Alexa musste sich an der Vitrine neben sich festhalten, denn ihre Beine taten
nicht mehr das was sie sollten. Alexa fühlte sich mit einem Schlag 5 Jahre
in die Vergangenheit versetzt. Konnte das wahr sein? War das….ihr Kian? Vicky
schaute etwas verwirrt vom einen zum anderen, bevor sie aber etwas sagen konnte,
hatte Kian sich wieder gefangen, setzte einen kühleren Gesichtsausdruck
auf und ging mit schnellen Schritten zu Alexa. "Hallo Alexa, ich freue mich,
dich auch endlich kennen zu lernen." Er schüttelte ihr kurz die Hand, lächelte,
aber Alexa konnte die Kälte und die Abweisung in seinen Augen sehen. Sie
selbst brachte nur ein leichtes gequältes Lächeln zu Stande. Vicky
schien es Gott sei Dank nicht zu merken. "Los ihr zwei, kommt jetzt. Ich hab
schrecklichen Hunger!", sagte sie und ging den beiden voraus ins Esszimmer.
Alexa und Kian vermieden es, sich anzusehen, der Schock saß zu tief in
den Knochen. Als Vicky Kian darauf ansprach, schob er es auf einen anstrengenden
Tag im Studio und Alexa entschuldigte sich mit der Herreise. Alexas Gedanken
kreisten nur um Kian. Das konnte doch nicht wahr sein. Kian. Ihr Kian! Sie war
völlig durcheinander. Warum verhielt er sich so? Hatte er sie nicht erkannt?
Doch, dass hatte er, sie hatte es gespürt. Aber warum war er dann so abweisend?
Hatte er sich nicht gefreut, sie wieder zu sehen? Hatte er die Stunden von damals
schon vergessen? War sie für ihn damals nur ein Ferienflirt gewesen? Fragen
und noch mehr Fragen kreisten in Alexas Kopf. Hin und wieder trafen sich ihre
Blicke, aber seine Augen schienen noch ausdrucksloser und kälter als zuvor.
Und sofort wand er seinen Blick wieder ab. Klar, er würde Vicky in einer
Woche heiraten und er liebte sie, aber war das ein Grund, so zu tun, als würden
sie sich nicht kennen? Hatte er Angst, dass sie noch Gefühle für ihn
hatte und versuchen würde, die Hochzeit zu verhindern? Das würde Alexa
nie tun, sie liebte Kian doch nicht mehr. Oder doch? Nein, tat sie nicht, sie
hatte Lukas und den liebte sie über alles. Nach dem Dessert wurde es Alexa
zu viel. Kian hatte begonnen, Vicky schmachtende Blicke zuzuwerfen und machte
seltsame Anspielungen. Vicky schien das unangenehm zu sein, aber Kian ließ
sich nicht beirren. Alexa stand auf und sagte: "Bitte entschuldigt mich, aber
ich bin noch müde von der Reise und würde gerne ins Bett gehen!" "Och
nee, schon?" Vicky schaute sie traurig an, aber Kian schien erleichtert und
zufrieden, mit Vicky endlich allein zu sein. Oder tat er nur so? "Sorry ihr
beiden, aber ich bin echt müde! Außerdem will ich morgen fit sein,
wenn wir zur letzten Hochzeitskleidanprobe gehen! Schlaf gut!" Sie drückte
Vicky einen Kuss auf die Wange und verabschiedete sich mit einem knappen Gute
Nacht von Kian. So schnell sie konnte lief sie die Treppe hinauf in ihr Zimmer
und ließ sich aufs Bett fallen. Ohne dass sie es verhindern konnte, liefen
ihr die Tränen über die Wangen. Was war nur los? Innerhalb von einer
Stunde, hatte sich ihr Gefühlsleben Kopf gestellt. Die ganzen letzten Jahre
hatte sie sich ausgemalt, wie es werden würde, wenn sie Kian plötzlich
wieder treffen würde. Wie sie reagieren würde, wie er reagieren würde.
Und dann, als sie dachte, sie hätte es endlich geschafft ihn zu vergessen
und mit einem anderen Mann glücklich war, da trat er in ihr Leben und brachte
alles durcheinander. Nach einigen Minuten hatte Alexa sich wieder etwas beruhigt.
Sie zog ihr Handy aus der Tasche, denn plötzlich hatte sie den unwiderstehlichen
Drang, Lukas anzurufen um ihm zu sagen, dass sie ihn liebte und vermisste. Oder
war das nur eine Flucht vor ihren wahren Gefühlen? Alexa wählte Lukas’
Nummer erreichte aber nur die Mailbox. Enttäuscht und doch etwas erleichtert
legte sie auf. Lukas hatte ja heute Abend ein geschäftliches Meeting, dass
hatte sie ganz vergessen. Langsam rappelte sie sich vom Bett hoch und trottete
ins Bad. Sie schminkte sich ab, wusch sich und kämmte sich die Haare. Ein
Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es erst 20.30Uhr war, aber sie war trotz allem
müde, so hatte sie Vicky und Kian nicht einmal angelogen. Sie ging ans
Fenster und öffnete es. Kühle irische Abendluft wehte ihr entgegen.
Es war schon fast dunkel, aber die grünen Wiesen und Felder hin der Ferne
konnte man noch gut erkennen. Sie setzte sich aufs Fensterbrett und ließ
ihren Blick schweifen. Wie schön Irland doch war. Die grünen unendlich
weiten Wiesen und Felder, die sanften Hügel und als Kontrast dazu, die
steilen kantigen Klippen an den Küsten. Alexa hörte, wie unten im
Haus eine Türe aufging, kurz darauf, sah sie wie Kian das Haus verließ.
Von Vicky war nichts zu sehen. Kian lief ein Stück durch den gepflegten
Garten, ließ sich dann in der Mitte einfach auf den Boden sinken und blieb
sitzen. Alexa blieb ruhig sitzen und konnte ihren Blick nicht von ihm abwenden.
Plötzlich hörte sie unten jemanden rufen "Kiaaaaan! Wo bist du?" Kian
stand auf und rief: "Ich bin hier! Ich komme!" Er drehte sich um und ließ
seinen Blick an der Hauswand entlang schweifen, so als würde er etwas suchen.
Als er Alexa auf dem Fensterbrett sitzend sah, hielt er ihrem Blick einige Sekunden
lang stand. Etwas Magisches lag in der Luft. Aber auch etwas Unangenehmes. Alexa
stand auf, schloss das Fenster und legte sich ins Bett. Länger hätte
sie Kians Anblick nicht ertragen können. Noch lange kreisten ihre Gedanken
um ihn, aber dann fielen ihr vor lauter Müdigkeit die Augen zu und sie
fiel in einen tiefen, aber traumlosen Schlaf.
Am nächsten Morgen wurde sie von einem lauten durchdringenden Piepsen geweckt.
Zuerst wusste sie nicht, wo sie war, aber dann erinnerte sie sich und suchte
nach der Ursache des Geräuschs. Kurz darauf stellte sie fest, dass es ihr
Handy war. "Ja?" "Hi Süße! Wie geht’s dir?" "Hi Schatz! Mir geht’s
gut." "Hab ich dich geweckt?" "Ja, aber das ist egal! Ich wollte heute eh nicht
solange schlafen. Vicky und ich gehen nachher noch ihr Kleid holen und ich muss
mein Brautjungernkleid auch noch anprobieren!" "Wie schön! Ich vermisse
dich total. Hoffentlich gehen die letzten Tage schnell rum." "Ja! Heute ist
doch schon Samstag und am Freitag kommst du doch schon! Das schaffen wir schon!"
"Aber es ist das erste Mal, dass wir solange voneinander getrennt sind!" "Ich
weiß!" "Du sorry, ich muss leider Schluss machen! Mein Chef will mich
sprechen! Hier im Büro geht es drunter und drüber!" "Kein Problem!
Danke das du angerufen hast!" "Tschüss! Ich liebe dich!" "Ich dich auch!"
Seufzend legte Alexa den Hörer auf. Sie war so verwirrt. Sie kletterte
aus dem Bett und ging duschen. Als das Wasser auf ihren Körper prasselte,
fühlte sie sich gleich besser, es war als würden ihre Gedanken weggespült
werden. Ob es bewusst oder unbewusst war, konnte Alexa nicht unterscheiden,
aber sie zog einen schwarzen Rock und ein rotes T-Shirt an. Genau die gleichen
Farben hatte sie damals getragen, als sie Kian kennen gelernt hatte. Sie band
ihre schulterlangen braunen Haare zu einem Zopf und ging die Treppen hinunter.
Sie wusste nicht, ob sie sich wünschte, dass Kian noch da war oder ob sie
wollte, dass er das Haus schon verlassen hatte. Als sie sich der Küche
näherte hörte sie von drinnen Stimmen. Eine davon gehörte sicher
zu Kian. Alexa öffnete zögernd die Türe und trat ein. Als erstes
sah sie Vicky. Sie stand am Kühlschrank und schien etwas zu suchen. Als
sie die Türe weiter öffnete, konnte sie Kian und einen weiteren Mann
am Tisch sitzen sehen. Vicky begrüßte sie sofort, auch Kian brachte,
auch wenn es gequält schien, ein Guten Morgen hervor. Vicky stellte sie
dem anderen Mann vor: "Lex, dass ist Shane Filan, Kians Freund und ein weiteres
Mitglied von Westlife. Shane, dass ist Alexa Parker, die allerbeste Freundin
der Welt." Vicky grinste und Alexa wurde ein bisschen rot. Kian schien dem ganzen
nicht sonderlich viel Beachten zu schenken, er widmete sich weiter seinem Brötchen.
Alexa setzte sich an den freien Platz zwischen Shane und Vicky und nahm sich
eine Schüssel mit Müsli. Kaum hatte sie begonnen zu Essen, stand Kian
auf und sagte: "Komm Shane, wir müssen los." "Was, jetzt schon? Es ist
erst 9.30Uhr. Die anderen werden nicht vor 10.30Uhr im Stu…" "Na und? Ich hab
noch was zu erledigen! Kommst du jetzt mit oder nicht?" "Ähm… ja!" Etwas
verwirrt stand er vom Tisch auf und verabschiedete sich freundlich von Alexa
und Vicky. Kian gab seiner Verlobten einen Kuss auf den Mund, Alexa aber schaute
er beim gehen nicht mal an. Vicky schien nichts zu bemerken, sie aß weiter
an ihrem Brötchen und schaute verträumt in die Ferne. Sie seufzte
und sagte: "Ich bin so nervös. Nur noch 8 Tage und ich bin verheiratet!
Das hört sich so merkwürdig und fremd an!" "Ach quatsch! Auch wenn
ich Kian noch nicht solange kenne, denke ich, dass er ihr beide ein sehr glückliches
Paar werdet. Er liebt dich und du ihn! Also, was soll schief gehen?" Vicky zuckte
mit den Schultern und seufzte wieder. Alexa war nicht wohl bei ihren Worten.
Sie ertappte sich bei dem Gedanken, dass sie gar nicht wollte, dass Kian und
Vicky ein glückliches Paar wurden. Kurz darauf schämte sie sich aber
vor sich selbst, wie sie ihrer besten Freundin so etwas wünschen konnte.
Nach dem Frühstück fuhren sie mit Vickys Wagen in die Dubliner Innenstadt.
Der Verkehr war nicht gerade wenig, aber das tat der Laune der beiden keinen
Abbruch, obwohl Alexa sich sehr anstrengen musste, um über Vickys Witze
lachen zu können. Schließlich erreichten sie das Brautmodengeschäft,
dass sicher eines der teuersten in ganz Irland war. Vicky parkte ihren Wagen
auf den Kundenparkplätzen und gemeinsam betraten sie das Geschäft.
Eine Dame Mitte 40, die die Haare streng nach hinten gekämmt hatte und
auch so in ihrem Kostümchen sehr akkurat aussah begrüßte sie.
"Guten Tag Miss Lehmann! Ihr Kleid ist fertig!" "Das freut mich Mrs. McCarthy.
Wo ist es denn?" "Ich hab es nach hinten gebracht, in den Ankleideraum. Die
Schneiderin müsste jeden Moment eintreffen und sich alles noch einmal genau
anschauen. Und das hier ist sicher ihre letzte Brautjunger!" "Stimmt! Das ist
Alexa Parker!" Die Dame erkläre ihr, dass das Kleid nach Vickys Maßen
angefertigt worden war, da die beiden ungefähr die selbe Figur hatten.
Alexa und Vicky folgten Mrs. McCarthy in den hinteren Raum des Ladens. Dort
hing auf einem Ständer ein wunderschönes weißes Hochzeitskleid.
Es war lang bis zum Boden, hatte keine Träger und das Oberteil war komplett
mit schimmernden Pailletten besetzt. Der Rock war eher schlicht nur hin und
wieder durchzog eine Reihe weiterer Pailletten den Stoff. Mit glänzenden
Augen zog Vicky es an. Um die Oberarme wurde ihr ein Tuch aus demselben Stoff,
aus dem auch das Kleid war, gelegt, welches vorne und hinten mit dem Oberteil
verbunden wurde. Das Kleid hatte eine ca. 2- Meter lange Schleppe, die auch
hin und wieder mit Pailletten besetzt war. Alexa konnte nicht leugnen, dass
Vicky in dem Kleid unheimlich schön aussah. Bewundert ging sie um die Freundin
herum und betrachtete sie von allen Seiten. Vicky strahlte übers ganze
Gesicht, die Wangen leicht gerötet. Kurz darauf traf die Schneiderin ein,
eine junge Frau um die 30, die mit wenigen Blicken feststellte, dass das Kleid
jetzt perfekt passte. Dann war Alexa an der Reihe. Mrs. McCarthy brachte ein
schönes himmelblaues Kleid mit Spaghettiträgern, welches ebenfalls
hin und wieder durch einige Pailletten schimmerte und auch bis zum Boden reichte.
Alexa stieg auf einen Stuhl und zog es an. Es passte von der Länge und
Weite her perfekt. Nur um die Brust ging es nicht zu. Vicky grinste: "Na ja,
da oben hattest du ja schon immer etwas mehr als ich!" Alexa und die anderen
beiden Frauen mussten lachen. Die Schneiderin sagte: "Das ist kein Problem.
Ich werde das bis morgen Abend fertig haben, und dann können sie auch noch
das letzte Brautjungfernkleid abholen. Ihr Kleid können sich gleich mitnehmen
wenn sie wollen."
Nachdem Alexa und Vicky gemeinsam das Kleid im Kofferraum verstaut hatten, beschlossen
sie noch ein bisschen Shoppen zu gehen. Unterwegs fragte Alexa: "Wer außer
mir ist denn eigentlich noch Brautjungfer, dass deine Schwester Isabelle Trauzeugin
und deine andere Schwester Susy auch Brautjungfer ist, weiß ich, aber
wer außer ihr denn noch?" "Ich hab Gillian, Shanes Freundin gefragt, Angie,
eine Freundin von mir und Fenella, Kians Schwester gefragt." Alexa nickte und
sie gingen weiter. Vicky suchte noch immer denn passenden Schmuck für ihr
Kleid. Gemeinsam klapperten sie sämtliche Juweliere der Stadt ab. Vicky
wollte nichts auffallendes, eher etwas schlichtes. Schließlich wurden
sie auch fündig. Eine weißgoldene Halskette, mit einem runden Anhänger,
in dem ein kleiner Diamant eingearbeitet war, dazu die passenden Ohrringe und
ein Armband. Sie setzten sich in ein kleines Straßencafé. Vicky
war unglaublich gut gelaunt, alle Zweifel vom Morgen schienen verschwunden.
Sie merkte gar nicht, dass es Alexa immer schlechter ging. Je länger Vicky
von Kian erzählte und wie glücklich sie mit ihm war, umso ruhiger
wurde Alexa und umso tiefer sank sie in ihrem Stuhl zusammen. Irgendwann fragte
Vicky dann doch: "Sag mal, du bist du still, was ist denn los?" Alexa hatte
sich gerade die Tage mit Kian in Frankreich ins Gedächtnis gerufen und
zuckte zusammen: "Wie? Was? Ich fühl mich nicht so gut." "Oh Gott, hoffentlich
wirst du nicht krank." "Ich hoffe nicht. Vielleicht sollten wir heimfahren und
ich ruh mich einfach ein bisschen aus!" Alexa spürte plötzlich den
ungeheuren Drang alleine zu sein und über alles nachzudenken. Vicky nickte
und bezahlte.
Wieder daheim verabschiedete sich Alexa gleich von Vicky und ging die Treppen
hinauf.
Sie öffnete die Türe, trat ein und blickte direkt in Kians blaue Augen.
Sie blieb wie angewurzelt stehen. "Hi Alexa. Ich muss mit dir reden!"
"Ähm… ich…. Ja!" Alexa schloss die Türe. Sie blieb mit dem Gesicht
zur Türe stehen und hielt sich am Türgriff fest. Ihr Herz schlug schnell,
ihr Atem ging schneller. "Setz dich!" Alexa drehte sich immer noch nicht um.
Sie war unfähig sich zu bewegen. "Ich hab gesagt, setz dich!" Sein Tonfall
hatte sich nicht verändert, er war nicht fordernd oder böse, aber
er brachte Alexa dazu, den Griff loszulassen, sich umzudrehen und aufs Bett
zu setzen. Er selber saß auf einem der Stühle am Fenster. Alexa schaffte
es nicht, ihm in die Augen zu sehen. "Alexa sieh mich an!" Langsam hob sie den
Kopf. Sie wusste, dass seine Augen schon immer einen magischen Einfluss auf
sie hatten. So auch diesmal. Alexa konnte nichts sagen. Ihr fehlten einfach
die passenden Worte. Es gab so viele Dinge, die sie ihn fragen wollte, die sie
ihm sagen wollte. Aber alles war in dem Moment wie weggeblasen. Stattdessen
redete Kian. "Alexa, ich weiß nicht, was das für ein Schicksal war,
dass uns wieder zusammengeführt hat. Du solltest wissen, ich hab die nie
vergessen. Niemals! Ich hab damals versucht dich zu erreichen, nachdem ich einige
Stunden nach dir heimgeflogen bin. Ich hab im Hotel angerufen, aber da war ein
Stromausfall oder so was. Ich war am Boden zerstört, nicht dass du denkst,
ich hätte nicht versucht dich zu finden…!" "Ich hatte auch kein Glück!",
sagte Alexa und wandte ihren Blick wieder zu Boden. "Ja. Wie schon gesagt, das
hier war Schicksal. Aber du solltest eines wissen. Auch wenn ich mir bis vor
einigen Monaten sicher war, dass du die Liebe meines Lebens bist, auch wenn
wir nur 2 Tage zusammen waren, ich liebe jetzt Vicky und ich werde sie heiraten.
Sie ist meine große Liebe. Daran wird niemand etwas ändern können,
auch nicht du, mit deinem plötzliche Erscheinen." Alexa lief es kalt den
Rücken hinunter. Warum sagte er so was? Fühlte er denn gar nichts
für sie? "Warum warst du gestern und heute Morgen so abweisend zu mir?
Wenn du keine Gefühle mehr für mich hast und ich dir so egal bin,
dann hattest du dazu keinen Grund." "Stimmt, den hatte ich nicht. Ich war verwirrt
über dein Erscheinen. Ich hätte niemals damit gerechnet, dich wieder
zu sehen, aber jetzt ist es nun mal passiert und wir müssen es eben so
nehmen wie es ist. Ich möchte dich nur um eines bitten." "Ja?" "Erzähl
Vicky oder jemand anderem nicht, dass wir uns kennen. Versprichst du mir das?"
"Was, wenn ich es schon gemacht habe?" "Das hast du nicht, ich kenn dich!" "Okay,
ich verspreche es dir!" "Gut, ich hoffe, dass wir dann von nun an wie gute Freunde
miteinander umgehen. Nicht mehr und nicht weniger." Wieder nickte Alexa. Kian
stand auf und ging ohne sie noch einmal anzusehen aus dem Zimmer. Alexa saß
eine zeitlang wie versteinert da. Sie wusste nicht wie lange. Waren es Minuten?
Oder eine halbe Stunde? Irgendwann hatte sie sich mitsamt ihren Klamotten ins
Bett gelegt und sich bis zum Hals zugedeckt. Kians Worte hallten ununterbrochen
in ihrem Kopf. "…wie gute Freunde… nicht mehr und nicht weniger...wir müssen
es nehmen wie es ist…ich war mir sicher, du bist die Liebe meines Lebens…sie
ist jetzt meine Liebe…" Alexa begann zu weinen. Sie war sich sicher, dass sie
noch etwas für Kian empfand. Sie konnte es nicht leugnen, nicht mehr länger
unterdrücken. Sie liebte Kian nach wie vor so stark, dass es wehtat. Und
Lukas? War er nur ein Ersatz für Kian gewesen? Oder liebte sie ihn auch?
Alexa hatte sich oft gefragt, wie man einen Menschen, den man nur zwei Tage
kannte, so lieben konnte. Sie hatte das Gefühl, Kian in und auswendig zu
kennen. Er war ihr so nah und doch so unglaublich fern.
Die Tage zur Hochzeit vergingen. Vicky und Alexa waren komplett in die Vorbereitungen
eingespannt, während Kian fast den ganzen Tag im Studio verbrachte. Nach
und nach lernte Alexa die anderen Jungs von Westlife mit ihren Freundinnen bzw.
Frauen kennen. Mit allen verstand sie sich gut, auch wenn ihre gute Laune die
meiste Zeit nur gespielt war. Der Tag an dem Lukas kommen sollte rückte
näher. Alexa wusste nicht ob sie sich freuen oder davor Angst haben sollte,
ihm wieder gegenüber zu stehen. Die ganze Woche über hatten sie telefoniert,
sich SMS geschrieben und Alexa hatte versucht, sich so normal wie möglich
zu verhalten. Es war ihr auch gut gelungen, denn scheinbar hatte Lukas nichts
gemerkt, aber wenn sie ihm jetzt gegenüber stehen würde, war es sicher
etwas anderes. Kian und sie hatten sich die ganze Woche distanziert aber immer
noch freundlich unterhalten. Kian ließ keine Gelegenheit aus, zu zeigen,
dass er zu Vicky gehörte. Alexa versetzte es jedes Mal einen Stich ins
Herz wenn er sie umarmte oder sie küsste. Vicky wurde mit jedem Tag nervöser
und schien nicht zu merken, wie schlecht es Alexa hinter ihrer Fassade wirklich
ging.
Am Freitagmorgen beim Frühstück sagte Vicky: "Kian, könntest
du heute vielleicht Alexa zum Flughafen fahren, damit sie Lukas abholen kann?
Ich muss leider nachher noch mal zur Kirche fahren und etwas mit dem Pfarrer
besprechen." "Kann ich das nicht machen?", fragte Kian. "Nein, es geht um die
Blumen und die restliche Dekoration. Das ist eher Frauensache. Es macht dir
doch nichts aus, oder?" "Nein, kein Problem!", sagte Kian mit einem skeptischen
Seitenblick auf Alexa. Diese aß unbeirrt weiter, ganz so, als wäre
es ihr egal, wer fahren würde. Aber das war es nicht. Sie wollte nicht,
dass Kian dabei war, wenn sie Lukas wieder sehen würde. Aber was blieb
ihr anderes übrig? Kurz nach dem Mittagessen machten sich Kian und Alexa
in Kians Jeep auf den Weg zum Flughafen. Die Fahrt verlief relativ ruhig, was
Alexa aber nur recht war. In ihr spielte alles verrückt. Sie saß
hier neben dem Mann, den sie seit 5 Jahren liebte, der ihre große Liebe
war und holte ihre angeblich große Liebe vom Flughafen ab. Kian parkte
den Wagen auf einem der Parkplätze. Er stellte den Motor ab und fragte:
"Soll ich sitzen bleiben oder soll ich mit rein kommen?" "Du kannst gern mit
reinkommen. Macht vielleicht einen schlechten Eindruck wenn du nicht mitgehst!"
Kian zuckte die Schultern und stieg aus. Alexa war genauso verunsichert ob sie
das richtige getan hatte, aber jetzt war es eh zu spät. Sie betraten das
Gebäude und suchten nach dem Gate, wo Lukas ankommen würde. Sie setzten
sich auf eine Bank und warteten ohne groß irgendwas zu reden. Kian hatte
seine Sonnenbrille und seine Mütze tief ins Gesicht gezogen. Den Blick
hielt er gesenkt. Plötzlich hörten sie eine Durchsage: "Der Flug 3410
aus Berlin hat ca. eine Stunde Verspätung, ich wiederhole, der Flug 3410
aus Berlin hat ca. eine Stunde Verspätung." Alexa stöhnte: "Na toll!
Und jetzt? Sollen wir wieder heimfahren?" "Mir egal! Wir können auch hier
bleiben und ne Tasse Kaffee trinken, wenn du willst. Los ich lad dich ein!",
grinste Kian. Alexa zuckte zusammen. Woher kam diese plötzliche Sinneswandelung?
Warum war er plötzlich so freundlich? Kian wählte Vickys Nummer und
erzählte ihr von der Verspätung. Dann setzten sie sich in ein kleines
Café am Ende des Flughafengebäudes. Kian bestellte bei der Kellnerin
zwei Milchkaffees. Eine Weile saßen sie schweigend gegenüber, scheinbar
wusste keiner, was er sagen sollte. Irgendwann bemerkte Alexa: "Schon komisch,
dass wir uns gar nichts mehr zu sagen haben, findest du nicht?" Kian erstarrte
eine Sekunde in seiner Bewegung und fuhr dann fort, seinen Kaffee umzurühren.
Schließlich nickte er: "Es gibt einiges was ich dir zu sagen habe! Aber
es geht nicht!" Er stand auf und ging ohne sich noch einmal umzudrehen zum Klo.
Alexa schaute ihm verwirrt hinterher. Was sollte denn das schon wieder? Tausend
Fragen kreisten in dem Moment in ihrem Kopf. Gedankenverloren nahm sie einen
Schluck Kaffee. Ihr war im Moment nur nach weinen. Sie wollte sich irgendwo
verkriechen und weinen. Sie wollte nicht dass Lukas jetzt kam und sie die glückliche
Freundin spielen musste. Sie wollte nicht, dass Kian morgen ihre beste Freundin
heiratete. In dem Moment kam Kian zurück. Sein Blick war kühl und
abweisend. Alexa erschrak als sie seine Augen sah. Er hatte die Sonnenbrille
nicht auf, entweder hatte er es vergessen, oder er wollte, dass Alexa sah, dass
er geweint hatte. Seine Augen waren rot und geschwollen. Sie wusste nicht, was
sie sagen sollte, stattdessen starrte sie verschämt in ihre Tasse, die
mittlerweile leer war. Kian schaute auf die Uhr und sagte: "Los komm, der Flieger
landet gleich." Er zahlte den Kaffee und sie gingen wieder zum Gate. Alexa wollte
wissen, was mit Kian los war. Warum hatte er geweint? Er hatte damals nicht
mal beim Abschied geweint. Aber sie traute sich nicht ihn zu fragen. Einige
Minuten später sprang das Anzeigenschild von "unterwegs" auf "gelandet"
und wieder einige Minuten später waren die ersten Passagiere zu sehen.
Alexa konnte Kians Gesichtsausdruck nicht erkennen, da er wieder seine Sonnenbrille
trug. Sie wandte ihren Blick wieder den Passagieren zu und erkannte Lukas. Er
trug eine Jeans und ein schwarzes Hemd und sah ziemlich glücklich aus.
Als er Alexa sah, stellte er seinen Koffer ab und rannte auf sie zu. Alexa verscheuchte
so gut es ging all ihre Gedanken an Kian und rannte ihm ebenfalls entgegen.
Lukas schloss sie in die Arme und flüsterte: "Ich hab dich so vermisst,
Schatz! Endlich!" Dann küsste er sie. Alexa versuchte krampfhaft den Kuss
zu genießen, aber was sie auch tat, sie fühlte nichts. Weder Freude,
noch Abneigung oder Ekel. Nach einigen Sekunden schob sie ihn weg und lächelte:
"Ich hab dich auch vermisst!" Dass das in dem Moment eine Lüge war, daran
wollte sie nicht denken. Sie nahm Lukas an der Hand und zog ihn zu Kian. Sie
versuchte so glücklich wie möglich auszusehen, als sie sagte: "Kian,
dass ist Lukas, mein Freund. Lukas, dass ist Kian, Vickys Zukünftiger.
Vicky hat es leider nicht geschafft uns abzuholen!" "Ach das ist doch kein Problem!
Freut mich dich kennen zu lernen!" Lukas grinste und gab Kian die Hand. Auch
wenn Kian sie schüttelte spürte Alexa die Kälte, die von Kian
ausging. Lukas schien nichts zu bemerken. Er legte den Arm um Alexa und sie
gingen hinter Kian her zum Auto. Auf der Fahrt redete Lukas ununterbrochen.
Er erzählte, was er die Woche über gemacht hatte, wie die Arbeit gelaufen
war, wie er Alexa vermisst hatte. Alexa wünschte sich, er würde nur
einmal den Mund halten, aber nichts geschah. Sie war wütend über ihre
eigenen Gedanken, sie liebte Lukas doch. Oder etwa nicht mehr? Endlich, nach
endloser Fahrt wie es Alexa erschien erreichten sie das Haus. Lukas kam aus
dem Staunen nicht mehr heraus, genau wie Alexa als sie das Alles zum ersten
Mal gesehen hatte. Vicky war noch nicht da deswegen führte Alexa ihn erstmal
in ihr gemeinsames Zimmer. Kian war mit einem letzten Blick auf die beiden im
Schlafzimmer verschwunden. Der Nachmittag verlief relativ ruhig. Lukas hatte
sich hingelegt und Vicky war auch noch nicht da. Alexa ging in den Garten. Sie
hatte am Vortag hinter ein paar Bäumen eine Schaukel entdeckt. Sie musste
sich ablenken, deswegen nahm sie ihren Discman und eine Zeitschrift mit und
ging in den Garten. Die Sonne schien und es war angenehm warm. Nach einigen
Minuten legte sie die Zeitung weg und ließ sich die Sonne ins Gesicht
scheinen. Plötzlich spürte sie Hände auf ihrem Rücken. Sie
fuhren sanft auf und ab, glitten von ihren Hüften, über den Rücken
zur Schulter. Alexa drehte sich um, erwartete Lukas dort zu sehen, aber es war
nicht Lukas, der sie da streichelte…
Es war Kian, der da stand. Seine Finger machten Kreise auf ihrem Rücken,
dann fuhren sie wieder auf und ab. Kian wusste, wie sie das liebte. Er hatte
es damals oft gemacht, wenn sie zusammen am Strand lagen. Alexa schaute ihm
einige Sekunden fragend und trotzdem unglaublich zufrieden in die Augen. Die
Gefühle die diese leichten Berührungen ihn ihre auslösten waren
unglaublich. Ein Schauer nach dem anderen jagte ihren Körper hinauf und
hinab. Sie bekam trotz der Wärme eine Gänsehaut. Er ging um sie herum
und stand jetzt vor ihr. Seine Hände fuhren über ihre Haare, über
die Schultern, über die Wangen. Alexa war, als würde sie träumen.
Kian zog sie langsam hoch, ohne ein Wort zu sagen näherte sich sein Gesicht
dem Ihren. Alexa wusste was gleich geschehen würde und sie wollte es, ihr
Körper wollte es, ihr Herz wollte es aber ihr Verstand sagte, dass es falsch
war, sehr sehr falsch. Alexa wusste, dass nach dem Kuss alles anders wäre.
Aber sie wollte und konnte Vicky nicht wehtun. Sie war ihre beste Freundin,
und auch wenn sie Kian liebte, sie hörte auf ihren Verstand. Sie drehte
sich so schnell wie möglich um und begann zu rennen. Die Tränen liefen
ihr übers Gesicht. Sie rannte ins Haus, Richtung Dachboden. Dort würde
sie sicher so schnell niemand suchen. Sie fand ein altes Sofa auf dass sie sich
warf. Die Tränen wollten nicht aufhören zu laufen. Warum tat Kian
das? Warum verwirrte er sie so? Noch vor ein paar Tagen hatte er ihr gesagt,
dass er keine Gefühle für sie hatte und jetzt wollte er sie küssen?
War das nur ein Spiel? Er würde doch morgen Vicky heiraten. Alexa war in
Gedanken versunken und irgendwann schlief sie unter Tränen ein, ohne es
zu merken. Wie lange sie geschlafen hatte, wusste sie nicht, sie wachte erst
auf, als sie draußen Geräusche hörte. Es war Kian. "Lex, bist
du hier?" "Ja!" Schnell wischte sie sich die Tränen weg und setzte sich
auf. Kian betrat den Raum und blieb in der Türe stehen. "Alle suchen dich!
Du sollst kommen!" Er drehte sich um und verließ den Raum so schnell wie
er gekommen war. Was sollte denn das schon wieder? Warum war er denn jetzt wieder
so kühl? Alexa verstand die Welt nicht mehr. Sie verließ den Dachboden
und ging die Treppen hinunter. Sie warf einen Blick in einen Wandspiegel und
stellte erleichtert fest, dass sie nicht so schlimm aussah wie erwartet. Lukas
stand im Flur und umarmte sie. "Wo warst du denn? Ich hab mir solche Sorgen
gemacht?" "Meine Güte warum denn? Ich bin erwachsen und kann ja wohl für
ein paar Stunden verschwinden ohne mich abzumelden, oder?", reagierte Alexa
genervter als sie wollte. Lukas ließ sie los und schaute sie verdutzt
an. "So…Sorry!" Vicky kam aus dem Wohnzimmer. Sie hatte die letzten Worte von
Alexa mitbekommen und schaute sie entgeistert an. "Was ist denn los mit dir?"
"Nichts ist los! Lasst mich doch einfach alle in Ruhe!" Sie drehte sich wütend
um und rannte die Treppen hinauf. Kian stand oben am Treppenansatz. Scheinbar
hatte er die ganze Szene mit verfolgt. Er schaute sie mit einem undurchdringlichen
Blick an, als sie an ihm vorbei rannte. In ihrem Zimmer fand Alexa das Brautjungfernkleid
vor. Wütend nahm sie es vom Bett und warf es mit aller Wucht in eine Ecke.
Sie war wütend, wütend auf Kian, weil er so mit ihr spielte, wütend
auf Vicky und Lukas, weil sie ihr im Weg waren aber am meisten wütend war
sie auf sich selber, weil sie nicht wusste was sie wollte. Sie trommelte eine
Weile, blind vor Tränen auf ihr Kissen ein, dann beruhigte sie sich langsam
und weinte nur noch ruhig in ihr Kissen.
Alexa hatte das Haus verlassen, ohne dass jemand sie gesehen hatte. Sie war
ein Stück gelaufen und hatte sich dann auf einem Feld unter einem Baum
niedergelassen. Die letzten Sonnenstrahlen verschwanden an diesem Freitagabend
am Horizont. Alexa brauchte diese Umgebung, vor allem aber brauchte sie Zeit,
um nachzudenken. Morgen war die Hochzeit. Hochzeit! Das Wort ging nicht aus
ihrem Kopf heraus. Sie musste eine Entscheidung treffen. Entweder, sie würde
allen die Wahrheit sagen, nämlich dass sie Kian liebte, dann würde
sie Lukas verlieren, Vicky und wahrscheinlich auch Kian. Ob es ihr dann besser
gehen würde, das wusste sie nicht. Oder sie würde nichts sagen, Kian
so gut es ging aus dem Weg gehen, mit Lukas morgen ein glückliches Paar
abgeben und dem Brautpaar gratulieren. Dann hatte sie zwar Kian verloren, aber
nicht Vicky und Lukas und sie würde in zwei Wochen wieder nach Deutschland
fliegen und versuchen Kian zu vergessen. Eine Weile saß sie still da.
Die Sonne war jetzt restlos verschwunden, die Nacht brach herein und es war
kühl. Alexa stand auf, sie hatte eine Entscheidung getroffen…
Sie wollte nichts sagen. Sie wollte ihre Beziehung und ihre Freundschaft nicht
zerstören. Sie würde nach Deutschland fahren, versuchen, Kian zu vergessen,
auch wenn ihr das sehr schwer fallen würde. Sie war nicht mehr wütend.
Nicht mehr auf Kian, nicht mehr auf Vicky, nicht mehr auf Lukas.
Von Kian und Vicky war im Haus keine Spur. Alexa ging direkt die Treppen hinauf
in ihr Zimmer. Dort fand sie Lukas. Er saß auf dem Bett und las ein Buch.
Als sie eintrat blickte er nur kurz auf und widmete sich dann wieder seiner
Lektüre. Alexa schloss leise die Tür und blieb einige Sekunden ruhig
stehen. Dann sagte sie: "Lukas? Lukas, es tut mir Leid, dass ich vorher so abweisend
zu dir war. Ich wollte das nicht. Ich weiß auch nicht, was mit mir los
war!" Lukas schaute nicht auf. "Lukas, bitte sag was!" "Was soll ich denn sagen?
Ich fand das vorher ziemlich gemein von dir. Ich hab mir solche Sorgen gemacht,
als du weg warst. Und dann kommst du wieder, alle sind erleichtert und du tust
so als wäre nichts gewesen und meckerst alle an!" "Ich weiß, ich
wollte das nicht. Aber du musst zugeben, dass ich auch mal für ein paar
Stunden verschwinden kann, ohne dass ihr hier die Krise bekommt! Wir haben uns
versprochen uns in unserer Beziehung nicht einzuengen. Und das was du heut gemacht
hast, hat nicht so ganz dem Versprechen entsprochen." Lukas war aufgestanden.
Er umarmte sie und sagte: "Du hast Recht. Es tut mir auch Leid! Vergessen wir’s
okay?" Alexa nickte erleichtert. Ein Problem hatte sie aus der Welt geschafft,
auch wenn es in ihrer Situation wahrscheinlich das kleinste und am wenigsten
belastende war. Lukas hatte begonnen sie zu küssen und schob sie langsam
Richtung Bett. Alexa wollte sich weigern, denn sie hatte überhaupt keine
Lust, aber dann würde Lukas wieder fragen, was los sei, und darauf hatte
sie noch weniger Lust. Also ließ sie alles über sich ergehen. Lukas
schien nichts zu merken. Danach rollte er sich von ihr herunter und war auch
kurz danach eingeschlafen. Alexa blieb liegen und dachte wieder nach. Sie grübelte
und grübelte, aber sie kam zu keiner Lösung, durch die alle heil aus
der Geschichte rauskommen würden. Immer war einer oder mehrere der Leidtragende.
Am nächsten Morgen war Alexa unglaublich müde. Sie wollte gar nicht
aufstehen, dabei hatte sie mehr als 8 Stunden geschlafen. Ein Blick auf die
Uhr sagte ihr, dass sie noch 4 Stunden hatte, bis die Hochzeit beginnen sollte.
Lukas schlief noch. Sie krabbelte mühsam aus dem Bett und ging ins Bad.
Bei einer kalt- warmen Wechseldusche versuchte sie ihren Kopf frei zu bekommen.
Danach schlüpfte sie in ein weites T-Shirt und ihren Morgenmantel. In der
Küche fand sie eine aufgeregte Vicky vor. "Morgen!" "Oh Morgen Alexa! Du
musst mir unbedingt helfen. Ich bin total durcheinander und weiß gar nicht
wo ich anfangen soll. Kian ist gerade mit Shane zum Flughafen meine Familie
holen. Sie schlafen im Hotel. Dann geht Kian zu Shane um sich dort umzuziehen.
Der Frisör kommt in einer Stunde wegen dem Schleier und meinen Haaren.
Dann kommt die Kosmetikerin um mich zu schminken. Und dann muss ich mich auch
noch umziehen, und dann…!" "Hey Vicky, jetzt beruhig dich doch mal! Das ist
doch alles kein Problem. Wir haben noch 4 Stunden Zeit. So wie du aussiehst
hast du heute noch nichts gegessen. Das holen wir jetzt erstmal nach! Und dann
gehen wir alles ganz ruhig an, okay?" Vicky ließ sich zwar nicht komplett
überzeugen, aber Alexa hatte sie nachher so weit, dass sie einen Kaffee
trank und ein Stück Kuchen aß. Während sie aßen kam Lukas
in die Küche. Er wirkte ziemlich verschlafen. "Morgen Schatz! Stör
ich?" "Nein tust du grad noch nicht. Aber nachher wäre es besser, wenn
du dich irgendwohin verdrückst. Wir werden nämlich nachher im Stress
sein." "Ich werd was Essen, mich umziehen und dann zur Kirche fahren um zu schauen,
ob ich da noch was helfen kann." "Gute Idee, Kian wird sicher auch bald da eintreffen!"
Nach dem Frühstück räumten Vicky und Alexa zusammen alles auf.
Während Vicky duschte, drehte Alexa ihre immer noch nassen Haare auf Lockenwickler
und zog sich einen Jogginghose und ein Shirt an. Dann ging sie wieder hinunter.
Der Frisör war mittlerweile eingetroffen und befand sich mit Vicky im Wohnzimmer.
Alexa nutzte die Zeit für einen Spaziergang. Auch wenn sie nach außen
hin ruhig und zufrieden wirkte, fühlte sie sich innerlich schlecht und
durcheinander. Am liebsten würde sie nicht zur Hochzeit gehen. Sie wollte
nicht die strahlende Brautjungfer spielen und immer lachen. Sie wollte sich
in ihrem Bett verkriechen und weinen. Als sie wieder zurück kam war Vicky
schon fertig. Ihre sonst glatten langen blonden Haare fielen jetzt in Locken
im ihre Schultern, der Schleier ging ihr bis zur Hüfte und sah etwas lustig
aus, kombiniert mit einem Trainingsanzug. Nachdem auch die Kosmetikerin ihre
Arbeit getan hatte, gingen die beiden ins Schlafzimmer von Vicky und Kian. Das
Kleid lag auf dem Bett. Alexa half Vicky beim Anziehen. Vicky war eine wunderschöne
Braut, dass musste Alexa neidlos feststellen. Kein Wunder, dass Kian sich in
sie verliebt hatte. Vicky war schon immer ein freundlicher, hilfsbereiter Mensch
gewesen, dem man vertrauen konnte und der einem in jeder Situation beistand.
Zudem sah sie wirklich gut aus. Nachdem Vicky fertig gerichtet war, machte auch
Alexa sich fertig. Das Kleid war schön geworden und passte perfekt. Alexa
schminkte sich ein bisschen, richtige ihre Haare und steckte sich die kleine
Schleife ins Haar, die alle Brautjungfern tragen würden. Sie trug zu dem
Kleid himmelblaue offene Absatzschuhe und eine einfache silberne Halskette.
"Alexaaaaaa! Kommst du???", rief Vicky durchs ganze Haus. "Die Kutsche ist da!"
Alexa warf noch einen letzen Blick in den Spiegel. Die Schminke, der Schmuck
und das Kleid überdeckten perfekt, wie schlecht es ihr wirklich ging. Sie
schloss die Türe und ging in die Eingangshalle. Dort stand Vicky, ganz
blass im Gesicht. "Alexa…mir ist gar nicht gut! Ich glaub ich kotz gleich!"
"Ach was, das ist normal! Das ist doch nur die Aufregung. Los, komm, wir wollen
Kian doch nicht warten lassen!" Vicky nickte nur leicht und Alexa nahm sie in
den Arm. "Du schaffst das! Und heute Abend bist du Mrs. Victoria Egan." "Hört
sich schön an oder?" Alexa nickte nur. Sie verließen das Haus. Auf
dem Hof stand eine Kutsche mit vier Schimmeln vorgespannt. Die Kutsche und die
Pferde waren mit weißen Rosen dekoriert. Vicky blieb der Mund offen stehen:
"Wahnsinn sieht das schön aus! Ich hab es mir ja schön vorgestellt,
aber nicht so schön!" Alexa schluckte. An der Hochzeit schien ja wirklich
alles perfekt zu sein. Sie fragte: "Hast du nicht Angst irgendwo auf dem Weg
aufgehalten zu werden, zum Beispiel von Fans oder der Presse?" "Nein. Wir haben
vier Polizeiwagen angefordert die uns begleiten. Auf dem Weg zur Kirche und
zur Halle wo wir feiern." Alexa nickte und half Vicky mit ihrem Kleid in die
Kutsche. Als auch sie einstieg konnte sie schon vor dem Tor die Polizeiwagen
sehen. Sie verließen den Hof und fuhren los. Die Fahrt dauerte ca. 15
Minuten. Die Polizei hielt alle Leute die zu nah kommen wollten fern, aber es
gab keine besonderen Zwischenfälle. Viele Fans standen in den Straßen,
winkten, klatschen und freuten sich mit Vicky. Diese strahlte mittlerweile übers
ganze Gesicht und winkte. Schließlich hatten sie die Kirche erreicht.
Auf dem Kirchhof standen unzählige Fotografen und noch mehr Fans. Die Securities
hatten alle Hände voll zu tun, die Meute in Schach zu halten. Von den Gästen
war nicht mehr viel zu sehen. Vickys Familie stand vor der Kirche. Außerdem
Gillian und Fenella die die gleichen Kleider wie Alexa trugen. Vicky fiel ihren
Eltern und Schwestern um den Hals. Isabelle und Vickys Mutter verschwanden gleich
in der Kirche. Alex stellte sich zu Fenella und Gillian. Kurz darauf kam von
drinnen das Zeichen, dass es losgehen konnte. Alexa umarmte Vicky noch einmal
kurz, dann ertönte von drinnen die Einzugsmusik. Die Brautjungfern gingen
vor. Alexa ging als erstes zusammen mit Fenella. Dahinter folgten Gillian und
Susy. Vicky sollte von ihrem Vater hineingeführt werden. Die beiden mussten
warten bis die Brautjungfern eingezogen waren, bevor sie losgehen konnten. Die
Kirche war riesig und es waren sehr viele Leute da. Das erste was Alexa sah
als sie ihren Blick durch die Kirche schweifen sah war Kian. Er blickte ihr
direkt in die Augen und ließ dadurch ihre Knie weich werden. Alexa lächelte
leicht und ging weiter, den Blick auf Kian geheftet. Er lächelte, aber
Alexa spürte, dass ihm nicht nach Lächeln zu Mute war. Was war nur
los? Warum heiratete er Vicky, wenn es ihn nicht glücklich machte. Alexa
wäre am liebsten umgedreht und aus der Kirche gerannt. Die Anspannung in
ihr stieg ins Unermessliche. Endlich, es kam ihr vor wie eine Ewigkeit, hatten
sie ihre Plätze in der ersten Reihe erreicht. Kaum stand jeder vor seinem
Stuhl, ging hinten erneut die Türe auf. Jetzt waren also Vicky und ihr
Vater ebenfalls in der Kirche. Kian wandte seinen Blick von Alexa ab und richtete
ihn auf Vicky. Auch Alexa drehte sich um. Sie hatte Vicky noch nie so glücklich
gesehen. Ihre Augen glänzten und ihre Hände zitterten. Sie hatte Kian
erreicht und stellte sich neben ihn. Die Trauung begann. Der Priester erzählte
von Gott, Jesus und vom Glück der Hochzeit. Das die Liebe etwas Wundervolles
war und es nichts schöneres gab, wenn ein Paar sein Leben lang glücklich
zusammen lebte. Shane, Bryan, Nicky und Mark sangen für das Paar einen
wunderschönen Lovesong, den sie extra geschrieben hatten und nicht wenigen
der Gästen standen die Tränen in den Augen. Schließlich sagte
der Priester: "…wenn nun jemand etwas gegen diese Hochzeit einzuwenden hat,
dann möge er es jetzt sagen oder für immer schweigen!" Das Paar stand
zueinander gedreht, aber Kian brauchte nur über Vickys Schulter zu schauen
um Alexa zu sehen. Sie hielt seinem Blick stand, eine kleine Träne bahnte
sich den Weg über ihre Wange. Kian blickte weg. Den Blick wieder auf Vicky
gerichtet. "Gut scheinbar nicht!", fuhr der Pfarrer fort. "Dann sind wir jetzt
bereit, den Bund der Ehe einzugehen. Nun frage ich dich, Victoria Lehmann, bist
du bereit, den hier anwesenden Kian John Francis Egan zu deinem angetrauten
Mann zu nehmen, ihn lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeit, bis dass
der Tod euch scheidet, so antworte mit Ja!" Alexa konnte das Gesicht ihrer besten
Freundin nicht sehen, aber sie wusste, dass sie strahlte. "Ja, ich will!" "Und
willst du, Kian John Francis Egan die hier anwesende Victoria Lehmann zu deiner
angetrauten Ehefrau zu nehmen, sie lieben und ehren in guten wie in schlechten
Zeiten, bis dass der Tod euch scheidet, so antworte mit Ja!"
Es dauerte ca. 2 Sekunden, bis Kian antwortete. "Ja, ich will!" "Dann erkläre
ich euch hiermit zu Mann und Frau! Sie dürfen die Braut jetzt küssen!"
Er hatte es getan. Er hatte es tatsächlich getan! Alexas Hoffnungen waren
verschwunden. Die letzten heimlichen Hoffnungen die sie sich noch gemacht hatte,
waren futsch. Aufgelöst und das nur durch ein einziges Wort. Sie versuchte
ihre Tränen zurückzuhalten, aber es klappte nicht. Sie begannen zu
laufen. Aber nicht wie bei den anderen vor Freude, sondern aus Trauer und Wut.
Nach ein paar abschließenden Worten des Priesters von denen Alexa nichts
mitbekam folgte der Auszug. Alexa hatte es geschafft nicht mehr zu weinen. Sie
wusste, wenn sie jetzt nicht glücklich aussehen würde, würde
es nur zu Problemen und unangenehmen Fragen kommen und das wollte Alexa mit
allen Mitteln verhindern. Deshalb setzte sie ihr freundlichstes Lachen auf und
folgte dem Brautpaar hinaus auf den Kirchenhof. Dort kamen mittlerweile immer
mehr Fans an. Die winkten und applaudierten als das Paar herauskam. Die Fotografen
schlugen sich fast um die besten Plätze zum Fotografieren und die Securities
hatte alle Hände voll zu tun. Vicky und Kian schritten die Stufen auf den
Hof hinunter. Sie lächelten in die Kamera, sie nahmen die ersten Glückwünsche
entgegen. Dann stiegen sie in die Kutsche, die sich langsam in Bewegung setzte.
Alexa fuhr zusammen mit Shane, Gillian und Lukas, der mittlerweile bei ihr war
und den Arm um sie legte zur Halle. Lukas, Shane und Gillian unterhielten sich
die ganze Fahrt über, über die wundervolle Hochzeit. Alles wäre
so perfekt gewesen und so wunderschön, dass es einen zu Tränen gerührt
hatte. Als sie die Halle erreichten waren die ersten Hochzeitsgäste schon
da, ebenso einige Fans und wieder eine ganze Menge Fotografen. Sie gingen hinein
und Alexa staunte nicht schlecht. Sie war vor der Hochzeit nur in der Kirche
gewesen und hatte den Ort der Feier, eine Lagerhalle einer stillgelegten Fabrik
nicht gesehen. Kian und Vicky hatte Wert auf eine ruhige und normale Hochzeit
gelegt. Auch wenn Kian berühmt war wollten sie eine Hochzeit wie normale
Leute. In der Halle waren unzählige Tische und Stühle aufgestellt.
Kleinere und größere runde Tische und in der Mitte ein großer
Tisch für das Brautpaar und deren Freunde und Familien. Alexa und Lukas
hatten ebenfalls wie Gillian, Shane, Bryan, Kerry, Nicky und Georgina ihren
Platz an dem großen Tisch. Überall standen Blumengestecke aus weißen
Rosen, an der Wand war ein riesiges Buffet aufgebaut. An der Decke waren Scheinwerfer
installiert, in der einen Ecke spielte eine Vier- Mann- Band ihre ersten Songs.
Als das Brautpaar eine halbe Stunde später ankam, klatschten alle Gäste
und dann ging es zu den Glückwünschen über. Lukas und Alexa waren
unter den ersten Gästen. Alexa schloss Vicky fest in den Arm. "Ich wünsch
dir alles alles Gute für euer ganzes Leben. Ihr seit so ein tolles Paar!"
Sie küsste Vicky auf die Wange, bevor sie Kian gratulierte. Sie wollte
ihm nur die Hand geben und ihren Spruch sagen, aber er zog sie in ihre Arme.
Alexas Knie wurden weich und sie musste sich an ihm festklammern. Warum tat
er das? Er wusste doch genau, was diese Berührung in ihr auslöste.
Und wahrscheinlich auch in ihm. Er hielt sie länger in den Armen, als eigentlich
nötig war. Alexa stammelte ihre Glückwünsche, damit es nicht
auffiel und machte sich dann schnellstens aus dem Staub. Sie brauchte etwas
frische Luft. Die vielen Leute mit ihren fröhlichen Gesichtern gingen ihr
auf die Nerven. Alle schienen glücklich und gut gelaunt. Dabei machte sie,
Alexa, die Hölle durch. Und das schlimmste war, sie hatte niemanden, mit
dem sie darüber reden konnte. Die ersten Tränen begannen schon wieder
zu laufen, als sie den großen Platz hinter der Halle, der jetzt als Parkplatz
diente, überquerte und sich an eine kleine Mauer hinter einem Baum lehnte.
Sie wollte allein sein, aber lange ging das sicher nicht, denn die anderen,
und besonders Lukas würden sie sicher vermissen. Und sie wollte nicht schon
wieder Stress mit ihrem Freund.
Als sie wieder zurückkehrte hatten fast alle Gäste gratuliert. Alexa
steuerte auf ihren Platz zu und ließ sich nieder. "Wo warst du denn?"
"Draußen, mir ist ein bisschen übel geworden. Aber mach dir keine
Sorgen, mir geht’s wieder gut!", versicherte Alexa Lukas. Neben dem Paar saßen
auf jeder Seite die Eltern, dann folgten die Freunde. Alexa saß Kian genau
gegenüber und es fiel ihr schwer, seinem Blick auszuweichen. Neben ihr
saß Kerry, die sich gerade über Bryan aufregte: "Mensch Bryan, du
musst halt auch warten, bis das Buffet eröffnet ist. Das hier ist nicht
deine Hochzeit!" Bryan schaute sie etwas verdattert an und grinste dann: "Yes
Miss!" Einige Minuten später war Kian aufgestanden: "Bitte hört mir
einen Moment zu! Ich denke, es ist nicht der passende Moment für lange
Reden. Aber keine Sorge, die folgen später. Jetzt wollte ich nur sagen,
vor allem für die, die es nicht erwarten können, gell Bryan, das Buffet
ist eröffnet." Die Leute erhoben sich nach und nach und gingen zum Buffet.
Bryan allen voraus. Kerry war es sichtlich peinlich. Alexa nahm sich nicht viel
zu Essen. Sie hatte einfach keinen Appetit. Nach dem Essen folgten die versprochenen
Reden. Dann ging es zum Tanz. Alexa versuchte immer freundlich zu sein, immer
zu lächeln. Aber sie wünschte sich nur eines, nämlich dass der
Tag so schnell wie möglich vorüberging. Die meiste Zeit tanzte sie
mit Lukas, zwei Mal mit Shane und einmal mit Bryan. Gerade als sie sich nach
einem schnellen Cha Cha Cha hinsetzten wollte kam Kian direkt auf sie zu: "Darf
ich bitten?" Alexa wollte erst verneinen, als sie aber in seine Augen sah nickte
sie. Ein langsameres Lied hatte begonnen und Kian und Alexa begannen mit einer
Rumba. Eine Weile schwiegen sie, dann sagte Kian: "Wie gefällt es dir hier?"
"Willst du darauf eine ehrliche Antwort?" Kian schüttelte den Kopf. "Ich
kann es mir eh schon denken, entschuldige. Niemand sagte mehr etwas, bis der
Tanz zu Ende war. Sie beschränkten sich auf Blicke, die Alexa teilweise
fast zum weinen brachten. Nach endlosen Minuten war der Tanz zu Ende und Alexa
eilte zum Tisch um sich eine Pause zu gönnen. Gegen 22 Uhr verabschiedeten
sich die ersten, meist auch älteren Gäste. Um 2 Uhr beschlossen Kian
und Vicky, die Hochzeit mehr oder weniger zu beenden und mit den engsten Freunden
und Familienangehörigen bei sich daheim weiterzufeiern. Zum Schluss waren
noch die Westlife- Jungs mit Freundinnen, die Brautjungfern, einige von Kians
Geschwistern und Isabelle und Susy mit ihren Freunden da. Da es immer noch relativ
warm war, beschlossen alle, draußen im Garten weiterzufeiern. In Windeseile
hatten die Männer einen Tisch mit Stühlen aufgebaut und die Frauen
alles was sie an Getränken fanden in den Garten gebracht. Immer wieder
sprach jemand einen Toast auf das Brautpaar aus. Alexa hatte ihr Brautjungfernkleid
mittlerweile gegen ein kurzes schwarzes Minikleid getauscht in dem sie sich
um einiges wohler fühlte. Shane und Bryan waren gegen 4 Uhr morgens so
betrunken, dass Kerry und Gillian sie hoch in eines der Gästezimmer brachten.
Auch der Rest der Gäste, Alexa eingeschlossen, waren nicht mehr so nüchtern.
Alexa kam gerade vom Klo, als ihr Kian entgegen kam. Sie blieben einige Sekunden
voreinander stehen ohne etwas zu sagen. Dann hob Kian seine Arme und legte seine
Hände auf Alexas Schultern. Sanft aber bestimmt schob er sie in den anliegenden
Raum. Er schloss die Türe hinter sich ab und drehte sich zu Alexa. "Was
willst du, Kian?" "Dich!", war alles was er sagte. Alexa zuckte zusammen, besann
sich dann aber wieder: "Kian, du bist betrunken. Draußen wartet deine
Braut, lass uns gehen!" "Nein!" "Doch!" Alexa war den Tränen nahe. Kian
schien das zu spüren. "Komm her!" Er breitete die Arme aus. Alexa zögerte
einige Sekunden. Dann ging sie zwei Schritte auf ihn zu und ließ sich
von ihm umarmen. "Ich bin nicht betrunken!", sagte er. "Alles was ich sage,
entspricht der Wahrheit." Alexa atmete den Duft seines Aftershaves ein. Er raubte
ihr fast den Verstand. Schon damals hatte Kian immer so unwiderstehlich gerochen.
Alexa bekam weiche Knie. Ihn so nah zu spüren setzte ihr mehr zu, als sie
je gedacht hatte. Kian ließ sie los und schob sie ein Stück von sich
weg. Alexa hielt ihren Blick gesenkt und blickte zu Boden, stark darauf bedacht,
ihre Tränen zurückzuhalten. "Alexa ich muss dir was sagen! Bitte hör
mir zu. Ich weiß nicht ob du mir glaubst oder nicht. Aber bitte hör
mir einfach nur zu." Alexa nickte. "Sieh mich an!", sagte Kian. Alexa hob den
Kopf. Sie war geschockt, als sie sah, dass Kian auch weinte.
"Alexa, ich hab die ganzen Tage versucht, meine aufkommenden Gefühle für
dich zu unterdrücken, aber es ging nicht. Mit jedem Tag sind sie stärker
geworden. Alles von damals ist wieder hochgekommen, stärker als je zuvor.
Ich hab so gehofft, endlich über dich hinweg zu sein. Ich konnte es einfach
nicht glauben, dass eine Beziehung, die gerade mal zwei Tage gedauert hat, mein
Leben so verändern würde. Als ich Vicky kennen gelernt habe, da hab
ich mich in sie verliebt. Ohne Zweifel, sie ist wundervoll. Aber sie konnte
dir nie das Wasser reichen. Ich sehe es als ein Wink des Schicksals, dass wir
uns wieder gesehen haben, allerdings kam der Wink zum denkbar schlechtesten
Moment. Alexa, mir ist klar geworden, dass ich dich immer noch liebe. Ich liebe
dich so sehr, aber es geht nicht. Wir können nicht zusammen sein!" Alexa
stand da. Sie stand einfach nur da und starrte Kian an, so als hätte sie
nicht begriffen, was gerade gesagt hatte. Aber sie hatte es begriffen. Sie wollte
es nicht wahr haben. Er liebte sie. Er liebte sie immer noch, so wie sie ihn.
Aber sie verstand seine letzten Worte nicht. "Warum können wir nicht zusammen
sein?" Kian schaute sie an. Die Tränen liefen ihm über die Wangen.
"Alexa es tut mir so Leid. Ich kann es dir nicht sagen. Es geht nicht. Ich kann
dir nur sagen, dass es nicht geht. Ich muss mit Vicky verheiratet bleiben. Ich
liebe Vicky. Aber auf eine andere Weise wie ich dich liebe, weniger als ich
dich liebe." Alexa verstand nicht. Unzählige Fragen schwirrten in ihrem
Kopf herum. Aber Kians Blick sagte ihr, dass es nicht an der Zeit war, diese
zu stellen. Er ging einen Schritt auf sie zu, legte seine Hand unter ihr Kinn
und hob es hoch. "Alexa!", sagte er. Sein Gesicht kam näher. Immer näher.
Zu nah. Alexa wich zurück. "Kian! Ich liebe dich auch! Mehr als du dir
überhaupt vorstellen kannst, aber wieso tust du mir das an?" "Ich liebe
dich! Ich kann nicht anders. Ich musste es dir sagen. Ich hab gesehen, wie du
leidest." "Und du dachtest, es wäre besser wenn du mir das alles sagst,
was du mir eben gesagt hast? Meinst du, mir geht es jetzt besser? Jetzt wo ich
weiß, dass du mich liebst, aber aus irgendeinem Grund nicht mit mir zusammen
sein kannst?" Kian schüttelte den Kopf. Jetzt ging Alexa auf ihn zu und
umarmte ihn. Er tat ihr so unendlich Leid. Irgendetwas Schlimmes musste geschehen
sein. Aber sie konnte sich nicht denken was. Sie wollte nicht an die kommenden
Tage, Wochen und Monate denken. Das hier und jetzt zählte. Sie schaute
Kian in die Augen. Und dann küssten sie sich. Erst zaghaft, dann immer
fordernder. Der ganze Schmerz der letzten Woche viel von ihr ab. Sie genoss
es einfach nur. Sie genoss es unendlich. Sie klammerte sich an Kian fest. Nach
einer kleinen Unendlichkeit lösten sie sich voneinander. "Kian…. Kian…
das war falsch. Sehr falsch!" Kian nickte. "Falsch aber wunderschön!" Er
umarmte sie fest und Alexa hatte das Gefühl, hier und jetzt die Zeit anhalten
zu müssen. Aber es ging nicht. Von draußen erklang der Lärm
der letzten Gäste, jeden Moment konnte einer von ihnen an die Tür
klopfen. "Wie soll es jetzt weitergehen?", fragte Alexa. Kian zuckte mit den
Schultern: "Ich weiß es nicht. Aber ich weiß eines: Ich will die
nicht mehr verlieren. Nicht mehr so wie damals. Nie wieder!" Alexa nickte. Kian
fuhr fort: "Wir können unserer Beziehung geheim halten?" Alexa zögerte.
"Ich weiß es nicht. Das geht vielleicht am Anfang gut. Aber was, wenn
ich in zwei Wochen wieder in Deutschland bin? Was, wenn uns vorher jemand auf
die Schliche kommt?" "Ich weiß es nicht!" "Man kann eine Ehe innerhalb
von 24 Stunden annullieren." Kian zuckte zusammen: "Nein, dass geht nicht. Ich
kann mich nicht von Vicky trennen." "Aber warum denn nicht?" "Ich kann nicht
darüber reden. Aber es geht einfach nicht!" Alexa schaute ihn verwirrt
an. "Ich denke, es ist besser, wenn wir jetzt wieder runtergehen. Vielleicht
ist es das Beste, wir vergessen dass hier alles und ich fliege in den nächsten
Tagen zurück nach Deutschland.", sagte sie. "NEIN! Bitte Alexa. Geh nicht!
Wir müssen es irgendwie versuchen. Ich liebe dich so sehr. Ich würde
es nicht überleben, getrennt von dir zu sein." Er begann wieder zu weinen.
"Lass uns die Entscheidung trotzdem verschieben. Ich will nicht, dass die anderen
etwas merken!" Kian nickte und wischte sich die Augen trocken. Alexa schloss
die Tür auf und verließ als erstes das Zimmer. Sie ging direkt in
ihr Zimmer um ihre verlaufene Schminke zu verbessern. Mittlerweile war es fast
5 Uhr. Kerry und Gillian hatten beschlossen über Nacht zu bleiben, da es
unmöglich war ihre Männer in diesem Zustand ins Hotel, bzw. nach Hause
zu bringen. Deswegen bezogen die beiden Frauen eines der zwei übrig gebliebenen
Gästezimmer. Kian rief für Nicky und Georgina ein Taxi. Die beiden
hatten sich bereit erklärt, Mark, der mittlerweile auch schon lallte, bei
sich übernachten zu lassen. Isabelle und ihr Freund Stefan bezogen das
letzte Gästezimmer und Susy und ihr Freund Jonas fuhren mit einem Taxi
in ihr Hotel, in dem auch die anderen Gäste untergebracht waren. Lukas
hatte auch einiges über den Durst getrunken, sodass Alexa ihn als erstes
in sein Bett brachte, bevor sie Kian und Vicky noch beim aufräumen half.
Sie mied Kians Blick und hielt sich nur in der Nähe von Vicky auf, damit
Kian ihr nicht noch einmal zu nahe kam. Sie war mehr durcheinander als je zuvor.
Was war passiert, dass Kian Vicky heiraten musste? Überhaupt, warum konnte
er nicht mit ihr darüber reden? Warum sagte er ihr das alles erst nach
der Hochzeit. Vielleicht hätten sie vor der Hochzeit gemeinsam eine Lösung
gefunden?! Sollte sie mit Vicky darüber reden? Nein, es war klar, dass
Vicky Kian über alles liebte. Vielleicht wusste sie von der Sache gar nichts
oder wollte auch nicht drüber reden. Und nachher wäre Kian sicher
sauer, wenn sie im Alleingang handeln würde. Alexa verabschiedete sich
von Kian und Vicky und ging in ihr Zimmer. Sie wollte jetzt alleine sein und
nachdenken, auch wenn ihr Verstand vom Alkohol etwas benebelt war.
Am nächsten Morgen, bzw. Nachmittag war sie früher wach als alle anderen.
Das Haus lag verlassen und still da. Lukas neben ihr atmete ruhig und tief.
Im Haus und Garten waren immer noch Spuren von der vergangenen Nacht zu sehen.
Alexa kümmerte sich nicht groß darum, sondern ging direkt in die
Küche um Kaffee kochen. Mit einer Tasse stellte sie sich dann in den Garten.
Die Tische waren noch nicht aufgeräumt und es lagen auch noch einige Flaschen
herum. Alexa ließ sich auf einem Gartenstuhl nieder. Es war angenehm warm,
kein Wunder es war schon nach 14 Uhr. Plötzlich hörte sie hinter sich
ein Geräusch. Sie drehte sich um. Es war Kian, der eine Flasche beiseite
gekickt hatte. "Morgen!", grummelte er. "Morgen!", sagte Alexa schon wieder
halbwegs fit. "Na, wie war deine Hochzeitsnacht?" Alexa konnte sich diesen Kommentar
nicht verkneifen. Kian schaute sie erschrocken an und wurde dann leicht rot.
"Ganz okay!" Er stellte seine Kaffeetasse auf den Tisch und setzte sich zu ihr.
"Aber mit dir wäre sie sicher schöner gewesen!", sagte er. Jetzt war
es Alexa, die erschrocken schaute. Wie konnte er so reden, wenn er gerade mal
24 Stunden verheiratet war? "Ja sorry, ich weiß ich soll so was nicht
sagen. Aber es fällt mir schwer, dich anzulügen!", entschuldigte sich
Kian. Alexa nickte und nahm dann allen Mut zusammen: "Willst du mir nicht sagen,
warum du Vicky heiraten musstest?" Kian blickte von seinem Kaffee auf. Sein
Blick war plötzlich wieder so leer und das Funkeln in seinen Augen war
verschwunden. Er zögerte einen Moment.
Dann sagte er: "Alexa, so gern ich es würde, ich kann es nicht. Glaub mir,
wenn du es weißt, dann würdest du dir wünschen, es nicht zu
wissen." "Meinst du nicht, es ist schlimmer für mich, es nicht zu wissen?"
"Nein, das denke ich nicht." "Vertraust du mir nicht genug? Ist es das?" Kian
schüttelte den Kopf: "Doch ich vertraue dir. Sehr sogar." "Also…!" "Nichts
‚Also’. Ich kann es dir nicht sagen. Nicht mal Vicky weiß es. Vielleicht
wirst du es früher oder später erfahren." Alexa wollte und konnte
sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben, aber Kians Tonfall hatten so
etwas Abschließendes und sein Blick sagte ihr, sie sollte lieber den Mund
halten. Stattdessen fragte sie: "Und wie soll es jetzt weiter gehen?" Kian zuckte
mit den Schultern. "Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mit
dir zusammen sein will, auch wenn es nicht geht. Ich liebe dich! Vielleicht
können wir uns doch heimlich treffen?!" Alexa zuckte mit den Schultern.
"Du weißt was ich heute Nacht zu dir darüber gesagt habe, oder?"
"Ja, dass weiß ich. Aber wir könnten es versuchen." "Und was, wenn
es Vicky oder jemand anderes herausbekommt. Wenn du dich nicht von ihr trennen
kannst, sie sich aber von dir trennt, was ist dann?" "Dann kommt es auf den
Trennungsgrund an und ich stehe da sicher nicht sehr gut da." "Aber warum gehst
du dann das Risiko ein, mit mir eine geheime Beziehung zu führen? Du bist
berühmt, ständig sind Fotografen da wo du bist. Die Chance, dass es
nicht entdeckt wird ist so minimal." "Ich liebe dich. Das ist der einzige Grund.
Ich will mit dir so oft zusammen sein, wie es geht! Auch wenn es sehr sehr riskant
ist." Alexa war den Tränen nahe. Tränen der Freude und gleichzeitig
Tränen der vollkommenen Verzweiflung. Kian legte seine Hand auf ihre und
streichelte sie sanft. "Vicky arbeitet nächste Woche wieder, ich aber hab
frei. Vielleicht können wir ja was zusammen unternehmen." Alexa nickte.
"Ja, können wir. Wenn Lukas morgen abreist, dann bin ich auch froh. Ich
kann im Moment einfach nicht unbekümmert mit ihm reden, ihn küssen
oder mit ihm schlafen. Verstehst du?" Kian nickte. "So geht es mir auch!" "Ach
da seit ihr!", rief Vicky von der Haustüre her. Kian und Alexa drehten
sich ertappt um und Kian nahm schnell seine Hand, die bis zu dem Zeitpunkt auf
Alexas lag zurück. Vicky kam zu ihnen und strahlte übers ganze Gesicht.
"Na, genießt ihr schon die Morgensonne?" "Morgensonne? Du bist gut! Es
ist gleich 14.30Uhr." "Echt?? Ich hab gar nicht auf die Uhr geschaut, als ich
aufgestanden bin!" Sie grinste wieder und ließ sich neben die beiden auf
die Bank fallen. "Meine Güte, Shane und Gillian und Bryan und Kerry schlafen
auch ewig!", sagte Kian um schnell ein neues Thema zu beginnen. "Ich glaube
nicht, dass sie schlafen, wenn man den Geräuschen nachgeht, die durch den
oberen Stock des Hauses gehen. Vorher hab ich echt gedacht, ein Bett wäre
zusammengekracht!" Alle drei mussten lachen als die Türe erneut aufging
und Shane, gefolgt von Gillian in den Karten kam. Beide schaute etwas bedrückt.
Vicky fragte: "Geht’s euch nicht gut? Ihr schaut irgendwie ein bisschen komisch
aus." "Ähm…na ja… also… Gill, sag du auch mal was!" "Also na ja…uns geht
es gut, aber eurem…ähm…eurem Bett, nicht so sehr!" "Was ist denn passiert?"
Shane grinste verlegen und kratzte sich am Hinterkopf. "Also wir waren wohl
ein bisschen zu wild und jetzt steht halt nur noch das Gestell und die Matratze
und der Rose liegen auf dem Boden!" "Aber auf dem Boden schlafen ist sicher
auch nicht schlecht!", fügte Gillian schnell hinzu und wurde rot. Alexa,
Vicky und Kian brachen in lautes Lachen aus. "Warum lacht ihr denn?", fragte
Shane verwirrt. "Nicht….so….wichtig…!", presste Kian hervor. "Ja, ist schon
okay!", sagte jetzt Vicky. Wir kaufen ein neues oder lassen es so. Dann können
Kian und ich auch mal testen, wie man so auf dem Boden "schläft"!" Sie
zwinkerte Kian verschwörerisch zu, was Alexa einen Stich in der Brust versetzte.
In dem Moment kamen Kerry und Lukas heraus. "Morgen allerseits!", grüßte
Kerry. "Morgen! Wo hast du denn deinen Mann gelassen?" "Der schläft noch!
Ich bin bei dem Krach vorher allerdings aufgewacht. Das hat sich angehört
wie eine Explosion!" "War es in gewisser Weise auch!", sagte Shane und erntete
von Gillian einen Klaps auf den Hinterkopf. "ich würde sagen, wir suchen
uns jetzt was zum frühstücken. Bzw. für einen Brunch! Ich hab
nämlich ziemlich Hunger!", wechselte Vicky jetzt schnell das Thema. Alle
waren einverstanden und gingen gemeinsam in die Küche. Kerry brachte eine
Packung Aspirin, die Lukas und Shane dankbar annahmen. Bryan kam in die Küche
und sagte: "Wusst ich’s doch, dass es hier was zu essen gibt! Das hab ich gerochen!"
Er ließ sich auf einen Stuhl fallen und schnappte sich ein Brötchen.
Nach dem Essen fuhren Bryan, Kerry, Shane und Gillian heim, aber erst nachdem
sich alle das kaputte Bett angeschaut hatten. Shane und Gillian ernteten noch
einige Lacher und alle wussten schon jetzt, dass sie noch viele Jahre darüber
lachen werden würden. Besonders Bryan machte sich lustig über die
beiden. "Na Shorty, da hast du es wohl ein bisschen zu wild getrieben!" Er betonte
das Wort ‚getrieben’ besonders deutlich, sodass die anderen wieder anfingen
zu lachen und Shane und Gillian tief dunkelrot anliefen.
Den restlichen Tag verbrachten sie daheim. Lukas hatte seine Sachen gepackt,
denn er würde am nächsten Morgen wieder nach Deutschland fliegen.
Vicky bereitete sich in ihrem Zimmer auf den morgigen Arbeitstag vor. Sie arbeitete
als Kindergärtnerin und musste noch einiges für den nächsten
Tag planen. Alexa hatte sich mit einem Buch in den Garten verzogen und Kian
schwamm einige Runden im Pool. Alexa fiel es sichtlich schwer, sich auf den
Roman zu konzentrieren, wenn fast unmittelbar neben ihr Kian seine Bahnen zog.
Gegen 18 Uhr kamen auch Vicky und Lukas in den Garten. Während die Frauen
es sich in den Liegestühlen bequem machten, schwammen die Männer noch
eine Weile, bis auch sie den Pool verließen und sich zu ihren Freundinnen
bzw. Frauen setzten. Lukas flüsterte Alexa ins Ohr, dass er gerne noch
ein wenig mit ihr allein sein wollte. Das war zwar des Letzte was Alexa jetzt
wollte, aber es würde das letzte Mal sein bevor Lukas morgen wieder abreisen
würde und sie wollte nicht, dass er unangenehme Fragen stellte. Deshalb
verabschiedeten sie sich schon früh von Vicky und Kian und gingen auf ihr
Zimmer.
Am nächsten Morgen schlief Alexa lang. Als sie aufwachte war das Bett neben
ihr schon leer, allerdings stand Lukas’ Reisetasche noch im Raum, woraus Alexa
schloss, dass er noch nicht abgereist war. Sie zog sich an und ging dann hinunter.
Vicky rannte aufgeregt herum und sagte: "Oh Mann, jetzt war ich eine Woche nicht
arbeiten und ich blick schon gar nicht mehr durch. Hast du meine Tasche gesehen?"
"Meinst du so eine dunkelblaue?" Vicky nickte. "Die steht oben neben der Badtüre."
"Danke Vicky, du bist ein Schatz!" "Wo sind denn Lukas und Kian?" "Kian zeigt
Lukas gerade seine Autos. Das haben die beiden irgendwie die ganze Zeit verpasst
und jetzt wollen sie es noch schnell nachholen! Ich muss jetzt leider los. Ich
komm gegen 16 Uhr wieder. Ich muss in der Mittagspause im Kindergarten bleiben
und nach dem Rechten sehen. Kian fährt Lukas nachher mit einem seiner Ferraris
zum Flughafen. Dann musst du dich eben schon hier von ihm verabschieden!" Alexa
nickte und grinste: "Kein Problem! Männer und Autos!" "Hey, das haben wir
gehört, sagte Lukas, der gerade gefolgt von Kian die Eingangshalle betreten
hat. Vicky und Alexa grinsten sich an, dann sagte Vicky: "Also Leute ich muss
los! Tschüss Lukas, war schön dass du da warst, ich denke wir sehen
uns noch öfters." Sie umarmte ihn kurz. "Ja, denke ich auch! Ich fand es
toll hier!" "Okay, tschüss Schatz, bis heut Nachmittag! Bye Lex." Sie umarmte
alle noch einmal kurz und war dann auch schon verschwunden. "Okay Lukas, ich
denke es ist auch Zeit, dass wir losfahren. Auch wenn wir ein sehr sehr schnelles
Auto haben, sollten wir rechtzeitig losfahren." Lukas nickte und verschwand
im Zimmer um seine Tasche zu holen. "Okay Schatz! Jetzt heißt es wieder
Abschied nehmen! Ich werd dich so vermissen!" "Ich dich auch!" Sie küssten
sich. "Bye, ich liebe dich!" "Ich dich auch! Ich ruf an, wenn ich gelandet bin!"
Nach einem weiteren kurzen Kuss machten sich die beiden auf den Weg in die Garage.
Alexa stellte sich an die Tür um zu winken als die beiden vorbeibrausten.
Dann ging sie ins Haus um zu frühstücken. Sie war sich sicher, dass
die Lukas nicht wirklich vermissen würde. Ganz im Gegenteil, in gewisser
Weise war sie froh, dass er weg war. So hatte sie ein Problem weniger und am
Telefon konnte sie ihm eher sagen, dass sie ihn liebte, als wenn er direkt vor
ihr stand und sie ihm ins Gesicht lügen müsste. Sie mochte Lukas,
keine Frage und sie liebte ihn auch in gewisser Weise, aber nicht so, dass es
für eine Beziehung reichen würde. Sie hatte es die letzten beiden
Monate nie bemerkt, aber als sie Kian wieder getroffen hatte wurde ihr wieder
bewusst, was wahre Liebe eigentlich war. Sie war so in Gedanken versunken, dass
sie gar nicht merkte, dass Kian wieder heimkam. Ihr Kaffee war schon lange kalt
und das Brötchen gegessen, als er in der Tür stand. Seine Augen glitzerten
voller Vorfreude als er sagte: "So, jetzt haben wir beide endlich ein bisschen
Zeit für uns!"
Alexa blickte ihn verwirrt an. Kian stand immer noch im Türrahmen und lächelte. "Was meinst du damit?", fragte Alexa, während sie den letzten Schluck ihres Kakaos trank. "Rat mal!" Alexa hatte schon eine Idee, aber diese verschob sie schnell wieder. Viel zu verwirrend war diese. Sie zuckte mit den Schultern. Kian lächelte immer noch. "Tja, dein Freund ist weg, meine Frau ist weg." Alexa wurde klar, das sie mit ihrem Gedanken nicht Unrecht hatte. Kian wollte sie. Und sie wollte Kian. Soviel war klar. Das wusste sie, dass wusste er. Aber beide wussten auch, dass es falsch war. Alexa stand auf und begann die Sachen vom Frühstück aufzuräumen. Sie konnte Kians Blick nicht standhalten und brauchte irgendeine Beschäftigung. Als sie sich gerade über die Spülmaschine gebeugt hatte, merkte sie, dass Kian hinter sie getreten war. Er legte seine Hand auf ihren Rücken und fuhr langsam auf und ab. Alexa konnte seine Finger auf ihrem Rücken spüren und das Verlangen nach ihm wurde noch größer. Mit zittrigen Fingern fuhr sie fort, das Geschirr einzuräumen. Als ihr eine Tasse entglitt und auf dem Boden zersprang fuhr sie zurück. "Kian, ich … es ist falsch!" "Hey, ganz ruhig!" Er hatte die ganze Zeit nicht aufgehört ihren Rücken zu streicheln. "Scherben bringen Glück!", fuhr er fort. Alexa drehte sich um und wollte den Raum verlassen. Sie wollte Kians Berührungen, die in ihr ein Chaos auslösten entkommen. Aber Kian folgte ihr hinaus in die Halle. "Alexa, du brauchst nicht davonlaufen. Ich weiß genau, dass du es auch willst!", sagte er ruhig und leise. ‚Oh Gott, du hast so Recht!’, dachte Alexa, aber sie sagte: "Nein, ich will es nicht! Es ist falsch, dass wissen wir beide. Du willst Vicky nicht verletzen und ich will Vicky und Lukas nicht verletzen!" Kian war wieder zu ihr getreten und streichelte wieder ihren Rücken. Er wusste genau, dass Alexa das liebte. "Niemand wird es erfahren. Und ich kenne dich bereits gut genug, dass ich weiß, wann du mich anlügst!" Seine Bewegungen auf ihrem Rücken wurden schneller und bestimmter. Alexa war hin und her gerissen. Ihr Herz und ihr Körper sagten Ja ihr Verstand Nein. Schon einmal hatte sie auf ihren Verstand gehört und es danach bereut. Sollte sie es jetzt wieder tun? Kian hatte Recht, niemand würde es erfahren. Aber wie würde sie sich danach fühlen? Konnte sie Vicky überhaupt noch gegenüber treten? Kian legte seine Finger an ihr Kinn und drehte ihren Kopf: "Alexa, sieh mir in die Augen und sag mir, dass du nicht mit mir schlafen willst!" Alexa versuchte sich zu wehren, aber sie konnte es nicht. Sie wusste genau, wenn sie in seine Augen blicken würde, war es um sie geschehen. "Sieh mir in die Augen !", wiederholten Kian ruhig. Alexa hob ihren Blick. Sie liebte seine Augen, sie liebte ihn. Kein Zweifel. Und sie wollte ihn. Hier und jetzt. Langsam näherte sich ihr Gesicht dem seinen. Auf Kians Gesicht zeichnete sich ein zufriedenes Lächeln ab. Als sich ihre Lippen trafen, explodierte etwas in Alexa. Die Lust regierte ihren Körper. Der Kuss begann langsam und sinnlich und wurde dann von beiden Seiten aus immer fordernder und stürmischer. Kian drückte Alexa mit sanfter Gewalt gegen die Wand und stützte sich mit der einen Hand neben ihr ab, während er mit der anderen unter ihr T-Shirt fuhr. Alexa entfuhr ein leises Stöhnen als sie seine kühle Hand auf ihrer heißen Haut spürte. Ihr Hände fuhren Kians Rücken auf und ab und wanderten immer ein Stück tiefer. Kian streichelte ihre Brüste, erst langsam, dann etwas fester. Alexa entfuhr immer wieder ein leises Stöhnen, was Kian nur noch mehr anspornte. Mit ihrem Bein fuhr Alexa an Kians auf und ab und konnte nicht selten mit dem Knie die Wölbung zwischen seinen Beinen spüren. "Lass uns hoch gehen!", keuchte Kian. Alexa war unfähig etwas zu erwidern. Eng umschlungen und sich immer wieder küssend erreichten sie schließlich das obere Stockwerk. Als Kian sie langsam Richtung Schlafzimmer drängte schob Alexa ihn ein Stück weg und sagte: "Nicht in eurem Ehebett. Das kann ich nicht!" Kian nickte und schlug eine andere Richtung ein. Sie erreichten eines der leeren Gästezimmer. Mit einer Hand öffnete Kian die Türe, mit der anderen streichelte er unablässig Alexas Rücken. Sie hatte ihren Arm um seinen Hals geschlungen und spielte mit seinen Nackenhaaren. Sie spürte die Gänsehaut, die sich auf Kians Haut breit machte. Er ließ die Türe zufallen und schob Alexa Richtung Bett. Unterwegs übernahm Alexa die Führung. Sie drehte sich um und schuckte Kian gekonnt aufs Bett. Da lag er nun und schaute sie voller Verlangen an. Alexa grinste und kniete sich über ihn. Langsam schob sie ihm Stück für Stück sein Shirt nach oben. Immer mehr von seinem Bauch wurde sichtbar. Als sie seinen Nabel erreichte stoppte sie und beugte sich über ihn. Sie begann seinen Bauch zu küssen, dann den Nabel. Kian seufzte immer wieder leise. Die Wölbung in seiner Hose war jetzt nicht mehr nur zu spüren, sondern auch zu sehen. Aber Alexa wollte ihn noch ein bisschen zappeln lassen. Jetzt war es sowieso zu spät. Sie schob das Shirt immer weiter nach oben. Mit der Zunge umspielte sie seine Brustwarzen, was Kian besonders gefiel, denn der begann sich an ihren Haaren festzukrallen. Er hob seinen Oberkörper ein bisschen, damit sie ihm das T-Shirt abstreifen konnte. Sie küsste seine Brust, seinen Hals, seine Ohrläppchen, seinen Mund. Dann übernahm er wieder das Kommando. Er drehte sich urplötzlich um, sodass sie unter ihm lag. Jetzt spielte er dasselbe Spiel mit ihr. Stück für Stück schob er ihr T-Shirt nach oben und zog es ihr schließlich ganz aus. Dann zog er ihr ihren BH aus und warf in unbeachtet aus dem Bett. Er begann ihren Nabel, ihren Bauch und ihre Brüste zu Küssen. Alexa wandte sich voller Lust unter seinen Lippen. Lange konnte und wollte sie nicht mehr warten. Während sie sich leidenschaftlich küssten, öffnete sie ihm seine Jeans und schob sie Stück für Stück nach unten. Dann warf sie sie aus dem Bett. Seine schwarze Boxershorts war eindeutig zu eng, aber jetzt war erstmal sie an der Reihe. Kian zog ihre Hose nach unten und auch diese landete irgendwo neben dem Bett. Alexa streichelte Kians Po, bevor sie ihn auch der Unterhose entledigte. Seine ganze Männlichkeit ragte ihr entgegen. Sie musterte ihn ungeniert und konnte sich ein Grinsten nicht verkneifen. Nun wollte Kian auch nicht mehr warten. Er zog ihr den Tanga aus und warf ihn weg. Sanft drängte er sich zwischen ihre Beine. Während eines stürmischen Kusses drang er in sie ein. Alexa entfuhr ein lautes Stöhnen und sie warf den Kopf nach hinten. Vergessen war das schlechte Gewissen gegenüber Vicky und Lukas. Vergessen war ihr Verstand, der ihr sagte, dass es falsch war. Jetzt zählte nur noch das hier und jetzt. Sie und Kian. Kian bewegte sich langsam in ihr. Alexa krallte sich in seinem Rücken fest, darauf bedacht, keine Kratzer zu hinterlassen. Sie schauten sich in die Augen und Alexa konnte seine Lust sehen. Seine Begierde und sein Verlangen sie zu spüren. Sie bewegte ihr Becken mit und signalisierte Kian so, dass sie mehr wollte. Kian stieß immer schneller und heftiger zu. Zwischen heißen feuchten Küssen entfuhr beiden immer wieder ein lautes Stöhnen. "Kian…ich komm…ich komm gleich!", keuchte Alexa und schlang ihre Beine um Kians Becken. Auch Kian spürte, dass er sich nicht mehr lange halten und konnte und nickte. Er stieß noch ein oder zweimal tief zu, dann bäumte sich Alexas Körper unter ihm auf und sie stieß einen lustvollen Schrei aus. Kian konnte das Zittern spüren, dass sie durchfuhr, als sie ihren Höhepunkt erreicht hatte. Das gab auch ihm den Rest und er erreichte seinen Höhepunkt. Er sank auf ihren Körper herab. Auf seiner Stirn standen Schweißperlen, seine Haare waren feucht. Alexa strich ihm sanft eine Strähne aus dem Gesicht. Immer noch schwer atmend küssten sie sich. Einige Minuten später hatte Kian sich wieder gefasst: "Oh Gott, Lex, dass war so…so…wunderschön! Noch viel schöner als unser erstes Mal damals am Strand!" Alexa nickte. "Es war zu schön! Wir hätten es nicht tun…!" Aber Kian stoppte sie mit einem sanften Kuss und Alexa hatte schon wieder alles was sie gerade sagen wollte vergessen.
Kian unterbrach den Kuss abrupt. "Los komm, wir gehen schwimmen!" "Was?", Alexa
schaute in ungläubig an. "Ja! In den Pool. So wie damals in Frankreich!
Das ist zwar nicht das Meer, aber immerhin!" Er sprang aus dem Bett und zog
Alexa mit sich. Im Bad holte er schnell zwei Handtücher. Er machte nichtmal
die Mühe, sich etwas anzuziehen. "Warte mal! Wir können doch nicht
einfach nackt in den Garten!? Wenn da Fans sind oder Reporter?" "Ach quatsch!
Die Mauer um das Haus ist so hoch und außerdem doch noch einmal zusätzlich
durch eine kleinere Mauer geschützt!" Alexa gab sich geschlafen und rannte
Kian voraus. "Wer als erster im Wasser ist!", rief sie ihm zu. Kian ließ
die Handtücher fallen und spurtete hinterher. Aber Alexa war schon längst
wieder aufgetaucht, als er mit einem Kopfsprung ins Wasser tauchte. "Das war
unfair. Du bist früher gestartet!" "Du bist nur ein schlechter Verlierer!"
"Okay okay, du warst schon immer gut im Rennen." Mit zwei schnellen Schwimmstößen
war er zu ihr geschwommen und hatte sie untergetaucht. Als sie prustend und
hustend wieder auftauchte starrte sie ihn gespielt böse an: "Kian Egan,
was soll das???" "Was denn!?" Er stürzte sich auf ihn und warf ihn um.
Unter Wasser blickten sie sich tief in die Augen und küssten sich. Unter
Wasser hatte das alles noch eine größere Intimität und Nähe.
Alexa konnte bei Kian eine erneute Erregung spüren, was sie freute. Den
Rest des Vormittags vergnügten sich die beiden im Pool und zum Schluss
noch im Wohnzimmer. Alexa hatte die ganze Zeit mühelos ihr schlechtes Gewissen
verdrängt aber je näher 16 Uhr und somit Vickys Feierabend rückte,
umso mehr meldete es sich zurück. Auch Kian schaute nicht mehr ganz so
glücklich aus der Wäsche. Sie saßen beide wieder angezogen und
frisch geduscht auf dem Sofa und kuschelten. "Was sollen wir denn jetzt machen?
Wie soll es denn weitergehen?", fragte Alexa. "Ich weiß es nicht. In zwei
Wochen reist du wieder ab!" "Je öfters wir miteinander schlafen umso stärker
wird meine Liebe zu dir." "Geht mir genauso! Ich kann dich nicht so einfach
gehen lassen!" "Es wird uns aber nichts anderes übrig bleiben. Und wenn
du nicht mit mir redest, was passiert ist, dann finden wir auch keine Lösung!"
"Alexa, bitte ich kann nicht. Setz mich nicht so unter Druck. Für mein
Problem gibt es keine Lösung!" "Für jedes Problem gibt es eine Lösung!
Vielleicht finden wir zusamm…!" "Psst! Vicky kommt!" Kian war innerhalb von
einer Sekunde zwei Meter von Alexa weggerutscht und sagte überdeutlich
laut: "Ja, Titanic ist auch einer meine Lieblingsfilme, obwohl ich sonst nicht
so auf Liebesfilme stehe!" Alexa schaute ihn einen Moment völlig perplex
an und stieg dann in das Gespräch mit ein. "Also ich mag Liebesfilme! Aber
das kommt auch immer auf die Situation an und darauf, wie es mir gerade geht!"
In dem Moment kam Vicky ins Wohnzimmer. "Hey ihr zwei Süßen!" Kian
und Alexa begrüßten sie. "Boah bin ich geschafft! Ich wusste gar
nicht mehr, wie anstrengend arbeiten sein kann. Darling, ich brauch heut dringend
eine Massage!" Sie zwinkerte Kian zu. "Hm ja!" Vicky lehnte sich zurück
und seufzte: "Am besten eine Ganz- Körper- Massage!" Kian nickte und als
Vicky gerade wegschaute warf er ihr einen verzweifelt- genervten- Blick zu.
Den Rest des Nachmittags verbrachten sie mit Schwimmen, Reden und Fern schauen.
Vicky musste am nächsten Tag wieder den ganzen Tag arbeiten und schlug
Kian vor, mit Alexa einen Ausflug ans Meer zu machen. Sie würden zwar eine
Weile an die irische Westküste fahren müssen, aber sowohl Kian als
auch Alexa waren sofort einverstanden. Immerhin bedeutete dass, sie waren den
ganzen Tag zusammen ohne Vicky. Außerdem konnte Kian einen Abstecher nach
Sligo zu seinen Eltern machen, die ebenfalls nach der Hochzeit gleich wieder
nach Hause gefahren waren. Am Abend, als Alexa alleine in ihrem Bett lag, dachte
sie, wie schon sooft zuvor, über ihre Situation nach. Wie sie alles auch
drehte, sie konnte keine Lösung finden und ohne, dass Kian mit ihr geredet
hatte, ging das überhaupt nicht. Vielleicht bekam sie morgen ja etwas aus
ihm heraus. Gegen Mitternacht schlief sie endlich ein. Der Tag hatte sie ordentlich
geschafft und sie und Kian wollten morgen schon ganz früh aufbrechen. Noch
vor Vicky.
Am Morgen wurde Alexa dann vom Klingeln ihres Handyweckers geweckt. Genervt
schlug sie drauf, aber als ihr einfiel, dass sie heute den ganzen Tag mit Kian
verbringen würde, sprang sie erfreut aus dem Bett. Sie hatte beschlossen
einfach nicht an morgen oder übermorgen zu denken. Sondern nur an das Hier
und Jetzt! Sie wollte nicht wissen, was in zwei Wochen sein würde, wenn
sie wieder auf dem Weg nach Deutschland war und Kian womöglich eine lange
Zeit nicht sehen würde. Sie hatte seit sie hier war schon mehrmals mit
dem Gedanken gespielt, mit Lukas Schluss zu machen. Sie konnte nicht mit ihm
zusammen sein, wenn sie Kian so sehr liebte. Sie zog sich ihren schwarzen Bikini
an, darüber ein weißes Top und ihren Jeansminirock. Dann sprang sie
leichtfüßig die Treppen hinunter in die Küche. Kian war schon
da und bereitete ein kleines Frühstück und außerdem einen großen
Korb voll Essen für den ganzen Tag. "Morgen Schatz!", sagte er leise und
küsste Alexa schnell und sanft auf die Lippen. "Psst!" "Keine Angst, Vicky
schläft noch tief und fest. Ich werde sie nachher wecken, wenn wir fahren!"
Das Frühstück verlief schweigsam. Keiner wusste so recht, was er sagen
sollte, denn das über was sie reden wollten, war zu gefährlich um
es anzusprechen. Gegen 8 Uhr verließ Kian die Küche und brachte den
Korb ins Auto. Sie hatten beschlossen mit dem Jeep zu fahren. Dann ging er Vicky
wecken. Diese winkte Alexa und Kian noch nach als sie abfuhren. Die ersten Minuten
verliefen ruhig. Kian konzentrierte sich auf den morgendlichen Verkehr und Alexa
schaute einfach nur aus dem Fenster. Erst als sie aus der Stadt raus fuhren,
wurden beide gesprächiger. "Meinst du Vicky hat irgendwas gemerkt?", fragte
Alexa. "Nein! Wie kommst du denn da drauf?? Hat sie irgendwas gesagt?" Kian
war erschrocken auf die Bremse getreten und starrte sie an. Alexa schüttelte
den Kopf: "Nein nein, mach dir keine Sorgen! Aber es hätte ja sein können.
Ich hab nämlich schon ein schlechtes Gewissen!" Kian nickte und gab wieder
Gas. "Ich auch!" Knapp zwei Stunden später erreichten sie ihr erstes Ziel:
Sligo! Dort waren sie von Kians Eltern zum Essen eingeladen worden. Kian fuhr
zuerst zu seinen Eltern, begrüßte sie und machte dann mit Alexa eine
Führung durch Sligo. Hin und wieder begegnete er alten Freunden und Bekannten
die ihm zur Hochzeit gratulierten und mit denen er ein bisschen redete. Dann
gingen sie wieder zurück. In seinem Zimmer ließen sie sich aufs Bett
fallen. Kian sagte: "Ich genieße den Tag mit dir so sehr. Am schönsten
wäre es, wenn er nie mehr enden würde. Vorher in der Stadt zum Beispiel.
Vicky hat immer gemeckert wenn ich mich mit meinen Freunden unterhalten hab.
Du nicht." Alexa lächelte und küsste ihn auf die Wange. Kian aber
drehte ihren Kopf zu sich und begann sie richtig zu küssen. Langsam schob
er ihr Top nach oben und wollte mehr, aber Alexa sagte: "Hey warte mal, deine
Mutter kann jeden Moment zum Essen rufen. Heben wir uns das für später
auf!" "Ach menno!" "Nichts da! Vorfreude ist die schönste Freude!" Wieder
küssten sie sich, als plötzlich die Tür aufging.
"Essen ist fer….! KIAN!?" Alexa und Kian fuhren auseinander. Kians Mutter
stand in der Tür und starrte von einem zum anderen. "Also…mir…das gibt’s
doch nicht! Kian du bist gerade mal 2 Tage verheiratet!" "Mum, es tut mir Leid!
Ich muss dir da was erklären! Das ist Alexa!" "Ja, aber das weiß
ich doch schon!" "Alexa! Erinnerst du dich nicht an den Sommer vor 5 Jahren?"
"Frankreich? DAS ist die Alexa, nach der du solange gesucht hast? DU bist das?
Oh Gott, ich hab dich gar nicht erkannt!" Alexa schaute etwas verlegen auf den
Boden. "Aber wenn ihr euch liebt, warum hast du dann Vicky geheiratet?" "Ich
glaube, wir sollten jetzt Essen gehen. Sonst wird es kalt!", blockte Kian ab.
Alexa nickte zustimmend und auch Kians Mutter drehte sich um und ging ins Esszimmer.
Kian und Alexa blickten sich an, aber beide wussten nicht, was sie sagen sollten.
Das Essen verlief Recht schweigsam. Kians Vater und seine Geschwister schienen
zu spüren, dass irgendwas nicht stimmte und hielten auch den Mund.
Nach dem Essen verabschiedeten sie sich gleich, mit der Ausrede, schnell ans
Meer zu wollen. Im Auto sagte Alexa: "Oh Gott, war das peinlich! Was denkt deine
Mutter denn jetzt von dir?" Kian zuckte mit den Schultern: "Es war schon ziemlich
scheiße. Ich weiß!" "Du hast auch ihr nicht erzählt, was passiert
ist. Sie wusste es auch nicht!", entfuhr es Alexa. "Ich weiß."
Eine weitere Stunde später erreichten sie das Meer. Mittlerweile war das
Wetter herrlich warm. Während Alexa am recht verlassenen Strand eine Decke
ausbreitete zog Kian in Windeseile seine Klamotten aus, warf sie in den Sand
und rannte los Richtung Wasser. Alexa schüttelte nur den Kopf. ‚Typisch
Kian!’, dachte sie und entledigte sich ihrer Klamotten. Dann ging auch sie zum
Wasser. Kian schwamm schon einige Meter weiter draußen und beobachtete
sie. Alexa ging langsam und gemächlich ins Wasser, auch wenn es nicht kalt
war. Sie wollte Kian noch ein bisschen zappeln lassen, denn sie wusste, dass
er nur darauf wartete, in die nahe gelegene einsame Bucht zu schwimmen. Sie
tauchte unter und schwamm Richtung Kian. Als sie ihn erreichte, zwickte sie
ihm in den Hintern. Durchs Wasser gedämpft hörte sie an der Oberfläche
einen Schrei, dann tauchte sie prustend und lachend neben ihm auf. "Alexa??
Bist du wahnsinnig." Unter Wasser rieb er sich mit einer Hand sein Hinterteil.
Alexa lachte, schaute sich dann schnell um, und als sie sah, dass niemand hersah,
zwickte sie ihn noch einmal. Kian stürzte sich auf sie und tauchte sie
unter. Dann sagte er: "Los komm, schwimmen wir zur Bucht. Hier besteht Gefahr,
dass mich jemand erkennt." Mit schnellen Zügen war er voraus geschwommen.
Die Bucht war nicht wirklich eine Bucht, sondern eher ein Teil des großen
Strandes, der nur durch einen bekannten Weg zu erreichen war. Dort war auch
Sand, aber er war so durch Steine abgetrennt, dass keiner hersah. Über
Landweg konnte man ihn gar nicht erreichen, nur übers Wasser. Kian schwamm
voraus und half Alexa dann aus dem Wasser, als es etwas steiniger wurde. Hinter
dem Sand begann Gras zu wachsen. Dorthin lief Kian jetzt und ließ sich
ins Gras fallen. Alexa folgte ihm und entledigte sich schon beim Laufen ihres
Bikini- Oberteils. Als Kian das sah grinste er wie ein kleiner Junge. Alexa
kniete sich ins Gras und setzte sich dann auf seinen Bauch. Mit den Händen
fuhr sie an seiner Brust auf und ab. Seine Brustwarzen wurden hart und er schloss
die Augen. Leise Seufzer entschwanden ihm. Alexa konnte seine Erregung an ihrem
Po spüren. Sie rutschte langsam ein Stück zurück und zog seine
Shorts mit nach unten. Sie hatte beschlossen heute Kian zu verwöhnen. Kian
blinzelte gegen die Sonne und streichelte ihren Rücken und Po. Alexa stellte
sich vor ihm hin und zog langsam, Stück für Stück ihr Höschen
runter. Kian schaute sie ungeduldig an, aber Alexa wusste, dass es ihm gefiel.
Nachdem auch das Bikini- Höschen gefallen war, kniete sie sich wieder vor
ihn. Sie begann sanft seine Oberschenkel zu küssen und wanderte mit ihren
Lippen weiter hoch. Sie küsste Kian da, wo es ihm am besten gefiel und
er zeigte es ihr auch mit leisem Stöhnen und Zittern. Jetzt wollte auch
Alexa nicht mehr warten und rutschte auf ihn drauf. Kian genoss es, die passive
Rolle zu übernehmen. Diesmal dauerte ihr Liebesspiel wesentlich länger,
denn Alexa bestimmte das Tempo und Kian musste es mitmachen. Danach lagen sie
noch eine lange Zeit eng aneinander gekuschelt da und schauten in den Himmel.
Hin und wieder küssten sie sich, aber Worte waren überflüssig.
Nach einiger Zeit hörten sie in der Ferne ein leises Grollen, dass aber
mit der Zeit immer lauter wurde. "Los komm, lass uns zurück schwimmen.
Da kommt ein Unwetter und wir haben noch eine lange Fahrt vor uns." Alexa nickte
und suchte ihre Sachen zusammen. Wieder angezogen schwammen sie wieder zurück.
Die anderen Badegäste hatten es scheinbar eiliger gehabt, denn der Strand
war bis auf ihre Sachen, leer. Als sie aus dem Wasser stiegen begann es zu regnen.
Sie packten schnell ihre Sachen und rannten zum Auto. Sie schafften es gerade
noch, rechtzeitig in den Jeep zu springen, da wurde der Regen sehr viel stärker.
"Hast du alles?", fragte Alexa und Kian nickte. Jetzt hieß es erstmal
umziehen. Nirgends waren mehr Menschen zu sehen, deswegen zogen sie sich gleich
auf dem Parkplatz um. Kian musterte Alexa immer wieder von der Seite, als sie
sich ihren Bikini auszog und sich abtrocknete. "Ne Ki, jetzt nicht! Später!"
Er nickte etwas enttäuscht, aber Alexa gefiel es, ihn hinzuhalten. "Das
ist es, was ich an Irland nicht mag!", sagte Kian. "Immer dieser plötzliche
Regen. Und so wieder der aussieht hält der noch eine Weile an." Alexa nickte.
"Und schau mal, wie dunkel es plötzlich geworden ist, dabei ist es erst
17 Uhr." Alexa begann zu frieren und zog sich ihr Handtuch um die Schultern.
Kian schaltete das Radio an und sagte: "Ich denke, wir fahren schon los. Es
hat keinen Zweck, dass wir warten, bis es aufhört. Das kann noch über
eine Stunde dauern." Die Fahrt verlief relativ schweigsam. Kian musste sich
voll und ganz auf die Straße konzentrieren, denn sie fuhren oft auf ungeteerten,
vom Regen aufgeweichten, Straßen. Sie fuhren gerade über einen dieser
Wege, als Kian plötzlich laut zu fluchte und das Steuer herum riss. Der
Wagen geriet ins Schleudern. Alexa schrie und klammerte sich an ihrem Sitz fest.
Sie rutschten unkontrolliert über die glatte Straße. Neben ihnen
wirbelte es Schmutz auf, Kian versuchte verzweifelt den Wagen unter Kontrolle
zu bringen. Endlich, nach einigen Sekunden, die Alexa wie Sekunden vorkamen,
kam der Wagen zu stehen. Alexa ließ langsam ihre Hände sinken und
drehte ihren Kopf zu Kian. Dieser saß da und starrte gerade aus. Er klammerte
sich so sehr ans Lenkrad, dass die Knochen durch die Haut weiß durchschimmerten.
Sein ganzer Körper schien zu zittern. "Ki..Kian?", fragte Alexa. Sein Anblick
machte ihr Angst. Langsam drehte er seinen Kopf zu ihr und blickte sie an. Alexa
fragte: "Alles in Ordnung mit dir?" Kian sagte nichts. Langsam lösten sich
seine Finger vom Lenker. Er sank in seinen Sitz zurück. Sein Hände
zitterten wie wild und er begann zu weinen. "Da…da…war was auf der Straße…ich…wollte
aus….ausweichen…!" "Hey, du brauchst doch nicht weinen. Das ist doch nicht schlimm.
Alles ist gut gegangen, wir leben noch! Alles ist gut! Und du hast nichts angefahren.
Wir hätten den Aufprall gespürt!" Kian schüttelte nur den Kopf
und stieg aus dem Wagen. Alexa blieb noch einen Moment sitzen. Was war denn
jetzt los? Warum weinte Kian? Stand er so unter Schock? Sie stieg auch aus dem
Wagen um sich nach einem Schaden umzusehen. Kian sah aus, als hätte er
sich wieder halbwegs beruhigt. Das Zittern hatte er zwar nicht unter Kontrolle
bekommen, aber er hatte mit dem Weinen aufgehört. "Wir stecken ziemlich
weit drin. Ich glaub den Wagen bekommen wir da aus eigener Kraft nicht raus."
Erst jetzt bemerkte Alexa, dass das Auto ziemlich schräg im Straßengraben
hing. "Los komm, steig ein und versuch den Wagen zu starten. Ich werd schieben!",
sagte Kian. Alexa nickte, froh aus dem Regen wieder ins Trockene zu kommen.
Auf Kians Zeichen hin ließ sie den Motor an und versuchte den Wagen aus
dem Graben zu steuern, aber es ging nichts. Sie saßen fest. Als sie sah,
dass Kian wieder einsteigen wollte, kletterte sie auf ihren Sitz. Kian ließ
sich in den Sitz sinken und sagte: "Nichts zu machen! Da kommen wir nicht raus!
Ich versuch jetzt einen Abschleppwagen oder so was zu rufen." Er nahm sein Handy
und wählte eine Nummer. "Hallo? Mein Name ist Egan! Ich sitze hier fest.
Auf der Straße, die vom Celtic Beach wegführt. Der Wagen hängt
im Graben! Können sie bitte jemanden schicken, der uns hier rausholt?"
Eine kurze Pause entstand, dann sagte Kian: "WAS??? Das darf doch wohl nicht
wahr sein. Wehe wenn hier nicht innerhalb von einer Stunde ein Abschleppwagen
ist!" Wieder eine Pause. Dann legte Kian auf. Er schüttelte den Kopf. "Die
können bei dem Wetter selber nicht fahren. Klasse, was für ein toller
Abschleppservice! Vor morgen früh können wir nicht mit Hilfe rechnen.
Die haben Angst auf der Straße mit ihrem Wagen auch hängen zu bleiben.
Verdammte Scheiße!" Er schlug mit den Händen aufs Lenkrad. "Hey,
jetzt reg dich nicht auf. Wir haben noch zu Essen, wir haben noch zu trinken
und ein Gutes hat die Sache doch auch, oder? Uns wird niemand, rein gar niemand
stören hier draußen!" Sie legte ihre Hand auf Kians Oberschenkel
und wartete auf seine Reaktion. Er drehte den Kopf und grinste sie an. "Stimmt!"
Gegen später informierte Kian Vicky per SMS. Sie war zwar besorgt um die
beiden, aber nachdem sowohl Kian als auch Alexa ihr versichert hatten, dass
es ihnen gut ginge, war sie beruhigt.
Kian und Alexa machten es sich so gut es ging im Auto gemütlich. Sie aßen
ihre letzten Sachen und versuchten dann ein wenig zu schlafen. Alexa lag auf
der Rückbank, Kian hatte den Fahrersitz nach hinten geklappt. Der Regen
hatte nicht aufgehört und prasselte laut gegen die Scheibe. Trotzdem war
Alexa schon nach wenigen Minuten eingeschlafen. Der Tag hatte sie müde
und erschöpft gemacht. Kian lag noch eine lange Zeit wach und schaute ihr
beim schlafen zu. Er liebte sie doch so. Warum, verdammt nochmal, hatte ihm
Gott so einen Strich durch ihre Liebe gemacht? Warum war sie ausgerechnet jetzt
in sein Leben getreten, als ihre Liebe keine Chance mehr hatte? Kian begann
leise zu weinen. Warum? Die Frage hallte in seinem Kopf, bis er schließlich
eingeschlafen war.
Alexa wachte mitten in der Nacht von einem Geräusch auf. Zuerst wusste
sie nicht, was es war, aber dann stellte sie fest, dass es von Kian kam. Er
weinte und schrie im Schlaf. Scheinbar hatte er einen schlimmen Alptraum. Er
wälzte sich auf seinem Sitz hin und her und wimmerte: "Nein! Ich war das
nicht! Ich bin unschuldig! Bitte nicht!" Alexa rüttelte sanft an seiner
Schulter. "Kian? Kian! Wach auf! Hey, du musst aufwachen!" Kian wollte sie nicht
wecken lassen und versuchte im Schlaf ihre Hand abzuschütteln, aber nach
einer Weile öffnete er verstört die Augen. "Wie? Was? Nein! Wo bin
ich?" "Kian, alles in Ordnung. Wir sitzen in deinem Auto! Du hattest einen Alptraum!"
Kian setzte sich auf. Auf seiner Stirn standen Schweißperlen, er kratzte
sich verwirrt am Kopf. "Was? Nur ein Traum?" Alexa nickte. "Oh Gott sei Dank!"
"Was hast du denn geträumt?" Kian starrte Alexa einen Moment an, dann sagte
er: "Nicht so wichtig!" Alexa zog die Beine an. Was sollte das schon wieder?
Hatte das etwas mit Kians Geheimnis zu tun? Kian versuchte vom Thema abzulenken:
"Es ist erst 3 Uhr! Und es regnet immer noch! Wir sollten noch ein bisschen
schlafen!" Alexa nickte und legte sich wieder hin. Diesmal war sie es, die nicht
schlafen konnte.
In den frühen Morgenstunden schlief sie dann doch nochmal für ein
paar Stunden ein. Sie wurde von Kian geweckt: "Hey, aufstehen Schatz! Es hat
aufgehört zu regnen. Ich hab grad nochmal mit dem Abschleppdienst telefoniert,
sie werden in ca. einer halben Stunde da sein." Alexa nickte und grinste: "Dann
haben wir ja noch genug Zeit!" "Zeit? Für was?" "Für was wohl!" Alexa
kletterte aus dem Auto und stieg wieder auf den Beifahrersitz. Kian schien verstanden
zu haben.
Tatsächlich waren sie eine Stunde später wieder auf der Fahrt nach
Dublin. Sie hatten zwar noch zwei Stunden vor sich, aber die Straßen wurden
mit der Zeit immer sauberer und der Verkehr auch akzeptabel. In der Garage küssten
sie sich noch einmal kurz, bevor sie die Treppen hinauf ins Haus gingen. Eigentlich
sollte Vicky arbeiten, aber sie hatte ihnen am Telefon gesagt, dass sie daheim
bleiben würde, um da zu sein, wenn die beiden heimkamen. So war es dann
auch. Als Vicky die Geräusche der Türe hörte kam sie aus dem
Wohnzimmer gestürmt und fiel Kian um den Hals. "KIAN! Darling! Ich hab
so Angst gehabt! Gott!" Sie küsste ihn stürmisch und umarmte dann
auch Alexa. "Gott sein Dank seid ihr wieder da! Tut mir so was nie mehr an,
okay?" Alexa sagte: "Hey, ihr seit mir sicher nicht böse, wenn ich mich
jetzt ein bisschen hinlege. So eine Nacht auf der Rückbank ist nicht so
luxuriös."
Wieder in ihrem Zimmer schmiss sie sich tatsächlich direkt ins Bett, aber
an Schlaf war nicht zu denken. Der Ausflug hatte sie sehr verwirrt. Besonders
Kians Alptraum. Sie konnte sich auf das ganze keinen Reim machen.
Die nächsten Tage verbrachte sie hauptsächlich mit Kian, da Vicky
nicht viel freimachen konnte. Und kaum hatte sie sich versehen, stand das Ende
ihres Irlandaufenthalts vor der Tür. Alexa hatte Kian zwar vorgeschlagen,
ihn noch ein bisschen raus zu schieben, aber da Kian wusste, dass ihre Semesterferien
in einer Woche zu Ende waren und sie noch einige zu lernen hatte, ließ
er das nicht zu. "Nichts da! Du fliegst nach Deutschland, so schwer es mir auch
fällt.", sagte er, als sie wieder einmal zusammen im Bett lagen. "Ich liebe
dich und wünsche mir nichts mehr, als dich bei mir zu haben. Aber in drei
Wochen komm ich eh nach Deutschland, zur Promo. Da werden wir uns dann wieder
sehen!" Und ehe sich Alexa versah, stand der Tag des Abschieds an. Vicky würde
in ein paar Minuten kommen um sie zum Flughafen zu fahren. Aber noch hatte sie
ein bisschen Zeit mit Kian. Sie standen im Wohnzimmer. Eng umschlungen. "Kian,
ich will nicht gehen. Ich liebe dich so! Ich werd die nächsten drei Wochen
nicht überleben!" "Ich auch nicht! Aber wir werden jeden Tag telefonieren.
Ich ruf dich immer an, wenn Vicky nicht da ist. Und du mich, wenn Lukas nicht
da ist. Wir schaffen das!" Alexa nickte. "Kian, das ist die letzte Chance mir
zu sagen, was passiert ist und warum du nicht offen zu unserer Liebe stehen
kannst. Das würde alles soviel einfacher machen!" "Glaub mir, das würde
es nicht. Ich kann es nicht. Bitte Lex, vertrau mir. Ich wünschte, du würdest
es nie erfahren!" Noch einmal küssten sie sich innig, dann hörten
sie den Schlüssel im Schloss. "Lex? Kian? Ich bin wieder da! Wo seit ihr?"
"Im Wohnzimmer!" Vicky begrüßte Kian und dann Alexa. "Habt ihr euch
schon verabschiedet? Wir müssen gleich fahren! Ach Lex, ich will nicht,
dass du gehst!" "Ich auch nicht! Irland ist so schön. Aber ich komm wieder,
sobald ich kann. Ich hab gemerkt, wie ich dich vermisst hab!" Die beiden umarmten
sich kurz. Dann umarmte Alexa noch einmal Kian und es viel ihr sehr sehr schwer
nicht zu weinen. Aber sie wollte nicht, dass Vicky in den letzten Minuten noch
misstrauisch wurde. Auch Kian sah nicht glücklich aus, als die beiden die
Auffahrt hinunterfuhren und dann ums Eck bogen.
Am Flughafen war viel los. Alexa und Vicky hatten noch ein bisschen Zeit, sodass
sie, nachdem Alexa ihren Koffer aufgegeben hatte, in dem Café indem auch
Alexa mit Kian saß eine Tasse Kaffee tranken. Alexa war traurig und ziemlich
schweigsam. Als ihr Flieger ausgerufen wurde, verabschiedete sie sich von Vicky.
Diesmal konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. "Hey Lex,
nicht weinen. Wir sehen uns ja wieder!" ‚Wenn du wüsstest!’, dachte Alexa
und drehte sich ein letztes Mal um, um Vicky zu winken.
Eine halbe Stunde später hatte sie ihren Platz im Flieger eingenommen.
Der Flieger begann langsam zu rollen. Dann hoben sie ab. Als Alexa sah, wie
Irland unter ihr immer kleiner und kleiner wurde, rollten wieder ein paar Tränen.
Sie machte ihren Discman an und lauschte der CD, die Kian ihr zum Abschied heimlich
gegeben hatte:
Here we are
Just a little older
Time goes by
But did I ever tell you why
I want you so much
It came to me
When you were not around
You'll always be
The one to understand that's why
I can't miss your touch
All my life
I waited for someone
And all this time
You were the one, so
If you want a man that is here to say
Swearing he's forever true
I'll never walk away
I'll never give up on you
And if you want a love that will save the day
No matter what you're going through
I'll never walk away
I'll never walk out on you
Wieder zurück in Berlin fuhr Alexa mit einem Taxi in ihre Wohnung. Auf
dem Flug hatte sie eine Entscheidung getroffen. Sie wollte sich sobald sie daheim
war von Lukas trennen. Sie liebte ihn nicht mehr. Die Telefongespräche
in den letzten zwei Wochen waren mit der Zeit immer inhaltsloser geworden, Alexa
hatte Lukas nichts mehr zu sagen. Ob er das gemerkt hatte, wusste sie nicht,
aber es war ihr im Grunde egal. Sie liebte Kian. Wieder zurück in ihrer
Wohnung stellte sie ihren Koffer in den Flur, zog die Schuhe aus und ließ
sich aufs Sofa fallen. Sie war kaum 4 Stunden von Kian weg und vermisste ihn
schon so wahnsinnig, dass es wehtat. Der Gedanke daran, dass er sich vielleicht
gerade, wenn auch widerwillig, mit Vicky vergnügte, tat ihr weh. Ihr schlechtes
Gewissen war von Tag zu Tag schlimmer geworden, gegenüber ihrer besten
Freundin, aber die Gefühle für Kian waren einfach zu stark, um sie
zu unterdrücken. Ihre Freundschaft war ihr viel wert, wahnsinnig viel wert,
aber ihre Liebe zu Kian hatte die Freundschaft in den letzten Wochen übertroffen.
Am Abend, gleich nach der Arbeit kam Lukas zu ihr. Schon an der Türe viel
er ihr um den Hals: "Schatz! Endlich! Ich hab dich so vermisst!" Alexa musste
schlucken und schob ihn sanft von sich. Er schaute sie erstaunt an, als sie
sagte: "Lukas, wir müssen reden! Setz dich bitte!" Ob er es schon ahnte
oder nicht konnte Alexa in dem Moment nicht einschätzen. "Lukas, es fällt
mir schwer, dass jetzt zu sagen. Ehrlich! Ich weiß nicht, ob du auch das
Gefühl hattest, dass es bei uns in den letzten beiden Wochen nicht mehr
so gestimmt hat?!" Eigentlich war das eine Frage, an Lukas gerichtet, er ging
nicht darauf ein und starrte sie nur an. Das verunsicherte Alexa und sie blickte
zu Boden. "Ich persönlich hab gespürt, dass es bei uns nicht mehr
so ist wie früher. Ich denke, es ist besser, wenn wir unsere Beziehung
beenden. Ich will dich nicht enttäuschen! Und ich will keine Beziehung
führen, die nur auf einseitiger Liebe beruht!" Lukas starrte sie immer
noch an, als Alexa ihren Blick wieder hob. Sie hatte es geschafft. Sie hatte
die Worte über ihre Lippen gebracht und trotzdem fühlte sie keinen
Stolz. Sie fühlte sich einfach nur schäbig. Sie hatte den Menschen,
mit dem sie glücklich war sehr verletzt. "Alexa? Warum? Ich dachte, wir
lieben uns? Du kannst doch nicht so einfach….Schluss machen! Das zwischen uns
ist doch etwas Besonderes!" "Es war etwas Besonderes!" "Alexa, das liegt sicher
nur daran, dass wir uns jetzt solange nicht gesehen haben! Glaub mir, in ein
paar Tagen ist wieder alles normal!" "Nein Lukas! Ich liebe dich nicht mehr!
Es tut mir so Leid, dich zu verletzen!" Lukas schaute sie noch immer an, als
habe er das alles nicht verstanden. Dann stand er auf. Blickte sie noch einmal
an, mit einem Blick, den Alexa nicht deuten konnte. War es Trauer, Wut oder
Unverständlichkeit? Wahrscheinlich von allem ein bisschen.
Als sie die Türe ins Schloss fallen hörte, verspürte sie plötzlich
den unwiderstehlichen Drang, Kian anzurufen. Sie kramte in ihrer Handtasche
nach ihrem Handy und wählte seine Nummer. "Ja?" "Hi Kian, ich bin’s?" "Oh…ähm….Hi
Mum!" "Kannst du nicht reden?" "Nein Mum, ich kann grad nicht reden. Ich bin
im Studio! Soll ich dich später zurückrufen?" Alexa konnte ein Lachen
im Hintergrund hören, dass eindeutig zu Shane gehörte. Gott, wie sie
die Jungs alle vermisste. "Ja, mach das! Ich bin daheim!" "Okay, bye Mum!" "Bye
mein Sohn!", sagte Alexa und legte lachend auf. Alleine seine Stimme zu hören,
löste bei ihr etwas aus, was sie nicht beschreiben konnte. Ein Gefühl
zwischen unendlicher Freude und Zufriedenheit, aber auch ein Gefühl von
Sehnsucht und Verlangen.
Seufzend erhob sie sich vom Sofa um ihre Sachen aufzuräumen. Sie schlüpfte
von der engen Jeans in eine bequeme Jogginghose und tauschte ihre rote Bluse
gegen ein weites Schlabber- Shirt. Im Schlafzimmer stellte sie ihr Radio an
und ob es Zufall oder Schicksal war, gerade lief "Queen of my heart". Alexa
musste unwillkürlich Lächeln. Auch wenn es noch wie eine Ewigkeit
erschien, so hatte sie ihren Kian in 3 Wochen wieder bei sich.
Spät am Abend rief Kian sie endlich an. "Hi Schatz! Sorry wegen vorhin!
Was wolltest du denn?" "Du musst dich nicht entschuldigen. Ich hätte dich
nicht so einfach anrufen sollen. Ich wollte mit dir reden. Ich hab mich von
Lukas getrennt!" "Wirklich?" "Gleich nachdem er hergekommen ist!" "Und wie hat
er reagiert?" "Ich weiß nicht so Recht. Verständnislos!" "Kann ich
verstehen!" Sie telefonierten noch eine ganze Weile, bis Kian das Gespräch
schnell mit den Worten: "Vicky ist fertig mit Duschen! Ich liebe dich!" beendete.
Am nächsten Morgen wachte Alexa früh auf. Eigentlich hätte sie
ausschlafen können, aber ihr war nicht gut. Sie schaffte er gerade noch
rechtzeitig auf die Toilette um sich zu übergeben. Das war jetzt schon
das dritte Mal, dass das morgens passierte. Die nächsten Tage verbrachte
Alexa die meiste Zeit daheim. Sie brauchte Zeit um sich an die neue Situation
zu gewöhnen. Sie konnte Kian nicht jederzeit anrufen, so wie sie es bei
Lukas getan hatte. Sie sah oft Interviews und Videos von Westlife im Fernsehen
und sie hatte sich eine CD gekauft. Sie tat alles um sich die Wartezeit zu verkürzen.
Dann, nach einigen Tagen begann ihr Studium. Chemie und BWL. Alexa musste sich
schon von Anfang an voll und ganz hineinstürzen, denn es war nicht leicht.
Die morgendliche Übelkeit wurde nicht besser, im Gegenteil. Alexa suchte
nach etwa 2 Wochen einen Arzt auf. Dieser konnte schon bald eine Diagnose stellen.
"Also Frau Parker! Sie haben sicher keine Probleme mit dem Magen! Ich würde
ihnen allerdings raten, einen Gynäkologen aufzusuchen. Wann hatten sie
denn zuletzt ihre Regelblutung?" "Die hätte eigentlich letzte Woche kommen
sollen. Aber ich war drei Wochen im Ausland. Ich denke, wegen dem Klimawechsel…Ich
soll zum Gynäkologen?", unterbrach Alexa sich selbst. "Meinen sie etwa…ich
bin….schwanger?" Ihr Hausarzt lächelte und nickte. "Körperlich kann
ich nichts feststellen. Und alle Symptome deuten auf eine frühe Schwangerschaft
hin!" Alexa sank in ihrem Stuhl zurück. "Oh Gott!" Schwanger? Sie war schwanger?
Von wem? Gott, von wem?
Alexa nahm den Heimweg nur durch einen Schleier war. Das konnte doch nicht
sein. Sie war höchstwahrscheinlich schwanger und wusste nicht von wem.
In ihr spielte alles verrückt. In ihrer Wohnung warf sie sich aufs Bett
und begann zu weinen. Sie hatte gerade ihr Studium begonnen, sich von ihrem
Freund getrennt und ihre große Liebe konnte in der Öffentlichkeit
nicht zu ihr stehen. Und jetzt war sie auch noch schwanger? Aber halt, noch
war es nicht sicher. Sie rief sofort bei ihrem Frauenarzt an, bei dem sie als
Notfall gleich am nächsten Tag einen Termin bekam. Die Zeit bis dahin war
die Hölle. Alexa konnte sich auf nichts konzentrieren. Beim Telefonat mit
Kian war sie so abwesend, dass er fragte ob sie krank sei. Aber sie konnte und
wollte Kian den wahren Grund nicht nennen. Nicht, bevor sie selber wusste, ob
sie wirklich schwanger war. Sie hatte einmal gelesen, dass der Arzt, fast auf
den Tag genau, den Zeugungstermin mitteilen konnte. Aber was nützte ihr
das in ihrer Situation? Ihr Leben würde sich komplett verändern. Und
auch entweder das von Kian oder das von Lukas.
Am nächsten Morgen machte sie sich viel zu früh auf den Weg zum Arzt.
Sie musste dementsprechend lange warten. Neben ihr saß eine junge Frau
mit einem dicken Babybauch. Für Alexa war es noch unvorstellbar, in ein
paar Monaten vielleicht selber so auszusehen. Ihr gegenüber saß ein
Paar mit einem Neugeborenen. Alexa war den Tränen nahe und dankbar, als
die Sprechstundenhilfe sie endlich ins Sprechzimmer rief. Der Arzt begrüßte
sie freundlich und machte dann einen Ultraschall. "Frau Parker, herzlichen Glückwunsch.
Mein Kollege lag da wirklich richtig. Sie sind eindeutig schwanger, sehen sie
hier!" Er deutete mit einer Hand auf den Bildschirm neben sich. Alexa wollte
nicht hinschauen. Sie wollte nicht schwanger sein. Stattdessen begann sie zu
weinen. "Frau Parker, ist ihnen nicht gut?" "Do…Doch, alles in Ordnung! Ich
kann nur nicht…ich will nicht schwanger sein. Ich kann nicht!" "Wollen sie darüber
reden?" "Nein, ich glaube nicht. Könnten sie….könnten sie vielleicht
den Zeugungstermin errechnen? Das wäre mir sehr wichtig!" "Selbstverständlich.
Nehmen sie bitte einen Moment dahinten Platz." Es dauerte nur einige Minuten,
aber für Alexa waren es wahrscheinlich die schlimmsten in ihrem Leben.
Was, wenn das Kind von Lukas wäre? Dann wäre sie eine allein erziehende
Mutter, denn trotz Kind würde sie nicht zu ihm zurückkehren. Und was
wäre, wenn es von Kian wäre? Alexa wusste nicht, was schlimmer sein
würde. Kian liebte sie zwar und er sie auch, aber wenn sie von ihm schwanger
war, würde das alles, wirklich alles, verändern. "Frau Parker, ich
bin soweit!" Alexa hatte Mühe aufzustehen und zum Tisch des Arztes zu gehen.
Sie fühlte sich, als würde sie gleich in Ohnmacht fallen. Der Arzt
sah sie besorgt an. Dann sagte er: "Also ich hab den Zeugungstermin jetzt plus
minus einen Tag ziemlich genau ausgerechnet. Es müsste der 18. Juni gewesen
sein! Das kann man anhand des Ultraschallbildes erkennen!" 18.Juni. Alexa begann
zu rechnen. Die Hochzeit war am 14. Juni. Am 15. war Lukas wieder heimgeflogen.
Dass konnte nur heißen, wenn der Arzt wirklich Recht hatte, dass Kian
der Vater war. Alexa wusste nicht, ob sie weinen oder sich freuen sollte. Sie
bekam ein Kind von Kian.
Die ganze nächste Woche meldete Alexa sich in der Uni krank. Ihr war klar,
dass sie ihr Studium abbrechen müsste, wenn sie das Kind bekam. Und sie
wollte das Kind. Egal ob es jetzt von Kian oder vielleicht doch von Lukas war.
Es war Leben und sie konnte und wollte es nicht abtreiben. Sie hatte beschlossen,
erst mit Kian zu reden, wenn er in Deutschland war. Alexa war froh, dass Vicky
nicht freimachen konnte um mit nach Deutschland zu reisen. Endlich war der Tag
gekommen, an dem Westlife in Berlin landen sollten. Alexa verdrängte die
Schwangerschaftsgedanken und freute sich nur auf Kian und auf ein paar unbeschwerte
Stunden mit ihm. Ob sie allerdings unbeschwert bleiben würden, bezweifelte
Alexa. Am Abend fuhr sie in das Hotel, indem die Jungs wohnten. In der Lobby
traf sie auf Shane. "Hi Shane!" "Hi Lex!" Er umarmte sie und Alexa freute sich
wahnsinnig ihn zu sehen. "Dein Kian ist oben! Er wartet schon auf dich!", zwinkerte
Shane. "Was heißt ihr ‚mein Kian’?" "Keine Sorge, Kian hat jemand gebraucht,
mit dem er reden kann. Da ist er zu mir gekommen. Ich halt still. Allerdings
frag ich mich, was geschehen ist, dass er sich nicht von Vicky trennen kann."
"Er hat es dir auch nicht gesagt?" Shane schüttelte den Kopf: "Nein! Er
wollte nicht drüber reden. Aber jetzt geh hoch zu ihm. Ich werd den anderen
unauffällig mitteilen, dass Kian seine Ruhe haben will. Sie müssen
ja nicht wissen, dass du da bist! Zimmer 128!" "Danke!" Alexa drückte Shane
einen Kuss auf die Wange und rannte zum Aufzug. Es dauerte nicht lange, da hatte
sie das Zimmer gefunden. Aufgeregt und erfreut klopfte sie an. Sie wartete erst
gar nicht, bis Kian antwortete, sondern stürmte einfach ins Zimmer. Kian
schien gerade aus der Dusche zu kommen, denn er trug nur ein Handtuch um die
Hüften. Verblüfft starrte er Alexa an, dann grinste er: "So früh
hab ich dich gar nicht erwartet, wie du siehst!" Dann fiel er ihr um den Hals
und küsste sie stürmisch. Bei der Umarmung fiel sein Handtuch auf
den Boden. Alexa merkte es und sagte: "Wie praktisch!" Kian grinste von einem
Ohr zum anderen und sagte: "Die Luder!" Dann warf er sie aufs Bett, schloss
die Türe ab und machte sich dann daran, ihr die Sachen vom Leib zu reißen.
"Mann hab ich dich vermisst!", sagte er, als er mit dem Finger auf ihrem Körper
entlangfuhr und sie endlich das taten, was beide die letzten drei Wochen so
sehr vermisst hatten.
Danach lagen sie eng umschlungen in seinem Bett. Alexa wusste nicht, wann der
richtige Moment war, um ihm von ihrer Schwangerschaft zu erzählen. Aber
sie wollte es noch nicht heute sagen. Kian schien so glücklich, sie wollte
das nicht zerstören. Sie blieb die ganze Nacht bei ihm. Allerdings kamen
sie erst in den frühen Morgenstunden richtig zum Schlafen. Kians erster
Termin war erst am Nachmittag, sodass die beiden ausschlafen konnten. Alexa
beschloss in der Zwischenzeit zu sich nach Hause zu fahren und am Abend wieder
ins Hotel zu fahren. Sie wollte heute mit ihm reden. Wenn sie es gleich am Anfang
der Woche sagte, hatten sie mehr Zeit, gemeinsam eine Lösung für das
Problem zu finden. Ihr war klar, dass es keinen "guten" Zeitpunkt gab, um ihm
das zu sagen.
Nervös saß sie gegen 18 Uhr im Hotel und wartete auf seine Rückkehr.
Als er heimkam, umarmte er sie und küsste sie so innig, dass Alexa kurz
davor war, wieder einen Rückzieher zu machen. Aber dann fasste sie sich
und sagte: "Kian, ich muss mit dir reden!" "Na nu? Du klingst ja plötzlich
so ernst!" "Es geht auch um ein ernstes Thema! Setz dich bitte und hör
auf, an meinen Haaren rumzufummeln." Kian zog erschrocken seine Hand zurück.
So kannte er Alexa nicht. Irgendwas musste passiert sein, das spürte er.
"Kian, ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll. Mir war morgens immer
so übel und dann dachte ich, etwas stimmt mit meinem Magen nicht und dann
bin ich zum Arzt. Aber ich bin kerngesund. Es war nicht mein Magen, es war etwas
anderes. Kian, ich bin schwanger! Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind
von dir ist, ist sehr sehr hoch!" Langsam hob sie ihren Blick um Kian anzusehen.
Sein Blick drückte äußerste Verwirrung, Erschrockenheit und
Ratlosigkeit aus. Er sah fast so aus, als hätte er nicht verstanden, was
sie gerade gesagt hatte. Das drückte er auch mit seiner Frage aus: "Was
bist du?" "Kian, ich bin schwanger. Und das zu ungefähr 90% von dir!" Kian
starrte sie einige Sekunden an, scheinbar realisierte er gerade, was er erfahren
hatte. "Das ist doch nicht wahr oder? Bitte Lex, sag mir, dass das nicht wahr
ist!" "Doch Kian, du wirst Vater!" Er ließ sich aufs Bett fallen und vergrub
das Gesicht in den Kissen. Sein Körper zuckte unkontrolliert und er schluchzte.
"Kian, ich weiß nicht wie das passieren konnte. Ich nehme doch die Pille.
Es tut mir so Leid!" Er setzte sich auf und schaute sie mit wässrigen Augen
an. "Das braucht dir doch nicht Leid zu tun. Das haben wir beide nicht gewusst.
Bei so wenigen Leuten geht was schief, und jetzt hat es eben uns getroffen.
Oh Gott, ich kann es nicht glauben, ich werde Daddy! Du willst doch das Kind
behalten, oder?" "Natürlich! Aber wie soll das mit uns weitergehen? Wie?
Sag es mir!" Kian zuckte mit den Schultern. "Die Situation ist so ausweglos."
"Kian, wenn wir versuchen, das Problem, dass du hast, zusammen zu lösen.
Zu zweit schaffen wir das! Glaub mir! Nein, was sag ich! Zu dritt schaffen wir
das!" Sie nahm Kians Hand und legte sie auf ihren Bauch. Kian lächelte
sie an. "Lass mich darüber nachdenken, okay? Das Baby verändert die
Situation. Ich will nicht mit dir drüber reden. Aber ich denke, in dieser
Situation ist es wirklich das Beste. Vielleicht wirst du mich dann verstehen.
Mittlerweile weiß ich auch, dass ich dir voll und ganz vertrauen kann."
"Ja, ich geb dir alle Zeit, die du brauchst! Ich liebe dich so sehr!" "Ich dich
auch! Nein, euch beide! Oh Gott, ich werd Daddy!" Einige Zeit später verabschiedete
Alexa sich von ihm. Sie war froh, es ihm gesagt zu haben, sie war froh, dass
er sich freute und nicht wütend war, sie war froh, dass sie ihn endlich
soweit hatte, dass er darüber nachdachte. Sie wollte ihm die Nacht zum
nachdenken geben.
Am nächsten Morgen wachte Alexa spät auf. Endlich, seit langer Zeit
hatte sie wieder richtig gut geschlafen. Sie machte sich ein ausgiebiges Frühstück,
bevor sie sich auf den Weg zur Uni machte. Sie musste mit ihrem Lehrer reden,
wegen ihrer Schwangerschaft, und ihm sagen, dass sie das Studium vorerst beenden
musste. Er sollte dann alles Weitere in die Wege leiten.
Auf dem Weg zum Hotel kam Alexa an einem Laden für Babykleidung vorbei.
Als sie da stand und ins Schaufenster sah, wurde ihr zum allerersten Mal so
richtig bewusst, dass sie ihn etwas weniger als 8 Monaten auch so ein kleines
Kind in den Armen halten und auch in solchen Geschäften einkaufen gehen
würde.
Kian war bereits im Hotel, als Alexa dort ankam. Sie ging direkt zum ihm ins
Zimmer. Kian saß auf dem Bett und starrte an die Decke. "Hey!", sagte
Alexa. "Hi Schatz!" Sie setzte sich neben ihn und kuschelte sich in seine Arme.
Nach einigen Minuten sagte Kian: "Ich hab nachgedacht. Ich denke, es ist an
der Zeit, dass ich es dir erzähle."
"Glaub mir, es fällt mir verdammt schwer, darüber zu reden. Ich darf
es nicht, denn meine Karriere bei Westlife ist in Gefahr. Ich hab damals geschworen
niemandem etwas zu sagen!", fuhr er fort. Alexa wurde nervös. Das hörte
sich nicht gut an. Gar nicht gut. "Bitte Lex, hör mir nur zu, sag nichts,
denn ich weiß nicht, ob ich dann noch im Stande wäre, weiterzureden!"
Alexa nickte. Sie hatte Angst. "Also, es war am 12. Oktober letzten Jahres.
Wie du weißt, war ich da schon mit Vicky zusammen, aber kurz davor, mich
von ihr zu trennen. Sie wusste, dass ich mich von ihr trennen wollte, aber sie
liebte mich noch zu sehr. Sie wollte es nicht. Ich bekam ein schlechtes Gewissen,
aber eine Beziehung ohne Liebe konnte ich mir nicht vorstellen. Ich war gerade
auf dem Weg, ihr zu sagen, dass es aus war. Es war dunkel, schon kurz vor Mitternacht.
Ich bin auf der Straße gefahren, die von Dublin zu Vicky Zuhause geführt
hat. Es hat geregnet, wie verrückt. Ich bin extra langsam gefahren…aber…aber…!",
Kian stockte und fuhr mit den Händen durch die Haare. Dann fuhr er fort:
"Ich bin langsam gefahren, aber plötzlich bin ich ins Schleudern geraten.
So wie wir beide bei unserem Ausflug. Ich hab mich gedreht. Dann bin ich ausgestiegen,
um zu sehen, ob irgendwas passiert war und da…da…da lag jemand auf dem Boden."
Kian hatte leise zu weinen begonnen, als er weitererzählte. "Ich bin hingegangen.
Es war ein älterer Mann. Ich hab seinen Puls gefühlt, aber da war
nichts mehr. Alexa, ich hab jemanden umgebracht." Wieder stockte er. Alexa saß
starr vor Schreck, die Hände aneinander gepresst. "Ich hab den schlimmsten
Fehler gemacht, den ich überhaupt machen konnte. Ich bin davongefahren
und hab die Leiche liegen lassen. Verstehst du, ich hab Fahrerflucht begangen.
Ich hatte damals so Angst. Meine Karriere mit Westlife lief immer besser, ich
hatte Angst, dass alles zu verlieren, wenn ich ins Gefängnis müsste.
Ich bin davongefahren und hatte fest gehofft, niemand würde es jemals erfahren.
Bei Vicky hab ich mich dann versucht, so normal wie möglich zu geben. Eigentlich
hatte ich erwartet, dass sie alleine mit ihren Eltern daheim war, aber sie hatte
Shane und Gillian eingeladen, damit wir uns zu viert einen gemütlichen
Abend machen konnten. Shane, als mein bester Freund hat natürlich sofort
bemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmte. Er hat mich in ein anderes Zimmer
gezogen und mich gefragt was los sei. Ich hab zuerst abgestritten und gesagt,
alles wäre in Ordnung, aber er hat nicht nachgegeben, bis ich ihm schließlich
alles erzählte. Was wir beide damals nicht gemerkt hatten, war, dass die
Türe die ganze Zeit angelehnt war. Vickys Vater, Theo, hat alles mitgehört.
Auch von meinen Plänen mit Vicky Schluss zu machen, wusste er. Ich weiß
nicht woher, wahrscheinlich hat Vicky mit ihm geredet. Nachdem Shane und Gillian
gegangen waren, hat er mich auf die Seite genommen und gesagt: ‚Ich warne dich,
wenn du dich jemals von meiner Tochter trennst, solange sie dich noch liebt,
dann werde ich zur Polizei gehen und deine Karriere beenden. Du wirst Vicky
später heiraten und sie zur glücklichsten Frau der Welt machen.’ Ich
hab damals gedacht, ich hätte mich verhört. Nicht genug, dass ich
gerade jemanden umgebracht habe, nein, es wurde ich auch noch erpresst. Mir
ist nichts anderes übrig geblieben. Ich musste mit Vicky zusammen bleiben
und kann mich nicht von ihr trennen!" Kian hörte auf zu reden und schlug
sich die Hände vors Gesicht. Alexa wusste nicht was sie sagen sollte. Um
sie herum drehte sich alles und sie wünschte sich, sie hätte nie erfahren,
was geschehen war. Sie hatte mit so vielem gerechnet, aber nicht damit. Mit
Mord! Dieses Wort hämmerte jetzt in ihrem Kopf, ohne Unterbrechung. Sie
konnte sich nicht rühren, nichts sagen. Sie starrte in die Luft und versuchte
dass zu realisieren, was Kian ihr gerade gesagt hat. Die Stille wurde nur hin
und wieder von einem Schluchzen unterbrochen. Kian schien es stark mitzunehmen,
alles wieder erzählt zu haben. Einerseits konnte Alexa ihn verstehen, was
seine Karriere anging. Er wollte nicht als 23 Jähriger ins Gefängnis.
Und schon gar nicht, wenn er berühmt und beliebt war. Aber wie konnte er
solange mit der Schuld leben? Und das war wahrlich eine ungeheure Schuld, die
da auf ihm lastete. Für Alexa gab es nur einen Weg, den er jetzt gehen
musste, soviel war klar: "Kian, du musst zur Polizei gehen, dass ist…!" "WAS??"
Kian hatte abrupt aufgehört zu weinen. "Bist du wahnsinnig? Die buchten
mich ein! Für Jahre, vielleicht sogar lebenslänglich. Vergiss es,
das kann ich nicht!" "Doch! Kian, wenn sie sehen, dass du mir der Schuld nicht
leben kannst, dann werden sie das Urteil vielleicht mildern!" "Schwachsinn.
So was machen die nicht. Das geht nicht! Vergiss es, ich mach alles, aber ich
stell mich nicht. Vielleicht kommen sie nie dahinter. Die würden mir das
Leben zerstören!" "Und so zerstörst du es dir! Mit deinem schlechten
Gewissen und deiner Schuld! Stell dir mal vor, ein Freund von dir würde
angefahren werden, aber der Fahrer flüchtet. Würdest du nicht auch
wissen wollen, wer es war?" "Doch, schon! Aber wenn sie erfahren, dass es ein
berühmter Popstar war, der zu feige war, sich zu stellen?! Nur wegen seiner
Karriere?" "Kian, dass ist der einzige Weg, wie wir öffentlich zu unserer
Beziehung stehen können." "Bitte? Willst du etwa einen Freund, der sein
Leben lang im Knast sitzt, weil er jemanden umgebracht hat?? Du bist schwanger,
Alexa. Du brauchst jemanden an deiner Seite. Aber das geht nicht, wenn ich im
Gefängnis sitze!" Kian war immer lauter geworden und schrie jetzt. Alexa
brüllte zurück: "Weißt du was? Du hast mal gesagt, unsere Liebe
übersteht alles! Und jetzt? Du bist so ein Sturkopf! Ich fass es nicht!"
Sie drehte sich um und rannte aus dem Zimmer. Die Tür flog mit einem lauten
Schlag ins Schloss, aber Alexa hörte es gar nicht. Sie war blind vor Wut
und Tränen. Sie rannte die Treppen hinunter. Nicky, der ihr entgegenkam
und sie freundlich grüßte wurde nur auf die Seite gestoßen.
Erst nachdem Alexa einige Zeit durch die Stadt gerannt war, ging es ihr besser.
Sie musste etwas unternehmen. Sie wusste nur noch nicht was. Irgendwie musste
Kian doch da raus kommen, ohne das er ins Gefängnis kommen würde.
Aber wie? Wie es Alexa auch drehte, sie fand keinen Weg. Vielleicht lag da daran,
dass es wirklich keinen gab. Kian hatte jemanden umgefahren, der jetzt tot war.
Punkt!
Alexa kam an einem Kiosk vorbei. Als sie die Zeitungsständer sah, kam
sie auf eine Idee. In einem Zeitungsarchiv musste es doch alte Zeitungen geben,
in denen man nachlesen konnte. Vielleicht stand da etwas, vom Täter des
Unfalls. Alexa wusste nicht, was sie sich erhoffte. Aber immerhin hatte sie
jetzt ein Ziel vor Augen, was sie tun konnte. Sie beschloss, dass sie, wenn
Kian wieder in Irland war, heimlich auch hinfliegen würde, und im Dubliner
Zeitungsarchiv suchen würde. Wenn sie etwas finden würde, könnte
sie Kian vielleicht helfen, wenn nicht, dann könnte sie notfalls auch unbemerkt
wieder nach Deutschland fliegen und Kian nicht unnötige Hoffnungen machen.
Eigentlich wollte sie wieder nach Hause gehen und Kian ein bisschen zappeln
lassen, aber sie spürte, dass er sie brauchte. Es war ihm sichtlich schwer
gefallen, ihr das alles zu erzählen und sie hatte nichts Besseres zu tun,
als sich mit ihm zu streiten. Immerhin war es ein riesiger Vertrauensbeweis,
wenn er ihr alles erzählte. Als sie an seine Türe klopfte erhielt
sie von drinnen keine Antwort. Vorsichtig schaute sie, ob die Türe offen
war und trat schließlich ein. Kian lag auf dem Bett, es sah aus als würde
er schlafen. Als er aber das Geräusch hörte, drehte er sich um. Er
hatte geweint. Bzw. er weinte immer noch. Alexa ging langsam zu seinem Bett.
"Kian? Es tut mir so Leid. Ich…!" "Du brauchst nichts sagen. Es tut MIR Leid,
dass ich so überreagiert hab. Ich weiß, dass du Recht hast, aber
ich kann es nicht. Gib mir noch ein bisschen Zeit, darüber nachzudenken.
Und lass uns lieber die wenigen Stunden die wir zusammen haben, mit etwas Schönerem
verbringen." Er zog Alexa zu sich aufs Bett und streichelte mit seiner Hand
über den Bauch. "Na mein Kleiner? Hier ist Daddy!" "Hey hey hey, woher
willst du denn wissen, dass das hier ein Er ist? Ich vermute nämlich eher
eine SIE!" Kian grinste sie an. "Und woher willst DU das wissen?" "Weibliche
Intuition!", sagte Alexa ernst. "Ich geb dir gleich ‚weibliche Intuition’.",
sagte Kian und warf ein Kissen nach ihr. Eine wilde Kissenschlacht begann, die
erst wieder in den frühen Morgenstunden endete.
Die Tage vergingen wie im Flug. Und schon stand die Abreise von Kian an. Diesmal
fiel es beiden wesentlich schwerer, denn beide wussten nicht, wann sie sich
wieder sehen würden. Außerdem wollte Kian Alexa in ihrem Zustand
nicht alleine lassen, obwohl sie ihm mehrmals versicherte, dass es ihr gut ging.
Kaum war Kian weg packte auch Alexa ihre Sachen. Am nächsten Tag machte
sie sich auf den Weg zum Flughafen um sich ein Ticket zu kaufen. Sie hatte Glück,
der nächste Flug würde schon in zwei Stunden gehen.
Sie war kaum in Irland gelandet, da machte sie sich auf den Weg zum Dubliner
Zeitungsarchiv. Aber sie hatte die Arbeit, die sie da erwartete überschätzt.
In Dublin gab es scheinbar mehr Zeitungsverlage als erwartet. Sie suchte sich
sämtliche Zeitungen vom 13. -20. Oktober 2002 heraus und begann zu suchen.
Die Zeit verging und Alexa fand nichts. Sie suchte und suchte und wollte schließlich
die Hoffnung ganz aufgeben. Es konnte doch nicht sein, dass keine der vielen
Zeitungen einen Bericht über einen Mann brachte, der überfahren worden
war und dabei starb. Gerade wollte sie die vorletzte Zeitschrift zuklappen,
als sie einen Artikel fand. Ganz klein unten im Eck.
Dublin
In der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober wurde in der O’Shelly- Street ein Rentner
von einem PKW angefahren. Der alkoholisierte Fahrer machte sich mit seinem Wagen
nach dem Unfall sofort auf den Weg zum Krankenhaus um einen Krankenwagen zu
holen, da er kein Handy bei sich trug und alleine unterwegs war. Die Polizei
vermutet, dass er Rentner in der Nacht die Straße überqueren wollte,
und das Auto nicht hörte. Der Fahrer sah ihn nicht und fuhr ihn an. De
Rentner starb noch am Unfallort. Untersuchungen ergaben, dass sich kurz nach
der Zeit des Unfalls, als der Fahrer gerade auf dem Weg zum Krankenhaus war,
ein weiteres Auto an der selben Stelle von der Straße abkam und sich dort
drehte. Zumindest waren noch frische Reifenspuren eines Ferraris vorhanden.
Alexa glaubte zu träumen. Konnte das wirklich sein? War Kian vielleicht
gar nicht Schuld an diesem Unfall? Hatte er den Rentner gar nicht umgefahren?
Alles sprach dafür. Der komplette Zeitungsbericht. Alexa riss den Artikel
aus der Zeitung und stürzte aus dem Archiv. Sie hielt ein Taxi an und fuhr
zu Kians Haus. Sie hatte gar nicht daran gedacht, dass niemand wusste, dass
sie in Irland war, als Vicky ihr erschrocken die Türe öffnete. "Lex??
Was machst du denn hier?", rief sie erstaunt und viel der Freundin vom den Hals.
Alexa stand einige Sekunden völlig perplex da, bevor ihr endlich eine Ausrede
einfiel: "Also…ich bin….ich bin schwanger!" "WAS????", Vicky strahlte übers
ganze Gesicht. Wieder umarmte sie Alexa. "Man ich freu mich so für Lukas
und dich!" Alexa rang sich ein Lächeln ab und dachte: ‚Gott Vicky, es tut
mir so Leid, wenn du wüsstest!’ Vicky zog Alexa ins Wohnzimmer, wo Kian
mit Kopfhörern saß und ziemlich laut Musik hörte. Als er Vicky
gefolgt von Alexa das Wohnzimmer betreten sah, viel ihm die Kinnlade herunter
und er riss sich die Kopfhörer vom Kopf. "A…Alexa! Hi, schön dich
zu sehen!", hatte er sich nach ein paar Sekunden wieder gefangen. Er stand auf
und umarmte sie. Vicky strahlte übers ganze Gesicht. "Kian stell dir mal
vor. Alexa ist extra aus Deutschland her geflogen, um mir zu sagen, dass sie
schwanger ist. Lukas und sie werden Eltern!" Kian schaute verdattert von Alexa
zu Vicky und wieder zu Alexa. "Ähm…cool!" Alexa sah ihm an, dass er gerade
krampfhaft versuchte, die Situation zu verstehen. Sie versuchte die Situation
zu retten: "Vicky, könntest du mir ein Glas Wasser holen? Das Essen im
Flugzeug war so trocken!" Vicky stand auf und ging in die Küche. Als die
Wohnzimmertüre zugefallen war, beugte sich Kian vor und flüsterte:
"Was machst du hier?" "Das kann ich dir so schnell nicht erklären! Ich
erzähl dir alles nachher wenn wir alleine sind. Spiel einfach mit!" In
dem Moment ging die Türe wieder auf und Vicky kam mit dem Getränk
herein. "Hier Lex! Es tut mir Leid, dass ich nicht länger bleiben kann.
Aber die Arbeit ruft! Du bist doch sicher länger in Irland oder?" "Ich
weiß es noch nicht! Ich will…ich will Lukas nicht solange in Deutschland
alleine lassen." "Verständlich! Wir können ja heute Abend einen Weiberabend
machen, oder?" Alexa nickte. "Okay, dann muss ich mal los! Wir sehen uns!" Sie
umarmte Alexa und küsste Kian. Alexa und Kian standen solange unbeweglich
im Wohnzimmer, bis sie Vickys Auto die Einfahrt hinunter fahren hörten.
Dann stürzten sie aufeinander zu, umarmten und küssten sich. Kian
schob Alexa ein Stück weg und schaute sie an. "Warum bist du hier???" Alexa
grinste. "Ich hab eine gute Nachricht für dich! Nein, eine sehr gute! Bist
du eigentlich damals auf die Idee gekommen, in der Zeitung zu lesen?" "Wann?"
"Nach dem Unfall?" "Ich hab am nächsten Tag gelesen. Aber da stand nur,
dass ein Rentner angefahren worden war und dieser gestorben ist." "Und sonst
nichts?" "Nein, das stand bei den Kurznachrichten. Kein Unfallhergang oder so."
"Gut, dann hättest du mal an den nächsten Tagen auch lesen sollen.
Schau mal was ich gefunden hab!" Alexa drückte Kian den Zeitungsbericht
in die Hand. Kian las ihn und Alexa genoss es, zu sehen wie seine Augen immer
größer wurden. Als er fertig war hob er langsam den Kopf und schaute
Alexa an. "Sag, dass das nicht wahr ist?" "Warum soll es nicht wahr sein? Du
hast NIEMANDEN umgebracht! Du bist unschuldig!" Kian schien eine Weile zu brauchen,
um die Worte zu realisieren. Dann stürzte er auf Alexa zu, hob sie hoch
und wirbelte sie im Kreis. Als er sie wieder runterließ, konnte Alexa
in seinen Augen Tränen erkennen. Er sagte: "Ich hab mir ganz umsonst Sorgen
gemacht. Ich hab niemanden umgebracht. Ich bin unschuldig." Er küsste sie,
dann fuhr er fort: "Weißt du, was dass heißt? Ich kann mich von
Vicky trennen, und wir können endlich zusammen sein. Wir beide und unser
Baby!" Er legte seine Hand sanft auf ihren Bauch. Alexa wurde mulmig. Wenn Kian
mit Vicky Schluss machte, dann hatte sie zwar Kian, aber ihre beste Freundin
verloren. "Das wird hart werden. Für Vicky und für mich. Immerhin
ist sie meine beste Freundin." Kian umarmte sie: "Ich weiß. Es tut mir
auch Leid. Wenn du nicht willst…!" "Doch, ich will! Ich liebe dich und ich will
mit dir zusammen sein. Ich werde neue Freunde finden!" "Du hast schon neue Freunde.
Shane, Gillian, Bryan, Kerry, Nicky, Georgina und Mark." Alexa nickte: "Du weißt
gar nicht, wie dankbar ich euch bin."
Den ganzen Nachmittag überlegten Alexa und Kian, wie sie es Vicky am besten
beibringen konnten. Es gab keine schonende Art. Es würde Vicky hart treffen.
Sehr hart. Aber ihre Liebe war so stark, dass sie sie nicht verdrängen
konnten. Gegen 18 Uhr kam Vicky heim. Sie fand Kian und Alexa im Wohnzimmer
vor, wo sie sich einen Film ansahen, auf den sich aber beide nicht konzentrieren
konnten. Als sie die Türe auf und zugehen hörten schaute Alexa Kian
ängstlich an. Auch er schien sich nicht wohl zu fühlen, aber er nickte
ihr aufmunternd zu und schaltete den Fernseher ab. Vicky kam ins Wohnzimmer
und küsste Kian zur Begrüßung. Dann ließ sie sich aufs
Sofa fallen und zog die Beine an. "Also ich sag euch, diese kleinen Kinder können
manchmal nerven! Aber das ist sicher was anderes, wenn man ein eigenes hat!
Stimmts Ki?" Sie grinste Kian an, der grinste aber nicht zurück. Stattdessen
sagte er: "Vicky, wir müssen mit dir reden!" "Na nu, warum seit ihr denn
so ernst? Ist was passiert?" "Es wird dir nicht gefallen, was wir dir zu sagen
haben!" Alexa begann die ganze Geschichte zu erzählen. Sie erzählte
und erzählte. Hin und wieder wurde sie von Kian unterbrochen, der einen
Teil seiner Geschichte beitrug oder Alexa berichtigte. Vicky saß die ganze
Zeit nur da und schaute die beiden an. Ohne Gefühle und ohne Ausdruck in
ihrem Blick. Als Kian und Alexa geendet hatten, saß sie immer noch so
da. Kian und Alexa hatten damit gerechnet, dass sie ausflippen würde, dass
sie weinen würde, aber nicht, dass sie einfach nur dasitzen würde,
und nichts tun würde. "Vicky? Bitte sag was!", sagte Kian. "Was soll ich
dazu sagen? Ich fass es nicht. Wie konnte mein Vater mir das antun? Warum hat
er das getan? Warum habt ihr mit das angetan?", fragte sie leise, fast im Flüsterton.
Dann fuhr sie fort: "Bitte geht! Ich will euch hier nicht mehr sehen. Und zwar
eine lange Zeit nicht mehr! Am besten nie wieder. Kian du kannst deine Sachen
morgen abholen!" Mit diesen Worten verließ sie das Wohnzimmer und Kian
und Alexa konnten hören, wie sie die Treppen hinauf ging. Dann war es still
im Haus. Alexa und Kian schauten sich nicht an, sie starrten einfach vor sich
auf den Boden. Beiden war bewusst, was sie gerade getan hatten. Alexa hatte
ihre beste Freundin verloren, wahrscheinlich für immer. Und Kian hatte
seine Frau verloren, auch wenn es für ihn wahrscheinlich nicht so schlimm
war, wie für Alexa. Irgendwann standen sie auf und verließen
das Haus.
Ein Jahr später:
"Schatz, kommst du? Essen ist fertig?" "Ja! Gleich!" Alexa saß im Garten
und schaute in die Ferne. Heute vor einem Jahr war es gewesen. Es war der 14.
Juni. Das Wetter war genauso schön wie damals. Alexa konnte sich noch gut
an das vergangene Jahr erinnern. Die Presse hatte sich überschlagen mit
der Neuigkeit von Kian und Alexa. Hunderte Male mussten sie ihre Geschichte
erzählen. Hunderte Male fühlten sie sich nicht gut dabei. Es gab viele
Leute, die Kian und Alexa nicht verstanden, aber es gab mehr, die sie unterstützten.
Vicky hatten beide einige Monate nicht gesehen. Einmal hatten sie sich beim
Einkaufen getroffen, aber sie hatten nichts gesagt. Nichts geredet. Kian hatte
in der Nähe von Sligo ein schönes Haus gekauft. Alexa war zu ihm gezogen,
noch vor der Geburt ihrer Tochter Marie- Ann. Gleich nach der Geburt wurde ein
Vaterschaftstest gemacht und Kian war zu 99,9%iger Sicherheit der Vater von
Marie- Ann. Alexa und Gillian waren sehr gute Freundinnen geworden und teilten
viele Geheimnisse. Aber für Alexa war sie nicht wie Vicky. Vicky war einmalig
gewesen. Kian hatte Alexa vor einigen Wochen einen Heiratsantrag gemacht. Am
22.8. würden sie heiraten. Über Alexas Gesicht huschte ein Lächeln,
als sie daran dachte. Sie stand auf und ging zu Kian, der mit seiner Tochter
im Arm auf der Terrasse stand und sie lächelnd in die Arme schloss, als
sie ihn erreicht hatte.