
Nervös ging ich den Gang auf und ab. Wie lange brauchen die denn noch? Ich
sah immer wieder auf meine Armbanduhr, 9:12 Uhr, und auf die große Uhr an
der Wand über der Tür, 9:12 Uhr, in der Hoffnung die Zeit würde
dadurch schneller vergehen. Dann ging die Tür endlich auf, einer meiner Kommilitonen
kam raus und reckte seinen Daumen in die Höhe. Ich grinste ihn an und er
verließ den Flur in die andere Richtung.
„Miss McCourt?“ eine ältere, steif wirkende Dame sah mich fragend an.
„Ja!“ meine Stimme versagte fast vor Nervosität.
„Wir machen 15 Minuten Pause, dann sind sie an der Reihe.“ mit diesen Worten schloss
sie die große, schwere Eichentür mit dem Messingschild - Hörsaal
Nummer 4 - und ließ mich wieder auf dem Flur allein.
Ich seufzte und ließ mich auf einen Stuhl fallen. Ich ging in Gedanken nochmals
meine Prüfungsthemen durch. Dann sah ich mich um, der Flur war sonnendurchflutet,
aber er wirkte trotzdem kühl und unbehaglich. Alles war in sterilem weiß
gehalten, an manchen Stellen, zum Beispiel bei den großen Fenstern bröckelte
die Farbe schon ab. Die Stühle waren wirklich unbequem und ich rutschte auf
meinem hin und her. Ich dachte darüber nach warum mir das früher nie
aufgefallen war, schließlich war ich die letzten 2 Jahre fast jeden Tag
hier gewesen.
„Miss McCourt! Wir wären dann jetzt soweit!“ die Dame erschien wieder in
der Tür und winkte mich heran.
Ich stand auf, strich meine Hose glatt und fuhr mir durch die Haare bevor ich
ihr folgte. Ich betrat den großen Hörsaal, in dem ich schon sooft vorher
gewesen war. Ich sah mich um, außer dem Prüfungs-Komitee war keiner
in den für 100 Studenten ausgelegten Saal, ich kam mir furchtbar allein und
verlassen vor. Mir wurde ein Platz nahe der Tafel zugewiesen und ich sah in fünf
gestreßt wirkende Gesichter. Die Prüfer saßen hinter einem langen
Tisch, auf dem eine Kanne, Teetassen und Wassergläser standen. Alle trugen
Anzüge und Krawatten und ich kam mir plötzlich underdresed vor. Ich
trug eine dunkle Jeans und eine weiße Bluse. Meine Haare hatte ich mir locker
im Nacken zusammengebunden und für Make up war heute morgen einfach keine
Zeit mehr gewesen.
„Jordan Elisabeth McCourt, geboren am 24.02.1981 in Dublin, wohnhaft in der Windsor
Road 11 in Dublin/Drumcondra?“ fragte mich einer der Prüfer und sah dabei
auf seine Unterlagen.
„Ja.“ meine Stimme klang verängstigt, wie die eines kleinen Mädchens.
Ich räusperte mich kurz und wiederholte dann mit fester Stimme „Ja“
„Gut, gut wir sind heute hier um ihnen die mündliche Prüfung für
den Magister in Pädiatrie abzunehmen...“ einer der Prüfer, ein rundlicher
Mann mit Schnauzbart kam zu mir.
Die Prüfung raste nur so an mir vorbei und ich war froh alle Fragen und Fallbeispiele
richtig beantworten zu können. Nachdem ich mein Schlußplädolie
gehalten halte besprachen sich die Prüfer und ich mußte mich für
die Zeit setzten. Ich nahm auf den einzigen Stuhl, abgesehen von den Hörsaalbänken,
Platz und spielte mit meinen Händen. Nach gut 5 Minuten erhob sich einer
der Prüfer und gab mir ein Zeichen zu ihnen zu treten.
„Miss McCourt?“ er sah mich an. Ich versuchte in seinem Gesicht die Antwort auf
die so wichtige Frage zu erahnen, aber an seinem Gesichtsausdruck konnte ich absolut
nichts ablesen.
„Ja?“ ich ging langsam auf den Prüfertisch zu.
„Ich darf ihnen als Erster zu ihrem erfolgreichen Abschluß gratulieren.
Sie haben es geschafft!“ er lächelte nun und streckte mir seine Hand entgegen.
Ich schüttelte sie und sah perplex in die Runde. Dann faßte ich mich.
„Ich habe es geschafft!“ flüsterte ich. „Ich habe es geschafft!“ dieses Mal
wurde meine Stimme lauter und überschlug sich fast.
„Ja, sie haben es geschafft und angesichts ihrer schriftlichen Noten und der uns
hier vorliegenden Doktorarbeit, würde ich sogar soweit gehen zu sagen, sie
haben mit Auszeichnung bestanden. Herzlichen Glückwunsch!“
Ich konnte es nicht glauben, nach guten 6 ½ Jahren Uni hatte ich es geschafft!
Ich war Kinderärztin! Ich strahlte in die Runde.
„Kann ich jetzt gehen?“ fragte ich aufgeregt.
„Einen kleinen Moment noch, wir müssen sie noch kurz belehren. Sie dürfen
im kommenden Jahr nur unter Aufsicht eines staatlich anerkannten Mediziners der
Humanmedizin praktisch tätig sein. Den Titel Dr. med. dürfen sie mit
sofortiger Wirkung tragen, die Unterlagen können sie sich in den nächsten
Tagen im Sekretariat des Dekan abholen. Dann kann ich nur noch alles gute für
ihre berufliche Laufbahn wünschen...“ er sah mich an und grinste „....Jetzt
dürfen sie gehen.“ er deutete zur Tür und ich verließ den Saal
zügigen Schrittes.
In Flur traf ich, wie schon mein Vorgänger, auf den nächsten Prüfling.
Ich grinste ihn an und hob meinen Daumen. Er lächelte und ich lief die Stufen
hinunter. Ich verließ das Gebäude durch den Haupteingang, den ich selten
benutzt hatte, und trat hinaus in die warme Julisonne Dublins. Ich atmete tief
ein und sah noch einmal hoch zu den Fenstern des großen Hörsaals Nummer
4. Ich dachte an die vielen quälenden Stunden die ich dort mit 100 weiteren
Studenten bei endlos wirkenden Lesungen verbracht hatte und mußte grinsen.
Ich hatte es wirklich geschafft! Ich konnte es kaum glauben. Dr. med. Jordan McCourt
,es klang so ungewohnt. Ich lachte, es war ja auch noch keine 5 Minuten her. Ich
lief übers Unigelände zu den Parkplätzen, schloß meinen Wagen
auf, zog mir meine Bluse aus und ließ mich auf den Fahrersitz fallen. Komisch,
vor der Prüfung war mir kalt gewesen und ich hatte mir meine Bluse über
mein Top gezogen, nun war mir total warm. Ich empfand die Kälte vorhin durchaus
als angenehm, nun da alle Anspannung von mir genommen war schien auch meine Temperaturwahrnehmung
wieder zu funktionieren. Ich sah auf die Uhr und erschrak, es war kurz nach 12
Uhr, meine Prüfung hatte fast 3 Stunden gedauert. Ich stellte das Radio auf
maximale Lautstärke und fuhr zu den Klängen von Britney Spears Toxic
von Parkplatz. Ich sang lauthals und schief mit und grinste übers ganze Gesicht.
An der ersten Ampel sah ich einen Wegweiser zu McDonalds und ich beschloß
mir eine Kleinigkeit zu holen. Ich hatte vor Aufregung das Abendessen gestern
und das Frühstück heute ausfallen lassen und das Loch in meinem Bauch
war dementsprechend riesig. Ich holte mir am Drive-In Schalter einen Muffin und
einen Becher Cappucino. Ich aß den Muffin während der Fahrt und 20
Minuten später betrat ich mit meinem Becher in der Hand mein Zuhause.
„DAD? TYLER? POP? NANA?“ rief ich noch in der Tür.
Keine Antwort. Im ersten Moment war ich enttäuscht, aber ich war mir sicher
das sie noch nicht mit mir gerechnet hatten. Ich ging ins Wohnzimmer und legte
mich auf die Couch, ich fühlte mich plötzlich trotz des Cappucinos müde,
kein Wunder ich hatte letzte Nacht kaum geschlafen. Ich stellte die Stereoanlage
an und döste etwas, nach ein paar Minuten war ich schon im Land der Träume.
„Mummy! Mummy wach auf!“ ich wurde durch ein rütteln an meinem Arm geweckt.
Ich öffnete langsam meine Augen und sah in die strahlend blauen Augen meines
Sohnes der mich angrinste.
„Hey Baby!“ nuschelte ich und zog ihn in meine Arme.
„Hast du ausgeschlafen?“ fragte er mich mit der Ernsthaftigkeit eines Zweijährigen.
„Neee!“ grummelte ich und schloß wieder meine Augen.
„Doch!“ antworte er mir trotzig.
„Neee!“ wiederholte ich nochmals und machte dabei Schnarchgeräusche.
„Mummy!“ er sprang auf mich und pulte mir mit seinen Fingerchen in den Augen herum.
„O.K. Tyler McCourt, du hast gewonnen! Ich bin wach!“ ich setzte mich schlagartig
auf und er quiekte vergnügt.
„Mummy, heute ist ganz viel passiert! Ich bin heute hingefallen..“ er deutet auf
ein Pflaster an seinem Ellenbogen „...aber ich habe gar nicht geweint!...“ er
schüttelte lebhaft seinen Kopf „...Dann hat Judy gesagt, das die Jungsmannschaft
am Sonntag ein Spiel im Phoenix Park hat. Dann habe ich mich mit Molly gestritten
und sie hat mich gekratzt!“ er deutete auf eine minimale Schramme an seinem Hals
„..Da habe ich geweint und Judy geholt, aber dann habe ich mich mit ihr vertragen
und wir haben dann gespielt. Mummy ich mußte schon wieder mit ihr Puppen
spielen!..“ er zog eine Grimasse „..Nach dem Mittagsschlaf habe ich dann mit Danny
und Ben für das Spiel am Sonntag geübt. Ich habe vier Tore geschossen!..“
dazu hielt er zwei Finger in die Luft und ich mußte grinsen. „..Dann hat
mich Grandpa abgeholt und wir waren noch kurz in der Praxis, da habe ich von Anny
einen Lolli bekommen. Grandpa hat ihn mir aufgemacht und ich habe ihn im Auto
aufgegessen!“ er sah mich ernst an und ich blickte ihn erwartungsvoll an. „Das
war`s!“
„Dann hattest du ja einen ganz tollen Tag!“ ich nahm ihn von meinem Schoß
und gab ihm einen Kuss. „Wo ist Grandpa?“
„In der Küche bei Nana und Pop.“ er nahm meine Hand und zog mich in Richtung
Küche.
Auf dem Weg zur Küche erhaschte ich einen Blick in den Spiegel. Ui, der Schlaf
hatte mir zwar gut getan aber ich sah ganz schön mitgenommen vom Streß
der letzten Wochen aus.
„Grandpa! Schau mal, Mummy ist jetzt wach!“ Tyler zog mich in die Küche.
„Und?“ kam es aus drei Mündern gleichzeitig. Nana ließ die Kartoffel
die sie gerade schälte liegen, Dad faltete seine Zeitung und Pop stellte
die Schüsseln die er in den Schrank räumen wollte auf die Arbeitsplatte.
„Was: Und?“ gab ich betont lässig zurück.
„Komm schon, spann uns nicht so auf die Folter!“ mein Dad erhob sich und kam auf
mich zu. Tyler ließ nun meine Hand los und blickte verständnislos zu
mir hoch.
„Tja, Daddy ich glaube du mußt dein Praxisschild ändern und du Pop
kannst jetzt endlich deinen Ruhestand genießen!“ ich grinste in die Runde.
„JA SIE HAT ES GESCHAFFT!“ quiekte Nana und schoß an Dad vorbei und umarmte
mich fest.
„Meine Kleine!“ Pop strich mir eine Strähne aus dem Gesicht.
„Ich bin so stolz...“ mein Dad nahm gerührt meine Hand und streichelte sie
sanft „...deine Mum wäre auch furchtbar stolz auf dich!“
Nana ließ mich los und ich nahm meinen Dad in die Arme. Tränen traten
mir in die Augen. „Ich weiß Daddy!“ flüsterte ich ihm ins Ohr.
„Wißt ihr was? Zur Feier des Tages lade ich euch alle zu ”Finnetys” ein!“
Pop strahlte uns an.
„Kaum im Ruhestand, schon schleuderst du mit deinem Geld herum!“ tadelte ihn Nana
lächelnd.
„Ich denke wir sollten Jo erst einmal ein, zwei Monate Ruhe gönnen. Dann
kann sie voll einsteigen.“ meinte Dad grinsend zu mir.
„Klingt toll, dann kann ich mit Tyler endlich mal wieder zu Alex fahren und ausreiten.“
ich strahlte Tyler an.
„Oh, ja! Mummy das ist super!“ Tyler hüpfte aufgeregt durch die Küche.
„Du hast ihn schon lange nicht mehr besucht.“ meinte Nana nun tadelnd zu mir.
„Ich weiß Nana, aber er ist doch mein Lieblingsbruder, er versteht das ich
viel um die Ohren hatte!“ ich sah sie versöhnlich an.
„Ach auf einmal ist Alex dein Lieblingsbruder, letztens war es noch Kenny....nein
warte letzte Woche war es David, ach nein es war ja Brain!“ sie lachte und ich
knuffte ihr in den Unterarm.
„Sehr witzig Nana! Du weißt doch das ich mich nie entscheiden kann wen ich
lieber mag, ich liebe alle meine Brüder gleich!“ ich seufzte und alle lachten.
„Ich hab` Dich auch lieb Mummy! Ganz doll!“ Tyler breitete seine Ärmchen
aus und sah mich ernst an.
„Ich dich auch! Du bist mir der liebste Mann von allen!“ ich nahm ihn hoch und
er kuschelte sich an mich.
„So alle fertig machen in 10 Minuten geht es in unseren Lieblingspub!“ Pop klatschte
in die Hände und Nana und ich liefen los. Ich lief in mein Zimmer, setzte
Tyler aufs Bett und wir suchten passende Sachen für mich raus. Wir entschieden
uns einstimmig für einen kurzen hellblauen Rock und ein weißen Top,
dazu riet mir Tyler zu einer weißen Strickjacke, weil es ja draußen
schon kühler war und ich mich nicht erkälten sollte. Ich begutachte
mich im Spiegel und Tyler hob den Daumen.
„Du bist die schönste Mummy die ich kenne!“ er grinste mich an.
Ich hatte gerade meinen Zopf aufgemacht und lief zu ihm und kitzelte ihn durch.
„So, so wie viele Mummys kennst du denn, hmmm?!“
Er wand sich und quiekte vor Vergnügen. Nach einer kurzen Rauferei ordnete
ich meine Haare und wir gingen in Tylers Zimmer.
„Und Großer, was willst du anziehen?“ ich hielt ihn eine blaue und eine
weiße Hose hin.
„Die da und meinen Leeds Pulli!“ er deute auf die weiße Hose und seinen
rot-weißen Lieblingspulli.
„O.K.“ ich legte ihm die Sachen hin und er zog sie sich an. Anschließend
ging ich ins Bad und versuchte meine Locken, nach unserer Rauferei noch mehr durcheinander
als sonst, zu bändigen. Dann bückte ich mich und kämmte Tyler,
ich nahm etwas von meinem Gel und strich durch seinen Pony, die Haare standen
nun in alle Richtungen und wir beide waren zufrieden mit uns und machten uns auf
den Weg nach unten. Dort standen schon alle in Jacken an der Tür und sahen
uns an.
„Ich weiß nicht was wir mit dir noch machen sollen! 10 Minuten bedeuten
bei dir immer eine halbe Stunde!“ mein Dad gab mir einen Klaps und beugte sich
dann runter um Tyler die Schuhe zuzubinden.
„Hey, ich muß nicht nur mich sondern auch Tyler anziehen!“ versuchte ich
mich zu verteidigen.
„Ich kann mich doch schon alleine anziehen!“ wehrte sich Tyler trotzig.
„Verräter!“ meinte ich zu ihm und wir gingen unter allgemeinem Gelächter
zum Auto.
Die nächste Woche verlief völlig entspannend für mich. Es war ungewohnt
so viel Zeit zu haben, aber ich genoss es in vollen Zügen. Ich stand morgens
mit Tyler auf, brachte ihn zum Kindergarten, fuhr wieder nach Hause, legte mich
dann meist noch etwas hin und stand gegen Mittag auf um Nana bei den Vorbereitungen
für das Essen zu helfen. Gegen ein Uhr kamen dann mein Dad und Pop um zu
Essen. Gegen zwei fuhren sie dann wieder in die Praxis und ich holte Ty wieder
vom Kindergarten ab.
Mein Dad und Pop arbeiten zusammen in einer Gemeinschaftspraxis, mein Dad ist
Allgemeinarzt und Pop ist Kinderarzt. Bevor meine Mum starb haben sie zu dritt
in dieser Praxis gearbeitet, sie war Gynäkologin. Es hat keinen gewundert
das ich schon früh beschlossen hatte auch Ärztin zu werden, ich hatte
als Kind immer meine Mum, meinen Dad und Pop bewundert und ich konnte mir nie
einen schöneren Beruf vorstellen.
Dad und Pop meinten ich solle mir ruhig noch etwas Pause gönnen und ich widersprach
ihnen nicht. Ich verbrachte die Nachmittage ausschließlich mit Tyler und
wir besuchten seinen Onkel Alex auf seiner ”Pferderanch” in Rush. Tyler lernte
gerade bei Debbie, Alex seiner Frau auf großen Pferden zu reiten, Ponys
hatte er schon gut im Griff. Kein Wunder, wie ich damals saß Tyler im Sattel
bevor er überhaupt richtig laufen konnte.
Ich genoß die Zeit mit ihm, in letzter Zeit hatte ich das Gefühl gehabt
ihn durch mein Studium zu vernachlässigen. Ich besuchte sein Fußballspiel
am Sonntag und sie gewannen mit Abstand, das hieß das in zwei Wochen ein
weiteres Spiel stattfinden würde.
Die Zeit verging so schnell und ehe ich mich versah war besagter Sonntag auch
schon da. Wie üblich wurde ich von Tyler geweckt.
„Mummy! Mummy!“ flüsterte er mir immer und immer wieder ins Ohr.
Ich blinzelte und er lachte triumphierend.
„Ha, ich hab gesehen das du nicht mehr schläfst!“ er legte seinen beiden
Hände auf meine Wangen.
„Doch ich schlaf noch ganz, ganz fest!“ antwortete ich ihm.
„Nein! Gar nicht!“ er streichelte meine Wangen.
„O.K. ich schlafe nicht mehr, aber nur wenn du noch ein bißchen mit mir
kuschelst!“ ich sah ihn verschlafen an.
„Na gut! Aber nur kurz, ich muß mir noch mein Trikot anziehen und wir müssen
noch frühstücken bevor wir zum Spiel fahren!“ er sah mich seinen tiefblauen
Augen an und kuschelte sich dann unter meiner Decke an mich. Nach 10 Minuten wurde
er ungeduldig und wir gingen zusammen in die Küche. Nana hatte uns eine leckeres
Frühstück gezaubert und Tyler stürzte sich sofort auf die Pfannkuchen.
„Mhhhhmmm!“ er sah Nana dankbar an.
Ich setzte mich, schenkte mir eine Tasse Kaffee ein und angelte mir einen Toast.
„Was würden wir nur ohne Dich machen!“ ich sah Nana an, die sich dann zu
mir setzte und sich ebenfalls eine Tasse Kaffee einschenkte.
„Vermutlich würdet ihr alle verhungern!“ meinte sie trocken und ich mußte
lachen.
„Das stimmt wohl, auf meine Kochkünste sollte sich lieber niemand verlassen!“
„Ganz richtig! Aber tröste dich, deine Mum war auch eine miserable Köchin.
Wie oft habe ich zu ihr gesagt: Jen du mußt lernen was ordentliches zu kochen!
Und weißt du was sie mir immer geantwortet hat?“ sie sah mich an und schüttelte
mit dem Kopf. „Sie sagte immer: Mum warum sollte ich kochen lernen, wir wohnen
doch alle hier und so lange du kochst weiß ich das keines meiner Kinder
verhungern wird!“
Wir beide sahen uns an und lachten.
„Mummy wir müssen uns anziehen, wir müssen los!“ Tyler sprang auf und
lief die Treppe hoch. Ich sah auf die große Küchenuhr über dem
Herd. 9:30 Uhr, das Spiel sollte um 11 Uhr beginnen und wir mußten nur 20
Minuten fahren.
„Tja Nana, der große Meister hat gesprochen...“ ich gab Nana einen Kuß
und lief hinter Tyler hinterher. Ich wusch ihn und half ihm dann in sein Trikot,
seine Stulpen und seine Schuhe. Dann lief ich ins Schlafzimmer und zog mir eine
Jeans, einen Shirt und meine Turnschuhe an. Schließlich holte ich noch seinen
Teampullover aus dem Trockner und Tyler band ihn sich um die Hüfte.. Draußen
waren es schon um die 20 Grad und wir traten hinaus in die Sonne. Nach dem warmen
Juli war, sehr ungewöhnlich für Irland, ein noch wärmerer August
gefolgt.
Nach gut 45 Minuten saßen wir beide im Auto und fuhren Richtung Stadtzentrum.
Es war wenig los und wir kamen über eine halbe Stunde zu früh am Platz
an. Tyler rannte sofort zu seinem Coach und zu den anderen Jungs, wenigstens waren
wir nicht die Ersten.
Ich stellte mich zu den anderen Eltern und wir unterhielten uns kurz, dann kam
der Coach auf mich zu.
„Oh Hallo Jo!“ er umarmte mich.
„Hey Zack! Na, macht´s noch Spaß?“ ich deutete auf die Jungs die sich
gegenseitig ein paar Bälle zuspielten.
„Klar, die sind zu goldig, wenn ich nicht manchmal sagen würde welches das
gegnerische Tor ist, dann würden sie dauernd Eigentore schießen. Tyler
ist übrigens sehr begabt.“ lobte er meinen Sohn.
„Danke! Leslie macht sich aber auch nicht schlecht! Letztes Spiel hat sie zwei
Tore geschossen!“ ich deutete auf seine Tochter die uns zuwinkte.
„Tja, wie der Vater so die Tochter!“ meinte er augenzwinkernd zu mir und ging
dann wieder zu der Rasselbande. Nun schienen alle da zu sein, ein kleines blondes
Mädchen, welches ich nicht kannte war als letzte gekommen und Zack erklärte
ihnen gerade welches Tor das Richtige war.
Eine junge Frau stellte sich neben mich, anscheinend hatte sie auch keine Lust
sich das Gefasel der anderen Eltern, darüber wie toll ihre Söhne und
Töchter sind anzuhören. Ich sah sie an und sie lächelte freundlich
zurück.
„Hallo ich bin Jordan McCourt! Jo wenn es dich nicht stört!“ ich streckte
ihr meine Hand hin.
„Freut mich, ich bin Susan McFadden! Sus!“ sie nahm dankbar meine Hand.
„Und welcher von den zukünftigen Nationalspielern oder Spielerinnen gehört
dir?“ ich deutete auf das Spielfeld wo gerade die Aufstellung geprobt wurde.
„Keine! Ich bin mit meiner Nichte hier, die kleine Blonde!“ sie deutet auf das
blonde Mädchen was mir schon vorher aufgefallen war „und welcher gehört
dir?“
„Der Kleine dahinten!“ ich deutete auf Tyler der mir zuwinkte ich winkte zurück
und schickte ihm einen Handkuß den er auffing.
„Der ist ja niedlich!“ meinte Susan grinsend zu mir.
„Ja, er ist mein Engel!“ lächelte ich.
„Wie alt ist er?“ Susann sah mich neugierig an.
Ich grinste sie an „...Er ist 2 ½.“
„Und wie alt bist du? Wenn ich fragen darf?“ sie sah mich erstaunt an.
„Klar darfst du, ich bin 24.“
„Da hast du aber ganz schön früh angefangen!“ meinte sie lächelnd
zu mir.
„Ja, ja!“ ich verdrehte die Augen und lachte.
„Ist das hier eigentlich immer so warm?“ Susan sah zum wolkenlosen Himmel und
wischte sich über die Stirn.
„Ja, das ist es! Während Tyler auf dem Spielfeld schwitzt, muß ich
hier in der brütenden Sonne schwitzen, aber im Herbst ist es schlimmer, wenn
sie da mal draußen spielen, dann erfriert man fast!“ ich zog sie zu einem
kleinen Stand an dem Erfrischungsgetränke ausgeschenkte wurden und reichte
ihr einen Becher Limonade und nahm mir ein Wasser.
„Ach, das ist Tyler! Ich habe schon viel von ihm gehört. Molly erzählt
oft von ihm!“ sie nahm dankbar einen großen Schluck Limo.
„Ach und das ist Molly, die Kleine die meinen Sohn immer zwingt Puppen zu spielen!“
gab ich zurück und wir beide lachten.
„Was mir gerade einfällt. Kerry, Mollys Mum wollte anrufen deswegen..“ sie
nahm einen weiteren Schluck von ihrer Limo.
„Was hat mein Sohn angestellt?“ fragte ich erschrocken.
„Nichts!...“ Susan kicherte „...Tyler hat Molly erzählt das er einen Onkel
hat der ganz viele Pferde hier in der Nähe von Dublin hat.“
„Ja, mein Bruder Alexander hat in Rush eine Ranch am Strand.“
„Molly hat nächste Woche Geburtstag und wir wollten Fragen ob dein Bruder
so etwas auch macht.“
„Ja klar, er hat einen Platz zum Grillen, daneben ist eine kleine Koppel, da können
die Ponys geritten werden. Er schmückt dann immer alles mit Luftballons usw.
Nur das Essen muß selber mitgebracht werden.“ ich trank die letzten Schlucke
meines Wassers und holte mir gleich ein Neues.
„Das klingt toll, genau richtig. Kannst du mir die Telefonnummer geben?“
„Warte.“ ich kramte in meinem Rucksack bis ich endlich die Karte fand und gab
sie ihr.
„Super! Tyler und du ihr seid natürlich auch eingeladen!“ meinte sie lachend
zu mir.
„Danke!“ ich sah zum Spielfeld, gerade pfiff der Schiedsrichter das Spiel ab und
ich sah auf die Tafel. Tylers Team hatte 9:16 verloren, traurig kam er mir entgegen
getapst. Molly folgte ihm in einigem Abstand.
„Hey mein Großer! Nicht so schlimm!“ ich nahm ihn auf den Arm und er begann
zu schluchzen.
Auch Molly krallte sich an Susans Hals fest und weinte.
„Hey tolle Neuigkeiten Pooh, ich habe mit Tylers Mummy gesprochen. Wir feiern
deinen Geburtstag nächste Woche auf einer Pferderanch und Tyler kommt auch!
Na Süße wie findest du das?“
Molly hob den Kopf und sah uns ungläubig an. „Wirklich? Kann ich da auch
reiten?“ fragte sie und die Niederlage schien vergessen.
„Ich zeig es dir!“ meinte Tyler nun ganz Gentlemanlike und wischte sich die Tränen
weg.
„Super!“ Molly gab ihrer Tante einen Kuß.
„Jordan es war sehr nett, wie wäre es wenn wir uns mal auf einen Kaffee oder
so treffen würden, ich habe gerade Semsterferien und viel Zeit.“ sie setzte
Molly ab und sah mich an.
„Gerne, ich habe momentan auch so etwas wie Urlaub! Ruf mich an wann es dir paßt!“
ich gab ihr eine meiner Karten und nahm Tyler an die Hand.
„Gerne! Ich glaube wir müssen jetzt..“ sie sah zu Molly „...Du hast bestimmt
Hunger wie ein Bär?!“
„Grrr...“ Molly grummelte und rieb sich den Bauch.
„Wußte ich es doch!“ Susan nahm Molly an die Hand und sie gingen zum Parkplatz.
„Bye Tyler! Bye Jo!“ rief sie uns zu und Molly winkte.
„Bye ihr zwei!“ rief ich und widmete mich dann wieder meinem Sohn.
Wir fuhren nach Hause und ich badete ihn erst einmal eine halbe Stunde um den
Dreck abzubekommen, danach aßen wir alle zusammen Mittag, gingen den ganzen
Nachmittag in den Garten und abends sahen wir alle zusammen fern. Ein typischer
Sonntag bei Familie McCourt.
Dienstag kam mein Dad spät nach Hause, ich wußte er war noch auf dem
Friedhof gewesen. Wir gingen zusammen in den Garten.
„Jo!“ mein Dad setzte sich auf unsere Gartenbank und klopfte neben sich auf das
Kissen.
Ich setzte mich und sah mich um. Wir hatten einen wunderschönen Garten, meine
Mum hatte ihn mit Nana immer liebevoll gepflegt, jetzt machte Nana das meiste
allein, aber für einige Sachen ließen wir einen Gärtner kommen.
Meine Mum hatte einen wunderschönen Rosengarten angelegt und ich liebte den
Duft der Rosen, auch jetzt stieg er mir in die Nase und ich schloß die Augen.
Von der anderen Seite des Gartens hörte ich Tylers Lachen, dort war sein
Reich. Mein Dad hatte ihm dort unser alter Baumhaus wieder fertig gemacht und
eine neue Schaukel an die große Eiche gehängt. Ich öffnete die
Augen und sah zu Tyler der glücklich in der Abendsonne schaukelte und vergnügt
juchzte.
„Sie wäre so stolz auf dich und Tyler!“ holte mich mein Dad aus meinen Gedanken.
„Sie fehlt mir manchmal so sehr.“ sagte ich leise.
„Ich weiß mein Schatz, mir fehlt sie jeden Tag.“ mein Dad nahm mich in Arme.
„Ich wünschte mir so sehr sie hätte Tyler kennen gelernt.“ ich sah traurig
zu meinem kleinen Sonnenschein hinüber.
„Sie kennt ihn, sie ist immer bei uns. Du weißt doch, Menschen die wir lieben
verlassen uns nie ganz!“ er nahm mein Gesicht in seine Hände „Sie ist so
lange da wie wir an sie denken!“
„Ich werde immer an sie denken!“ eine Träne lief mir übers Gesicht.
„Ich weiß mein Schatz! Ich weiß...“ mein Dad streichelte mir sanft
über den Rücken und wir beobachteten Tyler noch eine Weile beim Spielen.
„JORDAN TELEFON!“ rief Nana von der Terrasse aus zu uns hinüber.
„Ich komme!“ ich gab meinem Dad einen Kuß und lief zu Nana, sie gab mir
das Telefon.
„Jordan McCourt!“
„Hallo Jo! Hier ist Susan, die Tante von Molly..“
„Oh, hallo Susan! Wie geht es dir?“ fragte ich erfreut.
„Gut, danke und dir?“
„Sehr gut! Und was kann ich für dich tun?“
„Ich wollte fragen ob du morgen schon etwas vor hast?“
„Bis jetzt nicht viel, ich bringe Tyler morgens in den Kindergarten und hole ihn
Nachmittags wieder ab.“ lachte ich.
„Wie wäre es denn mit Lunch?“ fragte sie nun auch lachend.
„Sehr gerne! Wo und wann?“
„Sagen wir um 11 Uhr im Einkaufszentrum in der Emmerson Road, vor Connelys? Dann
können wir noch shoppen und dann was Essen!“
„Klingt super! Ich brauche sowieso noch ein paar Sachen!“
„Dann bis morgen!“ verabschiedete sich Susan.
„Bis dann!“ ich legte auf und rief Tyler rein, es war langsam Zeit zum Abendessen.
Nach dem Abendessen putzen Tyler und ich zusammen unsere Zähne und ich brachte
ihn ins Bett.
„Mummy?“ es sah mich bittend an.
„Was denn Schatz?“ ich struvelte ihm durch seine Haare.
„Liest du mir eine Gute-Nacht-Geschichte vor?“
„Klar mein Schatz! Was möchtest du denn hören?“ ich ging zu seinem Bücherregal.
„Teo Tiger!“ sagte er bestimmt.
Ich dachte es mir und hatte das Buch schon in der Hand bevor er etwas gesagt hatte.
Es war sein absolutes Lieblingsbuch, er liebte es heiß und innig. Ich verstand
ihn, es war schon mein Lieblingsbuch gewesen und nun hatte es Tyler geerbt. Es
sah schon sehr mitgenommen aus und ich strich vorsichtig über den Buchrücken,
auf dem schon einige Schichten Tesa waren und es so zusammen hielten. Ich legte
mich zu Tyler ins Bett und las ihm ein paar Seiten vor, er schlief schnell ein
und ich stand vorsichtig wieder auf. Ich deckte ihn richtig zu und gab ihm einen
Kuß. Ich ging nach unten zu meinem Dad und wir redeten bis in die Nacht
über Mum. Wir erinnerten uns an viele Kleinigkeiten und ich ging mit einem
lächeln zu Bett.
Am nächsten Morgen brachte ich Tyler zum Kindergarten. Er war den ganzen
Morgen quengelig und wollte partout nicht da bleiben. Es gab Tränen und ich
blieb noch etwas mit ihm da. Normalerweise ist er sehr gern im Kindergarten, aber
manchmal hat er Tage an denen er ganz und gar nicht hin will und einen solchen
Tag schien ich erwischt zu haben. Ich blieb bis 10:30 Uhr bei ihm und verdrückte
mich dann heimlich. Ich kam ein paar Minuten zu spät zum verabredeten Treffpunkt
und sah Susan schon von weitem. Als sie mich entdeckte strahlte sie mich an.
„Hallo Jo! Schön dich zu sehen!“ sie nahm mich in den Arm.
„Hallo Sus!“ ich erwiderte ihre Umarmung.
„Und wo wollen wir zuerst hin?“ sie war voller Tatendrang.
„Ich brauche neue Schuhe und ein Kleid!“ erwiderte ich fröhlich.
„Trifft sich gut, ein Kleid brauche ich auch! Laß uns zu Evans gehen, die
haben tolle Kleider!“ sie harkte sich bei mir unter und wir begannen unseren Shopping
Marathon.
Nach drei Stunden ließen wir uns vollbepackt auf ein paar Stühle beim
Italiener fallen und bestellten uns eine Pizza.
„Was dein Freund wohl zu deinen ganzen Anschaffungen sagt!“ meinte Susan lachend
und deutete auf meine Tüten.
„Ich habe keinen Freund.“ gab ich trocken zurück, die meisten Leute waren
der Ansicht wenn man ein Kind hat, hat man automatisch einen Freund oder einen
Mann.
„Oooppps!“ Susan grinste mich immer noch an „Ich dachte...“
„Ich weiß...“ ich hob die Hände „... wenn man ein Kind hat braucht
man einen Freund, aber ich komme ganz gut ohne aus!“
„Was ist denn mit Tylers Dad?“ Susan sah mich fragend an.
„Ist eine lange Geschichte...... Danke!“ meinte ich zu dem Kellner der gerade
unser Pizzen brachte.
„Wir haben Zeit, los erzähl, ich bin neugierig!“ sie biß beherzt in
ein Stück ihrer Pizza.
„Das merk ich....“ ich nahm ebenfalls einen Bissen und sah in ihr erschrockenes
Gesicht „...Schon O.K., schon O.K.! Ich erzähle es dir...“ ich grinste sie
an und sie grinste erleichtert zurück.
„Ich habe Mark im März vor drei Jahren in Kapstadt kennen gelernt. Ich habe
die ersten 8 Semester meines Studiums dort verbracht..“ begann ich.
„Was studierst du denn?“ unterbrach mich Susan.
„Ich habe Medizin studiert, ich bin seit 5 Wochen fertig.“ ich strahlte sie an.
„Herzlichen Glückwunsch, ich habe noch 3 Semester IT vor mir...“ sie verdrehte
die Augen „....aber egal, erzähl weiter...Bitte!“
„Also gut, wie gesagt habe ich dort Mark kennen gelernt. Wir haben uns in einem
Club getroffen und wir waren uns sofort sympathisch. Er lud mich zu einem Drink
ein und wir unterhielten uns den ganzen Abend. Wir verabredeten uns für den
nächsten Tag und ich zeigte ihm Südafrika so wie ich es kannte. Ich
stellte ihm meine Mum vor, sie arbeitete dort zwei Mal im Jahr für einen
Monat ehrenamtlich in einem Buschkrankenhaus. So bin ich auch nach Südafrika
gekommen, ich wollte erst nur ein Semester dort studieren, aber die Uni gefiel
mir so gut das ich länger blieb. Wir verbrachten vier wunderschöne Wochen
und wir verliebten uns ineinander. Dann mußte er zurück nach Hause...“
„Wo kommt er denn her?“ Susan hatte ihre Pizza völlig vergessen und sah mich
gespannt an.
„Du wirst es nicht glauben, er kommt aus Irland!“
„Und ihr habt euch nicht wieder gesehen?“ fragte sie schockiert.
Ich schüttelte den Kopf.
„Aber warum nicht?“ sie rutschte auf ihrem Stuhl hin und her.
„Es ist kompliziert...“ ich seufzte.
„Aber warum?“
„Er hat mir erzählt was er macht und wer er ist und die ersten Wochen haben
wir den Kontakt noch über Telefon aufrecht gehalten. Dann wurde meine Mum
krank, die Ärzte in Kapstadt stellten bei ihr Krebs fest und wir flogen sofort
nach Dublin, damit sie die besten Ärzte bekommen konnte, meine Sachen wurden
mir nach geschickt, damit war auch seine Nummer weg und ich hatte nie die Möglichkeit
ihm irgend etwas von Tyler zu sagen.“
„Oh, wie schrecklich! Weißt du denn nicht wie er heißt?“
„Doch, ich weiß es und ganz Irland auch!“ sagte ich resigniert.
„Ich verstehe nicht?!“ meinte Susan zu mir.
„Lach jetzt bitte nicht und halte mir nicht für ein durchgeknalltes Groupie,
Tylers Dad ist Mark von Westlife.“ ich sah sie an und wartete auf ihre Reaktion,
sie nahm gerade einen Schluck von ihrer Coke und verschluckte sich.
„Wie bitte?“ fragte sie nachdem sie sich von dem Schreck erholt hatte.
„Ja, es ist so. Ich wußte damals nicht wer er war, er sagte mir nur das
er in einer Band ist, aber zu dem Zeitpunkt war ich schon fast 4 Jahre in Kapstadt
und dort sind sie nicht so bekannt. Dann kam ich zurück nach Dublin und mich
traf fast der Schlag als er mich von all diesen Postern und Plakaten anlachte.
Dann erfuhr ich das ich schwanger bin und ich habe daran gedacht das Kind nicht
zu bekommen. Meine Mum meinte aber das, das Baby am wenigsten dafür kann
und ich beschloß es zu bekommen. Ich ging bis zum 9. Monat an die Uni und
dann machte ich drei Monate Pause. Meine Mum starb fünf Tage bevor Tyler
geboren wurde.“ ich sah zu Boden und schluckte. Immer noch taten die Erinnerungen
an sie weh, sie starb am 2. Januar 2003. Wir hatten sie zu Sylvester nach Hause
geholt und meine Brüder und ihre Familien sind gekommen um zu feiern, sie
lag auf der Couch und genoß den Abend mit all ihren Kindern und Enkelkindern.
Sie starb in den Armen meines Dads während wir alle da waren, nach der Beerdigung
am 7. Januar setzten bei mir die Wehen ein und kurz vor Mitternacht wurde Tyler
geboren.
„Es tut mir so leid!“ Susan nahm meine Hand.
„Es ist in Ordnung!..“ ich lächelte sie tapfer an. „... Am Anfang hatte ich
ein schlechtes Gewissen Tyler gegenüber weil ich ihm seinen Dad vorenthalte,
aber dann sehe ich meine Brüder, meinen Dad, meine Grandma und meinen Grandpa
die sich alle so liebevoll um ich kümmern und ich weiß das es richtig
ist was ich tue. Es geht ihm gut und das ist die Hauptsache.“
„Aber warum hast du nicht versucht Mark seine Telefonnummer raus bekommen?“ Susan
streichelte immer noch meine Hand.
„Das habe ich, ich habe überall angerufen, bei seinem Management, bei BMG,
bei der Auskunft und beim Einwohnermeldeamt in Sligo. Überall haben sie mich
wie einen durchgeknallten Fan behandelt und ich habe dann schließlich aufgeben.
Klar, ich hätte auch an die Presse gehen können, aber das wollte ich
nicht. Nicht für Tyler, nicht für Mark und nicht für mich. Ich
habe gelesen, daß Mark jetzt schon seit langem eine Freundin hat und ich
freue mich für ihn.“
„Es tut mir so wahnsinnig leid!“ Susan sah mich betreten an.
„Es ist in Ordnung, wirklich! Ich komme damit klar, mir geht es gut!“ ich drückte
lächelnd ihre Hand.
Wir gingen nach dem Essen noch in ein Schuhgeschäft, das ich Susans Meinung
nach nicht verpassen durfte und erstanden noch jeder ein paar Schuhe. Susan behandelte
mich wie vor unserem Gespräch und mir fiel ein Stein vom Herzen.
Ich sah auf die Uhr 15:15 Uhr, in 15 Minuten mußte ich Tyler abholen. Mittwochs
war er immer bis 15:30 Uhr im Kindergarten.
„Susan, es tut mir leid, aber ich muß los. Tyler wartet bestimmt schon auf
mich.“ ich drehte mich zu ihr um.
„Kein Problem! Ich hoffe nur wir wiederholen das mal wieder!“ sie umarmte mich
soweit es unsere Tüten zuließen und ich ging Richtung Parkhaus.
Als ich am Kindergarten ankam stand Tyler schon am Tor und wartete. Ich war noch
gar nicht ganz ausgestiegen da klammerte er sich schon an mich.
„Mummy! Mummy!“ schluchzte er.
„Schätzchen!“ ich nahm ihn auf den Arm.
Judy, Tylers Kindergärtnerin kam auf mich zu.
„Er wollte sich heute gar nicht beruhigen lassen.“ meinte sie schulterzuckend
zu mir.
„Was ist denn los Schätzchen? Wolltest du heute nicht mit den anderen spielen?“
ich sah Tyler an dem dicke Kullertränen übers Gesicht liefen.
Er schüttelte nur seinen Kopf und vergrub dann sein Gesicht wieder an meinem
Hals.
„Danke Judy! Ich schaue mal wie er morgen drauf ist, wenn er nicht kommt rufe
ich an.“ ich setzte Tyler in seinen Kindersitz und schnallte ihn an.
„Kein Problem Jo! Mach das, ich muß wieder. Die anderen Monster wollen beschäftigt
werden! Bye Tyler!“ sie gab mir die Hand und winkte Tyler zu.
Den Rest des Nachmittages verbrachte ich mit Tyler im Garten und die nächsten
Tage ließ ich ihn zu Hause, da er schon morgens Theater machte. Mein Dad
meinte jedes Kind hat mal eine solche Phase und es würde sich wieder geben.
Am Freitag rief mich Susan an und erinnerte mich an Mollys Geburtstagsparty am
Samstag.
Am Samstag standen Tyler und ich früh auf und fuhren zu Ranch meines Bruders.
Noch bevor ich klingeln konnte öffnete mir Sydney, meine 4jährige Nichte
die Tür.
„Jo! Jo! Ich habe euch kommen gesehen!“ sie sprang mich an und ich wirbelte sie
durch die Luft.
„Hey Syd! Na, meine Große!“ ich gab ihr einen Kuß und setzte sie wieder
ab.
„Hey Tyler! Komm ich zeig dir was!“ sie nahm Tyler an die Hand und ging mit ihm
in ihr Zimmer.
Ich ging in die Küche und fand dort meinen Bruder und seine Frau.
„Hey Sis!“ mein Bruder umarmte mich stürmisch. Alle meine Brüder nennen
mich schon so lange wie ich denken kann Sis und daran wird sich wohl nie etwas
ändern.
„Alex!“ ich drückte meinen jüngsten Bruder fest an mich.
„Wo ist denn Tyler?“ er sah sich suchend um.
„Den hat eure Tochter, kaum das er durch die Tür war, in Beschlag genommen!“
lachte ich und ging zu Debbie.
„Hallo Debb!“ ich umarmte sie ebenfalls und sie grinste mich an.
„Hey Jo! Tja unsere Syd hat einen Narren an Tyler gefressen!“
Wir aßen gemütlich Frühstück und dann half ich Alex und Debbie
alles zu schmücken und vorzubereiten. Die Party sollte um 14 Uhr losgehen
und um kurz nach 12 Uhr waren wir mit allem fertig. Wir hatten überall bunte
Luftballons aufgehängt und einige hatten wir mit Propan gefüllt, diese
hingen an dem Zaun der Koppel, dann hatten wir noch bunte Tischdecken, Teller,
Besteck und einige Papphüte auf den Tischen verteilt. Alex hatte den Grill
vorbereitet, denn Mollys Mum hatte gesagt das gegrillt werden sollte. Ich sah
zum Himmel, es war herrliches Wetter und weit und breit keine einzige Wolke zu
sehen, das Wetter hatte es diesen Sommer sehr gut mit uns gemeint und uns viele
Sonnentage geschenkt. Ich hatte mich heute Morgen für das neue Kleid, welches
Susan und ich gekauft hatten und für meine neuen, sündhaft teuren, Sandalen
entschieden. Mein Blick fiel auf die Koppel und ich bereute meine Entscheidung,
dort standen alle Pferde von Alex und Debbie und auch Storm, mein Hengst war dabei.
„Ich borge dir gern eine Jeans und ein T-Shirt wenn du ausreiten möchtest!“
meinte Debbie grinsend zu mir.
„Du kannst wohl Gedanken lesen!“ meinte ich überrascht zu ihr.
„Nein, nein aber diesen Gesichtsausdruck bekommt ihr McCourt`s immer!“ sagte sie
lachend und wir gingen zu Haus zurück.
„Alex! Holst du bitte Storm von der Koppel und sattelst ihn?“ fragte ich breit
grinsend meinen Bruder der uns entgegen kam.
„Sicher!“ er kam zu uns, gab seiner Frau einen Kuß und ging dann zur Koppel.
Im Haus kamen uns Tyler und Sydney lachend entgegen gelaufen.
„Tyler, ich reite kurz aus, ja?! Molly müßte bald kommen!“ rief ich
ihm im vorbeigehen zu.
„Ja, Mummy!“ lachte er und die Beiden setzten ihre Verfolgungsjagd auf dem Hof
fort.
Ich zog eine dunkle Jeans und ein schwarzes Top von Debbie an, dann ging ich in
den Stahl und tauschte meine Sandalen gegen meine Reitstiefel, ich angelte mir
meinen Helm von Regal und ging dann zurück in den Hof, wo Alex gerade mit
dem Satteln von Storm fertig war. Ich begrüßte Storm und dann drehte
ich ein paar Runden auf der Koppel mit ihm. Nachdem wir uns wieder aneinander
gewöhnt hatten preschte ich mit ihm Richtung Strand davon. Ich merkte gar
nicht wie die Zeit verflog, ich sah auf die Uhr und mußte ein zweites Mal
hinschauen. 14:30 Uhr. So schnell es ging ritt ich zurück zur Ranch. Schon
von weitem sah ich die Geburtstagsgäste und ich ritt zu ihnen um Molly zu
gratulieren. Ich bremste vor dem kleinen Koppelzaun ab und band Storm fest, da
stürmte auch schon Tyler auf mich zu.
„Mummy schau mal, es sind alle schon da!...“ ich fing ihn auf und wirbelte ihn
herum „Wo warst du denn so lange?“ fragte er mich vorwurfsvoll als ich ihn abgesetzt
hatte.
„Ich hab die Zeit vergessen!“ sagte ich lachend zu ihm und ging auf Molly zu.
„Happy Birthday!“ meinte ich strahlend zu ihr und sie nahm mich in den Arm.
„Es ist toll hier! Ich darf gleich reiten!“ erzählte sie aufgeregt.
„Freut mich Kleines!“ ich ließ sie los und ging zu den anderen, Tyler an
der einen Hand und den Helm mittlerweile in der anderen Hand.
„JO!“ Susan stürmte auf mich zu und wollte mich gerade weg ziehen, als ein
Mann hinter ihr erschien. Tyler wurde es bei mir zu langweilig und er ging wieder
zu den anderen Kindern.
„Susie, willst du uns denn nicht vorstellen? Also wirklich!“ meinte er lachend
zu ihr und sie sah ihn entschuldigend an.
„Kleinen Moment, ich muß Jo nur schnell was sagen!“ meinte sie nun hastig,
aber der Mann hatte schon meine Hand genommen und mich zu den anderen gezogen.
Ich sah zu Susan und sie formte lautlos ein Sorry. Ich sah sie fragend an.
„Also ich bin Bryan, Susans großer Bruder und der Daddy von Molly und Lilly!...“
er deutete auf eine kleines Mädchen das gerade mit Sydney spielte. „Und das
ist Kerry, meine Frau!...“
Ich reichte ihr die Hand.
„Mummy, mein Schuh!“ Tyler kam auf mich zu und deutete auf seinen offenen Turnschuh.
Bryan ließ sich nicht beirren und stellte mir weiter die Leute vor, während
ich mich bückte und Tyler den Schuh zuband.
„...Und das sind Kian, Jodie, Shane , Gillian, Nicky, Georgina, Mark und Kim.
Die Jungs sollten dir besser als Westlife bekannt sein!..“ meinte er lachend und
klopfte mir auf den Rücken.
Ich kam wieder hoch und merkte wie mir sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich.
Da saß er! Seine blauen Augen sahen mich fragend an und ich sah schnell
weg.
„Freut mich!“ kam es nun von allen Seiten und ich schüttelte allen soweit
möglich die Hand.
„Freut mich auch!...“ ich versuchte zu lächeln „...Entschuldigen sie mich
kurz, ich möchte mich rasch umziehen!“
„Hey, wir sind hier aller per du! Du solltest da keine Ausnahme machen!“ meinte
Nicky lächelnd und ich versuchte es zu erwidern.
„Dann entschuldigt mich bitte!“ ich drehte mich um und ging Richtung Haus. Susan
holte mich auf halben Weg ein und lief bis ins Haus neben mir her.
„Jo, es tut mir leid! Ich wußte nicht der er auch kommt, bitte, du mußt
mir glauben!“ sie sah mich flehentlich an.
„Warum hast du nicht gesagt das du ihn kennst? Ich versuche seit über 2 Jahren
ihn aus meinen Gedanken zu streichen, ich sehe ihn jedesmal wenn ich Tyler ansehe
und plötzlich sitzt er da mit seiner Freundin am Tisch!“ fuhr ich sie an
und Tränen stiegen mir in die Augen.
„Was hätte ich denn sagen sollen, nachdem du mir gesagt hast das Mark der
Vater deines Sohnes ist und er keine Ahnung hat? Entschuldige Jordan, aber mein
Bruder ist Bryan, das Ex-Mitglied von Westlife und ich kenne Mark ziemlich gut?“
sie sah mich fragend an.
„Wie bitte?“ kann es von der anderen Seite der Küche und Susan und ich drehten
uns erschrocken um. Dort standen Alex und Kerry und sahen uns perplex an. Ich
sah zu Susan dann zu Kerry und schließlich zu Alex.
„Jo?!“ fragte er mich vorsichtig.
Ich begann zu weinen und lief an ihm vorbei nach oben. Ich zog mich um und setzte
mich aufs Bett, Tränen liefen unablässig über mein Gesicht. Nach
ein paar Minuten klopfte es an der Tür und Alex, Kerry und Susan kamen herein.
„Sis?“ Alex trat an mich heran und ich fiel ihm in die Arme. „Ist ja gut Kleines!“
„Gar nichts ist gut! Ich weiß nicht was ich machen soll!“ ich sah ihn ratlos
an.
„Ich würde sagen, du machst dich frisch und wir gehen runter. Wenn er dich
erkennt rede mit ihm und wenn nicht dann triff dich mit ihm in ein paar Tagen
und rede dann.“ sagte Kerry und kam auf mich zu. „Susie hat mir alles erzählt
und es tut mir leid das da so viel falsch gelaufen ist. Mark hat uns oft von dir
erzählt und er war sehr traurig als er dich nicht ausfindig machen konnte!“
sie nahm mich in den Arm und ich beruhigte mich.
Die anderen gingen vor und ich machte mich etwas zurecht, ich sah in den Spiegel.
Würde er mich erkennen? Ich hatte damals einen kinnlangen, blonden Bob und
heute hatte ich schulterlange braune Haare. Ich atmete ein paar Mal tief durch
und ging dann wieder zu den anderen. Mark stand mit Kian und Bryan am Grill und
sie kümmerten sich ums Essen. Beim Essen saßen Mark und ich uns gegenüber
und ich vermied es ihm in die Augen zu sehen, aber er musterte mich die ganze
Zeit. Nach dem Essen wollten die Kinder nochmals auf die Pferde und ich stellte
mich an den Zaum um sie im Auge zu behalten. Alex und Debbie halfen den Kindern
auf die Ponys und paßten auf das sie nicht runter fielen.
„Entschuldige aber ich werde das Gefühl nicht los dich zu kennen!“ Mark stellte
sich neben mich und ich erschrak.
Ich atmete tief ein und aus, dann sah ich ihn an.
„Ja, du kennst mich! Ich bin`s Jo.....Jordan..... Jordan McCourt.“ sagte ich zu
ihm.
„Das gibt es doch nicht!“ er nahm mich in den Arm. „Wohin bist du denn damals
verschwunden?“
„Das ist eine lange Geschichte...“ ich entwand mich vorsichtig seiner Umarmung.
Sie war kurz gewesen, aber ich konnte sein After-Shave riechen und zog den Duft
ein.
„Mummy! Mummy!“ Tyler kam schreiend zu mir gelaufen.
„Was ist passiert Schatz?“ ich nahm ihn auf den Arm und er weinte.
„Ich bin hingefallen!“ er deutete auf sein blutendes Knie.
Alex kam zu mir und gab mir ein Kinderpflaster. Ich stellte Tyler ab und klebte
ihm das Pflaster auf.
Mark sah fragend zu Alex.
„Wenn man Kinder hat, dann hat man immer ein Pflaster und ein Taschentuch in der
Tasche, eins von Beiden braucht man immer!“ meinte Alex lächelnd zu ihm.
Noch ein Küsschen auf das Knie und bei Tyler war wieder alles gut. Er lief
sofort wieder Richtung Koppel und amüsierte sich mit den anderen Kindern.
„Ist das deiner?“ fragte mich Mark erstaunt.
„Ja.“ Antwortete ich ihm einsilbig.
„Süß...Wie heißt er denn?“ Mark lehnte sich an den Zaun und sah
mich an.
„Tyler.“ ich sah zu Boden.
„Hübscher Name. Und wie alt ist er?“ er beobachtete die Kinder beim Reiten.
„Er ist 2 ½.“
„Hmmm..“ Mark drehte sich zu mir und sah mich direkt an. Dann schien er nachgerechnet
zu haben.
„Warst du nach mir gleich mit jemand anderes zusammen?“ fragte er mich gerade
heraus.
„Nein.“ ich konzentrierte mich krampfhaft auf einen Punkt auf dem Boden.
„Moment mal, heißt es das was ich denke was es heißt?“ er packte mich
am Arm.
„Hey ihr Beiden, alles klar?“ Kim kam zu uns und gab Mark einen Kuss den er nicht
erwiderte. Er starrte mich an.
„Sieh mich an und sage es mir...“ er festigte seinen Griff „....Jordan!“
„Was ist denn los?“ Kim sah verständnislos von Mark zu mir.
„Was los ist?...“ Mark sah nun Kim an und ich schaute hoch „...Du willst wissen
was los ist? Jordan will mir gerade sagen, ob Tyler mein Sohn ist oder nicht!“
„Ja, ist er.“ sagte ich leise und riss mich von ihm los. Ich lief über den
Platz zum Haus.
Im Haus angekommen setzte ich mich an den Küchentisch und atmete erst einmal
tief durch. Nach einer guten Stunde ging ich wieder raus um nach Tyler zu sehen.
Als ich zum Grillplatz zurück kam sahen alle auf und ich wußte das
Mark es ihnen erzählt hatte. Keiner sagte ein Wort und Tränen stiegen
mir in die Augen.
Ohne ein Wort zu sagen ging ich zur Koppel..
„Tyler!...“ rief ich den spielenden Kindern zu „...Kommst du? Wir wollen los!“
„Noch ein bißchen, bitte Mummy!“ Tyler sah mich bettelnd an.
Normalerweise hätte ich diese Bitte nicht abgelehnt, aber heute war kein
normaler Tag.
„Nein Schatz, wir fahren jetzt. Komm bitte her!“ sagte ich mit zitternder Stimme.
Tyler zog eine Flunsch und kam auf mich zugetapst.
„Das ist gemein!“ quengelte er.
„Manchmal ist das Leben gemein.“ sagte ich etwas lauter zu ihm und er sah mich
erschrocken an.
„Mummy, nicht weinen. Ich bin nicht böse!“ er sah mich mit seinen großen
blauen Augen an und ich sah die Angst darin.
Ich schluchzte auf und nahm ihn auf den Arm. So schnell ich konnte ging ich zu
meinem Wagen und setzte ihn in seinen Sitz.
„Ich werde mich bei dir melden, ich möchte meine Rechte als Vater.“ Mark
war hinter mich getreten.
„Mach das.“ antwortete ich kühl und stieg ein.
Auf dem Weg nach Hause schlief Tyler im Auto ein, ich legte ihn zu Hause auf die
Couch und sagte Nana sie sollte ihn im Auge behalten. Dann fuhr ich zum Golfplatz,
dort waren mein Dad und Pop fast jeden Samstag anzutreffen.
„Dad!“ rief ich schon von weitem.
„Komm her Kleines!“ mein Dad breitete seine Arme aus, ich ließ mich in sie
fallen und begann zu schluchzen.
„Psst, ist ja gut meine Kleine, Alex hat mich angerufen. Ich weiß Bescheid..“
er wiegte mich hin und her.
„Was soll ich machen, er möchte seine Rechte als Vater!“ ich sah ihn unter
Tränen an.
„Wir telefonieren morgen mit Brain und Kathlyn, wozu hat man denn Anwälte
in der Familie.“ er grinste mich an und ich mußte auch grinsen.
Am nächsten Morgen telefonierte ich mit Brain und schilderte ihm die Situation.
Er ließ erst einmal eine ganze Weile den großen Bruder raushängen,
versprach mir dann aber sich zu kümmern.
Eine ganze Weile passierte gar nichts, ich arbeitete mittlerweile voll in der
Praxis, dann bekam ich einen Brief von Familiengericht, in dem ich zu einer
Sorgerechtsverhandlung vorgeladen wurde. Ich rief sofort bei Brain an und er
kam so schnell er konnte zu mir. Ich wartete schon in der Tür auf ihn.
„Brain, können sie mir Tyler wegnehmen?“ war meine erste Frage.
„Nein, nein beruhige dich! Sie können ihn dir nicht weg nehmen, aber Mark
wird Besuchsrecht bekommen. Dann wird es erst einmal so weiter laufen und irgendwann
wird dann das Sorgerecht nochmals verhandelt.“ er sah mich besorgt an, wir saßen
mittlerweile im Wohnzimmer und ich starrte geschockt aus dem Fenster. Was hatte
ich erwartet? Das Mark es hinnimmt und gut? Ich wußte es nicht...
„Wann?“ fragte ich in die Stille hinein.
„Wann was?“ Brain sah mich verwundert an.
„Wann wird das Sorgerecht dann neu verhandelt?“
„Keine Ahnung, das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Erst einmal müssen
wir den Termin am Montag wahrnehmen und dann sehen wir weiter. Kopf hoch Sis,
alles wird gut!“ er nahm meine Hand und streichelte sie sanft.
„Hmmm.“ sagte ich nicht sehr überzeugt.
Am Wochenende fuhr ich mit Tyler in den Zoo. Ich wollte einen Moment nur für
uns beide haben, ich mußte ihm ja irgendwie erklären was in nächster
Zeit passieren würde. Ich setzte mich mit ihm auf eine Bank, vor dem Tigergehege.
Ich nahm ihn auf den Schoß und sah ihn lange an. Er strahlte mich an und
schlang seine kleinen Ärmchen um meinen Hals. Ich räusperte mich.
„Tyler, mein Schatz..“
„Ja, Mummy!“ er sah mich erwartungsvoll an.
„Du weißt doch das jedes Kind eine Mummy und einen Daddy hat.“
„Ja, du bist meine Mummy.“
„Ja, genau. Und du hast, wie alle anderen Kindern auch, einen Daddy. Der war
ganz lange weg und ist jetzt wieder da, du wirst ihn bald öfter sehen und
deine andere Grandma und deinen anderen Grandpa und viele neue Leute kennen
lernen. Möchtest du das?“ ich sah ihn lange an und er sah aus als müsse
er über den Vorschlag nachdenken.
„O.K.!“ sagte er schließlich und sprang von meinem Schoß und lief
dichter an das Gehege der Tiger.
Ich war erleichtert das er es so gut aufgefaßt hatte, allerdings war ich
mir nicht sicher ob er die Tragweite dieses Gespräches begriffen hatte.
Am Montag brachte ich Tyler in den Kindergarten und fuhr dann zu meinem Bruder
Kenneth, er war ein begnadeter Friseur und ich wollte bei der Verhandlung einen
guten Eindruck hinterlassen. Ich betrat seinen Laden uns blickte mich suchend
um.
„SIS!“ er kam aus seinem Pausenraum hervor geprescht und wirbelte mich durch
den halben Laden.
„Kenny!“ ich gab ihm einen Kuß.
„Oh, man, was machst du denn für Sachen, ich habe es von Alex gehört.
Wann ist denn der Termin?“ er sah mich mitleidig an.
„Sieh mich nicht so an Kenny!“ sagte ich bestimmt „Heute.“ fügte ich hinzu.
„Oh, du lieber Himmel, dann machen wir dich jetzt mal fein!“ er begann wie wild
in meinen Haaren herum zu wuscheln und sah mich dann lange an.
„Jerry, ich brauch mal deine Hilfe!...“ schrie er durch den Laden „Schätzchen!
SOS!“ brüllte er nun.
Jerry erschien wie vom Donner gerührt neben ihm.
„Jordan-Schatz! Wie geht es dir? Oh armes Häschen! Brain hat mir beim squaschen
alles erzählt!“ er strich über meine Wange, drückte mich auf
einen Stuhl und ich mußte grinsen.
„Wie gut das in dieser Familie soviel wert auf Privatsphäre gelegt wird!“
meinte ich kopfschüttelnd.
„Sie hat HEUTE den TERMIN!“ quiekte Kenny.
„OH MEIN GOTT!...“ Jerry legte sich theatralisch die Hand auf die Stirn. „Na,
dann los!“ er schnappte sich einen Kamm und eine Bürste und grinste mich
an.
Nach einer Stunde verließ ich mit einem Lächeln und einer Hochsteckfrisur
den Friseursalon.
Ich kam am Gericht an und sah Brain schon von weitem warten.
„Da bist du ja, komm es geht gleich los!“ er zog mich ins Gebäude.
Vor einem Raum saßen Mark, seine Eltern und sein Anwalt und warteten.
Mark stand auf und begrüßte mich förmlich.
„Hallo Jordan!“ er schüttelte meine Hand „Darf ich dir meine Eltern vor
stellen!“ er deutete zu seinen Eltern.
„Mr. und Mrs. Feehily.“ ich nickte in ihre Richtung und setzte mich dann mit
Brain ihnen gegenüber. Nach einem kurzen Moment wurden wir herein gerufen.
„Miss McCourt, Mister McCourt, Mister Feehly, Mister Andrews!“ begrüßte
die Richterin, Mrs. Warrington, die beiden Parteien.
„Wir verhandeln heute das Besuchsrecht von Mister Feehily, gegenüber seinem
Sohn Tyler Jason Marcus McCourt, geboren am 07. Januar 2003. Bitte.“ sie deutete
Marks Anwalt an zu sprechen.
„Das ist Richtig euer Ehren, mein Mandant hat erst vor drei Wochen erfahren
das er der Vater von Tyler Jason Marcus McCourt ist und er möchte Besuchsrecht,
wie es ihm nach § 56 des Familienrechts zusteht, einfordern.“ er setzte
sich wieder und sah die Richterin gespannt an.
„Gut, bevor wir die Sache verhandeln hätte ich noch einige Fragen an Miss
McCourt.“ sie sah mich über den Rad ihrer Lesebrille hinweg durchdringend
an.
„Bitte, euer Ehren.“ gab Brain seine Zustimmung.
„Als erstes das Wichtigste, warum wußte Mister Feehily nichts von Tyler
bis zu dieser Geburtstagsfeier von Molly Marie McFadden am 31.08. dieses Jahres?“
„Das ist eine lange Geschichte euer Ehren..“ ich holte tief Luft.
„Wir haben Zeit Miss McCourt.“ meinte sie milde zu mir.
„Ich lernte Mr. Feehily im März 2002 in Kapstadt kennen und wir verbrachten
eine schöne Zeit miteinander. Dann flog er zurück nach Hause und ich
studierte weiter dort. Wir hielten den telefonischen Kontakt aufrecht. Dann
wurde meine Mutter sehr krank und wir waren gezwungen nach Dublin zurück
zu kehren. Meine Sachen wurde mir nachgeschickt und die Telefonnummer ging verloren.
Als ich erfuhr das ich ein Kind von ihm erwarte wollte ich es ihm mitteilen,
aber nirgendwo gab man seine Nummer heraus. Ich denke sie wissen wer Mr. Feehily
ist.“
„Das weiß ich Miss McCourt.“ sie sah zu Mark und dann wieder zu mir „Fahren
sie fort.“
„Jedenfalls versuchte ich seine Nummer herauszubekommen, aber ich wurde immer
und immer wieder abgewiesen. Ich dachte darüber nach das Kind nicht zu
bekommen, aber ich entschied mich dagegen.“ ich setzte mich und wartete auf
eine Reaktion.
„Konnten sie es denn vertreten das Tyler ohne eine Vaterfigur aufwächst?“
sie sah mich skeptisch an.
„Ja euer Ehren. Tyler hat sehr viele männliche Bezugspersonen. Nach dem
Tod meiner Mum, kümmerten sich meine vier Brüder, mein Dad und mein
Grandpa mit um Tyler. Sie betreuten ihn wenn ich in den Uni war und er hat zu
allen ein sehr enges Verhältnis. Ich sehe aber auch ein, das ich Tyler
nun nicht mehr seinem Vater vorenthalten kann. Sie haben beide ein Recht sich
kennenzulernen.“ ich sah zu Boden.
„Sehr gut...“ sie blätterte in ihren Unterlagen „ ...Ich denke ich werde
ihnen jetzt meine Entscheidung mitteilen. In nächster Zeit halte ich es
für angebracht, wenn Tyler jedes zweite Wochenende bei Mr. Feehily verbringt.
Sollte es seine Zeit nicht zulassen, möchte ich sie bitten eine einvernehmliche
Einigung zu finden. Des weiteren halte ich für sinnvoll, wenn Tyler zwei
Wochen im Sommer und zwei Wochen im Winter bei seinem Vater verbringt. Die Feiertage
klären bitte die Parteien unter sich. Ich habe auch einen Beschluß
verfaßt der besagt das Tyler aus der Presse raus gehalten wird, ich möchte
nicht das über dieses Medium schmutzige Wäsche gewaschen wird, sollte
es sich nicht vermeiden lassen, wird allenfalls die Vaterschaft an die Presse
gegeben. Die Verhandlung ist hiermit geschlossen!“ sie schlug mit ihrem Hammer
auf ihr Holztäfelchen und reichte uns den Beschluß den wir unterschreiben
mußten. Nachdem wir das getan hatten gingen wir nach draußen.
„Jordan?“ Mark legte seine Hand auf meine Schulter.
„Ja?!“
„Es tut mir leid mit deiner Mum.“ er sah mich an und ich wußte das er
es ernst meinte.
„Danke. Ich denke du möchtest Tyler so schnell wie möglich übers
Wochenende bei dir haben. Wie paßt dir dieses Wochenende?“ ich konzentrierte
mich auf einen Punkt an der Wand hinter ihm und versuchte so ruhig wie möglich
zu klingen.
„Gerne. Soll ich ihn bei dir abholen?“
„Ja, am Freitag um 16 Uhr?“
„Gut.“
„Tu mir bitte einen Gefallen, laß die erste Zeit bitte Kim aus dem Spiel,
es ist so schon schwer genug für Tyler."
„Wenn du das möchtest.“ er zuckte mit den Schultern
„Ja, das möchte ich und nun entschuldige mich bitte, ich muß in die
Praxis, meine Patienten warten.“ damit drehte ich mich um und verließ
mit Brain das Gerichtsgebäude.
Den Rest der Woche arbeitete ich viel und erkläre Tyler das sein Dad ihn
am Freitag abholen würde. Er freute sich nach anfänglichem Zögern
darauf.
Ich packte schon morgens seine Sachen zusammen und bat Nana ihn an Mark zu übergeben
wenn er kommen würde.
„Willst du das nicht lieber selbst machen?“
„Nein Nana, ich habe schon so das Gefühl meinen Sohn verloren zu haben,
ich kann das nicht!“ ich versuchte meine Fassung zu bewahren.
„Jo, mein Schatz! Du verlierst Tyler nicht, er ist und bleibt dein Sohn und
er liebt dich abgöttisch.“
„Nana, warum tut es dann so weh?“ ich begann zu schluchzen.
„Du mußt lernen Tyler ein Stück weit los zu lassen, er wird jetzt
viel Zeit mit seinem Daddy verbringen, er wird neue Sachen lernen, er wird seine
anderen Großeltern und Urgroßeltern kennen lernen, aber er wird
immer zurück kommen, weil du das Größte für ihn bist!“
sie streichelte über meinen Rücken.
„Was wenn ich es nicht mehr bin? Was wenn er merkt das er sich bei seinem Dad
wohler fühlt?“
„Das passiert nicht. Er wird lernen seinen Dad zu lieben, auf eine ganz eigene
Art und Weise, aber du wirst ihn niemals verlieren! Das verspreche ich dir,
du hast einen so tollen Jungen groß gezogen und ich bin so stolz auf dich!“
„Danke Nana! Ich habe ihm sein Teo Buch eingepackt, sag Mark bitte er soll ihm
abends daraus vorlesen. Ich habe ihm einen langen und einen kurzen Pyjama eingepackt
und seine Fußballsachen. Gib Tyler einen Kuß von mir und sage ihm
das ich ihn liebe!“
„Mach ich und nun kümmere dich um deine Patienten!“ sie gab mir einen Klaps
und ich fuhr in die Praxis. Ich fuhr zum Mittag mit meinen Dad ins Finnetys
und wir fuhren erst abends wieder nach Hause.
Als wir das Haus betraten war alles so still und ruhig ohne Tyler und ich ging
ohne Abendessen ins Bett. Ich lag noch lange wach und dachte über das was
Nana gesagt hatte nach, nach mehreren Stunden schlief ich mit Tylers und Marks
Gesicht vor meinen Augen ein.
Am nächsten Morgen wurde ich durch die Sonne geweckt die in mein Zimmer
schien. Ich lief in Tylers Zimmer, da ich ihm sagen wollte das wir heute zu
Alex zu reiten fahren könnten. Wie angewurzelt blieb ich in der Tür
zu seinem Zimmer stehen. Sein Bett war leer und seine Spielsachen lagen ordentlich
im Regal. Ich schluckte und ging dann zurück in mein Zimmer. Ich zog mir
eine bequeme Jeans und einen Schlabberpulli an. Ich ging in die Küche,
wo mich Nana erstaunt ansah.
„Was machst du denn schon hier? Ich dachte du stehst heute bestimmt nicht vor
dem Mittag auf, es war eine harte Woche für dich!“ sie stellte mir einen
Kaffee auf den Tisch.
„Ich konnte nicht mehr schlafen.“ antwortete ich traurig.
„Was ist los Schatz?“ sie strich mir eine Strähne aus dem Gesicht.
„Ich wollte Tyler gerade sagen das wir heute zu Alex fahren, weil so schönes
Wetter ist. Ich bin in sein Zimmer gelaufen..“ ich schüttelte den Kopf.
„Mein Schatz...“ Nana nahm mich in den Arm.
„Schon O.K. Nana! Ich fahre jetzt in die Praxis, es ist eine Menge Papierkram
liegen geblieben.“ ich trank meine Kaffee aus und gab Nana einen Kuss.
„Heute ist Samstag.“ Nana sah mich verständnislos an.
„Ich weiß, aber heute habe ich Ruhe.“ ich verließ die Küche,
zog mir Turnschuhe an und fuhr dann in die Praxis.
Es war komisch die Praxis zu betreten, wenn keine Patienten warteten. Ich ging
in mein Sprechzimmer und nahm mir den Stapel Akten vor, der sich in letzter
Zeit angesammelt hatte. Ich merkte gar nicht wie die Zeit verging, gegen Mittag
klopfte es an der Tür. Ich ging überrascht zur Tür und öffnete
sie. Susan stand vor mir und hielt eine McDonalds Tüte hoch.
„Na, du Arbeitstier! Hunger?“ sie sah mich verlegen an.
„Klar, komm rein!“ antwortete ich.
Wir gingen in mein Sprechzimmer und aßen schweigend unsere Burger. Nach
einer Weile durchbrach Susan das Schweigen.
„Jo?!“ sie sah mich an.
„Hmmmm.“ antworte ich, da ich gerade dabei war meinen Burger zu erledigen.
„Es tut mir so leid! Ich meine das was auf der Ranch passiert ist, ich hätte
dir sagen sollen das ich Mark kenne und ich fand es auch blöd wie die anderen
reagiert haben, die wußten nicht einmal die Hälfte.“
„Es ist O.K. Sus, du hattest Recht, was hättest du denn sagen sollen? Und
die anderen...Tja, ich hatte eigentlich nichts anderes erwartet.“ ich zuckte
mit den Schultern.
„Mark hat danach noch mal mit allen geredet und es tat ihnen dann auch leid
wie sie zu dir waren. Sie meinten es wird nie wieder vorkommen.“ sie grinste
mich an.
„In so eine Situation werden sie wohl auch nie wieder kommen.“ ich grinste zurück.
„Nein, sicher nicht.“ nun lachte sie, doch plötzlich erstarb ihr lachen
„...Sag mal wie geht es dir?“
Ich wußte was sie meinte. „Es ist komisch, heute morgen wollte ich ihn
wecken...Sein Zimmer ist das erste Mal in seinem Leben unbenutzt. Aber ich hoffe
ihm gefällt es bei Mark und seiner Familie.“
„Ganz bestimmt, er wird dir sicher am Sonntag ganz viel zu erzählen haben.“
sie nahm meine Hand.
„Ganz bestimmt!“ ich lächelte sie an.
Susan blieb noch etwas und wir verabredeten und für die nächste Woche
zum Lunch.
Gegen Abend hatte ich endlich meinen Bürokram fertig und fuhr nach Hause.
Mein Dad stand in der Tür und wartete bereits auf mich.
„Ich dachte schon du wolltest in der Praxis schlafen!“ er nahm mich in den Arm.
„Ich wäre auch fast eingeschlafen.“ ich verdrehte die Augen.
„Jetzt komm erst mal rein, Nana hat dir Abendessen aufgehoben, sie und Pop sind
noch etwas spazieren gegangen. Und was machst du jetzt noch?“ er nahm mir die
Jacke ab und wir gingen ins Wohnzimmer.
„Noch ein bißchen vor den Fernsehen und dann ins Bett.“ gab ich müde
zurück..
„Darf ich die Gesellschaft leisten?“
„Sicher.“ ich klopfte auf die Couch neben mich.
Mein Dad setzte sich und ich legte meinen Kopf in seinen Schoß, wir sahen
uns einen alten Film an und irgendwann in der Mitte des Films schlief ich ein.
„Schätzchen?“ mein Dad streichelte vorsichtig über meine Wange.
„Hmmm“
„Du solltest ins Bett gehen!“
„Hmmm“ ich erhob mich schlaftrunken und ging in mein Zimmer, ich zog mir schnell
meinen Pyjama an und verkroch mich dann in meinem Bett. Ich wurde durch viele
Stimmen aus dem Wohnzimmer geweckt. Ich zog mich schnell an und wollte dann
nach sehen wer da so einen Lärm machte. Ich betrat das Wohnzimmer und meine
Kinnlade klappte runter. Meine ganze Familie, bis auf Alex, Debbie und Syd waren
im Wohnzimmer versammelt. Mein ältester Bruder David und seine Frau Jenny
redeten gerade mit Dad. Kevin, Marie, Jenice und Alice, ihre Kinder saßen
am Tisch und spielten mit Nana, Kenneth und Jerry. Brain, Kathlyn und ihr Sohn
Danny saßen am Tisch und lauschten Pop. David nahm mich als erster zur
Kenntnis.
„Na Murmeltier! Ausgeschlafen? Wir warten nur noch auf dich!“ er kam auf mich
zu und nahm mich in den Arm.
„Aber...Wieso?...Was macht ihr denn alle hier?“ ich erwiderte perplex die Umarmung
meines Bruders.
„Dad hat gestern einen Familientag einberufen, er hatte Angst du würdest
sonst den ganzen Tag wieder in der Praxis verbringen.“ Brain nahm mich nun ebenfalls
in den Arm.
„Wir haben beschlossen zu Alex zu fahren um zu sehen, wer den großen McCourt
Cup gewinnt!“ Kenny wirbelte mich herum.
„Also, hopp hopp umziehen, in 10 Minuten geht es los!“ Dad klatschte in die
Hände und alle sprangen auf.
Der McCourt Cup ist eine Familientradition, das letzte Mal hatten wir sie vor
Mums Tod gemacht. Da wir alle begeisterte Reiter sind, treten wir in verschiedenen
Disziplinen gegen einander an und der oder die Beste gewinnt einen kleinen Pokal,
der immer weiter gegeben wird. Zur Zeit steht er noch bei Alex im Regal, aber
wenn ich in die kampflustigen Gesichter sah, dann konnte ich denken das es nicht
mehr lange so sein würde. Wir fuhren mit sechs Autos zu Alex und er erwartete
uns schon sehnsüchtig.
Kaum angekommen liefen wir alle zu den Stallungen, jeder hatte sein Pferd bei
Alex untergestellt. Ich sattelte Storm und zog meine Reitsachen an. Nach einer
guten halben Stunden waren alle McCourts auf der Koppel versammelt. David, Brain,
Kenny und Dad sahen mich, Alex und Pop herausfordernd an.
„Gut, ich denke ihr alle wißt noch wie es geht! Erstens Springreiten nach
Tunierregeln, dann Hindernisrennen durch den Wald, dann Lunch, dann Parade und
schließlich DAS GROßE RENNEN!“ er lachte und wir alle stimmten mit
ein.
„Und Leute, unser Schlachtruf..“ Kenny hob die Hand und wir alle taten es ihm
gleich.
„EGAL WAS KOMMT, DER POKAL BLEIBT IN DER McCOURT-FAMILIE!!!“ schrien wir alle
und klatschten.
„Wenn ihr mal jemand anderes mitmachen lassen würdet, wäre es vielleicht
spannender!“ rief uns Jerry von Zaun herüber.
„Willst du es mal versuchen?“ lachte Kenny.
Jerry schüttelte den Kopf und Nana und die anderen “Schiedsrichter“ fingen
an zu lachen.
Wir alle hatten Jerry bisher einmal auf einem Pferd gesehen und das hatte für
den Rest unseres und auch für den Rest Jerry`s Leben gereicht.
Der Tag verging wie im Flug, wir hatten schon lange nicht mehr so viel Spaß
zusammen gehabt. Wir fühlten uns alle wieder wie Kinder und unsere Gedanken
waren bei unserer Mum. Ihr hätte es gefallen, da waren wir uns alle einig.
Dann kam das große Rennen, wir standen alle in Startposition und Nana
gab den Startschuß. Wir jagten um den Platz als ob es um unser Leben gehen
würde. Na, ja so ähnlich war es ja auch, es ging um die Ehre. Ich
war in meiner letzten Runde als ich plötzlich eine Kinderstimme nach mir
rufen hörte.
„MUMMY!“
Ich drehte mich zur Koppel und Tyler stand da und winkte fröhlich. Ich
verlangsamte mein Tempo und Storm blieb schließlich stehen. Ich bekam
gar nicht mit wer gewann, ich sprang aus meinem Sattel, warf meinen Helm ins
Gras und lief auf Tyler zu.
„Schatz!“ ich konnte es nicht glauben.
„MUMMY!“ Tyler kletterte unter den Zaun durch und lief auf mich zu. Ich fing
ihn auf und wir beide landeten im Gras.
„Mummy, meine Mummy!“ Tyler hielt mich ganz fest und flüsterte mir „Ich
hab` Dich so lieb!“ immer wieder ins Ohr.
„Ich dich auch, mein kleiner Tiger!“ ich gab ihm einen Kuss und wir rappelten
uns auf. „Wer hat dich gebracht?“
„Daddy!...“ er deutete auf Mark, der an den Zaun gelehnt stand und sich mit
Jerry unterhielt „...Und Barry und Colin und Grandma Marie und Grandpa Oliver!“
er zeigte auf den Rest, der sich gerade angeregt mit Debbie und Kathlyn unterhielt.
Die Männer kamen auch gerade dazu und Tyler und ich gingen zu ihnen.
Tyler wurde überschwenglich begrüßt und dann gleich wieder von
Syd in Beschlag genommen.
„Hallo!“ begrüßte ich Mark und seine Familie.
„ICH HAB GEWONNEN!!!“ Kenny wirbelte mich durch die Luft und fuchtelte mit dem
Pokal vor meiner Nase herum.
„Nur weil ich dich gewinnen lassen wollte!“ ich boxte ihm in die Seite.
„Ich würde sagen wir stellen uns erst einmal vor. Ich bin Jason McCourt,
der Dad von diesem verrückten Haufen!“ er gab Mr. und Mrs. Feehily, sowie
Barry und Colin die Hand.
„Freut uns! Wir sind Marie, Oliver, Barry und Colin Feehily, die Familie von
Mark.“
„Wollen sie nicht auf einen Tee mit rein kommen?“ Debbie deutete aufs Haus.
„Sehr gern.“
Wir betraten alle das Haus und die Kinder zogen sich gleich alle zusammen zum
Spielen zurück.
„Ich würde sagen unsere Tunierhelden gehen erst einmal unter die Dusche
und dann trinken wir Tee, Nana hat einen leckeren Kuchen gebacken.“ Kathlyn
scheuchte uns die Treppe hoch und gab Brain noch einen Kuss.
Als ich wenig später das Wohnzimmer betrat saßen schon fast alle
am großen Tisch. Mir blieb nichts anderes übrig als mich zwischen
Mark und seine Eltern zu setzten, wobei ich fest der Meinung war, das es nicht
ganz so zufällig war wie es aussah.
„Tee ist fertig!...“ Nana kam mit einem Tablett und drei Kannen Tee ins Wohnzimmer
und alle nahmen ihr was ab „...Wo sind denn die ganzen Kinder? Heißt das
ich habe den ganzen Schokoladenkuchen für mich ganz alleine?“ sagte sie
etwas lauter. Einen Augenblick später hörte man Kinderfüße
auf der Treppe.
„Schokokuchen?“ Tyler kam als erster im Wohnzimmer an.
„Ja!“ antwortete Nana stolz und gab ihm einen Teller mit einem Stück Kuchen,
„Setzt euch auf den Fußboden. Es wird erst wieder spielen gegangen wenn
ihr fertig seid!“ fügte sie hinzu.
„Wie heißt das Tyler?“ fragte ich ihn und sah ihn streng an.
„Danke Nana!“ antwortete er brav.
„Und jetzt komm her und gib Mummy einen ganz dicken Kuss!“ ich drehte meinen
Stuhl und Tyler stellte seinen Teller auf den Fußboden und sprang in meine
Arme.
„Weißt du wie lieb ich dich hab?“ fragte mich Tyler ernst.
„Nein, wie doll denn?“ ich sah ihn fragend an.
„Na, so doll wie immer, bis zum Mond und zurück!“ er drückte mir noch
einen Kuss auf die Wange und krabbelte dann von meinem Schoß, aber anstatt
zu seinem Teller zu laufen, blieb er vor Mark stehen und sah ihn unschlüssig
an. Dann krabbelte er auch auf seinen Schoß und sah ihn ernst an.
„Dich hab` ich auch lieb!“ er umarmte ihn und drückte ihm ebenfalls einen
Schmatzer auf die Wange.
„Danke Kleiner!“ sagte Mark gerührt.
Tyler ging nun zurück zu seinem Kuchen und setzte sich strahlend auf den
Fußboden zu den anderen.
„Hey Cowboy! Was ist mit mir?“ Kenny sah ihn gespielt beleidigt an.
„Ich kann doch jetzt nicht zu jedem gehen und sagen wie lieb ich ihn habe! Weißt
du wie lange das dauert?“ antwortete Tyler trotzig und alle mußten lachen.
„Er ist ein ganz toller Junge, Jordan!“ Marks Mum sah mich an und ich lächelte.
„Danke!“
„Ich bin Marie und das ist Oliver!“ sie deutete auf Marks Dad „Ich hoffe wir
lernen dich auch ein bißchen besser kennen. Wir wissen da ist einiges
falsch gelaufen, aber warum fangen wir nicht einfach von vorne an?“
„Gerne!“ antwortete ich erleichtert.
Nach dem Tee halfen wir alle beim abräumen und setzten uns dann auf die
Veranda. Mark unterhielt sich angeregt mit Alex und die Kinder tobten auf der
Koppel.
„Du Sis!“ rief Alex zu mir rüber.
„Ja.“ ich ging auf die Beiden zu.
„Mark würde sich gerne mal die ganze Ranch ansehen, wollt ihr nicht ausreiten?
Dann kannst du ihm alles zeigen.“ er sah mich fragend an „Ich würde es
ja selbst machen, aber Debb reißt mir den Kopf ab, wenn ich sie mit der
ganzen Bande alleine lasse.“ fügte er schnell hinzu.
„Ja klar, warum nicht.“ ich sah zu Mark.
Er sah an sich runter und sah dann zu Alex.
„Meine Sachen sollten dir passen, komm mit dann gebe ich dir was...“ er ging
mit Mark ins Haus „Sis, du kannst ja schon mal Strom fertig machen, ich denke
für Mark wäre Speedy richtig.“
„Alles klar.“ ich ging zur Koppel und holte Speedy, eine in die Jahre gekommene
Stute von der Koppel und machte sie fertig, dann holte ich Storm aus seiner
Box und sattelte ihn ebenfalls. Ich war gerade fertig als Mark in den Stall
kam.
„Du mußt das nicht machen, wenn du nicht willst.“ er sah mich ernst an.
„Sei nicht albern, wir sind beide Erwachsen und nun komm!“ ich gab ihn Speedys
Zügel und wir gingen in den Hof. „Also Speedy ist nicht ganz so schnell
wie ihr Name, aber sie ist ein trittsicheres Pferd. Meinst du, du kommst klar?“
„Sicher, ich denke nicht das sie mit Black, meinem Hengst mithalten kann.“ er
zwinkerte mir zu und wir bestiegen unsere Pferde.
Ich zeigte ihm die ganze Ranch und erklärte ihm alles. Gegen Abend kamen
wir an den Strand und machten eine Pause und setzten uns in den Sand.
„Wie geht es dir?“ fragte mich Mark unvermittelt.
„Wie meinst du das?“
„Ich meine mit mir und Tyler.“ er malte mit seinen Fingern Kreise in den Sand.
„Gut, es ist nur ungewohnt, Tyler und ich waren bisher nie länger wie 24
Stunden von einander getrennt. Und wie ist es für dich?“ ich sah ihn von
der Seite an.
„Komisch, aber er ist so ein niedlicher kleiner Kerl. Was soll ich sagen, er
hat mich im Sturm erobert.“
„Ich hoffe nur du läßt ihm nicht alles durchgehen, er braucht seine
Grenzen und es ist wichtig das er die auch bei dir einhalten muß.“ sagte
ich ernst zu ihm.
„Natürlich, dieses Wochenende haben wir bei meinen Eltern geschlafen und
meine Mum hatte ein Auge drauf, wenn ich mich an alles gewöhnt habe, dann
wird er mit mir in meinem Haus schlafen.“
„Das ist gut.“
Wir saßen beide schweigend da und sahen zu wie sich der Himmel langsam
orange verfärbte.
„Jo?“
So hatte er mich das letzte Mal damals in Südafrika genannt.
„Ja?“
„Erzähl mir was von Tyler...“ er drehte sich zu mir um.
„Wo soll ich anfangen?“ ich versuchte ihn anzugrinsen.
„Am Besten wohl mit seiner Geburt.“ er versuchte ebenfalls zu grinsen.
„Tja, es war der Tag an dem meine Mum beerdigt wurde. Wir fuhren nach der Beisetzung
nach Hause und ich fühlte mich den ganzen Tag schon komisch. Ich dachte
es liegt an der ganzen Situation... Gegen Abend setzten dann die Wehen ein und
mein Dad brachte mich ins Krankenhaus. Nach drei Stunden Wehen, hielt ich Tyler
dann um 23:56 Uhr in meinen Armen.“
„War es schlimm?“
„Ja, aber als ich ihn das erste Mal sah, da war alles vergessen. Es war komisch,
da war er auf einmal, mein kleiner Sohn...“ ich sah zu Mark und er sah mich
gespannt an „..ich meine unser kleiner Sohn. Mir wurde bewußt wie nah
Trauer und unendliches Glück zusammen liegen.“
„Du bist großartig!“ Mark sah mich anerkennend an.
„Wie bitte?“
„Ich weiß nicht wie ich in deiner Situation gehandelt hätte, mal
abgesehen davon das ich nie wirklich in so eine Situation hätte kommen
können...“
Wir beide lachten und er fuhr fort.
„...Ich bin dir unendlich dankbar das du Tyler bekommen hast und das du ihn
so sehr liebst.“
„Danke!“ sagte ich gerührt.
„Wir sollten öfter mit einander reden, das macht es auch für Tyler
einfacher.“
„Du hast Recht.“ ich stand auf und ging zu den Pferden „Wir sollten aber jetzt
zurück, die Pferde kühlen sonst aus und unsere Familien schicken eine
Suchmannschaft los!“
Wir ritten gemütlich zurück und fanden unsere Familien bei einem gemütlichen
Grillfest vor.
„Mummy, Daddy!“ Tyler kam gleich auf uns zu.
Wir stiegen ab und begrüßten ihn und er lief dann gleich zurück
zu seinen Cousins, Cousinen und zu seinen beiden neuen Onkeln.
„Gebt mir mal die Pferde, ich mach das!“ Alex nahm uns die Pferde ab.
„Danke, du bist ein Schatz!“ ich gab ihm einen Kuss und ging dann zu meinem
Dad, der mit Marks Dad am Grill stand.
„Hi Daddy! Ist was fertig? Ich sterbe vor Hunger!“ ich umarmte ihn und er drückte
mich an sich.
„Für dich immer, mein Schatz!“ er nahm einen Teller und legte mir ein Stück
Fleisch drauf.
„Hey Mark, hier ist auch eins für dich fertig, ich denke mal du bist auch
ziemlich ausgehungert!“ er hielt Mark den Teller hin.
„Danke Jason!“ Mark nahm den Teller dankbar an und setzte sich zu mir.
Wir unterhielten uns noch den ganzen Abend und lachten viel. Gegen 22 Uhr brachen
die Feehilys dann auf, weil am Montag wieder für alle arbeiten oder Schule
auf dem Programm stand. Wir verabschiedeten uns herzlich und Tyler konnte sich
kaum von seinen neuen Freunden los reißen.
Ich machte mich kurze Zeit später mit Tyler und Dad auch auf den Rückweg,
da um 8 Uhr unsere Sprechstunden starten würden und Tyler in den Kindergarten
mußte. Die andere halfen noch so weit wie möglich beim aufräumen
und Nana und Pop wollten bei Alex und Debbie schlafen.
Ich dachte über den Abend nach und war froh das Mark und ich so relaxed
miteinander umgegangen waren, er hatte Recht wir sollten es für Tyler nicht
noch schwieriger machen.
Mark rief nach dem Abend immer zwei Mal die Woche an, nur um zu fragen wie es
Tyler und mir geht. Wir hatten es geschafft eine tolle Freundschaft aufzubauen.
Dann kam wieder ein Wochenende an dem Tyler zu seinem Dad durfte, er freute
sich mittlerweile immer drauf.
Freitag Nachmittag kam Oliver und holte ihn ab, ich hatte mich mittlerweile
auch daran gewöhnt das Tyler öfter bei den Feehilys war, es lief jetzt
schon ein halbes Jahr bestens und wir hatten mit dem Jugendamt besprochen das
es so bleiben sollte, weil wir merkten das es für Tyler gut war.
Ich verbrachte wie oft den Samstag mit Sus beim shoppen und wir hatten jede
Menge Spaß. Plötzlich klingelte mein Handy.
„Ja, Jordan McCourt!“
„Hallo Jo, hier ist Mark!“ er klang irgendwie komisch.
„Hallo Du, na alles klar bei Euch?“
„Nein, nicht wirklich!“
„Was ist denn los?“ ich wurde langsam nervös.
„Mein Dad und ich sind mit Tyler im Krankenhaus, er ist von der Schaukel gefallen
und ich glaube er hat sich den Arm gebrochen...“ er stockte.
„O.K. ich mache mich auf den Weg, sag Tyler er soll tapfer sein....und Mark,
das kann passieren, er ist ein Kind!“ versuchte ich ihn zu beruhigen.
„Aber es ist passiert während ICH auf ihn aufgepaßt habe.“ sagte
er kleinlaut.
„Ich habe ihn auch nicht immer im Blick, das mußte irgendwann passieren.
Bis gleich!“
„Bis gleich, es tut mir leid Jo!“
„Hey, dir muß nichts leid tun, geh zu Tyler und halte Händchen!“
Ich legte auf und Susan sah mich fragend an.
„Tyler ist vom der Schaukel gefallen und hat sich wahrscheinlich den Arm gebrochen,
aber ich glaube Mark geht es schlechter wie Tyler!“ ich grinste sie an „Unsere
Shoppingtour ist wohl beendet, ich fahre nach Sligo!“
„Kein Problem, ich habe eh genug Geld auf den Kopf gehauen. Bestell Tyler und
Mark liebe Grüße!“
„Mach ich! Ich ruf dich an!“ damit stand ich auf und verließ das Restaurant.
Nach gut 2 ½ Stunden erreichte ich das Sligo General Hospital und betrat
die Anmeldung.
„Hallo, ich heiße Jordan McCourt, mein Sohn Tyler McCourt soll bei ihnen
in Behandlung sein.“
„Ja, Behandlungszimmer 5, aber er ist gleich fertig, sie können anklopfen
und rein gehen.“
„Danke!“
Ich ging zu Behandlungszimmer 5, klopfte an und trat ein. Ein leichenblasser
Mark, ein nervöser Oliver und ein tränenverschmierter Tyler sahen
mich an.
„Mummy!“ Tyler begann zu weinen.
Ich winkte Mark und Oliver kurz zu und ging gleich zu Tyler, dann betrat sein
behandelnder Arzt das Zimmer.
„Hallo Jo!“ begrüßte dieser mich.
„Mummy, Andrew ist hier und hat mir den Gips ran gemacht!“ erzählte mir
Tyler.
Ich drehte mich um und Andrew umarmte mich stürmisch.
„Andy! Wie geht es dir?“ fragte ich ihn perplex.
Ich hatte mit Andrew zusammen studiert und wir waren eine Weile miteinander
gegangen.
„Jo, mein kleiner Wirbelwind!“ er gab mir einen Kuss auf die Wange.
Tyler ließ ein lautes Schluchtzen hören, eindeutig um Aufmerksamkeit
zu gewinnen.
„Ist ja gut, mein Schatz!“ ich strich ihn über den Kopf und nahm ihn auf
den Schoß.
„Und Andy, was ist mit seinem Arm?!“
„Ein glatter Bruch, wir haben gegipst und ich denke in 4-6 Wochen ist wieder
alles gut!“ Andy grinste mich und Tyler an.
„Gut, dann können wir ja los!“ Oliver stand auf.
„Hey Jo, wie lange bist du noch in der Stadt?“
„Ich denke ich bleibe nur bis heute Abend!“
„Wie sieht es aus? Hast du noch deine alte Nummer?“ er nahm mich in den Arm
und wir verließen das Behandlungszimmer.
„Nein, warte ich gebe dir meine neue Nummer!“ ich kramte nach einem Zettel und
schreib meine Nummer auf.
„Bis bald hoffe ich!“ ich drückte ihm den Zettel in die Hand und gab ihm
einen Schmatzer.
„Sicher!“ er winkte uns zu und wir gingen nach draußen.
„Willst du mit Mummy oder mit Daddy fahren?“ ich beugte mich zu Tyler runter.
„Mit beiden!“ quengelte er.
„Das geht nicht, mein Schatz. Mummy hat doch ihr Auto auch hier!“ ich gab ihm
einen Kuß auf die Stirn.
„Kein Problem Jo, ich fahre deinen Wagen zu uns und du holst ihn heute Abend
ab.“ bat sich Oliver an.
„Danke Oliver, das ist lieb!“ ich ging zu Marks Wagen und schnallte Tyler an.
Auf dem Weg zu Marks Haus sprachen wir kaum mit einander und als wir ankamen
merkten wir das Tyler eingeschlafen war. Mark trug ihn in sein Bett und kam
dann zu mir in die Küche.
„Na, hast du den Schreck überwunden?“ ich sah ihn fragend an und schob
ihm eine Tasse Kaffee hin die ich zwischenzeitlich gemacht hatte.
„Hmmm!“ er nippte an seinem Kaffee.
„Was ist denn los?“
„Was soll los sein?“
„Du redest kaum mit mir.“
„Nichts!“
„Komm schon Mark, was ist los?“ ich setzte mich neben ihm.
„Woher kennst du diesen Dr. Shawn?“ er sah mich an.
„Ich habe mit ihm in Dublin studiert und wir sind eine Zeit lang miteinander
ausgegangen.“
„Und?“
„Und was?“
„Empfindest du noch was für ihn?“
„MARK!“ ich boxte ihm in die Seite „Bist du eifersüchtig?“
„Nein...“ er legte den Kopf schief und sah mich lange an „...doch!“
„Und was ist mit Kim?“
„Wir haben uns vor 4 Monaten getrennt.“
„Was? Warum denn?“
„Sie kam nicht damit klar, das ich so viel Zeit mit Tyler verbringe und das
ich mich so gut mit dir verstehe.“ er sah zu Boden.
„Das tut mir so leid Mark!“ ich nahm seine Hand.
„Mir nicht.“
„WAS?“ ich verstand die Welt nicht mehr.
„Weißt du es war gut für mich, ich konnte mich voll und ganz auf
Tyler konzentrieren und auf uns.“
„Auf uns?“
„Jo, ich habe nie aufgehört dich zu lieben, du warst damals weg und ich
konnte dich nicht finden, ich habe es erkannt als ich dich das erste Mal wieder
gesehen habe.“
„Mark....“
„Sag` mir nur eins: Liebst du mich?“
Ich wußte wie schwer es ihm fiel mich das zu fragen.
„Mark, ich sehe dich in jedem Moment den ich mit Tyler verbringe, wie könnte
ich dich nicht lieben?“
Er sah mich erst verständnislos und dann liebevoll an. Er nahm mein Gesicht
in seine Hände und küßte mich. In diesem Moment kam Tyler herein.
„Mummy? Daddy? Habt ihr euch wieder lieb und heiratet ihr?“ er sah zu mir und
dann zu Mark.
„Mit dem Heiraten warten wir noch eine Zeit, aber wir haben uns lieb!“
„Super, ich habe jetzt Hunger!“ Tyler setzte sich an den Tisch und sah uns an.
„Also das Taktgefühl hat er von dir!“ sagte ich zu Mark und wir beide lachten.
Nach all der Zeit hatten wir endlich wieder zueinander gefunden und Tyler bekam
eine richtige Familie. Für die anderen war es keine große Überraschung,
die meisten sagten sie hätten es kommen sehen.
Im Mai des nächsten Jahres heiraten Mark und ich in Dublin und im September
kam unser zweiter Sohn Noah zur Welt.
Ich bin Susan dankbar das sie mich und Mark indirekt wieder zusammen geführt
hat und deswegen wurde sie Taufpatin von Noah.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.....