Shane blätterte noch mal die Zeitung durch und riss die Augen auf. Beinahe hätte er seinen Kaffee wieder in die Tasse gespuckt, aber er konnte sich gerade noch zurückhalten, indem er zwei Finger auf seine Lippen legte. Er hob die Zeitung vor seine Augen und überflog hastig den Artikel, die Kaffeetasse lose in der Luft schwebend.

Irish Song Contest

Du bist ein unentdecktes Musiktalent? Du hast genug davon, dass dein einziger Zuhörer dein Spiegelbild ist? Du möchtest endlich groß rauskommen?
Dann bewirb dich jetzt beim Irish Song Contest!
Egal ob als Solokünstler oder Band, Boy oder Girl, Rock oder Ballade!
Downloade dir einfach ganz easy das Anmeldeformular auf www.irish-song-contets.com <http://www.irish-song-contets.com> und melde dich an. Die ausgefüllten Zettel kannst du in den angegebenen Geschäften abgeben (da erhältst du natürlich auch Formulare).
Du solltest ein Mindestalter von achtzehn Jahren haben. Playback ist nicht zugelassen. Bei mehr als 50 Teilnehmern entscheidet das Los.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!

"Alles in Ordnung, Schatz?", fragte seine Mutter und schenkte ihm Kaffee in die lose in der Luft hängenden Tasse nach.
"Jaja", sagte Shane hypnotisiert. In Song-Contest! Seine Chance, groß rauszukommen! Aber alleine? Nein. Er brauchte eine Band. Irgendetwas, was auffiel. Was sonst keiner machte. Aber was sollte er tun?
"Morgen Ma, morgen Shany!" Maggi kam von hinten hereingelaufen, umarmte Shane von hinten und küsste ihn auf die Wange. "Oh, was ist denn das!", rief sie dann laut, als sie den Artikel bemerkte, "Ein Song-Contest! Mein kleiner Lieblingsbruder will groß rauskommen, was?"
"Ein Song-Contest?" Shanes Mutter kam näher und sah neugierig über seine Schulter auf den Artikel. "Nicht schlecht. Deine Chance, Schatz. Geh doch nach der Schule hin und bewirb dich."
"I...ich brauch ’ne Band!?"
Maggi ließ ihn los und lachte laut auf. "Eine Band braucht er, ach nein, wie niedlich!"
"Man Mag, ich brauche eine Band!", sagte er über die Schulter.
"Willst du da alla Take That auftreten?", fragte Maggi.
Shane sah wieder nach vorne. "Das ist es"; sagte er langsam und sprang dann auf, umarmte Maggi und rief, "Das ist es! Danke Mag!"
"Schon klar!"; sagte die und löste sich aus seiner Umarmung.
"Ja, verdammt, das ist es!", rief er und konnte seine Stimme kaum senken. "Wir treten als Boyband auf! Das macht bestimmt sonst keiner, weil keiner das bringt! Das wird voll lustig!"
"Ich lach mich tot!", sagte Mag todernst. Sie hatte die Hände in ihre Hüften gestemmt und sah ihn an nach dem Motto "Jeden Moment kommst du mir doch jetzt an und sagst, dass das nicht war ist, oder?".
"Mach das, Schatz", sagte seine Mutter und half ihm in seine Jacke, zog den Reißverschluss bis oben hoch und strich über seine Arme, um den Dreck vom gestrigen Ausritt abzuwischen.
Shane zog den Reißverschluss von seiner Nase herunter und seine Mutter zog ihn sofort wieder hoch. "Und jetzt los zur Schule!"
Shane lief nach draußen und sah, bevor er auf die Straße lief um den Bus zu kriegen, noch mal bei Fish, seinem Lieblingspferd vorbei. Im Pferdestall war es wunderbar warm und er liebte es, das Schnauben der Pferde zu hören.
"Hey, mein Schatz", sagte er, als er an Fishs Box angelangt war. Es war das schönste Pferd, dass er kannte. Ganz braun von oben bis unten und an der Stirn hatte es einen weißen Fleck. Shane strich über seine Stirn. "Ja, ich komm heute Nachmittag wieder und dann reiten wir beide aus, okay? Aber ich muss erst noch zur Schule und weißt du was? Ich such mir ’ne Boyband und mach mit beim Irish Song Contest!"
Fish schnaubte.
"Schon klar", sagte Shane und zog seine Hand zweifelnd zurück, "Du stehst nicht so auf Boybands, was?"
Er zuckte eine Schulter. "Na ja, man kann ja nicht alles mögen. Bis dann, Süßer!"
Er drehte sich um und wandte sich zum gehen. Fish wieherte auf einmal. Shane drehte sich noch mal um. Das Pferd hatte seinen Kopf aus der Box herausgestreckt und es sah aus, als würde es nicken. Shane lächelte. "Danke! Mach’s gut, Süßer!"
Er ging los und erwischte gerade noch in letzter Sekunde den Schulbus. Dan und Alex saßen bereits drinnen und schrieben Hausaufgaben ab. Shane ging geradewegs auf sie zu und ließ sich hinter sie fallen. "Hey."
"Hey Shany!", sagte Dan und schrieb unbeirrt weiter ab.
"Ich hab übrigens heute morgen Zeitung gelesen."
"Ach ja?", fragte Alex gelangweilt und schrieb weiter.
"Ich brauch euch zwei."
"Wobei?", fragte Dan.
"Ihr spielt doch Gitarre und Schlagzeug oder?"
"Hmm."
"Ich brauch euch für ’nen Wettbewerb."
"Was für’n Wettbewerb?"
"’nen Wettbewerb, bei dem Bands vorgestellt werden. Wisst schon, und der Gewinner, der..." Ja, was bekam der Gewinner? Darüber hatte Shane noch gar nicht nachgedacht. "Der wird schon irgendwas besonderes kriegen!"
Dan und Alex reagierten nicht. Shane begann am Rande der Verzweiflung zu stehen. Die beiden waren die einzigen Gitarristen und Schlagzeuger, die er kannte. Und wenn sie nicht zusagten, dann konnte er auch seine Idee mit dem Wettbewerb vergessen...
"Ihr...ihr wolltet doch in ’ne Band, oder?", fragte er.
"Ja, aber nicht damit du die Lorbeeren erntest und wir am Ende als Backgroundband dastehen, Shany!", sagte Dan genervt.
"Okay, Kompromiss", sagte Shane, "ich suche natürlich noch zwei andere Sänger und ihr besorgt mir ’nen zweiten Gitarristen. Wenn wir gewinnen, dann gewinnen wir alle zusammen und wir teilen uns auch das Geld. Okay?"
"Wie viel Geld?", fragte Alex misstrauisch.
"Weiß ich nicht", sagte Shane leicht angenervt, "Wenn es weniger als fünfzig Euro sind, kriegt ihr meinen Teil dazu!"
Er hielt ihnen hoffnungsvoll seine Hand hin. "Abgemacht?"
Dan und Alex sahen sich an und tauschten Blicke aus. "Abgemacht", sagte Dan und sie schlugen ein.
Shane lächelte erleichtert. "Habt ihr ’ne Ahnung wer noch Gitarre spielt?"
"Moment", sagte Dan und rief dann, "John?"
Ein Typ aus der Stufe unter Shane sah ein paar Sitze weiter vorne auf. "Jo, was geht?"
"Hast’e Bock auf ’ne Band?"
"Wer noch?"
"Alex und unser Shany!" Dan zeigte über die Schulter auf Shane.
Der drückte seinen Daumen nach unten und sah weiter gespannt auf seinem Sitz kniend zu John rüber.
"Geht klar!", rief der, "Donnerstag, 16h bei mir!"
"Da hast du deinen Gitarristen", sagte Dan und wandte sich wieder an seine Hausaufgaben.
Shane ließ sich ärgerlich zurückfallen. Er kannte John nicht mal, höchstens vom sehen. Der Kerl hätte mal rüberkommen können, immerhin ging er hier um etwas ernsteres. Er schielte zu Dan und Alex vor ihm und bekam das ungute Gefühl, dass sie sich über ihn lustig machten.
"Wir spielen übrigens so was wie Take That", sagte er.
"Toll, dann besorg uns doch die Texte!", sagte Dan.
"Ja aber, wo krieg ich die her?"
"Das hättest du dir besser mal vor der Gründung der Band überlegt", sagte Alex.
"Aus dem Netz", sagte Dan.
"Ja aber...ich hab kein Internet! Verdammte Scheiße, was mach ich denn jetzt?"
Dan sah den in seinen Sitz gesunkenen am Boden zerstörten Shane über die Schulter an. "Du meinst das also wirklich ernst?"
"Ja", sagte er kleinlaut.
"Und du ziehst das Ding hundert pro durch?"
"Ja!"
"Also gut, ich besorg dir die Texte! Was willst du?"
"More than words."
Es war das erste, was Shane spontan eingefallen war. Gill hörte das andauernd und ihr ganzes Zimmer war zutapeziert von Boybands und so Typen.
Apropos Gill, er könnte ihren Cousin Kian fragen, ob der mitsingen wollte. Shane musste zugeben, er hatte lange nicht mehr mit Kian gesprochen. Irgendwie hatten sie sich auseinander gelebt und alles, was er jetzt von ihm mitbekam, war, dass er wohl ziemlich eitel geworden war und mit komischen Typen abhing. Gill behauptete, er würde nur noch Hard Rock hören, etwas, das Shane nie ins Haus gekommen wäre, und dementsprechend lief der stolze Kian Egan auch rum.
Der Bus hielt und Shane stieg mit Alex und Dan aus und schaffte sich einen Weg durch die Schülerscharen und drängelte sich hin zum Schulgebäude.
"Shane!", rief auf einmal eine Mädchenstimme hinter ihm und er drehte sich um und schloss Gill in die Arme, küsste sie und bemerkte dann erst ihre Haare.
"Was hast du mit deinen Haaren gemacht?", fragte er geschockt und ließ sie los.
"Na ja", sagte sie und hob eine der mittellangen, feuerroten Haarspitzen an. "Es sollte Kastanie werden. Findest du’s sehr schrecklich?"
"Nein", log Shane und griff nach ihren Händen.
"Hey Gill, was ist bei dir denn ausgelaufen?", rief ihr jemand breit grinsend zu und verschwand dann in der Menge.
Gill seufzte und sah zu Boden. "Es sieht doch schrecklich aus!"
"Nein", sagte Shane, "Nein, gar nicht." Er hob ihr Gesicht an und sah in ihre nassen Augen, "Schatz, und wenn du dir sie blau färbst, du bleibst immer noch das hübscheste Mädchen der Welt."
"Für dich vielleicht, aber die Welt denkt da anders drüber!", sagte sie beleidigt und drehte sich weg.
"Na ja", sagte Shane und begutachtete ihre Haare von hinten, "Es dunkelt bestimmt noch ab. Und die anderen werden sich schon noch dran gewöhnen."
"Du hättest Kian gestern sehen müssen!" Gill drehte sich wieder zu ihm und verdrehte ihre blauen Augen, "Der hatte nichts besseres zutun, als immer, wenn ich ihm über den Weg gerannt bin in künstliches, schallendes Gelächter auszubrechen! So ein Idiot! Guck dir doch mal an, wie der rumläuft!"
Shane wusste, dass Gill das mal wieder halb so ernst meinte, wie sie es sagte. "Weißt du, Sweetheart", sagte er und umarmte sie, küsste sie auf die Wange und blieb so mit ihr stehen, "Ich find deine Haare gar nicht so schlimm. Kommst du nach der Schule mit zu Barry’s Pizzashop? Ich lad dich ein."
"Das sagst du doch nur aus Mitleid!", sagte sie, aber sie meinte es nicht so, da war Shane sich wieder sicher.
"Nein", sagte er, "Das sage ich, weil ich dich liebe."
Sie lächelte und küsste ihn noch mal. "Okay, dann bis heute Nachmittag. Ich wart am Eingang auf dich!"
"Hey Gill", rief eine ihrer Freundinnen ihr zu und sie hakte sich bei ihr unter und ging mit ihnen rein.
Shane sah ihr verliebt hinterher und wurde dann beinahe umgerannt, rappelte sich wieder auf und ging in seinen Unterricht.

Er hatte heute nicht Religion, also musste er wohl oder übel bis zur Mittagspause warten, ehe er Kian sah. Er saß hinten im Esssaal nahe beim Fenster und wartete auf den Schulhof blickend darauf, dass er seine Freunde fand.
"Hey Kian", sagte Shane und blieb vor ihm stehen.
Kian wandte den Blick vom Fenster ab und sah ihn an. Er kippte auf seinem Stuhl hin und her und hatte die Füße auf dem Tisch abgestellt.
"Kann ich dich mal kurz allein sprechen?", fragte Shane, er wollte nicht, dass einer seiner Freunde das hörte und ihn wohlmöglich beeinflusste, nein zu sagen.
Kian zuckte eine Schulter, ein klares Ja. Anscheinend hatte er sich heute vorgenommen nicht zu sprechen. Shane beschloss, sich nicht einschüchtern zu lassen und fuhr fort:
"Es gibt ’nen Wettbewerb für den ich noch ’nen guten Sänger suche", sagte er und sah Kian an, der im per Mimik klarmachte, dass er erwartete, der Text ginge weiter.
"Dan und Alex spielen Gitarre und Schlagzeug und John spielt auch Gitarre, vielleicht kennst du den."
Kian zeigte keine Reaktion.
Langsam wurde es Shane zu blöd. Der war ja arroganter als er aussah und das allein war schon ’ne Leistung!
"Wir wollten More Than Words singen", fuhr Shane fort. "We..."
"’ne Popband?", unterbrach Kian ihn entsetzt.
"Ja", sagte Shane, froh darüber, dass er endlich sprach und sie jetzt vernünftig von Teenie zu Teenie reden konnten.
"Junge, das ist nicht dein Ernst, oder?", fragte Kian, "Ich kann doch nicht in ’ne Popband!"
"Warum denn nicht?", fragte Shane, "Ach komm schon, Kian, das wird voll lustig!"
"Nein!", sagte er angewidert, "Ich kann das nicht!"
"Warum denn nicht?"
"Ja, weil die dann alle lachen! Ich geh’ in ’ne Rockband aber nicht in ’ne...in ’ne Popband!" Kian fing an wie wild mit seinen Händen zu gestikulieren.
"Ach komm, das ist es ja gerade, kein anderer macht das und damit haben wir dann echt Chancen auf den Gewinn, weil sich das sonst keiner traut, die ganzen Mädchen das furchtbar süß finden und alle anderen werden darüber lachen!"
"Ja, die werden uns auslachen!"
"Nein", sagte Shane, "Kian, ich versprech’ dir, wenn die dich auslachen, dann kauf’ ich dir das nächste Album von deiner Lieblingsband." Er hielt Kian seine Hand hin.
"Versprochen?", fragte Kian misstrauisch.
"Wozu halt ich dir sonst die Hand hin?", fragte Shane.
"Also gut", sagte er mit misstrauischem Blick auf Shane und schlug ein.
"Donnerstag um 16h bei John dann. Weißt du, wo das ist?"
"Wird ich schon rausfinden."
"Also, bis dann." Shane drehte sich um.
"Ja, bis dann."
Er wandte sich zum gehen, da hörte er noch einmal wie Kian laut und deutlich sagte: "’ne Popband, ich fass es nicht!"

Gill hingegen schien von dem Vorschlag völlig begeistert. Als die Pause sich dem Ende neigte hatte Shane bereits der zehnten als Backgroundsängerin abgesagt. Er ging zu seinem Spind und wusste, dass er spät dran war, aber sein Kunstlehrer hatte eh ’nen Sprung in der Schüssel, da machte es nichts ab und an mal zu spät zu kommen. Er holte gerade seine Bücher raus und sah auf das Foto von Gill, das er auf der Innenseite der Tür hängen hatte, da flog mit einem gewaltigen Schlag die Tür auf und eine hohe, schrille Stimme sang aus vollem Hals: "I’ve got the power!"
Shane richtete sich erstaunt auf. Die Turnhalle, über die der Flur führte, benutzte zur Zeit wegen Umbauarbeiten niemand, wer kam also hier lang. Die Antwort hatte sich bald herausgestellt: ein seltsamer Freak aus seiner Stufe, den er vom sehen kannte. Er hatte braune, lange Haare und hellblaue Augen und Shane konnte sich nicht daran erinnern, ihn jemals reden gehört zu haben. Umso erstaunter war er jetzt, ihn so talentiert und so laut und frei singen zu hören und das in der Öffentlichkeit. Wie war noch gleich sein Name gewesen, Markus, Marius?
Der Typ hielt vor ihm an und augenblicklich schoss ihm die Röte ins Gesicht. "Oh, sorry!", murmelte er fast unverständlich.
"Wieso?", fragte Shane, "War doch nicht schlecht."
Der Typ wurde noch röter.
Shane schloss seinen Spind schnell. "Ich wusste gar nicht, dass du sprechen kannst." Er hätte sich im nächsten Moment dafür ohrfeigen können.
"Klar kann ich sprechen!", sagte er.
"Ja, aber ich hätte nicht gedacht, dass so’n schüchterner Typ wie du auf einmal so laut anfängt zu singen."
"Sorry, manchmal über kommt’s mich. Weißt du, es ist wie so ein Drücken in der Kehle, dass muss unbedingt raus und ich dachte, na ja, ich dachte eigentlich hier wäre um die Zeit keiner."
"Oh sorry, wenn ich dich dabei gestört hab, deinen Tönen freien Lauf zu lassen."
"Ich kann natürlich auch leise singen", sagte er, "Das is’ so ’ne Angewohnheit, meine ganze Familie regt sich auf, weil ich immer am singen bin!"
Shane lächelte und hielt ihm seine Hand hin. "Shane."
Der Typ sah ihn erstaunt an. "Ich dachte, du heißt Fishy."
"Oh ähm, ja." Jetzt war es Shane, dem die Röte ins Gesicht schoss. "Ich hab ’n Pferd, das heißt so. Mittlerweile heißt es aber Fish."
"Oh, cool", sagte der Typ und gab Shane die Hand, "Mark Feehily."
"Freut mich", sagte Shane, dann fiel ihm plötzlich noch etwas ein, "Sag mal, Mark, hast du Bock in ’ner Band mitzumachen?"
"’ne Band?", fragte Mark interessiert.
"Ja", sagte Shane, "’ne Boyband, um genau zu sein. Wir wollen More Than Words auf dem Irish-Song-Contest singen."
"Vor Leuten?"
"Ja."
"Okay", sagte er. "Wann treffen wir uns?"
"Donnerstag bei John. Ich geb’ dir die Adresse noch, okay?"
"Mach das. See ya."
Mark hob eine Hand und lief zur Tür, ließ sie hinter sich zuknallen und in der Ferne hörte Shane ein: "I’m walking on sunshine, oh yeah! And try to feel good!" Es folgte ein schriller Aufschrei, dann war Mark verschwunden.

Shane war sichtlich zufrieden, als er abends nach Hause kam. Gill und er hatten einen schönen Nachmittag verbracht und er hatte sich angemeldet für den Contest. Besser hätte es nicht laufen können. Das erste, was er tat, nachdem er seine Tasche in die Ecke gefeuert hatte, war, dass er in den Pferdestall lief und Fish aus der Box holte, ihn mit nach draußen nahm, aufstieg und ohne Sattel aus dem Hof ritt und auf die Felder. Es war ein befreiendes Gefühl, nach solch einem Schultag auf einem Pferd zu sitzen und es setzte dem Glück die Krönung.
Am Donnerstag hatten sie sich erstmals alle bei John versammelt. Kian, Mark und Shane hatten fleißig ihre Texte gelernt und Alex, Dan und John wirkten gerade so, als wären sie mit ihren Texten geboren. Trotzdem waren hier und da einige Dinge zu verbessern. Shane war ein Perfektionist und deshalb probten sie bis in den späten Abend.

Es dauerte ewig mit den Proben und trotzdem rückte der Tag des Auftrittes immer näher. Shane bekam schließlich, als es soweit war, fast zuviel vor Aufregung. Er ging Backstage nervös auf und ab, hatte die Hände gefaltet und tippte mit den Fingerspitzen an seine Nase.
"Fishy, jetzt geh doch mal ruhig, du machst mich bekloppt!", sagte Kian genervt, der in der Ecke saß und gelangweilt mit Mark Karten spielte.
"Jaja!" Shane blieb vor ihnen stehen und sah die beiden an. "Habt ihr euch eingesungen?"
"Yo", sagte Mark.
Shane sah zu Alex, Dan und John, die zusammen die beiden Gitarren stimmten. Auf einmal war ihm danach zu Mute, als müsse er sich Hals über Kopf übergeben. Es war sein erster Bühnenauftritt und draußen warteten neben seinen Eltern und Mag auch noch tausend andere Leute. Wenn Fish das sehen könnte...
Shane merkte, dass andere das wohl langsam wirklich als übertrieben empfinden würden. Aber Fish war eben Fish und sein Pferd, der kleine Fishy.
"Achtung, IOU, wer ist das?", rief einer der Backstagemanager.
"Hier!", rief Shane und hob eine Hand.
"Ihr seid als Nächste! Kommt!"
"Oh mein Gott!", sagte Shane für sich und legte eine Hand vor seine Augen.
"Komm Fishy", sagte Kian und klopfte auf seine Schulter.
"Ich...ich kann das nicht!", wimmerte Shane.
Kian blieb stehen und sah ihn an. "Hey Fishy, das is’ doch nicht dein Ernst, oder?"
"Doch", gab Shane kleinlaut zu, "Man Ki, ich hab’n Riesenschiss!"
"Ach komm, du kackst dir in die Hose, nur weil ein paar heiße Girls da draußen stehen?"
"Verdammt, das sind tausend Girls!", sagte er.
"Es war doch alles deine Idee!", sagte Kian und verdrehte die Augen, "Hör zu, Fishy: du bist zwar’n leicht abgedrehter Freak und es gibt ’ne Menge Hobbys, die kann ich bei dir absolut nicht nachvollziehen, wie zum Beispiel deine komischen Pferde, aber eines kannst du ganz bestimmt: singen! Und wenn du jetzt nicht auf der Stelle deinen Hintern auf die Bühne bewegst, dann tret’ ich dir persönlich da rein und dann liegst du aber bei den heißen Girls!"
Shane lächelte matt. "Danke Ki."
"Kein Problem", sagte Kian und grinste kurz verschmitzt, "Und jetz’ lass’ma geh’n, nachher fangen die noch ohne uns an!"
Er klopfte Shany noch mal auf die Schulter und ging dann mit ihm auf die Bühne. Für Kian schien es normal zu sein, auf der Bühne zu stehen, immerhin hatte er schon einige Auftritte hinter sich, aber Shane sah fasziniert auf das Publikum, die alle da saßen und ihn anstarrten. Er schluckte und ging zu seinem Platz, stellte sich zwischen Kian und Mark und drehte sich weg. Die Musik setzte ein und Shane drehte sich um.
"Saying I love you", er sah ins Publikum, in all diese Gesichter die nur ihn und seine Band sehen wollten, und fing an zu strahlen. Er wusste, er hatte ein neues Zuhause gefunden: die Bühne! "It’s not the words I want to hear from you, it’s nothing I want you, not to say but if you only knew, how easy it would be to show me how you feel"
"More than words", setzten Kian und Mark ein, "Is all you have to do to make it real, then you wouldn’t have to say, that you love me ‘cause I’d already know"
"What would you do", setzte Mark ein, "If my heart was torn in two"
"More than words to show you feel", sang Shane wieder.
"That your love for me is real", beendeten sie den Refrain gemeinsam zu dritt.
"What would you say, if I’d took those words away", sang Shane.
"Then you couldn’t make things new just by saying I love you", sang Kian weiter.
Es folgte der den drei Jungs im Hintergrund versprochene Teil, in dem Mark, Shane und er gar nichts sangen und sie einfach nur spielen ließen. Sie hatten es sogar irgendwie auf die Reihe bekommen ein Schlagzeugsolo für Alex einzubauen, dass der auch voll ausnutzte.
Sie kamen mit ihrem Teil zum Ende und Shane und Mark starteten wieder mit einem: "Oh yeah!"
"Now that I’ve tried to", sang Kian und Shane sang mit: "Talk to you and make you understand", Kian fuhr allein fort: "All you have to do is"
"Close you eyes and just reach out", setzte Mark mit ein.
"your hands and touch me, hold me close don’t ever let me go", beendete Kian seine Strophe und sie sangen wieder gemeinsam weiter: "More than words, is all I ever needed you to show, then you wouldn’t have to say that you love me, ‘cause I’d already know!"
"What would you do", sang Mark wieder und Kian und Shane ergänzten: "What would you do?"
"If my"
"Heart was torn in two", mischten die anderen beiden sich wieder ein und Shane und Kian fuhren fort: "More than words to show you feel..."
"That your love for me is real!", sangen sie wieder gemeinsam
"What would you say", fing Mark wieder an und Kian und Shane sangen im Hintergrund: "What would you say?"
"If I’d took those words away"
"Then you couldn’t make things new"
"No no no", sang Mark, ehe sie gemeinsam den Song zu dritt beendeten: "Just by saying I love you!" Sie stellten sich nebeneinander und zeigten gleichzeitig grinsend ins Publikum.
Alle fingen an zu applaudieren und bekam sich kaum noch ein. Shane sah lächelnd in die Menge und konnte kaum noch aufhören damit.

Eine halbe Stunde später stand es dann fest: sie waren die Sieger! Die sechs fielen sich unten begeistert in die Arme und wurden dann nach oben gedrängt. Alle schrieen und klatschten und sie liefen zum Moderator und stellten sich dankbar auf, nahmen sich an die Hand und verbeugten sich. Shane traten, während er lachend auf all die Leute, sah Tränen in die Augen. Er hatte es geschafft! Seine Band hatte gewonnen! Sein Traum war endlich wahr geworden. Er sah zu seiner Mutter und seinen Geschwistern und sah, dass ihr, während sie für ihren Sohn klatschte, Tränen über die Wangen liefen.
"Mama, ich liebe dich!", flüsterte er, während die erste Träne auch über seine Wange lief.
"Hast du was gesagt, Fishy?", rief Kian ihm begeistert zu.
"Ich hab gesagt, dass ich meine Mama lieb hab!", rief Shane.
"WAS?"
"VERGISS ES!"
Shane sah nach rechts zu Mark, der auch ganz nasse Augen hatte und dann weiter zum Moderator, der wieder um Aufmerksamkeit bat: "Und jetzt zum großen Überraschungspreis: ihr sechs bekommt einen Live-Auftritt, aber nicht irgendeinen Live-Auftritt, sondern einen Auftritt bei der neuen Fernsehshow JHP, na, was sagt ihr?"
Es fingen wieder alle an zu kreischen und Shane hatte das Gefühl, er würde gleich umkippen vor Freude. Kian, der ein wenigen beunruhigt über den Zustand seines neuen Kumpels zu sein schien, packte ihn zur Vorsicht am Arm und hielt ihn fest. Sie bedankten sich und liefen wieder nach unten, wo sie sich erst recht nicht mehr einbekamen.
"Man Junge, du bist ab jetzt unser Manager!", rief Kian glückselig und legte einen Arm auf seine Schulter.
"Ja", sagte Shane glücklich und sah dann mit ihm zusammen zu Mark, der die Tür zu ihrem Aufenthaltsraum aufriss und aus vollem Hals verkündete: "I’ve got the power, oh yeah!"