Völlig in Gedanken versunken saß Bryan in einem Hotelzimmer, fern
ab von der Heimat. Sein Blick richtete sich aus dem Fenster und mit Sehnsucht
beobachtete er die Menschen, die ganz frei und ungebunden auf den Straßen
liefen. Die einen waren einfach auf dem Weg zur Arbeit, die anderen wollten
ihre Freizeit genießen, zusammen mit ihren Kindern. Bryan bemerkte das
Klopfen an seiner Tür gar nicht, weshalb er umso erschrockener reagierte,
als plötzlich Nicky hinter ihm stand.
"Hey, McFadden. Alles klar? Eigentlich sind wir nicht hier, um uns auf unseren
Zimmern auszuruhen; das ist dir aber schon klar, oder?" Nicky war sich in diesem
Moment sicherlich nicht bewusst darüber, was seine Äußerung
bei Bryan verursachte, denn auch wenn er einer seiner besten Freunde war, blieb
es ihm dennoch vorenthalten, in Bryans Seele sehen zu können. "Kannst du
mich nicht mal in Ruhe lassen, Nicky? Wir haben den ganzen Vormittag mit irgendwelchen
sinnlosen Fotoshootings und Interviews verbracht. Kann ich nicht wenigstens
mal ein paar Stunden alleine sein?" Nicky war erstaunt und sah Bryan an. Einen
Moment lang wusste er nicht, was er sagen sollte, doch dann fand er seine Sprache
recht schnell wieder. "Hör mal zu, Bry. Ich verstehe ja, dass du ein bisschen
Zeit für dich haben möchtest, aber wir sind hier um unseren Job zu
erledigen, auch wenn es uns manchmal nicht passt. Und jetzt reiß dich
gefälligst ein bisschen zusammen. Die anderen sitzen schon unten in der
Lobby und warten auf dich. Louis ist auch nicht grad erfreut darüber, dass
du deinen Job gerade irgendwie zu vernachlässigen scheinst. Wir üben
diesen Beruf aus, weil wir dafür bezahlt werden und das nicht schlecht,
und weil er uns Spaß macht. Also mach dich fertig und komm dann runter.
Louis gibt dir noch zehn Minuten." Nicky wartete, bis Bryan genickt hatte und
verließ dann seine Zimmer. Bryan sah noch mal kurz aus dem Fenster, bevor
er ins Badezimmer ging und sich kaltes Wasser ins Gesicht warf. Was war nur
mit ihm los? So kannte er sich gar nicht. Er wusste nur eins: es hatte sich
etwas verändert, doch was wusste er in diesem Moment auch noch nicht so
genau. Nachdem er sich schnell seine Jeansjacke übergezogen hatte, nahm
er seinen Zimmerschlüssel und ging hinaus. Ihm war nicht danach, sich lästigen
Reportern zu stellen und viel zu private Fragen zu beantworten. Auch auf die
anderen Jungs wollte er nicht treffen, doch es ließ sich nicht vermeiden.
Als er die Lobby betrat, hafteten alle Blicke auf ihm. Louis’ Blick hatte etwas
vorwurfsvolles und die der anderen waren eher besorgt. "Da bist du ja endlich",
sagte Louis und zeigte auf ein Sofa, auf das sich Bryan setzte. "Du kannst froh
sein, dass sich die Reporter auch ein bisschen verspäten, sonst hättest
du jetzt ganz schön blöd dagestanden." Bryan reagierte nicht auf Louis’
Kommentar. Dafür hatte er nun wirklich keinen Nerv. Er wollte weg, ganz
weit weg, am besten zu seiner Kerry und seinen beiden Mäusen, Molly und
Lilly. Ohne Vorwarnung stand er auf und lief aus dem Hotel. Mehr als nachgucken
konnten ihm die Jungs auch nicht mehr, denn er war recht schnell außer
Sichtweite und auch wenn Nicky ihm noch nachrennen wollte, wurde er von Louis
zurückgehalten.
"Was ist nur in ihn gefahren?", meckerte dieser und richtete sich damit an seine
Schützlinge. "Ich weiß es auch nicht", antwortete Kian. "Mein Gott,
ihm geht es nun mal nicht gut. Als wenn euch das nicht auch mal passieren würde.
Lasst ihn einfach in Ruhe. Jeder will momentan was von ihm und damit wird er
nicht fertig", gab Nicky schon fast verärgert dazu. "Weißt du etwa,
was mit ihm los ist?" "Nein, aber ich hab eine Vermutung, Louis, aber wenn du
jetzt glaubst, dass ich dir diese sage, hast du dich getäuscht." Damit
verabschiedete sich auch Nicky auf sein Zimmer. Shane, Mark und Kian sahen sich
ratlos an und schauten dann zu Louis, der mit wutrotem Kopf vor ihnen stand.
"Ich werde dieses Interview absagen, bis ihr euch alle wieder beruhigt habt.
Das darf doch wohl nicht wahr sein. Falls der werte Mr. McFadden heute noch
mal hier auftauchen sollte, sagt ihm, dass er morgen pünktlich um acht
Uhr auf der Matte steht und einen Auftritt mit euch absolvieren wird." Er schnappte
sich sein Handy vom Tisch und lief in Richtung Aufzug. "Sind die alle total
durchgeknallt?", fragte Shane kopfschüttelnd und erntete von den Jungs
nur unwissendes Schulterzucken. Dann gingen alle auf ihre Zimmer, denn keine
wusste mehr etwas zu sagen.
Bryan kam durchnässt zurück ins Hotel. Mitten in seinem "Spaziergang"
hatte es begonnen, wie aus Eimern zu gießen, doch das störte ihn
herzlichst wenig. Auf dem Gang, der zu seinem Zimmer führte, hoffte er
inständig, keinen der Jungs zu sehen. Er wollte in Ruhe gelassen werden.
Verstand das denn keiner? Er schloss die Tür seines Zimmers auf und ließ
mit den Sachen Klamotten aufs Bett fallen. Am liebsten wäre er einfach
nach Hause geflogen. Aus einem plötzlichen Reflex griff er neben sich zu
seinem Handy. Er wählte Kerrys Nummer und wartete, bis ihre zarte Stimme
am anderen Ende der Leitung erklang. Unwillkürlich musste er grinsen, vermutlich
zum ersten mal an diesem Tage. "Hallo Schatz. Ich bin’s." "Bryan. Schön,
das du dich meldest. Und, wie läuft die Arbeit? Habt ihr schon genug Termine
gehabt? So wie ich Louis kenne, hat er euren ganzen Tag verplant." Sie lachte.
"Ja, leider." "Du klingst so niedergeschlagen. Stimmt was nicht?" "Nein, Babe.
Alles ok?" Bryan klang nicht sehr überzeugend, weshalb Kerry noch einmal
nachhakte. "Wirklich?" "Ja, wirklich." Sie hatte ja keine Ahnung, wie sehr ihr
Ehemann in diesem Moment log. "Was macht ihr?", fragte er, während er an
die Zimmerdecke starrte. "Ich sitze mit Molly und Lilly im Wohnzimmer und trinke
Tee. Du hast uns gerade beim spielen unterbrochen. Lilly hat nämlich einen
riesigen Turm gebaut und Molly hat ihr dabei geholfen. Du müsstest sie
sehen, Bryan." "Wie gerne würde ich das tun. Kannst du Molly mal ans Telefon
holen?" "Sicher, warte kurz." Bryan hörte, wie Kerry den Namen seiner ältesten
Tochter rief und sie daraufhin freudig lachte. Dann hörte auch schon ihre
niedliche Piepsstimme durch den Hörer schallen. "Daddy. Hallo Daddy!" "Hallo
mein Mäuschen. Na, geht’s dir gut? Ich hab gehört, ihr spielt was
schönes mit Mummy." "Ja, wir bauen Türme und trinken Tee und essen
Kekse. Ich hab mit Lilly einen ganz großen Turm gebaut. Wenn du wieder
kommst, guckst du ihn dir an, ja? Oh nein, Lilly hat ihn gerade umgeworfen."
Bryan hörte Molly fluchen und schimpfen, was ihm augenblicklich die Tränen
in die Augen trieb. "Bryan, bist du noch dran?" Kerry hatte den Hörer wieder
in die hand genommen. "Ja. Ich vermisse euch. Kerry, ich liebe dich und unsere
beiden Mädchen auch. Gib ihnen einen dicken Kuss von ihrem Daddy. Bye."
Er donnerte sein Handy in die Ecke und brach in Tränen aus. Das war es,
was ihm zu schaffen machte - die Sehnsucht nach seiner Familie. Er hätte
alles dafür gegeben, jetzt mit seinen Töchtern spielen zu können.
Bryan schreckte auf, als es an seiner Tür klopfte. Eilig wischte er sich
die Augen trocken und sagte herein. Shane kam ins Zimmer, gemeinsam mit Nicky,
und beide waren erschrocken, Bryan in einem solchen Zustand vorzufinden. Sie
mussten ihn gar nicht fragen, um zu wissen, dass er geweint hatte.
"Was ist denn los Bryan?", fragte Shane, setzte sich zu Bryan ans Bett und legte
ihm einen Arm um die Schulter. "Nichts, was soll los sein. Mir geht’s bestens."
"Ja, das sehe ich. Wenn es dir nicht gut geht oder dich irgendwas belastet,
kannst du es uns sagen. Wir sind deine besten Freunde. Du kannst uns vertrauen."
"Das weiß ich." Er drehte sich so, dass er auch Nicky ansehen konnte und
öffnete seinen Mund. "Mir geht’s momentan wirklich einfach scheiße.
Ich vermisse Kerry, Molly und Lilly so sehr. Eben habe ich mit ihnen telefoniert
und Molly hat mir erzählt, sie hätte mit Lilly einen Turm gebaut,
den ich mir unbedingt angucken soll, wenn ich wieder zuhause bin, doch dann
hat Lilly den Turm umgeschmissen und Molly war ganz enttäuscht. Wäre
ich zu diesem Zeitpunkt zuhause gewesen, hätte ich den Turm gesehen und
ihn vielleicht sogar mit ihnen gebaut. Aber nein, anstatt zuhause zu sein, sitze
ich in einem Hotelzimmer, Kilometer von Dublin entfernt. Die beiden haben überhaupt
nichts von ihrem Vater. Molly wird drei und ich habe die Hälfte ihres bisherigen
Lebens nicht mitgekriegt. Sie hatte nie wirklich einen Vater und Lilly geht
es auch so. Ich bin ein verdammt schlechter Vater." Wieder hatte er Mühe
seine Emotionen im Zaum zu halten, doch am Ende gab er den Tränen nach.
Shane nahm ihn in den Arm und drückte Bryan fest an sich. Er war mit dieser
Situation fast ein wenig überfordert, denn so er hatte Bryan in all den
Jahren noch nie gesehen, selbst nicht, als seine Ehe mit Kerry auf der Kippe
stand. "Beruhig dich, Bry. Du bist kein schlechter Vater, hast du gehört?
Molly und Lilly könnten keinen besseren Daddy als dich haben." "Doch. Sie
könnten einen Vater haben, der sich immer um sie kümmert und nicht
erst vorher auf seinen Terminplan gucken muss." Nicky beobachtete diese Szene
ziemlich hilflos. Er hatte schon eine ganze Zeit gemerkt, dass Bryan auf Dauer
nicht mit der räumlichen Trennung von seiner Familie zurechtkommen würde,
auch wenn er das bis jetzt immer gut verstecken konnte. Schon nach Mollys Geburt
hatte er sich verändert und seitdem Lilly auf der Welt war, erwischte Nicky
seinen besten Freund schon des öfteren mal, dass er mit seinen Gedanken
überhaupt nicht bei der Band war, sondern ganz woanders. "Geht’s wieder?",
fragte Shane nach ein paar Minuten. Bryan nickte und wischte sich die Augen
trocken. Auch wenn er unendlich dankbar dafür war, dass er in solchen Momenten
nicht alleine gelassen wurde, hatte er dennoch das Bedürfnis, alleine zu
sein. "Würde es euch etwas ausmachen, zu gehen. Ich bin ziemlich k.o. und
bräuchte eine Mütze Schlaf." "Sicher." Shane erhob sich von dem Bett
und ging zusammen mit Nicky zur Tür. Beide mussten gar nichts sagen, denn
die Gestik von Bryan machte ihnen unverkennbar klar, was er gerade dachte und
auch wenn sie es nicht wagten, daran zu denken, so wussten sie auch, dass er
bereits eine Entscheidung getroffen hatte.
"Man, Bryan muss es verdammt schlecht gehen, wenn er sogar weint wie ein Baby", sagte Mark, nachdem Nicky und Shane ihn und Kian zu sich ins Zimmer gerufen hatten. Auch Louis war, um auch ihm die Situation, die momentan alles andere als angenehm und wünschenswert war, deutlich zu machen. "Ja, er ist einfach in Tränen ausgebrochen. Es war erschreckend ihn so zu sehen. Sonst will er immer so stark sein und wirkt fast unnahbar, doch das war nur eine Mauer die er vor sich aufgebaut hat", sagte Nicky und lehnte sich an die Wand. "War wirklich nur das Telefongespräch mit Kerry der Auslöser, oder gab es noch irgendeinen anderen Grund?2, wollte Kian wissen, der dem ganzen noch nicht so recht glauben schenken konnte. "Ich weiß es nicht. Vermutlich sind viele Faktoren aufeinander getroffen, die das fass zum überlaufen brachten. Bryan muss vorher schon viele Dinge in sich hinein gefressen haben und jetzt kam nun mal alles zusammen. Uns hat er gesagt, er hätte Sehnsucht nach Kerry, Molly und Lilly. Dann hat er sich Vorwürfe gemacht, ein schlechter Vater zu sein", antwortete Shane und drückte die Stimmung der Jungs noch einmal um einiges. Alle konnten diese Situation richtig deuten und wussten, was auf sie zukommen würde, doch aussprechen wollte es keiner, selbst Louis nicht, der an dem Gespräch zwar teilnahm, aber kaum etwas dazu beitrug. Die Jungs saßen gerade da und schwiegen sich an, als es an der Tür klopfte und Bryan ins Zimmer kam. Noch immer waren seine Augen rot und aufgequollen und seine ganze Erscheinung war jämmerlich. Aus dem ehemaligen Spaßvogel der Band war ein kleines Häufchen Elend geworden. "Hey, Bry", begrüßte ihn Mark, doch außer einem Ansatz von einem lächeln verzog Bryan keine Miene. "Ich muss mit euch reden", sagte er tonlos und sah in die Gesichter seiner besten Freunde. Er setzte sich neben Kian aufs Sofa und blickte mit einem Blick, wie ihn die anderen noch nie zuvor gesehen hatten, zu ihnen. "Nicky und Shane werde euch sicherlich schon gesagt haben, was vorhin mit mir los war und es tut mir auch leid, dass ich mich verdammt noch mal nicht im Griff hatte, aber ihr wisst gar nicht, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Das Gespräch mit Kerry hat mich unheimlich runtergezogen und als ich dann auch noch Molly Stimme gehört habe, dachte ich, mein Herz würde zerrissen werden. Mir ist klar geworden, dass ich meine Familie brauche und das sie mich genauso brauche. Ich kann so nicht mehr weitermachen; diesen ständige hin und her pendeln zwischen Beruf und Privatleben. Es macht mich innerlich kaputt. Glaubt mir, ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht, aber ich denke schon seit gewisser Zeit darüber nach. Etliche Nächte gingen dabei drauf, in denen ich einfach keinen Schlaf gefunden habe und hier hat es seinen Höhepunkt erreicht. Bitte denkt nicht, dass wäre eine Entscheidung aus einer Laune heraus, denn das ist es ganz bestimmt nicht. Ich habe mir das verdammt noch mal nicht leicht gemacht, aber ich werde die Band verlassen. Genau jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören. Genau jetzt" In Bryans Augen hatten sich Tränen gesammelt und sein Körper zitterte. Er wagte es kaum die anderen anzusehen, die ihn allesamt anstarrten, auch wenn sie insgeheim schon wussten, das Bryan diese Entscheidung getroffen hatte. Louis war der erste, der seine Sprache wiederfand. Er ging zu Bryan hinüber und setzte sich auf die Lehne des Sofas. "Hast du dir das auch gründlich überlegt? Du weißt, dass das eine große Veränderung für uns alle bringen wird und du damit viele Menschen unglücklich machst. Ich will nicht, dass du deine Wörter später bereust." "Ich bin mir sicher, ganz sicher."
Nur drei Tage später fand in Dublin eine unverhoffte Pressekonferenz statt, zu der hunderte von Journalisten kamen, zum einen aus der Neugier, was geschehen würde, zum anderen, weil sie alle eine gute Story haben wollten. Nicky, Mark, Shane und Kian saßen abgeschirmt in einem kleinen Nebenzimmer. Keiner von den vieren war in der Lage, etwas zu sagen, denn mit dieser Konferenz würde sich ihr ganzes Leben und ihre Zukunft verändern und danach wäre nichts mehr wie es einmal war. Ein erschreckender Gedanke, vor dem sie sich alle fürchteten, und dennoch akzeptierten sie Bryans Entscheidung und verstanden ihn. Er hatte eine Familie und zwei kleine Kinder, die die Zuwendung ihres Vaters brauchten. Jeder hatte diese Nachricht anders verarbeitet. Shane hat sich zwei Tage in Sligo abgelenkt, Mark und Kian hatten zusammen gesessen und über alte Zeiten geredet, die alle durchweg wunderschön und eine große Erfahrung für alle Beteiligten waren. Sie konnten nicht leugnen, dass einige Tränen geflossen sind, denn gerade die beiden waren momentan emotional sehr aufgewühlt. Sie waren dir Nesthäkchen der Band und hatten den Weggang von Bryan noch nicht realisiert. Nicky hatte das ganze scheinbar am besten verkraftet - aber nur scheinbar, denn in der Nacht vor Pressekonferenz wachte er plötzlich auf, in Tränen aufgelöst. Es war ein großer Einschnitt in ihrem Leben, vom dem sie nicht erwartet hatten, dass er so bald kommen würde. Alle wurden aus ihren Gedanken geholt, als Louis ins Zimmer kam und ihnen mitteilte, dass Bryan da war und sie sich bereit machen sollten. Tatsächlich stand Bryan nur Sekunden später im Raum und bevor sie nach draußen gingen, bildeten sie noch ein letztes Mal den Westlife - Zirkel. Als sie ihre Hände aufeinander legten und sich ansahen, konnte kaum noch einer die Tränen zurückhalten, doch sie mussten stark bleiben, zumindest jetzt noch. Geschlossen traten sie vor die Presse. Ohne das auch nur ein Reporter eine Frage gestellt hatte, nahm Bryan das Mikrofon in die Hand und ergriff das Wort. "Natürlich fragt sich jeder, weshalb wir hier sitzen und diese Pressekonferenz einberufen haben, doch es gibt etwas, dass wir der Welt mitteilen wollen." Shane öffnete den Mund, um etwas zu sagen. "Bryan ist ab heute kein Mitglied von Westlife mehr. Er hat sich dazu entschlossen, die Band zu verlassen." Ein lautes und ungläubiges raunen ging durch den Saal und alle Augen richteten sich auf Bryan, sodass keiner merkte, wie Nicky und auch Kian mit ihren Emotionen zu kämpfen hatten. Die Reporter überhäuften Bryan förmlich mit Fragen doch er wusste, dass es so kommen würde und stellte sich ihnen tapfer. "Zuerst möchte ich sagen, dass das alles nichts mit den Jungs zu tun hat. Sie sind meine vier besten Freunde auf der Welt und sie werden auch meine besten Freunde bleiben. Ich habe einfach nur gemerkt, dass ich weder der Band noch meiner Familie hundert Prozent geben konnte, die aber benötigt wurden. Seit der Geburt von meiner Tochter Lilly habe ich mich immer weiter von der band entfernt und das war den Jungs gegenüber unfair. Ich weiß, dass sie mich verstehen und hinter mir stehen. Dafür bin ich ihnen unglaublich dankbar. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, weil ich die Jungs vermissen werde. Sie reisen um die ganze Welt und ich werde sie einfach nur vermissen. Trotzdem werde ich die unglaublichen sechs Jahre, die wir zusammen hatten, niemals vergessen, denn ich kann ohne zu lügen behaupten, dass es die schönsten Jahre meines Lebens waren." Kurze Zeit war es still, doch dann wollten alle wissen, wie es mit der band weiterging, denn die Schlussfolgerung nach Bryans Ausstieg war fast selbstverständlich, dass auch die restlichen Jungs auseinander gehen würden. "Ich muss es gar nicht aussprechen, denn jeder weiß, dass die Band nie mehr das sein wird, was sie einmal war, doch wir verstehen Bryan und akzeptieren das, was er tut. Wie er schon gesagt hat, fiel ihm das alles nicht leicht, doch das war vermutlich der beste Zeitpunkt zum gehen. Bekanntlich soll man ja gehen, wenn es am schönsten ist, aber nur weil Bryan geht, heißt das nicht, dass sich die band automatisch trennt. Klar hat jeder bei den Spice Girls und bei Take That gesehen, dass es nicht funktioniert hat, doch wir sind hier, weil wir sagen möchten, dass wir bleiben wollen, denn wir sind immer noch eine Band und glücklicherweise liegt diese Entscheidung auch nicht bei uns, sondern bei den Fans. Wir hoffen, dass sie uns weiterhin unterstützen, denn wir brauchen sie jetzt mehr, als jemals zuvor. Vergesst die Nummer eins Hits und die Erfolge; wir brauchen euch jetzt, in diesem Moment." Nicky nickte einmal kurz und übergab das Wort an Kian, der einen Zettel hervorholte und Bryan und die anderen Jungs bat, aufzustehen. "Wir haben eine kleine Dankesrede für dich vorbereitet Bryan und nimm es mir bitte nicht übel, dass ich sie ablese, aber mein Kopf ist gerade vollkommen leer. Gut. Wir, dass heißt, Nicky, Shane, Mark und ich wollen dir für die all die gemeinsamen Tage danken, in denen wir alles geteilt haben: Wir haben zusammen gelacht und zusammen geweint, die Erfolge, Auszeichnungen, die Hochzeiten und die Geburten der Kinder zusammen erlebt wofür wir mehr als dankbar sein können. Ich erinnere mich nur zu gut daran, als wir erfahren haben, dass "Swear it again" auf Platz eins der UK - Charts ging. Du hast vor Freunde geschrieen und dann sind wir alle in Tränen ausgebrochen. Es war der Anfang und ich habe immer noch nichtrealisiert, dass das alles zum Teil zuende ist. Bryan, du hinterlässt eine riesengroße Lüche in der Band, die niemals jemand füllen kann...entschuldigt bitte..." Kian hatte Mühe, seine Tränen zurückzuhalten und schluckte immer wieder heftig. "Wie gesagt, du hinterlässt eine riesige Lücke, aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch in unseren Herzen. Ein letztes Mal, Bryan: Wir lieben dich aus tiefstem Herzen." Kian ließ das Blatt fallen und stürzte sich in Bryans Arme. Lange umarmten sich die beiden und Kian machte keinen Hehl aus seinen Tränen. Nachdem er sich von Bryan gelöst hatte, schenkten sich Mark und Bryan einige innige Umarmung und auch Mark zeigte Emotionen. Shane umarmte erst Bryan und dann versuchte er Kian zu trösten, der mit dem Rücken zu den Kameras stand und bitterlich weinte. Als auch Nicky sich von Bryan verabschiedet hatte, war es offiziell. Westlife so, wie sie einmal waren, gab es nicht mehr und würde es auch nie mehr geben. Es waren noch nicht mal sechzig Minuten vergangen, als sich die Jungs wieder den Kameras zeigten - ohne Bryan. Das erste Foto, auf dem sie offiziell zu viert zu sehen waren, war im Kasten. Es würde noch einige Zeit dauern, bis sie es selber und auch die Fans verstanden, doch der Moment würde kommen, irgendwann, auch wenn jetzt noch nicht daran zu denken war. Doch sie würden weitermachen und nicht einfach das aufgeben, was sie sich so mühevoll aufgebaut hatten - mit Bryan. Genauso geschlossen, wie sie gekommen waren, gingen sie auch wieder - nur ohne einen, Bryan.
**End**
In dem Sinne möchte ich noch sagen: An alle Westlife - Fans, Kopf hoch.
Die Zeit heilt alle Wunden. Wir dürfen uns jetzt nicht gehen lassen. Die
Jungs brauchen uns mehr denn je und wir müssen ihnen all unsere Liebe geben,
auch wenn das Loch, dass Bryan hinterlassen hat, noch einige zeit braucht, um
wieder verschlossen zu werden.