"Mensch Jana, beeil dich mal. Sonst verpassen wir unseren Flieger!" Ich riss mich von dem Zeitungsständer los und ging zu Timo, meinem Freund. Er grinste: "Frauen! Immer haben sie was anderes im Kopf als das was gerade wichtig ist!" "Ich weiß genau was gerade wichtig ist. In einer halben Stunde geht unser Flieger nach Dublin und wir müssen noch durch die Kontrollen!" Ich nahm ihn an der Hand und zog ihn zu den Sicherheitsbeamten.
Wielange hatte ich mich auf diesen Urlaub gefreut. Irland war das Land meiner Träume und endlich hatten mir meine Eltern diese Reise geschenkt. Zu meinem bestandenen Abitur. Ich war überglücklich, als ich erfahren hatte, dass Timo mitgehen würde. Ich war schon seit knapp zwei Jahren mit ihm zusammen und wir verstanden uns prima. Wir wollten viele Ausflüge machen und möglichst viel in den 3 Wochen von Irland sehen.
Wir stiegen die Treppen hoch ins Flugzeug und setzten uns. Nach dem Start kam gleich das Essen und Timo war schon eingeschlafen. Ich hatte etwas Angst vorm Fliegen und beschloss mich mit Musik hören abzulenken. Ich kaufte bei einer Stewardess Kopfhörer und steckte sie ein. Gerade kam ein Lied von Madonna. Ich fand es nicht so toll. Danach folgte ein Song von Shakira. Schon besser. Danach sagte der Moderator: "Und jetzt der neue Schmusesong von Westlife. Der Top- Band aus Dublin. Hier ist für euch "Unrbreakable"!!" Westlife? Ich hatte den Namen schonmal gehört, aber ich wusste nichts von der Band. Der Song war super. Ich lehnte mich zurück und schloß die Augen. Ich beschloss in Dublin mal in einem Plattengeschäft nach der Single zu schauen.
Als wir gelandet waren fuhren wir mit einem Taxi ins Hotel. Im Auto- Radio lief schon wieder dieser Song von Westlife. Ich sagte zu Timo: "Der Song ist toll, oder? Ich werde ihn mir vielleicht kaufen." "Ja, nicht schlecht, aber mir ein bisschen zu schnulzig." Ich stieß ihm in die Seite: "Männer! Keinen Sinn für Romantik!" Der Taxi- Fahrer musste lachen. "Also nicht alle Männer sind so!", sagte er in fließendem Deutsch. "Ich mag die Band. Ein Teil von ihnen lebt hier in Dublin!" "Warum sprechen sie so gut Deutsch?" "Ich hab 5 Jahre in Deutschland gelebt! So, da wären wir. Ihr Hotel!" Wir stiegen aus und bezahlten. Das Hotel war schön. Nicht zu groß, aber gepflegt. Das einzige was micht störte war, dass es direkt an der Hauptstraße lag. Aber das konnte ja auch sein Vorteile haben.
Wir checkten an der Rezeption ein und holten unseren Schlüssel. Das Zimmer war schön. Auch nicht besonders groß, aber mit einem schönen Bad, ein kleiner gemütlichen Küche und sogar einer Sitzecke. Wir packten etwas aus. Dann ließ Timo sich aufs Bett fallen und sagte: "Also ich bin jetzt müde. Ich schlaf ne Runde!" "Na toll! Und was soll ich machen?" "Keine Ahnung. Schau dir ein bisschen Dublin an?!" "Das wollten wir doch zusammen machen!?" "Ach Gott, so schlimm ist das ja auch nicht. Such einen Plattenladen und kauf dir die Schnulz- CD von dem Lied, das da im Radio lief!" "Gut, dann geh ich eben allein. Wie kann man nur soviel schlafen!" Ich zog mir meine Jeansjacke an, nahm Geldbeutel und Handy aus dem Rucksack und verließ das Zimmer. Timo schnarchte schon. Ich war ein bissche wütend auf ihn, aber als ich vor dem Hotel auf der Straße stand, war die Wut verflogen. Hier gab es viel zu viel zu sehen. Es gab kleine und große Läden, für alles. Einen Eisenwarenladen, Juweliere, Supermärkte, Klamottenläden, Blumenläden und unzählige Pubs und Restaurants. Zwei Straßen weiter befand sich ein größeres Einkaufszentrum und ich beschloss darin nach der CD zu suchen. Tatsächlich fand ich einen kleinen CD- Shop. Ich betrat ihn. Es waren nicht viele Leute da. Ein älteres Ehepaar, eine Gruppe von 12Jährigen Mädchen und noch ein paar Leute. Ich suchte das Regal mit der aktuellen Pop-Musik. Neben den Mädchen blieb ich stehen, denn ich hatte das Wort Westlife herausgehört. Es fiel mir etwas schwer, sie zu verstehen, weil sie mit schnellem irischem Akzent sprachen. "Die neue Westlife- Single ist toll!", sagte die eine. "Ja, die müsst ihr euch unbedingt kaufen. Ich war sogar vor einem halben Jahr auf dem Konzert." "Ich auch und Mark ist echt der süßeste." "Nein Nicky!" "Nein keiner von beidem! Shane sieht am besten aus!" "Oh mann, was würde ich drum geben, einen von ihnen mal zu treffen. Stellt euch vor, Kian oder Shane würden hier reinkommen und ne CD kaufen. Ich würde durchdrehen!" "Ich auch! Und ich würde sie nach einem Autogramm fragen!" Ich stellte mich etwas weiter weg von ihnen und schaute mir ein paar ältere CDs an. Endlich waren sie weg und ich konnte mir die Westlife- CD aus dem Regal nehmen. Vorne drauf waren 5 Jungs um die 22 Jahre. Sie sahen wirklich nicht schlecht aus, aber ich schaute sie mir nicht länger an. Ich suchte mir einen CD- Spieler mit Kopfhörern um mir die CD einmal schnell anhören zu können. Gerade wurde einer frei und ich stürzte los. Allerdings übersah ich, dass ein Mann mit Sonnenbrille und Cap hinter einem Regal hervor trat. Ich prallte voll mit ihm zusammen. "Hey, nicht so stürmisch junge Dame!" Ich wurde rot. "Tut mir Leid! War nicht mit Absicht!" Ich verdrückte mich schnell und legte die CD in den Player. Ich war gerade dabei, andächtig dem Lied zu lauschen, als der Mann von vorher sich neben mich stellte und auch eine CD anhören wollte. Sein Blick fiel auf die CD- Hülle in meiner Hand. Er zuckte ein bisschen zusammen, aber ich bemerkte es kaum. Dann sagte er: "Die CD ist toll. Ich würde sie mir gleich kaufen!" "Danke, das werde ich auch machen! Kennen sie die Band? Die soll hier total berühmt sein!" "Ja, ich kenne sie." Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, aber ich fragte mich nicht länger warum. Er strich sich seine braunen Haare aus der Stirn. Ich nahm die CD aus dem Player und sagte: "Gut, ich geh dann mal. Und sorry nochmal wegen vorhin." "Kein Problem! Viel Spaß mit der CD!" Ich bezahlte an der Kasse und hatte den Mann schon wieder vergessen. Zwei Läden weiter war ein kleines Café und ich beschloss eine Cola zu trinken oder ein Eis zu essen. Ich setzte mich ein bisschen in die Ecke und bestellte einen Himbeereisbecher. Das Café war um die Uhrzeit nicht besonders voll. Kein Wunder, es war gerade mal 13Uhr und um die Uhrzeit aßen die meisten Leute zu Mittag. Mein Eis kam und ich machte mich darüber her. Ich war so versunken in meinen Eisbecher, dass ich gar nicht bemerkte, dass sich jemand an den Tisch nebenan setzte. Erst als ich mich umdrehte um bei der Bedienung noch eine Cola zu bestellen sah ich wer sich an den Tisch gesetzt hatte. Es war der verschleierte Mann aus dem CD- Shop. Er grinste mich an. Ich grinste zurück. Was machte der hier? Hatte er mich verfolgt? Nein, ich hörte was die Bedienung sagte: "Hi Shane! Das Gleiche wie immer?" "Ja einen Bananen- Split!" Gott sei Dank, er hatte mich nicht verfolgt. Es schien, als wäre er hier Stammgast. Ich bestellte meine Cola. Shane? Hatte nicht ein Mädchen vorher einen von Westlife so genannt? Konnte schon sein, aber es gab sicher eine Menge Jungs und Männer in Irland die so hießen. Ich trank meine Cola und bezahlte. Beim Hinausgehen lächelte ich ihn flüchtig an. Ich beschloß noch ein bisschen durch Dublin zu bummeln. Den Mann hatte ich schon wieder vergessen. Ich lief ziellos durch die Straßen. An manchen Schaufenstern blieb ich stehen und schaute hinein. Dann ging ich in einen Supermarkt, weil mir einfiel, dass wir ja gar nichts Essbares im Hotel hatten. Ich nahm mir einen Einkaufswagen und kaufte Obst, etwas Gemüse Süßigkeiten, Eier, Milch, Cornflakes, ein paar Fertig- Gerichte und Bratwürste. Gerade als ich vor dem Regal mit den Zeitungen stand, wurde ich von hinten angerempelt. Es war schon wieder der Mann mit dem Cappi und der Sonnebrille. "Hilfe, sie müssen mir helfen. Ich werde verfolgt." Ich blickte ihn verständnislos an, aber da hatte er schon seinen Arm um mich gelegt und mich geküsst. Bevor ich mich wehren konnte. Hinter uns hörte ich wie eine Gruppe von Mädchen vorbeirannte und immer wieder laut "Shane!" "Shane!" brüllte. Als sie vorbeiwaren stieß ich ihn weg. "Hey, was soll das??" "Tut mir Leid!" Er kratzte sich verlegen am Kopf. "Die Fans haben mich erkannt und verfolgt. Mir blieb nichts anderes übrig." Ich verstand gar nichts mehr: "Fans? Verfolgt?" "Ja, tut mir Leid. Das kommt leider hin und wieder mal vor. Meistens sind die Fans normal aber es gibt auch welche, die durchdrehen, wenn sie mich sehen." "Ich verstehe nicht ganz... Sind sie berühmt oder so?" "So kann man es auch nennen!" "Und warum sind sie berühmt?" "Ich bin in einer Boygroup! Sagt ihnen der Name Westlife etwas?" Er grinste mich frech an. "West.... West.... Westlife?? Sie sind bei Westlife?" "Ja in der Band, von der sie vorhin die CD gekauft haben." Ich begann zu lachen. Mir fiel wieder ein, was die Mädchen geredet hatten, von wegen sie würden durchdrehen, wenn sie einem Westlife- Mitglied begegnen würden und was sie drum geben würden einen von ihnen zu treffen. Und dabei war er die ganze Zeit im gleichen Shop. Und wie er mir die CD empfohlen hatte. Er schaute mich verständnislos an. "Was ist? Sehe ich so komisch auf oder stehen sie unter Schock?" "Weder noch, dass ist eine lange Geschichte." "Dann erzählen sie sie doch. Ich habe Zeit!" "Aber ich nicht. Tut mir Leid, ich muss zurück ins Hotel." "Machen sie hier Urlaub?" "Ja, ich habe die Reise von meinen Eltern zum bestandenen Abitur bekommen." "Nicht schlecht! Sind sie alleine gereist?" "Nein mit meinem Freund. Und der wartet auch im Hotel auf mich!" Diesmal bemerkte ich nicht, dass er zusammenzuckte. "Ach so. Schade. Darf ich sie zu unserem Konzert nächste Woche in Dublin einladen? Ich kann ihnen und ihrem Freund Backstage- Pässe geben!?" "Womit habe ich das verdient?" "Sie haben mich gerade vor den Fans gerettet, das genügt doch!" Da hörten wir wieder Schreie: "Shane!? Wo bist du? Bitte nur ein Autogramm!" Shane stöhnte auf. "Nicht schon wieder. Ich dachte die wären weg. Hier!" Er drückte mir zwei Karten in die Hand und sagte: "Ich würde mich freuen, sie wiederzusehen!" Ehe ich mich versah, war er zum Hauptausgang hinausgeschlüpft. Die Mädchen kamen um die Ecke gerannt. Eine hielt an und fragte mich: "Hast du zufällig einen Mann mit Jeansjacke, Cappi und Sonnenbrille gesehen?" "Ja, hab ich! Er ist gerade zum Hinterausgang neben der Wursttheke rausgerannt." Das Mädchen bedankte sich und schon waren sie und ihre Freundinnen durch den Hinterausgang verschwunden. Ich mussten grinsen. In der Hand hatte ich immer noch die beiden Backstagepässe von Shane. Ich verstaute sie in meiner Hosentasche und ging zu Kasse. Ich bezahlte und machte mich auf den Rückweg ins Hotel. Als ich die Zimmertür aufschloß kam mir ein lauter Schnarcher entgegen. Timo schlief immer noch. Da konnte nur noch eine Radikal- Maßnahme helfen. Ich schlich mich ins Bad und nahm ein Handtuch. Ich legte es in die Badewanne und drehte den Hahn auf. Eiskaltes Wasser kam heraus. Als das Tuch klitschnass war, nahm ich es heraus und wand es ein bisschen aus. Dann schlich ich mich wieder zurück ins Schlafzimmer und warf es Timo auf den Kopf. Mit einem Schrei setzte er sich auf. "Spinnst du? Was soll das?" "Was das soll? Du pennst jetzt seit knapp 2 Stunden und ich war einkaufen. Du könntest wenigstens dein Zeug in die Schränke räumen!" Er nahm das Handtuch warf es auf den Boden und legte sich wieder ins Bett. "Mach ich nachher!" Und schon war er wieder eingeschlafen. Ich war sauer. Am liebsten hätte ich ihn in einen Gletschersee geworfen. Ich legte die Westlife- CD in den CD- Player des Hotelzimmers und lauschte der Musik. Der, der am Anfang sang, musste Shane sein. Ich erkannte die Stimme wieder. Ich schaute mir das Cover der CD nochmal genau an. Er sah schon gut aus. Aber die anderen auch. Ich räumte die Einkäufe in den Kühlschrank und räumte meine Sachen auf. Dann schaltete ich den CD- Player aus und den Fernseher an. Insgeheim wünschte ich mir, dass irgendwo etwas über Westlife kam. Aber auch bei den heimischen Musikkanälen kam nichts. Ich wollte gerade wieder ausschalten als die Moderatorin einer Musiksendung sagte: "So und zum Schluß zeigen wir euch einen Live- Auftritt von Westlife mit zwei Songs! Unbreakable und Written in the Stars von ihrem brandneuen Greatest- Hits- Album!" Ich saß senkrecht im Sessel und verfolgte den Auftritt aufmerksam. Als erstes wurde Shane in Großaufnahme gezeigt. Er hatte live eine noch viel schönere Stimme als auf der CD. Als ich sah, wie die Mädchen heulend dastanden und ihn anschmachteten dachte ich daran, dass mich dieser Typ vorher im Supermarkt geküsst hatte. Wenn auch nicht aus Liebe, er hatte mich geküsst. Ich wollte eigentlich Timo davon erzählen, weil ich wusste, dass er nicht besonders eifersüchtig war, aber der schlief ja jetzt. Danach sah man auch alle anderen einmal in Großaufnahme. Sie sahen gut aus, aber keiner war so süß wie Shane. "Halt!!! Jana! STOP!!! Was denkst du denn da???", rief ich mich zu Vernunft. "Du hast einen Freund und bist glücklich mit ihm. Du kannst dich doch jetzt nicht in so ein Boybandmitglied verlieben, das geht ja wohl nicht." Aber ich konnte nicht anders. Wie gebannt starrte ich auf den Bildschirm. Nach dem zweiten Song wurde nocheinmal die Moderatorin gezeigt: "So, und jetzt wie versprochen zu unserer Überraschung! Wir konnte Westlife am Ende ihres Gigs zu einem Interview überreden! Viel Spaß!" Und da saßen sie dann. Die Fünf Jungs von Westlife. In schwarzen Anzügen. Der Moderator begrüßte sie. Ich hörte nicht wirklich zu. Ich war damit beschäftigt Shane anzuschauen. Aber bei einer Frage wurde ich hellhörig: "So Guys und jetzt eine Frage die ihr wahrscheinlich bei jedem Interview gestellt bekommt. Wie siehts in der Liebe aus?"
Bryan: " Also bei mir ziemlich gut. Ich liebe Kerry und Molly und ich freue mich total! Ich bin im Moment einfach nur glücklich!"
Nicky: "Ich auch! Georgina und ich sind jetzt fast 8 Jahre zusammen und immer noch so verliebt wie am Anfang. Ich werde sie definitiv heiraten aber ich ich weiß noch nicht wann. Den Antrag habe ich noch nicht gemacht, weil ich noch keinen passenden Moment abgepasst habe. Aber er wird irgendwann kommen, versprochen!"
Kian: "Ich bin im Moment noch solo. Aber das kann sich ja ändern?!"
Mark: "Ebenso bei mir!"
Shane: "Ich bin auch glücklich mit Gillian, Kian’s Cousine. Ich denke auch, dass wir heiraten werden, es ist nicht sicher wann, aber ich denke wir werden es tun."
Ich war etwas traurig, als ich die Antwort von Shane hörte. Er war also mit Kian’s Cousine zusammen und glücklich mit ihr. Was hatte ich eigentlich erwartet? Das er sich Hals über Kopf in mich verlieben würde? In ein Mädchen aus Deutschland, dass Westlife gar nicht gekannt hat? Nein, das waren alles nur Hirngespinste. Aber trotzdem. Ich habe die Backstage- Pässe bekommen und er hat gesagt, er würde sich freuen, wenn er mich wiedersehen würde. Aber vielleicht war das auch nur eine Taktik um neue Fans zu bekommen. Oder er sah es als Pflicht an, mich einzuladen, um sich zu bedanken...
"Egal!", beschloss ich. "Ich werde am nächsten Mittwoch mit Timo zu dem Konzert gehen und mich amüsieren. Egal ob er mich wiedersehen wollte oder nicht. Ich hatte Backstage- Karten bekommen und es wäre blöd, sich das Konzert entgehen zu lassen, ob er eine Freundin hatte oder nicht."
Ich schaltete den Fernseher ab und weckte Timo. "Jetzt reichts! Du stehst jetzt auf! Wir gehen jetzt essen, ich hab nämlich Hunger und ich muss dir unbedingt erzählen, was ich vorher erlebt habe!" Timo kletterte gähnend aus dem Bett, ging ins Bad, duschte und rasierte sich und kam fertig zum ausgehen wieder ins Zimmer. Auch ich hatte mich umgezogen und trug jetzt einen schwarzen Jeansrock zu einer roten Bluse. Auf dem Weg zum Speisesaal des Hotels erzählte ich ihm die Geschichte. Als ich bei dem Kuss ankam, sagte er nichts mehr und als ich fertig war sagte er: "Er hat dich also geküsst obwohl er eine Freundin hat, die er heiraten will. Na das muss vielleicht einer sein!" "Warum? Ich hab dir doch gesagt, dass er vor den Fans geflüchtet ist!" "Trotzdem! Du, sei mir nicht böse, aber ich hab echt keine Lust auf das Konzert zu gehen und die hinter der Bühne vielleicht auch noch zu treffen. Das muss ich mir nicht antun!" "WAS? Du gehst nicht mit?" "Nein, ich mag die Musik nicht und ich will die auch nicht treffen. Sorry!" "Man, was ist denn mit dir los? Früher warst du auch nicht so und wir haben alles zusammen gemacht." "Na und? Ich hab einfach keine Lust auf ein schnulziges Boyband- Konzert zu gehen. Verstehst du das denn nicht?" "Naja, nicht wirklich. Aber dann gehe ich eben alleine!" "Bist du mir jetzt böse?" "Nein!" Trotzdem herrschte beim Abendessen und auch danach eine etwas kühle Stimmung ziwschen Timo und mir.
Am nächsten Morgen wachte ich spät auf und Timo war nicht da. Auf dem Tisch lag ein Zettel.
Guten Morgen
Ich bin joggen gegangen.
Ich bin aber bald wieder da!
Ich liebe dich,
dein Timo
Ich gähnte. Na toll. Jetzt war Timo nicht da und so wie ich ihn kannte, kam er erst zum Mittagessen wieder. Ich aß eine Schüssel Cornflakes und beschloss den heutigen Tag ruhig angehen zu lassen und ein Bad zu nehmen. Ich versuchte nicht an Shane zu denken, aber er verfolgte mich regelrecht. Als ich das Badradio einschaltete kam Unbreakable, als ich den Fernseher einschaltete kamen ihre Tourtermine in den Nachrichen und als ich mir am Hotel- Kiosk die Bravo kaufte, waren sie auf der Titelseite.
Kurz vor 12Uhr kam Timo zurück. Er war
verschwitzt und sagte: "Ich geh schnell duschen. Essen wir heute im Zimmer,
okay? Ich will ein bisschen mit dir alleine sein!"
Während er duschte machte ich etwas zu essen. Spiegeleier und Bratwürste, zum
Nachtisch Obstsalat. Ich freute mich, dass Timo ungestört sein wollte mit mir,
aber andererseits hatte ich keine Lust. Ich wäre lieber ein bisschen durch Dublin
oder Irland gefahren.
Er kam aus der Dusche und wir aßen erstmal.
Dann stellte er den Radio ein und zog mich an sich. Wir küssten uns und fielen aufs Bett. Als er mich auszog blockierte sich irgendwas in mir, aber ich wusste nicht was es war. Ich sagte nichts.
Am Abend beschlossen wir auszugehen. Wir wollten in einen Pub oder eine Bar, etwas trinken und Spaß haben. Eventuell neue Leute kennenzulernen.
Spaß hatten wir und wir lernten ein junges Ehepaar aus London kennen. Sie hießen Patrick und Cindy. Sie waren gut drauf und wir beschlosen auf jeden Fall nochmal etwas mit ihnen zu unternehmen.
Die Jungs standen an der Bar. Im Radio hatte gerade ein neuer Song begonnen und Cindy rief: "Man, das ist World of our own von Westlife. Die Band ist so unheimlich toll, komm lass uns tanzen!" Ich lachte und wir tanzten den kompletten Song durch. Jetzt kannte ich schon zwei Songs von Westlife und wunderte mich, dass sie neben den soften Songs auch so schnelle Sachen brachten.
Als der Song beendet war setzten wir uns hin. Die Männer standen immer noch an der Bar um etwas zu trinken zu bestellen, da fing Cindy schon wieder von Westlife an: "Ich liebe diese Band. Ich bin schon ein Fan, seit die Bang gegründet wurde. Ich hoffe so, dass ich sie hier in Dublin mal treffen werde. Kennst du Westlife?" Ich versuchte ein grinsen zu vermeiden und sagte: "Ja, aber nicht sehr gut." "Gut, dann erzähl ich mal was über sie. Die Band besteht aus 5 Jungs. Shane, Kian, Mark, Bryan und Nicky. Mark ist eindeutig der süßeste Mann der Welt. Naja, neben meinem Ehemann eben. Der ist genauso süß! Und Shane, Kian und Mark kommen aus Sligo, dass ist zwei Stunden Autofahrt von Dublin entfernt. Und Nicky und Bryan wohnen in Dublin und Shane ist glaube ich, auch gerade hergezogen. Bryan ist mit Kerry Katona, einer ehemaligen Atomic Kitten Sängerin verheiratet und hat eine Tochter. Shane und Nicky haben auch Freundinnen. Nur Kian und Mark sind solo. Nächste Woche geben sie hier in Dublin ein Konzert und ich hab keine Karte. Das ist so schrecklich. Patrick mag die Jungs nicht so. Aber ich versuche gerade überall her eine zu bekommen. Aber ich hatte noch kein Glück. Ich will aber zu diesem Konzert." Sie redete wie ein Wasserfall. Da kam mir eine Idee: "Cindy, ich hab zwei Backstage- Pässe für das Konzert nächste Woche. Willst du mitkommen? Timo hat nämlich keine Lust!" Einige Sekunden war Cindy total still. Aber dann begann sie zu schreien und sprang wie ein kleines Kind umher. Sie sah aus wie eine 5Jährige, nicht wie eine verheiratete 23Jährige. "Ist das dein Ernst? Ich darf mitkommen?" "Ja, mein voller Ernst!" "Aber woher hast du die Pässe?" "Von Shane!" "WAAAS??? Du kennst Shane? Woher? Hast du ihn schonmal getroffen?" "Ja, aber das bleibt mein Geheimnis. Ich weiß nicht, ob ich es sovielen Leuten erzählen darf und will. Sei mir nicht böse!" "Nein, wie könnte ich. Ich werde nächste Woche Westlife treffen. Was gibt es schöneres. Vielen vielen Dank!" Sie war mir um den Hals gefallen.
Da kamen auch schon die Männer zurück. Patrick fragte: "Was ist denn los?" "Stell dir vor Pat, Jana hat Backstage- Pässe fürs Westlife- Konzert nächste Woche. Und ich darf mit!" "Oh nein, nicht schon wieder diese Boyband! Hilfe!" Er streckte die Hände in die Luft und tat als wäre er total genervt. Der Einzige, der das lustig fand, war Timo. Er lachte: "Ich mag die auch nicht! Was hältst du davon, wenn wir an dem Tag einen drauf machen gehen? Ganz Anti- Westlife- Mäßig?" Patrick war sofort einverstanden.
In den nächsten Tagen unternahmen wir viel. Wir fuhren mit dem Auto durch Irland. Wir schauten uns die Küste an, die Dörfer und alles was es noch spannendes zu sehen gab. Wir machten eine Tour durch Dublin und wir blieben auch einen Tag lang im Hotel oder gingen Schwimmen. Abends waren wir oft in irgendwelchen Bars und Pubs. Mal alleine, mal mit Cindy und Patrick. Und dann war er da, der Tag des Konzertes. Ich hatte versucht in den letzten Tagen nicht an Shane zu denken, aber er hatte sich immer wieder vor mein inneres Auge gedrängt und jetzt war ich ziemlich aufgeregt, bei der Vorstellung ihn bald zu sehen. Ich zog mir einen Jeansrock an, ein pinkes Top und meine Jeansjacke darüber. Um 17Uhr wollte Cindy mich abholen. Sie war ein reines Nervenbündel. Sie zitterte sogar ein bisschen. Ich gab ihr auf ihren Wunsch hin eine Beruhigungstablette und wir nahmen ein Taxi zur Konzerthalle. Die Backstage- Pässe hatte ich sicher in der Innenseitentasche meiner Jeansjacke verstaut. Wir suchten einen Securitymann um ihm zu fragen wo wir mit unseren Pässen hinmussten.
"Geht am besten zum Hintereingang. Da steht
ein Sicherheitsbeamter und der lässt euch dann rein."
Wir folgten seinen Anweisungen und tatsächlich befanden wir uns 10 Minuten später
im Backstage- Bereich der Halle. Hier war viel los. Es liefen Securities herum,
und Kamerateams, Männer und Fauen, die wie Tontechniker aussahen, Leute von
der Westlife- Crew, Köche, Sanitäter und auch einige wenige Fans. Wir sahen
uns alles genau an, aber wir konnten keinen Westlifer entdecken. Plötzlich rief
Cindy: "Da ist Louis. Louis Walsh, der Manager. Los komm. Wir gehen mal zu ihm
hin!" Ehe ich etwas sagen konnte, hatte sie mich zu ihm hingezogen. "Hallo,
Mr. Walsh. Ich bin Cindy Connor und das ist meine Freundin Jana Bachmann. Sie
hat Backstage- Pässe von Shane Filan bekommen aber jetzt können wir die Jungs
nirgends finden!" "Das ist auch kein Wunder. Sie sind beim Abendessen. Das lässt
sich keiner von ihnen entgehen. Ich bin auch auf dem Weg dahin. Wollen sie mitkommen?"
"Ja gerne!", sagte ich. Cindy war plötzlich gar nicht mehr aufgeregt, was auch
mich ein bisschen beruhigte. Louis führte uns durch ein paar Gänge und öffnete
dann eine Tür. Er trat ein und wir folgten ihm zögernd. Und da saßen sie. Ich
erkannte sie alle wieder. Kian und daneben Bryan, am anderen Ende Nicky neben
Mark und da war auch Shane. Als er mich sah, sprang er auf und lief zu mir her.
"Meine Lebensretterin! Hallo! Schön dich wiederzusehen!" Die anderen schauten
uns verwundert an, denn es war scheinbar nicht üblich, dass Louis Fans zum Essen
mitbrachte. "Bist du das Girl, dass Shane vor den verrückten Fans gerettet hat?",
fragte mich Bryan und grinste. Noch war ich etwas schüchtern und nickte. Cindy
starrte die Jungs an und sagte gar nichts. Das übernahm ich für sie: "Das ist
Cindy Connor. Ich habe sie letzte Woche kennengelernt. Sie ist Westlife- Fan
und ich dachte ich bringe sie mit." "Und du bist kein Fan!", warf Kian mir gespielt
vorwurfsvoll vor. "Woher weißt du das?", fragte ich ihn. "Shay hat uns alles
von eurer Begegnung erzählt." Ich nickte und Shane fragte: "Wollt ihr was essen?
Es gibt Hühnchen. Allerdings nur kalt und ohne Fett. Und dazu Gemüse!" Er verzog
das Gesicht. Und Bryan meckerte: "Wenn wir auf Tour sind, dann bekommen wir
nur die ekeligsten Sachen." "Bryan ihr braucht genau da die meisten Vitamine!",
warf Louis ein. "Nein, genau da brauchen wir was Gescheites zum Essen. Wenn
wir uns schon so verausgaben." Die anderen lachten. Mark sagte: "Verausgaben?
Ausgerechnet du sagst das, Bryan. Entweder liegst du den ganze Tag rum und spielst
Playstation oder man findet dich bei McDonalds oder Burger King. Oder zumindest
in der Tour- Küche." Mit dem Spruch erntete er noch mehr Lacher. Auch Cindy
und ich tauten langsam auf. Die Jungs von Westlife schienen ein ganz lustiges
Volk zu sein. Sogar Louis lachte mit. Cindy und ich setzten uns. Ich nahm auch
einen Hühnchenschlegel und Gemüse, aber Cindy bekam nichts runter. Shane und
ich mussten nochmal die ganze Geschichte zum besten geben und auch Cindy, die
die Story vorher noch nicht kannte, lachte mit. Nach einer halben Stunde hieß
es für die Jungs zur Kostümprobe. In der Zwischenzeit saßen wir im Aufenthaltsraum.
Shane hatte verprochen uns abzuholen wenn sie fertig waren. Nach einer weiteren
halben Stunde des Wartens kam er. Ich fragte: "Und gab es Problem beim anprobieren?"
"Nein, bei vier von uns nicht, nur Bryan hat mal wieder zugenommen und unsere
Schneiderin muss alle Sachen bis zum Konzertbeginn weiter machen." Er erntete
einen bösen Blick von Bryan und einen Lacher von den anderen. Um 19Uhr sagte
Bryan: "Ich geh mal schnell Kerry und Molly holen. Die wollen gleich kommen."
Er stand auf. "Bring Gillian auch gleich mit. Sie müsste auch gleich kommen!"
Ich spürte einen Stich im Herz. Jetzt sollte ich also Shane’s Freundin kennenlernen.
Meine Laune verschlechterte sich, aber es schien keiner zu bemerken. Aber es
bemerkte auch keiner, dass sich die Laune von Shane nicht gerade besserte, bei
der Aussicht, seine Freundin gleich zu sehen. Bryan kam alleine zurück. "Kerry
musste Molly die Windeln wechseln. Sie kommt gleich! Von Gillian war weit und
breit nichts zu sehen. Vielleicht steckt sie im Stau oder so." "Ich ruf sie
mal an!", sagte Shane und verließ den Raum. In dem Moment kam eine wunderschöne
blonde Frau in den Raum mit einem kleinen Kind auf dem Arm. Bryan war aufgesprungen.
"Cindy, Jana, darf ich vorstellen! Meine Frau Kerry und meine Tocher Molly!"
Cindy und ich gaben Kerry die Hand und Molly lachte uns an. "Ist die süüüüüß!",
entfuhr es mir.
Bryan grinste: "Klar, sie ist ja auch von mir!" Kerry räusperte sich. "Und von meiner Angetrauten natürlich!", verbesserte er sich schnell. Wir lachten.
In dem Moment kam Shane zurück. "Gillian kommt nicht. Sie hat keine Lust schon wieder ein Westlifekonzert zu sehen." Kian fragte: "Habt ihr Stress? In letzter Zeit ist alles irgendwie komisch zwischen euch!" "Naja, es ist nicht mehr so wie früher, das stimmt schon!" "Wag es bloß nicht, meinem Kusinchen das Herz zu brechen." Shane brachte nur ein müde "HaHa" heraus.
Louis stand auf: "Jungs, ihr müsst euch jetzt auf euren Auftritt vorbereiten. Shane fragte: "Und was ist mit den Mädchen? Die wollen das Konzert doch sicher auch sehen!" "Ich lasse sie in den Fotograben stellen, okay?" Shane nickte und verließ mit den anderen den Raum. Kerry blieb mit Molly zurück. Sie wollte das Konzert auf dem Fernseher verfolgen. Wir wurden von einem Bodyguard namens Peter in die Halle gebracht. Der Lärm der uns entgegenschlug war unbeschreiblich. Mindestens 10000Fans waren in der Halle und hauptsächlich Mädchen. Sie hielten Plakate in der Hand auf denen sie ihren Idolen ihre Liebe gestanden. Cindy hüpfte ganz aufgeregt herum. Da kam auch schon die Vorband auf die Bühne. Drei Jungs aus London die sich Busted nannten. Sie machten gute Musik und heizten das Publikum an. Cindy und ich tanzen und sprangen auch herum. Nach einer halben Stunde verließen Busted die Bühne und nach weiteren 10 Minuten ertönte ein lauter Knall in der Halle. Darauf folgte ein Funkenregen auf der Bühne und als die Scheinwerfer angingen standen Westlife auf der Bühne. Es war wie eine Welle aus Schreien was Cindy und mich von hinten überrollte. Wir duckten uns automatisch. Mit World Of Our Own begann die Show. Danach folgten langsame und schnelle Songs und die Fans waren nicht zu halten. Nach einer kleinen Pause ging es weiter. Bei Unbreakable holten die Jungs Fans zu sich auf die Bühne. Bryan, Nicky und Kian hatten schon zitternde und heulende Fans neben sich stehen aber Shane und Mark kamen genau auf uns zu. Und ehe wir uns versahen wurden wir schon von zwei Boudyguards auf die Bühne gehoben. Shane legte den Arm um mich als er den Anfang sang und Cindy hing förmlich an Mark. Als wir wieder im Fotograben standen fing Cindy an auf und ab zu hüpfen und rief: "Man Mark hat mich in den Arm genommen. Der absolute Wahnsinn." Mal wieder glich sie einem Teenager und keiner verheirateten Frau. Ich musste lächeln und viel zu schnell war das Konzert vorbei. Wir verließen zusammen mit den Fotografen und Kameramännern den Fotograben und gingen zurück in den Backstage- Bereich. Kerry kam uns entgegen: "Hi Mädels. Wie fandet ihr das Konzert?" "Toll!" "Es war Wahnsinn!" "Schön dass es euch gefallen hat. Die Jungs sind jetzt duschen und danach wollen wir noch ein bisschen feiern. Wollt ihr mitfeiern?" "Ja klar! Gerne!" "Gut ich muss nur noch Molly ins Bett bringen. Los kommt!" Wir gingen in die Gaderobe und Kerry verschwand im Nebenzimmer um Molly in ein kleines Reisebett zu bringen. Plötzlich hörten wir Geschrei auf dem Gang. "Die Jungs kommen!", sagte Kerry nüchtern und tatsächlich flog kurz darauf die Tür auf. Bryan kam hereingestürzt und wirbelte mit Kerry herum. Die anderen folgten. Mark trug zwei Flaschen Chamagner und Kian eine Kiste Bier. Als letzter kam Nicky mit einem Mädchen im Arm die ich nicht kannte. Sie stellte sich vor: "Hi, ich bin Georgina, die Freundin von Nicky!" Sie sah gut aus stellte ich fest. Sie wandte sich an Shane: "Wo ist dennGillian?" Shane brummte nur irgendwas von ‚Keine Lust gehabt‘ und ließ sie wie selbstverstänlich neben mir aus Sofa fallen. Georgina saß neben Nicky und Bryan und Kerry knutschten irgendwo in einem Eck wie zwei Teenies herum. Cindy war in ein Gespräch mit Kian und Mark verwickelt. Ich überlegte krampfhaft was ich Shane fragen konnte. Aber mir viel nichts ein. Dabei wollte ich unbedingt etwas mit ihm reden. Aber meine Knie waren weich und mein Herz schlug wie wild. Was war mit mir los? Ich war doch nicht etwas in Shane verliebt? Neeein, ich doch nicht! Oder doch? Nein ich hatte doch Timo. Und doch... ich zeigte genau die Symptome die man hatte, wenn man verliebt war. Ich sah ihn von der Seite an. Er war wirklich süß. So schöne braune Augen und das Hemd stand ihm ziemlich gut. Aber ich schaute schnell wieder weg. Da sagte er: "Warum ist denn dein Freund nicht mitgekommen?" "Er hatte keine Lust. Er steht nicht so auf eure Musik!" "Und du?" "Ich finde sie toll. Aber ich habe euch bis letzte Woche gar nicht gekannt." "Das ist doch nicht schlimm...Ich finde es auch mal ganz angenehm wenn du nicht immer angesprochen wirst auf der Straße oder nach einem Autogramm gefragt wirst. Das kann ganz schön nerven." "Kann ich mir vorstellen!" Er nahm eine Flasche Bier und öffnete sie. Er bot sie mir an. "Willst du?" Ich nahm sie. "Wielange bist du noch hier?" "Noch genau 2 Wochen. Dann muss ich wieder zurück nach Berlin!" "Berlin? Berlin ist eine schöne Stadt!" Ich nickte und trank einen Schluck. Wir unterhielten uns noch eine Weile. Dann sagte Shane: "Willst du ein bisschen mit rauskommen. Hier ist es so warm und um die Uhrzeit sind die Fans meistens schon weg." Ich schaute auf die Uhr. Timo und Patrick saßen jetzt bestimmt betrunken in irgendeiner Bar und baggerten Mädchen an. Früher hatte mir das nichts ausgemacht, aber jetzt wurde ich sauer auf ihn. Ich wusste zwar das ich ihm vertrauen konnte aber jetzt war ich sauer auf ihn wegen allem was mit ihm zu tun hatte. Wenn er jetzt nicht da wäre. Dann wäre ich Single. Aber ich schob meine Gedanken weg und sagte nichts mehr.
Hinter der Halle war ein kleines Stück Wiese. Wir gingen darauf zu aber wir mussten über einen Zaun klettern um rein zu kommen. Shane kletterte hoch und sprang auf der anderen Seite herunter. Dann folgte ich. Ich war schon drüber und musste nur noch springen aber Shane bestand darauf mich aufzufangen. Als sprang ich mit großem Sprung in seine Arme. Plötzlich spürte ich einen Ruck in meinen Beinen. Ich wurde zurückgezogen aber Shane und hielt mich fest und mit einem lauten Raaaatsch fielen wir ins Gras. Da lag ich nun, auf ihm drauf in seinen Armen. Unsere Lippen waren nur noch ein paar Centimeter voneinander entfernt und ehe ich mich versah küssten wir uns. Es war ein schöner, inniger, langer Kuss und ich schmolz sichtlich dahin. Wir lagen eine Weile einfach nur da und küssten uns immer wieder. Ich wusste nicht wie mir geschah. So hatte mich Timo und auch kein anderer meiner Freunde je geküsst. Ich war hin und weg. Nach einer Weile ging uns die Luft aus und wir setzten uns auf. Jetzt erst bemerkte ich das rießige Loch in meiner Feinstrumpfhose. Ich sah mich um und sah im Dunkeln einen Fetzen meiner Strumpfhose am Zaun flattern. Shane hatte ihn auch gesehen und wir mussten lachen. Er sagte: "Macht doch nichts! Zieh die Strumphose aus, das stört eh niemanden." Ich tat es und warf sie ins Gras. Shane zog mich zu sich und wir küssten uns wieder. Es war einfach wunderschön. Wir saßen mindestens eine halbe Stunde so im Gras. Ich hatte Timo und alle anderen vergessen. Es gab nur noch Shane und mich. Plötzlich hörten wir Rufe: "Shhhaaaane!!" "Janaaaaa! Wo seit ihr!" Shane schob mich weg und sagte: "Bitte sag nichts den anderen. Noch nicht!" Ich nickte und rief: "Hier sind wir!!!" Bryan und Mark schauten über den Zaun. "Was habt ihr denn da gemacht?" "Nichts, wir haben uns nur unterhalten!" "Und die Strumpfhose?", fragte Bryan und deutete auf den Fetzten der am Boden lag mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Shane wurde kaum merklich rot: "Jana ist damit am Zaun hängengeblieben als wir drübergeklettert sind." Ich nickte, denn immerhin war es ja auch die Wahrheit. Wir kletterten wieder zurück. Mark sagte: "Wir wollen noch ein bisschen zu Nicky. Das Hallenmanagment hat uns rausgeschmissen weil wir zu laut sind. Kian und Cindy sind ziemlich betrunken und Nicky und Georgina auch angeheitert. Kommt ihr mit?" Shane nickte. Und ich auch.
Kian und Cindy kamen aus der Halle, gestützt von Kerry und grölten laut irgendwelche Westlife- Songs durcheinander. Als Cindy mich sah kam sie zu mir getorkelt. Kian hinterher. Sie lallte: "Iss Kiani nich sü...sü...süß?" Sie schlug die Hand vor den Mund und grinste: "Uh...das hab ich nich gesacht grad ebbben! Oder? Was denkt denn Pat...Patrick jetz von... von mir?" Sie lachte laut und fiel Kian um den Hals. Der konnte das Gleichgewicht nicht halten und die beiden fielen auf den Boden. Beide lachten blöd und fingen gleich an "Flying without wings" oder so zu singen. Sie sahen so drollig aus, dass Kerry, Shane, Bryan, Mark und ich anfingen zu lachen. Nicky und Georgina kamen hinterher aus der Halle, die beiden stützten sich gegenseitig und lachten und tuschelten die ganze Zeit. Kerry übergab Cindy und Kian Shane und mir und sagte: "Ich geh jetzt Molly holen!" Sie verschwand in der Halle und wir verfrachteten Kian und Cindy auf dem Rücksitz von Shane’s Auto. Shane fuhr und ich setzte mich auf den Beifahrersitz. Bryan und Kerry fuhren in ihrem Auto und Nicky und Georgina fuhren bei Mark mit. Wir verabredeten uns in einer halben Stunde bei Nicky vor dem Haus. Kerry und Bryan wollten Molly bei sich ins Bett bringen. Die Haushälterin war noch da und die würde sich dann um die Kleine kümmern. Shane und ich wollten Kian und Cindy ins Hotel bzw. in die Wohnung bringen aber die beiden weigerten sich strikt dagegen, deshalb fuhren wir geradewegs zu Nicky’s Villa. Mark war auch schon da und Nicky versuchte gerade laut lachend die Haustüre aufzuschließen. Mark nahm Cindy und Kian in Empfang. Shane und ich blieben noch draußen mit der Ausrede auf Bryan und Kerry zu warten. Als die anderen im Haus waren, nahm Shane mich in die Arme und blickte mir in die Augen. Ohne ein Wort zu sagen, küsste er mich. Ich vergaß die Welt um mich herum, Timo, mein schlechtes Gewissen und dass Kerry und Bryan gleich kommen würden. Ich wusste nicht wielange wir da standen. Plötzlich wurde Shane von mir weggezogen. Bryan stand hinter uns. Er sah wütend aus: "Shane, was machst du da? Spinnst du?" "Oops! Bryan. Seit wann bist du schon da?" "Lange genug um zu sehen was ihr da macht!" "Bitte Bryan, sei nicht böse. Aber ich weiß auch nicht was mit mir los ist. Ich glaube ich habe mich in Jana verliebt." Diese Worte trafen mich wie ein Blitz. Ich stand da, unfähig mich auch nur zu bewegen, geschweige denn ein Wort zu sagen. Bryan starrte uns an. Jetzt bemerkte ich auch Kerry, die hinter ihm stand. Sie starrte uns ungläubig an. Shane stotterte: "Bitte... Bryan... Kerry, sagt es Gillian oder den anderen nicht. Ich muss mir erst über meine Gefühle im Klaren sein. Bitte!" Bryan wollte gerade wieder losbrüllen aber Kerry legte ihm den Arm auf die Schulter. Sie sagte: "Okay! Wir sagen nichts! Jetzt lasst uns reingehen!" Bryan wollte noch etwas sagen aber Kerry hatte sie schon von uns weggezogen. Shane gab mir einen leichten Kuss auf den Mund und sagte: "Tut mir Leid, dass wollte ich nicht!" Ich sagte nichts und wir gingen zusammen hinter Kerry und Bryan hinterher ins Haus. Drinnen war die Stimmung ziemlich gut. Mark versuchte die ganze Zeit Cindy und Kian die Flaschen wegzunehmen aber die ließen das nicht zu und rannten laut lachend durch Nicky’s Haus, Mark hinterher. Nicky und Georgina lagen knutschend auf einem Sofa. Das Radio lief und gerade kam ein Song von Westlife. Shane und ich setzten uns mit Abstand auf ein anderes Sofa. Bryan schaute uns immer noch etwas schief an, war dann aber abgelenkt, als Kian versuchte ihn mit Champagner vollzuschütten. Shane und ich lächelten uns immer wieder verschämt an. Cindy hatte sich neben Mark gesetzt und versuchte nun ihn zu küssen. Mark war zwar nicht abgeneigt, aber da er wusste, dass sie verheiratet war, ließ er sie nicht an sich ran. Ich stand auf und nahm Cindy an der Hand und zog sie aus dem Raum. Ich versuchte ihr klarzumachen, was sie gerade tat: "Cindy, hör mir jetzt mal gut zu! Du bist verheiratet, du kannst nicht einfach Mark küssen." "Warum... de... de... denn nischt? Er is doch soooo süüß." "Und was ist mit Patrick?" "Ach, den den den hab ich morgen wieder am Halssss. Jetzt lass mir doch meinen Sp... Sp... Spaß!" Und schon war sie wieder weg und ließ sich bei Mark auf den Schoß fallen. Ich nahm mir eine Flasche Bier und trank sie ziemlich schnell aus. Mir wurde das alles gerade zu viel. Shane hatte mir indirekt seine Liebe gestanden, Bryan war sauer, Cindy war drauf und dran, ihren Ehemann zu betrügen und ich hatte es schon halb getan. Der einen Flasche Bier folgten noch eine zweite, eine dritte und eine vierte. Dann hatte ich aufgehört zu zählen und an alles was ich mich noch erinnerte, dass ich mich im Flur auf einen Stuhl gesetzt hatte.
Als ich aufwachte lag ich weder in meinem Hotelbett noch saß ich auf dem Stuhl. Ich lag auf einem Sofa. Neben mir auf dem Boden Shane. Er schlief noch. Unterm Fenster lag Mark, daneben Kian und schief auf ihnen drauf lag Cindy. Von Bryan, Kerry, Nicky und Georgina war nichts zu sehen. Ich stand auf und kletterte über Shane drüber. Dann suchte ich das Bad. Ich wusch mir mein Gesicht und aß ein Atem- Frisch- Bonbon, dass ich in meiner Tasche fand. Dann kämmte ich mir die Haare. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es kurz nach 9 Uhr war. Ich hatte schreckliche Kopfschmerzen. Ich ging zurück ins Wohnzimmer und beschloss Cindy zu wecken. Sie wollte einfach nicht aufwachen. Also holte ich einen Becher Wasser und schüttete ihn ihr über den Kopf. Sie saß senkrecht auf dem Boden. "Ohhhhh Gott, mein Kopf! Was ist denn passiert? Wo bin ich hier?" "Kannst du dich denn gar nicht an gestern Abend erinnern?" "Nein, nicht richtig. Wir waren auf dem Westlife- Konzert, dann haben wir in der Gaderobe gefeiert. Kian und ich haben Wetttrinken gemacht und dann weiß ich nichts mehr!" "Wir sind bei Nicky zu Hause. Du warst völlig betrunken und hast mit Kian und Mark Scheiße gebaut!" "Oh je! Wo ist denn das Bad?" Ich erklärte ihr den Weg und sie war gleich verschwunden. Meine Kopfschmerzen wurden besser, aber ich hatte keine Ahnung was ich machen sollte. Timo lag jetzt sicher mit einem Kater im Bett. Und ich saß hier mit einem Kater. Da bewegte sich Mark. Er schlug die Augen auf und setzte sich auf. "Morgen Jana!", brummte er. "Morgen!", sagte ich. Er stand auf. "Gut geschlafen?" "Geht so! Ich hab Hunger!" Jetzt bemerkte ich auch meine knurrenden Magen. "Ich auch!" "Gut, dann gehen wir frühstücken." "Warte ich hol nur noch schnell Cindy. Sie ist grade ins Bad!" "Ja und Shane und Kian?" "Weiß nicht. Ich glaube wir lassen sie schlafen. Wo sind denn Bryan und Kerry?" "Die sind heute Nacht irgendwann heimgefahren. Die waren als einzige noch fast nüchtern. Was mich bei Bryan wundert. Beim Hinausgehen haben sie dann dich auf dem Stuhl gefunden und ich hab dich aufs Sofa gelegt. Komisch, du warst gestern eigentlich noch total nüchtern. Aber dann bist du rausgegangen und hast dich betrunken und Shane hat auch angefangen als du draußen warst." Er kratze sich am Kopf und fuhr fort: "Ach, dass ist zu viel für mich. Ich brauch was zum Essen! Mal schauen was es in der Byrne- Küche zum Essen gibt." Er schlurfte davon und ich holte Cindy aus dem Bad. Sie hatte im Arznei- Schrank Kopfschmerz- Tabletten gefunden, von denen auch ich dankbar eine annahm. Dann gingen wir auch in die Küche. Mark saß neben Nicky und Georgina und frühstückte. Die Beiden hatten offensichtlich schon Gebrauch von Tabletten genommen, denn sie waren gut gelaunt und begrüßten uns mit einem fröhlichen "Guten Morgen!" Wir wollten gerade anfangen Kaffee zu trinken als Kian und Shane in die Küche kamen. Wir boten ihnen zuerst Tabletten an und tranken dann mehr oder weniger schweigend Kaffee und aßen Cornflakes. Mehr hatte Nicky nicht zu Hause. Shane schaute mich immer wieder schüchtern an und ich versuchte Blickkontakt mit ihm zu halten, was aber nicht möglich war.
Nach dem Essen sagte Cindy: "Tut mir Leid, Leute. Aber ich muss zu meinem Mann. Der macht sich wahrscheinlich auch schon Sorgen um mich!" Ich stimmte ihr zu und fragten nach dem Telefon. Wir wollten ein Taxi rufen. Aber Shane war schneller. "Ich fahr euch! Ich muss noch was in der Stadt erledigen und dann lass ich euch in euren Hotels raus." Wir waren einverstanden. Wir verabschiedeten uns und bedankten uns bei den anderen für den tollen Abend.
Cindy’s Hotel kam zuerst dran. Als sie ausgestiegen war fuhren wir schweigend weiter. Als wir vor dem Hotel standen sagte Shane: "Weißt du noch was ich gestern gesagt habe, als Bryan uns erwischt hat?" Ich nickte. Mir wurde heiß und kalt und ich brachte kein vernünftiges Wort raus. Er fuhr fort: "Ich habe das wirklich ernst gemeint." "Ich bin mir grad auch nicht sicher. Ich fand es wunderschön gestern Abend. Aber wenn du dir nicht sicher bist, dann kann ich mir auch nicht sicher sein!", sprudelte es aus mir raus. Er legte seine Hand auf meine Wange und zog sie zu sich rüber. Er schaute mir in die Augen und küsste mich. Während dem Kuss bemerkte ich wieder, dass ich mir eigentlich schon sicher war. Aber ich sagte nichts. Der Kuss war wieder einfach unbeschreiblich wunderbar. Ich konnte mich gar nicht von ihm losreißen. Aber er sagte: "Ich muss jetzt gehen. Wir haben jetzt vier Wochen Urlaub. Ich würde mich freuen wenn wir uns wiedersehen. Ich weiß nicht wo und wann, aber ich MUSS dich einfach wiedersehen." Ich nickte: "Geht mir genauso. Ich geb dir meine Handynummer und die Nummer von meinem Hotelzimmer." "Gut!" Nocheinmal beugte er sich zu mir und küsste mich. Ich stieg schnell aus und lief ins Hotel. Gott sei Dank hatte ich mir einen Zweitschlüssel geben lassen. So musste ich Timo jetzt wenigstens nicht wecken. Ich stieg die Treppen hinauf und schloss leise auf. Ich trat ins Zimmer und was ich da sah konnte ich nicht glauben. Timo lag wie erwartet im Bett, aber nicht allein. Eine junge brünette Frau lag neben ihm. Sie hatten beide nicht viel an und sahen ziemlich vertraut aus. Ich konnte erst gar nichts sagen, aber dann brüllte ich los: "TIMO!!! WAS SOLL DAS? SPINNST DU ODER WAS????" Timo war im Bett hochgeschreckt und starrte mich an. Auch die Dame neben ihm wachte auf und starrte mich an wie ein Monster. Sie sagte in fließendem Deutsch: "Timo, wer ist das? Deine Freundin?!" "Oh ja, meine Freundin! Jana, warte, lass mich dir das erklären. Es ist nicht so wie du denkst!" "Ach ja, das sagen sie alle! Weißt du was, leck mich am Arsch! Verschwind sofort aus dem Zimmer. Aber ein bisschen dalli. Und nehm diese Schlampe gleich mit!" Ich war knapp vorm Durchdrehen aber ich riss mich zusammen. Ich schnappte Timo’s Koffer und warf alles von ihm rein was ich finden konnte. Er war aufgestanden und versuchte mich zu umarmen aber ich stieß ihn heftig weg. Es war schrecklich. Die Frau hatte sich ihre Sachen geschnappt, sich angezogen und war aus dem Zimmer gestürmt. Timo unternahm noch ein paar vergebliche Versuche mir alles zu erklären, von wegen Alkohol und so, aber ich wollte nichts hören. Ich hatte den Koffer gepackt, verlangte seinen Schlüssel zurück und warf ihn regelrecht raus. Ich knallte die Tür zu. Dann lief ich zum Sofa ließ mich darauf nieder und begann hemmungslos zu heulen. Ich wusste nicht warum. Ich hatte mich in Shane verliebt und hätte mich vielleicht sowieso von Timo getrennt, aber das er mich betrogen hatte, war das Schlimmste was ich mir je vorstellen konnte. Mein Blick fiel auf die Westlife- CD. Sie lag neben dem CD- Player. Ich nahm sie in die Hand und schaute Shane an. Meine Tränen fielen auf die CD- Hülle. Da fasste ich einen Entschluss. Ich musste mit jemandem reden. Cindy? Nein, die hatte gerade wahrscheinlich genug Probleme mit Patrick, weil sie über Nacht nicht heimgekommen war. Aber wen kannte ich sonst noch? Shane? Nein mit ihm konnte ich darüber beim besten Willen nicht reden. Mark? Nein lieber nicht. Kian schien mir ein besserer Ansprechpartner zu sein. Ich verließ das Zimmer. Timo war nirgends mehr zu sehen. Ich verließ das Hotel und stieg in ein Taxi. "Wo solls denn hingehen?" Ich erschrak. Ich wusste gar nicht, wo Nicky wohnte. Ich wusste den Weg nicht mehr! "Ähm... also... ich weiß es nicht!" "Also Lady, sie müssen schon wissen wo sie hinwollen wenn sie hier einsteigen." Der Taxifahrer drehte sich um und ich erkannte ihn wieder. Es war der, der Timo und mich vom Flughafen abgeholt hatte. "Oh Hallo Lady. Ich habe sie gar nicht wiedererkannt. Wo wollen sie denn nun hin?" "Wissen sie wo Nicky Byrne wohnt. Der Sänger von Westlife?" "Ja, so ungefähr, aber ich kann sie da nicht einfach so hinbringen. Da könnte ja jede kommen!" "Ich weiß. Aber ich bin mit Westlife sozusagen befreundet. Wir haben gestern Abend gefeiert bei Nicky zu Hause und ich habe meinen Schal bei Nicky vergesen. Er ist ein Geschenk von meiner Großmutter und ich brauche ihn unbedingt zurück. Bitte fahren sie mich zu ihm zurück. Ich erkenne das Haus, wenn ich es sehe!" "Gut, aber nur weil sie es sind!" Er fuhr los. Und nach 15Minuten Fahrt erkannte ich das Haus. "Da, das ist es, stimmts?" Der Taxifahrer nickte. Ich bedankte mich, zahlte und stieg aus. Als ich an der Stelle ankam, an der wir uns gestern geküsst hatten, begann ich schon wieder zu weinen. Ich ging zur Tür, wischte die Tränen weg und klingelte. Georgina öffnete: "Oh Gott, Jana!! Du?? Hast du geweint?" "Ist Kian noch da? Ich muss unbedingt mit ihm reden!" "Ja, er wollte gerade gehen. Kian kommst du mal?" Kian streckte den Kopf durch die Tür. "Was gibt’s?" "Kian, ich muss mit dir reden. Unter 4 Augen." "Okay, ich wollte sowieso grade gehen. Dann gehen wir jetzt zu mir. Ich leih mir das Motorrad von Nicky, ist das okay Georgina?" "Ja, ich denke schon. Nicky duscht gerade, deshalb kann ich ihn nicht fragen, aber nehm es ruhig." Kian holte seine Jacke und das Motorrad aus der Garage. Er gab mir einen Helm und zog selber einen auf. Dann fuhren wir los. Etwas außerhalb von Dublin lag seine Wohung. Sie war etwas spärlich eingerichtet. "Tut mir Leid, die Wohnung ist nicht besonders schön. Ich bin auch nicht oft hier. Nur wenn wir gerade in Dublin arbeiten, z.B. im Studio." "Ist schon okay. Mir gefällt es!" Er setzte sich an den Tisch und fragte: "Okay was ist los?" Erst wollte ich nicht so richtig raus mit der Sprache, aber dann sprudelte es nur so aus mir heraus. Es tat unheimlich gut, jemanden zu haben der mir zuhörte, der mich verstand. "Ich habe mich in Shane verliebt. Nein... sag jetzt nichts! Hör mir einfach zu." Ich erzählte ihm alles. Von meinen Gefühlen beim ersten Treffen, vom ersten Kuss, bis hin zu dem Seitensprung bei Timo. Als ich fertig war, sagte Kian. "Oh Gott. Alles, aber das habe ich nicht erwartet. Ich wusste, dass es bei Gillian und Shane kriselt, aber nicht so sehr." "Aber ich kann doch auch nichts dafür. Ich glaube, ich liebe ihn. Es tut mir so Leid wegen Gillian." "Okay, lassen wir es mal raus, dass ich Gillian’s Cousin bin. Wie soll es jetzt weitergehen?" "Ich weiß es nicht. Shane hat gesagt, er ist sich nicht sicher. Er hat meine Nummer." "Und was soll ich jetzt machen?" "Keine Ahnung. Ich bin dir nur dankbar, dass du mir zugehört hast." "Ist schon okay. Du kannst immer zu mir kommen, wenn du was auf dem Herzen hast. Shane ist mein Freund und Gillian meine Kusine. Aber ich kann es trennen. Wirklich! Am besten du gehst jetzt zurück ins Hotel und wartest bis er sich meldet. Shane wird sich melden, auch wenn er sich für Gillian entscheidet." "Okay. Und Kian kannst du mir einen Gefallen tun?" "Ja, was denn?" "Sag Shane bitte noch nicht, dass ich mit dir geredet hab. Ich will nicht, dass er denkt, man kann mir nicht vertrauen." "Okay, mach ich. Ich melde mich mal bei dir, okay?" "Ja, das wäre nett!" Ich verabschiedete mich und fuhr zurück ins Hotel. Ich war Kian unheimlich dankbar, dass er mir zugehört hatte. Mir war einiges klar geworden. Ich liebte Timo nicht mehr, dafür aber Shane. Ich wollte und konnte nicht ohne ihn leben. Ich musste warten, bis er sich meldete.
Die nächsten Tage waren schrecklich für mich. Mittlerweile war Samstag und Shane hatte sich immer noch nicht gemeldet. Ich unternahm nicht viel. Ich saß im Hotel, ging nur manchmal Schwimmen oder Einkaufen. Mehr nicht. Timo hatte sich nur einmal gemeldet. Besser gesagt, er war vorbeigekommen. Er wollte seine restlichen Sachen abholen. Wir redeten kein Wort, aber es tat mir nicht weh. Cindy hatte auch einmal angerufen. Sie hatte Streit gehabt mit Patrick, aber jetzt war wieder alles in Ordnung. Ich erzählte ihr, dass Timo und ich uns getrennt hatten, aber nicht warum. Sie und Patrick waren dann abreist, aber wir wollten auf jeden Fall in Kontakt bleiben. Ich fühlte mich einsam, weil ich niemanden kannte. Aber dann, am Samstag Abend klingelte mein Handy. Es war Shane.
"Hi Jana! Können wir uns treffen?"
"Ja!"
"In einer Stunde hol ich dich ab. Okay? In meinem Auto!"
"Okay!"
Er hatte aufgelegt. Ich bemerkte das ich zitterte und meine Hände schweißnass waren. Ich stand mühsam auf. Meine Knie zitterten. Ich ging duschen und zog mich um. Ich wollte mich nicht extra hübsch machen für ihn. Ich zog eine einfach Jeans und ein T- Shirt an. Meine Haare flocht ich zu einem Zopf und ich schminkte mich kaum. Wenn er sich für mich entschieden hatte, dann war es nicht wichtig ob ich geschminkt war und wenn er sich gegen mich entscheiden würde, dann stand ich nicht da wie der letzte Trottel. Mit immer noch zittrigen Knien stieg ich die Treppen hinunter und wartete vor dem Hotel auf Shane. Und da kam er auch schon in seinem BMW angebraust. Ich zitterte. Ich hatte Angst. Ich hatte das Gefühl gleich umzukippen. Ich sah mich noch einmal schnell um und stieg ein. Und dann saß ich neben ihm. Er hatte mich nur mit einem lässigen "Hi!" gegrüßt und war losgefahren. Ich traute mich nicht, ihn anzuschauen. Wir fuhren aus Dublin hinaus. Und schließlich hielt er nach langer Fahrt bei der wir kein Wort geredet hatten, an einer Klippean. Er stieg aus und ich tat es ihm gleich. Jetzt saßen wir schweigend nebeneinander auf einem Stein. Da fing er an zu reden, oder besser gesagt zu fragen: "Kennst du diese Klippe?" "Nein, ich glaube nicht!" "Wir haben hier das Video zu "My Love" gedreht." "Habt ihr den Song auch auf dem Konzert gesungen?" "Nein, aber ich hab ihn auf CD in meinem Auto, warte kurz!" Er verschand im Auto und kurz darauf erklang ein Lied aus dem Auto. Shane kam zu mir. "Ich habe mich entschieden!", sagte er und ich hielt den Atem an. Ich dachte mein Herz hört auf zu schlagen! "Ich habe mich für dich entschieden!" Er nahm mich in den Arm und küsste mich. Ich war noch nie in meinem Leben so glücklich gewesen. Ich hätte schreien können vor Freude. Aber dann fragte ich ihn: "Und was ist mit Gillian? Wie hat sie reagiert?" "Ich habe es ihr noch nicht gesagt. Ich wollte erst mit dir reden. Wirst du es Timo sagen?" "Nein, das brauch ich nicht. Wir haben uns letzte Woche schon getrennt. In der Nacht des Konzertes hat er mich betrogen...!" "Oh, das tut mir Leid!", sagte Shane und nahm mich fester in den Arm. "Nicht so schlimm! Du, Shane, ich muss dir was beichten!" "Was denn?" "Naja, ich hab mit Kian geredet, über uns. Ich hab es echt nicht mehr ausgehalten. Ich brauchte jemand zum reden. Bist du mir arg böse?" "Nein, ist schon okay. Weißt du was? Ich hab auch mit Kian geredet. Ich habs auch nicht mehr ausgehalten!" Ich sah ihn an und wir lachten beide. "Und was hast du ihm erzählt?" "Dass ich mich in dich verliebt habe und wahrscheinlich mit Gillian Schluß machen werde!" "Und jetzt?" "Ich werde mit ihr Schluß machen, sobald ich wieder daheim bin, aber jetzt lass es uns erstmal hier genießen. Es ist so schön hier!" Wieder küsste er mich und ich hatte das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren. Jetzt stand ich da mit einem Boyband- Mitglied, der wegen mir mit seiner Freundin Schluß macht. Ich konnte es nicht glauben.
Wir blieben noch lange an der Klippe und genossen es einfach nur zu zweit zu sein. Dann brachte Shane mich wieder ins Hotel und versprach mich am Abend noch besuchen zu kommen nachdem er mit Gillian geredet hatte. Ich saß in meinem Zimmer und könnte heulen vor Glück. Da klingelte das Telefon: "Ja bitte?" "Hallo Jana- Maus, ich bins Mama!" "Oh hallo Mama!" "Wie geht’s dir mein Schatz?" "Sehr gut, warum?" "Du musst mir nichts vormachen. Timo’s Mutter hat bei mir angerufen und gesagt Timo wäre total traurig heimgekommen!" "Ja, wir haben Schluß gemacht." "Aber warum denn?" "Er hat mich betrogen und ich hab ihn erwischt! Aber ich bin schon drüber weg. Ich hab mich nämlich wieder verliebt und es ist ganz anders als vorher bei Timo. Ich glaube, das ist die wahre Liebe!" "Wirklich? Das freut mich aber für dich! Wie heißt er denn?" "Shane Filan. Er ist in einer Boyband und total berühmt. Du musst mal ein bisschen Fernseh schauen, da kommt immer wieder mal was über Westlife!" "WAS? Eine Boyband? Aber das kann ja wohl nichts rechtes sein. Das sind doch alle voll die Casanovas!!!" "Ach quatsch! Das stimmt doch gar nicht. Shane macht extra wegen mir mit seiner langjährigen Freundin Schluß. Er hat gesagt er liebt mich und ich ihn auch!" "Aha. Gut wenn du meinst. Du musst wissen, was du tust!" "Ja! Du ich muss Schluß machen. Shane kommt jeden Moment vorbei!" "Gut tschüss mein Schatz." "Tschüss!" Ich war genervt. Shane ein Casanova. Die hatte vielleicht Ideen. In dem Moment klingelte wieder das Telefon. "Ja Mama, was ist denn noch?" Am anderen Ende hörte ich jemand lachen. "Ich bin nicht deine Mutter!" "Kian?" "Ja ich bins!" "Hast du verstanden, was ich gesagt habe?" Mir war das ziemlich peinlich. "Naja, ich kann zwar nicht gut Deutsch, aber für diesen Satz hat es gerade noch gereicht! Hast du dich mit Shane getroffen?" "Ja!" "Und es ist jetzt alles in Ordnung, stimmts?" "Ja, er macht gerade mit Gillian Schluss." "Oh! Dann fahr ich nachher mal zu Gillian. Ich glaub sie braucht jemand!" "Es tut mir Leid für sie. Ich kenne sich ja nicht, aber sie tut mir Leid!" "Ja schon okay. Was machst du heut noch?" "Shane kommt nachher vorbei!" "Ach so! Vielleicht sehen wir uns heute noch!" "Ja vielleicht!"
Ich legte auf und langweilte mich mal wieder. Ich beschloss etwas zu essen und auf Fernseh zu schauen.
Am Abend kam Shane. Er erzählte mir, dass es nicht gut mit Gillian gelaufen war. Sie hatte viel geweint und gefleht und wollte wissen wer ich bin usw. Shane kam ziemlich erschöpft zu mir aber als er mich sah wurde er wieder fit und es wurde ein schöner Abend und die Nacht die folgte wurde noch schöner. Wielange hatte ich auf den Moment gewartet, ihn voll und ganz zu spüren. Es war wunderschön...
Am nächsten Morgen wachte ich in seinen Armen auf. Er sah so süß aus wenn er schlief. Wie ein Baby. Ich musste ihn die ganze Zeit anschauen. Da klingelte das Telefon. Shane wurde wach und ich kletterte aus dem Bett. "Ja bitte?" "Hi, ich bins Kian! Hast du Lust heute mit uns schwimmen zu gehen. Mit Nicky und Georgina, Bryan und Kerry, Mark, ich und Shane? Ich versuche Shane schon die ganze Zeit zu erreichen aber ich weiß nicht wo er ist!" "Ja ich hab Lust und ich denke Shane auch. Er ist bei mir und hat sein Handy gestern Abend ausgeschaltet weil Gillian vielleicht versucht hätte ihn zu erreichen." "Ach so! Gut dann treffen wir uns in zwei Stunden bei Nicky, okay?" "Okay!"
"Das war Kian. Wir gehen nachher schwimmen, ist das okay?" "Ja super!"
Wir frühstückten und fuhren dann zu Nicky. Die anderen staunten nicht schlecht, als sie sahen, dass wir zusammen waren.
Wir verbrachten viele schöne Tagen zusammen. Mal mit den anderen, mal alleine. Gillian war nach London gereist, sie brauchte Abstand von allen. So begegneten wir uns wenigstens nicht. Shane hatte die Trennung von Gillian noch nicht in der Öffentlichkeit bekannt gegeben und deshalb durften wir uns in der Öffentlickeit nicht zu nahe kommen.
Der Tag meiner Abreise rückte unweigerlich näher und zwei Tage abends vor meiner Abreise saßen Shane und ich bei mir im Zimmer auf dem Bett und redeten.
"Ich halte es nicht aus soweit von dir
entfernt zu sein. Ich verlasse Westlife und komme mit zu dir nach Deutschland!"
"WAAAS? Spinnst du? Nie im Leben! Das tust du nicht. Westlife braucht dich."
"Aber dann bleibt nur noch die Möglichkeit, dass du nach Irland kommst."
"Ja, das habe ich mir auch schon überlegt. Aber wo soll ich leben? Was soll
ich arbeiten?"
"Leben kannst du bei mir. Ich habe ein Haus in Dublin und ein großes Haus in
Sligo. Da ist genug Platz. Arbeiten brauchst du gar nicht. Ich verdiene genug
Geld."
"Ich will aber arbeiten. Ich kann doch nicht den ganzen Tag rumsitzen und nichts
tun."
"Du kannst dich mit Kerry treffen und wir sind ja auch da. Und Georgina?"
"Ja stimmt schon. Das geht vielleicht eine Weile, aber irgendwann will ich auch
mal arbeiten, verstehst du?"
"Ja schon!"
"Okay, dann werde ich übermorgen heimfliegen
und mit meinen Eltern reden. Ich denke nicht, dass sie was dagegen haben. Irland
war schon immer das Land meiner Träume. Und wenn sie dich erstmal kennengelernt
haben, dann sind sowieso alle Zweifel beseitigt."
"Bist du dir sicher?", fragte er und grinste frech.
"Ja, ich denke schon. Dir kann man nicht
widerstehen."
Wir küssten uns.
Und dann kam auch schon der Tag des Abschieds. Schwermütig machten Shane und ich uns auf den Weg zum Flughafen. Ich versuchte meine Tränen zu unterdrücken. Am Flughafen wurden wir von Nicky, Georgina, Kian, Mark, Kerry, Bryan, Molly und Louis erwartet. Mir wurde es schwer ums Herz, als ich sie alle sah. Kian war sowas wie mein bester Freund geworden. Neben Shane konnte ich mit ihm und Kerry am besten reden. Molly hatte ich sowieso lieb gewonnen und mit den anderen verstand ich mich auch gut. Sie sahen mich alle traurig an aber ich versuchte fröhlich zu bleiben: "Mensch, jetzt schaut nicht so. Wenn alles klappt, dann bin ich in 2 Wochen wieder da und dann werdet ihr mich so schnell nicht mehr los." Ich versuchte zu grinsen, was mir aber gründlich misslang und mit Tränen endete. Ich konnte nicht anders. Ich musste einfach weinen. Shane nahm mich in den Arm und wollte mich gar nicht mehr loslassen. "Wenn du wiederkommst, dann ist unser Urlaub fast vorbei und wir sind wieder im Stress. Die nächsten beiden Wochen werden die schlimmsten meines Lebens!" "Ach komm, Kopf hoch. Wir können doch telefonieren. Und du kommst mich doch dann in Deutschland abholen." Er nickte und wir küssten uns. Plötzlich blitzte es neben uns. Wir fuhren auseinander. Da stand ein Fotograf und hatte uns geknipst. Shane wurde wütend. Er rannte auf ihn zu. "Geben sie mir sofort den Film!" "Warum? Es ist mein Job! Wo ist Gillian, weiß sie davon, dass sie hier mit einem anderen Mädchen rumknutschen?" "Das geht sie gar nichts an. Geben sie jetzt den Film her!" "Nein! Ach, und die ganzen anderen Westlife- Boys sind auch da! Das wird eine riesige Story geben! ‘Verschwörung gegen Gillian Walsh‘. Oh, das wird toll!" "Sie Schwein!" Jetzt waren auch die anderen näher gekommen. Das ist unfair. Shane holte tief Luft. "Okay passen sie auf. Wenn sie mir den Film geben, dann verspreche ich ihnen, dass sie in 2 Wochen ein Interview mit mir bekommen und sie dürfen auch Fotos von Jana und mir machen. Ich werde ihnen dann die ganze Wahrheit erzählen. Versprochen!" "Das soll ich ihnen glauben?" "Ja, sollten sie." "Okay, ich werde warten, ich bin ja kein Unmensch. Aber das Bild behalte ich. Sozusagen als Pfand für das Interview!" "Okay!" "Hier ist meine Karte. Melden sie sich wenn sie für das Interview bereit sind!" Er drehte sich um und verschwand. Shae war sauer, das spürte man. Aber dann wurde mein Flug aufgerufen: "Letzter Aufruf für Flug C324 nach Berlin! Bitte begeben sie sich zu den Kontrollen!" Jetzt hieß es wirklich für zwei Wochen Abschied nehmen. Ich umarmte einen nach dem anderen. Ich musste wieder weinen. Dann kam Shane dran. Wir trauten uns nicht uns zu küssen, aber zu umarmen. Ich wollte Shane nicht mehr loslassen, aber die Stimme aus dem Lautsprecher riss mich aus der Umarmung. Ich nahm meine Koffer und ging zu den Kontrollen. Als ich durch war, drehte ich mich nochmal um. Shane stand da wie ein kleiner Junge und winkte. Dann waren sie nicht mehr zu sehen.
Im Flugzeug bekam ich einen Fensterplatz. Als das Flugzeug losrollte, rollten auch bei mir wieder die Tränen. Das Flugzeug hob ab und ich war noch mal einen Blick aus dem Fenster um einen letzten Blick für zwei Wochen auf Irland zu werfen. Aber was war das? Auf dem großen Rasenfeld neben dem Flughafen standen drei Autos. Zwei schwarze und ein rotes. Ich wischte mir die Tränen weg. Neben den Autos standen 8 Menschen und winkten. Ich konnte Shane in seinem roten Hemd erkennen. Die anderen Westlifer neben ihm nahm ich nur undeutlich war. Ich murmelte: "Bis bald Schatz!"
Eineinhalb Wochen später stand ich aufgeregt am Flughafen in Berlin. Heute sollte Shane mich abholen kommen. Er sollte meine Eltern kennenlernen. Ich starrte wie gebannt auf die Anzeigentafel.
Und da stand: Flug S364 aus Dublin ist soeben gelandet. Ich machte mich auf den Weg zu der Stelle wo die Leute rauskommen sollten. Ich war nervös. Nach 10 Minuten erschienen schon die ersten. Nach weiteren langen Minuten wurden es immer mehr. Aber Shane war nicht darunter. Ich war nervös. Hatte er den Flieger verpasst? Wollte er nicht kommen? Was war los? Aber da sah ich einen Mann mit Mütze, Jeansjacke und Sonnenbrille. Er sah genauso aus wie bei unserem ersten Treffen in dem Dubliner- CD- Shop. Hatte er mich schon gesehen? Ich wusste es nicht. Gerade holte er eine Reisetasche vom Band und kam auf die Tür zu. Dann sah er mich. Er ließ die Tasche fallen und rannte los. Die Umstehenden schauten ihn verwundert an, aber als er mir in die Arme fiel, lächelten sie. "Shane, endlich! Ich hab dich so vermisst!" "Sssshhh... sag nichts. Küss mich lieber!" Und das tat ich dann auch gerne. Nach einer Weile lösten wir uns voneinander. Seine Sonnenbrille störte uns beim Küssen aber er konnte sie nich abnehmen, weil ihn jemand erkennen könnte. Als wir in meinem Auto saßen nahm er sie ab. Er sah so süß aus. "Warum bist du denn erst so spät gekommen? Aus dem Flugzeug meine ich!" "Eine der Stewardessen hat mich erkannt als mir beim schlafen die Brille vom Gesicht gerutscht ist. Sie war so freundlich sie mir wieder aufzusetzen. Dabei bin ich aufgewacht und hab ihr versprochen, als letzter das Flugzeg zu verlassen und ihr ein Autogramm zu geben!" Er grinste und ich auch. Nach einer halben Stunde waren wir bei mir daheim angekommen. "So, da wohnt also die Frau meiner Träume!", sagte er, als wir vor unserem Haus standen. Ich wurde etwas verlegen: "Naja, es ist nicht so schön wie dein Haus und auch nicht so groß...!" "Ach Quatsch. Es ist toll. Und außerdem könnte ich mit dir überall leben. Ob auf dem Mond, in einem Zelt oder auf der Straße. Das ist mir egal. Die letzten fast 2 Wochen waren schrecklich für mich. Ich hab dich so vermisst!" Ich gab ihm einen Kuss und schloss die Tür auf. "Mama, Papa! Wir sind da!" Ich war ziemlich ängstlich da ich nicht wusste, was meine Eltern von ihm halten würden. Aber Shane verhielt sich gut. Er putzte sich die Füße ab und gab meinen Eltern die Hand. Ich musste lächeln, denn er sah etwas hilflos aus als meine Mutter mit ihrem nicht besonders guten Englisch begann, auf ihn einzureden. Ich musste dolmetschen. Meine Mutter hatte Abendessen gemacht und wir setzen uns alle an den Tisch. Shane und mein Vater versuchten es mit einem Gespräch über Australien und meine Mutter sagte zu mir in der Küche: "Das ist ja echt ein Traummann, dein Shane." "Ich weiß!", sagte ich verträumt. Nach dem Essen zeigte ich Shane das Haus und wir gingen in mein Zimmer. Ich hatte Chips dabei und Sekt. Ich öffnete die Tüte aber als ich den Geruch der Chips roch wurde mir schlecht. Ich schlug die Hand vor den Mund und rannte aufs Klo. Shane sah mich erstaunt an und folgte mir dann ziemlich rasch. Ich übergab mich auf dem Klo. Shane stand hinter mir und streichelte beruhigend meinen Rücken. Nach einer Weile stand ich auf. Ich wusch mein Gesicht mit kaltem Wasser und es ging mir wieder gut. Shane legte die Chips weg und wir tranken nur Sekt.
Es wurde trotz allem eine schöne lange Nacht. Ich hatte ihn so vermisst, seine Küsse, seine Stimme, sein Berührungen, einfach alles.
Am nächsten Morgen standen wir spät auf. Mir war etwas schwindelig, aber ich dachte mir nichts weiter dabei, weil mir das in den letzten 2 Wochen öfters vorkam.
In den nächsten Tagen hatten wir viel zu tun. Wir mussten meine ganzen Sachen in Koffer und Kisten packen. Aufräumen, zusammenklappen, stopfen und drücken. Am Tag vor unserem Rückflug nach Dublin stand ich alleine in meinem leeren Zimmer und war etwas traurig. Morgen würde ich also nach Dublin ziehen. Fast 19 Jahre meines Lebens hatte ich hier verbracht. Von meiner Geburt an hatte ich hier gelebt. Da kam Shane in mein Zimmer und die Traurigkeit war verflogen. Ich würde zu Shane ziehen. Er würde endlich das von mir langersehnte Interview geben und wir konnten endlich zu unserer Liebe stehen. Meine Sachen wurden am Nachmittag abgeholt und mit einem Privatjet von Louis nach Dublin gebracht. Dafür war ich sehr dankbar denn das ersparte uns den ganzen Stress mit den öffentlichen Flugzeugen. Morgen musste ich nur noch mit einem Koffer reisen.
Am nächsten Tag standen wir früh auf. Wir frühstückten aber ich bekam kaum einen Bissen hinunter. Nicht wegen der Aufregung, eher weil ich mich in der Nacht wieder übergeben hatte und Angst hatte, wenn ich etwas essen würde, würde sich das wiederholen. Ich wusste nicht was mit mir los war.
Der Abschied von meinen Eltern und Freundinnen viel mir schwer. Aber ich verprach, meine Eltern sobald ich mich eingelebt hatte einzuladen.
Der Flug verlief ruhig. Shane lief wieder vermummt rum, aber es amüsierte mich eher, als es mich störte. Dann landeten wir ohne das jemand Shane erkannt hatte. Am Flughafen war es ziemlich voll aber was war das? Da standen Bryan und Nicky und Kian und Mark. Weiter hinten erkannte ich Kerry und Georgina mit Molly. Nur Louis fehlte. Ich rannte los und umarmte sie. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, dass wir uns hier verabschiedet hatten, dabei waren es nur 2 Wochen. Wir fuhren zu Shane heim nach Dublin wo wir von meinen Umzugskisten erwartet wurden. Shane stöhnte als er sie sah und ließ sich auf einem Stuhl nieder. Ich blieb mitten in den Kisten stehen. Plötzlich spürte ich wieder dieses mir mittlerweile fast vertraute Gefühl im Magen und ich stürzte zu Toilette. Shane stand hinter mir und sagte: "Keine Widerrede! Morgen gehst du zum Arzt. Irgendwas stimmt nicht mit dir. Das ist sicher!" Ich nickte denn ich hatte keine Lust mich mit Shane zu streiten. Dann machten wir uns ans Auspacken.
Am nächsten Tag wurde ich von Shane zum Arzt gebracht. Ich saß etwas nervös im Wartezimmer. Was, wenn ich jetzt etwas schlimmes hatte? Ich wurde aufgerufen und ordentlich untersucht. Shane war auf meine Bitten nicht mitgekommen und wartete im Wartezimmer.
Nach einer Weile sagte der Arzt. "Also ich bin mir jetzt sicher, dass sie gesund sind!" Ich stand auf und zog mich an. "Gut, dann kann ich ja jetzt gehen, tschüss Herr Doktor." Ich streckte ihm die Hand hin.
"Nein, warten sie. Nicht so schnell! Sie sind gesund, aber die Übelkeit und Schwindelanfälle kommen schon von etwas?" "Hä?", ich verstand nicht ganz. "Mädchen, verstehen sie nicht. Sie sind schwanger! In der 5. Woche!" Ich geriet ins Taumeln. Das konnte doch nicht war sein. Ich war schwanger. Ich bekam ein Baby.
Ich ließ mich auf den nächstbesten Stuhl fallen. Oh nein, das durfte nicht wahr sein. Der Arzt sprach weiter: "Soll ich ihren Freund reinholen oder wollen sie es ihm selber sagen?" "Danke ich sag es ihm selber. Das ist nämlich weit komplizierter als sie denken!" Ich vereinbarte einen Termin für die nächste Untersuchung und ging ins Wartezimmer. Shane sprang auf als er mich sah: "Oh Gott, Jana, du bist ja ganz blass! Was ist denn los?" "Das sage ich dir im Auto!"
"Waaas? Du bist schwanger? Das ist ja großartig." Shane saß neben mir und starrte mich erfreut an.
"Halt Shane, nicht so schnell. Es kann aber auch sein, dass ich von Timo schwanger bin. Es ist nämlich in der Woche passiert, als ich mit ihm als auch mit dir geschlafen habe." "Oh!" Shane ließ sich zurück in den Sitz fallen. "Und was machen wir jetzt?" Ich hatte keine Ahnung. "Am besten wir fahren heim und reden in Ruhe. Wir kommen schon zu einer Lösung." Er gab Gas.
Jetzt saßen wir bei ihm am Küchentisch. "Ich will das Kind auf jeden Fall behalten!" Da war ich mir sicher. Shane nickte nur und sagte dann: "Ja, auch wenn es nicht mein Kind ist, ich werde zu ihm stehen." "Wir müssen ja niemand sagen, dass du vielleicht nicht der Vater bist." "Genau und wenn es da ist, dann machen wir einfach einen Vaterschaftstest!" "Meinst du ich sollte Timo Bescheid sagen. Es kann ja zu 50% sein Kind sein." "Nein, ich würde ihm nichts sagen. Erst wenn der Test vorbei ist. Nachher macht er sich ganz umsonst Gedanken drüber." "Du hast Recht! Und bis dahin bist du einfach der Vater."
Die Westlife- Kollegen als auch Kerry, Georgina und meine Eltern freuten sich rießig. Und dann stand auch schon das Interview mit dem Reporter an. Ich war etwas nervös, immerhin sollte es ja meine erstes Interview sein. Aber Shane versprach mir, dass er mir half. Der Reporter war von einem mehr oder weniger seriösen Blatt.
Wir erzählten ihm alles. Naja, fast alles. Von meiner Schwangerschaft erzählten wir nichts und auch nicht davon, dass Timo mich betrogen hatte. Daraus wurde, dass ich mich von meinem Freund getrennt hatte und um mich abzulenken nach Irland gereist war. Und da hatte ich dann Shane kennengelernt.
Zwei Tage später erschien in der Zeitung der Artikel über uns und als ich an dem Morgen aus dem Haus ging um die Post reinzuholen standen da mindestens ein Dutzend Reporter mit Kameras, Mikrophonen und Fotoapparaten. "Jana! Würden sie uns ein Interview geben? Über sich und Shane?" Ich wich zurück. Damit hatte ich nicht gerechnet. Gott sei Dank kam in dem Moment Shane, von dem Lärm angezogen aus dem Haus und sagte: "Tut mir Leid, wir geben keine Interviews. Alles was sie über uns wissen sollten steht in der Zeitschrift, also lassen sie uns in Ruhe!" Er zog mich hinter sich her ins Haus und sagte: "Geb bitte keinem ein Interview. Das ist besser so. Es kann sein, dass du ohne es zu merken etwas falsches sagst und dann wird es von der Presse in der Luft zerissen. Das ging mir auch schon so. Ich habe auch mal gesagt, Gillian und ich werden ein Kind bekommen in 2 bis 3 Jahren aber dann hat die Presse einfach behauptet, Gillian wäre schwanger. So doof sich das anhört, aber es ist so!" Als er von Gillian sprach verspürte ich einen Stich im Herzen. Aber Shane gegenüber riss ich mich zusammen und sagte nichts. Den ganzen Tag verbrachten wir daheim. Die Reporter gingen nicht weg und wir wollten ihnen nicht begegnen. Das Telefon klingelte ebenfalls ununterbrochen und Shane stellte es einfach aus. Für wichtige Anrufe hatte er noch sein Handy und da kannten nicht viele Leute sein Nummer.
In den nächsten Tagen wurde es mit den Reportern nicht besser und wir konnten kaum ungesehen aus dem Haus gehen. Und dann war auch schon Shane’s Urlaub zu Ende. Sie mussten für ganze 4 Wochen in die USA. Was sollte ich solange daheim machen? Ich vermisste Shane schon nach einem Tag und beschloss zu Kerry zu fahren. Ich verstand mich toll mit ihr.
"Hi Kerry!"
"Hi Jana! Was ist denn los? Du siehst gar nicht gut aus!"
"Ich vermisse Shane so schrecklich und weiß nicht was ich machen soll den ganzen Tag."
"Kann ich verstehen. Das geht mir bei Bry genauso aber wenn du dich erstmal daran gewöhnt hast, dann klappt das schon. Was hältst du von einem Einkaufsbummel?"
"Au ja, darauf hätte ich Lust. Ich kann ja schonmal ein paar Babysachen kaufen?!"
Wir fuhren mit Kerry’s Auto in die Stadt. Molly ließen wir beim Babysitter. Kaum hatten wir das erste Kaufhaus betreten wurden wir schon von allen Seiten angestarrt. Ein Mädchen kam zu uns her: "Hallo Kerry! Kann ich vielleicht ein Autogramm von dir haben?" Kerry nickte und das Mädchen schaute mich an: "Von dir will ich keins, du Schlampe! Lass Shane lieber in Ruhe. Er hat was besseres verdient wie dich, Gillian zum Beispiel." Und schon war sie wieder weg. Mir stiegen die Tränen in die Augen. Sowas hatte ich noch nicht erlebt. Die meisten Leute waren nett zu mir gewesen wenn sie mich sahen. Kerry nahm mich in den Arm: "Mach dir keine Sorgen. So war das bei mir am Anfang auch. Das geht vorbei. Du musst drüber stehen. Shane liebt dich und da kann niemand was dran ändern und schon gar nicht so ein kleiner eifersüchtiger Fan! Das musst du dir immer denken, wenn du blöd angemacht wirst!" Ich konnte nur nicken und wischte mir die Tränen weg. Der Tag wurde trotz allem noch schön. Es gab auch Fans die Autogramme von mir wollten und nett mit mir redeten. Ich kam mir komisch vor, wenn ich an der Kasse Strampelanzüge bezahlte oder Schnuller. Aber niemand sprach mich darauf an.
Als wir uns gerade dem Ausgang näherten, sah ich eine Person, der ich seither noch nicht begegnet war, nur auf Bildern. Gillian!! Sie erkannte mich und Kerry und kam zu uns rüber. Mich schaute sie nur kurz an dann wendete sie sich an Kerry: "Hallo Kerry, heute ganz alleine unterwegs?" "Nein, ich bin mit Jana da!" "Oh, ich hab dich ja gar nicht gesehen, kein Wunder sie ist ja noch ein Kind!", sagte sie in verächtlichem Ton und musterte mich. "Tja, Gillian, dann hast du wohl gegen ein Kind verloren." Sie starrte mich wütend an. "Und im Übrigen bin ich mit 18 kein Kind mehr und wenn ich ein Kind wäre, dann könnte ich ja wohl auch nicht schwanger von Shane sein!", setzte ich noch eins oben drauf. In dem Moment war es mir egal, ob Gillian zur Presse gehen würde, viel zu sehr erfreute ich mich an ihrem Gesicht. Sie starrte erst mich an, dann Kerry, dann unsere Einkaufstschen aus diversen Babygeschäften und zum Schluß meinen Bauch. Dann drehte sie sich um und rauschte ohne ein Wort davon.
Am Abend blieb ich noch lange bei Kerry und wir redeten über die Schwangerschaft von Molly und über meine. Es wurde ein richtig schöner Abend.
Vier Wochen später war auch Shane wieder da und er sollte es auch eine Weile bleiben, weil die Aufnahmen für das neue Album in Dublin stattfinden sollte.
Nach weiteren 3 Monaten war mein Bauch nicht mehr zu verstecken. Und Anfang des 7. Monats gingen wir in die Öffentlichkeit. Es wurde wieder ein riesiges Theater draus gemacht aber Shane und ich standen das durch. Ich traf mich oft mit den anderen vorallem mit Kian und Kerry. Sie waren sowas wie meine besten Freunde geworden. Auch mit Cindy verstand ich mich toll. Sie war ebenfalls schwanger. Sie war jetzt im 6. Monat und sehr glücklich mit Patrick. Sie hatte mich einmal in Irland besucht und wir telefonierten viel.
Ein paar Wochen vor dem errechneten Geburtstermin stand ein Termin bei meinem Arzt an.
"Oh je!", machte der Arzt plötzlich bei der Untersuchung. "Was ist los? Gibt es Probleme?" "Ja kann man so sagen. Es kann sein, dass es zu Komplikationen bei der Geburt kommt Das Kind hat sich seit dem letzten Termin weiter gedreht und wenn es sich nicht wieder zurückdreht, dann müssen wir einen Kaiserschnitt machen." Shane der neben mir stand zog hörbar die Luft ein. Ich zitterte. Ich wollte keinen Kaiserschnitt. Ich wollte die Geburt selbst miterleben.
Auf dem Rückweg redeten wir nicht viel und die Stimmung blieb gedrückt.
Zwei Tage später klingelte das Telefon. Ich war gerade in der Küche und kochte Pudding. Shane saß im Wohnzimmer auf der Couch. Ich ging dran und hatte noch den Kochlöffel in der Hand. "Ja bitte?"
"Hallo Jana, hier ist Patrick!" Ich erschrak weil Patrick hörbar schluchzte. "Cindy hatte gestern eine Frühgeburt. Sie ist.... sie ist... Jana, sie ist tot und das Kind auch." "Oh Gott!" Mehr brachte ich nicht heraus. Patrick hatte aufgelegt und ich ließ den Kochlöffel fallen weil ich so zitterte. Cindy? Tot? Das konnte nicht sein? Ich hatte doch gestern Morgen noch ein Mail bekommen dass es ihr gut ginge. Shane war aufgesprungen und wollte wissen was passiert war. Ich sagte es ihm und plötzlich spürte ich einen stechenden Schmerz im Unterleib. Ich zuckte zusammen und hielt mir meinen Bauch. "Oh Gott, Jana was ist los!" Ich presste nur "Wehen" hervor und Shane stürzte los. Er holte mir meine Tasche, meine Mantel und stütze mich. Er rief Nicky auf der Fahrt an: "Nicky, Shane hier, wir sind gerade auf dem Weg ins Krankenhaus. Jana hat die Wehen. Kannst du bitte bei mir daheim nach dem Rechten sehen. Wir sind so übersürtzt aufgebrochen. Der Schlüssel liegt unter der Fußmatte. Ich melde mich wenns was neues gibt!"
Im Krankenhaus wurde ich erstmal untersucht. Der Arzt machte einen Ultraschall. "Gut, das Kind hat sich wieder gedreht, ich denke, es kann auf dem normalen Weg zu Welt kommen." Obwohl ich Schmerzen hatte war ich froh darüber.
Die Geburt verlief obwohl es mein erstes Kind war sehr gut. Nach 4 Stunden, bei denen Shane nicht eine Sekunde von meiner Seite gewichen war war das Kind da. Der Arzt legte es mir in die Arme. "Herzlichen Glückwunsch! Sie haben ein Mädchen!"
Ich konnte es nicht fassen. Da lag die Kleine weinend in meinem Arm und schaute mich mit ihren braunen Augen an. Die Augen ähnelten denen von Shane ungemein. Shane stand neben mir und weinte. Da kam eine Schwester: "Wie soll die Kleine denn heißen?" Ohne uns vorher abzusprechen sagten Shane und ich aus einem Mund: "Cindy!"
Die nächsten Tage musste ich mit meiner Tochter im Krankenhaus verbringen. Die Westlifer mit Molly, Kerry und Georgina kamen mich besuchen.
Besonders Molly freute sich über die Kleine. Sie stupste sie an und sagte immer wieder "Baby!".
Wieder daheim kam Shane nach ein paar Tagen zu mir. "Jana, ich weiß, du bist der festen Überzeugung Cindy ist meine Tochter, wegen den Augen und so, aber ich kann in dieser Ungewissheit nicht leben. Bitte, lass uns einen Vaterschaftstest machen!"
"Ich dachte, die Sache wäre erledigt. Was ist, wenn du vielleicht doch nicht der Vater bist? Was ich nicht glaube, was aber trotzdem noch sein kann!" "Ich weiß es nicht, aber es würde nichts an meiner Liebe zu dir ändern. Und auch nicht zu der zu dem Kind. Auch wenn es nicht körperlich mein Kind ist, seelisch fühle ich mich seit der Geburt an wieder Vater." "Das hast du schön gesagt!" Ich nahm ihn in den Arm und wir küssten uns.
Eines Morgens, Shane schlief noch aber ich war schon wach, da klingelte es an der Tür. Ich dachte, es wären wieder einmal ein paar zu aufdringliche Fans oder Reporter und öffnete. Aber da standen weder Fans noch Reporter. Vor mir stand Timo. Ich war so geschockt, dass ich gar nichts sagen konnte. Ich hatte mit allem gerechnet aber nicht mit ihm. Er sah ziemlich wütend aus und fragte barsch: "Darf ich reinkommen!" "Nein!" Aber er stieß mich trotzdem zur Seite und trat ein. Er schaute sich um und meinte hochnäßig: "Schön hast du es hier, Mrs. Filan!" "Ich heiße noch nicht Filan!" "Ach so, hast den widerlichen Schönling noch nicht geheiratet?" "Shane ist kein widerlicher Schönling! Du bist einer und jetzt raus, sonst rufe ich die Polizei." "Ja, mach das nur. Aber auch die können mir nicht verbieten, meine Tocher zu sehen. Wo ist sie denn? Sie braucht doch einen richtigen Vater!" "Du bist nicht der Vater! Shane ist der Vater!" "Woher willst du das denn wissen? Ich hab mir das alles nachrechnen lassen und es ist in der Woche passiert, als wir es noch miteinander getrieben haben." "Ich habe in der gleichen Woche aber auch mit Shane geschlafen. Und das Kind sieht aus wie Shane nicht wie du. Du bist nicht der Vater!" "So, dann hast du mich also auch betrogen?" "Nein hab ich nicht, das war erst nach unserer Trennung. Und jetzt verlass auf der Stelle unser Haus!" "Nein, das tu ich nicht!" "Doch!" Meine Stimme war lauter geworden und ich brüllte Timo an. Shane war von dem Geschrei scheinbar wachgeworden. Jetzt stand er verschlafen in der Tür und rieb sich die Augen: "Schatz, was ist denn los? Warum schreist du so rum? Und wer ist das?" "Das ist Timo, meine Ex- Freund. Er ist da, weil er seine Tochter sehen will. Ich wollte ihn nicht reinlassen, aber er hat sich nicht abhalten lassen und jetzt beschimpft er dich und will unbedingt zu Cindy!" Shane starrte Timo an und Timo starrte zurück. Dann sagte Timo: "Wie konntest du mich für ihn verlassen?" "Ich hab dich nicht für ihn verlassen, ich hab dich verlassen weil du mich betrogen hast. Und jetzt RAUS!" Da mischte sich Shane ein: "Ich verstehe zwar nicht genau, was sie da sagen, aber ich würde mal sagen, sie verlassen jetzt das Haus, bevor ich richtig sauer werde." "Phh, gar nichts mach ich. Erst will ich zu meiner Tochter." Wie auf Kommando fing Cindy im Wohnzimmer an zu schreien. Timo wollte Richtung Tür: "Ach, da schreit mein kleiner Schatz ja schon nach mir!" Er stieß Shane zu Seite und stand auch schon im Wohnzimmer. Ich rannte an ihm vorbei und stellte mich schützend vor das Kinderbett. Shane stellte sich neben mich und sagte: "Wenn sie noch einen Schritt näherkommen, dann kann ich mich nicht mehr beherrschen!" Timo lachte nur höhnisch und kam weiter auf uns zu. Ich bekam Angst, aber Shane war vorgesprungen und hatte ihn an den Schulter gepackt. Er gab ihm einen kräftigen Stoß und Timo ging zu Boden. Aber er rappelte sich auf und starrte Shane wutentbrannt an. Dann holte er aus und wollte Shane eine überbraten aber der war schneller und duckte sich. Shane rammte Timo seine Faust in den Bauch und der sackte zusammen. Aber dann, ganz unerwartet, holte er nochmal aus und traf Shane an der Lippe. Er blutete. Shane traf Timo aber noch ein paar Mal und dann war er unfähig sich zu wehren und Shane schlug auf ihn ein. Aber ich hielt ihn zurück. "Shane, lass ihn. Das ist er nicht wert. Ich denke, er geht jetzt freiwillig." Und tatsächlich stand Timo auf und machte sich auf den Weg zur Tür. Aber bevor er das Haus verließ schrie er noch: "Das war noch nicht alles. Ich komme wieder, verlasst euch drauf. Und dann geht die Sache anders aus!" Die Tür schlug zu und Shane und ich starrten sie ein paar Sekunden schweigend an. Dann brach ich ihn Tränen aus und sackte zusammen. "Es tut mir so Leid! Shane! Es tut mir so Leid. Ich wollte ihn nicht reinlassen. Er ist einfach reingeplatzt. Ich... Ich...!" Shane war zu mir hergekommen und nahm mich in den Arm. Ich weinte nur noch. "Ich kann nicht glauben, was aus ihm geworden ist. Diesen Mann habe ich bis vor 10 Monaten noch geliebt und jetzt hasse ich ihn, so wie niemanden anders auf der Welt." Shane drückte mich fest an sich. Ich wollte ihn küssen aber er schrie auf. Da fiel meine Blick auf seine blutende Lippe: "Oh Gott, du bist verletzt. Warte ich hole was zum verarzten." Ich wischte mir die Tränen weg und holte ein feuchtes Tuch und eine Desinfektionsspray. Gott sei Dank war die Wunde nicht so schlimm. Ich nahm Cindy aus ihrem Bett. Sie schaute mich mit nassen großen haselnussbraunen Augen an und einmal mehr hatte ich das Gefühl, dass Shane mich ansah, durch diese Augen. Aber trotz allem war ein Vaterschaftstest nach Timo’s Erscheinen jetzt nicht mehr zu vermeiden. Shane war der gleichen Meinung.
Von dem Tag an ließen wir das Haus an allen Eingängen bewachen. Wir nahmen Timo’s Drohung ernst. Shane und ich gingen nur noch zusammen aus dem Haus und in Begleitung eines Bodyguards. Wir ließen unsere Tochter auch bei keinem Babysitter mehr und einer von uns war ständig bei ihr. Mittlerweile waren zwei Wochen vergangen und ich versuchte nicht mehr an Timo und seine Drohung zu denken. Es war ein ruhiger schöner Frühlingstag und ich saß mit Cindy auf der Terrasse. Shane war im Studio. Ich trank Tee und Cindy lag in ihrem Bettchen und schlief. Morgen sollte das Testergebnis kommen und dann wäre der Spuk hoffentlich vorbei.
An das letzte was ich mich erinnern konnte, war das ich einen Aufschrei hörte und jemand der mir etwas vor den Mund hielt.
"Jana! Jana! Wach auf! Komm du musst aufwachen!" Ich schlug langsam die Augen auf. Mir war schlecht und alles drehte sich als ich mich aufsetzte. Shane stand mit einem verzweifelten Ausdruck auf dem Gesicht neben mir. "Was ist passiert?", fragte ich. Jetzt erst fiel mir auf, dass es in unserem Garten nur so vor Polizeibeamten wimmelte und ich auf einer Trage lag. Neben mir stand eine Ärztin. Ich bekam Angst: "Was ist passiert? Jetzt sagt mir schon, was ist los?" Ich schrie schon fast. "Wo ist Cindy?" Die Ärztin legte den Arm um mich. "Lassen sie mich. Shane wo ist meine Tochter?" Shane schaute zu Boden und sagte leise: "Sie ist weg!" Ein paar Tränen liefen ihm über die Wangen. Ich wurde hysterisch. "Was heißt WEG???" Shane sah mir in die Augen. "Sie ist entführt worden!" Mir wurde noch mehr schwindelig und ich schlug die Hände vors Gesicht. "Nein, Nein, Nein!", schluchzte ich. Jetzt sprudelte es aus Shane hervor: "Als ich heimgekommen bin, da sah ich Dave, unseren Bodyguard auf dem Boden liegen. Er blutete am Kopf und war bewusstlos. Ich ahnte das Schlimmste und suchte dich und Cindy. Ich fand aber nur dich, auf dem Boden auf der Terrasse. Auch bewusstlos. Die Kinderwiege lag umgekippt neben dir und von Cindy keine Spur. Und auf dem Tisch lag ein Zettel." Er reichte mir ein kleines Blatt Papier. Ich las mit nassen Augen:
Ich hab ja gesagt, ich komme wieder. Es ist noch nicht vorbei!
Jetzt habe ich das was mir zusteht. Meine tochter.
Ich melde mich wieder. In der zeit macht ihr am besten nichts und wartet ab.
Bis jetzt geht es cindy gut, aber ich weiß nicht, wielange das noch der fall ist.
Timo
Ich brach erneut in Tränen aus. Timo hatte Cindy entführt. Shane stand neben mir und hielt meine Hand. Er schüttelte immer wieder den Kopf und stumme Tränen liefen ihm herunter. Er versuchte mich zu trösten: "Er liebt Cindy, ich glaube nicht, dass er ihr was antut!" Aber er war nicht wirklich überzeugt. Die Sanitäter wollten mich in den Krankenwagen schieben aber ich rief: "Nein, ich bin gesund. Ich kann jetzt nicht ins Krankenhaus!" Und ehe sie etwas sagen konnten, war ich von der Trage heruntergesprungen und lief durch den Garten. Ich war blind vor Tränen. Shane lief hinter mir her und hatte mich gleich eingeholt. Er nahm mich in den Arm, aber ich wehrte mich und trommelte gegen seine Brust. "Lass mich! Lass mich los! Ich habe versagt. Ich konnte meine Tochter nicht beschützen! Warum ich? Warum ausgerechnet unsere Tochter?" Ich verlor Kraft und hing jetzt in Shane’s Armen. Ich weinte und weinte und Shane weinte mit. Die Polizisten schauten uns hilflos und mitleidig an, aber wir bemerkten es nicht. Ich weiß nicht, wielange wir da standen aber nach einer Weile kam ein Polizist zu uns her. Er sagte: "Ich bin Inspector Camden. Es tut mir Leid, dass wegen ihrer Tochter. Aber damit wir die Suche schneller beginnen können, müssen wir ihnen ein paar Fragen stellen. Sind sie dazu bereit?" Shane und ich nickten kaum merklich. Gegen Abend gingen die Polizisten. Shane erhielt den Anruf, dass es Dave gut ging. Ich saß nur da und starrte in die Luft. Ich bekam nichts mit. Plötzlich sprang ich auf: "Shane, los wir können doch nicht hier rumsitzen und nichts tun. Wir müssen auch suchen gehen. Bitte!" "Nein, Jana, das geht nicht. Die Polizisten tun doch schon was sie können. Wir können ihnen da auch nicht viel helfen. Bitte, lass uns hier bleiben und die Nerven behalten! Sie werden sich schon melden wenn sie was neues haben. Sie haben Bilder von Timo und Cindy und wir haben ihnen alles gesagt, was wir wissen. Sie werden Cindy finden, da bin ich mir sicher!" Wir umarmten uns und wieder begannen wir beide zu weinen. Da klingelte das Telefon. Ich zuckte zusammen. Shane ging dran und stellte den Lautsprecher an: "Filan?" "Inspector Camden hier!" "Inspector, gibt’s was Neues?" "Nein, tut mir Leid. Ich wollte ihnen nur sagen, dass wir alles tun, was wir können. Wir haben Fahndungsbilder ins Internet getan und auch an alle Läden geschickt, die Kindersachen verkaufen. Irgendwann wird dieser Timo ja auch mal Sachen für die Kleine kaufen gehen müssen. Wir gehen nämlich davon aus, dass er keine Komplizen hat." "Okay, danke!" Shane hatte aufgelegt.
In der Nacht schliefen wir beide nicht viel. Und wenn ich in leichten Schlaf fiel, dann hatte ich Albträume und wachte schweißgebadet wieder auf. Shane hatte Louis angerufen und ihm alles erzählt. Die Studioarbeiten waren bis auf weiteres gestrichen, ebenso alle weiteren Termine.
Ich konnte kaum etwas essen. Ich saß einfach den ganzen Morgen nur da und tat nichts. Da klingelte es an der Tür. Shane und ich öffneten gemeinsam. "Guten Tag, ich bin Peter Trust. Ich habe hier ein Einschreiben für Shane Filan!" "Danke, das bin ich!" Shane las den Absender und sagte: " Das ist das Ergebnis vom Vaterschaftstest." Ich sah ihn an. "Okay, dann mach auf!" Shane öffnete das Couvert und las. "Und was ist?" Shane lächelte mich schwach an: "Ich bin zu 99,95% der Vater." Ich fiel ihm um den Hals. Auch wenn das Cindy nicht zurückbrachte, es war immerhin ein Fortschritt. Wenn die Polizei Cindy finden würde, dann konnten sie Timo sagen, dass er sicher nicht der Vater war. Er würde ins Gefängnis kommen und wir konnten glücklich weiterleben. Aber noch war es nicht soweit. Das wurde mir bewusst, als Shane einen Briefumschlag aus dem Briefkasten zog. Kein Absender, Nichts! Er öffnete ihn, las ihn und gab ihn mir schweigend.
Cindy geht es gut. Kein wunder, sie ist ja auch bei ihrem daddy. Sicher ist mir die polizei schon auf den fersen aber ich kann euch sagen, sie findet mich nicht.
Ein ort unserer liebe, jana.
Schon wieder liefen mir die Tränen herunter. Ich gab Shane den Brief zurück. Der las ihn nochmal und sagte: "Jana, du musst dich an diesen Ort erinnern. ‘Ein Ort eurer Liebe‘. Denk nach, bitte!"
Das tat ich auch, aber mir fiel nicht ein, was das für ein Ort sein könnte. Shane half mir. "Gibt es hier in Irland einen Ort, an dem du besonders glücklich warst mit ihm, oder zumindest ein Ort, an der er dachte du wärst glücklich?" Ich versuchte mich zu erinnern. Aber es war schon solange her, seit ich hier mit Timo angekommen war. Wo waren wir? Was hatten wir wo gemacht? Ich wusste es kaum noch. Das Hotel vielleicht? Nein, das wäre zu einfach. Am Nachmittag beschlossen wir zu Kian und Mark nach Sligo zu fahren. Wir hielten es nicht mehr aus zu Hause. Auf dem Weg von Dublin nach Sligo redeten wir nicht viel. Es waren nicht viele Autos unterwegs. Wir fuhren an den Feldern entlang. Plötzlich hörte ich ein Geräusch, dass ich irgendwoher kannte. Ein Geräusch, dass mich im Unterbewusstsein an irgendetwas erinnerte. "Shane, schnell halt an!" Shane trat auf die Bremse und ich sprang aus dem Wagen. Ich sah mich um woher das Geräusch kam. Von einer Düngmaschine. Sie fuhr gemächlich über die Felder neben uns. "Was ist denn los Jana?" "Das Geräusch!" "Das ist eine Düngmaschine. Die gibt es hier oft. Was ist daran so besonders?" "Ich weiß es nicht. Aber es erinnert mich an die Zeit hier mit Timo. Ich kann mich nur nicht mehr genau erinnern. Es war nachts nach einem Barbesuch. Wir haben viel getrunken und sind dann mit dem Auto irgendwo in die Pampa gefahren. Da war eine Scheune oder sowas. Ziemlich abgelegen. Wir sind durchs Fenster eingebrochen. Viel Heu und Stroh. Naja, wir haben dann da miteinander geschlafen. Timo hat es viel Spaß gemacht aber mir nicht so besonders. Irgendwann sind wir dann in unserem Rausch eingeschlafen und wurden am nächsten Morgen von einem solchen Geräusch geweckt. Draußen auf dem Feld fuhr ein Bauer mit so einem Ding. Er kam der Scheune immer näher und wir haben uns schnell angezogen und sind geflüchtet." "Worauf willst du hinaus?" Ich drehte mich zu Shane um und sagte: "Ich glaube ich weiß wo Cindy und Timo sind." "Du meinst in dieser Scheune?" "Ja, das ist ja sozusagen ein ‘Ort unserer Liebe‘, verstehst du?" Er nickte langsam. "Dann los, wir rufen die Polizei und fahren zu der Scheune." "Halt, so einfach ist das nicht. Ich weiß nicht mehr wo sie war. Beim Hinfahren war ich so betrunken und es war dunkel. Und am nächsten Morgen hab ich mir den Weg auch nicht gemerkt, weil Timo ziemlich schnell gefahren ist. Das weiß ich noch. Ich habe ihm die ganze Zeit gesagt, er soll nicht so schnell fahren." "Oh ja, dass wird schwer. Hier in Irland gibt es ein paar von den Scheunen. Aber wir fahren jetzt trotzdem zurück nach Dublin und gehen zur Polizei. Und dann überlegen wir gemeinsam, welche Scheunen im Umkreis von Dublin in Frage kommen."
Gesagt getan, eine Stunde später saßen wir auf dem Polizeirevier. Inspector Camden hatte einige Beamte zusammengetrommelt. Jetzt saßen wir über einer Karte gebeugt und schauten uns die Kreuze an, die die Scheunen darstellen sollten. Es waren ca. ein Dutzend. "Können sie sich wirklich nicht mehr daran erinnern, in welchem Pub sie an diesem Abend waren, Mrs. Bachmann?" "Ich weiß nicht. Entweder war es in der Bar da oder in dem Pub hier!" Ich deutete auf die Karte. "Und wielange sind sie dann gefahren?" "Das ist schon über 10 Monate her." "Denken sie nach, immerhin geht es um das Leben ihrer Tochter!" Mein Herz krampfte sich zusammen und ich versuchte mich zu erinnern. "Es war ein warmer Abend gewesen. Wir waren in einer Bar. Ja genau, eine Bar mit roten Stühlen." "Dann war das die Bar von Peter Jackson! Die ist hier! Und dann?" "Wir haben ziemlich viel getrunken. Wir haben ein anderes Pärchen kennengelernt. Auch Deutsche. Und dann sind Timo und ich irgendwann gegangen weil wir alleine sein wollten. Timo war noch etwas nüchterner als ich. Wir sind nicht sehr weit gefahren. Aber mindestens 15 Minuten. An mehr kann ich mich wirklich nicht mehr erinnnern. Den Rest habe ich ihnen ja auch bereits erzählt." Ich wurde ein bisschen rot. Der Inspector, Shane und ich beugten uns wieder über die Karte. "Also da ist die Bar. Wenn sie dann ca. eine Viertelstunde gefahren sind, dann kommen diese 6 Scheunen nicht in Frage. Die sind zu nah dran oder zu weit weg. Und diese drei sind nicht abgelegen sondern direkt neben Bauernhöfen. Dann bleiben also nur noch diese drei. Und zu denen werden wir jetzt fahren."
Im Polizeiauto nahm ich Shane’s Hand. Ich hatte schreckliche Angst. Meine ganze Hoffnungen lagen jetzt bei diesen Scheunen. Wenn sie dort nirgends waren, dann wusste ich nicht mehr weiter. Wir erreichten das Feld zu der die erste Scheune gehören sollte. In der Ferne erkannten wir tatsächlich eine baufällige Scheune. Shane umarmte mich zärtlich: "Kannst du dich an irgendwas erinnern?" "Nein!" Schon wieder liefen mir die Tränen übers Gesicht. Wir mussten zu Fuß gehen uns leise sein. Shane und ich hielten uns an den Händen. Wir spürten beide die Anspannung des anderen. Die Polizisten waren bewaffnet, das beruhigte mich einerseits aber andererseits hatte ich auch Angst um meine Tochter. Wir hatten die Scheune fast erreicht. Der Inspector wies uns, anzuhalten. Die Beamten umstellten die Scheune. Ich konnte mich an keine einzige Einzelheit erinnern und war mir fast sicher, dass es die falsche Scheune war, als die Beamten das Gebäude stürmten. Aber schon nach 2 Minuten kamen sie wieder heraus. Einer schüttelte den Kopf: "Nichts! Nicht die geringste Spur!" Shane gab mir einen Kuss. "Wir finden sie und heute Abend sitzen wir mit Cindy, unserer Tochter in unserem Haus!"
Auch bei der zweiten Scheune hatten wir kein Glück. Wir fanden nichts und ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben.
Aber als wir uns wieder leise der letzten Scheune näherten sah ich etwas. "Psst. Inspector, ich glaube, dass ist die Scheune. Der große Rostfleck an der Tür. Es ist, als hätte ich ihn schonmal gesehen." Der Inspector gab die Nachricht an die anderen weiter. Shane und ich nahmen uns in den Arm. Da hörten wir vom Inneren der Scheune ein leises Weinen. Ich konnte gerade noch einen Schrei unterdrücken und flüsterte stattdessen: "Cindy!" Die Beamten öffneten die Tür. Ich hörte einen Aufschrei. Und das laute Brüllen meiner Tochter. Jetzt hielt mich nichts mehr. Nicht Shane, nicht der Inspector, niemand. Ich wollte nur noch zu meinem Kind. Ich riss die Tür auf. Zwei Beamten hielten Timo fest. Hinter ihm lag in eine Decke gewickelt Cindy. Ich stürzte auf sie zu und nahm sie hoch. Als sie mich sah hörte sie auf zu weinen. Ein unheimlich Glücksgefühl durchfuhr mich. Es war schöner als bei ihrer Geburt. Ich vergaß die Welt um mich herum bis Shane mich zurückholte: "Cindy! Darf ich sie auch mal halten?" Ich gab sie ihm und er sagte: "Na meine kleine Cindy, komm zu Papa!" "NEIN!!! Sie ist nicht deine Tochter. Sie ist mein Kind!", schrie Timo. Da wurde ich von einem unheimlich Hass befallen. Ich drehte mich zu Timo um. Wenn Blicke töten könnten wäre er auf der Stelle umgefallen aber ich nahm den Briefumschlag mit dem Testergebnis aus der Tasche und hielt sie ihm hin. Er las und seine Augen wurden immer größer. "Nein, dass kann nicht wahr sein. Sie ist doch mein Kind." "Nein ist sie nicht. Und jetzt kann sie in einer richtigen Familie aufwachsen. In einer Familie mit einem richtigen Vater, einer Mutter und ganz viel Liebe. Liebe, die du ihr nicht geben konntest!" Mit den Worten drehte ich mich zu Shane um der immer noch Cindy in den Armen hielt. Ihm liefen die Tränen herunter und ich konnte sie bei dem rührenden Bild auch nicht mehr zurückhalten.
Die Beamten verließen die Scheune und ließen Shane, mich und Cindy zurück. Shane gab mir Cindy und sagte: "An dem Tag als sie entführt wurde wollte ich eigentlich früher zurücksein, aber ich hatte noch was zu erledigen. Ich wollte dich an dem Tag nämlich etwas fragen!" "Ja, was denn?" "Jana, ich liebe dich, seit dem Moment an dem ich dich zum ersten Mal gesehen habe. Ich liebe dich und Cindy mehr als alles andere auf der Welt. Und eins fehlt uns noch zum perfekten Familienglück. Jana, deshalb frage ich dich hier und jetzt: Willst du mich heiraten?" Er zog ein kleines Schächtelchen aus seiner Tasche hervor. Darin befand sich ein Ring mit einem kleinen Diamanten Ich war sprachlos. Mit allem hatte ich gerechnet aber nicht damit. Das einzige was ich sagen konnte bevor ich wieder von Tränen überwältigt wurde war: "Ja natürlich!" Shane umarmte mich, so gut es ging und küsste mich. Cindy lag in meinen Armen und lächelte uns verzückt an. Ich sah zuerst in ihre Augen und dann in die von Shane. Die beiden Personen die ich am meisten liebte. Und nichts und niemand würde mich jemals wieder von ihnen trennen können. Und als Shane und ich in einem innigen, liebevollem, zärtlichen Kuss versanken wusste ich, dass ich der glücklichste Mensch auf Erden war.