22.5.1997 (Vergangenheit)

"Oh Mann! Jetzt geh doch endlich zu, du blödes Ding!" Wütend schlug Elisabeth auf ihren Koffer, der sich auch durch mehrmaliges Draufsetzen nicht schließen ließ. Wütend stieß sie den Koffer von ihrem Bett, was natürlich nicht ohne Lärm ging. Sie warf sich auf ihr Bett und steckte sich die Stöpsel von ihrem Disc Man in die Ohren. Dann schloss sie die Augen. Sie dachte an Nico, ihren Freund. Sie würde ihn 4 lange Wochen nicht sehen. 4 Wochen!! Und das wenn man erst 2 Monate zusammen war. Das war so schwer, verdammt schwer. Warum hatte ihre Mutter sie auch zu diesem blöden Schüleraustausch anmelden müssen? Und das in ein Land, von dem viele Leute nicht mal wussten, wo es lag. Irland! Sie sollte 4 Wochen in ein kleines Kaff in Irland gehen. Und das bloß, weil sie in Englisch auf einer 5 stand. Sie sollte bei einer fremden Familie wohnen, auf eine fremde Schule gehen. Als ihre Mutter sie angemeldet hatte, da war sie noch glücklich darüber gewesen. Aber jetzt?! Jetzt war sie mit Nico zusammen und konnte es sich nicht vorstellen, ihn 4 Wochen lang nicht zu sehen. "Sissy?" "Ja?" Genervt schlug Elisabeth die Augen auf. Ihre Mutter stand mit einem entsetzten Blick in der Tür. "Warum schmeißt du denn deinen Koffer so durch die Gegend. Du machst ihn noch kaputt!" "Na und? Ich brauch auch gar keinen weil ich nicht nach Irland gehe! Und nenn mich nicht Sissy. Du weißt, dass ich das hasse!" "Oh bitte, fang nicht schon wieder damit an." "Doch! Ich kann Nico 4 Wochen nicht sehen." "Das ist auch kein Weltuntergang. Mit 16 ist man noch nicht reif genug für eine feste Beziehung. Du kannst froh sein, dass ich das überhaupt dulde. Und jetzt Schluss mit der Diskussion. Du packst jetzt deinen Koffer fertig und gehst dann ins Bett. Du musst morgen um 8Uhr am Flughafen sein und ich will, dass du ausgeschlafen bist." "Den Koffer pack ich, aber das mit dem Ins- Bett- gehen geht noch nicht. Ich geh nachher noch mit Nico ein Eis essen. Zum Abschied." "Und woher willst du wissen, dass ich dir das erlaube? Du hältst es nicht mal für nötig mich zu fragen!" "Es ist mir auch egal was du dazu sagst. Ich wäre so oder so gegangen weil du mir nicht verbieten kannst, mich von meinem Freund zu verabschieden." Ihre Mutter verdrehte die Augen und verließ das Zimmer. ‚Das ist wieder typisch!’ dachte Elisabeth. ‚Immer wenn sie merkt dass ich Recht habe, dann verdrückt sie sich!’ Noch wütender als zuvor hob sie ihren Koffer und den gesamten Inhalt auf und packte alles neu. Und, Oh Wunder, er ging zu. Elisabeth musste trotz allem grinsen. Dann zog sie sich ein frisches Shirt an und schnappte sich ihre Jeansjacke. Sie verabschiedete sich von ihrer Mutter und machte sich auf den Weg in die Eisdiele. Nico wartete schon. Mit einem Kuss begrüßte er sie. Als sie ihr Eis hatten schlenderten sie in den nahe gelegenen Stadtpark. Elisabeth legte den Kopf an seine Schulter. "Ich werd dich so vermissen in den nächsten Wochen. Ich mag gar nicht dran denken was ich solange ohne dich machen soll!" "Ich auch nicht! Du musst mir aber schreiben!" "Ja mach ich! Schon blöd, dass ich kein Handy bekomm!" "Stimmt! Wie heißen die Leute nochmal, zu denen du gehst?" "Walsh oder so! Das Mädchen heißt Gillian. Und wohnen tun die in so einem klitzekleinen Kaff namens Sligo. Die haben wahrscheinlich nicht mal ne eigene Post da!"
Eine Stunde und einen tränenreichen Abschied (was Elisabeth anging) später war sie wieder daheim. Immer noch ein bisschen heulend legte sie sich ins Bett und war ein paar Minuten später auch schon eingeschlafen.
Am nächsten Morgen wurde sie unsanft von ihrer Mutter geweckt. "Los Aufstehen! Wir haben verschlafen! Es ist schon sieben Uhr!" "Oh Man, warum denn verschlafen? Da ist doch noch ewig Zeit!" "Weil wir schon allein zum Flughafen eine halbe Stunde brauchen. Los raus aus dem Bett jetzt!"
Nach einem schnellen Frühstück und einem schnellen Abschied von ihrem Kater Luke fuhren sie los.
Am Flughafen waren schon fast alle am vereinbarten Treffpunkt da. Es waren genau 10 Schüler und eine Referendarin, Frau Lukas, die die Schüler in den nächsten Wochen betreute. Ein paar der Eltern waren schon weg und Frau Lukas drängte, da ihr Flugzeug in einer Stunde gehen würde und sie noch nicht eingecheckt hatte. Also umarmte Elisabeth ihre Mutter und sie verabschiedeten sich.
Eine Viertelstunde später hatten sie ihre Koffer aufgegeben. Als sie gerade durch die Sicherheitskontrollen durch waren gesellte sich Bianca, ein Mädchen aus ihrer Klasse zu ihr. Elisabeth kannte sie nicht besonders, da Bianca eher ruhig war und nicht auffiel. "Hi Elisabeth! Alles klar?" "Nein nichts ist klar! Wenn ich dran denk, dass ich meinen Freund 4 Wochen nicht sehen werde dann wird mir ganz schlecht. Und bitte nenn mich Elly. Nicht Elisabeth und um Himmels Willen nicht Sissy. Einfach nur Elly!" "Okay!"
Wiederum eine halbe Stunde später saßen sie dann im Flugzeug. Elly hatte einen Fensterplatz ergattert und schaute jetzt zu, wie Berlin unter ihr immer kleiner wurde. Eine Träne lief ihre Wangen hinunter.
Während dem Flug quatschte sie viel mit Bianca, die neben ihr saß und Elly stellte fest, dass Bianca richtig nett war und gut zuhören konnte.
Zwei Stunden später waren sie sicher auf irischem Boden gelandet. Elly nahm alles nur so halb war. Am liebsten wäre sie umgedreht und postwendend wieder heimgeflogen. Sie holten ihre Koffer und stiegen dann in den Extra gemieteten Bus. Nach einer kleinen Rundfahrt durch Dublin fuhr der Bus aus der Stadt heraus und fuhr los Richtung Nordwesten. Elly schaute aus dem Fenster wie die Häuser immer weniger und die Wiesen und Schafe immer mehr wurden. Das versprach ja ein langweiliger Schüleraustausch zu werden wenn schon außerhalb der Hauptstadt nicht mehr als ein paar Schafe und hin und wieder ein Bauernhof war. Weitere zwei Stunden später sahen sie das erste Straßenschild auf dem ihr Zielort Sligo stand. Elly zog sich ihre Jeansjacke enger zu, da es, trotz das es Mai war, etwas kühl wurde. Mittlerweile war es auch schon fast 14 Uhr und Elly bekam Hunger. Die beiden Brötchen, die ihr ihre Mutter eingepackt hatte waren schon lange gegessen.
Dann erreichten sie Sligo. Vor der Schule hielten sie an und alle stiegen aus. Eine etwas ältere Frau, die sich als Deutschlehrerin Mrs. Parington vorstellte, las die Namen der Deutschen Schüler vor. Bianca wurde einem kleinen pummeligen Mädchen namens Emily zugeteilt, die sie gleich herzlich in die Arme schloss und sie freundlich angrinste. Dann kam Elly an die Reihe. Gillian war ein schlankes Mädchen mit blonden Haaren und blauen Augen. Sie nicht schlecht aus und lächelte mich total lieb an. Ich grinste zurück und gemeinsam gingen wir zu ihrer Mutter. "Hi Elisabeth! Nett dich kennen zu lernen!" "Hi! Bitte nennen sie mich Elly. Ich mag meinen Namen nicht so besonders!" Mrs. Walsh lächelte und gemeinsam gingen sie zum Wagen. Dann fuhren sie los.
Sligo war doch etwas größer als Elly es sich vorgestellt hatte. Es gab einige Läden und Cafés.
Zu Hause angekommen stellte Gillian Elly den Rest ihrer Familie vor. Da blieb nur noch ihr Vater und ihr Hund Daisy.
(Ich geh jetzt mal davon aus, dass Gillian keine Geschwister hat, weil ich es nicht genau weiß *g*)
Dann zeigen sie Elly ihr Zimmer. Es war ein Gästezimmer und dementsprechend spärlich eingerichtet aber trotzdem schön und gemütlich. Zwei große Fenster zeigten auf den Garten hinter dem Haus, davor stand ein Sofa und ein kleiner Tisch. An der linken Wand stand das Bett und daneben ging eine Tür in ein kleines Bad. An der rechten Wand stand ein Schrank und daneben ein Schreibtisch. Alles in Allem war Elly doch positiv überrascht wie komfortabel sie hier leben würde. Sie packte ein paar Sachen aus und ging dann die Treppen hinunter. Eigentlich war Elly nicht schüchtern, aber plötzlich zu einer fremden Familie zu gehören und auch noch eine andere Sprache sprechen zu müssen war auch für Elly einschüchternd. Was hätte sie jetzt dafür gegeben in Deutschland bei Nico zu sein. Beim Essen fragte Gillian: "Hast du Lust dich heute noch mit ein paar von meinen Freunden zu treffen. Emily, eine gute Freundin von mir, hat auch eine Austauschschülerin und die beiden kommen wahrscheinlich auch mit." "Ja, von mir aus!" Die Aussicht heute noch jemanden zu sehen, der Deutsch sprach ließ Elly zustimmen. Und so kam es, dass sie nach dem Essen das Haus verließen und zum Marktplatz gingen. Dort standen schon ein paar Leute herum, die Gillian gleich begrüßten. "Leute, hört mal kurz zu. Das ist Elisabeth, genannt Elly aus Deutschland. Elly, dass sind Derek, Michael, Graham, Mark, Shane und Kian, mein Cousin. Und das hier sind Angie und Susan. Susan ist mit Michael zusammen. Und dahinten kommen ja auch schon Emily und Bianca. Gillian und Emily umarmten sich. Bianca sagte: "Gott sei Dank! Endlich wieder jemand mit dem ich Deutsch reden kann!" Elly musste grinsen und versuchte den anderen zuzuhören, was sie jetzt vorhatten. Als sie Susan und Michael zusammen sah wurde sie ein bisschen traurig. Nico war jetzt so viele Kilometer weit weg und nicht bei ihr. Sie beschloss ihm gleich einen Brief zu schreiben wenn sie wieder daheim war. Elly konnte aus dem Gespräch heraus verstehen, dass Shanes Eltern ein Café haben mussten und da wollten jetzt alle hingehen. Die Gruppe verließ den Marktplatz. Bianca und Elly gingen ein bisschen hinterher. Irgendwann lösten sich drei Jungs von der Gruppe und warteten bis Bianca und Elly angekommen waren. "Ich bin Derek!", sagte ein Großer mit braunen Haaren. "Und das sind Mark und Kian." Elly schaute sich die beiden an. Mark war ein bisschen pummelig hatte aber unglaublich blaue Augen. Genau wie Kian. Der war schlank und hatte ebenfalls braune Haare. "Wie findet ihr Sligo?", fragte Kian. Bianca antwortete für die beiden: "Es ist schön hier. Zumindest das, was wir bisher davon gesehen haben." "Das freut uns zu hören!", meldete sich jetzt auch Mark zu Wort. Bianca unterhielt sich fröhlich mit den Jungs, während Elly etwas ruhiger geworden war. Einige Minuten später hatten sie das Café erreicht. Groß über der Tür prangte ein Schild mit der Aufschrift: "Carlton Café!" Die Leute stürmten hinein und Bianca und Elly gingen ein bisschen schüchterner hinterher. Aber Gillian rief schon: "Los kommt! Meine Tante und mein Onkel beißen nicht!" Biance zog Elly schnell weiter an den Tisch. Eine Frau mit mittellangen braunen Haaren kam an den Tisch und begrüßte die Gruppe. "Hi alle zusammen! Was wollt ihr denn haben?" "Hi Mum!", sagte Shane und reihum gaben alle ihre Bestellungen auf. Elly entschied sich für eine Cola. Die anderen unterhielten sich fröhlich und schienen sich super zu verstehen. Bianca und Elly beschränkten sich darauf, sich ein bisschen auf Deutsch zu unterhalten. Eine Stunde und zwei Colas später verabschiedeten sich alle von Shane, der noch bei seinen Eltern bleiben wollte und die anderen gingen noch ein bisschen spazieren. Irgendwann kam Gillian zu Elly und sagte: "Wir gehen jetzt heim. Ist das okay?" Elly nickte und sie verabschiedete sich von den anderen. Wieder zu hause sagte sie gleich Gute Nacht mit dem Vorwand vom Flug noch sehr müde zu sein. Sie wusch sich und setzte sich dann an ihren Tisch. Dort nahm sie ihren Block heraus und begann einen Brief für Nico zu schreiben:

Hi Schatz!
Ich sitze jetzt hier in "meinem" Zimmer und schreib dir. Ich vermisse dich so sehr. Jetzt bin ich gerade mal einen Tag hier und vor 24 Stunden waren wir zusammen Eis essen und ich weiß schon gar nicht mehr, wie ich es ohne die aushalten soll noch ganz 4(!!!)Wochen lang.
Meine neue Familie ist ganz nett und Gillian auch. Vorher waren sie, ich, Bianca (ein Mädchen aus meiner Klasse) und noch ein paar Leute in einem Café. Es gehört Gillians Tante.
Die Stadt ist auch ganz okay und das Essen ging heute auch. Ich kann noch nicht viel berichten nur, dass ich dich unheimlich vermisse und grade eben den Drang verspürt habe, dir zu schreiben!
Die Adresse von Gillian hab ich dir auf einem kleinen Zettel beigelegt. Ich hoffe, du schreibst mir auch mal!
Ich vermisse doch so sehr!
Ich liebe dich!
Tausend Küsse, deine Elly!

Als sie den Brief in einen Umschlag steckte, liefen ihr ein paar Tränen herunter, die sie aber schleunigst wegwischte. Sie wollte nicht weinen. Sie wollte stark sein. Stark genug um die nächsten 4 Wochen zu überstehen. Aber es ließ sich nicht vermeiden, dass sie sich in den Schlaf weinte.
Am nächsten Morgen wurde sie von Gillian geweckt und nach einem kurzen Frühstück wurden sie von Gillians Mutter in die Schule gefahren. Obwohl sie sich extra unauffällige Sachen angezogen hatte, fielen Elly und die anderen deutschen Schüler natürlich auf, denn ihre Jeanshosen und bunten Shirts unterschieden sich von den eher tristen dunkelblauen Schuluniformen. Der Unterricht verlief eher langweilig als interessant und Elly ging lieber ihren Gedanken nach. Diese schweifte unwillkürlich immer wieder zu Nico. Was er jetzt wohl machte? Er saß wahrscheinlich auch in der Schule. Oder musste er heute Arbeiten? Dann stand er jetzt in der Backstube und packte Brötchen. Er machte eine Ausbildung zum Bäcker und Konditor. Nach der Schule trafen sie Elly, Bianca, Gillian und Emily vor der Schule. Gillian fragte: "Was machen wir denn heute noch?" Die anderen zuckten die Schultern. Eine Weile standen sie da, bis Emily etwa einfiel: "Elly, Bianca, könnt ihr reiten?" Elly erschrak. Seit sie als siebenjährige einmal von einem Pferd gefallen war und sich das Bein gebrochen hatte, hatte sie tierische Angst vor Pferden. Aber sie ließ sich nichts anmerken und nickte nur leicht mit dem Kopf. "Na dann ist ja alles in Ordnung!", sagte Gillian, als sie sah, dass Bianca auch nickte. "Dann gehen wir heute reiten. Wir treffen uns um 17.30Uhr auf der Ranch." Und schon war sie mit Elly im Schlepptau verschwunden. Elly war nicht ganz wohl bei der Sache. Seit 9 Jahren traute sie den Pferden nicht mehr. Und jetzt sollte sie einfach wieder reiten? Ihre Eltern und Freunde hatten damals verstanden, dass sie nicht mehr reiten wollte. Aber hier würde sie ja gleich als Loserin dastehen.
Kurz nach halb sechs stand sie zusammen mit Gillian auf dem Hof. Shane, Derek, Michael, Mark, Kian, Angie, Susan, Bianca, Emily und Graham waren alle schon da. Gemeinsam gingen sie in den Stall um Pferde auszusuchen. Shane suchte fachmännisch 9 Pferde heraus. Elly musste zugeben, dass er für seine 16 Jahre ziemlich viel Ahnung mit Pferden hatte. "Okay Leute, dann mal los! Satteln!" Elly merkte, dass ein Pferd fehlte. "Wer reitet den nicht mit? Wir sind 10 Leute aber nur 9 Pferde." Kian, der hinter ihr stand, sagte: "Ich! Ich mag keine Pferde!" "Echt, du auch nicht?" Jetzt mischte sich Shane ein: "Was heißt ‚Du auch nicht’?" "Naja, ich kann zwar reiten, hab aber tierische Angst vor Pferden und es wäre mir ehrlich gesagt lieber, wenn ich auch nicht reiten müsste!" Shane schaute ein bisschen enttäuscht sagte aber dann: "Okay, wenn du nicht willst! Dann bleib bei Kian!" Elly war erleichtert. Jetzt musste sie doch nicht reiten. Als die anderen davon ritten setzten sich Kian und Elly auf eine alte Bank vor dem Stall. Eine Weile wussten sie nicht, was sie sagen sollten. Dann fragte Kian: "Warum hast du Angst vor Pferden?" "Ich verstehe es selber nicht so richtig. Ich bin als Siebenjährige mal von einem Pferd gefallen und hab mir das Bein gebrochen. Und seither hab ich einfach Angst vor Pferden. Und du?" "Ich weiß es nicht. Du hast wenigstens einen richtigen Grund. Ich hab Pferde noch nie gemocht, dabei haben sie mir nicht mal was gemacht." "Ach, das ist doch nicht so schlimm. Da haben wir eben was gemeinsam. Du hast doch sicher andere Hobbys oder? Was machst du denn sonst so?" "Ich weiß nicht, ob ich dir das erzählen darf. Unsere Pläne sind noch ganz frisch und wir wissen noch gar nicht, ob das alle überhaupt klappt!" "Welche Pläne? Du kannst mir vertrauen. Ich sag sicher nichts. Außerdem bin ich in weniger als 4 Wochen wieder weg und dann kann ich es eh niemand mehr erzählen." "Okay. Also Shane, Derek, Graham, Mark, Michael und ich haben eine Band gegründet. Sie ist echt noch ganz neu und wir haben erst einen Song aufgenommen." "Hey, das ist doch total cool! Willst du ihn mir mal vorsingen?" "Ich weiß nicht. Ich hab ein bisschen Schiss, dass er dir nicht gefällt." "Hat schon mal jemand anderes den Song außer euch Jungs gehört?" "Nein!" "Na also, dann kannst du dir mal die Meinung von einem Außenstehenden anhören." "Na okay. Also das Lied heißt Forever!" Dann begann er zu singen: "I’ll be loving youuuuu forver, deep inside my heart you leeeeave me never, eeeeven if you took my heart, and tore it apart, I will love you still forever!” Elly hatte die Augen geschlossen und lauschte Kians Stimme. Das er wundervoll singen konnte war nicht zu leugnen und auch der Song war toll. Elly musste an Nico denken. Der Song passte zu ihrer Beziehung. Als Kian geendet hatte liefen ihr ein paar vereinzelte Tränen die Wangen hinunter. Kian schaute sie verdutzt an: "Hab ich so schlecht gesungen, dass du heulen musst?" Elly schüttelte den Kopf. "Nein, ganz im Gegenteil. Es erinnert mich nur so an meinen Freund daheim in Deutschland und wenn ich dran denke ihn 4 Wochen nicht zu sehen, dann kommen mir eben die Tränen." "Ach so!" Von da an war Kian eher still und auch Elly fiel nichts mehr ein über das sie reden konnten. Eine halbe Stunde später kamen die anderen zurück. Bianca rief schon von weitem: "Oh Mann Elly. Du hast echt was verpasst! Das war so super! Beim nächsten Mal musst du mitkommen." Elly nickte nur. Danach tranken sie noch eine Tasse Kakao bei Shane in der Küche und danach fuhren alle heim. Gillian’s Mum fuhr Emily und Bianca heim. Zu Hause ging Elly gleich ins Bett.
Am nächsten Tag stand ein Ausflug in die Umgebung an. Mrs Parington und Frau Lukas waren mit dabei. Bianca, Elly, Emily und Gillian waren fast die ganze Zeit zusammen. Und Bianca ließ keine Gelegenheit aus, Emily und Gillian über Mark auszufragen. Elly schaute sie nur immer wieder verdutzt an. Was alles in Bianca steckte. Offenbar hatte sie sich über beide Ohren in Mark verliebt. Elly beschloss sich für sie zu freuen. Warum sollte nicht wenigstens Bianca den Austausch genießen? Wenn es schon ihr nicht so gut ging Irgendwie wollten die Tage einfach nicht vergehen.
Die nächsten beiden Tage verbrachten sie wieder in der Schule.
Dann stand das Wochenende bevor. Am Freitagnachmittag kam Elly gerade vom Briefkasten zurück, wo sie wieder einen Brief für Nico eingeworfen hatte, als Gillian sie ganz aufgeregt in Hausflur empfing. "Elly, Kian hat gerade angerufen. Er und die anderen gehen campen. Er hat gefragt ob wir mitwollen. Emily und Bianca haben auch schon so gut wie zugesagt. Wir würden allerdings mit den Pferden hin reiten weil die Lichtung, die Derek ausgesucht hat 3 Stunden Fußmarsch entfernt ist und das schaffen wir heute nicht mehr. Ich weiß jetzt nicht, wie du darüber denkst?! Was meinst du?" Besonders große Lust hatte Elly nicht und schon gar nicht auf reiten, aber als sie sah, wie Gillian sich freute nickte sie und sagte: "Okay! Von mir aus gerne!" Sie musste sich eben überwinden mit dem Reiten. Wie ein aufgescheuchtes Huhn rannte Gillian in den Keller und holte Schlafsäcke und große Rucksäcke. "Mark und Derek bringen zwei Zelte mit. Oh Mann, ich freu mich schon so! Da können wir dann richtig abschalten!" Elly teilte ihre Freude nicht so aber sie wollte kein Spielverderber sein und ließ sich nichts anmerken. Sie ging in ihr Zimmer, packte sie ein paar Klamotten zusammen und sonstige Sachen, die sie brauchte und ging dann zu Gillian hinunter. Die hatte mittlerweile auch ihre Sachen gepackt und war gerade in der Küche um Proviant einzupacken. Auf dem Küchentisch standen schon 4 Büchsen mit Würstchen, 2 Laib Brot und eine Tüte mit Brötchen, 2 Gläser Marmelade, Butter, Käse und Chips, Schokolade und Gummibärchen. Elly half ihr, alles ins Auto zu tragen, dann fuhren sie mit Gillians Mum zu Shanes Hof. Diesmal waren sie die ersten. Shane hatte seinen riesigen Rucksack neben dem Stall abgestellt und war jetzt damit beschäftigt die Pferde zu satteln. Elly bekam Schiss und wollte nicht näher dran gehen. Shane rief: "Hi ihr beiden! Los kommt! Ihr könnt mir helfen!" Gillian war gleich an seine Seite gesprungen und half ihm bei einem wunderschönen Schimmel. Elly blieb auf Abstand und trug lieber ein paar Sattel aus dem Stall. Gott sei Dank kamen kurz darauf nach und nach die anderen und es fiel nicht so auf, dass Elly nicht nahe an die Pferde ranging. Aber Kian sah es und kam zu ihr her. "Hey, hast du auch Schiss?" Elly nickte und blickte zu Boden. Kian fuhr fort: "Was hältst du davon, wenn wir zusammen auf einem Pferd reiten? Dann können wir nicht so schnell reiten und die anderen machen uns deswegen keine Vorwürfe." Elly war einverstanden und so kam es, dass sie 10 Minuten später total ängstlich auf einen schwarzen Hengst stieg. Kian saß hinter ihr und hielt sich an ihren Hüften fest. Sie ritten als letzte, da die anderen einen Tick schneller waren, als sie selber. Während des Reitens wurde Elly etwas bewusst. Etwas, was sie erstmal nicht wahrhaben wollte, was sich aber nicht verdrängen ließ. Sie genoss es, Kians Hände an ihren Hüften zu spüren und seinen Atem an ihrem Ohr. Sie genoss seine Nähe. Sie versucht diese Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen, als wären sie verboten. Aber es ging nicht und sie war fast ein bisschen traurig, als der Ritt zu Ende war und sie nach knapp 2 Stunden eine kleine wunderschöne Lichtung erreichten. Es dämmerte schon und Derek schlug vor, als erstes die Zelte aufzubauen, damit sie noch etwas dabei sahen, bevor es dunkel wurde. Außerdem musste jemand die Pferde versorgen, Wasser am nahe gelegenen Bach holen und trockenes Holz für ein Feuer suchen. Derek und Mark bauten mit Hilfe von Angie und Bianca ihre Zelte auf. Shane, Michael und Graham kümmerten sich um die Pferde, Michael und Susan sammelten Holz und Kian und Elly wurden zum Wasser holen "zugeteilt". Gemeinsam machten sie sich mit einem Eimer von Derek auf den Weg, immer den plätschernden Geräuschen nach. Kian redete ununterbrochen und Elly hatte mit ihm einiges zu Lachen. Sie fühlte sich wohl in seiner Gegenwart. Als sie den Bach, der sich eher als kleiner Fluss entpuppte, erreichte, ging Kian gleich ans Ufer und kniete sich hin. Gerade als er den Eimer ins Wasser heben wollte rief Elly: "Warte mal. Ich halt dich fest, sonst fällst du noch rein" Kian hob seinen Finger ins Wasser und sagte: "Es ist gar nicht kalt. Da schau mal!" Und ehe Elly sich versah hatte er sie nass gespritzt. Sie wischte sich das Wasser aus dem Gesicht, aber Kian hatte schon wieder gespritzt. Elly lachte und rannte auf ihn zu. Sie gab ihm einen Schubs. Da er sie aber an den Händen hielt, fiel sie, unerwarteter Weise, mit ihm hinein. Und da lagen sie dann. Kian auf dem Rücken, sie auf seinem Bauch und sie schauten sich einige Sekunden tief in die Augen, bis Elly von ihm herunterrollte. Was hatte er für unglaublich blaue Augen? So wundervoll! Halt Was dachte sie da? Kian hatte zu lachen begonnen und war aufgestanden. Elly tat es ihm gleich. Sie waren beiden von oben bis unten nass und konnten sich das Lachen nicht verkneifen. "Was werden denn jetzt die anderen sagen, wenn wir klitschnass ankommen?" Elly zuckte mit den Schultern und schnappte sich den Eimer. Sie hob ihn ins Wasser und als er voll war gab sie ihn Kian. Der aber hatte nichts Besseres zu tun, als ihn Elly über den Kopf zu schütten und sie dabei vor Lachen zu kringeln. "Na warte!", rief Elly und spritzte zurück. Einige Minuten später hörten sie Stimmen und sie kletterten triefend von Nässe aus dem Bach. Kurz darauf bogen Emily und Shane um die Ecke. "Hey, das seit ihr ja. Wir haben euch gesucht. Wir dachten schon Wie seht ihr denn aus??" Kian und Elly schauten sich verlegen an und grinsten. Shane und Emily brachen in schallendes Gelächter aus. Dann nahmen sie sich zu viert den Eimer und machten sich auf den Rückweg. Elly ging sich in einem der großen 4- Mann- Zelte umziehen. Kian tat es ihr gleich. Mittlerweile war es fast dunkel. Ein schönes Lagerfeuer prasselte auf der Wiese und alle saßen drum herum. Kian und Elly saßen nebeneinander. Sie saßen zusammen, grillten Würstchen, lachten und erzählten. Gegen Mitternacht waren sie so müde, dass sie beschlossen, sich schlafen zu legen. Mit etwas Mineralwasser putzten sie sich die Zähne und wuschen sich. Michael und Susan hatten beschlossen etwas abseits von den anderen auf ein paar Decken zu schlafen. Elly konnte sie verstehen. Sie hätte das mit Nico auch so gemacht. Nico! An ihn hatte sie den ganzen Abend über nicht einmal gedacht. Seltsam! Und auch jetzt, als sie an ihn dachte, spürte sie nicht den Schmerz weil sie ihn so vermisste. Im Zelt war es ein bisschen eng, da sie zu 5. in einem 4- Mann- Zelt schliefen, aber auch bei den Jungs war es nicht anders. Elly lag neben Bianca und Angie. Gillian und Emily schienen schon zu schlafen. Auch Bianca und Angie ließen tiefe Atemzüge hören. Elly drehte sich auf den Rücken und versuchte einzuschlafen. Aber als sie eine halbe Stunde später immer noch wach lag, beschloss sie aufzustehen und sich noch ein bisschen an die frische Luft zu setzen. Das Feuer war fast aus. Elly fand noch einen Rest Schokolade, über den sie sich gleich hermachte. Plötzlich hörte sie hinter sich ein Geräusch. Erschrocken drehte sie sich um. Kian stand vor seinem Zelt und lächelte sie an. "Kannst du auch nicht schlafen?" Elly schüttelte den Kopf. "Ich auch nicht! Derek schnarcht so laut!" Elly grinste und Kian setzte sich neben sie. Eine Weile saßen sie schweigsam da. Ellys Herz schlug schneller. Irgendwann hörten sie hinter einem Busch jemanden lachen. Kian grinste: "Das sind Michael und Susan. Gehen wir ein bisschen spazieren? Wir wollen die beiden doch nicht stören, oder?" Elly nickte und holte sich ihre Schuhe. Sie trug nur einen Schlafanzug aber sie fror nicht. Kian hatten außer Boxershorts und einem Shirt auch nichts an. Sie schlugen die Entgegengesetzte Richtung von Michael und Susan ein und gingen ein Stück durch den Wald. Erst gingen sie hintereinander, Kian voraus. Plötzlich spürte Elly einen Ruck an ihrem Bein, sie schrie auf und wäre fast hingefallen, hätte sie sich nicht im letzten Moment noch an Kian festgeklammert. Kian drehte sich um und nahm sie an der Hand. Von da an gingen sie nebeneinander her und Elly hatte nichts dagegen, Kians Hand zu halten. Sie wunderte sich selber und jedes Mal, wenn sich Nico in ihren Kopf drängte verbannte sie ihn sofort wieder. Nach ein paar Minuten erreichten sie eine andere Lichtung. Dort war ein großer Baumstumpf zu sehen, auf den Kian zusteuerte. Er setzte sich und zog Elly neben sich. Dann legte er den Arm um sie und gemeinsam schauten sie in den Himmel. Elly wusste nicht wie ihr geschah. Was war los? Sie saß hier neben einem Jungen, den sie gerade eine Woche kannte und daheim saß ihr Freund. Irgendwann sagte Kian: "Elly! Ich muss dir was sagen! Es tut mir Leid, ich weiß du hast einen Freund und es war auch nicht geplant oder so, aber ich hab mich in dich verliebt!" Mit den Worten war er aufgesprungen und mit schnellen Schritten weggelaufen, in die Richtung aus der sie gekommen waren. Elly realisierte erst einige Sekunden später, was geschehen war. Dann sprang sie auf und schaute nach Kian. Sie sah ihn gerade noch zwischen zwei Bäumen verschwinden. So schnell sie konnte rannte sie hinter ihm her und hatte hin gleich eingeholt. "Kian! Warte!" Er drehte sich um, sah ihr aber nicht in die Augen. Elly sagte: "Das braucht dir nicht Leid zu tun!" Mit diesen Worten zog sie ihn näher an sie und schaute ihm in die Augen. Diese wunderschönen blauen Augen, die sie liebte. Ja, liebte! Das war ihr in diesen Sekunden klar geworden. Sie dachte in dem Moment nicht mehr an Nico daheim, nur noch an Kian und diese schönen Augen. Er zog ihren Kopf näher und drückte sanft und schüchtern seine Lippen auf ihre. In Elly explodierte ein Feuerwerk. Sie presste ihre Lippen fester auf seine und ein paar Sekunden später spürte sie seine Zunge auf ihren Lippen. Ohne zu zögern öffnete sie ihren Mund und ließ Kian gewähren. Endlose Minuten standen sie da und küssten sich. Der Kuss war der schönste, den Elly je erlebt hatte. Besser als die von Nico. Viel besser. Sie genoss ihn einfach. "Kian, ich hab mich auch in dich verliebt! Ich weiß nur nicht, was ich mit Nico!" "Pssst! Denk jetzt nicht an Nico!", sagte Kian als sie sich einige Sekunden gelöst hatten. "Du hast Recht!", sagte Elly und küsste ihn noch einmal. Dann gingen sie eng umschlungen zurück zu den Zelten. Susan und Michael waren mittlerweile auch still. Vor den Zelten blieben sie noch mal stehen und küssten sich, dann verschwand jeder in seinem Zelt. Ellys Gedanken und Gefühle spielten verrückt. Was hatte sie getan? Sie hatte Nico betrogen. Sie hatte einen anderen Jungen geküsst und dass wo Nico doch die Liebe ihres Lebens war. Oder vielleicht war er das doch nicht? Hätte sie sonst Kian geküsst? Sie hatte Gefühle für Kian. Sehr starke Gefühle, dass war ihr klar. Aber sie hatte keine Ahnung. Mit einem Kopf voller ungeklärter Fragen schlief sie dann ein.
Am nächsten Morgen wurde sie gegen 10Uhr von Bianca geweckt. Außer ihnen war niemand im Zelt. Draußen hörte sie das Wiehern der Pferde und das Schreien der Jungs. Scheinbar spielten sie Fußball. "Los, Elly, aufstehen. Die anderen sind alle schon wach!" Elly setzte sich auf und die vergangene Nacht fiel ihr wieder ein. Sie verspürte den Drang mit jemandem zu reden. Und Bianca schien ihr richtig dafür.
Bianca war zuerst erschrocken, als sie alles erfuhr, freute sich dann aber für Kian und Elly. Sie riet ihr, sich erstmal über ihre Gefühle klar zu werden. Tief im Inneren spürte Elly bereits, dass sie sich sicher war, aber sie wollte es nicht wahr haben. Sie konnte doch nicht mit Nico Schluss machen. Oder doch? Sie stand auf, zog sich eine Jeans und ein Shirt an und verließ das Zelt. Bianca wartete davor auf sie. "Los, die Jungs machen grad eine Pause. Geh hin und rede mit Kian!" Elly nickte und ging um die Ecke. Alle Jungs saßen auf dem Boden und tranken Wasser. Emily, Angie, Gillian und Susan saßen auf dem Boden. Als Kian Elly kommen sah sprang er auf und ging zu ihr. "Kian, kann ich mal kurz mit dir reden?", fragte Elly. Kian schaute sie erschrocken an und nickte dann. Sie gingen ein Stück in den Wald hinein und Elly hatte Mühe, ihren Blick von seinem Oberkörper abzuwenden. Er sah aber auch unverschämt gut aus. "Kian, dass heute Nacht Du sollst nicht denken, es hat mir nichts bedeutet. Ich hab alles ernst gemeint, was ich heute Nacht gesagt habe. Aber ich bin mir über meine Gefühle für Nico noch nicht im Klaren. Ich kann nicht so einfach mit ihm Schluss machen. Das geht nicht, auch wenn unsere Beziehung noch ganz frisch ist." "Ich verstehe das, aber du musst dich entscheiden. Entweder er oder ich. Das hört sich herzlos an, aber ich kann nicht anders. Du bedeutest mir zu viel, als dass ich dich mit einem anderen teilen könnte." Elly nickte. "Ich denke, ich habe mich schon für dich entschieden. Ich weiß es aber nicht sicher. Ach verdammt, ich bin so durcheinander." "Das brauchst du nicht!" Er zog ihren Kopf zu seinem und küsste sie. Wieder war Nico aus ihrem Kopf verbannt und alles richtete sich auf Kian. Er war es, den sie liebte. Warum wollte sie das nicht wahr haben? Warum war ihr so schnell klar geworden, dass sie Kian liebte? Sie kannte ihn kaum, sie hatten kaum miteinander gesprochen und trotzdem fühlte sie da ein Band, ein Band, dass sie verband auf unsichtbare Weise. Ein Band, das schien, als würde es nie wieder reißen.
Hand in Hand gingen sie zurück zu den anderen. Neben Kian fühlte sich Elly unheimlich sicher. Die anderen sahen sie erstaunt an und Derek fragte: "Haben wir vielleicht was verpasst?" Auch die anderen hatten ihren Blick erst auf die gehaltenen Hände, dann auf die Gesichter der beiden gerichtet. Kian grinste von einem Ohr zum anderen und sagte dann: "Scheinbar ja!" Dann zog er Elly zu sich und küsste sie. Die anderen applaudierten und Elly sah an Biancas Blick, dass diese fand, sie habe richtig entschieden. Den ganzen Tag verbrachten sie in bei den Zelten oder in der Umgebung. Kian und Elly hatten viel Spaß. Sobald sie an Nico denken musste verdrängte sie den Gedanken sogleich wieder. Mit Kian verstand sie sich ohne Worte. Ja, nur ein Blick reichte um zu wissen, was der andere dachte. Es kam Elly fast unheimlich vor. Sie hatte nie an Seelenverwandtschaft geglaubt und immer gelacht, wenn jemand davon erzählte, aber jetzt spürte sie, dass es so was gab. Am Abend, als es dunkel wurde machten Elly und Kian zusammen einen Spaziergang. Die anderen blieben beim Lagerfeuer.
In der Nacht konnte Elly besonders gut schlafen. Auch sie und Kian hatten sie aus den Zelten verabschiedet und lagen jetzt unterm Sternenhimmel mitten auf der Wiese.
Am nächsten Morgen schliefen alle noch einmal lang. Dann aßen sie etwas, packten ihre Sachen zusammen und ritten wieder heimwärts. Auf dem Rückweg genoss Elly es noch viel mehr, Kian so dicht hinter sich zu spüren.
Als Elly wieder bei Gillian zu Hause war, fiel ihr Blick auf das Bild von sich und Nico. Es wurde vor ca. 2 Wochen gemacht und die beiden lagen sie in den Armen. Elly kamen die Tränen. Sie war so verwirrt, wie noch nie in ihrem Leben. Es klopfte an der Tür. Schnell wischte sie die Tränen weg und steckte das Bild zurück unters Kopfkissen. "Ja?" Es war Gillians Mum. "Heute ist ein Brief für dich aus Deutschland gekommen!" Sie gab ihr den Brief. "Danke!" Nachdem Mrs. Walsh wieder gegangen war schaute sie Elly den Brief an. Die Schrift war unverkennbar die von Nico. Sie zögerte einen Moment, dann öffnete sie ihn. Er war nicht besonders lang, was Elly aber nicht weiter verwunderte. Nico war ziemlich schreibfaul, dass hatte sie in den letzten Wochen mitbekommen.

Hi Süße!
Ich hoffe dir geht es gut, weil mir’s nicht ganz so toll geht. Ich vermisse dich auch schrecklich und zähle schon die Tage, bis du wieder nach Deutschland kommst.
Hier ist alles beim Alten. Nur, dass du eben fehlst.
Danke übrigens für deine Briefe.
Ich liebe und vermisse dich,
dein Nico!
Fühl dich geküsst

Sorgfältig faltete Elly den Brief zusammen und steckte ihn unter ihr Kopfkissen. Sie wollte nicht nachdenken. Sie wollte es einfach nicht, aber sie musste es tun.
Gillian klopfte an der Tür. Sie kam herein und setzte sich aufs Bett. "Alles klar bei dir?" Elly zuckte mit den Schultern. Gillian fuhr fort: "Ich wollte dir nur sagen, dass ich mich total für dich und Kian freue. Ihr seit ein richtig süßes Paar." Elly wollte nicken und lächeln aber stattdessen liefen ihr nur die Tränen runter. Gillian sah sie erschrocken an. "Elly, was ist denn los???" "Nichtses ist nichts." "Aber ich seh doch, dass es dir nicht gut geht." "Jaich!" Sie zog das Foto von sich und Nico unter ihrem Kopfkissen hervor und gab es Gillian ohne ein Wort zu sagen. Diese schaute es einige Sekunden an und sagte dann: "Du hast schon einen Freund in Deutschland und weißt nicht, was du machen sollst?" Elly nickte. "Ich liebe sie beide!" "Oh Gott, dass ist nicht gut! Aber ich kann dir nur eins sagen. Brech Kian nicht das Herz! Wenn er mit einem Mädchen zusammen sein will, dann liebt er sie wirklich." Elly nickte. Dann sagte sie: "Ich denke, ich liebe Kian auch. Bis vor 3 Tagen hätte ich mir das zwar nicht vorstellen können aber jetzt?! Ich werde es mit ihm versuchen, auch wenn die Distanz ziemlich groß ist. Ich werde Nico einen Brief schreiben und ihm alles erklären!" "Bist du dir sicher?" Elly zögerte einen Moment, dann nickte sie. Bei Kian fühlte sie sich wohler. Auch wenn sie nicht gedacht hätte, dass es einen gab, den sie mehr lieben würde als Nico. "Ja, ich bin mir sicher. Und jetzt schreibe ich ihm gleich!" Gillian nickte und verließ das Zimmer. Aber Elly schrieb nicht. Sie wollte noch warten. Sie konnte es einfach nicht. Sie weinte noch ein bisschen, dann schlief sie ein.
Die nächsten Tage waren die besten, die sich je erlebt hatte. Sie war jeden Tag mit Kian zusammen. Mal waren die anderen dabei, mal nicht. Das Band, das sie von Anfang an verband, wurde noch stärker. Sie verstanden sich blind. Mitte der dritten Woche ihres Irland- Aufenthalts durfte sie bei einer Probe der Band zusammen sein. Mittlerweile hatten sie auch einen Namen gefunden. I.O.U. Und sie spielten wirklich gut. Sie hatten tolle Stimmen und Elly war hin und weg und war sich sicher, dass sie mal ganz groß rauskommen würden.
Die Zeit raste nur so dahin. Elly konnte gar nicht daran denken, in einer Woche wieder daheim zu sein. Sie hatte Nico immer noch nicht gesagt, dass es aus war. Sie wusste, dass sie es in den nächsten Tagen machen musste wenn der Brief noch rechtzeitig vor ihrer Rückkehr ankommen sollte. Sie hatte ihm zwar immer wieder kurze unverbindliche Briefe geschrieben aber sich nie getraut es ihm zu sagen. Und sie war sich nicht sicher, dass wenn sie vor ihm stehen würde, sie noch den Mut aufbringen würde, zu sagen, dass es aus wäre.
Aber sie konnte nicht. Noch 5 Tage, noch 4 Tage, noch 3 Tage. Mittlerweile war es Mittwoch und am Samstag sollte sie Heimfliegen. Kian wurde auch immer bedrückter. Das merkten die anderen und versuchten die beiden aufzuheitern. Aber so richtig gelang es ihnen nicht. Noch 2 Tage. Elly und Kian verbrachten jede freie Sekunde zusammen. Am Nachmittag des vorletzten Tages sagte Kian. "Ich hab eine Überraschung für dich. Komm bitte um 18Uhr zu Shanes Hof."
Scheinbar wusste Gillian Bescheid, denn um Punkt 17.45Uhr wurde Elly von ihr und ihrer Mutter auf die Ranch gefahren. Am Zielort angekommen schaute sie sich um. Aber Kian war nirgends zu sehen. Nur Shane stand auf dem Hof. "Hey Elly, da bist du ja! Los komm!" "Nein, ich muss hier bleiben! Ich treffe mich hier mit Kian." "Kian ist nicht da! Ich soll dich zu ihm bringen!" Elly schaute ihn verständnislos an. "Los jetzt komm schon!" Shane ging um den Stall herum und kam mit einem weißen Pferd wieder hervor. Um den Hals des Schimmels waren bunte Blumen geschmückt. Shane half ihr aufs Pferd und Elly hatte kaum noch Angst. Sie war viel zu aufgeregt, weil sie wissen wollte, dass Kian vorhatte. Shane ritt mit ihr durch den Wald und schon bald wusste sie, wo es hingehen sollte. Zu der Stelle, wo sie gecampt hatten. Da sie diesmal schneller ritten, kamen sie schon nach einer Stunde an. Shane setzte sie ab und ritt dann wieder weg. Jetzt stand Elly alleine auf der Lichtung und schaute sie um. Von Kian war weit und breit nichts zu sehen. Sie schaute sich überall um. Wo war er? Hatte Shane sie nur verarscht und Kian wartete jetzt auf dem Hof auf sie? Plötzlich hörte sie etwas hinter sich. Sie fuhr herum aber bevor sie etwas erkennen konnte, hatte ihr jemand die Augen verbunden. "Kian?" Keine Antwort. "Kian?? Bist du das?" Keine Antwort. Elly bekam ein bisschen Schiss, aber an der Art, wie die Person sie anfasste und durch den Wald führte, erkannte sie Kian. Sie lächelte. Einige Minuten später vernahm sie Kians Stimme hinter sich: "Wir sind da!" Er nahm ihr das Tuch ab und Elly schaute sich um. Sie waren an der Lichtung mit dem Baumstumpf. Dort wo sie sich das erste Mal geküsst hatten. Aber die Lichtung war nicht wieder zu erkennen. Der Baumstumpf war mit einer roten Decke abgedeckt, auf der etwas zu Essen und zu trinken stand. Daneben lagen noch ein paar Decken und einige Kissen. Drum herum verstreut lagen Rosenblätter. Kian hatte leise Musik eingeschaltet. Dann kam er zu ihr und umarmte sie und in dem Moment war Elly klar, was diesen Abend passieren würde. Sie wollte es, genau wie Kian. Eine Weile tanzten sie ohne ein Wort zu sagen leise zu der Musik. Dann gingen sie langsam zu der Decke. Kian nahm etwas zu Essen von dem Baumstumpf herunter, der als Tisch diente. Es war ein Teller mit Früchten, Kuchen und Schokolade.
Aber Elly hatte keinen Hunger. Und auch Kian nicht. Kian schaute sie an und Elly nickte. Dann küsste er sie. Es war für beide das erste Mal, aber sie hatten keine Angst.
Danach lag Elly neben Kian und war glücklich. Sie hatte noch nie etwas Schöneres erlebt. So hatte sie sich ihr erstes Mal immer vorgestellt. Und sie wusste, dass sie es so mit Nico nie erlebt hätte.
Die Nacht verbrachten sie zusammen mitten auf der Lichtung, eingehüllt in Decken und Kissen. Gegen 8 Uhr am nächsten Morgen packten sie ihre Sachen und ritten mit dem Pferd, mit dem Kian am Vortag angekommen war zurück. Während der ganzen Fahrt redeten sie kein Wort. Sie verstanden sich und Worte waren überflüssig.
Wieder zu Hause packte Elly ihre Sachen. Sie war so traurig. Sie konnte Kian jetzt solange nicht sehen. Sie war sich sicher, dass sie ihn wieder sehen wollte, aber sie wusste nicht wann und wie.
Um 15Uhr trafen sich alle an der Schule. Kian hatte die ganze Clique mitgebracht. Frau Lukas forderte alle auf ihre Sachen in den Bus zu packen. Elly stand den anderen gegenüber. Sie umarmte einen nach dem anderen und die Tränen stiegen ihr in die Augen. Dann kam sie bei Kian an. Er schaute sie an und auch bei ihm konnte sie eine Träne in den Augen schimmern sehen. Sie fielen sich in die Arme und Elly konnte ihre Tränen nicht mehr halten. "Kian, ich will nicht weg. Ich liebe dich doch!" "Ich dich auch Elly und glaub mir, ich will sicher nicht, dass du gehst!" Sie küssten sich. Um sie herum war es ruhiger geworden. Die meisten der Deutschen waren in den Bus gestiegen. Frau Lukas klopfte Elly sanft auf die Schulter. "Elisabeth. Ich weiß, dass so was weh tut, aber bitte komm. Wir müssen fahren. Unser Flieger geht in 3 Stunden." Elly hatte das nur verschwommen wahrgenommen. Langsam löste sie sich aus Kians Umarmung. Sie küsste ihn noch einmal, dann ging sie ohne noch einmal zurückzuschauen in den Bus. Die Tränen liefen aber Elly nahm es gar nicht wahr. Sie setzte sich neben Bianca in den Bus aber auch als sie den Schulhof verließen schaute sie nicht mehr hinaus. Sie war traurig, unendlich traurig. Aber sie war sich sicher, dass sie ihn irgendwann wieder sehen würde. Irgendwann würde sie ihn wieder küssen, umarmen und in seinen hellblauen Augen versinken Irgendwann!


19.3.2002 (Gegenwart)

"Happy Birthday to you! Happy Birthday to you! Happy Birthday dear Mandy, Happy Birthday to youuuu!” Zwei blaue Augen schauten Elly überwältigt an. "Alles Gute zum Geburtstag meine Kleine! Hier, das ist für dich." Elly drückte dem kleinen blonden Mädchen ein großes Paket in die Hand. Die Kleine quietschte vergnügt und riss das Papier weg. Hervor kam ein riesiger brauner Teddybär. Die kleine drückte ihn an sich und rannte dann zu Elly um sich an ihr Bein zu klammern. "Danke Mami!" Die Kleine schaute ihre Mutter an und wieder einmal erinnerten Elly diese Augen an Ihn. An Kian! Der Vater ihrer kleinen Tochter. Elly hatte Tränen in den Augen, als sie sich zu Mandy hinunter beugte und ihr einen Kuss auf die Stupsnase drückte. "Bleib mal ein bisschen bei deiner Oma. Ich geh ein bisschen auf den Balkon." Mandy nickte und rannte davon. Elly verließ die kleine Wohnung, die sie mit ihrer Tochter bewohnte und betrat den Balkon. Sie blickte hinunter auf die Straße und ließ die letzten 5 ¾ Jahre Revue passieren. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie sich damals von Kian verabschiedet hatte. Sie hatte wochenlang daheim geweint. Sie hatte ihm Briefe geschrieben. Mit Nico, ihrem damaligen Freund hatte sie gleich Schluss gemacht und es war ihr nicht einmal schwer gefallen. Und dann kam der Schock. Sie war schwanger. Bei ihrem ersten Mal mit Kian schwanger geworden. Sie konnte und wollte es nicht wahr haben. Ihre Mutter hätte ihr Vorwürfe gemacht und sie gezwungen, dass Kind abzutreiben. Deshalb hatte sie die Schwangerschaft solange wie möglich verheimlicht. Sie hatte lange, sehr lange darüber nachgedacht, Kian davon zu erzählen. Aber in seinen Briefen berichtete er immer von seiner Band und das sie vielleicht Chancen hätten, berühmt zu werden. Ihr war klar, dass sie, wenn sie es ihm sagen würde, er sich um sie und nicht um die Band kümmern würde. Aber sie wusste, wie wichtig ihm die Band war und sie wollte nicht, dass er sie später dafür hassen würde. Und sie wusste, dass dieser Moment kommen würde. Irgendwann würde er ihr vorwerfen, dass sie ihm die Karriere kaputt gemacht hatte. Deshalb ließ sie es. Sie hatte ihm nichts gesagt und ihm immer wieder Briefe geschrieben. Aber nie von der Schwangerschaft berichtet. Irgendwann, kurz nach der Geburt von Mandy hatte sie aufgehört ihm zu schreiben. Sie konnte ihm nicht schreiben und in den Briefen nichts von Mandy erzählen. Es kamen zwar immer wieder noch ein paar Briefe von ihm, aber dann hörten sie auch auf und Elly wusste bis heute nicht, ob sie froh oder traurig darüber sein sollte. Sie liebte Mandy über alles und auch ihre Mutter hatte sich nach einer Weile mit dem Gedanken abgefunden, Oma zu werden. Elly hatte die Schule abgebrochen und hatte im Moment einen Job als Verkäuferin in einem Supermarkt. Sie mochte den Job zwar nicht und er konnte sie und Mandy auch nicht über Wasser halten, aber mit Hilfe ihrer Mutter hatte es Elly geschafft. Als Kian mit der Boyband Westlife berühmt wurde, wusste sie, dass sie das richtige getan hatte. Kian war glücklich in seinem Job, er ging voll in ihm auf. Das beruhigte sie. "Elly?? Elly? Willst du nicht reinkommen. Hier draußen ist es schrecklich kalt und du hast nicht mal eine Jacke an!" Elly fuhr herum. Ihre Mutter stand hinter ihr und hatte ihr den Arm um die Schulter gelegt. "Es ist immer noch Kian, oder?" Elly konnte nur nicken. "An Tagen wie diesen kommt alles wieder hoch. Gott, ich liebe ihn immer noch. Dabei hab ich ihn jetzt fast 6 Jahre nicht gesehen." "Ich versteh dich. Aber komm trotzdem wieder rein. Deine Tochter wartet auf dich. Du sollst den Kuchen anschneiden!" Elly nickte und wischte sich heimlich eine Träne weg. Sie betraten das Wohnzimmer. Mandy saß am Tisch, neben sich ihren Teddy und schaute Elly an. "Mamaaaaa! Kuchen!!!" Elly nickte und streichelte ihr flüchtig über den Kopf, als sie sich hinsetzte. "Mamaaaaa, Radio anmachen!!" Elly seufzte und schaltete es ein. Nach einem Stück Kuchen verabschiedete sich ihre Mutter und Elly blieb mit Mandy allein zurück. Ein paar Minuten später klingelte es an der Tür. Es war Bianca. Elly und Bianca waren seit dem Schulausflug die besten Freundinnen geworden. Bianca war die Einzige, die wusste, von wem das Kind war. Und sie hielt zu ihr. Sie unterstützte sie in jeder Entscheidung. "Hi Elly! Na alles klar? Und da ist ja auch das Geburtstagskind. Mandy! Alles Gute zum Geburtstag Maus!" Sie drückte ihr ein Päckchen in die Hand. Dann setzten sie sich ins Wohnzimmer. Mandy hatte von Bianca eine Packung Stifte und einen Zeichenblock bekommen. Übermütig begann sie gleich zu malen.
"Wie geht’s dir?" "Naja, nicht so gut!" "Immer noch Kian?" "Ja! Ich kann nichts machen. Immer wenn ich Mandy ansehe, ist der da!" "Ich versteh dich schon. Aber du!" "Psst. Hör mal!" Elly war aufgesprungen und hatte das Radio lauter gedreht. "...Boyband Westlife kommt auf Tour! Und zwar in alle deutschen Großstädte. Und das schon im April! Stuttgart, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln, München! Tickets bekommt ihr unter 01379!" Bianca war aufgestanden und hatte das Radio leiser gedreht. "Elly, hör bitte nicht hin. Du musst ihn vergessen." Elly nickte aber eine Träne bahnte sich den Weg von ihrem Auge die Wange hinunter. Bianca nahm sie in den Arm. "Oh Elly! Du tust mir so Leid."
Ganz genau einen Monat später war Elly mit Mandy nach Stuttgart gefahren um zu shoppen. Mandy brauchte ein paar neue Kleider. Sie gingen Hand in Hand die belebte Einkaufstraße entlang. Elly war sichtlich bemüht, die Konzertplakate der Band an den Wänden zu ignorieren, aber es fiel ihr schwer. Überall, so schien es, verfolgte sie Kian. Kaum sah sie einen blonden Mann mit Mütze oder ein paar blaue Augen schreckte sie zusammen. "Elly beruhig dich! Kian ist zwar vielleicht schon in der Stadt, aber er hat besseres zu tun, als Shoppen zu gehen!", rief sie sich zur Vernunft. Einige Minuten später saß sie mit Mandy in einem kleinen Café. Mandy aß ein Eis, Elly trank einen Cappuccino. "Mama! Mandy Klo!" "Okay, komm!" "Nein! Mandy will allein aufs Klo! Du wartest hier!" Elly nickte und Mandy kletterte von ihrem Stuhl herunter. Dann verschwand sie hinter der Tür mit dem Frauenzeichen. Elly lächelte. Wie sie das Kind doch liebte. Neben ihr saßen zwei Mädchen um die 15 Jahre. Sie unterhielte sich leise aber Elly konnte trotzdem einen Teil des Gesprächs verstehen. "Shane von Westlife.dahinten an dem Tisch in der Ecke Autogramm! Soll ich fragen gehen?" Elly zuckte zusammen. Oh Gott, dass konnte nicht wahr sein. Wie versteinert saß sie da. Sie konnte sich nicht bewegen. Es lief ihr eiskalt den Rücken herunter, als sie sich zurücklehnte. Langsam drehte sie den Kopf. In der Ecke saß ein junger Mann. Braune Haare, Cappi auf dem Kopf, blaues Shirt. Er trank einen Kaffee. Auch wenn er 6 Jahre älter war, es war unverkennbar Shane. Elly schien es, als würde ihr Herz stehen bleiben. Die Vergangenheit holte sie ein. Alles von damals lief wie ein Film in ihrem Kopf ab. Schnell und schneller. Shane! Was sollte sie tun? Würde er sie bemerken und dann auch erkennen? Oder konnte sie mit Mandy unerkannt verschwinden. Die Mädchen neben ihr hatten jetzt zu kichern begonnen, immer noch unschlüssig ob sie hingehen sollten oder nicht. Shane hatte sie bemerkt und schaute zu ihnen. Als sie es bemerkten kicherten sie noch lauter. Elly beobachtete an einem Spiegel an der Wand, durch den sie ihn sehen konnte, dass er seinen Blick durchs Café wandern ließ. Und dann sah er sie. Erst schaute er sie an und schien zu überlegen, wo er sie hinordnen sollte. Dann hellte sich seine Miene auf und zugleich schien er erschrocken. Elly war sich sicher, dass die Katastrophe jetzt unausweichlich war, und drehte jetzt langsam den Kopf zu ihm. Sie schaute ihm direkt in die Augen. Einige Sekunden lang schauten sie sich an, unschlüssig, was sie machen sollten, dann stand Shane auf und durchquerte das Café und kam direkt auf ihren Tisch zu. "Elly?" Elly schaute ihn an und nickte. "Elly! Ich glaubs nicht! Was machst du hier? Wie geht’s dir?" Elly war aufgestanden und er hatte sie in seine Arme geschlossen. Keine Spur von Wut, dass sie sich damals nicht mehr bei Kian gemeldet hatte. Nein, Shane begrüßte sie wie eine alte Freundin. "Hi Shane! Mir geht’s gut. Ich bin hier einkaufen mit meiner Tomeiner kleinen Cousine." Fast hätte Elly sich versprochen, aber Shane schien es nicht zu bemerken. Er hatte sich seinen Kaffee geholt und ließ sie auf Mandy Stuhl nieder. Elly bekam Schiss. Wenn Mandy jetzt von der Toilette kommen würde und sie Mama nennen würde, dann wäre alles gelaufen. Denn Shane würde 1 und 1 zusammenzählen können. Elly wusste nicht, was sie machen sollte. Einerseits freute sie sich unwahrscheinlich, Shane zu sehen, da sie wusste, dass Kian in der Nähe war, aber andererseits war alles vorbei, wenn Mandy jetzt kommen würde. Und in dem Moment ging die Klotüre auf. Mandy steckte ihren Kopf heraus und als sie Elly sah grinste sie und lief zu ihr. "Ich war ganz allein auf dem Klo!", sagte sie stolz. "Toll meine Kleine!" "Wer bist du?", fragte sie nun Shane, der verstand sie aber nicht, da sie deutsch sprach. Stattdessen antwortete Elly für sie: "Das ist Shane. Ein Freund von mir!" Mandy nickte und sagte dann: "Mama!!! Du der Mann sitzt auf meinem Platz!" Elly zuckte zusammen. Jetzt hatte sie das Wort ausgesprochen. Vorsichtig schaute sie zu Shane, ob er es verstanden hatte. Er hatte! Er schaute sie an. Dann Mandy. Seine Miene ließ nicht erkennen, was er dachte. "Mama! Sag ich mag auch hinsetzen!" Jetzt hatte Shane seine Sprache wieder gefunden. "Deine Tochter?" Elly nickte langsam. "Kians Tochter?", fragte jetzt Shane. Wieder nickte Elly. Sie begann zu weinen. "Oh Shane, ich!" Shane schaute sie fassungslos an. "Deine Tochter? Kian ist Vater? Warum hast duwarum hast du ihm nie etwas davon gesagt? Oh Gott, ich glaub das nicht!" Er wirkte nicht wütend, aber auch nicht erfreut. Elly schüttelte immer nur den Kopf. Mandy schaute verwirrt von einem zum anderen. Shane rief die Bedienung und bezahlte. Dann legte er den Arm um die immer noch weinende Elly und nahm Mandy an die Hand. Er hatte eine Sonnenbrille aufgezogen um nicht erkannt zu werden. Sie gingen in einen nahe gelegenen Park. "Elly, bitte erzähl mir die ganze Geschichte. Und ich verspreche dir, Kian erstmal nichts zu sagen, okay?" Elly nickte und begann zu erzählen.
Shane war nach wie vor ein guter Zuhörer. Er saß da, hörte zu und unterbrach sie nicht. Zwar nickte er immer wieder mit dem Kopf, aber aus seiner Miene ließ sich nicht erkennen, was er gerade dachte. Elly erzählte und erzählte und alles brach aus ihr heraus. Wenn sie zwischendurch zu weinen anfing, nahm Shane sie in den Arm und streichelte ihren Rücken. Mandy saß ein paar Meter weiter weg auf dem Boden und spielte mit ihrem Teddy. Als Elly fertig war saßen sie einige Minuten schweigend da. Keiner sagte ein Wort. Elly hatte aufgehört zu weinen, sie war sich jetzt sicher, dass sie das richtige getan hatte. Shane alles zu erzählen hatte ihr gut getan und wenigstens er, so hoffte sie, würde sie jetzt verstehen. Shane sah sie langsam an. Dann sagte er: "Elly, ich muss ehrlich sagen, mir fehlen die Worte. Hast du echt gedacht, Kian würde die Karriere wichtiger sein, als seine Tochter? Hast du das echt gedacht?" Elly nickte etwas kleinlaut mit dem Kopf. Sie sagte: "Ihm war seine Karriere damals so wichtig. Wichtiger als alles andere. Ich konnte doch einem 17 Jährigem nicht die Zukunft kaputt machen." "Aber du hast deine Zukunft kaputt gemacht." "Na und? Das nehme ich in Kauf. Hätte ich ihm davon erzählt, dann würde es Westlife vielleicht heute gar nicht geben. Oder in einer anderen Form. Verstehst du? Ich hab zwar meine Zukunft indirekt kaputt gemacht, obwohl ich das nicht finde, denn Mandy ist das Beste was mir je passiert ist, aber ich habe Kians Zukunft geschützt. Er ist jetzt glücklich, mit dem was er hat und ist. Verstehst du? Eine Tochter hat damals nicht in sein Leben gepasst." Shane schaute sie schweigend an. Dann sagte er: "Ich verstehe dich! Aber was willst du jetzt machen?" "Machen?? Gar nichts! Wieso?" "Na ich denke, es wäre das Beste, von du Kian von Mandy erzählen würdest, weil!" "WAS? Spinnst du? Ich erzähle ihm doch nichts von ihr. Nein, das geht nicht. Ich würde alles kaputt machen. Ausgeschlossen!" "Jetzt hör mir erst mal zu und dreh nicht gleich durch. Du würdest nichts kaputt machen damit. Da bin ich mir sicher. Klar, es wird Wirbel in der Band und allem anderen geben, aber Kian würde sich freuen, da bin ich mir sicher. Und irgendwann würde es sicher rauskommen. Glaub mir! Du kannst so was nicht geheim halten. Das geht nicht. Jetzt vielleicht schon noch, aber stell dir mal vor, Mandy wird älter und will wissen wer ihr Vater ist! Was sagst du ihr dann? Oder sie wird Westlife- Fan und findet Kian am besten! Was sagst du ihr dann? ‚Hey Mandy, sorry, den kannst du nicht anhimmeln, das ist dein Vater?’ Ich bin mir sicher, sie wird es irgendwann erfahren und dann wird es sicher auch Kian mitbekommen. Ich denke, es war Schicksal, dass wir uns heute hier getroffen haben. Verstehst du? Vielleicht wollte es jemand so, dass wir uns treffen und ich von Mandy erfahre!" Elly war ganz ruhig geworden. Sie schaute zu Mandy. Die Kleine warf jauchzend ihren Teddy in die Luft und fing ihn wieder auf. Elly wurde es zuviel. "Shane, es tut mir Leid. Ich muss darüber nachdenken. Ich kann so eine Entscheidung nicht jetzt und so schnell treffen." Sie war aufgestanden und hatte Mandy an der Hand genommen. "Tschüss Shane, es hat mich gefreut, dich wieder zu sehen!", sagte sie eilig. "Hey warte mal. Nicht so schnell. Bitte, ich meine es wirklich ernst. Kian würde sich freuen, ganz sicher. Hier hast du zwei Backstagepässe für unser Konzert übermorgen hier in Stuttgart. Bring irgendjemand mit, wenn du nicht alleine kommen willst. Aber lass Mandy daheim." "Und was ist, wenn ich gar nicht kommen will?" "Ich werde auf dich warten." Mit diesen Worten drehte Shane sich um und ging davon. Elly schaute ihm einige Minuten nach, bis Mandy an ihrer Hand zu ziehen begann. Gemeinsam gingen sie heim.
Den ganzen restlichen Tag verbrachte Elly daheim. Sie ging nicht ans Telefon, schlief nicht und aß nichts. Auch den Sonntag verbrachte sie in ihrem Wohnzimmer. Mandy verbrachte die meiste Zeit damit, zu spielen. Als es an der Tür klingelte wollte Elly erst nicht aufmachen. Aber der Besucher ließ nicht locker, deshalb quälte sie sich aus dem Sessel und ging zur Tür. Es war Bianca. "Mensch, Elly! Was ist den los mit dir? Ich versuche die die ganze Zeit anrufen, aber du gehst nicht dran. Wie siehst du überhaupt aus? Was ist passiert?" Elly begann zu weinen und fiel Bianca um den Hals. Dann erzählte sie ihr, was am Vortag geschehen war. Bianca, anders als Shane, rastete bei jeder Kleinigkeit, die Elly erzählte sofort aus und rannte quer durchs Zimmer. Als Elly fertig war sagte sie nur: "Shane hat Recht! Du wirst morgen Abend auf das Konzert gehen. Das ist das Vernünftigste was du tun kannst." "Nein, ich kann da nicht hingehen. IchIch hab keinen Babysitter für Mandy." "Also das ist ja die dümmste Ausrede, die ich je gehört habe. Keinen Babysitter! Erstens bin ich auch noch da und deine Mutter springt sowieso ein." "Nein, also du musst wenn dann schon mitkommen." "Heißt das du gehst hin??" "Jaaa, wenn’s sein muss. Ich kann ja immer noch gehen und muss auch nichts von Mandy erzählen, wenn ich nicht will." "Okay! Dann überlegen wir jetzt, was du anziehst! Und schmink dich mal ein bisschen, du siehst aus wieder Tod persönlich." "Oh na Danke!" Lachend sprang Elly auf und jagte Bianca hinterher. Aber das mulmige Gefühl im Magen blieb.
Am nächsten Tag stand Bianca punkt 16.30Uhr bei Elly vor der Tür. Eine halbe Stunde vorher hatte Ellys Mutter ihre Enkelin abgeholt.

Jetzt hatten die beiden die Wohnung für sich alleine. "Okay, was ziehst du an?" Elly zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Warum soll ich mich schick machen?? Es ist ja kein Date oder so was." "Jetzt hör aber mal. Du triffst Kian, deine große Liebe. Seit 5 ¾ Jahren redest du nur von ihm. Du hattest in der Zwischenzeit keinen richtigen festen Freund. Und er ist der Vater deiner Tochter, also… Grund genug dich schick zu machen!" Eine halbe Stunde später saß Elly auf dem Boden, umringt von verschiedenen Kleidern, Hosen, Röcken, Blusen und T-Shirts. Scheinbar hatte Bianca jetzt das passende gefunden. Sie hielt ihr eine hellblaue Jeans und eine rote Bluse hin. "Das ziehst du jetzt an." "Und um das zu finden hast du eine halbe Stunde gebracht? Ich hätte das wahrscheinlich so oder so angezogen!"
Wieder eine Stunde später war Elly fertig. Bianca hatte ihr die Haare ordentlich gekämmt und sie hübsch aber dezent geschminkt. Jetzt war Elly fertig für das Aufeinandertreffen mit Kian. Äußerlich fertig, aber innerlich noch lange nicht dazu bereit. Alles drehte sich, als sie zusammen mit Bianca die Wohnung verließ. Ihr Kopf und ihr Magen spielten verrückt. Ihre Gedanken kreisten nur noch um das bevorstehende Treffen. Ob Kian wissen würde, dass sie auch kommen würde? Oder hatte er keine Ahnung? Was würde er sagen, wenn er sie sehen würde. Würde er sie überhaupt erkennen? War sie für ihn nur ein Ferienflirt oder war da mehr gewesen? Und wie sahen seine Gefühle jetzt für sie aus? Würde sie ihm von Mandy erzählen, ihm ein Foto zeigen und wie würde er reagieren? Lauter Fragen, auf die Elly keine Antwort fand. Noch nicht.
Auf der Fahrt sprachen sie kein Wort. Bianca konzentrierte sich auf die Straße, nur Elly hatte keine Ahnung was sie machen sollte. Mal schaute sie aus dem Fenster, mal auf den Boden. Mal verstellte sie das Radio, mal knetete sie ihre Finger. Sie kamen der Halle immer näher und dann fuhren sie auch schon auf den Parkplatz der Schleyerhalle ein. Nur noch ein paar vereinzelte Fans waren auf dem Weg zur Halle, denn mittlerweile war es fast 19Uhr und der Einlass hatte vor einer halben Stunde begonnen. Als sie aus dem Auto stiegen wurde Elly zunehmend nervöser, sofern es überhaupt noch eine Steigerung gab. Auch Bianca war nervös, aber freudig nervös, da sie sich freute Shane, Kian und Mark wieder zu sehen. Sie machten sich auf den Weg zum Hintereingang. Der Mann an der Pforte sah sie böse an, als sie an ihm vorbei wollten. "Hallo die Damen! Sie können hier nicht so einfach rein, es sei denn…!" "Es sei denn wir haben einen Backstagepass! Und den haben wir!", beendete Bianca grinsend den Satz und zeigte die beiden Pässe vor. Irgendetwas vor sich hinmurmelnd ging er wieder zu seinem Pförtnerhäuschen zurück. Bianca gab Elly die Pässe zurück, aber die sagte: "Behalt sie. Da vorne müssen wir sie nochmal zeigen." Dann erreichten sie den richtigen Eingang. Der bullig aussehende Security an der Tür ließ sie passieren. Dann standen sie in der Halle. Elly zog Bianca an der Schulter zurück. "Bianca, bitte nicht so schnell. Hier könnte er uns jetzt jederzeit über den Weg laufen." "Ich weiß! Und genau deshalb geh ich jetzt Shane suchen!" "Hä?" "Egal, musst du nicht verstehen. Los komm!" Sie nahm Elly bei der Hand und zog sie los. Sie kamen an einigen Leuten vorbei. Jedes Mal wenn jemand aus einer Türe kam zuckte Elly zusammen. Ihre Nerven waren am Flattern und ihr Puls raste. Bianca dagegen war fast tödlich gut gelaunt, wie Elly fand. Und dann erreichten sie einen Raum, auf dem "Westlife Garderobe" stand. Bianca grinste Elly verheißungsvoll an. An der Tür saß noch einmal ein Security. Bianca hob ihm die Pässe hin. "Nein, Sorry meine Damen. Sie können hier nicht rein. Das ist die private Garderobe der Jungs. Und da können wir keine Fans reinlassen." "Wir sind auch keine Fans. Wir sind Freunde der Jungs. Shane erwartet uns.", sagte Bianca aber Elly wollte sie wegziehen. "Ist doch nicht so schlimm, wenn wir sie nicht treffen. Bitte, lass uns gehen!" Elly war ganz blass geworden. "Nein!", sagte Bianca energisch. In dem Moment ging die Tür auf und jemand streckte den Kopf heraus. Es war Mark. "Peter? Was ist hier los?" "Die beiden Damen hier wollen unbedingt zu euch in die Garderobe. Sie sagen sie sind mit Shane verabredet." Mark schaute Bianca und Elly an. Dann weiteten sich seine Augen und er sprang ganz aus der Tür. "Elly!!! Bianca!!!! Was macht ihr denn hier? Was für eine Überraschung!" Er nahm beide in den Arm. Jetzt kamen auch zwei weitere Jungs aus dem Zimmer. Es waren Shane und ein blonder, den Elly als Nicky kannte. Shane umarmte Elly und Bianca kurz und stellte dann Nicky vor. "Los kommt rein!", sagte er dann. "Kian und Bryan sind gerade was zu essen beim McDonalds besorgen. Sie kommen in den nächsten 10 Minuten wieder denke ich!" Er zog sie in die Garderobe. Auf einem Sofa saßen zwei blonde Frauen. Elly schaute sie ungläubig an, dann rief sie erfreut: "Gillian!!" Eine der beiden Frauen schaute auf und begann dann zu lächeln. "Elly!" Sie sprang auf und fiel Elly um den Hals. "Mensch, lange nicht gesehen!"
Zwei Minuten später wurde auch die andere Frau vorgestellt. Es war Kerry, die Frau von Bryan. Mittlerweile saßen alle auf den Sofas und unterhielten sich. Elly freute sich so, Gillian, Mark und Shane zu sehen, dass sie ganz vergaß, dass Kian eigentlich demnächst den Raum betreten würde. Sie stupste Shane an. "Du Shane! Können Bianca und ich nicht gehen und uns vor die Bühne stellen?" "Warum denn das?" "Ich will Kian nicht gleich sehen. Ich will ihn erst auf der Bühne sehen, wo er mich nicht sieht. Bitte, das wär mir total wichtig." "Okay! Ich lass euch von einem unserer Securities rausbringen. Aber macht schnell. Bry und Ki kommen sicher gleich!" Elly zog Bianca von Gillian weg und die beiden verließen den Raum. Harry, ein Security brachte sie in die Halle, wo er sie am Rand in die erste Reihe stellte. Ellys Aufregung war fast verflogen. Sie konnte Kian sehen aber er sie, so hoffte sie, nicht. Bianca strahlte ununterbrochen übers ganze Gesicht und freute sich wahnsinnig ihre alten Freunde getroffen zu haben. Nach einer Vorgruppe ging das Konzert los.
Von Wellen der kreischenden Fans überflutet begann das Konzert. Und als die Rauchschwaden und grellen Blitze sie verzogen hatten, konnte Elly ihn zum ersten mal seit 6 Jahren live sehen. Ihn! Kian! Er sah besser aus als je zuvor. Ellys Augen füllten sich unweigerlich mit Tränen. Eine Gänsehaut lief ihr den Rücken hinunter. Er ging voll auf auf der Bühne und wieder einmal war sich Elly sicher, damals die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Kian sang und tanzte, als ginge es um sein Leben. Immer wieder, in einem unbeobachteten Moment schauten Shane, Mark oder Nicky in die Richtung in der die beiden standen und ehe sich Elly und Bianca versahen, war das Konzert zu Ende. Harry zog sie wieder in den Fotograben und sie folgten ihm über die Bühne zurück in den Backstagebereich. Kerry und Gillian kamen ihnen schon entgegen. Gefolgt von einer braunhaarigen Frau, die sich als die Freundin von Nicky, Georgina herausstellte. Auf dem Weg zurück in die Garderobe unterhielt sich Elly mit Gillian. "Bist du immer mit Kian auf Tour?" "Warum mit Kian?" "Naja, er ist dein Cousin!" "Ja klar, auch wegen Kian. Aber wusstest du nicht, dass ich seit 2 Jahren mit Shane zusammen und seit Weihnachten auch mit ihm verlobt bin?" "Ehrlich? Nein das wusste ich nicht. Oh, das freut mich so für euch!" Sie hatten die Garderobe erreicht und setzten sich wieder hin. Nach einer Weile sagte Kerry: "Hört mal, die Jungs kommen!" Alle wurden leise und vom Gang her hörte man Lachen und Rufe. "Typisch. So sind sie immer, wenn sie von der Bühne kommen." Uhrplötzlich wurde Elly schlecht. Die ganze Aufregung war wieder da und am liebsten hätte sie sich hinter einem der Sofas versteckt. Aber in dem Moment ging die Tür auf und ein großer blonder Mann trat ein, der Kerry sogleich um den Hals fiel. Gefolgt von Mark und Nicky kam Shane und zu guter letzte erschien ein grinsender blonder Haarschopf im Türrahmen. Elly schien es, als würde ihr Herz stehen bleiben. Kian ließ seinen Blick durch den Raum schweifen und bei ihr blieb er hängen. Es schien, als hätte er nicht eine Sekunde nachgedacht und wüsste schon wer sie war. Elly bemerkte im Unterbewusstsein, dass es ganz still im Raum war. Die Blicke waren erst auf sie, dann auf Kian gerichtet und wieder zurück. Und plötzlich, ohne Vorwarnung drehte Kian sich um und rannte davon. Elly war wie vor den Kopf gestoßen. Unfähig sich zu bewegen. Unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Mit allem hatte sie gerechnet, aber nicht damit. Ihr Herz schlug schnell, ihre Augen füllten sich mit Tränen. Aber sie wollte jetzt nicht schwach sein. Sie unterdrückte die Tränen und schaute langsam zu den anderen. Sie schauten sie entweder mitleidig an oder sie blickten auf den Boden. Nur Shane schaute traurig. Er gab den anderen ein Zeichen den Raum zu verlassen. Dann schloss er die Tür. "Elly, es tut mir so Leid. Mit so etwas habe ich nicht gerechnet." "Ist schon gut…du konntest es ja nicht wissen. Niemand konnte es wissen. Jetzt weiß ich wenigstens wie er denkt. Er will mich nicht wieder sehen…!" "Nein, da denkst du falsch. Würdest du ihm nichts bedeuten, dann hätte er nicht so reagiert. Allerdings hab ich dir vorgestern etwas verschwiegen. Ich wollte es dir nicht sagen, weil ich wusste, dass du dann nicht kommen würdest. Kian hat eine Freundin!" Jetzt konnte Elly nicht mehr. Sie begann zu weinen. "Shane, warum hast du mir das nicht gesagt?" "Ich…ich weiß es nicht. Sie heißt Sally und keiner von uns kann sie so richtig leiden. Sie ist Model. Sie sieht gut aus, hat aber nichts im Kopf!" Elly war aufgestanden. "Ich denke es ist besser wenn ich jetzt gehe. Ich hab gesehen wie Kian reagiert wenn er mich sieht. Mehr wollte ich nicht wissen. Es war schön euch alle wieder zu sehen aber ich gehe jetzt." Mit diesen Worten war sie aufgestanden und hatte sich auf den Weg zur Tür gemacht. "Elly…du kannst…du kannst doch jetzt nicht so einfach gehen. Bitte, bleib hier!" Aber Elly schüttelte nur den Kopf, umarmte Shane kurz und verließ dann den Raum. Die Gänge waren wie ausgestorben. Keiner war unterwegs. Den Geräuschen nach war der Rest der Band mit Freundinnen und Bianca im Nebenraum. Elly schloss leise die Tür, damit sie sie nicht hören konnten. Dann ging sie leise davon. Sie hatte das Gefühl, als würde sie endlich mit ihrer Vergangenheit abschließen können. Als könnte sie sie endlich hinter sich lassen und das Kapitel "Kian" in ihrem Leben abhaken. Aber sie wollte nicht wahr haben, dass sie es nicht hinter sich ließ und nur davor floh. Und wie schnell einen die Vergangenheit einholen konnte wurde ihr schon am nächsten Tag bewusst. Nachdem sie die Halle verlassen hatte und mit einem Taxi heimgefahren war, war sie gleich ins Bett gegangen und wurde erst am nächsten Morgen von einem Klingeln an der Tür geweckt. Es war Bianca: "Hey Elly! Wie geht’s dir denn, Süße?" "Na ja, es geht! Ich versuche mit dem Kapitel Kian abzuschließen!" Bianca nickte und sie gingen ins Wohnzimmer. Bianca ließ sich auf einen Sessel fallen: "Kian ist gestern wieder zurückgekommen.", warf sie einen Satz in den Raum. Nur ein Satz, aber brachte Elly vollkommen aus dem Konzept. "WAS??" "Warum interessiert dich das so, wenn du mit Kian abschließen willst?" Elly zog es vor auf diese Frage nicht einzugehen. "Wann ist er gekommen? Was hat er gesagt?" "Na ja, nachdem du gegangen bist ist Shane zu uns gekommen und hat gemeint, du wärst gegangen. Und etwa 10 Minuten ist Kian dann gekommen, mit seiner…seiner…!" "…seiner Freundin! Ich weiß, dass er eine hat!", beendete Elly den Satz. "Ah…okay, dann ist er mit seiner Freundin gekommen. Aber er hat nichts gesagt. Nichts über dich zumindest." "Das heißt, er hat getan als wäre nichts gewesen?" Bianca nickte. "Und die anderen haben auch nichts gesagt wegen mir?" "Nein, keiner!" "Aha!", mehr konnte Elly dazu nicht sagen. "Shane will dich nochmal wieder sehen, bevor sie heute Abend weiter nach Frankfurt fahren. Ich hab ihm deine Adresse gegeben, ich hoffe, dass ist dir Recht." Elly sagte nichts dazu. Eine halbe Stunde später kam Ellys Mutter und brachte Mandy zurück. Beim Anblick der Kleinen hatte Elly Mühe die Tränen zurück zu halten. Nachdem Bianca gegangen war, spielte sie mit Elly um sich abzulenken. Sie wollte nicht daran denken, dass Shane jeden Moment vor der Türe stehen würde. Sie wollte nicht schon wieder mit allem konfrontiert werden. Aber sie wusste, dass es nicht anders ging. Sie würde Kian nie vergessen können und wollen.
Wiederum eine Stunde später klingelte es an der Tür. Elly schaute durch den Spion. Es war Shane. Sie ließ ihn herein. Er blieb vor der Türe stehen und schaute sie einige Sekunden an, dann umarmte er sie. Mandy kam angerannt und begrüßte ihn wie einen alten Freund. Sie gingen schweigend ins Wohnzimmer wo sie sich hinsetzten. Nach einigen Minuten Schweigen sagte Shane: "Ich denke, es ist an der Zeit, dass ich dir einiges erkläre." Elly sagte nichts und nickte nur. "Okay, also ich will dir jetzt mal erklären, was die letzten Jahre passiert ist. Nachdem du fort warst, war Kian nicht mehr er selbst. Ich kann dir nicht beschreiben, wie er war. So…so…wechselhaft. Er änderte dauernd seine Stimmung. Mal war er super drauf, mal am Boden zerstört und total down. Von Tag zu Tag änderte sich das, von Stunde zu Stunde, teilweise von einer Sekunde auf die andere. Wir konnten uns nicht erklären, was mit ihm los war. Immer wenn ein Brief von dir kam war es besonders schlimm. Er freute sich über Nachricht von dir, aber andererseits wurde er total traurig. Es war definitiv eine schwere Zeit für ihn. Und als du dich dann gar nicht mehr bei ihm gemeldet hast, da war er nur noch down. Wir haben sogar mehrmals mit dem Gedanken gespielt, ihn aus der Band zu werfen, weil wir seine Launen nicht mehr ertragen konnten. Aber da wir wussten, dass die Musik der einzige Weg für ihn war, seine Gefühle zu verarbeiten, ließen wir ihn bleiben. Ungefähr ein Jahr später, als Westlife ihren Durchbruch schafften, wurde es besser. Er hatte Arbeit mit der er sich ablenken konnte. Es gab Phasen, da war es wunderbar drauf, dann wieder welche, wo der total down war. Er hat mehrmals überlegt dich zu besuchen, einfach zu dir zu fahren und dich zu überraschen, aber er dachte, du willst ihn nicht mehr sehen, weil du nicht mehr schreibst und ich gebe zu, wir haben ihn auch davon abgehalten, weil wir dachten, es wäre besser für ihn, wenn er dich nicht sieht und eine Abfuhr bekommt. Wenn wir nur gewusst hätten…So ging es jahrelang. Die ganzen letzten Jahre. Sicher, es wurde Jahr für Jahr besser, aber Elly, ich bin mir sicher, dass er nie aufgehört hat, dich zu lieben. Er liebt dich heute noch. Mehr als er vielleicht wahr haben will. Und du ihn auch. Und seine Freundin ist nur eine Flucht vor seinen Gefühlen vor dir. Er hatte in den letzten 7 Jahren, keine Beziehung wie die mit dir. Keine feste, nur Affären, dich nach ein paar Wochen oder Monaten wieder auseinanderbrachen. So wird es auch bei Sally sein. Er liebt sie nicht. Zumindest nicht auf die Weise, wie er dich geliebt hat oder immer noch liebt. Und ich gehe jetzt, denk drüber nach. Wir sind noch bis 16Uhr in unserem Hotel. Das sind noch 5 Stunden. Ich kann dir nur raten, rede mit Kian, wenn er dir noch etwas bedeutet. Und falls du kommst, bring Mandy mit. Du kannst sie solange bei mir und Gillian lassen." Mit diesen Worten stand er auf und ließ Elly und Mandy allein im Wohnzimmer zurück. Noch lange nach dem zufallen der Tür saß Elly bewegungslos war. Shanes Worte hallten in ihrem Kopf wie ein Echo: "…dass er nie aufgehört hat dich zu lieben. Er liebt dich heute noch." Immer und immer wieder hörte sie die Worte. Und dann fasste sie einen Entschluss. Was hatte sie schon zu verlieren, wenn sie jetzt zu Kian gehen würde. Sie würde Klarheit bekommen, die Klarheit die sie wollte. Und auch wenn er sie vielleicht nicht mehr liebte, dann war das besser, als die Ungewissheit, in der sie die letzten Jahre gelebt hatte. Sie zog sich eine frische Jeans und einen roten Pulli an, dann richtete sie auch Mandy ein bisschen hübsch her und sie machten sich auf den Weg. Am Hotel angekommen fiel ihr auf, dass sie gar nicht wusste, wie sie zu Kian und Shane gelangen sollte, da es von Securities wimmelte und diese sie sicher nicht ohne weiteres durchließen. Aber schon in der Eingangshalle sprach sie ein Mann an: "Sind sie Elisabeth Parker?" Verdutzt nickte Elly: "Ja, die bin ich!" "Ich bin Anto, der Tourmanager von Westlife. Shane erwartete sie. Kommen sie bitte mit!" Elly folgte ihm, Mandy, die total begeistert von dem Hotel zu sein schien, an der Hand. Sie gingen einen Gang entlang, dann stiegen sie einen Aufzug, der sie bis ins oberste Geschoss beförderte. Elly wurde wieder zunehmend nervöser, aber nicht so sehr wie beim ersten Mal, was sie ziemlich beruhigte. Nachdem der Lift angehalten hatte, brachte Anto sie zu Shane. Er saß in seinem Zimmer auf dem Sofa, zusammen mit Bryan, Kerry und Gillian und unterhielt sich. Neben Kerry spielte ein kleines Mädchen um die 1 ½ Jahre auf dem Boden. "Elly! Ich freu mich so, dass du gekommen bist." Shane war aufgesprungen und hatte sie umarmt. Auch die anderen begrüßten sie erfreut. Scheinbar wussten sie alle, wer sie war und warum sie hier war. Das kleine Mädchen war, wie sich herausstellte, Molly, die Tochter von Bryan und Kerry. Shane zog Elly beiseite. "Elly, Kian hat das Zimmer nebenan. Sally ist heute nicht da. Sie hat ein Shooting und danach geht sie immer shoppen. Natürlich von Kians Geld!", fügte er mit einem höhnischen Ton hinzu. "Denk dran, du hast nichts zu verlieren." Elly nickte. Ein kurzer Blick sagte ihr, dass man ihr die jetzt doch auftretende Nervosität nicht ansah. Von einem aufmunternden Lächeln von Kerry begleitet verließ Elly den Raum. Nr. 230! Kians Zimmernummer. Elly war kurz davor wegzurennen. Sie hörte Mandys Lachen aus dem Nebenzimmer und ihr wurde klar, dass sie es Mandy schuldete, ihr Klarheit über ihren Vater zu verschaffen. Sie klopfte an. Einige Sekunden später ertönte Kians Stimme: "Herein, es ist offen!" Elly atmete noch einmal tief durch, bereit, sich dem zu stellen, was sie jetzt erwartete. Sie öffnete die Tür und trat ein. Kian saß an seinem Schreibtisch, mit dem Rücken zu ihr und schrieb etwas an seinem PC. "Kian?", sagte Elly. Ohne sich umzudrehen sagte Kian: "Einen kleinen Moment noch! Ich bin gleich fertig!" Elly schloss leise die Tür und blieb davor stehen. Einige Sekunden später dann, klappte Kian den Laptop zu und drehte sich um, wie in Zeitlupe so erschien es Elly. Und dann schaute er sie an. Mit den gleichen blauen Augen, wie er sie vor fast 6 Jahren angeschaut hatte. Der Ausdruck war nicht zu deuten. Er war erschrocken, erfreut und verärgert zugleich, so erschien es Elly. Er sagte nichts, schaute sie nur sekundenlang an. Sein Blick musterte sie und Ellys Herz loderte auf. Die ganzen verdrängten Gefühle der letzten Jahre flossen über Elly hinweg. Wie Wellen rollten sie auf Elly zu und schlugen über ihr zusammen. "Hi Kian!", brachte sie hervor. "Hallo Elly!" Schweigen! Dann sagte Kian mit einem eisigen Ton: "Was willst du?" Elly zuckte zusammen. Kian brachte sie komplett aus dem Konzept. Warum redete er so mit ihr? So, als wäre sie eine komplett Fremde? "Ich…ich wollte mir dir reden!" "Und warum? Ich denke du hast mir damals deutlich genug gesagt, dass du mich nicht mehr sehen willst. Ach nein, stimmt ja, du hast mir gar nichts mehr gesagt. Du hast dich einfach nicht mehr gemeldet. Du hast es ja nicht für nötig gehalten, mir zu sagen, was los war.", sagte Kian mit unüberhörbaren Unterton in der Stimme. "Es hatte seinen Grund, warum ich mich nicht mehr gemeldet habe!", jetzt war auch Elly wütend. Von wegen, Kian würde sie noch lieben. Der schien sich ja nicht mal zu freuen, sie zu sehen. "Und was für einen Grund bitte?" "Ich weiß nicht, ob ich dir das sagen kann." "So, dann kannst du ja wieder gehen. Ich geh jetzt zu Shane!" Mit diesen Worten verließ er das Zimmer und ließ Elly zurück. Sie hörte ihn an der Nebentür klopfen und die Tür wurde geöffnet. Elly schlug sich mit der Hand auf die Stirn. Mandy! So schnell sie konnte rannte sie aus Kians Zimmer und hämmerte bei Shane gegen die Tür. Der öffnete und Elly stürzte herein: "Mandy!" Bryan, Kerry und Molly waren nicht mehr da. Gillian saß mit Mandy auf dem Sofa, Kian stand daneben. "Es ist alles in Ordnung Elly!", sagte Shane schnell. "Gut!" Mandy hatte jetzt Elly gesehen und war aufgesprungen: "Mamaaaa! Wo warst du??" Sie rannte zu Elly und umarmte sie. Kian schaute verwirrt von einem zum anderen. Gillian schaute erschrocken von Shane zu Kian und dann zu Mandy und Elly. Elly schaute Kian an und der schien zu überlegen. "Deine Tochter?", fragte er dann. Elly beschloss aufs Ganze zu gehen. Jetzt war es eh schon zu spät. Kian würde 1 und 1 zusammenzählen können. Sie sagte: "Unsere Tochter!" "Elly? … Was?" Mehr sagte Kian nicht. Er taumelte rückwärts und hielt sich krampfhaft an einem Schrank fest. Shane und Gillian verließen unbemerkt den Raum. "Ja Kian, unsere Tochter! Verstehst du mich jetzt?" Kian schüttelte nur stumm den Kopf und blickte von Mandy zu Elly und dann wieder zu Mandy. Elly gab Mandy einen Stups: "Komm, geh deinem Papa Hallo sagen!" Mandy grinste von einem Ohr zum anderen und ging in Richtung Kian. Der wich erst ein Stück zurück, dann streckte er langsam die Hand nach ihr aus und strich ihr mit zitternden Fingern über die braunen Haare. "Mandy!" Elly brach bei dem Anblick in Tränen aus. Wie lange hatte sie sich gewünscht, dass Kian Mandy sehen würde und sie als seine Tochter anerkennen würde. Jetzt war es soweit. Elly rutschte an der Wand hinunter auf den Boden. Mandy hatte das gesehen: "Mama? Was ist denn los? Geht’s Mama nicht gut, Papa?" Bei dem Wort Papa heulte Elly noch mehr. Mandy wusste zwar nicht, was das Wort bedeutete, aber sie hatte Kian so genannt, wie es sich gehörte. "Nein, meine Kleine, alles in Ordnung." Kian sagte: "Wir sehen uns nachher!" Mit den Worten verließ er den Raum. Mandy setzte sich neben Elly und streichelte ihr etwas unbeholfen über die Haare. Shane und Gillian kamen wieder herein. "Was ist denn mit Kian los? Wir haben ihn heulend den Gang entlang rennen sehen." "Ich weiß es nicht, ich denke er braucht ein bisschen Zeit für sich allein." "Das kann ich verstehen!", sagte Shane. "Willst du noch hier bleiben oder gehen?" "Ich weiß es nicht. Warum ist alles so kompliziert? Ich dachte, heute bekomme ich endlich Klarheit darüber, ob wir eine gemeinsame Zukunft haben oder nicht." "Ich verstehe dich!", sagte Gillian. Elly fasste einen Entschluss: "Ich finde, ich habe jetzt genug getan. Ich nehme jetzt Mandy mit und wir gehen heim. Wenn Kian eine gemeinsame Zukunft haben will oder sich Kontakt in der Zukunft vorstellen kann, dann kann er sich bei mir melden. Du hast meine Adresse, Telefon- und Handynummer. Du kannst sie ihm geben, wenn er sie will." "Okay, wir werden es ihm ausrichten." "Tschüss Shane, Tschüss Gillian, danke für alles." "Kein Problem! Ich hoffe wir sehen uns bald wieder.", sagte Shane noch, dann verließen Elly und Mandy den Raum. Mit dem Lift fuhren sie wieder ins Erdgeschoss. Sie verließen das Hotel. Den ganzen Heimweg über fühlte sich Elly ausgelaugt und schwach. Sie konnte nicht einmal richtig mit Mandy reden. Diese schien aber zu merken, dass etwas nicht stimmte, deshalb schwieg sie. Nur einmal sagte sie etwas, was Elly fast aus der Fassung brachte. "Du, Mama, ich mag den Papa! Sehen wir den irgendwann wieder?" "Ich weiß es nicht mein Schatz. Das liegt jetzt an ihm!" Zu Hause spielte Mandy mit ihren Puppen. Elly ging ins Bad. Als sie in den Spiegel schaute kamen ihr die Tränen. "Oh Kian, ich liebe dich doch so!", schluchzte sie. Im Schlafzimmer holte sie eine kleine Pappschachtel aus dem Schrank. Sie hatte sie kurz nach ihrer Heimkehr aus Irland damals angefertigt. Oben auf dem Deckel prangte in großen roten Buchstaben das Wort KIAN. Daneben hatte sie ein großes Herz gemalt. Drinnen befanden sich diverse Zeitungsartikel, aus der Zeit als er mit Westlife berühmt war, Fotos von ihrem Austausch damals und Briefe, die sie sich danach noch geschrieben hatten. Briefe, die sie teilweise nie beantwortet hatte. Briefe, in denen er schwor, sie immer zu lieben, egal was geschehen würde. Und was war jetzt?
Die nächsten beiden Wochen war Elly ein nervliches Wrack. Ihre Mutter und Bianca unterstützten sie aber Elly wartete jeden Tag auf ein Zeichen von Kian. Auf einen Brief, einen Anruf, eine SMS irgendetwas. Oft war sie kurz davor, Shane anzurufen. Dann, an einem Mittag, Ende der zweiten Woche klingelte Ellys Handy. "Ja?" "Hi, ich bins Shane!" "Oh, Hi Shane!" "Elly wie geht’s dir und Mandy?" "Ganz gut, und dir?" "Auch! Aber warum ich eigentlich anrufe. Ich will dich vorwarnen!" "Warum denn das? Vor was?" "Kian!" "Oh Gott, warum denn?" "Er ist auf dem Weg zu dir. Er hat uns gesagt, wir dürfen nichts sagen, aber ich dachte, es ist vielleicht besser, wenn du Bescheid weißt und dich und Mandy ein bisschen darauf vorbereiten kannst." "Ja…ähm…Danke, aber warum besucht er mich?" "Das wissen wir auch nicht. Er ist heute Morgen zu uns gekommen und hat gemeint, er besucht heut seine Tochter. Wir sollen dir aber nicht Bescheid sagen. Er müsste demnächst bei dir sein. Sag ihm aber bitte nicht, dass ich dich gewarnt hab, okay?" "Okay! Und, danke! Bye Shane!" "Bye Elly! Und viel Glück mit Kian!" Elly legte den Hörer hin. Ihre Knie zitterten. Kian kam her. Er schrieb nicht, er rief nicht an, aber er kam sie besuchen. Sie klammerte sich an den Schrank fest, bis ihr einfiel, dass sie ein weites Schlabber- T– Shirt trug und auch sonst wahrscheinlich nicht den besten Eindruck machte. So schnell sie konnte schlüpfte sie ein ein hellbraunes Shirt und eine Jeans, ihre Haare band sie zu einem Zopf und sie schminkte sich ein bisschen. Danach schaute sie nach Mandy, die aber immer noch schlief. Sie lief noch einmal durch die Wohnung um noch ein wenig aufzuräumen. Ihre Nervosität hatte merklich zugenommen, als sie ein Auto auf den Hof einfahren hörte. Sie schaute aus dem Fenster und sah ein Taxi aus dem ein junger Mann mit Sonnenbrille und Basecap stieg. Er hatte eine kleine Reisetasche in der Hand. Hatte er etwa vor, länger zu bleiben? Elly stellte sich an die Eingangstür und wartete auf das Klingeln. Nachdem er geklingelt hatte wartete sie genau 15 Sekunden, dann drückte sie auf den Türöffner. Kurz darauf klopfte es an ihrer Tür. Sie stellte um auf nichts ahnend und öffnete die Tür. "Kian?" Erschrocken ging sie zwei Schritte zurück. Kian schien ebenfalls nervös zu sein. "Hi Elly! Darf ich reinkommen." Elly nickte. Ihre Gedanken spielten verrückt. Wie unbeschreiblich gut er wieder aussah. Und die Ähnlichkeit mit Mandy war Wahnsinn. "Kian, was machst du denn hier?" "Ich wollte meine Tochter besuchen…und dich!", fügte er leise hinzu. "Mandy schläft. Willst du sie sehen?" Kian nickte und ging hinter Elly her in Mandys Zimmer. Elly stellte sich neben Mandys Bett und Kian hinter ihr. Als sie die schlafende Mandy betrachteten spürte Elly plötzlich Kians Hand auf ihren Rücken. Nur eine ganz leichte Berührung, aber sie reichte aus, um Elly an ihrem Verstand zweifeln zu lassen. Kians Nähe machte sie fast wahnsinnig. Ein paar Minuten standen sie regungslos so da. Dann sagte Elly: "Willst du was trinken oder essen?" "Danke, ich hab im Flugzeug gegessen, aber hast du mir ein Glas Wasser." Froh, Kians Berührung entkommen zu können ging Elly in die Küche. Aber Kian blieb nicht bei Mandy sondern folgte ihr. "Elly, ich hab mich von Sally getrennt." Einige Sekunden sagte niemand was. "Warum erzählst du mir das?" "Ich weiß es nicht. Ich hab sie nicht geliebt. Zumindest nicht richtig. Ich denke es ist besser so, denn ich kann keine Beziehung führen mit einer Person, die ich nicht liebe. Nicht so liebe wie ich dich liebe!", fügte er so leise hinzu, dass es Elly kaum verstand. Aber sie verstand es. Sie zuckte zusammen und sie musste sich aufstützen. Hatte er das gerade wirklich gesagt? Hatte Kian grade wirklich gesagt, dass er sie liebte? Langsam drehte Elly sich um. Sie blickte direkt in Kians tiefblaue Augen. Er war näher gekommen und stand jetzt nur noch einen Meter von ihr entfernt. "Sag das noch mal!", forderte Elly Kian auf. "Elly, ich liebe dich! Ich hab nie aufgehört dich zu lieben. Seit du damals nach dem Schüleraustausch Irland verlassen hast, hab ich niemanden mehr geliebt als dich, auch obwohl du mich enttäuscht hast!" "Psst!!", Elly hatte Kian den Finger auf die Lippen gelegt. "Red nicht weiter!" Er lächelte sie an und zog sie langsam näher zu sich. Jetzt waren sie nur noch einige Zentimeter voneinander entfernt. Beide spürten was jetzt gleich passieren würde, unglaubliche Spannung lag in der Luft, aber niemand bewegte sich. Sie schauten sich unendlich lange Sekunden tief in die Augen. Dann zog Kian Elly langsam näher und drückte seine Lippen so sanft auf ihre, dass es nur wie ein Hauch schien. Trotzdem reichte es, um bei Elly eine Gänsehaut zu verursachen. Wieder küsste er sie. Jetzt schon stärker und fordernter. Und jetzt fand Elly endlich wieder die Kraft um zurückzuküssen. Erst sanft, dann wurde der Kuss immer intensiver. Kian strich mit seinen Händen sanft über ihren Rücken, während Elly sich an ihm festhalten musste, damit ihre Knie nicht nachgaben. Kian fuhr mit seiner Zunge sanft über Ellys Lippen. Elly durchzuckten Blitze. Wie lange hatte sie auf den Moment gewartet, Kians Küsse wieder zu spüren. Zu lange! Kians Zunge forderte Elly dazu auf ihre Lippen zu öffnen. Elly ließ ihn gewähren. Während ihre Zungen sanft miteinander spielten führte Kian, Elly direkt aus der Küche hinaus. Beide wussten, was jetzt geschehen würde und mit leichtem Druck zeigte Elly ihm die Richtung zum Schlafzimmer. Sich immer noch küssend öffnete Kian die Tür und nahm Elly plötzlich auf den Arm. Er trug sie durch die Türe und ließ sich zusammen mit ihr aufs Bett fallen. Elly rollte sich auf Kian, jetzt wollte sie die Initiative ergreifen. Ihre Küssen gingen langsam von seinen Lippen zu seinem Ohrläppchen und dann zu seinem Hals. Elly wusste nach all den Jahren immer noch, wie Kian das liebte. Er stöhnte leise auf, als Elly mit ihren Lippen sich den Weg zu seinem Hemdkragen bahnte und einen Knopf nach dem anderen langsam öffnete. Sie umspielte mit der Zunge Kians Brustwarzen, was ihn zu weiterem leisen stöhnen brachte. Langsam fuhr sie mit Zunge und Lippen weiter bis hin zu seinem Bauchnabel. Auch dort verharrte sie eine Weile und spielte damit, bis Kian sich blitzschnell umdrehte und auf ihr saß. Keine Frage, auch er wollte sie verwöhnen. Langsam schob er ihr Shirt ein bisschen weiter hoch und begann ihren Bauch zu küssen. Mit der Zunge umspielte er ihren Bauchnabel. Langsam schob er ihr T-Shirt immer weiter hoch, bis er es ihr ganz ausziehen konnte. Ohne lange nachzudenken öffnete er ihren BH und warf ihn aus dem Bett. Einige Sekunden betrachtete er sie. Die Lust und der Wohlwollen in seinen Augen waren nicht zu übersehen. Elly konnte nicht mehr lange warten. Sie öffnete zwischen tausenden von Küssen öffnete sie ihm die Hose und zog sie ihm aus. Die Beule in seinen Boxershorts war nicht zu übersehen, was Elly freute. Auch er entledigte sie ihrer Jeans. Als auch die letzten Kleidungsstücke neben dem Bett lagen schaute sie sich an. Eine knisternde Spannung lag in der Luft. Sie wollten sich. Sie wollten sich beide hier und jetzt. Kian fuhr mit den Fingern ihren ganzen Körper entlang. Elly schloss die Augen und sie musste immer wieder leise stöhnen. Als Kian mit den Händen sanft ihre Schenkel öffnete warf sie den Kopf nach hinten und ließ ihn gewähren. Sie spürte seine Männlichkeit an ihren Schenkeln, dann drang er in sie ein. Erst langsam und sanft, dann etwas stärker. Elly ließ sich völlig fallen und genoss es, Kian zu spüren. Sie hoffte, dass das nie wieder ein Ende nehmen würde. Nachdem sie gemeinsam zum Höhepunkt gekommen waren, lagen sie eng umschlungen und schweigend da und schauten an die Decke. Es war ein angenehmes Schweigen, keiner musste etwas sagen, denn er wusste, was der andere dachte.
Plötzlich rief Mandy aus ihrem Zimmer nach ihrer Mutter. Elly schaute Kian entschuldigend an und zog sich einen Morgenmantel über. Kian lächelte und sagte: "Beeil dich!" Elly verließ das Zimmer und ging zu Mandy. "Mama, ich bin nicht mehr müde! Darf ich aufstehen?" "Aber klar doch mein Schatz!" Mandy kletterte aus ihrem Bett und umklammerte Elly. "Süße! Dein Papa ist da! Willst du ihm Hallo sagen, er ist im Schlafzimmer." "Papa?", Mandy schaute sie fragend an. Dann hellte sich ihr Gesicht auf. "Papa!!" Sie rannte aus dem Zimmer und kurz darauf hörte Elly die Schlafzimmertüre aufgehen und Kians Stimme. Elly lächelte und ging ins Bad. Sie schaute in den Spiegel und ließ ihre Gedanken schweifen. Alles was gerade geschehen war, war wie ein Traum. Sie wusste nicht, wie lange sie da stand. Irgendwann ging sie zurück ins Schlafzimmer. Kian saß in Boxershorts Mandy gegenüber und kitzelte sie. Mandy warf immer wieder ein Kissen nach Mandy und beide lachten. Elly blieb unbemerkt in der Tür stehen und schaute den beiden zu. Die Ähnlichkeit war nicht zu übersehen. Das Lachen, die Augen. Wie eine Familie. Ihre Familie! Und sie würde sie nicht hergeben. Nie wieder!

ENDE