
In der folgende Woche regelte ich alles mit meiner Arbeitsstelle. Mein Chef
stellte mich auf unbestimmte Zeit frei. Er meinte sobald es mir wieder besser
gehen würde, könne ich sofort wieder anfangen. Dann kündigte
ich meine Wohnung in Dublin, da ich in nächster Zeit nicht mehr alleine
wohnen könnte. Wir stellten die meisten meiner Sachen auf den Dachboden
und die kleinen Teile in mein altes Zimmer. Ich fing an fürs Krankenhaus
zu packen, da ich wußte das man beim ersten Chemoblock gute 4 bis 8 Wochen
nicht nach Hause durfte. Am Samstag Abend klopfte es an meiner Tür, ich
war gerade mit meiner Tasche beschäftigt.
„Ja?!“
„Ich bin es!“ Josh steckte seinen Kopf zur Tür herein.
„Hey!“ ich stapelte noch einige Sachen in die Tasche.
„Hast du Lust heute Abend mit mir und ein paar Freunden was Trinken zu gehen?“
er setzte sich auf mein Bett.
„Könnte das letzte Mal für eine ziemlich lange Zeit sein...“ ich schloß
die Tasche „....also warum nicht!“ ich grinste ihn an.
„Sag nicht so etwas!“ Josh sah mich traurig an.
„Es ist so...“ ich setzte mich zu ihm „....Mit wem gehen wir denn?“
„Mit ein paar alten Schulfreunden von mir, Mark, der vom Krankenhaus, Rowen,
Graham, Shane, seine Frau, Kian und seine Freundin.“
„Klingt nett! Wann soll es los gehen?“ ich freute mich auf den Abend, mit Graham
waren wir sowieso ständig unterwegs wenn wir bei unseren Eltern in Sligo
waren, die anderen kannte ich noch nicht, aber es würde bestimmt nett werden.
„In einer Stunde! Beeil dich, ich will nicht zu spät kommen!“ er lachte
mich an und ging zu Tür.
„Wohin gehen wir?“ ich suchte in meinem Kleiderschrank nach etwas brauchbarem.
„Ins Toffs in der Connor Street.“
„Super, da können wir ja zu Fuß hingehen!“ ich hibbelte nervös
durch mein Zimmer.
„Ganz ruhig Ash! Also in einer Stunde, Treffpunkt Tür, wenn du nicht da
bist gehe ich ohne Dich!“ er grinste mich noch einmal an und ging dann.
Ich entschied mich für eine dunkelblaue Jeans, ein weinrotes Top und eine
schwarze Strickjacke. Dazu kramte ich meine schwarzen Halbschuhe aus einer meiner
Kisten. Dann schminkte ich mich noch etwas und band dann meine langen Locken
zu einem Pferdeschwanz. Punkt 10 Uhr stand ich an der Tür und wartete auf
Josh.
„HEY „MR. SEI JA PÜNKTLICH!“ WO BLEIBST DU?“ rief ich durch den Flur.
„Bin schon da, dachte ja im Leben nicht das du pünktlich bist!“ er nahm
seine Jacke und gab mir meine. Dann harkten wir uns unter, verabschiedeten uns
von unseren Eltern und stiefelten durch den Schnee los. Nach 20 Minuten waren
wir am Club, wir gaben unsere Jacken ab und suchten die anderen. Graham hatte
uns erspäht und kam auf uns zu gestürmt.
„Ash Baby! Mein einzig wahre Liebe!“ er wirbelte mich durch die Luft.
„Gra, laß mich runter!“ er ließ mich runter und umarmte mich ganz
fest.
„Wie geht es dir?“ flüsterte er mir besorgt ins Ohr.
„Gut, mach dir keine Sorgen! Laß uns den Abend genießen, ja?!“ flüsterte
ich zurück.
„O.K. Baby! Hey Josh! Alles klar?“ Gra begrüßte Josh per Handschlag.
Dann führte er uns zum Tisch an dem die anderen saßen.
„Darf ich euch vorstellen?.....“ Gra deutete auf mich. „...Das ist Ash, die
Frau hat mir vor vielen Jahren das Herz gebrochen!“
„Hör auf mit dem Quatsch!“ ich drohte ihm mit der Faust.
„O.K. O.K. .... Das sind Kian, Jodie, Mark, Rowen, Kathy, Shane, Gill, Nicky
und Gina.“ zu jedem Namen zeigte er auf die jeweilige Person.
„Freut mich und das ist mein Bruder Josh, für alle die ihn noch nicht kennen!“
ich zog Josh hinter mir hervor, nicht das er dort gut versteckt gewesen wäre...
„Hi!“ kam es nun von allen Seiten.
Wir setzten uns und ich bekam meinen Platz zwischen Gra und Mark.
„Hey, geht es dir wieder besser?“ Mark schubste mich leicht von der Seite an.
„Danke, ja!“ ich grinste ihn an und bestellte bei der Bedienung ein Guiness.
Mark und ich unterhielten uns sehr gut und es wurde ein sehr lustiger Abend.
Gegen 4 Uhr wollte ich nach Hause und machte mich auf die Suche nach Josh. Ich
fand ihn draußen mit Kian und Shane. Alle drei waren sturzbetrunken und
hatten sich überhaupt nicht mehr unter Kontrolle. Ich holte die anderen
und sie verfrachteten Kian und Shane in die Autos. Mark bot mir an Josh mit
mir nach Hause zu bringen. Ich nahm das Angebot dankend an. Auf dem Weg nach
Hause übergab sich Josh mehr wie einmal und er landete auch mehr wie einmal
auf dem Bürgersteig. Nach gut 45 min. hatten Mark und ich, mit Josh im
Schlepptau endlich unser Haus erreicht. Wir schafften Josh in sein Bett.
„Puh, endlich geschafft!“ ich zog Josh die Schuhe aus.
„Ein ganz schöner Brocken!“ Mark und ich gingen lachend runter ins Wohnzimmer.
„Möchtest du noch etwas trinken? Kaffee oder Tee?“ bot ich Mark an als
wir durch die Küche gingen.
„Warum nicht! Ich gehe dann gleich zu Fuß nach Hause und gehe dann noch
eine Runde mit Snoopy.“ Mark legte seine Jacke auf die Couch.
„Eigentlich kann ich dich ja mit Hopkins begleiten, wenn du nichts dagegen hast.“
wie aufs Stichwort kam unser Beagle angelaufen.
„Gegen so eine charmante Begleitung habe ich natürlich nichts.“ Mark zwinkerte
mir zu.
Mark und ich tranken unseren Kaffee aus, ich nahm Hopkins an die Leine und wir
gingen zu seinem Haus und holten Snoopy ab. Wir gingen zu den Klippen und schauten
uns den Sonnenaufgang an. Es war ein atemberaubender Anblick und Mark nahm mich
wie selbstverständlich in den Arm.
„Es ist so wunderschön..“ flüsterte ich.
„Aber nur halb so schön wie du...“ flüsterte Mark in mein Ohr.
Ein Schauer lief mir über den Rücken.
„Das ist lieb, Mark. Aber spare deine Gefühle für jemand anderes.“
„Warum denn?“ er sah mich unschuldig an.
„Weil es nicht gut ist Gefühle in eine Todgeweihte zu investieren.“ erwiderte
ich etwas gereizt und rutschte von ihm weg.
„Wie bitte?“ Mark sah mich verständnislos an.
„Mark, es tut mir leid! Aber es ist so. Ich habe eine äußerst aggressive
Form der Leukämie. Ich fange in 3 Tagen mit meiner Chemotherapie an.“
„Ich verstehe nicht!“ Mark war den Tränen nahe.
„Mark ich hatte mit 9 Jahren schon einmal Leukämie, damals habe ich sie
mit Chemotherapie besiegt, jetzt ist das eingetreten womit ich immer rechnen
mußte. Ich habe einen Rückfall und dieses Mal kann mir nur eine Knochenmarktransplantation
helfen....“ ich gab ihm einen Kuß auf die Wange „...es tut mir leid, ich
gehe jetzt besser!“
Ich machte Hopkins wieder an seiner Leine fest und ging nach Hause. Ich ließ
Mark einfach so sitzen. Es tat mir unendlich leid, weil ich Mark mehr als nur
nett fand aber ich mußte mich jetzt auf mich konzentrieren. Als ich zu
Hause ankam waren meine Eltern gerade aufgestanden, ich redete kurz mit ihnen
und ging dann zu Bett.
Dann war auch schon Dienstag, wie besprochen fuhr ich morgens um 08:30 Uhr
hin. Ich wollte alleine fahren, ich wollte diesen Weg alleine gehen. Ich atmete
noch einmal tief durch bevor ich das Krankenhaus betrat und zur Station ging.
Ich bekam ein Einzelzimmer und richtete mich erst einmal ein. Gegen Mittag wurden
dann einige Tests gemacht und um 14 Uhr bekam ich meine erste Bestrahlung. Ich
lag auf meinem Bett und sah den Schneeflocken draußen zu als es klopfte.
„Hey, kann ich rein kommen?!“ Graham steckte seinen Kopf herein.
„Klar.“ ich setzte mich auf.
„Wie geht’s dir?“ Gra nahm meine Hand.
„Gut. Die erste bis dritte Bestrahlung sind nicht so schlimm, ab der vierten
wird es schlimm. Dann kannst du mich auch nicht mehr besuchen. Dann darf für
drei Wochen keiner ohne Schutzausrüstung in mein Zimmer. Ich bin dann radioaktiv,
aber ich leuchte nicht im dunklen!“ ich versuchte Gra anzugrinsen.
„Das ist nicht lustig!“ er nahm mich in den Arm „Du mußt das schaffen!“
„Ich gebe mir Mühe!“
Nach einer Weile ließ mich Gra wieder los und sah mich lange an.
„Sag mal was hast du eigentlich mit Mark gemacht?“ Gra sah mir direkt in die
Augen und ich schaute weg.
„Nichts...“ erwiderte ich.
„Ich glaube aber doch, der Arme war ganz schön durch den Wind. Ich habe
mit ihm geredet. Der ist ganz schön verknallt in dich und du hast in eiskalt
abblitzen lassen.“ Gra sah mich vorwurfsvoll an.
„Es ist besser so, er soll sich auf seine Karriere konzentrieren und ich muß
mich auf mich konzentrieren, da ist kein Platz für Gefühle.“ ich sah
wieder aus dem Fenster.
„Was hat denn Westlife damit zu tun?“ Gra stand auf und ging ums Bett herum
so das ich ihn ansehen mußte.
„Ich möchte das er sich auf seine Musik konzentriert.“
„Magst du ihn denn gar nicht?“ Gra ließ nicht locker.
„Doch, verdammt noch mal das ist ja mein Problem.“ antwortete ich gereizt.
„Ach so!“ Gra setzte sich wieder aufs Bett. Er nahm mich in den Arm und ich
genoß es einfach.
Die folgenden drei Wochen waren die Hölle. Ich spuckte mir die Seele aus
dem Leib und litt unter ständigen Kopfschmerzen, meine Haare fingen an
auszufallen, meine Schleimhäute waren entzündet, so das ich kaum etwas
Essen und Trinken konnte. Meine Familie und Gra besuchten mich fast jeden Tag,
auch wenn wir nur durch eine Glasscheide miteinander reden konnten. Dann ging
es langsam bergauf, ich hatte meinen ersten Chemoblock geschafft. Ich konnte
endlich wieder auf eine Normalstation. Eines Tages kam Gra nachmittags und brachte
mir ein Video mit.
„Hey Ash! Wie geht’s?“ er holte sich einen Stuhl und setzte sich.
„Ganz gut! Was hast du da?“ ich deutete auf die Kassette.
„Überraschung!“
Er legte sie ein und auf dem Bildschirm erschien Mark mit den anderen Jungs
von Westlife. Es war ein vor kurzem aufgezeichnetes Interview. Darin starten
sie einen Aufruf zur Knochenmarkspende, alle zeigten Stolz ihren Spendeausweis
und mir traten Tränen in die Augen.
„Das ist so lieb von ihnen!“ ich wischte mir eine Träne weg.
„Es war Marks Idee und weil ich wußte das du sie ganz toll findest und
dich bestimmt bei ihm persönlich bedanken willst habe ich ihn gleich mit
gebracht!“ er stand auf und ging zu Tür.
„WAS?“ japste ich. Gra nickte und ich zupfte mein Kopftuch zurecht, die Haare
waren nun endgültig ausgefallen und mit dem Tuch fühlte ich mich nicht
mehr so „nackt“ auf dem Kopf.
Mark kam langsam ins Zimmer und lächelte mich schüchtern an.
„Hallo!“ sagte er leise und trat ans Bett.
„Hallo!“ erwiderte ich und sah zu Boden.
„So ich laß euch dann mal kurz alleine, ich muß noch was erledigen.“
damit verschwand Gra.
„Danke!“ sagte ich leise und sah Mark an.
„Gern geschehen!“ Mark nahm meine Hand.
„Wie geht es dir?“ ich streichelte über Mark`s Handrücken.
„Ganz gut soweit, in ein, zwei Tagen kann ich für drei Wochen nach Hause.
Dann geht es wieder von vorne los.“
„Du schaffst das schon!“ er grinste mich an.
„Na, wenn du das sagst...“ ich lächelte ihn an.
„Darfst du eigentlich raus gehen?“
„Ab morgen. Wieso?“
„Überraschung!“ er zog eine Augenbraue hoch.
„Na, da bin ja gespannt!“ ich massierte meine Schläfen.
„Bist du müde?“ Mark sah mich mitfühlend an.
„Hmmm!“ ich schloß die Augen.
„Gut, dann sehen wir uns!“ er stand auf und küßte mich auf die Stirn.
Kurze Zeit nachdem er das Zimmer verlassen hatten schlief ich ein. Am nächsten
Morgen holten mich meine Eltern und Josh ab und wir fuhren nach Hause. Meine
Eltern richteten mir im Wohnzimmer ein Lager her, von dem ich alles im Blick
hatte. Ich wartete den ganzen Tag darauf, das Mark mit seiner Überraschung
kommen würde, aber er kam nicht. Josh meinte ich sollte nicht so ungeduldig
sein.
Ich schlief am Abend total erschöpft ein und meine Mum meinte ich solle
ruhig im Wohnzimmer schlafen. Mitten in der Nacht wurde ich durch ein Geräusch
geweckt, Mark stand kurz vor der Couch und sah mich an.
„Hey Kleine! Auf geht’s!“ er hielt mir sein Hand hin.
„Jetzt?“ ich sah ihn fragend an.
„Ja!“ er reichte mir eine Jacke und verband mir die Augen, dann führte
er mich zu seinem Auto und wir fuhren ein Stück. Dann half er mir beim
aussteigen.
„Mark? Was hast du vor?“ ich platze beinahe vor Neugier.
„Warts ab!“ lachte er und zog mich weiter.
Dann blieb er stehen.
„Bereit?“ hauchte er mir ins Ohr und mir lief ein Schauer über den Rücken.
„Ja.“ flüsterte ich.
Er nahm mir die Augenbinde ab und mir blieb der Atem weg. Wir standen an den
Klippen und die Sonne begann gerade aufzugehen. Es war ein wunderschöner
Anblick und Mark zog mich in seine Arme.
„So hat alles angefangen!“ meinte er und küßte mich.
„Ja.“ hauchte ich.
Er küßte mich zärtlich.
Wir verbrachten meine Bestrahlungsfreien Tage damit uns Filme anzuschauen und
redeten über Gott und die Welt. Nach der dritten Bestrahlung tauchten Fotos
von uns in der Presse auf und BMG gab eine Öffentliche Stellungnahme heraus.
Die Fans reagierten super und bekam viele Genesungswünsche.
Doch der gewünschte Erfolg blieb aus...Ein knappes Jahr später verlor
ich den Kampf gegen den Krebs. Aber ich war dankbar das ich Mark kennen lernen
durfte und das er an meiner Seite war.