"Warum? Warum nur?‘ Diese Frage hallte fast jede freie
Minute im Kopf von Liz Cassidy. Warum war ihre Mutter
nur so gemein? Sie verstand es nicht. Liz war die
15-jährige Tochter eines angesehen Anwalts in Dublin.
Er hatte kaum Zeit für seine Familie, da er immer
Prozesse gewinnen musste, deshalb fuhren sie in den
Ferien, wenn überhaupt, nie ins Ausland. Die letzten
Sommerferien hatten sie alle in Sligo verbracht. Liz
fand es dort ziemlich langweilig, ging aber öfter mit
der 17-jährigen Tochter ihrer Gastfamilie durch die
Stadt. Sie unterhielt sich gerade mit Karen und ihrem
Freund Mark, als ein anderer Typ hinzukam. Für einen
Moment vernahm sie nur das plätschern des
nahegelegenen Baches und das rauschen des Windes in
den Baumkronen über ihnen. Genau in diesem Moment, als
sie aufblickte und ihm in seine wunderschönen blauen
Augen sah. "Kian, da bist du ja, wir haben schon auf
dich gewartet. Das ist übrigends Liz, Liz, das ist
Kian, ein sehr guter Freund von Mark und mir‘ Genau,
das waren Karens Worte gewesen, als sie die beiden
einander vorstellte. Sie würde sie nie im Leben
vergessen. Als Kian sie das erste mal sah, ihr das
erste mal in die Augen sah, wusste er, das sie die
einzige ist, und auch immer bleiben wird. Er hatte
sich auf den ersten Blick in sie verliebt. In ihre
langen blonden Haare, ihre Haselnussbrauen Augen, ihr
lächeln...
Von diesem Zeitpunkt an unternahmen sie viel
gemeinsam. An einem warmen Juli-Tag küssten sich die
beiden das erste mal unter einer grossen alten Eiche
die einsam auf einer weiten Wiese stand und Kian ritze
ein Herz mir ihren Inizialien in die alte, harte
Rinde. Von da an waren sie noch unzertrennlicher und
nur einen Tag bevor Liz wieder fahren musste, verloren
sie ihre Unschuld. Ihre Mutter hatte alles schweigend
hingenommen, war aber ganz und gar nicht begeistert
von der ganzen Geschichte. Kian und Liz versprachen
sich so oft wie möglich zu schreiben. Am nächsten
Morgen wollte er sie noch ein letztes mal sehen, doch
sie war bereits fort.
Liz bekam nie auch nur einen einzigen Brief von Kian,
sie wusste weder was er gerade machte, oder ob er an
sie dachte. Nach 3 Monaten langen wartens rief sie
schließlich bei Karen an, und fragte, ob sie wüsste,
was mit Kian los sei, oder was er gerade machte. Doch
Karen lachte nur und meinte, dass Kian seinen Spaß
gehabt hätte. Er würde auch nicht nur noch einen
Gedanken an sie verschwenden. Zu allem Übel verbot
ihre Mutter ihr auch noch, ihn jemals wiederzusehen.
Er sei nicht gut genug für sie. Ein Junge vom Land,
mit dem Traum, einmal berühmt zu werden. Nein, er
verdiente Liz einfach nicht. Das war ihre Meinung
dazu. Von da an versuchte Liz das ganze zu vergessen,
ihn zu vergessen. Doch so richtig wollte ihr das nie
gelingen.Einmal war sie drauf und dran einfach nach
Sligo zu fahren, mit dem Zug, und ihn zur Rede zu
stellen, aber ihre Mutter hatte sie in ihrem Zimmer
eingesperrt. Jetzt saß sie im Obergeschoss an ihrem
Fenster, blickte mit Tränen in den Augen hinaus auf
die belebten Strassen Dublins und fragte sich immer
nur "Warum!‘
5 Jahre später saß Kian allein auf einer Holzbank
unter jener Eiche, unter der sie sich das erste mal
geküsst hatten. Er war mit der Boygroup Westlife mega
erfolgreich und hatte so schnell es nur ging die Wiese
mit der Eiche darauf gekauft. Er konnte den Gedanken
nicht ertragen, dass aus ihr evtl. mal Küchentische
oder sonst was werden könnten. Er hatte sich dort auch
ein Haus bauen lassen, und die Zeitungen schrieben
viel drüber, als es endlich fertig war, und er einzog.
Eines Tages in Dublin stand Liz früh morgens auf,
machte sich fertig, ging die mit Parkett belegte
Treppe hinunter in das Esszimmer und las Zeitung.
Sofort auf der Titelseite blieb ihr Blick hängen. War
das da nicht Kian, und die Eiche...? Nein, sie wollte
nicht mehr an ihn denken. Ihre Mutter war vor 2 Jahren
an Krebs gestorben und sie war inzwischen verlobt.
Verlobt mit einem Anwalt, er war acht Jahre älter als
sie. Ronald war sehr charmant, nett, behandelte sie
gut und gab ihr den nötigen Freiraum, den sie
brauchte. 3 Jahre lang war sie mit ihm nun zusammen,
und doch fehlte ihr etwas. Sie konnte mit ihm nicht
über alles offen reden. Überhaupt redeten sie immer
nur ziemlich wenig miteinander. Diese simple
miteinander reden vermisste sie. Das war etwas
gewesen, was sie bisher nur mit Kian konnte. Kian!
Schon wieder drängte er sich in ihre Gedanken. Warum
konnte sie ihn auch nach 5 Jahren noch nicht
vergessen? Was war so schwer daran? Ihr Vater pflegte
stets zu sagen "Seine erste liebe vergisst man nie!‘
Wie recht er doch eigentlich damit hatte wusste er
nicht.
Es waren nur noch 3 Wochen bis zur Hochzeit als Liz
ein seltsamer Gedanke durch den Kopf ging. Sie musste
Kian einfach noch einmal sehen. Sie brauchte Antworten
auf so viele Fragen, die ihr schon seit 5 Jahren keine
Ruhe liessen. Sie musste ihm auch so vieles erzählen,
doch er war inzwischen ein Star, wie sie herrausfand,
wie also an ihn rankommen? Sie beschloss, einfach zu
ihm zu fahren. Sie wollte es so schnell wie möglich
erledigen, und ausserdem hatten Westlife gerade 2
Wochen Urlaub.
"Ronald? Bist du das?" "Ja, schatz!" "Kann ich mal
kurz mit dir sprechen?", fragte Liz schließlich,
nachdem Ronald in das große Wohnzimmer kam. Er setzte
sich zu ihr auf die weiße Couch und blickte sie etwas
verwirrt an. "Ich möchte für ein paar Tage nach Sligo
fahren. Ich habe gehört, dass es dort einige schöne
Antiquitäten-Geschäfte gibt. Ich möchte mich dort
gerne mal ein bisschen umschauen. Ich brauche einfach
noch etwas ruhe vor der Hochzeit." "Mach das, aber
jetzt lass mich bitte einen Moment allein. Ich muss
noch schnell einen Fall bearbeiten!"
Damit ging Ronald hoch in das Lesezimmer und liss Liz
allein im Wohnzimmer zurück. Aus irgendeinem Grund
hielt sie es für ratsamer den wahren Grund, warum sie
nach Sligo wollte, zu verschweigen.
Kian sah etwa zur gleichen Zeit fern, bis es an seiner
Haustür klingelte. Er ging hin und öffnete sie,
gespannt wer ihn besuchen wollte.
"HI Kian, kann ich reinkommen?"
"HI Berry, ja klar!"
Berry war ein sehr guter Freund von Kian, obwohl sie
sich erst seit etwa 3 Wochen kannten. Genau seit dem
Tag, an dem Kian in sein Haus gezogen war. Die beiden
verstanden sich gut und konnten über alles reden. Auch
die Sache mit Liz vor über 5 Jahren hatte Kian ihm
erzählt.
"Wie geht es dir?", fragte Kian seinen Freund, als er
ihm ein Glas Cola hingestellt hatte. "Achja, ganz gut.
Ist nur etwas langweilig im Moment. Und wie geht’s
dir? Musst du immernoch jeden Tag an sie denken?"
"Ja, ich weiss auch nicht warum. Sie geht mir einfach
nicht aus den Kopf. Ich verstehe bis heute nicht,
warum sie mir nie zurückgeschrieben hat!"
"Es wird schon einen Grund gegeben haben!"
Sie redeten noch eine ganze Weile, bis Berry wieder
ging.
Ja, Kian hatte Liz eine Menge Briefe geschrieben. Fast
2 Jahre lang, jeden Monat einen. Dann hat er den
letzten Brief an sie verfasst. Dort stand drin, dass
er nicht verstehe, warum sie nicht zurück schrieb. Und
das er wohl einsehen müsste, dass das Ganze nur ein
Abenteuer für sie gewesen war.
Einen Tag später warf sich Liz auf ihr Bett im
Hotelzimmer. Nun war sie in Sligo. Noch einmal las sie
sich den Zeitungsartikel über Kian durch. Sie hatte
ihn sofort ausgeschnitten und in ihr Portemonaie
getan. Sie beschloss erstmal zu duschen, und dann in
ein Antiquitätengeschäft zu gehen, damit sie Ronald
irgendetwas vorweisen könnte, wenn sie wieder zurück
war. Es war zwar nicht seine Art, sie zu
kontrollieren, aber sicher ist sicher.
Bevor sie dann jedoch aufbrach rief sie ihn noch mal
an und vedrsicherte ihm, das es ihr gut ginge und so
weiter. Eigentlich ein ganz normales Gespräch, wie sie
fand.
Am nächsten Tag wachte sie erst spät auf. Es war
bereits halb eins. Sie sprang auf machte sich fertig
und setzte sich auf ihr Bett. Und was jetzt?, fragte
sie sich selber. Da fiel ihr Kian wieder ein. Sollte
sie jetzt zu ihm fahren? Sie entschloss sich dafür,
wenn sie es jetzt nicht tun würde, dann nie. Mit
klopfendem Herzen stand sie auf, ging zu ihrem Auto
und fuhr los. Sie wusste den Weg noch, den sie fahren
musste. Sie bog in die Strasse ein und sah das Haus
schon von weitem. Langsam bog sie in die lange
auffahrt ein.
Kian saß draussen auf der Veranda. Als er das Auto
einbiegen sah, dachte er, dass es ein Journalist, oder
irgendein Fan sein würde, stand auf und ging darauf
zu.
Liz atmete noch einmal tief durch, bevor sie ausstieg.
Als sie ihm in die Augen blickte, die sie musterten,
blieb er wie angewurzelt stehen. Das konnte doch nicht
sein. War das wirklich Liz die da vor ihm stand.
Tausend Fragen schwirrten ihm durch den Kopf. Was
wollte sie hier, woher wusste sie, wo er wohnte.
Achja, der Zeitungsartikel, aber....
"HI Kian, schön dich wiederzusehen!", beendete sie das
scheinbar minutenlange Schweigen.
"Liz? Bist du es wirklich?" Immernoch ungläubig
schaute er sie an und ging noch einen Schritt auf sie
zu.
"Ja, ich bin es. Ich muss mit dir reden!"
"Komm doch bitte rein."
Drinnen angekommen setzten sie sich in die Küche und
Kian machte für beide einen Tee.
"Sag mal Kian, wohnst du hier ganz alleine?" "Ja,
leider, für mich ist das Haus nämlich viel zu gross!"
Allein? Na toll, dachte sich Liz. Es wäre für sie
wesentlich einfacher geworden, wenn es da jemanden an
seiner Seite gegeben hätte.
"Du wolltest mit mir reden?", holte er sie aus ihren
Gedanken zurück. "Ja, ich wollte dich fragen, warum du
mir nie geschrieben hast. Ich habe Monatelang auf
einen Brief von dir gewartet."
"Wie? Ich soll dir nicht geschrieben haben? Das ist
nicht dein Ernst. Ich habe dir 2 Jahre lang
geschrieben. Aber du hast nie geantwortet!" "Ich habe
nie auch nur einen Brief von dir bekommen.
Aber....nein, das glaube ich nicht!" "Was ist denn?
Denkst du,..." "Ja, ich denke meine Mutter hat alle
Briefe abgefangen. Wie konnte sie das nur tun?" "Du
kennst doch deine Mutter, sie war doch von Anfang an
gegen mich. Aber warum hast du mir nie geschrieben?"
"Ich habe dir so ziemlich jeden Tag geschrieben.
Alles, was mir passiert ist. Doch ich habe die Briefe
nie abgeschickt. Ich hatte Angst, Angst, wie du darauf
reagieren würdest..." Wieder trat minutenlanges
Schweigen ein, in denen sie nur ab und zu einen
Schluck Tee tranken. "Was machst du heute
eigentlich?", fragte Kian irgendwann. "Ich studiere
Jura. Mein Vater und mein Verlobter wollen es so. Aber
es macht mir auch irgendwie Spaß!" "Du bist verlobt?"
"Ja, er heißt Ronald. Ich glaube du würdest ihn
mögen." "Mag sein. Ist er gut zu dir?" "Ja, er ist
sehr charmant und zuvorkommend!" Kian verstand die
Welt nicht mehr. Erst kommt sie wieder zurück,
scheinbar nur um ihm zu sagen, dass sie nun verlobt
sei. Liz blickte auf. Die beiden schauten sich direkt
in die Augen. Für einen Moment kam ein lange nicht
mehr gespürtes Gefühl in Liz auf. So, wie sie es bei
Ronald nie empfunden hatte. Schnell schaute sie wieder
weg. Was war das? War sie wieder dabei, sich in ihn zu
verlieben? Nein, das durfte nicht sein, sie war doch
verlobt!
"Kian, es tut mir leid, ich muss jetzt gehen."
"Wann fährst du wieder nach Hause?" "Übermorgen, denke
ich!" "Sollen wir Morgen etwas zusammen unternehmen?
Ich könnte für uns kochen!" Sollte sie wirklich? Liz
bekam Zweifel, Zweifel, ob sie den morgigen Tag
überstehen würde, mit ihm. "Ja klar, gerne, wann soll
ich kommen?", hörte sie sich zu ihrer Überraschung
selbst sagen, und im nächsten Moment hätte sie sich
wieder dafür ohrfeigen können. Kian begann zu lächeln.
"Vielleicht so gegen sechs?" "Ja klar, ich komme. Bis
dann!" Sie umarmten sich kurz, bevor Liz wieder
hinausging, und in ihr Auto stieg. In ihrem Auto
musste sie erst mal tief durchatmen. Warum hatte sie
das gemacht? Sie hätte einfach nein sagen und in ihr
Auto steigen können. Dann wäre sie nie wieder hier hin
gekommen, sie hätte Ronald geheiratet und alles wäre
gut. Oder? Wäre wirklich alles gut geworden, wenn sie
es so gemacht hätte? Über diese Frage zerbrach sie
sich noch lange, bis spät in die Nacht den Kopf, bevor
sie in einen tiefen, aber nicht traumlosen Schlaf
fiel. Sie träumte von Ronald, von ihrer baldigen
Hochzeit, doch immer wieder drängte sich Kian in diese
scheinbar harmonische und ruhige Welt. Sie kam einfach
nicht von ihm los.
Am nächsten Tag wachte sie erst sehr spät auf. In
aller Ruhe machte sie sich fertig und ging dann
hinunter in den Speisesaal des Hotels. Als sie an der
Rezeption vorbei wollte, wurde sie zurückgerufen.
"Miss Cassidy? Entschuldigen sie bitte, aber da hat
gestern ein Mann versucht sie zu erreichen. Er hat 9
mal hier angerufen." "Ja, danke Mr. Wenn er noch mal
anruft, sagen sie bitte, ich sei einkaufen!" "Wie sie
wünschen Miss!" 5 Minuten später saß sie an einem
Tisch, und dachte über das gerade geschehene nach.
Warum hatte sie das getan? Jetzt belog sie ihren
Verlobten schon. Aber hatte sie das nicht von Anfang
an getan?
Ronald hingegen machte sich zu Hause ernsthafte Sorgen
um Liz. Warum meldete sie sich nicht? Wo war sie
gerade, was machte sie gerade? Er wurde immer
unruhiger. Was hatte sie bei ihrem Telefongespräch vor
einem Tag noch mal gesagt? Es ginge ihr gut, er
brauchte sich keine Sorgen zu machen. Sie würde jetzt
Sligo nach den Antiquitätengeschäften abklappern.
Moment, Sligo? Ihr Vater hatte doch mal was über Sligo
erzählt. Was war diesen Sommer vor mehr als 5 Jahren
dort passiert. Mein Gott, warum erinnerte er sich nur
nicht. Doch je mehr er darüber nachdachte, um so mehr
kam es wieder hoch. Es ging um einen gewissen Kian,
und so weiter.
Den ganzen Tag über machte er sich Gedanken darüber,
doch am späten Nachmittag hatte er eine wichtige
Gerichtsverhandlung. Was sollte er tun?
"Entschuldigung Herr Richter? Ich möchte sie höflichst
darum bitten, dass diese Gerichtsverhandlung auf
Übermorgen früh vertagt wird!" "Mr. McKanzie?! Darf
ich fragen, warum sie um diese Vertagung bitten?"
"Es ist ein dringender persönlicher Grund. Ich möchte
das Ganze hier nicht weiter erläutern!"
"Nun, Herr Staatsanwalt, was sagen sie denn zu dem
Anliegen?" "Ich sehe darin kein sehr grosses Problem.
Von mir aus kann die Verhandlung ruhig vertagt
werden!" "Nun, ich sehe das genauso, zumal Mr.
McKanzie noch nie um so etwas bat. Also muss es
wirklich äusserst dringend sein. Also gut, die
Verhandlung wird auf Übermorgen um 9 Uhr vertagt!"
"Ich danke ihnen vielmals Herr Richter."
Und schon war Ronald aus dem Gerichtssaal
verschwunden. Erst musste er zu ihrem Vater, um zu
erfahren, was in diesem Sommer wirklich geschahen war,
und wo ER nun wohnte. Doch das sollte kein sehr
schwieriges unterfangen werden.
Unterdessen machte sich Liz fertig, für ihr treffen
mit Kian. Draussen war es sehr warm, so entschied sie
sich für ein weisses Top und einen Jeansrock, der ihr
bis kurz über die Knie ging. Sie trug noch etwas
Make-up auf und sie war fertig. Als sie diesmal in
ihren Wagen stieg, war sie nicht so aufgeregt, wie
noch einen Tag zuvor. Sie wusste, was auf sie zukommen
würde. Etwa 15 Minuten später stieg sie wieder aus und
klingelte. Kian machte ihr völlig ausser Atem auf. "Hi
Liz, schön, dass du da bist. Ich brauche allerdings
noch etwas, oder besser das Steak brauch noch etwas."
"Macht doch nichts!", antwortete sie und setzte sich
auf einen Stuhl im Esszimmer, nachdem Kian ihr ihre
dünne Jeansjacke abgenommen hatte.
Währenddessen verschwand er wieder in der Küche und
bereitete den Rest vor.
"Gott, was mache ich hier eigentlich? Ich bin drauf
und dran mich wieder in ihn zu verlieben, aber
Ronald....‘
Noch bevor sie den Gedanken zu Ende denken konnte, kam
Kian auch schon mit zwei vollen Tellern zurück ins
Esszimmer.
Und was da auf den Tellern lag, konnte sich wirklich
sehen lassen. Ein großen Steak mit einer dünnen
Scheibe Schinken und Käse überbacken, dazu ein kleiner
Salat mit Tomaten, Gurken, Blattsalat, Kohlrabi und
Thunfisch, ebenso wie kleinen Kartoffeln, auf denen
ein wenig Kräuterbutter zerlief.
"Und das hast wirklich du alleine gekocht? Das sieht
fantastisch aus!", lobte sie ihn. "Danke!", antwortete
er verlegen. "Und schmecken tut es auch noch gut,
Kompliment, du bist der beste Koch, den ich kenne!"
Kian errötete leicht, und fing dann auch an zu essen.
"Wann heiratest du eigentlich?", fragte Kian
irgendwann, um die mittlerweile eingetretene Stille zu
unterbrechen. "Ähm, in etwas mehr als 2 Wochen. Warum
fragst du?" "Ach nur so!"
Dann schwiegen sie sich die restliche Zeit über wieder
an. Irgendwann waren sie dann fertig mit essen, und
Kian begann abzuräumen. "Warte, ich helfe dir!" So
machten sie sich beide mit ihren Tellern auf in die
Küche. Sie räumten den gesamten Tisch ab und stellten
das ganze Geschirr in die Spülmaschine. Immer noch
schweigend gingen sie ins Wohnzimmer, wo Kian zwei
Stunden zuvor den Kamin angemacht hatte. Er stocherte
etwas in der noch vorhandenen Glut herum, legte etwas
Holz nach und setzte sich zu Liz auf die Couch. Er
legte vorsichtig den Arm um sie und eine Zeit lang
saßen sie einfach nur so da, und guckten in das immer
heller lodernde Feuer.
"Liz...." "Kian...", begannen sie gleichzeitig.
Daraufhin mussten sie beide lachen. "Irgendwie
komisch, was für ein schweigen sich zwischen uns
aufgebaut hat, oder?", fragte Liz dann nach einer
Weile. "Ja, du hast recht!"
Sie schauten sich daraufhin lange und tief in die
Augen. "Liz?" "Mhm?" "Warum?" "Was meinst du?" "Warum
gehst du mir nicht aus dem Kopf? Seit damals konnte
ich dich nicht vergessen, und als du dann gestern
plötzlich vor mir standest, habe ich mich wieder Hals
über Kopf in dich verliebt. Warum?" "Vielleicht aus
dem selben Grund, wegen dem du mir auch immer in
Erinnerung geblieben bist!? Ich habe mir fest
vorgenommen, mich nicht wieder in dich zu verlieben,
aber das habe ich nicht geschafft." Wieder Schweigend
guckten sie sich einfach nur in Augen. Kian kam Liz‘
Gesicht immer näher und irgendwann trafen sich ihre
Lippen zu einem erst zaghaften, aber schnell
leidenschaftlicher werdendem Kuss. "Kian, ich....."
"Shhh....!" Sachte legte er ihr einen Finger auf die
Lippen. Liz schaute ihm in die Augen, und erkannte so
viel Liebe und Zuneigung darin, wie sie schon lange
nicht mehr gesehen hatte. Erst sehr spät in der Nacht
schliefen beide erschöpft aneinander gekuschelt ein.
Es war noch früh am Morgen, als Liz aufwachte. Erst
wusste sie nicht, wo sie war, doch dann erinnerte sie
sich an die letzte Nacht mit Kian. Langsam drehte sie
sich um, Kian war weg. Sie wunderte sich, wo er war,
deshalb stand sie leise auf und ging in die Küche, aus
der sie leichten Kafee-Duft vernahm. Dort stand er,
und deckte den Tisch. "Morgen!", sagte sie noch leicht
verschlafen. Kian drehte sich um, kam auf sie zu und
umarmte sie.
"Kian, wie....!", weiter kam sie nicht, denn Kian
küsste sie leicht auf den Mund. "Ich liebe dich,
Liz!", hauchte er ihr daraufhin leise ins Ohr. Sie
wollte gerade etwas erwidern, als es an der Haustür
klingelte. "Geh‘ schon, ich decke weiter den Tisch!"
Schnell machte er sich auf den Weg zur Tür, und als er
diese öffnete, traf ihn beinahe der Schlag. "Hallo
Kian, schön dich wieder zusehen!" Er hatte sich nicht
verändert. Er war immer noch der grosse, kräftige,
vornehme Herr, der er schon vor 5 Jahren war. "Wer ist
es Kian?", rief Liz aus der Küche. "Es ist dein
Vater!" Ein lautes Scheppern antwortete ihm, kurz
darauf war sie im Flur. "Vater? Was machst du hier!"
"Darf ich erst mal rein kommen?" "Oh, natürlich,
entschuldigen sie bitte Mr. Cassidy." Liz‘ Vater kam
ins Haus, und er setzte sich mit seiner Tochter ins
Wohnzimmer, nachdem er Kian bat, sie beide doch bitte
allein zu lassen.
"Nun, Vater!?" Liz wollte endlich wissen, warum er
gekommen war. "Liz, ich möchte dich warnen."
"Warnen? Wovor?" "Vor Ronald, er ist auf dem Weg
hierher. Er war gestern Abend bei mir und hat alles
über dich und Kian wissen wollen. Als er dann
erzählte, dass du in Sligo seist, wusste ich sofort,
dass du nur bei Kian sein konntest. Ronald wollte sich
heute früh auf den Weg machen, ich bin hingegen noch
gestern Abend losgefahren, eben um dich zu warnen.
Liz, was ist los? Ich dachte du liebst Ronald!?"
"Vater, das tue ich auch, aber Kian... Ich konnte ihn
all die Jahre nicht vergessen, ihn liebe ich doch
auch!" "Ach Kind....!", seufzte ihr Vater. "Was willst
du jetzt tun?" "Ich weiss es nicht, ich weiss es
wirklich nicht. Ich möchte Kian nicht verletzen,
ebenso wenig Ronald..." Sie war in einer Zwickmühle.
"Liz, ich möchte dir etwas geben."
Er reichte einen Stapel Briefe über den Tisch. "Das
sind die Briefe, die Kian dir über zwei Jahre lang
geschrieben hat. Deine Mutter hatte sie immer
aufbewahrt, nun denke ich, ist es an der Zeit, dass du
sie bekommst. Und ich möchte, dass du weisst, das ich
immer hinter dir stehen werde, egal, wie du dich
entscheidest. Ich gehe jetzt wieder. Ronald wird denke
ich im Hotel auf dich warten. Viel Glück mein Kind!"
Schweigend gingen beide zur Tür. Als sie sich noch
einmal kurz umarmten meinte Liz von ihrem Vater ein
"Hör‘ auf dein Herz!", gehört zu haben. "Wenn es doch
so einfach wäre..‘, dachte sie, als er schon längst
mit seinem Auto in die Strasse eingebogen war. Ruhig
ging sie zurück zu Kian, der mittlerweile am
Küchentisch saß, und wohl auf sie wartete.
"Was wirst du tun?" Sie setzte sich erst an den Tisch,
bevor sie ihm antwortete. "Kian, ich liebe dich, aber
ich liebe auch Ronald, und ich bin mit ihm verlobt.
Ich würde am Liebsten keinen von euch verletzten. Aber
wenn ich vernünftig bin, dann gehe ich zurück zu
Ronald." "Ich verstehe dich. Tu‘ was du für richtig
hältst."
Ohne zu frühstücken standen die beiden auf und gingen
zur Tür. "Liz, wohl oder übel werde ich deine
Entscheidung akzeptieren müssen. Ich liebe dich, lebe
wohl" "Du auch Kian!"
Schnell ging sie ohne sich auch noch einmal umzudrehen
zu ihrem Auto und stieg ein. Sie fürchtete, dass sie
sich doch noch um entscheiden würde, wenn sie zurück
blicken würde. Sie dachte über vieles nach, während
sie zurück zum Hotel fuhr.
Sie fuhr auf den Parkplatz des Hotels und sah Ronalds
Auto schon von weitem. Obwohl der Parkplatz direkt
neben seinem Auto frei war, zog sie einen anderen
weiter davon weg vor. Sie parkte ihr Auto und lehnte
sich zurück. "Was soll ich Ronald erzählen?!‘, fragte
sie sich. Da vielen ihr wieder die Briefe von Kian ins
Auge. Sie beschloss, den letzten zu lesen und zog ihn
langsam aus dem Bündel raus. Mit zittrigen Fingern
öffnete sie ihn und fing an zu lesen.
Geliebte Liz,
ich kann nicht verstehen, dass du mir nicht zurück
schreibst. War das denn wirklich nur alles ein
Abenteuer für dich? Mehr nicht? Für mich war es das
ganz und gar nicht. Ich denke jetzt noch an die 3
Wochen, die wir damals zusammen verbracht haben, fast
jeden Tag gehe ich zu der alten, knochigen Eiche auf
der Wiese, und sehe mir das Herz an, noch immer kann
ich dein Parfum riechen und ich sehe dein Gesicht an
jeder Wand, auch wenn es dunkel ist. Du sagtest immer,
du würdest mich brauchen, wie die Rose die Sonne, weil
sie sonst sterben würde. War das alles eine Lüge von
dir? Liz, ich liebe dich noch immer, mit jeder Faser
meines Herzens, und ich werde es auch immer tun.
Manchmal träume ich davon, dass wir einfach weglaufen,
egal was andere Leute sagen, aber es ist eben nur ein
Traum, indem du deine Arme um mich legst, und mir
sagst, dass du immer bei mir bleiben wirst. Ich würde
dich so gerne wieder in meinen Armen halten, aber mit
einem Foto geht das schlecht. In dem Sommer habe ich
immer die Minuten, Stunden und Sekunden gezählt, bis
du wieder bei mir warst. Dann verging jede Minuten wie
eine ganze Stunde bis du wieder bei mir warst, und ich
dir wieder in die Augen schauen konnte. Aber ich muss
jetzt wohl leider akzeptieren, dass ich dich verloren
habe.
Die ist der letzte Brief, den ich dir schreiben werde.
In ewiger Liebe
Kian
Mit Tränen in den Augen legte sie den Brief sorgfältig
wieder zusammen und zu den anderen. Schnell blickte
sie in den Spiegel und bereute es, nie Wimperntusche
und Kajal mit zu haben. Wie gut hätte sie jetzt beides
gebrauchen können. Noch einmal atmete sie tief ein und
dann stieg sie aus. Mit langsamen Schritten machte sie
sich auf den Weg zum Eingang des Hotels, schon von
draussen konnte sie Ronald erkennen, wie er in der
Lobby stand. Kurz blieb sie stehen, atmete ein
weiteres mal tief durch und plötzlich wusste sie, was
sie ihm sagen würde.
"Und Mama?! Was hat Liz denn nun gemacht?" Fragend
guckte die Kleine zu ihrer Mutter! Es war doch immer
wieder unglaublich, wie neugierig sie war, obwohl sie
erst 3 Jahre alt war. Ihre Mutter dachte zurück. "Tja,
was hat Liz gemacht? Hat sie sich auf ihr Herz
verlassen, oder hat der Verstand gesiegt? Was denkst
du Sabrina?"
Sie zuckte mit ihren kleinen Schultern. Ihre Mutter
fing an zu lächeln, als sie kurz nachdachte.
"Nun, Liz ging kurz darauf in das Hotel hinein, Ronald
kam auf sie zu und nahm sie in den Arm. Er fragte sie
ob alles in Ordnung sei, was sie bejahte. Schweigend
gingen die beiden hoch und Liz erklärte ihm alles. Sie
erzählte von Kian, und davon, dass sie keinen von
ihnen verletzten wollten und warum sie jetzt hier war.
Ronald war zuerst sauer, verstand sie aber kurz
darauf, warum sie ihm nicht von vornherein die
Wahrheit gesagt hatte. Noch am selben Abend fuhren sie
zurück nach Dublin!" Die beiden hörten hinter sich ein
kurzes Räuspern. "Papa!", rief die Kleine, fing an zu
strahlen und streckte ihre Ärmchen nach ihm aus.
"Was machst du denn schon hier, und wie lange stehst
du dort?", fragte sie ihn. "Ich habe die ganze
Geschichte mit angehört!", sagte er mit seiner ruhigen
dunklen Stimme. Er kam auf sie zu und umarmte sie von
hinten.
"Ist Liz dann immer mit Ronald zusammen geblieben?",
fragte die Kleine wieder und das Lachen von ihr hörte
auf. Ihr Vater guckte sie mit einem Lächeln im Gesicht
an. "Wer weiss, das ist eine andere Geschichte. Du
solltest schon längst im Bett sein!", antwortete ihr
Vater. Sabrina zog einen Schmollmund. "Menno!"
"Morgen Abend erzähle ich dir die Geschichte zu Ende,
ok? Aber nur wenn du jetzt schläfst!", sagte nun
wieder ihre Mutter. "Hm, ok!" Wie süß sie doch war.
Sie bekam noch einen Gute-Nacht-Kuss von beiden,
drehte sich dann um und schlief auf der Stelle ein.
Ihre Eltern gingen beide aus dem Zimmer. Sie schloss
die Tür und drehte sich dann zu ihm um. Schweigend kam
er auf sie zu und legte seine Hände auf ihre Hüften.
Die Gesichter der beiden kamen sich immer näher. "Ich
liebe dich Liz!" "Ich liebe dich auch Kian!" Dann
küssten sie sich leidenschaftlich.
-ENDE-