Teil 1:

Eine Woche musste ich noch zur Schule gehen. Dann würde ich endlich
mein Abschlusszeugnis in die Hand gedrückt bekommen und war frei! So kam
es mir jedenfalls vor, wie eine Entlassung aus dem Gefängnis.
Aber ich würde meine Klasse trotzdem sehr vermissen. Und ganz frei war
ich auch nicht da ich auf eine erweiterte Schule gehen würde. Ich hatte
mich in der Schule noch mal mächtig angestrengt bis es dem Ende zuging.
Da sich dieses auch auf meinem Zeugnis bemerkbar gemacht hatte,
überraschten meine Eltern mich mit einem Spontanurlaub.
Heute Abend sollte ich mich also entscheiden was das Reiseziel werden
sollte. Ich freute mich natürlich riesig auf den Urlaub, aber dass meine
Eltern darauf bestanden mitzukommen war nicht so toll. Sie wollten mich
nicht alleine in ein fremdes Land reisen lassen. Ich würde sie schon
irgendwie loswerden, dass wäre sicherlich nicht das Problem. Nein, dass
lag viel mehr darin meine Eltern zu überreden zu meinem absoluten
Traumland zu fahren - IRLAND.
Naja, als überzeugter Westlife-Fan war es natürlich klar, dass ich ihr
Heimatland und -stadt besuchen wollte.
Als wir am Abend dann zum Essen um den Tisch versammelt waren ging die
Diskussion auch schon gleich los.
Meine Mom meinte: " Italien wäre doch schön! Den Nachmittag verbringen
wir am Strand in der warmen Sonne und abends kannst du in Clubs gehen."
Nicht sehr begeistert sagte ich nur: " In Italien gibt es Kakalaken und
die Strände sollen nur so mit Quallen überseht sein."
Mein Vater mischte sich nun auch ein: "Okay, wenn du da halt nicht hin
willst... Aber wie wäre es mit Dänemark oder Schweden?"
Ich sah kurz vom Essen auf und warf nur ein: "Dänemark ist cool, aber
da war ich schon. Und jetzt wieder dahin zu fahren, ist doch
langweilig."
Meine Mom verdrehte die Augen und sagte entnervt: " Dann schlag du doch
mal was vor! Hast du schon irgendwelche Vorstellungen?"
Meine Antwort kam schnell: "Irland!"
Mein Vater warf meiner Mutter einen Seitenblick zu, der eigentlich
schon alles besagte: Alles, nur nicht dahin.
Meine Mom machte sich nun alle Mühe mir das auszureden, aber wenn ich
mich einmal entschieden habe bleibt es meist dabei.
Meine Eltern sahen endlich ein, dass es keinen Zweck hatte mich
überreden zu wollen und meinten seufzend: " Vielleicht ist es in Dublin ja
wirklich ganz schön..."
Ich unterbrach sie einfach und rief: " Wer redet denn hier von Dublin?
Sligo ist angesagt!"
Ich grinste nur als meine Eltern stöhnend nachgaben.

Die nächste Woche verging wie im Flug. Durch meine Aufregung konnte ich
zwar kaum noch schlafen und rannte auch sonst wie verrückt im Haus
herum, weil mir immer noch etwas einfiel was ich unbedingt mitnehmen
wollte. Es wurde auch nicht besser, als die Koffer gepackt waren.
Es war das erste Mal dass ich fliegen würde und ich hatte jetzt schon
Angst davor. Aber leider war der Flug unumgänglich.
Auf dem Weg zum Flughafen kamen wir dann auch noch in einen Stau. Aber
selbst das konnte meiner guten Laune jetzt nichts mehr anhaben. In der
heißen Sommersonne kam ich schnell ins Schwitzen und holte mir auch
prompt meinen ersten Sonnenbrand. Ich war nicht gerade ein Fan von Sonne
und blieb lieber im Schatten, darum freute ich mich auch dass es in
Irland ein paar Grad kälter war. Nach dem anstrengenden Flug fuhren wir mit
einem überfüllten Bus weiter nach Sligo.
Ich war ziemlich froh, als ich noch einen Einzelplatz erwischte. Doch
ich hatte mich zu früh gefreut, ein Junge, etwa in meinem Alter nahm
neben mir Platz. Er machte ein paar Versuche mich in ein Gespräch zu
verwickeln, doch ich hatte keine Lust. Ich beschäftigte mich lieber mit der
Landschaft draußen. Es war wirklich herrlich. Ein See glitzerte in der
Sonne und rundherum blühte und gedeihte das Leben. Ich kam schließlich
zu der Überzeugung, dass Irland den Namen "Esmerald Island" wirklich zu
Recht verdient hatte.
Ich wurde allerdings schnell wieder aus meiner Träumerei gerissen, als
mir der Geruch von Schweiß und einem ekelhaften Parfum in die Nase zog.
Zu allem Unglück legte sich der Bus gerade in dem Moment in eine Kurve.
Das gab mir den Rest und mir wurde schwarz vor Augen. Ich wurde
kreidebleich im Gesicht und mit einem Mal war mir speiübel.
Der Junge neben mir schien schon zu ahnen was jetzt folgte und reichte
mir blitzschnell eine Tüte. Der Busfahrer hatte mitgekriegt was
passiert war und hielt rücksichtsvollerweise, an der nächstmöglichen
Raststätte an. Die Touristen strömten nach draußen und vertraten sich die Beine.
Irgendwer machte einen kleinen Kiosk ausfindig und der arme Verkäufer
hatte alle Hände voll zu tun die vielen Touristen zufrieden zustellen.
Währenddessen suchte ich eine Toilette auf. Als ich mich im Spiegel
betrachtete erschrak ich fast ein bisschen selbst vor mir. Durch die
Aufregung der letzten Tage hatte ich kaum Schlaf bekommen, was sich jetzt
wiederum mit großen Augenringen bemerkbar machte. Farblich hätte man mein
Gesicht wahrscheinlich nicht von einer weißen Wand unterscheiden
können. Ich spritze mir etwas von dem kühlenden Leitungswasser ins Gesicht
und fühlte mich auch schon besser. Hey, ich war im Land meiner Träume und
meine Laune sank soeben gegen den Nullpunkt! Ich zwang mich zu einem
Lächeln doch selbst das gelang mir nicht so richtig. Als ich wieder nach
draußen trat sog ich die frische Sommerluft ein. Es roch hier ganz
anders als in Deutschland, die Luft war mit dem Duft von Kräutern und
Pflanzen erfüllt. Ich genoss den Moment der Ruhe und vergaß alles um mich
herum. Plötzlich stupste mich jemand von hinten an und ich zuckte
erschrocken zusammen. Der Typ, der im Bus neben mir saß stand hinter mir.
" Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken. Geht’s dir etwas besser?
Wahrscheinlich hast du was Falsches gegessen. Das wird schon wieder." Er
lächelte mich zuversichtlich an. Jetzt konnte selbst ich meine
ablehnende Art nicht mehr erhalten.
Ich antwortete lächelnd: "Ja, es geht mir schon etwas besser.
Wahrscheinlich hab ich einfach nur einen Sonnenstich abbekommen. Es ist aber
auch verdammt heiß hier. Aber sollten wir nicht langsam zum Bus
zurückgehen?"
Er legte mir einen Arm um meine Schulter und sagte: " Ja, du hast
Recht. Lass uns lieber zum Bus zurückgehen sonst kommen wir noch zu spät.
Ich heiße übrigens Alex..."
"Schön, dass wir uns kennen gelernt haben. Meine Name ist Doro."
antwortete ich lächelnd.
Wieder zurück im Bus schlief Alex schon nach kurzer Zeit ein und lehnte
den Kopf an meine Schulter. Ich hatte ihn vorher nur flüchtig angesehen
und musterte ihn nun genauer.
Er war ein braungebrannter, muskulöser Typ und hatte kurze dunkelbraune
Haare. Außerdem hatte er tief blaue Augen und mit seiner sexy
Sonnenbrille, fand ich, sah er Mark Feehily ziemlich ähnlich. Langsam wurden
auch meine Augenlider schwerer und ich nickte friedlich neben ihm ein.
Am späten Nachmittag kamen wir endlich im Hotel an. Es lohnte sich
eigentlich nicht mehr in die Stadt zu gehen, aber ich wollte ja schließlich
keine Sekunde vergeuden. Alex hatte angeboten mich zu begleiten, und da
ich froh über ein bisschen Gesellschaft war, willigte ich gerne ein.
Wir fanden in der City schließlich ein gemütliches Eiscafe und ich ließ
mich völlig ausgepowert auf einen Stuhl fallen. Ich freundete mich
schnell mit Alex an und wir quatschen ziemlich lange über Gott und die
Welt.
Wir schlürften gerade unsere Cola aus, als am Straßenrand ein cooler
Sportwagen hielt.
Ich dachte mir nichts dabei, bis ER plötzlich ausstieg.
Lässig und vollkommen cool schlenderte er zum Eingang und alle Augen
waren auf ihn gerichtet. Einige Leute grüßten ihn freundlich.
Ich war völlig perplex.
Verwirrt stand ich auf und stammelte: "Shane! Was...ich...ähhm..." In
der Aufregung vergaß ich völlig, dass er ja kein Deutsch konnte und viel
weiter kam ich auch gar nicht. Er drehte sich nämlich zu mir um und ich
verstummte ganz.
Sein Blick schien mich zu durchbohren und mir wurde verdammt heiß. Ich
kam mir vor, wie eine Figur aus einem Kitschroman.
Alles was ich dachte war, dass es ein Traum sein müsse. Völlig
unmöglich, das konnte einfach nicht wahr sein!
Ich zwickte mich um festzustellen ob ich träumte, aber der Schmerz
fühlte sich sehr lebendig an. Ein Gedanke schoss mir durch den Kopf: Im
nächsten Moment werde ich Ohnmächtig. Um mich wieder zu fassen ließ ich
mich auf den Stuhl fallen und ehrlich, ich schämte mich für mein blödes
Benehmen. Schließlich war Shane auch nur ein Mensch, aber eben ein
verdammt süßer und einzigartiger! Alles schien sich nur noch um Shane zu
drehen und ich musste für einen Augenblick die Augen schließen, ich hörte
Alex fragen, ob alles okay wäre und er fragte sich sicherlich was mit
mir los war.
Doch als ich meine Augen wieder öffnete... war ER weg! Ich geriet in
Panik und machte mir Vorwürfe: Wie konntest du ihn gehen lassen? Es war
eine einmalige Chance!
Okay, mal ganz ruhig überlegen. Es gibt immer eine Lösung.
Und dann war alles ganz klar. Ich würde einfach in das Cafe
hineingehen, denn irgendwo dort drinnen musste er ja sein. Ich ließ den verwirrten
Alex zurück und marschierte in das Cafe.
Verdammt viele Leute waren da, nur einer fehlte - Shane. Vielleicht war
er ja auf der Toilette - und wenn nicht?
Auf dem Gang war niemand zu sehen. Ich konnte ja wohl kaum einfach in
die Männertoilette marschieren! Also wartete ich...
Eine Minute, zwei, drei....
Ich stand jetzt schon etliche Minuten in dem Gang und wurde ungeduldig.
Grade wollte ich die Initiative ergreifen, als jemand den Gang herunter
kam.
Ein blondes Mädchen grinste mich an: "Du suchst Shane, stimmt’s?"
Ich starrte sie überrascht an. Woher wusste sie das und woher kannte
sie ihn?
Als hätte sie meine Gedanken gelesen antwortete sie: "Ich hab dich
draußen gesehen. In deinen Augen stand ja regelrecht dick und fett
geschrieben: Hysterischer Fan fällt gleich in Ohnmacht."
Beschämt sah ich sie an und meinte nur: "Na, und? Kann ja mal
passieren, dass man sich nicht unter Kontrolle hat..."
Sie lächelte verständnisvoll: "Ja, besonders bei so einem süßen Typ,
nicht? Allerdings hast du ihn dadurch verscheucht. Er ist aus dem
Hinterausgang raus. Wahrscheinlich wollte er nicht das Risiko eingehen, dass
du doch noch in Ohnmacht fällst!"
Ich schmollte: "Das ist jetzt aber gemein! Und außerdem was geht es
dich an?"
Sie ignorierte meine patzige Stimme und meinte nur vorwurfsvoll: "Mehr
als du denkst! Ich warte hier schon einige Tage auf Shane. Und falls es
dir entgangen ist, dies hier ist sein Lieblingscafe."
Betroffen entschuldigte ich mich: "Sorry, ich hab das wirklich nicht
gewollt. Woher kennst du Shane denn? Wohnst du hier?"
Versöhnlich antwortete sie: "Ja, ich wohne hier. Ich bin Westlife-Fan,
deshalb kenne ich Shane und außerdem leben wir in derselben Stadt. Die
Jungs haben zur Zeit frei, deshalb war es nur eine Frage der Zeit bis
Shane hier auftaucht. Naja, nicht so schlimm. Die nächste Chance kommt
für mich bestimmt noch."
"Hast du die Jungs etwa schon mal getroffen?"
"Ja, natürlich", lachte sie. "Jetzt schau mich nicht so an. Die Jungs
sind doch auch nur Menschen! Wie heißt du eigentlich? Du kannst mich
Cathy nennen."
Ich versuchte mich wieder einzukriegen und antwortete: "Ja,
natürlich... ähm... Ich heiße Doro. Ich wohne hier in einem Hotel. Wir sind heute
angekommen."
"Aha, also nicht alleine da? Wer ist denn mitgekommen?"
"Meine Eltern...leider!", seufzte ich.
"Du Ärmste! Naja, ab heute hast du ja mich. Ich glaube wir werden noch
viel Spaß zusammen haben."
Cathy schaute kurz auf die Uhr und meinte: "Ich muss jetzt echt los.
Wenn du willst können wir uns ja morgen treffen. Um zwei vor deinem
Hotel?"
"Ja, klar! Ich freu mich schon. Bye!" Ich lächelte ihr noch zu, dann
verschwand sie eilig um die Ecke.
Es war Zeit, dass auch ich mich auf den Rückweg machte. Cathy war
wirklich nett und ich mochte ihre lebendige Art.
Vor dem Cafe wartete Alex auf mich und sah mich an, als würde er mich
für verrückt halten.
"Hey! Alles in Ordnung? Wo warst du denn?", fragte er erstaunt.
"Es ist wirklich alles in Ordnung. Ich war nur kurz auf Toilette.", log
ich ohne auch nur Rot zu werden. Alex musste ja nicht alles wissen...
"Komm lass uns zurückgehen...", forderte ich ihn schließlich auf.
Die Straßen waren fast leer und Sligo wirkte wie ein verschlafenes,
kleines Dorf. Mir gefiel es hier trotzdem sehr gut! Die bunten Häuser, die
Natur, die freundlichen Leute, all das faszinierte mich.
Von irgendwoher hörte man das Wiehern von Pferden. Ja, die nächsten
Tage würde ich wohl mal eine Koppel aufsuchen...

Zurück im Hotel wurde ich schon erwartet. Meine Mom kam mir entgegen:
"Da bist du ja endlich! Morgen kommst du bitte etwas früher zurück, ja?
Übrigens ist Sligo eine ganz entzückende kleine Stadt. Man kann hier
wirklich herrlich entspannen!"
Ich grinste nur. "Ja, Mom, ich weiß. Aber du glaubst doch selbst nicht,
dass ich die Abende hier immer im Hotel verbringen werde? Ich hab einen
ganz netten Club entdeckt und ein Mädchen, dass hier wohnt kennen
gelernt, Cathy heißt sie. Ich glaube sie kann mir die Stadt mal zeigen."
Ich fügte noch beiläufig hinzu: "Ein paar süße Typen laufen hier auch
in der Stadt herum." Ich wollte meine Mom etwas provozieren und es
klappte scheinbar auch, denn sie sah mich vorwurfsvoll an. Sie musste
endlich kapieren, dass ich kein kleines Kind mehr bin, sondern letzten Monat
schon volljährig geworden bin.
Ich verschwand daraufhin in meinem Zimmer und duschte erst mal kalt.
Danach fiel ich völlig erschöpft auf mein Bett. Bald darauf nickte ich
friedlich ein, wurde jedoch kurz darauf wieder geweckt. Jemand klopfte an
meine Tür.
Da ich zu faul war aufzustehen, richtete ich mich nur im Bett auf und
rief: "Ja, wer ist da?" Die Stimme antwortete: "Alex. Ich wollte nur
noch Gute Nacht sagen."
"Komm doch rein."
Er öffnete die Tür und trat ein.
"Oh, du schläfst schon? Ich wollte wirklich nicht stören."
"Ach, du störst doch nicht!", meinte ich mit einem Augenzwinkern.
"Was ich dich eigentlich fragen wollte: Hast du nicht Lust morgen mit
mir und Cathy in die Stadt zu gehen?"
"Ja, echt gerne. Aber wer ist denn Cathy?"
"Ach ja, du kennst sie nicht. Ich hab sie in dem Cafe kennen gelernt,
sie ist echt nett. Ihr werdet schon gut miteinander auskommen."
"Na dann... Ich freu mich auf morgen. Und jetzt lass ich dich besser
schlafen. Gute Nacht."
Alex lächelte mir noch zu und verschwand dann.
Nachdenklich sah ich ihm nach. Er war echt nett. Überhaupt waren alle
Leute hier nett. Wenn ich doch nur für immer hier leben könnte, dachte
ich wehmütig. Aber erst mal würde ich meinen Urlaub genießen. Und so
schlummerte ich mit schönen Gedanken wieder ein...

Als ich am nächsten Morgen erwachte war ich bester Laune. Draußen
schien die Sonne und es war herrlich warm. Ich konnte es kaum abwarten nach
draußen zu kommen und schüttete meinen Kaffee nur schnell herunter.
Im Park setzte ich mich auf eine Bank im Schatten. Gegenüber gab es
einen Zeitungsstand, sodass ich mir schließlich aus Langeweile eine
Zeitschrift kaufte. Das Lesen fiel mir, trotz meiner Englischkentnisse
schwer, da ich es nicht gewohnt war, englische Texte in Umgangssprache zu
lesen. Eigentlich interessierte mich auch nur eine Seite. Dort war ein
großes Bild von Westlife mit Sonnenbrillen und darunter stand ein kleiner
Artikel, indem stand dass Westlife zur Zeit Urlaub hätten. Die Frage
war eigentlich nur ob sie die ganze Zeit in Sligo bleiben würden oder
überhaupt den Urlaub in Sligo verbringen.
Naja, wie auch immer... Ich hatte die einmalige Chance die fünf Boys
(oder zumindest drei der Boys) persönlich zu treffen und würde sie mir
sicher nicht entgehen lassen.
Es war komisch, ich war in derselben Stadt und wusste doch nicht wo ich
anfangen sollte zu suchen.
Die Kirchturmuhr erinnerte mich mit ihren dumpfen Schlägen an meine
Verabredung. Cathy musste jetzt bestimmt schon eine Weile warten.
Ich rannte also zum Hotel zurück und sah Cathy auch schon davor stehen.
Sie unterhielt sich scheinbar ganz gut mit Alex.
"Hey, da bin ich! Sorry, wenn ihr warten musstet. Aber da konntet ihr
euch ja auch gleich schon mal kennen lernen!", sagte ich etwas außer
Atem.
"Ja, super! Dann können wir ja los.", meinte Cathy.
Wir bummelten also durch Sligo City und Cathy erzählte uns vom Leben in
Irland. Wie ich feststellte hatten die meisten davon eine ganz falsche
Vorstellung. Denn es war genauso normal wie auch in Deutschland. Nur
das Irland nicht immer auf den neusten technischen Stand war. Zum
Beispiel hatte man jetzt erst angefangen den Müll zu trennen. Außerdem hatte
man hier Probleme mit der Arbeitslosigkeit, aber die hatten wir in
Deutschland ja auch. Ich hörte nach einer Weile nicht mehr so genau zu, weil
meine Aufmerksamkeit auf einen silbernen Porschen gelenkt worden war.
Es stieg nach einer Weile ein sportlicher Typ aus. Ich erkannte ihn
nicht gleich, vielleicht weil ich so überrascht war. Es war Mark
Feehily!!! Aber es saß noch jemand in dem Schlitten. War es Shane?
Ich konnte es nicht genau erkennen. Es kam mir vor, als würde alles in
Zeitlupe ablaufen. Ich ergriff Cathys Hand und zerrte das völlig
verwirrte Mädchen über die Straße.
"Aua! Du tust mir weh! Was soll das?"
"Psst. Schau dir den silbernen Schlitten da vorne mal genauer an!"
Im nächsten Moment stieß sie auch schon einen Freudenschrei aus.
"Mark!"
Jetzt war auch sie nicht mehr zu stoppen und wir liefen quer über die
Straße. Die Zeit schien für den Augenblick stehen zu bleiben. Mir wurde
schwindelig und ich stolperte - genau in Marks Arme. "Hey, nicht so
stürmisch ihr beiden!" Ich schaute in Marks glasklare blauen Augen, die
wie das Meer aussahen, doch das verwirrte mich nur noch mehr. Ich
versuchte mich wieder zu fangen und stammelte eine Entschuldigung. Ich wusste,
dass ich mich wie eine Idiotin benahm, aber fühlte mich einfach so
hilflos. Inzwischen öffnete sich die zweite Tür des coolen Schlittens und
heraus kam.... SHANE!
Ich benahm mich wirklich wie eine Idiotin und starrte ihn die ganze
Zeit an.
"Hey Mark! Was ist los? Wir müssen weiter..." Er hielt mitten im Satz
inne und schaute mich an. Dann lächelte er und meinte: "Hey, du bis doch
das Girl von gestern im Cafe, oder?"
Ich nickte etwas beschämt. Cathy und Mark unterhielten sich inzwischen
und machten Scherze. Sie musste die Jungs schon länger kennen, denn
jetzt grüßte auch Shane sie.
"Hy Cath! Schön dich mal wieder zu sehen! Wie geht’s denn so? Willst du
mir nicht deine Freunde vorstellen?"
Alex war unterdessen wieder zu unserer kleinen Gruppe getroffen.
Cathy grinste Shane an: "Hey Shorty, du bist ja immer noch kein Stück
größer geworden! Wie du siehst geht’s mir prima! Wirklich schön, dass
wir uns mal wieder treffen! Hab euch schon vermisst! Im Cafe hast du ja
gestern nicht gewartet...
Okay, dass hier sind Alex und Doro aus Deutschland. Die beiden machen
hier Ferien."
Shane lächelte so süß, dass ich fast dahin schmolz. Wie kriegte er es
nur immer hin, dass ich mich jeden Tag von Neuem in ihn verliebte?
Jetzt antwortete Shane versöhnlich: " Oh, das im Cafe tut mir leid. Ich
musste nur kurz dort etwas abholen und dann auch schon weiter zu einem
Geburtstag. Es musste ja so ausgesehen haben, als ob ich die Flucht
ergriffen hätte, aber dass war wirklich nicht so. Ich war sowieso schon zu
spät dran und musste schnell los."
Cath lachte und meinte mit einem Seitenblick zu Mark: " Na, das
Zu-spät-kommen ist doch normalerweise Marks Angewohnheit!"
Mark brummelte etwas und schaute Cath verstimmt an.
Daraufhin streichelte sie ihm mit der Hand über die Wange und meinte: "
Hey, war doch nicht so gemeint, mein kleiner Grummelbär! Nicht mehr
böse sein, ja?"
Da konnte selbst Mark ihr nicht mehr böse sein und lächelte sie an. "
Ist ja schon gut. Hast ja irgendwie auch Recht. Ich hab eben nicht so
ein gutes Zeitgefühl."
Ich verfolgte das ganze Gespräch mit großen Augen. Das sind sie also!
Super nett und total süß... Boah, und Shane war einfach nur der Hammer!
Ich hatte mich immer gefragt, ob es wahre Liebe sein kann, wenn man
jemand nur übers Fernsehen oder Bilder kennt, aber indem Moment wusste
ich, es gibt sie: Es gibt tatsächlich die Liebe auf den ersten Blick!
Ich wurde plötzlich aus den Gedanken gerissen. Shane hatte mehrmals
meinen Namen gerufen und ich hatte nicht reagiert. "Sorry, ich war total
in Gedanken versunken!", entschuldigte ich mich.
Shane lächelte wieder mal unglaublich süß und meinte: "Ja, hab ich
gemerkt! Was würde ich jetzt nicht alles darum geben Gedanken lesen zu
können!" Zum Glück konnte er es nicht, dachte ich und wurde trotz meiner
Bemühungen rot.
" Ich hatte gefragt in welchem Hotel du mit deinem Freund wohnst."
wiederholte Shane.
Ich warf Alex einen verwirrten Blick zu und meinte nachdrücklich: " Er
ist nicht mein Freund!"
Ich fügte noch schnell hinzu: "Wir wohnen im Tower Hotel."
Mark ging nun einen Schritt auf das Auto zu und rief: " Komm, Shane.
Wir müssen wirklich weiter!"
Mark fügte noch hinzu: "Bye at all", bevor er sich ins Auto setzte und
uns noch mal zulächelte. Shane ging jetzt auch ums Auto herum und
wollte gerade einstiegen, als mir im letzten Augenblick noch was einfiel: "
Wartet mal, Boyz. Könnt ihr mir noch ein Autogramm geben?"
Mark grinste: "Na klar. Dir auch Cath? Dein hunderttausendstes
Autogramm von uns? Habt ihr mal was zu Schreiben da?"
Cathy schmollte vor sich hin: " Stimmt ja überhaupt nicht! Mein
dreizehntes."
Über ihr Gesicht huschte ein Lächeln.
Mark hatte inzwischen im Wagen Autogrammkarten gefunden und sie
schrieben munter drauflos. Shane reichte die Karten an Mark weiter, der sie
Cathy gab und dann noch meinte:" Dein dreizehntes also. Na, dass muss ja
Glück bringen!"
Dann fuhr das Auto endgültig davon...


Es war kurz vor dem Abendbrot und ich saß in meinem Zimmer.
In meinen Händen hielte ich die Autogramme. Ich dachte über die
Bedeutung der Bemerkung von Shane nach. Er hatte folgendes darauf geschrieben:
"Wish you courage to Realizing and courage to show your opinion.”
Mut zur Verwirklichung und Mut zur Meinung.
Warum wünschte er mir ausgerechnet Mut zur Verwirklichung und Meinung?
Wieso?
Die Antwort würde ich wahrscheinlich nie bekommen. Es sei denn... wenn
ich ihn noch mal treffen und fragen würde. Ach Unsinn, soviel Glück
würde selbst ich nicht haben.
Mark hatte auf Cathys Karte geschrieben:
"Alles Gute zum 13. .....
Autogramm!
Viel Glück weiterhin
Mark xoxoxoxo"

Das bedeutete, dass Cathy die Jungs schon mindestens dreizehn mal
getroffen hatte!
Na gut, sie wohnte schließlich hier...

Am Abend ging ich mit Cathy in einen Club, aber es war nicht so toll.
Meine Gedanken drifteten immer wieder ab. Ich musste an Shane denken.
Was er wohl gerade machte? Auch an Alex dachte ich, wie er sich am Abend
über unsere Schwärmerei für Westlife lustig machte. Aber was wusste er
schon? The person you don’t know
You don’t know... Es erinnerte mich an den Song "You don’t know" von
Westlife.
He don’t know anything about Love!


Am nächsten Tag stand ich schon früh auf. Ich musste Shane unbedingt
fragen was diese Bemerkungen zu bedeuten hatten. Einen Plan hatte ich
auch schon. Ja, natürlich es würde nicht einfach werden... aber Liebe ist
niemals einfach...
Ich musste Shanes Haus ausfindig machen und der Rest würde sich von
selbst lösen.
Am Nachmittag fragte ich Cathy ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe.
Sie wirkte fast entsetzt: "Vergiss es! In ihre Häuser durfte selbst ich
bisher nicht rein. Ich glaube das übertritt ihre Privatsphäre.
Jedenfalls lassen sie da keine Fans herein."
Ich überlegte: " Ja, schon. Aber er könnte doch auch nur mal kurz
rauskommen. Ich muss wissen was es bedeutet. Und ich habe so ein Gefühl,
dass es wichtig sein könnte."
Jetzt wurde Cathy fast ärgerlich: "Was denkst du denn wer du bist? Wenn
Westlife für jeden Fan vor die Tür kommen würden müssten sie ja den
ganzen Tag draußen stehen. Und ihr Haus wäre von Verrückten nur so
belagert! Und glaub gar nicht, dass du was Besonderes bist nur weil sie in der
Stadt nett zu dir waren! Man, dass ist ihr Job! Außerdem stand uns der
größte Klatschreporter der Stadt gegenüber! Westlife sind Profis, die
lassen sich nicht von der Presse niedermachen!"
Ich schaute sie enttäuscht an und kämpfte gegen die Tränen. Ein dicker
Kloß in meinem Hals ließ mir fast keine Luft mehr. Ich schluckte, aber
ich war zu verletzt um jetzt etwas zu sagen.
"Hey, so war das doch auch nicht gemeint! Ich war wohl etwas heftig!",
lenkte Cathy ein.
Ich machte eine abwehrende Armbewegung. "Nein. Nein, es ist schon okay.
Du hast ja Recht. Vollkommen Recht! Es ist Unsinn. So wie auch die
Liebe Unsinn ist. Ich rede es mir alles nur ein, weil ich es gerne so
hätte. Aber die Realität sieht eben anders aus..."
Ich schaute Cathy in die Augen. Tränen liefen mir übers Gesicht. Nein,
es war eigentlich nichts okay - absolut nichts!
Ich senkte meinen Kopf damit Cathy mich nicht so hysterisch heulen sah.
Ich versuchte mit ruhiger Stimme weiter zu sprechen: " Einen Augenblick
lang... Da war etwas! So ein wunderbares Gefühl, weißt du? Als hätte
ich das Puzzlestück gefunden, das mich ergänzt. Es war... als ob Shane
mir etwas bestimmtes sagen wollte, aber irgendetwas ihn dazu veranlasste
es doch nicht zu tun... Du hältst mich doch jetzt bestimmt für
verrückt, oder?"
Cathy holte tief Luft. Ich bemerkte, dass auch sie einen Kloß im Hals
hatte. Sie bemühte sich die richtigen Worte zu finden: "Ich... Ich kenne
das schon! Es ist als würdest du unter Strom stehen, wenn ER dich
ansieht. Du könntest schwören, dass es zwischen euch funkt... Aber.. ja,
letztendlich traut sich niemand den ersten Schritt zu machen. Warum weiß
ich auch nicht. Vielleicht schlechte Erfahrungen, vielleicht einfach zu
verletzt. Ach, es ist so aussichtslos..."
Und dann fing die sonst so beherrschte Cathy an zu schluchzen. Wir
heulten einfach so eine Weile vor uns hin und trösteten uns gegenseitig,
bis es irgendwann wieder okay war. Wir wussten was der andere fühlte, es
waren keine großen Worte nötig.
Und dann stand Cath plötzlich wie ausgewechselt auf. Nahm mich beim Arm
und zerrte mich mit. "Komm mit, ich zeig dir was!"
Wir liefen durch den Park über die Wiesen, liefen durch die Stadt,
vorbei an den vielen Häusern und Autos. Wir liefen Hand in Hand und lachten
übermütig. Die Welt um uns herum war total vergessen. An einer
Pferdekoppel machten wir schließlich Halt.
Ein Pferd fiel sofort auf, es blähte stolz die Nüstern und schnaubte
zur Begrüßung. Sein Fell glitzerte in der Sonne fast silbern und sein
muskulöser Körper spannte sich.
"Wow... Er ist bezaubernd!", meinte ich begeistert.
Cathy streichelte ihn zärtlich. "Ja, das ist er! Ich habe ihn Diamond
Star getauft. Er ist das wertvollste Tier auf dieser Weide und schau wie
stolz er sich benimmt, er scheint es zu wissen!"
"Wem gehören die Pferde?", wollte ich wissen.
Cathy lächelte mich geheimnisvoll an. "Rate doch mal! Du wirst die
Besitzer wahrscheinlich genauso bezaubernd finden, wie Diamond Star!"
Ich zuckte ahnungslos die Schultern: "Keine Ahnung!"
"Okay, du wirst nie darauf kommen! Die Besitzer heißen Peter und Mae
Filan!"
Ich war sprachlos. Als ich mich wieder gefunden hatte schrie ich laut
los: "Das ist jetzt nicht wahr, oder? Die gehören alle Shanes Eltern?
Unglaublich... Das wird mir niemand glauben, Cath!"
Fröhlich sprang ich über die Wiese. Cath lächelte wieder. "Das ist ja
noch nicht alles! Siehst du den Stall da drüben?" Cathy zeigte mit dem
Finger in die Richtung. "Der Besitz gehört ihnen auch. Und Shane kommt
öfter mal hier her und reitet aus!"
Ich sah sie völlig durcheinander an.
"Du bist ein echter Schatz! So eine Freundin wie du es bist, ist
einmalig! Danke für alles! Lass uns rübergehen und uns dort mal umschauen.",
sagte ich mit überschlagender Stimme.
"Langsam!", bremste Cath mich ab.
"Wenn man uns da sieht fliegen wir vom Hof!", ermahnte sie mich.
Ich lachte übermütig und drehte mich glücklich mit ausgestreckten Armen
im Kreis. "Na und wenn schon! Heute gehört die Welt uns!"
Ich ließ mich ins Gras fallen, weil mir vom Drehen schwindelig wurde.
Cath half mir wieder hoch und rief: "Dann lass uns gehen!"
Wir liefen ungehalten zum Stall hinüber, lachend und scherzend.
Durch den Lärm wurde der Stallbursche auf uns aufmerksam.
"Hey ihr! Was macht ihr denn hier?"
Cathy kannte in dieser Stadt scheinbar jeden und antwortete: "Hey Mike!
Wir waren grade in der Nähe und wollten dich mal besuchen."
Sie setzte dann ihr charmantestes Lächeln ein und kriegte ihn weich.
"Schon gut. Hab’s ja kapiert, aber lasst euch von niemandem
erwischen!", brummte Mike und ging davon.
"Na, also! Es geht doch!", meinte Cathy lachend.
Auf einmal hörten wir eine Stimme hinter uns: "Was geht?"
Überrascht drehten wir uns um. Cathy wurde bleich im Gesicht und
stotterte: "Oh...ähm...Hallo Mister Filan! Es tut uns leid, dass wir hier so
einfach..."
Weiter kam sie auch gar nicht, weil Peter Filan, Shanes Vater, in
schalendes Gelächter ausbrach.
"Hey Cath! Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen. Wie lange
haben wir uns jetzt schon nicht mehr gesehen? Du bist ganz schön groß
geworden. Deine Mutter habe ich übrigens gerade in der Stadt getroffen. Sie
wusste allerdings nicht wo du dich so rumtreibst. Naja, du hast ja
schon Recht, dass wir es nicht gerne sehen, wenn sich Fremde auf unserem
Hof rumtreiben und schon gar nicht Fans, aber bei dir ist das doch etwas
anderes! Ich kenne dich schließlich schon, seit du ein Baby bist."
Peter Filan schaute sie gutmütig an.
Ich musterte ihn nun erst mal genauer, nachdem der erste Schock
überstanden war. Peter war ein älterer Herr mit Bauchansatz und Halbglatze. Er
sah richtig nett aus.
Ich musste plötzlich lächeln, er passte genau in das Bild, was ich
früher immer von einem netten Opa hatte. Ich war ohne viel Verwandtschaft
aufgewachsen und genauso einen gutmütigen Mann hatte ich mir immer als
Opa gewünscht.
Peter schaute jetzt mich an.
"Na, und wer bist du denn? Ich sehe dich hier zum ersten Mal."
"Ja, ich mache hier auch nur Ferien. Ich heiße Doro.", antwortete ich.
"Ach, soso, Doro. Tja, dann herzlich Willkommen in Sligo! Aber ihr
wollt bestimmt zu Shane. Ihr habt wirklich Glück. Er kommt nachher hier
vorbei und möchte mit Mark und Nicky ausreiten. Also, wenn ihr auf ihn
warten wollt, könnt ihr euch ja hier noch ein bisschen umsehen. Ich muss
jetzt leider weiter." Er lächelte mir aufmunternd zu und klopfte mir
noch freundschaftlich auf die Schulter bevor er weiterstapfte.
Ich sah Cathy nur an und im nächsten Moment mussten wir beide lächeln.
"Cath, das ist alles so genial! Du bist die Beste!"
Voller Freude wirbelten wir über den Platz und ließen uns am Rand der
Weide ins Gras fallen.
"Weißt du was? Ich glaube Peter mag dich, sonst hätten wir hier
bestimmt nicht warten dürfen.", meinte Cath.
"Ach, Quatsch!", widersprach ich, "Er kennt dich von früher und nur
deshalb dürfen wir hier bleiben! Aber er ist sehr nett. So jemanden, wie
ihn wünschte ich mir früher immer als Großvater."
Cathy musste lachen. "Komischer Vergleich."
"Wieso denn?", fragte ich erstaunt.
"Naja, er könnte dein Schwiegervater sein!"
Ich überlegte: "Hmm, ja du hast Recht. Aber das wäre doch gar nicht so
schlecht, oder?"
Jetzt musste auch ich lachen. Nein, er würde wohl nie mein
Schwiegervater werden.
"Obwohl, wenn ich mir einen von Shanes Brüdern schnappe vielleicht
doch. Aber die sehen nur halb so gut aus wie Shane.", meinte ich scherzend.
Cathy warf mir einen Büschel Gras ins Gesicht, das sie vorher
rausgerupft hatte. "Jetzt bist du wohl vollkommen übergeschnappt, was?"
Plötzlich packte mich jemand von hinten an den Schultern, sodass ich
erschrocken aufschrie.
"Übergeschnappt, vor Freude uns zu sehen?" Shane grinste mich von
hinten breit an.
"Ja, das wird es wohl sein! Vor allen Dingen, weil ich jetzt fast einen
Herzinfarkt gekriegt hätte!", meinte ich mit ironischem Unterton.
"Musst du dich denn auch so anschleichen? Wo hast du denn Mark und
Nicky gelassen?", fragte ich anschließend noch.
Shane setzte sich neben uns ins Gras und fragte erstaunt: "Woher wisst
ihr denn das schon wieder? Die beiden suchen sich grade ein Pferd aus.
Meine Wahl steht ja schon fest."
"Diamond Star!", sagten Cathy und ich fast gleichzeitig.
"So haben wir ihn genannt.", erklärte Cathy. "Wir sind außerdem vorhin
auf deinen Vater gestoßen und er hat uns eingeladen noch zu warten."
"Na dann ward ihr ja in bester Gesellschaft.", meinte Shane lächelnd.
"Da kommen Nicky und Mark ja auch schon!" Ich deutete in ihre Richtung.
"Nicky sieht ja richtig sexy in seinem Cowboy-Outfit aus.", entfuhr es
mir. Ich erntete von Shane auch prompt einen Blick, den ich als
eifersüchtig deuten würde.
"Schau dir doch mal den Knackarsch an.", flüsterte ich Cathy zu.
"Psst, Shane ist ja schon ganz eifersüchtig.", meinte Cathy mit einem
Seitenblick auf Shane.
"Na und.", entgegnete ich und sah zu Shane rüber. Er war auch wirklich
zu süß. Und bei seinem Anblick bekam ich direkt Lust darauf durch
Shanes gestylte Frisur zu wuscheln, aber ich wusste ja das war den Jungs
heilig.
"Na, hättet ihr nicht Lust mit auszureiten?", fragte Shane jetzt.
"Bei so einer netten Einladung kommen wir doch gerne mit, oder Cath?",
meinte ich.
Cathy hatte bis jetzt die ganze Zeit zu Mark hingestarrt und ich schien
sie jetzt ganz aus den Gedanken gerissen zu haben.
Verwirrt fragte sie: "Was? Sorry, ich war gerad in Gedanken woanders."
"Das hab ich gemerkt.", meinte ich, "Ob du Lust hast mit den Jungs
auszureiten?"
"Natürlich. Worauf warten wir noch?", meinte Cath wieder voller
Tatendrang.
Mike kam gerade mit drei gesattelten Pferden um die Ecke und Shane
schrie zu ihm rüber: "Mike, kannst du noch zwei Pferde für die beiden Ladys
satteln?"
Mike nickte und verschwand mit einem Grinsen.
Ich hatte noch nicht viele Reitstunden hinter mir und saß ziemlich
unsicher im Sattel.
"Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee war.", gab ich zu bedenken.
Doch Shane strahlte mich nur an und sagte: "Wieso denn nicht? Du machst
doch eine prima Figur im Sattel. Und bei einem kleinen Ausritt ist noch
niemand gestorben."
Das Kompliment wirkte und ich gab mein Bestes und richtete mich im
Sattel grade auf.
"Okay! Lust auf einen kleinen Wettstreit? Wer als erster bei dem Baum
da hinten ist hat gewonnen!", ertönte Marks Stimme.
Und schon preschten wir mit unseren Pferden über die Wiese.
Mein Pferd, eine schwarze Stute hieß Mira und ich genoss den Moment als
ich völlig eins mit dem Pferd über die Wiesen galoppierte.
Es überkam mich ein Gefühl der vollkommenen Freiheit und
Unbeschwertheit.
Der Wind wehte mir durch mein dunkelbraunes Haar und die Sonne schien
so friedlich vom Himmel, als wäre es ein Tag im Paradies.
Ich kam natürlich nicht als Erste an, aber das war mir egal.
Mark lachte und schaute uns triumphierend an. "Tja, ich bin halt der
absolute Gewinner! Mit mir könnt ihr nicht mithalten!", rief er lachend
um uns zu necken.
"Na, warte! Diese Überheblichkeit werde ich dir noch austreiben, du
kleiner Angeber!" Kaum hatte Cathy das ausgesprochen da legten sie auch
schon eine wilde Verfolgungsjagd hin.
Nicky grinste nur und sagte kopfschüttelnd: "Wie die kleinen Kinder! Na
los, lasst uns hinterher reiten."
Ich griff mir mit der Hand an die Stirn und sagte: "Reitet doch schon
mal vor. Ich habe Kopfschmerzen, komme aber gleich nach, okay?"
Allerdings hatte ich bei dieser taktischen Ausrede auch so meine
Hintergedanken. Ich wusste, dass Shane ein Gentleman war und auf mich warten
würde. Dann hätte ich endlich mal einen Moment allein mit ihm.
Ich hoffte und betete, dass mein Plan aufgehen würde.
Nicky ritt inzwischen schon mal nach vorn weiter.
Shane sah mich kurz an und fragte dann: "Ich kann warten. Natürlich nur
wenn du willst?"
Ich lächelte, mein Plan war also aufgegangen. "Danke, du bist echt
nett!"
Ich schenkte ihm noch einen liebevollen Blick und dann ritten wir
langsam hinter den anderen her.
Nach einem längerem Schweigen traute ich mich endlich zu sagen: "Ich
hab mal ’ne persönliche Frage an dich." Dann fügte ich schnell hinzu: "Du
musst natürlich nicht antworten."
"Frag ruhig.", meinte Shane mit neugieriger Stimme.
"Okay. Ich hab ziemlich lange über deine Bemerkung auf meiner
Autogrammkarte nachgedacht. Weißt du, ich habe das Gefühl sie hat irgendeine
besondere Bedeutung. Aber welche? Was wolltest du mir damit sagen?"
Ich beugte mich gespannt nach vorne, aber Shane schwieg zunächst.
Dann fing er langsam an zu erzählen: "Mut zur Verwirklichung. Mut zur
Meinung. Das waren meine Worte, stimmt’s?" Ohne eine Antwort abzuwarten
redete er weiter: " Naja, du hast Recht, sie haben schon eine besondere
Bedeutung. Ich dachte mir diese Worte würden zu dir passen, es ist
nämlich so...
Es braucht oft viel Mut um die eigene Meinung zu vertreten. Viele Leute
werden versuchen dich von deinem Weg abzubringen und dich zu
beeinflussen. Dann musst du stark sein um Widerstand zu leisten. Denn nur, wenn
du denn Mut nie verlierst wirst du dein Ziel auch erreichen.
Um Träume wahr werden zu lassen brauchst du viel Mut zur
Verwirklichung, weil du um deine Träume wahr werden zu lassen, hart kämpfen musst.
Das wollte ich dir damit sagen. Mein Großvater hat das mal zu mir
gesagt. Das war noch lange bevor ich mit Westlife erfolgreich war. Ich hab
die Worte nie vergessen und es scheint als hätten sie mir Glück
gebracht."
Ich war sichtlich beeindruckt: "Tja, ich werde mir diese Worte gut
merken, vielleicht bringen sie mir ja auch Glück."
Ich sah Shane überglücklich an und nahm seine Hand und drückte sie
kurz. Ich wünschte mir, ich würde seine Hand nie wieder los lassen
müssen...

Als wir schließlich beim Stall ankamen wartetet die anderen schon
ungeduldig. Nicky machte seine Scherze darüber: "Ich dachte schon ihr hättet
euch verirrt oder ein gefährlicher Krimineller hätte euch gekidnappt!"
Ich lächelte und schüttelte den Kopf. "Nein, da sind wir ja wieder! Du
kannst die Polizei anrufen und Bescheid geben sie können ihre
Suchtrupps zurückrufen und sollen ihre Scharfschützen wieder abziehen."
Nicky grinste mich breit zurück an.
Mark meldete sich jetzt auch zu Wort: "Okay Leute! Alle mal herhören!
Also wir geben ja morgen Abend ’ne Party um unsere abgeschlossene
Tournee zu feiern. Was ich eigentlich fragen wollte: Mädels, habt ihr morgen
Abend schon was vor oder habt ihr Lust zu unserer Party zu kommen?"
Ungläubig starrten wir Mark an. Cathy und ich freuten uns wie kleine
Kindern, ließen uns das aber nicht anmerken.
"Ist das dein Ernst? Natürlich, würden wir morgen Abend super gerne
kommen!", nahm Cathy die Einladung schließlich an.
Shane erinnerte sich plötzlich, dass sie noch ein paar Vorbereitungen
treffen mussten und wir verabschiedeten uns darauf hin.

Teil 2:

Es war mein vierter Tag hier in Sligo und heute Abend war es also so
weit!
Ich konnte immer noch nicht glauben auf die Party eingeladen worden zu
sein!
Mich machte die Frage ganz verrückt, was ich bloß anziehen sollte. Ich
war nicht darauf vorbereitet gewesen auf so ein Event zu gehen.
Aber die Frage des richtigen Stylings würde ich nachher noch mit Cathy
klären.
Im Moment musste ich mich davon ablenken und irgendwie die Zeit
totschlagen.
Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, dabei waren es nur ein paar Stunden.
Aufgeregt begrüßte ich schließlich Cathy, die sogar etwas zu früh da
war.
"Hey, da bist du ja endlich!"
Ich schob sie durch die Zimmertür.
"Ich hab nämlich ein Problem: Was soll ich bloß anziehen? Diese Frage
macht mich noch ganz verrückt. Als ich gepackt habe, hätte ich nie im
Leben daran gedacht auf so eine Party eingeladen zu werden."
Cathy sah mich lachend an.
"Du bist ja ganz durch den Wind! Aber ich kann dich beruhigen, dass ist
alles gar kein Problem. Du kannst dir ein paar Klamotten von mir
aussuchen!"
Total überdreht sprang ich durch das Hotelzimmer.
"Lass uns am Besten sofort zu dir gehen und uns umziehen!", drängelte
ich.
Cathy verdrehte nur die Augen und meinte: "Wir haben noch knapp 5
Stunden Zeit, also immer schön langsam."
Trotzdem gingen wir dann doch früher als nötig los.
Cathy wohnte in einem himmelblau angestrichenem Landhaus.
Ihr Zimmer war zwar einfach eingerichtet dafür aber um so gemütlicher.
"So dann such dir mal was aus."
Cathy überließ mir die Qual der Wahl und setzte sich auf einen Stuhl.
Auf dem Bett lag ein hellblaues Kleid, dass sie sich ausgesucht hatte.
Vor mir stand der geöffnete Kleiderschrank. "Puh, da hab ich aber eine
große Auswahl! Du musst mich aber schon beraten.", verlangte ich ihre
Hilfe.


Nach endlos langem Anprobieren hatte ich endlich das Richtige gefunden.
Das rote Kleid war etwa knielang und unten schräg herabfallend.
Außerdem hatte das Kleid silberglitzernde Blumen darauf und Cathy meinte:
"Damit siehst du aus wie eine Spanierin! Fehlt nur noch das richtige
Styling."
Nach über zwei Stunden waren wir dann endlich fertig. Cathy hatte ihr
blondes Haar hochgesteckt und sah in dem hellblauen Kleid wirklich
bezaubernd aus. Wäre ich ein Mann gewesen, hätte ich sie sofort genommen.
Ich selbst hatte mein Haar, auf anraten Cathys, offen gelassen und an
meinen Ohren glitzerten zwei silberne herunterhängende Ohrringe.
Cathy nahm meine Hand und wirbelte mich einmal durch das ganze Zimmer.
Aufgeregt schrie sie: "Wir werden es den ganzen eingebildeten Zicken
auf der Party schon zeigen!"
"Na, keine vorschnellen Urteile, Cath! Vielleicht gibt es dort ja auch
ein paar nette Leute...", bremste ich Cathy ab.
Cathys Mom fuhr uns zu der großen Villa, wo die Party statt finden
sollte. Es war schon alles in vollem Gange, denn wir waren extra ein
bisschen zu spät gekommen.
Cath und ich mischten uns unter die Gäste und nahmen uns ein Glas Sekt.
Es schien die ganze "High Society" da zu sein.
"Hey, von einer Poolparty war aber keine Rede gewesen.", stellte ich
begeistert fest.
Cathy hielt inzwischen nach unseren Gastgebern Ausschau, die aber
nirgends zu sehen waren.
Ich kicherte Cathy zu: "Ich bin ja echt gespannt wie der Abend so
verläuft. Westlife sind ja für ihre wilden Partys bekannt. Boah, hast du
schon Fotos von der letzten großen Feier gesehen? Shane sieht voll süß
aus, wenn er betrunken ist. Er kneift dann immer voll süß die Augen
zusammen."
Cathy staunte: "Nein, hab ich nicht. Wo hast du die Fotos denn her? Ich
hab in keiner Zeitung davon gelesen."
Ich lächelte sie zwinkernd an. "Du musst eben die richtigen Seiten im
Internet kennen."
"Jaja, jetzt kommt’s raus! Hey, schau mal! Da tut sich was auf der
Bühne. Lass uns mal hingehen."
Tatsächlich wurden dort ein paar Geräte aufgebaut.
Wir kämpften uns langsam durch die Masse nach vorne. Und dann kamen die
fünf Iren auch schon auf die Bühne.
Kian nahm sich ein Mikro und begann zu reden: "Ja, erst mal guten
Abend! Ich möchte hiermit noch einmal alle herzlich begrüßen, die wir noch
nicht getroffen haben. Schön, dass ihr gekommen seid. Ich kann euch
versprechen, dass es auf jeden Fall ein schöner Abend wird und wir den
Abschluss unserer Tournee ausgiebig feiern werden. Außerdem haben wir eine
kleine Überraschung für euch vorbereitet. Ihr kennt die Songs die wir
gleich singen wahrscheinlich alle. So Sligo, come on!"
Es war wirklich eine gelungene Überraschung! Westlife rockten zu dem
Hit "Let me entertain you" von Robbie Williams richtig ab.
Danach gaben sie noch ein paar Party-Songs zum Besten. Bis schließlich
Bryan das Wort ergriff: "Ja, wir hoffen unsere kleine Show hat euch
gefallen. Wir sehen uns dann ja gleich unten. Bye bye... Ach ja, Shane hat
noch ein kleines Solo vorbereitet. Hey Shane rock das Haus!!! Tschüss
wir sind raus..."
Und damit verschwanden Mark, Kian und Nicky hinter der Bühne. Bryan
hatte inzwischen eine praktischere Möglichkeit gefunden und jumpte nach
vorne von der Bühne.
Shane nahm unterdessen das Mikro in die Hand und begann: "Ja, also, ich
hab einen besonderen Song ausgesucht und hab mir dabei natürlich auch
etwas gedacht. Der Song ist nämlich unserem Ehrengast aus Deutschland
gewidmet und ich möchte das Girl jetzt mal nach vorne auf die Bühne
bitten. Ich kenne leider nur deinen Vornamen, Doro."
Ich war wie gelähmt nach dem letzten Satz. Nein, unmöglich, er konnte
doch nicht mich meinen.
Cathy schubste mich einen Schritt nach vorn. "Geh schon! Du bist
gemeint." Ich sah sie verunsichert an. "Nein, dass ist sicher eine
Verwechslung."
Aber Shane der sich bisher suchend umgesehen hatte blieb jetzt mit
seinem Blick bei mir stehen und sagte: "Ah, da bist du ja!"
Ich kletterte auf die Bühne, begleitet von dem Applaus der Gäste. Bei
soviel Aufmerksamkeit auf meine Person war ich irgendwie peinlich
berührt und wurde feuerrot im Gesicht. Meine Füße waren weich wie Butter, und
ich fragte mich wieso sie mich überhaupt noch trugen.
Shane nahm mich beim Arm und führte mich zu einem Stuhl. Er lächelte
mich so ruhig und locker an, dass es schon wieder komisch wirkte.
"Okay, der Song heißt "Wonderful Tonight!" und ist nur für diese
bezaubernde Mädchen gesungen."
Ich hielt den Atem an, woher konnte er wissen, dass das mein
Lieblingssong war?
Er fing an zu singen und schaute mir dabei ganz tief in die Augen. Ich
konnte mich schließlich nicht mehr beherrschen und Tränen kullerten
über meine Wangen. In diesem wundervollem Moment gab es für mich nur noch
zwei Menschen: Shane und mich. Alles andere war vergessen. Das gebannt
und fasziniert lauschende Publikum, Cathy die bei Mark wartete und der
Rest der Westlifer, waren für mich verschwunden, wie weggezaubert. Mir
lief es eiskalt den Rücken runter und Shanes klare Stimme machte mir
eine Gänsehaut.
Ja, es war wirklich "Wonderful Tonight". Alle meine Träume wurden mit
einem Mal wahr. Shane endete seinen Song und wischte mir die Tränen aus
dem Gesicht, dann nahm er mich in den Arm.
"Danke! Das war das wunderbarste Geschenk, dass mir bisher jemand
gemacht hat.", flüsterte ich sichtlich gerührt.

Gemeinsam gingen wir zu den anderen hinunter, die schon warteten. Nicky
hatte gerade Georgina erspäht und gesellte sich zu ihr. Cathy stand in
einer kleinen Gruppe bei Bryan, Kian und wie konnte es anders sein auch
bei Mark.
Bryan und Kian begrüßten mich: "Hey ’Wonderful Lady’, schön dass wir
uns auch mal kennen lernen. Hab ja schon viel von dir gehört."
"Hallo ihr beiden! Ist Kerry gar nicht mitgekommen, Bry?", fragte ich.
Er meinte daraufhin: "Nein, leider nicht. Sie ist bei unseren kleinen
Töchterchen geblieben."
Cathy machte den Vorschlag, dass wir uns an den Pool setzen sollten.
Wir deckten uns noch mit reichlich Getränken ein und ließen dann die Füße
ins kalte Wasser baumeln.
Cathy gestand mir dann: "Also mal ehrlich, ich hab dich ganz schön
beneidet, als du da auf der Bühne standest. Aber dir gönne ich das ja auch!
Es muss ein großartiges Gefühl gewesen sein."
Ich sah verträumt in das türkisblaue Wasser, indem sich der Mond
spiegelte.
"Ja, das war es! So schön, einfach unbeschreiblich... Ich kann dafür
einfach nicht die richtigen Worte finden..."
Ich seufzte und blickte gedankenverloren eine Weile vor mich hin.
"Aber sag mal, Cath, was läuft da eigentlich mit dir und Mark? Man
merkt doch, dass ihr euch sehr mögt."
"Ja mögen, kann sein...", antwortete sie zerstreut.
"Mehr nicht?", bohrte ich nach. Doch Shane und Mark, die vorbei kamen
unterbrachen unsere Unterhaltung und riefen: "Habt ihr nicht Lust zu
tanzen?"
Cathy und ich grinsten uns an. "Klar, wenn man so nett gefragt wird."
Als ich aufstand kam ich schon etwas ins Schwanken. Der Alkohol wirkte
doch schon und manchmal war ein bisschen Alkohol gar nicht so schlecht
um die Stimmung zu heben und ich redete dann auch viel mir. Aber der
Alkohol hat auch nur so lange seine guten Seiten, solange ich noch wusste
was ich redete...
Ich bemerkte schon, dass sich die Jungs ein wenig darüber lustig
machten, aber das war mir in dem Moment egal. Morgen würde es mir peinlich
genug sein...
Nachdem wir eine Weile getanzt hatten (Und etliche Drinks später...)
waren Mark und Cathy auf einmal verschwunden. Shane hatte mich auf einen
Stuhl verfrachtet und minutenlang auf mich eingeredet, dass ich mich
nicht von der Stelle rühren sollte. Doch mir wurde irgendwann langweilig
und ich machte mich auf die Suche nach ihnen. Zwischendurch drückte man
mir dann immer wieder einen weiteren Drink in die Hand. Ich wusste,
wenn ich jetzt nicht aufhören würde weiterzutrinken, würde ich mich
übergeben müssen.
Ich fand Cathy, Mark und Shane dann schließlich beim Pool und kam auf
sie zugetorkelt.
"Hey, da seid ihr ja! Es ist aber wirklich nicht nett mich so alleine
zu lassen, ne Cath? Du gibst mir da doch sicher Recht?", lallte ich. Ich
versuchte mich wirklich zusammenzureißen, aber es ging einfach nicht.
Mark kriegte sich nach diesem superpeinlichem Auftritt gar nicht mehr
ein vor Lachen.
Cathy hatte jedoch eher eine besorgte Miene und auch Shane meinte
ernst: "Ist wohl besser, wenn du heute nichts mehr trinkst. Setz dich
lieber, bevor du noch in den Pool fällst."
Doch dieser Gedanke schien von ihm leider zu spät zu kommen. Denn kaum
hatte er es ausgesprochen, da kam ich auch schon ins Stolpern.
Ich fuchtelte hilfesuchend mit meinen Armen, kriegte dann Shanes Arm zu
packen und brachte auch ihn aus dem Gleichgewicht. Es ging alles so
schnell und wir landeten plötzlich mit einem lautem Klatsch im Wasser.
Ich war nur ein paar Minuten unter Wasser und kam dann prustend wieder
hoch. Das kalte Wasser belebte meine Sinne und ich war soweit wieder
etwas klarer im Kopf. Unser nächtliches Bad war natürlich nicht unbemerkt
geblieben und viele Leute lachten am Beckenrand über unser
Missgeschick.
Cathy und Mark fischten uns wieder aus dem Wasser und ich wäre am
liebsten im Boden versunken, so peinlich war mir die Situation.
Ich entschuldigte mich tausendmal bei Shane, doch er schien das Ganze
gefasster zu nehmen und lachte nur darüber.
"Hey, ist doch nicht so schlimm.", beruhigte er mich, "Nur umziehen
sollten wir uns vielleicht."
Und damit hatte er vollkommen Recht, denn trotz der lauen Sommernacht
war es um diese Uhrzeit schon merklich abgekühlt. Wir gingen schließlich
ins Haus und Shane führte mich in ein Gästezimmer.
"Ach ja, du weißt das ja noch gar nicht.", meinte Shane plötzlich.
Ich runzelte die Stirn. "Was denn?"
"Mark hat Cathy vorhin angeboten, dass ihr hier übernachten könnt, weil
es wohl noch etwas später werden kann."
"Schön dass ich das auch mal erfahre...", meinte ich erst etwas
verärgert und fügte dann aber noch hinzu: "Na gut, in meinem Zustand
vorhin...Euer Angebot ist da ja gar nicht so schlecht... Aber meine Eltern
werden sich bedanken, egal..."
Shane sah mich belustigt an. "Was heißt denn hier in deinem Zustand
vorhin? Du willst mir doch nicht erzählen, dass du jetzt wieder nüchtern
bist?"
Meine Augen funkelten ihn böse an. Ich wusste, dass er Recht hatte,
aber ich hasste es, wenn er Recht hatte.
"Was willst du denn damit sagen?", fragte ich verstimmt.
"Nichts - absolut nichts. Aber jetzt mal im Ernst, ich mach mir ganz
schön Sorgen um dich. Geht’s dir wirklich wieder gut, bei so viel Alkohol
wie du getrunken hast?" Shane sah mich mit seinen süßen,
hasselnussbraunen Augen so besorgt an, dass ich anfangen musste zu lachen.
"Jetzt mach dir mal um mir keinen Kopf. Wir sollten uns lieber
schnellstens umziehen.", meinte ich. Shane wandte sich zur Tür und sagte: "Ja,
dann werde ich dir mal ein paar trockene Klamotten holen."
"Ach, übrigens...", fiel mir noch etwas ein.
Shane blieb stehen und drehte den Kopf um. "Ja?"
Ich musste wieder grinsen. "Du siehst sogar als begossener Pudel echt
süß aus." Ich zwinkerte ihm fröhlich zu.
"Ach, und wem habe ich diesen Zustand zu verdanken? Ja wohl nur dir!",
meinte Shane vorwurfsvoll, aber mit ironischem Unterton.
"Es tut mir ja auch leid!", meinte ich und machte einen Schritt auf ihn
zu.
"Ach was... du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen, ist ja nichts
passiert.", flüsterte Shane heiser und wir kamen uns so nahe, dass ich
seinen Atem spüren konnte.
"Nichts passiert nennst du das? Ich hab plötzlich wie verrückt
Herzklopfen und so ein flaues Gefühl im Magen.", flüstere ich zurück.
Shane hob seine Hand und streichelte mir über die Wangen. "Dagegen
kenne ich nur ein Mittel." Shane sah mich mit seinen rehbraunen Augen
forschend an. Er nahm mich schließlich zärtlich in seine Arme und dann
legten sich seine Lippen auf meine und es war ein Gefühl, als würden
tausende Blitze durch meinen Körper strömen. Ich spürte seine Wärme und sog
sie in mir auf, er küsste so unglaublich zärtlich und seine Lippen waren
so weich, ich konnte einfach nicht widerstehen.
Er flüsterte schließlich den Satz nach dem ich mich so gesehnt hatte:
"Ich liebe dich."
Er küsste mich wieder so gefühlsvoll, dass ich mir wünschte er wäre für
immer Mein. In seinen Armen fühlte ich mich so geborgen und sicher.
Vielleicht war es ja Schicksal, dass wir uns getroffen hatten. Flüsternd
murmelte ich: "Ich liebe dich auch - für immer!" Das erinnerte mich
irgendwie an den Song "Close your eyes", auch einer meiner Lieblingssongs.
Die ganze Situation war irgendwie komisch, noch vor ein paar Tagen, war
ich bloß irgendein Fan und jetzt? Jetzt lag ich in Shanes liebevollen
Armen.
Shane stubste mich leicht aufs Bett und ich ließ mich darauf fallen.
Shane lag auf mir und küsste mich immer leidenschaftlicher und
verlangender. Seine Berührungen machten mich verrückt. Ich zog ihm das Hemd aus
und streichelte ihm über seine behaarte Brust. Dann zog er mir mein
nasses Kleid über den Kopf und knabberte leidenschaftlich an meinem Ohr.
Nie wieder wollte ich Shane los lassen. Nur ihn wollte ich lieben in
meinem ganzem Leben, dass schwörte ich mir. Nie könnte ich dasselbe für
einen anderen Mann empfinden, das war mir in diesem Moment absolut klar.
Ich wusste auch was jetzt kommen würde und ich ließ mich vollkommen
darauf ein. Ja, irgendwie ersehnte ich es mir auch...


Ich wachte am nächsten Morgen von einem stechendem Schmerz in meinem
Kopf auf.
Oh, mein Gott! Wo war ich denn bloß?
Und dann kamen auch langsam die Erinnerungen an Gestern.
Ich tastete mit meiner Hand die andere Bettseite ab, fasste aber nur
ins Leere. Shane war also schon aufgestanden. Wo war er? Und vor allen
Dingen was bedeutete ihm unsere gemeinsame Nacht? War jetzt, danach,
alles vorbei?
Die Antwort auf meine Fragen bekam ich zwar nicht alle beantwortet,
aber zumindest einen Teil. Shane kam mit einem strahlendem Lächeln durch
die Tür, in seiner Hand hielt er ein Tablett mit dem Frühstück.
"Guten Morgen, mein Schatz! Hast du gut geschlafen? Ich dachte mir ein
Frühstück im Bett wäre doch ganz schön. Nur wir beide, mein Engel!"
Shane sah mich verführerisch an und gab mir einen Kuss.
"Danke, du bist echt nett! Ich fühle mich nur so schlecht...", stöhnte
ich.
Im nächsten Moment rannte ich auch schon zur Toilette. Als ich
wiederkam war ich kreidebleich im Gesicht und meinte: "Ich glaube jetzt kriege
ich keinen Bissen mehr runter. Sorry, du hast dir soviel Mühe gegeben."
Shane streichelte mir zärtlich über die Wange und sagte: "Ist doch
nicht so schlimm. Aber ich hab etwas das dir bestimmt hilft."
Shane reichte mir ein Glas Wasser und eine Schmerztablette. Scheinbar
hatte er wirklich die Begabung Gedanken zu lesen, denn genau das
brauchte ich jetzt.
"Danke, du bist ein echter Schatz! Ist Cathy schon wach?", fragte ich
anschließend.
"Ja, sie ist unten im Esszimmer."
Ich zog mich an und brauchte eine Weile bis ich in diesem großen Haus
das richtige Zimmer fand.
"Ach, hier seid ihr alle! Guten Morgen!", begrüßte ich Cathy, Nicky und
Bryan.
Bryan grinste mich an und fragte mit komischen Unterton: "Morgen. Hast
du gut geschlafen?" Nicky warf ihm einen Blick zu, der wohl heißen
sollte, dass Bryan die Klappe halten sollte.
Mir war in dieser Situation überhaupt nicht wohl und ich setzte mich
mit einem unverständlichen Gemurmel neben Cathy.
"Wo sind denn Mark und Kian?", fragte ich dann schließlich.
"Schlafen beide noch." Doch im gleichen Moment ging die Tür auf und
beide kamen herein.
"Falsch. Wir sind bereits wach.", meinte Mark.
Kian sah mich mit einem bedeutungsvollen Blick an und meinte: "Na,
schöne Nacht gehabt?"
Daraufhin fingen alle an zu grinsen, selbst Nicky, der mich vorhin noch
verteidigt hatte, musste schmunzeln. Diese Bemerkung war
unmissverständlich auf meine Nacht mit Shane zu beziehen.
Nur Cathy hielt noch zu mir und sagte: "Jetzt lasst sie doch mal in
Ruhe!"
Ich stand auf und wusste selbst nicht was in mir gefahren war. "Was
wollt ihr? Wenn ihr noch irgendwelche Fragen zur Nacht habt, könnt ihr ja
Shane fragen!"
Ich funkelte sie mit meinen Augen böse an und schlug dann die Tür
gereizt hinter mir zu.
Nicky, Bryan, Kian, Mark und Cathy sahen mir überrascht nach.
Okay, ich hatte überreagiert, aber mir gingen diese Andeutungen und
Blicke auf die Nerven. Ich fühlte plötzlich wie mir die Luft abgeschnürt
wurde. All der Reichtum, die protzigen Partys und die kostbaren
Einrichtungen im Haus, gaben mir das Gefühl zu ersticken. Ich brauchte in
meinem Leben kein Geld um glücklich zu sein. Mir wurde schlagartig klar,
dass dies hier nicht meine Welt war. Es überkam mich so ein seltsames
Gefühle, dass mir Angst machte. Ich trat durch eine Hintertür nach draußen
in den Garten. Dann schloss ich meine Augen und holte tief Luft.
Ich fühlte plötzlich einen Arm auf meiner Schulter und Cathy sagte mit
verständnisvoller Stimme: "Hey, was ist denn los mit dir?"
"Was soll denn schon los sein?", fragte ich verbittert.
"Ich weiß es nicht, sag du es mir. Ist es wegen Shane? War es nur für
eine Nacht und du kommst damit nicht klar? Mensch, jetzt red doch
endlich mal mit mir, ich bin deine Freundin!", meinte Cath verärgert.
"Verdammt. Was soll das? Woher nehmen sich eigentlich alle das Recht zu
denken, dass sie wissen was ich fühle?", brach es aus mir heraus.
Ich setzte mich auf eine Treppe und fing plötzlich hemmungslos an zu
Heulen.
"Es ist so schön, weißt du? Aber dieses Gefühl macht mir Angst. Es ist
einfach zu schön... zu schön für diese Welt. Ich habe Angst. Nein,
nicht weil ich nicht weiß wie all das weitergehen soll, sondern weil ich
Angst habe Shane zu verlieren. Ich kann nicht mehr ohne ihn Leben. Ich
liebe ihn wirklich, aber ich glaube nicht, dass das mit uns beiden gut
gehen wird. Ich komme aus einer ganz anderen Welt. Verstehst du was ich
meine?", fragte ich Cathy.
"Nein.", erklang Shanes Stimme hinter uns. Erschrocken drehten wir uns
um. Shane hatte meine letzten Worte gehört und sah mich vorwurfsvoll
an.
"Das ist einfach nicht fair! Du hast uns doch von Anfang an keine
Chance gegeben. Wir könnten es doch wenigstens versuchen."
Ich schüttelte verzweifelt den Kopf. "Nein, Shane, es hat keinen Sinn.
Ich lebe in Deutschland, du ihn Irland und du bist immer ständig
unterwegs. Machen wir uns doch nichts vor - wir haben keine Zukunft."
Ich sah, dass ich Shane sehr verletzt hatte und hätte ihn so gerne
tröstend in die Arme genommen.
Shane lachte verbittert auf. "Ich dachte wirklich, dass du mich liebst
und ich habe dir vertraut. Ich bin nicht der Typ der mit jemanden nur
für eine Nacht ins Bett geht, ohne dabei Gefühle zu haben. Ich liebe
dich, sonst hätte ich doch niemals mit dir geschlafen. Aber du wirfst all
die schönen Momente einfach weg. Du bist nur einer dieser blöden
Groupies, die für ein bisschen Ruhm alles tun. Du bist echt das
Allerletzte!", sagte Shane verächtlich.
Damit hatte er mich tief getroffen, denn Ruhm wollte ich wirklich nicht
und ich war auch kein Groupie. "Das ist doch gar nicht wahr! Du musst
mir das Glauben! Ich gehe doch auch nicht mit jedem erst Bestem ins
Bett!", schrie ich verzweifelt.
Doch er ließ mir nur einen kalten Blick zukommen und verschwand dann im
Haus.
Ich starrte ihm fassungslos nach. Nein, das konnte unmöglich wahr sein.
Ich hatte alle meine Träume zerstört, aus Angst vor meinen Gefühlen.
Shane hatte Recht, er hatte so was von Recht! Aber ich wollte das in
meinem Stolz nicht zugeben.
Cathy nahm mich tröstend in den Arm und ich schluchzte: "Ich will hier
weg...ins Hotel. Bitte, lass uns gehen!"
Wenige Minuten später fuhr der Wagen von Cathys Vater vor. Wir stiegen
ein und er brachte mich ins Hotel.
Cathy fragte: "Bist du in Ordnung oder soll ich noch eine Weile bei dir
bleiben?"
Ich lächelte dankbar: " Nein, du hast sicher deine eigenen Probleme,
aber danke dass du für mich da bist! Meine Eltern fahren heute Nachmittag
zu einem Schloss und ich fahre mit. Hast du nicht auch Lust auf einen
kleinen Ausflug?"
Cathy sagte daraufhin: "Na also, dass ist dich schon wieder die alte
Doro! Natürlich komme ich gerne mit. Also bis dann... Ciao!"
Cathy fuhr davon und ich ging ins Hotel. Meine Eltern kamen mir gleich
entgegen.
"Wir müssen mit dir reden. Komm doch mal mit aufs Zimmer.", forderte
mich meine Mom auf.
Ich folgte meinen Eltern also auf ihr Zimmer und fragte ungeduldig:
"Was ist?"
"Das weißt du doch ganz genau! Gestern war nur von einer Party die
Rede, nicht aber dass du die ganze Nacht weg bleibst!", meinte mein Vater
vorwurfsvoll.
"Es tut mir leid. Ich hätte euch anrufen sollen, aber schließlich bin
ich volljährig!", entgegnete ich.
"Wir haben uns echt Sorgen gemacht, das sind schließlich wildfremde
Menschen für dich!", meinte meine Mom.
"Okay, es tut mir leid, beim nächsten Mal sag ich euch Bescheid,
okay?", lenkte ich ein.
Und damit waren meine Eltern dann auch zufrieden, auf die Frage wie es
war, antwortete ich nur ein "Ganz okay" und ging dann wieder.
In meinem Zimmer legte ich mich aufs Bett und fing wieder an zu Weinen.
Es war doch alles so wunderbar gewesen, bis ich alles zerstört hatte.
Was sollte ich bloß tun? Meine Entscheidung war so falsch gewesen, aber
es gab kein Zurück mehr. Ich seufzte, wenn ich doch bloß die Zeit
rückwärts drehen könnte... (If I could turn back the time, I would put you
first in my life...)
Morgen müsste ich in aller Frühe zurück nach Deutschland fliegen und
all das wäre vorbei. Nein, vorbei wäre es niemals...
Ich würde Shane niemals vergessen können!
Ich machte mir das alles zu einfach, aber im Moment hatte ich keine
Lösung...
Unter Tränen schlief ich dann irgendwann ein.

Ich wurde erst wieder wach, als Cathy fröhlich in mein Zimmer kam. Als
sie mich sah runzelte sie die Stirn und sagte: "Hey, Kleine! Du siehst
aber gar nicht gut aus! Hör mal, vergiss den Streit mit Shane doch mal
einen Augenblick. Das macht dich ja total fertig!"
Wieder rollten Tränen über mein Gesicht.
"Ach, Cathy! Es tut so weh! Ich lieb ihn doch aus tiefstem Herzen...
Nur ihn für immer... weißt du was das bedeutet? Ich will nie wieder
lieben! Nie! Ich könnte auch gar nicht das Gleiche empfinden, wie ich für
Shane empfinde! Aber es ist vorbei!", brachte ich unter Tränen hervor.
"Nein, so darfst du gar nicht denken! Don’t say it’s too late! Kämpf um
ihn! Shane wird dir verzeihen, ich glaube fest, dass er euch noch eine
zweite Chance geben wird. Ihr liebt euch und das ist doch das
Wichtigste!", redete Cath auf mich ein.
Verzweifelt erwiderte ich: "Wie soll ich das machen? Ich reise morgen
ab und eine Fernbeziehung wäre für mich die Hölle! Ich könnte es nicht
aushalten... Ohne ihn!"
"Eben deswegen ja! Du musst mit ihm reden!", drängte sie mich.
"Ja, später. Erst mal genieß ich unseren Ausflug." Ich versuchte zu
Lächeln, aber es gelang mir nicht so Recht.

Wir fuhren pünktlich mit einer Reisegruppe los und waren bald an
unserem Ziel angekommen.
Die Burg kam mir viel größer, als auf den Prospekten, vor. Die alten
Mauern waren mit Efeu bedeckt und auch das Schlossinnere beeindruckte
mich bei der Besichtigung sehr. Das Schloss war erst renoviert worden und
hatte trotzdem nichts von dem alten Stil eingebüßt.
Nach einer Weile wurden es Cathy und mir zu langweilig und wir setzen
uns nach draußen auf eine Parkbank.
"Du schuldest mir übrigens noch eine Antwort.", meinte ich
nachdenklich.
Cathy sah mich überrascht an. "Ach ja?"
"Was ist denn eigentlich zwischen dir und Mark?", fragte ich.
"Etwas komplizierter..."
Mehr wollte sie anscheinend nicht sagen, fügte dann aber noch hinzu: "
Okay, schon gut, ich erzähle es dir! Du gibst ja sonst eh keine Ruhe.
Mark ist sehr nett und ich habe ihn sehr gerne. Gestern auf der Party
sind wir uns etwas näher gekommen und haben uns geküsst."
"Mehr nicht?", fragte ich überrascht.
Cath antwortete daraufhin gereizt: "Nein, mehr nicht. Man muss ja nicht
immer gleich ins Bett miteinander gehen."
Sie seufzte dann und meinte: "Tut mir leid. Es war ja nicht so gemeint.
Das zwischen Mark und mir ist eben etwas besonderes und ich möchte es
nicht kaputt machen. Wir gehen das Ganze etwas ruhiger an und damit
liegen wir ja scheinbar auch richtig, schließlich haben wir nicht so einen
Stress wir ihr...Sorry, ich wollte Shane nicht erwähnen", Cathy biss
sich auf die Lippen.
Ich schaute sie traurig an. "Macht nichts. Ich muss sowieso die Ganze
Zeit an ihn denken. Ich vermisse ihn jetzt schon so!"
Cathy sah mich gereizt an. "Warum rufst du ihn dann nicht einfach mal
an und ihr redet euch aus? Du hast doch das alles gar nicht nötig.
Langsam verliere ich bei euch echt die Geduld!"
Ich sah Cath entmutigt an. "Hast du schon mal versucht Shanes
Handynummer rauszubekommen? Ich würde ja nie sagen, dass etwas unmöglich ist,
aber Shanes Handynummer zu bekommen ist wirklich unmöglich!"
Cathy hielt mir ihr Handy hin. "Hier!"
"Wie du hast seine Nummer?!", fragte ich ungläubig.
"Nein, aber die von Mark. Und du fragst einfach Mark nach Shanes
Nummer! Der hat sie sicherlich.", antwortete Cathy.
Okay, ich musste es zumindest versuchen. Aber was wäre, wenn er uns
keine Chance mehr geben würde? Ich schob meine Zweifel beiseite und wählte
mit zittrigen Fingern die Nummer.
"Ja?", meldete sich Marks Stimme.
"Hallo Mark! Hier ist Doro."
"Hey, was gibt’s denn?", fragte Mark mich.
"Ähm, also eigentlich wollte ich dich fragen, ob du mir Shanes
Handynummer geben kannst.", meinte ich verunsichert.
"Nein, kann ich nicht. Aber ich kann dir Shane mal geben, der steht
nämlich grade neben mir. Bis dann.", verabschiedete sich Mark.
Ich hörte ein Knacken im Handy und mein Herz schlug immer schneller.
Was würde er sagen? Würde er überhaupt mit mir sprechen? Er war heute
Morgen so wütend auf mich.
"Ja, was gibt’s?", erklang endlich Shanes Stimme.
Ich atmete tief ein.
"Hi, ich bin’s... Shane? Liebst du mich noch?", fragte ich leise.
Ich bemerkte die Überraschung in seiner Stimme, als er sagte: "Ja,
natürlich... Wenn man jemanden wirklich liebt, vergisst man denjenigen
nicht so schnell. Was soll das? Was willst du denn jetzt noch von mir?",
fragte er misstrauisch.
"Ich weiß, dass ich dir sehr weh getan habe und es tut mir wirklich
leid. Ich habe soviel Unsinn geredet und vor lauter Angst vor meinen
Gefühlen, dass Wichtigste vergessen: Ich liebe dich! Ich weiß, dass das
alles keine Erklärung für mein Verhalten ist. Aber ich will versuchen es
dir zu erklären. Du hast mir einmal "Mut zur eigenen Meinung" gewünscht.
Ehrlich gesagt, dachte ich damals, wozu brauche ich das denn? Jetzt
habe ich die Antwort... Ich bin vor meinen Gefühlen davon gelaufen,
anstatt den Mut zu haben, dazu zu stehen. Mir ist klar geworden, dass wir
doch alle in derselben Welt leben. Natürlich haben wir alle andere
Lebensarten, aber wenn man den anderen akzeptiert, dann ist alles andere doch
unwichtig. Genauso wie ich den Mut zur eigenen Meinung brauche, brauche
ich auch Mut zur Liebe. Man sollte nicht aus Angst verletzt oder
verlassen zu werden davon laufen. Es wäre das Größte, wenn du uns noch eine
Chance geben würdest.", endete ich meine lange Erklärung. Es folgte nur
ein langes Schweigen, welches nur von dem Knacken in der Leitung
unterbrochen wurde. Mein Herz blieb für einen Augenblick stehen, weil ich
dachte Shane für immer verloren zu haben. Und endlich äußerte sich auch
Shane: "Ich vermisse dich so, mein Engel. Ich weiß gar nicht, wie ich es
ohne dich ausgehalten hätte. Natürlich gebe ich uns noch eine Chance.
Sag niemals es wäre zu spät... Ich liebe dich aus vollem Herzen!"
Dann fragte Shane wo ich grade wäre und dass er sofort zu mir fahren
würde.
Cathy sah mich triumphierend an, als ich auflegte. "Na, also! Da haben
sich die Liebenden doch wieder gefunden!"
Ich lachte fröhlich. "Ich habe noch eine gute Nachricht! Shane und Mark
wollen gleich vorbei kommen."
Wir warteten, beide glücklich, bis wir Shanes Auto vorfahren hörten.
Mark kam als erster auf uns zu und rief: "Shane kommt gleich nach."
Dann ging er auf Cathy zu und nahm sie liebevoll in den Arm und gab ihr
einen zärtlichen Kuss.
Ich sah Shane schon von Weitem und war so glücklich, wie noch niemals
zuvor.
Da ich es kaum noch abwarten konnte, Shane ihn meine Arme zu schließen,
lief ich ihm entgegen.
Ich lief und lief und es kam mir endlos lang vor.
Schließlich fingen mich Shanes starke Arme auf und wir küssten uns
stürmisch.
"Ich liebe dich so sehr.", flüsterte Shane mir zärtlich ins Ohr.

Im nächsten Augenblick war plötzlich alles vorbei. Ich hörte die Stimme
meiner Mutter rufen: "Doro, aufstehen!"
Und da wurde mir schlagartig bewusst, dass alles nur ein Traum war. Ich
war enttäuscht und zugleich glücklich über so einen wunderschönen
Traum.
Ich drehte mich zur Wand um, wo ein Poster von Westlife hing und
flüsterte zärtlich: "Danke. Danke, dass du mir immer so schöne Träume
bereitest. Danke, dass es dich gibt und dass du mir Hoffnung gibst. Danke, für
diesen wunderschönen Traum.
Danke für die 5 Tage im Paradies in dieser Nacht."
Dann fügte ich noch hinzu: "Ich liebe dich, Shane. Und ich werde es
auch tun,
wenn ich alt bin. Ich werde immer an dich denken. Und wünsche dir von
ganzem
Herzen, dass du glücklich wirst."

(written by Dorothea Aisenbrey (doro_ai(a)gmx.de) P.S. I never forget you Bry, Sha, Kian, Mark and Nicky, and I really hope that you’re all
happy some day! And Sha: I wish you’ll be happy with Gillian for all days! I love you with all my might, boys!!)

P.P.S. Hoffe es stört niemanden, dass Bryan noch mitspielt, aber die Story entstand noch in der "alten guten Zeit", als die Band noch zusammen war. Und für mich gehört Bryan irgendwie immer noch zur Band dazu und ich kann ihn doch nicht einfach Rauschneiden, oder? (Obwohl er viel Mist gebaut hat...) Naja, hoffe mal Bryan fängt sich wieder und steht seinem eigenem Glück nicht im Weg!