Es war schon über 1 Jahr her, seit dem Gillian bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Ich hatte mein Leben gerade wieder in den Griff bekommen. Ich begann wieder nach vorne zu sehen, ich begann ein neues Leben, ohne die Frau die ich unendlich liebte und die zu diesem Zeitpunkt im 7. Monat schwanger war. Ich vermisste sie, aber ich fand mich damit ab das sie tot war. Ich wollte ein neues Leben anfangen, doch meine Pläne verliefen nicht so wie ich mir das vorstellte und wünschte. Es war der 15.08.2006 ein Samstag, unser Hochzeitstag, der Tag an dem sich alles wieder änderte.

Ich lief, wie jeden Morgen, zu meinem Briefkasten um die Post zu holen. Es waren 3 Briefe gekommen, eine Telefonrechnung, einer von meiner Schwester, die mir seit sie mit ihrem Mann und ihren 2 Kindern nach Killarney gezogen war, sehr oft schrieb und ein Brief ohne Absender, aber die Schrift mit der meine Adresse geschrieben wurde kam mir sehr bekannt vor. Ich lief wieder zurück in mein Haus und setzte mich an meinen Küchentisch auf dem schon mein Kaffee darauf wartete getrunken zu werden. Ich nahm einen großen Schluck während ich den Brief meiner Schwester öffnete. Sie schrieb wie immer das es ihr sehr gut ginge und was sie sonst noch so alles erlebte und wie es mit ihrem Job lief. Ich war seit Gillians Tod, sozusagen Arbeitslos. Ich hatte Westlife verlassen, weil ich anfangs mit ihrem Tod nicht klar kam. Ich hatte aber immer noch sehr guten Kontakt mit den anderen 4. Sie waren meine besten Freunde, sie halfen mir mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Wir trafen uns jeden Samstag in unserem Stamm Pub in Sligo. Mit Kian und Mark war ich auch so sehr oft unterwegs, sie wohnten ja beide nicht weit von mir entfernt.

Als nächstes nahm ich den Brief ohne Absender in die Hand, Telefonrechnungen öffnete ich immer zum Schluss, so auch an diesem Tag. Ich nahm noch mal einen großen Schluck Kaffee bevor ich den sorgfältig zusammengelegten Brief herausnahm und auseinander faltete.

Es war ein sehr kurzer Brief und er war mit dem Computer geschrieben was mich sehr wunderte. Die Schrift war leicht verwischt, es sah aus als ob Tränen darüber geflossen wären.

Lieber Shane!!

Ich weiß das ihr alle denkt ich seit Tod, aber ich lebe. Ich erkläre dir alles, wenn die Zeit Reif dafür ist. Im Moment geht es nicht, ich wollte dir nur mitteilen das ich noch am Leben bin. Ich hielt es nicht mehr aus, ich musste dir jetzt einfach die Wahrheit sagen. Sag bitte niemandem etwas von diesem Brief, es weiß nur ich und ein anderes Mädchen etwas von diesem Brief und so soll es auch bleiben. Es ist besser für alle! Und sei bitte nicht sauer! Ich liebe dich!

Le grá go deo

Gillian

Das konnte doch nicht sein, nein das ging nicht. Gillian war seit über einem Jahr tot, sie konnte doch nicht wieder Leben, das ging nicht! Das hielten meine Nerven nicht aus und ich brach weinend auf dem Tisch zusammen. Wie sollte das gehen? Okay wir hatten nie eine Leiche gefunden, aber die Feuerwehrleute meinten sie sei in ihrem Wagen verbrannt. Sie war frontal gegen einen Baum gefahren und das Auto fing an zu brennen. Ich hatte gerade akzeptiert das Gillian nicht mehr lebte und dann kam dieser Brief, der alles wieder durcheinander brachte. Ich war völlig verzweifelt, wenn sie lebte, wieso kam sie nicht eher um es mir mitzuteilen? Wo war sie überhaupt? Mir schwirrten tausend Fragen im Kopf umher und ich wusste beim besten Willen nicht wie ich mir das alles erklären konnte. Es war doch ihr Wagen, der brennend an einem Baum stand, wir hatten doch ihr Nummernschild gefunden. Wie konnte es sein das sie noch lebte? Ich wusste echt nicht mehr weiter, aber wenn sie wirklich noch lebte, dann wollte ich sie finden! Das nahm ich mir fest vor, ich wusste nur nicht wo ich anfangen sollte. Mir war klar das ich das nie allein schaffen würde, aber ich wusste auch nicht wem ich mich anvertrauen sollte. Ich sollte ja auch eigentlich niemandem etwas erzählen. Dieser Nachmittag war einer der schlimmsten Tage in meinem Leben, den Tag ihres angeblichen Todes mal weggelassen. Ich brach immer wieder in einen Heulkrampf aus, ich verstand einfach nicht warum. Ich konnte mir das nicht erklären. Wenn sie lebte, wo war sie? Es war schrecklich. Schließlich riss ich mich zusammen und machte mich für den Männerabend fertig. Ich durfte mir nichts anmerken lassen, aber das fiel mir echt schwer. Nicky, Kian, Mark und Bryan hatten bis jetzt immer gesehen wenn es mir schlecht ging, das durfte diesmal nicht passieren. Gillian wollte das niemand von diesem Brief erfuhr und das wollte ich auch einhalten, vorerst zumindest. Ich schaffte es meine Heulkrämpfe unter Kontrolle zu bringen und machte mich auf den Weg in unseren Stamm Pub, der nur 3 Straßen weiter war.

An diesem Abend war ich nicht sehr gesprächig und ich starrte die meiste Zeit nur vor mich hin. Als ich mal kurz auf der Toilette verschwand lief mir Kian nach. „Shane, warte mal!" „Was ist denn?" „Das sollte ich wohl lieber dich fragen. Du hast doch was!" „Nein, es ist alles okay." „Das kannst du deiner Oma erzählen." „Es ist wirklich nichts." „Wenn du trotzdem jemanden zum reden brauchst, du weißt, ich bin immer für dich da!" „Ja Ki, ich weiß!" Er drehte wieder um und setzte sich zu den anderen, während ich im Klo verschwand. Ich ging schon um 23 Uhr wieder heim, den anderen erzählte ich das es mir nicht so gut ginge, aber ich spürte an ihren Blicken das sie mir nicht glaubten, aber das störte mich nicht sonderlich, ich hatte jetzt ganz andere Sorgen die wichtiger waren als alles andere. Als ich schon die hälfte des Weges zurückgelegt hatte hörte ich Schritte hinter mir. Ich drehte mich um und erkannte Kian im Schein der Straßenlaternen. „Hey Shay warte mal!" Er kam auf mich zugerannt. „Ich weiß genau das was mit dir nicht stimmt. Ich seh es an deinen Augen, sonst Strahlen die immer, was jetzt nicht der Fall ist!" „Ach Ki, es wäre wirklich nicht gut, es dir hier und jetzt zu sagen. Ich muss selbst erst mal über alles Nachdenken" „Dann komm ich einfach mit zu dir." „Ki, das ist alles gar nicht so leicht!" „Was ist nicht so leicht? Shane ich will dir doch nur helfen, ich sehe doch das es dir schlecht geht!" „Aber... Na gut, aber du musst mir hoch und heilig versprechen deinen Mund zu halten. Es ist eine sehr ernste Sache!" Jetzt liefen mir wieder Tränen über die Wange die auch Kian sah und seinen Arm auf meine Schulter legte. Zusammen liefen wir zu meinem Haus. Ich war mir jetzt gar nicht mehr so sicher, ob es wirklich die richtige Entscheidung war Kian einzuweihen. Ich entschied mich trotzdem dafür, es war ja auch seine Kusine, und holte den Brief. Mit Tränen in den Augen und zitternden Händen übergab ich ihn Kian und setzte mich neben ihn. „Nein, das ist nicht wahr! Shane sag dass das nicht wahr ist!" Er sah mich kurz an bevor er weinend in sich zusammenbrach. „Wir müssen sie finden.", schluchzte er. „Ich weiß Ki, aber wo sollen wir anfangen?" Er zuckte mit den Schultern und sah mich mit Tränen in den Augen an. „Wieso hat sie sich nicht schon früher gemeldet? Sie weiß doch wie sehr wir sie lieben, wie konnte sie uns so etwas nur antun, vor allem dir, ihrem Mann? Shane ich versteh das nicht." „Kian ich bin genauso ratlos wie du. Ich würde das auch gerne wissen, aber um das zu erfahren müssen wir sie finden. Das dürfte allerdings ziemlich schwer sein, wir wissen ja gar nicht ob sie noch in Irland ist!" Wir redeten und weinten noch bis tief in die Nacht und Kian versprach mir es niemandem zu sagen. Wir wollten sie finden, das nahmen wir uns fest vor. „Shane, mir ist da gerade noch was eingefallen. Also wenn Gillian lebt, dann bist du jetzt Daddy!" Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. Ich war tatsächlich Vater. Ich hatte alles um mich herum vergessen und fiel Kian glücklich um den Hals obwohl ich mich eigentlich nicht richtig freuen konnte. Jetzt gab es noch einen Grund mehr sie zu finden. Irgendwann in der Nacht sind wir beide auf dem Sofa eingeschlafen und wachten erst am nächsten Morgen wieder auf.

Ich schleppte mich aus dem Sofa raus und machte mich auf den Weg in die Küche um Kaffee zu kochen. Kian schlief noch. Erst als ich die zwei Tassen auf den Tisch stellte wurde er wach. Ich musste ihm erst einmal erklären wieso und weshalb er hier war. Als er wieder alles wusste, kullerte ihm eine Träne über die Backe. Er wischte sie weg und nahm einen großen schluck Kaffee, bevor er sich wieder in das Sofa plumpsen lies und gegen die Wand starrte. Wir saßen einige Minuten da ohne auch nur ein Wort zu reden, Kian erfasste als erster wieder die Worte. „Shane, ich hab gestern noch nachgedacht, als du schon geschlafen hast. Ich habe überlegt, wie wir sie finden können und wieso sie uns nicht eher bescheid gesagt hat und wo sie überhaupt sein könnte. Mir ist leider nur was zum letzten Teil eingefallen. Also mir ist da ihr Vater eingefallen. Seit sich Gills Eltern vor 15 Jahren getrennt hatten, war er doch so sauer, weil er das Sorgerecht nicht bekommen hatte. Er hatte auch einige male gedroht sie zu erschießen und er wollte Rache nehmen. Er ist dann nach Galway gezogen und ich hab seitdem nichts mehr von ihm gehört, außer das er mal eine Bank ausgeraubt hat und dafür 3 Jahre bekam, und ich weiß auch nicht ob er noch in Galway wohnt. Es könnte doch sein das er sie entführt hat." Nach diesen Worten stockte mir der Atem und ich verschluckte mich an meinem Kaffee. Konnte das sein? Hatte Gills Vater sie aus Rache entführt? Brachte er so etwas zu Stande? Wir wollten es beide sofort wissen und wir beschlossen gleich loszulegen, wir wollten zuerst Gills Vater ausfindig machen. Wir durchsuchten alle Telefonbücher die ich hatte, um seine Telefonnummer zu bekommen, aber es gab nirgends einen Gavin Walsh. Das konnte doch nicht sein, der muss doch irgendwo wohnen. Als wir alle Telefonbücher durchforstet hatten, rief ich bei der Auskunft an, aber auch die konnten uns nicht weiterhelfen. „Es tut uns leid, aber wir haben keinen Eintrag auf den Namen Gavin Walsh.", hatte die Frau am anderen Ende der Leitung gesagt. „Super hat der Typ kein Telefon?", dachte ich mir, wurde aber aus meinen Gedanken gerissen, als das Telefon klingelte. „Filan?" „Hey Shane hier ist Mark." „Hey Marky-Boy. Wie geht’s dir?" „Das wollte ich dich fragen. Du hattest doch gestern was." „Ähm... ja... äh... nein, es war alles okay ich wahr wahrscheinlich nur ein bisschen müde." „Bist du dir sicher, Shane? Du klingst nicht gerade überzeugend." „Nein Mark, alles bestens." „Na gut, wenn du meinst. Ach ja weißt du wo Kian ist? Ich versuch schon den ganzen Tag ihn zu erreichen, aber an sein Telefon geht er nicht und sein Handy hat er aus. Mich würde es echt mal Interessieren für was der ein Handy hat, wenn er es den ganzen Tag nicht an macht!" Ich musste lachen, worauf Mark nur ein „Hä?" ins Telefon stöhnte. „Ja ich weiß wo er ist. Neben mir auf der Couch." „Oh! Kannst du ihn mir mal geben?" „Ja klar, warte." Ich gab Kian das Telefon und während er telefonierte ging ich in die Küche um eine Flasche Cola zu holen. Ich weiß nicht über was die beiden geredet hatten, aber Kian war nach dem Anruf richtig gut gelaunt, vielleicht ein bisschen zu gut... „Hey wieso strahlst du so vor dich hin?", wollte ich wissen, aber Kian grinste nur weiter, während er den Kopf schüttelte. „Auch gut.", dachte ich mir und setzte mich neben ihn auf die Couch, doch als er nach 5 Minuten immer noch grinste wie ein Kind an Weihnachten, wurde mir das zuviel. „Jetzt hör endlich auf so blöd vor dich her zu grinsen! Helf mir lieber die 12 Telefonbücher wieder zu verstauen." Kian stand auf und nahm sich 6 Bücher vom Stapel, während er „I lay my love on you" vor sich her pfiff. Der Typ trieb mich an den Tag echt in den Wahnsinn, das Gegrinse und Gepfeife musste ich mir noch bis um 18 Uhr anhören und ansehen, dann entschied er sich, mal wieder nach Hause zu fahren, worüber ich wirklich froh war. Ich wusste wirklich nicht was an diesem Tag so toll war, das man immer vor sich her grinsen musste, schließlich waren wir in dem Fall Gillian kein Stück weiter gekommen. Etwas frustriert und sauer auf Kian, schmierte ich mir ein Brot und machte mir einen Tee. Müde und gelangweilt setzte ich mich auf das Sofa und schaltete den Fernseher an. Ich musste feststellen das nichts gescheites lief, also zappte ich durch alle Kanäle, bis mir irgendwann einfiel das ich ja Mark mal nach dem Grund von Kians Gegrinse fragen könnte. Ich schnappte mir das Telefon und wählte die Nummer. Nach dem 3. klingeln nahm er ab. „Feehily?" „Hi Mark ich bin’s, Shane." "Oh hi! Wieso rufst du mitten in der Nacht an?" Ich hatte gar nicht auf die Uhr geschaut und es war tatsächlich schon halb 12. „Oh entschuldige. Ich hab gar nicht auf die Uhr geschaut. Du hast doch noch nicht geschlafen, oder?" „Sag mal seh ich so aus?", fragte er und lachte in den Hörer. „Na gut. Also Kian hatte heute mal wieder eine seiner „Nerv-Phasen". Nach deinem Anruf hat er die ganze Zeit vor sich her gegrinst und gepfiffen, kurz gesagt ich bin fast Wahnsinnig geworden! Na ja ich wollte mal fragen, was er so toll fand, das er mich den ganzen Tag zupfeifen musste." „Ach, er hat es dir gar nicht erzählt?" „Nein hat er nicht, aber ich hoffe das du es jetzt tust." „Also du weißt ja das meine Oma vor 2 Wochen gestorben ist und Kian war ja ihr Nachbar. Na ja sie hat ihm, weil er immer so nett und hilfsbereit war, 100 000 Euro vererbt." „Was? Und wegen dem hat er mich fast ums Leben gebracht. Also der kann was erleben, wenn ich ihn wieder seh!" „Ja das war’s. Ich weiß gar nicht warum er dir das nicht erzählt hat." „Ja das würd mich auch mal interessieren! Okay, dann danke noch mal, ich will dich dann mal nicht länger stören!" „Ist gut. Bye" „Bye" Sauer schmiss ich den Hörer auf die Gabel. Der Typ hatte mir den letzten Nerv geraubt und das wegen läppischen 100 000 Euro? Na egal, jetzt war es auch schon vorbei. Meine Wut lies wieder etwas nach und ich entschloss mich, mir mal Gedanken zu machen wie wir Gillian und mein Kind finden konnten. Ich brachte an diesem Abend nichts mehr zu Stande, also ging ich einige Minuten nach dem Telefonat in mein Bett. Schlafen konnte ich aber nicht wirklich, ich wachte etliche Male schweißgebadet wieder auf.

Ich war froh das diese Nacht auch ein Ende fand. Ich drehte mich in meinem Bett um, so das ich auf ein Bild von Gillian sehen konnte das auf meinem Tisch am Bett stand. Sie lachte auf dem Bild, ich bewunderte sie immer für ihr schönes und süßes Lachen. Kein Mensch konnte es so wie sie. Vor einem Jahr war ich verzweifelt und am Boden, ich vermisste sie und ihr wunderschönes lachen, und jetzt hatte ich die Chance ihr lachen wieder zu bekommen. Ich musste sie nur finden, nur wie?

Während ich in meinen Gedanken schwelgte, klingelte es an der Tür. Langsam stand ich auf und schlurfte die Treppe hinunter Richtung Tür. Es war Kian. „Hey Shaneilein. Darf ich kurz rein?" Ich nickte stumm und schloss die Türe wieder. Kian war schon in die Küche gelaufen und hatte es sich auf einem Stuhl bequem gemacht. „Kaffee?" Er nickte und ich suchte nach den Kaffeefiltern, während er anfing zu erzählen. „Also mir ist gestern Nacht noch etwas eingefallen, als ich über unseren Fall nachgedacht habe. Mein Bruder Tom macht doch eine Ausbildung als Polizeivollzugsbeamter, nachdem das mit dem Produzenten nicht geklappt hat. Na ja und er könnte ja mal schaun ob er in den Polizeiunterlagen was über Gavin Walsh findet. Er ist bestimmt im PC gespeichert, er war ja schließlich 3 Jahre im Knast, so könnten wir herausfinden wo er wohnt." „Hey Kian, das währe ja echt super. Aber wir könnten Tom in sehr große Schwierigkeiten bringen, wenn rauskommt, das er uns Adressen von Schwerverbrechern weitergibt!" „Ach das macht er schon so das alles gut geht." Nun war auch endlich der Kaffee fertig und ich setzte mich zu Kian an den Tisch. Es war wirklich eine gute Idee und wir wollten Tom gleich mal fragen, ob er mit uns zusammenarbeiten wollte. Wir fuhren sofort zu seinem Haus. Es öffnete uns Nicholas, sein kleiner 4-jähriger Sohn. „Hallo Onkel Kian." „Hey mein kleiner." Er hob ihn hoch und wir liefen ins Wohnzimmer wo Michelle, Toms Frau, gerade mit Staub wischen beschäftigt war. „Oh hallo Kian und Shane, ihr wollt sicher zu Tom, oder?" Sie lachte und zeigte nach oben. Ich war zuvor noch nie in diesem Haus gewesen und ich kannte Tom und Michelle nur von Kians Geburtstagen. Es war immer sehr lustig mit ihnen gewesen und ich mochte sie. Ich folgte Kian, der die Treppe rauf lief. Wir kamen in einen langen Gang an dessen Wände je 5 Türen waren. „Man das ist ja ein riesiges Haus." dachte ich mir und lief Kian wie ein Schoßhund hinterher. An der dritten Tür hielt er an und klopfte. Von innen hörte man ein leises. „Herein." Kian öffnete die Tür und zog mich an meinem Arm mit rein. Also Tom sah wer gekommen war sprang er von seinem Stuhl, auf dem er gesessen hatte, auf und umarmte seinen Bruder. Mir klopfte er auf die Schulter während er mich fragte wie es mir ginge und was wir hier machten. Er holte uns noch 2 Stühle auf die wie uns anschließend setzten und Kian zu erzählen begann. Tom war von unserem Vorhaben immer mehr begeistert, schließlich war sie ja auch seine Kusine, und seine Augen wurden immer größer. „Ja klar helf ich euch! Aber euch ist auch klar das ich meinen Job los bin wenn das rauskommt..." „Ja das wissen wir, Brüderchen." „Ich muss morgen wieder Arbeiten, dann schau ich gleich mal nach, falls sich die Gelegenheit dazu bietet." „Das wäre echt klasse, wenn wir morgen schon wüssten wo dieses Schwein wohnt." „Aber ihr wisst doch noch gar nicht ob es wirklich Gavin war." „Aber wir sind uns zu 90% sicher, gell Shane?" Ich nickte und sah wieder aus dem Fenster wo Nicholas im Garten spielte. „So ein kleines Bürschchen hast du vielleicht auch.", dachte ich mir und sah ihm weiter beim spielen zu. Kian bemerkte das und sah ebenfalls aus dem Fenster, er wollte wissen was so interessant war, das ich die ganze Zeit rausstarrte. Als er Nicholas sah, wusste er schon warum und nickte mir zu. Tom wollte noch das wir zum Kaffeetrinken und Kuchenessen bleiben und da ich an diesem Tag noch nichts gegessen hatte war es mir ganz recht, das Kian zusagte. Kurz bevor wie wieder fahren wollten lernte ich noch Nadine, die 8-jährige Tochter, kennen. Sie war bei ihrer Schulfreundin. Es war eine wirklich nette Familie und ich wünschte mir, das ich irgendwann vielleicht auch so ein Leben führen konnte.

An den nächsten Tag erinnere ich mich noch genau. Es war 7 Uhr als das Telefon klingelte und mich aus meinem Reich der Träume riss. Ich sah auf den Wecker, bevor ich mich auf den Weg zum Telefon machte. Ich nahm ab und ohne ein Wort zu sagen, fing der Mann, am anderen Ende, an ins Telefon zu schrein. „So du Sack! Entweder ich bekomme 1 000 000 Euro oder du hattest mal eine Frau und einen Sohn." Ich war so geschockt, das ich kein Wort mehr raus bekam. Was wollte dieser Typ von mir und wer war er überhaupt. Gavin? „Du bringst die Kohle heute Abend um 23 Uhr in die Hayden-Street Nr. 14. Leg es in einer Sporttasche vor die Haustür und keine Polizei! Ich weiß alles über dich und ich weiß auch von dem Brief, den sie dir geschrieben hat. Ich würde dir Raten zu befolgen was ich sage!" Und schon hatte er aufgelegt. So ein Mist, war mein einziger Gedanke. Was sollte ich den jetzt machen? Zahlen? Was hatte ich davon? Er hat nicht erwähnt das ich im Gegenzug Gillian und meinen Sohn bekommen würde, also warum sollte ich Zahlen? Wollt er sie umbringen wenn ich es nicht tat? Ich rief Kian an und bestellte ihn sofort zu mir. 5 Minuten später saß er auch schon auf meinem Sofa, während ich im mit zitternder Stimme von dem Anruf erzählte. Er war genauso geschockt wie ich. „Sorry, aber kann ich einen schluck Wasser haben?", fragte er mit unüberhörbarer Ratlosigkeit und Verzweiflung in der Stimme. Ich nickte und holte ihm ein Glas Wasser das er in einem Zug leerte. „Woher wusste er von dem Brief? Gillian hat geschrieben das sie die Einzige ist und noch so ein anderes Mädchen. Wer war er überhaupt?" „Hatte er einen starken irischen Akzent und eine, für einen Mann, helle Stimme?" Ich nickte. „Es war Gavin, 100%ig!" „Dieses Schwein! Wo ist meine Gillian und mein Kind?" Ratlos brach ich in Tränen aus. Kian nahm mich beruhigend in den Arm, während er immer wieder „Shhhh" in mein Ohr flüsterte. Es dauerte 10 Minuten bis ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Ich fragte Kian was ich jetzt machen sollte. Er meinte ich sollte zahlen, das Risiko währe zu groß. Wir wollten dann gleich mal zu Tom in die Polizeistation fahren und fragen ob er schon was über Gavin gefunden hatte. Ich lief noch kurz ins Bad um mich wieder frisch zu machen, meine Augen waren ganz rot und aufgequollen, vom vielen weinen.

Wir kamen 15 Minuten später bei der Polizei an. Wir fragten den nächstbesten Polizisten, wo wir Tom Egan finden würden. Der deutete mit dem Finger zu einer Tür die gleich gegenüber von der Eingangstür war. Kian klopfte und als er kein Herein hörte, öffnete er langsam die Türe und lugte durch einen winzigen Schlitz. Anscheinend hatte er Tom gesehen, denn er öffnete die Tür kurz danach ganz. Tom war allein, was ganz gut war, aber er hatte leider keine guten Nachrichten. „Tut mir leid, aber es ist nichts mehr im PC gespeichert. Die Daten werden gelöscht, wenn die jeweilige Person 5 Jahre kein Verbrechen mehr begeht. Die einzige Möglichkeit währe der Zentral-Computer, aber an den komm ich nicht ran." Unsere Stimmung verschlechterte sich schlagartig. Daraufhin erzählte ich ihm von dem Anruf und er wollte nicht das ich allein dort hinging um zu zahlen. Er meinte es währe zu gefährlich. Mir war das ganz recht das er mich begleiten wollte. Tom wollte gleich mit uns zur Hayden-Street fahren um sich ein Versteck zu suchen von dem aus er gute Sicht auf die Hausnummer 14 hatte und er gute Fotografieren konnte, wer das Geld abholte. Er musste nur noch glaubhaft rüber bringen, das es ihm wirklich schlecht ginge und er auf der Stelle nach Hause ins Bett müsste. Alles verlief perfekt und 10 Minuten später saßen wir im Auto auf dem Weg zur Hayden-Street. In diesem Stadtviertel war ich noch nie, auch wenn ich schon seit 27 Jahren in Sligo wohnte. Wir mussten leider feststellen das es in dieser Sackgasse keine guten Versteckungsmöglichkeiten gab. Das einzige, wo man sich dahinter stellen konnte, waren 3 Mülltonnen, die aber so unappetitlich aussahen das sich nicht mal ein Schwein auch nur in die Nähe gesetzt hätte. Wir waren Ratlos, wie schon so oft an diesem Tag. „Dann geh ich eben allein!" sagte ich bestimmt und sah zu Tom der leicht nickte und dabei den Mund verzog. „Hey ich muss noch zur Bank." fiel mir ein und wir machten uns auf den Weg dorthin. Es trägt ja schließlich kein normaler Mensch 1 000 000 Euro spazieren, oder? Es war schon komisch in die Bank zu laufen um 1 000 000 Euro abzuholen. So viel Geld gab ich sonst nicht einmal in einem Jahr aus! Das war schon krass, was dieses Schwein von mir verlangte, aber für Gillian und meinen Sohn tat ich alles. Ich hoffte das ich sie irgendwann sehen konnte, schließlich bezahlte ich ja nicht umsonst! Ich lief mit einer Sporttasche in die Bank und lief zu einem Schalter hinter dem eine junge Frau stand. Ihr hättet ihr Gesicht sehen müssen, als ich ihr verkündete, 1 000 000 Euro haben zu wollen! Zum Glück hatte ich mit Westlife so viel verdient das es gar kein so großes Problem war so viel Geld aufzutreiben. Ich stopfte es in die Sporttasche und verließ das Gebäude wieder. Unterwegs lieferte ich Tom zuhause ab er konnte jetzt auch nichts mehr für uns machen, Kian wollte noch mit zu mir kommen. Ich schob uns 2 Pizzas in den Ofen und wir besprachen den Ablauf der bevorstehenden Übergabe. Kian wollte im Auto warten, das wir eine Straße weiter parken wollten. Wir machten aus, das er, wenn ich um 23.30 Uhr noch nicht wieder da war, die Polizei rufen sollte. Mann konnte ja nicht wissen, was alles passieren würde. Um halb 11 machten wir uns auf den Weg zum Ort der Geldübergabe. Ich war total nervös, ich wusste ja nicht was mich dort erwartete. Kian parkte den Wagen eine Straße nach der Hayden-Street. Ich stieg aus und lief langsam zum Treffpunkt. Es war stock dunkel, die Straßenlaternen waren nur im Vorderen Bereich der Straße, hinten bei Hausnummer 14 war es total dunkel. Nur der Schein des Mondes erhellte die Nacht ein wenig. Fünf Minuten vor 11 stand ich mit meiner Sporttasche in der Hand vor der Tür und wusste nicht was ich machen sollte. Sollte ich die Taschen hinstellen und abhaun?? Ich entschied mich noch bis 23 Uhr zu warten. Ich zitterte, nicht weil es so kalt war, sondern weil ich Angst hatte. Ich hatte wirklich Angst, große Angst. Das einzige was mich ein wenig beruhigte war, das Kian die Polizei rufen würde, wenn ich bis halb 12 nicht wieder zurück wäre. Plötzlich fiel eine der drei Mülltonnen, die wir am Nachmittag gesichtet hatten, um. Mir klopfte das Herz bis zum Hals und ich wagte es nicht mich zu bewegen. Was war das?? Ich starrte wie versteinert auf die am Boden liegende Mülltonne. Ich war nicht fähig, irgendetwas zu sagen, geschweige denn mich zu bewegen. Mein Blick wich keine Sekunde von der Mülltonne die noch leicht vom Fall wackelte. Als sich nichts mehr rührte und auch kein Geräusch mehr zu hören war, löste sich meine Versteinerung wieder. Ich sah auf die Uhr, es war genau 23 Uhr. Was sollte ich denn jetzt machen?? Ich legte die Tasche auf den Abstreifer vor der Tür und drehte um. Ich wollte so schnell wie möglich weg von diesem Ort. Ich hatte schon die Hälfte des Weges zurückgelegt, als ich ein knacken hörte. Ich kannte dieses Geräusch, es kam in allen Krimiserien vor, wenn der Bösewicht seine Pistole lud. Ich war nicht in der Lage mich umzudrehen, ich hörte Schritte. Sie kamen immer näher und ich beschleunigte mein Tempo. Wer war das?? Ich lief immer schneller und auch die Schritte hinter mir wurden immer schneller. Plötzlich blieb die Person stehen, ich hörte auf jeden Fall keine Schritte mehr. Ich war gerade um die Ecke gelaufen als ein Schuss ertönte. Ich bekam Panik und rannte so schnell ich konnte zum Auto in dem Kian schon startklar saß. Ich riss die Tür auf und schrie, während ich reinsprang: „Fahr! Fahr los! Er will mich umbringen!" Kian trat sofort auf das Gaspedal und ich sah in den Rückspiegel wo ich eine schwarze Männergestallt erkennen konnte. Er zielte mit der Pistole genau auf den Wagen, wir konnten gerade noch rechtzeitig um die Kurve fahren. 5 Minuten später (Rekordzeit) standen wir vor meinem Haus. Ich stand noch unter Schock so das mich Kian ins Haus führte und aufs Sofa drückte. Er verließ das Zimmer und kam mit einem Glas Wasser zurück das er mir reichte und ich sofort leerte. Mir kam alles so vor wie in einem Alptraum, ich hätte nie gerechnet das mir so etwas passiert, ausgerechnet mir. Ich starrte eine Weile vor mich hin bevor ich mit zitternder Stimme zu erzählen begann. Kian war genauso geschockt wie ich. „Dieses Schwein mach ich fertig. Dieser Mistkerl, ich bring ihn um!" „Kian! Wir wollen uns doch nicht auf sein Niveau begeben. Dieses Schwein verdient es nicht einfach zu sterben, er soll leiden und einen qualvollen Tod haben. Er soll das zurückbekommen, was er Gillian und dem Kind antut!!" Kian blieb die Nacht bei mir, er wollte mich nicht allein lassen, weil Gavin ja wusste wo ich wohnte, er hatte ja schließlich auch meine Telefonnummer, und weil ich immer noch leicht unter Schock stand. Ich hatte die ganze Nacht Alpträume, wie ich sie keinem Wünsche! Es war schrecklich, ich war wirklich froh das Kian bei mir war und mich immer wieder beruhigte.

Am nächsten Morgen machten wir uns gleich nach dem Frühstück auf zur Hayden-Street. Wir wollten den Besitzer des Hauses ausfindig machen, es wäre ja sehr unwahrscheinlich gewesen, wenn Gavin darin leben würde! Wir fuhren also zu der Straße in der ich meine schlimmste Erfahrung gemacht habe. Ich zitterte als wir den Weg zu Nummer 14 liefen. Meine Füße fühlten sich an wie Gummi und ich dachte jeden Moment zusammenzuklappen. Kian, der das auch mitbekam, stützte mich. Ich kann nicht beschreiben wie ich mich fühlte, aber es war schrecklich. Ich hatte Angst, auch wenn Kian bei mir war, dieses Schwein war unberechenbar! Wir standen vor der Tür, vor der vor nicht einmal 12 Stunden, noch eine Sporttasche mit 1 000 000 Euro stand. Auf dem Schild neben der Glocke stand „O’Leary". Kian wollte gerade auf den Klingelknopf drücken, als ich ihm die Hand runterschlug. „Was ist wenn ER öffnet? Kian ich will nicht das dir... uns... was passiert! Das hört sich jetzt vielleicht an wie von einem Weichei, aber ich hab Angst!" "Shane, aber du bist doch kein Weichei! Ich verstehe ja das du Angst hast, aber ich will wissen wer in diesem Haus wohnt. Er oder sie muss Gavin ja kennen, sonst wäre er ja nicht aus diesem Haus gekommen. Geh zum Auto und warte auf mich." „Nein!!! Ich lass dich hier nicht allein. Bist du verrückt? Wer weiß wer hinter der Tür ist! Ich bleibe hier, Gillian und dir zu liebe!" „Bist du dir sicher? Du musst nicht hier bleiben, ich verstehe vollkommen wenn du gehen willst!" „Nein ich bleibe, ich muss meine Angst eben unter Kontrolle bringen, ich bin ein erwachsener Mann!" „Deswegen ist es auch keine Schande wenn du Angst hast, das hätte jeder in deiner Situation!" Ich riss mich zusammen, auch wenn es mir schwer viel, und blieb und Kian drückte auf die Klingel. Als wir sahen wer öffnete war Kian und mir die Verwunderung ins Gesicht geschrieben. Es war eine alte Frau zwischen 65 und 70 Jahren. „Kann ich ihnen helfen?" Kian und ich sahen uns an. „Oh Entschuldigung, wir haben uns an der Hausnummer geirrt." Die Frau nickte und schloss die Tür wieder. „Was war das denn jetzt?" „Ich versteh die Welt nicht mehr, das ist doch Nummer 14, oder bin ich blöd?" „Nein das ist 14, da schau auf dem Schild steht es groß und deutlich!" Verwirrt liefen wir zurück, wir verstanden die Welt nicht mehr. Am Abend zuvor kam ein Schwerverbrecher aus einem Haus, dass jetzt eine Oma geöffnet hatte. Ratlos ließen wir uns auf die Sitze im Auto plumpsen. „Und jetzt?" „Keine Ahnung." Verwirrt fuhren wir zurück, das war zu viel für uns. Das konnte doch nicht sein! Als wir vor meinem Haus parkten, sahen wir Mark der gerade den Weg zum Gartentor lief. Er wollte höchstwahrscheinlich zu mir. ;-) „Hey ihr zwei. Na ihr macht aber keine besonders fröhlichen Gesichter! Ist was passiert??" Was sollten wir darauf denn sagen? „Ach... ähm... ja... also es ist nichts. Wir haben nur einen kleine schrecken bekommen, weil ich gerade fast einen Hund über den Haufen gefahren hätte." Ich hasste es meine Freunde anzulügen, aber im Moment ging es nicht anders! Mark glaubte mir anscheinend, er bohrte auf jeden Fall nicht weiter, worüber ich wirklich froh war. „Ich wollt nur mal vorbeischaun und sehen wie es dir geht. Hab ja jetzt schon länger nichts mehr von dir gehört. Ach und Kian du lebst ja noch!" „Hä? Wieso sollte ich nicht mehr leben?" Auch ich kapierte nicht ganz worauf er hinauswollte, als mir die Geschichte mit dem Erbe wieder einfiel. Ich musste lachen. „Ich hab ihn gar nicht mehr darauf angesprochen." Kian checkte gar nichts, was man an seinem Gesichtsausdruck sehr gut erkennen konnte. Er schüttelte den Kopf und sah mich an. „Lass gut sein, Ki. Ist nicht so wichtig." Ich musste immer noch lachen, worauf ich einen saueren Blick von Kian kassierte, er konnte es gar nicht leiden, wenn wir lachten und er nicht wusste um was es ging. Ich hörte auf zu lachen ich wollte auf gar keinen Fall einen streit riskieren. Wir liefen zu dritt den Weg zur Haustür. Kian und Mark liefen schon mal ins Wohnzimmer, während ich mich in die Küche begab und Kaffee und Tee kochte. Ich hatte auch noch ein paar Kekse im Haus die ich auf einem Teller ins Wohnzimmer stellte. Mark griff sofort zu und stopfte sich einen Keks nach dem anderen in den Mund. Das kannte ich gar nicht von ihm. Wenn es Bryan gewesen wäre, hätte ich es ja noch verstanden, aber Mark? Ich lief wieder zurück ich die Küche um die Tassen zu holen. Ich ließ mich erschöpft und mit einem Seufzer in den Sessel fallen. Mark begann darauf hin gleich zu erzählen. „Ihr glaub gar nicht was mir passiert ist! Mir ist meine Traumfrau über den Weg gelaufen. Sie ist so wunderhübsch! Ihre Augen, ihre Haare, ihr Mund, es ist einfach ein Traum von Frau. Wir haben uns vor 2 Tagen in einer Kneipe kennen gelernt. Gestern haben wir uns geküsst und ich kann nur sagen, der Wahnsinn." Mark schwärmte von seiner neuen, die wirklich nett zu sein schien, aber in mir holte es alte Erinnerungen an Gillian hoch. Sie hatte viel Ähnlichkeit mit Marks Flamme! Sie war auch ein Traum und zu perfekt für diese Welt. Ich wollte sie zurück, um jeden Preis. Ich sah an die Wand, an der unser Hochzeitsfoto hing. Sie war so glücklich, genau wie ich und 2 Wochen danach hatte sie den angeblichen Unfall. Gavin hatte sie mir genommen, dieses Schwein. Ich war völlig in Gedanken versunken, so dass ich gar nicht mitbekam das Mark mit mir sprach. „Shane?" „Shaaaane!" „SHANE!!!!!!!" Ich zuckte zusammen und sah ihn fragend an. "Auf welchem Planeten warst du schon wieder?" Ich zuckte mit den Schultern und sah zu Kian, der sofort wusste an was ich gedacht hatte. Mark checkte, seinem Gesichtsausdruck, gar nichts. „Hab ich was falsches gesagt?" Wir schüttelten nur den Kopf worauf er wieder anfing von Celine zu schwärmen. Gegen 16 Uhr verschwand Mark wieder, er hatte noch ein Date mit ihr und mit mir konnte man nichts mehr anfange. Meine Stimmung war auf 0 und ich wäre am liebsten sofort ins Bett, aber dafür war es dann doch noch ein bisschen zu früh. Eine weitere Stunde später klingelte das Telefon, Kian war schon zu sich nach Hause gefahren. Ich nahm ab und hörte eine Frauenstimme: „Shane?" Es war Gillian! Ich tickte voll aus, sprang durch das ganze Haus, schrie wie ein Volltrottel und war einfach der glücklichste Mensch der Welt. „Shane, hallo?" „Gillian, wie geht es dir. Oh mein Gott wo bist du?" „Shane, warte mal er kommt." Nach diesem Satz hörte ich ein rascheln, wahrscheinlich versteckte sie das Telefon oder Handy. Ich hörte eine Männerstimme die ich schon kannte, es war Gavin. Er sagte irgendetwas, aber ich verstand nichts. Es dauerte fast 10 Minuten bis ich am anderen Ende wieder meine Gillian hörte. „Was war denn??", fragte ich besorgt. „Ach nichts. Shane du musst mir helfen. Ich halt es nicht mehr aus! Noch eine Woche und ich bring mich um!" „NEIN! Ich brauch dich doch. Na klar helf ich dir, meine Süße. Oh ich hab dich ja so vermisst, aber wieso tut er so was?" „Shane, ich erklär dir das alles später. Ich muss aufhören, er kommt gleich wieder. Ich liebe dich." „Ich dich doch auch, aber wo bist du?" „In Belfast, Croidstreet 6. Ich liebe dich. Bye." Sie hatte aufgelegt. Ich kann nicht beschreiben wie ich mich fühlte, aber es war der Wahnsinn.

Ich rief sofort Kian an, der daraufhin vorbeikam und mit mir nach Belfast fuhr. Zuvor machten wir noch einen Abstecher bei seinem Bruder, der leider nicht mitkonnte uns aber seine Pistole lieh. Jetzt wussten wir wenigstens schon mal wo sie war. Wir brauchten fast 5 Stunden, bis wir die Straße gefunden hatten und endlich vor dem Haus standen, in dem sich meine Frau und mein Kind befanden. Es sah aus wie eine Lagerhalle, es hab keine Fenster und eine Tür war auch nicht zu sehen. Es war schon dunkel und wir schlichen uns in das Grundstück. Wir liefen 3 mal um das Haus, aber wir fanden nichts ums verrecken eine Tür. „Das gibt’s doch nicht! Da muss man doch irgendwo reingehen können. Wie kommt den „Assoziales-Arsch-Trottel-Schwein" in das Haus?", Kian wurde langsam ungeduldig, bis mein blick auf ein Gitter, im Boden an der Hauswand, fiel. Ich zog Kian mit hin und man konnte es tatsächlich öffnen. Es war stockdunkel dort unten und wir hatten nicht mal an eine Taschenlampe gedacht. Vorsichtig tastete ich mich durch die Öffnung in das Innere des Hauses. Es roch nach rauch, einfach eklig! Kian kam langsam hinterher. Alles war ruhig, es schien als wären wir die einzigen. Wir tasteten uns durch das Zimmer, bis wir eine Tür fanden, die nicht schlecht quietschte, als wir sie öffneten. Es rührte sich immer noch nichts und wir liefen einen langen Gang entlang an dessen Ende, ein Lichtschein zu erkennen war. Der Holzboden knarrte und ich begann zu schwitzen. Mir war nicht ganz Wohl bei der Sache. Wir hatten das Ende fast erreicht, als Kian stehen blieb und die Pistole schussbereit machte. Bei mir löste das Geräusch, gewisse Angstzustände aus, aber ich versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben. In dem Schlüsselloch konnte man einen Schlüssel erkennen. Vorsichtig drehte ich ihn um und öffnete die Tür mit einem Ruck, während Kian hinter mir stand und mit der Pistole in den Raum zielte. Der Raum war leer und erst als ich mich länger umschaute, sah ich eine blonde Frau die zusammengekauert in einer Ecke saß. „Gillian!!" Ich rannte auf sie zu und nahm sie schnell in meine Arme. Sie fing an zu weinen, während Kian in der Tür stand und aufpasste das keine ungebetenen Gäste kamen. Sie sah wirklich schlecht aus, total abgemagert und kreide bleich. „Wir sollten jetzt besser abhaun, bevor wer kommt!", drängte Kian und ich hob Gillian hoch. Wir nahmen den gleichen Weg, den wir gekommen waren, weil das anscheinend der einzige Ausgang war. Wir wollten sie gerade durch die Öffnung heben, als sie „Ben!" schrie. „Wer ist Ben?", fragte Kian ratlos und sah seine Kusine an. „Er ist im Zimmer nebenan! Ihr müsst ihn holen, er muss zu mir." Ich wusste zwar immer noch nicht wer Ben war, aber lief auf der Stelle zurück in das Zimmer, das Gillian gesagt hatte. Ich öffnete vorsichtig dir Tür und in dem Zimmer stand eine kleines Bett indem ein kleiner Junge lag. Mein Sohn! Ich holte ihn schnell aus dem Bett und rannte wieder zurück zum „Ausgang". Die anderen beiden waren anscheinend schon im Auto, ich sah sie zumindest nicht mehr. Es war gar nicht so leicht mit einem Kind auf dem Arm aus einer Öffnung zu klettern die fast 2 Meter hoch war! Ich schaffte es schließlich doch noch und rannte so schnell es ging zum Auto in dem Gillian und Kian schon auf mich warten. Kian hatte in der Zwischenzeit schon die Polizei gerufen, die schon auf dem Weg war. Glücklich schloss ich Gillian noch mal in den Arm, ich war so froh sie wieder zu sehen. Vorsichtig küsste ich sie und sie erwiderte den Kuss, was für mich das schönste Gefühl war. Ich gab ihr unseren Sohn, der schon anfing zu quengeln. Plötzlich fuhr ein Auto her und Gillian drückte meinen Kopf nach unten. „Es ist Gavin!" Wir sahen wir er hinter das Haus verschwand und keine Sekunde später tauchte die Polizei auf. Kian sprang aus dem Auto und erklärte wie man in das Gebäude kam. Ich musste schmunzeln, als ich die Gesichtsausdrücke der Polizisten sah. Eine Stunde später war alles geregelt, Gavin musste mit aufs Revier in die Untersuchungshaft, wo er die nächsten 2 Wochen verbrachte. Wir fuhren in ein nahegelegenes Hotel, wo zum Glück noch ein Zimmer frei war. Ich führte Gillian zum Aufzug, während Kian Benjamin im Arm wiegte. Kaum waren wir im Zimmer angekommen und hatten uns auf das Bett gesetzt, als Gillian wieder anfing zu weinen. Ich nahm sie vorsichtig in meinen Arm, ich traute mich nicht richtig sie anzufassen, sie wirkte so zerbrechlich. Ben schlief schon ruhig und selig, als Gillian anfing zu erzählen: „Ich war auf dem nach Hause weg, als plötzlich ein roter Wagen auf meine Seite fuhr und mir den Weg blockierte. Ich versuchte um das Auto rumzufahren, aber es kam noch eins dazu und ich war eingesperrt. Ich blieb sitzen und beobachtete die zwei Autos. Aus dem einen kam ein junger Mann, Mitte 20, und aus dem anderen Gavin. Sie zerrten mich aus meinem Wagen, fesselten mich und setzten mich in Gavins Wagen. Der andere stieg in mein Auto ein, fuhr zurück und ich traute meinen Augen kaum, als er mit vollem Karacho an den Baum im Straßengraben fuhr. Der Wagen begann zu brennen und Gavin fuhr mit mir fort. Ich konnte nicht mehr klar denken und ließ alles mit mir machen. Irgendwann waren wir in Belfast, wo er mich in den Keller sperrte. Ich hatte solche Angst und ich war doch Schwanger. Er kümmerte sich nicht um mich, er ließ mich einfach dort unten sitzen. Er gab mir ein Stück Brot und ein Glas Wasser am Tag, damit ich nicht abkratze, hatte er gemeint. Nach ein paar Wochen, kam eine Frau, die er als Komplizin einstellte, aber sie wollte mir helfen. Es gab nur nie eine Chance um abzuhauen. Am 17.09. war es dann so weit. Ich bekam Benjamin, Gavin war nicht da, nur Marie, die Komplizin. Sie half mir bei der Geburt, es war schrecklich. Diese schmerzen und ich war so hilflos und fühlte mich so allein. Nach qualvollen 12 Stunden hatte ich alles hinter mir. Gavin wollte nicht das ich Ben sehe, Marie brachte ihn immer heimlich zu mir. So ging das über ein halbes Jahr, dann sah er es ein, dass das Kind seine Mutter brauchte. Er schlug mich jeden Tag mehrere Male, er vergewaltigte mich, ich war so hilflos. Nach über einem Jahr, war Gavin mal für 2 Tage verreist. Nur Marie und einer seiner Kumpels waren noch im Haus. Marie setzte sich an den PC und schrieb für mich den Brief an dich. Sie hatte vergessen ihn zu löschen und Mario fand ihn. Er erzählte natürlich alles Gavin, der sie daraufhin ermorden ließ. Mit ihrem Tod, ging auch meine Hoffnung dich irgendwann wieder zu sehen verloren. Ich wusste nicht das der Brief schon auf dem Weg zu dir war und ich dachte auch an Selbstmord. Es ergab sich nur nie eine Möglichkeit und jetzt bin ich auch froh darüber. Ich bekam dann durch Zufall, das mit der Erpressung mit und das er wusste wo du wohnst. Ich bekam Angst, ich wollte nicht das er dir was tut! Er wollte die Übergabe im Haus von Marios Mutter machen. Die Arme Frau haben sie in den Schrank gesperrt und ihr mit Mord gedroht, wenn sie etwas sagen würde. Ich bekam das alles nur zufällig mit und ich bekam immer mehr Angst. Heute hatte er dann das Handy im Keller liegen lassen, nachdem er mich wieder vergewaltigte. Es war so schrecklich, ich schäme mich so, ich fühl mich so dreckig! Ich hab dich sofort angerufen, ich bin so froh das du da bist! Und er hat das alles nur aus Rache getan, weil er bei der Scheidung das Sorgerecht nicht bekommen hat! Aber wieso tut er mir so etwas an? Ich bin doch seine Tochter, ich hab ihm doch nichts getan! Ich hab immer gedacht er liebt mich, wie ein Vater seine Tochter liebt! Warum?" Sie fing wieder an zu weinen, wie auch zwischendurch mal, und auch Kian und ich weinten. Es war so schrecklich zu hören, was er ihr alles angetan hatte. Ich konnte es nicht fassen, wie man so etwas tun konnte. Der Mensch war doch krank und das alles nur weil er das Sorgerecht nicht bekommen hat! Ich versteh es bis heute nicht, wie er es als Vater zustande brachte sie so zu quälen. Wir schliefen die ganze Nacht nicht.

Am nächsten Morgen um 10 verließen wir das Hotel und machten uns auf den Weg nach Sligo. Dort angekommen trommelten wir erst mal alle Verwandten, Freunde und Bekannten zusammen, sie sollten auch erfahren, was dieses Schwein getan hatte. Ich erzählte für Gillian, sie konnte es einfach nicht. Alle waren geschockt und einfach nur sprachlos. Keiner hatte geglaubt, das er so etwas wirklich zustande brachte!

Die nächsten Wochen waren noch etwas stressig, wir hatten eine Verhandlung nach der andern, bis das Urteil feststand: Lebenslänglich! Er hatte es nicht anders verdient.

Gillian begann eine Therapie um die ganzen Geschehnisse zu verarbeiten. Es war sehr schwer, aber sie hatten einen sehr starken willen und schaffte es schließlich auch, das Meiste zu verarbeiten. Aber einiges wird sie nie vergessen können, es war einfach zu schlimm. Wir führten wieder eine glückliche Ehe und es war toll, Ben aufwachsen zu sehen. Wir bekamen noch 4 weitere Kinder. Die Zwillinge Janie und Janine, Nicholas und Selina. Es waren 5 wundervolle Kinder und wir waren die glücklichste Familie auf Erden! Gillian war die beste Mutter, die sich ein Kind nur wünschen kann. Sie hat alles für sie getan!

Auch Mark wurde mit seiner Celine glücklich und bekam zwei Söhne, René und Justin. Kian fand auch noch seine große Liebe, Shareen. Auch die beiden Gründeten eine Familie und bekamen 2 Töchter und einen Sohn. Marie, Eileen und Josh.

Nicky bekam mit seiner Georgina, eine Tochter Nicole und einen Sohn Alex.

Bryan wurde mit Kerry glücklich. Die beiden bekamen nach Töchterchen Molly noch einen Dylan-James, eine Saskia und einen Simon. Wir sind auch heute, nach 30 Jahren, noch die besten Freunde und werden es auch immer bleiben!

~ENDE~