählen, wenn du nicht willst…" "Doch, ist wohl besser, wenn ich mit jemandem darüber spreche. Hoffentlich wird es dann leichter." Nicky setzte sich neben sie und sah sie gespannt an. Sie hatte ihren Blick starr auf ihre Hände gerichtet, die an ihrer Baggy Pants rumspielten. "Mein Bruder liegt seit zwei Wochen im Koma. Und eben gerade hat Dad mich angerufen und gesagt, dass er gestorben ist." Sie vergrub ihren Kopf wieder in den Armen und weinte. "Oh…" stieß Nicky gepresst hervor. Er dachte, dass sie vielleicht einfach so glücklich wäre, weil sie ihre Lieblingsband getroffen hatte, aber das schien ja doch nicht so zu sein." "Er war mein bester Freund. Ich konnte immer mit ihm reden, wenn ich traurig war oder Stress mit Dad hatte. Und jetzt geht das alles nicht mehr…" Wieder verfiel sie in Schweigen und Nicky nahm sie schüchtern in den Arm. "Das tut mir echt leid für dich.", flüsterte er leise. "Becki nimmt das alles auf die leichte Schulter. Der ist es egal, dass Chud gestorben ist." "Wer ist Becki, wenn ich fragen darf?" "Das andere Mädchen, was da bei euch sitzt. Sie ist der eigentliche Grund warum ich hier bin, sie ist der Westlifefan. Ich sollte nur mitkommen, falls sie umkippt oder so. Sie schert es überhaupt nicht, dass unser Bruder tot ist." "Das tut mir echt leid mit deinem Bruder. Ich könnte mir auch nicht vorstellen ohne Adzer zu leben." "Wer ist Adzer?" "Mein Bruder. Adam." "Achso." Sie stand ruckartig auf. "Naja, vielleicht gehen wir besser wieder zurück, ich will euch den Tag nicht vermiesen." "Das tust du nicht, ich finde der Tod ist eine ernste Sache, den sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen." "Stimmt schon, aber ihr habt ja nichts damit zu tun." Er klopfte ihr auf die Schulter, während sie den Gang zurück zum Interview Zimmer gingen. "Das vielleicht nicht, aber wir können dir helfen das zu verarbeiten." "Ach was, morgen werdet ihr uns schon gar nicht mehr kennen." "Wetten doch? Gib mir doch mal deine Handynummer falls du eine hast." "Warte." Sie gab ihm einen Zettel, wo ihre Anschrift, Telefonnummer und Handynummer draufstand. "Walsh? Du heißt Walsh?" "Ja-" "Und du wohnst im selben Haus wie unser Manager." "Louis Walsh?" "Ja..." "Ich bin seine Tochter!" Entgeistert sah Nicky sie an. "Wie jetzt? Echt?"
"Becki, Julia kommt ihr mit zum Studio?", rief Louis von unten die Treppe hoch.
Beide kamen aus ihren Zimmern raus "Klar!", rief Becki begeistert, während
Julia nur langsam die Treppe runtertrottete. Die Sache mit Chud machte sie immer
noch schwer zu schaffen. Louis hielt ihr ihre Rapperjacke hin klopfte ihr auf
die Schulter. Julia sah kurz auf und zog sich dann ihre viel zu große
Jacke an. In letzter Zeit hatte sie eh nur noch weite Sachen getragen und keinen
mehr an sich rangelassen. Die Jungs warteten schon hibbelig vor dem Studio,
heute sollten sie einen neuen Song aufnehmen. Becki rannte gleich kreischend
auf sie zu, Julia trottete langsam hinter Louis her, der ebenfalls schweigend
das Studio aufschloss. "Na wie geht’s?" Nicky kam zu Julia und legte einen Arm
um ihre Schulter. Sie sah kurz hoch. "Gut.", sagte sie leise. "Nicky, kommst
du mal kurz?", rief Louis auch schon. "Sorry!", sagte er noch zu Julia, bevor
er zu Louis ging. "Was gibt’s?", fragte er. Louis zog ein Stück weiter
von Julia weg, was die aber gar nicht mitbekam, da sie traurig auf dem Sofa
hing. "Du verstehst dich doch gut mit Ju oder?" "Ja...eigentlich schon." "Dann
versuch mal irgendwie an sie ranzukommen. Seit Tagen sondert sie sich total
ab und trauert nur noch in ihrem Zimmer. Essen tu sie auch fast nichts mehr..."
"Ich sehe schon, höchste Alarmstufe!", unterbrach Nicky ihn. Louis nickte.
"Wenn du willst kannst du heute Abend mit zu uns kommen, vielleicht geht es
dann besser." "Okay, danke." Nicky wendete sich zum Gehen, als Louis ihn nochmals
am Arm festhielt. "Aber das bleibt unter uns, klar?" "Jep." Zum Glück war
ihr heute aufzunehmendes Lied nicht gerade das fröhlichste Lied, denn sowas
hätte Julia nicht ertragen und Nicky nicht singen können.
Gegen Abend waren sie dann schließlich fertig und Nicky fuhr mit Louis,
Becki und Julia, sein Auto ließ er vorm Studio stehen. Als das Abendessen
fertig war verzog sich Julia auf ihr Zimmer. Louis und Becki waren das schon
gewöhnt, sie beachteten das nicht weiter, doch Nicky blickte verstört
hinterher, sagte aber nichts. "So, jetzt kannst du deinen Pflichten nachkommen,
wir lassen noch gedeckt falls du es schaffen solltest, was ich aber nicht glaube."
Nicky nickte und ging dann die Treppe hoch zu Julias Zimmer. Klopf, klopf. Julia
schreckte von ihren Fotos von Chud hoch. "Ja komm rein.", sagte sie und Nicky
trat langsam ein. Es lief Soledad. Julia saß auf ihrem Bett und sah sich
Fotos an, Nicky sah mehrere Tränen auf diese hinabtropfen. Wie in Trance
setzte er sich neben sie. Erschrocken sah sie auf. "Hi!", sagte Nicky. "Hi.",
flüsterte sie und schaute sich weiter die Bilder an. Nicky sah neugierig
mit drauf. Ein Junge war zu sehen, ungefähr siebzehn Jahre, also in Julias
Alter. "Ist das Chud?", fragte Nicky leise, worauf Julia nickte und sich vorsichtig
an Nicky lehnte. Der legte einen Arm um sie. "Ich vermisse ihn so!", weinte
Julia und klammerte sich an Nicky’s Arm fest, der ihr beruhigend über die
Wange fuhr. "Es tut mir echt so leid für dich! Du hast ihn sehr geliebt,
oder?" "Ihm konnte ich alles erzählen, er hat mich immer wieder aufgebaut,
er war einfach..." Sie seufzte laut und sah Nicky an. "...mein ein und alles!"
Dann begann sie zu weinen, stumme Tränen liefen ihr die Wangen runter.
Nicky konnte das nicht länger mit ansehen ohne irgendwas zu machen, deswegen
nahm er sie in den Arm. Sie lehnte sich schluchzend an seine Brust. "Ich will
dass...er wieder lebt!", weinte sie leise. Nicky spürte, wie sein T-Shirt
immer nasser und nasser wurde, aber er spürte auch Julias aufsteigende
Verzweiflung. "Shh...wir können doch auch nichts mehr daran ändern,
wir wollen dir doch nur helfen das zu verarbeiten.", flüsterte er. Da öffnete
sich die Tür, was Julia aber gar nicht bemerkte sondern nur Nicky. Louis
kam rein. "Hast du’s doch geschafft?", fragte er flüsternd. Nicky nickte.
"Aber ich glaube nicht, dass sie noch was essen will.", erwiderte er genauso
leise. Louis nickte verständnisvoll und verschwand dann wieder. Nicky konzentrierte
sich wieder auf Julias Atem, doch der ging seltsam langsam. Er betrachtete sie
näher und stellte fest, dass sie eingeschlafen war. Sanft entkrampfte er
ihre Arme, die sich um ihn geschlungen hatten und legte Julia dann vorsichtig
richtig in ihr Bett, deckte sie zu und ging leise.
Das nächsten Mal als die Walsh Family die fünf Jungs wieder sah,
war nach einer Woche, weil sie den Ablauf ihrer Tour noch mal besprechen wollten.
Becki hockte die ganze Zeit bei Shane, das machte sie in letzter Zeit irgendwie
öfter, während Julia bei ihrem Vater auf dem Sofa saß. Ihr Dad
redete gerade von irgendwelchen Bühnenoutfits, dabei hatte er den Arm um
sie gelegt. Nicky hatte Louis nach dem einen speziellen Abend diesen einen Hinweis
gegeben, es gab ihr das Gefühl, nicht ganz allein zu sein. Doch Julia nahm
das alles nicht wirklich wahr, sie starrte nur mit glasigen Augen vor sich hin
und dachte an Chud. Er war immer da gewesen, hatte sich ihre Probleme angehört
und mit ihr gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Er hatte sie zu seinen
Kumpels mitgenommen, hatte immer auf sie aufgepasst, obwohl er selber ja nur
ein Jahr älter gewesen war. Wenn er jetzt noch leben würde, würde
er Witze mit ihr machen, ihren Vater veräppeln... Das alles ging nicht
mehr und wieder einmal wurde Julia das unter Tränen bewusst. Sie wischte
sie kurz ab und stand dann auf. "Sorry...ich geh mal kurz raus!", sagte sie
leise und alle starrten ihr hinterher, sie wussten was geschehen war, aber nur
einer machte sich wirkliche Sorgen. Im T-Shirt und bei Herbstwetter saß
Julia draußen, irgendwie musste sie einen Weg finden, das ganze zu verarbeiten.
Einen Weg, Chud nicht den ganzen lieben langen Tag nachzutrauern, sondern einfach
akzeptieren, dass er tot war. Aber so einfach, wie sie sich das vorstellte,
war es nicht, immer wieder gab es Situationen, in denen sie an ihn erinnert
wurde. Es war wie eine Narbe, es würde und konnte nie wieder vergehen.
"Lou, hat sie in der letzen Woche irgendwas gesagt?", fragte Nicky sofort, als
Julia den Raum verlassen hatte. Er war derjenige, der sich am meisten Sorgen
machte, weil er Angst hatte, das sie einfach irgendwann eingehen würde.
Traurig schüttelte Louis den Kopf. "Ich hab’s versucht, Nicky, aber sie
sitzt immer nur auf ihrem Zimmer und hörte eure Lieder, ausschließlich
die traurigen." Nicky nickte nachdenklich. "Aha..." "Aber gestern Abend kam
sie runter und hat gefragt, wann wir euch mal wieder sehen würden. Als
ich fragte, warum, hat sie gesagt, dass sie dich gerne wiedersehen würde."
Shane stupste Nicky grinsend an. "Ich glaub da mag dich jemand...", flüsterte
er. Nicky schüttelte ebenfalls leicht grinsend den Kopf. "Ich mag sie auch
Shorty, aber nicht so wie du es dir vorstellst." Shane zog fragend die Augenbrauen
nach oben, als Nicky aufstand. "Ich geh dann mal kurz raus, okay?" Er warf Louis
einen fragenden Blick zu, den dieser mit einem Kopfnicken beantwortete. Nicky
suchte Julia, fand sie schließlich auf den Treppenstufen am Eingang des
Studios sitzen. Sachte stupste er sie von hinten an. Sie schreckte auf und drehte
sich um, Nicky blickte sie besorgt an. "Kann ich mich zu dir setzen?", fragte
er. Julia nickte wortlos und rückte ein Stück zur Seite. Nicky setzte
sich und sah sie von der Seite an, sie hatte wieder geweint. Er wusste in diesem
Moment wirklich nicht, was er tun oder lassen sollte, aber Julia nahm ihm diese
Entscheidung ab, indem sie ihren Kopf vorsichtig gegen seine Schulter lehnte.
"Ich habe dich vermisst.", flüsterte sie leise. Leise Schluchzer waren
noch zu hören. Beruhigend fuhr Nicky ihr durch die Haare, die mittlerweile
so kurz wie die eines Jungen waren. "Ich habe mich auch die ganze Zeit gefragt,
was du wohl gerade machst.", erwiderte er ebenso flüsternd. "Warum hast
du dir eigentlich deine Haare so kurz geschnitten? Die langen standen dir viel
besser." Julia hob den Kopf leicht an und sah in Nicky’s blauen Augen. Mit einer
Hand fuhr sie sich kurz durch ihre Haare und seufzte dann leise. "Danke. Aber
mir haben sie nicht mehr gefallen, sie haben irgendwie immer gestört."
"Bei was?" "Bei allem." "Aber sie standen dir trotzdem besser." "Findest du?"
"Auf jeden Fall." Er legte seinen Kopf auf ihren. "Versprichst du mir eins?"
"Was denn?" "Wir gehen ja jetzt für drei Wochen auf Tour. Wenn ich wiederkomme,
hast du die Haare länger, okay?" "Ich versuchs.", lächelte Julia leicht,
und es freute Nicky ungemein, sie wenigstens einmal ein Lächeln zu sehen,
immerhin ein anderer Gesichtsausdruck als traurig und betrübt. Doch schon
verfielen Julias Mundwinkel wieder in ihre alte Position. Darauf legte Nicky
seine Arme vorsichtig von hinten um ihren Körper. Sie kuschelte sich an
ihn, es fühlte sich so ähnlich an wie bei Chud, aber auch nur so ähnlich.
Eine Weile verharrten sie so, bis Julia sich plötzlich bewegte. "Vielleicht
sollten wir wieder reingehen, du wirst doch sicher schon vermisst, oder?" Nicky
zuckte die Schultern. "Eigentlich nicht, aber wenn du willst, können wir
gehen." Julia stand auf und ging zurück zum Zimmer, Nicky tat es ihr gleich.
Doch bevor sie die Tür zum Raum öffnete, hielt sie Nicky noch kurz
am Arm fest. "Nicky?" "Ja?" "Danke, dass du für mich da bist."
Julia setzte sich wieder zu ihrem Vater, der auch wieder einen Arm um ihre Schultern
legte und mit seiner Besprechung fortfuhr. Den Rest der Unterhaltung von Louis
und den Jungs verglich sie Nicky ein wenig mit Chud. Chud hatte sie getröstet
und ihr Mut gemacht, Nicky war beim Versuchen sie zu trösten eher nicht
mit Worten, sondern mit Gesten weitergekommen, bei ihm fühlte sie sich
einfach nur wohl und geborgen. Aber irgendwie war das ja auch eine ganz andere
Sache, Nicky tröstete sie über die Person hinweg, die die andere Vergleichsperson
darstellte. Als die Besprechung dann endlich fertig war, unterhielten sich alle
noch ein wenig, darunter auch Louis und Nicky. Julia saß mit traurigem
Blick alleine auf der Couch. "Und, hast du was erreicht?", fragte Louis neugierig.
"Ja..." Nicky nickte langsam und sah zu Julia, ehe er sich wieder Louis zuwendete.
"Ich hab so das Gefühl, dass sie mir jetzt ein bisschen mehr vertraut.
Sie hat sogar einmal gelächelt." "Wirklich, wann?" "Als ich ihr gesagt
hab, dass sie mit langen Haaren viel besser aussieht und sie lang haben soll,
wenn wir wieder von der Tour zurückkommen, hat sie gelächelt und gesagt:
ich versuchs." "Gut gemacht, ich wusste, dass du bei ihr etwas ausrichten kannst."
Louis strahlte förmlich und klopfte Nicky auf die Schulter. Nachdem sich
alle voneinander verabschiedet hatten, schloss Louis das Studio ab und ging
den anderen hinterher Richtung Autos. Bevor Julia allerdings einstieg, kam Nicky
nochmal, um sich zu verabschieden. Er umarmte sie lange. "Tschau kleine...bis
zum Startschuss der Tour, du kommst doch auch, oder?" "Denke schon." "Okay."
Sie stellte sich auf Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Dann
stieg sie endlich ein und fuhr mit Becki und ihrem Dad nach Hause. Einen Moment
lang stand Nicky erstaunt da und fuhr sich in einem unbeobachteten Augenblick
kurz über seine Wange, das hatte er nicht erwartet. Doch dann besann er
sich und stieg in sein Auto, um nach Hause zu fahren. Es war ja wahrscheinlich
doch nur ein Zeichen der Dankbarkeit und nicht mehr, dachte er sich, aber im
Stillen betete er dafür, dass mehr daraus wurde.
Was ein Glück, das Julia in die 13. Klasse ging, nur noch dieses eine
ätzende Jahr und dann war sie endlich mit der Schule fertig. Jeden Morgen
begrüßte sie ihren Vater stumm, meldete sich im Unterricht nie und
sagte auch generell nichts. Mittags, wenn sie nach Hause kam, bekam ihr Vater
ebenfalls nur einen wortlosen Gruß, sie vermisste Nicky. Die Schulter
zum Anlehnen, derjenige, der ihr immer zuhörte, wenn sie down war oder
der, der einfach nur versuchte sie aufzumuntern. Aber sie konnte ihn nicht sehen,
nur aus Zeitschriften oder Fernsehen. Sie würde am liebsten direkt zu ihm
fliegen, aber das ging nicht, sie hatte ja Schule, und außerdem würde
dieses Verhalten eher dem eines kleinen Kindes gleichen und nicht dem einer
17jährigen.
Ihre Hausaufgaben hatte sie schon gemacht, deswegen setzte sie sich auf den
Fenstersims und sah hinab auf die relativ ruhigen Straßen Dublins, abends
war meist nicht so viel Verkehr wie tagsüber. Louis indessen klopfte leise
an ihrer Türe und als er keine Antwort bekam, ging er einfach hinein. Er
sah sie auf dem Fenstersims sitzen und lief leise zu ihr hin. "Julia?" Sie schreckte
von ihren Gedanken hoch. "Ach du bist’s Dad...was gibt’s?" Louis kam näher
und stellte sich hinter sie, sodass er sie umarmen konnte. "An was denkst du
gerade?", fragte er. "An jemanden, den ich sehr vermisse.", war die leise Antwort.
"Und wer ist dieser jemand?", bohrte Louis weiter. Julia sah ihn an. "Nicky.",
flüsterte sie. "Nicky...weil er dich tröstet?" Julia nickte unter
Tränen und sah ihren Dad an. "Warum kann er nicht hier sein?", fragte sie
weinerlich. Louis drückte sie fest an seine Brust und gab ihr einen Kuss
auf die Haare, doch Julia ließ das ganze nur teilnahmslos über sich
ergehen. Es war einfach nicht das gleiche wie wenn Nicky das bei ihr machte.
"Ich will zu ihm!", flüsterte sie und Louis seufzte. "Maus...die stehen
gerade auf der Bühne und heizen ihren Fans ordentlich ein, da kannst du
nicht mal so eben hin!", versuchte er ihr zu erklären, was aber in noch
mehr Tränen endete. Sie war sich sicher, Nicky würde, auch wenn er
noch so gestresst wäre, immer ein offenes Ohr für sie haben. "Aber
du fliegst doch in einer Woche zu ihnen, oder?" "Schon...aber selbst wenn du
mitkönntest, was wäre dann mit der Schule?" "Wir haben doch eh nur
noch zwei Wochen, dann sind doch Ferien." "Eben. Und ich möchte nicht,
dass du den Stoff verpasst." "Aber ich will ihn doch nur mal sehen oder hören
und einfach mit ihm reden, mehr nicht." "Kannst ihn ja anrufen." "Dad...ich
will, dass er mir dabei gegenüber sitzt." "Es geht halt nicht."
Die nächste Woche musste Louis jeden Tag aufs Neue mit ansehen, wie Julia
die Schule schwänzte, während Becki weiterhin fröhlich pfeifend
ein- und ausmarschierte, als ob nichts gewesen wäre. Er seufzte. Warum
konnte Julia nicht so wie sie sein? Becki nahm der Tod nicht so unwahrscheinlich
mit wie ihre Schwester, sie zog einfach ihr Ding durch, traf sich mit Freunden,
machte Kneipen unsicher. Und Julia lag den ganzen Tag nur weinend in ihrem Bett,
unansprechbar, am Boden zerstört. Sicher, er vermisste Chud auch, aber
er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen, weil er vor seinen beiden noch
vorhandenen Töchtern nicht irgendwie als Schwächling dastehen würde.
Seine Frau war schon länger tot, sie war bei einem Verkehrsunfall ums Leben
gekommen. Er beschloss umständehalber Julia doch nachzukommen und sie mit
nach Frankfurt zu nehmen, wo Westlife am übernächsten Tag ihr Konzert
geben sollten. Julia lag schon im Bett, als Louis leise reinkam. "Ju?", flüsterte
er. "Ja?", bekam er als Antwort. "Pack die Koffer, wir fliegen morgen früh
zu den Jungs." Sie lächelte, was Louis stolz machte. "Danke Dad." Er kam
näher zu ihr. "Gern geschehen. Aber denk jetzt bloß nicht, dass du
mich immer mit der Masche rumkriegst!" "Mmh."
Am nächsten Morgen ging es schon früh los, sogar fast mitten in der
Nacht. Der Flieger war dementsprechend auch noch ziemlich leer. Julia schlief
gleich weiter, allerdings nichts irgendwie an Louis gelehnt oder so. Das machte
ihn ein wenig traurig, er hatte gehofft, bei ihrem Gespräch wieder einen
Zugang zu seiner Tochter gefunden zu haben, aber anscheinend hatte er sich getäuscht.
Gerade, als das Flugzeug landete, wachte Julia auf. Verschlafen blickte sie
umher. Ihr Dad lächelte sie an, doch sie hatte wieder den gleichen starren
Blick drauf, mit dem er in den letzten Tagen schon zu oft Bekanntschaft gemacht
hatte. "Komm, wir fahren zum Hotel.", meinte er kurzerhand, Julia nickte wortlos
und folgte ihm. Sie wurden von einer Limousine abgeholt, die sie zu dem Hotel
brachte, in welchem Westlife gerade quartierten. Sie freute sich richtig, die
Jungs wiederzusehen, zumal ihr Vater ihr gesagt hatte, dass sie an dem heutigen
Tag noch nichts vorhatten. Sie stiegen aus, von Blitzlichtgewitter begleitet.
Mit einem Bodyguard an ihrer Seite betraten sie das Hotel, jeder hatte ein Zimmer
für sich. Julia ließ sich erstmal auf ihr übergroßes Bett
fallen und schlief dort gleich noch eine Runde weiter, bis sie von einem Klopfen
an der Tür geweckt wurde.
Sie öffnete, ein grinsender Nicky stand vor der Tür. Sie erwiderte
das Grinsen nicht, sondern sah ihn nur fragend an. "Ich wollte dich nur fragen,
ob du mit zum Frühstück kommst." Erschrocken sah Julia auf die Uhr,
war es tatsächlich schon so spät? Achtzehn Uhr. Sie sah wieder zu
Nicky, der sich einen ablachte. "Reingelegt!", rief er. Julia sah ihn sauer
an, im Moment war sie einfach nicht für Späße zu haben. Wütend
knallte sie die Tür zu, was hatte der da draußen eigentlich für
Probleme? Erst hatte sie sich unheimlich gefreut ihn wiederzusehen, aber wenn
er auf diese Tour kam, konnte er ihr gestohlen bleiben. Sie hatte gerade ganz
andere Sorgen.
Nicky klopfte wie wild an ihrer Tür. "Ju, das war nicht so gemeint, mach
doch bitte auf!" Julia hörte sich das noch eine Weile an, und als er nach
fünf Minuten immer noch nicht gegangen war, öffnete sie schließlich,
weil sie nicht wollte, dass sich andere Hotelgäste durch sein Gerufe gestört
fühlten. "Was ist?", fragte sie sauer, nachdem er reinkommen war. Er sah
sich erstmal um, bevor er ihr antwortete. Ihr Koffer stand noch unberührt
vor dem Bett, Fotos dagegen lagen zerstreut auf ihrem Bett herum. Chud. "Sorry
Julia, ich wusste nicht, dass du immer noch so drauf bist. Tut mir leid." Julia
setzte sich auf das Bett und zog die Knie bis ans Kinn an. "Schon klar, kein
Problem.", sagte sie nur wieder leise. Nicky setzte sich neben sie und legte
vorsichtig einen Arm um sie, sie zuckte zusammen, da er ziemlich warm und ihr
ziemlich kalt war. Das bemerkte auch Nicky. "Hey, du bist ja völlig unterkühlt,
musst dir mal was anziehen." Julia schüttelte den Kopf, aber ehe sie noch
irgendwas machen konnte, hatte sie schon Nicky’s ihr viel zu großen Pulli
an. Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, er streichelte ihr sanft über
die Wange. Das war ihre Art, sich zu begrüßen. "Danke.", flüsterte
sie. Nach einer Weile stummen Schweigens, wo sie einfach nur dem Atem des anderen
gelauscht hatten, hob Nicky ihren Kopf schließlich sanft an. Zwei blaue,
ein wenig gerötete Augen sahen ihn an. Wie hübsch sie doch eigentlich
ist, dachte er. Dann stellte er ernüchtert fest: Liebe. Er hatte sich sofort
in sie verliebt, aber das eigentliche Gefühl schwebte schon länger
in ihm rum. Ihr ging es nicht anders. Aber sie war zu schüchtern, ihre
Gefühle zu offenbaren. Nicky dagegen nicht, er war sofort in diesen blauen
Augen versunken. Jetzt oder nie, dachte er sich und bewegte sich langsam auf
ihr Gesicht zu. Julia starrte ihn an. Aber als er mit seinen Lippen die ihren
berührte, durchfuhren sie tausend Blitze und sie zuckte zusammen. Nicky
ließ sich davon nicht entmutigen und brach den Kuss nicht ab, das hätte
Ju auch gar nicht gewollt, er konnte perfekt küssen, mit seinen sanften,
weichen Lippen. Zärtlich spielten ihr Zungen miteinander, bis er sich schließlich
langsam von ihr löste. "Ich...ich...", flüsterte sie, aber Nicky legte
ihr den Finger auf den Mund, schob die Fotos von Chud hinter ihnen vorsichtig
zur Seite, legte sich zurück und sah sie an. Zögernd legte sie sich
neben ihn, sie wusste einerseits, was er vorhatte, andrerseits aber nicht, ob
sie schon dazu bereit war. "Komm zu mir." Es war nur ein Flüstern, aber
Julia verstand es trotzdem. Nicky zog sie näher an sich ran und gab ihr
einen langen Kuss, wobei seine Hand unter ihren -beziehungsweise seinen- Pulli
fuhr. Er stieß auf nackte Haut. Julia erschauderte. Sie hatte noch nie
einen Freund gehabt, geschweige denn sowas gemacht, was Nicky hier gerade mit
ihr anstellen wollte. Aber sie vertraute ihm. Nicky riss sie aus ihren Gedanken,
indem er mit seiner Hand weiter Richtung ihrem Hosenbund fuhr und ihr dabei
tief in die Augen sah. Doch Julia war scheu, sie senkte ihren Blick, kaum dass
er sie angesehen hatte. Nicky hatte aber mindestens genauso viel Geduld wie
Julia Angst, deswegen hob er ihren Kopf abermals an. Diesmal hielt Ju seinem
Blick stand, was Nicky mit einem Lächeln bedachte. Er hatte es auch wortlos
geschafft. Seine zweite Hand kam ihm jetzt auch noch zur Hilfe, langsam fuhr
sie unter den Pulli und zog ihn ihr aus. Julia rang in ihrem Inneren mit sich.
Sollte sie das wirklich eingehen oder lieber abblocken? Doch die Entscheidung
war bereits wenige Sekunden später gefällt, zumindest versuchen wollte
sie es. Schüchtern fuhren ihre Hände unter Nicky’s T-Shirt, auch sie
stießen dort auf nackte Haut. Zwar waren ihre Hände immer noch ziemlich
kalt, aber das störte Nicky weniger. Viel mehr gefiel es ihm, dass Ju sich
jetzt endlich auch mal was traute. Ihre erste eigene Aktion. Bald hatte auch
Ju ihm das Shirt ausgezogen, nun lagen sie beide da, Nicky mit freiem Oberkörper
und Ju mit Sport-BH. Sie wusste nicht, wie es jetzt weitergehen sollte, Nicky
schon. Er ging in die Offensive, zog sie behutsam auf sich und küsste sie
leidenschaftlich. Seine Hände ruhten auf ihrem Hintern. Seine Lippen bewegten
sich weg von ihrem Mund, den Hals runter, über den Bauch, bis zum Knopf
ihrer Hose. Dort stoppte er und sah sie fragend an. Wollte sie das auch wirklich?
Zaghaft nickte sie. Er fuhr mit seinen Liebkosungen fort, wieder rauf, wobei
Julia leise aufstöhnte. Jetzt war sie an der Reihe. Mit einer geschickten
Drehung wand sie sich so, dass sie jetzt auf Nicky lag und die Kontrolle hatte.
Sie küsste ihn erst zögernd, wurde dann aber forscher. Auch ihre Zunge
wanderte seinen Körper runter, ebenfalls bis zu seinem Hosenbund. Ohne
weitere Bedenken knöpfte sie seine Hose auf, seine Boxers mit einer enormen
Wölbung kam zum Vorschein und er stöhnte leise auf, als sie ihm zärtlich
darüberstreichelte. Er musste sich zusammenreißen, damit das Spiel
nicht gleich ein feuchtes Ende nahm, deswegen wollte er auch so schnell wie
möglich wieder die Oberhand gewinnen. Sich gegen Julias Kräfte durchzusetzen
war gar nicht so einfach, doch er schaffte es schließlich. Mit weiteren
ganz vielen kleinen Küssen fuhr er wieder Richtung ihres Hosenbundes, wo
er den Knopf schließlich öffnete. Eine sexy Slip kam zum Vorschein,
Nicky hätte nicht gedacht, dass sie sowas hätte. Doch jetzt war erst
mal der BH dran, ganz schnell war er neben dem Bett gelandet. Aber irgendwie
wollte keiner von beiden den letzten Schritt machen, Julia aus Scheu, Nicky,
weil er nicht wusste, ob sie das auch wollte. Dennoch zog er ihr den Slip aus,
ließ ihn zusammen mit seiner Boxer neben dem Bett verschwinden und drängte
sich zwischen Julias Beine. Er sah sie an. Sie nickte ihm zu und gab ihm noch
einen letzten Kuss, bevor er so vorsichtig wie möglich in sie eindrang.
In jenem Augenblick hatte er bemerkt, dass sie noch Jungfrau war, und deshalb
wollte er ihr das ganze zu einem schönen Erlebnis machen. Gleichzeitig
mit Nicky spürte Julia auch Schmerz, ein Reißen. Aber sie biss die
Zähne zusammen, es hatte so schön angefangen und sollte auch so enden.
Nicky konnte in ihren Augen lesen, das etwas nicht stimmte, aber wusste nicht,
was. Er gab ihr Zeit, sich an das Gefühl zu gewöhnen, ehe er sich
langsam in ihr bewegte. Nach und nach spürte Julia den Schmerz verschwinden,
ein Glücksgefühl fing an, ihren Körper von unten bis oben zu
durchströmen. Sie passte sich seinem immer schneller werdenden Rhythmus
an und stieß gleichzeitig mit ihm einen leisen Schrei aus, als beide ihren
Höhepunkt erreichten. Erschöpft sah Nicky Julia an und löste
sich langsam von ihr, sie strahlte richtig zurück. Er hatte sie noch nie
so glücklich gesehen. So fest wie nur möglich drückte er sie
an sich und gab ihr einen letzten Kuss auf die Haare. "Danke Nicky, danke!",
flüsterte sie heiser und lächelte ihn an. "Ich habe dich noch nie
so strahlen sehen!", flüsterte er und lachte auch sie an. "Das liegt daran,
dass ich noch nie so glücklich war." Nicky fühlte sich überglücklich,
dass sie das zu ihm sagte. Aber er beließ dabei, kroch mit ihr unter eine
Decke und deckte sowohl sie als auch ihn zu. Beide kuschelten sich an den jeweils
anderen und schliefen auch sofort ein.
Es war elf Uhr am gleichen Abend, Louis wollte nochmal nach Julia gucken, bevor
er selbst ins Bett ging. Aber da auf sein Klopfen keiner öffnete, ging
er zur Rezeption und holte sich einen Zweitschlüssel für Julias Zimmer.
Leise schloss er auf und was er da sah, ließ ihn sehr wütend werden.
Nicky lang mit Julia im Bett, und zwar waren beide nackt! Er widerstieß
dem Drang, den schlafenden Nicky sofort aus dem Bett zu holen und ihn aus dem
Zimmer zu werfen, morgen früh würde er das machen. Er war richtig
sauer auf Nicky, er hatte ihm gesagt: du kannst sie trösten, mehr aber
nicht! Warum hörte er nicht auf ihn? Schon ein wenig lauter die Tür
zuschlagend ging er aus dem Zimmer direkt ins seines, was er jetzt dringend
brauchte, war Schlaf.
Julia war von dem Geräusch den zuschlagenden Tür aufgewacht und hob
ihren Kopf leicht an, wovon auch Nicky wach wurde. "Was ist denn?", fragte er
leise. Julia sah ihn an. "Ich glaube, es war gerade jemand hier gewesen." "Quatsch,
wer sollte denn?" "Keine Ahnung...Dad vielleicht, der kommt abends meistens
immer noch mal kurz." "Ach du scheiße....Louis!", stieß Nicky leise
aus. "Was ist mit ihm?" "Er hat mir gesagt, ich dürfte dich trösten,
mehr aber nicht. Und das eben gerade war mehr..." Er ließ sich kraftlos
in die Kissen sinken. "Er wird mich köpfen.", murmelte er noch. Julia beugte
sich über ihn. "Und wenn schon. Dann sage ich ihm halt, dass er dich nicht
köpfen soll." Nicky lächelte angesichts ihres Kommentars und sagte
nichts mehr, sondern zog Ju zu sich runter, um ihr einen Kuss zu geben.
Am nächsten Morgen wachte Nicky als erster von beiden auf, er blickte auf das zierliche, schlafende Etwas in seinen Armen und erinnerte sich an die vergangene Nacht. Dabei lächelte er. Die Uhr zeigte eine rote neun an, Zeit für Frühstück. Mit einem Kuss weckte er Julia, die sich darauf erstmal ausgiebig streckte, verschlafen umherblickte und schließlich Nicky einen Guten Morgen Kuss gab. "Morgen Süße...", grinste Nicky. "Morgen. Du, das gestern..." "...war einfach wunderschön!", vollendete er ihren Satz und lächelte sie an. Sie zurück. "Genau das wollte ich sagen.", murmelte sie und lehnte sich wieder gegen Nicky’s Brust. Der gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn, ehe er langsam aufstand. "Komm Süße, wir müssen was essen gehen, um elf haben wir Soundcheck, dann noch drei Interviews und das Konzert." "Ich komm ja schon. Wie spät ist es überhaupt?" "Neun Uhr." "Aha." Etwas widerwillig stand auch sie auf, und nach einer Viertelstunde verließen beide den Raum. Julia schloss gerade ab und Nicky stand daneben, als er plötzlich von zwei Händen gepackt und an die Wand hinter ihm gedrückt wurde. Louis. "Was soll das Nicky? Ich dachte, ich könnte dir vertrauen. Ich hab dir gesagt, nur trösten, nicht, dass du mit ihr in die Kiste springen sollst!" Er war außer sich. Zum Glück war gerade niemand anders auf dem Gang, sonst wäre das ganze ziemlich peinlich gewesen. Doch dann schaute er auch Julia böse an. "Und von dir habe ich sowas am allerwenigsten erwartet! Als Strafe kommst du nach Hause!" Julia liefen die ersten Tränen. "Aber Dad, ich liebe ihn!" "Und ich bin verdammt nochmal dein Vater und du hörst immer noch auf das, was ich dir sage! Shane wird dir gleich beim Koffer raustragen helfen, kapiert?" Stumm nickte Julia. Immer noch schnaubend wie ein Nashorn zog Louis Nicky mit sich, er warf Julia sehnsüchtige Blicke zu. Doch Julia konnte nichts anderes tun, als diese zu erwidern. Unter Tränen schloss sie ihr Zimmer wieder auf. Kraftlos ließ sie sich auf ihr Bett sinken und begann zu weinen. Vor ein paar Minuten war sie noch so glücklich gewesen, doch ihr Dad hatte ihr alles zerstört. Langsam begann sie damit, ihre Sachen einzupacken. Die Tür öffnete sich, jemand kam rein. Julia sah nicht auf, sondern packten weiter ein. Die Tür schloss sich wieder und jemand kniete sich neben sie. Sie spürte eine Hand auf ihrer Schulter. Endlich sah sie auf, ein besorgter Shane blickte sie an. Ungerührt packte sie weiter, ganz bestimmt hatte Louis ihn auf seine Seite gezogen. "Ju...es tut mir leid für euch beide.", sagte er schließlich. In diesem Moment konnte Julia einfach nicht mehr anders als sich weinend an Shane’s Schulter zu lehnen, zu sehr nahm sie die Sache mit Nicky mit. Ein wenig überrascht strich Shane ihr über den Rücken, während sie weiter schluchzte. "Shh...", flüsterte Shane nur noch und nahm sie vollends in den Arm. Er spürte, dass Ju jetzt zu nichts mehr fähig war sondern beinahe ohnmächtig in seinen Armen hing. Er richtete sie auf und nahm ihr Gesicht in seine Hände. "Hey komm...das kriegen wir wieder hin, ich werde dir helfen." Schwach nickte Julia. "Danke." Da klopfte es aber auch schon an der Tür. "Wo bleibt ihr denn?", fragte Louis ungeduldig wartend. "Wir kommen!", rief Shane, stand auf und nahm die Koffer. Traurig trottete Julia ihm hinterher. Zum Flughafen durfte Shane sie nicht begleiten, er musste wegen des Interviews im Hotel bleiben. Die ganze Zeit, während Louis mit ihr zum Flughafen fuhr und im Flugzeug saß, verkroch sie sich immer in die hinterste Ecke. Als sie in Dublin gelandet waren, musste Louis Julia förmlich aus den Flugzeug ziehen.
I'm tired of being what you want me to be
Feeling so faithless
Lost under the surface
Don't know what you're expecting of me
Put under the pressure of walking in your shoes
Caught in the undertow just caught in the undertow
Every step that I take is another mistake to you
Caught in the undertow just caught in the undertow
I've become so numb
I can't feel you there
Become so tired
So much more aware
I'm becoming this
All I want to do
Is be more like me and be less like you
Can’t you see that you're smothering me
Holding too tightly
Afraid to lose control
Cause everything that you thought I would be
Has fallen apart
Right in front of you
Caught in the undertow just caught in the undertow
Every step that I take is another mistake to you
Caught in the undertow just caught in the undertow
And every second I brace is more than I can take
I've become so numb
I can't feel you there
Become so tired
So much more aware
I'm becoming this
All I want to do
Is be more like me and be less like you
And I know
I may end the feeling too
But I know
You were just like me
When someone was disappointed in you
I've become so numb
I can't feel you there
Become so tired
So much more aware
I'm becoming this
All I want to do
Is be more like me and be less like you
*Ich habe es satt, so zu sein, wie ihr es wollt
Fühle mich so treulos
Verloren unter der Oberfläche
Ich hab keine Ahnung, was ihr von mir erwartet
Dem Druck ausgesetzt, so wie du sein zu müssen
Gefangen im Sog, einfach gefangen im Sog
Jeder Schritt, den ich mache, ist ein weiterer Fehler für dich
Gefangen im Sog, einfach gefangen im Sog
Ich wurde so gefühllos
Kann dich nicht dort spüren
Wurde so müde
Mir dessen bewusst
Das ich so werde
Alles, was ich tun will,
Ist mehr wie ich und weniger wie du zu sein
Könnt ihr nicht sehen, dass ihr mich erstickt?
Haltet mich zu fest
Aus Angst, die Kontrolle zu verlieren
Denn alles, was ihr von mir dachtet
Fiel zusammen
Genau vor euch
Gefangen im Sog, einfach gefangen im Sog
Jeder Schritt, den ich mache, ist ein weiterer Fehler für dich
Gefangen im Sog, einfach gefangen im Sog
Und jede Sekunde, an die ich mich klammere, ist mehr, als ich ertragen kann
Ich wurde so gefühllos
Kann dich nicht dort spüren
Wurde so müde
Mir dessen bewusst
Das ich so werde
Alles, was ich tun will,
Ist mehr wie ich und weniger wie du zu sein
Und ich weiß
Ich könnte das Gefühl auch beenden
Aber ich weiß, dass du genau wie ich warst
Als jemand von dir enttäuscht war
Ich wurde so gefühllos
Kann dich nicht dort spüren
Wurde so müde
Mir dessen bewusst
Das ich so werde
Alles, was ich tun will,
Ist mehr wie ich und weniger wie du zu sein*
(Linkin Park "Numb")
Die Wochen verstrichen, ohne das Julia viel davon mitbekam. Sie saß noch
immer auf ihrem Zimmer, sah sich jetzt zwar nicht nur mehr Fotos von Chud, sondern
auch von Nicky, an, aber essen tat sie fast nichts. Nur manchmal was.
Als Louis mit den Jungs von der Tour zurückkam und nach Julia sehen wollte,
erschrak er über ihr Aussehen. Er versuchte Julia dazu bewegen mehr zu
essen, aber das blieb erfolglos. "Ju, du stirbst doch irgendwann, wenn du so
weitermachst!" "Na und?", schluchzte Julia, "Warum sollte ich denn weiterleben?
Chud ist nicht mehr hier und du hast mir Nicky weggenommen, was für einen
Sinn hat das Leben denn dann noch?" Erbost stand Louis auf und gab ihr eine
saftige Ohrfeige. "Hör auf so zu denken! Von mir aus kannst du ja einen
Freund haben, aber auf keinen Fall Nicky! In fünf Minuten bist du unten
zum Abendessen, verstanden?", schrie er. Julia nickte ergeben und kam einige
Minuten später ebenfalls runter. Becki und Louis aßen schon, aber
sie setzte sich nur dazu. "Was ist, isst du nichts?" Louis sah sie kritisch
fragend an, sie schüttelte den Kopf. Auf einmal legte Louis seine Hand
behutsam auf ihre. "Wir machen einen Deal, okay?" Julia zuckte die Schultern.
"Welchen?" "Bald feiert Nicky Geburtstag. Wenn du bis dahin jeden Morgen und
jeden Abend was ißt, dann kannst du mitkommen." Das hörte sich in
Julia’s Augen gut an. Endlich konnte sie Nicky wiedersehen. Aber andrerseits,
sie würde ja eh nicht mehr mit ihm machen dürfen als hallo sagen,
was sollte das dann bringen? "Also, was ist? Schlägst du ein?" Louis riss
sie aus ihren Träumen. "Nein...ich kann ihn ja eh nur ansehen, mehr nicht.
Was will ich denn da?" Enttäuscht zog Louis seine Hand zurück und
sah sie an. "Dad...warum darf ich nicht mit Nicky zusammensein? Ich versteh
nicht, warum du was dagegen hast." "Ich will das einfach nicht. Die Presse spielt
immer alles so hoch und außerdem haben wir dadurch weniger Fans, wenn
schon einer vergeben ist. Es schadet ihrem Image." Louis stieß Luft aus.
Da mischte sich Becki, die bis jetzt geschwiegen hatte, ein. "Dad, wenn ich
auch mal sagen darf: ich finde das nicht fair, was du mit Ju anstellst. Ich
bin doch auch mit Shane zusammen und du hast nichts dagegen." Erschrocken blickte
Julia Becki an. Das hatte sie gar nicht gewusst! Louis dagegen blickte Becki
wütend an. "Das solltest du doch nicht sagen! Ab auf eure Zimmer, ihr beiden!"
"Gerne!" Sie stand auf und marschierte Julia hinterher, die schon auf dem Weg
zu ihrem war. Allerdings ging sie nicht in ihr Zimmer, sondern mit in Julias.
Sie schloss die Tür und ließ sich neben Ju auf’s Bett fallen. "Du
bist mit Shane zusammen? Seit wann das denn?" "Schon länger. Aber was Dad
mit dir anstellt finde ich total bescheuert. Irgendwie kriegen wir das hin,
ich helfe dir." "Danke. Das hat Shane mir auch schon versprochen." "Ich weiß.",
grinste sie. Julia war verwirrt. Noch vor ein paar Tagen hatte Becki so getan,
als ob sie sie gar nicht kennen würde und Chud’s Verlust hatte sie auch
locker weggesteckt. "Becki...so gern ich dich als Schwester hab, aber hat dich
die Tatsache, dass Chud gestorben ist, überhaupt nicht mitgenommen?" "Natürlich.
Aber ich wollte, wenn ich das mal so sagen darf, nicht so wie du enden. Du warst
doch vorher auch immer total gut drauf und seit Chud gestorben ist, hab ich
dich nicht einmal mit unseren Kumpels rumalbern sehen oder irgendwas dergleichen.
Du hast dich nur noch verschlossen und Chud nachgetrauert. Nur Nicky hat es
geschafft, wieder in Zugang zu dir zu finden. Deswegen finde ich es auch total
bescheuert, dass Dad dich nicht mit ihm zusammensein lässt." "Stimmt."
Becki nahm ihre jüngere Schwester in den Arm. "Becki, Besuch für dich!",
brüllte Louis von unten. "Schick ihn hoch!", rief Becki zurück. Kurz
darauf hörten die beiden jemanden hochkommen und Julias Tür öffnete
sich. Shane kam rein. "Hey ihr beiden!", begrüßte er sie. Becki bekam
gleich einen langen Begrüßungskuss, während Julia sich dabei
aus Becki’s Armen entwand und sich in ihr Bett legte. Das wollte sie nicht mit
ansehen, aber sie tat es trotzdem, und es war ihr auch völlig klar, dass
sie ihre Tränen auch nicht verbergen konnte. Wie lange war es her, dass
sie Nicky geküsst hatte? Sie wollte gar nicht dran denken. Becki und Shane
sahen sie und wandten sich zu ihr. "Hey...hallo Ju!", grinste Shane dann in
ihre Richtung. "Hi.", sagte Julia nur langsam. "Was ist denn los?", fragte Shane
Becki und setzte sich zu beiden auf’s Bett. "Dad hat ihr verboten mit Nicky
zusammen zu sein." "Oh." Shane setzte eine mitleidige Miene auf. "Nicky feiert
übermorgen seinen Geburtstag. Vielleicht kannst du da ja irgendwie hinkommen."
Julia schüttelte traurig den Kopf. "Bestimmt nicht...ich versteh einfach
nicht, warum Dad das nicht will. Ich meine was ist denn schon dabei?" Ahnungslos
zuckten Becki und Shane die Schultern. Shane nahm Becki in den Arm. "Ich verstehe
seine Gründe auch nicht ganz." Becki gab ihm einen Kuss auf die Nasenspitze
und kuschelte sich an ihn. Verträumt blickte Julia vor sich hin, wie gerne
würde sie das jetzt auch bei Nicky machen wollen. Wieso wollte ihr Dad
das nicht? Das Klingeln von Shane’s Handy riss sie aus ihren Gedanken. Etwas
genervt ging er ran. Eine Weile später sah er Julia an. "Nicky...er will
dich sprechen." Ju war unschlüssig. Aber warum nicht? Bereitwillig gab
Shane ihr das Handy. "Hallo?", fragte Nicky sofort. "Äh...hallo." "Julia...bist
du’s?" "Ja." "Wie geht’s dir?" "Beschissen. Dad hat gesagt, wenn ich bis übermorgen
morgens und abends immer was esse, kann ich auf deinen Geburtstag kommen." "Das
wollte ich auch gerade fragen...und, machst du’s?" "Würde ja schon gerne,
aber irgendwie hab ich nie Hunger und ich fühl immer total ausgelaugt."
"Hast du Kopf- oder Bauchschmerzen?" "Eigentlich fast immer. Momentan ist’s
zum Glück nur der Bauch, aber die Kopfschmerzen kommen meistens so gegen
Abend." "Was? Oh man, du...ich bin gleich da." Er legte auf und Julia hörte
nur noch ein Tuten. Verdutzt gab sie Shane ihr Handy zurück, was war denn
auf einmal in Nicky gefahren? "Und, was ist?", fragte Becki neugierig. "Weiß
nicht...er hat mich gefragt, ob ich zu seinem Geburtstag komme und da hab ich
ihm das mit Dad und seinem Deal erzählt. Dann wollte er wissen, ob ich
das mache und darauf hab ich geanwortet, dass ich das schon gerne machen würde,
aber nie Hunger hab. Und da hat er gesagt, dass er sofort kommen würde."
"Wie lange hast du schon nichts mehr gegessen?", fragte Shane besorgt, denn
auch er hatte einen besorgniserregenden Verdacht. "Keine Ahnung...ziemlich lange
her. Fünf Wochen vielleicht?" Shane wurde bleich. Julia legte sich müde
auf ihr Kopfkissen, da ihr Kopf wieder einmal anfing zu pochen. "Warum fragst
du?", gähnte sie und rieb sich müde die Augen. "Weil Nicky völlig
Recht hat.", nuschelte Shane und legte eine Hand auf Julias Stirn. Sie glühte.
Während die drei sich da oben unterhielten, klingelte es ein weiteres Mal
an der Tür und Louis öffnete. Nicky. "Was willst du hier?", fragte
Louis kühl. "Ich muss dringend zur Julia...bitte! Es ist wichtig." "Und
warum sollte ich dich hinlassen?", bohrte Louis weiter. Nicky wurde ungeduldig.
"Man Louis, jetzt lass doch einmal deinen verdammten Stolz aus dem Spiel, deine
Tochter kippt gleich um und du weißt es nicht mal." "Soll ich dir zeigen,
dass es ihr blendend geht? Als Bestätigung?" "Tu das!" Er ließ Nicky
rein, wenn auch nur widerwillig. Nicky folgte ihm die Treppe hoch. Schon mal
mit einem hochnäsigen Grinsen bewaffnet öffnete Louis die Tür,
doch was er da sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren: Julia war
tatsächlich nah am Umkippen und glühte, Shane und Becki hatten sie
so gut es ging mit kalten Umschlägen wachgehalten. Bestürzt rannte
Louis zu Julia. "Becki...Shane...was ist passiert?" "Siehst du doch Dad, sie
wird gleich nicht mehr in dieser Welt sein, wenn wir nicht schleunigst was unternehmen.",
antwortete Becki. Louis nickte und wollte Ju hochnehmen, doch diese erwehrte
sich dessen. Ganz schwach drückte sie Louis zurück. Nicky hatte sich
inzwischen auf den Boden gesetzt, er musste weinen bei Jus Anblick, es tat ihm
weh sie so zu sehen und nichts unternommen zu haben. Shane kam zu ihm und drückte
ihn fest an sich. "Komm, jetzt musst du stark sein. Julia braucht dich." "Nein
Dad...du nicht.", flüsterte Julia leise, aber es war zu verstehen. Verständnislos
sah er seine Tochter an. "Wer denn sonst?" "Wer wohl?", meldete sich Becki da
und schob ihn zur Seite. Shane half Nicky auf, und der ging langsam auf Julia
zu. Als Julia ihn sah, begann sie zu lächeln. Nicky lächelte zurück
und kaum war er bei ihr angekommen, schloss er sie fest in seine Arme und drückte
ihr einen langen Kuss auf den Mund. Becki und Shane applaudierten leise, nur
Louis fand das, was Julia und Nicky da machten, überhaupt nicht toll. Aber
was sollte er machen? Gegen die Liebe war selbst er machtlos. Kaum dass Nicky
den Kuss beendet hatte, klappte Julia plötzlich zusammen und ihr Kopf sank
leblos gegen seine Schulter. Doch er zögerte nicht lange, stand vorsichtig
mit Julia auf dem Arm auf. "Schnell, wir müssen ins Krankenhaus!"
Julia war nun schon mehrere Stunden in Untersuchung, Nicky ging wie ein patrouillierender
Soldat hin und her, Louis saß, die Hände auf die Knie gestützt,
auf einem der unbequemen Wartestühle im kalten Krankenhausflur und dachte
nach. Wieso hatte er das nicht früher bemerkt? Ju hatte auf ihn immer einen
recht stabilen Eindruck gemacht, nie hätte er gedacht, dass sie tatsächlich
umkippen würde. Er sah zu Becki und Shane, die knutschend neben ihm saßen.
Beide hatten ein Lächeln auf den Lippen. So hätte Ju jetzt mit Nicky
auch aussehen können, dachte er, stattdessen lag sie nun leblos da und
wurde von irgendwelchen Ärzten untersucht, daran war er schuld. Becki durfte
doch auch mit Shane zusammen sein, warum hatte er es ausgerechnet ihr verboten?
Er wunderte sich selbst. Wie als ob Nicky Gedanken lesen konnte, stoppte er
plötzlich mit seinem Patrouillengang und setzte sich neben Louis. "Lou?"
"Hm?" "Kann ich dich mal was fragen?" "Schieß los." "Wieso ...warum darf
ich nicht mit ihr zusammen sein? Was spricht denn dagegen, dass du es uns so
schwer machst?" Louis seufzte, mit der Frage hatte er gerechnet. "Weißt
du Nicky ...wir werden immer weniger Fans haben. Shane hat jetzt Becki, Bryan
hat mir vor ein paar Tagen offenbart, er habe Kerry, und jetzt du noch mit Ju
...irgendwann will keiner mehr was mit euch zu tun haben, wen interessieren
denn vergebene, gut aussehende Boygroup-Sänger?" Betroffen schwieg Nicky
und starrte, genau wie Louis, einen Moment lang auf den Boden, ehe er wieder
zu Louis sah. "Und wenn wir das heimlich machen? Ich meine, wenn..." "Glaub
mir Nicky, früher oder später kommt es raus und dann gibt es massenhaft
Beschwerden von den Fans. Sie fühlen sich verarscht." "Ich verstehe schon.
Und wie soll es jetzt weitergehen?"
"Mr Walsh?" Sofort sah Louis auf. Der Chefarzt stand vor ihm. Er stand auf und
reichte ihm die Hand. "Ja, der bin ich. Wie geht’s Julia?" "Es geht wieder einigermaßen.
Aber sie müssten noch einmal mitkommen, ich brauche noch einige Daten."
"Okay. Kann Mr Byrne auch mitkommen?" Der Doc zuckte die Schultern. Nicky hatte
das Gespräch mitgehört, hoffnungsvoll sah er zu Louis hoch. Der nickte
und sagte Becki und Shane Bescheid, die aber sowieso nicht wirklich viel mitbekamen.
Stumm und mit gesenktem Kopf folgte Nicky dem Arzt und Louis ins Sprechzimmer.
Eine Krankenschwester schloss geräuschvoll die Tür.
"Also, Mr Walsh. Name und Geburtsdatum haben wir schon. Aber wie ist es dazu
gekommen, dass sie so abgemagert war? Es muss ein ziemlich großer Frust
sein, den sie da vor sich herschiebt, denn von sich aus macht man sowas nicht
und eine Diät ist sowas beim besten Willen nicht mehr zu nennen." Erwartend
sah der Arzt Louis an, doch der schwieg, die am besten erklärenden Worte
waren nicht so leicht zu finden. Als der Arzt einsah, dass er von ihm keine
Antwort mehr zu erwarten hatte, räusperte er sich kurz und fuhr dann fort.
"Naja... jedenfalls muss ich sie bitten, in nächster Zeit auf die Ernährung
ihrer Tochter zu achten, ansonsten kommt sie leider in ein Heim und das wollen
sie doch sicherlich nicht, oder?" Louis zuckte unwillkürlich bei dem Wort
"Heim" zusammen, war er wirklich so ein schlechter Vater? Während
er die Worte des Arztes auf sich einwirken ließ, sah er rüber zu
Nicky. Der saß da, wie Louis ihn noch nie hatte sitzen sehen: beide Beine
bis zum Kinn angezogen, die Arme vorne herum verschränkt und die Stirn
auf die Knie gelegt. Louis sah eine Träne, die sich gerade den Weg über
Nicky’s Wange suchte, aufblitzen. Plötzlich sah Nicky auf, dem Arzt geradewegs
in die Augen. Dieser schien ein wenig erstaunt darüber zu sein. "Können
wir jetzt zu ihr gehen?" "Klar." Die Tür wurde wieder von einer Krankenschwester
geöffnet, anscheinend hatte diese die ganze Zeit vor der Tür gestanden
und nur darauf gewartet, den beiden die Tür öffnen zu dürfen.
Vor dem Zimmer des Chefarztes warteten auch schon Becki und Shane, die mittlerweile
auch den Weg gefunden hatten. In dem Moment, in dem sie die beiden fertigen
Gestalten aus dem Raum kommen sahen, lösten sie sich von einander, Becki
tröstete ihren Vater, dem auch schon die Tränen gekommen waren, Shane
legte seinen Arm vorsichtig um Nicky. "Und?", fragte er leise. "Der Doc hat
gesagt, wenn das mit Ju nochmal passiert, muss sie ins Heim.", fasste Nicky
barsch zusammen, konnte es aber nicht vermeiden, dass Shane ihn fester an sich
drückte, was nur noch mehr Tränen bei ihm auslöste. Shane wusste
ganz genau, dass Nicky sich unendlich viele Schuldgefühle zuschrieb, obwohl
er noch nicht einmal schuldig war. "Hey Nix, komm gleich sind bei ihr. Dann
kannst du sie wieder in die Arme nehmen und küssen... und dein Geburtstag
ist doch auch bald... hm?" Nicky nickte, blieb aber mitten im Gang stehen und
legte wimmernd seinen Kopf auf Shane’s Schulter, der ihm beruhigend zuredete.
"Ich hätte...viel früher darauf kommen müssen, dass was mit...ihr
nicht stimmte. Dann hätte ich das alles...vermeiden können. Ich bin
so doof...!", stammelte er. Shane spürte, wie seine Jeansjacke langsam
durchnässt wurde und raffte Nicky auf. "Nixter, das stimmt überhaupt
nicht! Hör auf, dir die Schuld in die Schuhe zu schieben, einzig und allein
Louis hat Schuld, verstanden?" "Ja.", flüsterte Nicky heiser und wischte
sich die Tränen weg. "Du hast Recht." "Na siehst du. Und gleich sind wir
bei Ju, also reiß dich zusammen."
Inzwischen war Julia aus ihrem künstlichen Koma, in das sie gelegt wurde,
wieder aufgewacht, und das erste, was sie vernahm, war die Stimme ihres Vaters,
die immer wieder auf sie einredete. Eine ihrer Hände war von Louis, der
zu ihrer rechten saß, in seine geschlossen worden, und eine in die Hände
einer anderen Person, die links von ihr saß. Durch verschwommene Umrisse
konnte sie blonde Haare erkennen, aber nach und nach wurden die Konturen schärfer
und sie konnte Nicky registrieren. Als dieser merkte, dass sie wach war, lächelte
er freudig, strich ihr über den Handrücken und gab ihr einen sanften
Kuss auf den Mund, den sie nur allzu gerne erwiderte. Beide waren glücklich,
zumindest in diesem Moment. Auch Louis bemerkte, als sich beide küssten,
dass sie wieder wach war, aber er ließ beiden den Augenblick. Langsam
löste sich Nicky wieder von Ju und sie strahlten sich an, bis Louis sich
räusperte. "Julia... es tut mir wirklich alles so furchtbar leid, was passiert
ist." Mehr wollte er für den Augenblick nicht sagen, er wusste, dass sie
ihn verurteilte. Ju zog ihre Hand aus der ihres Vaters und starrte ihn wortlos
an, Nicky strich weiterhin vorsichtig über den Handrücken ihrer anderen
Hand. Louis fühlte sich unbehaglich, im Fehler eingestehen war er noch
nie besonders gut gewesen. "Wenn die Fans rauskriegen, dass ihr zusammen seid,
dann gibt’s meistens nur böse Reaktionen und wir werden Massen verlieren."
"Woher willst du das wissen? Ich glaube eher die wahren Fans werden das verstehen."
Louis zuckte die Schultern. "Vielleicht..." "Und wenn schon, warum können
wir nicht heimlich zusammen sein?" "Ju... früher oder später kommt
das sowieso raus. Glaub mir." Darauf wusste Julia nichts mehr zu erwidern, traurig
sah sie Nicky an, der mindestens genauso betrübt war. "Kann ich dann wenigstens...
ich meine können wir uns zumindest dann mal sehen, wenn ich zu Hause bin?",
fragte Nicky hoffnungsvoll an Louis gewandt. Der nickte. Wenigstens ein Lichtblick,
Westlife waren nicht oft zu Hause. Einen Moment saßen alle stillschweigend
da, bis Louis aufstand. "Komm Nicky, wir gehen jetzt besser mal, Julia braucht
dringend Schlaf und wir auch." Ergeben nickte Nicky und folgte Louis, aber nicht
ohne Ju vorher noch einen Abschiedkuss zu geben. Becki und Shane hatten mal
wieder geduldig die Zeit draußen mit Warten verbracht, allerdings ging
die Zeit mit Knutschen viel Schneller rum. Sofort schnappten sich die beiden
wieder ihre Bezugspersonen, Becki ihren Dad und Shane Nicky. "Willst du bei
uns übernachten?", fragte Louis Nicky, als dieser schon im Begriff war,
sein Auto aufzuschließen. Erfreut sah er auf. "Klar, gern."
Es war nicht zum Aushalten, alles roch nach Julia. Schon seit Stunden versuchte
Nicky einzuschlafen, aber anstatt dessen wälzte er sich unruhig hin und
her und war dabei nicht weniger als einmal aus dem Bett gefallen, zum Glück
hatte keiner was bemerkt - dachte er. Shane und Becki in gegenüberliegenden
Zimmer hörten sehr wohl, das was nicht stimmte, den von Zeit zu Zeit kam
immer wieder ein dumpfer Knall aus Ju’s Zimmer. Auch sie versuchten zu schlafen,
konnten aber ebenfalls nicht wirklich. "Ich geh da jetzt mal rüber, was
Nicky da macht, ist ja nicht zum Aushalten!", meinte Shane nach einer weiteren
halben Stunde, die nicht gerade lautlos vergangen war. "Hey Nix, alter, was
ist denn los, dass du hier so einen Lärm machst?", fragte Shane leise,
als er Ju’s Zimmer betrat. Nicky saß, den Kopf nach unten gerichtet, auf
dem Bettrand. "‘Tschuldige Shay... ich bin ruhig.", sagte er leise. "Ist es
wegen Ju, oder warum bist du so aufgekratzt?", wollte Shane wissen und setzte
sich neben Nicky. "Wegen was denn sonst...?", seufzte dieser und lehnte seinen
Kopf gegen Shane’s Schulter. "Ich hab vorhin noch mal mit Louis gesprochen,
er ist immer noch total dagegen, dass wir zusammen sind. Zumindest darf ich
sie sehen, wenn wir hier zu Hause sind, immerhin was. Er meint, die Fans würden
sauer reagieren, wenn sie von uns erfahren. Aber ich glaube eher, dass die wahren
Fans das verstehen werden." "Glaub ich auch. Ich meine, mit Becki darf ich mich
ja auch in der Öffentlichkeit zeigen, und ich verstehe echt nicht, was
Louis dagegen hat." "Ich doch auch nicht." Schluchzend lehnte er sich an Shane’s
Schulter. Dieser tröstete ihn so gut es ging, denn schon bald war von Nicky
nichts mehr zu hören, da er eingeschlafen war. Vorsichtig legte Shane ihn
hin und deckte ihn zu, ehe er wieder rüberging.
"Morgäähhhn!", begrüßte Becki ihren Vater, als sie mit Shane in die Küche kam. Louis war gerade mehr oder weniger dabei, Brot zu schneiden. "Morgen ihr beiden! Wo habt ihr denn Nicky gelassen?" "Der schläft noch, Dad." "Achso. Holt ihn mal lieber, es gibt gleich essen." "Das wäre keine so gute Idee.", mischte sich Shane ein, der bis jetzt geschwiegen hatte. "Er ist total fertig wegen gestern, das mit Ju hat ihn ziemlich mitgenommen. Lassen wir ihn lieber noch schlafen, er wird schon kommen, wenn er Hunger hat." "Meinetwegen." Louis war zwar nicht unbedingt einverstanden damit, aber er wusste genauso gut wie die beiden anderen, dass Nicky wirklich nicht viel geschlafen hatte. Schweigend begannen sie zu essen, bis Shane die Stille brach. "Louis, was steht denn heute noch an?" "Ihr habt noch... warte mal... ein Interview und ein Fotoshooting. Also ziemlich wenig." Louis legte seinen schwarzen Terminkalender zur Seite. "Aha. Und du bist dir sicher, das wir da ALLE hingehen?" "Ja, warum denn nicht?" Shane verengte nur seine Augen zu Schlitzen und sah Louis kurz verächtlich an, sagen tat er aber nichts. Das Essen verlief daraufhin wieder schweigend, es war eine erdrückende Stille. Keiner wusste etwas zu sagen.
Von dem Geklirre des Bestecks beim Essen und von dem Geräusch, als die
drei unten abräumten, war schließlich auch Nicky wach geworden. Er
war in Schweiß gebadet, hatte Alpträume bis zum geht nicht mehr gehabt.
Immer wieder war er aufgewacht, aber jetzt konnte er nicht mehr schlafen. Plumps!
Schon wieder war er von der Bettkante gerutscht, was er aber diesmal seltsamerweise
mit einem leichten Grinsen quittierte. Der Tag fing ja gut an. Er suchte sich
seine Sachen zusammen und zog sich um, vermied es dabei aber, seinen Blick durch
den Raum schweifen zu lassen und sich Julias Sachen anzuschauen.
Den Aufprall des Knalls hatte auch Shane wieder gehört, ebenso Louis und
Becki. "Was war das denn?", fragte Louis erstaunt und sah zur Decke. "Nicky."
Shane sagte es zu Louis, grinste dabei aber Becki an. "Ich geh mal nachschauen,
bestimmt ist er wach."
"Hey Nix! Wie geht’s dir?" "Hm? Was?" Nicky knöpfte sein Hemd zu und sah
dann zu Shane auf. "Ich hab dich gefragt, wie es dir geht." "Ganz okay. Haben
wir heute viel zu tun?" "Nein, nur ein Interview und ein Shooting. Aber du musst
nicht mitkommen, wenn du nicht willst." "Sagt Louis das?" "Nein, das sage ich."
"Lass mal... ich komm lieber mit, sonst macht der noch nen Aufstand und das
kann ich gerade nicht gebrauchen." "Okay, wie du meinst... wir können ja
vor den Terminen nochmal kurz zu Ju fahren."
"Wie geht es Julia Walsh?", war die erste Frage, die Nicky dem Arzt, mit dem sie gestern geredet hatten, stellte. "Ah, sind sie Mr Byrne und Mr Walsh?" Nicky nickte. "Dann kommen sie mal mit." Nicky wurde ganz hibbelig, da der Arzt nicht auf seine Frage eingegangen war, sondern schnurstracks zu einer Tür gelaufen war und diese nun gerade öffnete. "Ihr geht es besser." Julia saß in einem normalen Zimmer und las ein Buch, sah aber auf, als die Tür geöffnet wurde. "Julia!", rief Nicky und stürmte sofort auf sie zu, um sie ganz fest zu umarmen. Ihm liefen sogar Freudentränen über die Wangen. "Hey Nicky!" Auch sie freute sich natürlich, hin wiederzusehen. "Wie geht’s dir?" "Einigermaßen gut." Lächelnd schloss sie die Augen, als sie Nicky’s Lippen auf ihren spürte. Life was so beautiful! "Hey Dad!", begrüßte sie nun auch ihren Vater, der die ganze Zeit stumm daneben gestanden hatte und sich dabei allmählich dumm vorkam. "Na Ju?" Sie grinste ihn nur an und wandte sich dann zu Nicky, der ihr gerade einen Kuss auf ihren Handrücken gab. Er war einfach so glücklich, dass es ihr wieder besser ging. Sie gab ihm, mit einem eindeutigen Lächeln auf den Lippen, einen langen Kuss und Louis fiel auf, wie gut die beiden zusammenpassten. Fans hin, Fans her, ging ihm durch den Kopf, die werden das schon irgendwie verstehen. Er selbst konnte ja nichts mehr ausrichten, der eine Versuch, den er gestartet hatte, war kläglich ausgegangen und um keinen Preis der Welt würde er seine wenn auch etwas eigenwillige Tochter in ein Heim geben. Dort wäre es ihr sicherlich nur noch schlimmer ergangen. Leise stand er auf und legte beiden jeweils eine Hand auf die Schulter. "Ich geh dann mal...Ju, wenn du bis morgen wieder fit bist, kannst du zu Nicky's Geburtstag kommen. Tschau!" "Warte mal Dad!" Julia hielt ihn, noch bevor er sich weit genug vom Bett entfernen konnte, am Arm fest. "Was ist?", fragte Louis erstaunt. "Danke! Danke, du bist echt der beste Dad der Welt!", meinte sie glücklich und umarmte ihn. Es freute ihn ungemein, so etwas mal aus ihrem Mund zu hören, in den letzten Tagen hatte er genau das Gegenteil gedacht. Pfeifend ging er aus dem Raum und ließ die beiden alleine.
"Hast du mit ihm gesprochen oder warum hat er sich so verändert?", fragte Ju erstaunt, als Louis draußen war. Nicky schüttelte den Kopf. "Ich hab's zwar versucht, aber er war sturköpfig wie immer. Vielleicht hat er eingesehen, dass es nichts bringt, gegen die Liebe zu sein. Ich meine, dass du plötzlich ins Krankenhaus musstest, hat ihm schon ziemlich mitgenommen. Der Arzt hat ihm gesagt, wenn das nochmal passieren würde, müsstest du ins Heim, und das will er sicherlich nicht." "Mmh.", nuschelte sie und lehnte ihren Kopf gegen Nicky's Schulter. "Ich weiß gar nicht, was ich dir zum Geburtstag schenken soll. Was magst du denn besonders?" "Dich." Julia lächelte und Nicky gab ihr einen Kuss auf die Schläfe. "Ganz ehrlich. Das beste Geschenk wäre, wenn du wieder gesund wirst. Dann bin ich wunschlos glücklich." "Schleimer!", flüsterte Julia und grinste, "Ich hab doch nicht Geburtstag, sondern du!" "Na und?" Ju wusste nichts zu erwidern und piekte Nicky mit dem Finger in den Bauch, was dieser natürlich nicht auf sich sitzen ließ und ebenfalls versuchte, sie zu kitzeln. Gerade, als Julia zum Schutz ihre Decke hochhob, kam der Arzt herein. "Na, wie ich sehe, geht es ihnen schon viel besser. Ich habe gute Nachrichten: wenn sie sich jetzt noch ausruhen, können sie morgen raus! Wie klingt das?" "Sehr gut!", sagten Nicky und Julia wie aus einem Mund und lachten danach. Nicky stand auf. "Okay, dann lass ich dich jetzt mal alleine. Aber morgen komme ich wieder!" "Versprochen?" "Versprochen." Mit einem letzten Abschiedskuss ging Nicky, der Arzt untersuchte Ju noch einmal gründlich um sicherzugehen, dass er den beiden auch nichts Falsches erzählt hatte. Aber er behielt Recht.
"Happy Birthday to you, happy birthday to you, happy birthday dear Nicky, happy
birthday to you!", begrüßte Julia am nächsten Morgen Nicky,
als dieser gerade in ihr Zimmer kam. "Dankeschön süße!", flüsterte
er ihr ins Ohr und nahm sie überschwänglich auf den Arm. "Hey Nicky,
lass ich kann doch selber laufen!", grinste sie, worauf Nicky sie runterließ
und beleidigt eine Schnute zog. Darauf musste Julia lachen und gab ihm einen
Kuss auf die Wange. "So war das doch nicht gemeint!", lächelte sie. Zusammen
fuhren sie zu Nicky nach Hause, wo auch schon ein großer Haufen Gäste
wartete. Seine ganzen alten Fußballfreunde waren da, die Westlifer, Louis,
seine Familie...
"So viele Leute!", flüsterte Julia Nicky ins Ohr, als sie gemeinsam das
Haus betraten und sich urplötzlich eine Stille ausbreitete. Alle starrten
beide an, fast keiner der Anwesenden kannte Ju. "Also Leute...", begann Nicky
und kratzte sich hilflos am Kopf, "...das ist Julia, meine neue Freundin!" Lächelnd
sah er zu ihr. Wie als ob jemand der Menge wieder erlaubt hatte zu reden, fingen
alle wieder ein Gespräch an, Louis dagegen kam zu Ju und Nicky. "Na Julia?
Alles wieder okay?" Glücklich nickte Ju und lehnte ihren Kopf an Nicky.
"Dann ist ja gut..." Louis schlug Nicky noch einmal freundschaftlich auf die
Schulter, ehe er zum riesigen Büffet ging und sich ein Stück Torte
nahm. "Kannst dir ruhig auch was nehmen, wenn du willst." "Mmh. Hab aber keinen
Hunger.", murmelte sie, doch Nicky hörte es. "Fängt das schon wieder
an? Komm, dann essen wir halt zusammen was. Ich will auf keinen Fall, dass es
dir schon wieder so hundsmiserabel wie vor ein paar Tagen geht."
Im weiteren Verlauf des Abends wurde die Stimmung gelassener, irgendjemand hatte
"Hey Whatever" aufgelegt und einige tanzten im Wohnzimmer dazu. Nicky
machte gerade mit Shane Faxen, sie lachten sich über Nicky's Fußballkumpels
schlappen, weil diese vergeblich versuchten, irgendwie zu tanzen. Tja, in Leeds
tanzte man anscheinend anders als in Dublin, dachte Julia, die das ganze ebenfalls
lachend von einem der zur Seite geschobenen Sofas beobachtete. Nach einer Weile
kam Nicky zu ihr, inzwischen lief nicht mehr "Hey Whatever", sondern
"Unbreakable". "Fancy a dance?" "Immer doch." Lächelnd zog er
sie vom Sofa hoch. Während des gesamten Liedes hatten die beiden nur Augen
für den jeweils anderen, was drum herum passierte, war in dem Moment unwichtig.
Schließlich endete das Lied mit "This love is unbreakable...",
wobei sich Ju und Nicky einen langen Kuss gaben, der von den anderen begeistert
applaudiert wurde. Beide grinsten die anderen mit hochroten Köpfen an und
Ju setzte sich wieder zurück auf das Sofa, während Nicky noch mit
vielen anderen seinen Spaß auf der Tanzfläche hatte. Julia schaute
auf ihre Uhr. Kurz nach halb zwei, sagten ihr die beiden Leuchtzeiger. Sie gähnte.
Müde war sie zwar eigentlich noch nicht, im Krankenhaus hatte sie lange
genug geschlafen, aber die Hitze und die Lautstärke machten ihr doch ein
wenig zu schaffen. So ging sie für einen Moment lang nach draußen,
bemerkte aber nicht, dass Nicky sie dabei beobachtete. So ganz fit ist sie wohl
doch noch nicht, dachte er und ging ihr hinterher. "Ju? Alles okay?" Erschrocken
drehte sich Julia um, lediglich Nicky stand dort. "Ja... alles
klar." Er kam näher und umarmte sie vorsichtig, auch wenn sie schon wieder
ein wenig mehr auf den Rippen hatte, war sie immer noch ziemlich dünn.
"Du weißt, dass du immer zu mir kommen kannst, wenn was ist, ja?" "Mmh.
Ich weiß." Nicky biss sich nervös auf die Lippe. Was war bloß
los mit ihr? "Ist dir schlecht oder so? Du wirkst so blass." "Ein bisschen.
Aber geht schon, danke." Einen Augenblick schwiegen sie, bis Nicky sie sanft
am Hals küsste. "Ich liebe dich!", flüsterte er, worauf Ju lächelte.
"Ich dich auch." Doch plötzlich gab sie nur noch einen kurzen pfeifenden
Laut von sich und sank in Nicky's Arme, der sie verdutzt auffing. "Ju? Julia!
Was ist los, sag doch was!!", rief er, aber Julia regte sich nicht. Mit zitternden
Fingern fühlte er ihren Puls, er schlug nicht mehr. "NEEEIN!!", schrie
Nicky voller Verzweiflung und sank über ihr zusammen, bittere Tränen
liefen unaufhörlich seine Wangen hinab und tropften auf den kalten Terrassenboden.
"Julia...", flüsterte er heiser und gab ihr einen langen Kuss, mit der
Hoffnung, dass sie dadurch wieder aufwachte. Aber nichts dergleichen geschah,
sie war tot. Silent.
Epilog:
Vier Männer in schwarzen Anzügen traten vor den Sarg, beteten stumm
für den wunderbaren Menschen, der dort tot lag und wendeten sich dann mit
Tränen wieder ab, um zurück zu der kleinen Gruppe zu gehen, die sich
um das Grab versammelt hatte. Einen kurzen Augenblick darauf traten Louis und
Nicky vor. Nicky musste sich bemühen, bei ihrem Anblick nicht loszuweinen,
obwohl alle anderen wussten, dass er einfach nicht anders konnte. Für sie
war es auch nicht gerade einfach. "Gehe hin in Frieden!", flüsterte Nicky
und warf eine schwarze Rose auf ihren leblosen Körper. Schnell wandte er
sich ab, das ganze war einfach zu viel für ihn. Shane nahm ihn beruhigend
in die Arme und strich ihm über den Kopf - erschöpft, genau wie Nicky
selbst. Er summte eine Melodie, die Nicky sofort erkannte und mitsummte, die
anderen drei ebenfalls. Louis hörte zu, auch er kannte das Lied. Seine
Jungs hatten es oft im Tourbus mal so dahingeträllert, keiner hätte
gedacht, dass es mal Wirklichkeit werden würde.
All I have left
Is the memory of your face
Can't believe that you're gone
Just tell me
Why did you have to leave
Was it meant to be
That you can go and I was
Left to cry here, wating outside
I hold the picture in my hands
Starring at it all the time
Now I know what it feels like
To be left alone
Keeps asking why why why
Why should I care 'bout the feelings of the others
When my aren't strong anymore
I'm crying inside of me
Cause I don't want to live alone
Now I do know the things that you were going through
Your love was the most important for me
I'm like a killed fish
Not able to breathe anymore