Nach 3 Stunden Busfahrt war Isabelle endlich in Sligo angekommen. Sie hievte gerade ihre Tasche aus dem Bus, als ein junger Mann, schätzungsweise Mitte 20, von der anderen Straßenseite auf sie zukam. "Isabelle Kaufmann?" - "Ja, hi." Sie reichte ihm die Hand. "Hi, ich bin Shane, dein Gastvater." Shane nahm ihr die schwere Tasche ab und trug sie zum Auto. "Hattest du eine gute Reise?" - "Ja, ich wollte mir eigentlich die Insel ansehen, aber irgendwo zwischen Tullamore und Athlone bin ich dann eingeschlafen." Shane musste grinsen, da Isabelle wohl ihre Jacke als Kopfkissen benutzt hatte und sich jetzt ein langer Abdruck vom Kordel der Kapuze über ihre rechte Wange zog.
Schon die ganze Zeit, war ihr der Name Filan bekannt vorgekommen und sie hatte auch das Gefühl den jungen Mann auf den Fotos, die sich bei den Infos über die Gastfamilie befanden, von irgendwoher zu kennen. Nur wusste sie nicht woher, sie hatte sich die letzten 3 Tage den Kopf darüber zerbrochen. Doch als er jetzt so vor ihr stand, fiel es ihr schlagartig ein. Na klar, der Sänger von Westlife! Es passte alles zusammen. Die Band hieß Westlife und sie kamen von der Westküste. Außerdem konnte sich ein Normalo wohl kaum so ein schickes BMW Sportcabrio leisten, wie das, in welches sie gerade einstieg. Isabelle musste grinsen, sie stand zwar mehr auf Hip Hop, was an manchen Tagen auch an ihrem Kleidungsstil zu erkennen war, aber deswegen freute sie sich trotzdem darauf, die nächsten 12 Monate Teil einer Promifamilie zu sein. Der Gedanke machte die Kleinstadt um einiges interessanter, als sie bisher glaubte. Isabelle war im August als Au pair zu einer Familie nach Dublin gekommen, nach ungefähr einem Monat stellte sich aber heraus, dass sie dort definitiv nicht ein ganzes Jahr bleiben könnte, um genau zu sein keine Minute länger. Leider konnte ihre Agentur so schnell keine neue Gastfamilie in Dublin finden, aber die Beraterin meinte, dass einer netten Familie an der Westküste quasi in letzter Minute, das Au pair abgesprungen ist, weil sie sich entschieden hatte, dass sie so eine lange Trennung von ihrem Freund nicht überstehen würde. Isabelle hatte keinen Freund, das war schon mal gut, so konnte sie ganz ungezwungen die Welt entdecken und natürlich die irischen Männer... Eigentlich wollte sie gar nicht weg aus Dublin, dort tobte das Leben. Aber sie hatte schon von Freunden, die mal dort im Urlaub waren gehört, dass die Westküste sehr schön sei und außerdem konnte sie schon in 3 Tagen dort anfangen, also entschied sie sich Sligo eine Chance zu geben.
"Sag mal, woher hast du mich eigentlich gleich erkannt? Die Zeit war doch viel zu kurz, als dass meine Unterlagen von der Agentur bei euch angekommen wären, bei der Schneckenpost." - "Na ja, du hattest eine dicke fette Reisetasche dabei, wo locker Klamotten für eine ganzes Jahr reinpassen und außerdem hab ich in Sligo noch nie ein Mädel gesehen, das Skaterhosen trägt." - "Ja, deswegen arbeite ich ja jetzt auch nur noch legal, damit ich nich mehr rennen brauch." Shane grinste. "Sag mal, was lief eigentlich schief bei deiner 1. Gastfamilie?" - "Der Typ hat sich an mich rangemacht. Ich habs natürlich gleich seiner Frau erzählt und sie hat ihn auch rausgeschmissen, anscheinend wusste sie schon, dass er ein Tintenfisch ist..." - "Ein Tintenfisch?" - "Hat seine Finger überall." - "Ach so." lächelte Shane. Isabelles Humor gefiel ihm auf Anhieb, mal sehen wie sie seinen mochte... "Na ja jedenfalls wäre ich auch bei ihr geblieben, aber sie konnte sich mich nicht mehr leisten und is mit den Kindern zurück zu ihren Eltern gezogen." - "Schade, nach der Erfahrung hab ich bestimmt keine Chance mehr bei dir, was?" - "Ach, wieso denn nicht? Du gefällst mir nämlich viel besser. Du bist 1. jünger und 2. hübscher." brachte Isabelle unter Lachen hervor. "Das mag ich am meisten an euch Iren, dass ihr alles locker nehmt und selbst, wenn was Schlimmes passiert is, noch Scherze macht, das hilft viel besser damit klarzukommen. In Deutschland wird immer alles so verbissen gesehen." - "Wieso Scherz? Das hab ich ernst gemeint. Alle Männer sind auf der Suche nach der idealen Frau, vor allem nach der Hochzeit." Das Lächeln auf Shanes Gesicht verschwand und er schaute Isabelle gierig an. Sie wurde ganz steif und zitterte. Da fing Shane an loszuprusten. "Haha, du hättest dein Gesicht sehen sollen." Isabelle entspannte sich wieder und gab ihm einen Klaps gegen den Arm. "Mach, das nie wieder mich so zu erschrecken!" - "Ach komm, ich wollte doch nur mal testen, wie cool du wirklich bist." Shane setzte sein süßestes Lächeln auf, dass Isabelle das Herz aufging und auch sie anfangen musste mit lachen.
"So, wir sind da." - "Ähm, soll ich aussteigen und das Tor öffnen?" - "Nein, das geht doch alles elektrisch." Shane klimperte irgendwas in eine kleine Fernbedienung ein und das große Tor ging auf. Was dahinter zum Vorschein kam, verschlag Isabelle den Atem, das Haus glich einem Palast. Hehe, das Tajh Mahal von Irland, dachte sie. Die haben bestimmt 8 Badezimmer oder so, da bekomm ich sicher mein eigenes und natürlich ein pervers großes Zimmer, yippie! Der BMW hielt vor einer fetten Garage, die locker Platz für 15 Wagen bot.
Als sie ausstiegen kamen ihnen Gillian und ein kleines rothaariges Mädchen, so um die 3 Jahre, entgegen um Isabelle zu begrüßen. Die Kleine trat nur schüchtern hinter ihrer Mutter hervor, doch als Isabelle sie anlächelte, ergriff die kleine Patschhand Isabelles. "Komm, ich zeig dir den Garten!" - "Aber nicht so lange. Emily, du musst ins Bett und Isabelle ist sicher hungrig." ermahnte Gillian ihre kleine Tochter. Und an Isabelle gewandt "Emily wollte noch warten bis du ankommst, aber normalerweise müsste sie schon lange schlafen. Kommt in 5 Minuten ins Haus, das Abendessen ist bald fertig."
Shane nahm seine Frau in den Arm und sie sahen den beiden Mädchen noch eine Weile nach. Als sie außer Hörweite waren fragte Shane "Na, was hältst du von ihr?" - "Ich finde sie nett, aber das hab ich dir ja schon gesagt, nachdem ich mit ihr telefoniert hatte. Emily mochte sie auch gleich und war nicht so schüchtern wie sonst bei Fremden." - "Ja und, sonst fällt dir nichts auf?" - "Sie ist sehr hübsch." - "Ja, aber das meine ich nicht. Fällt dir wirklich nichts weiter an ihr auf?" - "Na ja, sie sieht genau so aus, wie man sich eine Deutsche eben vorstellt." - "Ja doch, aber sonst fällt dir nichts auf?" bohrte Shane weiter nach. "Hör auf mich zu nerven! Worauf willst du hinaus?" - "Na das wär doch genau die richtige für Mark!" - "Nein, ich glaubs nicht. Das Mädchen ist noch nicht mal richtig angekommen, da geht das schon wieder los." - "Was denn? Ich weiß gar nicht warum du dich so aufregst?" - "Das weißt du ganz genau, Shane Filan! Du gehst mir mächtig auf den Zeiger seit du zum Herzblatt-Moderator mutiert bist." - "Wie bitte? Herzblatt-Moderator?" - "Na wie würdest du es denn sonst bezeichnen? Du versuchst seit einem halben Jahr, länger als meine Nerven es aushalten, Mark mit jeder Singlefrau zu verkuppeln die du kennen lernst. Außerdem glaubst du doch nicht im Ernst, dass so ein hübsches Mädchen keinen Freund in Deutschland hat, der auf sie wartet?" - "Na gut, wir machen eine Wette. Wir stellen verschiedene Kriterien auf, jeder gleich viele, wie gut sie zu ihm passen würde. Wenn du gewinnst und sie die Mehrzahl der Kriterien nicht erfüllt, halte ich mich da raus. Und wenn ich gewinne stelle ich sie ihm vor." - "Nein, du wirst sie in Ruhe lassen. Außerdem wette ich nicht mehr mit dir!" - "Hehe, würd ich an deiner Stelle auch nicht machen, so oft wie du schon verloren hast. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, dass du in all den Jahren, die wir zusammen sind, ein einziges mal gewonnen hast. Das wäre doch jetzt deine Chance." - "Oh nein! So leicht lass ich mich nicht austricksen. Shane, jetzt ist es für jemand anderen Zeit Kind zu sein, ok?" - "Bitte, noch eine letzte Wette!" - " Falls du dich erinnerst endet unsere letzte Wette heute Abend." - "Bitte! Das ist jetzt wirklich die allerletzte." Shane setzte seinen Dackelblick auf und sah seine Frau eindringlich an. "Na gut." gab Gillian nach. "Welchen Wetteinsatz forderst du?" - "Wenn ich gewinne, geh ich in den Copy-Shop und lasse für dich ein T-Shirt bedrucken und zwar mit der Aufschrift Verheirat mit dem besten Ehemann der Welt, welches du dann eine Woche lang anziehen wirst." - "Spinnst du eine Woche?! Wie soll ich denn dann riechen?" - "Tja, lass dir was einfallen, dann musst du es eben öfters waschen!" grinste Shane. "Aber wenn ich gewinne, wirst du eine Woche lang jede Hausarbeit verrichten, die ich von dir verlange." - "Klar, schlag ein!" Shane klatschte mit Gillian ab um die Wette zu besiegeln. "Also, die Kriterien. 1. sie muss so lässig sein wie Mark. Und das erfüllt sie definitiv." - "Hey, nein! Das lasse ich aber nicht gelten, nur weil sie weite Hosen trägt. Das werden wir noch sehen." protestierte Gillian. Ihr Mann sah sie überzeugend an. "Oh, törichte Gillian! Du hast sie natürlich schon auf der Herfahrt einen von deinen dämlichen Tests unterzogen." Shane grinste. Gillian nahm seine Hand und sie schlenderten zum Haus. "2. sie darf keinen Freund haben." bestimmte Gillian...
Als Isabelle und Emily die große moderne Küche betraten, wurden sie schon erwartet. Gillian nahm ihre Tochter auf den Arm. "Mami, kann Isa mich nicht ins Bett bringen?" - "Ab morgen kann sie das jeden Tag machen, Schatz." - "Na gut." Emily drückte Isabelle um ihr Gute Nacht zu sagen und winkte ihr über die Schulter ihrer Mutter noch einmal zu. Auch Shane erhob von dem großen Esstisch und ging auf Isabelle zu. "So, und wir machen jetzt erst mal einen Rundgang." Er machte einen auf Gentleman und bot ihr grinsend den linken Arm an. Lachend hakte sich Isabelle unter. Shane zeigte ihr jedes Zimmer und als sie im oberen Geschoss angekommen waren betraten sie eines in dem Isabelles Koffer stand. "... und das ist deins." Isabelle war sprachlos. Es war ein helles und geräumiges Zimmer, in weiß eingerichtet mit einem großen Bett in der Mitte und einem Schreibtisch mit PC. "Darf ich den auch benutzen?" fragte Isabelle etwas perplex. "Klar, das ist mein alter Computer, seit ich vor ein paar Jahren den Laptop angeschafft hab, hab ich ihn nicht mehr benutzt, aber er funktioniert noch und Internetanschluss hat er auch. So kannst du doch am besten mit deiner Family und deinem Freund in Kontakt bleiben." - "Ich hab keinen Freund." - "Gut." grinste Shane. "Äh ich mein natürlich das ist aber schade." - "Ja nicht wahr?... Vor kurzem noch, aber es hat nicht so funktioniert wie ich wollte und da hab ich’s beendet, um frei zu sein, wenn ich weggehe." Isabelle drehte sich, um den ganzen Raum zu begutachten und jetzt fiel ihr eine weitere Tür neben der Eingangstür auf. "Was verbirgt sich denn dahinter?" - "Mach sie auf!" Und tatsächlich stand Isabelle nun in ihrem eigenen Bad.
Als sie die Küche betraten schlug ihnen ein Geruch entgegen, der Isabelle bekannt vorkam. Es roch ganz so als hätte Gillian sich an deutscher Küche versucht. Ihre Befürchtungen bestätigten sich, als diese eine Schüssel mit Weißwürsten auftischte. Gillian hatte sich sogar die Mühe gemacht diesen süßen Weißwurstsenf und Brezeln zu besorgen. "Oh toll Weißwürste! Die wollte ich schon immer mal probieren." versuchte Isabelle ihren Ekel zu überspielen. "Wie, ich denke so was gibt’s bei euch jeden Tag?" - "Nein, ich komme aus Norddeutschland, ich hab das noch nie gegessen. Ich war zwar schon zwei mal auf dem Oktoberfest, aber Weißwürste hab ich da nicht probiert." "Siehste, ich hab dir doch gesagt, das gibt’s nur aufm Oktoberfest und in bayrischen Biergärten. Kannst mir ruhig auch mal was glauben. Ich war immerhin schon öfter in Deutschland als du. Hättste lieber mal Kassler gemacht." fiel Shane seiner Frau in den Rücken. "Oh Kassler ist mein Lieblingsessen, aber falls du auf das Nationalgericht hinaus willst, also auf eins das es überall gibt und das jeder isst, außer die Vegetarier, dann ist es wohl Wiener Schnitzel." bemerkte Isabelle. "Ihh, Gillian! Die Dinger sind ja noch roh." schrie Shane als er sich gerade ein Stück Weißwurst abschnitt. Doch dann blickte er zu Isabelle "Oder muss das etwa so sein?" - "Ich weiß nicht, ich habs ja noch nie gegessen, aber ich glaube nicht." Shane versuchte jetzt ein Stück von seiner Brezel abzubrechen, musste aber aufgeben, weil diese steinhart war. "Boah, damit kann man ja jemanden erschlagen. Gill, schaff die Brezeln aus dem Haus, sonst taucht gleich die US-Army auf, um gefährliche Wurfgeschosse zu beschlagnahmen. Wir haben hier Massenvernichtungswaffeln, äh -brezeln." feierte sich Shane. Isabelle probierte von dem Sauerkraut, was relativ genießbar aussah. "Also das kann man essen und der Senf ist auch gut. Mhh lecker!" und schob sich eine große Portion davon in den Mund. Jetzt musste auch Gillian lachen, die schon fast den Tränen nah gewesen war. Shane stand auf und ging zum Telefon. "Ich ruf mal lieber beim Pizzaservice an."
"Jahh, ich habe gewonnen. Ich!" Shane tanzte freudig vor dem ehelichen Bett auf und ab. Gillian, die sich schon in die Decke gekuschelt hatte betrachtete das ganze amüsiert. "Nein, das hast du nicht." - "Hab ich wohl. Du hast sie doch gehört, Kassler mit Sauerkraut ist ihr Lieblingsgericht." - "Aber nicht das Nationalgericht! Siehs ein, diese eine Wette endet unentschieden." - "Na ja, auch egal, dafür hab ich die nächste schon so gut wie für mich entschieden." grinste Shane und warf sich ins Bett. "Ich hab nämlich herausgefunden, dass sie keinen Freund hat. Yes, 2:0 für mich!" - "Hab ich mich eben verhört, oder was? 1:0." - "Na hör mal, nachdem sie so tapfer das matschige Sauerkraut und diesen widerlichen süßen Senf gegessen hat, wirst du doch nicht mehr anzweifeln wollen, dass sie cool ist?!" - "Na gut, du hast recht, 2:0." - "Wie bitte, hast du eben gesagt, dass ich recht habe? In all den Jahren unser Ehe habe ich diesen Satz noch nicht einmal von dir gehört. Kannst du das bitte noch mal wiederholen?" - "Nein, das werd ich nicht tun!" - "Mhh, du weigerst dich also, dann muss ich dich aber gleich bestrafen." lachte Shane und stürzte sich auf seine Frau.

Einige Tage später, am Nachmittag:
"Sag mal Shane, kannst du mir erklären, warum Isa dein ältestes Auto putzen muss?" - "Na, ich hab ihr versprochen, dass sie eins bekommt." - "Wir haben 15 Wagen in der Garage und da musst du ihr ausgerechnet diesen verdreckten Schlitten andrehen?!" - "Ach komm schon, Gill. Ich wollte doch nur mal sehen, ob die Deutschen wirklich so gut saubermachen können." - "Wir haben das Mädchen aber nicht zu deiner Belustigung eingestellt, sondern damit sie Emily betreut, und wenn du sie mit solchem Mist beanspruchst, bleibt weniger Zeit für Emily... Gehst du auch mal wieder von dem Fenster weg?" Gillian stellte sich jetzt neben ihren Mann und warf ebenfalls einen Blick aus dem Küchenfenster. Im Hof war Isabelle gerade dabei das Auto mit einem Schwamm nass zu machen. Als sie sich wieder zum Eimer beugte um den Schwamm einzutauchen, rutschte ihre schwarze Sporthose ein wenig runter und entblößte einen roten Tanga. "Du wirst ihr sofort helfen, dass Auto mit dem Gartenschlauch abzuspritzen und wehe du machst ihr weißes Top damit aus Versehen nass, dann wirst du den morgigen Tag nicht mehr erleben!" Gillian blinzelte ihren Mann sauer an. "Keine Angst, es ist ein so schöner warmer Septembertag, da wird sie sich schon nicht gleich erkälten." lachte Shane.

Ein paar Tage danach:
"Guten Morgen mein Schatz!" - "Is ja nicht auszuhalten wie fröhlich du bist." gähnte Gillian. "Heute ist ja auch ein wunderschöner Tag und weißt du auch warum?" - "Weil heute Fußball kommt?" - "Ja auch, aber vor allem weil mir gestern Nacht eingefallen ist, dass ich die Wette gewonnen habe. Ich habs mal durchgerechnet, du kannst gar nicht mehr aufholen. Also dann werde ich gleich mal aufstehen und das Verlierer - T-Shirt für dich abholen." - "Tu was du nicht lassen kannst, ich schlummer noch ein bisschen weiter."
Isabelle hatte Emily gerade ins Bett gebracht und bereitete nun das Abendessen zu, als Gillian in die Küche trat. "Hey, du siehst aber schick aus, gehst du weg?" - "Nur einen trinken mit ein paar Freundinnen, damit ich den Alten mal für ein paar Stunden los bin." beide brachen in schallendes Gelächter aus. "Na dann viel Spaß!" - "Werd ich haben. Keine Ahnung wann ich zurück komme. Tschüssi!"
Als das Essen fertig war, machte Isabelle sich auf die Suche nach Shane und fand ihn schließlich im Garten, wie er am Zaun lehnte und nachdenklich die Sonne anstarrte wie sie langsam in der Weite der Pferdekoppel versank. "Vermisst du deine Frau schon oder bist du traurig weil du jetzt keinen Wettpartner mehr hast?" - "Woher weißt du das denn?" - "Ach, ich hab Gill mal auf das T-Shirt angesprochen und da hat sie so was erwähnt." - "Früher hab ich immer mit nem Freund gewettet. Jedenfalls hat der tierischen Schiß vor Aufzügen. Da hab ich einmal halt verlangt, dass wir im Four Seasons in Las Vegas bis ganz nach oben fahren und er hat schon im 20. Stock angefangen wie am Spieß zu schreien, da wars dann vorbei." - "Also wenn du willst kann ich ja ab jetzt mit dir wetten." - "Magst du Fußball?" - "Ich liebe Fußball!" - "Gut, dann können wir nach dem Essen ja zusammen gucken und gleich mal auf das Spiel wetten. Heute spielt Irland gegen Deutschland." - "Ich weiß, hab ich mir schon vorgemerkt."
"Also Isa, schlag eine Wette vor!" - "Ok, ich sage die Deutschen gewinnen und Ballack schießt ein Tor und wie lautet deine Gegenwette?" - "Die Iren gewinnen und euer Torwart, dieser Kahn, der spielt nicht zu Null..." - "Hah, der spielt sowieso nicht zu Null, aber der ist heute auch gar nicht aufgestellt, sondern Hildebrand." Isabelle deutete auf den jungen Mann, der gerade eingeblendet wurde. "Egal, der spielt auch nicht zu Null." - "Das wär aber ne Ausnahme, der ist echt gut." - "Ok, der Wetteinsatz. Also nächsten Monat ist Halloween, wie du weißt, und wenn du verlierst wirst du als Kostüm ein Dirndl tragen, was ich aussuchen werde." - "Wenns weiter nichts ist. Aber wenn ich gewinne, wirst du am Wochenende das Abendessen kochen." - "Das wär für dich, die das dann essen muss, aber ne größere Strafe als für mich." - "Egal, das wär mir der Anblick wert. Klatsch ein!"
"Tja, unentschieden." - "Ja das Spiel vielleicht, aber die Wette nicht, euer Keeper hat nicht zu Null gespielt, was bedeutet, ich habe gewonnen." - "Ballack hat aber getroffen." - "Ja, aber du hast gewettet, dass er ein Tor schießt, er hat aber zwei geschossen." - "Na gut, die Verliererin wird das Dirndl tragen. Sag mal, weißt du schon was du anziehen wirst?" - "Nö, das überleg ich mir noch." - "Also ich wüsste da was. Hast du morgen Zeit? Ich hab doch meinen freien Tag und wenn du Bock hast können wir ja nach Dublin fahren, ich kenn da genau die richtigen Läden."

Ein paar Tage später:
"Also Gill, Isa und ich treffen uns heute Nachmittag mit Mark zum Golfen." - "Mir gefällt die Idee nicht, er wird sie doch nur benutzen." - "Das siehst du völlig falsch. Er hat bisher nur noch nicht die richtige getroffen und ich hab einfach kein Bock mehr mir sein Gejammer anzuhören, dass ihn wieder so ne Tusse hat sitzen lassen und dass er ja so allein ist." - "Ist das wirklich so, hat er noch nicht die richtige getroffen? Vielleicht hat er ständig die richtigen getroffen, vielleicht liegts an ihm?! Mark weiß doch gar nicht wie man sich um eine Frau bemüht. Er denkt, es reicht, dass er gut aussieht, weil ihm Tausende von Mädchen hinterherlaufen."
"Hey Isa, sieht ganz so aus, als würdest du gewinnen. Und du hast wirklich noch nie gegolft?" - "Nein Shane, ich schwörs." - "Gar nicht schlecht für eine Anfängerin." - "Aber gewinnen werd ich wohl nicht, ich muss jetzt zu Sprachschule. Mein Kurs fängt in ner viertel Stunde an." - "Soll ich dich hinfahren?" - "Nein, das is doch gleich zwei Straßen weiter." - "Ja stimmt. Na dann bis heute Abend." - "Tschüß Jungs, viel Spaß noch!" Isabelle schnappte sich ihre Tasche und als sie weg war, warf Mark seine Schläger ins Gras und sah Shane vorwurfsvoll an. "Sag mal Shay, ist es wirklich so offensichtlich, dass ich zu blöd bin ne Freundin zu finden, dass du mir eine suchen musst?!" - "Soll ich mich jetzt auch noch entschuldigen dass ich dir ne hübsche Frau vorgestellt hab, oder was?" - "Merkst du denn nicht, dass es mich nervt, dass mein bester Freund sich aufführt wie mein Vater?! Ich hab schon einen Vater, der mich belastet und zwei von der Sorte kann ich einfach nicht gebrauchen." - "Na schön, dann mach deinen Scheiß doch allein." aufgebracht zog Shane davon. Das hatte Mark nicht gewollt, aber ihm jetzt nachrennen? Nö, er entschied sich lieber abzuwarten, bis sein Freund sich beruhigt hatte.
"Also Gill, ich versteh das nicht. Er hat ihr nicht mal ein kleines bisschen Aufmerksamkeit geschenkt." - "Shane, hör auf mich vollzuquatschen und lass mich schlafen. Ich weiß, dass Isa dir sehr ans Herz gewachsen ist und du sie mit allen Mitteln hier behalten willst, aber sie sind beide erwachsene Menschen und haben ihre eigenen Pläne." Gillian hatte recht. Shane graute vor der Tag, an dem Isa nach Deutschland zurückkehren würde. Er, das jüngste von sieben Kindern, hatte nie eine kleine Schwester gehabt, aber genau das war sie für ihn, mehr als nur eine Freundin. Mittlerweile ging es ihm gar nicht mehr darum eine Neue für Mark zu finden. Sondern er wollte Isa nie mehr hergeben. Dann musste er eben jemand anderes aus seinem Freundeskreis für sie finden, aber wen? Wer war gut genug für seine Isa? Und warum musste Mark sich ausgerechnet heute so aufführen? Wenn ihm Isa gefallen hätte, hätte er dann nicht alles daran gesetzt sie zu beeindrucken? Aber wie konnte sie ihm nicht gefallen. Shane gefiel sie jedenfalls sehr gut und er fand bei weitem nichts, was an ihr auszusetzen wäre. Gegen 2.00 morgens stellte Shane fest, dass Mark einfach nur bescheuert war und schlief endlich ein.

Sehr zeitig am nächsten Morgen:
"Ja!" gähnte Shane verschlafen in sein Handy, während er das Schlafzimmer verließ um Gillian nicht zu wecken. "Hi Alter! Ich bins." - "Spinnst du? Weißt du wie spät es ist?" - "Nicht genau, aber die Sonne geht gerade auf, also müsste es so 6.00 sein." - "Um die Zeit bist du sonst noch nie wach, es sei denn du kommst da erst heim." - "Ja, ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen." - "Geht mir genau so!" - "Also, weswegen ich anruf, tut mir leid was gestern gelaufen is. Das war wohl der schlechteste Zeitpunkt dir meine Meinung zu sagen." - "Wenn du ne zweite Chance willst, dann sei heute Abend 20.00 in Hargadon’s Pub, ich werde mit Isa da sein."
"Ätsch, Gillian!" Shane steckte sein noch schlafenden Frau die Zunge raus, als er wieder ins Bett kroch und zufrieden einschlief.

"Sag mal Alter, was war das denn? Da ist ja Emily’s Goldfisch gesprächiger als du. Wir sind jetzt eine halbe Stunde hier und du hast kaum ein Wort gesagt." - "Na ja, es ist nur... Ich weiß gar nicht wie ich’s sagen soll... Ach, Shay sie ist einfach zu cool für mich." - "Ich glaubs nicht, Mister Ich kann sie alle haben! Also, ich werde jetzt gehen und euch allein lassen." - "Und was soll ich ihr sagen, warum du nicht mehr da bist, wenn sie vom Klo wiederkommt?" - "Tja, lass dir was einfallen." Shane konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er vom Pub auf die Straße trat. Hatte Mark sich etwa verliebt?
"Shane musste ganz schnell weg, ein Notfall zu Hause, es tut ihm leid." - "Ich kann mir schon vorstellen, was das für ein Notfall ist." grinste Isabelle und schaffte es auch Mark an diesem Abend zum ersten Mal zum lachen zu bringen. "Was hältst du davon, mir die Stadt zu zeigen, wenn wir ausgetrunken haben?"
Sie liefen jetzt ungefähr eine Stunde durch Sligo und die Unterhaltung plätscherte so vor sich hin. "Sag mal, wieso gehst du eigentlich zur Sprachschule, du hast das doch gar nicht nötig?" - "Ich kriegs doch bezahlt." - "Aber meinst du nicht, dass du deine Zeit verschwendest?" - "Ich glaube, dass ich jetzt gerade meine Zeit mehr verschwende. Gute Nacht!" - "Hey, jetzt warte doch mal! Isa!" - "Was?" - "..." - "Jetzt hör mir mal zu, Schönheit vom Lande, ich brauche niemanden der mir sagt, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Das haben meine Eltern auch immer getan, aber ich lasse mir das nicht mehr gefallen und genau deswegen bin ich jetzt auch hier, in Irland."
Mist, es gibt nichts was so toll ist, dass ich es nicht vermassele, dachte sich Mark als er zu seinem Auto lief. Warum hab ich ihr nicht einfach gesagt, dass es mir leid tut? Stattdessen schweige ich...

Am Abend von Halloween:
Shane klopfte an Isabelles Zimmertür. "Isa, bist du schon nackt? Kann ich rein kommen?" Lachend öffnete ihm diese. "Wow..." - "Das..." - "Ok, du zuerst!" - "Das Kleid ist wunderschön. Tausend Dank!" Isabelle drückte Shane, um sich zu bedanken. "Du bist wunderschön!" Isabelle lächelte verlegen, als Shane ihr zärtlich eine Haarsträhne hinters Ohr strich. "Musstest du viele Münchner Boutiquen durchstöbern, um es zu finden?" Isabelle stellte sich vor den Spiegel und glitt mit den Fingern über den schimmernden dunkelgrünen Stoff, während Shane ihr die grün-weiß karierte Schürze umband. "Nein, als ich mit den Jungs aufm Oktoberfest war, hab ich eine gesehen, die hatte das gleiche an und ich hab mir gedacht, an dir würde es viel besser aussehen, also hab ich sie einfach gefragt, wo sie es gekauft hat." - "Du siehst aber auch nicht schlecht aus." grinste Isabelle und verwuschelte Shanes kleine Haartolle spielerisch ein bisschen, richtet sie aber gleich wieder. Das Punkeroutfit stand ihm richtig klasse, der Nietengürtel, die schwarze Jeans, die sie beide extra mit Domestos gebleicht hatten, um sie alt aussehen zu lassen, einfach alles. Shane wollte zwar eine Hose im Used-Look kaufen, aber nachdem sie in 5 Geschäften nur blaue gefunden hatten, beschloss Isabelle, dass es so schneller ging. Sie hatten auch eine schwarze Lederjacke gekauft, die Isabelle selbst mit Nieten verzierte. Auf der Rückseite hatte sie eine irische Flagge aufgenäht, auf der nach Bearbeitung mit einem schwarzen Textilstift das Wort Rebel prangte. "Lady!" Shane bot, Isabelle seinen Arm an und sie hakte sich unter. Die beiden boten ein seltsames Bild, als sie die Treppe vor der Haustür hinuterschritten. Gillian war mit Emily schon rausgegangen, da diese unbedingt ihre Laterne anbrennen wollte und so kam es, dass sich ihre Partygäste, bestehend aus den restlichen Lifern plus Frauen und noch ein paar Freunden, gleich zu ihnen gesellten. Es war so still, dass man das Heulen des Windes hören konnte. Keiner sagte etwas, alle starrten nur Shane und Isa in ihren ungewöhnlichen Kostümen an, als Mark plötzlich in schallendes Gelächter ausbracht und sich gar nicht mehr einkriegte. "Marie, noch ein Bier!" Doch Isabelle fand nicht, dass sie wie eine bayrische Kellnerin aussah, dazu war das Kleid viel zu edel und überhaupt nicht altmodisch, da die obligatorische weiße Spitze fehlte. Isabelle löste sich von Shane von und ging auf Mark zu. Sie drehte sich vor ihm im Kreis und sah im direkt in die Augen. "Was ist? Gefalle ich dir etwa nicht?!" Ihr Blick war so kalt, dass es ihm die Sprache verschlug. Isabelle ging an ihm vorbei und nahm Emily an die Hand um mit ihr zur Kollekte zu gehen. Die Erwachsenen schlossen sich dem Umzug an.
"Na Schatz freust du dich schon auf Trick or Treat?" - "Ja und weil ich das erste Mal lange aufbleiben darf." - "Komm, ich trag deine große Tüte." - "Isa, versprichst du mir was?" - "Klar, was denn?" - "Die Tüte muss voll werden." Isabelle lachte. "Ok, das kriegen wir hin, bei deinem tollen Monsterkostüm, werden die Nachbarn vor Schreck alles auf einmal rausrücken." - "Weißt du, du musst nicht auf Mark hören, ich finde du siehst sehr hübsch aus." Isabelle streichelte der kleinen über den Kopf. "Aber wenn du müde wirst, musst du es mir sagen, ich bin nicht so stark, dass ich dich und die ganzen Süßigkeiten wieder bis nach Hause tragen kann, wenn wir erst mal ein paar Straßen weiter sind."
Nach einer Stunde war Emilys Tüte fast randvoll und die beiden traten den Heimweg an. Als sie ankamen, waren auch alle Partygäste schon wieder eingetroffen. Die beiden gingen in die Küche um auf Emilys Wunsch hin alle Süßigkeiten zu sortieren, da sie sehen wollte wie viel sie jetzt wovon besaß. Isabelle kippte die ganzen Sachen auf den Tisch, die beiden hatten sich gerade hingesetzt als Shane zu ihnen kam. "Guck mal Daddy, wie viel ich bekommen hab. Aber eigentlich gehört die Hälfte ja Isa. Immer wenn ein Mann aufgemacht hat, haben wir mehr bekommen, weil Isa so hübsch aussieht haben die gesagt. Und dann ist auf dem Heimweg meine Tüte geplatzt, aber Isa hat alles in ihrer Schürze hier her getragen." strahlte Emily. Shane freute sich für seine kleine Tochter, sagte ihr aber dass sie jetzt ins Bett müsse. Er zwinkerte Isabelle zu und machte hinter Emilys Rücken irgendwelche Zeichen. Isabelle sah in verwirrt an. "Was willst du mir damit sagen, Shane? Etwa ich seh dich gleich auf dir Party und wir machen dann ein Schnapswetttrinken?" - "Genau!" - "Ok, das muss ich mir wirklich ansehen. Also Emily, wir räumen jetzt die Sachen schnell weg, damit ich dir morgen auch alles erzählen kann, ja?" - "Ok!" "Ansehen?..." fragte Shane enttäuscht "...Ich hatte gehofft du würdest mitmachen!" - "Na gut, aber nur wenn du auch mitmachst." - "Da fragst du noch?!" Als Shane wieder verschwunden war, beugte sich Emily zu Isabelle über den Tisch und tippte das einzige Twix an. "Isa, darf ich das essen?" - "Ja, aber nur das Twix, sonst wird dir noch schlecht und deine Mama schimpft mit uns. Die anderen Sachen heben wir für deinen 4. Geburtstag nächste Woche auf, ok?" -"Mhh!" schmatzte Emily zufrieden. "Wenn die anderen Kinder auch da sind, kann ich ja noch ganz viel Süßes essen, dann merkt Mami es nämlich nicht." grinste die kleine. Isabelle lächelte sie an und holte eine große Schachtel um alles wieder einzuräumen.

Nachmittags, eine Woche später:
Mark war gerade auf dem Weg nach Hause, als er Isabelle auf dem Fußweg sah. "Ok Alter, das ist jetzt deine Chance dich ganz ungezwungen mit ihr zu unterhalten, ohne dass Shane davon weiß. Keiner erwartet was von dir." sagte er zu sich selbst, um sich zu beruhigen. Er ließ das Verdeck des Cabrios runter und fuhr langsamer. "Na Sonnenschein! Kann ich dich mitnehmen?" Isabelle drehte sich um und traute ihren Augen nicht. "Oh, ich habe gar nicht bemerkt, dass heute eine Hitzewelle durchs Land geht." spottete sie, angesichts der Tatsache, dass es erstens November und zweitens kalt war. Es schien nicht mal die Sonne. "Wo willst du denn hin?" - "Meine Zeit verschwenden!" - "Aber das ist doch viel zu weit weg von hier. Komm steig ein!" - "Ich mache einen Spaziergang!" - "Bitte, ich will nur kurz mit dir reden." Isabelle gab sich geschlagen und ließ sich auf dem Beifahrersitz nieder. Mark atmete tief durch. "Du hast wirklich sehr hübsch ausgesehen zu Halloween." - "Spar dir das!... Kannst du bitte das Verdeck hochklappen?" - "Klar, ich will ja nicht dass du frierst." - "Nein, ich hab nur keine Lust, in dieser Aufreißerkarre gesehen zu werden." Mark fuhr links ran und hielt vor Isabelles Sprachschule. "Ok, warum muss es jedes mal in Streit ausarten, wenn wir uns begegnen?" - "Tja, ich weiß auch nicht. Vielleicht weil du mich jedes mal provozierst?!" Isabelle setzte ein Grinsen auf und wollte gerade aussteigen, als Mark ihren Arm packte und sie festhielt, Isabelle sank wieder auf den Sitz. Als Mark ihr tief in die Augen sah, verspürte sie nicht mehr den Drang sich zu wehren. Auf einmal war sie wie gefesselt von den Gefühlen, die sein Blick in ihr auslöste. Die Stille schien endlos und die Zeit stand still. "Isa, das fällt mir jetzt wirklich nicht leicht... Also, ich wollte mich bei dir entschuldigen, für Halloween, den Spaziergang, den Golfplatz, einfach alles. Und falls ich dich irgendwie verletzt habe, dann tut es mir leid. Aber irgendwie schaffst du es, dass ich mir jedes Mal wenn ich mit dir zusammen bin, wie ein absoluter Idiot vorkomme, wie ein Scheiß Romeo." - "Das musst du nicht. Ok, du trinkst ziemlich viel und du sagst lauter dumme Sachen, aber ich mag dich... so wie du bist!" Isabelle verlies fluchtartig das Auto. Seit den letzten paar Minuten sah sie Mark in einem völlig anderen Licht, das musste sie jetzt erst mal verarbeiten. Die Uhr der Kirche auf anderen Straßenseite schlug 17.00 und erlöste sie. Als Isabelle die Treppe erreichte drehte sie sich noch einmal um. "Ich muss... Es ist jetzt 17.00... Ich muss zum Unterricht." stammelte sie und schenkte Mark ein kurzes Lächeln.
Mark blieb noch eine Weile etwas betäubt in seinem Wagen sitzen und dachte über dass nach, was Isa gesagt hatte und über ihr Lächeln. Ihr atemberaubendes Lächeln, es war wie die aufgehende Sonne. Schließlich entschloss er sich, auf sie zu warten. Er betrat das Gebäude, um in der Eingangshalle irgendeinen Hinweis darauf zu finden, wie lange der Kurs ging. 2 Stunden, er hätte in der Zeit eigentlich nach Hause fahren können, aber irgendwie hatte er jetzt absolut keine Lust sich mit seinen Eltern oder seinen Brüdern zu unterhalten, dazu war er viel zu aufgewühlt, also setzte er sich in ein kleines Café in der Nähe.
"Hast du etwa die ganze Zeit auf mich gewartet?" Isabelle war ein bisschen überrascht, Mark zu sehen, der an seinem Auto lehnte. "So wie ich bin? Nicht ein bisschen klüger oder mit mehr Muskeln?" - "Nein, so wie du bist!" Sie wollte weglaufen, denn irgendwie fühlte sie sich jetzt so unsicher. Während des Unterrichts hatte sie keine Zeit gehabt, ihre Gedanken zu ordnen, da der Lehrer sie ständig drannahm. Doch Mark hielt sie auf. "Nein, bitte lauf mir nicht schon wieder davon!"

"Sag mal Shay, hab ich was verpasst oder hat Mark jetzt ne neue Freundin?" - "Wie kommst du denn darauf?" - "Na ja, als ich eben hergefahren bin, hab ihn gesehen wie er mit ner Blondine vor seinem Cabrio rumgeknutscht hat." - "Wo war das denn?" - "Gegenüber von der Kirche." - "Nicky, das war Isa!" - "Deine Isa?" - "Bist du vorbeigefahren oder ich?" - "Denkst du das hab ich so schnell mitgekriegt oder was?" - "Na ja, auch egal, wenn sie nach Hause kommt, wird sie’s mir sowieso erzählen, falls sie ihn nicht sogar mitbringt." - "Und das glaubst du wirklich?" - "Wollen wir wetten?" - "Vergiss es! Schnapp dir lieber deine Jacke, sonst fängt das Spiel ohne uns an. Bis zum Pub sind es bestimmt 30 Minuten zu Fuß." - "Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich das Haus verlass, bevor Isa nicht wieder da ist?! Wir gucken das Spiel hier!" - "Hast du mal eine Sekunde daran gedacht, dass sie heute vielleicht gar nicht mehr nach Hause kommt?!" - "Ausgeschlossen, denn Gillian ist heute nicht da und Isa denkt ich würde auch weggehen, also muss sie auf Emily aufpassen." - "Na dann noch viel Spaß beim warten! Dann geh ich eben mit Kian allein einen trinken."

"Bin da! Wer noch?" rief Isabelle, als sie Licht in der Küche sah. Mist, dachte Shane, er musste Isas Ankunft wohl verpasst haben, als er gerade Emily ins Bett gebracht hatte und jetzt wusste er nicht, ob Mark sie hergefahren hatte, aber es muss wohl so gewesen sein, zu Fuß wär sie sonst nie so schnell gewesen. "Oh, ist Nicky noch nicht da? Ich dachte ihr wolltet weggehen." - "Nee, da is was dazwischen gekommen, also guck ich das Spiel hier. Wenn du Bock hast, können wir ja wieder Wetten abschließen." zwinkerte Shane ihr zu. "Also Emily ist schon im Bett?" - "Ja, das hab ich schon erledigt." - "Hast du denn schon zu Abend gegessen?" - "Nein, aber ich fände es sehr schön, wenn wir zusammen kochen könnten, also wenn du mir zeigst, wie man das Fleisch von dem Wiener Schnitzel paniert." - "Du willst wohl Eindruck auf Gillian machen?" - "Ja, na ja nächsten Monat ist doch unser Hochzeitstag." lächelte Shane verlegen, während er den Fernseher in der Küche einschaltete. Isabelle kniete sich vor den Küchenschrank und suchte im untersten Fach nach dem Paniermehl. "Weißt du, dein Freund Mark ist doch nicht so ein Arsch, wie ich bisher dachte. Eigentlich ist er sogar ziemlich süß." rief Isa mehr in den Schrank hinein als zu Shane. Tja, Liebe und Husten lassen sich eben nicht verbergen, dachte Shane und grinste über das ganze Gesicht.

Ende