
Weinend ließ Jodi sich auf die Couch fallen. Sie vergrub ihr Gesicht in einem Sofakissen, das gerade neben ihr lag. Wie schrecklich konnte das Leben sein und eben war sie doch noch so glücklich gewesen. Sie war zu Hause - ihr Schatz sollte heute gegen Abend ankommen - sie hatte für ihn kochen wollen, war vor dem Frühstück noch schnell die Zeitung holen gegangen und nun ... alles schien sinnlos. Ihr Frühstück stand unangerührt auf dem Tisch und sie bekam keinen Bissen runter. Zu tief war der Schmerz. Sie hatte sich mit der Zeitung an den Tisch gesetzt und schlug sie auf, doch was ihr da ins Auge stach gefiel ihr ganz und gar nicht. Ein Bild von Kian, wie er mit einem hübschen braunhaarigen Mädchen eng aneinander geschmiegt tanzte und darunter folgender Text:
Geht Westlifes Kian Egan fremd?
Kian Egan, Sänger der irischen Boygroup Westlife, wurde am Freitag Abend
mit einer braunhaarigen Schönheit im Londoner Nachtclub „Firey“ gesehen,
wie er mit ihr eng umschlungen tanzte und sie anschließend auf ein Drink
einlud. Plötzlich verschwanden die beiden in Richtung der Toiletten, wo
sie auch etwa eine viertel Stunde verschwunden blieben. Vermutlich sind die
beiden ein Paar, denn sie verließen den Club zusammen mit Bandmate Mark
Feehily, Shane Filan (mit seiner Angetrauten), Nicky Byrne und Frau Georgina
Ahern (Tochter des irischen Primier Berty Ahern). Ein offizielles Statement
von Egan gibt es allerdings noch nicht, denn beide waren ziemlich angetrunken
als sie den Nachtclub verließen. Ob Jodi Alberts, Freundin von Kian Egan
davon etwas weiß? Wir bezweifeln es stark. Was wird sie wohl dazu sagen?
Eines ist jedenfalls sicher: Gefallen wird es ihr nicht.
„Wie Recht sie doch hatten ...“, dachte Jodi und griff nach ihrer Teetasse, die vor ihr auf dem Couchtisch stand.
„Hi Jodischatz! Ich bin wieder da! ... Jodi?“, Kian rief durch die Wohnung
nach ihr, doch sie antwortete nicht. Sie konnte nicht, denn sie war immer noch
zu geschockt und wütend auf Kian. Er schloss die Tür hinter sich und
hängte seine Jacke auf den Kleiderständer, die Tasche flog in die
Ecke, dann hörte sie Schritte und kurz darauf erschien Kian im Wohnzimmer.
Er strahlte, doch als er Jodi erblickte erschrak er und stürzte sofort
zu ihr. „Um himmels Willen! Jodi, was ist passiert?“, rief er aus, doch sie
stieß ihn von sich und schrie: „Verschwinde! Du mieses Schwein! Wieso
wagst du dich eigentlich noch hier her, nach der letzten Nacht?“ Kian sah sie
verständnislos an und fragte dann ganz vorsichtig: „Em Jodi, ich weiß
nicht was du von mir willst. Welche Nacht, worum geht es hier?“ „Sag mal spinnst
du?! Hältst du mich für total bescheuert oder was?! Treibst dich mit
anderen Weibern rum und kommst strahlend, wie wenn nichts gewesen wäre,
hier rein und jetzt tust du noch so, als wüsstest du nichts? Nein Egan,
nein! Ich hab’s satt! Verschwinde, hau ab von hier! Es gab schon so oft irgendwelche
Probleme, aber sowas hätte ich dir nicht zugetraut.“, sie brach weinend
auf der Couch zusammen und Kian starrte sie geschockt an. „Ich ... ich hab aber
doch gar...“ „Halt die Klappe Egan! Ich will nichts mehr hören. Mir reicht,
was ich gelesen habe. Und sogar ein Foto von euch.“, sie ließ ihn gar
nicht zu Wort kommen. Kian schnappte sich die Zeitung die ebenfalls auf den
Couchtisch lag und blätterte schnell durch. Schon bald hatte er den Artikel
gefunden und überflog ihn. „Äh Jodi, die Frau da ist Joanne, die Gewinnerin
von „You’re the one“. Sie ist mit uns halt weg gewesen und wir haben getanzt.
Aber auch Mark hat mal mit ihr getanzt. Blöder Zufall, dass die Paparazies
gerade uns zwei fotografiert haben.“, versuchte Kian klar zu stellen. „Ach ja?
Und warum bist du dann mit ihr so lange auf den Toiletten verschwunden?“, fragte
Jodi scharf. „Ich hatte ihr einen Drink spendiert und den hat sie sich irgendwie,
als sie Gillian ihr Glas rüber schieben wollte, über den Rock gekippt
und da bin ich mit ihr ins Bad, um die Sauerei wieder zu beseitigen, denn sie
hat sich ein paar Tage vorher eine Sehnscheideentzündung geholt und deshalb
kann sie den Arm gerade nicht benutzen und nur mit einer Hand einen Rock sauber
zu bekommen ist ja wohl schier unmöglich.“, erklärte Kian und hoffte,
dass Jodi ihm endlich Glauben schenkte. Diese hatte sich inzwischen erhoben
und lief nun ohne noch ein Wort zu sagen ins Schlafzimmer. Kian sah ihr traurig
hinterher und zündete sich eine Zigarette an. Das tat er immer, wenn er
traurig oder gestresst war und am meisten wenn er Sorgen hatte und die machte
er sich gerade. Eine halbe Stunde später kam Jodi mit einem gepackten Koffer
wieder aus dem Schlafzimmer und lief, ohne ihn eines Blickes zu würdigen,
in Richtung Wohnungstür. Kian sprang auf und rief ängstlich: „Jodi!
Wo willst du hin? Es ist alles wahr, was ich dir gesagt habe.“ „Mag sein.“,
antwortete sie schroff und verschwand aus der Tür. Kian stand wie angewurzelt
im Treppenhaus und starrte durch die Scheiben nach draußen, wo sie den
Bürgersteig entlang hetzte, als ginge es um ihr Leben. Lange stand er so
da und starrte einfach nur nach draußen, wo es inzwischen begonnen hatte
zu regnen. Das Wetter schien heute immer seiner Stimmung zu entsprechen, denn
als er heim gekommen war hatte die Sonne vom Himmel gestrahlt und nun...? Langsam
erwachte Kian aus seiner Starre und ging lahm in die Wohnung zurück und
blieb vorm Telefon stehen. Unschlüssig, was er tun sollte stand er eine
Weile da und hob dann doch den Hörer ab, um Shane und Mark anzurufen. „Filan?“,
meldete sich Gillian und Kian versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. „Gill,
ist Shane da?“, brachte er stotternd hervor. „Äh ja, aber was ist denn
passiert, Ki? Du klingst nicht gut.“ „Kommt einfach her, bitte!“, schluchzte
er nun los. „Oh mein Gott Kian, wir sind gleich bei dir.“, damit legte sie auf
und wenig später schellte es auch schon. Kian hatte Mark nur eine SMS geschrieben,
da er nicht mehr in der Lage war mit ihm persönlich zu sprechen. Kurz nachdem
Shane und Gillian eingetroffen waren kam auch Mark und gemeinsam setzten sie
sich ins Wohnzimmer. „So Ki und nun erzähl mal!“, forderte Shane ihn auf.
Doch Kian zeigte nur wortlos auf die Zeitung, die er vorhin achtlos auf den
Boden geworfen hatte, als Jodi so überstürzt verschwunden war. Gillian
griff sie sich und blätterte darin und nach kurzer Zeit stieß sie
auch schon auf den Artikel. Sie las ihn sich durch und ihre Augen wurden immer
größer. „Oh my god!”, stöhnte sie und gab die Zeitung an ihren
Mann weiter. Auch diesem sah man an, dass er das Ganze nicht in Ordnung fand
und auch Mark, der über Shanes Schulter geschaut hatte, um mitlesen zu
können, schüttelte verständnislos den Kopf. „Wie kann man nur
so dreist sein und so einen Müll schreiben?“, fragte Gillian nun. Doch
Kian zuckte nur mit den Schultern. „Und das glaubt Jodi? Dann ist sie aber ganz
schön blöd. Sie müsste doch genauso gut wie wir wissen, dass
die Presse gern irgendwelche Gerüchte verbreitet.“, meinte Shane schließlich.
„Ich hab sie eigentlich für schlauer gehalten.“, bemerkte Mark. „Toll Mark,
ich auch!“, rief Kian aufgebracht. „Hey Ki, ganz ruhig. Wir wollen dir doch
bloß helfen.“, fing Shane an. „War doch nicht böse gemeint.“, entschuldigte
sich Mark auch gleich. Kian nickte, er hatte so wie so keine Lust sich mit seinen
Freunden zu streiten. Nicht jetzt, wo Jodi weg war, da brauchte er sie mehr
den je. Gillian stand auf und ging in die Küche, um etwas zu Trinken zu
holen und Kian einen Tee zu machen, doch als sie den Raum betrat, erblickte
sie ein Vollständiges Frühstück, was noch gar nicht angerührt
war. „Kian, willst du das Frühstück noch essen?“, rief sie deshalb
in die Stube rüber. „Hä, was?“, fragte er lustlos. Was laberte die
denn da von Frühstück, um diese Uhrzeit, am späten Nachmittag,
fast Abendbrotzeit. „Hier steht noch ein komplettes Frühstück auf
dem Tisch.“, antwortete Gillian und brachte erst mal drei Gläser und eine
Tasse in die Stube. „Ist nicht von mir. Bin doch erst vor zwei Stunden heim
gekommen.“, meinte Kian leise und sah nicht mal auf. „Oh, dann ist das noch
von Jodi. Soll ich es weg räumen?“, fragte Gillian vorsichtig und legte
ihre Hand auf die ihres Cousins. Er nickte schwach und lehnte sich zurück,
während Gillian wieder in der Küche verschwand. Zehn Minuten später
kam sie schon wieder zurück und brachte eine Flasche Wasser und eine Kanne
Pfefferminztee mit. Dann holte sie noch schnell einen Löffel und Zucker,
denn dafür kannte sie ihren Cousin gut genug, um zu wissen, dass er den
Tee nur gesüßt trinken würde. So saßen sie noch eine Weile
zusammen und unterhielten sich noch ein bisschen, bis Kian vor Erschöpfung
auf der Couch eingeschlafen war. Gillian deckte ihn zu und schrieb noch schnell
einen Zettel: „Hi Ki, wir gehen nach Hause. Wir wollten dich bloß nicht
wecken, denn dir tut der Schlaf auch mal gut. Wenn irgendwas ist, dann meld
dich sofort, ja? Ansonsten kommen wir morgen Vormittag mal vorbei. Bye und lass
den Kopf nicht hängen! Jodi ist es nicht wert. (ich mochte sie noch nie)
Ist wahrscheinlich weibliche Intuition. Also tschaui bis morgen. Gillian Ach
und schöne Grüße von Shane.“ Als Kian mitten in der Nacht aufwachte,
wusste er erst nicht, wo er war, doch dann erinnerte er sich wieder an die Geschehnisse
und erblickte den Zettel auf den Tisch, als er was trinken wollte. Sofort schossen
ihm wieder Tränen in die Augen, doch er musste trotz allem lächeln,
das sah seiner Cousine ähnlich, immer das schreiben, was sie dachte. Manchmal
konnte das hilfreich sein, doch es passierte auch öfters, dass es ziemlich
verletzte, auch wenn sie das gar nicht beabsichtigt hatte. So auch jetzt...
Er stand auf und lief ins Schlafzimmer, wo er sich gleich in seinem Bett verkroch.
Doch er konnte einfach nicht wieder einschlafen, also stand er, nachdem er sich
über eine Stunde in den Laken gewälzt hatte, auf und zog sich einen
Jogginganzug drüber. Dann setzte er sich in sein Arbeitszimmer und nahm
seine Gitarre zur Hand. Leise begann er zu spielen und nach und nach entstand
eine neue traurige Melodie. Zaghaft fing er an einen Text dazu zu singen:
„You said goodbye
I fell apart
I fell from all we had
Seine Finger zitterten beim Spielen und es klang noch trauriger.
To I never knew
I needed you so bad
You need to let things go
I know, you told me so
Draußen regnete es noch immer in Strömen und die dicken Regentropfen
klatschten laut gegen die Fensterscheiben.
I've been through hell
To break the spell
Why did I ever let you slip away
Can't stand another day without you
Without the feeling I once knew
Langsam wurden Kians Augen feucht und er versuchte die Tränen zurückzuhalten.
I cry silently
I cry inside of me
I cry hopelessly
'Cause I know I'll never breathe your love again
I cry 'cause you're not here with me
'Cause I'm lonely as can be
I cry hopelessly
'Cause I know I'll never breathe your love again
Er legte eine Pause ein und angelte nach einem Zettel von seinem Schreibtisch.
Ein Bleistift zog er aus dem Glas, wo er seine ganzen Stifte aufbewahrte. Dann
schrieb er diesen Text, den er gerade so aus dem Stehgreif gesungen hatte auf
und griff anschließend wieder zur Gitarre.
If you could see me now
You would know just how
How hard I try
Not to wonder why
Es war still, so still in dieser Gott verlassenen Wohnung. Nur der pladdernde
Regen draußen, Kians Gitarrespielen und sein Gesang ließen das ganze
etwas lebhafter erscheinen.
I wish I could believe in something new
Oh, please somebody tell me it's not true (oh girl)
I'll never be over you
Why did I ever let you slip away
Can't stand another day without you
Without the feeling I once knew
Nun hatten die Tränen den Kampf doch gewonnen und kullerten seine Wangen
herab. Und wieder begann er den Refrain zu singen.
I cry silently
I cry in side of me
I cry hopelessly
'Cause I know I'll never breathe your love again
I cry 'cause you're not here with me
'Cause I'm lonely as can be
I cry hopelessly
'Cause I know I'll never breathe your love again
Ihm war es noch nie so leicht gefallen einen Song zu schreiben, wie in dieser
Nacht. Das wurde ihm nun schmerzlich bewusst und er beschloss, nicht mehr länger
um Jodi zu trauern. Sie war es wirklich nicht wert, wie Gillian schon sagte,
denn wenn sie, die genauso wissen musste, dass in den Zeitungen oft nur Müll
stand, das glaubte, dann war ihr wirklich nicht mehr zu helfen. Kian hob den
Kopf und sang weiter.
If I could have you back tomorrow
If I could lose the pain and sorrow
I would do just anything
To make you see, you still love me
Die letzten Tränen kullerten über seine Wangen und er sang ein letztes
Mal den Refrain.
I cry silently
I cry inside of me
I cry hopelessly
'Cause I know I'll never breathe your love again
I cry 'cause you're not here with me
'Cause I'm lonely as can be
I cry hopelessly
'Cause I know I'll never breathe your love again”
Der Text war ihm einfach so spontan eingefallen und er passte total zu seinem
Problem. Es war auch eine langsame traurige Melodie und so würde dieser
Song vielleicht sogar irgendwann mal Erfolg haben. Deshalb griff Kian wieder
zu Zettel und Stift und schrieb die Noten, samt Text fein säuberlich auf.
Anschließend versuchte er doch noch ein Wenig zu schlafen und siehe da,
ihm fielen für zwei Stunden doch noch mal die Augen zu.
Am nächsten Morgen kamen Shane und Gill so gegen neun Uhr wieder vorbei
und aßen mit ihm gemeinsam Frühstück. Anschließend räumte
Gillian die Küche auf und spülte das Geschirr, während Kian mit
Shane im Arbeitszimmer verschwand und ihm den Song vorführte. Shane war
begeistert und so fuhren sie wenig später mit Mark und Gillian nach Dublin
und trafen sich mit Louis, um ihm den in der Nacht entstandenen Song zu präsentieren.
Erst war dieser nicht überzeugt, doch als er das Lied ein zweites und drittes
Mal gehört hatte, stimmte er einer Aufnahme zu. Glücklich verließen
die drei Jungs das Büro ihres Managers und fuhren mit Gillian, die im Auto
auf sie gewartet hatte, zu Nicky, wo sie von diesem und Georgina herzlich begrüßt
wurden. Nicky rief dann noch bei Bryan an und fragte ihn, ob er nicht mit Kerry
und den Kids vorbei kommen wollte. Er war sofort begeistert, packte seine Mädels
ins Auto und kam rüber gedüst. Zuerst wurde ihnen allen noch der Song
vorgespielt, doch dann saßen sie einfach quatschend im Wohnzimmer der
Byrnes und lachten viel. Kerry hatte einen Kuchen, den sie zuvor selber gebacken
hatte mitgebracht und Georgina kochte zum Mittagessen zusammen mit Gillian etwas
sehr leckeres. Zum Abendessen fuhren sie dann in ein hübsches Restaurant
und genossen den Abend unter Freunden. So viel hatten alle schon lange nicht
mehr gelacht. Molly und Lilly waren irgendwann auf dem Schoß von Kerry
und Mark eingeschlafen und bekamen nun nichts mehr um sich herum mit. Nur manchmal
knuggelten sie leicht im Schlaf und bewegten sich kurz, doch dann war es auch
gleich wieder still.
Am späten Abend - naja, schon frühen Morgen - als Kian sich ins Gästebett
der McFaddens kuschelte, wusste er, dass dieser Zeitungsbericht ihm nur geholfen
hatte. Denn in dem Restaurant war ihm die ganze Zeit ein hübsches blondes
Mädchen aufgefallen und er hatte sich sogar mit ihr für den Samstag
verabreden können. Glücklich schlief er ein und träumte sicher
von etwas Schönem.
So, das war nun „I cry“ und ich hoffe, sie hat euch ein bisschen gefallen.
Meine beste war es nicht und sie ist auch immer beim Schreiben zu kurz gekommen,
weil „Forever beautiful“ und „Westlifevirus“ wichtiger waren.
Über Feedback würde ich mich trotzdem freuen.
Bye and love ya!!!!
Eure Honey
Honey-Westlife@web.de